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RIJKSUNIVERSITEITTE UTRECHT
2671 392 9
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Lehrbuch.
c
ALLGEMEINEN THEEAPIE
der
Haussäugethiere.
Unter Mitwirkung von Prof. Dr. Schütz und Prot. Dr. Hiedamgrotzky
in Berlinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;in Dresden
bearbeitet und heransffeffeben
Dr. W. Ellenberger,
Professor an der KSnigl. TWerarznelschnle in Dresden
S- #9632; \ #9632;'- '#9632; #9632;. . .
^ # m, * #9632;-... #9632; M g
Berlin 1885. Verlag von August Hirschwald.
N.W, Unter den Linden B8.
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Vorrede.
IJerlach's Lehrbuch der allgemeinen Therapie der Haussäugethicre, eine der grössten Zierden der vetcrinärmedicinisehen Literatur, ist seit Jahren auch in der 2. Auflage vergriffen. Ein anderes, denselben Gegenstand behandelndes neueres (hierärztliches Werk existirt nicht. Ebenso wenig Cnden wir in der deutschen Literatur der Menschenheil-kunde ein Werk, welches den Thiorärzten Ersatz für den in der eigenen Literatur vorhandenen Mangel bieten könnte; denn es ist in den letzten 25 Jahren kein zusammenhängendes Lehrbuch der allgemeinen Therapie des Menschen publicirt worden*).
In Anbetracht dieser Thatsachen und in Anbetracht dessen, dass die für die rationelle Medicin und das ganze medicinische Denken so ausserordentlich wichtige allgemeine Therapie an den deutsoheu Thier-arzneischulen einen besonderen Lehrgegenstand darstellt, erscheint es erklärlich, dass der Wunsch nach einem diese Disciplin behandelnden Lehrbuche namentlich unter den Studirenden, wie ich dies als Lehrer und Examinator der allgemeinen Therapie an der hiesigen Anstalt wahrgenommen, lebhaft hervorgetreten ist.
Als die Aufforderung der Veriagshandlung an mich herantrat, ein Lehrbuch der allgemeinen Therapie zu verfassen, habe ich mich lange zögernd und ablehnend verhalten und mich erst, nachdem ich der Mitwirkung bewahrter Fachmänner versichert war, schweren Herzens
*) Das gross angelegte und vortreffliche Handbuch von Zicmssen belianfielt nur einige Capitel der allgemeinen Therapie.
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IV
Vorrede
und der Schwierigkeiten des Unternehmens wohl bewasst, entschlossen, den Auftrag anzunehmen. Hei der Abfassung des vorliegenden Lehr­buches haben mich nämlich ineine hochverehrten Collegen und Freunde, die Herren Prof. Dr. Schulz und Prof. Dr. Siedamgrotzky bereit­willigst unterstützt, indem sie mir nicht nur jederzeit mit ihrem Rathe zur Seite gestanden, sondern auch einige Capitel selbstständig bear­beitet haben. Von Herrn Dr. Schürz ist die „Geschichte der Therapiequot; (S. 347—384) verfasst worden, während Herr Dr. Sie­damgrotzky die Capitel: „Die Impf-, Desin feet ions-, die anti­septische, antizymotische und antiparasitische Methode (S. 39-2 — 449), die Kälte- und Wärmecuren, die Electro-, Knet- und Bewegungs-Therapiequot; (S. 468—490) bearbeitet hat. Beiden Herren sage ich für die mir gewährte bereitwillige und zuvorkommende Unterstützung hiermit öffentlich meinen verbind­lichsten Dank.
Ueber den Zweck, den nach meiner Ansicht ein Lehrbuch der allgemeinen Therapie zu verfolgen, und über die Aufgaben, die es zu lösen hat, habe ich mich in der „Einleitungquot; des vorliegenden Werkes ausgesprochen und überlasse es einer gerecht und zugleich mild artheilen­den Kritik, zu entscheiden, inwieweit die gestellten Aufgaben von mir gelöst worden sind. Die Mängel und Unvollständigkeiten, welche, trotz­dem ich weder Mühe noch Fleiss bei der Bearbeitung gescheut habe, in Folge der Schwierigkeit des Gegenstandes und in Folge der That-sache, dass keine neueren, die allgemeine Therapie behandelnden Lehr­bücher existiren, dem Werke anhaften, bitte ich nachsichtig beur-theilen zu wollen.
Für diejenigen Leser, denen die Lehre über die Naturhülfe zu ausführlich behandelt erscheint, bemerke ich zu meiner Rechtfertigung, dass ich die sogenannte Naturheillehre, in welcher das Verständniss für die gesammte allgemeine und specielle Therapie wurzelt, für ungemein wichtig halte, und dass ich bei Abfassung dieses Capitels den Wünschen befreundeter Collegen, welche den Kreisen angehören, für welche das Buch bestimmt ist (cfr. S. 6), und denen ich mein Manuscript zur Durchsicht übergeben hatte, dadurch nachgekommen bin, dass ich viel-
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gt;
Vorrede.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;V
fach erklärende Zusätze, breitere Auseinandersetzungen und Wieder­holungen nachträglich eingeschoben habe. Namentlich die letzteren, welche in einem Lehrbuche ebensowenig wie in einem Lehrzwecken dienenden Vortrage ganz zu vermeiden sind, möge man mir nicht zum Vorwurf anrechnen. Sie erscheinen dem Wissenden störend, werden aber den Studirenden und den mit der neueren physiologischen Schule weniger vertrauten Collegen nur erwünscht sein.
Bei der Bearbeitung der Gurmethoden habe ich mich ent­schlossen, jeder Gruppe derselben ein Capitel über die allgemeine Therapie der Functionsstörungen und der anatomischen Erkrankungen desjenigen Organcomplexes anhangsweise beizugehen, aufweichen die betreffenden Methoden einwirken. Diese Capitel machen durchaus keinen Anspruch auf Vollständigkeit: sie können vielmehr bei dem heutigen Stande der Therapie nur lückenhafte Skizzen darstellen, welche im Wesentlichen nur das bereits hei Abhandlung der Methoden Geschil­derte, wenn auch unter anderen Gesichtspunkten, besprechen. Wenn ich mich trotzdem entschlossen habe, dieselben aulzunehmen, so ge­schah dies abgesehen davon, dass sie auch einigen practisclien Wcrth haben dürften, vor allem deshalb, weil die Skizzen Gelegenheit gaben, das Material unter neuen Gesichtspunkten zu beleuchten und die Lücken unseres therapeutischen Wissens klar darzulegen, und weil nach meiner Ansicht die allgemeine Therapie die Aufgabe hat, nicht nur die gegebenen Thatsachen wissenschaftlich zu beleuchten und logisch und systematisch zusammenzufassen, sondern auch auf die vorhandenen Lücken aufmerksam zu machen, neue Gesichtspunkte zu eröffnen, theoretische Betrachtungen über das zu Erstrebende anzustellen und zum selbstständigen Denken, zum Forschen und wissenschaftlichen Arbeiten anzuregen. Von diesem Standpunkte aus wolle man die betreffenden Capitel beurtheilen. —
Die äussere Einrichtung des Buches betreifend, bin ich bemüht gewesen, durch Verschiedenheiten im Druck das Wesentliche vom weniger Wesentlichen zu scheiden und durch öftere Uebcrschriften und Inhalts­angaben das gesammte Material leicht übersehbar zu machen.
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VInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vorrede.
Incleni ich den Wunsch ausspreche, dass das Werk scineu Zweck erfüllen und eine wohlwollende Aufnahme finden möge, erübrigt es mir zum Schluss noch, den Herren Professoren DDr. Johne und Leisering für mir erlhcilto gütige Rathschläge und Herrn Prof. Dr. Hofmeister für die mir freundlichst bei der Correctur dieses Baches gewährte aus­giebige Unterstützung herzlichst zu danken.
Dresden, im August 1885.
.,-4--1
Der Terfasser.
i
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Inhaltsverzeichniss.
Einleitung-...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
Erstes Buch.
Allgemeiner Theil.
Erster Abschnitt. Die Selbsthülfe des thierischen Organismus.
Allgemeines...................nbsp; nbsp; nbsp;12
A.nbsp; nbsp; Erldärung des Xaturheilbestrebens...........nbsp; nbsp; nbsp;15
B.nbsp; nbsp; Der Selbstschutz der Thiere gegen Krankheitsursachen......nbsp; nbsp; nbsp;21
A.nbsp; nbsp; Das Zustandekommen der regulatorischen Vorgänge und ihre Be­deutung im Allgemeinen.............nbsp; nbsp; nbsp;23
B.nbsp; nbsp; Die Aeusserungen des Selbstschutzes.
1.nbsp; nbsp; Willlairlioho Acte............nbsp; nbsp; nbsp;33
2.nbsp; nbsp; Instinct................nbsp; nbsp; nbsp;33
3.nbsp; nbsp; Hunger, Durst, Lufthunger..........nbsp; nbsp; nbsp;36
4.nbsp; nbsp; Appetitlosigkeit.............nbsp; nbsp; nbsp;36
5.nbsp; nbsp; Gegenwirkung.............nbsp; nbsp; nbsp;36
6.nbsp; nbsp; Anpassung..............nbsp; nbsp; nbsp;36
7.nbsp; nbsp; Vermehrte und verminderte Se- und Excretionen ....nbsp; nbsp; nbsp;41
8.nbsp; nbsp; Kefleotorische Muskelbewegungen........nbsp; nbsp; nbsp;41
9.nbsp; nbsp; Ruhe................nbsp; nbsp; nbsp;41
10. Wachsthum..............nbsp; nbsp; nbsp;42
C.nbsp; nbsp; Die functionellen regulatorischen Vorgänge der thierischen Organe und Apparate.
1.nbsp; nbsp; Regulation der Innentemperatur........nbsp; nbsp; nbsp;42
2.nbsp; nbsp; Regulation der Circulation..........nbsp; nbsp; nbsp;45
3.nbsp; nbsp; Regulation der Blutbeschaffenheit........nbsp; nbsp; nbsp;48
4.nbsp; nbsp; Regulation der Respirationsstürungen.......nbsp; nbsp; nbsp;48
5.nbsp; nbsp; Regulation des Stoffwechsels.........nbsp; nbsp; nbsp;50
6.nbsp; nbsp; Regulation in nervösen Organen........nbsp; nbsp; nbsp;51
7.nbsp; nbsp; Regulation der Verdauungsorgane........nbsp; nbsp; nbsp;52
8.nbsp; nbsp; Regulation der Harnorgane..........nbsp; nbsp; nbsp;54
9.nbsp; nbsp; Regulation im Genitalapparat.........nbsp; nbsp; nbsp;55
^
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VIIInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[nhaltsverzeichniss.
D. Kampf gegen die Krankheitsursachen im Einzelnen.
1,nbsp; nbsp; Gegen die inneren physiologischen Krankheitsursachen . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;55
2.nbsp; nbsp; Gegen äussere Ursachen..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;57
C. Die Selbsthülfe bei Krankheiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; —quot;~T
A.nbsp; nbsp; Entstehung von Krankheiten...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;66
B.nbsp; nbsp; Ausgänge von Krankheiten...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;69
C.nbsp; nbsp; Naturheilprocesse..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;73
A.nbsp; nbsp; Aetiologische Naturheilnng.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;76
B.nbsp; nbsp; Genesungsvorgänge der Gewebe und Organe ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;80 I. Naturhülfe bei Krankheiten der Gewebe.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;81
A.nbsp; nbsp; Regressive Vorgänge.
a)nbsp; nbsp; Necrose...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;83
b)nbsp; nbsp; Necrobiose..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;86
o) Atrophie..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;88
B.nbsp; nbsp; Progressive Vorgänge.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;88
1.nbsp; nbsp; Hypertrophie.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;89
2.nbsp; nbsp; Homologe Regeneration......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9(1
3.nbsp; nbsp; Nicht homologe Regeneration.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;93
G. Geschwülste...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;93
Resume über Gewebsregulationen.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;94
D. Anomalien der anorganischen Gewebsbestandthoile .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;95 11. Regulatorische Vorgänge bei Krankheiten der Circula-
tionsorgane und Störungen der Circulation ....nbsp; nbsp; nbsp; 97
a) Bei Herzkrankheiten.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;98
li) Bei Anomalien an den Blutgefässen.
A.nbsp; nbsp; Allgemeine Kreislaufsstörungen ....nbsp; nbsp; nbsp;102
B.nbsp; nbsp; Oertliche Kreislaufsstörungen.....nbsp; nbsp; nbsp;104
1.nbsp; nbsp; Active Hyperämie......nbsp; nbsp; nbsp; 105
2.nbsp; nbsp; Passive Hyperämie . ....nbsp; nbsp; nbsp;106
3.nbsp; nbsp; Anämie.........nbsp; nbsp; nbsp;108
4.nbsp; nbsp; Thromben und Embolien ....nbsp; nbsp; nbsp;109
5.nbsp; nbsp; Blutungen........nbsp; nbsp; nbsp;111
6.nbsp; nbsp; Entzündung........nbsp; nbsp; nbsp;114
Hl. Regulation bei Krankheiten der Blutmischung und Blut-
raenge..............nbsp; nbsp; nbsp;118
IV. Regulation bei Störungen im Lymphgefässsystem . .nbsp; nbsp; nbsp;119 Sohlussbetrachtung über die Regulation des Blutes
und der Blutcirculation........nbsp; nbsp; nbsp;121
V. Die Regulationen bei Krankheiten der Organe.
1.nbsp; nbsp; Regulationen bei Krankheiten der nervösen Central-organe und der Nerven.........nbsp; nbsp; nbsp;122
2.nbsp; nbsp; Regulationen bei Krankheiten der Verdauungsorgancnbsp; nbsp; nbsp;124
3.nbsp; nbsp; Regulationen bei Krankheiten der Athmungsorgane und bei abnormer Athmung.......nbsp; nbsp; nbsp;128
4.nbsp; nbsp; Regulationen bei Krankheiten des Harnapparats und bei Anomalien der Harnsecretion......nbsp; nbsp; nbsp;135
.
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[nhaltsverzeichniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; IX
Stile
•quot;). Regulationen bei Abweichungen der lunenwärme .nbsp; nbsp; nbsp;lo7
ß. Regulationen bei Anomalien am Genitalapparat .nbsp; nbsp; nbsp;140
7.nbsp; nbsp; Regulationen bei Krankheiten der Bewegungsorgane
quot;^ und des [ntegiimontum commune......nbsp; nbsp; nbsp;141
8.nbsp; nbsp; Regulationen bei chirurgischen Krankheiten . . .nbsp; nbsp; nbsp;142
/weiter Abschnitt. Die K u n s 1 h ü 1 f e.
Einleitung.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 147
A. üeber das Verhalten des Thierarztes in der Praxis......nbsp; nbsp; nbsp;151
15. Die Vorbauung.
1.nbsp; nbsp; Die Vorbauung im weiteren Sinne.........nbsp; nbsp; nbsp;165
2.nbsp; nbsp; Die Vorbauung im engeren Sinne.........nbsp; nbsp; nbsp;167
A. Die Mittel der Vorbauung.
a)nbsp; nbsp; Diätetische Vorbauung.........nbsp; nbsp; nbsp;169
b)nbsp; nbsp; Therapeutische Vorbauung........nbsp; nbsp; nbsp;170
c)nbsp; nbsp; Polizeiliche Vorbauung.........nbsp; nbsp; nbsp;171
15. Die Objecto der Vorbauung.
a)nbsp; nbsp; Die entstehende Krankheit........nbsp; nbsp; nbsp;172
b)nbsp; nbsp; Die Krankheitsursachen.........nbsp; nbsp; nbsp;174
C. Das Verhalten des Thierarztes bei kranken Thieren......nbsp; nbsp; nbsp;182
1. Die Krankenerkenntniss und die Krankheitserforsohung. . . .nbsp; nbsp; nbsp;183
1. Die Befundanfnahme...........nbsp; nbsp; nbsp;184
a)nbsp; nbsp; Die Anamnese...........nbsp; nbsp; nbsp;180
b)nbsp; nbsp; Die unmittelbare objective Untersuchung ....nbsp; nbsp; nbsp;180
ct. Die Untersuchung des kranken Thieres .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;189
L'ntersuchungsmethoden.......nbsp; nbsp; nbsp;19]
Ordnung und Gang der Untersuchung . . .nbsp; nbsp; nbsp; 195
{i. Die sonstigen objectiven Feststellungen . .nbsp; nbsp; nbsp;202
2.nbsp; nbsp; Die Diagnose.............nbsp; nbsp; nbsp;202
3.nbsp; nbsp; Die Prognose.............nbsp; nbsp; nbsp;205
II. Die Behandlung..............nbsp; nbsp; nbsp;207
Die Indicalionen.............nbsp; nbsp; nbsp;212
Die Contraindicationen............nbsp; nbsp; nbsp;220
Der Curplan..............nbsp; nbsp; nbsp;221
a) Die. Curzwecke...........nbsp; nbsp; nbsp;222
h) Notwendigkeit des therapeutischen Einschreitens
1.nbsp; nbsp; Die Abwartungscur........nbsp; nbsp; nbsp;222
2.nbsp; nbsp; Das technokratische Heilverfahren .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;224
a)nbsp; nbsp; Das directe Heilverfahren ....nbsp; nbsp; nbsp;224
b)nbsp; nbsp; Das indirecte Heilverfahren ....nbsp; nbsp; nbsp;225
c)nbsp; nbsp; Die Radicalcur ... . .nbsp; nbsp; nbsp;226
ocr page 16
Inhaltsverzeichniss.
Seile
d) Die symptomatische Cur ....nbsp; nbsp; nbsp;228
a)nbsp; nbsp; Lebenscur......nbsp; nbsp; nbsp;229
b)nbsp; nbsp;Erhaltungscur.....nbsp; nbsp; nbsp;229
c)nbsp; nbsp; Linderungscui.....nbsp; nbsp; nbsp;230
c) Die Seilmethoden..........nbsp; nbsp; nbsp;230
Die Ausführung der Behandlung...... . .nbsp; nbsp; nbsp;233
Die Behandlung der Ausgänge der Krankheit.....nbsp; nbsp; nbsp;234
Die Heilmittel.................nbsp; nbsp; nbsp;237
Eintheilung................nbsp; nbsp; nbsp;238
[. Die Wirkungsweise der Heilmittel im Allgemeinen . . . .nbsp; nbsp; nbsp;242
A.nbsp; nbsp; Die Heilmittelwirkung ohne Resorption......nbsp; nbsp; nbsp;245
B.nbsp; nbsp; Die lleilmittelwirkung mit Resorption......nbsp; nbsp; nbsp;247
II. Die Gesammtwirknng der Heilmittel.........nbsp; nbsp; nbsp;254
Anhang. Die Erforschung der Heilmittel und ihrer Wirkungen .nbsp; nbsp; nbsp;2G0 III. Die Differenzen der lleilmittelwirkung.
1.nbsp; nbsp; Aeussere Umstände............nbsp; nbsp; nbsp;2ß3
2.nbsp; nbsp; Die Individualität des Patienten resp. des Versuchsthieros .nbsp; nbsp; nbsp;263
Beziehungen der Heilmittelwirkung zu den Krankheits-
processen............nbsp; nbsp; nbsp;265
1.nbsp; nbsp; Die antipathische Heilung......nbsp; nbsp; nbsp;266
2.nbsp; nbsp; Die derivatorische Heilung......nbsp; nbsp; nbsp;269
3.nbsp; nbsp; Homöopathische Heilung......nbsp; nbsp; nbsp;272
3.nbsp; nbsp; Die Beschaffenheit dos Heilmittels.......nbsp; nbsp; nbsp;273
4.nbsp; nbsp; Die Zubereitung und Form der Heilmittel.....nbsp; nbsp; nbsp;274
5.nbsp; nbsp; Die Application der Heilmittel........nbsp; nbsp; nbsp;280
1. Auf die Schleimhaut des Verdauungstractes . . .nbsp; nbsp; nbsp;281
1.nbsp; nbsp; Die innerliche Medication......nbsp; nbsp; nbsp;281
2.nbsp; nbsp; Die Application per rectum.....nbsp; nbsp; nbsp;284
3.nbsp; nbsp; Die Application auf Mund-u. Schlundschleimh.nbsp; nbsp; nbsp;285 11. Auf die innere Oberfläche des Respirationsapparats .nbsp; nbsp; nbsp;285
1.nbsp; nbsp; Auf die Nasen- und Rachenhöhlenschleiinhautnbsp; nbsp; nbsp;285
2.nbsp; nbsp; Die Tracbealiiijection.......nbsp; nbsp; nbsp;286
3.nbsp; nbsp; Die Inhalationsmethoden......nbsp; nbsp; nbsp;289
Die Methodik.........nbsp; nbsp; nbsp;291
Die Wirkungsweise der Inhalationen . .nbsp; nbsp; nbsp;293
Die Mittel.........nbsp; nbsp; nbsp;294
III.nbsp; nbsp; Auf andere zugängliche Schleimhäute ....nbsp; nbsp; nbsp;300
IV.nbsp; nbsp; Auf seröse und synoviale Häute und kranke Gewebenbsp; nbsp; nbsp;301 V. In das Blut............nbsp; nbsp; nbsp;302
VI. Auf die äussere Haut.........nbsp; nbsp; nbsp;303
A. Epidermatische Applicationsmethoden . . .nbsp; nbsp; nbsp;303
1. Ohne bezweckte Resorptionswirkung . . .nbsp; nbsp; nbsp;304
a) Hautreizende Curmethoden ....nbsp; nbsp; nbsp;304
Wirkung von Hautreizen ....nbsp; nbsp; nbsp;304
Hautreizende Mittel......nbsp; nbsp; nbsp;308
Indicationen........nbsp; nbsp; nbsp;313
Contraindicationen......nbsp; nbsp; nbsp;319
ocr page 17
[nhaltsverzeichniss,
XI
b) Die ätzenden Methoden . Wirkung der Aetzmittel Aetzmittel .... Indicationen .... (. Mit bezweckter Resorption .
Resorptionsvermögen dor Haut Jatroleptische Methode .
Aquapunctur.....
Chemisch-eleotrische Methode Endermatisohe Applicationsmethoden
1.nbsp; nbsp; Die deckenden Methoden
2.nbsp; nbsp; Die intracutane Application
3.nbsp; nbsp; Die subcntane Application . Wirkungen der Injectionen . Indicationen und Contraindicationen Mittel......
Seite
320 320 321
324
326 326
329 329 330 330 330 330 332 334 338 340
Zweites Buch.
Specieller Theil.
Erster Abschnitt. Die Geschichte der Therapie.
Die Geschichte der Therapie..............nbsp; nbsp; nbsp;347
Therapie der Alten...............nbsp; nbsp; nbsp;;j48
Therapie der Neuzeit..............nbsp; nbsp; nbsp;350
Brownianismus......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;........nbsp; nbsp; nbsp;y51
Rasori's und Köschlaub's System..........nbsp; nbsp; nbsp;3ä3
Homöopathie................nbsp; nbsp; nbsp;359
Isopathie.................nbsp; nbsp; nbsp;372
Specifiker..............., .nbsp; nbsp; nbsp;372
Mesmerismus................nbsp; nbsp; nbsp;374
Kademacher's System..............nbsp; nbsp; nbsp;378
Moderne Therapie...............nbsp; nbsp; nbsp;382
Zweiter Abschnitt.
Die Hcilraot,hoden.
Die allgemeinen Heilmethoden.
A. ]i\e causalen und prophylaktischen Heilmethoden
386
1.nbsp; nbsp; Die Impfung...........392
2.nbsp; nbsp; Die Desinfection..........409
,
ocr page 18
XII
Inhaltsverzeiohniss.
Seite
3.
Die antiseptische Methode........425
4.
Die antizymotische Methode ....
438
5.
(i.
Die antiparasitisclie Methode . . .
Die giftwidrige Methode......
442 449
li. Die s
onsligen allgemeinen Curmethoden .
4137
1.
Anwendung von Kälte und Wärme
1. Von ivälte......
2 Von Wärme .
4liS 469 476
2.
Anwendung der Electricität
478
3.
Die Massage......
486
4
Die Bewegung ...
489
5.
Die verdichtenden Methoden .
a)nbsp; nbsp; Tonisirende Methoden .
b)nbsp; nbsp; Verengernde Methoden .
c)nbsp; nbsp; Coagulirende Methoden .
d)nbsp; nbsp; Austrockmings-Methoden .
e)nbsp; nbsp; Vereinigungs-Methoden .
491 500 501 501
502 502
6.
Die erweichenden etc. Methoden
a)nbsp; nbsp; Auflockernde Methoden .
b)nbsp; nbsp; Erweiternde Methoden .
c)nbsp; nbsp; Lösende Methoden . .
d)nbsp; nbsp; Einhüllende Methoden .
e)nbsp; nbsp; Sonstige ähnliche Methoden
502 502 505 506 507 511
7.
Diätetische Methoden ....
A.nbsp; nbsp; Entziehungsdiät.
B.nbsp; nbsp; Stärkungsdiät ....
Entfottungscuren Künstliche Ernährung . Therapie der Gefahr.
512
517
. 525
530
. 538
. 540
Die speoielle
n Heilmethoden.
A. Metlioden, welche auf das Nervensystem einwirken . . . .')42
1.
Die erregende Methode.........54'.)
2.
Die beruhigende Methode........552
Allgemeine Neurotherapie.......561
Allgemeine Kinotherapie.......565
B. Metliorleii, welche die Innentemperatur beeinflussen . 566
E
•wärmungscuren...........5G7
Abkiihlungscuren...........570
ü
e fieberwidrige Methode.........571
C. Meth
öden, welche das Blut und die Circulation beeinflussen 586
1.
Blutentziehungen
A. Der Aderlass.........58(1
B. Oertliche Blutentziehungen.....593
2.
0,
Transfusion............590
l
Antiphlogistische Methode .
. 602
5
ocr page 19
[nhaltsverzeichniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;XIU
Seite
Allgemeine Bluttherapie.......nbsp; nbsp; nbsp;009
Allgemeine Circulationstherapie.....nbsp; nbsp; nbsp;613
Methodus cardiaca Stimulans......nbsp; nbsp; nbsp;615
Methodus cardiaca oontvastimnlans ....nbsp; nbsp; nbsp;('.IT
Angiotherapie..........nbsp; nbsp; nbsp;618
Iraquo;. Methoden, welche die Resorption beeinflussen ....nbsp; nbsp; nbsp;Vdl
1.nbsp; nbsp; Die die Resorption mindernde Methode ....nbsp; nbsp; nbsp;()2quot;2
2.nbsp; nbsp; Die laquo;lie Resorption belonlormlr Metliode ....nbsp; nbsp; nbsp;623 K. Methoden, welche die Haut und ihre Functioiien beeinflussennbsp; nbsp; nbsp;G28
1.nbsp; nbsp; Die antidiaphoretische Methode......nbsp; nbsp; nbsp;030
2.nbsp; nbsp; Die diaphoretische Methode.......nbsp; nbsp; nbsp;G30
Allgemeine Therapie der Hautkrankheiten . .nbsp; nbsp; nbsp;637
F.nbsp; nbsp; Methoden, welche die Harnorgane und ihre Funotionen beeinflussen.............nbsp; nbsp; nbsp;640
1.nbsp; nbsp; Die dinretische Methode........nbsp; nbsp; nbsp;640
2.nbsp; nbsp; Die antidiuretische Methode.......nbsp; nbsp; nbsp;648
Allgenieino Therapie der Krankheiten der Harn­organe ...........nbsp; nbsp; nbsp;649
G.nbsp; nbsp; Methoden, welche die Funotionen der Verdauungsorgane und die Verdauung beeinflussen........nbsp; nbsp; nbsp;1151
1.nbsp; nbsp; Die stomachische Methode........nbsp; nbsp; nbsp;652
2.nbsp; nbsp; Die säurewidrige Methode........nbsp; nbsp; nbsp;656
3.nbsp; nbsp; Die carminative Methode........nbsp; nbsp; nbsp;657
4.nbsp; nbsp; Die brechenerregende Methode.......nbsp; nbsp; nbsp;659
5.nbsp; nbsp; Die abführende Methode........nbsp; nbsp; nbsp;664
6.nbsp; nbsp; Die antemetische Methode........nbsp; nbsp; nbsp;tiSO
7.nbsp; nbsp; Die stopfende Methode.........nbsp; nbsp; nbsp;682
Allgemeine Therapie der Verdauungsstörungen und
der Krankheiten der Verdauungsorgane . .nbsp; nbsp; nbsp;683 II. Methoden, welche die Geschlechtsorgane und ihre Funotionen
beeinflussen..............nbsp; nbsp; nbsp;689
Allgemeine Therapie der Geschlechtsorgane . .nbsp; nbsp; nbsp;689
1.nbsp; nbsp; Methodus aphrodisiaca.........nbsp; nbsp; nbsp;691
2.nbsp; nbsp; Methodus anaphrodisiaca........nbsp; nbsp; nbsp;692
3.nbsp; nbsp; Methodus emmenagoga.........nbsp; nbsp; nbsp;692
4.nbsp; nbsp; Methodus abortiva..........nbsp; nbsp; nbsp;693
5.nbsp; nbsp; Methodus galactica..........nbsp; nbsp; nbsp;693
6.nbsp; nbsp; Methodus antigalactica.........nbsp; nbsp; nbsp;693
.1. Methoden, welche die Athmungsorgane und ihre Funotionen
beeinflussen..............nbsp; nbsp; nbsp;694
1.nbsp; nbsp; Die expectorirende Methode.......nbsp; nbsp; nbsp;694
2.nbsp; nbsp; Die hustenlindernde Methode.......nbsp; nbsp; nbsp;700
Allgemeine Therapie der Athmungsorgane und der
Athmung...........nbsp; nbsp; nbsp;703
Register . . . . '............nbsp; nbsp; nbsp;705
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Einleitung.
i/er Endzweck des medicinisehen und veterinärmedicinischen Studiums ist die Erlernung der therapeutischen Regeln und Grundsätze, die Aneignung der therapeutischen Kunst und Wissenschaft. Die The­rapie*) befähigt den Jünger der Medicin, die im Verlaufe des medi­cinisehen Studiums erworbenen Kenntnisse praktisch zu vervverthen, dem einzelnen Menschen und dem Staate, der Menschheit und der Thierwelt nützlich zu werden. Sie zeigt die praktische Anwendung der theoreti­schen Lehren und ist demnach die wichtigste medicinische Disciplin. Die übrigen medicinisehen Fächer sind gewissermassen Hülfswissen-schaften der Therapie, sie stellen Vorstufen derselben dar, sie sind die Sprossen einer Leiter, deren Gipfel die Therapie repräsentirt, und den man nur erreichen kann, wenn man Sprosse nach Sprosse emporsteigt.
Die Therapie ist eine auf Naturbeobachtung gegründete Naturwissenschaft, welche dem Arzte zeigt, wie er den ihm im praktischen Leben gestellten A ufgaben gerecht werden kann. Die Veterinärtlicrapie, d. h. die Therapie der Haussäugethiere, ist nur ein Theil der Therapie überhaupt. In ihr gelten dieselben wissenschaft­lichen Grundsätze und Kegeln, wie in der Therapie des Menschen. Die Veterinärtherapie unterscheidet sich von der letzteren nur durch die Natur des Objectes, auf welche sich das therapeutische Eingreifen zu erstrecken hat. Das ärztliche Handeln hat den Menschen, das thicr-ärztliche die Hausthiere zum Objeete.
Die Aufgaben des Thierarztes sind, die Hausthiere vor dem Erkranken zu bewahren, ihre Gesundheit zu erhalten und zu fördern, bei eingetretenen Erkrankungen die Gesundheit wieder herzustellen, resp.
*) dspaTteüui ärztlich behandeln; ^ dsparMa heisst die Besorgung eines Ge­schäftes, also auf Thierc angewandt, nicht blos die Heilung der Krankheiten der­selben; ij tfBpaxsurtxrj heisst die Lehre von der Besorgung rler Kranken. Anstatt Therapie hat man wohl auch das Wort latrik (iaTpsÜEo Arzt sein) gebraucht. Dieser Ausdruck hat sich aber nicht einzubürgern vermocht.
Ellenbergor, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
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2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einleitung.
die beschwerlichen und gefährlichen Krankheitssymptome zu lindern und zu bekämpfen.
Die Veterinärtherapie ist diejenige Wissenschaft, welche lehrt, wie der Thicrarzt die genannten Aufgaben zu lösen hat. Sie lehrt die Hausthiere in Rücksicht auf den Zweck der Erhaltung, För­derung und Wiederherstellung der Gesundheit wissenschaftlich kennen und wird eingetheilt in eine allgemeine und eine specielle Therapie.
Die specielle Therapie beschäftigt sich mit der Behandlung der einzelnen Krankheitsfälle, der Verhütung der einzelnen Leiden, dem Ver­fahren bei speciellen Seuchen u. dgl. Sie war ursprünglich rein em­pirischer Natur und verdiente den Namen einer Wissenschaft nicht. Die Erfahrung war die einzige Richtschnur des therapeutischen Handelns.
Die allgemeine Therapie bildete sich erst im Laufe der Zeit ganz allmälig aus der speciellen heraus und verlieh dieser das wissen­schaftliche Gewand. Sie entstand auf dem Wege der Abstraction aus den Erfahrungen, welche die Beobachtung und die Behandlung der einzelnen Fälle ergeben hatte.
Wie jeder Mensch aus der Summe der Erfahrungen, die er im Leben maebt, allgemeine Schlüsse über sein künftiges Verhalten und dergleichen zieht, so thaten dies auch die Aerzte aus den von ihnen seihst und von Anderen gemachten Erfah­rungen und Beobachtungen. Die festgestellten Thatsachen suchten sie in ihrem inneren Zusammenhange zu erkennen und zogen daraus Schlussl'olgerungen. Sie leiteten aus den speciellen Fällen die allgemeinen Grundsätze ab und fassten sie zu Dogmen zusammen. So entstand die allgemeine Therapie als eine deducirende Wissenschaft, so wurde die rohe Empirie zur hehren Stufe einer echten Wissenschaft erhoben. Die durch Deduction gewonnenen Grundsätze führten wieder zu iuduetiven Schlussfolgerungen und weiteren Forschungen.
Die allgemeine Therapie umfasst die Grundsätze und Regeln, nach denen der Thierarzt bei Erforschung, Erkennt­nislaquo; und Behandlung der kranken und bei Besorgung der gesunden Thiere zu verfahren hat. Sie lehrt das bewusstvolle, nach bestimmten Gründen und zu bestimmten Zwecken erfolgende thier-ärztliche Handeln.
Das thatsächliche Fundament der allgemeinen Therapie ist die ärztliche Erfahrung, die auf dem Wege der Beobachtung, der Forschung, des Experiments gemacht worden ist und gemacht wird.
Die allgemeine Therapie fusst auf den im Verlaufe der Zeit durch Forschung und Beobachtung festgestellten und als wahr erkannten Thatsachen und hat also eine empirische Basis. Sie ist aber insofern doch rationell, als sie nach be­stimmten Beweggründen handelt und aus dem Erfahrungsmaterial logische Schlüsse zieht. Aus der Kenntniss der krankhalten Vorgänge, der physiologischen und phy-
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
siatrischen Processlaquo; schliesst sie darauf, welche Veränderungen zu bewirken sind, damit die Heilung eintritt, resp. eintreten kann. Aus der Kennlniss der Heilmittel folgert sie dann, welche Mittel im spec.ielleu Falle in Anwendung gebracht werden müssen, um die Vorgänge hervorzurufen, welche die Heilung herbeizuführen ver­mögen u. s. w. Diese Sclilussfolgerungen kann sie nur machen, indem sie einer­seits die natürlichen Vorgänge im gesunden Thierkörper und diejenigen Processe, wodurch Verletzungen und Krankheiten mit oder ohne Kunsthülfe geheilt, gelindert oder verhütet werden, sludirt. und indem sie andererseits die Art und Weise, wie die bekannten Heilmittel auf den gesunden und kranken Thierkörper wirken, in Betracht zieht.
Mit Hülfe der Logik und Systematik wird es möglidi, die erfahrungsgemäss feststehenden Thatsachen im inneren Zusammenhange
aufzufassen, ihr gegenseitiges Verhallniss festzustellen und das noch Unbekannte zu kennzeichnen. Die allgemeine Therapie ist demnach eine philosophische Wissenschaft. Sie ist die auf klinische Beob­achtung und Physiologie gegründete Philosophie der heilen­den und vorbauenden Mcdicin. Sie entnimmt wohl erklärten Thatsachen die logischen Beweggründe für das thierärztliche Verfahren (rationelle Therapie). Nur in Ausnahmefällen geht die allgemeine Therapie auch von unerklärten, aber feststehenden Thatsachen aus (empirische Therapie) und basirt darauf Grundsätze und Regeln.
Die allgemeine Therapie begründet die Sicherheit im Handeln bei bekannten Krankheiten und giebt einen Leitfaden für das Verhallen beim Auftreten neuer, noch unbekannter Krankheitsformen. Sie bewahrt den Praktiker einerseits vor Ueberschätzung des eigenen Könnens, andererseits aber auch vor dem verzweitlungs-vollen Verzagen, indem sie ihm das erforderliche Selbstvertrauen verleiht; vor Allem aber bewahrt sie ihn vor dem Untergange in dem erbärmlichen Schlendrian der rohen Empirie, der Pfuscherei.
Der Thierarzt unterscheidet sich vom Pfuscher wesentlich dadurch, dass er bewusstvoll nach bestimmten Gründen, die den allgemeinen therapeutischen Grund­sätzen entnommen sind, handelt, Sache des klinischen Lehrers ist es. die Stu-direnden stets auf die allgemeinen therapeutischen Regeln hinzuweisen, sie an die Methode der Behandlung der kranken Thiere nach allgemeinen therapeutischen Grundsätzen zu gewöhnen und sie vor dem empirischen Behandeln der speciellen Krankheitsfälle zu warnen.
Die allgemeine Therapie kann nur von demjenigen richtig erfasst und inquot;s praktische Leben übersetzt werden, der allgemein naturwissenschaftliche Kenntnisse besitzt, und der vor allen Dingen die gesunden und kranken Thiere in allen ihren Eigenschaften genau kennt.
Wer die schöne Aussicht von einem hohen Berge geniessen will, darf den mühsamen Weg nicht scheuen, der zum Gipfel des Berges führt: er rauss die Hindernisse überwinden und die Beschwerden ertragen, welche die Ersteigung des Berges mit sich bringt. So geht es auch dem Studirenden der Thierheilwissenschaft. Er muss die Physiologie und Anatomie, die Pharmakologie, die Pathologie und pathologische Anatomie u. s. w. beherrschen, er muss ihre Lehren sich zu eigen
1*
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4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
gemacht haben, wenn er die Therapie mit Nutzen studiren und ein guter Therapeut werden will. Ohne Kenntniss der genannten Wissenschaften, d. h. ohne Kenntniss der Vorgänge, die im gesunden und kranken Thierkörper ablaufen, und derjenigen Proeesse, welche durch die Heilmittel im gesunden und kranken thierischen Körper hervorgerufen werden, kann Niemand die allgemeine Therapie gründlich verstehen, und ohne Kenntniss dieser, d. h. der Theorie der Therapie, kann Niemand ein guter praktischer Tliierarzt, ein hervorragender und umsichtiger Heilkünstler werden. Die genannten Disciplinen (Physiologie etc.) sind die Vorstufen der allgemeinen, und diese selbst ist die Basis der speciellen Therapie. Es gab eine Zeit, in der man die praktische Schule überschätzte und die Notwendigkeit der theoretischen Kenntnisse leugnete. Man pflegte wohl zu sagen, wie man ein guter Denker sein kann, ohne die Einrichtung des Gehirns zu kennen, wie man ein ausgezeichneter Tänzer zu sein vermag, ohne Kenntniss von der Mechanik der Gliedmassen zu haben, und wie man ein Meister im Geigenspiel sein kann, ohne mit den Eigenschaften der Därme. Hölzer, Haare, die zum Geigen nothwendig sind, bekannt zu sein, so kann man auch ein guter Arzt werden, ohne die physiologischen und pathologischen Vor­gänge im Thierkörper zu kennen. Niemand wird heutzutage diesen Satz noch zu vertheidigen wagen. Die Zeiten der üeberschätzung der praktischen Ausbildung sind vorüber.
Man weiss jetzt, dass zum sicheren Einschreiten bei kranken und zur richtigen Behandlung der gesunden Thiere bedeutende theoretische Kenntnisse nothwendig sind. Man weiss. dass man kranke Thiere nur dann richtig behandeln kann, wenn man im Besitze einer genauen Kenntniss des kranken Thieres überhaupt und der Krankheit im Speciellen nach ihren Symptomen und deren physiologischen Deutung, nach ihrem Verlauf, ihrer Dauer, ihrem wahrscheinlichen Ausgange ist. Man weiss, dass man daraus erst ersehen kann, ob und wie einzugreifen, ob das Eingreifen überflüssig oder direct schädlich ist und dergleichen. Die theoretischen Kenntnisse Ichren, bei welchen Krankheitsprocessen der natürliche Krankheitsverlauf zur Heilung ausreicht, und bei welchen dies nicht der Fall ist. und sie lehren, wie die Kunst­hülfe im letzteren Falle zweckentsprechend zu leisten ist. Sie veranlassen auch den Arzt zu einer kritischen Prüfung jeder in Anwendung gebrachten therapeuti­schen Methode, sie befähigen ihn, allgemeine logische Schlussfolgerungen aus den speciellen Beobachtungen zu ziehen, sie lehren aber auch, dass letzteres nur statt­haft ist. wenn eine grössere Reihe sorgfällig beobachteter ähnlicher Fälle vorliegt.
Aus allen diesen Betrachtungen ergiebt sich die Wichtigkeit der allgemeinen Therapie, d. h. der Lehre von der Theorie des He ilgeschäftes. Wer das Studium der allgemeinen Therapie vernachlässigt, sinkt allmälig aber sicher zum Pfuscher herab.
In einem Lehrbuche der allgemeinen Therapie müssen die feststohenden therapeutischen und physiatrischen Thatsachen im inneren Zusammenhange in systematischer Ordnung logisch dargestellt worden. Dabei ist zu raarkiren, was noch unbekannt, was also noch zu er­forschen ist.
Die Betrachtung muss davon ausgehen, zu zeigen, wie hei den allgemeinen Krankheitsprocessen die natürlichen Genesungen zu Stande kommen, und in welchen Fallen ein Eingreifen von Seiten
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
des Arztes nothwendig, wann es überflüssig und wann es schädlich ist. Es sind die fundamentalen Heilbedürfnissc des Organismus zu schildern, und es ist zu zeigen, mit welchen Heilmitteln und Heilmethoden diesem genügt werden kann, wie die Heilungs­bedingungen hergestellt und die Heilungshindernisse künstlich beseitigt werden können. Dabei ist aber die An und Weise, wie die Kunsthülfe zu leisten ist, nur in allgemeinen Zügen zu schildern, und es sind die speciellen therapeutischen Zwecke unter allgemeinere Gesichtspunkte zu bringen und nur allgemeine Kegeln zur Vor­bauung, Heilung und Linderung der Krankheiten zu geben. Die allgemeine Therapie soll also das Heilgeschäft nur im Allgemeinen lehren, nicht aber auf die einzelnen Krankheitsformen näher eingehen.
Die Aufgaben, welche die allgemeine Therapie zu lösen hat. sind nach Gerlach: „Den rechten Weg zwischen unfruchtbarer Speculation und roher Empirie zu zeigen, das Mannigfaltige unter allgemeine Gesichtspunkte zu bringen, die Wirkungen der Mittel und Methoden auf allgemeine Gesetze zurück­zuführen. Einheit und Zusammenhang in die specielle Be­handlung zu bringen, das Besondere im Allgemeinen an­schaulich zu machen. Anleitung zum bewusstvollen Handel n und praktischen Tacte, dem praktischen Thierarzte einen rationellen Führer an die Hand zu geben, der ihm auch in den verzweifelten Fällen rathend zur Seite steht und ihn mindestens vor Missgriffen schützt, wo ein concreter Fall fremdartig erscheint und nicht unter die bekannten Krank-lieiisformen des nosologischen Systems unterzubringen ist.quot;
In Bezug auf die Einrichtung des vorliegenden Werkes sei be­merkt, dass ich bestrebt gewesen bin, mich da. wo es mir angängig erschien, an das ausgezeichnete und unübertreffliche Werk Ger lach s (Lehrbuch der allgemeinen Therapie der Häusthiere) anzulehnen, um den älteren Collcgen, die sämmtlich das Gerlach'sche Buch siudirt haben und im Besitze desselben sind, das vorliegende Werk leicht übersehbar zu machen. An manchen Stellen habe ich es nicht unter­lassen können, die geistreichen Ausführungen Gcrlach's wörtlich zu citiren.
Auch bezüglich der technischen Ausdrücke habe ich, so weit es möglich war, die älteren von Gerlach gebrauchten beibehalten und keine neuen gebildet. Man sollte in der Medicin bemüht sein, nur da die fremden Sprachen entlehnten Kunstausdrücke zu gebrauchen, wo man mit der Muttersprache nicht auskommt. Von thierärzllicher Seite
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6nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
kann aber diese Reform nicht ausgehen. Wir Thierärzte müssen die Sprache reden, welche in der Medicin gebräucMich ist. Mit der Zeit wird man auch dort ebensowohl, wie es in militärischen, juristischen und postalischen Kreisen geschehen ist. lernen, die Dinge und die Pro-cesse deutsch zu benennen. So lange die Mediciner die fremden tech­nischen Ausdrücke gebrauchen, müssen wir dies in der Thicrheilkunde ebenfalls thun. Der Thierarzt würde sonst nicht in der Lage sein, die medicinischen Werke zu verstehen und als ungebildet erscheinen. Das ist der Grund, warum ich oft die fremdsprachlichen technischen Aus­drücke anstatt der guten deutschen Worte gebraucht habe.
Literaturangaben sind in dem vorliegenden Werke nicht ge­geben, und auch die Autorennamen nur da angefügt worden, wo es sich um neue, noch streitige Anschauungen handelte. Mir erschienen Literaturangaben deshalb überflüssig, weil die allgemeine Therapie sich auf Thatsachen stützt, welche in anderen thierärztlichen Disciplinen be­sprochen werden. Sie benutzt diese Thatsachen blos, um daran Schluss­folgerungen, Lehrsätze und Regeln zu knüpfen. In den Lehrbüchern, in denen die der allgemeinen Therapie zur Grundlage dienenden That­sachen ihre Besprechung finden — es sind dies die Werke über Phy­siologie, allgemeine Pathologie, Pharmakologie. Diätetik, spccicllo The­rapie — werden auch die betreffenden Literatur- und Autorenangaben gemacht. Demgemäss konnten diese Angaben, um Raum zu ersparen und die üebersicht zu erleichtern, in dem vorliegenden Werke weg­bleiben. Da in neuerer Zeit kein Lehrbuch über allgemeine Therapie erschienen ist, so waren auch in dieser Richtung keine Literaturangaben zu machen.
Das vorliegende Werk bringt demjenigen, der die Literatur stets fleissig ver­folgt und studirt hat, vielleicht nichts Neues. Es fasst aber das zerstreute, schwer übersehbare Material geordnet zusammen und bringt es unter allgemeine Gesichts­punkte. Für denjenigen, der forschend und lehrend in der Wissenschaft steht und die gesammte medicinische Literatur genau verfolgen kann und pflichtmässig ver­folgen muss, ist das Werk nicht geschrieben, sondern für den beschäftigten Prak­tiker, dem dies unmöglich ist, und für den Studenten, der aus ihm die Regeln und Grundsätze sich zu eigen machen will, nach denen er im praktischen Leben zu verfahren hat. und dem es ein Bedürfniss ist. in sein reiches specielles Wissen eine feste Ordnung hineinzubringen und die allgemeinen Gesichtspunkte zu erkennen, nach denen im conoreten Falle zu verfahren ist.
Das ganze Werk zerfällt in zwei Bücher. Das erste Buch behandelt den allgemeinen, das zweite den spocicllcren Theil der allgemeinen Therapie.
Das erste Buch besteht wieder aus zwei Abschnitten. Der erste schildert die Selbsthülfc dos Organismus, der zweite die allgemeinen Grundsätze der Kunsthülfe.
Die Lehre von der Selbsthülfe des Organismus (die Physiatrik oder die Naturtherapeutik [Hufeland]) bedurfte einer eingehenderen
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
Besprechung, und dies um so mehr, als sie trotz der grosseu Wichtig­keit, die sie zweifellos für den Therapeuten hat, in den letzten Jahr­zehnten etwas stiefmütterlich behandelt worden ist.
üeber die Naturhülfe sagt Jahn mit Rechl: „Eine Idee, die zu den ver­schiedensten Zeiten, in den verschiedensten Landein, unter den verschiedensten Umständen, bei dem verschiedensten Stande menschlicher Dinge überhaupt und des menschlichen Wissens und der menschlichen Einsicht insbesondere von den geist­reichsten Männern ausgesprochen und aufrecht gehalten worden ist. muss Wahrheit in sich tragen.''
Die Lehre von den Naturheilungen ist die Grundlage der gesammten praktischen medicinischen Wissenschaft, sie muss überall zum Maass­stabe des praktischen Handelns dienen. Sie ist die Basis der gesammten Heilkunst. Leider muss zur Jetztzeit noch jede Abhandlung über die organische Selbsthülfe unvollständig und lückenhaft sein. Das ergiebt sich für Jeden Unbefangenen aus dem jetzigen Stande der Medicin.
Der Abschnitt über Selbsthülfe des Organismus zerfällt in 3 Capitel:
1)nbsp; Das erste Capitel behandelt den Begriff der Selbsthülfe und zeigt, wie diese in der nach feststehenden unveränderlichen Gesetzen entstandenen Organisation der Thiere begründet ist.
2)nbsp; Im zweiten Capitel wird der Selbstschutz des Organismus gegen Krankheitsursachen, d. h. die natürliche Prophylaxis behandelt.
3)nbsp; nbsp;Das dritte Capitel beschäftigt sich mit den Selbstheilungon der Krankheitsprocesse.
Der zweite Theil dieses Werkes resp. des ersten Buches enthält eine Schilderung der Kunsthülfe in allgemeinen Zügen. In diesem Ab­schnitte werden die Bedingungen gezeigt, unter denen ein rationelles thierärztliches Verfahren nöthig und möglich ist: es werden die Auf­gaben, welche dieses zu lösen, die Anzeigen, die aufzufinden und aus­zuführen sind, und die Mittel, über welche die Kunsthülfe verfügt, vor­getragen, und es wird auseinandergesetzt, wie die Mittel wirken and wie sie in Anwendung zu bringen sind.
Der zweite Theil zerfällt in 5 Capitel. Diese behandeln:
1)nbsp; Das Verhalten des Thierarztes im praktischen Leben im All­gemeinen.
2)nbsp; Die künstliche Vorbauung gegen Krankheitsursachen.
3)nbsp; Die Erkenntniss der Krankheit und aller Verhältnisse des kranken Thieres.
4)nbsp; Die Behandlung der Erkrankten.
5)nbsp; Die Heilmittel.
Das fünfte Capitel bildet eigentlich nur einen Theil des vierten. Der Wich­tigkeit und Ausdehnung dos Gegenstandes gemiiss erschien es aber angezeigt, ein
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8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
besonderes Capitel über die Heilmittel, ihre Wirkungsweise, ihr Verhaltniss zu den Krankheiten, ihre Anwendungsart u. s. w. einzufügen.
In diesem Capitel sind aus wesentlich formellen Gründen einige Curmethoden als Applicationsmethoden besprochen worden, die ebensowohl im dritten Theile des Werkes ihre Stelle hätten finden können. Es sind dies die In halation sm etho den, die subcutane Arzneiapplication, die hautreizenden und ätzenden Curmethoden.
Jede dieser Methoden hat rücksichtlich der Wirkungsweise der Heilmittel, über welche sie verfügt, und rücksichtlich der Curzwecke. die mit ihrer Anwendung verfolgt werden, nur wenig Gemeinsames in sich, deshalb Hessen sich dieselben in den im dritten Theile, resp. im zweiten Buche des Werkes beabsichtigten Plan nicht gut einfügen. Da aber die Art der Application der Heilmittel jeder dieser Methoden etwas Wesentliches darstellt, und da auch in jeder Methode die Appli-cationsweise der einzelnen Mittel gleich oder ähnlich ist, so wurde es vorgezogen, diese Methoden im ersten Buche unter dem Abschnitte „Application der Heilmittelquot; abzuhandeln.
Wenn diese Anordnung des Stoffes auch aus logischen nnd anderen Gründen bemängelt werden kann, so möge die Thatsache zur Entschuldigung dienen, dass jedes Eintheilungssystem eines Lehrbuches mangelhaft ist.
Das zweite Buch stellt gewissermassen den dritten Theil des Werkes dar, der sich an den zweiten Theil, der über Kunsthülfe handelt, direct anschliesst und die specielleren Regeln derselben in Form von sogenannten Curmethoden hespricht. Es umfasst denjenigen Abschnitt der allgemeinen Therapie, den man als den speciellen Theil der­selben bezeichnet hat. Es bringt die aus dem ersten und zweiten Theile zu ziehende praktische Anwendung. In ihm wird gezeigt, wie Natur- und Kunsthülfe vereint zum Wohle der kranken Thiere die zweckentsprechenden Veränderungen im Organismus hervorrufen.
Aus den wissenschaftlich aufgestellten allgemeinen Anzeigen (Grün­den) für das thierärztliche Eingreifen sind die sogenannten fundamen­talen Curmethoden formulirt worden. Die Aufstellung dieser Me­thoden hat die Therapie zum Range einer induetiven Naturwissenschaft erhoben (Whewell). Sie ermöglicht die Würdigung aller in den ver­schiedensten Werken zerstreuten Heilmittel und Methoden und deren übersichtliche Zusammenstellung. Durch diese Aufstellung wird die gesammte Hcillehre je nach den durch das ärztliche Verfahren zu er­reichenden Zwecken in einzelne Abschnitte getheilt und übersehbar gemacht.
Der Thierarzt hat bei seinem Eingreifen nähere und entferntere Zwecke im Auge. Die entfernteren sind: die Vorbauung, die Heilung, die Linderung, die Lebensrettung. Um diese ent­fernten Zwecke zu erreichen, muss gewissen näheren erst genügt werden. Es müssen z. B. gewisse Veränderungen im Leben des Orga-
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
nisraus vor sich gehen, die eventuell künstlich einzuleiten sind, wenn die Heilung gelingen soll. Solche nähere Zwecke, die der Thierarzt bei der Behandlung im Auge hat, sind z. B. Erregung von Schwitzen, Herabsetzung der Innenwärme, Erhöhung des Blutzuflusses zu einem Thcile, Ersatz einer verloren gegangenen Decke, Anregung der Ver­dauung, Isolirung der Kranken.
Das nähere Ziel kann durch Anwendung gewisser Heilmittel und Methoden erreicht werden. Es ist aber nicht immer nur ein Heil­mittel, nur eine Methode, welche die Erreichung des Zieles ermöglicht, sondern es führen oft verschiedene Wege zu demselben Ziele, so dass die Anwendung verschiedener Heilmittel und die-Einleitung verschiedener Vorgänge zu gleichem Zwecke eintreten kann.
Jede Curmethode lehrt, auf welchen Wegen und durch welche Mittel ein bestimmtes näheres Ziel zu erreichen, und bei welchen Krankheitsprocessen und unter welchen Umständen der betreffende Zweck zu verfolgen ist. resp. das betrofl'endc Ziel erreicht werden muss. Keine Curmethode beschränkt sich nur auf eine Krankheit (es liegt z. ß. bei vielen Krankheiten die Anzeige zur Entleerung des Darmcauales vor), sondern immer auf eine Reihe, eine Gruppe von Krankheiten. Anderer­seits kann es aber auch nothwendig werden, bei derselben Krankheit verschiedene Curmethoden in Anwendung zu bringen (^bei einer schmerz­haften Verstopfungskolik z. B. ist die abführende und die schmerz­stillende Methode indicirt).
Die einzelnen Curzwecke sind sehr mannigfaltig, und danach müsste eine sehr grosse Anzahl von Curmethoden aufgestellt werden. Dadurch würde aber die üebersicht über das Gebiet der Therapie bedeutend erschwert und Unklarheit und Verwirrung geschaffen werden. Um dies zu vermeiden, vereinigt man stets eine Reihe von Zwecken zu einem Hauptzweck und stellt danach eine Curmethode auf. (Beispiel: Zweck kann sein a. Herabsetzung der Resorption im Darm. b. Steigerung der Secretion, c. Anregung der Peristaltik. Der Hauptzweck, der bei allen drei Methoden erreicht wird, ist Abführwirkung. Demgemäss wird nur eine Methode, die abführende Curmethode abgehandelt.) Das Detail der einzelnen Methoden erkennt man aus den in den Pharmakologien gegebenen Zusammenstellungen der Heilmittel oder der Arzneimittel nach der Wirkungsweise.
Die Grenze zwischen dem, was in den speciellen Theil der allge­meinen Therapie und dem. was schon anderen Disciplinen angehört, ist schwer zu ziehen. Man kann darüber ganz verschiedener Meinung sein. Unbedingt erforderlich erscheint es mir, dass bei Besprechung jeder Curmethode nach Aufstellung der Curzwecke und nach Feststellung der Verhältnisse, unter denen dieselben gegeben sind, die allgemeinen Grundsätze entwickelt, nach denen zu handeln ist, und dass diejenigen Mittel und Methoden angegeben worden, die heutzutage als solche bekannt sind, mit denen man den betreffenden Curzwecken gerecht
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10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung'.
werden kann. Ob dazu spezielle praktische Angaben über die Heil­mittel und Applicationsmethoden beizugeben .sind, ist Ansichtssache.
Gewisso Methoden, die usuell in besonderen Werken behandelt werden, sollen in diesem Buche nur in ihren Grundzügen angedeutet werden (das staatsthierärztliche Verjähren, die Hygiene, die chirurgischen Methoden u. s. w.)quot;)-
Die Abhandlung der Garmethoden kann heutzutage noch nicht in einer fehlerfreien Iveihenlblge, resp. Eintheilung geschehet!.
Am besten würde eine derartige Eintheilung sein, bei der man die Krankheiten jedes Organs, resp. jeder Organgruppe allgemein therapeutisch beleuchtete, z. B. allgemeine Therapie der Hautkrankheiten, der Krankheiten der Verdauungsorgane, der Harnorgane u. s. w. Das ist aber heutzutage noch unmöglich. Es muss des­halb an der alten Eintheilung' der Curmethoden nach den näheren Zwecken (in harntreibende, schweisserregende u. s. w.) festgehalten werden.
Die nach den näheren Curzweckeii eingetheilten und bezeichneten Curmethoden kann man in grössere Gruppen zusammenfassen. Danach thcill man die Curmethoden ein:
1)nbsp; nbsp;nach der Art der Wirkungsweise der Mittel in:
a.nbsp; nbsp;physikalische.
b.nbsp; nbsp;mechanische,
c.nbsp; nbsp;chemische:
2)nbsp; nach den Hauptzielen in:
a.nbsp; nbsp;radicale,
b.nbsp; nbsp;causale,
c.nbsp; nbsp;prophylaktische,
d.nbsp; nbsp;symptomatische,
e.nbsp; nbsp;ableitende Methoden u. s. w.;
3)nbsp; nach den Organgruppen, welche sie bewirken:
a.nbsp; nbsp;Methoden, welche wesentlich auf resp. durch die Ver-dauungsorganc wirken,
b.nbsp; nbsp;Methoden, welche wesentlich auf resp. durch den Kreislauf und den Blutdruck wirken,
c.nbsp; nbsp;Methoden, welche wesentlich auf resp. durch die Blut­beschaffenheit einwirken,
d.nbsp; nbsp;Methoden, welche wesentlich auf resp. durch das Nerven­system wirken u. s. w.
Bei Abhandlung der einzelnen Curmethoden muss von der breiten physiologischen Basis ausgegangen worden. Deshalb erscheint es auch angezeigt, dieselben in der ad 3 angegebenen Eintheilung nach den
t
*) Die gewerblichen und socialon thierärztliohen Fragen haben eine besondere Berücksichtigung nicht finden können. Es schien mir dies nicht in den Rahmen einer allgemeinen Therapie zu gehören. Diese ungemein wichtigen Fragen müssen an anderer Stelle besprochen werden. Wesentlich sind es die thierärztlichen Vereine, deren Pflicht es ist, rasttos zur Hebung des thierärztlichen Standes und zur Hebung der Thierärzlc selbst zu wirken.
L
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11
physiologischen Funetionen zu besprechen. Es wird dies in dem vor­liegenden Lelirbuche geschehen. Eine kurze Darstellung der physio­logischen Funetionen jedes Organapparats oder Organsystems wird die Schilderung der therapeutischen Methoden, welche auf oder durch die betreffenden Organe wirken, einleiten.
Zur Vervollständigung und um Wiederholungen zu vermeiden, müssen noch zwei besondere Capitcl in das zweite Buch eingeschaltet werden, nämlich eine Abhandlung über die Principicn der physikalischen und mechanischen Heilmethoden, und eine Schilderung der causal on und prophylaktischen Curmethoden (z. B. der antiparasitären [anti-septischen, antimykotischen, desinficirenden etc.], der antidotischen Methoden).
Einen selbstständigen Abschnitt der allgemeinen Therapie bildet die Lehre von der Geschichte der Therapie, in der diejenigen Heilsysteme, welche ihre Schatten auf die heutige Therapie werfen, spceiellcr zu berücksichtigen sind.
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Erstes üSiach.
Allgemeiner Theil.
Erster Abschnitt.
Die Selbsthttlfc des thierischen Organismus.
Einleitung.
Allgemeines. Bs ist oine von Alters her bekamite Thatsache, dass viele Krankheiten von selbst heilen, d. h. dass viele Krankheiten
in Genesung übergehen, ohne dass eine von aussen kommende, vom Menschen geleistete Hülfe in Anwendung gelangt und wirksam wird. Von Niemandem ist dieses Factum je bestritten worden, lieber die Art und Weise des Zustandekommens der als Selbstheilungen, Naturheilungen bezeichneten Vorkommnisse haben die Anschauungen oft gewechselt.
In Anbetracht der Wichtigheit des Gegenstandes ist es begreiflich, dass die denkenden Aerzte aller Zeiten sich mit Erklärungsversuchen der Naturheilungen beschäftigt haben. Namentlich bestrebte man sich stets, den Urgrund, die letzte Ursache des Zustandekommens dieser Processe zu erforschen. In dieser Richtung existirten wesentlich zwei Anschauungen. Nach dor einen sind die Naturheilungen der Austluss einer besonderen im Thierkörper vorhandenen Kraft, nach der anderen sind sie einfach das Werk des selbstthätigen, autonom schaffenden Organismus und stellen Lebensprocesse dar, die auch im gesunden Organismus ablaufen.
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Anschauung der Alten über die Selbstheilungen. Bei der uns be­kannten Vorliebe der Alien, zu personificiren und überall besondere Kräfte zu vermuthen. kann es uns nicht überraschen, dass nur wenige hervorragende Geister die Selbstheilungen als Acie des Organismus, als einen Ausfluss der organisirten Materie betrachteten. Wir müssen es vielmehr ganz natürlich finden, dass die meisten alten Aerzte an­nahmen, dass eine besondere Kraft im Organismus vorhanden sei, welche den Zweck habe, die Krankheiten zu heilen, und die bösen Kräfte resp. Geisler, welche die Krankheit darstellen sollten, zu be­kämpfen. Die heilende Kraft sollte nach der Ansicht Einiger stets im Organismus wirksam sein, während wieder Andere annahmen, sie wohne nur im kranken Organismus. — Von allen denkenden Acrzten aber isi die heilende Kraft der Natur hochgeschätzt, und von ihnen allen sind deren Aeusserungen eifrig studirt worden.
Geschichtliches. Unter den Forschern der alten Zeit waren es in erster Linie Hippokrates und Galenus, welche den Selbst­heilungen des Organismus bezüglich der ärztlichen Kunst eine grosse Bedeutung beilegten und deren Studium eifrig empfahlen. Später sehen wir besonders Paracelsus, van Helmont, Sydenham und Stahl und viele Andere als warme Vertreter der Naturheillehre auftreten. (Wir nennen beispielsweise noch: Aretäus. Celsus. Fernelius, Boerhave, Frank. Reil. Hufeland, Jahn.)
Vor Haller nahm man eine Kraft, die Anima, im Thierkörper an, welche den Körper bildete, erhielt und, wenn er erkrankte, zur Genesung führte. Nachdem man aber durch Haller die Irritabilität, also die complicirten Vorgänge in verschiedenen Organen kennen gelernt hatte, hielt man die Anima zur Erklärung der Lebensprocesse nicht mehr für genügend und schul' gegen Ende des vorigen Jahrhunderts den Vitalismus, dessen eifrigster Vertreter Eufeland war.
Die Anhänger des Vitalismus in Deutschland nahmen anstatt der einen Anima zwei Kräfte an: eine Ms vitalis, welche den Körper bildete und erhielt, und eine Vis naturae medicatrix, welche krankhafte Störungen ausglich. Für den letzteren Ausdruck hat man später den alten, schon von Hippokrates gebrauchten Namen „Naturquot; {(pvöig) benutzt. Man stellte die Natur ungemein hoch, sie kam gleich hinter der Gottheit, stand aber dem Menschen näher, als diese.
Aus den Vitalisten gingen unter, den Acrzten die Physikraten*) hervor, welche den Technokraten**), welche nichts von einer im Organismus gegebenen heilsamen Kraft wissen wollten, gegenüberstanden. Erstere erwarteten Alles von der Natur, sie beobachteten die Krank­heiten genau und richteten ihre Handlungen so ein, dass die Krank-
*) xjuütos file Macht, Gewalt; pümg die Natur. *) ij TS%vrj die Kunst {zs/wiZw künstlich machen).
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heiten möglichst ohne Störungen ahliefen. Sie überliessen die Heilung der Natur. Sie banden sich also genau an die Vorgänge des natür­lichen Verlaufes der Krankheit und griffen niemals störend in denselben ein. Für sie galt der Satz voll und ganz: „Medicus esto non magister, sed minister naturae.quot; entgegen den Technokraten, welche sich für diequot; Magistri naturae hielten.
Die naturhistorische Schule Schönlcin's. welche von 1820—1840 herrschte, stand auch auf der Basis der Physikraten. Schönlein studirte den gesetzmässigen Verlauf der Krankheit und kam zu der Ansicht, dass jede Krankheit gesetzmässig verlaufen müsse. Der Arzt dürfe deshalb in den Krankheitsverlauf nicht eingreifen, sondern müsse der Natur die Heilung überlassen. Diese Methode der Behandlung nannte man die exspectative Methode. Von dieser durfte man nach Schönlein nur bei gewissen Krankheiten abweichen.
Diese, wie wir heute wissen, falsche Vorstellungen von dem Wesen und dem Verlauf der Krankheiten und von der Naturheilkraft führten zum Schaden der leidenden Thiere und Menschen zu höchst bedenklichen niedicinischen Lehren. So gebaren die Schönloin'schen Anschauun­gen in ihrer äussersten Consequenz den Nihilismus, das ärztliche Nichts-thun, wie es Skoda*) lehrte. Auch die Homöopathie, der Mesme-rismus und ähnliche mystische Heillehren entstanden auf der Basis des Vitalismus.
Es hat dies zur Folge gehabt, dass man in neuerer Zeit die For­schungen bezüglich der Selbstheilungen weniger eifrig betrieben und dass man sich gewöhnt hat, über die Forderung, dass der Arzt der Minister naturae sein soll, vornehm zu lächeln.
Dies ist aber ebenso falsch, wie die alte Lehre, welche die Natur­heilkraft wie eine Gottheit verehrte.
Selbstverständlich muss von der neueren, materialistisch denken­den, möglichst auf der realen Basis der sinnlich wahrnehmbaren That-sachen fassenden Medicin die Lehre von der goheimnissvoll heilenden Kraft, d. h. die dynamische**) Anschauung vom Naturheilbestreben verlassen werden. Aber den Selbsterhaltungstrieb der Thiere, das zweck-mässig wirkende Naturheilbestreben leugnen wollen, heisst den That-sachen ins Gesicht schlagen. Wer gesunde Sinne zum Beobachten hat, muss einsehen, dass der thierische Organismus sich stets selbst heilt, und dass der Arzt niemals eine Heilung künstlich machen kann, dass der Arzt stets der Minister naturae sein rauss und niemals ihr Magister sein wird, dass das ganze
*) Es sei hierzu ausdrücklich bemerkt, dass die Ursache der nihilistischen Lehre zum Theil auch in den iiathologisch-anatomischen Studien zu suchen ist. Die damals neue pathologisch-anatomische Forschung musste bei unrichtiger Auffassung der Naturheilprocesse nothwendig zum Nihilismus führen.
**) ij Swaixiq die Kraft.
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ärztliche Wirken auf der Konntniss der sogenannten Natur­heilvorgänge beruhen muss, und dass derjenige Arzt seiner Pflieht nicht geniigen kann, der dem Studium der Natur-lieilvorgänge nicht mit Eiter obliegt. Das Natui'heilbestreben lässt sieh nicht leugnen, es lässt sich nur anders erklären; es bestellt in der Eigenschaft des Organismus, sich vor Krankheiten zu schützen oder Krankheiten zu heilen, resp. zu lindern und das Leben zu erhalten.
A. Erklärung des Naturheilbestrebens.
Correlation des thierischen Organismus und der Aussenwelt. Die
Thiero sind als Lebewesen abhängig von der Aussenwelt. Das thierische Leben besteht in einer lebhaften Wechselwirkung, Correlation, zwischen dem thierischen Körper einerseits und den ihn umgebenden Dingen andererseits. Die Wechselbeziehungen zwischen beiden sind mannig­faltiger Natur.
Angriffe der Thiere auf die Aussenwelt. Der Organismus greift die Aussenwelt an, um sich gewisser Dinge, deren er zu seiner Existenz bedarf, zu bemächtigen. Das Bestehen des thierischen Orga­nismus hängt nämlich wesentlich davon ab, dass er sicii gewisse Aussendinge dienstbar und nutzbar macht, als z. 15. Luft, Wasser, Nahrungsmittel. Er nimmt ununterbrochen Stoffe aus der Aussenwelt auf und zeugt daraus den eigenen Stoff und die eigene Thätigkcit, er bemächtigt sich organischer Stoffe und macht sie zu Theilen seiner selbst, er bemächtigt sich der Sonnenkraft-*). indem er sich dieselbe in den sie in Spann kraft form enthaltenen Pflanzen zu eigen macht und damit seine Functionen vollführt u. s. w. Bei diesem Bestreben der Thiere, sich der ihnen nothwendigen Dinge zu bemächtigen, stellen sich ihnen viele Hindernisse (z. B. andere Thiere, die dieselben Bedürfnisse haben) entgegen, die sie überwinden und besiegen müssen, wenn sie ihre Existenz sichern wollen.
*) Die Kraft der Sonne baut in den ehloroplnilhalligen Ptlanzen/.ellen die Eiweisskörper, Kohlehydrate und Fette ans Kohlensäure, Wasser und Ammoniak auf. Die zu dieser Arbeit verbrauchte lebendige Kraft wird in latente Kraft umgesetzt und wohnt den organischen neu gebildeten Körpern inne. — Die Thiere fressen die Pflanzen und nehmen damit die Spannkräfte auf. Danehen schaffen sie mit der Athmung Sauerstoff in ihren Körper. Der Sauerstoff zersetzt die organischen Bestand-theile, er zerstört die Krweisskörper, Kohlehydrate und Fette. Dadurch worden die in diesen enthaltenen Spannkräfte frei und erscheinen als Wärme, Elektricität, Be­wegung und dergleichen im Thierkörper.
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Dies ist, abgesehen davon, dass die Thiere noch Dinge aus sich heraus an die Aussenwelt abgeben (Harn, Schweiss, Epidermisschuppen, Kohlensäure, Wasser u. s. w.), die eine Seite der Beziehungen zwischen der Aussenwelt und den Lebewesen. Sie besteht in einem Kampf der_ Lebewesen um die zum Leben nothwendigen Dinge, der sich gegen Alles richtet, was die Aneignung dieser Dinge erschwert oder behindert.
Yertheidigung der Thiere gegen die sie bedrohende Aussenwelt. Die andere Seite der Beziehungen ist darin gegeben, dass die Aussen­dinge fortwährende Angriffe auf den Organismus ausüben, gegen welche sich derselbe zum Zwecke der Selbsterhaltung Schritt vor Schritt ver-theidigen muss. Sie besteht also auch in einem Kampfe, der den Bestand des Lebens und des thierischen Organismus bezweckt. Der Kampf richtet sich gegen alle diejenigen auf den thierischen Organismus von aussen einwirkenden Einflüsse, welche das Leben, resp. das ße-stehen des thierischen Organismus bedrohen. Dieser Kampf ist tbeil-weise ein defensiver, insofern er in einfacher Abwehr der bedrohenden Einflüsse besteht, 1 heilweise aber auch ein offensiver (in der Defensive), insolern der thierische Organismus die Einflüsse vielfach offensiv zurück-schlägi, oder insofern als er sich derselben bemächtigt und sie sich dienstbar und nutzbar macht und so verfährt, wie eine von Feinden angegriffene Nation, welche diese besiegt und zu Sclavcn macht. Wahrend #9632;/.. 13. der Sauerstoff der atmosphärischen Luft in Verbindung mit Wasser und Wärme jeden organischen Körper in kurzer Zeit durch Umwandlung, Zersetzung und dergleichen vernichtet, bemächtigt sich der thierische Organismus desselben und macht ihn sich dienstbar, so dass er für die Erhaltung des Lebens wesentlich bedingend wird. '
Der Kampf um's Dasein. Es erhellt aus Vorstehendem, dass die Thiere zum Zwecke der Selbsterhaltimg sich in einem fortwährenden Kampfe befinden, der einerseits Aufnahme nothwendiger, an­dererseits Abwehr schädlicher Dinge und Einflüsse bezweckt und der offensiv und defensiv geführt wird.
Wir nennen diesen Kampf den Kampf um die natürlichen Existenzbedingungen, den Kampf um's Dasein. Er ist so alt, wie die Lebewesen überhaupt, d. h. er begann mit der Entstehung des ersten Lebewesens. Er richtet sich gegen die Unbilden der Witterung, des Klimas, des Bodens, der Temperatur, gegen andere Lebewesen, namentlich solche, welche ähnliche Existenzbedingungen haben u. s. w.
Folgen des Kampfes nm's Dasein. In dem angedeuteten Kampfe unterlagen und unterliegen noch heute unendlich viele organische Wesen. Schliesslich muss jedes Individuum in diesem Kampfe unterliegen, es
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erkrankt, resp. es stirbt. Der Kampf reibt auf und bedingt die schliess-liche Erschöpfung, den Tod. Jede Stunde gesunden Lebens documentirt einen Sieg über die widrigen, das Leben bedrohenden Einflüsse. Erhält sich der thierische Organismus in dem Kampfe bis zur Fortpflanzung, hat er Nachkommenschaft erzielt, dann hat er seinen Zweck erreicht, er hat einen vollständigen Sieg davon getragen.
Je besser nun ein Individuum für diesen Kampf in Rücksicht auf die speciellen, es umgebenden Aussenverhältnisse eingerichtet ist, um so mehr Aussicht hat es, den gedachten Zweck zu erreichen, d. h. zu siegen. Deshalb nennen wir eine derartige kräftige Organisation, welche den Sieg verspricht, eine zweckmässige.
Wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, so werden der fiegel nach nur die zweckmassig organisirten Individuen zur Fort­pflanzung gelangen, während die anderen vorher in dem Kampfe urns Dasein zu Grunde gehen.
Vererbung und ihre Folgen. Vermöge der bekannten und allgemein als richtig anerkannten Gesetze der Vererbung werden die guten Eigenschaften der siegenden Individuen auf die Nachkommenschaft übertragen. Unter dieser entbrennt nun aber der Kampf von Neuem, sowohl unter einander, als gegen die sonstigen Ausseneinfliisse. Es siegen wieder die günstiger organisirten und gelangen zur Fortpflanzung und Vererbung ihrer Eigenschaften.
AVenn demgemäss die zweckraässiger organisirten Individuen im Kampf um's Dasein siegen, während die mangelhaft und schlecht orga-nisirten zu Grunde gehen, wenn die guten Eigenschaften sichere Aus­sicht haben, vererbt zu werden, während die schlechteren hierauf in viel geringerem Maasse Anspruch haben, dann ist es klar, dass im Verlaufe von Jahrmilliarden die Organisation der Thiere eine immer vollkommenere und zweckmässigere werden musste. Dies würde selbst dann eintreten, wenn das Entstehen der den Sieg verleihenden Eigenschaften und Organisationen rein dem Zufall anheim gegeben wäre. Diese zufällig entstandene zweckmässige Organisation würde dann vererbt und in den Nachkommen durch weitere Vererbung befestigt (constant) worden sein.
Das Zustandekommen der Organisation und das Erwerben der siegenden Eigenschaften ist aber nicht dem Zufalle anheimgegeben. Es entsteht im Gegentheil die innere Einrichtung der Organismen nach ganz bestimmten, vom Schöpfer festgestellten Gesetzen.
Anpassung. Das für unsere Betrachtung wichtigste Gesetz ist das der Anpassung. Alle Lebewesen adaptiren sich, insoweit sie sich
Eilenberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
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die Ausscnpinflüssc nicht direct dienstbar machen können, diesen mehr oder weniger und gewinnen so unter Umständen die Herrschaft über dieselben. Je besser sich ein Organismus adaptirt. d. h. je zweck­entsprechender zu den Aussenverhältnissen sich die Organisation um­ändert, um so sicherer siegt er im Kampfe um's Dasein, namentlich gegenüber den ihm ähnlich beschaffenen Lebewesen. Die auf dem Wege der allmäligen adaptirenden Umbildung gewonnenen Eigenschaften sind aber ebenfalls erblich, und zwar werden sie um so sicherer vererbt, je zweckmässiger sie sind. Sie werden durch die Vererbung erhalten und befestigt. Die Gesetze der Adaption bedingen also in Verbindung mit den Vcrerbungsgesetzen, dass die Lebewesen im Verlaufe der Zeit immer zweckmässiger in ihrer Organisation werden. Alle heute existirenden Thiere und Pflanzen sind im Verhältniss zu den Ausseneinflüssen, denen sie ausgesetzt sind, verhältnissmässig zweck-mässig eingerichtet.
Teleologie. In diesem Sinne ist heutzutage die Teleologie*), die ZweckiT.ässigkeitslehre der Alten, aufzufassen. Die thatsächlich vor­handene Zweckmassigkeit der thierischen Organisation ist nur als eine nothwendige Folge der in der Natur gegebenen, den Kampf um's Dasein bedingenden Verhältnisse anzusehen.
Nach der vorstehenden Betrachtung liegt es in der zweckmässigen Organisation der Thiere begründet, dass jedes Thier eine Reihe von zur richtigen Zeit wirksamen Kampfmitteln besitzt, die es befähigen, den widrigen, ihm feindlichen Ausseneinflüssen mehr oder weniger zweckmässig zu begegnen, d. h. sich vor Nachtheil zu schützen.
Aussei- den äusseren bekannten Waffen, der verhornten Epidermis, dem Haarkleide, den Hörnern, Hufen, Zähnen, Sinnesorganen u. s. w. sind auch im Inneren eine ganze Reihe von zweckentsprechenden Schutz­vorrichtungen vorhanden, welche den Organismus befähigen, schädliche Eingriffe ohne wesentliche Störung des Allgemeinbefindens, ohne bleibende und tiefgehende Functionsstörungen der Organe zu ertragen.
Schutzkraft des Organismus. Die Folge der Wirkung aller Schutz­vorrichtungen und Kampfmittel ist, dass der Organismus vor Krankheit und frühzeitigem Tode geschützt wird.
Es ist dies eine Seite der sogenannten Naturheilkraft, des Naturheilbestrebens. Der Zweck ist in diesem Falle nicht Heilung einer vorhandenen Krankheit, sondern Schutz vor den Erkrankungen.
*) Te/.T/Sii and rs/Jwg vollkommen, Äöyog die Lehre.
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Fast Alles, was die Thiere äusseren Einflüssen gegenüber tluin, geschieht aus dem Bestreben, sich regulatorisch vor dem Tode zu schützen. Es ist der Selbsterhaltungstrieb, der die Handlungen bestimmt, mögen sie willkürlich oder unwillkürlich, zum Schütze der Erhaltung des Individuums, zum Schütze vor persönlicher Vernichtung oder zur Er­haltung der Gattung geschehen (das Fliehen der Thiere beim Heran­nahen einer Gefahr, der Kampf um die Nahrung, das Zusammenkrümmen bei der Kälte, die Begattung, die Brutpflege u. s. w.).
Die Schutz bedingenden Vorgänge sind der nothwendige Ausfluss der Materie, der thierischen Organisation; sie sind die Reaction des Organismus gegen die Aussenverhältnisso. die zufolge der vorhandenen gesetzmässigen Organisation, welche der Organismus durch Vererbung und Anpassung im Kampfe unrs Dasein erwerben musste und erworben hat, nothwendig so eintreten muss, wie sie eintritt. Dass die Reaction in der Regel zweckmässig ist, ergiebt sich aus dem vorstehend in Betreff des Kampfes unrs Dasein Geschilderten.
Erkranken des Organismus. Nicht immer aber und nicht unter allen Umständen ist die Reaction zweckentsprechend, und selbst wenn sie dies ist, erreicht sie nicht immer ihren Zweck, die Gesunderhaltung. Einmal hat der thierische Organismus noch lange nicht den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht. Sodann aber herrscht ein zu be­deutender Wechsel in den äusseren Einflüssen, als dass jederzeit ein wirksamer Schutz möglich sei.
Oft ist der Schutz ungenügend, die Reaction unzweckmässig u. s. w. Dann wird der Organismus entweder vernichtet, oder es wird wenig­stens die normale Verrichtung der Organe, die Harmonie der Lebensvorgänge gefahrvoll gestört. Im letzteren Falle sprechen wir von Krankheit. Die Krankheiten können natürlich je nach der Natur der einwirkenden Schädlichkeit, des betreffenden Organs, der Thierart u. s. w. ausserordentlich vorschieden sein.
Immer aber stellen sie eine Störung der Lebcnsharmonie dar, die veranlasst ist durch die Reaction des thierischen Organismus gegen bedrohliche Einflüsse.
Heilkraft des Organismus. In dem Leben des kranken Organismus gelten dieselben Gesetze, wie im gesunden. Es läuft aber unter ab­normen Bedingungen ab und bietet deshalb Gefahren für den Bestand des betroffenen Theiles oder des ganzen Individuums. Wenn im kranken Organismus dieselben Gesetze herrschen, wie im gesunden, dann muss der Organismus vermöge der ihm angeerbten zweckmässigen Einrichtungen bei krankhaften Abweichungen von der Norm
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stets bestrebt sein, zur Norm zurückzukehren oder durch Anpassung der Functionon der verschiedenen Organe an die abnormen Bedingungen, d. b. an die vorhandenen Abnormi­täten einen Ausgleich zu schaffen, der dio Möglichkeit des Bestehens des Organismus bezweckt.
Dieses Bestreben des Organismus für die Existenzfähigkeit seiner selbst, für die Erhaltung des Lebens nach eingetretener Erkrankung, für die Rückkehr zur Norm ist die zweite Form der Selbsthülfe des Organismus. Das erstrebte Resultat ist die Genesung, die Regulation, und wenn dies unmöglich, die Linderung der Krankheit. Man nennt den Vorgang die Selbstheilung.
Eintheilung der Selbsthülfe. Die Selbsthülfe des thierischen Orga­nismus, die sogenannte Naturheilkraft, äussert sich nach Vorstehendem in zwei Richtungen:
1) als Vorbeugung gegen Erkrankungen, als Selbstschutz, als natürliche Prophylaxis*);
•2) als Hülfe bei eingetretenen Erkrankungen, als Selbst-heil ung.
Die Selbsthiilfe tritt je nach dem gegebenen Falle in den ver­schiedensten Aeusserungen in die Erscheinung, und es wird unsere Aufgabe sein, diese Aeusserungen eingehender zu besprechen. Vor allen Dingen aber werden wir die inneren Vorgänge zu studiren haben, welche den Aeusserungen zu Grunde liegen, und die Wege, welche der Organismus einschlägt, um das betreffende Ziel zu erreichen.
Der Selbsterhaltungstrieb. Die Selbsthiilfe des thierischen Orga­nismus ist durchaus nicht der Ausfluss einer besonderen Kraft, sondern sie ist die Folge der gegebenen Organisation. Der Zweck ist die Selbsterhaltung; die Ursache ist der sogenannte Selbsterhaltungs­trieb. Der Selbsterhaltungstrieb herrseht überall, sowohl im allge­meinen Leben des Weltalls, als in dem besonderen Leben des Erd­körpers, als in den Producten des letzteren. Die complicirtc Art und Weise, wie sich der Trieb bei den hochorganisirten Thieren äussert, ist die Folge des Kampfes um's Dasein. Der Trieb äussert sich im gesunden und im kranken Leben zwar stets nach denselben Gesetzen, aber angepasst den zufällig obwaltenden Bedingungen.
Wenn die sogenannte exaete Wissenschaft dem Selbsterhaltungstriebe nicht diejenige Beachtung geschenkt hat, die ihm gebührt, wenn sie das Studium der Naturheilkraft wegen des mystischen Anstriches, den
* • -//oyi/ac ilor Vorwiiclitcr, ij TT/iovri/.uzu die Vorsicht.
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die Lehre derselben von Alters her an sich trägt, nicht eifrig betrieben hat, dann ist dies zum Schaden der medicinischen Wissenschaften ge­schehen. Der A.rzt darf nicht nur mit dem rechnen, was er mit der Pincette fassen und mit dem Mikroskop sehen kann; er muss auch mit den Kräften rechnen, die vom Schöpfer gegeben sind, und deren Ent­stehen ihm wahrscheinlich ewig unerklärt bleiben wird.
Die Aeusserungen und Formen, in denen der Selbsterhaltungstrieb auftritt, und das Zustandekommen der zweckinässigen Organisation sind, wie wir dies vorstehend kennen lernten und wie aus den nachfolgenden Schilderungen noch specieller hervorgehen wird, leicht zu erklären, und bedarf es dazu keiner mystischen Aussprüche und keiner geheimniss-vollen Redensarten und hochtrabenden Phrasen. Jede Erklärung und Beweisführung muss aber von dem Satze ausgehen, dass jedes ex-istirende Wesen bestrebt ist, sich selbst zu erhalten. Eine Erklärung für diesen Trieb, der die Erhaltung des Individuums und die Erhaltung der Art, der Gattung u. s. w. bezweckt, giebt es nicht. Hier steht der menschliche Geist in seinem Forschen still, er anerkennt das thatsäühlich Vorhandene und bewundert die schaffende Kraft, das heisst den Schöpfer, der die Kräfte gegeben, und der die Gesetze bestimmt, nach denen die Kräfte wirken.
B. Der Selbstschutz der Thiere gegen Krankheits­ursachen. Die Vorbauung des Organismus.
Einleitung.
Die Lehre vom Selbstschulz der Thiere hat die Eigengesetze des Organismus zu besprechen, nach denen er sich vor dem Tode und dem Erkranken möglichst bewahrt.
Die vorn geschilderte lebhafte Correlation, die zwischen dem Orga­nismus und der Aussenwelt herrscht, die Abhängigkeit des ersteren von vielen Aussendingen, Licht, Luft, Nahrung, Temperatur, Bodenverhält­nisse u. s. w. bedingt Gefahren für den Organismus. (Mangel an Nahrung, an Luft und Sauerstoff hat den Tod zur Folge, zu viel Licht, zu starke Schallwellen, zu hohe oder zu niedere Temperatur, mechanische Erschütterungen wirken gefahrdrohend auf die Thiere ein.) Diesen Gelähren gegenüber befindet sich der thierische Organismus auf dem fortwährenden qui vive!; er bekämpft sie defensiv und offensiv, hält die schädlichen Einflüsse ab, oder mildert sie, oder beugt ihren nach­theiligen Folgen vor.
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So kommt der Selbstschutz des Organismus gegen das Erkranken und gegen die Vernichtung zu Stande. Er ist in der Organisation be­gründet und der nothwendige Ausfluss derselben.
Die Physiologie und theilweiso auch die Anatomie umfasst die Lehre vom Selbstschutz. Die ganze Einrichtung und der feinere Bau des Körpers und seiner Organe lehrt uns, inwiefern sie geeignet sind, Schädlichkeiten abzuhalten oder dieselben ohne Nachtheil zu ertragen. In der Härte, Dehnbarkeit, Elasticität, Permeabilität, resp. Iraper-meabilität etc. der Gewebe und Häute liegt vielfach ihre Fähigkeit, ge­wisse Einwirkungen ohne Schaden zu empfangen oder das Einwirken derselben ganz und gar zu hindern.
Reaction auf gewohnte Einflüsse. Die Physiologie lehrt, dass auf jeden äusseren Eingriff eine Reaction, eine Gegenwirkung des Organismus folgt und sie lehrt auch, in welchen Bahnen sich dieselbe bewegen muss. Die zweckmässige Einrichtung des Organismus ist der Grund, weshalb die Reaction den gewöhnlichen regelmässi-gen Einwirkungen gegenüber stets zweckmässig sein muss und auch gegen ungewöhnliche Einflüsse meist zweckmässig ist. Die Reactionen auf regelnlässige Einflüsse, auf den Einfluss des Lichtes auf das Auge, des Sauerstoffes auf das Blut, der Schallwellen auf das Gehörorgan, der Wärme und Kälte auf die Haut u. s. w. werden in der Physiologie beschrieben.
Reaction auf regelwidrige Einflüsse. Die Reactionen auf un­gewohnte, regelwidrige Einflüsse, das heisst auf Einflüsse, die stärker oder schwächer oder anderer Natur als die normalen, oder die den normalen zwar gleich sind, aber den Organismus am unrichtigen Ort, in zu rascher Abwechselung, zur unrechten Zeit u. s. w. treffen, bewegen sich in denselben Bahnen, in denen die physiologischen Reac­tionen ablaufen, sie sind aber stärker oder schwächer u. s. w. und sind nicht immer zweckmässig.
Wie die Lehre von den Reactionen auf die normalen Reize Gegen­stand der Physiologie ist, so bildet die Betrachtung der nicht zweck­mässig erfolgenden Reactionen einen Gegenstand der allgemeinen Pathologie. In der allgemeinen Therapie haben wir uns nur mit den zweckmässigen Gegenwirkungen des thierischen Organismus gegen ungewohnte, anormale Einflüsse zu beschäftigen.
Uebersicht.
Die Besprechung des Selbstschutzes wird in folgender Weise er­folgen. Wir werden:
A. das Zustandekommen regulatorischer Vorgänge im
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Allgemeinen, namentlich die Rolle, welche das Nerven­system dabei spielt, betrachten. Dann werden
B.nbsp; nbsp;die Formen und Aeusserungcn besprochen werden, in denen die inneren Vorgänge in die Erscheinung treten (Hunger, Durst, Appetitlosigkeit, Instinct u. s. w.), dann folgt:
C.nbsp; nbsp;ein Capitel über die wesentlichsten Regulationen der einzelnen im Thierkörper ablaufenden Funclionen, im Speciellen: der Wärmebildung und Wärmeabgabe, der Re­spiration, der Circulation, des Stoffwechsels u. s. w. Darauf wenden wir uns
D.nbsp; zur Besprechung der speciellen schützeuden Vorrichtungen, die der Organismus gegen die äusseren Scbädlich-keiten im Einzelnen einleitet, dem ätiologischen Capitel (Schutz gegen Kälte, Wärme, fremde Körper, Druck, Stoss, Parasiten u. s. w.).
A. Das Zastaudekonuuen der regulatorischen Vorgänge und ihre Bedeutung im Allgemeluen.
Die hohe Organisation unserer Hausthiere und des Menschen biotut unendlich viele Regulationsvorrichtungen, deren Aufgabe es ist, ununterbrochen in dem Sinne thätig zu sein, dass die Wirkung äusscrcr Schädlichkeiten durch Gegenwirkungen paralysirt werde, damit die Ge­sundheit erhalten bleibe. Nur wenn der Regulationsapparat gestört wird, oder wenn eine Ueberschreitung der Regulation eintritt, entsteht Krankheit.
1. Das Nervensystem als Regulator.
Bekanntlich besteht jedes höher organisirte Wesen aus mikrosko­pischen Einheiten (Lebensherden), den Zellen, und ihren Derivaten. Alle diese Zellen arbeiten zwar für sich; jede Zelle, jeder Theil, jedes Organ hat seine eigene Function, aber alle arbeiten auch zum Wohle des Ganzen. Dadurch wird das Ganze zu einer Einheit.
Correlation im Thierkörper. Zellen und Theile stehen in Corre­lation untereinander, um dem gemeinsamen Zwecke, der Erhaltung des Ganzen dienen zu können. Diese Correlation ist bei höher organisirten Wesen aber nur dadurch möglich, dass die Theile durch ein besonderes Gewebe unter einander verbunden sind, welches Nachrichten von einem Theile zum anderen übermittelt. Dieses Gewebe ist das Gewebe des Nervensystems.
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Nervöse Centra. Offenbar existiren in jedem Organe des Thier-körpers kleine Norvencentra, welche die Function derselben über­wachen und festsetzen. Diese directen Organcentra unterstehen wieder höheren Centren, welche vielen Organen zugleich vorstehen, es sind die übergeordneten, indirecten Centra, die z. B. im Rückenmark oder in sympathischen Ganglien liegen. Diese unterstehen oft wieder höheren Centren, denen noch mehr Organe untergeordnet sind und die sich in der Medulla oblongata und dem Gehirnstock befinden. Alle diese endlich können noch von den Gro sshirn herais phären beherrscht werden, von denen die Regulation der gesammten Lebens­vorgänge erfolgt.
Nerven. Die Oentralorgane sind durch Nerven mit den Unter­centren und den Organen verbunden, sie dirigiren das Eingreifen der Nerven, welches die Erregung oder Hemmung, Verstärkung oder Schwächung, Beschleunigung oder Verlangsamung der Organthätigkeit veranlasst.
Sinnesapparate. Andererseits besteht aber auch eine Nerven Ver­bindung des Centraiorgans mit gewissen Apparaten, sogenannten Sinnes­organen, welche den Zweck haben, alle äusseren und inneren Einwirkungen aufzunehmen. Die betreffenden Nerven melden die auf diese Endapparate stattgehabten Einwirkungen, centripetalleitend, dem Centralorgan. Auf diese Weise ist dasselbe stets orientirt über Alles, was innerhalb und ausserhalb des Körpers in Beziehung auf den­selben vorgeht und kann danach seine Massnahraen treffen.
Das Centralncrvensystem besitzt also zwei Arten von Nerven. Durch die eine Art empfängt es Meldungen von den verschiedensten Seiten, durch die andere Art sendet es Befehle an die Muskeln und andere Gewebe und regt deren Thätigkeit oder ordnet Ruhe der­selben an u. s. w. (Beispiel. Es wirkt Kälte auf die Hautnerven ein. Diese melden es dem Centrum. Dieses ordnet Massnahmen an, um die Nachtheile der Kälte zu vermeiden, z. B. gesteigerte Verbrennung im Körper.)
Die Organisation rler Thiere stimmt vollständig mit der einer guten Armee überein, die ihren Vorposten- und Patrouillendienst in Feindesland, eine Gliederung in Ober- und Untercommandirende und dergleichen besitzt. Wie die Armee einem allgewaltigen llöchstcommandirendeii, so unterstehen alle Theile des Körpers der Herrschaft des Centralnervensystems. das für das einheitliche Functioniren aller Theile zu sorgen hat. Dieses hat, wie Hermann sagt, die Nerven, die wie Peitsche und Zügel wirken, in der Hand und dirigirt mit diesen auf dem Wege der centri-fngalen Leitung die Functionen der Organe je nach den Meldungen, welche ihm von den centripclalleitenden Nerven zukommen. Wie die Armee Vorposten und
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Patrouillen zur BeobaoMung des Feindes vor sich hat. so das Nervensystem die so-genannten Endappavato inclusive der Sinnesorgane. Wie die Vorposten und Pa­trouillen jede Beobachtung rückwärts an einen Commandirendon melden, so ge­schieht dies auch von den Endapparaten an die Centra.
Nun sind aber auch die einzelnen Organe, resp. ihre dirocten in ihnen liegenden Centra vielfach untereinander durch Nerven verbunden und zwar entweder direct oder, wie es die Regel ist, so, class die Ver­bindung durch die übergeordneten Centra, die Centralorgane des Nerven­systems durch intracentrale oder interganglionäre Nervenfasern vermittelt wird. Diese Verbindungen machen das Zustandekommen der reflectori-schen Vorgänge möglich, das heisst, sie bedingen die Correlation der Organe unter einander.
Abhängigkeitsverhältnisse im Thierkörper. Es ist klar, dass durch die geschilderten Verhältnisse eine Abhängigkeit der Organe unter­einander, der Organe vom Ganzen und des Ganzen von den Organen resp. einzelnen Theilen zu Stande kommt.
Ein Eingriff, den ein Aussending auf einen Theil des Thierkörpers ausübt, ruft in der Regel nicht blos Reactionswirkungen an dem be­treffenden Theile hervor, sondern oft sehr complicirte Vorgänge im ganzen Körper. Es wird oft der ganze Organismus ergriffen, wenn nur ein Theil zunächst beeinflusst wurde. Zuerst ent­stehen nach stattgehabter Einwirkung allerdings Veränderungen an dem betroffenen Theile; diese bedingen aber solche in anderen, mit dem ersteren in Correlation stehenden Theilen, diese dann wieder in anderen u. s. w. So kommen die complicirtesten Vorgänge und Processc zu Stande, die den Selbstschutz des Organismus bezwecken, und die im ungünstigen Falle Krankheitserscheinungen, resp. die Krankheit selbst darstellen.
Beispiele: Ein Schlag auf den Magen veranlasst Stillstand der Athmung. Eine Reizung der Zitzen der Mamma ruft ÜLeruscontractionen hervor. Reizungen des Uterus bedingen Wachsthum der Mammae. Reizungen der Speicheldrüsen haben vermehrte Thätigkeit der Magendrüsen zur Folge.
Eine Reizung der Magenschleimhaut ruft rellectorisch unregelmässige llerz-thatiglceit und gesteigerte Darmperistaltik hervor.
Eine heftige Hautreizung bewirkt zunächst Heizung der Hautnerven. Diese erregen verschiedene Centra. Diese bewirken veränderte Thätigkeit des Herzens, der Lungen, des Temperaturcontrums u. s. w. Diese stören die Ernährung der thierischen Gewebe. So wird der ganze Organismus in Mitleidenschaft gezogen.
Gegenseitige Stellvertretung der Organe. Die Verbindung der Organe unter einander ist vielfach die Ursache der Möglichkeit des Schutzes gegen und der Möglichkeit der Genesung bei eingetretenen Erkrankungen.
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Die Sclbsthülfe des thierischen Organismus.
In Folge dieser Verbindung kann ein Organ unterstützend, helfend und stellvertretend für ein anderes eintreten und die Regulation ermöglichen.
Beispiele: Die eine Niere abernimmt die ganze oder einen wesentlichen Theil der Arbeit der anderen Niere, wenn diese unfähig ist, normal zu funetioniren. quot;~~
Die Nieren scheiden Gallenbestandtheile aus, wenn die Ausscheidung in der Leber behindert ist.
Die Lymphdrüsen bilden mehr farblose Blutkörperchen, als normal, wenn die Functionen der Milz unterdrückt werden.
Es ist demnach das intacte Nervensystem das Nothwendigste für das Zustandekommen der Regulation. Es ist geradezu der Regulator. Es ruft alle Handlungen, welche zum Zwecke der Selbsterhaltung ge­schehen, hervor und regulirt sie, sowohl die willkürlichen, als die unwillkürlichen. Gesehehen die betreffenden Handlungen unwillkürlich, so sprechen wir vom Reflex, geschehen sie scheinbar willkürlich, aber ohne Zweckerkenntniss, vom Instinct.
Ueber die Wechselbeziehungen der Nerven. Die Beziehungen. in denen
die Nerven und dadurch die Organe, welche durch sie (durch Vermittelang der Centra) verbunden werden, stehen, sind sehr mannigfaliig. Wenn zwei Organe unter einander in Beziehungen stehen, so nennt man das Sympathie und spricht von sympathischen Beziehungen (siehe die obigen Beispiele: Mamma zu Uterus, Speicheldrüsen zu Magendriisen, Lymphdrüsen zu Milz u. s. w.). Diese sind nun entweder derart, dass bei Steigerung oder Minderung der Thätigkeit des einen Organs das andere Organ in gleichem oder in entgegengesetztem Sinne in Mitleidenschaft gezogen wird. Im ersteren Falle spricht man vom Consensus (bei stärkerem Arbeiten der Speicheldrüsen steigert sich auch die Thätigkeit der Magendrüsen) — im letzteren Falle vom Antagonismus*) der Organe (bei ge­steigertem Funetioniren der Schweissdrüsen sinkt die Thätigkeit der Nieren, das heisst. wer viel schwitzt, urinirt wenig).
Der Consensus und Antagonismus der Organe erklärt sich zum Theil durch die Uebertragung des Reizungszustandes der Nerven des einen Organs vermittelst des Centrums auf die des anderen Organs. Im zweiten Organe werden entweder die anregenden oder die hemmenden Nervenfasern gereizt. Zum Theil erklären sich die Verhältnisse allerdings auch anders. Beim Schwitzen wird das Blut wasserarm. Die Nieren haben demnach weniger Material zur Harnbereitnng, deshalb wird weniger Harn gebildet. Die erste Art des Zustandekommens der sympathischen Processc entspricht genau den reflectorischen Vorgängen.
Reflexe. Heutzutage versteht man unter einem Reflex die centrale Ueberquot; tragung der Reizung eines centripetalleitenden Nerven auf einen centrifugalen-Demnach spricht man von verschiedenen Arten retlectorisoher Vorgänge, von mo­torischen, secretorischen, trophischen und Hemmungs-Reflexen, von Mitbewegungen und Mitempfindungen. Auf dieser breiten Basis stehend, muss man sagen, dass die meisten Vorgänge, die wir im thierischen Organismus nach Einwirkung von
*) Antagonismus = ävri gegen, äywvi'amp;aftai kämpfen.
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Krankheitsursachen ablaufen sehen, reflectorischer Natur sind. Der Einwirkung einer Schädlichkeit auf den Thierkörper folgt rellectorisoli ein motorischer, secre-torisoher oder trophischer Vorgang, resp. auch eine Empfindung.
Motorische Reflexe. Früher hat man nur die motorischen Keflexe als wirkliche Reflexe betrachtet. Auf die Reizung eines sensiblen Nerven antwortet der Körper mit einer Bewegung (bei Reizung der Kehlkopfschleimhaut entsteht Husten, bei Reizung der Pharyngealmucosa Erbrechen, bei Reizung der Nasen-schleimhaut Niesen oder Prusten, bei Reizung der sensiblen Darmnerven stürmische Peristaltik, bei Reizung vieler sensiblen Nerven Contraction der Blutgelasse be­stimmter Regionen, bei Reizung der Haut vermehrte Peristaltik und erhöhte Uterus­bewegung, bei Magenverstimmung tritt Gähnen auf, verdorbener Magen soll auch Husten veranlassen können, bei Reizung des Pharynx treten Schlingbewegungen ein u. s. w.). Durch die Einwirkung des Reizes auf den sensiblen Nerven geräth dieser in den Reizungszustand. Dieser theilt sich centripetal vorschreitend dem Centrum, den Ganglienzellen, mit, dieses überträgt die Reizung durch die intra-centralen Fasern auf einen motorischen Nerven. Dieser löst die Reizung, sie centrifugal leitend, durch die Bewegung der betreffenden Muskeln, in denen er endet, aus.
SecretOfiSChe Reflexe. Bei den secretorischen Reflexen wird die Reizung des sensiblen Nerven auf einen centrifugal leitenden secretorischen Nerven übertragen (Reizung der Cornea ruft Thränen hervor, Reizung der Mundschleimhaut Speicheln, sieht Jemand eine gute Speise, auf die er Appetit hat, dann gerathen seine Speicheldrüsen in gesteigerte Thätigkeit — das Wasser läuft ihm im Munde zusammen.
Mitbewegung. Bei der Mitbewegung theilt sich der Reizungszustand eines motorischen Nerven einem anderen motorischen Nerven mit. Hier ruft die Reizung eines sensiblen Nerven, welche die eine Bewegung bedingen würde, stets beide Bewegungen hervor. (Trifft die eine Retina ein Lichtstrahl, so verengert sich nicht nur die Pupille desjenigen Auges, dessen Retina gereizt wurde, sondern auch die Pupille des anderen Auges.)
Mitempfindong. Die Mitempfindung (Irradiation) äussert sich Inder Weise, dass der Reizungszustand eines sensiblen Nerven anderen sensiblen Nerven mitgetheilt wird (bei Schmerzen in einem Finger treten Schmerzen in der Achsel­gegend auf, Schmerzen am Schädel strahlen über das Gesicht aus).
Dem Gesetze der Irradiation entgegen steht das Gesetz der anta^unistischeii Abätuiiipfuiig. Dieses drückt aus, dass bei Reizung eines sensiblen Nerven die Erregbarkeit in anderen sensiblen Nerven herabgesetzt wird (Schmerzen in der Haut des Thorax machen die in der Pleura verschwinden, Anwendung der Lippenbremse lässt andere Schmerzempfindungen weniger zur Wahrnehmung kommen; auch durch Bewegungen, Ballen der Faust können Schmerzeuipfindungen verringert werden).
Trophische Reflexe. Für die trophischen*) Reflexe sind reine Bei­spiele kaum anzuführen. Es ist zweifellos, dass sensible Reizung sehr häufig ge­steigerte Ernährung und gesteigertes Wachsthum bedingen. Dies lässt sich aber oft durch motorische Reflexe erklären. Das reflectorisch gereizte Organ arbeitet
*) rpoyij die Nahrung, Ernährung.
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mehr, erhält mehr Blut und nährt sich deshalb besser, oder der sensible Reiz wirkt reflectorisch auf die Blutgefässmusoulatur, regt diese an oder lähmt sie durch Ueberreizung, bewirkt also directe Circulations- und Ernährungsstörungen.
Oft treten nach einer sensiblen Reizung mehrere Vorgänge zugleich auf.-(Ein fremder Körper, der die Cornea reizt, macht Thränenlluss und Blinzeln, Reizung des Kehlkopfs macht vermehrte Secretion und Husten. Reizung der Bronchialsohleimhaut bewirkt gesteigerte Secretion daselbst und Hustenstösse.)
Hemmungsreflexe. Die Hemmungsreflexe bestehen in der Uebertragung eines sensiblen Reizes auf centrifugal leitende Ilommungsnerven (plötzliche Reizung der Hautnerven z. B. durch kaltes Wasser, den Strahl der Douche bewirkt Stillstand der Athmung, ebenso wirkt starke Reizung der Magennerven z. B. bei einem Schlag auf die Magengegend).
Compensation. Das oben erwähnte Gesetz des Antagonismus führt zur Möglichkeit der vicariirenden Thätigkeit der Organe untereinander. Die Verminderung der Thätigkeit des einen Organs ruft erhöhte Thätigkeit in dem anderen hervor, so dass die Gesammtthätigkeit dieselbe bleibt und das Leben des Organismus nicht gestört wird. Es kommt also Compensation der Function des einen Organs durch die des anderen zu Stande.
Wechselbeziehungen der Nerven eines und desselben Organs. Auch
die Nerven desselben Organs stehen in einem eigentliümlichen antagonistischen Verhältniss. Wenn ein Organ erregende und hemmende quot;Nervenfasern besitzt, dann muss die Erregung der einen Faserart Herabsetzung der Function der anderen zur Folge haben und umgekehrt (Lähmung des N. vagus des Herzens hat raschere Schlagfolge dieses Organs zur Folge, weil jetzt nur noch der erregende Nerv, der N. sympathlcus wirksam ist; wenn beide Nerven harmonisch thätig sind, dann schlägt das Herz normal). Dieses eigenthümliche Wecliselverhältniss der Nerven eines Organs erklärt auch die rellectorische Hemmung. Wenn z. B. Reizung der sensiblen Vagusemlen im Magen Hemmung der Herzarbeit (intermittirenden, ver­langsamten Puls) zur Folge hat. so kann dies durch eine erregend rellectorische Wirkung der centrifugalen Vagusfasern des Herzens erklärt werden. Es ist nicht noUiwendig. eine lähmend rellectorische Wirkung (des N. sympathicus) anzunehmen.
Nützlichkeit der Wechselbeziehungen der Nerven. Alle die vor­stehend gesellilderten Verhältnisse der Nerven haben sowohl schützende als heilende Folgen für den Organismus. (Ein reizender, die Mund­schleimhaut treffender Stoff, z. 13. Pfeffer, bedingt vermehrte Bildung der Secrete, diese decken die Schleimhäute und hüllen den Pfeffer ein, verhindern resp. mildern demnach dessen reizende Wirkungen; re-flectorische Bewegungen mildem die primäre Empfindung, den Schmerz, und tragen unter Umständen direct zur Entfernung der Schädlichkeit bei [Aushusten fremder Körper]; Unterdrückung der Thätigkeit der Haut ist ohne Nachtheil, weil die Nieren und Lungen stellvertretend eintreten u. s. w.) Die Vorgänge sind aber nicht immer heilsam, und zwar aus folgenden Gründen:
All die nervösen Regulationen reflectorischer Katur erfolgen gesetzmässig immer in derselben Art und Weise, entsprechend den gewohnten Reizen. Die Nerven besitzen specitische Energie für bestimmte Reize. Ein für Licht em­pfänglicher Nerv empfindet jeden Reiz als Lichtreiz, ein auf Kältereiz abgestimmter
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Nerv fühlt Jeden beliebigen Reiz als Kälte u. s. w. Das Centralorgan trifft dem­nach die Maassnahmen, welche zwecllt;miissig- wären, wenn der gewohnte speciflsohe Reiz eingewirkt hätte. — Auf eine Nervenreizung tritt also immer dieselbe Ver­richtung hervor, gleichgültig, ob sie nutzt, nutzlos ist oder schadet. Worin es liegt, dass sie gewöhnlich nützlich sind, sahen wir oben.
Beispiele. Die Haut besitzt Nerven mit specilischer Energie für die Tempe­ratur und wahrscheinlich besondere für die Kälte- und besondere für die Wärme-empfindung. Die Reizung der Kälte empfindenden bedingt Erregung des Tempe-raturcentrums. das heisst vermehrte VVännebilduug im Organismus. Dieser Vor­gang ist zweifellos nützlich, wenn die Nerven durch Kälte gereizt wurden. Reizen wir nun aber zufällig die Nerven elektrisch, dann tritt dieselbe Wirkung nutzlos ein.
Die Trigemimisfasern der Thränendrüsen bewirken bei Berührungen der Cornea, z. ß. durch fremde Körper, Staub und dergleichen. Thränen. Für gewöhn­lich ist dies nützlich, weil dadurch der fremde Körper weggespült wird. Oft aber ist es nutzlos, weil der Körper nicht wegspülbar ist.
Die betreffende Wirkung kann aber auch schädlich und gefährlich werden, z. B. ein fremder Körper trifft die Laryngealschleimhaut, es erfolgt reflectorisch ein Hustenstoss. der fremde Körper wird herausgeschleudert, das ist nützlich. Trifft nun aber die Schleimhaut ein heftiger chemischer Reiz, der gar nicht heraus­geschleudert werden kann, so erfolgt auch Husten, und oft so anhaltender Husten, dass dadurch gefährliche Lungenblutungen entstehen.
2. Regulation durch die Blutcirculation.
Die Abhängigkeit der Organe unter einander kommt nicht allein durch das Nervensystem, sondern auch durch das circulirendc Blut zu Stande. Das gesammte Körperblut muss stets durch das Centralorgan, das Her/,, und stets durch das die Blutbeschaffenheit verbessernde, das Blut lebensfähig machende Organ, die Lungen, hindurch. Dadurch gerathen alle Gewebe und Organe des Körpers in eine gewisse Ab­hängigkeit von den Lungen und dem Heizen. Die Tliätigkeit dieser Organe bestimmt, wie viel Blut und von welcher Beschaffenheit das­selbe zu den anderen Körpcrtlieilcn hinkommt. — Alle Organe gerathen aber durch den Kreislauf auch in eine gegenseitige Abhängigkeit. Das Blut, welches von dem einen Organ kommt, durchfliesst ein anderes Organ und übt vermöge der in dem ersten Organ empfangenen Eigen­schaften einen Einfluss auf das zweite Organ aus. Nimmt ein Organ oder Organsystem aus irgend welchen Gründen mehr Blut auf, als normal, so erhalten in Folge dessen andere Organe weniger Blut und werden schlechter ernährt.
Beispiele. Das durch die Haut strömende Blut wird bei niederer Aussen-temperatur stark abgekühlt. Das kühlere Blut fliesst nach innen zurück, trifft andere Organe und theilt ihnen die kältere Temperatur mit.
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Das durch die Leber strömende Blut nimmt abnormer Weise Gallenbestand-tbeile auf. Es gelangt von da zu anderen Organen und beeinflusst diese vermöge seines Gehaltes an Gallenbestandtheilen bedeutend.
Sammelt sich das Blut im Pfortadersystem an, so werden die anderen Körper­organe blutarm. und zwar unter Umständen so bedeutend, dass Lebensgefahr in Folge der Blutarmuth der nervösen Centralorgane eintritt.
Blutreichthum der Haut am Thorax bedingt geringeren Blutgelialt der unter derselben gelegenen Muskeln, der Pleura und unter Umständen sogar der Lungen.
Nimmt das Blut Harnbestandtheile in den Nieren auf, dann wirlit es krankheits­erregend auf viele Körperorgane ein.
Die Circulation steht unter der Herrschaft des Nervensystems. Die Functionen des Nervensystems hängen aber ganz und gar von der Blutbeschaffeuheit und Blut­menge ab. Diese aber sind wieder in erster Linie von der Nahrungsaufnahme, der Verdauung und der Athmung einer- und den Excretionen andererseits und in zweiter Linie vom Functioniren aller Körperorgane abhängig, so dass also alle Organe so­wohl durch das Nervensystem, als durch die Blutciroulation in Abhängigkeit zu einander stehen.
3. Regulation durch den Säftestrom.
Aussei der Bluteirculation spricht man noch von einem Säftestrora. Dieser steht zwar ganz und gar unter der Herrschaft des Biutstromes, veranlasst aber doch besondere Processe.
Alle Thcile und Gewebe des Thierkörpers werden ununterbrochen von Flüssiukeiten durchströmt, welche vom zuführenden Blutstrome stammen und durch Lymphgefässe und Venen fortgesebaffr werden. Dadurch erhalten die Gewebe neues Kraftmaterial und werden von dem Schädlichen und Verbrauchten befreit. Sie werden gereinigt. Da­durch bleiben sie vor Functionsstörungen bewahrt.
Diese Gewebsauffrischung und Reinigung hat natürlich eine fort­währende Aenderung und Verschlechterung der ßlutbeschaffenheit zur Folge. Diese wird aber ununterbrochen durch Ausfuhr der schädlichen Stoffe durch die Lungen und die Nieren und durch Zufuhr nützlichen Materials durch die Lungen und die Verdauungsorgane regulirt.
4. Regulationen durch den Stoffwechsel.
In dem fortwährenden Wechsel von Stoff und Kraft im Organismus, in der steten Aufnahme und Abgabe von Material, in der abwechselnden Bildung und Zerstörung liegt eine mächtige Regulationsfälligkeit des Organismus. Gesteigerte vorherrschende Anbildung und Assimilation schützt in dem einen Falle, während im anderen die vorherrschende Rückbildung und Zerstörung den Schutz gewährt. Im Stoffwechsel
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gehen viele Schädlichkeiten unter, er verhindert das Zustandekommen von Anhäufungen von schädlichen Stoffen, indem er sie verbrennt, zersetzt, ausscheidet u. s. \v.
5. Regulationen durch Stoffaufnahme.
Die Aufnahme von Nährmaterial in die Verdauungsorgane und von dort auf dem Wege der Resorption in das Blut und weiter in die Gewebe ist für den Ablauf aller Functionen des Thierkörpcrs ungemein wichtig. Bei gesteigertem Verbrauch steigt die Aufnahme, um Störungen zu vermeiden, und umgekehrt. Hier helfen die Ernährungsgefühle, der Hunger und Durst, die an anderer Stelle noch besprochen werden.
Der Lufthunger regulirt die Aufnahme des 0. Bei Mangel an 0 wird lebhafter, bei Ueberschuss langsamer geathmet.
6. Regulationen der Stoffausgabe und der Drüsenfunctionen.
Die Drüsen haben die Aufgabe, Stoffe zu secerniren, das heisst aus dem Blute herauszuschaffen, welche entweder noch zum Nutzen des Organismus verwendet oder die nach aussen geschafft werden sollen, weil ihr längeres Verweilen im Körper den Organismus mit Gefahren bedrohen würde. Es sind deshalb die drüsigen Ausscheidungsorgane ausserordentlich wichtige Regulatoren für den Organismus. Sie reguliren wesentlich die Blutbeschaffenheit und damit die Beschaffenheit der Gewebe, und zwar durch Vermehrung oder Verminderung ihrer Thätig-keit. (Die Regulation der Drüsen erstreckt sich nicht blos auf die Ausgaben des Körpers, sondern auch auf die Einnahmen. Die ver­mehrte oder verminderte Thätigkeit der Verdauungsdrüsen bedingt bessere oder schlechtere Verdauung und damit Erhöhung oder Minderung der Einnahme des Blutes, resp. des ganzen Körpers.)
Die Drüsen können die Regulationen vornehmen, denn sie besitzen: 1) Die Fähigkeit, unter Umständen mehr zu leisten, als sie gewöhnlich leisten. Andauernde Mehrleistung hat Hypertrophie*) zur Folge, und dadurch wird die Drüse für ständige Mehrleistung qaalificirt, ohne dass die Ermüdung zu befürchten ist. 2) Die Fähigkeit der Reizbarkeit. Diese regulirt die Drüsenthätigkcit. Je stärker der betreffende spe-eifische Reiz ist, je stärker arbeiten die Drüsen. Es ist gleichgültig, ob den Drüsenzellen oder nur den Drüsennerven die Irritabilität zu­kommt, der Effect ist derselbe.
*) üxi/u über, rpipetv ernähren.
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32nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die SelbstMlfe des tliierischen Organismus.
Beim Hungern secerniren die Verdauungsdrüsen wenig oder gar nicht. Bei Aufnahme rauher Nahrung tritt eine gewaltige Thätigkeit der Schleim- und Speicheldrüsen der Mundhöhle ein. Kommt viel Nahrung in den Magen, dann arbeiten die Magendrüsen stark: kommt viel Wasser in's Blut, dann secerniren die ' Nieren bedeutend; treffen fremde Körper die Mundschleimhaut, dann secerniren die Schleimdrüsen lebhaft, dadurch wird der fremde Körper von Schleim umhüllt: sammeln sich schädliche Stolfe, resp. AusscheidungsstolTe im Blute an, dann reizen diese die Excretionsorgane zu gesteigerter Thätigkeit; fremde Körper, die die Cornea treffen, reizen zu lebhafter Thränensecretion, wodurch der schädliche Körper weg­geschwemmt wird. Bei Ueberschuss von Kohlensäure im Blute steigert sich die Athmung und die Kohlensäureabgabe in den Lungen u. s. w.
Das Stellvertretungsverhältniss, in dem die Drüsen zu ein­ander stellen, ist wichtig für die Kegulationen. Es beruht auch auf der Eigenschaft der Drüsen, bei gesteigerten Anforderungen mehr als gewöhnlich arbeiten und hypertrophiren zu können.
Audi die Lymphdrüsen und ßlutdrüsen rcguliren sich unter einander und vertreten sich gegenseitig. Ihre Thätigkeit greift tief in das Leben der Thiere ein. Von ihnen hängt die Zahl und Beschaffen­heit der Blutkörperchen ab.
7. Regulationen durch Uebertragungeu und Stell­vertretungen.
Viele Organe finden sich in doppelter Zahl im Körper, sie sind paarig vorhanden. In dieser Einrichtung ist ein wichtiger Schutz für den Organismus gegeben. Sobald das eine von zwei gleichartigen Organen von einem äusseren Eingriff derart getroffen wird, dass seine Function leidet, so tritt das andere Organ, indem es mehr als gewöhn­lich funetionirt, helfend und stellvertretend für das lädirte ein und vorhindert dadurch den Eintritt von gewissen Erkrankungen.
Aber auch die unpaaren Organe besitzen Stellvertreter, das heisst es ist für eine bestimmte Function im Thierkörper fast niemals nur ein Organ vorhanden, sondern meist haben mehrere Organe denselben Zweck, z. ß. die Milz und die Lymphdrüsen bereiten farblose Blut­körperchen, der Magen und das Pankreas bereiten einen die Eiweiss-körper verdauenden Saft u. s. w. Wird von diesen Organen das eine lädirt, dann tritt das andere helfend ein.
Die Stellvertretung tritt aber auch in demselben Organe durch die gesunden Theile ein, z. B. wenn ein Theil der Darmschleimhaut weniger zu resorbiren vermag, dann resorbiren die anderen Abschnitte um so mehr, wenn ein Theil der Magenschleimhaut zerstört wird, dann übernimmt der bleibende Theil die Arbeit für den verloren gegangenen;
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sind Nierenabschnitte lädirt, dann leisten die gesunden Theile die Stell­vertretung.
Ausserdem seien noch anhangsweise aufgeführt: Regulationen durch so­genannte Ableitung, durch Abstumpfung gegen und Gewöhnung an Abnormitäten im Körper, durch Erschöpfung, durch Ablagerung der Schädlichkeiten an verhältnissmassig wenig wichtige Orte des Körpers. Das sind Alles Gesundheit erhaltende und Krankheiten heilende Acte. die an anderer Stelle noch besprochen und hier nur erwähnt werden sollen. Diese Regulationen beziehen sich zum Theil auf die Selbstheilung. Die Grenze zwischen Selbstheilung und Selbstschutz kann kaum scharf gezogen werden. Es ist Ansichtssache, ob man gewisse Vorgänge schon als Krankheiten oder nur als schützende Naturheilvorgänge betrachten will. Je nachdem gehört die Betrachtung über dieselben in die Lehre vom Selbstschutz oder von der Selbstheilung.
B. Die Aeussenmgen, Symptome des Selbstschutzes.
Der Trieb der Gesunderhaltung, der sich in den vorstellend im Allgemeinen angedeuteten, im dritten Capitel noch genauer zu schildern­den inneren Vorgängen documentirt, tritt in verschiedenen Formen in die Erscheinung:
1)nbsp; In Form willkürlicher Acte.
Die Thiere besitzen Verstand und Ueberlegung, sie vermeiden dem-gemäss Alles, was ihnen nachtheilig ist, und suchen das ihnen Nütz­liche auf. Diese Verhältnisse sind allgemein bekannt und bedürfen deshalb keiner Besprechung.
2)nbsp; nbsp;In Form scheinbar willkürlicher, aber ohne Zweck-erkenntniss erfolgender Handlungen.
Diese werden als die Folge des sogenannten Instincts, den Jean Paul mit der Eselin vergleicht, die den Engel früher sieht, als der Prophet, betrachtet.
Begriff des Instincts. Bekanntlich wird das Vorhandensein des Instincts von vielen Autoren ganz und gar geleugnet. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, uns in eine Polemik über diese Frage einzulassen. Mag man darüber denken, wie man will, so wird doch Jedermann zu­gestehen müssen, dass die Thiere eine Reihe von Handlungen vor­nehmen, die zweckmässig sind und nicht aus Ueberlegung hervorgegangen zu sein scheinen. Das eben nennt man Instinct. Der Instinct gehört den Gemeingefühlen an und besteht in unklaren Vorstellungen von Bedürfnissen des Individuums und der Gattung. Diesen Vorstellungen entspringt das Bestreben, sich das Zweckmässige
Bllenberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; q
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Die Selbsthüli'e des thierisehen Organismus.
anzueignen und das Schädliche fern zu halten. Der Instinct ist jeder Thiergattung eigenthümlich. Er repräsentirt die Summe der Er­fahrungen, welche die Vorfahren im Kampfe um's Dasein, gemacht haben. Die dadurch erworbene Kenntniss des Schädlichen und Unschädlichen ist durch Vererbung auf die Nachkommen über­gegangen, so dass diese schon bei der Geburt die betreffende Kenntniss haben.
Jede instinctmässige Handlung erscheint gesetzmässig und so, als ob sie durch üeberlegung berechnet wäre, trotzdem sie doch unwillkürlich erfolgt. Zweifellos ist es, dass manche Handlungen als instinctive betrachtet werden, die das Resultat individueller Erfahrung und üeberlegung sind, und die in Folge gewisser Sinneswahrnehmungen, nach dem ßericchen. Besehen, Betasten u. s. w. der Gegenstände hervortreten. — Es kann von Niemandem bezweifelt werden, dass die Thiere Verstand besitzen, und dass sie demnach viel­fach mit üeberlegung handeln. Es kann aber ebensowenig geleugnet werden, dass sie gewisse Handlungen ohne üeberlegung, instinetiv vor­nehmen. Die Grenze zwischen Instinct und üeberlegung ist ungemein schwer zu ziehen. Wer will beweisen, dass diese oder jene scheinbar ohne Zweckerkenntniss erfolgende Handlung nicht durch eine üeber­legung des Thieres hervorgerufen worden ist? usuell nennt man alle scheinbar unwillkürlich und unüberlegt erfolgende Handlungen in­stinctive, mögen sich auch einige derselben aus körperlichen liigen-schaften und geistigen Fähigkeiten, speciell aus Erfahrung und Verstand erklären lassen. Dass es instinctive Handlungen giebt, beweist das soeben geborene Thier, welches nach dem Euter sucht.
Der Gesellschaftstrieb der Thiere beruht auch auf dem instinetiven Gefühle, dass es in grösseren Haufen sicherer ist, als allein. Dieses Gefühl ist es, welches es ermöglicht, dass ein Mensch eine grosse Heerdevon Thieren überwachen kann. Nach dem Sprachgebrauch werden auch viele reflectorische Vorgänge instinct­mässige Handlungen genannt. Man spricht sonach von instinetivem Augen-schliessen. instinetivem Abwehren (Im Schlafe), instinetivem Ausspeien und der­gleichen.
Organe des Instincts. Die Fähigkeit für die Vornahme der instinet-mässig eintretenden Handlungen ist offenbar an das Vorhandensein und die Ausbildung gewisser nervöser Apparate geknüpft, die im Kampfe um's Dasein allmälig entstanden und auf dem Wege der Vererbung befestigt worden sind. Wie jedes Organ nur durch Thätigkeit und üebung leistungsfähig bleibt, so auch die Organe des Instincts. Bei Thieren, welche viele Generationen hindurch die Organe des Instincts nicht übten, tritt in Folge der ünthätigkeit eine Rück-
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Die Selbsthälfe des thierischen Organismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3;')
bildung derselben ein, nnd der Instinct wird unvollkommen. Der In­stinct ist ein Kampfmittel, das in Folge des Kampfes mir feindlichen
Verhältnissen entstanden ist. Ruht der Kampf, dann wird das Kampf­mittel stumpf.
Trägheit ist eine Generaleigenschaft aller tliienschen Organe und Gewebe. Nur die Nothwendigkeit erzeugt die Thätigkeit und die Hebung. Sobald die Noth-wendiglieit wegfällt, tritt die Neigung zur Trägheit in ihr Recht. So sehen wir, dass, während die stammverwandten wilden Thiere ausgezeichnete Instincto be­sitzen, diese den llausthieren vielfach fehlen. Die Pflege durch den Menschen hat die Notwendigkeit des Kampfes nach manchen Richtungen beseitigt, dadurch ist Riiclibildung der betreffenden nervösen Apparate eingetreten. Man vergleiche zahme mit wilden Enten und wird erkennen, wie erstore den Instinct, sich gegen den Jäger zu schützen, verloren haben. — Wie Nichtgebrauch eines Organs wirkt. zeigt uns am besten das Beispiel der atrophirenden Muskeln in Folge von Unthätig-keit. z. B. bei Lahmheiten.
Nutzen des Instincts. Da die instinetmässigen Handlungen als Ausflüsse bestimmter Kunctionen des Organismus, resp. einzelner Organe erscheinen, so erfolgen sie gesetzniässig, den gegebenen inneren und äusseren Bedingungen entsprechend, und haben die Selbsterhaltung der Thiere zum Zweck. Daraus folgt, dass die Instincte stets zweck-mässig sind. Sie bewahren die Thiere vielfach vor dem Erkranken, befähigen sie, Schädlichkeiten, welche Krankheiten erzeugen können, zu vermeiden, und schützen sie vor der Aufnahme giftiger Pflanzen, schlechten, zu kalten, faulen Wassers, vor dem Ueberfresscn u. s. w. Je mehr sich die Organe der Ueberlegung und des freien Willens aus­bilden, je überflüssiger werden die instinetiven Handlungen. So führt der Mensch viele Handlungen mit Ueberlegung aus, welche beim Thiere instinetiv vorgenommen werden.
Dam mann glaubt, dass auch bei Thiercn Sinnesschärfe und Verstand mehr schützen, als der Instinct, und dass sich die Thiere. wenn die Sinne nicht genügen, oft irren, z. B. schädliche Stoffe fressen. Wir müssen des Näheren auf seine lehr­reichen Ausführungen verweisen. Auch sei auf die diesbezüglichen interessanten Besprechungen Roloff's (Magazin für Thierheilkunde, 31. Jahrgang) aufmerksam gemacht. Den Deductionen dieser beiden Forscher muss jeder unparteiisch Ur-theilende beistimmen. Es ist zweifellos, dass der Instinct nicht eine besondere, den Thieren innewohnende Kraft ist, welche deren Selbsterhaltung und die Er­haltung der Gattung bezweckt. Nach meiner Ansicht steht es aber ebenso zweifellos fest, dass die heute lebenden Thiere viele Handlungen ohne Zweckerken n tniss vornehmen. Trotzdem sind diese Handlungen die Folge von Erfahrungen, Sinnes-wahrnohmungen und Uoberlegungen, nur nicht von solchen, welche die heute existirenden Thiere. sondern von solchen, welche ihre Vorfahren gemacht haben. Die Zweckerkenntniss der Handlungen bleibt den Thieren also unbewusst.
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;-!(;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Selbsthülfe des thierischen Organismus.
3)nbsp; In Form von Hunger, Durst und Lufthunger.
Es sind dies Sensationen, die man ganz passend als Ernährungs-gefühle bezeichnet hat, die man aber früher den instinctiven Allgemein-gefühlen zurechnete. Sie treten ein, sobald dem Organismus bestimmte, für seine Existenz nothwendige Stoffe gar nicht oder in ungenügender Menge zugeführt werden. Die Ernährungsgefühle sind Gesundheit er­haltende Aeusserungen des Organismus, Hüter lür den Bestand, für die Erhaltung desselben. Sie unterscheiden sich von anderen Allgemein­gefühlen dadurch, dass sie durch ein negatives Moment, durch einen Mangel erregt werden, während die anderen Aligemeingefühle durch etwas Positives zur Aeusserung gelangen.
Fehlt den Geweben Wasser, so tritt das Allgemeingefühl Durst auf; Sauerstoffmangel bedingt Lufthunger u. s. w. Der fernere Anlass für diese Allgemeingefühle findet sich stets in der Beschaffenheit der Gewebe wenn sie auch bis zu einem gewissen Grade an bestimmte Stellen: Magen, Lunge, Mundhöhle, Rachenhöhle, Gaumen localisirt erscheinen. Beispiel: Bei Wassermangel in den Geweben entsteht ein Gefühl von Trockenheit im Rachen. Dieses gelangt durch Vermittelang der dort entspringenden Nerven zum ßewusstsein des Centrums im Gehirn. Dieses vcranlasst die Wasseraufnahme. Wie diese Wasseraufnahme den Bedürfnissen entspricht und das Zustandekommen von Krankheiten ver­hütet, beweist die Thatsache, dass Tbiere, die viel Salz aufnehmen, viel trinken. Das Chloralkali difftmdirt leicht in das Blut und zieht. viel Wasser an (es ist hygroskopisch): es wird seiner leichten Diffusi-bilität wegen leicht ausgeschieden und zwar natürlich mit viel Wasser. So entsteht Wassermangel im Körper. Das ist gefährlich. Die Gefahr wird durch Wasseraufnahme ausgeglichen.
4)nbsp; nbsp;Als Appetitlosigkeit.
Sie tritt ebenfalls als Gesundheitswächter auf und bewahrt die Thierc vor unzeitgemässer und zu reichlicher Aufnahme von Nahrung.
5)nbsp; nbsp;Als Gegenwirkung.
Sehr häufig tritt der Selbsterhaltungstrieb als directe Gegen­wirkung in die Erscheinung. Druck auf den Körper veranlasst Gegen­druck vom Organismus u. s. w. Die inneren, oben besprochenen Vorgänge erfolgen in der Regel nach dem Gesetze des Gegensatzes, der Gegenwirkung. Dem entsprechen oft auch die Aeusserungen: Kälte auf eine Hautstelle kurze Zeit angewendet, bedingt Erwärmung derselben.
6)nbsp; nbsp;Als Anpassung.
Eine der wichtigsten Aeusserungen der Selbsterhaltung ist die so-
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gcuanntc Anpassung, die zufolge der dorn Organismus innewohnenden Adaptabüität erfolgt.
Adaptabilität der Thiere. Jedes Thier vci-mag sich den gegebenen Verhältnissen bis zu einem gewissen Grade anzupassen. Dadurch werden die Thiere befähigt, Einwirkungen ohne Schaden zu ertragen, die ohne diese Fähigkeit lebensgefährdend wirken würden. Wir wissen, dass Einflüsse und Reize, die von Jugend auf die Thiere 1 reffen, der­artig indifferent für dieselben werden, dass der Organismus gar nicht mehr oder nicht mehr in dem Grade darauf reagirt, wie er es sonst gethan haben würde, das heisst, wir wissen, dass der thierische Orga­nismus sich an gewisse Einflüsse gewöhnen kann. Die Gewöhnung ist die Folge der Anpassungsfähigkeit des Organismus, die ausserordentlich wichtig für denselben ist. Audi viele der oben angeführten regulatori­schen Vorgänge beruhen auf nichts Weiterem, als auf dieser Fälligkeit.
Beispiele. Die Haut passt sich den ausseren Tetnperaturverhältnissen an, die Blutgelasse der Blulinenge. Das Auge passt sich durch Aenderung der Form der Linsen auf rellectorischem Wege dec Entfernung und Grosse der zu sehenden Gegenstände an. — Wir wissen, dass die Art der Reizung des Sehnerven die Veränderungen bestimmt, welche die Linse behufs Anpassung an die zu voll­ziehende Function des .Sehens gewisser Dinge vornimmt. Wenn nun dieselbe Reizung oft oder anhaltend stattlindet. dann erleidet das Auge, resp. die Linslaquo; eine formative und bleibende Umbildung. So wird das Auge kurzsichtig, wenn es sich häufig kleinen und nahen Dingen aecommodiren muss.
Das Auge gewöhnt sich auch durch Aenderung der Weite seiner Pupille an die einwirkende Lichtmenge. Muskeln, welche viel arbeiten müssen, hypertrophiren. Drüsen, welche oft thätig sind, vergrössern sich.
Das beste Beispiel für das Anpassungsvermögen des Organismus bietet die Entwickelungsperiode desselben. Gleich nach der Geburt fungiren die Re­spirations- und Circulationsorgane noch unvegelmassig, oft aussetzend, die Innen-temperatur schwankt noch auf und ab. die einzelnen Organfunctionen befinden sich noch nicht im Gleichgewicht: allmalig tritt vollste Kegelmiissigkeit und Har­monie in allen Functionen ein. Anfangs ist der Darmcanal sehr reizbar, so dass Jede irgend reizende Nahrung Durchfall bedingt. Der Grund dieser Thatsache ist darin zu suchen, dass der Darmhemmuugsnerv noch wenig entwickelt ist, weil er im Fötalleben nicht zu arbeiten braucht. Auch fallen die Neugeborenen leicht in Krämpfe. Die Ursache hierfür finden wir in mangelhafter Ausbildung der Hemmungs­apparate, die im intrauterinen Leben nicht thätig zu sein brauchten. Kurze Zeit nach der Geburt gleicht sich das Alles aus. Der Darmcanal verträgt schwerere Speisen, der Darmhemmungsnerv bildet sich aus. die Neigung zu Ivrampfanfällen verschwindet u. s. w., das heisst, der Junge Körper passt sich den neuen Verhältnissen an.
Gewöhnung an Krankheitsursachen. Da der Körper demnach eine grosse Anpassungsfähigkeit im Allgemeinen besitzt, so ist es nicht zu verwundern, dass er sich auch Einflüssen, die an und für sich als
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Krankheitsursachen wirken, anzupassen und dadurch unschädlieh zu machen vermag. Man bezeichnet den Vorgang der Anpassung ent­weder einfach als Gewöhnung, oder je nachdem als Acclimati­sation, Accommodation, Abstumpfung, Abhärtung.
Erklärung des Vorgangs der Gewöhnung. Die Gewöhnung ist we­sentlich die Folge von Gebrauch oder Nichtgebrauch bestimmter Organe oder Apparate und der dadurch bedingten vor- oder rück­schreitenden Entwickeiung, resp. Uinbildung derselben. Einschränkend sei bemerkt, dass der Gebrauch eines Organs nicht immer dessen höhere Ausbildung bedingt, sondern nur, wenn er einen gewissen Grad nicht übersteigt. Wenn er ein iibermässiger wird, dann hat er nicht weitere Ausbildung, sondern Ermüdung, Erschöpfung, Ab­stumpfung und unter Umständen regressive Vorgänge zur Folge. Durch öfteren Gebrauch eines Theiles kommt die Uebung, das ist die höhere Ausbildung desselben, zu Stande.
Früher hat man vielfach die Gewöhnung so erklärt, dass man sagte, es kommt durch die öftere Bewirkung der nervösen Apparate durch dieselben Reize eine Art von Unempfänglichkeit, von Abstumpfung zu Stande, welche die Nichtaufnahme der feindlichen Einwirkungen be­dingt und den Schutz gegen Erkranken gewährt. So erklärte man die Gewöhnung der Thiere an die Einwirkungen gewisser, an sich schäd­licher Pflanzen, die sich in der Nahrung befinden, der miasmatischen Einflüsse, die dem Boden, den Stalleinrichtungen etc. entstammen u. s. w. Die Thatsache der Gewöhnung an die genannten Einwirkungen ist richtig. Es ist festgestellt, dass ein anderes, an diese Einflüsse nicht gewöhntes Thier, denselben ausgesetzt, sicher erkrankt, während das daran gewöhnte Thier gesund bleibt, und dass, wenn die Einwirkungen in Folge irgend welcher Umstände stärker als gewöhnlich werden, so dass auch die daran gewöhnten Thiere erkranken, diese dann wenigstens in viel geringerem Grade als andere erkranken. Es ist ferner Thatsache. dass sich die Thiere auch an den Genuss von Giften gewöhnen können, und dass z. B. beim Menschen dieselbe Dosis Tabak, die auf den Ge­wöhnten fast gar keinen Einlluss ausübt, auf den Ungewöhnten derart einwirkt, dass bedenkliche Krankheilssymptome auftreten. Ist aber die genannte Erklärung der Thatsachen auch richtig? Sicherlich wirkt doch z. B. der Tabak auf beide Organismen, den des Rauchers und den des Nichtrauchers, ganz gleich. Wie kommt es, dass er in dem einen Falle schädliche Folgen bedingt, in dem anderen nicht?
laquo;. Gewöhnung durch üebung und höhere Ausbildung. Bedenkt man, dass der Organismus allen störenden Einwirkungen gegenüber regulatorisch eingreift, dann folgt daraus, dass dies auch den Einflüssen der Gifte, des Tabaks, Alkohols, Hanfs, der Miasmen etc. gegenüber geschieht. Bei jedesmaligem Genüsse der betreffenden Gifte, bei jedes-
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maliger Einwirkung der betreffenden Scliädliclikeiten treten die regula-toriscli wirkenden Apparate in Thätigkeit und schaffen, resp. versuchen den Ausgleich. Finden dieselben Einwirkungen nun häufig statt, dann müssen die betreffenden Kegulationsorgane oft arbeiten. Je öfier und je mehr ein Organ arbeitet, je mehr Nährmaterial verbraucht es, je mehr wird ihm davon zugeführt, je besser ernährt es sich, je besser bildet es sich aus. Demnach hat öftere Arbeit eines Organs oder Thciles höhere Ausbildung desselben zur Folge. So wird jedes Organ, jedes Gewebe, jeder Muskel durch Uebung vollkommener und leistungs­fähiger. Je vollkommener die Regulationsapparale sind, je leichter überwinden sie Störungen und um so besser vermögen sie den Organismus vor dem Erkranken zu schützen. Der Gewohnheitsraucher unterscheidet sich demnach vom Nichtraucher durch die durch Uebung erreichte bessere Ausbildung der der Einwirkung des Tabaks gegenüber regula­torisch fungirenden Organe. So mögen die meisten Fälle der sogenannten Abstumpfung, der Gewöhnung an Schädlichkeiten, Gifte, Miasmen etc. zu erklären sein.
i*. Gewöhnung durch Ermüdung und Rückbildung. Nicht immer aber ist diese Erklärung zutreffend. Manchmal beruht die Gewöhnung auf anderen Vorgängen. Oft ist sie nichts anderes als Ermüdung. Ein oft gereizter Nerv ermüdet, das heisst er zeigt sich nunmehr für die betreffenden Reize, resp. Schädlichkeiten, weniger empfänglich oder ganz unempfänglich; er zeigt das, was man Abstumpfung nennt. Die Abstumpfung ist also die l?olge der Ermüdung, der Ansammlung von Ermüdungsstoffen in den betreffenden Geweben, die Folge der Unmög­lichkeit des Organismus, die Ermüdungsstoffe rasch genug fortzuschaffen. Die Ermüdung kann unter Anderem zu einer Rückbildung der be­treffenden Organe und Gewebe führen. Die Folge davon wird vielfach eine totale Abstumpfung gegen gewisse Schädlichkeiten sein. Sind die sensiblen Nerven eines Theiles durch zu heftige Reize rückgebildet, dann ist der Theil gegen diese Reize unempfindlich, das heisst er hat sich an die Reize gewöhnt.
Manchmal kommt aussei' den vorgenannten beiden Arten noch eine Form der Gewöhnung vor. die durch andere, innere Vorgänge bedingt ist. Es beschränkt sich nämlich die Aenderung der Gewebe und Organe unter dauernder Bewirkung durch bestimmte Einllüsse nicht nur auf höhere Ausbildung oder Ermüdung, sondern es kommt unter Umständen sogar allmälig zu einer förmlichen Umbildung der ana­tomischen Einrichtung der Organe und Körpertheile behufs Anpassung an die be­stehenden abnormen Bedingungen.
Vortheilhafte Folgen der Gewöhnung. Die Gewöhnung befähigt die Thiere, oft recht gesundheitswidrige Einflüsse, denen sie aus ökonomi-
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sehen Gründen nicht entzogen werden können, ohne Nachtheil zu er­tragen. Die Thatsache der Adaptabilität des Thierkörpers ermöglicht es, dass die Thiere so gesundheitswidrig, als es die ökonomischen Verhältnisse erfordern, gehalten werden können. Die Gewohnheit ist es, welche die Thiere oft vor dem Erkranken durch Wärme und Kälte, durch klimatische Einflüsse, durch locale Ursachen, durch Miasmen u. s. w. schützt.
Accommodation. Die Gewöhnung der Thiere an bestimmte Ge­brauchsweisen, eigenthümliche Fütterungsarten, locale Stalleinflüsse und dergleichen bezeichnet man als Accommodation.
Acclimatisation. Darunter versteht man die Gewöhnung an ein bestimmtes Klima. Bringt man Thiere aus einem Klima plötzlich in ein anderes, so sehen wir sie häufig schwer erkranken. Für die Thiere, die von Jugend auf in diesem Klima gewesen sind, hat dasselbe den schädlichen Einfluss gar nicht, oder in viel geringerem Grade. AVenn ein Thier in Folge der Versetzung aus einem Klima in ein anderes erkrankt und diese Erkrankung überwindet, so tritt auch allmälige Gewöhnung an das Klima ein. Ebenso ist dies der Fall, wenn ein Thier allmälig den neuen klimatischen Verhältnissen durch Aufenthalt in Uebergangszonen und dergleichen ausgesetzt wird.
Unter Acclimatisation verstehen wir nicht nur die Gewöhnung an das Klima, sondern auch die Anpassung an die Bodenverhältnisse, au die Nahrung und an die Lebensweise. Sie beruht aufüebung der Organe. In Folge der üebung kommt eine Abänderung der Gewebe und Organe des Körpers zu Stande, die um so be­deutender ist, je grosser die Gegensätze zwischen den Verhältnissen der alten und der neuen Heimath sind. Oft erfolgt die volle Anpassung an die neuen Ein­wirkungen erst in der nächsten Generation.
Abhärtung. Diese ist in der Regel das Resultat der üebung. Sie besteht in gesteigerter Erregbarkeit und erhöhtem Arbeits­vermögen der betreffenden Gewebe, resp. Organe. Eine Haut zum Beispiel, welche öfter reizenden Einwirkungen durch mechanische, thermische Reize und dergleichen ausgesetzt wird, geht in den Zustand über, den wir als Abhärtung bezeichnen, denn die Gefässmuskeln der Haut und ihre Eigenmusculatur, resp. die Nerven der Gefässc und Muskeln werden durch wiederholte Reizungen oft in Thätigkeit gesetzt, das heisst geübt. Die dadurch hervorgerufene Kräftigung, das heisst bessere Ernährung und höhere Ausbildung der Muskeln und Nerven befähigt die Haut, feindlichen Einflüssen gegenüber Besseres zu leisten, als eine nicht geübte Haut. Eine derartig günstig situirte Haut nennt man abgehärtet. Die Abhärtung ist also die Folge der üebung.
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Die Abhärtung schützt namentlich vor Erkältungskrankheiten. Ein abgehär­tetes Thier erträgt einen Temperaturwechsel ohne Gefahr, der bei einem verweich­lichten Thiere Krankheit hervorruft. Ob die Thatsache, dass z. B. Jagdhunde ohne Naobtbeil im erhitzten Zustande kaltes Wasser saufen können, während dies Pferden sehr gefährlich ist, als eine Folge der Uebung oder der anatomischen Einrichtung aufzufassen ist, erscheint mir noch zweifelhaft.
Verweichlichung. Den abgehärteten Organen gegenüber slelien die verzärtelten, verweichlichten. Verweichlichung ist gewissermassen auch die Folge von Gewöhnung, von Gewöhnung an Nichtsthun. Eine Haut, die vor den genannten Reizungen geschützt wird, ist verweichlicht, ihre ilusculatur ist träge, schlaff, schlechter ernährt, weniger ausgebildet, ihre Nerven sind erethisch u. s. w., so dass eine geringe Kältewirkung schon eine gefährliche Krankheit zur Folge haben kann. Die Verweich­lichung ist eine Folge des Trägheitsgesetzes der Natur und eine Folge des Gesetzes, welches besagt, dass Jedes nicht geübte und jedes ruhende Gewebe an Leistungsfähigkeit in Folge mangel­hafter Ernährung und unvollkommener Ausbildung abnimmt.
7)nbsp; Als vermehrte und verminderte Se- und Excretionen. Sie sind die Folge von inneren Vorgängen, die an anderer Stelle
besprochen werden. Es gehört dahin: Vermehrung und Verminderung der Harnabgabe und des Kothabsatzes, das Schwitzen u. s. w. Diese Erscheinungen sind die Folgen vicariirendcr Processe oder sogenannter Krisen. Diese Symptome treten als der Ausdruck von schützenden Vorgängen seltener auf, als von heilenden Processen.
8)nbsp; nbsp;Als reflectorisciie Muskelbewegungen.
Es sind dies z. ß. Husten, Niesen, Ausschlagen, Zuckungen der Hautmuskeln, das Ausspeien bei unangenehmen Gerüchen und der­gleichen. Sie bezwecken Abhaltung und Entfernung von Krankheits­ursachen und sind der Ausdruck der oben besprochenen inneren Vorgänge.
9)nbsp; nbsp;Als Ruhe.
Nach Einwirkung gewisser Schädlichkeiten, z. B. grosser Kälte, folgt nicht selten ein längeres Ruhestadium. Dieses verhindert den Eintritt von Erkrankungen. Die betreffenden Thiere erscheinen nach Ablauf des betreffenden Stadiums durchaus gesund.
Der Schlaf. Nebenbei dürfte bei dieser Betrachtung auch eines gewalligen AVächters der Gesundheit gedacht werden, der in Folge der Ermüdung, der Ab­stumpfung der Nerven und der nervösen Centralorgane gegen die gewohnten und unter Umständen auch gegen die abnormen Reize eintritt, nämlich des Schlafes. Während des Schlafes ist die Empfänglichkeit des Körpers gegen Schädlichkeiten herabgesetzt, andererseits aber ist der Organismus im Schlafe sehr geeignet, vielen drohenden Erkrankungen auf dem Wege der StofTwechselvorgänge vorzubeugen. Namentlich kommen während des Schlafes, resp. der Ruhe die Restaurationen an
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den ermüdeten Geweben zu Stande, deren Ausbleiben schwere Erkrankungen zur Folge haben würde.
10) Als Wachsthum.
Ein mehr als normal angestrengtes Organ bewahrt sicli vor demquot; Erkranken durch die Mehrarbeit dadurch, dass es in Folge der zu Stande kommenden Arbeitshyperämie wächst und dadurch leistungs­fähiger wird. Bei erhöhter Arbeit z. 15. wächst der Pferdehuf stärker, als gewöhnlich. Bei vermehrter Thätigkeit wird die ganze Körper-musculatur massiger u. s. w.
('. Die tuuctiouellen regulatorischen Vorgänge der thierischen Organe und Apparate.
1. Die Regulationen der Innentemperatur.
Das Verhalten der Innentemperatur ist von der des umgebenden Mediums und von anderen äusseren Umständen abhängig. Eine niedere Aussentemperatur muss starke Wärmeabgabe des Thierkörpers und Sinken der Innentemperatur desselben, wie hohe Aussentemperatur Wärmeaufspeicherung im Thierkörper zur Folge haben. Beides ist gefährlich für das Leben der Thiere. Deshalb schützt sich der Körper vor den aus dem Wechsel der Aussentemperatur drohenden Gefahren durch regulatorische Vorgänge.
Regulation der Wärmeabgabe. (c Gegen Wanneaufspeicherung. Wenn eine höhere Temperatur den thierischen Körper trifft, dann tritt eine Erschlaffung und Erweite­rung der Hautgefässe und der Hautmusculatur und damit eine Hyperämie*) der Haut ein. Es ist demnach mehr Blut in der Haut, als normal. Dazu kommt, dass das Herz in Folge reflectorischer Erregung stärker arbeitet, so dass in der Zeiteinheit eine grössero Menge Blut durch die Haut hindurchströmt. als gewöhnlich. (Zu bemerken ist hier, dass das Herz für Wärme reizbar ist, dass es also bei jeder Temperaturerhöhung gereizt wird und stärker arbeiten muss.) Diese beiden Momente bedingen eine bedeutende Vermehrung der Wärme­abgabe, und zwar dadurch, dass in der Zeiteinheit bedeutend mehr Blut zur Abkühlung durch die Luft gelangt, als normal.
*) ü-ifgt; ühcr. -n cd/m das Blut.
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Dazu kommt nun aber auch noch, dass in Folge des letzten Momentes nicht aliein mehr Blut durch die Haut strömt, sondern dass dies auch bezüglich der Respirationsschleirahaut der Fall ist. Dort tindet also auch erhöhte Abkühlung statt. Dies wird aber auch noch dadurch erhöht, dass gleichzeitig vermehrte Respiration besteht, dass also in der Zeiteinheit mehr abkühlende Luft in den Alhmungs-apparat gelangt, als vorher. (Das beste Beispiel der Abkühlung durch die Alhmungsluft liefert ein in der Sonne liegender Hund, der mit der grössten Geschwindigkeit durch den Mund athmet und sich dadurch Abkühlung verschafft.)
Diese Regulationen gegen Wärmeaufspeicherung werden aber noch bedeutend ausgiebiger durch die Perspiration der Haut. Diese wird bei drohender Wärmeaufspeicherung stets erhöht,. In der Regel ent­steht lebhafter Schweissausbruch. Dieser kommt durch Erregung der Schweisscentra, resp. reflectorische Reizung der Schweissdrüsen zu Stande. Der Schweiss verdunstet. Zur Verdunstung braucht er Wärme, in Folge dessen wird dem Thierkörper Wärme entzogen. Diese Wärmcentziehung ist sehr bedeutend. Bei sehr trockener und verdünnter Luft kommt es unter Umständen nicht zum Schwitzen, weil der entstehende Schweiss sofort verdunstet; dann leistet die Perspiratio insensibilis dasselbe, wie das Schwitzen. (In welcher Weise die Ver­dunstung kühlt, weiss Jedermann. Man befeuchtet z. B. den Zeigefinger und hält ihn in die Luft, um zu fühlen, woher der Wind kommt. An der vom Wind getroffenen Seite findet lebhafte Verdunstung statt, wodurch der Finger daselbst kalt wird.)
Wenn viel Feuchtigkeit in der Luft ist, dann ist die Verdunstung unbedeutend; dann schlägt das Herz rascher, das Athmen wird frequenter, die Hautgefässe werden sehr weit; der Körper versucht, auch ohne Zu-hülfenahmc der Verdunstung die Regulation zu leisten. Bei hohen Temperaturen gelingt es nicht. Dass in feuchter Luft schwerer regulirt wird, beweist das Gefühl des Unbehagens, welches man in sogenannter schwüler Luft empfindet; dieselbe Temperatur erträgt man bei trockener Luft ohne Unbehagen.
Bei erhöhter Wärmeproduct ion droht ebenfalls die Wärme-aufspeicherung. Deshalb treten dann ganz dieselben regulirenden Vor­gänge, die wir soeben kennen lernten, ein. Man denke nur an ein in der Arbeit begriffenes Pferd. Da findet man die sämmtlichen an­gegebenen Erscheinungen: den Schweissausbruch, die erhöhte Puls- und Athemfrequenz, die Hauthyperämie. Ein durch Laufen erhitzter Hund verhält sich genau, wie der ruhig in der Sonne liegende Hund. Bei
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erhöhter Production müssen also dieselben Regulationen eintreten, als bei gesteigerter Wärmezufuhr. Es muss die richtige Bilanz zwischen Production und Abgabe hergestellt werden. Die erhöhte Production muss erhöhte Abgabe zur Folge haben.
Die geschilderten Vorgänge bezwecken und erreichen die Erhaltung der normalen Blut- und Gewebetemperatur sowohl bei erhöhter Aussen-temperatur, als gesteigerter Wärmeproduction. Sie verhindern das Zu­standekommen einer gefährlichen Steigerung der Innentemperatur.
ß. Gegen Abkühlung. Wird der Organismus durch Kälte getroffen, dann tritt Anämie*) der Haut, Contraction der Hautgefässe, lang­samere Athmung, Sistiren der Schweissseeretion, Verminderung der Perspiratio insensibilis ein. Alle diese Momente bewirken eine Ver­minderung der Wärmeabgabe, das heisst, sie verhindern das Zustande­kommen einer inneren Erkältung, die durch die vermehrte Wärme­abgabc, die bei kalter Aussentempcratur eintreten müsste, erfolgen könnte. (Beispiel: Man denke an einen frierenden Menschen mit blassem Gesicht, blutloser, trockener, zusamraengezogener Haut und dergleichen.) Die Kälte bewirkt Erregung der Kälte empfindenden Nerven, diese reizen reflectorisch durch das Temperaturcentrum der Medulla oblongata die Vasoconstrictoren, dadurch entsteht Contraction der Gefässe (kalte, trockene Haut). Nun ist weniger Blut in der Haut, und es kommt in der Zeiteinheit weniger kalte Luft mit dem Blute in Berührung. (Dass die Hautmusculatur in Folge der Einwirkung der Kälte sich contrahirt, erkennt man am besten an der Gänsehaut des Menschen und dem Sträuben der Haare der Thiere in der Kälte.)
Auch bei herabgesetzter Wärmeproduction treten ähnliche Ver­hältnisse ein, wie bei der Abkühlung von aussen. (Beispiel: Schlecht genährte, hungernde Individuen.)
ßemerkenswerth ist noch, dass auch dann, wenn nur eine be­schränkte Partie der Haut von der Kälte getroffen wird, alle Haut­gefässe reflectorisch verengt werden.
Erhöhung oder Verminderung der Wärmeabgabc, die der Orga­nismus je nach Bedürfniss regulatorisch vornimmt, verleiht demnach demselben einen wesentlichen Schutz gegen den Eintritt von durch äusseren Temperaturwcchsel bedingten Krankheiten.
*) ij ävatfiia der Blutmangel (laquo; priv. und ro al/ia das Blut).
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Regulation der Wärmeproduction.
Zu dieser Regulation kommt aber noch eine andere, die namentlich hei anhaltenderer Aenderung der Aussentemperatur helfend eintritt, es ist dies die regulatorische Aenderung der Wärmeproduction.
Kälte reizt die centripetalen Hautnerven, diese erregen das Wärmo-centrum (die excitocalorisehen Nerven) und veranlassen dadurch erhöhte Verbrennung, erhöhten Stoffwechsel, vermehrte Wärmeproduction. Bei hoher Aussentemperatur erfolgt diese Reizung nicht, das Centrum ge­braucht demgemäss die „Peitschequot; nicht, das heisst es regt die Ver­brennungsvorgänge im Körper nicht an, und die Wärmeproduction sinkt. Es ist experimentell nachgewiesen, dass Kälteeinwirkung auf die Haut vermehrten Stoffumsatz, vermehrte Bildung von Kohlensäure und Wasser hervorruft. Um diesen vermehrten Verbrauch zu decken, muss die Ee-sorption im Darm steigen und muss mehr Nahrung als gewöhnlich aufgenommen werden. Es ist bekannt, dass Menschen und Thiere im Winter mehr Nahrung aufnehmen, als im Sommer, dass die Menschen im Winter lieber Fett geniessen, als in wärmeren Jahreszeiten. Es ist auch constatirt. dass die in kalten Klimaten lebenden Menschen viel und fettreiche, die im Süden und wärmeren Ländern lebenden nur wenig und fettarme Nahrung aufnehmen, und dass die Südländer ungemein genügsam sind.
Die Steigerung des Stoffumsatzes mag zum Theil auch dadurch zu Stande kommen, dass die Kälte unwillkürliche (Zittern) und willkürliche Muskelbewegungen (Stampfen der Pferde, Schlagen mit den Armen beim Menschen) hervorruft, wo­durch der Eiweissverbrauch gesteigert werden muss. — Diese Bewegungen wirken auch noch speciell günstig gegen Erkältungen der Extremitäten, die denselben am meisten ausgesetzt sind, indem sie den Blutumlanf in denselben erhöhen.
In der Möglichkeit der Aenderung der Wärmeabgabe und Wärmeproduction, in der Steigerung oder Minderung beider findet der Organismus einen grossen Schutz in sich selbst gegen die Nachtheile, welche der Wechsel der Aussentemperatur und dergleichen ihm zufügen könnte.
2. Regulationen der Circulation.
Da die Circulationsverhältnisse wesentlich durch die Frequenz und Stärke der Herzcontractionen und den Contractionszustand der Arterien bestimmt werden, so sind zum Schütze des Körpers vor Störungen der Circulation, des Blutdrucks und der Stromgeschwindigkeit für das Herz und für die Arterien Nerven und Nervencentren vorhanden. Diese können erregend und hemmend wirken, den Herzschlag beschleunigen
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oder verlangsamen, die Arterien erweitern oder verengern. Dadurch nun, dass sie in einem eigenthümliehen Abluingigkeitsverhältniss zur Medulla oblongata, dem gemeinsamen Centrum, stehen, wird dm__ Regulation möglieh. So werden z. B. Eirdiüsse, welche die Arterien be­troffen und eine Steigerung der Stromgeschwindigkeit und des Blutdrucks zur Folge haben würden, dadurch unschädlich gemacht, dass die an den Arterien auftretende Veränderung derart auf die Herznerven wirkt, class diese eine am Herzen ablaufende, im entgegengesetzten Sinne wirksame Functionsänderung und dadurch den Ausgleich bewirken.
Ein die Verengerung der Gefässe und dadurch Störungen bedingender Einfluss wird dadurch unschädlich, dass die Verengerung in ihren Folgen eine heftigere und kräftigere Herzaction bedingt. Ist das Herz durch gewaltigen Blutdruck enorm ausgedehnt, dann bewirkt dies regulatorisch eine reflectorische Thätigkeit der depressorischen Fasern der Medulla oblongata, die Gefässe erweitern sich und entlasten das Herz.
Hautreize veranlassen reflectorische Verengerung der Gefässe und dadurch Störungen. Die damit gleichzeitig verbundene Erregung des Herzens schafft den Ausgleich. — Reizung des Endocards bedingt Con­traction der Herzmusculatur. Je stärker die Reizung, je stärker die Contraction. Grosse Blutmengen geben einen starken Reiz ab und be­dingen dadurch Anregung des Herzens zu heftigen Contractior.en. Da­durch wird dem Eintritt drohender Blutstauungen vorgebeugt. Starke Blutungen veranlassen Blutleere im Herzen und geringere xVnregung desselben. Die Folge ist verminderte Herzaction. Diese ist der Blut­stillung günstig.
Trifft ein Reiz die Haut, dann entsteht Contraction der peripheren Gefässe. In Folge dessen staut das Blut zurück. Der Blutdruck wird erhöht. Das rückstauende Blut setzt dem Herzen einen grösseren Widerstand entgegen. Das Herz arbeitet, dadurch gereizt, kräftiger; es treibt eine grössere Blutmenge mit Macht vorwärts. Dadurch erweitert es gewaltsam die verengerten Gefässe und gleicht die Störung aus. — Jeder Druck veranlasst Anämie, die Gegenwirkung des Herzens hebt sie auf. — Bei Blutungen sinkt der Blutdruck und die Blutmenge, das Herz wird woniger als normal gereizt, es arbeitet matter, sendet weniger Blut vorwärts und fördert so das Haften des Thrombus an der Ausflussstelle des Blutes.
Ein sehr wichtiger regulatorischer Act ist:
Die Selbststeuerung des HerzeDS. Das in das Herz einströmende Blut giobt den Contractionsreiz für das Herz ab, das heisst. jede Füllung des Herzens mit Blut, resp. jede Berührung der Herzintima (Endocardium) mit demselben ver­anlasst eine Reizung der emlocardialen und subendocardialen Nerven. Dadurch kommt rellectorisch (durch die intraoardialen Herzganglien und eventuell durch die Medulla oblongata) eine Contraction des Herzens zu Stande. Die Contraction schafft
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Entleerung des Herzens. Damit schwiiidot der Reiz für die Contraction, und es tritt eine Erschlaffung ein.
In Folge der durch den elastischen Zug der Lunge veranlassten Saugkraft des Herzens und in Folge anderer Umstände füllt sich das Herz von Neuem mit Blut. Dadurch kommt wieder die Anregung zur Contraction zu Stande, und das Spiel beginnt von Keuem. So entsteht die rhythmische*) Thätigkeit des Herzens. Dieser Vorgang könnte schon als die Selbststeuerung des Herzens bezeichnet werden. Es geschieht dies aber nicht, sondern man versteht darunter noch etwas Anderes (Brücke). — Die besprochenen Functionen, das heisst die rhythmischen Contractionen kann das Herz nur ausüben, wenn seine Muskeln von Blut durchströmt sind. Jede Contraction bedingt einen Stolf- und Kräftevcrbrauch, der wieder ersetzt werden muss, wenn das Herz nicht erlahmen soll. Von dem in dem Hohlräume des Herzens enthaltenen Blute kann der Kräfteersatz, resp. die Ernährung der Herzmusculatur bei grossen Thieren nicht erfolgen, sondern es muss dies durch eigene Blutgefässe geschehen. Diese, die Vasa coronaria Cordts, entspringen in der Aorta aus einem Stamme. Wenn sieh nun das Herz con-trahin und das Blut aus sich heraustreibt, dann tritt vermöge bekannter Ver­hältnisse ein totaler oder unvollständiger Verschluss der Kranzarterien ein. Bei der Herzcontraction kann demnach wenig oder kein Blut in den Herzmuskel eintreten. Der Herzmuskel wird mehr oder weniger blutleer. Dieser Umstand trügt mit dazu bei. dass der Contraction eine Erschlaffung folgt. Sobald das Herz erschlafft, öffnet sich der Verschluss der Kranzarterie in Folge der rückströmenden Blutbewegung. Kun strömt Blut in die Kranzarterie ein. erfrischt die Musculatur, führt die Er-müdungsstolTe ab und Nähr- resp. Kraftmaterial zu. So wird die Ermüdung der Herzmusculatur vermieden und die neue Contraction ermöglicht und eingeleitet. Nach jeder Contraction folgt demnach die Restitution des Muskels. In Folge dieses Vorgangs kann man erst von einer echten Selbststeuerung dos Herzens sprechen. Das Herz findet in sich selbst die rhythmische Anregung zur Arbeit, es führt sich selbst das Kraftmaterial zu. Gleichgültig ist es, oh das Einströmen des Blutes so erfolgt, wie wir es hier angeben, oder während der Systole. Der Zweck, der erreicht wird, ist derselbe.
Diese Selbstrcgulation gewährt dem Organismus einen grossen Schulz gegen Anomalien. Strömt, durch eine äussere oder innere Ur­sache veranlasst, plötzlich zu viel Blut zum Herzen, so reizt dies das Herz in der beschriebenen Weise besonders stark, die Contraction wird also stärker, als normal, die grüssore Blutquantität wird dadurch be­wältigt, Jede Störung vermieden. In Folge der stärkeren Herzcontraction ist das Einslrömen in die Coronararterien stärker, denn auch der Rück-stoss des Blutes muss unter diesen Umständen stärker sein, als normal. Die Mehrarbeit wird durch das Mehr an zugeführtem Kraft­material ausgeglichen. In dieser Weise regulirt das Herz viele beginnende Störungen und verhindert das Zustandekommen gefähr­licher Erkrankungen.
*) puß/tos Ebenmaass, Zeitmaass.
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Die Selbsthülfe des thierischen Organismus.
3. Regulation der Blutbeschaffenheit.
Die Blutbeschaffenheit regulirt sich wesentlich durch Regulationen der Aufnahme und Abgabe. Wird zu viel Wasser in das Blut ein­gebracht, dann tritt vermehrtes Harnen, Schwitzen und dergleichen auf; ist zu viel Fett vorhanden, dann wird es an Stellen abgelagert, wo es unschädlich ist; ist zu viel Kohlensäure, z. B. in Folge erhöhter Muskel-thätigkeit zugegen, so wird diese durch verstärkte Abgabe durch die Lungen entfernt; sind zu viel rothe Blutkörperchen vorhanden, so tritt vermehrte Vernichtung derselben ein; bei Verringerung rother Blut­körperchen erfolgt vermehrte Bildung derselben; bei Anhäufung von Galienbestandtbeilen im Blute arbeitet die Leber mehr, als normal; bei Harnstoffanhäufung tritt dasselbe bezüglich der Nieren ein u. s. w. Die hauptsächlichsten Regulationen der Blutbeschaffenheit sind in A ende-rungen des Stoffwechsels, der Respiration, der Secretionen und der Verdauung gegeben.
4. Regulationen der Respirationsstörungen.
Gegen Störungen der Respiration durch äussere Einflüsse sind aus­gezeichnete regulatorische Vorrichtungen vorhanden.
a. Regulation durch das Centrum.
u. Gelangt zu wenig Sauerstoff in den Körper, so reizt dieser Sauerstoffmangel das Athmungscentrum. In Folge dessen tritt erhöhtes und vermehrtes Athmen ein. Dadurch wird mehr Luft aufgenommen und der Sauerstoffmangel ausgeglichen.
ß. Zu viel Kohlensäure im Blute bedingt ebenfalls Reizung des Respirationscentrums. Durch das dadurch bewirkte vermehrte Athmen wird die Kohlensäure aus dem Blute entfernt.
Jede mangelhafte O-Aufnahme und C02-Abgabe beantwortet der Organismus mit erhöhter Athemfrequenz. (Nebenbei sei bemerkt, dass das Athemcentrum auch für hebe Temperaturen reizbar ist. so dass auch bei Wärmeaufspeicherungen vermehrtes Athmen eintritt. Dies ist auch pbysiatrisch, es erreicht erhöhte Blut­abkühlung, es bezieht sich aber nicht auf den Gasvvechsel.) Wenn die Lungen beengt werden, wird mehr geathmet (Rinder nach dem Fressen). Wenn die Athmungsluft wenig SauerstolV enthält, erfolgt lebhaftes Athmen; so athmen Menschen und Thiere in dumpfen, engen Räumen mit schlechter Luft beschleunigt und erschwert. Arbeitende Individuen verhalten sich ebenso. Ein Pferd nach der Attake athmet fast dyspnoetisch.
Jede starke Gewebsthätigkeit bedingt starken SauerstotTverbrauch und be­deutende Kohlensäureproduction, das heisst die Gefahr des Zustandekommens eines zu stark venösen Blutes und dadurch einer Krankheit. Die genannte Reizbarkeit
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des Centrums durch Kohlensäure bedingt die volle Regulation, das Fernhalten der Erkrankung. Das eingetretene vermehrte Athmen ersetzt den Mehrverbrauch des Sauerstoffs durch die Zellen und schafft die mehr producirte Kohlensäure nach aussen.
y. Wird dem Blute zu viel Sauerstoff zugeführt, oder wird zu wenig verbrauclit, so dass Anhäufung desselben im Blute entstellt, dann wird das Athmungscentrum zu wonig oder gar nicht gereizt: das Athmen wird verlangsamt oder steht ganz still (Apnoe).
6. Dieselben Verhältnisse bestehen, wenn wenig Kohlensäure im Blute vorhanden ist.
b. Physikalische Regulation.
Zu der Regulation durch das Centrum kommt noch eine rein physikalische durch die Blutbeschäffenheit hinzu. Die Sauer­stoffaufnahme in den Lungen hängt ganz und gar von der Sauerstoff­spannung des Blutes ab; bei geringer Sauerstoffspannung findet starke Aufnahme statt, und umgekehrt. Ebenso ist es mit der Kohlensäure­abgabe in den Lungen, je mehr Kohlensäure im Blute ist, je mehr giebt das Blut in den Lungen ab. Dasselbe Verhältniss herrscht iu Bezug auf Kohlcnsäureaufnahme und Sauerstoffabgabe in den Geweben.
Bei starker Thätigkeit der Gewebe ist die SauerstolTspannung im Blute eine geringe und die Kohlensäurespannung eine bedeutende. Dies bedingt starke Sauer-stoffaufnahme und starke Kohlensiiureabgabe.
c. Regulation durch die Circulation. Das Circulationscentrum wird durch dieselben Momente erregt, wie das Respirationscentrum. In Folge dessen strömt bei Sauerstoffmangel oder Kohlensäureanhäufung im Blute das Blut rascher durch den Körper und durch die Lungen. Dadurch, dass in der Zeiteinheit mehr Blut durch die Lungen und an der sauerstoffreichen Athmungsluft vorbei­strömt, als normal, wird der Gaswechsel des Blutes in den Lungen erhöht. Es wird die Sauerstoffaufnahme und die Kohlensäureabgabe gesteigert. Wenn das Blut rascher durch die Gewebe strömt, dann wird mehr Kohlensäure aufgenommen und mehr Sauerstoff abgegeben, weil in der Zeiteinheit mehr arterielles Blut mit den Gewebszellen in Berührung kommt, als gewöhnlich. Wenn Sauerstoffanhäufung oder Kohlensäuremangel im Blute bestellt, dann strömt das Blut langsamer. Dadurch wird der Gaswechsel in den Lungen und in den Geweben ver­mindert. In jedem Falle schützt die Circulationsänderung den Orga­nismus gegen Erkranken und unterstützt die Athmungsregulation oder ermöglicht dieselbe.
Ellcnber^er. Allgeraeino Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .
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Ein arbeitendes Individuum zeigt beschleunigten Herzschlag, beschleunigten Puls. Bei starker Gewebsthätigkeit wird demnach die Circulation beschleunigt, ein erhöhter Gaswechsel geschaffen, für Entlastung dos Blutes und der Gewebs­zellen gesorgt. Die Zustände, die wir ÄpnoS*) und Dyspnoe**) nennen, documen-tiren am besten, wie 'weit die Regulation des Organismus geht. Bei Anhäufung von Sauerstoff im Blute kann es zu vollständigem Stillstand des Athmens und ganz träger Circulation kommen, während bei Kohlensäureanhäufung in demselben alle Athmungsmuskeln in angestrengteste Thiitigkeit treten und die Circulation enorm beschleunigt wird.
d. Regulation durch die Selbststeuerung.
Verschiedene Ausseneinflüsse bewirken gewaltsames, heftiges Ein-athmen oder Ausathmen und könnten demnach grosso Gefahren durch Athmungsstilistand, Störungen des Rhythmus etc. bedingen. Vor diesen Gefahren schützt folgende Regulation. Durch die Erweiterung der Lunge bei der Inspiration werden exspiratoriscli wirkende Nerven, das heisst solche, welche das Exspirationscentrum reilectoriscli erregen, peripher gereizt, und durch das Zusaramenfallen der Lungen bei der Exspiration gerathen die das Inspirationscentrum erregenden Nerven in den Rcizungs-zustand (Hering und Breuer). Der Vorgang der Inspiration ver­ursacht also die Exspiration, und die letztere giebt die Ursache der ersteren ab. Darin liegt der Grund des rhythmisch erfolgenden Ath­mens; der Inspiration muss eine Exspiration folgen und der letzteren eine Inspiration. Man hat den ganzen Vorgang die Selbststeuerung der Athmung genannt. Dieser normale Vorgang schützt den Organismus gegen die den Athmungsrhythmus schädigenden Einflüsse und unterhält den Rhythmus auch bei Krankheiten. So wird z. B. ein Reiz, der eine heftige, gewaltsame Inspiration bedingt, die mit Athmungsstilistand droht, durch die genannte reflectorische Reizung des Exspirationsccntrums unschädlich gemacht.
Regulationen am Athmungsapparat, die das Einwirken schädlicher Einflüsse zu verhindern suchen, sind: das Husten, das Niesen, das Prusten.
5. Regulationen des Stoffwechsels.
Der Stoffwechsel wird von vielen Seiten regulatorisch bewirkt, um das Zustandekommen von Störungen in demselben zu vermeiden. Haut­reizungen bedingen Erregung des Stoffwechselcentruras, dadurch tritt
*) ij ä-voia die Atheralosigkeit.
*) ^ iKmzvoca der schwere Athem, die Engbrüstigkeit
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erhöhter Stoffurnsatz ein (bei öfteren Abreibungen der Haut dos Mensehen, öfteren Doachen und dergleichen steigert sich der Appetit). Dadurch erfolgt der Ausgleich. Vermehrte Stoffzufuhr bedingt vermehrten Ver­brauch, vermehrten Zerfall, vermehrte Harnstoffausfuhr. Bei hoher Aussentemperatur sinkt der Stoffwechsel und das Nahrungsbedürfniss, bei niederer^Teuaperatur umgekehrt. Bei starkem Verbrauch von Kraft­material (starkem Arbeiten) ist der Appetit bedeutend, bei ruhenden Thieren ist er geringer.
Die wesentlichsten Regulatoren für den Stoffwechsel sind einerseits die Digestionsorgane, andererseits die exeretorischen Nieren und das die Vermittlerrolle übernehmende zu- und abführende Blut. Die |Regulationen im Stoffwechsel sind die wichtigsten von allen. Sobald der Stoffwechsel eines Theiles, eines Organs, einer Zelle leidet, ist der betreffende Theil krank. Jede Krankheit wird auf dem Wege des Stoffwechsels ausgeglichen. Gesunde Materie funetionirt normal. Beständiges Zerfallen und Neubilden erhalten die Gesundheit. Der Organismus bedient sich vieler Momente zur Stoffwechselregulation. 1st die Regulation im Wachen unmöglich, dann geschieht sie während der Ruhe, ist sie im gesunden Körper unmöglich, dann erfolgt der Ausgleich im Fieber. 1st zu viel Material vorhanden, dann verweigert das Thier die Futteraufnahme, ist zu wenig vorhanden, dann nimmt das Thier viel Nahrung zu sich. Die Regulationen geschehen ent­weder durch reichlichere Bildung und verminderte Ausfuhr, oder ver­ringerte Anbildung und vermehrte Ausfuhr.
6. Regulationen in nervösen Organen.
a. Der Nerven. Jede Reizung eines sensiblen Hautnerven bedingt einen Reizungs­zustand desselben, der gefährlich werden könnte. Die Gefahr wird aber dadurch vermieden, dass der Nerv die Reizung auf das Central-organ und dieses sie auf einen centripetalen Nerven und dieser sie endlich auf seinen Endapparat, der sie durch Thätigkeit (Reflex) aus­löst, überträgt. (Lachen, Weinen, Bewegungen der Muskeln, Ballen der Faust sind solche auslösende Acte.) So werden die Nerven und das Centralorgan vor Gefahren bewahrt. Diesen Zweck haben auch ücber-tragungon von einem sensiblen Nerven auf einen anderen (Irradiationen) und von motorischen auf motorische u. s. w.
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b. Der nervösen Centralorgane. Die Centralorgane des Nervensystems sind durch ihre tiefe und geschützte Lage gegen mechanische Eingriffe gut bewahrt. Ausserdcm reguliren auch sie sich vielfach durch Uebertragungen.
c. Der Sinnesorgane.
Die Retina schützt sich reflectorisch durch die Bewegung der Jris; bei grellem Licht verengt sich die Pupille enorm und lässt weniger Licht eintreten, in der Dunkelheit erweitert sie sich, um mehr Licht aufnehmen zu können. (Das Licht reizt den Nervus opticus, dieser leitet die Reizung zum Centrum, dieses überträgt sie auf den Oculo-motorius und vcraulasst den Sphincter pupillae zur Contraction; fehlt diese Reizung, dann erweitert sich die Pupille, weil der Uculoraotorius ans Mangel an Reizen ruhl und so der Nervus sympathicus, der den Dilatator pupillae versorgt, die Uebcrhaud gewinnt.) Vor fremden Körpern schützt sich das Auge durch reilcctorisches Schliessen der Augenlider und eventuell auch durch Thränen. (Retlexbogen: Nervus trigeminns und Nervus lacrimalis resp. subeutaneus malac resp. sym­pathicus.)
Das Gehörorgan ist vor zu heftigen Schallwellen vielfältig durch Anbringung von Dämpfungsapparaten und dergleichen geschützt.
Das Geruchsorgan ist vor fremden Körpern dadurch geschützt, dass solche Körper durch Berührung der Nasenschleimhaut Niesen her­vorrufen, welches den fremden Körper herausschleudert.
Die dem Gefühls sinn vorstehenden Apparate sind durch die feste derbe Epidermis, durch die Haare u. s. w. vielfach geschützt. Ausser-dem aber schützen sie sich noch durch reflectorischc Bewegungen. Eine Hautreizung bedingt reflectorische Muskelbewegung, die bezweckt, den fremden Körper zu entfernen, unschädlich zu machen (Ausschlagen der Pferde, die erschütternden Hautmuskelbewegungen der Thiere gegen Fliegen etc., die Wischbewegung decapitirter Frösche u. s. w.).
7. Regulationen von Seiten der Verdauungsorgane.
Diese Organe werden ganz besonders durch den Instinct verhindert, Dinge per os aufzunehmen, welche schädlich sind, oder zu viel Nahrung, die belästigend wirken würde, zu fressen. Sie schützen sich aber auch durch überlegtes Verschmähen der schädlichen Nahrungsmittel, fremder reizender Stoffe, zu kalter oder zu warmer Nahrung. Die Zunge ist ein ausgezeichnetes Tast- und Geschmacksorgan. Sie benutzt das Thier,
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um sich über die Natur der aufzunehmenden Nahrungsmittel zu orien-tiren. Ausserdem nehmen die Thiere auch noch den Geruch bei dieser Prüfung zu Hülfe. Diese Prüfung befähigt die Thiere, zufolge der Er­fahrungen, welche sie bezüglich der Wirkung der aufgenommenen Stoffe gemacht haben, und zufolge einer angestellten Ueberlegung die schäd­lichen Siolfe zu verschmähen.
Werden aber reizende, den Verdauungsapparat aitorirende Stoffe aufgenommen, dann schützt sich der Organismus gegen die daraus er­wachsenden Gefahren in verschiedener Weise. Die reizenden Substanzen veranlassen reflectorisch entweder Erbrechen, oder eine stürmische Peri-staltik mit vermehrten Secretionen — beides hat die Entfernung der­selben zur Folge —, oder sie bewirken einen Reizungszustand der Schleimhäute, welcher deren Resorptionsfähigkeit herabsetzt, dagegen die Schleimbildung erhöht — ersteres verhindert die durch die Re­sorption drohenden Gefahren, letzteres hüllt die reizenden Stoffe ein und deckt die Schleimhautoberfläche —, oder sie werden durch die chemischen Eigenschaften der Verdauungssccrcto zersetzt und unschädlich gemacht. Der Darmcanal ist aber auch ein Regulationsorgan für den ganzen Körper. Bei starkem Verbrauch im Organismus steigert sich seine verdauende und resorbirendo Thätigkeit und umgekehrt. Bei unterdrückter Nieren- und Hautthätigkeit tritt er vicariirend für diese Organe ein u. s. w.
Die Secrctionsorgane des Verdauungsapparats reguliren sich aus­gezeichnet zufolge ihrer Tnnervationsverhältnisse. Die Secretion passt sich ganz und gar den Bedürfnissen an, sowohl quantitativ als qualitativ. Bei Aufnahme von zu viel Nahrung tritt stärkere Reizung der Ver­dauungsorgane ein. Die Secretion der Verdauungssäfte erfolgt in er­höhtem Maasse, die Verdauung wird lebhafter, und so wird auch das Mehr an Nährmaterial bewältigt. Behufs Fortschaffen und Mischen der Hassen erfolgt stärkere Muskelarbeit der Darm wände, als normal. Unter solchen Umständen wird auch die Resorption gesteigert. Dies führt dazu, dass mehr Nähmaterial im Blute ist. Dies führt zu er­höhtem Zerfall der Eiweisskörpcr. Dies zu erhöhter Ausführung von Harnstoff u. s. w. und zu Fettablagerungen in das Bindegewebe.
Bei Aufnahme von zu viel Wasser in den Magen erscheint ver­mehrte Pcristaltik, um dasselbe fortzuschaffen, es tritt aber auch ver­mehrte Resorption ein. Dadurch wird das Blut wässeriger. Das bedingt vermehrte Nierenarbeit, vermehrtes Harnen. Dadurch Regulation.
Bei Mangel an Wasser und Nahrungsmitteln treten Reactionen des Organismus auf, welche bis zu einem gewissen Grade regulirend wirken.
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Plier kommen namentlich die Ernährungsgefuhle in Betracht, welche die Thiere antreiben, das Fehlende zu suchen. Bei Mangel an Nahrung nehmen die Thiere Stoffe auf, die sie für gewöhnlich ver­schmähen und die von den Verdauungsorganen nicht selten auch ver­daut werden. So können die Hausthiere z. B. die Cellulose zum Theil verdauen. AVenn sie genug leichte und verdauliche Nahrungsmittel er­halten, dann wird die Cellulose wenig angegriffen und geht fast ganz unverdaut ab. Wenn aber Mangel an anderen Nahrungsmitteln besteht, dann wird die Cellulose reichlich verdaut Bei reiner Haferfütterung verdauen die Thiere z. B. wenig Cellulose: sobald viel Stroh und Heu mitgefüttert wird, steigt die Cellulosenverdauung bedeutend. Ausserdem tritt bei Mangel an Nahrung eine hochgradige Herabsetzung der Ver­brennungsvorgänge im Körper ein, der Organismus spart jetzt mit seinen Kräften (die Thiere ruhen viel). Bei Mangel an Wasser wird weniger Harn secernirt, die Thiere schwitzen nicht, sie suchen instinetiv nach Flüssigkeiten und nehmen auch solche auf, welche sie für gewöhnlich verschmähen. Die Thiere pflegen der Ruhe und setzen den Wasser­verbrauch auch dadurch herab. Das Wasserbedürfniss sinkt.
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8. Regulationen int Gebiete der Harnorgane.
Der Harnapparat liegt sehr geschützt. Die Nieren liegen in einem vollständigen Fettpolster. Die Rückstauung des Harns aus der Harn­blase ist kaum möglich. Die Nieren sind paarig vorhanden. Wird eine Niere beschädigt, dann tritt die andere helfend ein. Gelangen reizende Stoße in den Harn abführenden Apparat, dann treten reliec-torische Muskelactionen daselbst auf, welche die Stoffe entfernen u. s. w. Die Nieren sind wichtige Regulationsorgane für den Körper. Von ihrer Thätigkeit hängt wesentlich die Blutbeschaffenheit ab, welche ja ausser-ordentlich wichtig für das Leben des Organismus, für die Thätigkeit der Zellen ist. — Reizende Stoffe, die im Blute sind, regen die Nieren-thätigkeit an und werden rasch aus dem Blute durch die Nieren entfernt. Bei zu viel Wasser, zu viel Harnstoff etc. im Blute sorgen die Nieren für reichlichere Abfuhr dieser Stoffe. 1st wenig Wasser im Blute, dann wird wenig Harn gebildet.
Die Nieren stehen im vicariirenden Verhältniss zur Haut. Bei reichlichem Schwitzen vermindert sich die Nierenthätigkeit und umge­kehrt. Im Winter harnen die Thiere mehr, als im Sommer.
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9. Regulationen im Genitalapparat.
Diese Organe sind durch ihre Lage und ihre anatomische Ein­richtung ausgezeichnet gegen Schädlichkeilen geschützt. Da die Hoden und Ovarien paarig sind, so kann Stellvertretung des einen Hodens durch den anderen u. s. w. eintreten. Die Genitalorgane stehen in reichlicher Nervenverbindung mit anderen Theilen des Körpers. Sie leiten heilsame Reflexe ein. Die Verbindung der Milchdrüsen mit dem Uterus ist von höchster Bedeutung für die Erhaltung der Gattung. Der reflectorische Eintritt der Wehen stellt einen Act des Erhaltungs­triebes dar u. s. w.
D. Der Kampf gegen die Krankheitsursachen im Einzelnen.
Nachstehend geben wir eine Skizze über die Hülfen des thierischen Organismus gegen die einzelnen Krankheitsursachen, die in der Aetio-logie*) aufgeführt werden. Da das Gapitel der Aetiologie noch so ausserordentlich unklar und unvollständig ist, so können auch unsere Betrachtungen nur skizzenhaft sein.
Die sogenannten Krankheitsursachen wirken mechanisch, chemisch oder physikalisch auf den Körper ein. Die Einrichtung der in dieser Weise betroffenen Stelle entscheidet über die zu Tage tretende Wirkung. Sie ist bekanntlich Causa morbi interna. — Die nach erfolgter Einwirkung vom Organismus gesetzmässig erfolgende Gegenwirkung bezweckt zwar die Unschädlichmachung der Ursache, hat aber oft Krankheit zur Folge, weil, wie wir oben besprochen, die Gegenwirkung nach gewissen Gesetzen, gemäss den gewöhnlich eintretenden Reizen (zufolge der speciellen Energie der Gewebe) erfolgt, so dass bei Ein­wirkung anderer Reize die sonst zweckentsprechende Gegenwirkung gefährlich, Ja todbringend sein kann.
Bei Betrachtung der Gegenwirkung gegen Kranhheitsursachen muss man festhalten, dass die Entfernung der ersterea stets der Hauptzweck sein muss, nur dann kann die Einwirkung unschädlich gemacht werden.
1. Gegen die inneren physiologischen Krankheitsursachen.
Physiologische Disposition. Jedes Gewebe und jedes Organ kann erkranken, und zwar in Folge der Einwirkung von Krankheitsursachen.
*) nunoXoyia Lrsaohenlehre. von alria Ursache, und koyog Lehre.
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Die innere Einrichtung der Gewebe und Organe, der wechselnde Zu­stand des Individuums stellt die physiologische Disposition zum Er­kranken dar. Gegen diese sind im Organismus zahllose Einrichtungen behufs Ausführung von Gcgeninassregcln getroffen, die wir als Correc-iuren der inneren Einrichtung zu betrachten haben. Hierüber haben wir uns vorn schon verbreitet.
Physiologische Prädisposition. Der einfachen Disposition gegenüber sprechen wir noch von einer physiologischen Prädis position der Organe. Diese ist gewöhnlich in der Lage und dem Bau derselben gegeben. So besitzen Prädisposition, zu Erkrankungen die äusseren, leicht zugänglichen Theile, wie die Haut, die Respirationsschleimhaut, die Eingangstheile des Verdauungsschlauches u. s. w. Deragemäss sind diese Theile auch besonders geschützt, so die Haut durch die Haare, den wenig permeablcn hornigen üeberzug, den bedeutenden Nervenreichthum, die Sinnesapparate, die fortwährende Abschilferung der Oberhaut, welche Entfernung schädlicher, in dieselbe eingedrungener Dinge bewirkt, u. s. w.; die Respirationsorgane durch den engen Ein­gang, das flimmernde Epithel, den Schleimbelag, den Hustenreflexapparat u. s. w.; der Eingang in den Verdauungscanal durch das dicke, ober-flächlich verhornte Epithel; enge, leicht Krankheiten bedingende Stellen durch stärkere Entwickelung der Musculatur daselbst zum Schütze vor Stockungen: der der Selbst Verdauung so leicht ausgesetzte Magen ist durch das alkalische Blut; zarte, leicht verletzliche Organe sind durch tiefe, unzugängliche Eage und dergleichen vor Nachtheilen geschützt. Lebensalter. Die im Lebensalter gegebenen Prädispositionen tragen den Schulz in sich selbst. So z. B. erkranken jugendliche In­dividuen leicht formativ. Bei der ausgeprägten Lebhaftigkeit der for-mativen Processe in diesem Alter erfolgt aber auch der Ausgleich leicht. Constitution. Aehnlich wie mit dem Lebensalter liegt es mit der Prädisposition, die in der Constitution gegeben ist. Es giebt san­guinische, lymphatische, nervöse, bindegewebige etc. Constitutionen (W. Schütz), und Jede neigt zu bestimmten Erkrankungen. Sind mehr Gelasse vorhanden, so besteht grössere Neigung zu Gefässerkran-kungeiij weil mehr Angriffspunkte da sind. Aber in dem Mehr von Gefässen ist auch die Möglichkeit der leichteren Regulation gegeben. Am Darm ist die Gefässvertheilung sehr reichlich, die Neigung zum Erkranken also sehr bedeutend. Trotzdem sind Störungen durch Gefäss-orkrankungen daselbst verbältnissmässig selten, weil durch die Menge der Gefässe leicht der Ausgleich stattlinden kann.
Der grossartigste Schutz gegen innere Prädispositionen liegt in der allmäligen Umbildung der inneren Einrichtung zu immer zweckmässigeren Formen und der Vererbungslähigkeit der verbesserten Einrichtung-Pathologische Prädisposition. Gegen innere pathologische Prä­dispositionen schützt sich der Organismus vielfach. Hierüber wird an anderer Stelle gesprochen werden.
Vererbung. Gegen die Erwerbung von Prädispositionen durch Ver­erbung schützt die Thiere im natürlichen Zustande vielfach das Zu­grundegehen der mangelhaft beschaffenen Individuen, ehe sie zur Fort-
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pflanzung gelangen. Ist aber ein Fehler vererbt worden, so adaptirt sich der Organismus von Jugend auf den Verhältnissen und vermeidet instinetiv die gefahrdrohenden Ursachen. Namentlich bilden sich bei durch Vererbung erworbenen Prädispositionen die entsprechenden regula­torischen Apparate während der Entwickelung, resp. des Wachsthums stärker aus und schaffen so den nothwendiffen Schutz.
2. Gegen äussere Ursachen.
a. Physikalische Einflüsse.
Man versteht darunter Kräfte, die ohne sichtbare Massenbewegung den Körper beeinflussen. Sie bedrohen die Thiere vielfach, so z. B. zu hohe oder zu niedere Temperatur, zu grelles Licht, scharfer Wind, er­höhter oder verminderter Luftdruck u. s. w. Diesem gegenüber besitzt der Organismus mächtige Regulationskraft.
c. Temperaturwechsel. Gegen den Wechsel der Temperatur schützt sich das Thier durch die oben besprochene Regulation, die je nach den Umständen in Erhöhung oder Verminderung der AVärme-produetion und einer Steigerung oder Abnahme der Wärmeabgabe be­steht. Namentlich wichtig ist für die Regulation die Schweiss-secretion, je nachdem, ob sie sistirt oder in Action ist. Zu den geschilderten inneren Vorgängen kommt noch einiges Andere hinzu: bei grosser Hitze strecken sich die Thiere aus, um eine möglichst grosse Fläche zur Ausstrahlung darzubieten; bei Kälte krümmen sie sich zusammen, um die abkühlende Fläche zu verkleinern; in der Kälte sträuben sich die Haare, legt sich die Haut in Falten. Für die kälteren Jahreszeiten legen die Thiere das Winterkleid an. das heisst sie werden mit einem dichteren Haarkleide versehen: für die wärmeren Jahreszeiten bekleiden sie sich wieder mit einer dünneren Haardecke. Bei Kälte bewegen sie sich viel, um Wärme zu er­zeugen, bei hoher Temperatur pflegen sie der Ruhe. (Frierende Men­schen treten hin und her, schlagen mit den Armen; frierende Pferde stampfen mit den Füssen u. s. w.) Ist der Aufenthalt der Thiere kalt, so drängen sie an einander und suchen geschützte Orte auf. Bei kalter Witterung nehmen sie mehr und womöglich gehaltreichere Nahrung auf, als an heissen Sommertagen u. s. w.
/S. Licht. Thiere, die durch Licht erregt werden, suchen dunkele Orte auf oder schliessen die Augenlider. Reflectorische Verengerung der Pupille, Verkleinerung der Lidspalte u. s. w. schützt das Auge vor nachtheiligen Einwirkungen durch zu grelles Licht. Längere Einwirkung von mehr Licht und Wärme auf die Haut führt zu erhöhter Ausbildung
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des Pigmentgewebes derselben. Dieses absorbirt die Lichtstrahlen und lässt sie weniger in die Haut, das heisst an die Nerven dringen.
;'. Winde und kalte Luft. Gegen die heftigen Bewegungen der Luft, gegen den Wind suchen die Thiere willkürlich Schutz (bei Sturm und Regen suchen sie geschützte Orte auf, sie stellen das Hintertheil gegen den Luftstrom, Pferde wenden zum Beispiel, wenn sie gegen den Wind gestellt sind, den Kopf zur Seite u. s. w.). Ausserdem finden sie ihn aber auch z. B. in dem Bau der Respirationsorgane. Die stark strömende kalte Luft findet vielfachen Widerstand an den Wänden des gekrümmten und ungleich weiten Kespirationscanals, so dass die ge­waltigen Windstösse nicht direct die Bronchien und das Lungengewebe treffen können. Dabei findet die Luft auch vielfach Gelegenheit, sich zu erwärmen. Beides ist ganz besonders der Fall beim Athmen durch die Nase. In Folge dieser Einrichtungen kommt die Luft bei den Alveolen langsam und im erwärmten Zustande an. Pferde, welche gerade bei ihren heftigen, raschen Bewegungen grossen Gefahren durch Einathniung zu kalter oder stark bewegter Lufi ausgesetzt sind, besitzen eine derartige anatomische Einrichtung, ein so langes Velum palati, dass sie nur und allein durch die Nase athmen können. In dieser Einrichtung ist ein wichtiges Schutzmittel gegen die schädlichen Einwirkungen zu kalter und zu stark bewegter Luft gegeben. Es zeigt dies wieder, dass je mehr eine Thierart gewissen Unbilden ausgesetzt ist, desto mehr Vorkehrungen gegen die daraus entspringenden Gefahren angebracht sind. Nebenbei sei noch bemerkt, dass auch das reiche Venensystem der Nasenschleimhaut ein Schutzapparat gegen Erkran­kungen sein dürfte.
6. Jahreszeiten. Auch gegen die den Jahreszeiten entspringenden Krankheitsursachen schützt sich der Organismus. Im Winter ist, der Stoffwechsel erhöht, das Haarkleid dichter, die Verdauung reger, es wird mehr Fett aufgenommen, die Haut ist blutarm, das Schwitzen sistirt, Muskelactionen sind beliebt, die Harnabsonderung ist vermehrt. Im Sommer nehmen die Thiere viel Wasser, weniger feste Nahrung auf, der Stoffwechsel sinkt, die Haut ist blutreich, die Flautperspiration ist lebhaft, oft erfolgt Schweissausbruch, es besteht stärkeres Ab­schuppen der Haut, die Nerven- und Muskelthätigkeit liegt darnieder, die Thiere harnen wenig. Der allmälige Uebergang aus einer Jahres­zeit in die andere ist die Ursache, dass auch die Eigenschaft der Ge­wohnheit helfend eintreten kann.
s. Klima. Aehnlich wie gegen die Jahreszeiten schützen sich die Thiere gegeraquo; die Unbilden des Klima. Besonders schützt hier aber
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die Adaptabilität des Organismus und die Bildung von Pigment in der Haut.
c. Bodenverhältnisse. Gegen die aus dem Aufenthalt der Thiere im Stalle, aus den in den Bodenverhältnissen, in dem Gebrauch etc. beruhenden Krankheitsursachen findet sich der Schutz im Anpassungs­vermögen der Thiere.
rj. Luftdruck. Gegen die Schädlichkeiten des Luftdrucks schützt sich der Körper durch die enorme Accommodationsfähigkeit der Blut-gefässwände, den dickeren Epithelbezug der Cutis und dergleichen.
9: Mangel an Luft. Bei Mangel an Luft wird das SauerstofT-bedürfniss im Körper durch Minderung der Oxydationsprocesse herab­gesetzt; ausserdem aber wird das Athmen rascher und unter Um­ständen tiefer.
b. Mechanische und chemische Einwirkungen.
Gegen diese kann sich der Körper sehr verschieden schützen. Schon in der Beschaffenheit der Gewebe, in der Lage der Organe, in dem Schleim und Epithelbelag der Häute u. s. w. liegt, wie schon erwähnt, ein wesentlicher Schutz. Wirkt die mechanische Ursache aber heftig ein, dann entsteht stets eine Krankheit. Sobald die Dehnbarkeit, Elasticität und Festigkeit etc. der Gewebe nicht mehr zur Gegenwirkung ausreicht, ist das Moment der Krankheitsentstehung gegeben.
Den Schutz gegen grob mechanische und grob chemische Ursachen im Einzelnen zu besprechen ist unmöglich. Nachstehend sei nur Einiges beispielsweise erwähnt.
I. Schutz gegen Erschütterungen.
Jede mechanische Erschütterung bedingt Aendorungen im molecularen Aufbau der Gewebe. Die meisten Gewebe vermögen aber solche Er­schütterungen zu ertragen, ohne dass Eunctionsstörungen eintreten, indem die Molecule rasch ihre normale Lagerung wieder einnehmen. Nur das Nervensystem ist in dieser Beziehung mangelhafter beanlagt. Es restituirt sich langsam. Deshalb führen Erschütterungen leicht zu Erkrankungen resp. Eunctionsstörungen der nervösen Organe.
2. Schutz gegen drückende und reizende Ursachen.
Die directen Folgen, die Druck auf den Organismus ausübt, sind sehr verschieden je nach den Geweben, welche er trifft, und je nach dem Zustande, in dem letztere sich befinden. Danach wird auch die Gegenwirkung verschieden sein müssen.
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Im Allgemeinen ist Folgendes zu bemerken.
Wie im gesunden Körper zu physiologischen Zwecken bei Druck eine Erhöhung der Lebensvorgänge, namentlich eine Ver­mehrung der Blutmenge und Steigerung der Zellthätigkeit. eintritt (z. B. bei Anfüllung des Magens, bei der Entwickelang der Zähne, bei der Trächtigkeit), so reagiren die Gewebe auch auf abnormen Druck. Es entsteht Hyperämie und erhöhte Zellthätigkeit. Es ist dies heilsam. Der Druck macht Anämie, das bedingt Gefahren. Des­halb sendet der Organismus mehr Blut hin, das macht Ausgleich. Der Druck veranlasst Compression; die Mehrzufuhr von Blut bedingt dem gegenüber Schwellung und so den Ausgleich. Durch die Schwellung kann auch der fremde Körper abgehoben werden.
Durch Druck werden nicht selten zu- und abführende Gcfässe unterdrückt. Der Organismus hilft sich, wenn der drückende Gegen­stand durch den erhöhten Blutdruck nicht zu entfernen ist, dadurch, dass er durch collaterale Gcfässe, die zu dem Zwecke weiter werden, das Blut zu- resp. abführt. (Bei Druck auf die Carotis übernimmt die Vertebralis die Function.)
Durch Druck werden manchmal die Ausführungsgänge von Drüsen comprimirt. Da verhindert der Organismus, wenn er durch die Vis a tergo der Secrete das Hinderniss nicht überwinden kann, durch Resorption der stauenden Secrete und Ausführung der resorbirten Stoffe auf anderen Wegen (durch das vicariirende Organ).
Durch Druck kann auch ein Organ ganz unthätig, ganz an­ämisch werden, so dass die Hyperämie anstrebende Gegenwirkung unmöglich wird. In diesem Falle muss das vicariirende Organ die Functionen des gedrückten übernehmen.
Stärkerer Druck kann auch zu Zerstörungen von Gewebs-theilen führen. Dann tritt Entzündung und eventuell Fieber zur Herstellung der Norm auf.
Wird ein rausculöses, hohles Organ gedrückt, so dass sein Inhalt gar nicht oder nicht in genügender Menge vorwärts geschoben werden kann, dann sucht das Organ durch stärkere Contractionen das Hinderniss zu überwinden. Dieser Naturheilvorgang ist möglich, weil die musculösen Organe so eingerichtet sind, dass sie mehr leisten können, als sie normaliter leisten. Wenn das Hinderniss längere Zeit besteht, dann wird die Musculatur hypertrophisch, das heisst sie wächst, um einen stärkeren Kraftaufwand zur Bekämpfung des Druckes zu ermöglichen. In der Erweiterungsfälligkeit der Hohlorgaue, in der Dehnbarkeit und Elasticität ihrer Wände ist ein
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wichtiges Naturheilmittel gegen Druck. Stauungen, Secretansammlungen gegeben.
Jeder Druck reizt und ruft Schmerzen hervor. Demgegen­über tritt die Ableitung der Schmerzen auf die Umgebung ein. Diese wirkt günstig, die Schmerzen werden mehr vertheilt. Die Nerven­reizungen rufen aber auch viele reflectorische Vorgänge in ent­fernten Organen hervor, die oft günstig wirken.
Auch das Ausweichen weicher Gewebe zur Seite der drücken­den Gegenstände ist den Naturheilvorgängen zuzuzählen.
3. Schutz gegen fremde Körper.
Insoweit dieselben als drückende Ursachen wirken, ist die Reaction dieselbe, wie ad 2 geschildert. Gegen fremde Körper treten aber auch noch specielie Gegenwirkungen ein. Der Organismus umgiebt dieselben mit Schleim und schleimigen Flüssigkeiten, damit sie weniger reizen (auf der Cornea, in den Bronchien, überhaupt auf allen echten Schleim­häuten), oder er entfernt sie durch heftige motorische Vorgänge (Er­brechen, Niesen, Husten, stürmische Peristaltik, Uterus-, Harnleiter-, Blasen- und Mastdarmcontractionen), oder durch reichlicher ergossene drückende und wegschwemmende Flüssigkeiten (Thränen, Harn); oder er löst sie unter Umständen auch in den warmen thierischen Säften auf, resorbirt sie und entleert sie durch die Excretionsorgane (Knochen und gewisse Metalle im Magen), oder er kapselt sie ab und macht sie so unschädlich, oder er stösst sie durch Eiterung nach aussen, oder er schliesst sie in künstlich gebildete Divertikel der Hohlorgane ein.
laquo;. Schutz der Respirationsorgane gegen fremde Körper. Verun­reinigung der einzuathmenden Luft durch fremde Beimengungen werden theilweise dadurch unschädlich gemacht, dass sie an den langen Haaren am Naseneingang, an dem Schleim der Nasenschleimhaut u. s. w. hängen bleiben und gar nicht in die tieferen Theile der Respirationsorgane ge­langen. Oder die betreffenden Beimengungen irritiren das Geruchs­organ und lassen die Thiere instinetmässig die betreffende Luft fliehen. Oder sie reizen die Nasenschleimhaut und bedingen Niesen. Prusten etc. Oder sie gelangen bis zum Larynx und erregen durch Reizung daselbst Husten. Durch das Niesen und Husten werden die Körper entfernt und unschädlich. Die öfteren Durchmesserveränderungen, namentlich die Verengerungen sind die Ursache, dass sehr viele der Beimengungen an den Schleimhäuten der Nasen-, Rachen- und Kehlkopfshöhle sitzen bleiben, von wo sie leicht nach aussen gelangen.
Dringen feinere und nicht reizende Verunreinigungen noch weiter
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in den Respirationsapparat, in die Trachea und ihre Verzweigungen in der Lunge, die Bronchien ein, dann schlagen sie sich auf der Schleimhaut, die durch eine dünne Schleimschicht geschützt ist, nieder. Die in fortwährender Thätigkeit begriffenen und durch die fremden Körper noch gereizten Flimmerzellen schaffen den Sehmutz, der in dem Schleime haftet, durch die nach aussen gerichtete peitschende Bewegung der Härchen nach aussen und machen ihn unschädlich.
Wenn nun aber trotz all dieser Schutzvorrichtungen bis in die feinsten Bronchien und Alveolen Schmutztheile gelangen, dann werden diese von den Epithelzellen aufgenommen. Die Zellen quellen auf, ver­fallen der schleimigen Metamorphose*), werden dann abgestossen und nach aussen geschafft, während neu entstehende Epithelzellen, welche die zu Grunde gegangenen ersetzen, den Verlust decken. Trifft aber neuer Staub die betreffenden Stellen, ehe die Regeneration erfolgt ist, oder gelangt der Schmutz zu massenhaft an, dann erscheinen Leuko-cyten in Masse an der gefährdeten Stelle, fressen die Staubtheilchen und schleppen sie fort, und zwar in der Regel in Gefässwändc, Lymph­drüsen und dergleichen, woselbst sie noch am wenigsten schaden. So ist der Respirationsapparat also vorzüglich gegen das Eindringen fremder Körper geschützt.
Unter fremden Körpern sind namentlich auch die pathogenen und die nicht pathogenen Lebewesen (Bacillen, Bakterien, Pilze u. s. w.) zu verstehen, die sich in der Athmungsluft finden. Es gehören dazu auch Eiter- und Schleimkörperchen und dergleichen körperliche Elemente.
ß. Schütz der Sinnesorgane. Das Auge ist durch unwillkürlichen reflectorischen Lidschluss, durch die dicken Epithellagen der Cornea, durch das fortwährende Arbeiten der Thränendrüsen u. s. w., das Ohr durch das Ohrenschmalz, die Haare am Eingange, die Windungen des äusseren Gehörgangs etc., das Geruchsorgan durch den venösen
Reflexapparat, der das Niesen bewirkt, zum Theil
Alle Sinnesorgane, auch das Geschmacks-
geschützt.
and das Fühlorgan,
schützen sich in Folge der sinnlichen Wahrnehmung der sie bedrohen­den fremden Körper wesentlich durch willkürliche zweckentsprechende und wohl überlegte Handlungen (Ausspeien schädlicher, in den Mund genommener Stoffe), üeberhaupt findet der Schutz gegen fremde Körper und deren Einwirkungen sehr vielfach durch willkürliche, überlegte, zweckentsprechende Handinngen statt.
*) /j.£Ta,uL6pyiuHng Verwandlung, von ftsrafioppouv umgestalten, umbilden.
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4. Schutz gegen traumatische Einwirkungen.
Einen bcsondiM-en Schutz gegen traumatische*) Ursachen giebt es nicht. Der Schutz liegt in der Einrichtung der thicrischen Gewebe, in den willkürlichen und unwillkürlichen, reflectorischen und instinetiven Handlungen der Thiere, welche die Abhaltung der Ursache bezwecken. Sobald Zerstörungen thicrischer Gewebe durch die Krankheitsursache eintreten, sorgen entzündliche, regenerirende und reproducirende Vor­gänge für die Wiederherstellung des ursprünglichen, aber durch die traumatische Ursache zerstörten Zusammenhanges.
5. Schutz gegen mechanische Ursachen, welche Dislocationen der beweglichen organischen Gebilde machen.
Der Schutz des Organismus gegen diese Ursachen ist der ad 4 an­gegebene. Die anatomische Befestigung und die Lage der Organe ge­währt den ausgiebigsten Schutz. Die wichtigsten Organe liegen deshalb am verstecktesten, das heisst am geschütztesten. Wenn diese von heftigen Gewalten, wie die sind, welche Traumen und Dislocationen machen, betroffen werden, dann tritt in der Regel der Tod der Thiere ein. Sobald die mechanische Ursache eine Dislocation gemacht hat, nennt man diesen Zustand und die sie begleitenden Processe eine Krankheit (es gehören dahin Verrenkungen. Hernien dos Darmcanals, der Harnblase, Vorfälle und dergleichen).
6. Schutz gegen Gifte.
Nach der Aufnahme von reizenden Giften stellt sich Durst ein, die Thiere nehmen viel Wasser auf, das ist heilsam. Manchmal besteht auch Neigung zur Aufnahme bestimmter Substanzen, welche antidotisch wirken (Alkalien, alkalische Erden bei Säureaufnahme, Essig bei Aufnahme von Alkalien; mechanische Stoffe etc.). Die automa­tischen Bewegungen der von Giften getroffenen Organe werden verstärkt (Erbrechen, Diarrhöe), und es tritt reichlichere Se­cretion der Säfte und reichliche Schleimbildung ein. Ersteres be­wirkt, dass die Gifte nicht lange an einer Stelle bleiben, eventuell dass sie ausgeworfen werden, letzteres Einhüllen derselben und Decken der Schleimhäute, welche der Reizung ausgesetzt sind. Gegen den örtlichen Eingriff der Gifte, der mit Vernichtung des localen Lebens droht, wirkt die gesteigerte Lebensthätigkeit dieser Stellen (Hyperämie, Schwellung etc.).
*) rpaüfia Verletzung, Wunde.
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Manche Gifte werden rasch resorbirt und rasch ausgestossen, so dass keine Anhäufung im Körper zu Stande kommt, andere werden rasch abgelagert, damit die Blutqualität nicht zu sehr leidet; manche werden auch im Magen und Darm theilweise oder ganz zersetzt und' unschädlich gemacht (Blei zu Schwefelblei, letzteres ist unlöslich, also unschädlich). Bei einigen Giften besteht langsame Resorption im Magen und Darm, aber rasche Ausscheidung, so dass stets so geringe Mengen im Blute sind, dass gar keine Gefahren für den Orga­nismus vorliegen (so ist es bei Curare). Die meisten Gifte bewirken einseitig nur ganz bestimmte Gewebe oder Organe. In Folge dessen ist der Ausgleich durch die gesund bleibenden Organe möglich. An gewisse Gifte kann sich der Organismus gewöhnen (Kaffee, Thee, Tabak, Alkohol, Gewürze).
c. Parasiten.
Gegen die Aufnahme von Parasiten existirt derselbe Schutz, wie der besprochene gegen die Aufnahme fremder Körper überhaupt. Der Schutz ist. jedoch schwieriger herzustellen, die Parasiten sind Lebewesen, die oft activ eindringen, sich festhaken und weder durch Erbrechen, noch Niesen, noch Husten, noch lebhafte Peristaltik zu entfernen sind. Das Jucken und Reiben der Thiere, die Diarrhöen, das Fressen von Sand und rauhen Dingen sind Alles Aeusserungen der Sclbsthüife, aber oft ohne Erfolg.
Auch die Abkapselung und Verkalkung der Parasiten ist ein Schutzact des Organismus.
d. Miasmen. Gegen Miasmen ist ein wesentlicher Schutz in der Thatsache der Gewöhnung der Thiere gegeben. In dieser Hinsicht gilt Alles, was oben über Gewöhnung gesagt worden ist.
e. Contagien. Gegen Contagien vermag auch die Gewöhnung helfend einzu­greifen, aber doch selten. Contagien gegenüber verhalten sich viele Thiere immun, andere erkranken leicht durch dieselben u. s. w. Wo­durch die grössere oder geringere Empfänglichkeit für dieselben bedingt wird, wissen wir nicht. Man sagt, der eine Körper bietet dem Con-tagium virum einen günstigen Boden für dessen Entwickelung dar, der andere nicht. Man vergleicht so den Körper mit einer Erdfläche, in der sich je nach der physikalischen und chemischen Beschaffenheit
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verschiedene Pflanzenarten zu entwickeln vermögen. Das Contagium vivum ist ein Parasit, und zwar, wie man gewöhnlich annimmt, pflanz­licher Natur. Daraus ergiebt sich schon, dass der Selbstschutz gegen dasselbe sehr schwer, oft unmöglich ist, wenn überhaupt die Empfäng­lichkeit für das Contagium da ist, das heisst wenn der Körper dem Contagium die Bedingungen der Existenz darbietet. Schutz gewährt aber oft schon das intacte Epithel oder die Cilien desselben. Koch hat festgestellt, dass das Tuberkelcontagium in intacte Schleimhäute nicht eindringen kann.
Einen wirksamen Schutz gegen Contagien schafft sich der Orga­nismus dadurch, dass die Krankheitskeime in demselben Fieber hervor­rufen. Die Fiebertemperatur behindert aber die Fortpllanzungsfähigkeit und das Gedeihen der Krankheit erregenden Organismen. Die in der Fieberhitze getödteten Spaltpilze werden durch Oxydationsprocesse verbrannt. Der Organismus verzehrt die Spaltpilze, anstatt sich von ihnen verzehren zu lassen.
Eine weitere Art der Hülfe des Organismus gegen Contagien besteht in der Ablagerung derselben in bestimmte Organe, in denen sie weniger gefährlich sind, als z. ß. im Blute.
Endlich schützt gegen Ansteckung auch das einmalige Ueher­stellen einer ansteckenden Krankheit. Die Thiere werden gegen­über bestimmten Contagien, wenn ihre Gewebe denselben einmal den Boden zur Entwickelung abgegeben haben, für längere oder kürzere Zeit immun.
Wie dieser Schutz zu Stande kommt, und welche Veränderungen zu dem Zwecke im Thierkörper ablaufen, wissen wir nicht; darüber haben wir nur Hypo­thesen (siehe hinten). Vielleicht bilden sich Veränderungen in den Geweben aus, welche die Entwickelung des betreffenden Keimes hindern und sich nur langsam ausgleichen; vielleicht kommt der Schutz auch so zustande, wie es Wernich meint. Dieser Autor entwickelt folgenden Gedankengang; Viele contagiöse Krank­heiten sind zweifellos durch sogenannte Bakterien oder Bacillen veranlasst. Auch die Fäulnissvorgänge verdanken dem Vorhandensein solcher Individuen ihre Ent­stehung. Beide Vorgänge. Infcctionskrankheit und Faulniss, haben also gewisse Aehnlichkeit mit einander. Die Fäulnissbakterien bereiten sich selbst die Bedin­gungen ihres Unterganges. Sie erzeugen Stoffe, welche für sie selbst Gifte sind und sie selbst tödten. Schon sehr geringe Mengen dieser Gifte schützen gegen das Eindringen neuer Fäulnissbakterien. Wahrscheinlich liegt es bei den Krankheits­bakterien ebenso. Sie erzeugen auch bei ihrem Wachsthum und ihrer Vermehrung Gifte, die nach gewisser Zeit ihren eigenen Untergang herbeiführen. Dadurch würde sich der typische Gang gewisser Krankheiten erklären. Ganz kleine Mengen des Giftes, welche in den Geweben verweilen, verhindern das Eindringen und die Entwickelung der Krankheitskeime und schaffen für eine gewisse Zeit Im­munität.
Eülenberg^r, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
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f. Ueberanstrengungen.
Hiergegen findet der Organismus Schutz in der in li'olge von Er­schöpfung und Ermüdung eintretenden Ruhe oder durch Arbeitshyper-ümie und Hypertrophie.
Durch die Cultur, Stallhaltung, unnatürliche Ernährung, falsche Züchtung etc. werden die Abwehrvorrichtungen und die Kampfmittel der Thiere gemindert und Prädispositionen gesetzt, so dass diese Thiere durch Einwirkungen erkranken, die normalen Thieren nicht schaden.
C. Die Selbsthülfe bei Krankheiten, die Selbstheilung.
A. Entstehung der Krankheiten.
Wenn es dem Organismus nicht gelingt, den feindlichen Einwir­kungen zweckmassig zu begegnen, und wenn er ungenügend regulirt, dann erkrankt er, das heisst der typische Gang seiner Functionen wird gestört und die Harmonie der Lebensvorgänge beeinträchtige.
Die äusseren Bedingungen bestimmen den Charakter der Lebensvorgänge der Thiere. Unter den gewohnten Lebensbedingungen linden alle Vorgänge harmonisch statt; unter abnormen, ungewohnten ist die Harmonie gestört, es tritt Gefahr fin­den Organismus oder einen Theil desselben ein. Das Leben des Kranken unter­scheidet sich vom Leben des Gesunden nur dadurch, dass es unter abnormen ße-dingnngen abläuft und demgemäss den Bestand des Organismus nicht sichern kann. Die Krankheit ist ein Lebensvorgang und trägt alle Eigenschaften des Lebens an sich.
Jede Krankheit ist die Folge eines äusseren Eingriffes und der daraus resultirenden Reaction des Organismus. Die Reaction stellt das Wesen der Krankheit dar.
Ein Tropfen Schwefelsaure auf einen todten Körper gebracht, erzeugt daselbst auch Veränderungen, aber keine Krankheit, weil die Reaction bei todten Körpern, das heisst die Causa interna, die zum Zustandekommen einer jeden Krankheit vorhanden sein muss, fehlt.
Die Reaction erfolgt nach den physiologischen Gesetzen, demnach zunächst örtlich. Die örtlichen Störungen bedingen aber oft Störungen in den Functionen entfernterer Organe. Alle Reactionsvorgänge zu­sammen stellen die Krankheit dar. Sie sind sämmtlich zweifellos der Ausdruck des Naturheilbestrebens, das sich aber insufficient erwies, um weitere Störungen abzuhalten und das Gleichgewicht sofort wieder her­zustellen.
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Darüber, ob auf einen äusseren Eingriff eine Krankheit eintritt, entscheidet die Einrichtung und Beschaffenheit der Gewebe. Eine* Einwirkung, die für eine Sehne, einen Knochen gleichgültig ist, kann den Tod zur Folge haben, wenn sie das Gehirn trifft. Eine Wunde, die bei einem gesunden Thiere leicht heilt, wird bei einem Thiere, das an einer Stelle im Innern Gangrän hat, gangränös*).
Die Krankheiten sind Producte des Selbsterhaltungstriebes den feindlichen Einwirkungen gegenüber, und die Krankheitssymptome sind die Symptome von Naturheil Vorgängen, gemischt mit den Symptomen der directen Einwirkung der Krankheitsursachen.
Schwefelsäure trifft die Haut, es bildet sich ein Schorf. Der Schorf ist eine Kraiikheitserscheinung. er ist d;is Product der directen ürsaoheneinwirkung. Nach der Schorfbildung folgt Gegenwirkung des Organismus in Form der Entzündung. ihre Symptome sind die des Naturheilbestrebens. Diese bilden mit denen der Ursacheneinwirkung zusammen das Krankheitsbild.
Specielleres Über Krankheitsentstehung. Bei heftigen, rasch vor­übergehenden Einwirkungen und solchen, die den bereits alterirten Organismus treuen, kann dieser oft nicht rasch genug und nicht aus­giebig genug reguliren, und es entsteht Krankheit.
Beispiele, a. Wird ein Thler enthaart, dann geräth dasselbe in einen alterirten Zustand, weil es seinen normalen, vor Abkühlung schützenden schlechten Wärme­leiter verloren hat. Wird das Thier in der ersten Zeit vor raschem Temperatur­wechsel geschützt, dann tritt Gewöhnung des Zustandes ein, der Organismus passt sich an, lernt auch unter diesen Verhältnissen seine Innenlemperatur reguliren und bleibt gesund. Wirkt aber, ehe sich die Anpassung vollzogen hat. ein Kältereiz ein, dann wirkt derselbe viel hochgradiger, als unter anderen Verhältnissen. Der schon durch das Scbeeren alterirte Wärmeregulationsapparat geräth durch die neue Einwirkung in heftige Störung, er regulirt falsch und vermag das Wärmegleich­gewicht nicht rasch genug herzustellen. Das Thier erkrankt. Derselbe Kälte­reiz, der unter gewöhnlichen Verhältnissen ertragen worden wäre, erzeugt eine Krankheit, wenn er einen schon alterirten Organismus trifft.
b.nbsp; nbsp; Ein Eingriff, welcher für ein ruhendes Organ ohne Schaden ist, macht Krankheit, wenn er ein thätiges Organ im hyperäraischen Zustande trifft.
c.nbsp; nbsp; Derselbe Kältereiz, den die normale Haut ohne Schaden erträgt, bewirkt Krankheitserscheinungen, wenn die Haut sich im erhitzten Zustande befindet.
Oft ist die Krankheit bedingt durch ein zu mächtiges Bestreben der Naturheilkraft, durch zu heftige Reaction.
a.nbsp; nbsp; Ein fremder Körper berührt die Lungenschleimhaut, darauf erfolgt heftiger Husten, um den Körper zu entfernen und unschädlich zu machen; der Husten aber bewirkt Blutsturz.
b.nbsp; nbsp; Wirkt auf eine Hautstelle ein Reiz ein. oder ein Druck, der das Gewebe mit Untergang bedroht, dann entsteht vermehrter Blutzutluss, um den Reiz weg­zuspülen, oder um durch erhöhtes Leben dem Untergange vorzubeugen. Dieser
*) ^ yayypaaa ein um sich fressendes Geschwür {ypaaietv nagen, fressen).
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Vorgang bedingt Hyperämie der betreffenden Gewebe, das heisst eine Krankheit. Sie ist heilsam, kann aber durch Transsudationen und Ernährungsstörungen ge-lahrlich werden.
e. Ein die Gelasswand treffender Keiz bewirkt naoh vorübergehender Ver­engerung der Gefässe vermehrten Blutzutluss, um den Reiz zu entfernen. Der Reiz liai aber gleichzeitig eine Erniihrungsstöruug der Gewebe bewirkt. Das vermehrt zuströmende Blut bezweckt, diese Ernährungsstörung auszugleichen. Die Ernährungs­störung der Intima der Gefässe alterirt aber den Kreislauf und lässt das arterielle Blut nicht rasch durchströmen. So entsteht die Entzündung.
d.nbsp; nbsp; Ein Muskelhäute treffender Reiz bewirkt Contractionen derselben, das ist heilsam. Wirkt der Reiz oft ein, dann entsteht ein krankhafter Zustand, die Hyper­trophie.
e.nbsp; nbsp; Werden Krankheitskeime in den Körper aufgenommen, dann entsteht Fieber, um die Keime zu zerstören. Das Fieber ist also ein Naturheilvorgang, es bezweckt Rettung des Lebens.
So sind Fieber, Hypertrophie. Hyperämie und Entzündung Krankheiten, die durchaus als Naturheilvorgänge zu betrachten sind, die aber unter ungünstigen Bedingungen den Tod der Thiere hervorrufen können.
Der Naturheiltnoh ist oft ungenügeiul, die Krankheits­ursache zu entfernen.
Ein fremder Körper gelangt auf die Cornea. Sofort erfolgt heftiger Thränen-erguss zum Wegspülen des Körpers. Es gelingt aber nicht; der Körper bleibt liegen und bedingt Krankheit.
Manchmal ist der Eintritt einer Erkrankung die Folge einer Täuschung des Organismus in Rücksicht der in der Umgebung-herrschenden Einflüsse. Der getäuschte Organismus geräth auf falsche Bahnen und erzeugt Krankheit und den Tod.
Beispiel. Ein Thier wird gefirnisst. Dies bedingt Reizungen aller Hautnerven und aussei- Anderem, hier liebensächlichem Contraction der Hautgefässe und Haut-musculatur. Bald tritt, da der Reiz anhaltend ist. Ermüdung der gereizten Nerven und der Hautmusculatur ein, letztere erschlafft, es entsteht Hauthyperämie und vermehrte Wärmeabgabe. Die hyperämische Haut ist sehr warm und dem-gemäss auch die Firnissdecke in ihren untersten Schiebten. In diesen warmen Schichten befinden sich die Hautnerven; die Kälte der Aussenwelt vermag sie nicht zu treffen: die Nerven befinden sich demgemäss in einem Zustande, wie wenn das Thier von einer so warmen Aussentemperatur umgeben wäre, wie sie die gefirnisste Ilaufschicht besitzt. Diese Empfindung wird dem Wärmecentrum vermittelt, die Folge ist. dass das excitocalorische Centrum und die excitocalorischen Nerven nur wenig arbeiten, das heisst, dass nur wenig Wärme producirt wird. Thatsächlich giebt das Thier sehr viel Wärme ab. dies kommt aber dem Centrum nicht zum Be-wnsslsein. dieses befindet sich vielmehr in der Täuschung, die Wärme-atgabe sei sehr gering, die Aussenlemperatur sehr hoch. Demgernäss pro­ducirt der Körper nur wenig Wärme. In Folge dieser Verhältnisse sinkt die Innen-temperatur, und oft so bedeutend, dass schweres Erkranken und unter Umständen der Toil eintritt. Beides ist nur eine Folge der Täuschung der Hautnerven über die bestehenden Abkühlungsverhältnisse des Körpers. Wäre die Aussentemperatur wirklich die vorgetäuschte, dann wäre das Verhalten des Wärmecentrums heilsam.
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Zweckmassigkeit der Krankheitsprocesse. Aus dem Vorstehenden folgt, dass die meisten Krankheitsprocesse Folgen des Naturheilbestrebens und demnach zweckmässig für den Organismus sind.
Viele Krankheiten, welche diese Zweckmässigkeit nicht erkennen lassen (Läh­mungen, Bewusstlosigkeit), sind nur nothwendige Folgen von Primärerkrankungen durch die zu ganz anderen Zwecken vorhandene Organisation. Die durch die pri­mären Erkrankungen gesetzten abnormen Bedingungen rufen diese unzweokmässigen Vorgänge hervor.
Wenn gewisse Krankheiten nicht zweckmässig wären. würden sie allnüilig durch die Folgen des Daseinskampfes (das Zweckmässigerwerden der Organisation) verschwunden sein. Dies gilt ganz besonders vom Fieber und der Entzündung, die in der Organisation begründet und tief einschneidend sind und die durchaus typisch und regelmässiir nach bestimmten Einwirkungen auftreten.
B. Ausgänge der Krankheiten.
Die Krankheiten können 1) zum Tode, zur Destruction, und 2) zur Genesung führen.
Ad 1. Der Tod kann a. ein allgemeiner (bei Wegfall der Func-tionen der Medulla oblongata, des Herzens, der Lungen) und b. ein örtlicher sein. Bei letzterem, das heisst beim Tod der erkrankten Zellgruppe, resp. kleinerer oder grösserer Theile von Organen und Ge­weben kann auf dem Wege der Naturheilung durch die Umgebung oder durch regulatorische Apparate die Leistung der verloren gegangenen Theile übernommen werden. Das Thier ist dann relativ gesund.
Ad 2. Genesung ist die functionelle Kestitutio ad integrum. gleichgültig ob anatomisch dieselben Substrate erhalten oder durch gleichwerthigo ersetzt sind. Es kann also selbst bei der Genesung der Tod eines Theiles vorhergehen, er muss nur gleichwerthig wieder er­setzt werden. Die Vorgänge, welche die Genesung bezwecken, heissen die Heilvorgänge. Das Resultat ist also Heilung. Die Heilvorgänge umfassen diejenigen Aenderungen in dem Krankheitsprocesse, wodurch die abnormen Vorgänge und Zustände wieder zu normalen werden, wo­durch die richtige Form und Mischung der Körpersubstanz, die normale Thätigkeit der Organe, die Rückkehr abnormer Stoffwechselvorgänge zu normalen bewirkt wird. Die meisten Krankheiten heilen auf nutri-tivem Wege durch Steigerung, Minderung, resp. Verbesserung der Er­nährung.
Begriff der Selbstheilung. Die Genesungsvorgänge treten ein: durch Steigerung oder Minderung der krankhafter Weise ablaufenden Processe
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oder durch Hülfeleistungen von den gesund gebliebenen Theilen des Thierkörpers. Die Genesung ist die Folge des Naturheilbestrebens des Organismus, das heisst des Bestrebens desselben, resp. seiner Theile vorn Anormalen zur Norm zurückzukehren. Die einzelnen, oft höchst coraplicirten naturgemässen Vorgänge der Genesung beruhen in der normalen Einrichtung der Gewebe und der Organisation des Thierkör­pers und sind der Ausfluss der thierischen Materie. Sie erfolgen nach denselben Gesetzen, nach denen das Leben normaliter ablauft. Es sind also bei der Naturheilung keine bestimmten Mittel zu specieilen Zwecken gegeben.
Die heilsamen Vorgänge sind einfach Lebensiiusserungen, die so hervortreten, wie sie unter den gegebenen üedingungen zufolge der thierischen Organisation, die zufolge des Selbsterhaltungstriebes im Kampfe um's Dasein durch Vererbung und Anpassung erworben worden ist, eintreten müssen. Sind die Bedingungen un­günstig, dann erreichen sie ihren Zweck, die Ileiluni;-. nicht.
Oft ist Krankheit nichts weiter, als zu lebhaftes oder zu träges Ablaufen der normalen Vorgänge (lleterometrie)*). Ein equot; einfache Steigerung oder Min­derung dieser Vorgänge, die nach Entfernung der abnormen Bedingungen den Organisationsverhältnissen gomäss eintritt, ist Heilung. Diese Art der Heilung erfolgt häufig bei mitritiven und funetioneiien Störungen. Viele Krankheiten können aber nicht so einfach zur Heilung gebracht werden, namentlich nicht solche, bei denen die localen Störungen sehr bedeutende sind. Wenn die Materie bedeutend verändert ist. dann ist sie nicht mehr im Stande, von selbst zur Norm zurück­zukehren. Die Heilung muss dann von anderer Seite bewirkt werden. —Jede Krankheit ist local (Virchow). Sie betrifft nur einen oder mehrere Theile (multiple Erkrankung), niemals alle. Bei Kranksein eines Theiles sind die anderen Theile und Organe entweder gesund oder wenig mitergriffen. Auch das kranke Organ besitzt immer noch gesunde Theile und gesunde Zellen. Die gesunden Theile und Organe bewirken die Heilung. Die gesunden oder relativ gesunden Organe ändern ihre Thätigkeit zweckentsprechend ab, sie vertreten, unterstützen, reguliren. entlasten die kranken Theile. Dadurch, dass die Störungen der Functionen einzelner Organe stets compensatorische und regulatorische Vorgänge in anderen zur Folge haben, werden die übelen Folgen der Störungen ausgeglichen. Schon die gesunde Umgebung der kranken Stelle kann die Heilung übernehmen, z. B. bei formativen Vorgängen, Hautwunden. Geschwüren. Häufig treten aber entferntere Theile helfend ein. Je mehr die Nerventhätigkeit geübt und ent­wickelt ist, je energischer das Herz arbeitet, je normaler die Blutbeschaffenheit ist. je kräftiger die Gewebszellen sind, je sicherer erfolgt die Genesung, je sicherer tritt der Organismus, treten auch die fernstgelegenen Theile für den erkrankten Theil helfend ein. Die Hülfe erfolgt von den gesunden Theilen um so sicherer, je mehr die Organe geübt sind. Die Hebung der Organe während des ge­sunden Lebens sichert im Kampfe mit Krankheitsursachen und mit Krankheiten den günstigen Ausgang so gut. als es möglich ist.
*) to ixirpov das Maass, k'Tepng der eine von beiden; der andere.
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Der Vorgang, bei dem die gestörte Lebensharmonie zur Norm zu­rückkehrt, die Krankheitssymptome schwinden und die des gesunden Lebens wiederkehren, ohne dass Kunsthülfe in Anwendung gelangt, nennt man Naturheilung. Naturheilung ist also Genesung durch die im Organismus selbst gegebenen Hülfsmittel. Unter Umständen ist die volle Genesung allerdings nicht möglich, dann erfolgt wenigstens Lin­derung und sogenannte relative Heilung.
RecODValescenz. Häufig tritt die Genesung nicht direct ein. sondern os geht ihr eine Periode voraus, die man Reconvalescenz nennt. Diese kennzeichnet sich dadurch, dass das Leiden zwar geheilt ist, dass aber noch ein gewisser Schwächezustand. ein Zustand der erhöhten Empfindlichkeit, der verringerten Re-sistenzfäbigkeit gegen äussere Einflüsse besteht. Ohne dieses Zwischenstadium erfolgt die Heilung nur bei geringfügigen oder bei kurz andauernden Leiden.
Bedingungen und Hindernisse der Naturheilung. Ob bei einer Krank­heit die Heilung wirklich eintritt oder nicht, das hängt von den gege­benen Bedingungen und etwaigen Hindernissen, die dem Natur-heilbestreben entgegen stehen, ab.
Die Bedingungen der Heilung sind gegeben in der Constitution des kranken Thieres, seiner Individualität, in dem kräftigen Fortfunctioniren der von der Krankheit frei gebliebenen Organe, in den gegebenen äusseren Umständen, den Naturheilmitteln (guter Luft, Nahrung etc.). in der Natur des Krankheitsprocesses selbst, seiner Qualität (eine Hyperämie findet in dem zuströmenden Blute die Heilungsbedingung zum Ausgleich), seinem Sitze (eine Entzündung der Haut heilt leichter und ist weniger gefährlich, als eine solche des Gehirns), seiner Ausbreitung, seinem Verlaufe, seinen Symptomen (Dyspnoe bei Athmungskrankheiten. Nasen­bluten bei Hirnhyperämien, Schwitzen bei Wärmeaufspeicherung, Unruhe bei Leib­schmerzen, Husten bei Schleim in den Bronchien sind günstige Symptome), und endlich in der Zeit des Auftretens der Krankheit (parasitäre Leiden heilen zu gewissen Zeiten leicht, weil die Parasiten auswandern).
In den physiologischen Einrichtungen des Organismus, der Kraft des Herzens, der Schnelligkeit der Blutcirculation. der Stetigkeit der Blutbildung, der fort­währenden Gewebsneubiklung, der Rastlosigkeit des StolTwechsels, der Abwechselung zwischen Ruhe und Thätigkeit liegt es begründet, dass Heilungen sogar bei umfang­reichen und bedrohlichen Krankheiten ohne oder mit Knnsthülfe möglich sind.
Die Hindernisse, welche sich den Naturheilungen entgegenstellen, sind in denselben Umständen zu suchen, wie die Bedingungen der Heilung. Man unter­scheidet ätiologische, wesentliche und symptomatische Hindernisse. Er-stere sind als innere in der Constitution (ein schwächliches Individuum überwindet eine Krankheit schwer), dem Alter. Geschlecht, Verzärtelung, Verwöhnung und dergleichen, und als äussere in mechanischen, chemischen, klimatischen u. s. w. Einflüssen (Schwere, Schall, Licht, Wärme. Kälte, Nahrung, Wasser. Luft) begründet (z. B. im hohen Alter heilt die Trübung der Linse, in Malariagegenden das Fieber nicht, bei Mangel an Nahrung gelangen Blutkrankheiten nicht zur Genesungn. s. w.). Die im Krankheitswesen liegenden Hindernisse finden sich im Sitz (ein Oedem der Stimmritze ist lebensgefährlich, ein solches in der Haut fast gleichgültig), in der Ausbreitung etc., in Qualität, Dauer und Verlauf der Krankheit (z. B. die Oeffnung
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eines Abscesses in die Bauchhöhle ist tödtlich, die Rotzkrankheit ist unheilbar, eine langdauernde Krankheit erschöpft die Kräfte des Kranken und verringert damit die Möglichkeit der Xaturheilung). Auch in dem Vorhandensein gewisser Symptome können Heilungshindernisse gegeben sein (z. B. im Husten bei Emphysem und Lungenblutung, Stimmritzenkrampf bei entzündlichen Zuständen daselbst, Krämpfe bei jungen Thieren und dergleichen), ebenso wie in dem Fehlen derselben (z. B. fehlender Husten bei gewissen Lungenleiden . bei Ansammlung von Exsudaten oder Zerfallmassen in den Bronchien etc.).
Wenn die Heilungshindernisse fehlen, oder wenn sie durch den Organismus übenvindbar, und wenn die Bedingungen für das Zustande­kommen der Heilung vorhanden sind, dann erfolgt die N aturheilung ohne Kunsthülfe.
Kunsthülfe. Die Krankheit ist als ein Lebensvorgang von äusseren Ein-llüssen, mögen sie im Organismus selbst oder in der Aussenwelt gegeben sein, wesentlich abhängig. Eine Leitung dieser Einflüsse kann den Verlauf der Krankheit bestimmen. So lassen sich Hindernisse, die dem Naturheilbestreben entgegenstehen, hinwegräumen und günstige Heilbedingungen herbeiführen. Dies ist die Aufgabe der Kunsthülfe (Heilkunst). Sie leitet die Bedingungen, unter denen die Krank-heitsprocosse ablaufen, und basirt auf der Konntniss der Naturheilvorgänge. Diese geben dem Arzte die Fingerzeige für die richtige Anwendung der Kunsthülfe, indem sie zeigen, unter welchen Bedingungen die Heilung überhaupt und unter welchen sie am raschesten und sichersten eintritt, und welche Hindernisse zu bekämpfen sind. Vom Arzte gilt also der Satz noch immer: Medicus osto non magister, sed minister naturae. Auf der Kenntniss der Physiatrica*), die im Grunde nichts Weiteres ist, als praktisch angewandte Physiologie, beruht die ganze Heilkunst. Die Art, wie die Kunsthülfe eingreift,- lehrt folgendes Beispiel:
Jede Wunde heilt von selbst und zwar durch Vereinigung der Wundränder. Je besser die Wundränder an einander liegen, je rascher und sicherer erfolgt die Heilung. Nun werden aber durch äussere Verhältnisse die Wundränder oft aus­einander gezogen. Der Arzt hilft der Natur, indem er die Wundränder einander künstlich nähert und das Stattfinden der Zerrungen hindert. Die Heilung besorgt die Natur. — Die Bewegungen der Muskeln reissen die Wundränder leicht ausein­ander, also legt man einen Verband an und bringt das Glied in Ruhe. — Hängt das Glied, an dem die Wunde ist, dann sammelt sich venöses Blut in dem­selben an. Das ist schädlich. Man legt das Glied hoch, sorgt so für den Blut-abtluss, schallt günstigere Heilbedingungen. — 1st beim Verwunden ein grosses Blutgefäss zerrissen, dann ist die Natur bestrebt, durch Gefässcontraction etc. einen Thrombus zu bilden, das Blut zu stillen. Der Arzt unterstützt dies Bestreben durch einen Druckverband, Adstringentien u. s.w. So schafft der Arzt die günstigen Heilungsbedingungen. Die Heilung selbst macht der Organismus.
Die Lehre von der Selbstheilung (Physiatrica im engeren Sinne) hat die Aufgabe zu zeigen, worin die Thiitigkeit des Organismus (ac-tiones naturae medicatricis) behufs Herbeiführung der Genesung besteht. Sie ist die „Physiologie der Therapie-'. Ihre Quellen sind: die
*) pumg Natur und idrptxoe die Heilung betreffend.
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Dio Selbsthülfe des thierisohen Organismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;73
klinischen und pathologisch-anatomischen Erfahrungen und sämmtlicho ärztliche Hülfswissenschaften. Sie bespricht die Eigengesetze des Orga­nismus, die behufs Heilung. Linderung und Lebensrettung bei Krank­heiten gültig sind. Sie muss die Wege erforschen, auf denen, und die Gesetze, nach denen der Ausgleich bei den Krankheitsprocessen er­folgt. Die Naturheillehre hat die Naturheilwege und die Natur-heilprocesse zu besprechen.
Ohne physiatrische Basis wird das arztliche Handeln zum empirischen*) An­wenden von Heilmitteln. Davor soll das Studium der physiologischen Naturheillehre bewahren.
C. Die Naturheilprocesse.
Nachstehend sollen die allgemeinen Naturheilvorgänge abge­handelt, werden, ohne auf das Specielle einzugehen. Bei dem gegen­wärtigen Stande unseres physiatrischen Wissens kann dies nur sehr skizzenhaft geschehen.
Mit diesem Capitel soll dem praktischen Thierarzte ein Leitfaden gegeben werden, der ihm den Weg zeigt, den er zur weiteren Erforschung der Natur­heilwege zu wandeln und den er bei der Behandlung der speciellen Kranliheiten einzuschlagen hat. Die nachfolgende Skizze setzt die Kenntniss der Physiologie und allgemeinen Paihologio voraus. In ihr können der Natur der Sache nach wesentlich nur einseitig die heilsamen Seiten der verschiedenen Vorgänge bei Krankheiten betrachtet werden. Dieselben Processe können einmal heilsam, einmal schädlich sein. Ueber letzteres verbreitet sich die allgemeine l'athologie.
Bei Besprechung der Heilprocesse müssen wir natürlich von den heute giltigen Ansichten über das Wesen und die Natur der Krankheitsprooesse ausgehen. Seit Yirchow's genialem Eingreifen in die Medicin wissen wir, dass die Zellen es sind, an denen die Krankheiten ablaufen. Virchows Genius hat die ganze me-dicinische Welt zu seiner Ansicht bezwungen. Die ganze neuere pathologische Forschung basirt auf Virchow's Cellular- und Localpathologie,
Da die Krankheiten an den Zellen ablaufen, müssen dies auch die Heilprocesse. Die Zellen arbeiten unter abnormen Bedingungen anders als gewöhnlich und sind mit dem Tode bedroht. Das ist das Wesentliche jeder Krankheit. Die Zellen sind es nun. die ununterbrochen bestrebt sind, zur Norm zurückzukehren, sie sind es. die sich gegenseitig helfen, vertreten und unterstützen. Wenn eine Zelle lädirt wird, leisten ihr die anderen Zellen Hülfe und suchen den Ausgleich zu schaffen. Werden Zellen durch die Ursache oder den Krankheitsprocess vernichtet, dann pro-duciren die noch lebenden Zellen neue und leisten Ersatz für die zu Grunde ge­gangenen u. s. w.
Durch die Eutdeclaing der lebenden In fectionsstoffe erwachsen neue Gesichtspunkte für die locale oder cellulare Therapie. Die Zellen, welche von
*) e.)/ in, xeipa Erfahrung — ipxaipla.
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74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Selbsthiilt'e des thierischen Organismus.
den in ihren Leib, in ihre Kerne oder in ihre Derivate eingedrungenen Lebewesen alterirt werden, erkranken, das heisst sie functioniren unter den neuen abnormen Bedingungen — dem Vorhandensein der sich vermehrenden, athmenden, sich be­wegenden, sich ernährenden Lebewesen — anders als normal und sind in ihrer Existenz hochgradig bedroht. — Die Epoche machenden, weltberühmten, genialen Entdeckungen R. Koch's erweitern das Gebiet der Gelliilarpathologie und Therapie und ändern manche Lehre derselben ab, ohne aber den Grundsatz, dass die Krank­heiten an den Zellen ablaufen, zu alteriren.
Das deutsche Genie eines Virchow und eines K. Koch hat der ganzen neuen Medicin die Basis gegeben. Leider ist die Lehre von den lebenden In-fectionsstolTen, die erst durch Koch thatsächlich und unwiderleglich begründet worden ist, noch sehr neu. Sie wird in der Zukunft die Therapie umgestalten. Die ätiologische Curmcthode wird eine ungemeine Bedeutung gewinnen. Heut zu Tage können wir für die allgemeine Therapie aus der neuen Lehre, deren eifrigster Vorkämpfer in der Thierheilkunde Zürn ist. nur wenig schöpfen.
Wenn wir z. B. wissen, dass Lebewesen im Blule existiren, so wissen wir damit, dass sie die Functionen der für das thierische Leben so wichtigen Blut­körperchen und die Beschaffenheit des zur Ernährung der verschiedenen Zellarten des Körpers nothwendigen Blutplasma alteriren. Daraus ergiebt sich, dass die Zellthätigkeit in vielen Organen abgeändert werden wird. Die Zellen erhalten zu wenig Nährmaterial, zu wenig Sauerstoff, dagegen fremde Stoffe, z. B. Se- und Ex­crete der Bacillen u. s. w., also müssen sie erkranken. Es folgt daraus, dass der Organismus mit aller Macht bestrebt sein muss, die Organismen zu vernichten oder ihre Zahl zu verringern, ihre Vermehrung zu hindern, wenn nicht der Tod unaus­bleiblich und bald eintreten soll. — Auch wenn die lebenden Infectionsstoffe in irgend welchen Geweben oder Organen sitzen, muss das quot;Naturheilbestreben ihre Vernichtung zum Ziele haben. — Einiges ist uns darüber bekannt, wie der Orga nisraus seinen Zweck erreicht. Vieles aber bleibt noch zu erforschen.
Uebersicht der Naturheilprocesse.
In der Rege] ersclioint der Naturheilvorgang als eine Gegen­wirkung gegen die Einwirkung der Krankheitsursache. Einer trennenden Einwirkung antwortet der Organismus mit Vereinigung, einem Verluste mit einem Wiederersatzc, der Kälteeinwirkung mit Warmwer­den, der Beeinträchtigung des Lebensprocesses mit Erhöhung desselben (Hyperämie), dem Druck mit Gegondruck (Geschwulst) u. s. w. Jeder Naturheilung muss die Entfernung der Krankheitsursache, sei es durch Natur-, sei es durcii Kunsthülfe, vorausgehen.
Die Formen, in denen die Selbstheilungsvorgänge wahrnehmbar werden, erscheinen auf den ersten Blick sehr zahlreich und höchst mannigfaltig. Trotzdem lassen sie sich aber in verhäitnissmässig wenig Gruppen ordnen, die wir nachstehend aufführen:
1) Die Naturheilung erscheint als Neubildung und Wachsthum. Dazu gehört die Hypertrophie, die Regeneration (Restitution, Repara­tion), die Vernarbung, die Einkapselung, die productive Entzündung, die Eiterung, die vermehrte Schleirabildung der Schleimhäute, die stär-
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kere Abschuppung der Oberhaut, die Verwachsung, die reichere Drusen-thätigkeit durch raschere Bildung der Drüsenzellen und Hypertrophircn der Drüsen.
•2) Sie äussert sich als Rückbildung; dahin gehören die Atro­phien, die necrobiotischen Vorgänge, die Necrotisirungen.
3)nbsp; Sie tritt in Form erhöhter Ausscheidungen auf. Beispiele: Reichliche Harn- und Seh Weissentleerungen, gewisse Diarrhöen, starkes Speicheln, erhöhte Kohlensäureabgabe durch die Lungen u. s. w. Hier­her können auch die Blutungen gezählt werden, ebenso die Schorf- und Borkenbildung bei Hautverletzung durch reichliches Exsudiren.
4)nbsp; nbsp;Sie documentirt sich als reflectorischer motorischer Vorgang. Dahin sind zu rechnen: Husten, Niesen, Erbrechen, Diarrhöen, Reflexe der quergestreiften Jlusculatur, die Flimmerbewegung, gewisse Krämpfe, die Bewegungen bei Schmerzen, die Athmungsregulationen, die Regu­lationen der Herzbewegung u. s. w.
5)nbsp; Sie erscheint in Form des Consensus und Antagonismus, das heisst in Form innerer functioneller reflectorischer Vorgänge, die durch Stellvertretung, Hülfeleistung, Entlastung etc. regulatorisch wir­ken. Beispiele: Verminderung des Scliwitzens und der Harnsecreüon bei Diarrhöen, erhöhte Nieren- und Lungenthäiigkeit bei verminderter Hautfunction, erhöhte Thätigkeit der Lymphdrüsen bei ünthätigkeit der Milz, Vertretung der einen Niere durch die andere u. s. w.
6)nbsp; Die Naturheilung wird durch Ueberreizung, Ermüdung und Erschöpfung vermittelt. Hierher gehört namentlich der Schlaf bei nervösen Leiden, die Empfindungslosigkeit, die Immunität, gewisse Pa-resen. Der Naturheilung dient aber nicht selten auch die erhöhte Empfindung, die erhöhte Reizung, der Schmerz und die Idio­synkrasie.
7)nbsp; Häufig äussert sich die Naturheilung als Gewöhnung. Der Körper gewöhnt sich an das Vorhandensein von Abnormitäten. Er lernt es, unter abnormen Bedingungen zweckmassig zu functioniren. Das Herz passt sich abnormem Blutdrucke an; erhöhter Muskelthätigkeit gegen­über passen sich alle Organe durch verminderte Thätigkeit an, um den Gesammtstoffwechsel nicht zu sehr zu alteriren; die Nierenthätigkeit passt sich dem erhöhten oder verminderten Stoffwechsel an u. s. w.
8)nbsp; nbsp;Der Naturheiltrieb erscheint in Form der Entzündung mit allen ihren heilend wirkenden Erscheinungen und Vorgängen, unter denen besonders zu nennen sind der Schmerz, die Anschwellung, die Eiterung und die Neubildung.
9)nbsp; nbsp;Die Selbstheilung läuft in der Form der Resorption und Ein-schmelzung z. B. schädlicher Substanzen ab. (Bildung künstlicher Ge­lenke bei Luxationen. Einschmelzung von Eiter, von luxuriös gebildetem Knochengewebe, Resorption von Extravasaten und Exsudaten.)
10)nbsp; Sie tritt auf in der Form des Stillens von Ausflüssen, der Verstopfung, dem Schliesscn von Oeffnungen.
11-) Sie läuft als Fieber ab.
12) Sie erscheint als Instinct oder in Form der Ernährungs­triebe. Es gehören dahin: allgemeiner Hunger, Wasserhunger, Luft-
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Die Selbstluili'e des thierisclien Organismus.
-
hunger, Salzhunger, Alkalihanger und eine Menge unwillkürlicher Hand­lungen.
13)nbsp; Der Naturheiltrieb tritt auch in der Form der Dislocation auf, /.. ß. der Schlund und die Luftröhre weichen zur Seite des drücken­den Kropfes: die Niere weicht der sich vergrössernden Leber aus.
14)nbsp; nbsp;Er zeigt sich in Aenderungen des Zusammenhanges, z. 13. Oeffnung eines Abscesses, Ablösen einer Croupmcrabran, eines Schorfes, Erweiterung der Schambeinfuge, Verwachsung bei gewissen Zuständen zur Bildung einer Darm-, Magen-. Lungenfistel.
15)nbsp; nbsp;Auch in Form der Erweiterung erscheint der Naturheiltrieb an Hohlorganen, z. B. am Herzen, der Cardia, der Harnröhre, den ßlut-gefässen. Entgegengesetzt tritt er auch durch Verengerung derselben in die Erscheinung, z. B. der Arterien bei Blutungen, des Darms bei Stauungen.
Dies sind die wesentlichsten Formen, unter denen das Naturheil­bestreben in die Erscheinung tritt.
Diesen Formen liegen gewisse Vorgänge, die Genesungsprocesse zu Grunde. Diese sollen entsprechend in physiologischer Ordnung ge-schihlerl werden und zwar in der Weise, dass wir die Schilderung 1) der Naturheilvorgänge der Gewebe und •2) der Regulationsprocesso der Circulation und des Blutes voranstellen. Damit ist die Grundlage für die weitere Besprechung der Regulationen bei den Organerkrankungen gegeben. Bei jeder Erkran­kung eines Organes kommen zwei Seiten der Regulation in Betracht:
a.nbsp; nbsp;die Regulation seiner erkrankten Gewebe, seines gestörten Kreis­laufs und seines Blutes, das heisst der Gewebssäfte, und
b.nbsp; nbsp;die im Körper auftretenden Regulationen, um die Störungen auszugleichen, die in Folge des unrichtigen, mangelhaften Functionirens der erkrankten Organe eingetreten sind und den Bestand des Körpers bedrohen. Durch die Schilderung der ersteren Art von Störungen im Allgemeinen vermeiden wir es, bei jedem Organe die Gewobs- und Circulationsregulationen wiederholen zu müssen.
Der speciellen Betrachtung der Heilvorgänge in den einzelnen Or­ganen und Systemen des Körpers senden wir das Gapitel der soge­nannten ätiologischen Naturheilung voraus.
A. Aetiologische Naturheilung.
Jeder Naturheilprocess wird durch Entfernung oder Unschädlich­machung der etwa noch vorhandenen veranlassenden Krankheitsursache eingeleitet. Tritt in Folge dieser Wirkung gegen die Ursache die Re­gulation ein, dann stellt dies die ätiologische Naturheilung dar.
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Unterschied der ätiologischen Natnrheilung von der natürlichen Prophylaxis. Die Grenze zwischen beiden Processen ist oft schwer zu ziehen und es können einzelne Vorgänge sowohl der einen als der an­deren Gruppe der Selbsthülfe des Organismus zugezählt werden. Im Allgemeinen isl aber Folgendes massgebend: Bei der natürlichen Vorbau ung kommt überhaupt keine Krankheit zu Stande; die Krank-heitsursache wird zu rasch unschädlich gemacht. Jiei der ätiologi­schen Naturheilung ist durch die Wirkung der Krankheitsursache bereits eine Krankheit eingetreten. Diese gleich! sich aber aus, sobald die Krankheitsursache verschwindet.
Die Möglichkeit jeder Naturheilung hängt von der vorherigen Ent­fernung der Krankheitsursache ab. Keine Krankheil gelangt zur Gene­sung, so lange die causa morbi externa noch vorhanden ist und noch einwirkt. „Permanente causa, permanet oß'eotus, resp. morbus,quot; die Ent­fernung der Ursache, die Beseitigung der Einwirkung des krankmachen­den Einflusses ist die unerlässl iche Vorbedingung jeder Genesung. Oft dauert die Krankheit auch nach Entfernung der Ursachen noch fort und es müssen neue Heilungsbedingungen eintreten, ehe die Genesung erfolgen kann. Durch die Unschädlichmachung der Krankheitsursachen ist aber den physiologischen Ausgleichsmitteln die Möglichkeit der un­gestörten Arbeit, die Möglichkeit der Naturheilung geschaffen. Die ätiologische Naturheilung greift durchaus nicht bei allen Krankheiten Platz; es besteht nur bei allen Krankheiten das Bestreben, die Krankheitsursachen zu entfernen oder sie unschäd­lich zu machen und nur bei ganz bestimmten Krankheiten tritt nach Beseitigung der causa morbi die Genesung sicher ein. Bei diesen stellen, sobald die Ursache nicht mehr einwirkt, gewisse Naturheilprocesse die Norm rasch wieder her.
Für diese Krankheiten gilt der Satz: „cessante causa, cessat effec-tusquot;; für die anderen nicht. Die Zahl der Krankheiten, die sich nach Entfernung der Ursachen von selbst ausgleichen, ist unendlich gross (z. B. die Krankheiten, welche durch Parasiten, durch Anhäufung von Krankheitsproducten, durch Einwirkung von Gif­ten, durch Gegenwart von fremden Körpern veranlasst werden). Aber auch bei diesen Krankheiten kann der Eall eintreten, dass die Leiden nach Entfernung der Causa nicht in Genesung übergehen. Dies ist der Fall, wenn die betreuenden Krankheiten bei permanenter Einwirkung der Ursache lange bestanden haben und bedeutende seeundäre Veränderungen vorhanden sind.
Der Organismus bringt oft eine scheinbare Genesung, trotzdem nur die veranlassende Ursache entfernt wurde, während der durch diese im Körper gegebene Krankheitszustand bestehen bleibt, dadurch hervor, dass er seine Functionen den neuen durch die Ursache gegebenen Be­dingungen gemäss regulirt (Hypertrophie des Herzens bei Verengerung der Aorta).
Vorgang einiger ätiologischen Naturheilungen. laquo;. Mechanische Ursachen. Bei Krankheiten, die durch mechanische Ursachen hervorgerufen worden sind, tritt die Restitution ein. wenn das gtroffene
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Die Selbsthülfe des thierischen Organismus.
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Gewebe der homologen Regeneration fähig ist. Die Naturheilung er­folgt auf dem Wege der Ernährung, oder der einfachen Restitution der aus der Lage gebrachten Moleküle in die richtige Lage (Comrnotio cerebri)..
Fremde Körper. Ist die mechanische Einwirkung durch fremde Körper veranlasst worden, dann versucht der Organismus diese zu entfernen oder unschädlich zu machen und bewirkt dann die Heilung der erkrankten Gewebe.
Die Entfernung und Unschädlichmachung der fremden Kör­per erfolgt:
a.nbsp; nbsp;sofort durch Husten, Niesen, Thränen, Erbrechen, verschiedene Muskelactionen und dergleichen,
b.nbsp; nbsp;allmälig durch entzündliche Vorgänge. Diese führen:
a. zur Eiterung mit Ausstossung der betreffenden Dinge, ß. zur Kapselbildung um dieselben. Das ünschädlichmachen durch Ausstossung auf dem Wege der Eite­rung oder durch Einkapselung kann geschehen:
1)nbsp; nbsp;direct an der Stelle, auf welche der Körper ur­sprünglich einwirkt, wo er sich zu Anfang der Krank­heit befand, oder
2)nbsp; nbsp;an einem anderen Orte, nach welchem der Körper auf dem Wege der sogenannten Wanderung hingelangt ist;
c.nbsp; nbsp;durch Auflösung. Gewisse fremde Körper lösen sich direct in thierischen Flüssigkeiten auf und werden dadurch unschädlich, andere können durch gewisse Vorgänge, die in den thierischen Geweben ab­laufen, in den löslichen Zustand versetzt werden. Sobald die Körper gelöst sind , werden sie durch Resorption entfernt. Dieser Weg. den fremden Körper unschädlich zu machen, kann nur sehr selten beschritten werden. Die meisten fremden Körper sind unlöslich und trotzen den Vorgängen, welche ihre Auflösung bezwecken.
Wanderungen. Fremde Körper, welche zunächst im Körper bleiben und unlöslich sind, gehen unter Umstanden Wanderungen ein.
Die sogenannten Wanderungen der fremden Körper sind, wenn es sich nicht um Parasiten handelt, stets passive Bewegungen, die veranlasst sind durch die Schwere. Form und Gestalt des Körpers selbst, durch die Bewegungen der Organe, durch Muskelbewegungen, Circulation und dergleichen. Die Bewegungen der fremden Körper haben an sich durchaus nichts Physiatrisches, wenn wir von denjenigen Bewegungen absehen, welche reflectorisch in Folge des durch den Körper gesetzten Reizes eintreten und die Entfernung des Körpers bezwecken (stürmische Peristaltik, krampfhafte Uteruscontractionen, Niesen, Husten, Con­traction der Harnblase, der Urethra u. s. w.).
Die eigentlichen Wanderungen der fremden Körper haben nicht selten gefähr­liche Krankheiten, selbst den Tod im Gefolge. Die Folgen der Wanderungen hängen wesentlich, abgesehen von der Form des Körpers, von dem Wege ab, den er ein­schlügt. Dieser wird bestimmt durch die oben genannten Factoren, namentlich durch die Schwerkraft, die Organbewegungen und durch die Hindernisse, welche sich dem Körper auf dem eingeschlagenen Wege entgegenstellen. Der Körper wandert dahin, wo er den geringsten Widerstand findet. Geht die Wanderung.zu-
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fällig nach einem Körpertheile, der weniger wichtig ist, z. B. der Subcutis, dann kann er relativ unschädlich und eventuell durch Ausstossung entfernt werden. In diesem Falle ist das Kesultat der Wanderung ein günstiges. Geht die Wanderung nach einem wichtigen Organ. %. B. aus dem Magen, wo der Körper relativ unschäd­lich war, nach dem Herzen, den Lungen, der Leber etc., dann sind ihre Folgen oft lebensgefährlicher Natur. Die Wanderungen erfolgen also nur- nacli physika­lischen Gesetzen. Ger lach sagt:
„Wir haben hierbei die treibenden und hemmenden Kräfte zu beachten: zu den ersteren gehören das Heben durch Granulation, die Schwerkraft, die besonders bei specilisch schweren Körpern wirksam ist. die Bewegungen der Organe, die ab­wechselnde Spannung und Erschlaffung der Muskeln, die Richtung, in welcher die Bewegung sich fortpflanzt, z. B. die perislaltischen und antiperistaltischen Be­wegungen und die Ortsveränderungen einiger Organe, z. B. des Zwerchfells, welches bei dem Druck auf Haube und Wanst, dem Momenie der Anspannung und bei gleichzeitiger antiperistaltisoher Bewegung im Momente des Wiederkauens von spitzen fremden Körpern in den nächsten Magenabtheilungen (Haube und Wanst) durchbohrt wird und dieselben im Momente der Erschlaffung weiter in die Brust­höhle hineinführt, wo sie das Herz bei seinen Bewegungen gewöhnlich in Empfang nimmt. Die durch Bewegung mobil gemachten Körper iitiden Hindernisse in ver­schiedenen Graden; wo sie am geringsten sind, dahin wird der Körper geschoben, deshalb gelangen sie gern in das lockere Bindegewebe, in welchem sie sich zwischen den Organen und unter der Haut leicht weiter bewegen, oder liegen bleiben. Bei Hunden, die auf der Jagd geschossen werden, ist es eine bekannte Erscheinung, dass die Schrotkörner aus der Tiefe heraus unter die Haut treten und sich von den höheren Stellen, von der Kruppe resp. Schulter aus immer tiefer senken, bis sie schliesslich selbst an den Zehengliedern ankommen. Bei den Hindernissen kommt nun aber auch die Form der fremden Körper in Betracht: spitze Körper linden an der Spitze nur wenig Widerstand, sie schieben sich deshalb auch immer in der Richtung fort, welche die Spitze eben genommen hat; nur die festen Körper, namentlich die Knochen leisten den spitzen Körpern Widerstand. Hieraus ergiebt sich, dass die Wanderung bei stumpfen, namentlich bei runden Körpern in der Regel eine heilsame ist, dass es aber bei spitzen Körpern theils von dem Zuge der treibenden Bewegungen, namentlich aber von der zufälligen Richtung der Spitze des fremden Körpers abhängt, ob die Wanderung eine heilsame oder schädliche, selbst lebensgefährliche ist.-
Kleinere fremde Körper werden durch den Säftestrom fortgeschwemmt, so namentlich kleinere Parasiten. Blutgerinnsel u. s. w.
Die Parasiten treten auch active Wanderungen an. Diese Wanderungen sind selten ungefährlich. Meist haben sie Gefahren im Gefolge.
Unschädlichmachung des fremden Körpers. Mag nun der fremde
Körper, der von aussen eingedrungen oder im Thierkörper durch Ne­crose etc. selbst entstanden ist, Wanderungen unterworfen gewesen sein oder nicht, seine Unschädlichmachung geschieht, wie oben er­wähnt, durch Ausstossung auf dem Wege der Eiterung oder Um-kapselung.
Beide Vorgänge sind die Folge des Reizes, den der fremde Körper auf das umliegende Gewebe ausübt. Die nächste Folge dieses
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so
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Reizes ist Entzündung mit bedeutender Emigration farbloser Blut­körperchen.
Diese Entzündung nimmt nun entweder den Ausgang in Eiterung mit Gewebseinschmelzung und Durchbrach der entstellenden Abscess-höhle, oder in Neubildung und ümschliessang des fremden Körpers von Narbengewebe, das durch Retraction blutarm und wenig reizbar wird. Hierdurch wird der fremde Körper relativ unschädlich.
Bei Krankheiten, die durch ß. chemische Ursachen veranlassf werden, tritt, wenn die Wirkung nicht zu bedeutend war und nicht zu lange anhielt, die Genesung ebenso von selbst, ohne Kunsthülfe, ein (Alkohol-, Nicotin-, Chloroform-, Aetherkrankheiten), wie hei Leiden, die durch ;'. physikalische Einflüsse, und solche, die durch d. Parasiten und Infectionsstoffe hervorgerufen werden, sobald die Causa morbi entfernt ist. Letzteres geschieht, wie vorn erwähnt, hei den Infections-stofi'en, z. B. durch Fieber, oder durch Necrotisiren und Ausstossung des mit Infectionsstoffen durchsetzten Theiles, oder durch Eiterung u. s. w.
Schlussbetrachtung der ätiologischen Natnrheilung. Bei allen Krankheiten müssen behufs Genesung die Ursachen, die sie veraniasst haben und unterhalten, entfernt werden. Bei der Ursachenentfernung und der nachfolgenden Genesung sind folgende Fälle zu unterscheiden:
1)nbsp; Der Organismus entfernt die Ursache selbst und stellt ohne Kunsthülfe die Norm ohne Weiteres wieder her = ätiologische Natur­heilung.
2)nbsp; Die Entfernung der Ursache geschieht durch die Kunst. Das Leiden selbst wird durch die Eigenthätigkeit des Organismus geheilt.
3)nbsp; nbsp;Die veranlassende Krankheitsursache wird zwar durch den Or­ganismus unschädlich gemacht, aber die durch sie gesetzten Verände­rungen sind so bedeutend, dass die Kunsthülfe eingreifen muss, um deren Heilung zu bewirken.
4)nbsp; Die Kunsthülfe muss bei Entfernung der Ursache und der Hei­lung eingreifen.
5)nbsp; Es kann nur die veranlassende Krankheitsursache entfern* werden. Die durch sie gesetzten krankhaften Zustände bleiben be­stehen. Diesen passt sich der Organismus in seinen Funclionen an = relative Genesung.
B. Die Genesungsvorgänge der Gewebe und Organe.
Jeder pathologische Process ist vom Standpunkte der Physiatrik in zwei Richtungen zu prüfen, nämlich darauf, in wie weit er heil­sam und in wie weit er heilbar ist. Wir fragen demnach bei jeder Krankheit:
1) 1st der vorliegende Krankheitsprocess. z. B. die Entzündung. ein Naturheilvorgang? 1st er heilsam in Bezug auf die vorliegenden Abnormitäten oder in Bezug auf die den Organismus bewirkenden Schädlichkeiten?
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2) Wie gelangt der Krankheitsprocess zum Ausgleich, wie erfolgt seine Genesung.
Ail 1. 'Sicht joder Kranliheitsprocess ist an sich heilsam. Viele Anämien, viele Necrotisirungen sind z. B. nur schädlich.
Viele Krankheitsprocesso sind aber physiatrischer Natur. Eine Entzündung, welche in der Umgebung eines necrotischen Stückes auftritt, ist heilsam. Sie be-zweckt und erreicht nicht selten das (Jnsclüldlichmachen des necrotisirten Gewebes. Ein necrotischer Process, der an einem von Kranliheitskeimen durchsetzten Gewebs-stücke auftritt, ist heilsam, indem er das Gewebsstück ausser Verbindung mit dem Körper setzt und die Krankheitskeime unschädlich macht. Die physiatrischen Krankheitsvorgiinge repräsentiren zum Theil den Selbstschutz. Wenn Krankheits-keiine in den Organismus eindringen, und es entsteht um diese zu zerstören Fieber, so ist das Selbstschutz. Ebenso ist es, wenn eine Hyperämie in Folge eines Reizes, wenn eine Entzündung in Folge einer Quetschung, wenn eine einseitige Nieren-hypertrophie in Folge der Zerstörung einer Niere auftritt und dergleichen.
Ad 2. Die Krankheitsprocesse müssen aber, gleichgültig, ob sie physiatrischer Natur oder ob sie nur schädlich sind, zum Ausgleich gelangen. Die Wege, auf denen der Ausgleich erfolgt, und die Proccsse, die zur Norm hinleiten, sind ver­schieden und müssen studlrt werden.
üas Fieber heilt z. B. unter starken Ausleerungen durch den Harn u. s. w. Eine an sich heilsame Blutung stillt sich durch Thrombenbildung. Der heilsame Thrombus verfällt der Organisation und Resorption. Unter vermehrtem Blutzutluss heilt das atrophische Organ unter den Erscheinungen des Wachsthums. Bei einem Knochenbruch heilt der Bruch durch Neubildung von Knochengewebe. Die Neu­bildung führt aber auch zu Unebenheiten, zu Höckern u. s. w. Diese nachtheiligen Folgen des heilsamen Processes schwinden wieder unter den Symptomen der Re­sorption. — Jeder Neubildungsprooess trägt die Gefahr in sich, durch übermässige Bildung dem Organismus zu schaden. Diese Gefahr wird in der Regel durch die in dem Druck der umliegenden Gewebe und Organe gegebenen Wachstlmmshinder-nisse vermieden. Häulig bedingen diese die Uesorption der etwa übermassig pro-ducirten Gewebe. Der Arzt ersieht aus der Beobachtung dieser Naturheilvorgänge, wo er unterstützen und wo er hindern soll. So lange die Neubildung physiatrisch ist. unterstützt er den Vorgang derselben, z. B. durch künstlich erhöhten Blut­zutluss. Sobald sie über das Ziel hinausschiesst, hindert er sie durch künstlichen Druck. In beiden Fällen macht or ganz dasselbe, was die Natur macht, denn auch die Natur macht die Neubildung durch vermehrte Blutzufuhr und die Rückbildung durch Druck durch das Umgebende.
I. Naturhiilfe bei Krankheiten der Gewebe, insbesondere bei nntritiven Störungen, Auto-Histotherapie *).
Allgemeines. Die function eilen Störungen der Gewebe heilen ohne Weiteres, sobald die Causa schwindet. Anders ist dies mit den
*) abrijg selbst, irrrüg organisches Gewebe, to laquo;rrtov das feine Gewebe. BHenberger, Allgetneinc Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; e
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82nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Selbstliüli'e des tliievisclien Organismus.
nutritiven und formativen Anomalien*). In allen Geweben und Gewebszellen laufen ohne Unterbrechung Ernährungs- und Stoii'wechsel-vorgänge ab. Aus ihnen resultiren die Secretionon, die Bewegungen und die Regenerationen. Die Ernährungsvorgänge, hängen natürlich wesentlich von den Circulationsverhältnissen und der Beschaffenheit des circulirenden Blutes und der circulirendcn Säfte ab. Da fortwährend normaliter Aenderungen im Stoffwechsel eintreten und die Zellen sich dem accommodiren müssen, so bedingt dies, dass auch Störungen, das heisst die Norm überschreitende Aenderungen, wegen der normal statthabenden Uebung der Zellen leicht ausgeglichen werden.
Aber auch in anderen Richtungen reguliren sich die Störungen, die an den
Geweben zu beobachten sind, vielfach leicht. Was Drucli und Zug', der die Gewebe trifft, ändert, gleicht die Klasticitat derselben wieder aus: die Dehnbarkeit und Festigkeit schützt vielfach vor dem Zerreissen und Zerbrechen. Ausgezeichnet lasst sich die Ausgleichung einer auf mechanischem Wege entstandenen Störung an einer heftigen Erschütterung durch einen Fall, Stoss und dergleichen denion-striren. Alle Gewebe des Körpers werden durch eine solche Erschütterung gleich-massig getroffen, alle reguliren aber sofort und bleiben ungestört in ihren Func-tionen, nur mit öfterer Ausnahme der nervösen Centralorgane, an denen dann Functionsanomalien auftreten. — Gelangen fremde-Dinge in das Gewehe, so werden sie möglichst unschädlich gemacht, es besteht fortwährende Ausfuhr des Unnützen und Schlechten aus den Geweben. Oedematöse und fettige in Filtrationen der Gewebe verschwinden durch Resorption und unter Umständen durch Gewebs-neubildung. Blut und Luft, welche in die Gewebe gelangen, werden resorbirt. Pigmentstückchen werden von den mobilen Gewebszellen gefressen und fort­geschleppt u. s. w. u. s. w.
Nutritive Störungen. Die sämmtlichen an den Geweben ablaufen­den Ernährungsstörungen zerfallen in '2 Gruppen, in die regres­siven und progressiven. Sie bestehen in gesteigerter oder vermin­derter Ernährung, welche letztere bis zum Absterben sinken kann. Die Heilung erfolgt natürlich im ersteren Falle durch Minderung, im letz-teren Falle durch Steigerung der Nutrition. Sobald Absterben einge­treten, ist der betreffende Theil natürlich verloren. Es kann dann die Aufgabe des Organismus nur darin bestehen, den todten Theil möglichst unschädlich zu machen und eventuell den Gcwebsverlust wieder zu er­setzen. Die heilsamen Vorgänge werden meist durch nervöse Einflüsse eingeleitet, durch besondere trophischc oder andere, z. B. secroforische Nerven. Wesentlich bleibt dabei die Gefässthätigkeit; denn die Cir-culationsverhältnisse sind es, welche die Aenderungen in
*) famp;toixnkia Regelwidrigkeit.
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Bio Selbstbfilfe dos tlüerisclicn Organismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 83
der Zellthatigkeit crmüglichen, indem sie Aenderungen in der Zufuhr von brauchbarem Material und in der Abfuhr des Ueberflüssigen und Schädlichen vornehmen.
A. Regressive Vorgänge.
Es sind dies die Necrose, die Necrobiose und die Atrophie.
a. Die Necrose*). Hierunter verstehen wir das unter Umständen cinlretendo plotzliclie Absterben von thierischcm Gewebe. Das Ab­sterben ist an sich selten heilsam, kann es aber sein, z. B. bei lebenden Geweben, die einen Infectionsherd abgeben würden. Für ge­wöhnlich ist es schädlich. Die Nacbtheile, die dem Organismus aus der Necrose erwachsen, beziehen sich
1) auf die Folgen des Ausfalles eines Stückes lebenden Gewebes,
quot;2) auf die Wirkungen des todten Gewebes.
Ad 1. In ersterer Kichtung wissen wir. dass für das abgestorbene Gewebe stellvertretend gesundes Gewebe durch compensatorische Hypertrophie u. s. w. ein­tritt. Kur beim Absterben sehr grosser Körpertheile erwachst dem Organismus ein bedeutender Nachtheil aus der Necrose in Folge ausgefallener Function. Ganz be­sonders beachtenswerth sind in dieser Beziehung auch die regenerativen Prooesso, die nicht selten Ersatz für das jS'ecrotisirtc sohalfen.
Ad 2. Bezüglich der Wirkung des todten Gewebes wissen wir, dass dasselbe nachtheilig werden kann:
a.nbsp; nbsp; durch seine Wirkung als fremder Körper überhaupt, die wesentlich in Heizung der Umgebung bestellt;
b.nbsp; nbsp;durch Infection des Organismus mit Fiiulnissbakterien. resp. Krankheits­erregern. Dies ist zu befürchten, wenn das Abgestorbene der Fiiulniss und Zer­setzung verfallt.
Die vorbeugende Thätigkeit des Organismus kann nicht vom ab­gestorbenen Tbcil ausgehen. An ihm können nur passive Vorgänge ablaufen, die je nachdem dem Organismus schädlich oder heilsam sein können, deren Kennlniss also für den Arzt sehr wichtig ist. Die active Hülfe des Organismus kann nur von dem noch lebenden Ge­webe erfolgen. Durch die active Hülfe werden vielfach auch die Vor­gänge bestimmt, welche an dem todien Gewebe ablaufen. Die active Thätigkeit des Organismus erstreckt sich
1)nbsp; auf Entfernung des Todten. Dies kann geschehen a. durch Resorption, b. durch Ausstossung desselben;
2)nbsp; nbsp;auf Unschädlichmachung des nicht entfernbaren Todten. Dies geschieht durch Verhinderung des Eintrittes von Zer-
) vz/.puxnq von \gt;sxpngt;iv todten.
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84nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Selbstliiilfe des thierischen Organismus.
Setzungen am Todten und Verhinderung der dadurch drohenden Allge-meininfection des Körpers, z. B. durch Resorption der Flüssigkeiten des todten Gewebsstiickes, durcli Abschneiden der Flüssigkeitsxtifuhr zu demselben, durcli Einlagerung von Kalksalzen in das todte Gewebe, durch Absperrung desselben durch eine gefässlose und reizlose Kapsel;
3) auf Ersatz des Abgestorbenen durch neues Gewebe.
Ad 1. Die Resorption. Der dieselbe bedingende Vorgang geht natürlich von der Umgebung des Todten aus, greift aber in den todten Körper ein. Er ist aber nur bei geringem Umfange des necro-tischen Herdes und Lagerung desselben im Innern von Organen zu be­obachten. Der Resorptionsvorgang besteht darin, dass zunächst Ent­zündung in der Umgebung entsieht, ein Vorgang, der übrigens stets in der Umgebung abgestorbener Theile zu beobachten ist. Es wandern dann farblose Blutkörperchen in den Herd ein und nehmen Theile des Todten in sich auf und verfallen der fettigen Degeneration. Später dringen auch ßlutgefässe in den Herd und veranlassen die Resorption desselben. Man beobachtet dann, wie das Necrotische immer mehr und mehr abnimmt und schliesslich ganz verschwindet. Das ncagcbildete gefässtialtige Bindegewebe schrumpft'und bildet eine Narbe. Damit ist die Naturheilung eingetreten. Sie führt in der Regel nicht zur Resti-tutio ad integrum, weil der Wiederersatz des Abgestorbenen meist nicht durch gleichartiges, sondern durch Bindegewebe, resp. Narben­gewebe erfolgt. Die Folge des Processes ist: relative Genesung. Fnnc-tionell tritt in der Regell volle Genesung ein. Wenn so kleine Stücke necrotisch geworden sind, dass sie total resorbirt werden können, dann ist der Functionsausfall ein so unbedeutender, dass er voll und ganz vom Gesunden gedeckt werden kann.
Die Ausstossang. Die Entfernung des nicht resorbirbaren todten Körpers geschieht meistens auf dem Wege der sogenannten Eiterung. Die Eiterung in der Umgebung des fremden Körpers bedingt völlige Dissection des letzteren vom Lebenden.
Der Eiterungsvorgang führt in der Regel zu einem Durchbruch, der je nach dem Orte, wohin er erfolgt, günstig oder ungünstig sein kann; die Folge davon ist eine Geschwiirshililuiig. Diese ist natürlich dadurch heilsam, dass sie den Organismus von den werthlosen und gefährlichen necrotischen Massen befreit. Die eiternde Geschwürsflächc siösst alles .Necrotische ab und heilt durch productive Entzündung mit Narbenbil­dung. So günstig liegt die Sache, wenn das Geschwür durch Durch­bruch auf die Oberfläche der Haut oder von Schleimhäuten erfolgt ist. Bei serösen Häuten ist ein solcher zur Abstossung des Todten einge-
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Die Selbsthülfe des tliienschen Organismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;85
leiteter Vorgang oft lebensgefälirlich. Die Entfernung des Todten ge­lingt bei der Eiterung an der Oberfläche von Organen oft durch Muskel­bewegungen, #9632;/.. B. durch Husten, Niesen, Erbrechen u. s. w.
Ad -2. Zurückbleiben des Todten. Wenn der todte Körper im Organismus zurückbleibt, weil er weder durch Resorption, noch durch Eiterung oder auf sonstigem Wege entfernbar ist, dann droht der Ein­tritt fauliger Processe am Todlen und die Resorption der Fäulnisspro-duete, wodurch eine Gesammtinfection des Körpers und schwere Krank­heiten entstehen können.
Die Mumification. Die Gefahr wird vermieden, wenn das todte Gewebe der Mumification verfällt, was oft geschieht, wenn es in der Tiefe liegt und keine Flüssigkeitszufuhr mehr hat. Der Mumificationsprocess ist für den Organismus ein günstiger Ausgang gegenüber dem fauligen Zerfall des Todten. Bei der Mumification kann keine Infection des Or­ganismus eintreten.
Ein ausgezeichnetes Beispiel der Mumificalion liefert der mumillcirte Fötus. Bin abgestorbener, im Uterus zurücligebliebener Fötus bedrolit den Organismus durch Verfall in Filulniss mit grossen Gefahren. Wenn aber der Uterus geschlossen ist, dann verfällt der ganze Fötus der Mumification und wird unschiidlicli. Durch das Verschliessen des Orificlum des Uterus, welches der Organismus selbststandig bewirkt, kommt der günstige Ausgang zu Stande.
Die Schrumpfung. Auch die Inspissatio, die Schrarapfung durch Resorption, erst der inter- und dann der inlracclluläi'cn Flüssigkeiten ist dem Organismus günstig.
Die Verkalkung. Ebenso ist dies bei der Verkalkung der Fall, die in der Einlagerung von Kalksalzen in abgestorbenes Gewebe, wel­ches unter Umständen vorher der Verkäsung anheimgefallen war, besteht.
Die Abkapselung. Ein anderer heilsamer Ausgang besteht darin, dass in Folge des Reizes, den das abgestorbene Gewebe als fremder Körper ausübt, durch Entzündung in der Umgebung des todten Körpers, welche die scharfe Demarcation des Todten vom Lebenden bedingt, der aber die Resorption des Todten, sei es wegen der Menge desselben oder aus einem anderen Grunde, nicht gelingt, die Bildung einer festen der­ben Bindegewebskapsel, die das Abgestorbene umschliesst und von dem übrigen Gewebe abtrennt, herbeigeführt wird. Die Retraction des die Kapsel bildenden Bindegewebes beding! Blutarmuth der Kapsel. Dies hat zur Folge, dass das Todte keine Wasserzufuhr bekommt und Trocknungs- oder Verkalkungsvorgängen verfällt.
Die Faulniss. Wenn aber der ungünstigste Augang, die Fäulniss des Todten eintritt, dann kann die Natur wieder durch die eben be­sprochene Abkapselung oder durch den Durchbrueh nach aussen
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86nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Selbsthiilfe des thierisohon Organismus.
helfen. Erfolgt aber die Resorption von fauligen Massen, dann bemüht sich der Organismus, dieselben durch gesteigerte Verbrennung (Fieber) unschädlich zu machen. Es gelingt dies auch, wenn die Mengen der resorbirten Stoffe geringe sind.
Ad 3. Die Restitution. Der Wiederersatz des Verlorengegangenen, der sich an die ad 1. und 2. geschilderten Processe (speciell die Re­sorption, die Eiterung und die Fäulniss) anschliessen rauss, erfolgt nach den bei Besprechung der progressiven Vorgänge zu schildernden Gesetzen. Entweder tritt ein wirklicher Wiedorersatz des abgestorbenen Gewebes ein, oder es wird durch Narbengewebe Ersatz geleistet. In letzterem Falle füllt sich die entstandene Lücke mit gefässhaltigem, später schrumpfendem Bindegewebe aus.
Diejenigen regressiven Gewebsveranderangen, die ans typischer Anlage her­vorgegangen sind, heilen nicht. Auch diejenigen, die in parenchymatoseu Ver­änderungen beruhen, heilen schwer. Bei ihnen erfolgt die Heilung nur, wenn die parenchymatösen Veränderungen oder deren Ursachen weichen. Im Allgemeinen heilt jeder regressive Vorgang, der nur die Folge eines Mangels physiologischer Reize, das heisst die Folge mangelhaften Blutzuflusses oder mangelhafter Inner-vation (die Folge von zu viel Ruhe) ist, sobald diese Ursache schwindet, das heisst sobald der Blutzulluss oder die Innervation wieder normal wird. — Ein regressiver Vorgang, der lange bestanden hat, weil eine directe mechanische Ursache (z. B. Druck von aussei), directe mechanische Ausdehnung eines Hohlorgans) dauernd einwirkt, geht nicht oder sehr schwer zurück.
b. Die necrobiotischen*) Vorgänge. Im Anschluss an die necro-tischen Vorgänge, die zu beobachten sind, wenn ein Gewcbstheil in Folge director Ertödtung durch die Krankheitsursache, durch Vernich­tung der Leistungsfähigkeit der Gewebszellen, durch Aufhören der Circulation und dergleichen plötzlich erlödtet wird, sind auch einige andere Processe zu erwähnen, welche zwar auch mit Absterben eines Gewebstheiles einhergehen, die aber in Anbetracht dessen, class das Absterben unvermeidlich ist, meist als heilsame Processe bezeichnet werden können. Im Grossen und Ganzen bestehen diese Vorgänge darin, dass ein erkrankter Thcil, der nicht mehr lebensfähig und dem Untergange verfallen ist, ganz langsam abstirbt, in­dem er Veränderungen durchläuft, die ihn resorbirbar oder in anderer Weise unschädlich machen. Man nennt einen solchen Vorgang Necrobiose oder numerische Atrophie**). Das Heilsame der Vorgänge besteht demnach in dem Unschädlichmachen des dem
*) vaxp/ig Tod. ßimmg Leben {ßiom leben), Necrobiosis = deijenige Process, bei dem die Gewebselemente allmälig vollständig zu Grunde gehen. **) laquo; priv. rpiyetv ernähren.
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Die Selbsthülle des tliierisclien Organismus.
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Absterben verfallenen Theiles. Nicht alle necrobiotisclien Vorgänge sind heilsamer Natur. Manche sind dem Organismus höchst verderblich.
1.nbsp; nbsp; Die fettige Degeneration.
Ms bilden sich in den Zellen des betreffenden Theiles kleine Fett­körnchen, die allmälig von der Peripherie gegen das Centrum vor­rückend bald die ganze Zelle erfüllen (Fettkörnchcnzolle mit Kern, Fettkörnchenkugel ohne Kern) und den Gewebszerfall herbeiführen. Der Process endet schliesslich mit der Resorption und der Verbrennung des Fettes. Wir beobachten den Vorgang /.. B. an der Thyinus, dem Corpus luteum, dem Eiter in Plcurasäcken und in den Lungenalveolen. Zu diesem Processe gehören noch die feliigc Involution und Atrophie des Uterus, welche wegen geringeren arteriellen Zuflusses nach der Ge­burt eintritt; die fettige Atrophie gefässarmer alter Goschwülste, die einen geringfügigen Stoffwechsel haben, die fettige .Metamorphose eite­riger Exsudate und Entzündungsproducte, die längere Zeit an einem Orte liegen, abgesackt sind und keinen lebhaften Verkehr mit dem Blute haben. Leicht verfetten die Leucocyten im Eiter, Exsudaten etc., weil sie keinen Sauerstoff mit sich tragen können und dort keinen linden. Deshalb verfallen auch freie Körper in der Bauchhöhle, so­bald Einwanderung dieser Zellen in dieselben statthat, der fettigen De­generation.
2.nbsp; nbsp; Die einfache Erweichung.
Sie läuft an der Intercellularsubstanz ab und ist nicht selten mit der fettigen Degeneration der Zellen combinin. Der Erweichung folgt die Resorption. Solche Vorgänge, die auch als körniger Zerfall be­zeichnet werden, sehen wir an Thromben, Fibrinmassen, bei der crou-pösen Pneumonic der Pferde u. s. \v. ablaufen.
Die fettige Degeneration und die einfache Erweichung sielk'n Natuvheil-processe dar, welche jede Schädigung des Organismus durch das Absterbende fern halten. Sie enden beide mit der Resorption des Abgestorbenen,
3. Die Verkal
k it n s.
Durch die Finlagerung von Kalksalzen in noch lebendes, aber allmälig absterbendes, mit geschwächtem Stoffwechsel ausgerüstetes Gewebe wird ein ungünstigerer Ausgang verhütet. Die einlagernden Salze sind kohlensaurer Kalk und Magnesia und phosphorsauret Kalk und Magnesia. Die Verkalkungen erfolgen besonders bei primären oder seeundären Kalksalzdyscrasien.
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88nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Selbslhülfe des thierischen Organismus.
Zum Schluss dieses Capitels sei noch erwähnt, dass auch das Absterben an sich unter Umständen ein für den Organismus heilsamer Vorgang sein kann. So z. B. sind alle necrotische und viele necrobiotisohe Vorgänge an schädlichen Neu­bildungen heilsamer Natur.
C. Die Atrophie. Jeder Theil, der weniger arbeitet, als normal, verfällt einer mangelhaften Ernährung, der Atrophie. Diese ist an sich selten ein physiatrischer Vorgang. Sie ist es aber z. B. bei Ge­schwülsten, Callusbildungen, beim Eintritt zur Aufhebung von Raum­beschränkungen, bei der Entwickelang des Fötus und dergleichen. Den Nachtheilen, welche die Atrophie im Gefolge hat, baut der Orga-nimus so viel als möglich dadurch vor, dass er für Stellvertretung des Atrophirten sorgt. Das paarige Organ eines Atrophirten hyper-trophirt u. s. w. Jede Atrophie, die durch Stoffmangel im Blute, Verminderung der örtlichen Circulation, Zunahme der Consumption, Raumverengerung durch etwas Fremdes bedingt ist, heilt ganz von selbst, sobald die Ursache schwindet.
B. Die progressiven Vorgänge.
Definition und Eintheilung. Sie äussern sich als Hypertrophie und als Neubildung. Beide bestehen in einer über die Norm hinaus­gehenden Bildung. Die Hypertrophie, Hyperplasie ist von der Neubil­dung eigentlich gar nicht zu trennen. Auch mit der Hypertrophie geht Bildung neuer Elemente einher. Theilweise besteht sie in einem Wachs-thum der vorhandenen Elemente, theilweise in Neubildung. Findet die Neubildung nach einem vorausgegangenen Verluste statt, den zu er­setzen sie bestimmt ist, dann spricht man von Regeneration oder Reproduction. Der Zweck letzterer Processe ist. Verlorengegangenes zu ersetzen. Neues an Stelle des Zugrundcgegaiigeneii zu bilden.
Alle drei Processe sind also Neubildungsvorgänge. Die Neubildung kann mit der Hypertrophie, die Hypertrophie mit der Neubildung combinirt und beide können vereinigt oder getrennt die Regeneration darstellen. Gewöhnlich handelt es sich bei letzterer allerdings um echte Neubildung. — In die Gruppe der Neubildungen fallen auch die Geschwülste.
Allgemeines über die progressiven Vorgänge. Schon normaliter findet Wiederersatz des Verlorengehenden und Sparen beim Zugrunde­gehen statt. Bei Hypertrophien und Neubildungen geschieht dies auch, nur lebhafter als normal. Normaliter erhält jeder Theil nur so viel Nährmaterial, als zum Ersatz des physiologischen Verlustes noth-wendig ist. Tritt nun ein abnormer Verlust ein, dann kommt zu dem geringeren Zellmateriale, was noch vorhanden ist, eben so viel Nähr-
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D.ie Selbstliüll'e des lliierischen Oi'ganismiis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8'.!
material als vorher; jede einzelne Zelle bekommt also mehr und ar­beitet lebhafter und besser. So beobachten wir dies z. B. beim Schnei­den der Haare und Nägel (Cohnlieim). In der Regel fliesst aber zu . dem Thcile, der einen Verlust erlitten, noch mehr Blut, das heisst noch mehr Nährmaterial hin, als normal. Es entsteht Hyperämie und damit vermehrte Production und Neubildung. Man spricht von einer phy­siologischen Regeneration, der Hypertrophie und der Defects-regeneration.
Wenn sich Ersatz und Abgabe das Gleichgewicht lialten. sprechen wir von Eutrophie, wenn die Zellen an Volumen zunehmen, von Hypertrophie, wenn in Folge von Ueberanstrengang eine ungenügende Ernährung eintritt, von Emmdnngs-atrophie, wenn in Folge von Mangel an Thätigkeit mangelnde Ausbildung besteht, von Inaotivitätsatrophie.
1. Hypertrophie. In der Jugend wachsen alle Theile des Körpers; der Grad des Wachsthums ist abhängig von der Menge assimilirbaren Materials, wel­ches in der Zeiteinheit dem Theile zugeführt wird. Wachst ein Organ oder ein Theil des Körpers nach beendetem Wachsthum, so entsteht Hypertrophie. Diese wird natürlich nur durch vermehrte Zufuhr von Nährmaterial ermöglicht. Dies ist die Folge von Reizungen zur Mehr­arbeit, die in den Verhältnissen gegeben sind.
Beispiele. Herz- und Gefässhypertrophien, conipensatoriscLe vicariirende Hypertrophien paariger Organe, Hypertrophien der Muskelhäuto von Hohlorganen, Hypertrophien des schwangeren Uterus, der Harnblasenmuscalaris bei Abfluss-hindernissen. der Lymphdrüsen bei Unthätigkeit der Milz u. s. w.
Physiatrisches. Die wissenschaftliche Ueberlegung lehrt und die Erfahrung bestätigt es, dass die Arbeitshypertrophien in der Regel zu Heilzwecken entstehen. Ist ein Organ unthätig durch Krankheit, so würde der Gesaramtorganismus darunter leiden, wenn nicht ein anderes Organ compensatorisch einträte. Sobald ein Organ zur Gesunderhaltung des ganzen Organismus vicariirend für das erkrankte eintritt, steigert sich die Arbeitssumme, die es zu leisten hat. Die Mehrarbeit bedingt das Zustandekommen der Hypertrophien. Dadurch erst wird es ermög­licht, dass die Mehrarbeit längere Zeit von dem Organ geleistet werden kann, ohne dass Ermüdung oder Erschöpfung eintritt. Findet sich in einem Hohlorgane ein Hinderniss, so dass der Inhalt nur langsam und in zu geringen Mengen vorwärts kann, dann hypertrophirt die davor gelegene Musculatur. Dadurch steigert sich deren Leistungsfähigkeit und das Hinderniss wird ganz oder relativ unschädlich gemacht. Es
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HOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Selbsthülfe des Üiierisclien Organisraus.
herrscht zwischen Hyperphisio und Aplasie ein eigentliümliches, oft nützliches Wechselverhältniss: Aplasie*) der einen Niere := Hyperplasie der anderen, Aplasie des Ovariums = Wachsthum der Clitoris und des Bartes, u. s. \v.
Rückbildung. 1st die MebrarLeit nicht mehr notliwendig, dann bildet sich die Hypertrophie zni'ück. Natürlich giebt es aussei' der heilsamen Hyperplasie auch Hypertrophien, die nicht beilsanier Natur sind, wie z. li. vielfach die Hypertrophien auf entzündlicher Basis, die atypischen Epithelwucherungen, die Fiebermilz, die Leukämie. Auch diese gelabrlichen Hypertrophien bilden siidi von selbst zurück, wenn die sie veranlassende Causa schwindet. Damit ist denn die Heilung der als Hypertrophie auftretenden Krankheiten formativ eingetreten und functionell ermög­licht. Die Rückbildung geschieht nach den Gesetzen der regressiven l'rocesse. z. B. durch Verfettung und Hesorption des Nengebildeten.
#9632;2. Die homologe (eigentliche) Uogeneral ion.
Die Regeneration, das heisst die progressive Gewebsänderung [jro-liferationsfäliigcr Gewebe zerfällt; in die physiologische, die mit Aus-nahme der Ei- und Ganglienzellen sich auf alle Gewebe erstreckt und die pathologische oder Defectsrcgeneration. Beide beruhen auf dem Produclionsvcrmögc n der Elementartheile einerseits und der Blutzufuhr andererseil s. Die pathologische Regene­ration bezweckt die Wiederherstellung von Geweben, welche durch irgendwelche abnormen Einflüsse, Verwundung, Verschwaning. Ne­crose u. s. w. zu Grunde gegangen sind. Diese Regeneration erfolgt entweder direct oder durch Zwischenstadien. Sie lindet besonders hochgradig bei den niederen Thieren statt, bei diesen kann z. B. ein abgeschnittenes Bein neu entstehen. So hochgradig ist das Regene-rationsvermogen bei unseren Hausthicren nicht. Dasselbe bleibt unter Umständen sogar bei Geweben aus, die eine wahre Hypertrophie erleiden können. Echte Regeneration tritt sicher ein: bei Epithelgebilden, Blut­körperchen, Bindegewebe, Knochengewebe und Nerven.
Die auf dem Wege der Regeneration entstandenen Gewebe haben dieselbe Stabilität und Dauer, wie die normalen physiologischen Gewebe. Der Regenerationsprocess sistirt im gegebenen Falle, sobald in Folge der Proliferation von Neuem die Wachsthumshindernisse wieder hervor­treten, welche in Folge des Defects verschwunden waren (Samuel). Das Regenerirte grenzt sieb nach aussen durch epitheliale Beklei­dung ab.
Wenn die Regeneration das Maass überschreitet, bei einer Luxus-
*) Tikdms die Bildung, von Tzkdaaza bilden. Aplasis also Mangel an Bildung.
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Die Selbsthülfe des thierischen Organismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'••!
production l'olgt hinterher in der Regel Schrumpfung, ;ictive Atrophie, bis das erforderliche Maass erreicht ist. Cohnheim sagt: Der Orga­nismus erhält nichts, was er nicht zu seinen Zwecken irgendwie ver-werthen kann. i3ei einer Bildung über den Bedarf hinaus folgt hinterher Verkleinerung.
Während vorher die Bildung den Verbrauch überwog, ist es jetzt umgekehrt. Jetzt wird mehr verbraucht als gebildet wird. Allmälig stellt sich dann das normale Verhältniss wieder her, das lieisst Bildung und Verbrauch kommen wieder inquot;s Gleichgewicht.
Es sei hier noch einer Anschauung besonders gedacht, nach der bei den meisten Regenerationen der ganze Vorgang nur im Sistiren des Verbrauchs bestehe, während die Bildung normal vor sich gehe. Es ist diese Anschauung Jedoch offenbar unrichtig. Die Regenerationssprossen (Eberth, Senftleben), die Muskelspindeln bei der Muskelregeneration, die schwachen, blassen Bänder bei der Nervenregeneration beweisen, dass bei der Regeneration neue Bildungsvorgänge bestehen, und dass sie nicht durch ein einfaches Sistiren des Verbrauchs zu er-klären ist.
Manche Regenerationen laufen mit Entzündung ab, und ist dann die Regeneration nichts Anderes als die productive Entzündung mit Narbenbildung. Betrachten wir kurz die Regenerationen im Ein­zelnen:
1)nbsp; Das Epithelgewebe und dessen Gebilde. Beim mehrschichtigen Epithel ist die Regeneration am häufigsten. Haare, Nägel, Hautdrüsen. Schleim­drüsen u. s. w. erzeugen sich wieder, wenn die Matrix erhalten ist. Die Regene­ration kann nur aus präexistirenden Elementen statthaben. Vollständig zerstörte Drüsen erzeugen sich nicht wieder (drüsen- und zottenlose Darmnarben). Die Matrix des Epithels an sicli ist in den unter- oder umliegenden Zellen ge­geben. Jede Wunde, jedes Geschwür überzieht sich bei der Heilung wieder mit Epithel.
Bekanntlich findet physiologisch andauernd eine Regeneration der sich abstossenden und absterbenden Epithelien statt. Verbrauch und Ersatz halten sich das Gleichgewicht. Die pathologische Regeneration unterscheidet sich von der physiologischen dadurch, dass bei ersterer die bei letzterer lebhaft stattfindende Abstossung der obersten Schichten sistirl. oder träger statthat, und dass die Neu­bildung der Epithelzellen wegen der gesteigerten Nahrungszafuhr in gesteigertem Maasse abläuft. Es besteht also auf der einen Seite Beschränkung des Ver­brauchs, auf der anderen Steigerung der Neubildung. Dieses günstige Verhältniss ermöglicht eine hohe Schnelligkeit der Regeneration. Wie das mohr­schichtige Epithel regenerirt sich auch das einschichtige und alle Epidennoidal-und Epithelialgebilde.
2)nbsp; Das Blut regenerirt sich leicht, und zwar zuerst das Plasma, dann die weissen, zuletzt die rothen Blutkörperchen.
3)nbsp; Das Bindegewebe regenerirt sich inclusive der in ihm enthaltenen Blut-gefässe sehr leicht. Das Wie ist noch streitig. Ziegler glaubt, dass aus omi-grirten Wanderzellen Granulations- und gefässhaltiges Bindegewebe entstehen
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1)2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Selbsthülfe des thierischen Organismas.
könne. Ändere glauben, dass die Elemente des Bindegewebes sich nur aus vor­handenem Bindegewebe, resp. dessen (ixen Zellen bilden. Die Nenbiidang geschiebt entweder direct oder mit Eiterung. Geschiebt sie per secundam intentionein. dann entstehen erst feine Fleischwärzohen. welche EiterMrperclien, hoch entwickelte epithelioide Zellen und sogar Riesenzellcn enthalten. Diese Wärzclicn werden allmälig fester, saft- und blutarmer, kleiner, und das anfangs cytogeno Gewebe wird allmälig zu faserigem Bindegewebe.
4)nbsp; Mit der Bildung des Bindegewebes steht die der Blutgefiisse im engsten Zusammenhange: beide sind kaum von einander trennbar. Ohne Blutgefässe kein Bindegewebe. Die Blutgefässe sind sehr regenerationsiahig. Häufig ent­stehen sie, wie es Arnold schildert, so. dass an den Capillaren vom Emlothel ans eine aus feinkörniger Protoplasmamnsse bestehende konische, spitz /.ulaufende Sprosse entsteht, die In die Dicke und Länge wächst, unter Umständen andere Sprossen erreicht und sich mit denen verbindet oder direct an Gefiisse anwächst. Diese Sprossen bekommen allmälig vom Gelasse aus ein Lumen und werden zu kleinen, zartwandigen Capillargefässen. Diese werden durch Anlagerung von anssen unter allmäliger Erweiterung zu Arterien und Venen. Die neu gebildeten Gefässe können der Ausgangspunkt weiterer Entwickelung und Bildung werden an Stellen. wo dies bis dahin gar nicht oder nur unvollkommen möglich war. Wo bis dahin /,. B. Exsudatzellen sich träge bildeten und leicht zu Grunde gingen, werden jetzt lebhaft neue und lebensfähige Zellen und damit neues Granulationsgewebe gebildet. Die neuen Gefässe lassen viele weisse und rothe Blutkörperchen durchtreten. Erstere geben Anlass zu neuen Bildungen.
5)nbsp; Knochengewebe regenerirt sich sehr leicht. Das l'eriost und das Knochenmark können die Matrix für neu entstehendes Knochengewebe abgeben. Sie wuchern leicht und liefern reichliches Material für Ersatz von Knochon-defecten. Gleichzeitig wird die Resorption, das heisst der Verbrauch herab­gesetzt. Der fehlende Verbrauch und die fortbestehende Reizung führt leicht zur Luxnsproduction. deshalb muss der Neubildung eine Resorption von ausseil und von innen durch Osteoolasten folgen. Die erstere bezweckt das Ebnen und Poliren der äusseren Flächen, die letztere die Bildung der Markhöhle und des Balken­gerüstes im Innern.
6)nbsp; Nerven sind regenerationsfiihig. Es entsteht zuniiehst der Axencylinder und die Scbwann'sche Scheide durch Sprossung aus dorn Vorhandenen, und erst, viel später die Markscheide. Auch die centralen Ganglienzellen sollen sich regene-riren können (Voit). Von den peripheren Ganglien ist dies nicht bekannt.
7)nbsp; Auch Sehnen vermögen sich zu regeneriren.
8)nbsp; Bei unvollständigen Mlizexstlrpationen will man liegenerationen beob­achtet haben (Phili ppeau x).
9)nbsp; Die Krystalllinse kann bei Erhaltung der Kapsel von der vorderen Wand derselben wieder ersetzt werden.
10)nbsp; Gallengänge regeneriren sich aus den vorhandenen durch Sprossung. Der Vorging gleicht dem der Blutgefässneubildung. Ebenso ist es mit dem pan-kreatischen Gange und anderen Drüsenausführungsgängen der Fall.
11)nbsp; Die grösseren Drüsen regeneriren sich nicht (Leber, Fankreas etc.).
12)nbsp; Knorpelgewebe soll aus dem Perichondrium entstehen können (Le­grand, Ewetzky. Schklarewsky). Meistens werden Knorpelverluste durch Bindegewebsbildung so gut als möglich ausgeglichen.
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13) Beim Muskelgewebe ist die Regeneration nicht unmöglich. E. Xou-nianii hat bei subcutanen Muskelwanden Regeneration durch Knospenbildung beobachtet. Rei der wachsartigen Degeneration der Muskeln, beim Typhus des Menschen erfolgt Regeneration. Der Regenerationsvorgang des Muskelgewebes ist aber sehr sehen. Durchschnittene Muskeln retrahiren sich meist bedeutend, und in der Lücke entsteht so rasch Bindegewebe, (lass es nicht zur Muskelregeneration kommt. — Unter Umstünden folgt die Muskelregeneration der Narbenbildnng. und die Narbe vorschwindet dann wieder.
3. Die nicht homologe Regeneration.
Der Ersatz eines Gewebes durch Bindegewebe, das heisst durch Narbenbildnng, findet häufig statt, ßei üefecten in Organen, deren Zellen nicht: regenerationsfähig sind, entsteht in der Regel eine Aus-füllung dor Lücke durch Narbengewebe. Aber es findet dies viellach auch bei regenerationsfähigen Geweben statt. In diesen Fällen ist es dann nicht selten, dass die Narbe nur ein Provisorium darstellt. Das betreffende Gewebe regenerirt sieb erst allraälig. Mit der Bildung des­selben verschwindet die Narbe wieder.
Die Narbenbildung ist in beiden Fällen ein'pliysiatrischer Vor­gang, der durch die vorhergehende Entzündung eingeleitet worden ist. Die Narbe stellt die Verbindung der Gewebstheile wieder her und füllt, die vorhandene Lücke aus. Damit ist schon viel gewonnen. Die Narbenbildung leistet natürlich nicht: das, was eine echte Regeneration vermag. Die Regeneration bedingt volle, die Narbcnbildung re 1 ative, nur unvollkommene Genesung. Das Narbengewebe ist gelässhaltiges Bindegewebe, welches meist einige Zeit nach der Entstehung schrumpft und dadurch blutarm wird. Es entsteht wie Bindegewebe überhaupt.
C. Die Geschwülste.
Sie seien nur kurz hier erwähnt. Die thierischen Gewebe reagiren auf Neubildungen ebenso wie auf mechanische und chemische Eingriffe. Der örtliche Lebensprocess steigt, um der Gefahr, die dem betroffenen Theile durch Vernichtung droht, zu begegnen. Wie dort, so treten auch hier sympathische Vorgänge im Organismus auf. — Die Neubil­dungen zeigen öfterer Remissionen, die man wohl auch als eine Art heilsamer Erschöpfung der bei der Bildung betheiligten Elemente auf-gefasst hat. — Jedenfalls beobachtet man bei den Geschwulstbildungen nicht selten ein Aufhören der Neubildung und ein Absterben der Ge­schwulst. Die abgestorbene oder die absterbende Geschwulst verfällt häufig den necrobiotischen Vorgängen. Diese enden mit der Resorption
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der Geschwulst (z. B. bei der fettigen Metamorphose) oder sie machen die Geschwulst relativ unschädlich durch Verkalkung und dergleichen Processe. Viele Geschwülste gelangen auch zur Abkapselung, einem durchaus heilsamen Vorgange.
Resume über die Gewebsregulationen.
Viele der sogenannten Gewebskrankhciten sind physiatrische Processe, die unter den vorhandenen Bedingungen für den Osganismus günstig sind. Es sind Gegenwirkungen gegen Krankheitsursachen und vorhandene Anomalien.
Die progressiven Vorgänge sind von grossem physiatrischem Werthe; namentlich ist die Hypertrophie als vicariirende von her­vorragender compensatorischcr Bedeutung, sie gleicht schwere Stö­rungen auf dem Wege der Stellvertretung aus.
Die Regeneration hat einen grossartigen restaurativen Werth. Sie veranlasst dauernden Ersatz für Defccte, die dorn Organismus schaden würden. Der Defect wird ausgegliclien. aller Schaden ver­mieden.
Die regressiven Processe sind seltener physiatrischer Natur. Sie sind es nur, wenn sie sich auf Gewebe beziehen, deren Vorhandensein dem Organismus schadet, oder auf solches, welches in Anbetracht der gegebenen unabänderlichen Verhältnisse, dem Organis­mus nicht mehr erhalten werden kann, trotzdem es ihm nützlich wäre.
Die necrobiotischen Processe sind dann insofern heilsam, als sie das Absterben möglichst unschädlich machen. Die nachthei­ligen Folgen, welche die regressiven Processe für den Organismus haben könnten, verhütet derselbe in der Regel sowohl auf nutritivem und formativem als functionellem Wege durch ausgezeichnete physia­trische Vorgänge.
Der Ausgleich erfolgt bei beiden Arten von Processen in der Regel, sobald die Ursache schwindet. Die progressiven z. 13. bilden sich sofort zurück, sobald die bestandene Vermeh­rung der physiologischen Reize schwindet. Sobald der Theil nicht mehr ein Plus an Nährmaterial erhält und sobald die nervösen Anregungen zur erhöhten Arbeit nachlassen, bildet sich die Hypertrophie zurück. Ebenso ist es hei Hypertrophien, die durch verringerte Consumption entstehen. Sobald die Consumption steigt, schwindet die Hypertrophie. Es hilft in dem einen Falle die Abnahme der Pro­duction, in dem anderen die Zunahme der Consumption. — Alle pro­gressiven Gowebsveränderungen, die wegen Wegfall von Wachs-
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thunishindernissen (bei Defecten) eintreten, begrenzen sich selbst durch die beim weiteren Wachsen wieder eintreten­den Wachsthurashindernisse (Samuel). Aus demselben Grunde bilden sich luxuriöse Productioncn zurück.
Normale progressive und regressive Processe. Die sämmtlicheti le-sproehenen Yorgiinge Ifommen aucli physiologisch im Körper vor. lieispiele: Das Absterben uiui rlio Rückbildung der Thymusdrüse, die Rückhildung der Pu-pitlarmembran, flio Rüclibildung durch Obliteration zuführeiuler Gelasse (Ausfallen und Absterben der Milchzähne beim Kinde, der Zähne und Haare im Alter, der Kiemen und Schwänze der Froschlarvcn); die Verkalkung von Knorpel und Bindc-gewebe, die Rückbildung der Milchdrüsen im Alter; die Regeneration des Hirsch­geweihes; die Ausstossung des Fötus als eines fremden Körpers (sobald die Ver-bindung mit der Mutler durch Blutgefässe schwindet): die Fettanfnahme bei Winter-schläfern: die Narbonbildung im Eierstock nach dem Ausstossen der Eier: die Narhenliildmi!;' im Herzen durch Verwachsung des Foramen ovale u. s. w.
I). J)ie Anomalien der anorganischen tlewebsbestandtheile.
Die Ursache dieser Art Anomalien ist uns meist unbekannt. Auch haben wir nur geringe Kenuiniss der Heilungsmöglichkeit derselben und' der Heil Vorgänge. Dass der Organismus eine enorme Thätigkeit beim Abhalten und Verhüten des Zustandekommens dieser Gewebsano-malicn entfaltet, haben wir bereits vorn besprochen. Hunger, Durst, Verdauung, Blutcirculation, Säftelauf, Se- und Excretionen, überhaupt alle vegetativen Vorgänge mit all ihren Regeneratoren und Regulatoren sind in ihren Aenderungen, Anpassungen u. s. w. der Ausdruck dieses Bestrebens. Wir haben vorn auch kennen gelernt, wie ein Mehr an Kalksalzen im Blute und den Geweben heilsam, wie das Fett im Blute zu Heilzwecken verwendet werden kann u. s. w.
Das Gebiet der eigentlichen Gcwebsanomalien, man denke z. B. an die Rachitis, Ostcomalacie etc., wartet noch der Klärung. Alles, was wir wissen, sind entweder nackte Thatsaehen ohne Erklärung, oder es sind Erklärungen vorhanden, die aber noch nicht über das Gebiet der Hypothese hinausgekommen sind. Beim Ausgleich der Gewebsanoma-lien tritt uns namentlich als Helfer der thierische Instinct entgegen-Bei .Mangel an Kochsalz in den Geweben fressen die Thiere instinetiv mit Begierde Kochsalz, bei Säureüberfluss lecken sie an Alkalien und dergleichen. Bei der Rachitis wird angenommen, sie entstehe aus einem Mangel an Kalksalzen in der Nahrung, so wurden Lämmer z. B. rachi­tisch, wenn sie von Müttern gesäugt wurden, welche kalkarme Nahrung
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geniessen (Roloff). Der Instinct der Thiere, der sie treibt, Kalk etc mit Vorliebe zu fressen, ist also heilsam.
üeber den InstiQCt kranker Thiere. Der Instinct der Thiere bei Krank­heiten ist wohl zu trennen von dem Instinct gesunder Thiere. Letzterer ist stets zweolimässig. Er wurzelt in physiologischen Vorgängen; er ist angeerbte Er-lienntniss des Guten und Schlechten. Der Instinct der Kranken ist bedingt durch Lebensvorgänge, die unter abnormen Bedingungen ablaufen, das heisst durch abnorme Vorgänge. Die abnormen Vorgänge haben z. B. zum Mangel oder Ueber-schuss irgend welcher Gewebsbestaudlheile geführt. Diese Thatsache bedingt Gewebshunger, Gewcbsdurst u. s. w. Dieser wirkt auf das Blut, im Blute tritt in Folge dessen Mangel oder Uebcrlluss der betreffenden StofTe ein. Dies veranlasst gewisse Sensationen, die unter den Erscheinungen des Instincts. #9632;/,. B. des Alkali-hungers wahrnehmbar werden. 15ei .Mangel an Wasser zeigen die Thiere Durst, bei Mangel an Eiweiss zeigen sie Hunger u. s. w. In allen diesen Fällen ist der Instinct heilsam. Er ist die Folge von Aenderungen in der chemischen Zusammen­setzung der Gewebe. Werden diese fehlenden Stoffe in Folge der instinetiven Neigung mit der Nahrung oder dem Getränk aufgenommen, so gelangen sie in das Blut und werden den bedürftigen Geweben dargeboten. Auch örtliche Leiden im Veniauungstract können einen heilsamen Instinci zur Innige haben. Bei Reizungs-zuständen ist die Nahrungsaufnahme schädlich; da das Aufgenommene die Thiere durch Reizung der Magennerven belästigt, so hungern sie, verschmähen das Futter. Das ist heilsam. — Bei hohen Temperaturen in dem Verdauungstract etc. saufen die Thiere viel kaltes Wasser. Das wirkt heilsam. — Der Durst beim Fieber, bei Diarrhöen ist heilsam. — Das Grasfiesscn der Hunde bei Uebelkeiten wirkt brechen­erregend, wirkt also als Heilmittel. — Instinctiv suchen augenkranke Thiere das Finstere auf; instinctiv hält das verwundete Wild das lädirte Glied in das Wasser: instinctiv werden schmerzhafte Stellen beleckt: die Thiere fressen bei Darm­reizungen instinctiv Sand, Stroh, Kirschkerne u. s. w. und wirken dadurch günstig, wenn Würmer die Ursache sind u. s. w. Die Gelüste bei Defecten in den Geweben, die Alkaliaufnahme bei Magensäure, die Appetitlosigkeit bei Magenkrankheiten und bei gestörtem Stoffwechsel begünstigen die Regulation der betreffenden Krankheiten.
Die Instincte sind als ein Theil der Krankheit, als die Folgen der Krankheits­ursache oder der Krankheitsproducte in der Regel heilsam. Sie bezwecken Gegen­wirkungen gegen die Abnormitäten etc. Sie sind dann in der That Fingerzeige für den Arzt bei der Heilung der Krankheiten. Allerdings ist dies nicht immer der Fall. Nur so lange, als das Nervensystem gesund ist, sind die Instincte heilsam. In manchen Fällen hat man den Instinct als schädlich aufgefasst, wo er es in der That nicht ist, z. B. den Durst bei Wassersucht, den Hunger nach Amylaceen bei dem Diabetes mellitus. (Bei Wassersucht ist das Blut arm an Wasser. Darin liegt eine Gefahr für den Organismus. Dieser Gefahr wird durch die instinctive Aufnahme von Wasser vorgebeugt. Dadurch, dass man den Thieren das Wasser entzieht, kann man keine Wassersucht heilen.) — Es ist aber richtig, dass ein krankhafter Instinct schädlich sein kann. Der Instinct ist in Krankheiten bedingt durch die unter abnormen Bedingungen vor sich gehenden Lebensprocesse und die dadurch auftretenden Gefühle. Die Lebensprocesse in Krankheiten bezwecken die Genesung, und insofern miissten auch die daraus ent­springenden Gefühle heilsam sein. Aber in Krankheiten können die Lebensprocesse
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durch die abnormen Bedingungen veranlasst scliiidliche Folgen für den Organismus haben. Die zu anderen Zwecken gegebene heilsame und zweckmässige Organisation kann unter den abnormen Verhältnissen unzweckmässig wirken, und deshalb können natürlich auch die aus den Processen resultirenden Gefühle keine dem Organismus vortheilhafte Handlungen einleiten. Sodann aber wird der Instinct bei Krankheiten, die das Nervensystem betreffen und Ermüdungen in demselben hervorrufen, un­zuverlässig. So fühlen solche Thiere z. B. den Mangel an Nährstoffen nicht, äussern deshalb keinen Appetit und gehen an Körperschwäche und Erschöpfung zu Grunde (Roloff). — So zeigen die kranken Thiere manchmal Verlangen nach Dingen, die ihnen direct schädlich sind (Koloff). -
II. Regulatorische Vorgänge bei Krankheiten der Circulationsorgane und bei Störungen der Circulation überhaupt.
Den Erkrankungen der Gewebe müssen sich die der Gewebssäfte, des Blutes und der Circulationsorgane anreihen. Die Verhältnisse des Blutes bestimmen die Gewebsveränderungen. Die sämmt-iichen besprochenen Gewebsregulationen können nur mit Hülfe des Blutes und der Säfte stattfinden. Jede Störung der Circulation und der normalen Eigenschaften des Blutes und der Säfte bewirkt auch Störungen in den Gewebsregu­lationen. Andererseits muss jede Gewebserkrankung störend auf die Circulation und die Blutbeschaffenheit einwirken. Es besteht also ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältniss. Dieses bestimmt das Functioniren der Organe. Nur wenn Harmonie zwischen den Gewebsthätigkeiten und der Blutcirculation und Blutbeschaffenheit herrscht, können die Organe normal functioniren.
Die Circulations-Regulationen sind von zwei Gesichtspunkten aus zu betrachten. Es handelt sich in jedem Falle 1) um die anatomische und 2) um die function eile Regulation. Die erstere bezieht sich auf die am Herzen und an den Gefässwänden eingetretenen anatomischen Veränderungen. Diese stellen Gewebserkrankungen dar und verlaufen und reguliren sich so, wie wir es im vorhergehenden Capitel kennen lernten, oder bleiben als krankhafte Zustände (z. B. Klappenfehler) bestehen. Bei einigen Regulationen kommen specielle Momente in Betracht. Diese werden nachstehend besonders hervorgehoben werden. Wo dies nicht der Fall ist, erscheint eine specielle Schilderung der örtlichen Gewcbs-regulation überflüssig.
Die functionelle Regulation bezieht sich auf die Störungen
Ellenberger, Allgemeine Thentpie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; n
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der Blutcirculation, welche durch die anatomischen Veränderungen am Herzen und an den Gefässen oder auch durch functionelle Störungen daselbst eintreten.
Diese Regulationen werden wir specieller zu besprechen haben, und zwar:
a.nbsp; die derjenigen Oirculationsstörungen. die durch Krankheiten am Herzen zu Stande kommen,
b.nbsp; die derjenigen, welche ihre Ursachen in Anomalien an den Ge­lassen linden. Diese Anomalien führen
laquo;. zu allgemeinen,
ß. zu örtlichen Oirculationsstörungen. Die Oirculationsstörungen sind in der Regel durch besondere Wider­slände bedingt, die sich dem Blute entgegenstellen. Es sind dies im Bereiche der Gelassbahnen Verengerungen oder Cnnachgiebigkeit der­selben und im Bereiche des Herzens Verengerungen der arteriellen oder venösen Ostien oder Undichtigkeiten der Klappen derselben.
a. Bei Herzkrankheiten.
Allgemeines. Den Störungen der Blutcirculation gegenüber, hat der Organismus sehr umfangreiche und wirksame Regulationsvorrich­tungen. Ganz besonders zeichnen sich die Störungen der Herzaction durch umfangreiche und vielfältige Compensation aus.
Regulationsmöglichkeit durch das Herz. Das Heiz vermag sich in seiner Thätigkeit den veränderten Bedingungen zu aecommodiren und zwar kann es dies hauptsächlich deshalb, weil es 1) dehnbar und elastisch ist: und weil es 2) die Fähigkeit besitzt, sich, wenn es noth-wendig wird, bedeutend stärker zu contrahiren, als es norma-liter geschieht (Cohnheim).
Das Herz wendet unter normalen Verhältnissen zum Zwecke der richtigen Circulation des Blutes nicht seine ganze Kraft auf, sondern es besitzt gewissermassen noch Reservekräfte für den Fall der Noth. Stellen sich min dem Ausflüsse des Blutes aus dem Herzen Hinder­nisse entgegen, dann arbeitet das Herz verstärkt, um diese zu über­winden, das heisst, das Herz arbeitet dem grösseren Arbeitsobjecte ge­genüber mehr als normal, dadurch schafft es den Ausgleich und erhält das Leben des erkrankten Individuums.
Besondere Circuiationshiudernisse sind z. 13. gegeben in Rigidität und ver­minderter Dehnbarkeit der ausführenden Ostien, in Insufflcienz und Durchlöohe-rungon der Klappen, in verminderter Schlagfolge des Herzens. Hier muss z. B. dieselbe Blutmenge durch eine engere Oeflfnung, oder es muss eine grössere Blut-
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menge durch dieselbe Oeffnung gepresst werden. In beiden Fällen muss das Herz mehr arbeiten, als normal. Zur Heilung ist in beiden Fällen erforderlich, dass die Herzmusculatur eine grössere Kraftsumme besitzt, als sie normal zur Unterhaltung des Blutlaufes aufwendet, und in dem einen Falle, dass das Herz in Folge seiner Dehnbarkeit unter gewissen Verhältnissen bedeutend mehr Blut aufnehmen kann, als es normaliter aufnimmt.
Bedingungen der Regulation durch das Herz. Grenzen der Herz­regulation. Die Regulation der Circulation kann in allen diesen und anderen Fällen nur unter bestimmten Verhältnissen, das heisst nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, eintreten. Vor Allem muss der Herzmuskel gesund und darf die Ausdehnung des Herzens nicht durch äussere Verhältnisse behindert sein. Selbst dann aber, wenn diese günstigen Vorbedingungen gegeben sind, ist der Ausgleich nur bis zu einem gewissen Grade der Störungen und nur eine gewisse Zeit lang möglich.
Das Hinderniss kann so bedeutend sein, dass selbst durch die höchste Leistung des Herzmuskels der Ausgleich nicht mehr geschaffen wird. Aber auch dann, wenn die Ueberwindung des Hindernisses möglich, droht Gefahr, wenn das Hinderniss bedeutend ist und dauernd besteht.
lieber Ermüdung. Ein Muskel, der fortwährend das Höchste leisten soll, kann dies nur kurze Zeit. Bald ermüdet er. Jede die Norm übersteigende Mehrarbeit eines Organes hat Ermüdung zur Folge. Demnach muss auch das Herz, wenn es längere Zeit mehr leisten soll, als normaliter, er­müden und sich schliesslich erschöpfen. Eine Ermüdung oder gar Erschöpfung des Herzmuskels müsste aber den Tod zur Folge haben. Dauert die Mehrarbeit nur eine kurze Zeit, und folgt dann eine Erholungspause, in der das Herz nicht mehr leistet, als gewöhnlich, dann tritt die Ermüdung nicht ein. So liegen die Verhältnisse z. B. bei allen starken körperlichen Anstrengungen. 1st die Mehrarbeit aber dauernd, dann muss der Eintritt der Ermüdung erfolgen, wenn nicht in den physiologischen Gesetzen eine Selbsthülfe für den Organismus gegeben ist. Diese lindet sich in der Arbeitshypertrophie.
lieber Arbeitshypertrophie. Jeder lobende Theil eines Körpers, namentlich aber jeder Muskel, der mehr arbeiten muss, als normal, nährt sich besser, so­bald die Arbeitsmenge ein gewisses Maass nicht übersteigt und nicht die Er­schöpfung beding!. Die Folge der besseren Ernährung ist. dass die Muskeln an Masse zunehmen. Dies geschieht hauptsächlich dadurch, dass die einzelnen Fasern stärker werden, wohl auch dadurch, dass eine Zunahme der Zahl der Muskelfasern eintritt. Die Folge der Massenzunahme ist die grössere Leistungsfähigkeit. Es steigt die Arbeitsgrösse jedes Muskels mit der Grosse seines Querschnitts.
Tn diesen physiologischen Thatsachen resp. Gesetzen findet der Organismus das Mittel, die durch Eintritt der Ermüdung bedingte Gefahr zu vermeiden.
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Regulation der Circulation durch Herzhypertrophien. Auf dem Factum, (lass der Herzmuskel dieselben Eigenschaften wie jeder andere Muskel an sich trägt, beruht die Möglichkeit der Genesung oder der Linderung bei vielen Herzleiden. Jeder Theil des Herzmuskels, der mehr arbeiten muss als normal, wird dadurch, dass seine Muskelfasern an Zahl und Dicke zunehmen, leistungsfähiger; der betreffende Theil leistet jetzt die Mehrarbeit ebenso bequem, wie vorhin die geringere. Die dickere Herzwand überwindet die Hindernisse, die sich dem Kreis­lauf entgegenstellen, ohne zu ermüden, während sie im normalen Zu­stande sich durch die grösserc Arbeit erschöpft haben würde. Dadurch werden alle Störungen vermieden, die als Folgen der Ermüdung oder Erschöpfung eingetreten sein würden; die Circulation bleibt trotz abnormer Hindernisse normal, das Thier erscheint trotz des Herzfehlers, den es besitzt, gesund. Ein solches Individuum unterscheidet sich von einem gesunden nur dadurch, dass der Quer­schnitt gewisser Theile seines Herzmuskels grosser ist, als im normalen Zustande. Diesen Zustand des Muskels bezeichnet man als Hyper­trophie. Neben der Hypertrophie besteht grösserc Weite des Innen­raumes des Ventrikels.
Topographie*) der Hypertrophien. Von der Art und dem Sitze der Hindernisse, welche sich der freien Herzarbeit und der Circu­lation entgegenstellen, hängt es ab, an welchen Theilen die Hy­pertrophie auftritt, oder ob sie das ganze Herz ergreift.
Bei Synechien*:''') des Perioardiums am Herzen, welche die gesammte Con­traction der Ventrikel behindern, entsteht totale Hypertrophie, dagegen bei Verengerung eines der arteriellen Ostien nur Hypertrophie des betreffenden Ventrikels. Ebenso ist es bei Insufficienz der Aorten- oder Pulmonalisklappen, die ein Rückströmen des Blutes zulasser und dadurch Mehrarbeit des betreffenden Ventrikels bedingen. Auch hier hypertrophirt nur die Wand desjenigen Ventrikels, dessen arterielles Ostium den mangelhaften Klappenverschluss besitzt. In diesen Fällen liegen die Verhältnisse einfach und War.
Complicirter gestalten sich die Verhältnisse schon bei Störungen an den venösen Ostien. Denken wir uns eine Insufficienz der Mitralis oder eine Verengerung der betreffenden OefTnung, so muss Rüokstauung des Blutes bis zum rechten Ventrikel eintreten. Die nächste Folge davon ist Behinderung des Abflusses des Blutes aus dem linken Atrium in den linken Ventrikel, deshalb staut das Blut in dem Gebiete der klappenlosen Lungenvene, die Ihr Blut in den linken Vorhof ergiesst. Die Blutstauung aus dieser muss sich durch das sehr weite Capillargebiet nothgedrungen bis in die Lnngenarterie fortpflanzen. Diese aber entspringt im rechten Ventrikel, Wenn Stauung in ihr besteht, muss der rechte
*) zu-zog Ort, ypatpeiraquo; schreiben.
*) auvifteia (von miviysh zusammonhalten) bleibende Verwachsung
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Ventrikel mehr arbeiten, um die Stauung aufzuheben. Das Resultat muss also sein; Hypertrophie d er recht en Ventrikelwand. Danehen findet natürlich auch eine Hypertrophie der linken Vorbofswaud statt. 1st die Tricnspidalklappe insufficient, dann wird die Wand des rechten Vorhofs hypertrophisch und eventuell auch die des linken Ventrikels. Wir geben kurz eine (Jebersicht der zu beob­achtenden Hypertrophien mit ihren Ursachen an. Es kommt 1) Hypertrophie des linken Ventrikels zu Stande bei Hindernissen im grossen Kreislauf (Verkalkungen der Wände der grossen Arterien. Aneurysmen*) daselbst, in-sufficienz der Aortenklappen, Verengerungen des Aortenostiums und der Aorta, Schrumpfung der Nieren). 2) Hypertrophie des linken Atriums, bei Stenose des linken venösen üstiums. bei Insuflicienz der Mitralis, und consecutiv bei Insuflicienz der Aortenklappen. 3) Hypertrophie des rechten Ventrikels hei Hindernissen im kleinen Kreislauf (Verödungen, Compression. Untergang vieler Capillaren der Lungen), Ueberfüllnng durch Stenose des linken venösen Ostiums oder Insuflicienz der Mitralis, consecutiv bei Aortenklappeninsuflicienz und In-sufficienz der Uulmonalisklappen. 4) Hypertrophie des rechten Atriums tritt ein consecutiv bei Undichtigkeit der Pulmonalis und Aortenklappen, bei Stenose des rechten venösen Ostiums und Insufficienz der Tricuspidalklappen.
Vollkommene Regulation. In sehr vielen Fällen wird durch die Hypertrophie die durch die betreffende Herzkrankheit gesetzte Gircu-lationsstörung compensatorisch ganz und gar aasgeglichen, weil der liyperirophirte Herzmuskel die drohende Blutstauung beseitigt und das Zustandekommen von Circulationsstörungen hindert.
Er treibt z. B. durch die stenosirte arterielle OelTnung ebenso viel Blut aus. als der normale Muskel durch die normale Oeft'nung: ferner befördert das hyper-trophirte Herz bei Insufficienz der Semilunarklappen ein grösseres Blutquantum (das heisst die normale Blutmenge plus dem wegen des schlechten Klappen­verschlusses zurückgestauten Blute) ebenso bequem vorwärts, wie der normale Herzmuskel die normale Blutmenge: bei Synechien des Herzens am Pericardium vermag der hypertrophirte Herzmuskel gewaltigere Contractionen zu vollziehen, als der normale, so dass trotz der durch die Synechien gesetzten Hemmnisse doch eine ausgiebige Verengerung der Herzhöhle zu Stande kommt; bei Insuflicienz der Mi­tralis treibt der hypertrophirte rechte Ventrikel das Blut mit solcher Macht durch die Lungen, dass in die linke Vorkammer mehr Blut eintritt, als normaliter, so dass, bei der Contraction der linken Kammer Blut in die Vorkammer zurttcktliesst. die Aorta trotzdem doch ihre genügende Menge Blut bekommt und kein Schaden entsteht u. s. w. Auf diese und ähnliche Weise werden Kreislaufsstörungen verhütet.
Ein bei den genannten und ähnlichen Herzleiden nicht zu unter­schätzendes Moment ist die Dehnbarkeit des Herzmuskels. Sie gestattet das Zustandekommen einer Dilatation und damit die Auf­nahme von mehr Blut als normaliter. Das ist zweifellos von grossem
*) ävzijpuaij.a oder ö wjtopuaii6q die Erweiterung.
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Nutzen für den ungestörten Blutlauf. Andererseits wird wieder dadurch, dass eine grössere Blutmenge im Herzen Platz findet, ein weiteres Mehr von Arbeit für den Herzmuskel geschaffen. Dieses Mehr muss auch noch durch die Hypertrophie überwunden werden.
Sach Rosenbach wirkt die Herzregulation so, dass bei einem Klappenfehler zuerst vermehrte Herzarbeit eintritt, die den physikalischen Fehler ausgleicht; dann folgt die Dilatation des Herzens und dann die Hypertrophie.
Unvollkommene Regulation. Wenn die Herzhypertrophie auch oft volle Regulation der Circulationsstörungen schalTt. so ist die Compensation doch nicht immer eine so vollständige, dass alle Organe normal funetioniren, der Blutdruck, die Blutströmung u. s. w. ganz so ist, wie bei gesunden Individuen, sondern oft bestehen trotz der Hypertrophie gewisse Kreislaufsstörungen. In diesem Falle hat die Hypertrophie nur eine palliative Wirkung.
Ausbreitung der Hypertrophie von einem Theile des Herzens auf andere. Wenn die Hypertrophie der einen Herzpartie nicht genügt, um die Blutstauung ganz auszugleichen, so tritt eine zweite Hyper­trophie vicariirend ein. Schliesslich kann der ganze Herzmuskel in seiner Gesammtheit hypertrophisch sein.
Denken wir uns eine Mitralisinsufficienz, die durch die Hypertrophie des linken Atriums und des rechten Ventrikels nicht genügend ausgeglichen wird — allerdings werden gerade diese Störungen oft total compensirt —. dann entsteht Rückstauung vom rechten A7entrikel nach dem rechten Vorhof. damit Hypertrophie dieses. Reicht auch dies zum Ausgleich nicht aus. dann kommen Circulationsstörungen im Aorta­gebiet mit erhöhtem Blutdruck daselbst zu Stande, welche zur Hypertrophie des linken Ventrikels führen müssen. Damit wäre dann die totale Ilerzhypertropliie geschaffen.
Es sei schliesslich noch daraufhingewiesen, dass auch die beste Compensation schliesslich unzureichend wird bei zufälligen Verschlimmerungen und sonstigen Zufällen, die ein gesundes Herz nicht alteriren würden. Auch wird nicht selten die schliessliche Erschöpfung des hypertrophirten Muskels beobachtet, namentlich wenn die Hypertrophie nicht gleichen Schritt mit dem Kranlfheitsprocesse zu halten vermag, das heisst, wenn der Krankheitsprocess zu rasch vorschreitet. Man darf nicht vergessen, dass das hypertrophirte Herz seine ganze Kraft nöthig hat. um den hohen, durch den Fehler bedingten Anforderungen zu genügen. Steigern sich diese Anforderungen durch ein zufälliges Moment oder rasche Verschlimmerung des Fehlers, dann muss die Erschöpfung auftreten. Die Compensation gelingt immer um so besser, je langsamer sich der betreffende Herzfehler ausbildet.
b. Bei Anomalien an den Blutgefässen.
A. Allgemeine Kreislaufsstörungen.
laquo;. Regulationen durch die Blutgefässe selbst. Schon unter nor­malen Verhältnissen ändern sich die die Circulation wesentlich bedin­genden Widerstände in ihrer Stärke sehr häufig. Deshalb besitzt das
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Arteriensystem eine bedeutende Fähigkeit, sich den wechselnden Ver­hältnissen anzupassen. Sobald die quot;Widerstände wechsein, treten soforl Vorgänge auf, welche bezwecken, den normalen Blutdruck und die normale Blutgeschwindigkeit wieder herzustellen, resp. deren Aenderung zu verhindern. Wenn sich eine Gefässbahn in Folge eines äusseren Eindrucks erweitert, verengert sich sofort regulatorisch eine andere. Das Erstere bedingt Abnahme, das Letztere Zunahme der Widerstände, das Resultat ist also: Gleichbleiben des Widerstandes im Hauptstaram. Dieser Ausgleich ist natürlich nur möglich, wenn es sich um Ver­engerung und andere Fehler eines oder einiger Aeste an einem verzweigten Gefässe handelt.
Grenze der Regulation durch die Blutgefässe. Sind die meisten Aeste
eines Hauptstammes oder er selbst primär erweitert oder verengert, dann ist der Ausgleich für den Hanptstamm unmöglich. Der Ausgleich für diesen könnte aber durch einen zweiten Hauptstamm, mit dem er irgendwie, sei es durch das Capillar-gehiet, sei es durch dircete Anastoniosen von Stamm zu Stamm, in Verbindung steht, geschaffen werden. Hat aber der Hauptstamm gar keine derartigen Ver­bindungen, wie z. B. die Aorta, ist überhaupt gar kein Gel'iiss vorhanden, weiches helfend eintreten könnte, dann kann heim Vorhandensein genannter Abnormitäten keine Regulation mehr von Seiten der Gefässe erzielt werden. Dies ist auch der Fall, wenn sich die Erhöhung oder Verminderung der Widerstände auf das ganze oder den grössten Theil des Getässgebiets eines wichtigen Organs, z. ß. der Lungen erstreckt.
#9632; ß. Regulation durch das Herz. Wenn die Blutgefässe die Re­gulation nicht vollziehen können, tritt zunächst immer eine allgemeine Störung des Kreislaufs, z. ß. allgemeine Steigerung des Blutdrucks auf. Der Organismus weiss aber auch unter solchen Umständen noch den Ausgleich zu linden. Sobald nämlich der Gesammtblutdruck, sei es im grossen, sei es im kleinen Blutlaufe, erhöht wird, erfolgt unter vorhergehender Dilatation Reizung des betreffenden Ventrikels des Herzens. Darauf tritt, um den erhöhten Widerstand zu überwinden, Mehrarbeit der Ventrikelwand und Hypertrophie derselben ein. Bei Widerständen im kleinen Kreislauf genügt, dies vollkommen, um Circulationssiörungen zu vermeiden, selbst wenn grosse Gebiete der Lungenarterien verstopft oder verengert sind (Lichtheim). Bei den Hindernissen im grossen Kreislauf kommt auch eine genügende Compensation zu Stande, wenn die Krankheitsprocesse, welche die Hemmnisse erzeugen, langsam entstehen, so dass sich langsam eine bedeutende Hypertrophie des Ventrikels ausbilden kann.
Der physiologische Satz, der diesen Regulationen zu Grunde liegt, ist: Bei Erweiterung der Blutgefässe sinkt und bei Verengerung steigert sich die Herz-thäligkeit. Ersteres bewirkt ein Sinken, Letzteres ein Steigen des Blutdrucks.
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Dyspnoiscbes Blut, wie es bei einzelnen Krankheiten vorkommt, bedingt eine spastische Verengerung der kleinen Arterien, dadurch entsteht erhöhter Blutdruck und dadurch Herzhypertrophie und der Ausgleich. — Ausserdem soll auch durch die gesteigerte Inanspruchnahme des Herzens oder auf sonst eine Weise eine Reizung des N. depressor und dadurch Nachlass dor krampfhaften Arteriencontrao-tionen und Herstellung der !Norm zu Stande kommen können.
Bei Erweiterungen grosser Capillargebiete tritt eine Entlastung des Herzens ein. Dasselbe arbeitet dann weniger, der Blutdruck und die etwa bestehende Exsudation nimmt ab und es erfolgt der Ausgleich.
B. Oertliche Kreislaufsstörungen.
Regulation durch die Blutgefässe. Die hier in Betracht kommen­den krankhaften primären Vorgänge oder Zustände bestehen stets in Veränderungen des Lumens der Gefässe. Diese können durch Druck oder Zerrungen von aussen, durch Lähmungen oder spastische Zustände der Gefässmusculatur, durch Verdickungen der Gefässwände, Neu­bildungen an denselben, durch Thromben und Embolicn und dergleichen bedingt sein. Der Effect ist immer Verengerung oder Erweiterung der Gefässe; darin liegt die Gefahr, indem dadurch Circulations-störungen zu Stande kommen müssen, wenn der Organismus keine Hülfe schafft. Die Gegenwirkung des Organismus besteht in einer zu der primären Erkrankung im Gegensatze stehenden activen oder passiven Verengerung oder Erweiterung anderer Gefässe, die in gewissen Beziehungen zu den erkrankten stehen.
[st durch irgend eine Krankheitsursache eine krankhafte Verengerung oder Erweiterung in einem Gefiissgebiete eingetreten, so erfolgt durch die nervösen Ver­bindungen, die vermittelst der nervösen Centra zwischen den Blutgel'iissen bestehen, in einem mit dem kranken Gelasse in Verbindung stehenden Gelasse eine entgegen­gesetzte Aenderung des Lumens. Beide Gefassgebiete nehmen nun zusammen ebenso viel Blut auf, als normal; was das eine weniger zu fassen vermag, nimmt das andere um so mehr auf. Dadurch wird jede allgemeine Circulationsstörung ver­mieden. Zu derartigen Adaptationsvorgängen sind die Blutgefässe wegen ihrer Dehnbarkeit. Elasticität und Gontractilität und wegen ihrer ausgezeich­neten tnnervationsverhädtnisse vorzüglich befähigt.
Die Regulationen betreffen übrigens bei örtlichen Störungen in der Regel nur ein Organ und finden oft nur innerhalb eines Gefässgebietes statt. Schon normaliter laufen aber nicht allein diese, sondern auch Regulationen der einzelnen Gefassgebiete unter einander ab. Wenn z. B. das ganze Gefässgebiet des Gehirns wegen der starken Arbeit des Organs reichlich mit Blut versorgt wird, dann zeigen andere Gefassgebiete eine schwächere Füllung.
Es ist im Thierkörper nicht so viel Blut vorhanden, dass gleichzeitig alle Gefässe straff gefüllt sein könnten. Wenn dies der Fall wäre, dann könnte die
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genannte Regnlation gar nicht oder nicht so ausgiebig wirken, wie angegeben. So aber liann jedes Organ seinen Blutgehalt selbst reguliren, resp. er kann central regulirt werden. Braucht z. B. ein Organ viel Blut, so erweitern sich seine Gefiisse. Das Mehr an Blut bezieht es von anderen Organen, die dadurch verhhltnissmässig blutarm werden. Die thätigen Organe sind immer blutreich, die unthätigen blutarm.
Hülfe durch das Herz. Auch bei den örtlichen Kreislaufsstörungen greift das Herz helfend ein, sobald die örtliche Störung zu einer Blut­druckänderung im Allgemeinen führt. Zu Herzhypertrophien kommt es nur bei chronischen Störungen. In der Regel genügt eine kurze Zeit bestehende Mehrarbeit des Herzens.
Die örtlichen Kreislaufsstörungen, deren Regulationen wir kennen lernen müssen, sind: 1) die active, 2) die passive Hyperämie, 3) die Anämie, 4) die Thromben bildung, 5) die Blutung, 6) die Entzündung.
I. Die active Hyperämie.
Physiatrische Bedentang. Die Hyperämie ist ein Naturheilvorgang. Sie bezweckt z. B. Wegspülung reizender Schädlichkeiten durch kräfti­gere Circulation, oder Ausgleichung einer Gefässänderung oder Besse­rung der gestörten Gewcbsernährung durch reichlicheren Znfluss guten Blutes. Sehr häufig aber ermöglicht sie die Compensation bei Aus­fall der Function eines Organes durch Ernährungssteigerung des oder der vicariirenden Organe (Arbeitshyperämie und eventuell Hyper­trophie). Wird ein Hoden zerstört, dann wird der andere hyper-ämisch und dadurch in den Stand gesetzt, die Arbeit für den zerstörten zu übernehmen. Die Arbeilshyperämie verschwindet, sobald die sie ver­anlassende Ursache nicht mehr vorliegt.
Ausgleich. Jede Hyperämie trägt die Möglichkeit des Ausgleichs und die Bedingungen der Heilung in sich selbst. — Das bei der Hy­perämie massenhaft durch den erkrankten Theil strömende arterielle Blut führt die Heilung herbei. Es führt den Gefässwänden. die er­müdet und kraftlos sind und dem Mehr an Blut und dem höheren Drucke gegenüber, welchen dieses ausübt, die nothwendige Verengerung der Gefässe nicht herbeizuführen vermögen, das nöthige Ernäh rungs-und Kraftmateria] zu. Dadurch erhöht sich die Kraftsumme der Gefässwände, die ermüdeten Muskeln resiituiren sich durch bessere und reichlichere Ernährung und durch Wegschwemmen der Ermüdungsstoffc durch das Blut. Nun bewirkt die Gefässmuscu-latur den Ausgleich, indem sie sich entsprechend contrahirt, die Gefässe verengt, den Blutgchalt der qu. Organe aufs Normale herabsetzt. —
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Bei länger bestehenden Hyperämien kommt es sogar zu com pens a-torischen Hypertrophien der Gefasstnusculatar. Der Ausgleich tritt allerdings stets nur dann ein, wenn die veranlassende Ur­sache nicht mehr besteht.
Die hyperämischen Processe sind durchaus nicht immer kranTsliafier Natui'. Es giebt im Gegentlieil viele pliysiologische Hyperämien, z. 13. die [Typeramie der Magenschleimhaut bei der Verdauung, die der Geschlechtsorgane bei der Brunsi. die des Uterus während der Schwangerschaft, die der Drüsen während der Thätig-heit. Das Alles sind Arbeitshyperämien. Die Arbeitshyperäraie ist die Folge von Reizung bestimmter Nerven. Diese Nerven besitzen specifische Energie. Wenn nun etwas Anderes als die normalen Reize (ErmüdungsstolTe) irritirt, dann ant­worten die Nerven gerade so, wie auf den normalen Reiz mit Hyperämie, das ist dann die Itranliliafto Hyperämie.
2. Die passive Hyperämie.
Die Gefahr, welche die venöse Hyperämie für den Organismus hat, liegt darin, dass dem von ihr betroffenen Theile zu wenig gutes Blut zugeführt werden kann und dass der zum Leben nothwendige Säfte­wechsel daselbst ungenügend stattfindet. Die Ernährung des erkrankten Theiles sinkt abnorm und eventuell bis zum Absterben. Ausserdem aber kommen auch durch die passive Hyperämie Blutdruckänderuagen zu Stande. Es droht das Auftreten eines abnorm hohen Druckes in dem betroffenen Theile und unter Umständen im ganzen Gefässsysieme.
Eine physiatrisohe Bedeutung hat die passive Hyperämie nur ausnahms­weise. Sie scheint normaliter in Verbindung mit aotiven Vorgängen bei der Erection des Penis zu bestehen. Hier ist dieselbe dem Organismus von Nutzen.
Ausgleich. Den Gefahren entsprechend, mit welchen diese Krank­heit dem Organismus droht, sind auch die Regulationsmittel der Thiere bedeutend. Der Ausgleich findet statt entweder a. durch Ueberwin-den des Hindernisses oder /?. durch Erweiterungen des betroffenen Gefässes oder eollateraler Bahnen.
laquo;. Durch das nachströmende ßlut kommt eine derartige Steige­rung des Blutdrucks in dem Gefässgebiete, in dem die Stauung besteht, zu Stande, dass es dadurch gelingen kann, das Hindcrniss, wel­ches die Stauung veranlasst, durch die vis a torgo zu über­winden.
/I Die mit dem Circulationshiiulerniss versehene Vene kann sich unter Umständen derart über die Norm ausdehnen, dass trotz des Hin­dernisses der Blutlauf, resp. der Blutabfluss durch die betroffene Vene ungestört stattfindet.
Aber auch dann, wenn dieser Ausgleich wegen der Grosse des Hindernisses unmöglich und der Blutabfluss durch das normaliter das
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Blut abführende Gefass, weil das Circulationsliinderniss auch durch die vis a tergo nicht überwindbar ist, bebindert oder ganz aufgehoben wird, findet der Organismus in dem Bau und der Anordnung der Venen Hülfsmittel, wodurch er den Ausgleich vornehmen und das bedrohte Organ vor Schaden bewahren kann.
Es sind bedeutend mehr Venen als Arterien vorhanden (oft wie 2 : 1) und die Venen anastomosiren viel öfterer unter einander als die Arterien. Dem zu Folge sind venöse Stauungen leichter ausgleichbar als arterielle.
Wenn eine Vene verlegt ist, so kann von dem betreffenden Organe das Blut durch andere, collateral laufende Venen abgeführt werden; oder wenn das Hinderniss der Circulation an einer Stelle der Vene sich befindet, vor der ein Seitenast zu einer anderen Vene geht, dann fliesst das Blut durch diesen Ast zu der anderen Vene ab und da diese nicht selten sich später wieder mit der obturirten Vene ver­bindet, fliesst auch wieder Blut zurück in die gangbaren Stellen der letzteren u. s. w.
Dieser Ausgleich durch Ableitung des Blutes auf andere Bahnen tritt in der Ecgel ein, wenn nur ein Ort von dem Krank-beitsprocesse ergriffen und wenn das Circulationshinderniss mechani­scher Natur ist.
Der Ausgleich gelingt ileslialb so leicht, weil noch folgende günstige Be­dingungen im Venensystem gegeben sind. Die Widerstände im Venensystem sind physiologisch unbedeutend, die Venen sind verhältnissmässig sehr weit, die Venen-wiinde sind sehr dehnbar, sehr dünn und wenig elastisch, demzufolge können sich ganz kleine Gefiisse bedeutend erweitern, so dass selbst durch die unscheinbarsten Gefässe der Ausgleich überraschend schnell erfolgen kann. 1st eine grosse Vene verlegt, und ist ausser ihr nur ein ganz kleines venöses Gcfäss vorhanden, so kann sich dieses unter dem Druck des Blutes enorm erweitern und in den Stand gesetzt werden, sehr bedeutende Mengen von Blut abzuführen und volle Stellvertretung für das grosse Gefäss zu übernehmen. Allmälig tritt dann auch ein Wachsthum der Elemente der ausgedehnten Gefiisswand ein. Ungünstig für die besprochene Ausgleichung ist das geringe Spannungsverhältniss der Venen und vor Allem das Vorhandensein von Klappen in denselben. Die Klappen können unter Umständen den Ausgleich hindern: in klappenlosen Venen erfolgt er deshalb sicherer und bequemer. Der ausgezeichneten Regulationseinrichtungen wegen ist z. B. die Verlegung eines Astes der Gekrösvene. oder einer Beckenvene, einer Huf­vene u. s. w. ganz gleichgültig. Der BlutaMuss wird durch die Collateralen voll­ständig besorgt. Selten ist es, dass die Collateralen fehlen oder zu klein sind. Dann gelingt der Ausgleich nicht, oder wenigstens nicht sogleich. Unter Um­ständen weilen sich auch dann die kleinen Gefässe allmälig immer mehr und mehr aus, bis sie zum Blutabfluss genügen. Damit ist die Heilung des Krankheits-processes erreicht.
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Transsudationen und Hülfe des Herzens. Erwäbnenswerth ist soMiessiloh
noch, dass auch der bei den passiven Hyperamien auftretenden vermehrten Trans-sudation etwas Heilsames innewohnt. Sie bewirkt eine Entlastung dos Gefiiss-systems. — Dass bei der Blutdrueksteigerung, die in Folge von passiven Hyper­ämien eintritt, auch das Herz durch gesteigerte Thätiglicit helfend eintritt, um das Hinderniss der Circulation zu überwinden, bedarf als selbstversländlich keiner weiteren Ausführung.
3. Die Anämie.
Sie kann bleibend oder vorübergehend sein. Letztere stört die Or-ganfunctionen nur momentan und ist weniger gefährlich. Die erstere bedroht den Organismus durch Mangel an Nährmaterial und Sauerstoff mit grossen Gefahren, den betroffenen Thcil mit dem Tode.
Verhindern des Zustandekommens der bleibenden Anämie. Den Ge­fahren, welche bleibende Anämien dem Organismus bieten, ist durch Anordnung von arteriellen Anastomosen und collateralen arteriellen ßlutläufen vorgebeugt. Dadurch werden viele Anämien zu rasch vor­übergehenden, dadurch wird das functionell gestörte Organ rasch wieder normal in seinen Functionon.
Die collateralen Gefässe erweitern sich so viel als möglich und führen dem anämischen Organe wieder Blut zu. Dadurch erfolgt:
laquo;. Voller Ausgleich, wenn das Organ durch die collateralen Bahnen eben so viel Blut erhält als im gesunden Zustande.
Bei Verlegung einer Carotis leidet die Ernährung und Function des Gehirns nicht, weil die andere Carotis, die im Gehirn mit den Acsten der obliterirten ana-stomosirt, und die Yertebralis und die Cervicalis profunda dem Gehirn eine ge­nügende Menge Blut zuzuführen vermögen. In diesen Fällen kommt also mir eine vorübergehende Anämie zu Stande (es entsteht z. B. eine kurze Ohnmacht). Wenn das die Circulation hemmende Hinderniss (Geschwulst, Thrombus) sich langsam ausbildet, tritt oft gar keine Anämie ein. Die Collateralen wirken dann vor­bauend.
ß. Unvollkommener Ausgleich. Wenn die collateralen Gefässe niclit so viel Blut zuzuführen vermögen als normal zu dem Theile hin-fliesst, dann wird entweder die Ernährung des Theiles in gewissem Masse offenbar gestört oder es tritt zwar scheinbar keine Ernährungs­störung ein, das Organ vermag aber keine besonderen Leistungen mehr vorzunehmen. In letzterem Falle reicht die Blutmenge zur Ernährung und zum Kräfteersatz im ruhenden Organe aus, sie ist aber nicht genügend für das in Thätigkeit befindliche, stark arbeitende Organ. Es liegt also ein unvollkommener Ausgleich, eine relative Heilung vor.
Wir sehen z. B. bei gewissen unvollständigen Obturationen der Schenkel­arterien oder der hinteren Aorta, dass die Ernährung der Hinterschenkel nicht
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leidet, dass die Thiere auch noch gehen liönnen u. s. w. Sobald aber ein .Mehr von Arbeit verlangt wird, sobald den Muskeln eine Anstrengung zugemuthet wird, versagen sie den Dienst. Die zugeftthrte Blutmenge ist ungenügend, genug Kraft-material und Ersatz für den bedeutenden Stoffverbrauch zu liefern und die Er­in üdungssto ffe wegzuschaffen.
Ausgleich durch Stellvertretung. Bei bleibenden Anämien tritt immer Functionsstörung des betreffenden Organs durch Ernährungsstörungen ein. Diese werden so viel als möglich durch Stellvertretung der vicariirenden Organe aus­geglichen.
Ausgleich durch Widerstandsänderungen in anastomosirenden Ge-fässen. Die Nachtheile, welche bei den die Circulation störenden Hin­dernissen (namentlich bei solchen in Stämmen oder Endarterien, über­haupt solchen, wo der beschriebene Ausgleich durch Collateralen nicht gelingt) durch erhöhten Widerstand im Gefässsystem geschaffen werden könnten, werden vermieden durch anderweite Widerstandsabnahme (z. B. Erweiterung der rückwärtigen Gcfässe), vor Allem aber dadurch, dass das Blut, welches zunächst nicht in das anämische Organ hinein kann, nach anderen Organen abfliesst. Das Blut geht, wie Cohnheim sagt, dahin, wo es am notwendigsten ist und natürlich auch dahin, wo es den geringsten Widerstand findet.
Dadurch, dass das Blut dahin geht, wo es am nöthigsten ist, be­günstigt es das Zustandekommen vicariirender Functionen und corapen-satorischer Hypertrophien.
Wenn eine Nierenarterie verlegt ist, geht das Blut in die andere (Rosen­stein), nicht etwa in die Cruralis; wenn eine Carotis unterbunden wird, geht das Blut in die Vertebralis und nicht in die Axillaris (Cohnheim) u. s. w. Bei plötz­lichen Anämien resp. Verstopfungen liann das Blut auch in anderen Gebieten, wo es unnütz ist, Platz finden. Das ist dann aber ein vorübergehendes Vorkommniss, das seinen Grund in der Plötzlichkeit der Entstehung der Abnormität findet. — Im gesunden Körper ändert sich die Blutvertheilung ebenfalls nach den Bedürfnissen der Organe. Die tliätigen erhalten viel Blut, die ruhenden wenig u. s. w.
Wenn grosse Theile durch Verlegung eines Hauptgefässes anämisch werden, dann ist der sofortige, in der geschilderten Art und Weise vor sich gehende Aus­gleich nicht möglich, sondern es tritt zunächst eine Art Plethora (apocoptica) ein. Sehr bald aber wird diese durch erhöhten Verbrauch des Blutes und seiner Bestand-theile und verminderte Bildung derselben zum Verschwinden gebracht.
4 Bildung von Thromben*) und Embollen**).
Physiatrisches. Die Bildung von Thromben ist oft ein heil­samer, das Leben und die Gesundheit erhaltender Act, z.B.
*) % ftpöjißoq der Blutklumpen, üpopfioSv gerinnen maoheu (Jtoüfißwmg). **) ij ifißakij das Hineinschieben.
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bei Blutungen, zu deren Stillung die Thrombenbildung unabweisbare Bedingung ist; ferner in Gefässen, die in einem Jauche- oder Eiterherd liegen, wo die Bildung eines festen Thrombus die Resorption der Jauche und Zersetzungsproducte und damit den Eintritt gefährlicher Krank­heiten hindert; sodann bei Aneurysmen, entweder durch Bildung von Gerinnseln an der Wand derselben, die zu Neubildungen führen, welche die Gefässwand verdicken und das Aneurysma vor dem Zerreissen schützen, oder durch Bildung eines obturirenden und später orga-nisirenden Thrombus.
Regulationen gegen die Gefahren der Thrombosen nnd Embolien. Beide Processe bedrohen den Organismus a. durch Behinderung der Circulation und b. durch die Schicksale, welche die Gerinnsel er­fahren (Erweichung, puriformer Zerfall etc.). Der ersten Art von Ge­fahren beugt der Organismus in derselben Weise vor, wie den bei Kreis­laufstörungen überhaupt, namentlich durch Schaffen eines collateralcn Kreislaufs. Die anderen Gefahren vermeidet er durch das Organisiren, Verkalken und Verkreiden der Gerinnsel.
Ad a. Die Venenthrombose hat in der Regel keine dauernden Nachtheile im Gefolge und ist meist ein garz gleichgültiges Vorkommniss. Der Ausgleich der Stauungen erfolgt meist rasch durch Collateralen, ehe bedeutendere Störungen zu Tage getreten sind. Wenn allerdings Mangel an collateralen Gefässen besteht, können Störungen nur vermieden werden, wenn das Wachsen des Thrombus ein langsames ist. — Ein sehr wichtiges Moment für das ZustandeliOmmen des Aus­gleichs ist in der Thatsaohe zu finden, dnss sich die Thrombose niemals tn die Ca-pillaren fortsetzt, dass diese also frei bleiben. Dadurch wird die rasche Wieder­herstellung der primär gestörten Blutbewegung und das rasche Verschwinden des entstandenen Oedems*) ermöglicht.
Die Arterienthrombose. Beim Vorhandensein grosser Collateralen schadet auch die Arterienthrombose nichts. Es verödet ein Theil der verlegten Arterie, und das collaterale Gefäss versorgt den bedrohten Bezirk genügend mit Blut. Auch wenn nur kleine Anastomosen vorhanden sind, kann die Thrombose gefahrlos ver­laufen, wenn sie einen langsamen Verlauf hat. Die kleinen Anastomosen haben dann Zeit zur allmäligen Ausweitung. — Bei rasch entstehenden, plötzlich obturi­renden Embolien ist allerdings, namentlich bei Endarterien, der Ausgleich unmöglich. In jedem Falle gilt die Regel, dass die Arterienthrombose dem Organismus mehr Schwierigkeiten bezüglich der Regulation bietet, als die Venenthrombose.
In Arterien der Drüsen, der Haut, der Muskeln, des Darms laquo;.s.w., wo grosse Collateralen vorhanden sind, findet man oft Embolien, ohne dass die Function und Ernährung dieser Theile im geringsten gestört erscheint. Bei Thromben in den grossen Gefässstämmen liegen die Verhältnisse meist ungünstiger. Wie auch
r(lt; ofamp;qfta das Aufgeschwollene.
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hier ein relativer Ausgleich bestehen kann, lehrt das oben angezogene Beispiel der Anrtenlhrombose.
Die Luftembolieti sind meist ohne Bedeutung. Die Luft wird bald resorbirt. und damit sind die Gefahren beseitigt.
Ad b. Die Vcrknlkiitig uuil Vei'kreiilung der Thromben führt nicht zur vollen llestiuition. Durch ihr Eintreten werden nur die durch die Erweichung etc. drohenden Gefahren vermieden. Anders liegt dies mit der Organisation der Tliroiiilteii. Dies ist ein physiatrisclier Vorgang, der häufig zur vollständigen Re­stitution des Blutlaufes führt. Von der Wand des Thrombus, das heisst von der Gefässwand, welche mit Vasa vasorum. die zur Neubildung von Gefässen den Mutlerbodeu abgeben können, ausgestattet ist, oder auch von dem um das Gefäss liegenden adventitiellen, gefiisshaltigen Gewebe, wächst ein gefässhaltiges, neu ent­stehendes Bindegewebe in den Thrombus hinein und bringt ihn zum granulären Zerfall und zur Resorption. Wo vorher der Thrombus war. da befindet sich nachher gefässhaltiges Bindegewebe. Die in demselben befindlichen neu gebildeten Gefäss-chen können theilweise den Blutlauf' ersetzen. Die wirkliche Wiederherstellung desselben geschieht aber dadurch, dass das neu gebildete Bindegewebe schrumpft und sich gegen die alte Gelasswand retrahirt. Bei gleichmässiger Retraction ent­steht ein freies Lumen, bei ungleichmässigor ein schwammiges Gerüst. Im ersteren Falle kann vollständige Restitution eintreten, oder eine geringe Stenose*) bestehen bleiben.
Immer aber ist der ganze Vorgang der Organisation der Thromben ein ex-quisiter Naturheilprocess. Ob das neue Bindegewebe aus Wanderzellen (Sen tt-I eben , Co hu heim U.A.), oder aus denGefässendothelien (Raab, Baumgarten), oder aus den fixen Bindegewebszellen, namentlich den Plasmazellen entsteht, ist für unsere Betrachtung ganz gleichgültig. Der Effect ist derselbe.
Den Nachtheilen, welche Knikulicn bedingen, begegnet der Organismus so, wie wir es bei Betrachtung der Anämien kennen lernten.
5. Die Blutungen.
Physiatrisches. Eine Blutung kann heilsam, ja lebensrettend wirken, z. B. bei ßlutüberfüllung wichtiger Organe und bei gewissen Entzündungen. Besonders heilsam wirken die Blutungen in den Ent­zündungsherden. Sie schaffen Entlastung des entzündeten Gewebes, Aufhebung der Blutstauung und freie Bahn für das zufliessende, die Heilung der Entzündung erstrebende arterielle Blut.
Die Blutungen haben aber nicht nur eine physiatrische Bedeutung, sondern es erwachsen dem Organismus durch sie aus verschiedenen Ursachen Gefahren, und zwar:
1) Dadurch, dass der Thierkörper namentlich dann, wenn die Blutung längere Zelt besteht, in Folge des Auslliessens das Blutes einer, Verlust an dieser wichtigen Flüssigkeit erleidet. Das Blut ist der Lebenssaft der Thiore. Jede noch so heilsame Blutung muss deshalb bei längerem Bestehen gefährlich werden, weil ein Verlust an der zum Leben unbedingt nolhwendigen Flüssigkeit eintritt. Der Organismus
*) -ij irrsMurTK die Verengerung, (nevth verengern
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ist in Folge dessen mit Erschöpfungskrankheiten, Schwächezustämlcii oiler dorn Verblutungstode bedroht.
2)nbsp; Durch das extravasirte. in das umliegende Gewebe ergossene und dessen normales Leben störende Blut.
3)nbsp; Durch die Tlirombenbildung in dem blutenden Gefiisse, wodurch der bo-trefl'ende Theil des Thierkörpers mit arterieller Anämie bedroht wird.
Gegen alle diese Gefahren muss der Organismus Hülfe sclmlTen.
a. Selbsthülfe des Organismus gegen die Blutung und ihre Folgen.
Den Gefahren, welche das A usfliessen des Blutes mit sich bringt, kann der Organismus nur durch Stillung der Blutung begegnen. Die Folgen der grösseren Blutungen, die in einem Mangel an Blut bestehen, überwindet der Organismus durch erhöhte Blutbildung, näm­lich durch vermehrte Aufnahme in das Blut (erhöhte Resorption in allen Geweben und im Darmcanale) und durch gesteigerte Thatigkeit der die Blutkörperchen bildenden Organe. Die Blutmenge ersetzt sich sehr rasch wieder, die Blutkörperchen langsamer (hierüber s. die blutentlee-rendc Heilmethode.)
Die Blutstillung. Jede aus kleineren Gelassen statthabende Blu­tung stillt sich von selbst (Nasenbluten beim Menschen, Blutungen aus kleinen Wunden) und auch bei Blutungen aus grösseren Gefässen tritt in der Regel die Blutstillung ein.
Jedes Blut, welches nicht mit intacten, gesunden Endothelicn in Berührung ist, hat die Neigung zu gerinnen. So gerinnt dann auch bei einer Blutung zunächst das ergossene, das Gefäss umgebende Blut. Dieser Vorgang hat nur unter besonderen Umständen grossen Nutzen. Wichtiger ist der folgende Vorgang. Bald treten nämlich auch Ge­rinnungen an der Ausflusstelle am Gefäss sebst auf, weil das lebende Endothel fehlt. Es bildet sich an dieser Stelle allmälig ein verschliessender Thrombus aus. Die Thrombenbildung erfolgt um so leichter, als das Blut durch das Ausströmen reicher an farblosen Ele­menten und dadurch gerinnbarer wird (Cohnheira).
Die Art der Entstehung des Thrombus, ob es durch Einlagerung weissei' Blutkörperchen, oder die von Bizzozero entdeckten Soheibenelemente u. s. w. geschieht, ist für den Effect gleichgültig. Praktisch ist allein wichtig, dass sich der Thrombus bildet, und dass dieser durch Verlegung der Ausflussstelle des Gelasses die gefährliche Blutung stillt.
Correctur gegen das Fortschwemmen der Thromben. Der sich bildende Thrombus ist in Gefahr, durch das ausströmende Gefäss fort­gespült zu werden und so seinen Zweck, die Verschiiessung der Aus­flussstellen und Stillung der Blutung, nicht erfüllen zu können. In kleineren Gefässen ist die Gefahr geringer, weil hier der Blutdruck nur unbedeutend ist. In grossen Gefässen ist der Blutdruck gross und dem-
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Die Selbsthülfe des tliiorisclien Organisnuis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 113
nach die Gefahr, dass der Thrombus fortgeschwemmt werde, bedeutend. Zur Vermeidung dessen muss eine Correctur vorhanden sein; diese ist in Folgendem gegeben: Die grossen Gefüsse besitzen einen bedeutenden Grad von Elasticität und Contractilität. Werden sie durch-sclmittcn, so verengt sieh das freie Ende bedeutend und zieht sich ausserdem weit in das umgebende Gewebe zurück. Bei­des befördert natürlich das Haften des Thrombus, letzteres namentlich dann, wenn das umgebende Gewebe Neigung zum Zusammenfallen, zu Contractionen und dergleichen hat. Ausserdem wird das Fortspülen des Thrombus noch dadurch vermieden, dass der bei bedeutenden Blu­tungen beträchtliche Blutverlust eine Herabsetzung des Blut­druckes und Herzschwäche veranlasst. Diese Thatsache ermög­licht die Thrombenbildung in verhältnissmässig grossen Gefässen und damit die Lehensrettung der betreffenden Thiere.
ß. Die Regulation gegen die Thrombenbildung erfolgl wie im vorigen Abschnitt geschildert wurde.
y. Regulation gegen die dem Organismus aus dem extravasirten Blute erwachsenden Gefahren. Bei Blutungen wird das Blut entweder nach aussen oder in Höhlen und Gewebe des Thierkörpcrs ergossen. Nur im letzteren Falle kann das extravasirte Blut dem Organismus durch seine directe Einwirkung auf die Gewebe (Druck, Quetschung) und die Schicksale, die es erleidet, Gefahren bereiten. Die drohenden Gefahren werden auf verschiedene Weise vom Organismus zu vermeiden gesucht, besonders durch Beseitigung des extravasirten Blutes. Dieses gelingt am leichtesten bei Blutungen in Höhlen. Geringe Mengen werden ohne Weiteres resorbirt. In der Regel aber tritt zuerst Gerin­nung des Blutes auf. Dadurch werden die Flüssigkeiten des Gerinnsels durch Retraction desselben ausgedrückt und dann resorbirt. Der Blut­kuchen selbst wird dadurch derber und fester. Bald tritt in ihm Zer­fall der Fibrinfäden und der Leucocyten ein, das körnig Zerfallene wird resorbirt. Die meisten Schwierigkeiten bereiten dem Organismus die reihen Elemente. Zum Theil gelangen sie während der Blutung in Lymphbahnen (Orth), zum Theil entfärben sie sioh unter Abgabe des Farbstoffes und zerfallen (J. Arnold), zum Theil lösen sie sich auf, zum Theil werden sie auch von den Leucocyten zerstört und gefressen.
Ein auf der Wand einer Höhle liegende]- Blutlaiclien wirkt als Reiz: in Folge dessen erscheinen bald Wanderzellen: diese dringen in den Blutlaichen ein, fressen die rothen Blutlcörperchen, werden zu endotlielialen Zellen (Fibroblasten) und wachsen cift in 6 — 8 Tagen zu Riesenzellen an (Cohnheitn). Schliesslich zerfallen dann aucli diese. Entweder verfällt erst die Riesenzello der fettigen Metamorpliose, und die rothen Elemente werden frei, oder es zerfallen erst diese in den Riesenzellen (Langhans), und dann zerfallen diese selbst. Der Blutfarbstoff ändert sich bei den verschiedenen Vorgängen und wird zum Haematoidin (Virchow), sei.es intra-
Ellenbers^er. Allgeuieiiif Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;o
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oder extracellular (Langlians, Cordua). Manchmal mag auch ein Theil des Blutfarbstoffs rasch resorhirt werden. Der grösste Theil wird sich aber immer zu­nächst als Hämntoidin ablagern. Das abgelagerte Hämatoidin bedingt nieist keine Naclitlieile. Es kann resorbirt und als Gallen- oder Harnfarbstoll' ausgeschieden weiden.
Der geschilderte durchaus günstige Ausgang der totalen und raschen Resorption des Extravates tritt bei kleinen und bei solchen grossen Blutungen ein, die auf grosse Flächen erfolgen. Im letzten Falle deshalb, weil die grosse Fläche genügend abführende Gcfässe enthält. —Bei grösseren Blutungen auf kleine Flächen ist die rasche Veränderung in der genannten Art unmöglich. Da ent­steht eine Entzündung. Diese wirkt aber meist auch günstig. Sie erzeugt dasselbe, was wir bei der Organisation der Thromben beschrie­ben; durch neugebildetes gefässreiches Bindegewebe wird das extrava-sirle Blut eingeschmolzen und zur Resorption gebracht. Unter gewissen Verhältnissen gelingt die Einschmelzung allerdings nur peripher. in ganz seltenen Fällen tritt auch Eintrocknung, Verkalkung oder Vor-horuung eines Extravasates ein. Alle diese Vorgänge sind im Ge­gensatz m den Verjauchungen günstig für den Organismus.
Bei Extravasationen im Gewebe können dieselben Folgen ein­treten, wie die beschriebenen. Solche Blutungen sind aber wegen der Ernährungsstörungen und Zertrümmerungen der Gewebe, welche sie ver­anlassen, viel gefährlicher, als die Blutungen in Höhlen (s. Regulationen der Gewebsauomalien).
6. Die Entzündung. Physiatrisches. Der Entzündungsprocess ist meist physiatrischer
Natur und ist als ein Naturheilvorgang zu betrachten.
Der bei der Entzündung vorhandene Schmerz bewirkt Ruhehaltung des entzündeten Theiles und ist dadurch heilsam ; die auftretende Schwel-lung drückt getrennte Tbeile wieder aneinander und ermöglicht deren Verschmelzung, verschiiesst krankhafte Oeffnnngen und stillt Ausflüsse; die Emigration der farblosen Blutkörperchen ermöglicht und leitet die Neubildungen (den Vernarbungsprocess) ein; auch die bestehende Eiterung ist insofern günstig, als sie das neu sich bildende höchst reizbare Gewebe bedeckt und vor Reizungen schützt; sie ist auch inso­fern günstig, als sie die Ausstossung und Isolirung und unter Umstän­den die Einschmelzung fremder Körper und necrotisirter Gewebsstücke veranlasst. Die in entzündeten Theilen nicht selten auftretenden Blu­tungen sind physiatrischer Natur, sie entlasten das Gefässsystem und ermöglichen reichlicheren Zufluss guten arteriellen Blutes, das heisst des heilenden Saftes. Auch die Exsudation in die Gewebe ist nicht selten physiatrisch, indem sie Einschmelzungen ermöglicht und Resorp-
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lionsprocessc einleitet. Selbst die Throm benbildung in den Gefässen kann heilsam werden, indem sie die Resorption schädlicher Massen mindert und die exsudirende Fläche verkleinert.
Am günstigsten unter allen entzündlichen Vorgängen wirken die bei der productiven Entzündung auftretenden Neubildungen, die Bindesubstanzbildungen (Narben, Adhäsionen, Verdickungen, Callas­bildungen) derselben. Durch das neugebildete Gewebe kann durch Druck Fremdes zum Schwinden gebracht werden. Die Neubildungen bewirken die Verwachsung nach getrennter Continuität, abnorme Ver­wachsung sonst getrennter Theile zu physiatrischen Zwecken und er­möglichen dadurch z. 13. die unschädliche Entleerung von Eiter aus inneren Organen, Substanzersatz in Organen, deren Zellen zu Grunde gegangen sind, Ausfüllen von Lücken, Kapsel bild ung um Fremdartiges u. s. w. Auf dem Wege der Neubildung entstehen ßlutgefässe und andere Oanäle, welche durch die Krankheitsursache vernichtet wurden.
Ausgleich der Entzündung Jede Entzündung wird durch längeres Bestehenbleiben gefährlich. Deshalb herrscht bei der Entzündung eine bedeutende Selbstregulation, welche die Heilung der Entzündung herbei­führt, sobald dieselbe ihren Zweck erreicht hat. Die Regulation der Entzündungen ersteckt sich auf:
1)nbsp; nbsp;Entfernung der Krankheitsursache. Ohne Erfüllung dieser Be­dingung ist die weitere Regulation unmöglich (causale Regulation).
2)nbsp; nbsp;Heilung der alterirten Gefässvvände. Die Alteration der Gefäss-wände stellt das Wesentliche der entzündlichen Processe dar (essen­tielle, radicale Regulation).
3)nbsp; Regulation in den von der Entzündung betroffenen Gewoben. Bei Joder Entzündung leiden nicht blos die Gefässwände, sondern auch die umliegenden Gewebselemente. Diese werden durch das aus den entzündeten Gefässen Exsudirende in Mitleidenschaft gezogen.
4)nbsp; nbsp;Unschädlichmachung der sogenannten Entzündungsproductc.
Die Regulation in den Geweben und das Unschädlichmachen der Entzündungs­productc bedarf einer weiteren Besprechung nicht, da wir dies schon bei dem Sludium der Gewebsregulationen (Anbildung, Rückbildung, Resorption, Aus-stossung, Einkapselung, Verkalkung u. s. w.) kennen gelernt haben. Die causale Regulation wird nur angedeutet, da die einzelnen Vorgange vorn schon besprochen wurden (Husten. Niesen, Einhüllen, Wegschwemmen, chemisches Zersetzen u. s.w.).
laquo;. Gausale Regulation. Die Entfernung der Ursachen gelingt oft durch den entzündlichen Vorgang selbst, so wird z. B. ein Fremd­körper weggeschwemmt, eingekapselt, durch Eiterung ausgestossen. ein reizendes Agens chemisch oder mechanisch durch das Exsudat unschäd­lich gemacht, ein in Folge einer fehlenden Decke bestehender Reiz durch Ersatz der Decke durch das entzündliche Exsudat (Borken- und Schorf­bildung) zum Verschwinden gebracht und dergleichen. In anderen
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Fällen tritt die Kunst ödere andere Vorgänge, z. B. Husten, hel­fend ein.
ß. Essentielle Regulation. Ist die Ursache entfernt und wird die Alteration der Gefässwand, die bei der Entzündung das Wesentliche der Krankheit darstellt, nicht mehr unterhalten, dann erfolgt auf dem Wege der Ernährung die Restitution der normalen Gefäss-einrichtung und damit die Heilung der ganzen Krankheit durch das circulirende Blut, es sei denn, dass die Alteration bereits zum partiellen Untergang der Dlutcirculation und des Gewebes geführt hat. Dann ist die directe Restauration natürlich unmöglich. Die indirecto er­folgt nach den Vorgängen, die wir in der Lehre von den Gcwcbsregu-lationen kennen gelernt haben.
Zum Verstiinclniss der Regnlationsvorgänge muss man wissen, dass bei jeder Entzündung die gesiörte Ernährung der Gefässwand (Alteration) das Wesen des Leidens darstellt. Mit dem Schwinden dieser Alteration hört der Krankheitsproooss auf. Die Alteration kann sich nur auf dem Wege der Ernährung ausgleichen. Jede Ernährung aber ist abhängig von der Zufuhr resp. Gegenwart arteriellen Blutes. Bei der Eegulaiion der Entzündungen kommt also Alles darauf an, dass viel arterielles Blut dem Theile zugeführt wird, damit er im Stande ist, sich wieder normal zu ernähren.
Die directe Eestauration erfolgt auf dem Wege der normalen Ernährung der Gefässwände durch das arterielle, dem entzündeten Theile zuströmende Blut. Die alterirten Gefässwände werden hierdurch zur ISTorm zurückgeführt und die krankhaften Processe ausgeglichen.
Die entzündliche Blutstauung, die in jedem entzündeten Theile be­steht, veranlasst kräftige Herzaction, so dass viel gesundes leistungs­fähiges Blut zur kranken Gefässwand fliesst, wodurch eine arterielle Hyper­ämie entsteht, die von der entzündlichen scharf zu trennen ist. Die active arterielle Hyperämie heilt die erkrankten Gefässe, sobald die inflammatorische Causa, welche die Entzündung unterhält und das Stauen des Blutes in dem kranken Theile und dadurch das Vorhanden­sein von schlechtem, zur Heilung unbrauchbarem Blute veranlasst, ent­fernt ist. — Sobald die Gefässwand wieder normal ist, hört natürlich die weitere E.xsudation auf, die Gefässe verengern sich wieder und der Blutlauf wird normal.
y. Die Entfernung und Unschädlichmachung der Entzündungsproducte. Das Exsudirtc wird durch Venen und Lymphgefässe resorbirt. Die Ke-sorption erfolgt leicht, weil bei der Entzündung der Lymphstrom leb­hafter, die Resorptionsfähigkeit der Lymphgefässe erhöht ist. Die emigrirten Wanderzellen wandern in Lymph- und Blutgefässo ein, die rothen Blutzellen zerfallen.
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So einfach lieilen alle sogenannten Resolutionsentzündungen (Samuel) und alle oberflächlichen Eiterungen. Schwieriger ist die Heilung schon bei tiefen Eiterungen. Oft findet aber auch hier die volle Resorption und Restitution statt. Bei bedeutenden und festen Exsudaten tritt erst, wenn nicht ausnahmsweise die unter Umstäiulen auch günstige käsige Metamorphose und Verkalkung erfolgt, die noch günstigere Verfettung ein, der dann die Resorption folgt. Exsudalo in Höhlen, die mit der Aussenwelt in Verbindung stehen, werden ausgeworfen. So erfolgt, die Ausstossung durch Muskelbewe­gungen bei Entzündungen der Schleimhäute, Bronchien, Lungenalveolcn, Harnwegen, Darmschleimbaut u. s. w. natürlich nach vorheriger Er­weichung oder Verflüssigung des Festen. Diese Ausstossung erleichtert die Heilung wesentlich. Ein Tbeil des Exsudates wird natürlich auch bei diesen Entzündungen resorbirt. In anderen Fällen bilden sich künstliche Abflusswege für das Exsudat. Die bestehende Eiterung bedingt Einschmelzung des umliegenden Gewebes. Liegt das Exsudat z. B. in der Subcutis, so bedingt die Einschmelzung directen Durch­bruch nach aussen, Entleerung der fremden Masse. Läuft der Process aber in inneren Organen ab, dann klebt das Organ durch adhäsive Ent­zündung an ein Nachbarorgan an und die fortschreitende Einschmelzung veranlasst die Entleerung auch hier.
Beispiel. In der Lunge bestellt ein mit Ge\rebsantei'gaDg, Eiterung etc. ein-liergehcnder, schart' begrenzter Entzündungsprocess in einer an der Pleura grenzen­den Partie. In Folge dessen entzündet sich die Pleura pulmonalis local und über­trägt dureh Gontiguität den Process auf die Pleura costalis. Beide Pleurablätter verwachsen in Folge der entzündlichen Vorgänge fest mit einander und mit der Brustwand. Der Einschmelzungsprocess schreitet aus der Lunge an einer kleinen Stelle nach aussen vor, ergreift auch die Brustwand, die Intercostalmuslceln, schliess-licli die Haut, und es entstellt eine OelTnung nach aussen. durch welche der Eiter entleert und die Heilung am Primärherde erfolgen Kanu.
Wenn die Entzündung zur Necrose führt, dann wird das brandige Stück nach erfolgter Demarcation ausgestosscu (s. vorn).
Zu den Regulationsvorgängen bei der Entzündung sei noch bemerkt, dass für die entzündeten Organe die gesunden stellvertretend eintreten, und dass unlieilsame Adhäsionen nicht seilen durch die Bewegungen der Organe wieder be-beseitigt werden (bei Irisanlilebungen. bei Adhäsionen des Darmoanals, der Lungen etc.).
Ausser den genannten Regulationen im entzündeten Theile, die durch ein­fache Zertheilung und Restitution (durch Herstellung der normalen Er­nährung der Gefässwand und Resorption des Exsndirten und Emigrirten), oder durch Umwandlung der Exsudate (Fettumwandlung, Einsclimelzung), oder durch Entleerung derselben auf natürlichen oder künstlichen Wegen erfolgte, ist noch des Organisationsprocesses zu gedenken, der bei Exsudaten in ähn­licher Weise wie bei Thromben eintreten kann. — Die Rückbildung entzünd­licher Neubildungen erfolgt auf dem Wege der necrobiotischen Vorgänge.
Die Entzündung ist nach Vorstehendem zwar eine Krankheit, aber zum Nutzen
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des Organismus entstanden, die, sobald sie überflüssig wird, durch ausgezeichnete regulatorische Vorgänge vom Organismus zur Norm zurückgeführt und nur unter ungünstigen Bedingungen gefährlich wird.
III, Regulationen bei Krankheiten der Bhitmischung und der Blutmenge,
In Aenderungen der Aufnahme und Abgabe und in Aenderung der Thätigkeit der blutbercitendon und zerstörenden Organe liegt die haupt­sächlichste Regulation dieser Art von Krankheiten. Dazu kommt aber auch noch die in Folge dieser Leiden eintretende regulatorische Aen­derung der Blutcirculation.
Rein physilialisch erfolgt bei erhöhtem Blutdruck vermehrter Austritt, bei vermindertem, Eintritt von Flüssiglieiten in das Blut. 1st dasselbe durch bedeutende Wasseraufnabme verdünnt, so steigert sich die Wasserabgabe durch die Nieren; sind zu viel Blutkörperchen da. steigert sich deren Zerfall; ist Mangel an solchen vorhanden, so tritt rasche Neubildung derselben ein: werden dem Blute gewisse Stoffe in zu geringer Menge zugeführt, so beschränkt es deren Ausfuhr und hält das, was es besitzt, fest. Mangel an Blutbestandtheilen erzeugt Triebe zur Auf­nahme derselben in den Verdauungstract; wenn durch starlies Schwitzen das Blut eingedicU wird, entsteht Durst, fehlt Eiweiss, dann Hunger. Wird zu viel Eiweiss zugeführt, dann hilft gesteigerte Zersetzung; bei zu geringer Zufuhr wird durch Ruhe der Verbrauch herabgesetzt. Gelangen fremde Substanzen in das Blut, dann schafft sie das Blut aus sich heraus, lagert sie in die Gewebe ab, oder übergiebt sie den Excretionsorganen. Fallen gewohnte Blutungen aus, dann hilft verringerte Bildung von Blut: wird eine Gliedmaasse entfernt, so dass Plethora*) apocoptica entsteht, dann hilft gesteigerte Ausscheidung und verminderte Blutbildung. Bei gewissen Krankheiten tritt durch das Auftreten resp. künstliche Erzeugen von Hautausschlägen Besserung ein. Auch kommen Blutreinigungen durch Ablagerung von Stoffen in grosse Parenchyme nicht selten vor. Aendert man künstlich die Blutbeschaffenheit, so tritt stets rasch und prompt Regulation im Sinne der normalen quantitativen und qualitativen Blut­beschaffenheit ein. Bei Kochsalzirjection z. B. in das Blut entsteht eine pletho-rische Ilydrämie **). Zur Ausgleichung derselben tritt beschleunigte Circulation, gesteigerte Secretion der Nieren, der Speicheldrüsen, Darmdrüsen, der Nasen-schlcimhaut, Schweissdrüsen etc. ein. Der Lymphstrom wird beschleunigt, um die durch die hydrämische Plethora auch vermehrte Transsudation in die Gewebe zum Ausgleich zu bringen.
Die Polyämic, die künstlich durch Einspritzung von Blut (Trans­fusion) hervorgerufen werden kann, regulirt sich durch gesteigerte
*) TzlrfiiiifiTj die Anfüllung, Ueberfüllnng, von nXrftmpüv anfüllen, ii-oy-n-rm abhauen, abschneiden. Eine Plethora, die z. H. nach dem Abschneiden eines Gliedes entsteht, ist eine Plethora apocoptica.
**) uSwp Wasser, aXixa Blut.
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Dio Solbslhülfo des thierischeu Orgauismus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 11(.gt;
Wasserausfuhr durch die Nieren, gesteigerte Harnstoffbildung und ge­steigerte Zerstörung der rothen Elemente. Letztere widerstehen der Vernichtung am längsten. Sie werden zu Harnstoff und Gallenfarbstoff. Dazu kommt noch, dass der Appetit abnimmt und dass Neigung zu Schleimhautblutungen besteht. Ersteres bedingt verminderte Zufuhr zum IMulo und verminderte Blutkörperchenbildung.
Die Polyaemia serosa, die künstlich durch Seruminjcclion ins Biul erzeugt werden kann, wird rasch ausgeglichen durch vermehrte Wasserausfuhr durch die Nieren und gesteigerten Zerfall der Eiweiss-körper zu Harnstod'.
Die Polyaemia aquosa, die durch häufiges und vieles Wasser­trinken entsteht, gleicht sich durch vermehrtes Harnen und eventuell Schwitzen aus. Bei einer durch Nierenleiden bedingten wässerigen Poly-ämie wird auch Wasser in die Gewebe und in Höhlen ergossen.
i3ei der Polyaemia pol ycyt haemia entsteht vermehrter Zerfall und verringerte Bildung der rothen Elemente.
Bei Einspritzungen von Eieralbumin in das Blut (P. hyperalbumi-uosa) regulirt Eiweissabgabe durch den Harn.
Bei der Oligämie, die durch Blutungen z. 15. hervorgerufen wird, tritt zunächst vermehrte Wasseraufnahme in das Blut auf, um das rich­tige Volumen und den normalen Blutdruck wiederherzustellen (Hydrämie), dann folgt vermehrte Aufnahme von ßiweisskörpern und dergleichen, namentlich aus dem Darmcauale, was durch Steigerung des Appetits ermöglicht wird (Oligocythämie), endlich tritt gesteigerte Bildung von Blutkörperchen in den betreffenden Organen auf und es gehen weniger rothe zu Grunde als normal. (Vorübergehend besteht Leukämie, weil die weissen Blutkörperchen sich rascher ersetzen als die rothen.) Bei der Oligämie tritt regulatorisch stets eine bedeutende Verminderung der Ausscheidungen, ja einige Zeit Sistiren gewisser Secretionen ein (Ranke).
Bei der Oligaemia sicca, z. B. durch plötzliche bedeutende Darmausleerungen, starkes Schwitzen etc. regulirt die gesteigerte Re­sorption der Venen und Lymphgcfässe und die vermehrte Wasseraufnahme in Folge Durstgefühls.
Die Oligaemia hypalbuminosa regulirt sich durch vermehrte Re­sorption der Chylusgcfässe und vermehrte Nahrungsaufnahme.
IV. Eegulationen bei Störungen im Lymphgefässsystem und der Saftströmung' und bei Wassersuchten.
Allgemeines. Die Säfteströmung in den Geweben ist bekanntlich physio­logisch ausgezeichnet regulirt. Nehmen die Parencliymströme durch irgend welche Bedingungen bedeutend zu, so sind es die Lymphgefässe und Venen, welche die Regulation durch vermehrte Abfuhr leisten. Steigert sich eine Secretion krankhaft, so versiegt sie häufig von selbst, weil das Secretionsmaterial ab-
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nimmt und die S ecretionsnerven ermüden. Nehmen die Parenchymströme an einem Orte bedeutend ab, oder sinltt eine Secretions- oder Exoietionsthätigkeit bedeutend, so nehmen die Parenchymströme an anderen Orten zu, das heisst andere Secretionen steigern sich und leisten Compensation.
Der Lymphstrom. Von wesentlichstem Einfluss auf die Saftcirculaiion in den Parenchymen ist aussei dem Alles bedingenden Blutstrom auch der abführende Lymphstrom, der die Entwässerung der Gewebe theil weise besorgt. Der Lymph-ström ist freilich auch wesentlich von den Verhältnissen des Blutstroms abhängig; die Herzsaugkraft und die Thätigkeit der Lungen bedingen wesentlich den Lymph­strom. In den Blutcapillaren herrscht ein höherer Druck, als in den Lymph-capillaren; dieser Druckunterschied bedingt das Ueberpressen von Flüssigkeit in die Lymphgefässe. Jede Behinderung des Lymphabtlusses erzeugt Flüssigkeits­ansammlung in den Geweben. Alle Regulationen des Lymphstroms gelingen nur mit Hülfe der vorbeschriebenen Regulationen am Blutgefässsyslem. Thrombosen in den Lymphgefässen, Hindernisse in den Lymphbahnen sind ebenso zu beurtheilen, wie solche im Venensystem. Sie werden wesentlich durch Collateralen ausgeglichen und bedingen bei behindertem Ausgleich Wassersuchten. Oedeme, ganz wie die passiven Hyperämien.
Jede Behinderung des Rückflusses in den Venen und Lymphgefässen erzeugt Vermehrung der in den Geweben enthaltenen Flüssigkeiten. Die Lymphgefässe sind die wesentlichen Regulatoren des Gewebsturgors. Sind die Regulatoren in ihrem Dienste behindert, so entsteht Oedem.
Wassersucht. Wenn durch irgend einen Umstand eine grössere Transsudation in eine Höhle oder in ein Gewebe stattfindet, so kann die Heilung, die Restitution, vorausgesetzt, dass die Gewebsernährung etc. nicht bedeutend gelitten hat, leicht stattfinden, wenn die ursäch­lichen Momente, welche die Wassersucht veranlagst haben, entfernt sind. Die Lymphgefässe und Venen treten in lebhafte Thätigkeit und schaffen die Flüssigkeit fort. Natürlich wird dadurch das Blut wässeriger. Das giebt aber Anlass zu erhöhter Nierenthätigkeit. Die vermehrte Harn­entleerung bezweckt die Ausfuhr der über die Norm in das Blut auf­genommenen Wassermengen.
Der Nutzen dieser Entleerungen ist wesentlich folgender: Wenn grössere Flüssigkeitsmengen in das Blut aufgenommen werden, so dass das Blut wasser­reicher wird, dann ist die nothwendige physikalische Folge, dass die weitere Auf­saugung sistirt. Sorgen aber die Nieren dafür, dass das Wasser fortdauernd ent­leert wird, sorgen sie für eine gewisse Eindickung des Blutes, dann dauert die Resorption an, und es ist möglich, selbst grosse Transsudate zum Verschwinden zu bringen. Die Nierenthätigkeit bezweckt also nicht blos Gesunderhaltung des Blutes, Wiederherstellung der normalen Beschaffenheit desselben, sondern auch das Unter­halten der Resorption. Eine ähnliche Hülfe wie die Nieren vermögen auch die Schweiss- und die Verdauungsdrüsen zu leisten. Starkes Schwitzen und copiöse Darmentleerungen haben denselben Effect bezüglich des Wassergehaltes des Blutes, wie reichliches Harnen.
Zum Schluss ist noch zu erwähnen, dass bei manchen Transsudalon Durch­bruch nach aussen erfolgt. Dieser Vorgang ist in der Regel günstig für den Organismus.
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Schlussbetrachtung über die Regulation des Blutes und der Blut-circulation. Die Beschalfenhelt des Blutes ist ausgezeichnet regulirt durch Aufnahme und Abgabe, durdi Zufuhr und Verbrauch. Die Abgabe des Ueberflüssigeu oder Schädlichen geschieht entweder durch Ablage­rung desselben in die Gewebe, eventuell durch Zerstörung desselben in diesen oder durch Ausfuhr durch die Excretionsorgane (Nieren, Lungen, Haut etc.) nach aussen. Die Einnahme erfolgt durch die Verdauungs-und die Respirationsorgane; sie unterliegt wesentlich den Ernährungs­gefühlen. Diese bedingen die Aufnahme von mehr oder weniger Luft, von mehr oder weniger Nahrung oder von speciellen Stoffen. Hierzu kommt noch regulirend die Gewebsresorption.
Erhöhung oder Verminderung der Einnahme und Ausgabe im Allgemeinen und in Bezug auf gewisse Stoffe regulirt die B lutqualitä t.
tn gleicher Weise wird die Blutmenge regulirt. Bei beiden Regu­lationsvorgängen ist noch wesentlich die Thätigkeit der die zelligen Elemente des Blutes bereitenden und zerstörenden Organe in Betracht zu ziehen. Steigerung oder Minderung der Thätigkeit dieser Organe regulirt die Blutbeschaffenheit und Blutmenge wesentlich. Von der Menge der rothen Blutkörperchen hängt die Energie aller Lebensvorgänge ab.
Die Bluteirculatioii wird, wenn sie unter ungünstigen Bedingungen abnorm geworden ist, durch zweckentsprechende Steigerung oder Minderung der Herzarbeit, durch Verengerung oder Erweite­rung der Gefässe, durch Benutzung der stellvertretend eintretenden und sich erweiternden col lateralen Gefässe und eventuell durch Hypertrophie der Herz- und Gefässmusculatur zur Norm zurückge­führt. — Die Ernährungsstörungen der Gefässwände werden durch das ununterbrochen zuströmende arterielle Blut ausgeglichen. — Blutgerinnungen werden durch Resorption des Geronnenen oder son­stiges Unschädlichmachen desselben regulirt. — Die Blutu ngen stillen sich durch Thrombildung. Exsudate und eiterige Massen werden resorbirt oder ausgestossen, in seltenen Fällen zur Verkalkung, Ein­trocknung, Abkapselung gebracht.
Die vorstehend aufgeführten Krankheiten sind fast durchgängig physiatrische Vorgänge gegen Schädlichkeiten, welche die Blutcirculation und die Blutbeschaffenheit alteriren. Sie bezwecken die Erhaltung des Lebens und die Rückkehr zur Gesundheit, so namentlich die Hyperämie, die Entzündung, die durch innere Ursachen bedingte Blutung, die Thrombcnbildung bei Blutungen.
Anhang. An die Besprechung der Regulation der Blut- und Circulations-krankheiten muss sich die der Krankheiten der Organe der Blutbildung anschliessen. Es sind dies einmal die der Verdauungs- und Resorptionsorgane, andererseits die der Blut- und Lymphdrüsen und des Knochenmarks. Die Krankheiten der Ver-dauungsorgane sollen später besprochen werden. Von ihnen hängen die Resorptions­verhältnisse ab. Bei Erkranliungen der Resorptionsorgane liomnit wesentlich das Mo­ment der Stellvertretungder einen resorbirendeuRegion durch eine andere in Betracht.
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Bei Eilivaiiliimgen der Milz und der Lymphdrüsen leislet auch das vicariirende Verhältniss derselben unter einander sehr oft volle Regulation. Es kann die Milz ganz und gar fehlen, ohne dass die Gesundheit der Thiore bedeutend leidet. Es tritt dann compensatorische Hypertrophie in den Lymphdrüsen ein.
Die Milz ist auch ein wichtiges Blutregulationsorgan für den Magen und die Leber. Sie vermag grosse Mengen Blut zu fassen und die beiden Organe zu ent­lasten; sie kann ihnen demgemäss auch grosse Quantitäten Blut liefern, wenn dies nothwendig erscheint. Diese regulironde Function der Milz ist wichtig für das normale Functioniren der Leber und des Magens. — Aehnliche Functionen scheinen die Schilddrüsen für das Gehirn zu haben. Sie scheinen bei congesliven Zu­ständen desselben bis zu einem gewissen Grade reguliren zu können.
Bei parenchymatösen Erkrankungen der Milz, der Lymphdrüsen, der Tbymus, der Schilddrüsen treten diejenigen Kegulationen ein, die wir in der Lehre von den Gewebsregulationen kennen lernten.
V. Die Regulationen bei Krankheiten der Organe.
Aus der Heilungsmöglichkeit der Erkrankungen der Gewebe, des Blutes und der Circulation folgt die der Organerkrankungen. Die Hei­lung dieser erfolgt nach denselben Gesetzen, es sei denn, dass wichtige Organfunctionen dauernd gestört wurden.
Die Function der Organe hängt von der Beschaffenheit und Thätigkeit der dieselben aufbauenden Gewebe und des Blutes und von der Regulation seiner Cir­culation und seines Säftestromes ab. — Bei jeder Organerkrankung muss man unterscheiden: 1) die örtlichen (.1 ewebserkrankungen (Hypertrophien, Re­generationen, Hyperämien, Entzündungen u. s. w.) desselben, und 2) die funciio-n eilen Störungen. — Die ersteren heilen nach den besprochenen Vorgängen der Gewebs- und Circulationsregulationen. Die functionellen Regulationen folgen wesentlich den Gesetzen, die wir bei Besprechung der schützenden \ orgängo kennen lernten.
Die erstere Art der Kegulationen bleibt nachstehend als schon besprochen unberücksichtigt, wenn nicht besondere Modalitäten zu erwähnen sind. Die functio­nellen Kegulationen werden, insoweit sie nicht auch schon abgehandelt sind, näher besprochen werden. (Beispiel. Bei Betrachtung der Lungenentzündung besprechen wir nicht die Vorgänge in der erkrankten Lungenpartie, sondern die Regulation der dadurch bedingten Störung der Athmung. Die Regulation der Circulations-störungen wird nur angedeutet.)
1. Ueber die Regulationen bei Krankheiten der nervösen Centralorgane
und der Nerven.
Wir schliessen bei dieser Betrachtung natürlich die Innervations-stömngen, welche die einzelnen Organsysteme, z. B. den Athmungs-apparat betreffen, vollständig aus.
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Äetiologische Naturheiluug. Bei Nervenleiden gilt ganz besonders der Satz: Cessaute causa cessat effectus. Die ätiologisclie Natur­heilung ist bei Nerveuleiden ein ganz gewöhnlicher Vorgang. Sie erfolgt in der Regel sehr schnell und plötzlich nach dem Verschwin­den der Ursache.
Heilung durch Ermüdung. Der in krankhaft gesteigerter Thätigkeit sich befindende Nerv erschöpft sich selbst. Es folgt der üeberreizung ein Ruhezustand. Während dieses Stadiums restituirt sich der Nerv, er verliert seine abnorme Irritabilität und stellt seine normale Ernährung wieder her (bei hyperkinetischen und hyperästhetischen Zuständen folgt nicht selten Hypokiuese und Anästhesie).
Namentlich ist hier des Schlafes zu gedenken. Die durch An­häufung von Ermüdungsstoffen etc. krankhaft erregten Nerven erholen sich während des Schlafes und erscheinen nachher wieder ganz gesund. Der Schlaf verhütet und heilt zwar viele Krankheiten überhaupt, er wirkt aber ganz besonders günstig bei Nervenleiden, nervösen üeber-reizungen, Erschöpfungen und dergleichen.
Nutritive Regulation. Manches Nervenleiden gleicht sich durch bessere Ernährung in Folge von natürlichen Heizen allmälig aus.
Regulation durch UebertragUUg. Durch Uebertragung der Rei­zung auf andere Nerven erfolgt allmälige Abschwächung des primären Reizungszustandes.
Bei Reizung sensibler Nerven erfolgt Uebertragung auf motorische. Es treten rellectorische Bewegungen ein. Diese vermindern die bestehende Reizung der sen­siblen Nerven, das heisst den Schmerz. Man sagt, die Thiere verarbeiten den Schmerz.
Regulation durch Stellvertretung. Bei Erkrankung eines nervösen Theilcs übernimmt ein anderer dessen Function. Diese Stellvertretung findet, allerdings nur in sehr beschränktem Maasse statt; namentlich hat man sie in den Centralorganen beobachtet (Goltz). Bestimmte Hirnverletzungen bedingen Blindheit oder Taubheit. Nach einiger Zeit erlangen die Thiere die Fähigkeit zu sehen, resp. zu hören, wieder. Ob collaterale motorische Bahnen allmälig vicariirend für ausfallende Bahnen eintreten können, ist zweifelhaft.
Mechanische Restitution. Bei Erschütterung des Gehirns, Rücken­marks und der Nerven mit gewaltigen Functionsstörungen sehen wir oft nach wenigen Tagen schon bedeutende Besserung und allmälig voll­ständige Heilung eintreten. Hier kann die Regulation doch nur rein mechanisch durch Rückkehr der Molecule der Centralorgane in die nor­malen Verhältnisse erfolgen.
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Physiatrisches der nervösen Leiden. Viele nervöse Erscheinungen sind physiatriscLer Natur. So ist der Schmerz ein Hauptmittcl der Regulationen, er bewirkt Schonung des betreifenden Theiles und dcrgl. So ist es mit den Gefühlen der Mattigkeit, des Frösteins, Juckens, die zur Vornahme heilsamer Handlungen nöthigen. So mit der Licht­scheu bei Augen-, der Schallscheu bei Obrenleiden u. s. \v.
Die Krankheiten der Sinnesorgane reguliren sich nach den Ge­setzen der Gewebsregulationen. Heilsam ist das Ruhebcdürfniss, wel­ches bei Erkrankungen derselben vorhanden ist, z. B. die Photophobie bei Augenleiden. Die anatomische Einrichtung der Sinnesorgane, spe­cie]] der Augen, ist derart, dass die Regulationen verhältnissmässig leicht gelingen.
2. Regulationen bei Krankheiten der Verdauungsorgane.
Die besonderen in Betracht kommenden regulatorischen Vorgänge bezwecken wesentlich die Entfernung und Abhaltung der veranlassen­den und unterhaltenden Krankheitsursachen und die Unterstützung der in gleicher Weise wie bei anderen Gewebsanomalien eintretenden regulirenden und restituirenden Vorgänge.
Die durch die Yerdaunngslu'anlibeilen bedingten weiteren l'unctioncllen Stö-rangen können durch andere Körperorgane nur bis zu einem geringen Grade regulirt werden. So kann z. B. bei verringerter Resorption in folge schlechter Verdauung oder von Leiden der Resorptionsorgane der Verbrauch im Körper ver­ringert, das heisst der Stoffwechsel herabgesetzt werden; so liönncn bei Gallen-stauungen die Gallenbestandtheile zum Theil durch die Nieren nach aussen befördert werden. — Vielfach liönnen aber dadurch Regulationen zu Stande kommen, dass in den Verdauungsorganen selbst Stellvertretungen geleistet werden, so die eine Parolis für die andere, oder die Submaxillares für die Parotiden; das Pankreas für die Speicheldrüsen, das Pankreas für die Magendrüsen, letztere für das erstere; die eine Strecke des Dünndarms für eine andere, die krank ist u. s. w.
laquo;. Regulationen bei Krankheiten der Mundschleimhaut und ihrer Drüsen. Bei Wunden und Geschwüren in der Mundhöhle tritt stärkere Speichelsecretion ein. Der Speichel reinigt die Wunden und befördert deren Heilung. Bei Unthätigkcit einer Speicheldrüse treten die anderen stellvertretend ein. Bei gehindertem Speichelabfluss durch Speichel­steine wird der Stein nicht selten durch den vermehrt seceruirten stärker drückenden Speichel herausgepresst; unter anderen Umständen verödet die Drüse, ohne dass dem Organismus ein Nachtheil erwächst. Ge­reizte Stellen der Mundschleimhaut werden durch vermehrt seceruirten Schleim gedeckt. Durch denselben Vorgang werden reizende Stoffe mög­lichst unschädlich gemacht u. s. w.
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/l Regulation bei Magenkrankheiten. Bei Magenleiden erfolgt die Regulation schwer, ja sie bleibt oft ganz aus, weil ein einziges die Magenfunction störendes Moment oft in vielfachen Beziehungen Störun­gen ausübt (auf Kreislauf, Athmung, Stoffwechsel, Darmthätigkeit), ja oft den ganzen Organismus in Mitleidenschaft zieht und weil der Magen oft nicht in der Weise in Ruhe gesetzt werden kann, wie es zur Hei­lung nothwendig ist. Oft aber tritt sie ganz exact ein.
Bei zu bedeutender Secretion der Magensäure entsteht in Folge ihrer Ansammlung Reizung der Magenmusculatur (Brücke). In Folge dessen erfolgen Contractionen derselben und diese führen zur Ent­leerung der Säuren.
Bei vielen Magenleiden, namentlich katarrhalischen*) Reizungs-zuständen, kann nur Heilung eintreten, wenn keine neue Reizung der Magenschleimhaut durch Nahrungsmittel u. s. w. erfolgt. Die Natur­hülfe erfolgt nur dadurch, dass der Appetit der Thiere abnimmt, dass keine Nahrung mehr aufgenommen wird. So werden neue Reizungen des krankhaft erregten Organes vermieden. Dasselbe gelangt zur Ruhe und heilt sich selbst nach den Gesetzen der Gewebsregulation.
Bei Ansammlung von Gasen tritt durch Reizung der sensiblen Nerven des Magens, welche durch Ausdehnung desselben durch die Gase zu Stande kommt, rellectorisch Contraction der Magenmusculatur ein. (Vielleicht wird letztere gleichzeitig auch direct gereizt.) Die Folge ist Entleerung der Gase, entweder durch Rülpsen nach oben oder durch peristaltischc Bewegung nach dem Darm.
Bei krankhaften Zersetzungen im Magen, Bildung von Milch-und anderen organischen Säuren tritt durch diese Säuren Reizung der Magenschleimhaut, resp. ihrer Nerven ein und in Folge dessen durch reflectorische Bewirkung der Muskeln und Secretionsnerven lebhaftere Peristaltik und lebhaftere Magensaftsecretion. Das erstere bezweckt das Fortschaffen des Schädlichen, Gährenden und die bessere Mischung des Mageninhaltes, das letztere die Verhinderung der fort­schreitenden Gährung. Das beste Mittel gegen krankhafte Gäh­rung ist ein guter Magensaft. Die gute Digestion verhindert das Eintreten der krankhaften Gährungsvorgänge, resp. mindert sie.
Bei Reizungszuständen der Magen- und Darmschleimhaut bildet die Schleimhaut viel Schleim. Der Schleim umhüllt den Inhalt und deckt die Schleimhaut und giebt einen Schutz für sie ab. Bei star­ken Reizzuständen sistirt die Magonsaftbildung. Es ist dies
*) xarappoug von xarappsio heratiniessen.
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Die Selbsthülfe des thieriselien Organismus.
lieilsam, weil starke entzündliche Reizzustände der Magensclileirahaut vielfach mit Stasenbildung in den Blutgcfässen verbunden sind. Würde nun reichlich Magensaft gebildet, so läge die Gefahr multipler Selbst-vordauung und damit die der Entstehung von Magengeschwüren nahe.
Bei Stenosen des Pylorus, Geschwülsten etc. tritt zweckent­sprechend Hypertrophie in der Muscularis an der betreffenden Stelle ein. Dadurch werden die durch die Stenose gegebenen Gefahren, die im Zustandekommen von Stallungen des Mageninhaltes bestehen, ver­mieden oder gemindert.
Bei Wunden, Verletzungen, Verbrennungen etc. sehen wir sehr rasch Heilung eintreten, wenn die Circulation ungestört geblieben ist. Der Magensaft verdaut nämlich alle Unreinlichkeilen und den Eiter der Wunden und hindert die Jauchebildung; er greift aber die gefäss-haltigen Granulationen aus bekannten Gründen nicht an. Der Magen­saft befördert demnach die Heilung von Wunden und Geschwüren, so­bald die Circulation ungestört ist. Er ist auch ein Mittel gegen das allerdings nicht immer vermeidbare Auftreten von Fäulnissvorgängen (der Nahrungsmittel und anderer sich einlagernden organischen Körper) in den Geschwüren, weil er die verdaulichen Sachen auflöst und fäulniss­widrig wirkt. Sobald die Magensaftsecretion behindert ist, werden die Verhältnisse der Magenwunden ungünstigere.
Bei Magengeschwüren beobachten wir nicht selten an der ent­sprechenden Stelle der Aussenwand productive Entzündung, wodurch einerseits durch fortwährende Verdickung der Magen wand durch Narb enge webe der Durchbruch gehindert, resp. hinausgeschoben wird, während andererseits Verwachsungen mit umliegenden Theilen einge­leitet werden, die unter Umständen, z. B. bei Anlöthungen an die Bauchwand oder an einen Darmabschnitt, heilbringend und lebens­rettend sein können, es wird dadurch der Durchbruch des Geschwürs in die Bauchhöhle, was tödtlich sein würde, verhindert.
Ein gewaltiges Regulationsmiltel findet der Organismus bei Magen­krankheiten im Erbrechen. Der Mageninhalt, welcher belästigt und schädlich ist, wird durch das Erbrechen entfernt. Bei Reizzuständen ist der Inhalt schädlich. Er bedingt Magensaftsecretion, dadureb die Gefahr der Selbstverdauung. Er veranlasst ferner Anregungen zu Magen­bewegungen, welche schädlich wirken; denn Ruhe ist in solchen Fällen heilsam. Durch die Entleerung des Magens werden alle diese Nach­theile vermieden, es wird dem Magen Ruhe verschafft und dadurch die Möglichkeit zur Heilung gegeben. Das Erbrechen hat also denselben Zweck, wie bei solchen Leiden das Hungern. — Endlich erwähnen wir
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noch, dass bei Sistiren der Magenthätigkeit das Pankreas compen-natorisch eintreten kann.
Regulation bei Darmkrankheiten. Bei Leiden am Danncanale sind es vielfach dieselben Processe wie bei Magenkrankheiten, welche die Heilung bedingen, z. ß. Hypertrophien, adbäsive Entzündungen. Was das Erbrechen bei Magenkrankheiten leistet, das bewirkt bei Darm-leiden die stürmische Peristaltik. Durch diese werden Gifte, Zer-seizungsproduete, verdorbene Nahrungsmittel, drastische Medicamente, viele Krankheitserreger ausgeleert. Aber auch die träge Peristaltik kann, indem sie dem Darm und den anliegenden Theilen, dem Peri­toneum etc. Euhe giebt, Reizungen vermeidet, heilsam sein. Bei Peri-toiiitis; welche das Darmperitoneum ergreift, wird die Peristaltik #9632;/.. B. träge. Das ist günstig für den Heilvorgang.
Die massenhaften Transsudationcn der Darmschleirahaut, die gesteigerten Secretionen können auch Heilungen bezwecken, indem sie Erbrechen und peristaltische Bewegungen borvorrufen, um das Belästi­gende, z. B. Pilze fortzuschaffen.
Bei Verstopfungen treten gewaltige Contractionen der Darm-nuiseulatur auf, um die Krankheit zu heben. Diarrhöen heilen sich z. B. dadurch selbst, dass sie die Körper, welche die Diarrhöe veran-lassten, fortschaffen.
Regulationen bei Hernien, Prolapsen und dergleichen. Beim Zustande­kommen eines Darmbracbs tritt zunächst stärkere Bewegung des Darmcanals ein, um dadurch die Repositionen zu bewirken. Auch die in der Umgebung belindlichen Muskeln contrabiren sich und unterstützen die Reposilionsbestrebungen. Nicht selten treten um den prolabirten Darm herum Entzündungsprocesso und Schwellungen auf und wirken reponirend auf denselben.
In der Regel gelingt die Reposition durch Selbsthülfe nicht. Der Bruch bleibt besteben. In diesem Falle wirkt die in dem prolabirten Darmstück bestehende vermehrte Secretion und die erliöhlo Muskellhiltigkeit der Darmwand günstig für die Fortbewegung des Daiminhalts und hindert oft das Zustandekommen von .Stauungen desselben, welche besonders dadurch gefährlich sind, dass sie Darmentzün­dungen, Einklemmuiigen und necrotische und gangränöse Processe veranlassen. Unter ungünstigen Verhältnissen entstehen aber diese nachtheiligen Folgen der Brüche, Darmentzündungen, Einklemmungen und dergleichen. Hierdurch kommen manchmal so heftige Bewegungen der Darmwand zu Stande, dass das Darmstück in die Bauchhöhle zurückgerissen wird. In anderen Fällen führt die Einschnürung zur Necrose des vorgefallenen Darmstückes. Ein günstiger Ausgang ist dann die Bildung eines künstlichen Afters mit Abstossnng des brandigen Stückes.
Bei Darmeinschiebungen kommt es vor, dass das eingeschobene und ein­geklemmte Stück brandig wird, während an der UmbiegungssteUe Verwachsung leider Röhren eintritt. Das brandige Stück geht dann mit dem Kothe ab, und das Thier ist gesund. Bei Darmverschiingiingen , ebenso wie hei Kinschiebungen tritt
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in Folge des Reizes, der durch das Umschlingen eines Darmstiicl;es um ein anderes entsteht, sehr lebhafte Peristaltik ein. Diese löst manchmal den Volvulus auf.
Bei Vorfall des Rectums ist dasselbe bestrebt, durch Contractionen seiner eigenen Musculatur die Reposition zu bewirken. Manchmal gelingt, dies. Bei habi­tuellen Vorfällen entstehen Epithel- und Bindegewebswucherungen, welche er­reichen, dass der vorgefallene Theil weniger reizbar, weniger irritabel wird, so dass er die fortwährenden Reizungen durch die äussere Luft, durch Schmutz u.s. w. schadlos ertragen liann.
Regulationen bei Leberieiden und Anomalien der Gallensecretion.
Ueber Regulationen bei Leberleiden ist wenig bekannt. Wir wissen aber z. B., dass ganz enorme Zerstörungen des Leberparenchyms ohne Nachtlieil für den Organismus bleiben können, also durch regulatorische Vorgänge vom Organismus ausgeglichen werden, wenn sie nur langsam entstehen. — Die bei ülcerationsproeessen des Gallenganges ent­stehenden Anlöthungen sind, bei Durchbruch in das Duodenum z. B., durchaus heilsamer Natur. Bei gehindertem Gallenabfluss und vermin­derter Gallensecretion ireteu die Nieren helfend ein durch massenhafte Ausfuhr von Gailenbcsiandthciien. Andererseits werden auch Gallen­säuren in alle Transsudate abgelagert, woselbst sie zerstört und un­schädlich werden. Allerdings sind alle diese Hülfen nur palliativer Natur.
Regulationen bei Pankreaserkrankungen. In Bezug auf die Pan-kreasthätigkeit wissen wir, dass deren Unterdrückung ohne Nach­theil stattfinden kann, dass also der Organismus regulirend eingreift. Die Resorption des Pankreassecrets bei behindertem Abflüsse desselben hat keine nachtheiligen Folgen für den Organismus. Unsere Kennt­nisse über die Regulationen der Pankreas- und Leborthätigkeit sind noch sehr gering.
3. Regulationen bei Krankheiten der Athmungsorgane und bei abnormem
Athmen.
Die Krankheiten der Athmungsorgane bedingen eine Aenderung der athmenden Fläche und der Athmungsmöglichkeiten. Ge­gen deren nachthoilige Folgen, die meist in übermässiger Ansammlung von Kohlensäure und Mangel an Sauerstoff bestehen und die Suffo­cation befürchten lassen, findet der Organismus Hülfe in seiner Orga­nisation, namentlich in den Athmiingsmuskcln und deren Innervation.
Vorn S. 48, 49. 50, 58, Gl haben wir kennen gelernt, wie sich die Athmungs­organe gegen Krankheitsursachen (Winde, kabe Luft, fremde Körper, reizende Gase u. s. w.) schützen, und wie der Organismus Störungen der Respiration regu­latorisch zu vermeiden sucht. Aus diesen Betrachtungen ergiebt sich, wie die
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functionello Regulation bei den Krankheiten der Athmungsorgane eintreten muss. Sie bilden die Grundlage der nachfolgenden Schilderungen.
a.nbsp; nbsp; Regulation durch Aenderung der Athmung. Bei jeder Athem-noth tritt regulatorische Dyspnoe unter Beihülfe der accessorisehen Muskeln und Erweiterung der Glottis auf.
In der Medulla oblongata liegt das in ein In- und Exspirationscentrum zer­fallende Athmungscentrum, dessen beide Abschnitte regelmässig abwechselnd func-tioniren. Der eine Abschnitt innervirt die Exspirations-. der andere die Inspira­tionsmuskeln. Das ganze Centrum ist automatisch. Es wirkt nach Durchschneidung aller zu ihm hinziehenden sensiblen Nerven noch fort. Die Thätigkeit des Centrums hängt von der Blutmischung, namentlich dem Gehalte desselben an Sauerstoff und Kohlensäure ab. Wenn die Menge der Kohlensäure und des Sauerstoffs im Blute sich in den physiologischen Grenzen bewegt, dann besteht normales Atmen, Eupnoe. Nimmt aber der Kohlensäuregehalt abnorm zu oder der Sauerstoffgehalt ab, dann treten dyspnoische Störungen auf. Dyspnoe ist eine Aenderung des Athmungs-rhythmus, die entweder in Verlangsamung mit Vertiefung des Äthmens unter Bei­hülfe accessorischer Muskeln oder in Vermehrung der Zahl des Athmens ohne oder mit Vertiefung der Respiration besteht.
Die Dyspnoe regulirt die Störungen im Gasaustausch des Blutes. Durch die Verstärkung der Athemzügo in Zahl und Tiefe kommt eine genügende Menge von Blut und Luft mit einander in Berührung. Alle gefährlichen Wirkungen, die aus verminderter Sauerstoffzufuhr und ver-mehrter Kohlensäurcanhäufung entstellen könnten, werden fern gehalten. So können Thiere mit Athrnungshindernissen viele Jahre existiren.
Die Dyspnoe ist stets ein Zeichen des Naturheilbestrebens. Sie wird beobachtet: 1) bei Beschränkung des respiratorischen Gasaustau­sches durch Verkleinerung der athmenden Fläche durch Lungenkrank­heiten, Verengerung der Luftwege, Verminderung der rothen Blut­körperchen, durch Störungen des Respirationsmechanismus (Muskel­erkrankungen), durch Schwäche im Kreislaufe (Herzaffectionen etc.); 2) bei Fieber. Das Athmungscentrum ist durch Hitze autonom er­regbar. Sobald das -warme Fieberblut das Athmungscentrum trifft, tritt verstärktes und vermehrtes Athmen ein. (Dadurch Erhöhung der Blutabkühlung in den Lungen.)
Bei den Regulationen aller mit Verminderung der athmenden Fläche einhergehenden Krankheiten entscheidet über die Möglichkeit ihres Zu­standekommens und über ihre Ausgiebigkeit die Schnelligkeit der Entstehung der Abnormität. Eine und dieselbe Abnormität, dieleicht ausgeglichen wird, wenn sie sich langsam entwickelt, kann unregu-lirbar sein und den Tod bedingen, wenn sie rasch entsteht.
b.nbsp; nbsp; Regulation durch Aenderung des Sauerstoffverbrauchs. Zu der Regulation der Sauerstoffaufnahme und Kohlensäureabgabe durch verän-
Eiienberger. Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9
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derte Athmung kommt noch eine Regulation hinzu, nämlich die durch Aenderung des Sauerstoffbedürfnisses. Es wird weniger Sauerstoff von den Geweben verbraucht und weniger Kohlensäure producirt. Die Ge­webe ruhen so viel als möglich. Die Thiere bewegen sich möglichst wenig. Alle Lebensprocesse gehen träger, langsamer vor sich, das Säuerst off bed ürfniss sinkt.
C. Regulation dMCh Stellvertretung. Endlich kann die Regulation bei Störungen der Athmung, bei Ausfall eines Theiles der athmenden Fläche noch durch Stellvertretung anderer gesunder Theile der Lunge, durch Mehrarbeit derselben bewirkt werden. — Die Haut kommt als stellvertretendes Organ nur wenig in Betracht.
SpecielleS. Bei Verengerung in den oberen Luftwegen kann nicht so viel geathmet werden, als normaliter; das Blut wird deshalb mangelhaft arteria-lisirt, es bekommt eine venöse Beschaffenheii, das zu venöse Blut reizt das Respira­tionscentrum der Medulla oblongata. Tn Folge dessen nimmt die Athmung an Stärke und Zahl der Athemzüge zu. Damit gelingt die Mehraufnahme von Sauer­stoff und die Mehrabgabe von Kohlensäure, und dadurch sind die Nachtheile der Stenose ausgeglichen. Das Arbeiten der Respirationsmuskeln stellt dabei in Pro­portion zur Grosse der Stenose. Je mehr Kohlensäure sich anhäuft, je stärker wird das Centrum gereizt, je stärker arbeiten die Athmmigsniuskeln. Köhler hat ex­perimentell dargelhan, dass die Thiere bei künstlichen Verengerungen der Traohen durch tiefere und längere Respirationen nicht allein volle Regulation erzielen können, sondern dass sie sogar dabei mehr Sauerstoff als normal aufnehmen.
Dieselbe Regulation findet bei Verengerungen einer grösseren Menge von Bronchien statt. Nur wenn eine oder wenige kleinere Bronchien ver­legt sind, tritt der geschilderte Regulationsvorgang nicht ein. Die athmende Fläche der Lunge ist normaliter so gross, dass der Verlust eines kleinen Theiles desselben ohne Nachtheil ertragen werden kann. Ausserdem können auch bei Verlust grösserer Bezirke die anderen Bezirke Stellvertretung durch Mehrarbeit oder durch ein geringes vicariirendes Emphysem leisten. Bei kleinen und jungen Thieren gelingen diese Regulationen schwerer, als bei älteren. Die bei ausgebreiteten Stenosivungen eintretenden gewaltigen Respirationen überwinden manchmal auch das die Ver­engerungen bedingende llinderniss auf mechanischem Wege, sie erweitern gewaltsam, schieben das von aussen Drückende bei Seite, machen das angesammelte eingetrocknete Exsudat mobil u. s. w. In solchen Fällen kann vollständige Heilung eintreten. Ist die Stenosirung sehr bedeutend, betrifft sie z. B. den einen Hauptbronchus, so dass eine ganze Lunge oder ein bedeutender Abschnitt derselben als funetionirender Theil ausfällt, so kann unter Umständen eompensa-torische Hypertrophie der anderen Lunge eintreten (Ratjew); gewöhnlich erfolgt allerdings nur compensatorische Blähung.
Bei Erkrankungen von Alveolen. die einen Ausfall solcher aus dem Athmungsbezirk bedingen, treten dieselben Regulationen ein, wie wir sie bei Ver­ringerung der athmenden Fläche durch Bronchialerkrankungen beobachteten. Dass kleine Bezirke von Alveolen schadlos ausfallen können, ist nach obigen Betrach­tungen über die Grosse der athmenden Fläche selbstverständlich. Aber auch die
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Erkrankungen (Ausfall) grösserer Alveolarbezirke, z, B. durch Verdichtungsprocesse, Pleuraexsudate und dergleichen können bei langsamem Entstehen, ohneSymptome zu machen, das heisst, ohne dass regulatorische Dyspnoe eintritt, in Folge einfacher Stellvertretung und Adaptation der gesunden Partien und in Folge Herab­setzung des .Sauerstoffverbrauchs ausgeglichen werden. Dass ein rascher Ausfall eines grösseren Alveolargebietes stürmische Erscheinungen und heftige regulirende Dyspnoe hervorruft, braucht kaum erwähnt zu werden. Her­vorzuheben aber dürfte sein, dass etwa bestehendes Fieber die Dyspnoe erhöht, die Regulation erschwert. Einmal durch die Mehrbildung von Kohlensäure und den Mehrbedarf von Sauerstoff: sodann durch die erhöhte Temperatur, welche bei fieberhaften Krankheiten besteht und ein Erregungsmittel für das Athmungs-centrum ist. Sobald wärmeres Blut durch die Medulla oblongata strömt, tritt vermehrtes Athmen ein. Endlich besteht bei Fieber gesteigerte Herzaction. Dadurch vermehrtes Athmen. Das lebhafter arbeitende Herz verbraucht mehr Sauerstoff. Es sind also drei Momente, welche das Fieber als ein die Dyspnoe erhöhendes Agens erscheinen lassen. Daher sehen wir, dass derselbe Ausfall an athmender Fläche mit Fieber heftige Dyspnoe bedingt, der ohne Fieber fast ohne Athembeschwerden ausgeglichen wird. (Der beim Fieber bestehende Ver­brauch von Muskeleiweiss erschwert die Regulation.)
Arten der Dyspnoe. Die Dyspnoe ist je nach der Natur der be­stehenden Abnormitäten, deren Folgen sie zum Wohle des Organismus bekämpfen soll, verschiedenartig. So besteht bei Pneumothorax mehr inspiratorische, bei Emphysem mehr exspiratorische Dyspnoe.
Beim Pneumothorax*) kann sich die Lunge weniger ausdehnen, reizt also die exspiratorischon Nerven wenig. Dagegen wird sie bei diesem Leiden stark com-primirt, dadurch kommt starke Reizung der peripheren Endungen der das Inspira­tionscentrum reizenden Nerven zu Stande. In Folge dessen muss bei diesem Krankheitszustande eine inspiratorische Dyspnoe entstehen. Dass volle Regulation bei Pneumothorax, wenn er nicht zu bedeutend, möglich ist, haben Weil und Thoma experimentell dargethan. Beim Emphysem liegen die Verhältnisse um­gekehrt, als beim Pneumothorax. Bei Emphysem besteht bedeutende Ausdehnung der Lunge, dadurch werden die das exspiratorische Centrum zur Thätigkeit an­regenden Nerven gereizt. Dies bedingt eine exspiratorische Dyspnoe (cf. über Selbststeuerung der Athmung S. 50).
Der Organismus muss in Folge seiner physiologischen Einrichtung immer diejenige Modification der Athembewe-gungen veranlassen, welche im gegebenen Falle die heil­samste ist, welche für die genügende Berührung von Blut und Luft sorgt. Dadurch erst ist die Dyspnoe heilsam. Wenn dieselbe auch oft nicht volle Heilung erzielen kann, sondern mit Cyanose u. s. w. einhergeht, so lindert sie doch das Leiden, giebt die Möglichkeit der Weiterexistenz und vor allen Dingen die Möglichkeit der Heilung
•) to m£ö,ua die Luft, der Lufthauch.
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der in den Lungen, in den Bronchien, an der Pleura etc. ablaufenden Krankheitsprocesse. Die beängstigenden dyspnoetischen Krank­heitssymptome sind es gerade, welche die Heilung ermög­lichen. So wäre z. B. ein Kehlkopfscroup, eine ausgebreitete Bron­chitis, eine Pneumonic, ein Lungenödem unheilbar, wenn nicht die Dys-pnoe einträte. Die Thierc würden sonst rasch ersticken.
Aussei- den bei Leiden des Respirationsapparates auftretenden Functionsstörungen, die mit Suffocation durch Verringerung der ath-raenden Fläche drohen und die vorstehend besprochen wurden, kommen aber noch andere Störungen am Athimmgsapparate, resp. Folgen von Abnormitäten an demselben vor, deren Regulationen eine weitere Be­sprechung verdienen.
Besonders zu erwähnen sind die Regulationen bei Fehlern der Lungencirculation, bei Leiden einzelner Athmungsmuskeln und beim Vorhandensein von fremden Körpern in der Lunge.
Die Störungen der Lungencirculation. Sie werden in der Regel durch stärkeres Arbeiten und event. Hypertrophie des rechten Ventrikels ausgeglichen. Durch die stärkere Arbeit des Herzens wird es ermög­licht, dass in der Zeiteinheit durch die krankhaft verengten Bahnen in den Lungen eben so viel Blut abströmt, als durch die weiteren nor­malen. Wenn nun aber diese Compensation, die nach Lichtheim, welcher festgestellt hat, dass ein Viertel des normalen Gefässquerschnitts der Lungen ausreicht, um die normale Blutmenge durch die Lungen gehen zu lassen, sehr bedeutende Störungen ausgleichen kann, aus irgend welchen Ursachen unmöglich wird, so dass weniger Blut durch die Lan­gen strömt als nothwendig ist, dann muss Anhäufung von Kohlensäure im Blute die Folge davon sein. Diese Anhäufung bedingt Reizung des Respirationscentrums, erhöhte Athemfrequenz, Dyspnoe. Diese an sich heilsame Dyspnoe regt auch indirect noch die Lungencircu­lation an.
Es ist beisannt, dass der Blutstrom durch den Volumweclisel der Lungen be­fördert wird. Findet der letztere rascher und bedeutender, wie dies bei der Dyspnoe der Fall ist. statt, dann ist die genannte quot;Wirliung auf den Kreislauf erhöht. Die stärkere Ausdehnung der Lunge bei der Dyspnoe bewirkt stärkeres Ansaugen des Blutes nach der Lunge durch die erweiterten Lungengefiisse. Ausserdem aber findet durch die bei erhöhtem Athmen eintretende Verstärkung des elastischen Zuges, den die Lunge auf das Herz ausübt, eine grössere diastolischo Ausdehnung des Herzens während der Inspiration und dadurch stärkeres Ansaugen des Herzens auf den Inhalt der Lungenvene und der Hohlvene statt.
Aus dem Vorstehenden ergiebt sich, dass die Dyspnoi; nicht allein bei mangelndem Luftzutritt, sondern auch bei Circulationsstörungen heil-
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same Wirkungen entfalten kann. Dies vermag sie aber ausserdem auch noch bei fehlerhafter Blutbeschaffenheit, namentlich bei der Oligocythämie. Die SauerstoiTaufnahme des Blutes hängt bekanntlich von der Zahl der rotlien Blut­körperchen ab, welche in der Zeiteinheit in den Lungen mit der Luft in Berührung kommen. Sind nur wenig rothe Blutkörperchen im Blute vorhanden (Oligocythämie), dann wird bei normalem Athmen zu wenig Sauerstoff aufgenommen. Aus bekannten Gründen entsteht darnach Dyspnoe. Das Blut strömt nun rascher und in grösseren Quantitäten durch die Lunge, so dass in der Zeiteinheit ebenso viel rothe Blut­körperchen mit der Luft in Berührung kommen, als beim ruhigen Athmen bei nor­maler Blutbeschaffenheit.
Regulationen bei Leiden der Respirationsmuskeln. Bei Muskel-leiden gleichen sich die Functionsstörangen durch üebertragen der Arbeit vom leistungsunfähigen Muskel auf den leistungsfähigen aus. 1st aber der Hauptrespirationsmuskel erkrankt, dann müssen noch an­dere Hülfsmittel in Anwendung kommen. Dahin gehört Abnahme des Sauerstoffverbrauchs und Steigerung der Atherafre-quenz. So sehen wir es bei Lähmung, Atrophie und Degeneration des Zwerchfells, Tumoren im Abdomen, Meteorismus*) und dergleichen eintreten. Namentlich steigert sich die Frequenz, wenn nicht allein das Zwerchfell leidet, sondern auch die Zwischenrippenmuskeln mit er­griffen sind, z. ß. bei Trichineneinwanderung, oder wenn das tiefe Ath­men Schmerzen macht. Dann wird häufig geathmoi, aber oberfläch­lich. Durch Vermehrung der Zahl der Athemzügc wird der Ausfall an Tiefe derselben compensirt, resp. übercompensirt. Bei Behinderung der normalen Exspiration wird dieser an sich passive Act zu einem activen, indem die Bauch- und Zwisclienrippen-muskeln dabei in Action treten und die Lungen gewaltsam zusammen­pressen. Bei fieberhaften Krankheiten treten oft Degenerationen und Schwächezustände der Muskeln auf, daher das oberflächliche rasche Athmen (Typhus**), Pneumonien***) etc.).
Die sämmtlichen besprochenen Regulationen ermöglichen die Hei­lung der örtlichen Krankheitsprocesse oder schaffen Linderung und Ver­längerung des Lebens bei unheilbaren Leiden.
Regulationen bei Torbandensein fremder Körper im Athmungs-apparate. Diese — die entweder im Respirationsapparate entstanden
(Exsudationen, Necrose) oder von aussen hineingelangt sind (Nadeln vom Magen aus) — werden in derselben Weise unschädlich gemacht, wie fremde Körper überhaupt (s. S. 61,78 ff.). Besondere Hülfsmittel findet
*) ßerzwpuT.'iös Aufblähen des Hinterleibes, von /j.eTewfnamp;v in die Höhe hüben. **) ö -z'jifog der Dampf, die Betäubung, von ruvsv zünden. ***) ij ^cu/z.ovrä die Lungenentzündung.
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der Organismus hier noch im Husten und Niesen. Bei Krankheiten werden diese Acte wegen der erhöhten Irritabilität der in Frage kom­menden Nerven leichter erregt als sonst. Bei Lungenleiden ist das im Stadium der Lösung erfolgende Husten heilsam. Der Husten im Reizungsstadium wirkt als Reiz unterhaltendes Moment meist schädlich; er wird aber auch von den Thicren wegen der damit ver­bundenen Schmerzen unterdrückt. Der Schmerz wirkt also heil­sam. Bei Schleimansammlungen in den Bronchien, im Kehlkopf, auf der Glottis u. s. w. erfolgt Husten zur Entfernung des Schleimes, ebenso erfolgt dieser Naturheiiact bei Vorhandensein von Blut, Entzün-dungsproducten, necrotischen Gewebsthoilen u. s. vv. — Die Flimmer­bewegung des Epithels befördert Schleim und Exsudatmassen nach oben. Manche fremde Körper sollen nach v. Ins auch durch den Stoffwechsel allmälig zum Verschwinden gebracht werden können.
Beispielsweise seien zum Schluss die Regulations Vorgänge bei einer fieberhaften Pneumonic übersichtlich zusammengestellt. Bei jeder Pneumonie ist die athmende Fläche durch Ausfall von Alveolen und unter Anderem auch durch Verengerung und Verstopfung- von Luftwegen verkleinert. Die Folge dieser That-sache ist der Eintritt von Dyspnoe. Sie tritt aber hier in der Form der Erhöhung der Athemfrequenz auf, und zwar deshalb, weil bei jeder Pneumonie, nament­lich aber bei denjenigen, die mit Pleuritis einhergehen, bedeutender Schmerz be­steht. Jede tiefe Einathmung macht den Thieren Schmerz. Deshalb unterbleibt dies, und das Athmen wird oberflächlich und frequent. Bei der Pneumonie besteht aber auch Fieber. Dies veranlasst aus den oben angegebenen Gründen eine weitere Steigerung der Athemfrequenz. Hierzu kommt noch, dass bei der Pneu­monie auch Reizungsprocesse der Bronchien vorhanden sind. Da. diese centripetal leitende, das Athmungscentrum erregende sensible Vagusäste enthalten, wird auch hierdurch die Athemfrequenz erhöht werden müssen. Jede Reizung der Vagusäste der Trachea, der Bronchien und der Lungen erregt das Athmungs­centrum. Demnach müssen alle ReizungsprocSsse der Bronchien und des Lnngen-parenchyms reflectorisch ein beschleunigtes Athmen herbeiführen. Zu den genannten Abnormitäten kommt nun noch hinzu, dass durch das Fieber, welches die Pneu­monie begleitet, eine theihvcise Degeneration der Athinungsmusllt;eln eintritt. Die gewöhnlich thätigen Muskeln vermögen allein die Respiration nicht mehr zu vollführen, deshalb treten die accessorischen Athmungsrauskeln in Wirksamkeit, wodurch das Athmen abweichend von der Korm wird. Wegen der Degeneration der Athmungsmuskeln kann nicht mehr tief inspirirt werden. Selbst wenn also kein Schmerz bestände, der das tiefe Athmen verböte, könnte dieses doch nicht stattfinden. Den daraus resultirenden Nachtheilen muss der Organismus wieder durch Erhöhung der Frequenz vorbeugen. Endlich bestehen bei Pneu-monien stets noch Störungen der Lungencirculation. Diese sucht der Orga­nismus durch stärkeres Arbeiten des rechten Herzens und durch stärkeres Athmen auszugleichen. — Es sind demnach die bei jeder Pneumonie bestehende erhöhte Athemfrequenz und erhöhte Herzthätigkeit physiatrischer Natur. So ist es auch mit dem oft vorhandenen Husten, dem zeitweise eintretenden Schweissausbruche und dergleichen. Die scheinbar schlimmsten Krankheitserscheinungen sind demnach Zeichen des Selbsterhaltungstriebes. Der pneumonische
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Process verläuft, wie die entzündlichen Processe überhaupt. Besonders günstig ist für den Ausgleich, dass die Entzündungsproducte leicht nach aussen geschafft werden können.
4. Regulationen bei Krankheiten des Harnapparats und der Harnsecretion.
Die Regulationen beziehen sich entweder auf functionelle oder auf anatomische Störungen.
Regulationen bei Störungen der Harnsecretion. Krankhafte Ver­änderungen der Harnsecretionen, welche die Folgen anatomischer Ver­änderungen der Harnorgane oder von Krankheiten anderer Organe sind, werden in der vorn besprochenen Art und Weise (durch .Resorption, Stellvertretung durch die andere Niere, den Darm, die Haut etc.) regulirt.
Oft sind die Störungen der Harnsecretion der Ausdruck des Naturheil­bestrebens und heilsam für den Gesammtorganismus. Ungehörige Sachen im Blute regen die Nierenthiitigkeit an und gelangen so zur Ausscheidung, z. B. beim Icterus, bei Vergiftungen, beim Fieber, bei Knochencaries etc. Die Entleerung der Harnsäure, der Kalksalze, der Galle, des Hämoglobin etc. sind ein wertlivoller Ge­winn für den Gesammtorganismus. Bei gesteigertem Eiweisszerfall erfolgt ge­steigerte Ilarnstolfausfuhr, bei Ueberfüllung des Gefässsystems tritt reichliches Harnen ein. Auch Vermind ernng gewisser Harnbestandtheile und der Harnmengen kann der Ausdruck des Naturheilbestrebens sein. So sucht der Orga­nismus z. B. bei Exsudationen und Transsudationen in Höhlen und Parenchyme wenigstens insoweit zu sparen, als er keine Chloride mehr durch den Harn abgiebt.
Die Aenderungen in den Secretionsverhältnissen des Harns sind also meist als Folge physiatrischer Vorgänge zu betrachten. Nur wenn in Folge von Nieren­krankheiten oder Erkrankungen an anderen Theilen des Harnapparats krankhafte Secretionen auftreten, kann hierin eine directe Gefahr für den Organismus liegen, die er zu vermeiden suchen muss.
Regulationen bei Nierenkrankbeiten. Die anatomischen Verände­rungen, welche die Nierenkrankheiten ausmachen, heilen nach den Ge­setzen der Gewebsregulationen. Gegen die functionellen Folgen dieser Krankheiten tritt der Körper compensatoriseh durch collate rale Fluxion ein. Wird eine Niere exstirpirt, dann übernimmt die an­dere die Arbeit für beide, sie geräth in den Zustand der compensato-rischen Hyperämie und Hypertrophie. Sind beide Nieren krank, dann treten die Schweissdrüsen und die Darmschleimhaut vicarürend auf. Die Compensation erfolgt dann aber meist nicht genügend, es entsteht dann Spannungszunahme im Aortensystem und dadurch kommt bei chronischen Erkrankungen Herzhypertrophie zu Stande. Die Drucksteigerung und die Herzhypertrophie bewirken häufig das Ein­treten einer Vormehrung der Harnmenge, damit Beseitigung der Gefahr
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durch Regulation der Störung der Secretion. Versagt die Herzcompen-sation, dann tritt Wassersucht ein.
Bei krankhaften Secretionen in Folge von Nierenkrankheiten, die an sich nicht auszugleichen sind, sucht der Organismus in anderer Weise zu helfen. Bei dorn Eiweissharnen bei Nierenschrumpfungen und bei der Chylurie*) muss die Nahrung durch gesteigerte Eiweiss-zufuhr aushelfen, so dass solche Leiden Jahre lang ohne Nachtheil be­stehen können. Ist allerdings der Organismus noch in anderer Rich­tung krank, so dass er nicht genug Eiweiss assimiliren kann, dann ist die Regulation unmöglich, dann wird das Eiweissharnen gefährlich. Bei Oligurie**) und Gefahr von Wasseranhäufung nehmen die Thiere kein Wasser auf und entleeren noch Wasser durch Erhöhung der Schweiss-, Gallen-, Magen-, Darmsaftsecretion und dergleichen. Bei Ansamm­lungen des Harnstoffes im Blute wegen mangelhafter Harnsecretion reizt der Harnstoff das Herz, bedingt vermehrte Arbeit und Hyper­trophie desselben, damit erhöhten Blutdruck und die regulatorisch heilsam wirkende vermehrte Harnsecretion.
Regulationen bei Störungen des Harnabflusses. Bei Hindernissen im Harnabflüsse gelingt die Regulation nur, wenn sich das Hinder-niss auf einer Seite befindet. Dann wird zwar der Harn auf dieser Seite resorbirt, er wird aber nicht schädlich, weil die andere Niere oder bei partiellen Verstopfungen die freien und gesunden Theile der Nieren das Resorbirte sofort wieder secerniren, also eine Anhäufung von Harnbestandtheilen im Blute verhindern. Besteht das Hinderniss in kleinen Steinen, so kann dasselbe auch dadurch, dass es den Harndruck erhöht und vermehrte Seeretion bedingt, direct fortgeschafft werden. Tritt in Folge der Harnretention Urämie ein, dann wird der Harnstoff so viel als möglich durch die Darmschleimhaut (Signa: Er­brechen und Diarrhöe), durch die Haut ü. s. w. entfernt, es steigt der Blutdruck, um das Secretionshinderniss zu überwinden u. s. w., meist allerdings alles dies ohne Erfolg.
Regulationen bei Abnormitäten an und in der Harnblase. Die Er­krankungen der Harnblasengewebe heilen nach den bekannten Vor­gängen. Sind reizende Dinge in der Harnblase vorhanden, dann be­dingen sie reflectorische Reizung der Blasenmusculatur. Dadurch kommen Entleerungen und die Entfernung der fremden Stoffe zu Stande. Her-nien***) der Harnblase verhalten sich ähnlich wie die des Darmcanales.
*) #9632;(ohk Milchsaft, von xuXoüi' zu Saft machen. **) dXlyog wenig, oöpyms Harnen. **) k'pigt;og Gewächs, Zweig.
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5. Regulationen bei Abweichungen der Innenwärme.
Bei krankhaften Aenderungen der Wärmcproduction oder der Wärme­abgabe erfolgt die Regulation nach den Seite 42 bis 45 besprochenen Gesetzen.
So sehen wir, dass z. B. bei Lähmungen grosser Muskelmasseu. bei Inani-tionen, bei Anämien u. s. \v. durch die Circulation und Respiration der Grad dor Innenwärme so regulirt wird, dass das zu erwartende Sinken der Temperatur nicht eintritt; ebenso sieht man keine Erhöhung der Temperatur bei reichlicher Ernährung, bei Plethora und dergleichen- eintreten. Krankhaft verminderte Wärmeabgabe kann durch yermindcrte Production regulirt werden. Es beweist dies die Thatsache. dass ein Thier, welches mehrfach einer hohen Temperatur ausgesetzt wird, bei den Wiederholungen des Versuchs viel geringere Beschwerden zeigt, als im Anfang (Rosenthal).
Unter Umständen tritt die Regulation der Innenwärme nicht ein, sondern es kommt eine Erhöhung oder Verminderung derselben mit den für den Organismus daraus entspringenden Gefahren zu Stande. So kann z. B. bei rascher Steigerung oder rascher Verringerung der Wärmeabgabe nicht regulirt werden. Es tritt Er-
I nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;kältung, Erfrieren, Erhitzen oder Fieber ein.
Fieber. Fieber ist „eine combinirte Functionsstörung zahlreicher Organe und Gewebe des Körpers, welche vereint häufig und unter bestimmten, aber verschiedenen Verhältnissen so constant eintritt, dass ein innerer Zusammenhang dieser Störungen unabweisbar istquot; (Samuel). Das wesentlichste Symptom des Fiebers ist die Erhöhung der Temperatur.
Die physiatrische Seite des Fiebers. Das pathologische Fieber ist eigentlich ein Naturheil Vorgang. Es entsteht z. B. durch Aufnahme fremder Stoffe in das Blut, die entweder von aussen (Bacterien etc.) oder aus dem Körper selbst stammen. So entsteht das Fieber z. B. durch Resorption von Producten des Gewebszerfalles. Die Resorption ist ein Heilvorgang zum Zwecke des Fortschaffens der unbrauchbaren und schädlichen Stoffe durch die Excretionsorgane etc. unternommen. Das Fieber ist die Folge dieses Heil Vorganges, weil die resor-birten Stoffe pyrogen*) (wahrscheinlich wegen der beim Gewebszerfall freiwerdenden fermentativen Substanzen) wirken.
In jedem Falle müssen die fremden Körper, gleichgültig woher sie stammen, aus dem Organismus entfernt werden. In der febrilen Temperatur, die durch Aenderung der Wärmeabgabe und Vermehrung der Wärmeproduction entsteht, und in dem erhöhten
*) Ttüp Feuer, yewdw zeugen.
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138nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Selbsthiilfe des thierischen Organismus.
Eiweisszerfail, der bei Fieber zugegen ist, sind die Mittel zur Zer­störung und Entfernung des Fremden gegeben. Einmai werden die fremden Körper direct durch die erhöhte Oxydation zerstört (ver­brannt); sodann kommt aber aucli noch folgendes Moment in Betracht: Viele Bacterien verlieren bei 39—40deg; die Fortptlanzungsfähigkeit oder sogar die Existenzmöglichkeit. Das Fieber schädigt also die krank­machenden Bacterien. Beim Wechselfieber ist der fieberfreie Tag offen­bar die Folge des Fiebers. Dieses hat den Pilz, resp. seine Entwick­lung gehemmt. Wenn das genannte Verhältniss der Fiebertemperatur zu den Krankheitserregern nicht bestände, dann müsste bei allen Bacterien-krankheiten der Tod eintreten. Die Vermehrung der Krankheit erre­genden Organismen müsste eine fortwährende Steigerung des Fiebers und damit den Tod bedingen, wenn nicht glücklicherweise die Fieber­temperatur die Vermehrung hemmte, üebrigens dürften auch durch den beim Fieber erhöhten Stoffwechsel Bacterien direct untergehen. Das Fieber hat also in der That etwas Heilsames, etwas Zweck-massiges an sich. Früher sagte man, es befreit den Körper vom Krankheitsstoff, später es stimmt die Organe und Säfte um, jetzt lehrt man, im Fieber zerstört der Körper die in ihm vorhandenen schädlichen Stoffe, die er nicht direct ausscheiden kann.
Gefahren des Fiebers. Wenn der Eintritt des Fiebers durch Ver­hältnisse bedingt ist, die mit dem Zwecke der inneren Einrichtung nichts zu thun haben, dann ist es schädlich, ohne jeden Nutzen. Ge­fährlich aber ist das Fieber immer, auch wenn es als heilsamer Act auftritt, wegen der unangenehmen Wirkung der hohen Temperatur auf die thierischen Organe. Fast alle Fiebersymptome sind der Aus­druck dieser Gefahr. Nur die gesteigerte Pulsfrequenz und die gesteigerte Respiration und die oft erhöhte Wärme der Haut und das zeilweise auftretende Schwitzen sind Functionsänderungen, welche durch Erhöhung der Wärmeabgabe heilsam wirken. Alle anderen Symptome haben nichts Heilsames an sich. So ist das Fieber, trotzdem es die Rettung des Organismus bezweckt, doch immer eine bedenkliche Complication bei jeder Krankheit.
Regulation des Fiebers. Die Alten lehrten, jede Krankheit schreitet bis zu ihrer höchsten Entwicklung vor und dann wendet sie sich, wenn nicht der Tod erfolgt, plötzlich oder langsam zum Besseren. Der gün­stige Ausgang sollte im ersteren Falle mit gesteigerten Entleerungen verbunden sein. Die Humoralpathologen legten diesen Entleerungen einen grossen Werth bei, indem sie behaupteten, dass die Wendung zum Besseren durch Entleerung abnormer, im Blute angehäufter Stoffe,
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welche die Krankheit gemacht haben (Depletio), verursacht sei. Die Besserung sei das Seeundare, sie sei die Folge der Ausleerungen. Wir wissen nun, dass es nicht der Krankheitsprocess an sich ist, der in genannter Weise eine Wendung zum Besseren vollzieht, sondern dass das Fieber, ein Begleiter, oder ein Ausdruck der Krankheit es ist, dessen Besserung man beobachtete.
Jedes Fieber, das nicht zum Tode führt, geht auf dem Wege der Krisis*) oder der Lysis'*) in Genesung über. Wir sprechen von Krisis bei schnellem Eintritt der Besserung, bei schnellem Sinken der Temperatur und kurzer Dauer des Stadiums, und von Lysis bei allmäligem Schwinden der Fiebersymptome, von Pseudokrisis***), wenn nach der Krisis wieder Steigerungen auftreten, welche die Höhe der ursprünglichen Fiebertemperatur erreichen. Bei der Krisis beobachtet man: Abfall des Pulses, der Respiration, der fieberhaften Aufregung und oft Schwei ssausbruch und Abgang eines reichlichen und stark sedimen-tirenden Harns.
Diese Ausscheidungen hat man als kritische bezeichnet und sie als die Ursachen der Genesung angesehen. Es ist aber Thatsache, dass sie nicht bei jeder Krisis beobachtet werden, und dass sie in der Regel als die F'olgen und nicht als die Ursachen der Besserung anzusehen sind. Die erhöhte Harnentleerung Lei der Krisis erklärt sich wie folgt: Die Kierenfunotionen waren in Folge der hohen Temperatur, des degenerirenden und schädlichen Einflusses derselben auf die Nierenepithelien unterdrückt. Es sammelten sich deshalb die Excretionsstoffe im Blute an. Mit dem Sinken der Temperatur und der übrigen Erscheinungen werden die Nieren wieder actionsfahig und entleeren nun das angestaute Material. (Dass Vermehrung der Harnentleerung auch eintreten kann durch Hyperämie nach den Nieren oder durch Reizung angehäufter excretieller Stoffe ist schon erwähnt worden. In diesen Fällen ist allerdings die vermehrte Harnausscheidung die Ursache der eintretenden Besserung.)
Die Naturheilung des Fiebers (Krisis und Lysis) ist entweder die Folge dessen, dass durch die vermehrte Verbrennung und die hohe Temperatur die Krankheitsstoffe vernichtet und verbraucht worden sind, oder die Folge der Ueberreizung und Erschöpfung des Temperaturcentrums. „Das Fieber hört auf, wenn die Bildung der physiologischen Nervenreize auf ihren nor­malen Grad zurückgekehrt istquot; (Samuel). Wenn ein Fieber durch Ueberreizung des Temperafurcentrums plötzlich aufhört, so ist damit häufig noch nicht die Heilung erreicht. Sobald sich das Centrum er­holt hat, tritt das Fieber wieder auf, wenn die pyrogenen Stoffe noch vorhanden sind. Dana haben wir es also mit einer Pseudokrisis zu thun gehabt. Die radicale Heilung ist nur möglich durch Entfer-
*) xplmg von xpisEcv scheiden, entscheiden. **) Xüms von Xüeiv lösen. ***) (peudyg, (peudög täuschend, lt;peüdetv täuschen.
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nung der fiebererzeugenden Momente, Zerstörung und Verbren­nung der Krankheitserreger und dergleichen. Die meisten Fieber heilen von selbst, ohne Hülfe der Kunst.
Zum Schluss sei noch erwähnt, dass es auch physiologische Fieber giebt, das heisst fieberhafte Zustände, die gefahrlos im gesunden Körper ablaufen; solche Zustände sind: das Verdauungsfieber, das Entwickelungsfieber, die Temperatur­steigerung bei Hunden, die in der Sonne liegen (da geht die Temperatur bis auf 40 und 41 0 in die Höhe). Diese Zustände sind deshalb gefahrlos, weil sie rasch vorübergehen.
Es soll auch nicht unterlassen werden hervorzuheben, dass beim Fieber meist Appetitlosigkeit zugegen ist. Diese hat eine heilsame Bedeutung insofern, als sie verhindert, dass dem Körper weiteres Brennmaterial, i. e. Fiebermaterial zu­geführt wird, und auch insofern, als beim Fieber in der Regel die Magensaftbildung verringert oder ganz aufgehoben ist. so dass demnach die aufgenommenen Nahrungs­mittel nur belästigend auf den Magen und die Verdauungsorgane wirken und Gelegenheit zu Gährungsprocessen. welche die Entstehung von Magendarmkatarrhen bedingen, geben würden. (Die gehinderte Magensaftsecretion ist insofern günstig, als sie Selbstverdauungen der Magenschleimhaut, die leicht zu Stande kommen könnten, da sich bei gewissen Fiebern leicht Embolien bilden, verhindert.) — Die Appetitlosigkeit ist aber insofern ungünstig, als der Organismus, der durch die febrile Consumption viele Kräfte verliert, keinen genügenden Kraftwiederersatz findet. — Die Kunsthülfe muss beide Seiten der Appetitlosigkeit sehr wohl im Auge haben. — Wie die Appetitlosigkeit einen physiatrischen Charakter hat, so auch, wie schon erwähnt, die bei Fieber zu beobachtenden Erscheinungen der ver­mehrten Respiration, der gesteigerten Pulsfrequenz und der erhöhten Hautthätigkeit. Diese steigern die Abkühlung des ganzen Organismus und wirken dadurch günstig auf den fieberhaften Process ein, sie verhindern wenn möglich das gefahrvolle Ansteigen der Innentemperatur.
6. Regulationen bei Krankheiten und Anomalien am Genitalapparat und bei Anomalien bezüglich der Ausbildung, Lage etc. des Eies.
üeber diese Regulationsvorgänge ist nur wenig zu sagen.
Ist ein Hoden oder ein Ovarium krank, dann übernimmt das an­dere Organ die Stellvertretung. Ein vicariirendes Verhältniss zu an­deren Organen des Körpers besteht nicht. — Befinden, sich fremde Dinge, Entzündungsproducte und dergleichen in dem Genitalapparate, so erfolgt deren Ausstossung durch reflectorische Action der Eigen-musculatur. Das Ausstossen des ausgebildeten Fötus und der Eihäute (Nachgeburt) ist ein physiologischer Act gleicher Art. Das Scliliessen des Muttermundes bei Zurückbleiben des Fötus und das Mumificiren desselben ist oben schon erwähnt worden. Die passive Hyperämie des Penis, die zum Zustandekommen der Erection eintritt, verschwindet von selbst und ist physiologischer Natur. — Der Genitalapparat steht in gewissen Beziehungen zum Harnapparat, so dass wohl gewisse Reizun­gen desselben durch Harnen ausgelöst werden können. (Die Thatsache der Beziehungen ergiebt sich z. B. aus dem mit der Pubertät auftretenden
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öfteren Harnen der männlichen Hunde mit einem erhobenen Hinterbeine, sobald Erregungen bezüglich der Geschlechtssphäre vorliegen.)
Bei Vorfällen der Vagina und des Uterus sucht die Natur durch Contractionen der Eigenmusculatur der Organe und durch die der brei­ten Mutterbänder die Reposition zu bewirken. Unter günstigen Ver­hältnissen gelingt (z. B. bei Vaginalprolapsen) die Reposition.
Bei habituellen Vorfällen entstehen Neubildungen von Narbengewebe und von Epithel. Dies ist heilsam, weil dadurch das prolabirte Organ an Vulnerabilität verliert. — Wenn das vorgefallene Stück brandig wird, dann hilft sich der Organismus nicht selten durch gute Vernar­bung des Stumpfes nach vorheriger eiteriger Abstossung des Todten.
Bei Hernien des Uterus treten dieselben Regulationen ein, wie bei solchen des Darmcanales.
Bei Abdomina Isch wangerschaft en behandelt das Peritoneum das Ei resp. den Fötus wie einen fremden Körper, es kapselt ihn ab, so dass er schadlos wird, oder es bringt ihn theilweise zur Resorption. Verfällt der Fötus der Fäulniss, dann tritt meist ein ungünstiger Ausgang ein. In seltenen Fällen ist allerdings auch der faulende Fötus in Folge Durohbiuchs in den Darm oder nach aussen ent­leert worden und Heilung eingetreten.
Bei abnormen Lagerungen des Fötus und Schwergeburten treten heftigere Contractionen des Uterus und der Bauchmuskeln als normal ein. um die Ausstossung des Fötus zn ermöglichen. Die Uieruscontractionen sind an der Stelle am stärksten, wo der Fötus am meisten drückt, das heisst am meisten Widerstand leistet, dadurch kommt nicht seilen Hülfe zu Stande. — Die Verbindung der Beckenknochen durch Faserknorpel ist sehr günstig: der Knorpel giebt nach, unter Umstünden reisst er sogar, und es erfolgt nachher Regeneration.
Ist die Ausstossung des Fötus nicht möglich, dann erfolgt entweder die Mu-mification oder die Fäulniss desselben. In letzterem Falle wird ein Reiz auf die Utennschleimhaut ausgeübt, der eigenthümliehe Veränderungen in derselben her­vorruft. ' Diese bestehen wesentlich darin, dass die Schleimhaut fest und derb wird, die Eigenschaften einer cutanen Haut annimmt. Dadurch sinkt ihr Resorptions­vermögen. Das ist im höchsten Maasse günstig. Bliebe die Resorptionsfähigkeil des Uterus so hochgradig, als sie normal ist, dann würden so viel Fäulnissproducte und Keime in das Blut gelangen, dass der Tod des Thieres erfolgen müsste. in gleicher Weise verhält sich der Uterus bei zurückbleibender Kachgeburt.
Deshalb sehen wir in beiden Fällen häufig nur ein unbedeutendes schleichen­des Fieber eintreten. Es werden wenig Fäulnissproducte aufgenommen. Diese gehen durch die Fieberreaction zu Grunde. Die Thiere leiden natürlich dadurch und magern ab, sie sterben aber in der Regel nicht. Diesen verhältnissmässig günstigen Verlauf verdanken sie nur der verminderten Resorptionsfähigkeit der Schleimhaut des Uterus.
7. Regulationen bei Krankheiten der Bewegungsorgane und des Integumentum commune.
Diese bedürfen einer besonderen Besprechung nicht. Sie folgen den allgemeinen Gesetzen der Gewebs- und Functionsregulationen.
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142nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Selbstbülfe des thierischen Organismus.
Bei schmerzhaften Leiden an den Bewegungsorganen ist die Folge dos Schmerzes Stilllialten der Glieder und Ruhe, und das ist heilsam.
Die Haut ist ein Organ von ausserordentlioher Wichtigkeit, sie regulirt bei vielen Krankheilen die Athmung, die Circulation, die Temperatur, den Stoffwechsel, sie schützt als Sinnesorgan und auf Grund ihrer physikalischen Eigenschaften vor Schädlichkeiten. Sie leitet viele heilsame Muskelreflexe ein. Sie regulirt bei vielen inneren Leiden besonders durch Aenderung ihrer Secretionen, Anidrosis, Hyper-idrosis, Flypidrosis und Paridrosis*). Bei Hauterkrankungon treten die Nieren und der Darmcanal mit seinen Drüsen regnlatorisch ein. Die Verdiokungen der Epi­dermis bei öfteren Reizungen einer Stelle, die Schorfbildung, die Exsudation bei Excoriationen u. s. w. sind der Ausdruck des Naturheilbestrebens (siehe das nach­folgende Capitel).
8. Regulationen bei chirurgischenquot;) Krankheiten.
Dieses Capitel wurde nur der Vollständigkeit halber und um die Aufmerksamkeit der Studirenden auf diese Naturheilungen hinzuweisen, aufgenommen. Es kann nur eine ganz cursorische Besprechung des ganzen Gebietes statthaben.
Bei den meisten chirurgischen Krankheiten sind diejenigen Natur­heil processe zu beobachten, die wir bei Besprechung der Entzündung und der Gewebsregulationen, namentlich der Regenerationen, kennen lernten und es genügt demnach der einfache Hinweis auf dieselben.
Wunden. Die bei der Verwundung zu Stande kommende Blutung stillt sich nach den besprochenen Gesetzen. Das ergossene Blut deckt die Wundflächen. Der entstehende Schmerz ist heilsam, weil er dem Gliede Ruhe giebt und das Abreissen der Wundränder von ein­ander hindert. Die entstehende Schwellung ist ebenfalls günstig, ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;weil sie die Wundränder an einander presst. — Die Heilung erfolgt
entweder direct durch Verklebung der Wundränder durch das Ex­sudat und nachfolgender Bildung des Zwischengewebes incl. der Gefässe, die aus den obturirten hervorwachsen, oder indirect durch sogenannte Heilung per seeundam intentionem, die mit Eiterung einhergeht und bei Wunden mit Substanzverlust eintritt. Der Substanzverlust ersetzt sich, wie es oben S. 91—93 geschildert worden ist. unter ungün­stigen Bedingungen wird der Naturheilprocess gestört. Diese abzuhal­ten und die günstigen Bedingungen für die Naturheilung herzustellen, ist die Aufgabe des Arztes.
Die sich in den Wunden ansammelnden fremden Dinge, die theilweise von aussen, theilweise dem Körper entstammen (zertrüm­mertes, nicht nährfähiges, sich zersetzendes Gewebe, zerfallende Leuco-cyten etc.) werden entweder nach aussen abgestossen oder in das Blut aufgenommen. Letzteres bezweckt die Entfernung durch die Drüsen oder auf dem Wege anderweiter Ablagerung, führt aber häufig zum Eintritt von Fieber.
*) izapa nebenbei, Idpöw schwitzen. **) xslp Hand, ipfnv Werk {^ttpoupyla).
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Das Fieber verschwindet mit dem Aufhören der Einwirkung der pyrogenen Stoffe. Bei Wunden mit Quetschungen ist stets ein Theil der betroffenen Gewebe zertrümmert. Das Nichtlebensfähige wird auf dem Wege der Entzündung unter Bildung einer Demarcation abgestossen. Der Substanzveriust ersetzt sich durch Granulation, resp. Regeneration. Die primär bei Quetschungen entstehenden Blutungen sind meist ge­ring, sie stillen sich leicht, weil die lappig zerrissene Intima sehr gute Gelegenheit zur Tlirombenbildung bietet.
Quetschungen ohne Wunde. Sie sind durch mechanische Gewalten veranlasst, welche keine Continuitätstiennung der Haut bedingen. Sie sind stets mit ErsehuUerungpu weiter liegender Gewebe verbunden. Diese gleichen sich leicht aus, die Molecule kehren in den Ruhezu­stand rasch zurück. Nur die gewaltigeren Erschütterungen des Ner­vensystems können bedenklichere Folgen haben (Ohnmächten etc.). Aber auch diese gleicht die Natur in der Regel bald wieder aus. Bei sehr gewaltigen Erschütterungen können auch an entfernten Knochen Brüche entstehen.
Am direct betroffenen Theile kommt vor allen Dingen eine mit der Quetschung stets einhergehende Extravasation in Betracht. Die Blutung stillt sich sehr bald wegen der fetzigen, unebenen Gefäss-ränder. Diese bedingen stärkere Reibung, diese befördert die Gerinnsel­bildungen, die das Gefäss bald verstopfen. Ausserdem wirkt auch der Gegendruck der Weichlheile hindernd auf die Blutung. Deshalb wer­den solche Blutungen fast nie lebensgefahrlich. Das ergossene Blut wird nach den besprochenen Gesetzen resorbirt. Die gequetschten Gewebe kehren häufig durch ein entzündliches Stadium in den normalen Zu­stand zurück. Todtes wird nach bekannten Gesetzen absorbirt oder abgestossen, indem es Eiterung und Durchbrach nach aussen bedingt.
Zerreissungen von Muskeln und Sehnen ohne Wunden. Diese heilen unbedenklich, wenn den Theilen Ruhe gegeben werden kann. Die Heilung erfolgt als Narbenbildung oder echte Regeneration, meist in Form von Sprossung an beiden Enden des zerissenen Theiles. Extravasirtes Blut wird resorbirt.
Knochenbrüche. Die beiden Bruchenden verfallen dem entzünd­lichen Regenerationsprocess. An beiden Knochenden entsteht neue Knochensabstanz, von den Markräumen, resp. der Spongiosa (innerer Callus), dem Periost (äusserer Callus), den bindegewebigen Scheiden in den Haversischen Canälen (intermediärer Callus) und vielleicht auch von der zellig infiltrirten Umgebung der Knochenenden. Wenn die bei­den Wucherungen einander erreichen und mit einander verwachsen, so ist dies eine Naturheilung, die namentlich, wenn die Verwachsung in der Richtung der ursprünglichen Knochenlagerung erfolgt, eine Resti-tutio ad integrum darstellt. Der neugebildete Knochen ist anfangs solide und über die Peripherie der Knochenenden nach aussen hinausgewuchert, durch nachträgliche Resorptionsvorgänge und Hineinsprossen von Ge­lassen verliert derselbe diese Abnormitäten und nimmt alle Eigen­schaften des normalen Knochens an. Diese Naturheilung ist aber nur möglich, wenn die Knochenenden einander in der Ursprung-
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144nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Selbsthülfe des thierischen Organismus.
liehen normalen Lage zugekehrt sind, und der Process kann nur dann ungestört ablaufen, wenn die Knochenenden in Ruhe verharren. Vorübergehende Entfernungen derselben durcli Muskelbewegungen etc. müssen den Heilprocess stören. Für die notbwendige Ruhe der be­treffenden Theile und die richtige Lagerung der Knochenenden sorgt Iheilweise die Natur durch den Schmerz und die Anschwellung, welche mit jeder Fractur verbunden sind.
Ersterer veranlasst die Thiere, das Glied ruhig zu halten, weil jede Bewegung den Schmerz bedeutend steigert. Die rund um die Knochenenden durch entzünd­liche Vorgänge in der Umgebung entstehende Geschwulst hält die Knochenenden fest, dass sie nicht zu sehr aus ihrer Lage weichen können, wenn dies nicht bereits im Momente des Brechens resp. kurz nachher geschehen ist. Trotz alledem genügen aber für gewöhnlich die Hülfsmittel der Natur nicht, um den Zweck, Fixation der Bruchstücke in möglichst normaler Lagerung zu erreichen, sondern der Arzt muss die günstigsten Bedingungen für die Heilung, welche die ISatur allein besorgt, herstellen.
In Betreff der Entstehung von Extravasaten, Gewebszer-trümmerungen, Nekrotisirungen etc. ist auf früher Gesagtes zu verweisen. Knochensplitter haben das Schicksal aller fremden Kör­per, ebenso nekrotische Knochenstücke (Sequester), es erfolgt Ab-stossung. Demarcation, Eiterung, Durchbruch nach aussen oder Ein-kapselung.
Eröffnung von Gelenkhöhlen. Die Gefahr liegt in der Oeffnung, in dem Ausfluss der Synovia und dem Eindringen der Luft mit ihren Verunreinigungen. Pilzen und Krankheitserregern. Beides, sowohl der Ausfluss als das Lufteindringen wird durch Bewegungen der be­treffenden Theile befördert. Deshalb ist die eintretende Entzündung heilsam. Sie bedingt Anschwellung und Schmerzen. Erstere ver­kleinert oder schliesst die betreffende Oeffnung und letzterer verhindert Bewegungen. Da beides meist nicht vollständig gelingt, muss die Kunst­hülfe eingreifen, durch welche unter Umständen die Entzündung in der Umgebung ganz vermieden werden kann.
Verrenkungen und Verstauchungen. Abweichungen der Gelenkenden von einander sind durch vielfache Vorrichtungen möglichst verhindert. Treten sie aber doch in Folge heftiger Gewaltacte ein, dann führen die elastischen, festen Theile, weiche das Gelenk umgeben, die Knochen oft von selbst wieder in ihre Lage zurück. Die in Folge der Ab­weichungen gedehnten und gezerrten Theile nehmen ihre norma­len Gestaltungs-, Lagerungs- und Structurverhältnisse wieder an. Unter Umständen vermögen sich die gezerrten Nerven nicht so leicht zu re-pariren. Sie bleiben einige Zeit in dem alterirten Zustande, es bestehen Schmerzen und dergleichen, aber bald kann auch hier die Norm wieder eintreten.
Sind bei der Zerrung der Umgebung durch sehr bedeutende Ab­weichung der Gelenkenden Zerreissungen kleiner Blutgefässe eingetreten, so dass Blutungen zu Stande gekommen sind, dann erfolgt die Resorption des ergossenen Blutes nach den bekannten Gesetzen.
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Die Gelenkenden selbst werden durch das Fremde, von dem sie bei der abnormen Bewegung berührt und alterirt werden, gereizt; ihre Gewebe kehren aber in der Regel bald in den normalen Zustand zurück.
Eine einfache Verstauchung heilt gewöhnlich, wenn nur einigormassen Ruhehaltung des Gelenks erreicht wird, ganz von selbst. Die Ruhestellung kommt meist schon durch die erhöhte Erregbarkeit der Nerven, welche durch Zerrung ver-anlasst ist und die es zur Folge hat, dass jede Bewegung dem Thiero Schmerzen macht, zu Stande. Eine etwa in der Umgebung des Gelenkes als Folge von Zerrung und Zerreissen derselben auftretende Entzündung heilt von selbst, sobald die Causa verschwindet, und hat das Heilsame an sich, dass sie durch Schwellung und Schmerzen die Ruhestellung des Gelenkes bedingt. — Ganz anders liegt es bei hochgradigen Verrenkungen, bei denen die Rückkehr der aus der normalen Lage gewichenen Gelenkenden in die ursprüngliche Gelenklage durch die natür­lichen HiiU'sinittel nicht mehr möglich ist. Hier muss die Kunsthülfe Platz greifen. Hie Verletzungen der Umgebung, die Zerreissungen, das Abbrechen von Knochen­stücken und dergleichen Zufälle veranlassen die entsprechenden Naturheilvorgiingo.
Die acuten, nicht traumatischen Entzündungen der Weichtheile.
Sie gelangen in der oben (S. 115 ff.) gescliilderten Art und Weise durch die Regulationsbestrebnngen des Organismus, spcciell des Circulations-apparates, zum Ausgleich, sobald die Entzündungsursache nicht mehr wirksam ist.
Der Brand. Was mit abgestorbenen Gewehstheilen geschieht und wie die Umgebung derselben zum Wohle des Organismus sich verhält, ist bereits besprochen worden.
Inficirte Wunden. Die Heilbestrebungen des Organismus bei in-ficirten Wunden beziehen sich auf Entfernung des inficirenden Stoffes durch Eiterung oder Necrose des Inficirten und Ausstossung nach aussen oder auf Entfernung durch Resorption und Abführung des Aufgenommenen durch die Excretionsorgane. Die Resorption ist der ungünstigere Ausgang, denn sie hat oft sehr nachtheilige Folgen.
Die Geschwüre. Ihre Entstehung ist in der Regel ein Act des Naturheilbestrebens. Durch die Geschwürsbildung sollen nekrotische, schädliche Hassen aus dem Körper entfernt, für den Organismus un­schädlich gemacht werden. 1st dies geschehen, dann hat das Geschwür seinen Zweck erfüllt und heilt auf dem Wege der Granulation und Eiterung. Manchmal gelingt die Heilung nicht ohne Kunsthülfo.
Chronische*) Entzündungen sind zwar auch der Ausdruck des Na­turheilbestrebens auf chronische Reizungen, aber sie haben selten für den Organismus heilsame Folgen. Die anhaltend einwirkenden abnor­men Bedingungen lassen das Heiibcstreben des Organismus nicht zum Ziele kommen oder sie veranlassen, dass dasselbe über das Ziel hinausschiesst (Geschwürsbildungen, Verhärtungen und dergleichen). Die fortwährend bestehenden Causae morbi sind die Ursache, dass dem Or­ganismus durch die an sich heilsamen Vorgänge sehr geschadet wird. Hier muss die Kunsthülfe die abnormen Bedingungen beseitigen.
') Xpfoos Zeit. Ellenberger, All^euieiiie Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; iq
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Manchmal ß-elanfren aber auch die chronischen Processo noch zum heilsamen Ende und erveichen ihren Zweck, z. B. bei lange bestehender Knochencaries gelingt zuweilen unter allmälig voller Abstossung aller todten Knochentheilchen die Heilung. Oft tritt zwar keine Heilung mit Restitutio ad integrnm ein, aber die betreffenden chronischen Processe nehmen in Anbetracht dessen, dass aus Anlass der permanenten Causa keine Heilung eintreten kann, den dem Organismus relati? günstigsten Ausgang, z. B. bei chronischen Gelenkentzündungen, wo an­haltende oder in kurzen Zeiträumen einwirkende unvermeidliche Reizung einen .schnierzhalten Entzündungsprocess dauernd unterhält, tritt schliesslich Verwachsung der Gelenkenden und damit ein relativ günstiger Ausgang ein, wenn es sich um Gelenke handelt, deren Unbeweglichkeit nicht sehr störend für die Bewegung ist, wie dies z. B. der Fall ist mit dem Gelenk zwischen den einzelnen Knochen des Tarsal- oder Carpnlgelenkes. und zwischen Kronen- und Hufbein. Führen die chronischen Entziindungsprocesse zu chronischen Ifydropsien der Sehnenscheiden und der Gelenkkapseln, so ist auch dies, wenn die Heilung nicht gelingt, der relativ nicht ungünstigste Ausgang.
Varicen und Aneurysmen heilen selten spontan. Die Varicen sind oft die naturgemässe Ausgleichung abnormer Druckverhältnisse im Ge-fässsystem. Sind sie nur einzeln vorhanden, dann sind sie nicht sehr gefahrvoll. Anders liegt es mit den Aneurysmen. Diese sind meist die Folge von Arterienerkrankungen und bedeutend gefährlicher für den Organismus. Den Gefahren, mit welchen beide Abnormitäten den Or­ganismus bedrohen, beugt derselbe durch Aenderungon der Circu-lationsverhältnisse und durch organisirende Gerinnselbil­dungen an den Wänden, wodurch die Zerreissliehkeit derselben herab­gesetzt wird, vor. Oder es kommen in Aneurysmen obliterircnde Thrombosen zu Stande, Darin ist eine Naturheilung des Aneurysma zu sehen, wenn Collateralbahnen für die Versorgung des betreffenden Theiles mit Blut vorhanden sind. Die Geschwulst bleibt dann im Wachsthum stehen und schrumpft; oder es entsteht Nekrose und Aus-stossung des obliterirten Stückes, ohne dass Blutung entsteht. Diese Arten der Naturheilung sind selten.
Die Geschwülste sind in der Regel Folgen congenitalcr Abnormi­täten und krankhafter Beizungen. Selten sind sie die Folgen an sich heilsamer Vorgänge, die nur durch Ueberproduction zur Geschwulst führen. In letzterem Falle kann die Selbstheilung durch nachträgliche Schrumpfung und nekrobiotischc Vorgänge stattfinden. Bei den echten Geschwülsten erfolgt die Naturheilung sehr selten.
Wie sich der Organismus gegen fremde Körper verhält, wurde oben geschildert.
Vorfälle und Brüche. Hierüber siehe vorn S. 1'27. Ausgebildete Brüche heilen nicht spontan. Die Möglichkeit der Kunsthülfo ist in den Eigenschaften der, Gewebe gegeben.
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Zweiter Abschnitt.
Die liunsthuife.
Einleitung.
Die natürliche Schutzkraft des Organismus ist ebensowenig immer im Stande, denselben vor dem Erkranken zu bewahren, als seine na­türliche Heilkraft bei eingetretenen Erkrankungen immer selbstständig die Genesung herbeizuführen vermag. In allen diesen Fällen, in denen die natürliche Schutz- und Heilkraft der Thiere ihren Zweck nicht zu erreichen vermag, ist es nothwendig, dem Organismus auf künstlichem Wege Hülfe zu bringen, um drohende Krankheiten abzuhalten oder be­reits vorhandene zur Genesung zu führen.
Diese dem Organismus geleistete Hülfe wird als Kunsthülfe*) be­zeichnet und gelangt durch den Menschen in Anwendung. Die Per­sonen, welche sich die Fähigkeit zur richtigen Anwendung der Kunsthülfe angeeignet haben und sich gewerbsmässig damit beschäftigen, heissen Aerzte, resp. Thicrärzte. Diese haben demnach die Aufgabe, in allen den Fällen helfend einzugreifen, in denen die in den natürlichen Verhältnissen gegebenen Bedingungen zur Vorbauung oder Heilung un­genügend, resp. ungünstig sind.
Nothwendigkeit der Thierärzte. Die Zeiten, in denen man die Aerzte verspottete, ihre Nothwendigkeit leugnete, ja ihre Nutzlosigkeit durch eine gedanken-
*) Die thierärztliche resp. ärztliche Kunsthülfe ist höchst mannigfacher Natur. Die deutsche und lateinische Sprache hat für das die Kunsthülfe umfassende ärzt­liche Verfahren keine durchaus zutreffende Bezeichnung. Die Ausdrücke: ärztliche Behandlung, Heilverfahren, Heilkunst u. s. w. bezeichnen das ärztliche Thun nicht ausreichend. Dies thut nur das der griechischen Sprache entlehnte Wort Therapie. BsftaTzsüsiM drückt die gesammte Thätigkeit aus, die zum Nutzen eines Geschäfts, mag sie im activen Eingreifen oder im passiven Zuwarten und Beobachten bestehen, vorgenommen wird. Im ärztlichen Sinne bezeichnet man damit die in Rücksicht auf Krankheiten zur Vorbauung und Heilung der Menschen und Thiere aufgewendete Thätigkeit.
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148nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die lumsthiilfe.
lose Statistik zu beweisen suchte, sind vorüber. Ebenso auch die Zeiten des Skep-ticismus und Nihilismus der Medioiner. Die medicinische Wissenschaft hat in der Neuzeit so grosse Fortschritte*) gemacht, dass viele Vorwürfe, die man den Aerzten mit Recht machte, hinfällig geworden sind, und dass es auch dem Laien einleuchten muss, dass die Aerzte und Thierärzte sowohl als Curirer. wie als Verhüter der Krankheiten grossen Nutzen stiften.
Die neueren Erfolge der Medicin auf chirurgischem Gebiet kennt jeder Laie. Ebenso sind die Erfolge der inneren Medicin durch das Linderungsverfahren bei schmerzhaften Leiden, durch die Behandlung des Wechselfiebers, der parasiti­schen Leiden, der Vergiftungen, der Respirationsleiden u. s. w. allgemein bekannt.
Freilich hat auch die ärztliche Kunst, wie jedes menschliche Können, ihre Grenze, freilich kann der Arzt nicht mehr heilen, wenn die Naturheilkraft nicht mehr wirksam ist, freilich giebt es auch heute noch unheilbare Krankheiten. Es ist aber einerseits anzunehmen, dass, bei den grossen Fortschritten, welche die Medicin in unserer Zeit macht, auch noch manche unheilbare Krankheit sich in der Zukunft als heilbar erweisen wird, und andererseits kann der Arzt auch bei unheil­baren Leiden durch diätetische und andere Maassnahmen, durch Linderung gefähr­licher und beschwerlicher Krankheitssymptome Gutes stiften.
Vor Allem aber ist nicht zu vergessen, dass der Arzt nicht nur Curirer ist und nicht blos durch Behandlung kranker Thiere nützt. Er schafft im Gegentheil dadurch, dass er die Menschen und Thiere vor dem Erkranken schützt, einen viel grösseren Nutzen. Zur Durchführung der Prophylaxis, zur Verhütung und Tilgung von Seuchen, zum Schutz der Menschen gegen Zoonosen, zur Einführung einer rationellen Thiorzucht und dergleichen bedarf der Siaat wissenschaftlich gebildete Thierärzte.
Die Objecte des thierärztlichen Verfahrens, die Ilausthiere, repräsentiren einen bedeutenden Theil des Nationalvermögens. Indem der Thierarzt die Thiere vor
*) Die wesentlichen Fortschritte, welche die Therapie in unserem Jahrhundert gemacht hat und denen sie die grossen Erfolge verdankt, die sie errungen, sind kurz zusaramengefasst folgende:
1)nbsp; Die Zahl der Arzneimittel ist ungemein eingeschränkt worden,
2)nbsp; Die Arzneiverordnungen hat man in hohem Maasse vereinfacht. Man gebraucht, wenn irgend angängig, chemisch einfache Stoffe und Verbindungen und vermeidet die Compositionen möglichst.
3)nbsp; Man schützt die Gesunden und heilt die Kranken mehr mit hygienischen Vorschriften, als mit Arzneimitteln, und pflegt die hygienischen Wissenschaften in hohem Maasse.
4)nbsp; Die neueren Forschungen haben es ermöglicht, dass viele Operationen schmerzlos für den Kranken vollzogen werden können,
5)nbsp; Es ist heutzutage auch möglich, viele bedeutende Operationen ohne nennenswerthen Blutverlust vorzunehmen.
6)nbsp; Einen bedeutenden Fortschritt in der Therapie stellt die Einführung der sogenannten antiseptisohen Wundbehandlung dar.
7)nbsp; In neuerer Zeit ist das Priucip der localen Behandlung herrschend geworden und hat bedeutende Erfolge zu verzeichnen,
8)nbsp; Die Respirations-und Inhalationstherapie ist ausserordentlich vervoll­kommnet worden und gelangt ausgedehnter zur Anwendung, als früher,
Sgt;) Die Kaltwasserbehandlung und die Elektrotherapie ist bedeutend ausgebildet worden und wird vielfach angewendet,
10) Dem Erforschen der Krankheitsursachen wird jetzt die höchste Sorgfalt zugewendet. Neue Heilwege eröffnen sich dadurch. U. s. w.
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;149
Schädigungen bewahrt, erhält und erhöht er den Nationalwohlstand. Sonach sind die Thierärzte wichtige Glieder der menschlichen Gesellschaft und bringen dem Staate reichen Nutzen.
Die Aufgabe des Thierarztes, resp. der thierärztlichen Kunsthülfe. Dem Thierärzte, der in die Praxis eintritt, harren wichtige Aufgaben, die er zu lösen hat. „Dem einzelnen Hausthierbesitzer und dem Staate wahr­haft zu nützen, der leidenden Thierwelt zu dienen, welche der Mensch sich nutzbar macht, die Wissenschaft zu fördern und den Stand zu hebenquot;, das sind nach Gerlach, neben der prosaischen Notwendig­keit, das tägliche Brot zu verdienen, die allgemeinen Aufgaben, die der Thierarzt während seiner practischen Laufbahn zu lösen hat. Zum Nutzen des Staates und des einzelnen Hausthierbesitzers sind dem Thierärzte wesentlich zwei Aufgaben gestellt:
1)nbsp; Die gesunden Thiere vor dem Erkranken zu schützen. Dies geschieht: a. dadurch, dass die Krankheitsursachen, die äusse-
ren Schädlichkeiten vor der Einwirkung auf den thierischen Organismus abgehalten oder zerstört oder verringert werden; b. dadurch, dass Ein­flüsse herbeigeführt werden, welche die Gesundheit fördern, die Schutz­kraft des Organismus erhöhen.
Diesen Aufgaben wird der Thierarzt durch Befolgung der Regeln der polizei­lichen und therapeutischen Prophylaxe, der Hygiene, der Diätetik und der rationellen Viehzucht gerecht.
2)nbsp; Die kranken Thiere zu behandeln.
Die ärztlichen Hülfeleistungen bei kranken Thieren bezwecken ent­weder die radicale Heilung derselben oder die Beseitigung, resp. Linderung hervorragender, den Zustand der Kranken erschwerender Symptome oder die Rettung der Schwererkrankten vor dem Tode.
Diese Zwecke können nur erreicht werden, wenn der Thierarzt die Krankheit in ihrem Wesen, ihrer möglichen Entfaltung, ihrem wahrscheinlichen Verlaufe richtig erkannt hat. In dieser Erkenntniss findet er die vernünftigen Gründe für sein weiteres Handeln. Ihnen entsprechend entwirft er den Curplan, den er me­thodisch durch Anwendung der richtigen Heilmittel in Anwendung bringt. Es ist die Aufgabe des Thierarztes, die Naturerscheinungen des kranken Lebens rasch zu erfassen, sie in ihren Beziehungen zum gesunden Leben, zur Individualität des kranken Thieres zu erkennen, den daraus resultirenden relativen Gesundheitszustand zu beurtheilen. die krankhaften Vorgänge mit dem gesunden Leben zu einem Ganzen, dem Krankheitsbilde, zu ordnen, die Art und den Grad der wirksamen Naturhoil-thätigkeit zu übersehen und dem Krankheitsbilde entsprechend rasch das Heilungs­bild zu erfassen, die Heilungs- und Behandlungsanzeigen zu erkennen und diesen entsprechende Maassnahmen kunstvoll in Anwendung zu bringen.
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150nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Die nachfolgende Besprechung über Kunsthülfe wird sich er­strecken auf:
1)nbsp; die Lehre von der Vorbauung,
2)nbsp; nbsp; ,. „ „ „ Erkenntniss der Krankheiten,
3)nbsp; nbsp; „ ,. ,. „ Behandlung des erkrankten Thicres,
4)nbsp; nbsp; ,. ,, „ den Mitteln der thierärztlichen Kunst,
5)nbsp; nbsp; „ „ „ „ Curmethoden, das heisst der systematisch vernunftgemässen Anwendungsweise der Heilmittel.
Diesen Capiteln senden wir eine kurze Besprechung über das Verhalten des Thierarztes bei der Ausübung der thierärztlichen Praxis voraus.
„Die Thierheilkunde wird als Brotstudium ergriffen; Zeit, Fleiss und Geld bilden zusammen ein Capital, -wodurch sich der Studirende ein Gut erwirbt, das ihn ernähren soll; eine möglichst einträgliche Praxis erwerben und erhalten ist daher auch das erste und stete Bestreben des Thierarztes. Auf offenen und red­lichen Wegen durch Fleiss und Tüchtiglieit verdiene mau sein Brot. Dieses Be­streben darf aber nicht das einzige sein; ein höheres Interesse dem Fache abzuge­winnen, seine Wissenschaft möglichst nutzbar zu machen, sich auf der Höhe der Wissenschaft zu erhalten und diese selbst zu fördern, das muss sich mit den ma­teriellen Interessen verbinden; dadurch allein wird die anstrengende und von mancherlei Unannehmlichkeiten begleitete Praxis erleichtert und mehr als ein müh­sames Vergnügen, denn eine drückende Last empfunden.quot; (Gerlach.)
Die Laufbahn des Thierarztes ist eine mühe- und dornenvolle; die Erfüllung seiner Pflichten erfordert viel Muth und Umsicht, viel Selbstlosigkeit, viel Fleiss im Allgemeinen und rege Geschäftsthätigkeit im Speciellen, strenge Ordnung in den täglichen Geschäften, Ablegen der Scheu vor widerlichen Gerüchen, vor der Be­rührung schmutziger Gegenstände u. s. w., und vor Allem gesellschaftlichen und thierärztlichen Tacl.
Die thierärztliche Thätigkeit bietet viel Beschwerden und Unannehmlichkeiten. Sie kann leicht zu einer Qual und einer Quelle der Unzufriedenheit und des Un-befriedigtseius werden. Nur derjenige, der für das Studium der Natur, für Forschen und Streben schwärmt, dem es ein Vergnügen bereitet, den Thieren Schmerzen zu lindern, sie vor dem Tode zu retten, den Besitzer zu erfreuen, das geheimnissvolle wunderbare Walten der Natur, das sich gerade im gesunden und kranken Leben der Thiere so mannigfaltig äussert, zu beobachten und Gottes Allmacht anzustaunen, nur der findet Befriedigung im thierärztlichen Berufe und erträgt die Schattenseiten geduldig, nur dem erscheinen die grossen Mühseligkeiten der Praxis Idein im Ver-hältniss zu den Genüssen, die sie bietet.
Wenn der Thierarzt allen seinen Aufgaben gerecht werden will, dann muss er die Achtung seiner iMitmensohen, das Vertrauen der Thierbesitzer und Staats­behörden besitzen und eine geachtete sociale Stellung einnehmen. Dies ist der Fall, wenn er eine allgemein wissenschaftliche und literarische Bildung und gesellschaft­lichen Tuet besitzt, wenn er auf der Höhe seiner Fachwissenschaft steht und die thierärztliche Kunst beherrscht, wenn er streng moralisch denkt und streng ehren­haft handelt, wenn er stets bescheiden, aber mit dem nöthigen Slandesbewusstsein
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 151
und Selbslgeluhl auftritt, wenn er sich bemüht, die Kunst des Umgangs mit den Thierbesitzern und Wärtern und die Kunst der Kede und des öffentlichen Vortrags zu üben. Wer sich so verhält, wird Ansehen und Einlluss gewinnen und im Stande sein, höchst segensreich zu wirken.
Bezüglich dieser und anderer Punkte, die sich auf das allgemeine Verhallen des Thierarztes beziehen, sei auf die goldenen Regeln, dieGerlach in seiner allgemeinen Therapie und Kreutzer in seiner Propädeutik und Hodegetik giebt, verwiesen.
A. Ueber das Verhalten des Thierarztes in der Praxis.
„Ausgerüstet mit theoretischen Kenntnissen tritt der angehende Jünger der Thierheilkunde in das praktische Gebiet seines Wirkungs­kreises, seines Lebensberufes, auf welchem er das theoretisch Aufge­nommene und Gesammelte praktisch verwertlien, das Studium der Natur beginnen muss, wo er die graue Theorie zwar nicht verlassen, aber doch zugleich und hauptsächlich den grünen Lebensbaum hegen und pflegen soll. Mit diesem Schritte zur Selbstständigkeit aber betritt der Thierarzt einen dornenvollen Pfad, auf dem es viele Gefahren zu be­stehen, viele Irrwege zu vermeiden, viele Mühseligkeiten zu ertragen giebt, auf dem es selbst dem erfahrenen Praktiker, unendlich mehr aber dem Anfänger schwer fällt, stets sicheren Fusses zu wandeln und die Lebensaufgaben zu lösen, nämlich die Subsistcnz zu sichern und in seinem Berufe ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu sein.quot; (Gcrlach.)
1. Die Fortlbilduug des Thierarztes in Wissenschaft und Knust.
Die dem Thierarzte gestellten Aufgaben sind so schwierig, dass nur derjenige, welcher gut unterrichtet, strebsam und im scharfen Den­ken geübt ist, der ein reiches Wissen mit bewusstem Können vereinigt, der auf der Höhe der Wissenschaft steht und vollkommen Herr seiner Kunst ist, denselben mit Erfolg gerecht werden und die Schwierigkeiten leicht überwinden kann.
Auf der Höhe der thierärztlichen Wissenschaft und Kunst kann nur derjenige stehen, der sich ununterbrochen und stetig während des practischen Lebens in beiden Richtungen fortbildet und vervollkommnet.
Die Fortbildung in Kunst und Wissenschaft*) kann auf verschie-
*) Die Vetei'iuärmedicin ist nicht nur eine Beobachtungsivisseuscliaft, sondern auch eine Erfahrungskniist. Wenn das Letztere auch vielfach angezweifelt worden ist, so wird man sich bei weiterem Nachdenken doch entsohliessen müssen, die Richtigkeit des ganzen Satzes anzuerkennen. Das Behandeln kranker Menschen und Thiere ist in der That eine Kunst. Es handelt sich dabei durchaus nicht nur
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1 52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
dene Art und Weise erfolgen, im Wissen vielfach durch literarische Studien, im Können nur theilweise durch Studien practischer Vor­schriften und dergleichen, wesentlich aber durch Uebuug.
Die Mittel, welche dem strebsamen Thierarzte zum Zwecke seiner weiteren Ausbildung und Fortbildung zur Verfügung stehen, sind:
1)nbsp; Das Lernen in der Praxis an gesunden, kranken und ge­storbenen Thieren vermittelst der Beobachtung, des Experimentirens, Operirens, Obducirens u. s. w.
2)nbsp; nbsp;Die mündliche Belehrung durch andere Thierarzte, Forscher und Laien.
3)nbsp; nbsp;Die literarische Belehrung durch das Studium der Arbeiten der alten und neuen Forscher und der praktischen Aerzte.
Ad 1. Das Lernen durch Uebung. Der Thierarzt muss in dem Streben, seine Pflicht vollauf zu erfüllen und jede Leistung so volllionunen als möglich zu machen, jeden einzelnen Fall, der ihm zur Beobachtung und Behandlung gelangt, eifrig zu seiner Belehrung benutzen. Er muss an jedem Patienten lernen, an jedem sich vervollkomninen. Jeder Irrthum, den er in seinem Handeln begeht, muss für ihn eine Quelle neuer Erkenntniss werden. Mit freiem, vorurtheilslosen Geiste prüfe er sein eigenes Handeln, forsche nach den Fehlern, die er beim Untersuchen, bei der Stellung der Prognose und Diagnose und bei der Behandlung gemacht hat. und suche sie Idinftig zu vermeiden. Dadurch erreicht er die Vervollkommnung, wird gewandt im Untersuchen, sicher im Diagnosticiren und Prognosticiren, ge­schickt und gliicMich im Behandeln.
Das theoretische Krankheitsbild, welches dem jungen Thierarzte vorschwebt, weicht oft wesentlich von dem zur Beobachtung gelangenden ab. Da muss derselbe lernen, die individuellen Mannigfaltigkeiten der einzelnen Falle derselben Grund­form klar aufzufassen. Das künstliche System der Pathologie sei ihm nur Mittel zum Zweck. Nach und nach muss er dasselbe abstreifen und die lebendigen Krankheitsbilder auffassen, gleichgültig, ob ihnen ein Name aus dem nosologischen System gegeben werden kann oder nicht. Dann lernt er auch die Fülle beurtheilen, die ihm neu und fremd erscheinen: dann wird er auch in solchen Fällen richtig und angemessen handeln.
Expcrimentiren. Bietet sich eine Gelegenheit zum Experimentiren, so darf man dieselbe niemals unbenutzt vorübergehen lassen. Der Thierarzt soll auch Forscher und Experimentator sein, letzteres natürlich nur insoweit, als damit keine Gefahren für Thiere und Menschen verbunden sind. Das Experimentiren an kranken, zur Behandlung übergebenen Thieren ist nur gestattet, wenn die bekannten Heil­mittel sich als unwirksam erweisen, oder wenn der Besitzer mit dem Experiment einverstanden ist, und wenn durch dasselbe dem kranken Thiere keine besonderen Schmerzen und Beschwerden erwachsen.
darum, die Heilmittel bei bestimmten Krankheiten nach feststehenden erlernten Regeln in bestimmter Art und Weise und in bestimmter Ordnung anzuwenden, sondern es ist uothwendig, die Behandlung der Individualität des Patienten, dem Entwickclungsgange der Krankheit, den äusseren Zufälligkeiten anzupassen und die Heilmittel auf besondere Weise zu handhaben. Oft bedingen es speoiellc Verhält­nisse , dass der Thierarzt im Drange des Augenblicks neue eigenartige Verfahren erfinden und in Anwendung bringen muss. Dazu bedarf es künstlerischer Be­fähigung.
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;153
Obductionen. Auch jede Gelegenheit, eine Obduction zu machen, muss mit Eifer ergriffen werden. Da darf man 'weder Opfer an Zeit noch an Geld scheuen. Jede Obduction ist eine reiche Erkenntnissquelle, wenn sie gut ausgeführt und der Befund genau aufgenommen wird. Den Befund vergleicht man mit dem beobach­teten Krankheitsbilde, oder man entwirft auf Grund des anatomischen Befundes ein künstliches Kranliheitsbild und vergleicht dieses mit dem wirklich beobachteten. Die Section liefert entweder eine Bestätigung der gestellten Diagnose, oder zeigt, dass eine falsche Diagnose gestellt wurde. In jedem Falle erwächst daraus für das quot;Wissen ein Gewinn. War die Diagnose falsch, dann suche man nach den Um­ständen, welche den Irrthum veranlassten, und oorrigire danach das eigene Wissen und Handeln.
Operiren. Nicht selten bietet sich dem Thierarzte Gelegenheit, sich im Operiren zu üben, sowohl an todten, wie an lobenden Thieren, z. ß. in Ab­deckereien. Pferdeschlächtereien und dergleichen. Derartige Gelegenheiten darf man nicht unbenutzt vorübergehen lassen.
Man verlangt von jedem Praktiker, dass er gewandt, mutliig und geschickt operire. Man kann aber nicht durch Studiren und Lernen von Regeln ein guter Operateur werden. Dies wird man nur durch üebung. Durch Uebung wird man Meister, durch Uebung bekommt man Vertrauen zu sich selbst und dadurch den zur Vornahme von Operationen nothwendigen Muth.
Tagebuch. Soll der Zweck, die Fortbildung in der Praxis und durch die Praxis vollauf erreicht werden, dann ist die Anlegung eines Tagebuches gebolen. in welches die Frucht des thieriirztlichen Wirkens niedergelegt wird. Nur auf diese Weise wird es möglich, die Vorkommnisse in der Praxis, die oft in rascher Folge einander ablösen . mit Ruhe und Besonnenheit zu überlegen und über die Art und Weise des eigenen Handelns ein begründetes Urtheil zu fällen.
In das Tagebuch soll in bestimmter Ordnung alles auf das tliierärztliehe Wirken Bezügliche eingetragen werden. Für jeden einzelnen Fall sind nach jedem Besuche die Untersuchungsresultate, die gestellte Prognose und Diagnose, die ein­geleitete Behandlung und dergleichen einzutragen. Auf diese Weise bietet sich Ge­legenheit zur Selbstcontrole durch Vergleich der Untersuchungsresultate der ersten und der späteren Untersuchung, durch Beobachtung des Verlaufs der Krank­heit, durch genaue Prüfung des eigenen Verfahrens, durch Aufdeckung der gemachten Irrthüraer u. s. w. Ein solches Tagebuch bietet aber auch noch den Vortheil, dass man über die einzelnen Patienten genau orientirt ist, d.-iss man weiss, was therapeutisch und diätetisch verordnet, welche Prognose gestellt wurden, s.w. Dadurch schützt man sich vor Widersprüchen in Worten und Handlungen. Das ist ein grosser Gewinn; denn nichts erschüttert das Vertrauen des Besitzers zum Thier-arzt so sehr, als derartige Widersprüche, die ihn glauben lassen, dass der Thier-arzt kein Interesse für den Patienten hat und aus Mangel an Orientirung leicht Fehler begehen kann. Bei Mangel eines Tagebuches kann es sich leicht ereignen, dass bei der Amvendung heroisch wirkender Mittel das Leben der Thiore in Gefahr kommt, weil der Thierarzt bei der zweiten Ordination die zuerst angewandte Dosis vergessen hat u. s. w.
Notatenblich. Dem vielbeschäftigten älteren Praktiker wird es nicht möglich sein, jeden einzelnen Fall ausführlich zu schildern. Er wird sich mit einem Notatenbuche. in welches die Verordnungen für die einzelnen Patienten und sonstige kurze Notizen eingetragen werden, begnügen und daneben nur die inter-
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154nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
essanteven Fälle genauer aufzeichnen. Diese Fälle wird er dann auch zu Publi­cation en in fachw issenschaftlichen Zeitschriften benutzen. Auch dies ist eine l'llicht der Thierärzte. Kur wenn sie dieser Pflicht nachkommen, kann die Thier-heilkunde in ihren praktischen Disciplinen wirksam gefördert werden.
Ad 2. Das Lernen durch mündliche Belehrung. Das Lernen von
Collegen. Der junge Thierarzt kann von dem älteren stets sehr Vieles, was auf die thierärztliche Kunst Bezug hat, lernen. Letzterer wird den Anfänger gern mit Rath und That unterstützen, ihn vor vielen Irrungen und Yerdriesslichkeiten be­wahren, wenn dieser sich bescheiden und vertrauensvoll an ihn wendet.
Der Thierarzt suche im Uebrigen Verkehr mit den Collegen in der Nachbar­schaft, er betheilige sich an thiorärztlichen Vereinen als Zuhörer und Vortragender. Der gegenseitige Austausch von Gedanken und Erfahrungen bietet für jeden einen Gewinn.
Lernen Von Laien. Nicht von Collegen allein aber kann man lernen, sondern auch aus Laienmundc kann man vielfache Belehrung bezüglich praktischer Kunst-grill'e, Anwendung von üausmilteln und dergleichen erreichen. Man verschmähe daher die Unterhaltung mit Laien über derartige Gegenstände nicht. Alte Schäfer, Hirten und Curpfnscher theilen uns oft werthvolle Erfahrungen mit.
Lernen Von Äerzten. Ganz besonders aber wird ein reger Verkehr mit Aerzten von Vorlheil für die fachliche Aus- und Fortbildung sein. Der mit Verstand begabte, gebildete Mediciner wird mit dem gebildeten Thierärzte gern verkehren. Er weiss recht gut, dass aus einem solchen Verkehr auch für ihn Be­lehrung erwächst. Insoweit es möglich ist, suche man ärztlichen Operationen beizuwohnen und eventuell Assistenz zu leisten. Der allein stehende Landarzt wird eine derartige Hülfe gern annehmen, und der Thierarzt lernt bei dem Assistiren Vieles, was ihm in der eigenen Praxis Nutzen bringt.
Besuch Von Lehranstalten. Bietet sich Gelegenheit, thierärztliche oder medicinische Lehranstalten oder Kliniken zu besuchen, so benutze man dieselbe. Man wird stets einiges Neue sehen, sei es rücksichtlich der Unter-suchungsmothoden oder der angewandten Heilmittel und Heilmethoden.
Ad 3. Literarische Studien. Wer ein würdiger Vertreter seines Faches sein, auf der Höhe der Wissenschaft stehen und sich wirksam fort- und ausbilden, wer den gerechten Anforderungen, die man an ihn stellen muss, genügen will, muss sich eines ununterbrochenen Studiums der thierärztlichen Lite­ratur belleissigen und ihre Erzeugnisse regelmässig lesen. Wie die Naturwissen­schaften alle, so schreitet auch die Veterinärwissenschaft von Tag zu Tag fort. Wras heute noch als wahr gilt, kann sich morgen in Folge eines neuen Forschungsresultats als falsch ergeben. Fortwährend werden in der Medicin, resp. der Thierheilkundo neue Untersuchungs-, neue Curmethoden, neue Heilmittel er­kannt, neue Naturheilwege entdeckt, neue physiologische, histologische und patho­logische Thatsaohen festgestellt. Von bekannten Mitteln werden neue Wirkungen bekannt; die Ansichten über die Krankheiten ändern sich, und damit werden die Indicationen für die Behandlung andere u. s. w.
Ueber die neuen Entdeckungen muss der Praktiker orientirt sein, wenn er seiner Pflicht Genüge leisten will. Was würde man heutzutage von einem älteren Praktiker sagen, dem die Entdeckungen der neuesten Zeit unbekannt geblieben wären, der z. B. die Carbol- und Salicylsäure, das Chloralhydrat, das Jodoform in der Praxis nicht gebrauchte, der weder die Lister'sche Wundbehandlung, noch
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Dio Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 155
das Thermometriren, noch die subcutane Arzneiapplication in Anwendung brächte? Man würde ihn zweifellos der Pflichtverletzung anklagen, und das mit Recht. Zu der Zeit aber, in der die älteren Tluerärzte studirten, waren die genannten Heil­mittel unbekannt, und wurden die genannten Methoden auf den Thierarzneischulen nicht geübt.
Excerptenbucll. Man lese mit der Feder in der Hand und excerpire das Gelesene. Das Excerptenbucll muss übersichtlich angelegt sein. In dasselbe ist nach kritischer Sichtung des Gelesenen nur das Wichtigere zu notiren. das Nebensächliche aber zu vernachlässigen.
Was SOU man lesen? Das Studium einiger periodisch erscheinender, Ori­ginalartikel enthaltender Journale ist unerliisslich für den Thierarzt. weil er nur dadurch rasch über die neuen Entdeckungen orientirt werden kann.
Aussei- dem Studium der gewöhnlichen Journale ist auch das von Contral-blättern oder Jahresberichten, dass heisst Zeitschriften, in denen die Ent­deckungen und Forschungsresultate aus allen sonstigen Journalen zusammengestellt werden, zu empfehlen. Neben diesem Studium muss man von Zeit zu Zeit eine Monographie oder ein grösseres Werk studiren. Es gehören zu den lesens-werthen Werken z. B. die Handbücher, welche über die Geschichte der Medic in resp. einzelne Abschnitte derselben handeln: ferner die Werke alter praktischer Schriftsteller, in denen man viele Anhaltspunkte und goldene Regeln für die Ausbildung in Takt und Kunst finden wird. Vor allem aber muss mau von Zeit zu Zeit neue. Alles in bestimmten Gebieten neu Erforschte zusammenfassende Werke studiren.
In der makroskopischen An atom i e sind die Fortschritte, welche gemacht werden, nicht so bedeutend, dass das Studium neuer anatomischer Werke für den Praktiker unbedingt nothwendig wäre. Es genügt, sich über die anatomischen Fortschritte durch Journallesen zu Orientiren. Da die Anatomie aber ungemein leicht vergessen wird und ihre Kenntniss von grosser praktischer Wichtigkeit ist, so muss der Thierarzt von Zeit zu Zeit die Lücken durch das Studium der in seinem Besitze befindlichen anatomischen Lehrbücher ausfüllen.
Im Gegensatz zur Anatomie schreitet die Physiologie, die Basis der Phy-siatrik sowohl, wie der Pathologie und Therapeutik fortwahrend vor, ebenso wie die Histologie, die Pathologie und Therapie, die Arzneimittellehre, die Diagnostik. Semiotik und pathologische Anatomie. In diesen Fächern kann man nur auf der Höhe bleiben, wenn man von Zeit zu Zeit die neuesten, diese Gebiete behandelnden Monographien oder Handbücher studirt. Auch den ätiolo­gischen Studien, die in neuester Zeil einen grossartigen Aufschwung nehmen, wende man seine volle Aufnierksamkeit zu. wie auch den Arbeiten über Epi zoo lien und Enzootien. Bei Bekanntwerden neuer Heilmittel, neuer Methoden u, s. w. ver­fahre man nach dem alten Spruche: Das Alte bewahrt mit Treue, freudig aufgefasst das Neue. Man hasche einerseits nicht nach neuen Mitteln und Me­thoden, man klebe aber andererseits auch nicht am Hergebrachten, prüfe Alles und behalte das Beste. Jedes neue Mittel, jede neue Methode wende man mit Vorsicht und Umsicht und ohne Vorurtheile an und setze dabei nicht die Thiere Gefahren aus. In Fällen, in denen man nach älterer Methode des heilsamen Erfolges sicher ist und das Probiren einer anderen Methode gefahrvoll erscheint, weil rasche Hülfe nothwendig ist. da bleibe man lieber der allen Methode treu.
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156nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
3. Das Verhalten des Thierarztes bei Ausübung der thierärztliclien
Praxis.
Die Objecte des thierärztlichen Handelns sind die den Menschen nutzbaren Hausthiere, und insbesondere die Krankheiten derselben und deren Ursachen. Die practische Wirksamkeit des Thierarztes erstreckt sich darauf, die Hausthiere möglichst vor dem Erkranken zu bewahren, die Erkrankten gesund zu machen oder die Krankheit zu lindern, oder das bedrohte Leben der Thiere zu retten. Will der Thierarzt diesen Aufgaben gerecht werden, dann müssen ihm alle einschlägigen Ver­hältnisse bekannt sein. Der Besitz der fachwissenschaftlichen Kennt­nisse und des thierärztlichen Könnens, wie es auf den Lehranstalten gelernt wird, genügt allein nicht, um ein tüchtiger Thierarzt zu sein. Dazu wird er erst durch den Besitz noch anderer Kenntnisse und der vorn genannten Eigenschaften.
a. Die Orientirung im Wirkungskreise.
Die erste Aufgabe, die an den jungen, in die Praxis eintretenden Thierarzt, der dem Thierbesitzer und dem Staate nützen und die eigene Existenz sichern will, herantritt, ist die, sich in seinem Wirkungskreise zu orienliren.
Er studire die Sitten und Gebräuche der Besitzer und lebe sich, soweit es nolhwendig ist. in dieselben ein: er suche die landwirthsohaftlichen. die Idima-tischen und geognostischen Verhältnisse der Gegend, in der er pralitizirt, kennen zu lernen; er orientire sich über die Besohairenheit des Bodens, der Ackerkrume, des Untergrundes, den Grundwasserstand, den Culturzustand der Aecker, die Lage und Beschaffenheit der Wiesen und Weiden, die Flora der Gegend, die Witterungs­verhältnisse derselben, den Futterbau, die Fruchtfolge, die innere Wirthschaft der Gehöfte, den Betrieb derselben und dergleichen.
Vor allem muss der Thierarzt unterrichtet sein über dieRacen- und son­stigen Eigenthümlichkeiten der in der Gegend gehaltenen Thiere, über die Art und Weise ihrer Haltung und Pflege, über die gebräuchliche Fütterungs­weise und die Fütterungszeiten, über die Stalleinrichtungen, die Ge­brauchsweisen der Hausthiere. über die Verhältnisse und die Eigen­schaften der Besitzer. Er muss wissen, ob und warum in seinem Wirkungs­kreise bestimmte Krankheiten häufiger auftreten oder sogar stationär sind, welchen Ursachen man das Vorkommen etwaiger Enzootien zuschreibt, und es muss ihm bekannt sein, in wie weit die Gebräuche der Besitzer und Wärter auf den Gesundheitszustand der Hausthiere influiren. Er erforscht diese Verhältnisse durch directes Studium der Natur, durch den Verkehr mit der Bevölke­rung, durch Betheiiigung an den landwirthsohaftlichen Vereinen und durch Lesen der localen landwirthsohaftlichen Journale und dergleichen.
Die gründliche Orientirung im Wirkungskreise nützt dem Thier-arzte: a. für die Erkenntniss der Krankheitsursachen und der
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;157
Mittel zu deren Bekämpfung, b. für die Stellung der Pro­gnose und Diagnose, c. für die Behandlung der Kranken und d. für die Leitung der Viehzucht.
Ad a. Aetiologie. Man muss den localen Typus der vorkommenden Krank­heiten und den Einfluss der localen und landwirthsohaftliohen Verhältnisse auf laquo;lie Entwickelung und den Verlauf derselben kennen. Dies ist ätiologisch hoch bedeutsam. Die Kenntniss der ursächlichen örtlichen Momente der stationär, resp. enzootisch und häufig vorkommenden Krankheiten befähigt den angesehenen und eintluss-reiohen Thierarzt, höchst segensreich prophylaktisch zu wirken. Durch mündliche und schriftliche Belehrung der Thier-und Landbesitzer, durch Berichterstattung an die Staatsbehörden legt er die erkannten Ursachen dar und zeigt die Wege, wie dieselben zu mindern oder ganz unschädlich zu machen sind. — Beispiele. In gewissen Theilen Deutschlands herrscht in einigen Gegenden die periodische Augen­entzündung der Pferde und verursacht den Thierbesitzern und dem Staate einen beträchtlichen Schaden. Die Ursache des Auftretens ist in localen Verhältnissen zu finden. In einigen Gegenden beschuldigten die Thierärzte den sumpfigen Weide­boden als die Geburtsstätte der die Krankheit erzeugenden noch unbekannten Ur­sache (Miasma). Auf Grund dieser Annahme wurden die betreffenden Verhältnisse durch Diainiren, Anwendung künstlichen Düngers und dergleichen geändert. Man erreichte damit einen geradezu grossartigen Erfolg. In Gegenden, in denen vorher 75 pCt. der Pferde an dem genannten Leiden erkrankten, sind jetzt nur noch 4 pCt. Opfer desselben.
Ad b. Diagnose. Weiss man, dass in einer Gegend eine bestimmte Krank­heit oft auftritt, so ist dies diagnostisch und prognostisch wichtig. Eine einfache Augenkrankheit erregt in einer Gegend, in der die periodische Augen­entzündung herrscht, immer den Verdacht, dass sie den Beginn dieses Leidens dar­stellt. Ein hohes Fieber eines Thieres in einem Orte, in dem der Milzbrand stationär ist, erweckt den Verdacht, dass das Thier an Anthrax erkrankt ist u. s. w.
Ad c. Therapie. Die localen Verhältnisse bedingen es nicht selten, dass die eine oder andere Behandlungsweise gar nicht, eine andere leicht ausführbar ist; man denke an Gegenden mit und an solche ohne Weideflächen, an Gegenden mit und ohne Weinbau und dergleichen. Man lernt aus den localen Verhältnissen „das für die Krankheit möglichst Zweckmässige mit dem fur den Besitzer Ausführ­barsten zu verbindenquot;. Wie oft kann nicht eine Krankheit gehoben oder auf den Weg der Besserung geführt werden durch eine einfache diätetische Maassregel, die wir nur in Folge der Kenntniss der speciellen Verhältnisse (des Stalles, der Futterungsweise etc.) anordnen können.
Ad d. Viehzucht. Durch eine gründliche Orientirung im Wirkungskreise lernt man auch den Einfluss der Gegend auf die Entwickelung der Thiere. auf den Racetypus erkennen und erlangt Klarheit darüber, welche Thierracen den localen Verhältnissen gegenüber die besten sind, welche Racen ihren Typus und ihre guten Eigenschaften behalten, welche entarten u. s. w. Auf Grund dieser Kenntniss kann man sehr nutzbringend auf die Viehzucht, die Einführung passender Raoenu.s.w. einwirken.
Das Vorstehende zeigt, dass die Orientirung im Wirkungskreise ein Haupterforderniss einer erfolgreichen praktischen Thätigkeit ist.
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b. Der Krankenstall.
Die thierärzÜiche Praxis verlangt das Vorhandensein eines Kranken­stalles.
Gründe. Nicht selten werden dem Thieraiv.to la-anke Thiere direct zur Be­handlung zugeführt, die oft eine sofortige Behandlung orfordern oder nicht ohne Nachthell zurücltzutransportiren sind, also ein Unterliommen bei dem Thierarzt finden müssen. Oft wünschen auch die Besitzer, dass die Thiere einige Tage unter den Augen des Thierarztes behufs Feststellung ihres Leidens oder behufs gründ­licher Behandlung verbleiben. Beim Constntiren von Gewährsfehlern ist die mehr-Uigige Beobachtung oft unbedingt nothwendig. Manche chronische und andere Krankheiten erfordern eine so regelmässige, exaote, aufmerksame Behandlung, dass dieselbe beim Besitzer nicht ausgeführt werden kann. Oft ist es nothwendig, dass ein Thier täglich thierärztlioh untersucht und behandelt wird, dem Thierarzt ist dies aber unmöglich, wenn der AVohnort des Besitzers sehr entlegen ist u. s. w.
Der Krankenstall muss sich in möglichster IS'ähe der Wohnung des Thierarztes befinden (womöglich in demselben Hause oder Gehöft), und es muss ein guter, zu­verlässiger Wärter für die kranken Thiere vorhanden sein. Die Krankenställe sind nach den allgemeinen diätetischen Regeln einzurichten. Es ist sehr vortheilhaft. wenn eine eigene Abtheilung oder ein besonderer Stall für Kolikkranke eingerichtet werden kann. In diesem ist llauplerforderniss ein weicher Fasshoden und viel Kaum.
c. Dispensation der Arzneien.
Das Halten einer Hausapotheke ist dem Thierarzt sehr zu empfehlen. Das Selbstdispensiren der Arzneien durch den Thierarzt ist sowohl für diesen, wie für den Thiorbesitzer von Vortheil.
Was die Einrichtung und den Betrieh der Hausapotheken anbelangt, so ist vor Allem anzurathen. nicht zu viel Mittel in denselben zu halten. Man kommt in der gewöhnlichen Praxis mit einer verhältnissmässig kleinen Anzahl von Mitteln aus. üio seltener anzuwendenden Mittel verschreibt man am besten aus den Apo­theken, weil das lange Liegen vielen Medicamenten nachtheilig ist.
Die Utensilien, welche zu einer Hausapotheke unbedingt gehören, und die theils zur Aufbewahrung, theils zur Bereitung der Arzneien dienen, sind folgende:
1)nbsp; Ein Receptirtisch, auf dem die Wagen, Reibschalen u. s. w. sich belinden.
2)nbsp; Eine Reihe von Schubladen, die unter der Platte des Receptirtisches in einem kastenartigen Räume angebracht sein und vom Boden bis zur Tischplatte reichen können. Sie dienen zur Aufbewahrung der Wurzeln und Kräuter und Samen. Oben befinden sich in einigen kleinen Schubladen: Korke, üüten, Scheren, Bindfaden, Papier und dergleichen. 3) Ein Repositorium (Fachgestell), das als Aufsatz auf dem hinteren Theile des Tisches stehen kann, und das am besten durch Thüren versehliessbar ist. 4) Ein Behälter für Gifte, der besonders verschliessbar ist und sich in dem Repositorium befinden kann. 5) Tiegel von Steingut für Salben, Bal­same, Harze etc. mit den nöthigon Aufschriften. 6) Pulverflaschen, cylindrischo Gläser mit weiter Oeffnung und Glasstöpsel. 7) Stöpselgläser mit enger Oeffnung und eingeriebenen Glasstöpseln für Flüssigkeiten. 8) Eine Tarirwage. 9) Mehrere Handwagen, eine, um bis zu 500 Gramm, eine, um bis zu 30 und eine, um bis zu 7 Gramm wiegen zu können. Dazu müssen natürlich die betreffenden geaichten
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Gewichte vorhanden sein. 10) Ein Araeometer, um das specifischc Gewicht der Flüssigkeiten aufnehmen zu können. 11) Mensuren für Flüssigkeiten. 12) [nfandir-büchsen. 13) Pfannen zum Kochen, zum Bereiten von Decocten und dergleichen. 14) Reibschalen. 15) Colatorien und Trichter. 16) Kleine Löffel von Horn, Holz etc., Spatel, halbcylindrischo Kapseln zum Dividiren der Pulver, Papierdüten, Mixtargläser, Korkstöpsel, Salbengefässe, Scheren. Bindfaden, Papier.
Die zum Aufbewahren der Arzneien dienenden Gcfiisse stelle man nach der Signatur in alpliabetisolier Reihenfolge auf. Die Gifte halte man sorgfältig ver­schlossen.
Ueber die naclistehend noch zu besprechenden drei Punkte: das Verhalten des Thierarztes dem Besitzer, dem Wärter und den Ooliegen gegenüber, hat sich Gerlach in seinem Werke sehr ausführlich aus­gesprochen und sei hiermit darauf verwiesen. Wir geben nachstehend die wesentlichsten seiner Aussprüche wörtlich wieder:
d. Das Verhalten des Thierarztes dem Besitzer gegenüber.
„Eine sehr schwierige Stellung hat der Thierarzt dem Publicum seiner Praxis gegenüber, mit den verschiedensten Standen, vom Aermsten bis zum Reichsten, vom robesten Knecht bis zu dem gebildetsten und hochgestelltesten Manne, von der Kuh-stallsraagd bis zur wohlgebildeten Hausfrau und weiter hinauf bis zur romanhaften, phantastischen, hysterischen Wohlthälerin ihres Sohosshündchens, die ihren Lieb­ling nur dem wohl geschniegelten und gebügelten, wohl parfümirten Arzte anver­traut, mit allen hat es der Thierarzt zu thun; allen Stufen von Rohheit, Bildung und Ueberbildung, von Ignoranz, Egoismus, Stolz, Klugschwätzerei und Recht­haberei, allen Arten von guten und schlechten Charakteren begegnet er auf seineu gewerblichen Wegen; überall soll und muss er sich zurecht linden. Allen soll er der rechte Mann sein, bei Allen soll er sich Vertrauen erwerben. Allgemeine Bildung, technische Durchbildung, Lebensklugheit und Gewandtheit muss der Thierarzt be­sitzen, wenn er sich mit Sicherheit zwischen den verschiedensten Individualitäten bewegen und seine Praxis mit Erfolg ausüben will.
„Bei dem Armen wie bei dem Reichen müssen wir gleich dienst­fertig sein. Allen, ohne Ansehen der Person, muss unsere Hülfe gleich bereit sein. Gegen höher stehende Personen nicht kriechend, und gegen niedriger stehende nicht stolz und abstossend auftreten. Vorsicht und Behutsamkeit im Reden überall, besonders aber da, wo wir fremd sind und weder die Verhältnisse noch die Persönlichkeiten näher kennen.
„Die Verschwiegenheit ist dem Thierarzte zwar nicht gesetzlich auferlegt, wie dem Menschenarzte in manchen Beziehungen, nichtsdestoweniger aber muss er sie auch beobachten. Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, dass im Allgemeinen niemand kranke Thiere haben will, namentlich sehen es gewöhnlich die Landwirthe nicht gern, dass das Kranksein ihrer Thiere überall bekannt werde, und nicht selten liegt dies auch wohl in ihrem Interesse.
„Ein unerschütterliches Rechtsgofühl bewahren und erkennen lassen, wenn man Dinge von uns fordert, welche damit nicht verträglich sind. Gar nicht selten wird dem Besitzer von dem Thierarzte angernthen. dieses oder
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jenes Thier zu verliaufen, weil es einen verborgenen Fehler, eine vorherrschende Anlage zu gewissen Krankheiten besitzt etc., und dies geschieht lediglich in wohi-melnender Absicht und zum Vortheil des Besitzers. In allen solchen Fallen aber, wo das Abwenden eines befürchteten Nachtheils mit der Uebertragung auf den neuen Besitzer verbunden ist, da ist ein solcher Rath ein Anrathen, eine Aufforde­rung zum Betrüge, lliervor muss der Thierarzt sich um so mehr hüten, als im Thierhandel die Rechtlichkeit ohnehin schon auf sehr schwachen Füssen steht, und die Gewissen weite Grenzen haben. Wenn hingegen ein Thier gewissen Anforde­rungen nicht für die Dauer entspricht, wo nur bei einem bestimmten Gebrauche Xachtheile zu erwarten sind, während es unter anderen Verhältnissen und zu an­deren Diensten noch recht brauchbar ist und keine Nachiheile befürchten lässt, oder wenn es der Schlachtbank überliefert weiden kann, da können wir, ja da müssen wir unter gründlicher Auseinandersetzung des Sachverhältnisses den Ver­kauf zu einem bestimmten Zwecke anrathen. Hier nützen wir dem gegenwärtigen Besitzer und schaden nicht dem zukünftigen.
„Ein reges Interesse für die Patienten haben, und nicht theil-nahmlos bei etwaigen Verlusten sein. Wo wir auch hinkommen und wie ermüdet wir auch sein mögen, so müssen wir doch die Patienten erst untersuchen und weiter besorgen, ehe wir an unsere Erholung denken.
„Der Thierarzt darf keine Unsicherheit im Erkennen und Bourtheilen, keine ünentschlossenheit im Handeln zeigen, alles, was er spricht und thut. muss auf den Laien den Eindruck machen, dass er über den Gegenstand voll­kommen im Klaren ist.
„Auf drei Cardinalfragen muss der Thierarzt immer gefasst sein, und wer diese immer mit dem rechten Tacte zu beantworten weiss, dessen Ruf ist begründet:
„1) „Was fehlt dem ThiereSquot; ist gewöhnlich die erste Frage des Besitzers oder anderer Personen, die sich für den Patienten interessiren. In Beantwortung dieser Frage wird nur zu oft der rechte Weg verfehlt, und zwar in entgegengesetzten Richtungen. Einmal spricht der Thierarzt zu wenig, beantwortet die Frage mit lakonischer Kürze oder gar nicht, er beobachtet ein gar zu gelehrtes Schweigen und hüllt sein ganzes Wissen und Können in einen gewissen Nimbus, anderentheils ist er wieder zu redselig, spricht über die Krankheit viel mehr, als der Besitzer wissen will.
..Vor allen Dingen sei man nicht so voreilig mit der Beantwortung dieser Frage; erst wenn man die Untersuchung vollständig beendet, alle ursächlichen Mo­mente möglichst ermittelt, die Entstehungsweise gehörig beachtet, und sich so ein klares Bild von der Krankheit geschaffen hat, erst dann bezeichnet man dem Eigen-thümer, oder wer sonst die Frage gethan hat, die Krankheit kurz und verständlich, wobei alle Kunstausdrücke zu vermeiden sind. Es handelt sich hier nicht um eine streng wissenschaftliche, sondern um eine populäre Bezeichnung. Kann dies nicht durch einen bekannten Krankheitsnamen geschehen, so nennt man ganz einfach den leidenden Körpertheil. Niemals müssen wir aber daran einen gelehrten Vortrag über die Krankheit knüpfen und Ausdrücke gebrauchen, die der Besitzer nicht versteht.
„2) „Ist die Krankheit gefährlich, ist sie heilbar, langwierig etc.2quot; sind die weiteren, an den Thierarzt gerichteten Fragen. Ein wichtiger, aber auch zugleich ein schwieriger Theil in der Praxis ist die sachgemässe Beantwortung
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dieser, die ganze Prognose umfassenden Fragen, wodurch der Tlüerarzt eben sowohl sich einen Ruf erworben, als alles Vertrauen untergraben kann.
..Die Prognose erstreckt sich auf die Heilbarkeit, auf die Dauer, auf die Ausgänge der Krankheit, auf etwaige Folgeleiden, und auf die Brauch­barkeit des Thieros zu gewissen Zwecken nach der Krankheit.
„Es versteht sich wohl von selbst, dass wir die Prognose erst dann stellen dürfen, wenn wir sie möglichst genau stellen können, das heisst. wenn wir die Krankheit so gut als möglich erkannt, den Charakter, die herrschende Krankheits-Constitution, den Sitz, die Ausbreitung, das Stadium und die Dauer derselben, die Individualität des Patienten, die Ursachen, und die ökonomischen Verhältnisse, unter denen das Thier lebt und behandelt werden muss, sowie auch den ökonomi­schen Lebenszweck des Thieres gebührend beachtet haben. Es ist daher eine ganz falsche Ansicht, wenn man glaubt, schon bei dem ersten Besuche eine bestimmte Prognose stellen zu müssen; wir können sie aufschieben bis nach weiterer Beob­achtung, ohne uns dadurch im Geringsten eine Blösse zu geben, wir müssen sie sogar aufschieben in allen Fällen, wo wir die Krankheit noch nicht in ihrem ganzen Umfange erkannt haben, wo ein gegenwärtiger Krankheitszustand an sich vielleicht unerheblich, aber möglicherweise nur der Vorbote oder das Entwickelungsstadium einer schweren Krankheit ist, namentlich wenn gefahrvolle Krankheiten gerade epi-zootisch herrschen, die unter den mannichfaltigsten Vorläufern auftreten. — Eine präcise Antwort gefällt immer, und wo wir sie geben können bei der Prognose, da müssen wir nicht unnützerweise das „Wennquot; und das „Aberquot; anhängen. Wir sind jedoch nicht verpflichtet, immer eine entschiedene Prognose zustellen, bei schweren Krankheiten ist dies kein Arzt im Stande, es ist in solchen Fällen eben so schwer, eine günstige, als es gefährlich ist, eine ungünstige Prognose zu stellen; neu hinzutretende Ereignisse, verborgene Affectionen, die bei aller Gründ­lichkeit nicht erkannt werden etc., können der Krankheit eine unvermuthete Wen­dung geben: wir können und müssen hier einerseits die Gefahr, andererseits aber die Möglichkeit zur Genesung, wir können sogar die grösste Wahrscheinlichkeit für das Eine oder das Andere aussprechen und das Eine oder das Andere abhängig machen von Dingen, die ausser unserem Bereiche liegen.
„Eine entschiedene Prognose über Unheilbarkeit muss immer mit der grössten Vorsicht ausgesprochen werden; dies kann immer nur dann geschehen, wenn unsere Diagnose eine absolute Gewissheit hat. Nie dürfen wir vergessen, dass wir die Grenzen der Naturheilkraft nicht so genau kennen, und eine Heilung eintreten kann, wo wir nicht mehr daran gedacht haben, und immer müssen wir daran denken, dass der Besitzer nur gar zu sehr geneigt ist, sein Heil selbst oder mit anderen Thieriirzten und am häufigsten aber mit den Wunderdootoren, das heisst mit den veritablen Pfuschern, zu versuchen, ehe er sein krankes Thier tödtet oder ohne Behandlung oder in der Behandlung desjenigen lässt, der es schon ganz auf­gegeben hat, und wenn dann der Zufall mal ein Wiedergenesen eintreten lässt. so ist dies immer ein sehr unangenehmes und dem Rufe nachtheiliges Ereigniss. Es ist daher unter solchen Umständen, wo die Unheilbarkeit nicht mit Entschiedenheit auf der Hand liegt, oder empirisch schon längst festgestellt ist, stets gerathen, neben der schwächsten Hoffnung immer noch die Möglichkeit einer Genesung fortbestehen zu lassen.
„Vorrede hat keine Nachrede. Ein wohl zu beherzigendes Sprüchwort, dessen man namentlich eingedenk sein muss:
EllenbergeT. Allgemehic Tlicrapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;t.
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a.nbsp; bei langwierigen Curen, die nur mit Vorwissen des Besitzers unternommen werden dürfen, damit die Geduld desselben nicht früher ausgeht, als bis das Ziel erreicht ist:
b.nbsp; bei Operationen, die mit Gefahr verbunden sind, und
c.nbsp; bei Anwendung solcher Mittel, die Narben und sonstige sichtbare Spuren zurüclilassen.
„Bei den redlichsten Absichten, bei unermüdlicher Thätigkeit und bei dem sachgeniiissesten Verfahren treffen uns nur zu leicht bittere Vorwürfe, wenn wir uns nicht durch eine Vorrede, die auf Alles hingewiesen und den Besitzer von allen bestimmten, wahrscheinlichen und möglichon Folgen unterrichtet hat. verschanzt haben. Wird uns zugemuthet, eine Operation für ein höheres Soslrum auf eigenes Risico zu unternehmen, so müssen wir dies immer zurückweisen, selbst bei geringem Risico, und bemerldich machen, dass wir unsere Kunst und Vorsicht nicht nach dem Lohne abmessen und auch ohne ei gen es Risico im vollen Maasse ausüben, dass es aber trotz aller Kunstfertigkeit und Vorsicht dennoch nicht in unserer Macht liegt, diese oder jene Gefahren immer abzuwenden.
,.ö) Endlich ist die dritte Frage, welche der Besitzer alsbald an den Thierarzt richtet; „Wodurch ist die Krankheit entstanden!'' Oft können wir und oft dürfen wir hier auch nicht nähere Auskunft geben. Stets muss man in Beantwortung dieser Frage sehr zart und vorsichtig zu Werke gehen, einmal um nicht ganz zwecklos eine geringe Schuld einzelner Personen aufzudecken, und andercntheils, um nicht irrthümlicher Weise jemandem die Schuld aufzubürden, der ganz un­schuldig Ist. Uebelstiiudo, die in wirthschaftlichen Verhältnissen, In der Fütterung, in der Weide, dem Gebrauche etc. begründet sind, müssen wir mit ihren Folgen aufdecken, nicht allein wegen ursachlicher Bezeichnung für den vorliegenden Krankheitsfall, sondern auch behufs Verhütung weiterer üblen Folgen. Mit Recht kann uns der Elgenthümer Vorwürfe machen, wenn wiederholt Krankheiten und Verluste durch dieselbe Ursache herbeigeführt werden, die wir schon beim ersten Falle erkennen konnten und mussten. wenn wir gründlicher zu Werke gegangen wären, und welche sehr wohl zu verhüten waren, wenn wir sie dem Besitzer nur zur Kenntniss gebracht hätten.
. Consultatioiieil. Wünscht der Besitzer noch einen Sachverständigen zu Rathe zu ziehen, so dürfen wir darin kein mangelliaftes Vertrauen finden und uns beleidigt fühlen, wir müssen im Gegenthcil willig darauf eingehen und ihm freie Wahl lassen, wenn er nicht ausdrücklich unsere Vorschläge verlangt. Unter Um­ständen ist es selbst gerathen, die Consultation mit einem Collegen vorzuschlagen, namentlich wenn ein sehr werthvolles Thier bedenklich krank, ein unglücklicher Ausgang sehr wahrscheinlich ist, und wenn wir den Wunsch des Besitzers ahnen. Mit Pfuschern dürfen wir aber nie consnliren; wird es uns zugemuthet, so weisen wir es in ruhiger Sprache zurück und erklären unverhohlen unser Zurücktreten, falls man darauf beharren würde. Ebensowenig dürfen wir es uns gefallen lassen, wenn hinter unserem Rücken Pfuscher oder auch Collegen zu Käthe gezogen und andere .Mittel angewendet werden.
.Sehr oft haben die Besitzer bezüglich der Behandlung besondere Wünsche, die'wir berücksichtigen können und müssen, wo es unbeschadet der Sache geschehen, kann. Im anderen Falle aber dürfen wir unsere Einwendungen nicht zurückhalten. Nie müssen wir uns aber durch Wünsche und noch weniger durch Anforderungen bestimmen lassen, gegen unsere Ueberzeugung zu handeln.quot;
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e. Coilegialisches Benehmen.
,. Ein zartes Verhiiltniss ist das collegialisclio —. das wir bogen und pflegen müssen, um uns das ohnehin so mühsame und von manchem Undank begleitete Oeschäftsleben nicht noch mehr zu verbittern und um unseren Stand nicht noch tiefer in den Augen des Publicums zu stellen.
,,Bei bereits von einem Collegen behandelten Patienten muss man sich ohne dringende Indicationen nie eine Aendorung in der Behandlung hinter dem Rücken erlauben, vielmehr stets darauf dringen, dass der behandelnde College mit zugegen ist. Erklärt hingegen der Besitzer, dass er seinen bisherigen Thierarzt nicht ferner behalten wolle oder könne, so ist kein Grund vorhanden, die selbstständige Be­handlung abzulehnen. Unter solchen Umständen haben wir gewöhnlich viel Uebeles von unserem Vorgänger zu hören, der den Patienten vernachlässigt, falsch be­handelt und wer weiss was Alles verbrochen haben soll. In solchen Momenten seinen Collegen in Schutz zu nehmen und ihn gegen alle Beschuldigungen möglichst zu vertheidigen, das gebietet die Pflicht, und dadurch bethätigt sich die wahrhaft collegialisohe Gesinnung.
„In den Zusammenkünften bei kranken Thieren müssen die Sachverständigen ihre Stellungen klar erkennen, ihre Pflichten beobachten, gegenseitige Rücksichten nicht aus den Augen verlieren und sich freundlich entgegenkommen. Der Ordina­rius muss mit collegialischer Zuvorkommenheit den vorliegenden Fall vollständig vortragen, den Verlauf der Krankheit bis zum gegenwärtigen Augenblicke ver­folgen, auf die ursächlichen Momente aufmerksam machen, seine Ansicht und die eingeschlagene Behandlung offen darlegen und die eingetretenen Arzneiwirkungen mittheilen. Der Consulent verfolgt den Bericht und orientirt sich durch etwa er­forderliche Fragen an seinen Collegen vollständig. Auf eine würdige Weise be-rathen Beide, Jeder giebt die Gründe seiner Ansicht an. ohne eine grössere Autorität für sich in Anspruch zu nehmen. Beide müssen bei der Be-rathung neben einander und nicht über einand er stehen wollen. So nur kann eine Einigung stattlinden, wie sie dem thierärztlichen Stande Ehre macht, dem Patienten zum Heile und dem Besitzer zum Vortheile gereicht. Findet der Consulent die bisherige Behandlung nicht für richtig, so muss er seinen ordiniren-den Collegen auf eine möglichst schonende Weise davon zu überzeugen suchen, und vor allen Dingen einen begangenen Fehler den Besitzer nicht erkennen lassen, im Gegentheil muss der Besitzer von dem Consulenten die Ueberzeugung gewinnen, dass sein Patient bisher in guten Händen gewesen ist.
„Kommt der Thierarzt in die unangenehme Lage, die Handlungsweise seines Collegen in technischer Hinsicht zu beurtheilen und zu begutachten, so ist es die strengste Pflicht, denselben gegen Anschuidigungen zu vertheidigen, die nicht be­gründet sind, es verlangt aber auch die collegialische Billigkeitsnicksicht, in den schuldigen Fällen alle Dinge zum Besten zu kehren, und nicht etwa auch noch einen Stein auf den beschuldigten Collegen zu werfen, eine gütliche Ausgleichung zu ver­mitteln und jeden Process zu verhüten zu suchen. Immer müssen wir eingedenk sein, dass unsere Kunst noch sehr unvollkommen ist und deshalb auch die Kunst­jünger nicht vollkommen sein können.quot;
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f. Verhalten gegen das Dienstpersonal.
„Der Thievarzt hat es nicht allein mit den Eigentluimom selbst, sondern auch mit dessen Dienstpersonal, mit den Pflegern der gesunden und kranken Hausthiere zu thun. und unter diesen begegnet er groben, unbeholfenen Knechten, aufgeblahe-ten. superklugen Kutschern, Hirten, die in ihren althergebrachten, absurden und abergläubischen Ansichten verknöchert und deshalb jeder Belehrung unzugänglich sind etc.: mit Allen muss man umzugehen und bei Allen sich Zuneigung zu erwer­ben wissen, um sich die Ermittelung der Ursachen zu erleichtern und eine pünkt­lichere Ausführung der Anordnung zu sichern.
..Stets müssen wir diesen Leuten freundlich begegnen, wir müssen uns auch manchmal mit ihnen unterhalten, namentlich über die ihnen anvertrauten Thiere, von denen sie gewöhnlich sehr gern erzählen und wobei man mitunter Ansichten hört, aus denen wir manche Lehren für die thierärztliche Praxis ziehen und die selbst den Impuls zu einer Ausbeute für die Wissenschaft geben können. So ist es namentlich sehr empfehlungswcrth, sich bei der Landpraxis uuterweges mit den Hirten über ihre Heerden, die Weiden und die am häufigsten vorkommenden Krank­heiten zu unterhalten. Die anmassenden Kutscher muss man Jedoch bei aller freund­lichen Behandlung immer in einer gewissen Ferne zu haken wissen.
,.Die Dienstleuto sind an dem Ausbruche einer Krankheit bei den ihnen an­vertrauten Tbieren entweder unschuldig oder schuldig, und zwar schuldig durch ein geringes oder grobes Versehen oder selbst aus Böswilligkeit. Sind sie schuldig durch ein massiges Versehen, so müssen wir sie in Schutz nehmen, ihnen selbst aber muss zu verstehen gegeben werden, wie wir ihre Schuld sehr wohl erkannt und wie sie sich vor ähnlichen Versehen oder Missbräuchen zu hüten haben; dies ist nothwendig, um im Falle der unbewussten Schuld zu belehren, künftigen der­artigen Vorkommenheilen vorzubeugen, und um im Falle der bewussten Schuld zu warnen und nicht den Schein zu geben, als hätten wir das wahre Pactum nicht erkannt und uns ein X für ein ü machen lassen, dessen sie sich dann späterhin rühmen.
.Sind die betreffendenDiensileute schuldig aus Kohheit, grosser Fahrlässigkeit oder wohl gar aus Böswilligkeit, so müssen natürlich alle Rücksichten den Pflichten weichen, die wir gegen die Besitzer haben.
. „Sind die Wärter etc. aber unschuldig, so darf ihnen auch nicht das Geringste zur Last gelegt werden; ist die Sache zweifelhaft, so muss stets das allgemein hu­mane Princip festgehalten werden, wonacli lieber die Schuld zweimal zu ignoriren ist. als einmal ungerecht zu beschuldigen. Gegen jede nicht begründete Beschul­digung, woher sie auch kommen möge, von den Besitzern oder anderen Personen, müssen wir den Angeklagten vertheidigen und keinen Anstand nehmen, die Schuld auf den Besitzer zu wälzen, wenn es der Wahrheit gemäss ist.
-Alles, was der Wärter bei dem Patienten und in Rücksicht der eingeleiteten Behandlung zu beobachten hat, müssen wir demselben kurz und verständlich vor­schreiben und ihn zugleich auf die möglichen Folgen einer Vernachlässigung hin­weisen. Die bei unsern wiederholten Besuchen gefundene gewissenhafte und prompte Ausführung unserer Anordnungen können wir nicht besser, als durch rühmliche Anerkennung belohnen; wir spornen dadurch zugleich am sichersten zu einer unermüdlichen Ausdauer in der Pflichterfüllung an, während umgekehrt eine Gleichgültigkeit gegen die sorgfältige Abwartung nur zu bald Fahrlässigkeit zur
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Die Kunsthälfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;165
Folge hat. Auch bei diesen Leuton und bei ihnen gerade am allermeisten bedarf es eines Sporns zur unermüdlichen Thätigkeit und Pflichterfüllung. Materielle Be­lohnung kann man gewöhnlich nicht bieten, das Ehrgefühl muss deshalb in An­spruch genommen werden und gerade hierdurch wird der Zweck am vollkommen­sten erreicht.
„Finden wir aber den Patienten vernachlässigt und unsere Anordnungen nicht pünktlich ausgeführt, so können wir uns bei dem ersten Male wohl auf einen Ver­weis und eine Mahnung unter vier Augen beschränken, müssen aber in wieder­holten Fällen diese Fahrlässigkeit aufdecken und den Besitzer ohne Rückhalt davon in Kenntniss setzen; das sind wir, dem Patienten gegenüber,verpHichtct und ausser-dem uns selbst schuldig; denn der ungünstige Erfolg kommt immer auf unsere eigene Rechnung.
„Eigenmächtige Eingriffe in unsere Anordnungen, wie es bei klugen Kut­schern, besonders aber bei den Alles besser wissenden Schäfern mitunter vorkommt, dürfen wir nicht dulden; hier helfen keine gütlichen Ermahnungen, weil diese Leute dadurch nichts Unrechtes, im Gegentheil etwas Gutes zu thun glauben; in solchen Fällen müssen wir den Eigenthümern oder Aufsehern Mittheilungen machen und uns gegen alle etwaigen Folgen verwahren. Kurz zusammengefasst, muss unser Benehmen gegen die Dienstboten so sein, dass sie Vertrauen und Anhäng­lichkeit bekommen, dass sie wissen, wie wir sie in Schutz nehmen, wenn sie es verdienen, wie wir ihre Pflichterfüllung ebenso dankend anerkennen, als wir bei Fahrlässigkeit in Ausführung unserer Anordnungen mit rücksichtsloser Strenge verfahren.quot;
B. Die Vorbauung. *) Prophylaxis. Präservativcur.
Praecautio.
1. Die Yorbauung im weiteren Sinne.
Begriff und Zweck. Der thierischo Organismus isi /war ununter­brochen bestrebt, sich durch zweckentsprechende, die Gesundheit er­haltende Maassnahmen gegen äussere Schädlichkeiten, resp. gegen das Erkranken zu schützen, er vermag aber oft diesen Zweck ohne Kunst-liülfe nicht zu erreichen. Die Kunsthülfe, welche in solchen Fällen in Anwendung gebracht wird, stellt die Präservativcur dar.
Der generelle Zweck der Prophylaxis ist die Gesunderhaltung der Thiere. Diesen Zweck kann man auf verschiedenen Wegen er­reichen und zwar:
*) in diesem Capitel sollen nur die allgemeinsten prophylaktischen Grundsätze behufs vorläufiger Orientirung besprochen werden. In dem Abschnitt ..Causalc und prophylaktische Methodenquot; wird das Speciellere zur Abhandlung gelangen.
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166nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsiliiilfe.
1)nbsp; Dadurch, dass man die Thiere solchen Einflüssen aussetzt, welche erfahrungsgemäss gesundheitserhaltend wirken, die Selbstschutzkraft des Organismus und die Resistenzfähig­keit der Organe und Gewebe erhöhen (gute Ernährung, gute, frische Luft, rationeller Wechsel zwischen Ruhe und Thätigkeit, öfteres Rei­nigen und Reiben der Haut und dergleichen).
2)nbsp; Dadurch, dass man den thierischen Organismus vor der Einwirkung von Schädlichkeiten (Krankheitsursachen) möglichst schützt, und zwar:
a.nbsp; nbsp;Durch directe Vernichtung und Zerstörung der Krank­heitsursachen, bevor sie ihre Einwirkung auf den Organismus ent­falten können (z. B. die Vernichtung von Parasiten, Giften, Contagien und dergleichen).
b.nbsp; Durch A bhaltung der Krankheitsursachen von der Ein­wirkung auf die Thiere, durch Verhinderung der Berührung beider (Verbieten des Wcidens an Stellen, wo Miasmen und andere Krankheits­erreger vermuthet werden. Einhalten der Thiere in den Ställen bei nach­theiligen Witterungsverhältnissen. Absperrung verseuchter Thiere und Gehöfte und dergleichen).
3)nbsp; Dadurch, dass man dafür sorgt, dass die einwirkende Krankheitsursache einen möglichst geringen oder gar keinen Schaden herbeiführt. Diese Methode gelangt in Anwendung, wenn sowohl die Vernichtung, als die Abhaltung der Krankheitsursachen unmöglich ist. Sie wird ausgeführt:
a.nbsp; Durch Einwirkung auf die Krankheitsursachen.
In dieser Beziehung ist die Aufgabe, die Schädlichkeiten zu mildern, z. B. sie zu verdünnen. In Riiumen mit nachiheiligen Gasen, welche die Thiere athnien. muss durch möglichste Zufuhr guter Luft eine derartige Verdünnung der schädlichen Gase zu erreichen versucht werden, dass die nachtheilige Einwirkung derselben ganz aufgehoben oder gemildert wird. Ebenso ist z. B. nachtheiliges Futter, welches aus ökonomischen Gründen den Thieren verabreicht werden muss, mil gutem Futter zu mischen, damit es weniger schädlich wird, u. s. w.
b.nbsp; nbsp;Durch Einwirkung auf das gefährdete Individuum.
Hierher gehört z. B. die allmälige Gewöhnung der Thiere an die Schädlich­keiten, durch Abhärtung, durch Hebung der Organe, durch Auflegen von Decken und dergleichen. Man erreicht dadurch, dass die Schädlichkeiten weniger nachtheilig wirken, als es ohne dies geschehen wäre.
Das höchste dem Thierarzte vorschwebende Ziel ist, den thierischen Organismus in einen derartigen Zustand zu versetzen, in welchem ihm die Einwirkung der betreffenden Krankheitsursache gar nichts schadet. Dieses Ziel kann nur in seltenen Fällen erreicht werden; so kann z. B. durch künstliche Einimpfung gewisser Krankheitserreger der thierische Organismus
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immun gegen die auf natürlichem 'Wege ihm zngeführten ähnlichen oder gleichen Kranliheitskeime gemacht werden: so kann durch methodische Angewöhnung des Organismus an Wärme und Kälte erzielt werden, dass derselbe schadlos Kälte-und Wärmegrade erträgt, die auf einen nicht gewöhnten Organismus Tod bringend oder Krankheiten erzeugend einwirken würden.
Gebiet der Prophylaxis. Das Gebiet des künstlichen Schutzes der Thiere gegen das Erkranken ist ein sehr grosses und umfasst die rationelle Viehzucht, die Diätetik, die ganze Hygiene, den Huf­beschlag u.s.w. Es kann nicht die Aufgabe eines Lehrbuches der Therapie sein, die Vorbauung in diesem weiten Sinne zu besprechen. In dieser Rücksicht rauss auf die Lehrbücher der Hygiene und ganz besonders auf das wahrhaft ausgezeichnete Werk der Gesundheitspflege der Hausthiere von Damm an n verwiesen werden.
2. Die Torbaunug im engeren Sinne.
Begriff. Unter Praservativcur im engeren Sinne (schützendes, vor­bauendes, thierärztliches Verfahren, Vorbauung, Prophylaxis), von der allein'in einem therapeutischen Lehrbuche die Rede sein kann, versteht man die Gesammtheit aller der Mittel und Methoden, durch welche auf dem Wege der Kunsthülfe das Zustandekommen solcher krank­haften Processe zu verhüten gesucht wird, deren Eintritt mit Wahrscheinlichkeit als bevorstehend anzusehen ist.
Indication. Der Grund, die Indicatio, zur Anwendung der Vorbauung im engeren Sinne ist in der Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Krankheit, in dem Vorhandensein einer mehr oder weniger nahe bevorstehenden Gefahr gegeben.
Der Indicationszweck der Präservativcur ist demnach die Vermeidung der Verwirklichung der erwähnten Wahrscheinlichkeit, und die liul ica tions-objeete sind also nicht alle möglichen Krankheitsursachen — das ist Gegenstand der Gesundheitspflege —. sondern ganz bestimmte, Krankheit erregende Momente. Die zu schützenden Thiere sollen nicht vor allen möglichen, ihnen drohenden Gefahren, sondern nur vor einer ganz bestimmten Gefahr geschützt, sie sollen vor einer ganz bestimmten Krankheit, deren Eintritt mit Grund befürchtet wird, bewahrt bleiben.
Die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung eines Thieres an einer bestimmten Krankheit kann in verschiedenen Umständen ge­geben sein.
Beispiele. Bei einem Thier, das aus einer Familie stammi, in der eine erb­liche Krankheit erfahrnngsgemäss grosse Verheerungen anrichtet, ist es wahr­scheinlich, dass dasselbe ebenfalls von dieser Krankheit befallen werden wird.
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Ebenso droht der Eintritt einer bestimmten Erkrankung hei einem Thiere, welches neben einem solchen Thiere im Stalle steht, das an einer anstecken­den Krankheit leidet, oder das auf irgend eine Weise mit einem derartig kranken Thiere in Berührung kommt. Es ist ferner mit Wahrscheinlichkeit der Eintritt einer Erkrankung bei Thieren anzunehmen, welche in eine Gegend kommen, in der gewisse Krankheiten stationär sind (Mondblindheit, Milzbrand), ebenso bei Thieren, welche auf Weiden getrieben werden, wo Cadaver von an Milz­brand gestorbenen Thieren beerdigt wurden. So weiss man auch, dass bei Thieren. die mit bestimmten Fehlern geboren wurden, oder solche erwarben, gewisse Krankheiten leicht auftreten. Es ist ferner das Erkranken der gesunden Thiere zu erwarten, wenn in derselben Gegend eine ansteckende Seuche aus­bricht, oder wenn eine Panzootie, welche einen bestimmten Seuchengang, z. B. von Ost nach West macht, in einer anderen Gegend auftritt und gegen die fragliche Gegend vorschreitet, oder wenn ansteckende Krankheiten in Nachbarorten häufig vorkommen, oder wenn beim Herrschen einer bestimmten Krankheit an bis dahin gesunden Thieren gewisse Vorboten (Mattigkeit, Appetitlosigkeit und dergleichen) auftreten.
In allen diesen und anderen Fällen, die vom tüchtigen Thierarzt leicht erkannt werden, liegt die Indicatio prophylactica, das ist, ein hinreichender Grund zur Anwendung des vorbauenden Verfahrens vor.
Ausführbarkeit. Der ideale Zweck der Prophylaxis ist vollständiger Schutz vor der drohenden Krankheit (complete Vorbauung). Oft ist dieser Zweck aber nicht zu erreichen. Dann muss man sich mit einer relativen Vorbauung, mit einer Minderung und Verringerung des unvermeidlichen Uebels begnügen.
Mittel. Die Mittel und Wege der Präservativcur sind verschieden. In der Kenntniss der Art und Weise, der Mittel und Wege der natürlichen Vorbauung sind die Fingerzeige dafür ge­geben, wie die künstliche Vorbauung zu geschehen hat.
Ein Beispiel wird die Richtigkeit dieses Satzes beweisen. Auf dem Wege der Beobachtung stellte man fest, dass Thiere. w-elche eine bestimmte Krankheit über­standen hatten, gegen die speeifischen Erreger dieses Leidens einige Zeit unem­pfänglich (immun) waren. Mit dieser Beobachtung hatte man eine natürliche Vorbauung festgestellt, die durch das einmalige Ueberstehen der betreffenden Krankheit zu Stande kam. Man musste annehmen, dass die Thiere durch das Ueberstehen der einen Erkrankung unempfänglich für das be­treffende Contagium würden, dass z. B. dadurch derartige Aenderungen in der Organisation zu Stande kämen, dass der Organismus zunächst nicht nochmals an demselben Leiden erkranken könne. Die der Natur abgelauschte Thatsache zeigte den ärztlichen Künstlern, welche Wege sie einzuschlagen hatten, um Menschen und Thiere gegen gewnsse Krankheiten zu schützen. Sie gab Anlass zur Vornahme der Impfungen, wobei man auf künstlichem Wege die gefürchtete Krankheit in milderer Form bei den zu schützenden Individuen hervorruft, um sie auf diese Weise vor schwereren Erkrankungen durch das natürliche Krankhcitsgifl zu schützen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;*L
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Eintheilnng. Nach der Natur der Mittel der Präservativcur unter­scheiden wir eine diätetische, eine tlierapeutische und eine polizei­liehe Vorbauung, und nach den Objecten eine Vorbauung gegen die Krankheitsursachen und eine solche gegen die im Entstehen be­griffene Krankheit.
A. Die Mittel der Vorbauung.
a. Die diätetische Vorbauung.
Zweck. Der Zweck der diätetischen Vorbauung ist, cine mil Wahrscheinlichkeit zu erwartende Erkrankung durch vernünftige An­ordnung hygienischer Vorschriften fern zu halten.
Ein richtig geleitetes diätetisches Verfahren ist das beste Schutzmittel gegen das Erkranken überhaupt. Eine geordnete Diät ist bis zu einem gewissen Grade das Universalpräservativmitte! (der im Mittelalter so eifrig gesuchte Stein der Weisen). Jn einer rationellen Diät ist der relativ höchste Schutz gegen Erkran­kungen gegeben. Ein absolut schützendes Verfahren giebt es nicht, weil der Mensch nicht im Stande ist, die Aussenwelt durchaus zu beherrschen und z. B. auch unerwartet erscheinende Gefahren sicher abzuhalten. Wenn eine richtig geleitete Diät nun aber ein Thier vor dem Erkranken überhaupt zu schützen ver­mag, so ist sie natürlich bis zu einem gewissen Grade auch ein Schutzmittel gegen bestimmte Krankheiten.
Ausführbarkeit. Leider ist die diätetische thierärztliche Prophy­laxis oft unausführbar. Oft weiss man mit Sicherheit, welche Gefahr droht, und kennt genau die Maassregeln, welche Schutz vor derselben geben würden, muss aber trotzdem die Gefahr hereinbrechen lassen, weil die schützenden Maassregeln aus ökonomischen Gründen nicht praktisch durchführbar sind.
Ausführung. Es ist unmöglich, für alle Fälle bestimmte Angaben und Regeln der diätetischen Prophylaxe zu geben. In dieser Richtung muss auf die Specialwerkc verwiesen werden. Nachstehend seien zur Erklärung dessen, wie die diätetische Vorbauung auszuführen ist, einige Beispiele derselben angeführt.
Thiere, welche mit sogenannten erblichen Krankheiten behaftet sind, resp. welche die Disposition zu bestimmten Krankheiten vererben, dürfen nicht zur Zucht verwendet worden. — Klo ine Mutterthioro mit engem Bock'en dürfen nicht mit grossen männlichen Thieron gepaart werden, weil sonst schwere Geburten mit Sicherheit zu erwarten sind. — Wenn Krankheiten herrschen, welche hervorragend gut genährte und gemästete Thiere ergreifen, so dass bei allen gut genährten Individuen die Gefahr der Erkrankung vorliegt, dann ist eine magere Diät anzuordnen. — Sind gewisse Thiere öfteren Erkältungen aus­gesetzt und uuter diesen Umständen Erkältungskrankheiten häufig, dann ist metho­dische Abhärtung, gute Hautpflege etc. am Platze..— Weiss man, dass'bestimmte
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Krankheiten durch gewisse Fütterungsweisen von Zeit zu Zeit auftreten (Leck­sucht. Blutharnen, Tympanitis u. s. w.), so ist die Fütterungsweise sofort zu än­dern und die Aufnahme gewisser Futtermittel sofort zu versagen, sobald die be­treffenden Krankheiten bei einzelnen Thieren auftreten oder sobald ihre Vorboten erscheinen. — Ställe, in denen die Tuberculose herrscht, sodass jedes neu angekaufte Thier der Gefahr der Erkrankung ausgesetzt ist. müssen nach jeder Richtung geprüft und eventuell theilweise oder ganz umgebaut werden.
Die diätetische Vorbauung ist ganz besonders causaler Natur (causa]e Prophylaxis). Sie kommt aber auch bei der Abortivcur in Anwendung.
b. Die therapeutische Vorbauung.
t. Bei Gesunden.
Diese Art der Vorbauung bezweckt die Vermeidung des Eintritts drohender Erkrankungen durch die Anwendung chirurgischer und phar-maceutischer Mittel bei den bedrohten gesunden Thieren. Heutzutage steht es wissenschaftlich fest, dass diese Art der Vorbauung in der Regel keinen vorbauenden Nutzen hat.
Früher glaubten die Aorzte und Thierärzte, dass man auf diese Weise grossen Nutzen schaffen könne, man beschnitt den Blinzknorpel, um Augenkrankheiten ab­zuhalten, brannte das Sprunggelenk, um den Eintritt des Späth zu verhindern, man verordnete Aderlässe, Abführmittel als Präservative gegen viele Krankheiten u. s. w. Es ist mit dieser Cur stets viel Missbrauch getrieben worden und auch heute noch werden in der schwindelhaftesten Art und Weise die verschiedensten Präservativ­mittel gegen alle möglichen Krankheiten empfohlen und angepriesen. Das Publi-cumverlangt nach solchen(erfahrungsgemäss nutzlosen) Schutzmitteln; gewissenlose und betrügerische Personen kommen dem Verlangen nach. Beiehrungen des Publi-cums sind bis jetzt fruchtlos gewesen. Der Laie lässt sich den Glauben daran, dass man Menschen und Thiere durch Verabreichung von Medicamenten vor dem Er­kranken schützen könne, nicht nehmen. Er wendet deshalb nach wie vor seine Viehpulver, Milzbrandpulver u. s. w. an, glaubt fest an die Wirkung derselben, trotzdem er sich tagtäglich von ihrer Wirkungslosigkeit überzeugen kann.
Es giebt nur sehr wenige Krankheiten, vor denen man die gesunden Thiere auf therapeutischem Wege schützen kann. Sie allein bieten die Indication zur Anwendung dieser Art der Vorbauung.
Zu diesen Krankheiten gehören z. B. gewisse Knochen- und Blutkrank­heiten, welche durch Armuth des Futters an Kalksalzen oder Eisen entstehen, bei denen demnach Knochenmehl resp. Eisen wirksame Prophylactica sind.
Vielleicht kann man zu den Krankheiten, gegen die man therapeutisch vor­bauen kann, auch die ansteckenden Krankheiten rechnen. Diese werden wahrscheinlich ausnahmslos durch das Eindringen von Lebewesen, die sich in den befallenen Thieren rapid vermehren, bedingt. Es ist nun nicht undenkbar, dass man die gesunden Thiere derart vorbereiten kann, dass entweder das Eindringen der Krankheitskeime in den Thierkörper oder ihre Vermehrung daselbst unmöglich
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gemacht wird. So erreicht man einen Schutz gegen ansteckende Krankheiten und lobende Krankheitserreger. In ähnlicher Weise ist auch ein Schutz gegen chemische Gifte denkbar. — Das innerliche Verabreichen von Carbol-, Salicylsäure, über-mangansaurem Kali und dergleichen als Schutzmittel gegen Milzbrand und ähnliche 1; eitlen hat sich allerdings bis jetzt als nutzlos gezeigt.
2. Bei Kranken.
Die therapeutische (chirurgische oder pharmaceutische) Vorbauung kann grossen Nutzen schaffen, wenn sie sich nicht auf gesunde, sondern auf kranke Thiere bezieht, das heisst auf Thiere, die eine Abnormität an sich tragen, welche die Disposition zu be­stimmten Krankheiten einschliesst, oder auf solche, bei denen bereits die Vorboten des in Frage kommenden drohenden Leidens auftreten.
Beispiele. Eine der Operation zugängliche Geschwulst, die mit Metastasen-bildung und anderen Gefahren droht, wird chirurgisch entfernt. — Eine Wunde, auf welche Krankheilserreger, Contagien, Gifte gelangt sind, wodurch dem Organis­mus Gefahr droht, wird ausgeschnitten oder ausgebrannt, oder chemisch oder phy­sikalisch desinficirt. —Wunden, die den Organismus durch den Eintritt von Wundfieber, Septichämie und dergleichen stets bedrohen, werden prophylaktisch mit Carbolspray behandelt. — IJeim Eindringen von lebenden Krankheitskeimen verab­reicht man Mittel, welche diese tödten oder deren Multiplicationsvermögen aufheben. — Wenn die Vorboten eines Leidens auftreten, verabreicht man innerlich dieselben Mittel, die bei der ausgebildeten Krankheit indicirt sind.
c. Die polizeiliche Vorbauung.
Darunter versteht man die vom Staate zum Schulze der Thiere gegen Seuchen und ansteckende Krankheiten erlassenen Gesetze und Verordnungen. Diese Vorbauungsmethode ist vom grös'sten Nutzen für diejenigen Staaten, in denen die Gesetze auf Grundlage der Gutachten tüchtiger Sachverständiger erlassen, und in denen die Gesetze exact und gewissenhaft von iüchligen Thierärzten und Polizei beam ten aus­geführt werden.
Die polizeiliche Vorbauung ist im Interesse der Staaten, zum Schütze des Staatsvermögens unbedingt notliwendig. Die Härten, welche dieselbe oft für den Einzelnen hat, müssen im Interesse des Ganzen ertragen werden. Dieses Gebiet der Vorbauung ist Gegenstand der polizeilichen Thie rheilkunde und wird in den dieses Gebiet behandelnden Lehrbüchern besprochen. Auf diesem Gebiete hat die Veterinärmedicin grosso Fortschritte gemacht und den Staaten reichen Nutzen gebracht. Männer, wie Gerlach. Haubner und viele Andere haben diese Erfolge durch ihre Thätigkeit ermöglicht.
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B. Die Objecte der Vorbauung.
a. Die entstehende Krankheit (Aborti vcu r).
Zweck. Der Zweck dieser Vorbauung ist, die im Entstellen, resp. in der Ausbildung begriffene Krankheit an der weiteren Entwickelung zu hindern und die Krankheitsprocesse zur Norm zurück zu führen, ehe sie zur vollen Entwickelung gelangen komiien. Das Verfahren, mit dem man diesen Zweck erreicht, nennt man die Abortivcur. Nach dem Grundsatz, dass ein geringer, ungenügend gerüsteter Feind leichter zu besiegen ist, als ein grosser, wohlgerüsteter, nimmt man an, dass auch eine im Entstellen begriffene, noch nicht ausgebildete Krankheit leichter zu bekämpfen, d. i. leichter zur Norm zurückzuführen sei, als die entwickelte Krankheit. Dieser Satz ist für gewisse Krankheiten zweifellos zutreffend.
Beispiele, a. Eine Reihe von Krankheiten entsteht dadurch, class lobende Krankheitserreger in den Organismus eindringen. Diese Krankheiten werden da­durch gefährlich, dass sich die Krankheitserreger vermehren und ver-grössern. Sicherlich sind die schädlich wirkenden Dinge anfänglich, wenn sie nur in geringer Zahl vorhanden, leichter zu vernichten als später, wenn sie in Menge zugegen sind. Sicherlich kann auch die drohende Gefahr durch Störung der Vermehrungsfähigkeit der eingedrungenen Parasiten vermieden oder verringert werden.
b.nbsp; nbsp;Bei anderen Krankheiten liegt es so. dass die veranlassende Schädlichkeit nur einen unbedeutenden Krankheitsprooess oder Krankheitszustand hervorruft, dass dieser aber neue Ursachen schafft resp. selbst als solche wirkt, wodurch die Krank­heit gesteigert und unterhalten wird. Auch in diesem Falle ist es klar, dass ein vorbauendes Verfahren, welches in Bekämpfung der beginnenden Krankheit besteht, Erfolg verspricht.
c.nbsp; nbsp;Endlich wissen wir auch, dass manche Krankheiten nachweislich nur in ihrer Entwickelungsperiode heilbar, während sie im ausgebildeten Zustande un­heilbar sind.
Indicationen. Besondere Indication für die Abortivcur geben die­jenigen Krankheiten ab, die nur während ihres Entwickelungsstadiums heilbar sind. — Ausserdem findet man die Gründe für die Einleitung derselben wesentlich in dem Auftreten von Vorboten der Krankheiten.
Bekanntlich kündigen sich die meisten Krankheiten durch sogenannte Vorboten an. Es sind dies Erscheinungen der gestörten Lebensharmonie, Zeichen allgemeinen Unbehagens, Uebelbefindens und dergleichen Symptome, die für das drohende Leiden nicht charakteristisch sind.
Da die Vorboten nichts Charakteristisches an sich tragen, so sind sie an sich auch nicht geeignet, eine bestimmte Gefahr, die zur Be­gründung der Einleitung einer prophylaktischen Cur gegeben sein muss,
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anzuzeigen. Dies ist erst der Fall, wenn gleichzeitig andere Thatsachen vorliegen, die den Charakter der drohenden Gefahr zu bestimmen geeignet sind.
Wenn man weiss, dass gewisse Krankheiten in einer Gegend herrschen, dass viele Fälle einer bestimmten KranWieil kurz vorher vorgekommen, dass bestimmte Schädlichkeiten als ivrankheitserreger vorhanden sind, dann kann man aus den vagen , nichtssagenden Vorboten auf d ie Natur der drohenden Krank­heit schliessen. (In einer Gegend, in der die Mondblindheit häufig vorkommt, erweckt einfaches Thränen der Augen den Verdacht, dass das Thier an diesem Leiden erkranken wird; Kasenausfluss bei einem Pferde, das mit einem an Rotz erkrankten Thiere in einem Räume stellt, erweckt den Verdacht des beginnenden Rotzes u. s. w.) Selbstverständlich muss bei der durch die Vorboten angekündigten Gefahr die Gattung, das Alter und Geschlecht der Thiere berücksichtigt werden. Das Symptom, welches beim Pferde auf beginnenden Rotz hinweist, hat beim Rinde eine ganz andere Bedeutung u. s. w.
Contraindicirt ist die Abortivcur bei allen denjenigen Krankheiten, die sich erfahrungsgemäss nicht coupiren lassen, die einen bestimmten typischen Verlauf haben u. s. w., und bei Krankheitserscheinungen, die den Ausdruck von Processen des Naturheilbestrebens darstellen, deren Unterdrückung und Bekämpfung dem Or­ganismus folglich schädlich sein müsste. Bei den nicht coupirbaren Krankheiten muss man aber durch vorbauende Methoden verhindern, dass dieselben einen gefährlichen Charakter annehmen und ungünstig verlaufen.
Mittel der Abortivcur. Die Basis des einzuschlagenden Verfahrens crgiebt sich aus der Natur der drohenden Gefahr. Gewöhnlich werden dieselben Heilmittel in Anwendung gebracht, welche bei der ausgebil­deten Krankheit sich als heilsam erweisen. Man bezweckt mit dem Heilverfahren bewusst oder unbewusst in der Regel die Zerstörung der in den Organismus aufgenommenen Krankheitserreger resp. Gifte, oder die Vernichtung der Fortpflanzungsfähigkeit derselben.
Diese Art der Abortivcur ist eigentlich eine causal prophy­laktische Car, denn sie vernichtet die Krankheitsursache. Es giebt aber, wie vorn schon erwähnt, auch Fälle, in denen man andere Zwecke verfolgt. — Die Heilmittel der Abortivcur sind diätetischer, chir­urgisch-operativer oder pharmaceutischer Natur. Dieselben einzeln zu besprechen ist Gegenstand der speciellen Therapie (Adstrin­gentia gegen beginnende Katarrhe, schweisstreibende Mittel bei beginnen­dem Rheumatismus, Kälte bei beginnender Entzündung). Bemerkt sei noch, dass man den Brech-, Abführ- und Quecksilbermitteln vielfach eine allgemeinere Abortivwirkung zugeschrieben hat und zum Theil heute noch zuschreibt.
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b. Die Krankheitsursachen (causale Prophylaxis).
Man unterscheidet zwischen einer Vorbauung gegen die innere Anlage und einer solchen gegen äussere Schädlichkeiten.
Bekanntlich theilt man die Krankheitsursachen in äussero und innere ein. Nach streng wissenschaftlich theoretischer Auffassung gehören zum Entstehen einer Krankheit immer beide Ursachen (Causa sufficiens). Man betrachtet dann als Causa interna die Einrichtung der lebenden Organe und Gewebe. Gegen diese innere Ursache giebt es selbstverständlich keine Yorbauung. Sie bekämpfen, biesse das Bestehen des Thieres bekämpfen. — Anders aber liegt es, wenn man von dieser Art der Causa interna absieht und vom praktischen Standpunkte aus als innere Ursache die Prädisposition, die Anlage eines Organs u. s. w. zu einer bestimmten Krankheit deünirt. Danach verdanken die Kranliheiten ihre Entstehung entweder wesentlich einer inneren Anlage oder wesentlich äusseren Schäd­lichkeiten (Causa externa).
I. Die Prophylaxis gegen innere Ursachen.
Die innere Ursache, das heisst die Krankheitsanlage, kann in normalen oder in abnormen Verhältnissen der tlneriscben Organisation gegeben sein. Jedes Thier ist so eingerichtet, dass es erkranken kann, das heisst, es besitzt Anlage zu allen möglichen Krankheiten. Der Aufbau der Organe und Gewebe entscheidet über die Art der Krankheitsanlage. — Sind die Gewebe und Organe nun derartig ein­gerichtet, dass sie eine besondere Neigung zum Erkranken besitzen, dann ist das vorhanden, was man Prädisposition oder specielle Disposition nennt. Das disponirte Organ zeigt entweder Neigung zum Erkranken überhaupt, das heisst geringe Widerstandsfähigkeit gegen Schädlichkeiten, oder es zeigt Disposition zum Erkranken in ganz bestimmter Richtung. In jedem Falle ist die Einrichtung des Gewrebes oder Organs keine ideal normale mehr. Zur Prädisposition gehören schon Abweichungen von der Norm. Diese Abweichungen sind aber oft so unbedeutend, dass sie nicht wahrnehmbar sind. Deshalb spricht man von einer Disposition bei normaler Einrichtung der Gewebe, und stellt dieser die Disposition gegenüber, welche im Vorbandensein von nachweisbaren Abnormitäten gegeben ist.
Ausserdem spricht man wohl auch noch von einer physiologischen Prä­disposition der Organe, die in der Lage, dem Blutreichthum, den Säfte- und Nervenverbindungen etc. gegeben sind. (Alle Lymphdrüsen besitzen die gleiche Causa interna, sie besitzen aber eine verschiedene physiologische Prädisposition je nach ihrer Lage und Verbindung; ausserdem können sie noch besondere, nament­lich pathologische Prädispositionen besitzen.)
a. Gegen die in normalen Verhältnissen begründete Disposition. Indicationen. Bei dieser Krankheitsanlage handelt es sich zum Theil um Abweichungen von der Norm, die wir mit unseren Sinnen und auf Grund unserer heutigen Kenntnisse über die normale Beschaffen­heit der Gewebe nicht nachweisen können, deren Vorhandensein wir aber, um die krankhafte Anlage erklären zu können, präsumiren müssen.
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Theilweise handelt es sich auch um Abweichungen, die zwar nachweisbar sind, die aber noch in die Breite der Gesundheit fallen, z. B. gewisse Einseitigkeiten, hervorragende Ausbildung gewisser Organe u. s. w.
Die normale Disposition ist gegeben durch physiologische Vorkommnisse (Geburtsacl), durch das Geschlechtsleben, durch Eigenthümlichl;eiten der Kacc. des Stammes, der Familie, der Gattung, durcli Besonderheiten der Individualililt, des Temperaments, der Constitution, durch angeborene Besonderheiten (vorwiegende Ausbildung einzelner Organe). Sie wird ferner erworben durch den Gebrauch, die Lebensweise, die Haltung, Gewöhnung, mangelhafte Liebung der Organe, Verweich­lichung u. s. w. — So sehen wir, dass gewisse Krankheiten nur Thiere einer be­stimmten Gattung und unter diesen wieder gewisse Stämme oder gewisse Individuen, die diese oder jene gemeinsame Charaktere haben, betreffen. Wir finden, dass von gewissen Leiden nur Thiere mit farblosen Haaren befallen, oder dass bei gefleckten Thieren nur die weissen Hautstellen von einer Krankheit befallen werden, während die pigraentirten gesund bleiben u. s. w.
Mittel. Die Hülfe gegen innere Anlageverhältiiisse kann fast nur in hygienischen Vorschriften gefunden werden. Dieselben sind namentlich dann wirksam, wenn die Anlage in der Constitution oder wenn sie in Verweichlichung gegeben ist.
Im ersteren Falle ist durch Aenderung der Diät oft Vieles zu er-reichen. Consequente Durchführung einer bestimmten Diät wirkt tief eingreifend auf den Organismus. Die in Anwendung kommenden Me­thoden sind je nach den gegebenen Verhältnissen die entziehenden oder die stärkenden.
Bei der Verweichlichung ist die methodische Abhärtung ein vorzügliches Prophylakticum. Die Abhärtung beruht in Uebung oder in Abschwachung. In ersterer Beziehung macht man einen Theil dadurch widerstandsfähiger, dass man ihn viel arbeiten lässt und so sein functionelles Vermögen steigert; so erhöht man z. B. die Muskel­kraft durch regclmässige und ailmälig sich steigernde Bewegung, die Verdauungskraft durch allmälige Verabreichung von mehr Futter und von schwerer verdaulicher Nahrung.
Nach der anderen Methode gewöhnt man die Organe ailmälig an gewisse Reize und schwächt dadurch die Empfänglichkeit, die Vulnera-bilität für dieselben ab. Auf die Weise verliert der Körper die Disposition zu den betreffenden Erkrankungen bei Einwirkung der fragliehen Reize.
Anlagen, die durch die Haltung, die Pflege, den Gebrauch und dergleichen entstellen, werden durch Aenderungen in den betreffen­den Verhältnissen getilgt. Nur der in seinem Wirkungskreise gründlich orientirte Thierarzt erkennt derartige Anlage Verhältnisse in ihren Ur­sachen und ihre richtigen Gegenmittel.
Der chirurgische und pharmaceutische Heilapparat ist bei normalen Anlagen selten angezeigt. Leider kommt derselbe viel zu oft in Anwendung. Wenn die Anlage in robuster Constitution
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gegeben ist, dann glaubt man durch Anwendung von Purganzen, Dia-plioreticis, Aderlässen und dergleichen vorbauend wirken zu können. Das ist ganz falsch. Man schwächt damit nur die betreffenden Thiere. Auch eine wahre Stärkung schwacher Individuen kann durch stärkende Medicamente nicht erzielt werden. Rationeller Weise kann man hei normalen Kranklieitsdispositionen nur durch hygienische Regeln, nicht durch Medicamente helfen.
Wir wollen nicht unerwähnt lassen, dass Pettenlcofer und Jäger der An­sicht sind, dass man durch Herabsetzung des Wassergehaltes der Gewebe, welches durch hygienische Maassnahmen erreicht werden kann, prophylahtisch, namentlich gegen ansteckende Krankheiten wirken könne.
b. Gegen die abnormen Anlagen.
Indicationen. Sie sind in den nachweisbaren Abnormitäten, welche die Krankheitsanlage ausmachen, gegeben.
Die krankhaften Zustünde oder Vorgänge, welche diesen Prädispositionen zu Grunde liegen, sind sehr verschieden. Wir wissen z. B.. dass die sogenannten Leberflecke der Haut Piiidispositionen zu Geschwulstbildungen abgeben, dass aus­gebildete Krankheiten Neigung zu gewissen Complicationen, das heisst zum Ent­stehen anderer Leiden haben: wir wissen, dass es bei Verkalkungen der Arterien­wände leicht zu lilutungen kommt, and dass beim Vorhandensein tuberculöser Ab­lagerungen die Neigung zu Neuerkrankung besteht; es ist uns bekannt, dass viele Krankheiten im Reconvalescenzstadiuin leichi recidiviren, während andere auch später nach vollständiger Heilung leicht wiederkehren. (So hat jede Schleimhaut die einmal oder mehrere Male katarrhalisch erkrankt war, Neigung zum neuen Er­kranken.) Jedes in seiner Leistungsfähigkeit herabgesetzte Organ disponirt zum Krankwerden. Das Vorhandensein einer geringen Menge von Krankheitskeimen, die noch nicht im Stande sind, eine wirkliche Krankheit zu machen, setzt aber doch derartige Veränderungen im Organismus voraus, dass eine quot;Disposition zu gewissen Krankheiten gegeben ist.
Mittel. Das Vorbauungsverfahron besteht zum grossen Theile in Anwendung hygienischer Methoden.
Bei der geschwächten Leistungsfähigkeit eines Organs, die durch verschiedene Verhältnisse bedingt sein kann, ist die physio­logische Hebung, die nach Virchow den Effect hat, keinen Theil im Gegensatz und auf Kosten eines anderen, sondern alle zu stärken und die Beziehungen auf einander zu fördern, das beste Präservativmittel.
Bei Krankheitsanlagen, die durch Vorhandensein einer geringen Anzahl von Krankheitskeimen im Thierkörper bedingt sind, wendet man Mittel an, welche geeignet sind, die Keime zu zerstören oder deren Fortpflanzungsvermögen (die Multiplication) aufzuheben.
Wenn in einer Heerde von Thieren, die auf denselben Grundstücken weiden, mehrere Milzbrand fälle rasch hinter einander vorkommen, dann ist anzunehmen, dass sie alle bereits Milzbrandkeime in sich tragen. die sie auf der Weide auf-
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g-enommen haben, und dass sie demnach zum Erkranken an Anthrax disponiren. Hier greift die Methode Platz.
Bei Krankheitsanlagen, die im Vorhandensein von Krank­heiten und Abnormitäten gegeben sind, erreicht man die Vorbauung durch die chirurgische und pharmaceutische Behandlung der primären Krankheit unter Beobachtung aller Vorsichtsmassregeln.
2. Die Vorbauung gegen äussere Ursachen.
Zweck. Der Zweck dieser prophylaktischen Methode ist die mög­lichste Abhaltung aller äusseren Schädlichkeiten.
Mittel. Diese sind diätetischer, chirurgischer und pharmaceutischer Natur. Die diätetischen Heilmittel sind die vorzüglichsten Werk­zeuge dieses Verfahrens. Alle Abweichungen von den Regeln der Hy­giene und Diätetik erhöhen stets die Empfänglichkeit des Thierkörpers für die speeifischen Schädlichkeiten und schaffen überhaupt Neigung zum Erkranken.
Ausführbarkeit. In der Thierheilkunde ist es nun aber leider aus ökonomischen Gründen oft unmöglich, die diätetischen Regeln zu beob­achten. Sehr oft werden die Thiere ganz naturwidrig behandelt. Da muss nun das Bestreben des Thierarztes darauf gerichtet sein, die aus solchen Verhältnissen entspringenden Nachtheile möglichst zu mil­dern. Auch andere Vorbauungsmethoden gegen besondere äussere Schädlichkeiten sind oft ökonomisch nicht durchführbar. Deshalb muss der Thierarzt von der radicalen Vorbauung, dem Ideale des pro­phylaktischen Wirkens, oft absehen. Er muss sich auf den Boden der realen Verhältnisse stellen und stets im Auge halten, dass die Haltung der Hausthiere nur dann ihren Zweck erfüllt, wenn sie dem Oekonomen Nutzen bringt. Dcmgemäss muss er alle seine Maassnahmen den ökonomischen Möglichkeiten vorsichtig an­passen. Die Kosten des vorbauenden Verfahrens dürfen nicht zu hoch sein, sie müssen in günstigem Verhältniss zu dem zu erwartenden, aus demselben entspringenden Nutzen stehen.
Die äusseren Ursachen, gegen welche sich das vorbauende Verfahren zu richten hat, sind verschiedener Natur.
a. Gegen AnsteckungsstolTe, Contagien.
Ueber die erste Entstehung der Ansteokungsstoffe wissen wir ebensowenig etwas, wie über die Entstehung der Lebewesen überhaupt. AVir wissen nur, dass dem omne vivum e vivo gemäss alle diejenigen Contagien, welche durch Lebewesen repräsentirt werden, heutzutage nicht mehr spontan emstehen können, und dass diejenigen Kranldieiten, welche durch sie veranlasst werden, sich nur und allein
E 11 e 11 be r ye r, Allgemeint; Therapie,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i ;gt;
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auf dem Wege der Ansteckung entwickeln. Wer an eine genuine Entstehung dieser Krankheiten glaubt, stellt sich auf den Boden der Lehre von der Generatio aequi-vooa der Lebewesen.
Bezüglich der Enlwickelung der AnsteckungsstotTe ist uns bekannt, dass sich einige nur und allein im Thierkörper foitzubilden vermögen, das heisst. dass ihre Vermehrungsfühigkeit an die Gegenwart in den thierischen Geweben und Flüssigkeiten gebunden ist. während andere sich auch ausserhalb des Thier-körpers multipliciren können. Diese letzteren scheinen aber erst im Thierkörper zur vollen Ausbildung zu gelangen. Alle Contagion müssen eine Phase ihrer Entwickelang in thierischen Organismen durchmachen. Da­gegen besitzen nur einige Contagien auch Entwiokelungsperioden, die ausserhalb des Thierkörpers ablaufen.
Zweck. Da die Contagien nur dadurch schädlich werden, dass sie auf irgend einem Wege in den Thierkörper eindringen, so muss der Zweck der Vorbauung der sein, dies oder schon die Berührung der Contagien mit, den Thieren zu hindern. Diese Aufgabe kann man auf drei Wegen lösen:
a.nbsp; nbsp;Dadurch, dass man sich an die Individuen wendet, in denen sich die Contagien befinden, in denen sie auf dem AVege der Multiplication entstehen.
b.nbsp; Dadurch, dass man die Contagien selbst oder die Dinge, au denen sie haften, oder die den Ort abgeben, an dem sie sich vermehren (die Erdschichten z. B. beim Milzbrandcontagium, die Ausleerungen bei der Cholera), zum Object der Handlung macht.
c.nbsp; Dadurch, dass man die gesunden Thiere, denen die Gefahr droht, und die vor der Ansteckung zu schützen sind, als Gegenstand des thierärztlichen Verfahrens wählt.
Ad a. Die Vorbauung kann auf diesem Wege erreicht werden:
laquo;. Durch Absperren der erkrankten Individuen. Dies hat derart zu geschehen, dass eine Berührung mit den gesunden, das heisst den gefährdeten Thieren nicht stattfinden kann, so dass das Contagium, welches sich in den kranken Thieren befindet, für die gesunden Thiere unschädlich wird.
ß. Durch Tödten der erkrankten und der Ansteckung verdächtigen Thiere und Unschädlichmachung der Cadaver in der Weise, dass das Contagium vernichtet oder an dem Eindringen in gesunde Thiere gehindert wird.
Ad b. Die Dinge, an denen die Contagien haften können, sind entweder fest, flüssig oder gasförmig, sie sind belebt oder leblos. Nach der Natur dieser sogenannten Contagiumträger muss sich das vorbauende Verfahren richten. Auch die Eigenschaften des Contagiums, seine Natur etc. wirken modificirend auf dasselbe ein. Die meisten Contagien haften zweifellos an niederen Lebewesen. Diese Contagien sind den­selben Bedingungen unterworfen, denen die Lebewesen überhaupt unter-
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liegen. Sie gedeihen nur bei bestimmt er Temperatur, bestimmter Er­nährung, bestimmten Feuchtigkeitsgraden u. s. w.. sie besitzen die Fähigkeit, sich unter günstigen Bedingungen fortzupflanzen, sie machen einen bestimmten Entwickelungsgaug durch u. s. w.
Man bekämpft die Contagien direct ausseiquot; durch die ad a. erwähnte Methode durch directe Vernichtung oder durch Aufhebung des Multiplicationsvermögens derselben ausserhalb des Thierkörpers. Es geschieht dies auf dem Wege der sogenannten Desinfection.
Das desinfi cirende Verfahren erstreckt sich auf alle diejenigen Dinge, an denen Contagium haftet, auf die Ställe, Abfälle der Thiere, die Stallluft, die Nahrungsmittel, die in den betreffenden Ställen liegen oder von der inficirten Luft erreicht werden, auf die Orte, wo die Vermehrung der Contagien ausserhalb des Körpers stattfinden konnte (z. ß. den Erdboden beim Milzbrand) u. s. w.
Ad c. Den dritten Weg beschreitet man in der Regel nur, wenn die Berührung des gesunden Thieres mit dem Contagium nicht zu ver­meiden ist, wenn also die Gefahr der Berührung vorliegt, oder wenn die Berührung bereits stattgehabt hat.
Nur selten wird in anderen Fällen das gesunde Thier Object des Handelns sein, so kann sich z. B. unter ganz besonderen Verhältnissen die Absperrung nicht auf die Kranken, sondern auf die Gesunden erstrecken.
Die Wege dieser Art der Vorbauung sind je nach den Verhältnissen verschieden.
u. Man vernichtet oder mindert die Anlage der gesunden Thiere für die drohende Krankheit.
Ein Contagium kann nur in demjenigen Thierkörper seine Wirkung entfalten. welcher Empfänglichkeit dafür besitzt und günstige Bedingungen für die Einwirkung, die Entwickelung und Multiplication darbietet. Diese Empfänglichkeit der Thiere für ein Contagium nennt man die Anlage zu der betrefTenden Krankheit. Den gänzlichen Mangel der Anlage eines Thieres bezüglich der Empfänglichkeit für ein bestimmtes Contagium bezeichnet man als Immunität.
Die höchste Aufgabe dieser Vorbauung ist, die gesunden Thiere immun gegen die drohende Krankheit zu machen. Ist dies aber un­möglich, dann muss man versuchen, die Anlage zu mindern, die Empfänglichkeit herabzusetzen. Volle Immunität kann, oft allerdings nur für gewisse Zeit, durch die sogenannte Impfung er­reicht werden, in vielen Fällen erzielt man aber auch mit der Impfung nur eine Minderung der Anlage. Letzteres wird auch zum Theil durch diätetische Maassnahmen und nur ausnahmsweise durch pharma-ceutische Mittel (Roborantia, Antiseptica etc.) erreicht.
Jeder diätetische Verstoss (Erkältung, Ueberfressen. Hungern u. s. w.) erhöht die Empfänglichkeit für specitische AnsteckungsstofTe. Bei genauer Beobachtung' der hygienischen Vorschriften und bei methodischer Uebung der Organe wird diese Empfänglichkeit bedeutend verringert. Ein geübtes Organ widersteht vielen Ein­griffen, denen ein verweichlichtes, ungeübtes unterliegt.
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ß. Man hindert die Resorption des Conlagiums und maclit es dadurch unschädlich. Ks kann dies auf ganz verschiedene Weise, je nach den gegebenen Umständen geschehen.
Beispiele. Ueini Vorhandensein von Wunden und entblössten Stellen, welche nicht vor der Berührung mit Krankheitserregern geschützt werden können, bedeckt man die Stellen mit einer Collodiumdecke, einem Schorl', Fett und dergleichen; ebenso schützt man auch unverletzte Theile: auf andere wendet man Kälte und Adstringentien an, um sie möglichst blutleer zu machen und das Resorptions­vermögen zu mindern. In Wunden, die der [nfection ausgesetzt waren, unterhält man die Blutung, um die schädlichen Stoffe wegzuspülen; oder man schneidet sie kurz nach tier Infection, ehe die Resorption erfolgen kann. aus. oder man wendet AetzmiUel oder Rrennmittel auf dieselben an. Auch das gründliche Waschen aller Theile. die der Infection durch Berührung ausgesetzt waren, wirkt vorbauend. Unter Umständen ist auch die Desinfection der berührten Stelle mit Carbolsäure, Cdilor, Salicylsäure, Jodoform, Sublimat und dergleichen indicirt.
Jede der hierhergehörigen und anderer, sieh aus den speciellen Fällen ergebenden Vorbauungsmethoden muss, wenn der beabsichtigte Zweck erreicht werden soll, rasch ausgeführt werden, weil die Re­sorption der Contagien verhältnissmässig schnell erfolgt und also nur durch rasche Hülfe verhindert werden kann.
y. Wenn die Resorption des Contagiuras nicht verhindert werden kann, dann nuiss man versuchen, das eingedrungene Coniagium mög­lichst unschädJich zu machen, indem man es vernichtet, oder indem man die Multiplicationsfähigkeit desselben aufhebt, oder endlich indem man dasselbe nach Orten ableitet, wo es weniger schädlich ist.
Um diesem Zwecke zu genügen, unterhält man am Orte der In­fection die Eiterung oder sonstige Exsudations- und Absonderungs-voigänge und verabreicht innerlich Mittel, welche schon in bedeutender Verdünnung nachgewiesenermassen ausserhalb des Körpers das be­treifende Contagium vernichten.
Bei vielen Contagien würde es heilsam sein, wenn man sofort nach der In­fection vorübergehend eine hohe Temperatur erzeugen könnte. Diese würde dem Organismus nicht schaden und das Multiplicationsvermögcn der Contagien vernichten. Leider besitzen wir noch keine sicheren, unschädlichen Heilmittel, welche diesen /wecken genügen könnten. Der Organismus selbst leitet dieses Ver­fahren erst ein, wenn eine grosse Quantität des Contagiums in den Körper ein­gedrungen ist.
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b. Gegen Miasmen.
Gewisse Enzootien und sogenannte stationäre Leiden verdanken ihre Entstehung Schädlichkeiten, welche an locale Verhältnisse (Boden. Stalleinrichtungen) gebunden sind. Die betreffenden Schädlichkeiten sind entweder Lebewesen oder unbelebte chemische Stoffe.
Die an ortseigene Schädlichkeiten gebundenen Krankheiten sind z. B. der Milzbrand, das Wechselfieber, die periodische Augenentzündung,
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gewisse sogenannte Stallpneumonion u. s. w. Die Art und Weise des vorbauenden Verfahrens muss sich aus den jedesmaligen Verhältnissen ergeben.
Beim Milzbrand kommt das Gift in den Boden durch Milzbrandcadaver oder durch Excrete, Adcrlassblut u. s. \v. der an Milzbrand leidenden Thieve. Die Vor­bauung liegt also in Vertilgung dieser Dingo. Wenn dies nicht geschehen ist, dann kann der Boden Gegenstand der Behandlung sein. Auch hilft man dadurch, dass man die beireffenden Stellen nicht beweiden lässt, dass man das dort wachsende Futter nicht oder nur unter gewissen Cautelen verfüttert u. s. \v.
Unter den prophylaktischen Maassnahmen gegen miasmatische Leiden seien beispielsweise genannt: Aendenmgen der BodenbeschalTenheit durch Drainiren, Umpflügen, künstlicher Dünger. Fliisscorrecluren, Verbesserung des Trinkwassers, Acndeningeu des Baues der Ställe. Anbringung guter irentilatorischev Vorrichtungen in den Ställen, Niohtbeweiden der als schädlich erkannten Orte und dergleichen.
c. Gegen zufällige Schädlichkeiten.
Begriff. Die Vorbauung richtet sich gegen solche äussero Schäd­lichkeiten, deren Einwirkung mit Wahrscheinlichkeit zu er­warten ist, oder gegen solche, welche die Empfänglichkeit für die in dem gegebenen Falle vorhandenen speeifischen Schädlichkeiten er­höhen, oder gegen solche, welche geeignet sind, eine im Entstehen be­griffene, durch Ansteckung vorbereitete Krankheit zum Ausbruch zn bringen. Der Schutz wird vorzugsweise durch diätetische, selten durch andere Maassnahmen erreicht.
Bei dem Herrschen irgend welcher ansteckenden oder miasmatischen Krankheiten, überhaupt beim Vorhandensein der drohenden Gefahr des Ausbruchs einer bestimmten Krankheit ist Alles zu vermeiden, was die Harmonie der thierischen Verrichtungen alteriren konnte, namentlich Erkältungen, iibermässige Anstrengungen, zu gute oder zu schlechte und jede die Verdauungsorgane belästigende Ernährung. Ausserdem kann man aber hierhin noch viele vorbauende Methoden rechnen.
Beispiele. Bei jeder Verwundung ist heftiges Wundflebev und der Ein­tritt von Scptichämio zu befürchten. Um diese drohende Gefahr abzuhalten, wendcl man das Listerquot;sche Verfahren an.
Das Behüten bestimmter Weideplätze ruft die Leberegelseuche horvor. Sobald die Orte bekannt sind, werden sie nicht mehr zum Weiden benutzt.
Das Verbleiben und Stagniren gewisser Scheidenausflüsse der Kühe im Stalle verursacht den Eintritt des Verkalbens bei anderen. Durch Wegschwemtneh und Desinficiren sucht man die Gefahr zu vermeiden.
Bei grosser Hitze sind bestimmte Krankheiten zu erwarten. Man sucht sie zu verhüten durch kühles Getränk, kühlende Bäder, Weiden an schattigen Orten. Säurezusatz zum Getränk (G Grm. HC1 auf 1 Liter Wasser), saure Milch, Molken. Sauerteigwasser, Grünfuttcr. unreifes Obst.
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Gegen den Eintritt sogenannter Erlcältungskranltheiten. die namentlich zu erwarten sind, wenn kalte Luft oder kaltes Wasser die erhitzte oder schwitzende Haut trifft, muss man die Thiere durch Vermeidung der ErkiUtungsursaclien zu schützen suchen. Da das Vermeiden der Erkältungsursachen aber nicht immer möglich ist, so muss man von dem Mittel der Abhärtung hervorragend Gebrauch inachen. Dieses Mittel giebt den besten Schutz gegen Erkrankungen.
In Gegenden, in denen die Osteomalacie und Kh a chit is herrschend ist, liegt die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung der Thiere an diesem Leiden vor, und ist die Vorbauung indicirt. Dieselbe besteht in der Verabreichung einer leicht ver­daulichen und proteYnreichen Nahrung, der noch Knochenmehl. Kreide und der­gleichen Stoffe zugesetzt werden können, weil Kalk mangel der Nahrung häufig die Ursache der Krankheit abgiebt.
Die Aufnahme von Wasser, das Wurmeier, metallische Gifte, In-fectionssto ffe enthält, bedingt gewisse Gefahren. Die anzuwendende Prophy­laxis besteht in der Vermeidung resp. Verbesserung solchen Wassers.
Die Grünfütterung, namentlich die Aufnahme zarter junger Futter­pflanzen, jungen üppigen Klees und wässerigen (durch viel Regen so gewordenen) Futters hat bestimmte Gefahren im Gefolge, z. B. Tympanitis, Ghlo-rose, Anämie, Secretion einer schlechten Milch, Diarrhöen, Indigestionen. Koliken. Abortus. Die beste Prophylaxis bestände im Vermeiden des gefährlichen Futters. Das ist aber unmöglich. Deshalb ist dafür zu sorgen, dass die Thiere nicht des Morgens nüchtern den jungen Klee fressen, sondern erst etwas Trocken­futter vorher bekommen, und dass sie zur richtigen Zeit getränkt werden. Em-pfehlenswerth ist auch die Vermischung des gefährlichen Klees mit Gras oder mit Stroh oder noch besser mit Schafgarbe und Kümmel.
Bekanntlich erzeugen gewisse Lupinen eine gefährliche Krankheit, die Lupinose. Da das Füttern von Lupinen nicht zu vermeiden ist, so muss man die Lupinen möglichst unschädlich machen. Das geschieht durch Dämpfen derselben bei 3 Atmosphären Druck und dadurch, dass man sie in kleinen Häufchen lange Zeit im Freien liegen und durch den Regen auslaugen liisst.
Die Schlempe ruft oft die sogenannte Schlempemauko hervor. Um diese Gefahr zu verringern, muss nach Märker eine gewisse Menge Mais zur Kartoffel­maische gebrannt werden.
Dieses Capitel ist in so vorzüglicher Art und Weise von Dammann bearbeitet worden, dass nur auf dessen Werk verwiesen zu werden braucht.
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C. Das Verhalten des Thierarztes bei kranken Thieren.
Wenn die im vorigen Capitel geschilderten vorbauenden Maass-nahmen fruchtlos bleiben, und die Thiere erkranken, dann tritt an den Thierarzt die Aufgabe heran, die kranken Thiere /weckmässig zu behandeln. Das zu diesem Zwecke einzuschlagende thierärztliche
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Verfahren erstreckt sich: a. auf die Erkenntniss der Krankheit und des kranken Thieres; b. auf die Behandlung desselben. Diese bestellt in der Einleitung der ßeliandlung unter Aufstellung eines Curpianes und der Fortbehandlung inclusive der Behandlung der Aus­gänge der Krankheit.
.Jede zweckmiissige und rationelle Beliandlang eines kranken Thieres gründet sich unfeine gründliche Erkenntniss des vorliegenden Krankheitsfalles. Diese wird erworben durch eine exaete und vorsichtige Feststellung aller auf denselben bezüglichen Thatsachen und durch eine auf der Kenntniss dieser basirte individuelle und allseilige Diagnose und Prognose. Daraus ergiebt sich das Verhältniss des Naturheilbestrebens zu den Soliädlichkeiten und Abnormitäten und damit die Ein­sicht in das zu llolTende und das zu Fürchtende und das Verhältniss des speciellen Falles zur ärztlichen Kunst. Damit ist die Grundlage des einzuschlagenden Heil-ve rl'ahre ns gewonnen. Da sich während des 'Verlaufs der Krankheiten die Ver­hältnisse des kranken Thieres und damit die Heilindicationen oft ändern, muss sich auch die Behandlung ändern und sich den Krankheitsstadien anpassen. Es genügt demgemäss eine einmalige Feststellung der Thatsachen und die darauf basirte An-ordnung der Behandlung nicht, sondern es muss im Gogentheil eine auf wiederholte Thatsachenaufnahme basirte Forlbehandlung stattfinden. Ebenso erfordern auch die Ausgänge der Krankheiten die Uebonvachung durch den Arzt und eventuell eine Behandlung.
I. Die Krankenerkeimtniss und die Krankheitserforschung.
Das thierärztliche Vorfahren bei kranken Thieren beginnt mit der Orientirang über den Patienten und alle diejenigen Verhältnisse, welche in Beziehung zu demselben resp. zu seiner Krankheit stehen. Die Orientirung erstreckt sich auf das Vergangene (Anamnese), das Gegenwärtige (Diagnose), das Bevorstehende (Prognose) und die zur Behandlung vorliegenden Gründe (Indicationen). Jede Kranken­erforschung umfasst:
1)nbsp; nbsp;Die Befundaufnahme durch Eruirnng aller auf den vor­liegenden Fall bezüglichen Thatsachen.
2)nbsp; nbsp;Die Stellung der Diagnose, das heisst Feststellung der Natur der Krankheit und des Gesammtzustandes des kranken Thieres durch eine aus den durch die Befundaufnahme eruirten Thatsachen auf Grund der veterinärwissenschaftlichen Grundsätze und Erfahrungen zu ziehende Schlussfolgerung.
3)nbsp; nbsp;Die Si eil uni;- der Prognose, das heisst Feststellung des mulhmassiieben Verlaufs und Ausgangs der Krankheit.
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184nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
t. Die Befundaufnahme (Feststellung der Thatsachen).
Begriff und Zweck. In der Menschenheilkunde heisst das zur Fest­stellung der auf den Kranken bezüglichen Thatsachen in Anwendung kommende Verfahren das Krankenexamen. Dasselbe umfasst das Ausfragen des Patienten bezüglich der subjectiven Krankheitssymptome und die objective Untersuchung desselben. Da in der Thierheilkunde das Examiniren des Kranken nicht anwendbar ist, hat man die gesammte zur Erforschung des auf denselben bezüglichen Thatbestandes auf­gewandte thierärztliche Leistung einfach als Untersuchung oder Befund-nnfnahmc bezeichnet.
Die Untersuchung bezweckt, eine möglichst vollständige und leicht übersehbare Zusammenstellung dessen zu gewinnen, was für die Stellung der Diagnose und des Curplans zu wissen nöthig ist, sie bezweckt die Feststellung der Veranlassung, des Verlaufs, der gegenwärtigen und der früheren Symptome der Krankheit, die Eruirung der nachweisbaren anatomischen Veränderungen der kranken Organe und der Schädlich­keiten, welche auf das kranke Thier eingewirkt haben, resp. noch ein­wirken, die Erforschung der Genesis*), resp. des inneren Grundes der Krankheit; sie bezweckt ferner die Feststellung der gesammten Indivi­dualität des Patienten, der ökonomischen und diätetischen Verhältnisse und des Verhältnisses dieser Dinge zu einander und zum gesammten Gesundheitszustande des Thieres.
Leider wird oft der Felller gemacht, das Augenmerk nur auf die Krankheit zurichten. Das ist durchaus falsch. Nicht die Krankheit ist das Object des thierärztlichen Verfahrens, sondern das kranke Thier. Die Kennt-niss des kranken Thieres involvirt die der Krankheit. Je umfassender und genauer die Erkenntniss ist. je grössere Sorgfalt der Thierarzt auf die Erlangung derselben verwendet, um so erfolgreicher und künstlerischer wird sein Verfahren sein. Man darf aber die Vollkommenheit nicht in der grossen Zahl und in kleinlicher Specifi­cation und Mannigfaltigkeit der Symptome suchen, sonst erhält man ein unklares Bild zusammengehaufter Symptome und sieht den Wald vor Bäumen nicht. Man
laquo; muss die Symptome im genetischen Zusammenhange auffassen, das Wesentliche vom Unwesentlichen scheiden und letzteres vernachlässigen. Eine gute Unter­suchung ist eine künstlerische Leistung, die nur gelingen kann, wenn der Unter­suchende gewisse Bedingungen erfüllt. Dieser muss die Wichtigkeit des Geschäfts einsehen, er muss gesunde und geübte Sinne und ein gewisses Maass intellectueller
{ Kraft besitzen; er muss in der thierärztlichen Kunst und Wissenschaft gut aus­gebildet und geübt sein, Liebe zum Fach, Unbefangenheit, Geistesgegenwart und praktischen Tact besitzen und frei von vorgefassten Meinungen sein. — Besonders wichtig ist die erste Untersuchung eines Patienten. Diese muss sich auf Alles
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') yey^ini Erzeugung, Entstellung.
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erstrecken, während man bei den späteren Untersuchungen, da man es schon mit etwas Bekanntem zu thun hat, häufig nur einzelne Punkte genauer zu beachten braucht. Kur dann, wenn aus irgend welchen Gründen die erste Untersuchung nicht vollständig sein konnte, muss die zweite um so genauer vorgenommen werden. Bei der Befundaufnahme ist eine scharfe Scheidung zwischen objeetiver Beobach­tung und subjeetiven Meinungen und Folgerungen vorzunehmen. Nur eine treue, gewissenhaft objective Beobachtung führt mit gehöriger Verknüpfung des Beobach­teten zu richtigen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Diagnose und Behandlung. Die falsche Beobachtung führt zu falschen Schlüssen und zu unrichtiger Therapie, überhaupt zu Irrthüniern, Die Quellen des Irrthums können physischer, mo­ralischer und intellectueller Natur sein: in ersterer Richtung sei erwähnt die un­richtige sinnliche Wahrnehmung, indem Vorhandenes gar nicht oder falsch wahr­genommen wird: in moralischer Hinsicht ist besonders die Gleichgültigkeit eine Quelle des Irrthums, und in intellectueller Beziehung die falsche Schlussfolgerung. Letztere sowohl, wie auch die falsche Beobachtung beruhen häufig auf mangelhaften fachwissenschaftlichen Kenntnissen.
Der richtigen Beobachtung und exaeten Erforschung stellen sich nicht selten llintlernisse entgegen. Diese sind z. B. Vorurtheile. Dummheit, irrige Vorstellungen, Leichtsinn, Unaufmerksamkeit. Gleichgültigkeit und üebertreibung seitens der Wärter und Besitzer, oder heftige Schmerzen, Unruhe und Widersetzlichkeit der Kranken, Unruhe im Stalle, schlechtes Licht, schlechte Acustik am Orte der Unter suchung, zu geringe oder zu grosse Empfindlichkeit der Thiere, Mangel an Schmerz-äusserungen n. s. w.
Ordnung der Untersuchung. Die Anstellung jeder Untersuchung er­fordert ein streng geordnetes Vorgehen. Nur dadurch wird die Vielheit der Untersuchungsresultato übersichtlich, und kann ein lebendiges Krankheitsbild gewonnen werden, nur dadurch wird bei der Unter­suchung Jeder Mangel bemerkt und die Ergänzung möglich. Die Ord­nung der Untersuchung darf aber nicht pedantisch schematisch, starr und unbeweglich sein, sondern sie muss sich dem einzelnen Falle an­passen, dabei aber methodisch bleiben.
Eintheilnng der Untersuchung. Man unterscheidet: a. Die mittel­bare Erforschung (Vorbericht, Anamnese*)) durch das Examen derjenigen Personen, welche über die Ursachen der Erkrankung, den Krankheilsverlauf, die beobachteten Krankheitserscheinungen und der­gleichen A.ufschluss zu geben vermögen, das heisst namentlidi der Eigentliümer und Wärter der kranken Thiere.
b. Die unmittelbare objective Untersuchung, und zwar: laquo;. die des erkrankten Individuums; ß. die sonstige objective Untersuchung, insoweit sie sich nicht direct auf das kranke Thier bezieht. Letztere bezweckt vor­zugsweise die Feststellung der äusseren Einflüsse, welche in das Leben
'') f] (h'iijy^aii die Erinnerung.
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des fraglichen Thieres eingriffen, resp. noeli eingreifen, und erstreckt sieh auf das Fuiter, den Stall, die Luft, den Boden, die anderen Thiere, die Kleidung und das Benehmen der Wärter, die Pflege der Thiere u. s.w.
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a. Die Anamnese, der Vorberichi. Begriff und Zweck. Behufs Erforschung des Krankheitszustandes
eines Thieres ist die Feststellung der Geschichte dessen, was voraus­gegangen ist — die Ananinestik —, imerlässlich. Diese Feststellung geschieht durch das Einziehen von Erkundigungen bei Personen, welche das Thier früher gekannt und seit Beginn der Erkrankung beobachtet haben.
Mit der Anamnese bezweckt man, Kenniiiiss der Krankheit von ihren veranlassenden Ursachen ab bis zur gegenwärtigen Entwickelung zu erhalten und einen Einblick in die Genesis der Krankheit und der einzelnen Symptome zu gewinnen und den genetischen Zusammenhang der letzteren unter einander festzustellen.
Die Aufnahme und Ordnung des Vorberichts. Eine richtige und cx-acte Aufnahme des Vorberichts ist ungemein wichtig und bewahrt vor vielen Irrthümern. Deshalb muss man bei derselben sehr vorsichtig, mit Umsicht und Klugheit vorgehen, seine ganze Aufmerksamkeit auf den Gegenstand concentriren und möglichst erschöpfend sein. Der ganze Vorberirht muss in einem Zuge aufgenommen werden; nachträgliches Examiniren verstimmt den Besitzer und erweckt in ihm Zweifel bezüglich der Fähigkeit des behandelnden Thierarztes, nament­lich dann, wenn nach bereits angeordneter Behandlung noch nachträglich Fragen gestellt werden. — Die Fragen haben sich zu beziehen auf die veranlassenden Ursachen des Leidens, sowohl die Dispositionsverhältnisse des betreffenden Thieres, als die äusseren, erregenden Ursachen und die Umstände, welche letztere herbeiführten, begleiteten, bestimmten oder abänderten, auf die Dauer der Erkrankung, auf die beobachteten Symptome des Leidens, auf das eingeleitete diätetische und therapeu­tische Heilverfahren. —#9632; Das Stellen aller dieser Fragen, das heisst die Aufnahme des Vorberichts muss in einer bestimmten Oidnnng geschehen, die sich Jeder Thierarzt beliebig wählen kann. Im Allgemeinen ist folgendes Vorgehen zu empfehlen. Der Vorbericht beginnt l) mit einer allgemeinen Orient irung über den Patienten. Nach Feststellung der Gattung und Art, des Alters und Geschlechts desselben lässt man sich zunächst den ganzen Hergang der Sache erzählen. Die Erzählung giebt uns einen Anhalt über das, was weiter zu erforschen ist. Sie darf nur ausnahmsweise mit Zwischenfragen unterbrochen werden. —
#9632; I
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H '#9632; ll
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Nun beginnt man 2) das ätiologische Examen, das in Fragen nach der Art und Weise der Entstellung der Krankheit und nach den Krank-heitsursaclien bestellt.
Man fragt, wie sich der Patient früher verhalten hat, ob er schon öfter krank war, namentlich ob er an Krankheiten gelitten hat, die sich ähnlich wie die vor­liegende äusserten, wie er gehalten, gefüttert, gepflegt worden, ob er schwere und welche Arbeiten er verrichten rausste; eventuell erkundigt man sich auch nach den Vererbungsverhältnissen, namentlich auch danach, ob ähnliche Krankheitsfälle in der Gegend vorgekommen sind. Dann tragt man nach den Einwirkungen , denen das Thier kurz vorher, ehe es die ersten Krankheitserscheinungen zeigte, ausgesetzt gewesen ist. ob üeberanstrengungsn oder Ueberfütterungen vorgekommen sind, ob das Thier Einlliissen ausgesetzt war, die Erkältungen herbeiführen konnten, ob es mit Tbieren zusammengestanden, die an ähnlichen Krankheiten litten, ob es auf Stellen geweidet hat, die im Verdachte stehen, dass ihr Beweidon schädlich ist, oder ob es von solchen Orten Kutter gefressen hat. ob andere Krankheitszufälle der Jetzigen Krankheit vorhergegangen sind, unter welchen Umständen die Krankheit eintrat und dergleichen. Wenn Seuchen in der Gegend herrschen, erkundige man sich genau nach dem Verlauf derselben.
Nach dem ätiologischen Theii des Examens lasse man 3) das sc-raiologische*) oder symptomatische Examen mit Eragen nach den Krankheitserscheinungen folgen.
Man frage nach den Krankheitsäusserungen, ob die Thiere viel stehen oder liegen und ruhen, welche Stellung, resp. welche Lage sie einnehmen, ob sie aufmerksam auf die Umgebung sind, ob sie im Vollbesitze ihrer Sinne zu sein scheinen, ob sie die bekannten Gewohnheiten beibehalten haben, erlernte Kunst­stücke nachmachen und dergleichen: man frage, ob Schmerzäussemngen, Fieber­erscheinungen (Schüttelfröste), Muskelzuckungen, Sträuben der Haare und der­gleichen beobachtet wurde, ob Koth und Harn regelmässig abgehen und wie deren Beschaffenheit ist, ob der Appetit gut ist, ob Husten. Gähnen, Niesen, Erbrechen wahrgenommen wurde, ob dasAthmen normal erfolgte, ob Ausflüsse, Anschwellungen und überhaupt locale Krankheitserscheinungen bestehen, ob besondere instinctive Handlungen hervortreten und dergleichen.
An die Fragen nach den Krankheitssymptomen schliesst man solche über 4) den Verlauf und die Dauer des Eeidens.
Man erkundigt sich danach, wann die ersten Krankheitserscheinungen ein­traten, ob die Krankheit plötzlich oder allmälig enstand, ob sich die Symptome steigerten oder minderten, welche Aenderungen im Krankheitsbilde eintraten, ob während des Verlaufs neue Krankheitsursachen hinzutraten und dergleichen.
Hiernach ziehe man 5) Erkundigungen darüber ein, ob bereits eine Behandlung stattgefunden, welche ilittel und Methoden angewendet und welche Erfolge beobachtet wurden, um daraus Anhaltspunkte für die Feststellung des eigenen Handelns zu gewinnen.
aijfm Zeichen, a^ßahia bezeichnen.
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l'ie [{unsthülfe.
Zum Schluss nehme man 6) die Vervollständigung des Vor­berichts vor. Indem man das Erfahrene im Geiste zu einem Krankheits­hilde verbindet, kommt man, da jeder specielle Fall besondere Fragen erfordert, zu neuen besonderen Fragen, deren Beantwortung zu neuem Forschen führen kann. Auch bei der folgenden objeetiven Untersuchung wird man noch auf besondere Punkte aufmerksam, die durch Befragen noch aufzuklären sind, um einen vollständigen Vorbericht zu haben.
Nothwendigkeit des Vorberichts. Nicht bei jeder Untersuchung ist die Aufnahme eines ausführlichen Vorberichts angängig und nothwendig. Sind z. B. gefahrdrohende Symptome vorhanden, dann findet nach kurzer Orientirung sofort die Behandlung behufs Lebensrettung statt, z. ß. bei acute: Tympanitis, bei Blutungen und dergleichen. Jn anderen Fällen sind die Ursachen und das Wesen der Krankheit so klar er­kennbar, dass es eines Vorberichts nicht bedarf. Der Regel nach ist aber ein erschöpfender Vorbericht aufzunehmen.
Irrungen. Die Irrthümer der Anamnese kommen namentlich durch unrichtige Fragestellung Seitens des Arztes und durch unrichtige An­gaben der Wärter und Besitzer zu Stande. Die anamnestischen An­gaben lassen sich aber vielfach prüfen und controliren, aber immerhin können diagnostische Irrungen durch falsche Angaben der Wärter etc. zu Stande kommen. Gegen solche, die aus der Fragestellung ent­springen, schützt die Uebung.
Die Aufnahme des Vorberichts besteht wesentlich in einem Examiniren der betreffenden Personen durch Fragen, die man an dieselben richtet. Die Fragen sind mit Vorsicht und möglichst in der Denkweise der Leute 7.u stellen. Selbst­verständlich sind dabei technische Ausdrüclte zu vermeiden. — Die F rageform, bei der die einfache Antwort -ja'' oder ..neinquot; genügt, bei der man ein Symptom be­schreibt und dann fragt, „haben Sie das nicht bemerktquot; darf nur selten angewandt werden, weil die Wärter sich leicht einbilden, das Geschilderte gesehen zu haben. trotzdem es nicht der Fall ist. Deshalb fragt man besser: „was haben Sie bezüg­lich des etc. beobachtet?'' — Fragen, von denen man voraussetzen kann, dass sie falsch beantwortet werden, sind zu vermeiden. Auf eine Frage an die Magd, ob sie Kadein am Mieder trage, die beim Füttern zum Futter gelangen können, oder auf eine Frage, ob sich in den Wnsserbehiiltern im Stalle verdorbenes Wasser be­funden habe, wird man selten eine wahrheitsgetreue Antwort erhalten. Da muss der Weg der sinnlichen Wahrnehmung eingeschlagen werden. Man darf überhaupt den von den Wärtern und Besitzern gemachten Angaben nicht zu vertrauensselig gegenüberstehen. Oft hat der Wärter und mitunter auch der Besitzer ein Interesse daran, die Wahrheit zu verschleiern. Deshalb muss der Vorbericht inquirirend aufgenommen werden, wobei man aber bestrebt sein muss, das Vertrauen der Auszufragenden zu gewinnen und Rücksicht auf die Individualität, das Tempera­ment, den Bildungsgrad, Charakter etc. der Auszufragenden zu nehmen. Oft muss man durch indirectes Forschen zum Ziele zu gelangen suchen. Man fragt nach
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einigen Zwischen- und Querfragen über denselben Gegenstand in anderen Aus­drücken und mit anderen Wendungen nochmals, kommt bei späteren Besuchen in anderer Weise auf den Gegenstand zurück u. s. \v. immer aber muss man durch eine genaue sinnliche Wahruelunung die gemachten Angaben zu con-troliren suchen, das heisst durch Vergleich des bei der objectiven Untersuchung Festgestellten mit den anamnestischen Angaben, durch richtige sinnliche Ent­deckung der wirklichen Ursachen, durch genaue Untersuchung und durch die Beob­achtung des Krankheitsverlaufs. Die objective Untersuchung ergiebt, ob die An­gaben über Entstehung der Krankheit, über ihre Ursachen u. s. w. wahr sein können oder nicht. Aus dem beobachteten Verlauf der Krankheit erkennt man häufig, wie der Krankheitsverlauf vorher gewesen sein muss.
Die Wärter und Besitzer lassen es in der Kegel nicht bei dem Erzählen der nackten Thatsachen bewenden, sondern sie fügen Ansichten über den Krankheits­fall. Ortbeile über das Beobachtete bei. Je nach Lage der Sache überhöre man diese oder frage nach den Gründen. Bei Entwickelung der Gründe -werden oft neue Thatsachen mitgetheilt, die sonst verschwiegen worden wären.
b. Die unmittelbare objective Untersuchung.
Begriff. Die objective Untersuchung bezieht sich: a. auf das er­krankte Thier, und b. auf andere Dinge, die in Beziehung zu demselben stehen. Die Resultate derselben geben in Verbindung mit den durch die Anamnese festgestellten Thatsachen Äufschluss über die Natur des vorhandenen Krankheitsprocesses, über dessen muthniasslichen Verlauf und über die Art der zu ergreifenden Kunsthülfe.
a. Die Untersuchung des kranken Thieres.
Die objective Untersuchung bezweckt die Feststellung der Krankheits­symptome, die Eruirung des gesamraten Gesundheitszustandes des Pa­tienten, seiner Individualität und seines Verhältnisses zur Aussenwelt. Die Resultate der Untersuchung geben Kenntniss vom Status praesens des kranken Thieres. Deshalb wird die erste Untersuchung auch als Aufnahme des Status praesens bezeichnet.
Bei den kranken Thieren bestehen abnorme Veränderungen der Functionen und der anatomischen Constitution des Körpers. Demgemäss tritt eine Reihe von wahrnehmbaren Erscheinungen als Ausdruck der Veränderungen hervor, Krank­heit ssymptome. Diese theilt man in subjective und objective ein. Unter ersteren versteht man Wahrnehmungen, die das kranke Individuum an sich selbst macht, während letztere solche sind, die der Untersuchende sinnlich wahrnimmt, und zwar entweder a. durch einfache Beobachtung, oder b. durch künstliches Her­vorrufen durch besondere Prüfungsmittel. Diejenigen Symptome, welche mit Sicherheit auf einen bestimmten Krankheitszustand hinweisen, sind die patho-gnomisohenquot;), und diejenigen, deren Vorhandensein mit höchster Wahrschein-
*) -räHni; Krankheit, yvibii.a Kennzeichen.
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Die Kiinsthülfe.
lichkeit bestimmte Krankheilszustämio ausschüesst, dk ne fiati v-pathognomi-schen Symptome.
Erkenntnissquellen der Untersuchung. In den geübten Sinnen, dem geschärften Verstände und gründlichen fachwissenschaftlirhen Kennt­nissen des Thierar/tes sind die Erkenntnissquellen für die Uiitersiichung gegeben.
Die Sinne sind durch HeoLachten und Untersuchen gesunder Thiere zu üben. Für jeden Sinn rauss das Muster des gesunden Thieres, und zwar wie sicli dasselbe unter verschiedenen Verhältnissen, bei Hitze und Kälte, vor und nach dem Fressen u. s. w. verhält, geistig vorhanden sein. Wer im Besitze einer richtigen Vorstellung vom gesunden Tliierleben ist. der wird mit Leichtigkeit jede Abweichung von der Norm erkennen.
Allgemeines über die Ausführung der Untersuchung. Die Untersuchung
der kranken Thiere geschehe mit Benutzung aller Sinnesorgane und mit gespannter Aufmerksamkeit. Man untersuche mit Math, ohne Furcht und Scheu, lasse aber datei die nothwendige Vorsicht nicht aus den Augen. Die Untersuchung der Thiere ist mit Gefahr für die Gesundheit und das Leben des Thierarztes ver­bunden. Der Thierarzt bedarf deshalb einer grossen Gewandtheit und Umsicht, w-enn er keinen Schaden nehmen will. Eine gewisse Dreistigkeit beim Untersuchen wird von jedem Thierarzt verlangt. Um sich keine ßlössen rücksichtlich des per­sönlichen Mathes zu geben, und doch die Gefahr zu vermeiden, bedarf es grosser Klugheit; so sind z. B. widerspenstige Thiere ganz verschieden je nach der Ursache der Widersetzlichkeit, ob dieselbe eine Folge von Schmerzen, von Furcht oder von bösem Willen ist. zu behandeln.
Jede nothwendige Untersnchuiigsmethode muss in Anwendung gebracht werden, mag sie mit noch so grosser Anstrengung verbunden sein und mag sie in noch so unangenehmen Manipulationen bestehen.
„Selbst angreifen, wo es die Untersuchung oder Behandlung verlangt, weder Anstrengung noch schmutzige Manipulationen scheuen, keinen Anstand nehmen, z. B. den After zu untersuchen, wenn es die Gründlichkeit erheischt,quot; sagt Gerlach.
Da die subjeetiven Angaben der kranken Thiere fehlen, muss ihre Unter­suchung ganz besonders gründlich geschehen. Das Verlassen auf den sogenannten praktischen Blick ist immer ein grosser Fehler, wenn die manuellen und sonstigen objeetiven Untersuchungsmethoden dadurch vernachlässigt werden. Glaubt man z. B. aus der Form einer Lahmheit schon von Weitem den Sitz derselben erkannt zu haben, so muss trotz alledem eine exaete Untersuchung aller Gelenke, des Hufes u. s. w. stattfinden, ehe die Diagnose gestellt wird, wenn man sich nicht der Gefahr aussetzen will, sich unter Umständen gründlich zu irren.
Methoden der Untersuchung. Zur Feststellung des Status prae-sens*) benutzt man folgende Untersuchungsmethoden: 1) die Inspection, und zwar a. des kranken Körpers, b. der Se- und Excrete desselben;
*) NB. Aussei der Untersuchung der kranken Thiere giebt es noch eine Unter­suchung zur Feststellung des Gesundheitszustandes im Allgemeinen. Diese erstreckt sich auf das Vorhandensein oder Fehlen der Symptome dos gesunden Lebens. Sie ist nicht Gegenstand der allgemeinen Therapie.
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#9632;2) die Palpation; 3) dk' Mensuration; 4) die Percussion; 5) die Aus­cultation: 6) die Thermoniclrie; 7) die chemische Untersuchung; 8) die mikroskopische [Tntersuchung.
Nachstehend sollen nut einige kurze Angaben über diese Untersuchungs-methoden geuiaclit werden. Das Specielle lindet man in den Specialwelken über üntersucbungsmethoden (z. ß. Vogel, physikalische Diagnostik. Siedamgrotzky und Hofmeister, mikiosliopische und cliemische Diagnostik) und in den Lehr­büchern der speciellen Pathologie und Therapie.
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1. Die Inspection.
Man verstellt darunter die Beobai-lüung des Patienten und seiner So- und Excrete durch den Gesichtssinn, mit und ohne Anwendung von Hülfsmitteli! (Augen- und Nasenspiegel und dergleichen), und theili dieselbe ein in eine allgemeine, die eine allgemeine Orientirung über den ganzen Patienten, und in eine specielle, welche die specielle Feststellung der Beschaffenheit der einzelnen Körpertheile bezweckt.
ilt;. Allgemeine Inspection. Durch diese unterrichtet man sich über Con­stitution, Geschlecht, Alter. Bau, Nährzustand, Kace, Temperamem des Patienten, die Proportions- und G rossen Verhältnisse der Körper-regloneii. die Entwickelung der Mascalatnr, die Winltelung der Gelenke, die Haltung beim Stehen und beim Liegen, sowohl des Gesammlkörpers, als der einzelnen Theile, Dabei stellt man fest, ob sich das Thier ruhig verhält oder Schmerzäusserunge n durch Bewegungen und dergleichen erkennen lässt, wie es Bewegungen im Freien und Im Stande vollzieht, ob es auf den Zuruf auf­merksam reagirt, ein normales Ohrensplol besitzt und dergleichen.
ß. Specielle Inspection. Man betrachte die Haut genauer, stelle fest, welche Beschaffenheit sie hat, und ob sie Irgend welche Besonderheiten zeigt, namentlich, ob das Haar glänzend ist und glatt anliegt, oder glanzlos und ge­sträubt erscheint. Man besichtige die sichtbaren Schleimhäute auf Farbe und sonstige Beschaffenheit und wende dabei eventuell die Spiegelung der Nasenschlelra-haut an und prüfe Lippen, Zahnfleisch, Zähne und Zunge auf ihre Beschaffenheit, Dabei studlre man die natürlichen Körperöffnungen, z. B. ob ihre Ränder Ab­normitäten zeigen, ob die OelTnuugen von normaler Weite sind, ob die Nase das normale Spiel bei der Atbmung zeigt, ob die Lippen geschlossen sind, ob der After etwa ollen steht, ob er bei der Athmung bewegt wird, ob die Augenlidspalte offen gehalten wird. — Das Auge muss genau, eventuell mit Augenspiegel untersucht werden. Man stelle fest, wie der Blick ist, ob ausdruckslos, wild, stier u. s. w., ob die Conjunctiva normal, oder in welcher Hinsicht sie abnorm beschaffen ist, ob die Pupille auf das Licht regelmässig reagirt und die richtige Weite besitzt, wie der Augenhintergrund beschaffen ist und dergleichen. Sodann studire man das Athmen, indem man die Zahl der Athemzüge und die Art und Weise, wie die Respiration ausgeführt wird, oh rhythmisch oder arhythmisch. ob mit oder ohne Geräusch, ob mit oder ohne Beschwerde, feststellt. Man inspiclre auch den Ort des Herzschlages, ob letzterer sichtbar Ist, und achte auf etwa vorhandenen Venenpuls. Sodann beobachte man die Futterauf nähme, etwaige Regurglta-tionen. die Art und Welse des Absetzens der Excrete und dergleichen.
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Nach der Inspection des Körpers folgt die der normalen und abnormen Se-uud Excrete desselben. Etwa bestehender Nasenausfluss und Hustenauswurf ist auf Menge, Farbe, Reaction, Consistenz und Genich zu prüfen; man muss fest­stellen, ob der Ausfluss reichlich oder sparsam, ob er regelmässig in Intervallen oder ununterbrocben erfolgt, ob er zähe und dick oder wässerig und dünnflüssig, ob er farblos, grau, roth, gelblich u. s. w. ist, ob er Luft, Eiter, Blut, häutige Fetzen und sonstige sichtbare körprerliche Dinge enthält. — Der Harn und der Koth sind auf Menge, Reaction, Farbe u. s. w. zu prüfen. Sind eiternde Stellen vorhanden, so inspioirt man den Eiter auf seine Qualität und Quantität. Rothe Flüssigkeiten (Harn etc.) sind spectralanalytisch auf Hämoglobin zu prüfen.
2. Die Palpation.
Man versteht darunter die Untersuchung der betreffenden Theile direct mit der Hand durch Betasten und Befühlen, oder mit Instru­menten, Zangen, Sonden und dergleichen. Man bezweckt damit, sich über die Form, Grosse, Consistenz, Temperatur, Lage, Empfindlichkeit und Beweglichkeit des zu untersuchenden Theiies, über die Qualität, die Temperatur der Haut, die Beschaffenheit der Körperoberfläche, die Qualität des Arterienpulses und des Herzschlages, die Bewegungen der Baucheingeweide u. s. w. zu unterrichten.
Durch Betasten und Befühlen der Haut stellt man fest, ob Verdickungen, Exantlieme, Narben, Spuren von Einreibungen, Geschwülste, Oedeme, Emphyseme und dergleichen bestehen. — Um die Hauttemperatur festzustellen, legt man die Hand mit der Innenseite oder dem Kücken auf die verschiedenen Körperregionen und streicht auch leicht über dieselben hinweg. Man vergleicht insbesondere die Tem­peratur des Rumpfes mit der der Extremitäten, der Ohren, des Nasenrückens, des Flotzmaules beim Rinde, des Rüssels beim Schweine, der Schnauze beim Hunde.
Den Arterienpuls fühlt man beim Auflegen des Mittel- oder Zeigefingers auf eine grössere Arterie, welche eine feste Unterlage hat (Arteria radialis, facialis ext., temporalis, caudalis, femoralis u. s. w.). Man stellt fest, ob derselbe frequent, selten, schnell, langsam, stark, schwach, regelmässig, unregelmässig, intermittirend, interennirend, gross, klein, fadenförmig, doppelschlägig ist, oder ob er ganz fehlt, ob sich die Arterie hart oder weich anfühlt, ob sie leicht oder schwer zusammen­zudrücken ist und dergleichen.
Die Luftwege palpirt man von den Nasenöffnungen ab nach abwärts. Man stellt fest, ob Abnormitäten an den Nasenöffnungen, an der Nasenschleimhaut, der Nasenscheidewand, an den Luftsäcken, dem Kehlkopf und an der Trachea bestehen. Man palpirt den Thorax sowohl auf die Athem- als auf die Herzbewegungen, und zwar auf die Stärke und Ausdehnung der Fühlbarkeit des Herzschlages, auf die Eindrücke, welche die fühlende Hand beim Athmen empfängt. Durch Druck und Stoss auf die Thoraxwand constatirt man, obSchmerzäusserungen dabei eintreten.
Man palpirt die zugänglichen Lymphdrüsen, das Scrotum, den Leisten­ring, die Kuthe, die Vorhaut u. s. w., je nachdem dies erforderlich ist.
Die Bauchhöhle untersucht man durch Palpation auf die Art der Bauch­spannung, auf das Vorhandensein von Hernien, auf die Magen- und Darmbewe­gungen, die Pansenbewegungen der Rinder, auf die Füllungszustände und Grössen-und Lageverhältnisse der Baucheingeweide,
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Per rectum stellt man die BesclialVenheit des Inhalts desselben, die Be-schaffenlieit der fühlbaren Darmpartion und der am Kücken liegenden grossen Gefässstämme, eventuell auch die der Orarien, des Uterus, der Harnblase und der etwa in der Bauchhöhle vorkommenden Geschwülste fest.
Per vaginam untersucht man den Harn- und Genitalapparat, so weit es angeht, und eventuell die Verhältnisse des Fötus.
Per os palpirt man die Wände der Mundhöhle bis zur Kachenhöhle.
Die Palpation ist namentlich bei Absoessen, Geschwülsten, An­schwellungen und dergleichen, deren Grosse, Consistenz, Form, Schmerz-haftigkeit und Temperatur, eventuell Fluctuation zu wissen nöthig ist. von Wichtig­keit. Auf Flüssigkeilsansammlungen im Bauche untersucht man derart, dass man auf der einen Seite der Bauclnvand (eines Hundes z. B.) einen kurzen Druck (Stoss) ausübt, während die andere Hand ilach auf der entgegengesetzten Seite ruht und eventuell den Wellenstoss auffängt.
3. Die Mensuration.
Es ist unter Umständen von Wichtigkeit, die Grosse, Ausdehnung, Füllung u. s. w. von Körpertheilen, krankhaften Geschwülsten und der­gleichen festzustellen. Zu dem Zwecke misst man mit dem Centimeter-maass, Tasterzirkel und anderen Messinstrumenten.
4. Die Percussion.
Bei der Anwendung der Percussion bezweckt man durch Beklopfen der zu untersuchenden Theile einen Ton zu erzeugen, aus dessen Qualität man auf die Beschaffenheit der unter der percutirten Region liegenden Theile schliessen kann. — Man kann diese Untersuchungsmethode in sehr vielen Fällen anwenden. Ganz besonders aber ist sie gebräuchlich zur Untersuchung von Körperregionen, die normaliter ganz oder theil-weise lufthaltig sind (das sind z. B. die Nasen-, Stirn- und Kieferhöhlen, der Larynx, die Trachea, der Thorax, das Abdomen u. s. w.), oder die muthmasslich abnormer Weise Luft enthalten (Emphyseme, Hernien). Man kann durch Percussion feststellen: die Grenzen der lufthaltigen Partien, den Luftgehalt, die Wandbeschaffenheit und die Spannungs­verhältnisse der Luft führenden Theile, die Lage und Ausdehnung der benachbarten oder seitlich eingeschlossenen soliden Organe. Man unter­scheidet zwischen einer unmittelbaren und einer mittelbaren Per­cussion. Erstere wird direct mit den Fingern, letztere vermittelst gewisser Instrumente (Plessimeter und Percussionshammer) ausgeführt.
5. Die Auscultation.
Man versteht darunter das Horchen an Hohlräumen, Organen und Theilen, in denen vermuthlich abnormer Weise Geräusche entstehen, oder in denen normaliter gewisse Geräusche zu Stande kommen, die bei Krankheiten Abänderungen erfahren können. Am meisten wird diese Untersuchungsmethode gebraucht, um vermittelst des Gehörs die Töne und Geräusche, welche die Bewegung der Luft in den Athmungs-,
Ki 1 p ii b prge r. Allgemeine Therapie.
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194nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
die Bewegung des Bluies in den Circulations- und die Bewegungen des Magen- und Daiminhalts in den Verdauungsorganen verursachen, fest-zuslcllen. Han auscultirt entweder durch unmittelbares Anlogen des Ohres an die betreffende Körperwand, oder vermittelst eines Stethoskops.
Pathologische Athemgeräusche werden beim Vorhandensein von Hindernissen in den Luftwegen, hei Störungen im Atlimungsmechamsmus, bei Störungen der normalen Schallleitungon wahrgenommen. Pathologische ciroulatorische Geräusche kommen durch Klappenfehler am Herzen, Verengerungen der Gefässe und dergleichen und pathologische Digestionsgeräusche durch zu lebhafte oder zu träge Peristaltik und dergleichen zu Stande. Auch das Vorhandensein oder Fehlen gewisser Ge­räusche ist diagnostisch oft sehr wichtig.
6. Die Thermometrie.
Mit dieser Methode verschallft man sich Auskunft über die Ver-liältnisse der Innentemperatur des Patienten, ob normale, hoclmorraale, subfebrile, leicht febrile, febrile, hochfebrile, hyperpyretische oder unter­normale Temperaturen zugegen sind. Bei unseren Hausthieren stellt man in der Regel die Rectaltemperatur fest, indem man ein gutes Thermometer in das Rectum circa 10 Minuten lang einlegt. Man muss zu verschiedenen Tageszeiten messen und bei Beurtheilung der Resultate die Tagesschwankungen, die Individualität, Gattung, Alter und Geschlecht wohl berücksichtigen. Man prüfe von Zeit zu Zeit das Thermometer, ob es noch richtig zeigt, und verwende nur gute, verhältnissmässig theure Instrumente. Am besten sind Maxiraalthermometer. — Die Thermo­metrie ist zur Stellung der Prognose und für die Feststellung des Cur-plans unerlässlich. Ein tüchtiger Praktiker legt sich deshalb bei wich­tigen Fällen von fieberhaften Leiden Temperaturcurven an.
7. Die mikroskopische Untersuchung.
Die Se- und Excrete der Kranken müssen nicht selten auf das Vorkommen körperlicher, zelliger und anderer Elemente und Krystalle untersucht werden.
So untersucht man die Nasenausflüsse und die sonstigen mit Husten und Niesen ausgeworfenen Massen (Sputa) auf Epithelien. Schleim- oder Eiter-körperchen, Zellkerne, Fette, Blutkörperchen, elastische Fasern. Jlikrokokken. Baoillen, Körnchenhaufen, Cholestearin-, phosphorsaure Ammoniak - Magnesia-. Hämatoidinkrystalle. Infusorien, Helminthen. Speisereste und dergleichen. — Bei Blutungen aus inneren Theilen, z. B. Hund, Nase, After, prüft man inikrosko-pisch auf Blutkörperchen, Eiter- und Sohleimkörperchen, Epithelien, Muskelfasern, Spiralgefässe, Fette, Oele, Stärkemehlkörnchen und dergleichen; künstlich entleertes Blut auf das Verhältniss der rothen zu den farblosen Blutkörperchen und die Form beider, und auf das Vorkommen von Bacillen und Würmern in demselben. — Den Harn untersucht man auf die Epithelien, Blut- und Eiterkörperchen- Harncylinder. Spermatozoiden, Pilze, Infusorien, Krystalle und dergleichen. Das Vorhandensein von Blutfarbstolf stellt man auf mikroskopisch-chemischem Wege durch Darstellung der Häminkrystalle fest.
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Die Knnsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 195
In seltenen Fallen kann auch die milcroskopische Untersuchung des Kotlies nothwendig -werden, oder die von sonstigen Abgängen per rectum. Die Unter­suchung der Ausflüsse ans dem Uterus und der Vagina ist oft erwünscht.
Wund- und Geschwürsse orete untersucht man mikroskopisch auf Eiter-liörperchen, Pilze. Mikrokoliken, Bacillen und fremde Beimischungen.
Das Futter oder G etränk der Thiere wird mikroskopisch geprüft bei Krank­heiten , deren Ursache im Futter oder Getränk gesucht wird, und die man nicht selten im Vorhandensein von Pilzen, Milben und dergleichen findet.
Die Milch der weiblichen Thiere ist unter Umständen auf die Gegenwart von Pilzen, auf die Menge und Form der Milchkörperchen, auf das Vorhandensein von Blutkörperchen und dergleichen zu prüfen.
Die Hautschuppen, Haare, Hautsecrete sind bei vielen Hautkrank­heiten zur Feststellung dessen, ob sie durch pflanzliche oder tlüerische Parasiten veranlasst werden, einer mikroskopischen Prüfung zu unterziehen.
8. Die chemische Untersuchung.
Vielfach ist zur Stellung der Diagnose eine chemische Prüfung ihierischer Theile, namentlich von Se- und Excreten nothwendig. Ganz besonders wichtig sind die Harnuntersuchungen (auf Eiweiss, Chloride, Phosphate, Carbonate), aber auch Blut-, Milch-, Schleim-, Kothunter-suchungen können notliwendig werden, wie auch die Untersuchung der Wundsecrete und der Secrete der Haut. — Die chemische und mikro­skopische Diagnostik wird von thierärztlicher Seite noch immer zu wenig geübt. Es ist unmöglich, in diesem Lehrbuche näher auf den Gegenstand einzugehen. Es ist auch überflüssig, da wir im Besitze eines vorzüglichen Werkes von Siedamgrotzky und Hofmeister sind, welches diesen Gegenstand speciell bearbeitet.
Ordnung und Gang der Untersuchung Jede objective Untersuchung muss in bestimmter Ordnung erfolgen, mögen die Verhältnisse so liegen, dass eine totale Untersuchung des Patienten, das heisst aller seiner Organe nothwendig wird, oder mögen sie so sein, dass eine Special­untersuchung des erkrankten Theiles genügt.
Die Art und Weise der Untersuchung hängt von der Natur, dem Sitze etc. des Leidens ab. Bei Gewiihrsfehlern wird man anders untersuchen, als bei einer Hautwunde. Bei einer einfachen Lahmheit ist die Untersuchung der inneren Körper­organe überflüssig, bei einer leichten äusseren Verletzung genügt in der Regel die Untersuchung des verletzten Theiles.
Man unterscheidet die semiologische (semiotische) und die totale schematische Untersuchung.
Bei der semiotischen Untersuchung bildet der leidende Theil den Mittelpunkt des ganzen Untersuchungsverfahrens. Der Arzt richtet von vornherein sein Augenmerk auf die wesentlichen Symptome und sucht aus diesen zu erkennen, welches Organ oder welcher Apparat leidet. Sobald dies erkannt ist, macht er den oder die kranken
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19Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthiilfe.
Theile zum Hauptobject resp. Mittelpunkt der üulcrsuchung, lässi sicli von den ermittelten Symptomen weiter leiten und richtet die Unter­suchung dahin, wohin diese zeigen.
Bei der totalen Untersuchung, dem schematischen Unter­suchungsgange, untersucht man alle Theile und Organe des Thierkörpers gleich sorgfältig. Der Forschungsgang ist hierbei entweder der so­genannte analytische oder der genetisch-historische. Die ana­lytische Methode beginnt mit der Ausmittelung des Grundleidens durch Feststellung des Status praesens durch die objective Untersuchung. Hierbei kann nach vorheriger Inspection die topographische oder anatomisch-physiologische Methode der Untersuchung benutzt werden. Nach ersterer untersucht man eine Körperregion nach der anderen, nach letzterer dagegen die functionellen Organapparate nach einander. Unter Umständen corabinirl man beide Methoden mit ein­ander. An diese objective Untersuchung schliesst sich dann die Er­kundigung bei den Wärtern und Besitzern über den bisherigen Krank­heitsverlauf, die bisher beobachteten Erscheinungen u. s. w. an.
Bei der genetischen Methode beginnt man mit Feststellung der Gesundheits- und Krankhcitsgeschiehte des Individuums, resp. auch seiner Familie. Dem folgt dann die Erforschung der gegenwärtigen Alterationen durch die objective Untersuchung.
Ob eine totale Untersuchung notlnveudig ist, ergiebt sich aus den speciellen Verhältnissen des Falles. Vieltach ist es bei gerichtlichen Untersuchungen erfor­derlich, dass eine totale Untersuchung des Streitobjects vorgenommen wird, aber auch in anderen Fällen, bei inneren, namentlich constitnlionellen Kranliliciten kann eine derartige Untersuchung notlnveudig werden. Ganz besonders ist es dem An­fänger, schon der Uebung wegen, zu empfehlen, die Untersuchungen schematiscli vorzunehmen. — Jeder Thierarzt liann seinen eigenen Untersiichungsniodus haben. Nachstehend geben wir zwei Schemata als Beispiele.
1, Die semiologische Untersuchung.
Die Untersuchung beginnt mit Feststellung dessen, ob ein äusseres oder ein inneres Leiden vorliegt. Dies geschieht durch Erhebung des Vorberichts und durch allgemeine Beobachtung des Patienten.
Darauf folgt 1) bei äusseren Leiden die speciello Inspection und Palpation etc. zur Feststellung der Natur, des Grades etc. der Krankheit, 2) bei inneren Leiden laquo;. Feststellung, ob Fieber besteht oder nicht, ß. Feststellung des Ortes der Erkrankung, y. Feststellung der Natur, der Ausbreitung u. s. \v. der Krankheit und ihrer Com-plicationen.
a. Bei äusseren Leiden. Man stellt durch die Inspection, welche Uebung im Sehen voraussetzt, fest, ob ein Tumor oder eine sonstige Gestaltsänderung des betreffenden Theiles, ob Atrophie und ob Functions-
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Dii K'unstluilfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 197
Störungen (Lahmheit und dergleichen) vorhanden, und welcher Natur diese sind. Man beobachtet die Thiere im Stande der Ruhe, während der Bewegung u. s. \v. Dann schreitet man zur speciellen Palpati on, stellt die Art der Form Veränderung, der Schwellung etc. fest, prüft den erkrankten Theil auf seine Schmerzhaftigkeit. seine Temperatur u. s. w. Bei der Palpation bedient man sich der betreffenden Hüifsmittel, der Sonden, Zangen, des Tasterzirkels, Troicarts und dergleichen. Von besonderer Wichtigkeit ist bei der Palpation und Inspection, dass man die paarigen Theile mit einander vergleicht.
b. Bei inneren Leiden. Zuerst stellt man durch eine Voruntersuchung fest, ob das Leiden mit oder ohne Fieber verläuft, und darauf con-statirt man, wo die Krankheit ihren Sitz hat. Bezüglich der ersten Frage prüft man die innere und äussere Temperatur, die Wärmevertheilung, die Verhältnisse des Pulses und des Habitus des Patienten. Den Ort der Erkrankung erkennt man wesentlich aus den Fnnctionsstörungcn der betreffenden Organe. Auf Erkrankung der Respirationsorgane weist das Vorhandensein bedeutender Athembeschwerden und unregelmässiger Respiration, von Husten und Auswurf hin. Krankheiten der Ver­dauungsorgane erkennt man am gestörten Appetit, Unregelmässig-keilen in den Entleerungen, Erscheinungen von Leibschmerz, Gelb­färbungen der Schleimhäute und anderen besonderen Symptomen. Leiden der Circulationsorgane geben sich durch Unregelmässigkeiten des Pulses, Vorhandensein des Venenpulses, Stauungen des Blutes in gewissen Regionen, eyanotische oder blasse Schleimhäute und dergleichen zu er­kennen. Auf Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane kann man vielfach aus dem Vorbericht oder auf Grund des Mangels von Symptomen, die auf andere Erkrankungen hinweisen, aber auch aus bestimmten pathognomischen Symptomen (abnorm beschaffener Harn, Schmerzen in der Nierengegend, Harnzwang u. s. w.) schliessen. Die Krankheilen der Bewegungsorgane sind kenntlich an den Bewegungs­störungen, und die des Nervensystems an Symptomen der Erregung oder der Depression (Hyperästhesie, Anästhesie, Spasmen, Paralysen, Raserei, Abgestumpftheit etc.).
Sobald man nach dieser oberflächlichen Voruntersuchung die Ueber-zougung gewonnen hat, dass dieses oder jenes Organ oder Organsystem erkrankt ist, schreitet man zur speciellen Untersuchung der erkrankten Theile, um nun die Art der Erkrankung, die Ausbreitung und das Stadium derselben, ihre Complicationen u. s. w. zu ermitteln. Das Speciellere über diese Untersuchungen findet man in dem nachstehenden zweiten Schema.
2. Schema einer totalen Untersuchung des Patienten.
I. We Erhebung des Vorbericlits.
(Siehe S. 18G.)
2. Die Indirectlaquo; liitersuiliiiuif. Die licoUachtung aus der Ferne.
Diese bezweckt, eine allgemeine Orientirung über das kranke Thier zu geben. Beim Eintritt in den Stall übersieht man mit schnell orien-
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198nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
tirendem Blick die ganzen Stallverhältnisse und die aufgestellten Thiere. Dabei wird man nicht selten ohne Andeutung vom Besitzer aus der ganzen Stellung und Haltung, aus der Beschaffenheit des Haarkleides, der Art und Weise des Liegens oder Aufstehens, des Fressens, aus dem Nälirzustand und dergleichen das kranke Thier erkennen. Darauf nimmt man eine allgemeine Inspection des Patienten vor, übersieht den Nährzustand, die gesammto Haltung des Thieres und dergleichen. — Diese Beobachtung soll sich nicht auf die specielle Inspection der ein­zelnen Apparate und Theile (cfr. 3.) erstrecken, sondern sie soll nur den allgemeinen Eindruck, den der Patient auf den Beschauer macht, und die hervorstechendsten Symptome des Leidens feststellen.
S. Die directe Siiecialnntersiiclinug.
Diese erstreckt sich auf alle Organe und Theile des Thierkörpers und stellt deren Beschaffenheit und Functioniren fest. Sie umfasst;
a. Die Haut, resp. die Kürperoberflüclie.
Man bestimmt ihre Trockenheit oder Feuchtigkeit, ihre Härte und Sprödigkeit, ihre Temperatur, man stellt fest, ob sie leicht abhebbar, weich und elastisch ist, ob sie sich leicht in Falten legen lässt, ob die Falten stehen bleiben, ob Ausschläge, Knötchen, Bläschen, Schwellungen bestehen, ob Excoriationen, Geschwüre, Wunden. Varicen und dergleichen Abnormitäten vorhanden sind. Schmerzhafte Stellen prüft man nach Farbe, Volumen, Consistenz, Form, Temperatur, Verhalten auf Druck, Percussion u. s. w.
Mit dieser Untersuchung verbinde man die der sichtbaren Schleimiiiuitc und natiirlicheu Hör()ci'öffiiuiigen.
b.nbsp; nbsp; Die Circulationsorgaue.
Man prüft die Zahl, die Beschaffenheit und den Rhythmus des Herz- und Arterienschlages durch Palpation, die Herz-und Gefässgeriiusche durch Aus­cultation, und unterrichtet sich durch Palpation und Percussion über die Lage und Grosse des Herzens und etwaige Füllung des Herzbeutels. Aus dem Orio und der Art des fühlbaren Herzschlages ergeben sich Schlüsse über die Lage und Grosse des Herzens. Die Vena Jugularis ist rücksichtlich eines etwa vorhandenen Venenpulses zu beobachten. — Die Füllung der Hautgefässe, die Farbe der Schleimhäute sind bei Beurtheilung der Circulationsverhältnisse wohl zu beachten. Unter Umständen ist auch eine Untersuchung per rectum behufs Pal­pation der grossen Gefässstämme nothwendig. Die Blutboschaffen he it prüft man durch Untersuchung des durch Probeaderliisse gewonnenen Blutes.
c.nbsp; nbsp;Die Verdauungsorgane.
Ueber die Verhältnisse der Digestion erhalten wir wichtige Aufschlüsse durch die anamnestischen Feststellungen bezüglich des Appetits und Durstes und be­züglich des Absetzens und der Beschaffenheit des Kothes.
Die eigentliche Untersuchung beginnt mit der Mundhöhle. Man constatirt zunächst, ob ein Inhalt in derselben vorhanden, und wie dieser beschallen ist, dann prüft man durch Palpation und Inspection die Beschaffenheit und Lage der Lippen, untersucht die Zähne auf ihre Zahl, ihre Beschaffenheit und ihre Stellung durch
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;199
Palpation und Percussion, stellt die BesohaffenheiL der Mundschleimhaut auf ihre Feuchtigkeit und Temperatur, auf Verletzungen und dergleichen fest, und unter­sucht dann die Zunge auf Form, Volumen, Farbe, Temperatur. Beweglichkeit und sonstige Eigenschaften, und stellt endlich noch Beobachtungen über die Art des Kauens an.
Nach dor Untersuchung der Mundhöhle folgt die des Pharynx und des Oesophagus. Man palpirt diese Theilo von aussen durch die Haut hindurch und stellt so etwaige Abnormitäten. Schwellungen u. s. w. fest: sodann constatirt man, ob Schlingbeschwerden vorhanden sind, ob lliissige Substanzen besser auf­genommen werden, als feste, ob erstere theilweise wieder aus der Nase zurück-fliessen. — Darauf erforscht man die Verhältnisse des Magens, ob Uebelkeit, Brechneigung, Erbrechen oder Rülpsen besteht, ob der Magen schmerzhaft ist, welche BeschalTenheit die etwa erbrochenen Massen haben. Bei Wiederkäuern palpirt. percutirt und auscultirt man den Pansen. Xach dieser Untersuchung folgt die des Darmcanals und der Leber durch Palpation. Percussion und Auscultation. Ausserdem ist die Beobachtung der Futteraufnahm e, des Kothabsatzes und der Kothbesohaffenheit vorzunehmen.
d. Die Athmungsorgane.
Die BeschalTenheit der Respirationsorgane erschliesst man aus der Zahl und dem Rhythmus der Athemzüge, aus der Art und Weise der Ausführung der Rospiration, aus den bei der Auscultation und Percussion der Nasen­höhle, des Larynx, der Trachea und der Lungen vernehmbaren Tönen und Ge­räuschen, aus den Resultaten der Palpation der Wände der Nasenhöhlen, des Kehlkopfs, der Trachea, des Thorax, aus den Ergebnissen der Inspection des Thorax bezüglich seiner Construction u. s. w., und aus der BeschalTenheit der sichtbaren Schleimhäute der Nase, aus dem Fehlen oder Vorhandensein von Husten, Niesen, Prusten, aus der BeschalTenheit des natürlich hörbaren oder künstlich erregten Hustens, aus dem Fehlen oder Vorhandensein von Nasenausfluss oder Hustenauswurf, aus den Eigenschaften der entleerten Massen und aus dem Geruch der exspirirten Luft.
Die Beschaffenheit der Stimme der Thiere kann namentlich bei Hunden in Betracht kommen. Die meisten kranken Thiere lassen ihre Stimme selten ver­nehmen. Der Arzt muss bei Thieren an dem (eventuell künstlich erregton) Husten das erkennen, was beim Menschen durch die Beschaffenheit der Stimme beim Sprechen des Patienten offenbart wird.
e. Das Muskel- und Knochensystem.
Diese Untersuchung erstreckt sich auf die Feststellung der Masse und Festig­keit der Musculatur und ihre Kraftverhältnisse, auf das Vorhandensein von Schwellungen, Geschwülsten, Atrophien an den Muskeln, auf das Bestehen von Lahmheiten, Krämpfen und dergleichen. Sie umfasst ferner die Untersuchung der Knochen auf Abnormitäten und die der Knochensinus auf ihre Beschaffenheit. Es geschieht dies durch Inspection, Palpation und Percussion. Endlich erstreckt sie sich noch auf die Feststellung der Beschaffenheit der Gelenke, der Haltung des Kopfes, des Rückens, des Halses, der Extremitäten, auf die BeschalTenheit der Sehnen, Sehnenscheiden und Bänder, auf die Untersuchung des Hufes, der Klauen, der Nägel und Krallen.
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Die KunsUiiilfe.
f. Die Temperaturverhältnisse. Bei jedem kracken Thiere ist sowohl die Vertheilung der Hauttemperatur, als die Höhe der Innentemperatur und eventuell der Wechsel derselben festzustellen. — Erstere prüft man durch Betasten mit der Hand (S. 192}, letztere auf dem Wege der Thermometrie. Das Thermometer wird in das Rectum oder in die Vagina ein­gelegt. Bei offenstehendem Anus ist die Feststellung der Rectaltemperatur werthlos.
g. Das Nervensystem und die Sinnesorgane.
Man verschafft sich zunächst Kenntniss von den All gerne in gefühlen des l'atienten, man stellt fest, ob er munter und lebhaft oder matt und abgeschlagen, ob er aufmerksam auf die Umgebung ist, ob Schlaflosigkeit besteht, oder ob Anfalle von Raserei vorkommen. Man prüft die Erregbarkeit des Nervensystems im Ganzen und in einzelnen Bezirken speciell. ob dieselbe erhöht oder vermindert ist, ob das Gefühl erhalten, ob Lähmungen, Zittern, Krämpfe zu beobachten sind; man stellt fest, ob üebereinstimmung in den Functionen des Nerven­systems besteht und ob Schmerzäusserungen vorhanden oder leicht erregbar sind. Speciell prüft man die Sinnesorgane, wie sie beschallen sind, ob sie normal functioniren, namentlich ob die Thiere hören und sehen, ob die Pupillen sich normal verengern und erweitern, ob Schielen bestellt, ob Photophobie vorhanden ist und dergleichen. — Endlich ist noch festzustellen, ob vielleicht Koth und Harn unwillldirlich abgehen.
li. Die Se- und Excretionen.
Alle Se- und Excrete sind auf ihre Menge und ihre Eigenschaften zu prüfen. Es ist festzustellen, ob Ptyalismus besteht, ob die Thiere mehr als normal schwitzen, ob die Thrän en drüsen normal secerniren u. s. w. Eine specielle Aufmerksamkeit ist dem Harn zuzuwenden. Dieser ist speciell auf Menge, Farbe, Reaction, Consistenz und seine chemischen Eigenschaften zu prüfen. Man muss wissen, ob er Eiweiss, Chloride, Phosphate, Carbonate enthält, ob er hell oder trübe ist, ob und welche Sedimente er bildet, ob er oft abgesetzt wird, ob der Act des Absetzens normal ist und dergleichen.
i. Die Harn- und Geschlechtsorgane. Die Harnuntersuchung giebt schon bedeutenden Aufschluss über die Be­schaffenheit besonders der Harnorgane. Ausserdem aber kann man sich in dieser Richtung noch durch Inspection und Palpation und eventuell durch Untersuchung per an um und per vagi na m unterrichten. Von ausscn kann man durch die Bauohdecke palpiren, die Nierengegend beklopfen, den Penis und das Präputium, die Vulva direct untersuchen. Per rectum kann man den Harnleiter, die Harnblase, die Prostata, eventuell auch die Nieren untersuchen. Ebenso gelingt dies auch mit dem Uterus. Bei weiblichen Thieren ist oft die Vaginaluntersuchung vorzunehmen. Ueber das Functioniren der Geschlechtsorgane erhält man durch Befragen Auskunft.
Damit ist die Untersuchung beendet. Während derselben kann die Ergänzung des Vorberichts stattfinden, da die bei der objectiven Untersuchung fest gestellten Resultate nicht selten neue Gesichtspunkte ergeben, von denen aus neue Fragen zu stellen sind.
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Die. Kunsthälfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; quot;201
Häufig verfährt man bei den Untersuchungen so, class man bei der Befundaufnahme diejenigen Organe, welche in der Brust- und Bauch­höhle liegen, keiner speciellen Untersuchung unterzieht, anstatt dessen aber zum Schluss eine speciclle Prüfung der gesammten Brust- und Bauchhöhle in toto folgen lässt.
k. Die Brusthöhle.
Man percutirt regionenweise beiderseits die ganze Brusthöhle ab und stellt damit die Grenzen des Zwerchfells, die Lage. Begrenzung und Beschaffenheit des Herzens und die Verhältnisse der Lungen (speciell ihre Lufthaltigkeit) fest. — Dann auscultirt man vor der Tarnst und zu beiden Seiten an den Wänden des Thorax und constalirt die Verhältnisse der Lungen, des Herzens, namentlich seines Klappen­apparats, die der grossen Gefässstämme, der Pleura und des Pericavdiums. —Dann palpirt man die Brustwand, ob äusserlich Veränderungen an der Haut bestehen, wie die Athmungsexcursionen stattfinden, ob Vibrationen der Thoracalwand resp. der Muskeln zugegen sind (Rassel-, Pleural-, Vocalfremitus u. s. w.), ob die Tliiere bei Druck auf die Rippenwandung Schmerzen empfinden, ob Zeichen einer Ein­reibung, eines Fontaneiis und dergleichen zugegen sind, ob Hautemphysem besteht u. s. w. Unter umständen mass der Thorax in seinen einzelnen Regionen ge­messen werden. — Dass der ganzen genannten Untersuchung des Thorax dessen Inspection, wodurch die Construction, die Grosse und seine Bewegungen fest­gesetzt werden, vorausgehen muss, bedarf kaum einer nochmaligen Erwähnung.
1. Die Bauchhöhle.
Man inspicirt dieselbe zunächst, um Grosse, Umfang, Form und Bewegungen festzustellen (ob der Bauch erweitert, tympanitisoh aufgetrieben oder einseitig vor­gewölbt, oder ob er eingezogen, in den Flanken eingefallen ist, ob starkes Bauch-athmen, ob pulsatorische Bauchbewegungen oder Bewegungen des Fötus wahr­zunehmen sind und dergleichen). — Dann palpire man die Bauchhöhle im Ganzen daraufhin, welche Wandspannung besteht, ob Hernien, Hautverdickungen und dergleichen äusserlich zugegen sind, und ob Wasser- oder Luftansammlungen in der Bauchhöhle bestehen.
Nun folgt die genauere palpatorische, a uscnltatorische und per-cussorische Untersuchung der einzelnen Regionen, um die Lage. Grosse, Form, Füllung etc. der Baucheingeweide festzustellen. Man kann so unter Um­ständen constatiren, ob die Leber und eventuell auch die Milz Lageveränderungen erlitten, oder ob sie vergrössert ist.
Der Magen ist bei einigen Thieren der Untersuchung schwer zugänglich, beim Pferde z. B. gar nicht. Bei anderen Thieren kann er palpirt und percutirt werden. Der Pansen der Rinder ist der directen Untersuchung leicht zugänglich, schon durch die Inspection und Auflegen der Hand nimmt man seine Bewegung und Füllung wahr, aber auch durch Percussion kann man seine Inhaltsverhältnisse feststollen, während die Auscultation über seine Contraclionen Aufschluss giebt. — Den Darmcanal der kleinen Thiere kann man ebensowohl wie die Mesenterial-drüsen durch die Banclidecken palpiren (durchgreifen) und dabei constatiren, ob Fäcalstasen bestehen, eingeklemmte Steine vorhanden, ob Lymphdrüsenschwellungen zugegen sind u. s. w. Bei grossen Thieren ist dies nur theilweise möglich. Die Percussion und Auscultation belehren uns über die Bewegungen und die Beschaffen-
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20-2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Dip Kunsthülfe.
heit des Inhalts der Darniabsohnitte. — Kicht zu vergessen ist die Untersuchung per rectum. Man führt den eingeölten Arm oder Finger per anuin ein und befühlt die erreichbaren Darniabsohnitte. — Diese Untersuchung ist auch zur Feststellung-anderer Abnormitäten, z. B. von Thromben in der Aorta abdominalis und ihren grossen Aasten, von Tumoren in der Bauchhöhle, bei Uterus- und Blasenleiden u. s. w. nothwendig.
ß. Die sonstigen objectiven Feststellungen. Der üniersuchung der Thiero folgt unter Umständen zur Fest­stellung der Ursachen, welclio die Entstehung der Krankheit bedingten oder dieselbe mit erhalten, eine Untersuchung des Stalles (der Venti­lation, der Bodenverhältnisse, des Jaucheabflusses u. s. w.), des Futters, der Weide u. s. w. (siehe vorn).
2. Die Diagnose (Krankheitsbestimmung, Krankheitsunterscheidung).
Begriff. An die Untersuchung des kranken Thieres schliesst sich die wissenschaftliche Beurtheilung der durch dieselben festgestellten Thatsachen behufs Bestimmung der Natur der Krankheit und des ge-saramten Zustandes des kranken Thieres. Bei der Diagnosenstellung handelt es sich:
a.nbsp; nbsp;um Feststellung des ursprünglich erkrankten Organs, Organ­apparats, Organsystems;
b.nbsp; nbsp;um Constatirung der Natur dieser Primärerkrankung;
c.nbsp; nbsp;um Eruirung der Theile, die — auf sympathischem Wege, oder durch Continuität, Contiguität, innere Ansteckung, Transplantation u. s. w. — seeundär in Mitleidenschaft gezogen worden sind, und um Feststellung der Art des Ergriffenseins;
d.nbsp; nbsp;um Erkenntniss des Einflusses, den die Individualität des Pa­tienten und die gegebenen äusseren Verhältnisse — seien es klimatische, atmosphärische, tellurische, seien es ökonomische, seien es enzootische und dergleichen Einflüsse — auf die Krankheit ausüben;
c. um Feststellung der Art der Entwickelung und der liigenthüm-lichkeiten des speciellen Krankheitsverlaufs.
Die wissenschaftliche Beurtheilung des kranken Thieres auf alle diese Verhältnisse heisst Diagnose. Die Kunst, aus den vorhandenen Symptomen auf die Natur der Störungen zu schliessen, heisst Dia­gnostik.
Eintheilung. Die Diagnose ist entweder eine anatomische oder eine symptomatische. Die erstere bezeichnet die Natur der einer Krankheit zu Grunde liegenden anatomischen Veränderung (Lungen­entzündung), die letztere nur ein hervorstechendes Symptom (Melliturie).
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Die Kunstlmlfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 203
Letztere ist nur berechtigt, wenn die anatomischen Störungen unbe­kannter Natur sind, so dass es unmöglich ist, eine anatomische Diagnose zu steilen.
Verfahren der Diagnostik.
a.nbsp; nbsp;Ordnung der Symptome. Nachdem die Untersuchung beendet ist, ordnet man das Erfahrene und Erforschte, sowohl die Ur­sachen, als die Erscheinungen. D^e Symptome werden am besten in physiologischer Ordnung und nach der Zeitfolge der Entstehung zu-sammengestellt; dabei scheidet man das Wichtige und Wesentliche vom Unwichtigen und UnwesenÜichen. — Nach der Aufstellung der Sym­ptome folgt:
b.nbsp; Die physiologische, genetische und anatomische Prüfung derselben.
Bei der physiologischen Betrachtung trennt man die Symptome des Krankheitsprocesses von denen der Ursachen, prüft sie auf ihren Werth und das gegenseitige Verhiiltniss und scheidet sie danach in primäre und seeundäre Symptome und in die Symptome der Heilmittelwirkung. Bei der ätiologisch-genetischen Prüfung untersucht man: a. ob die Symptome auf die Ursachen, welche auf das Thier eingewirkt haben, beziehbar und als deren mittelbare oder unmittelbare Folgen anzusehen sind; b. ob die vorliegenden Ursachen derartige Symptome hervorbringen können. Bei der anatomischen Prüfung erschliesst man aus den wesentlichen Krankheitssymptomen die bestehenden anatomischen Ver­änderungen, weil die im Symptomenbilde vorhandenen Symptome der getreue Ausdruck der vorliegenden anatomischen Veränderungen sein und andeuten müssen, welches Organ leidet. — Aus der Symptomen­prüfung ergiebt sich:
C. Die Krankheitsdiagnose, die sich auf den Sitz, das Wesen der Krankheit und die Individualität des Kranken bezieht. Zuerst stellt man den Ort der Erkrankung fest (to|)iscbe Diagnose), ob sie ein Organ, ein System, einen Apparat und welchen sie betrifft, und ob das Leiden local oder multipel ist. Wenn der kranke Ort constatirt ist, bestimmi man die Natur des Leidens (essentielle Biagnose) und stellt fest, ob es mit oder ohne lieber, ob es acut oder chronisch verläuft, und ob es andere Organe in Mitleidenschaft gezogen hat. — Auf diese Weise gelangt man allmälig zur Bestimmung der vorliegenden Krankheits-species, Species morbi, zu einem bestimmten Krankheitsnamen. Bei dieser Bestimmung kann man zwei Wege einschlagen:
a.nbsp; nbsp;Die Diagnose auf dem Wege der Subsumtion. Von den umfassenden Krankheitsgruppen steigt man zu immer enger und schärfer begrenzten herab, bis man auf den eigentlichen Krankheitsprocess kommt.
b.nbsp; nbsp;Die Diagnose per exclusionem. Man schliesst das nicht Mögliche und das nicht Passende aus, so dass schliesslich das für den gegebenen Fall Wahrscheinlichste, mehr oder weniger Gewisse bleibt.
Die Ausschüessungsdiagnose ist geboten, wenn die Untersucliungsresultato keinen directen Schluss auf die Natur der Erkrankung und auf das erkrankte Organ
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204nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunslhülfe.
zulassen. Dann schliesst man einmal diejenigen Störungen aus. auf welche rlio lestgestellten Symptome nicht passen, und dann diejenigen, die immer von be­stimmten Symptomen begleitet sind, die im vorliegenden Falle fehlen. Berück­sichtigt man nun noch, was erfahrungsgemäss darüber bekannt ist. welche Krank­heilen einander ausschliossen, und welche sich oft mit einander combiniren, dann kommt man auf die Störung, welche wahrscheinlich vorliegt.
d. Die Individualitätsdiagnose. Mit der Namengebung der Krank­heit schliesst die Diagnostik noch nicht ab, sondern es folgt nun noch das Individualisiren, das heisst die Beurtheilung der Frage, wie die diagnosticirte Krankheit in dem fraglichen Individuum speciell auf­tritt; es folgt die Feststellung des Grades, des Stadiums, der Ausbreitung, der Complicationen und Combinationen der Krankheit und die Beur­theilung aller Nebenumstände, die in Beziehung zu dem kranken Tbiere stehen. Dann erst ist die vollständige Diagnose gegeben.
Die Namengebung der Krankheit ist in den Augen des gebildeten Arztes Nebensache, für ihn handoll es sich nur um die Erkenntniss des kranken Lebens und der Vorgänge desselben. Die Namengebung ist nur dem Laien gegenüber nothwendig. Der Arzt hält sich nicht an den Krankheitsnaraen, sondern an das kranke Individuum und den gesammten Krankheilsprocess. Der Thierarzt darf also bei der Untersuchung nicht nach dem Krankheitsnamen forschen, sondern er forsche nach den gesammten gegenwärtigen Veränderungen, combinire das Zusammen­gehörige, trenne das Verschiedene und bringe es mit den vorangegangenen inneren Zuständen und äusseven Vorgängen in Einklang. Nicht eine innere supponirte Krankheit ist das Object seines Verfahrens, sondern die gesammten Störungen der organischen Processe.
Aus praktischen Gründen ist ein nosologisches System, welches einzelne Krankheitsbilder als zusammengehörige Ganze behandelt, ihnen Namen giebt und von ihren Cnmplicationen u. s. w. nach Familien, Gruppen und Classen redet, noth­wendig. Den Grundlagen der Wissenschaft entspricht eine solche Anschauung nicht. In der Krankheit selbst liegt keine innere Einheit der Vorgänge, weil es niemals vorkommt, dass beim Entstehen einer Krankheit eine absolute Gleichheit der äusseren und inneren Bedingungen bei mehreren Thieren vorliegt. Doshalb sind die Krank­heitsbilder derselben Krankheit bei zwei verschiedenen Individuen immer verschieden. Niemals stimmt das theoretische Krankheitsbild mit dem lebendigen vollständig überein. Der Anfänger hat deshalb oft grosse Schwierigkeiten, der Krankheit einen Namen zu geben. Doch ist gerade für ihn das nosologische System praktisch nützlich, denn es macht es ihm möglich, die Mannigfaltigkeit der Krankheiten vor seinem geistigen Blicke zu ordnen und übersichtlich zu machen, sich in den Irr­gängen des kranken Lebens zurecht zu finden. Zu diesem Zweck ist das künstliche Faohwerk geschaffen worden. Das kranke Leben lässt sich aber nicht vollständig in demselben unterbringen, dazu ist es zu variabel und mannigfaltig. — Das noso-logisohe System soll dem jungen Thierarzt ein Leitfaden sein, dem er sich aber nicht sclavisch anschliessen darf. Es soll ihm helfen, den individuellen Krankheits­zustand besser zu erfassen, indem es ihn darauf hinführt, die betreffende Krankheit nicht für sich allein, sondern in Bezug auf ähnliche bekannte Krankheilen zu beurtheilen.
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Die Kunsthiilfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '205
Unvollkommenheit der Diagnose. Jede ärztliche Diagnostik ist un­vollkommen, ja oft ist die Stellung einer sicheren Diagnose unmöglich. Die Ursachen dieser Thatsache liegen in dem relativen Stande der ^ledicin, in der oft vorhandenen Unvollständigkeit der Data, in den schwankenden subjeetiven Anschauungen, in der Mannigfaltigkeit der Erkrankungen, in der verborgenen Lage mancher Organe, in der Ab­hängigkeil, der Organe unter einander und in der Schwierigkeit, die primären von den seeundären Störungen zu trennen, und endlich in Irrungen und Täuschungen des Untersuchenden (üeberschätzung einzelner Symptome, vorgefasste Meinungen und Lieblingstheorien, Diagnosen der vorher behandelnden Collegen, Meinungen der Wärter und Besitzer, falsche Berichte dieser u. s. w.).
3. Die Prognosis (Vorhersage).
Begriff. Die Vorhersage des Zukünftigen, des wahrscheinlichen Verlaufs und Ausgangs einer Krankheil nennt man Prognosis, die Kunst der Vorhersage, die Prognostica. Die Prognose ist entweder eine rationelle oder eine empirische. Erstere berücksichtigt alle Quellen der Prognose, letztere nur die Erfahrung und hält sich an einzelne Symptome. Die Quellen der Prognose sind gegeben in einer Alles umfassenden, möglichst vollständigen Diagnose. Aus ihr ergiebt sich mehr oder weniger ohne Weiteres, was rücksichtlich des künftigen Krankheitsverlaufs zu hoffen oder zu fürchten ist.
Die Wichtigkeit der Prognose. Eine gut gestellte Prognose giebt dem Heilplane eine sichere Grundlage und erleichtert die Auswahl unter den anzuwendenden Mitteln. Gutes Prognosticiren gereicht dem Thier-arzte zur höchsten Zierde, weil es nur bei grösster Umsicht, eifrigster üebung und fleissigem Studium möglich ist. Der Wichtigkeit der Sache nach wird das Prognosticiren von den Laien sehr hoch geschätzt, oft mehr als das Curiren. Die Prognosis bereitet den Besitzer auf den bevorstehenden Verlust vor oder beruhigt ihn, wenn er unbegründete Befürchtungen hegt, vor Allem aber klärt sie den Thierbesitzer darüber auf, ob eine Behandlung des kranken Thieres vortheilhaft ist oder nicht.
Jedes Thier reprasentirt einen gewissen Geldwerth für den Besitzer. Wenn die Ueberlegung bezüglich des voraussiolitliclien Kranldieitsverlaufs erkennen lässt, dass die Cur nicht lohnend sein wird, dann wäre es ein ökonomischer Fehler, eino Behandlung des kranken Thieres einzuleiten (exclusive Lieblingsthiere mit Pretium affectionis). Bei dieser Ueberlegung ist in Betracht zu ziehen: 1) der Werth des kranken Thieres als Schlachtthier etc.; 2) die gesammten Opfer der Behandlung (an Flitter, Fliege, Arznei, Arzthonorar etc.); 3) der Werth des Thieres nach der Genesung (als Arbeitsthier, Zuchtpferd, Mastvieh und dergleichen). Ein Vergleich der einzelnen Werthe unter einander giebt Aufschluss über die Frage, ob die Cur lohnend ist oder nicht.
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206nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Objecte der Prognose. Die Prognose richtet sirh auf die Dauer, Jen Ausgang, die Heilbarkeic der Krankheit, auf etwaige Metastasen und NaclikranUlicitcn, auf die Dauer der Recouvalesceuz und die Kosten und Beschwerden, die mit der Cur verbunden sind. In Rücksicht darauf ist die Prognose entweder günstig oder ungünstig oder zweifelhaft.
Die Prognose ist günstig, wenn vollständige Genesung zu erwarten ist, und wenn der Aufwand an Kosten und Mühen im angemessenen Verhältniss zum Werthe des Thieres steht. — Sie ist zweifelhaft, wenn die Heilung nicht sicher, oder das Eintreten einer theilweisen Heilung, das Auftreten von Nachkrankheiten, das Zurückbleiben von Schwächezustanden mit Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit zu be­fürchten ist. — Sie ist ungünstig, wenn das Leiden an sich unheilbar, oder der übele Ausgang wahrscheinlich ist, oder wenn der Werth des curirten Thieres voraussichtlich geringer sein wird, als die Kosten der Cur betragen.
Allgemeine Kegeln darüber, bei welclien Erltrankungen die Prognose günstig oder ungünstig ist. lassen sich kuim geben. Die Prognosenstellung richtet sich:
1)nbsp; nbsp;Nach der Bedeutung des Krankheitsprocesses an sich.
2)nbsp; nbsp;Nach der Wichtigkeit des affloirten Organs, das heisst nach der Stellung, welche das kranke Organ im Organismus als Theil des Ganzen einnimmt.
o) Nach der Heftigkeit und Ausbreitung des Krankheitsprocesses und seiner Folgezustände.
4)nbsp; nbsp;Nach dem Charakter der Krankheiten (namentlich bei Tetanus, Kalbefieber, Epizootien und Enzootien).
5)nbsp; nbsp;Nach der Dauer und dem bisherigen Verlauf der Krankheit.
ü) Nach dem sonstigen Gesundheitszustände des erkrankten individuellen Organismas.
7)nbsp; nbsp;Nach der Macht, welche wir in den anzuwendenden Heilmitteln rücksicht­lich der vorliegenden Krankheit besitzen.
8)nbsp; nbsp;Nach den Erfahrungen, die riieksichtlich des Verlaufs, der Dauer, des Ausgangs der Krankheit überhaupt und der obwaltenden localen Verhältnisse im Speciellen existiren.
9)nbsp; nbsp;Nach der Möglichkeit der Entfernung der veranlassenden Krankheits­ursachen und der die Krankheit unterhaltenden Schädlichkeiten.
10)nbsp; nbsp;Nach den vorhandenen Ileiltrieben und denComplicationen der Krankheit.
11)nbsp; nbsp;Nach der Pflege und Wartung des kranken Thieres und den klimatischen und sonstigen Einflüssen, denen das Thier ausgesetzt ist.
12)nbsp; nbsp;Nach dem Stadium der Krankheit, in welchem die Behandlung einge­leitet wird.
Oefter wiederkehrende Krankheiten sind als bedenklich, acute Krankheiten im Stadium der Zunahme siets als zweifelhaft zu beurtheilen: ist aber die Höhe der Krankheit erreicht, Stillstand oder gar Rückgang eingetreten, dann ist die Prognose günstig. Krankheiten mit einem langen Vorbotenstadium lassen eine
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 207
lange Reoonvalescenz erwarten. Das Verhallen des Leidens in den ersten Stadien giobt oft ein Bild der späteren, so dass z. B. eine constante Zu- und Abnahme der Erscheinungen für den weiteren Verlauf Aelinliches erwarten lässt. Krankheiten, die leicht verschwinden, wandern, zurückweichen, kehren bald und öfter wieder: sie weisen auf eine constitutionelle und eingewurzelte Priidisposition hin. Die Ent­zündung eines wichtigen Organs ist schwerer zu beurtheilen, als die eines weniger wichtigen u. s. w.
Das Stellen der Prognose. Dies lernt man nicht durch allgemeine
Regeln, sondern au den speciellen Fällen. Es bleibt stets ein schwieriges Geschäft. Eine dreiste, schnell fertige Prognose ist Sache des Char-latanen und Laien. Ihm sind die verschiedenen Möglichkeiten des Verlaufs und des Ausgangs der Krankheit unbekannt. Je weniger Jemand weiss. je rascher ist er mit der Prognose fertig.
Wer die Tniglichkeit der Krankheitssymptoine, die unerschöpflichen Hütfs-quellen der Natur, die Mannigfaltigkeit der Fälle kennt, wer weiss, dass wir die wirksamen Einflüsse nicht immer sicher in der Hand haben, der wird vorsichtig und nur nach reiflicher Ueberlegung urtheilen. Es sind viele Möglichkeiten zu be­denken, namentlich im Anfang eines Leidens und beim Auftreten neuer Krankheits-formen, und es darf nicht vergessen werden, dass die Prognose sich während des Verlaufs der Krankheit oft ändert.
Der Besitzer verlangt vom Thierarzt den Ausspruch einer möglichst bestimmten Prognose. Wenn es irgend möglich ist, muss dieser Wunsch erfüllt werden. Oft genug ist es aber unmöglich. Bezüglich dessen, was man dem Besitzer in progno­stischer Hinsicht mitiheilt. sei bemerkt, dass man sich dabei streng an die mora­lische Forderung der unbedingten Wahrheit halten muss. Nur wenn es im Interesse des Thierbesitzers und des Patienten liegt, darf von dieser Forderung abgewichen werden. So ist es erlaubt, leichtsinnigen und nachlässigen Wärtern und Besitzern gegenüber den Fall etwas schwieriger darzustellen, als er in Wahrheit ist, um eine vorsichtigere Behandlung und Wartung des Patienten zu erreichen. Zu ängstlichen Besitzern gegenüber kann man die Prognose etwas günstiger aussprechen, als sie ist. Im Ailgemeinen empfiehlt es sich, die Prognose mit Vorsicht und nicht zu günstig zu stellen. Das darf aber nicht übertrieben werden, sonst werden Wärter und Eigenthümer, wenn sie sehen, dass die als gefährlich geschilderten Fälle in der Kegel günstig verlaufen, es künftig mit wirklich schweren Fällen leicht nehmen. Durchaus falsch ist es, aus Gutmüthigkeit immer Gutes vorherzusagen, oder, um seinen Ruhm im Bekämpfen schwieriger Fälle zu erhöhen, immer eine schlechte Prognose zu stellen. Am schlimmsten aber ist „eine orakelhafte Prognose und eine solche mit allen möglichen Bedingungen und Hhiterthürenquot; (cfr. S. 160—lf)2).
II. Die Behandlung.
Begriff. Nachdem die Befundaulnalime beendet, Prognose und Dia­gnose festgestellt sind, muss die Frage, was zu geschehen hat, um die Genesung des erkrankten Thieres herbeizuführen, beantwortet und die
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208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Behandlung eingeleitet werden. — Sind die Bedingungen für die Heilung der Krankheit in der normalen Organisation, resp. im kranken Leben oder in den sonstigen Lebensbedingungen gegeben, dann tritt die Heilung zufolge des Naturheilbestrebens von selbt ein (Naturheilung). — Werden die Heilbedingungen dem Thiere zufällig geboten, dann findet eine zufällige Naturheilung statt. — Wenn aber die Heilungs-bedingungen in den natürlichen Verhältnissen der Thiere nicht gegeben sind, und auch instinetmässig von den Patienten nicht herbeigeführt werden können, so dass sie durch die Hülfe des Menschen künstlich herbeigeführt werden müssen, sei es durch Aenderung der Diät oder Anwendung von Heilmitteln, dann ist es eine durch Kunst ermöglichte Naturheilung, die sogenannte Kunstheilung. Mit dieser haben wir uns jetzt zu beschäftigen.
Die zum Zwecke der Herbeiführung der Genesung, resp. der günstigen Heilbedingungen aufgewendete thierärztliche Thätigkeit stellt die therapeutische Kunsthülfe dar. Die praktische Anwendung der Kunsthülfe durch den Thierarzt bezeichnet man mit dem Ausdruck curiren, curare. Die Behandlung der kranken Thiere heisst Cura, und die ärztliche Thätigkeit die Curatio raorborum, das Heil­geschäft. Anstatt des Ausdrucks „carirenquot;, der mit der Zeit den Beigeschmack des Pfuschermässigen bekommen hat, gebraucht man wohl die Bezeichnung „ärztlich behandelnquot;, wenn das Curiren nach vernunftgemässen Grundsätzen, die in der wissenschaftlichen Erfahrung wurzeln und durch strenge wissenschaftliche Studien erworben werden, gesclüeht.
Aufgaben der Kunsthülfe. Der Endzweck des Curirens ist die Heilung (Sanatio). Um diesen Endzweck zu erreichen, ist die Aufgabe der Kunsthülfe, den erkrankten thierischen Organismus unter Bedin­gungen zu setzen, unter denen sich die Heilung vollziehen kann, oder unter denen in Anbetracht der Natur, des Grades etc. der Krankheit und der sonstigen in Betracht kommenden Umstände der möglichst günstige Ausgang eintreten muss. — Die Kunslhülfe hat nicht die Auf­gabe, die Krankheiten zu heilen, sondern nur die, für den Organismus die Möglichkeit der Heilung herzustellen oder zu vergrössern, das Heil­bestreben des Organismus zu unterstützen, den Krankheits- und Heil-process zu leiten und bei nicht heilbaren Leiden dieselben möglichst zu lindern. — Die Heilung der Krankheit erfolgt immer vom Organismus selbst und ist das Geschäft der Natur. Nur der Laie schreibt dem Arzt die Fähigkeit des Heilens (sanare) der Krankheiten zu (cfr. S. 7-2).
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Die Kunstluilfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 209
l)er Thierarzt benutzt die vorhandenen physiologisclien Einrichtungen, um durch sie unter künstlicher Herbeiführung- günstiger Bedingungen den Ausgleich der Störungen möglichst zu bewirken. Er schlügt die Wege ein, die ihm diis Natur­heilbestreben vorschreibt. Durch die Kunst werden Hindernisse hinweg­geräumt, die der freieren Entfaltung des Naturheilbestrebens im Wege stehen. Durch die Kunst werden die Naturheilprocesse in ihren Heilintentionen unterstützt, vor Störungen bewahrt, go mass igt oder angeregt oder corrigirt: künstlich werden Scliädlichkeiten entfernt oder abgehalten: durch die Kunst werden E inflüsse auf den kranken Organismus hingelenkt, die eine zweckmässige Veränderung in dem­selben hervorrufen.
Grenzen der ärztlichen Kunsthülfe. Der Organismus ist der Kunst­hülfe durch seine Erregbarkeit, das iieisst durch seine Fähigkeit, auf äussere Einflüsse durch eine Reaction zu antworten, zugänglich. Sobald die Erregbarkeit erloschen ist, hat die Anwendung der Heilmittel keinen Erfolg mehr. Dann ist die Grenze des ärztlichen Könnens und Hei fens erreicht.
Der Thierarzt kann das allgemeine Gesetz der Vernichtung des Individuums hinsichtlich seiner regelnüissigen Wirksamkeit weder ändern, noch beeinllussen, weil er niemals selbstständig eine Krankheit heilen kann. Im einzelnen Falle kann er aber trotzdem viel helfen, und darf diese Hälfe nicht zu gering veranschlagt werden. Er sichert und wahrt die durch Erfahrung und Beobachtung erkannten Bedingungen der Naturheilnng und erleichtert den Ausgleich der durch Krankheiten gesetzten Störungen. Er kann Manches künstlich einleiten, was die Natur nicht eingeleitet haben würde, und durch die Kunsthülfe dieselben Processe, welche das Naturheilbeslreben vielleicht zu spät oder zu schwach anbahnen würde, rascher und energischer herbeiführen (da, wo der Organismus z. B. langsam durch Eiterung etwas aus- oder abstösst, macht es die Kunst im Moment mit dem Messer, dem Brenneisen, dem Aetzstift, dem Faden u. s.w.). Bei hohen Temperaturen kann der Arzt durch Anwendung von Kälte günstig wirken, er kann Spannungen und Schmerzen im Nervensystem heben. Paresen durch Reizungen beseitigen, Unregelmässigkeiten im Herzschlage regelmässig machen, die Blut­beschaffenheit durch Aenderung der Diät und der Ausfuhr verbessern, die Gewebe direct durch Adslringentien. Resorbentien, Aetzmittel, Transplantationen und dergleichen beeinllussen. Er kann die iiusseren Verhältnisse reguliren und künstlich neue günstige Bedingungen schallen. Das Alles ist nur ein Helfen, kein-Heilen. Aber auch das Helfen ist beschränkt. Die Kunsthülfe ist nur dann von Erfolg begleitet, wenn das Naturheilbestreben noch thätig und die Irrita­bilität des Organismus noch erhalten ist. Sobald das Naturheilbestreben unthätig wird, sind alle Anstrengungen des Thierarztes vergeblich. Auch der Chirurg kann niemals heilen, sondern auch er kann nur helfen. Er nähert die klaffenden Wundränder einander, richtet die dislocirten Knochenstücke beim Knochenbruch ein, er setzt Gewebe an Stellen, wo dieses fehlt, u. s. w. So ermöglicht er dem Naturheilbestreben die Heilung. Manchmal grenzt die chirurgische Hülfe allerdings nahe an das Heilen. Beispiele: 1) Ist eine getrübte Krystalllinse zugegen, welche das Sehen verhindert, dann beseitigt der Operateur dieselbe, das heisst das Hinderniss
El 1 e 11 berger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i j
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#9632;210nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
des Sehens. Das Sehen selbst erleichtert er und macht es normal durch Anbringen einer liünstlichen Linse vor dem Auge. Hier leistet die Hülfe scheinbar die Heilung. In Wirklichkeit ist es aber doch nicht der Fall, denn die Heilung würde durch iir/.lliche Hülfe nicht eintreten, wenn das Katurheilbestreben nicht die Heilung der beim Operiren gemachten AVunde übernähme. — 2) Wenn eine Verrenkung eines Gelenks besteht, dann tritt die Heilung nur ein, wenn der Thierarzt das aus­gerenkte Gelenk wieder in die normale Lage bringt. Aber auch hier heilt der Arzt nicht, denn die bei der Verrenkung erfolgten Quetschungen, Zerreissungen und dergleichen und deren Folgen gleicht der Organismus aus, und ohne diese wäre die Einrenkung, das heisst die ärztliche Hülfe zwecklos.
Das Verfahren des Thierarztes bei Krankheiten wird unterschieden in ein empirisches und ein rationelles.
Das empirische Verfahren. Dieses hat als alleinigen Anhaltspunkt für das Handeln die früher vorgekommenen Krankheitsfälle ähnlicher oder gleicher Art und wendet zur Bekämpfung der Krankheiten diejenigen Heilmittel und Heilmethoden an, die sich bereits früher unter ähnlichen Umständen erfolgreich bewiesen. Dieses Verfahren stützt sich nicht auf klare Gründe, sondern es erfolgt ohne ßeurtheilung des Wesens der Krankheit, ohne Methode, mit alleiniger Berücksichtigung der Krankheitssymptome, es hat nicht das kranke Thier, sondern den Krank­heitsnamen zum Objecte. Die einzige Basis dieser Methode bilden Er­fahrungen. — So hoch ein vernünftiges, auf logische Schlussfolgerungen wahrer Erfahrungen sich stützendes Verfahren zu schätzen ist, so leicht­sinnig und verdammenswerth ist es, grundsätzlich empirisch zu be­handeln; denn die empirische Behandlung besteht nicht selten im reinen Experimentiren und Herumtappen, sie erfolgt nach Willkür und sub-jeetiven Gefühlen, nach unklaren Vorstellungen, Ahnungen und der­gleichen und dem sogenannten praktischen Tact.
Nur selten lässt sich die bei einer Krankheit eintretende Heilung sicher auf Rechnung des angewandten Mittels, resp. der benutzten Heilmethode setzen, und nur selten sind die Krankheiten unter einander so gleich oder auch nur so ähnlich, dass die empirische Methode, die nach der Analogie der Fälle behandelt. mit Recht Platz greifen darf. Sehr oft ist die eintretende Heilung nicht die Folge der geleisteten Kunsthülfe, ja manchmal erfolgt sogar bei falscher Behandlung die Genesung, wenn die sonstigen Verhältnisse günstig liegen. — In diesem Falle ist die post hoc ergo propter hoc statuirte Erfahrung eine durchaus falsche und nur geeignet, dem Thierbesitzer, dem Staate und dem kranken Thiere Schaden zu bringen. — Es ist ungemein schwierig, sichere richtige therapeutische Er­fahrungen zu sammeln, weil dieselben, im Gegensatz zu anderen, nur schwer auf ihre Richtigkeit zu prüfen sind. Viel leichter lassen sich Erfahrungen, welche sich auf die praktische Routine, den Umgang mit den Wärtern und Besitzern der Patienten, die Art und Weise der Untersuchung der letzteren, die Stellung der Diagnose und Prognose beziehen, machen und prüfen. Diese darf man nicht mit der therapeutischen Erfahrung verwechseln. Bei diesen kann man oft erst
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Die Kunst hülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 211
nacli Jaliren entscheiden, ob sie richtig oder falsch sind. Nicht selten liegt es im Krankheitscharaliter begründet, dass eine Kranlcheit während mehrererJahre günstig vcrliiuft, so dass sich demnach das zufällig angewandte Heilverfahren scheinbar als ein sehr gutes erweist. Plötzlich ändert sich der Krankheitscharakter, und die be-trelTende Erfahrung stellt sich als eine unrichtige heraus. Man muss also mit dem Schlüsse post hoc ergo propter hoc sehr vorsichtig sein und wohl beachten, dass es nicht nur wahre und richtige, sondern auch falsche und unrichtige Erfahrungen giebt. — Wer therapeutische Erfahrungen sammeln will, muss das ganze medicinische Wissen und Können beherrschen, muss namentlich in der Physio­logie und Naturheillehre durchgebildet und frei von Voreingenommenheiten sein. Er muss streng prüfen, nichts glauben, darf nicht mit vorgefasster Meinung an die Prüfung herantreten und darf nicht Optimist, sondern er muss Skeptiker sein. In jedem einzelnen Falle, in dem nach Anwendung gewisser Behandlungsmethoden eine Besserung der Krankheit eintritt, muss eine strenge Prüfung der Frage vor­genommen werden: ..Hätte die Besserung nicht auch ohne die Behandlung eintreten können, ist sie also wirklich die Folge der Behandlung, oder ist sie wenigstens rascher und sicherer eingetreten, als dies ohne Behandlung der Fall sein müsste?quot; Avisserdem ist die Frage zu prüfen, ob die scheinbar gemachte Erfahrung mit den wissenschaftlich feststehenden Grundsätzen im Einklänge steht, ob die eingetretene Besserung etc. einer Krankheit physiologisch als eine Wirkung des Kunstverfahrens zwanglos erklärt werden kann. Werden diese Prüfungen mit genauer Kenntniss der Naturheillcraft und Physiologie streng vorgenommen, dann werden richtige therapeutische Erfahrungen gesammelt. Der Pfuscher und thierärztliche Routinier unterlässt solche Prüfungen und gefällt sich in dem schlendrianmässigen, bequemen ,.post hoc ergo propter hocquot;, und gelangt demgemäss in den Besitz vieler falschen Erfahrungen.
Das rationelle Verfahren. Den Nachtheilen des empirischen Ver­fahrens gegenüber stehen die Vorzüge des rationellen. Es ist das auf Vernunft und Wissenschaft gegründete, planmässige und kunstgerechte Verfahren des Thierarztes. Es basirt auf der Kenntniss der vorliegenden anatomischen und functionellen Störungen und ihres natürlichen Verlaufs, auf einer klaren Einsicht in die normalen Vorgänge des thierischen Organismus, auf einer genauen Kenntniss der Naturheilprocesse im Allgemeinen und der vorliegenden im Speciellen und auf der Kenntniss, jene Methoden und Mittel in Anwendung zu bringen, die nach dem Stande des pharmakologischen Wissens geeignet sind, den Ausgleich herbeizuführen und die Gefahren zu beseitigen. — Das rationelle Verfahren des Thierarztes stützt sich nicht auf philo­sophische Speculationen, sondern auf Schlussfolgerungen, die sich aus den oruirten Thatsachen und den gewonnenen wahren, das heisst den wissenschaftlich wohl erklärten Er­fahrungen ergeben. Die ganze Medicin ist eine Erfahrungs-resp. Beobachtungswissenschaft. Unsere anatomischen, physio­logischen und pathologischen Kenntnisse gründen sich ebenso wie das
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212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die KunstliiiUe.
ärztliche Handeln auf Erfahrungen, welche die Acrzte aller Zeiten gemacht haben. So sind auch die Heilmittel und Heilmethoden nicht auf dem Wege der Speculation, sondern auf dem des Experiments und der Beobachtung gewonnen worden. Das rationelle Verfahren be­ruht auf Erfahrungen, die mit der Wissenschaft im Einklang stehen und durch die wissenschaftlich feststehenden Regeln und Grund­sätze erklärbar sind.
Die zufällige voruriheilslose wiederholte Beobachtung und die vorurtheilslos und experimentell erairten Thatsachen stellen wissenschaftlich wohl begründete Erfahrungen dar. Aus diesen ergeben sich logische Schlüsse, die zu neuen Ent-decliungen und Experimenten führen. Das rationelle Verfahren schliesst demnach die Benutzung der eigenen Erfahrungen keineswegs aus. Wenn der Arzt wissen­schaftlich wohl begründete, erklärbare Erfahrungen hei Behandlung seiner Patienten benutzt, indem er seine Handlungen durch exaete logische Sclilassfolgerungen be­stimmen lässt. die sich aus den gemachten Erfahrungen, dem Stande der medicini-schen Wissenschaft gemäss, ergeben, handelt er durchaus rationell. Der rationelle Therapeut benutzt das erfahrungsgemässe Material unter Berücksichtigung der theoretischen Anschauungen und seiner wissenschaftlichen Kenntnisse: er stellt eine anatomische Diagnose, bedenkt die physiologischen Vorgänge und ihre patlio-logisehen Abweichungen im Allgemeinen und im speciellen Falle, die zufälligen Gefahren, die individuellen Verhältnisse, die physiologischen Lebensgesetze, die Vorgänge der Naturheilung, die Action der Heilmittel, die Reaction des Organismus bei Anwendung derselben. AVo bei dem heutigen Stande unseres Wissens das rationelle Verfahren nicht ausreicht, muss das empirische aushelfen.
Die Grundlagen des rationellen Verfahrens. Beim rationellen Verfahren lässt sich der Thierarzt durch Gründe (Indicationen) leiten, welche sich aus allen auf das Heilgeschäft anwendbaren natur­wissenschaftlichen Kenntnissen über den gesunden und kranken Körper und aus der Kenntniss der Mittel und Wege, auf denselben einzuwirken, ergeben.
Wie man überall im Leben bei Ausführung wichtiger Verrichtungen vorher einen überlegten Plan entwirft, so geschieht dies auch bei der rationellen Behand­lung der Krankheiten. Eine wissenschaftliche und erfahrungsgemässe üeberlegung darüber, wie und durch welche Mitlei der Heilversuch zu machen ist, führt zur Aufstellung des sogenannten Curplans, der durch die Verhältnisse des Kranken und der Krankheit bestimmt wird. Aus diesen Verhältnissen ergiebt sich, welche Veränderungen bezüglich der Krankheit und der Uedingungen, unter denen sie ab­läuft, durch die Kunst zu bewirken sind, um die Heilung möglich zu machen. So bildet sich die sogenannte Heilanzeige, die Grundlage des Curplans. Die ärzt­liche Behandlung besteht in Stellung und Ausführung der Anzeigen.
Die Indicationen.
Begriff. Unter Anzeige (Indicatio, svästamp;c) verstehen wir die aus den obwaltenden Umständen sich ergebende, durch die Wissenschaft und
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Die Kuusthiilfe.
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Vernunft dictirte Aufforderung an den Arzt, dieses oder Jenes Heil­verfahren einzuschlagen, um diese oder jene Veränderungen hervor­zurufen. Die Anzeigen sind also die vernünftigen Gründe, welche den Thierarzt beim Behandeln des kranken Thieres leiten. Sie sind in dem Wesen der Krankheit, in ihren S3,mptomen, in inneren und äusseren Ursachen und in den ökonomischen Verhältnissen gegeben und werden durch stichhaltige Erfahrungsregeln der Natur- und Heilkunde und ver­nünftige Erwägungen aufgebaut. Sie sind die Fingerzeige für den Thier­arzt, das Bindemittel zwischen ärztlichem Wissen und Handeln.
Die Umstände, welche uns das in Anwendung zu bringende Heil­verfahren anzeigen, heissen Jndicantia, anzeigende Umstände. Sie umfassen alles zu den Bestimmungsgründen einer Cur Gehörige, von welcher Art es auch sei, mag es im Gegenwärtigen oder Vergangenen oder in dem wahrscheinlich Zukünftigen, mag es im Kranken selbst oder ausserhalb desselben gegeben sein. Das, was zur Bestätigung des Anzeigenden beiträgt, ist das Coindicans, Consentiens. — Der aus dem Anzeigenden gezogene Schluss darüber, welche Art von Ver­änderungen die Kunst zu bewirken hat, ist die Indication im engeren Sinne. — Das, was der Indication entsprechend zum Behufe der Heilung zu geschehen hat. heisst das Jndicatum (i. e. das einzuschlagende Heilverfahren, die zu gebrauchenden Heilmittel). In der Regel umfasst man mit dem Begriff der Indication auch das Indicans. Das Indicatum scheidet man ab und bespricht es besonders unter dem Titel: Heil­mittel, Heilmethoden, Heilverfahren.
Die totale Indication umfasst: 1) die Bedingungen und Hindernisse der Naturheilung, das sind die Curobjecte (ludicatio physiatrica), und 2) die Curzwecke (indicatio therapeutica), das heisst, sie zeigt an, was zu geschehen hat, damit der Organismus den Ausgleich mög­lichst rasch herbeifüluen kann, und welche Veränderungen zu diesem Zwecke im Organismus hervorzurufen sind.
Ad 1. Die Gründe für das ärztliche Einschreiten sind durch die Bedingungen, unter denen die Kranliheit abläuft und von denen der Erfolg des Naturheilbestrebens abhängt, gegeben. Die Bedingungen finden sich in den Krankheitsursachen, in den vorhandenen anatomischen Veränderungen, oder in den Erscheinungen, unter denen sich die Abnormitäten äussern. Die vorliandenen Anzeigen weisen auf ein Eingreifen gegen die Ursachen, gegen das Wesen oder gegen die Symptome der Krankheit hin. Danach bilden sicli drei Curmethoden, die oaiisalc, die radicalc und die symptomatische dir.
Ad 2. Die allgemeinsten Zwecke, welche wir den Heilobjecten zufolge bei einer Krankheit verfolgen können, sind: die Heilung, die Rettung bei Vefahr, die Linderung bei beschwerlichen Symptomen, die Erleichterung des Sterbens (Eutha-
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214nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kuiisthiilfe.
nasie*)) und die Vorbauung. Die Heilung ist der hauptsächlichste Zweck der Behandlung. Sie soll schnell, sicher, angenehm (cito, tuto et jucunde) her­beigeführt werden. Bei unheilbaren Leiden liegt keine lleilsanzeige vor. Die Heilung kann selten direct bewirkt werden durch sofortige Beseitigung des be­treffenden Uebelstandes, meist erfolgt sie indirect durch complicirte Processe. Die Rettung ist Zweck, wenn das Leben bedroht ist; die Linderung, wenn belästigende Zufälle und sonstige den Heilzweck behindernde Symptome vorliegen: die Vorbauung, wenn den Thiereu eine bestimmte bekannte Gefahr droht.
Die Aufstellung der Indicationen geschehe umsichtig und umfassend. Am kranken Thierc suche mau alle Gründe auf, die bestimmend auf unser Verhalten einwirken können, und halte sich dieselben gegenwärtig. Man benutze alle gegebenen Quellen und habe den Zweck, um dessen willen die Anzeige gestellt wird, und den Gegenstand, auf den sie ge­richtet ist, stets im Auge. Man beachte dabei nicht blos den Krankheits­zustand, sondern auch die individuellen Eigenthümlichkeiten und die speciellen Verhältnisse des Einzelfalles. Methodisch verfährt man bei der Aufstellung der Indicationen so, dass man sich erst die Indicantia aufsucht; diese ergeben sich bei streng logischer Schlussfolgerung aus jeder guten, möglichst vollständigen Diagnose. Aus den Indicantien folgert man auf Grund der therapeutischen, physiatrischen und pharma-kologischen Facta die ladicata.
Die Quellen der Indication findet man in der individuellen Diagnose und Prognose, in der Kenntniss der Ursachen, der Erscheinungen, des Verlaufs der Krankheiten und der Naturtriebe, in Beobachtung dessen, was nutzt oder schadet, und dessen, was früher zuträglich oder nach­theilig war, und in der Kenntniss der gesammten Individualität des kranken Thieres.
Die Basis für die Aufstellung der Indicationen ist die richtig gestellte
Diagnose. Sie wird ergänzt durch die therapeutische Wissenschaft, welche die Heil­regeln für das ganze Verfahren bestinuut und die Einzelgründe generalisirt. Aus der Natur des Krankheusprocesses und den Aensserungen des Naturheilbestrebens folgt, welche Veränderungen zu bewirken sind, um die Heilung herbeizuführen. Daraus ergiebt sich der Curplan.
Man mussbeiAufstellungdcrlndicationen stets unterscheiden zwischen theoretischen Indicationen, welche anzeigen, was wünschenswerth, und praktischen, welche lehren, was von dem Wünschenswerthen auch wirklich ausführbar ist, und darf nur die letzteren berücksichtigen; vor Allem aber darf man nie vergessen, dass man nicht die Krank­heit, sondern das kranke Individuum, das heisst die Störungen eines bestimmten kranken Thieres, das unter gewissen Ver-
*) ij Ebtiavaeia der leichte, schöne Tod.
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hältnissen existirt, zu behandeln hat. Demnach siud ausser den krankhaften Veränderungen wesentlich zu berücksichtigen: die Indivi­dualität des kranken Thicrcs, die ökonomischen und polizeilichen Ver­hältnisse, die Krankheitsursachen, der Krankheitscharakter.
1)nbsp; Die individuellen Indicationen. Schon aus der Art (Genus und Species) des erkrankten Thieres ergeben sich manche Indicationen (In-dicationes ex gencre aegroti). In dieser Richtung ist bezüglich der an­zeigenden Umstände bekannt, dass einzelne Krankheiten nur bei gewissen Thierarten vorkommen, während andere zwar allen gemeinsam sind, aber Je nach der Thierspecies einen besonderen Charakter und einen eigenen Verlauf haben. Aber auch das Angezeigte ist bei derselben Krankheit bei den verschiedenen Thierarten verschieden, sowohl rücksichtlich der anzuwendenden Heilverfahren und Heilmittel, als rücksichtlich der Form, in der dieselben anzuwenden sind, als in Bezug auf die zu wählenden Applicationsstellen.
Bei einigen Thierarten ist das Troicariren des Magens leicht und gefahrlos, bei anderen ist es schwierig und mit Gefahren für das betreffende Thier verbunden. Ein Par.senschnitt ist beim Kinde leicht ausführbar, während der Magenschnitt beim Pferde enorme Schwierigkeiten darbietet. Einige Thierarten erbrechen leicht, andere schwer oder gar nicht. — Eine Thierart besitzt für ein Heilmittel eine Idio­synkrasie, andere sind demselben Mittel gegenüber fast ganz immun. Die Wieder­käuer reagiren auf Quecksilberanwendung unverhältnissmässig stark. Die Ziegen sind für narcotische Pflanzen wenig, die Hunde sehr empfänglich. — Schweinen darf man die Medicamente nicht als Einguss verabreichen u. s. w. Die diätetischen Anordnungen müssen nach der Thierart natürlich ganz verschieden sein. Ein Carnivore bietet andere Indicationen, als ein Herbivore.
Ausser der Thierart kommen individuell in Betracht: Alter, Ge­schlecht, individuelle Idiosynkrasien und Immunitäten, Constitution, Gewohnheit, Race, Gebrauchsweise, Ernährungszustand und dergleichen.
Bei einem schwachen Thiere ist z. B. die sonst indicirte entziehende Methode contraindicirt. bei einem trächtigen weiblichen Thiere dürfen keine Drastica an­gewendet werden, ein an Narcotica gewöhntes Thier reagirt schwächer bei An­wendung narcotischer Heilmittel, als ein anderes u. s. w.
2)nbsp; Die ökonomischen Verhältnisse. Sie beeinflussen die Indications-
stellung sehr stark. Jede Cur muss ökonomisch ausführbar und zweckmässig sein, sonst ist die Contraindication gegen die Ein­leitung der Cur gegeben.
Unheilbar kranke Thiere werden getödtet, wenn sie nicht trotz der Krankheit auch ökonomisch nutzbar sind. Kranke Thiere, deren Heilung keine ökonomischen Vortheile verspricht, sind ebenfalls zu tödten. Die thierärztliche Behandlung soll nicht nur für das kranke Thier, sondern auch für den Besitzer von Nutzen sein. Das radical oder relativ geheilte Thier muss einen höheren Werth repräsentiren, als die gesammten Cur- und Futterkosten und der Werth des kranken Thieres zusammen genommen betragen; es sei denn, dass das Thier auch
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216nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe
wälirond der Behandlung einen Nutzen hrachte. Bei Lieblingsthieren ist die Be­handlung unter allen Umständen einzuleiten.
Wenn die Frage, ob überhaupt zu behandeln, auch mit „jaquot; beant­wortet wird, dann folgen weitere Indicationen aus den ökonomischen Verhältnissen, aus der Qualität des verabreichten Futters, aus den Stalleinrichtungcn, Ventilationen, Gebrauchsweise, Hal­tung und dergleichen. Es ist auf den Curplan von Einfluss, ob die Thiere während der Cur vollständig ruhen können, oder ob sie noch arbeiten müssen, ob sie einzeln oder in Heerdcn gehalten werden, ob Stallfütterung oder Weidegang die Regel ist u. s. w.
Ausser der rein ökonomischen Verhältnissen kommen noch andere Umstände in Betracht, die mit ihnen im Zusammenhang stehen. Die Eigenschaften der Wärter und Besitzer gehen zu Indicationen Anlass. Heilmethoden, welche grosse Aufmerk-samkeit und sorgfältige Abwartung erfordern, dürfen, wenn die Besitzer unaufmerk­sam und die Wärter nachlässig sind, nicht angewendet werden, sonst schadet man mit solchen Methoden mein-, als man nützt: so ist dies der Fall bei der Behandlung mit warmen Umschlägen, mit Priessnitzumschlägen, beim Kühlen durch kalte Be-giessungen n.s.w. Gewisse Methoden können nur in Kliniken oder im Kranken ­stalle, andere dürfen nur bei der Stadt- und nicht bei der Landpraxis ange­wandt werden. Heftig wirkende Mittel, gefährliche Drastica und Karcotica sind in der Landpraxis zu vermeiden. Nur wenn man die Patienten öfter, womöglich stündlich beobachten kann, dürfen gefährliche Mittel benutzt werden. — Auch die Verinögeiisrerhältnisse der Besitzer und der M'erth der Thiere sind bei Stellung der speoiellen Indicationen sehr zu berücksichtigen. Armuth des Besitzers und geringer Werth der Thiere contraindiciren die Anwendung theuerer Medicamente, selbst wenn sie voraussichtlich entschieden besser wirken, als andere. In solchen Fällen sind die billigeren Mittel indicirt, die den eigentlich indicirten theueren Medicamenten in ihrer Wirkung am nächsten stehen. Auf die Vermögens-verhälinisse der Besitzer ist auch namentlich bei Anordnung der Diät Rücksicht zu nehmen. Hierbei entscheiden vielfach auch die speciellen Verhältnisse der Gegend. In der einen Gegend kann eine Fütterungsweise ganz billig sein, die in einer anderen mit grossen Kosten verbunden ist. In einer Wirthschaft kann eine Diät mit grosser Bequemlichkeit durchgeführt werden, die in einer anderen grosse Schwierigkeiten bietet. — Oft muss auf das Bessere verzichtet und mit dem Guten vorlieb genommen werden. Jede thierärztliche Behandlung sei ökono­misch ausführbar und mit möglichst geringen Kosten verknüpft.
3)nbsp; Die polizeilichen Verhältnisse. Im Interesse und zum Wohle des Ganzen sind Gesetze gegeben worden, welche das Behandeln der an gewissen Krankheiten leidenden Thiere von Polizei wegen ganz verbieten und deren Tödtung anordnen, oder welche eine bestimmte Behandlungs­methode vorschreiben und die Zeit der Behandlung gesetzlich anordnen. Ueber diese Verhältnisse muss der Thierarzt orientirt sein und ihnen gemäss die betreffenden Anordnungen treffen.
4)nbsp; Die Krankheitsursachen. Ihre Berücksichtigung bei Stellung der Indicationen ist unerlässlich. Die Entstehungsweise einer Krankheit, die Verhältnisse, die unmittelbar oder längere Zeit hindurch vor dem Erkranken einwirkten, und diejenigen, die anhaltend das kranke Thier
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 217
beeinflussen, die Art und Weise der Verbreitung einer Seuclie und der­gleichen Umstände geben wichtige Indicationen ab. Bei Besprechung der Causalcur werden wir diese Indicationen genauer kennen lernen.
5)nbsp; Die Stadien und Ausgänge, die Ausbreitung, der Sitz der Krank­heit und dergleichen. Die wesentlichsten Indicationen entspringen selbst­verständlich dem Wesen der Krankheit, das heisst den vorliegenden anatomischen Veränderungen. — Ausserdem kommen aber auch noch andere Umstände in Betracht, z. B. ob die Krankheit mit oder ohne Fieber einhergeht, und welchen Charakter das Fieber hat ob es hoch­gradig oder geringgradig ist und dergleichen. Dann sind die Stadien der Krankheit, namentlich bei acut verlaufenden Krankheiten, wohl zu berücksichtigen. Man behandelt im Vorbotenstadium ganz anders, als im Stadium der Höhe oder im Stadium des Abnehmens oder während der Krisis.
Im Stadium der Vorboten ist Schonung des Thieres und Abwarten gebolen. Selten ist ein Aderlass oder ein Purgans oder ein Vomitiv indicirt. Im Stadium des Ausbruchs ist meist ähnlich zu verfahren. Dann folgt die eigentliche Curzeit. Im Stadium acme muss man häufig symptomatisch eingreifen, während man im Stadium decrementi sich mehr negativ verhält und besonders die Kranlfheitsproducte und deren Entfernung im Auge hat.
Auch die Ausgänge, welche die Krankheit nimmt, bieten Indi­cationen.
Eine zur Zertheilung neigende Geschwulst ist anders zu behandeln, als eine, die in Verhärtungen oder Eiterung ausgeht; eine Krankheit, die dem übelen Aus­gang zuneigt, anders, als eine solche, welche in Genesung übergeht.
Aus dem Sitze der Krankheitsvorgänge ergeben sich vielfache In­dicationen.
Eine entzündete Lunge giebt andere Heilungsindicationen ab, als eine ent­zündete Haut. Der Sitz der Krankheitszustände giebt aber dann ganz besondere Indicationen ab, wenn die Krankheit mit einer Dislocation von Organen und der­gleichen einhergeht, wenn also die Dinge sich am unrechten Orte befinden. Diese müssen dann entfernt oder an den richtigen Ort gebracht werden. Die Organe bei Hernien, Prolapsen sind in die normale Lage zurückzubringen. ungehörige Stoffe (z. B. Eiter, Exsudate, Steine) sind entweder ganz aus dem Körper herauszuschaffen oder anderweitig unschädlich zu machen. Sodann ergiebt sich aus dem Krankheits­sitze oft auch die Indication, die Krankheit am ursprünglichen Orte festzuhalten, die Weiterverbreitung möglichst zu hindern.
Auch die Ausbreitung des Krankheitsprocesses, seine Höhe und sein Verlauf geben viele Indicationen ab. Man muss den Verlauf fördern oder ihn verzögern, den Process ermässigen oder erhöhen, ihn beschränken oder die weitere Ausdehnung begünstigen. Wie die Krankheit sich ändert, ändern sich natürlich auch diese Indicationen.
6)nbsp;Der Krankheitscharakter. Der Krankheitscharakter (Genius morbi) beeinflusst die Indicationsstellung sehr wesentlich. Je nach der Natur desselben ändert sich die Behandlung der Erkrankten ab. Der Krank­heitsgenius influirt die Vorhersage, wie auch die Art und Weise der
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Behandlung im hohen Maasse. Dies zeigt uns am besten die Geschichte der Medicin. Sache des praktischen Thierarztes ist es, den Krankheits-charakter durch sorgfältige Beobachtung des Krankheitsbildes, des Krankheitsverlaufs und der Folgen der angewandten Heilmethoden zu erkennen und demgemäss die Behandlungsmethoden auszuwählen.
Allgemeines über den Krankheitsgenius. Gewisse aussere, uns noch
unbekannte Einllüsse bedingen es. fiass zu gewissen Zeiten oder in gewissen Gegenden alle oder bestimmte Kvanliheiten einen eigenthömlichen Charakter an­nehmen, welcher Aenderungen im Verlauf, in den Ausgängen, in dem Symptomen-bilde bedingt. Dieser Charakter besteht meist längere Zeit und stellt den soge­nannten Krankheitsgenius dar.
Gewisse Krankheiten nehmen eine Reihe von Jahren hindurch einen gefähr­lichen Charakter an, der allmülig wieder gutartiger wird. Dieselbe Seuche richtet einmal furchtbare Verheerungen an. wahrend sie ein anderes Mal ganz gutartig auftritt. Die Diphtherie hat z. B. in den letzten Jahren einen so bösartigen Cha­rakter angenommen, dass die Aerzte derselben fast machtlos gegenüberstehen. In gewissen Jahren genesen die meisten der an Tetanus erkrankten Pferde, der am Kalbefieber leidenden Rinder u. s. w.. in anderen Jahren sterben sie fast sämmtlich. Gewisse Krankheiten verschwinden eine Zeit lang ganz und tauchen dann plötzlich wieder auf u. s. w. — Das sind Alles Thatsachen. welche die Richtigkeit der Lehre vom Krankheitsgenius darthun. Es ist nur zu bedauern, dass der Name „Krankheits-geniusquot; nicht gut gewählt ist.
Erklärung des Krankheitsgenius. Bei Seuchen und ansteckenden Krank­heiten muss angenommen werden, dass sich ihre Gut- oder Bösartigkeit danach richtet, ob die Bedingungen für die Entwickelung, Ausbildung und Fortpflanzung der kleinen Organismen, welche die Krankheitserreger und-Verschlimmerer dar­stellen, günstig sind oder nicht. Namentlich dürfte auch in Betracht kommen, ob die Bedingungen denjenigen Organismen, welche den Krankheitserregern feindlich sind, welche mit den Krankheitserregern den Kampf um's Dasein führen, günstig oder ungünstig sind. — Bei den anderen Krankheiten wird es sich wesentlich nur um eine Beeinllussung der Organisation der Thiere handeln. Unter dem Eintluss constant wirkender Ausseneinlliisse müssen sich die Organi­sationsverhältnisse abändern, so dass dieselbe Krankheitsursache im einen Falle eine sogenannte sthenische, im anderen eine asthenisohe Krankheit hervorruft. Es kann aber auch nicht bezweifelt werden, dass auch die Krankheitsursachen selbst quantitativ und qualitativ zeitweise sich abändern können, selbst wenn es keine Lebewesen sind, welche die Causa morbi darstellen.
Eintheilung. Wenn der Krankheitscharakter an die Jahreszeit gebunden ist, dann heisst er Genius annuus, wenn an Localitäten, Genius enzooticus, wenn er weiter verbreitet sich äussert und nicht an die Jahreszeiten gebunden erscheint, Genius epizooticus. Man spricht auch von einem Genius adyuamicus, sthenicus, intlammatorius, gastricus. nervosus, typhosus, je nachdem der Organismus reagirt und je nach dem Ergriffensein bestimmter Systeme des Körpers. Der Krankheits­charakter ist der Regel nach nicht an einem Patienten, sondern an einer Reihe von Patienten und durch eine länffere Zeit anhaltende Beobachtung zu erkennen.
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Die Eintheilung der Indicationen.
I.nbsp; nbsp; Nach dem Zwecke theilt man die Indicationen ein in:
1)nbsp; nbsp;Indicatio curatoria (sanatoria, therapeutica), Cur- oder Heilanzeige.
2)nbsp; Indicatio prophylactica (praeservatoria), Yorbauungsanzeige.
3)nbsp; Indicatio euthanasia, Anzeige zur Erleichterung des Sterbens. Die Indicatio curatoria wird eingetheilt in:
a.nbsp; nbsp;Indicatio radicalis s. ad causam proximam. Es sind dar­unter diejenigen Anzeigen zu verstehen, die sich auf die vollständige Heilung der Krankheiten beziehen, die in der Kenntniss vom Wesen, Sitz und Verlauf der Krankheit beruhen und gleichzeitig die Entfernung der veranlassenden Ursachen bezwecken. Die Indicatio radicalis zerfällt wieder in: laquo;. die Indicatio causalis s. aetiologica s. ad causas re-motas, welche sich auf die Entfernung oder Mässigung der noch fort­bestehenden Krankheitsursachen oder auf Eernhaltung solcher Einflüsse beziehen, welche die Krankheit unterhalten und die Genesung erschweren; ß. die Indicatio esscntialis. Sie beruht auf dem wesentlichen Krankheitsprocessc, der zur Norm zurückgeführt werden soll.
b.nbsp; nbsp;Indicatio palliativa s. symptomatica s. mitigatoria. Diese bezweckt eine Linderung der Krankheit und eine Bekämpfung der be­sonders lästigen oder gefahrdrohenden und hervorstechenden Symptome. Dieselbe hat als Unterabthcilungeu: a. die Indicatio mitigatoria, deren Zweck die Milderung ist; ß. die Indicatio vitalis, diese be­zweckt die Erhaltung des momentan bedrohten Lebens; ;'. die Indi­catio conservatoria, sie bezweckt aus speciellen Rücksichten die Er­haltung des Lebens bei Thieren, die an Krankheiten leiden, welche un­heilbar sind (Milchthiere, Zuchtthiere).
II.nbsp; nbsp; Nach dem Werthe, der Dignität der Anzeigen theilt man dieselben ein in:
1)nbsp; Indicationes urgentes, das heisst diejenigen, denen vor Allem genügt werden muss, wenn nicht eine Steigerung der Gefahr eintreten soll. Sie sind gegeben bei höchst gefährlichen oder höchst beschwerlichen Zuständen, bei denen schleunige und kräftige Hülfe er­forderlich ist (Blutstillung bei Blutungen, Reposition bei Prolapsus etc.).
2)nbsp; Indicationes cardinalcs, das sind diejenigen Anzeigen, die sich auf das Wesen der Krankheit, den Kern der Sache beziehen.
3)nbsp; nbsp;Coindicationes. Darunter versteht man alle anzeigenden Umstände, die zur Bestätigung der Hauptanzeige dienen, und solche, die in Nebenumständen gegeben und ökonomischer oder diätetischer
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•220nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
oder symptomatischer Natur sind, und deren Ausführung den Erfolg der durch die Hauptindieationen geforderten Maassnahmen sichert.
4)nbsp; Indicationes general es s. universales. Diese sind mehr allgemeiner Natur: sie entspringen den allgemeinen Grundsätzen über das im fraglichen Falle zu Ergreifende und geben die Grundlagen des ganzen Heilsystems ab.
5)nbsp; Indicationes speciales. Diese beziehen sich auf die speciell zu ergreifenden Maassnahmen, Heilmethoden und Heilmittel.
Hl. Nach den in Anwendung zu ziehenden Mitteln theilt man ein in:
a.nbsp; nbsp;Indicatio diaetetica;
b.nbsp; nbsp;Indicatio chirurgica;
c.nbsp; nbsp;Indicatio pharmaceutica.
IV. Ausser den vorgeiuuinten Indicationen spricht man noch von:
a.nbsp; nbsp;Einer Indicatio hypothetica s. conjecturalis, wenn die Krank­heit nach ihrer Natur und ihrem Sitze nicht genau bekannt ist, und man auf mehr oder weniger unsicheren Wegen, durch Muthmassungcn, Schlüsse aus analogen Fällen (Indicatio analogica) u. s. w. zu den Indicationen kommt. Diese Indicationen gewinnt man auch oft aus der Kenntniss dessen, was sich in ähnlichen Fällen nützlich oder schädlich erwies (Indicatio ex juvantibus et nocentibus), oder aus den Contraindicationen per exclusionem.
b.nbsp; nbsp;Einer Indicatio eunetandi s. exspeetativa. Eine solche liegt vor, wenn man die Krankheiten noch nicht genügend kennt, oder wenn die Wirksamkeit des Organismus bedeutend ist und durch Eingreifen höchstens benachtheiligt, aber nicht unterstützt werden kann.
Die Contraindicationen.
Begriff. Was in gewissen Beziehungen, rücksichtlich gewisser Um­stände angezeigt, aber durch andere Umstände derartig widerrathen ist, dass es bei der Behandlung auszuschliessen ist, heisst das Contra-indicirte. Dieses bildet in Verbindung mit den Umständen, welche das Indicirte widerrathen, das heisst dem Contraindicirenden (Contra-indicans, Repugnans, Prohibens) die Contraindication. Die Contra­indicationen sind relativer Natur und beziehen sich stets auf etwas im Allgemeinen Indicirtes. Sie sind eine Schranke für die Hauptanzeige und dieser untergeordnet.
Bei jeder ärztlichen Behandlung sind die Contraindicationen bei jeder Stellung und Ausführung der Anzeigen wohl zu berücksichtigen. Durch Abwägen des Indicirten und Contraindicirten entsteht erst die
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Die Kunstluilfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;•221
stichhaltige, ausführbare Judication. Die Nichtbeachtung der Contra-indicationen kann grosse Nachtheile bringen. Das Aufsuchen der Oontra-indicationen übt den Praktiker in seiner Kunst. Der Anfanger sieht jedoch meist zu viele Contraindicationen, weil er unsicher ist und den Curplan nicht energisch entwirft.
Gewisse Indicationen können niemals contraindicirt werden, so z. B. giebt es keine Contraindiration hei der Indicatio vitalis; auch die Ilauptindicationen lassen selten eine Contraindication anlKommen. Die Gegenanzeigen beziehen sich inehc auf die speciellen Indicationen. auf einzelne Mittel. Heilmethoden u. s. w. Sie siiul nicht gegen die leitenden Gründe des Curplans gerichtet. Sie können gegeben sein in Combinationen und Complicationen der Krankheiten, in diätetischen und ökono­mischen Verhältnissen, im Kostenpunkte, in individuellen Verhältnissen, in Neben­wirkungen der Medicamente. Wenn Gefahr im Verzüge ist, hat die Contraindication keine Bedeutung.
Aussei- den echten Contraindicationen spricht man wohl auch noch von Contraindicationen in dem Sinne, dass man darunter alles absolut Schädliche und alle Verbote versteht. Das sind die absoluten Contra­indicationen. Sie haben nur einen Werth bei Aufstellung des Curplans bei Krankheiten, die wir nicht genau kennen, wo wir hypothetisch, nach Muthmassungcn u. s. w. verfahren müssen. Da ist es ganz prak­tisch, nicht zu fragen, „was muss hier geschehenquot;, sondern, ,.was ist verbotenquot;, „was darf nicht geschehen-, ,.was ist nachtheiligquot;. Dadurch vermeidet man grobe Missgriffe.
Der Curplan.
Begriff. Unter Curplan versteht man eine logische, streng methodische Aufstellung der nach Zweck und Gegenstand auf Grund einer genauen Kenntniss der Curobjecte und Curzwecke systematisch geordneten In­dicationen. Der Curplan muss allen Heilindicationen Genüge thun, das Heilverfahren feststellen, auf die Auswahl unter den Heilmitteln Rück­sicht nehmen und die Contraindicationen berücksichtigen. Er giebt Aufschluss über die Mittel (indicata), welche die durch die Anzeigen (Indicantia) geforderten , zur Heilung führenden Veränderungen zu be­wirken im Stande sind, und zeigt, wie die betreffende Cur auszuführen, welche Curmethode in Anwendung zu bringen und wie diese im Special­falle zu modificiren und welcher Heilapparat — Vereinigung der zur Heilung einer bestimmten Krankheit nothwendigen Mittel -— anzu­wenden ist.
Aufstellung. Man entwirft den Curplan in der Weise, dass man die Heilindicationen derart ordnet, dass die Vitalindicationen oder, wenn diese fehlen, die allgemeinen Indicationen, welche die Grundlage des
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222nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthiilfe.
Heilplans abgeben, oben angestellt und diesen die speciellen Indicationen, welche die speciellen Mittel des Heilapparats und dergleichen an­geben, untergeordnet werden. Selbstredend stehen die wesentlichen, sich aus der Natur, dem Sit/.e, den Ursachen etc. der Krankheit er­gebenden Indicationen denen, die aus individuellen und anderen Neben-umständen entspringen, voran. Aus dieser Aufstellung der Indicationen ergiebt sich, was zu geschehen hat, um den Eintritt der Genesung herbeizuführen, was wünschenswerth und was ausführbar ist.
Gebiet. Die erste Frage, welche der Curplan auf Grund der Indicationsaufstellung beantwortet, ist die, ob zur Erreichung des Cur-zwecks (Heilung, Kettung, Linderung) ein therapeutisches Einschreiten erforderlich ist oder nicht. Sobald diese Frage im bejahenden Sinne entschieden ist, muss festgestellt werden, ob der Krankheitsprocess direct oder indirect zum Gegenstand des therapeutischen Eingriffs zu machen ist. Darauf erst folgt die Frage nach den in Anwendung zu bringenden Methoden und Mitteln und nach der Art und AVeise, wie die Anwendung geschehen soll.
Der Curplan entscheidet also:
a.nbsp; nbsp;über die bei der Cur zu verfolgenden Zwecke;
b.nbsp; nbsp;über die Nothwendigkeit des therapeutischen Einschreitens und über das anzuwendende Heilverfahren im Allgemeinen;
c.nbsp; nbsp;über die in Anwendung zu bringenden Heilmethoden und Heil­mittel und über die Art und Weise der Anwendung derselben.
a. Die Curzwecke. lieber die Curzwecke ist schon oben gesprochen worden.
b. Die Nothwendigkeit des therapeutischen Einschreitens.
Bezüglich der Nothwendigkeit des therapeutischen Ein­schreitens etc. kann sich aus der Aufstellung der Indicationen er­geben: o. dass behufs Herbeiführung der Heilung nichts zu thun ist; |S. dass ein technisches Ueberwachen und Leiten des Krankheitsprocesses mit Einschreiten bei gefahrdrohenden Zufällen genügt; in beiden Fällen gelangt die Abwartungscur zur Anwendung; y. dass ein directes Ein­schreiten zur Herbeiführung der Heilungsbedingungen und Wegschaffen der Heilungshindernisse nothwendig ist (technokratisches Verfahren).
I. Die Abwartungscur. Zuwartende, temporisirende Methode. Physikratische Cur.
Exspectativcur. laquo;. Das Nichtsthun (die passive Cur, Ars medendi per exspeetationera, die Cur durch Abwarten). Die Natur, der Sitz, der Grad und Charakter
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Die Knnsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 223
des Leidens, die Constitution des Thieres und viele Nebenumstimde entscheiden, ob imm die Heilung einer Krankheit der Natur allein überlassen darf, oder ob man einschreiten muss. Bei Krankheiten, die ganz von selbst heilen, die im günstigen Verlauf begriffen sind, und bei denen durchaus günstige Heilbedingungen sowohl im Thiere, als ausserhalb desselben vorliegen, kann durch Einleiten einer Cur nichts genützt, höchstens geschadet werden. In diesem Falle ist das Nichts-thun indieirt. Bei Unverstand des Besitzers kann es vorkommen, dass Klugheitsrücksichten den Thierarzt nöthigen, eine Scheincur, eine Cura pro forma in der Weise einzuleiten, dass er unschuldige, indifferente Mittel anwendet. Nur im Nothfall darf der Thierarzt zu einer solchen Täuschung seine Zutlucht nehmen, und zwar nur dann, wenn das Inter­esse des Besitzers und des Thieres eine solche Abweichung von der Moral fordern.
ß. Die Exspectativcur (Ars medendi cum exspeetatione, die Cur mit Abwartung). Diese Cur besteht nicht im einfachen Zuwarten, sondern sie erfordert bestimmte Maassnahraen, Abwartung des Patienten. Die Maassnahmen bezwecken Entfernung der erzeugenden und unterhaltenden Ursachen und Abhaltung aller Schädlichkeiten, resp. aller derjenigen Einflüsse, die den natürlichen Krankheitsverlauf stören und Verschlimmerungen herbeiführen könnten. Die Cur besteht also in Vermeidung aller den natürlichen Heilungsgang störenden Einflüsse. Das Aufmerksamsein ist bei der Exspectativcur die Hauptsache. Man muss die Krankheit genau kennen und die Kranken von Zeit zu Zeit genau untersuchen, damit man weiss, wann etwa ein Eingreifen nothwendig werden kann.
Die Exspectativcur bestellt also nicht im blinden Zuwarten. Das beweist schon die Thatsache, dass die älteren und bewährten Aerzte die grössten Erfolge bei dieser Cur zu verzeichnen haben. Bestände die Cur im einfachen Nichtsthun, dann würde der Arzt keine besseren Erfolge haben, als der Sichtarzt. „Es gehört zur Ausübung einer echten Exspectativmethode. dass der Arzt die vorhandenen Zu­stände sehr genau kenne, dass seine Diagnose und Prognose sicher und speciell genug sei, dass er wisse, welche bestimmten Wendungen und Ausgänge das Uebel von selbst oder bei gelinder Leitung nehmen werde, dass er gewiss sei, den rechten Zeitpunkt zu erkennen, wo ein thätiges Einschreiten nöthig werden kann oder wird, und dass er für einen solchen Kothfall die passenden Mittel besitze und zu ge­brauchen wisse; es gehört aber hierzu auch ein besonnener und geduldiger, ja gewissermassen resignirter Charakter neben der für die active Cur erforderlichen Energie und Entschlossenheit für den dringenden Fall. Alles dies sind aber Eigen­schaften, zu denen Erfahrung. Reife und tüchtige ärztliche Bildung erforderlich sind.- Bei der Exspectativcur kommt besonders die Regelung der Diät in Betracht. Die Vermeidung aller Diätfehler ist ausserordentlich wichtig. Die Exspectativcur
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•2,24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthälfe.
ist sonach eine Diätcur, aber nur in dem Sinne, als sie die allgemeinen diäteti­schen Grundregeln beachtet, die Thiere vor Diiitfehlern bewahrt und dafür sorgt, dass dieselben in hygienischer Beziehung nur solchen Einflüssen ausgesetzt werden, die nicht schaden. Sobald speciello diätetische Maassregeln angeordnet werden, liann die Cur nicht mehr dem Exspectativ-, sondern muss dem technokratischen Verfahren zugezählt werden.
Die Indicationen für die Anwendung der Exspectativcur sind gegeben, wenn solche Kranklieitsproces.se vorliegen, welche in der Regel bei hy­gienischer üeberwachung von selbst heilen, wenn die Constitutions- und Ausscnverliältnisse in Bezug auf die vorliegende Krankheit günstig sind; wenn die Krankheit einen günstigen Verlauf nimmt, und überhaupt in allen denjenigen Fällen, in denen keine vernünftigen Gründe zum Ein­schreiten vorliegen. Dies ist z. B. der Fall bei unbekannten Krank­heiten, bei zweifelhafter Diagnose, bei Krankheiten mit typischem Verlauf,
2. Das technokratische Heilverfahren. Actives Einschreiten.
Begriff und Indicationen, Dieses Heilverfahren umfasst die Be­handlung durch chirurgische Üperationcn und Verbände, durch Medica­mente, durch die Anwendung der physikalischen und derjenigen diäte­tischen Heilmethoden, die stärker eingreifend wirken. — Das Verfahren ist, vorausgesetzt, dass die Heilung ökonomische Vortheile verspricht und polizeilich erlaubt ist, dann angezeigt, wenn bestimmte Heilindi-cationen vorliegen, wenn Lebensgefahr, drohende Wendungen, heftige Zufälle auftreten, überhaupt bei allen Krankheiten, die unter den gegebenen Bedingungen nicht von selbst heilen können, und bei solchen, gegen welche wir im Besitz sicherer Heilmittel sind,
Ausführung, Die Heilung wird bei dem technokratischen Verfahren bewirkt: 1) durch Entfernung der Krankheitsursache; 2) durch Beseitigung eines örtlichen Krankheitsprocesses: 3) durch directe mechanische oder chemische Bewirkung der kranken Theile; 4) durch Hervorrufung von Functionsäusserungen, die allgemein wirken (Erbrechen. Schwitzen etc.): 5) durch künstliche Herabsetzung oder Steige­rung der Ernährung; 6)durch Steigerung des örtlichen Krankheitsprocesses; 7) durch Hervorrufung von Zuständen, die denen der Krankheit entgegengesetzt sind: 8) durch Anwendung von Gegengiften; 9) durch die sogenannte Ableitung etc.
Eintheilung. Das technokratische Verfahren kann verschiedener Art sein und verschiedene Zwecke verfolgen. In erster Beziehung unter­scheiden wir das directe und das indirecte Heilverfahren, in letzterer die Radicalcur und die symptomatische Cur,
a. Das directe Heilverfahren. Begriff. Dieses besteht darin, dass der Thierarzt den kranken Theil direct bewirkt oder die Krankheitsursachen direct bekämpft. Das
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Die Kunstliülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 225
erstere geschieht durch direete Application der Heilmittel auf den kranken Theil oder durch die Beeinflussung desselben vom Blute aus. „Man fasst die Krankheit an der Wurzel und entwurzelt sie.quot;
Directe Heilverfahren sind z. B. die chirurgischen und mechanischen Curen, die Anwendung des Chinin gegen die Erreger des Wechselfiebers, die des (Queck­silbers gegen das syphilitische Gift. die der Antiseptica gegen Füulnissprooesse, die der Antidota bei Vergiftungen, die Anwendung der [nhalationen bei Leiden der Kespirationsorgane, der Gebrauch des Aderlasses, der Kälte, der Narcotica bei örtlichen Krankheitsprocessen, die Einspritzungen in Höhlen, die Anwendung von Heilmitteln in das Blut, wenn diese speoifische Affinität zu den erkrankten Zellen haben.
Indicationen. Das directe Heilverfahren ist indicirt: a. wenn das Organ den indicirton Heilmitteln zugänglich ist, und wenn letztere in einer Form angewendet werden können, in der sie eine directe Wirkung auf das erkrankte Organ entfalten können (Pille, Pulver u. s. w. für den Magen, Inhalationen für den Respirationsapparat, Einspritzungen für die Vagina, den Uterus, das Rectum, Bepiuselungen für die Mund­höhle, Salben, Tincturen u. s. w. für die Haut, Einspritzungen für die Kopfhöhlen u. s. w.): — b. wenn das, was geleistet werden soll, durch unmittelbare Einwirkung möglich ist; — c. wenn die erkrankten Organe keine Contraindication darbieien (z. B. grosse Reizbarkeit der Tracheaischleimhaut spricht gegen gewisse Inhalationen, Trächtigkeit gegen Vaginalem spritzungen).
b. Das indirecte Heilverfahren.
Begriff. Man versteht darunter diejenige Curart, bei der sich der Thierarzt nicht an das erkrankte Organ, sondern an andere Organe und Gewebe wendet, um die Heilung auf dem Wege der Derivation, des Antagonismus, des Consensualisraus, der Depuration und Depletion herbeizuführen.
Indicationen. Das indirecte Heilverfahren ist indicirt: 1) wenn der Heilzweck auf directera Wege nicht erreicht werden kann; — 2) wenn dies zwar möglich ist, wenn aber besondere Umstände die indicirte directe Methode verbieten; — 3) wenn die Anwendung der directen Methode Gefahren im Gefolge hat (bei Blascnlähmung würden reizende Injectionen, welche indicirt sind, gefährlich werden); — 4) wenn das erkrankte Organ so bedeutend gelitten hat, dass die Heilung desselben unmöglich erscheint; man muss dann suchen, durch Wirkung auf andere Organe vicariirende Functionen hervorzurufen, um den Functionsausfall zu decken und das Thicr relativ gesund zu machen; — 5) wenn die directe Methode unangenehme Nebenwirkungen hat, welche durch glcich-
Ellenberger, Allgomehie Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ] y
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Die Kunsthülfe.
zeitige Anwendung der indirecten vermieden werden können; — 6) wenn die directe Methode durch die indirecte boluifs Erreichung des Zweckes unterstützt werden kann.
;
c. Die Radicalcur.
Begriff. Der Zweck der Cur ist die Restitutio ad integrum der
erkrankten Theile, die Beseitigung der bestellenden anatomischen Ver­änderungen, die Herstellung der Norm und die HcrbeiCülirung der vollen Genesung. — Das allgemeine Object der Radicalcur ist die Krankheit im Ganzen mit allen noch fortbestehenden Ursachen.
Der Heilzweck verhält sich zum Heilobject verschieden. Entweder ist die Entfernung oder Vernichtung des Objects, des kranken Theiles, Zweck der Gur — dies ist aber nur selten der Fall — oder es wird nur beabsichtigt, die patho­logisch umgeänderten Dinge wieder zur normalen Structur zurückzuführen und die abnormen Vorgänge, die im Körper und speciell in den erkrankten Theilcn ablaufen und anatomische Veränderungen hervorbringen können, in die nonuale Bahn zu leiten. Es geschieht dies dadurch, dass man heilsame, normale Lebensbedingungen herzustellen sucht, z. B. durch Entfernung und Vernichtung von Krankheits-produeton, Aenderungen der Circulation u. s. w. Die eigentliche Heilung erfolgt dann vom Organismus.
Indicationen. Die Indicationen zur Radicalcur sind gegeben: ]) in den Krankheitsursachen; 2) in der Natur und dem Sitze der krank­haften Vorgänge und Zustände, und in der Ausbreitung, dem Verlauf und den Ausgängen der ersteren, und endlich in den Krankheits-produeten. Nach den Indicationen unterscheidet man zwei Unter­abtheilungen der Radicalcur: laquo;. die Causalcur, ß. die Radicalcur im engeren Sinne.
cc. Die Causalcur, die ätiologische Cur ist der wichtigste Theil der Radicalcur. Die durch die Erkenntniss der Krankheitsursachen gegebenen Indicationen bilden die Grundlage der Causalcur. Die Causalindicationcn sind nicht nur in allen denjenigen äusseren oder inneren Einflüssen gegeben, welche die Krankheit hervorgerufen haben, sondern auch in denjenigen, welche die Krankheit unterhalten, verschlimmern oder ge­fährlich machen und den Eintritt der Heilung verzögern. Die Hemmungs­ursachen sind nach Lotze der wahre Angriffspunkt einer Causalcur. Ihre Entfernung ist unbedingt nothwendig, wenn die Radicalcur gelingen soll. So lange die Krankheitsursachen noch einwirken, muss die Ra­dicalcur erfolglos bleiben. In dem Falle, in dem die ätiologische Cur die Heilung direct herbeiführt, stellt sie die volle Radicalcur dar (bei Vergiftungen und parasitischen Leiden).
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 227
Die veranlassenden Krankheitsursachen sind oft nicht leicht zu erforschen. Ein reifer Verstand, geübte Sinne und praktische Routine gehören dazu. Gerade auf diesem Gebiete kann der Thierarzt grosse Triumphe feiern, kann er zeigen, was er vermag. Wo alle Heilmittel im Stiche lassen, da helfen oft die einfachsten ätio­logischen Maassnahmen. z. JJ. Aemlening der Fütterung, Umstellung der Thiere, kleine Aenderungen an Krippen, Raufen, am Jaucheabfluss, an den Ventilations-vorrichtungen, Anordnung von Weidegang oder Stallfütterung.
Die Heilmittel der Causalcur sind besonders diätetischer Natur; seltener kommen pharmaceutische und chirurgische Mittel in Anwendung.
Man entfernt z. B. chirurgisch fremde Körper, Knochensplitter, Blasen­steine und dergleichen, man hilft chemisch durch Neutralisiren ätzender Alkalien durch Säuren und umgekehrt, man giebt Eisenoxydhydrat bei Arsenikvergiftungen, Eiweiss bei Sublimatvergiftungen, man giebt Antiseptica bei Gegenwart septischer Keime und Antiparasitica bei Gegenwart von Parasiten: man tritt auch physika­lisch den Krankheitsursachen entgegen, bei Kälte durch Wärme und umgekehrt. \Ycnn die Krankheitsursachen auch entfernt sind, muss man dieselben doch während der ganzen Behandlung noch im Auge haben, da sie unter Umständen noch Indi-cationen für das einzuschlagende Heilverfahren, namentlich das diätetische Ver­fahren , darbieten. Die Aufgabe der weiteren dir in dieser Richtung ist. Alles zu vermeiden, was bewirken könnte, dass dieselben Schädlichkeiten während des Krankheitsverlaufs von Keuem einwirken.
ß. Die Radicalcur im engeren Sinne. Ihr Gegenstand ist der Krankheitsprocess, wie er sich durch die Aufstellung der Diagnose seiner Natur, seinem Sitze, seiner Ausbreitung und seinem Verlauf nach (larsleilt. Die Radicalcur hat es mit dem zu ihun, was man das Primäre, das Wesen (Causa proxima) der Krankheit nennt, i. e. mit dem Grunde des ganzen Krankheitsbildes und der Ursache des Sym-ptomoncomplexes.
unter Wesen der Krankheit verstehen wir die anatomischen, molecularen oder grob materiellen Veränderungen der thierisohen Gewebe und Organe, welche die Ivrankheitserscheinungen, das heisst gewisse sinnlich wahrnehmbare Merkmale, die den Sinnen des Beobachters als abweichend von den Symptomen des gesunden Lebens erscheinen, und welche demnach der äussero Ausdruck der inneren Vor­gänge (i. e. des Wesens der Krankheit) sind, veranlassen. Demnach ist das Object der Radicalcur eine Einheit, nämlich das Krankheitswesen mit allen demselben ent­springenden Erscheinungen.
Die Indicatio radicalis liegt vor. wenn wir den Krankheitsprocess kennen und im Besitze von Jlittein sind, auf denselben einzuwirken.
Die Mittel der Radicalcur wirken mechanisch, chemisch und phy­siologisch.
So kann z.B. in mechanischer Hinsicht die Dichtigkeit eines Gewebes vermehrt oder vermindert,' ein Canal verengert, erweitert, geölfnet oder geschlossen, ein getrenntes Gewebe vereinigt, ein anderes getrennt werden: so können über­flüssige und schädliche Theile chirurgisch entfernt, fehlende chirurgisch ersetzt.
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228nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Dingo, die sich am unrechten Orte befinden, beseitigt oder an den richtigen Ort zurückgebracht werden. Durch chemische Heilmittel kann den Indicationen genügt werden durch Entziehung von Wasser, durch Gerinnung oder Auflösung von Eiweissliörpern, durch Zersetzung von Krankhcitsproducten, durch Vernichtung. Wiederersatz und dergleichen: auf physiologischem Wege können Se- und Ex-cretionen vermehrt oder vermindert, Neubildungsprocesse, Bewegungen, die Blut-ciroulation. die Nerventhätigkeit angeregt, erhöht oder horabgeselzt werden. Die Radicalcur ist nur dann durchführbar, wenn wir den Urgrund der vorhandenen Krankheit kennen. In allen anderen Fallen kann nur dafür gesorgt werden, dass der Krankheitsprocess nicht durch ungünstige Bedingungen im Heilbestreben ge­hindert und alle Hemmungen, welche der Rückkehr des Lebens in ein dauerhaftes Gleichgewicht entgegenstehen, hinweggeräumt werden. Das wichtigste Glied der Radicalcur bleibt immer die Causalcur. Im Nothfall kann die empirische Radicalcur Platz greifen.
Wenn Complicationen bestehen, so ist in der Regel zunächst die primäre Krankheit, unter Umständen aber auch die am leichtesten und schnellsten heil­bare, oder auch die heftigste Krankheit zunächst zum Object der Behandlung zu wählen. Letzteres namentlich dann, wenn die ursächlichen Verhältnisse nicht nachweisbar sind. Wenn im Verlauf einer Krankheit unbedeutende Nebenkrankhoiten auftreten, lässt man diese unbeachtet, wenn sie direct von der primären Krankheit abhängen. Sobald letztere verschwinden, verschwinden auch dieKebenerschoimmgcn. Quälende und beunruhigende Erscheinungen sind neben der Radicalcur besonders zu behandeln.
d. Die symptomatische Cur.
Begriff. Da die Symptome einer Krankheit der Ausdruck des wesentlichen Krankheitsprocesses sind, so ist diejenige Car, welche sieh mit der Bekämpfung der Symptome in ihrer Gesammtheii, inquot; ihrem genetischen Zusammenhange beschäftigt, die vorstellend besprochene Radicalcur. Ton dieser unterscheidet sich die symptomatische Cur dadurch, dass es sich bei ihr nicht um die Behandlung aller wesent­lichen, sondern um die einzelner Symptome handelt. Sie bezweckt, den schädlichen Einlluss gewisser störender Bruchstücke des Krank­heitsprocesses (Verjauchungen, Decubitus, übele Gerüche, Schmerzen, Angstgefühle) zu beseitigen. Wenn die Radicalcur nicht anzuwenden ist, tritt die symptomatische Cur an ihre Stelle. Wenn die erstere aber möglich ist, muss sie auch in Anwendung kommen und darf nicht durch die letztere ersetzt werden. Dagegen kann die symptomatische Cur neben der Radicalcur einhergehen, um diese zu fördern oder um den Thieren Schmerzen und Qualen zu ersparen. Je nach den Zwecken, welche man mit der symptomatischen Cur verfolgt, unterscheidet man die Lebens-, die Erhaltungs- und die Linderungscur.
Die Symptome, gegen welche sich das thierärztliche Verfahren richtet, sind stets physiologisch-genetisch zu prüfen, ob sie Hoilungshindernisse oder ob sie die
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;229
Ursachen der Krankheitsunterhaltung oder Verschliinmerung darstellen etc. In gewissen Fällen besteht das symptomatische Verfahren darin, dass man sich zwar gegen die Grund Störung wendet, sie aber nicht direct behandelt, sondern nur übele Wendungen derselben zu vermeiden sucht, z. B. das Umsichgreifen bei Krebs, die Kothanhäufung bei Dannstenosen, die zu starke Wasseransammlung in Höhlen. Wieder in anderen Fallen beschränkt sich die symptomatische Cur darauf, alle Umstände abzuhalten, die verschlimmernd wirken könnten, ist also causale Cur. — Besonders kommt die symptomatische Cur hei der Exspectalivcur in Anwendung (z.B. Förderung der Expectoration, der Kothentleerung, Oeffnen eines Abscesses).
a.nbsp; nbsp;Die Lebenscnr. Rettungscur. Sie kommt überall da in Anwen­dung, wo das Leben direct bedroht ist. Zweck der Cur ist also nicht Heilung der Krankheit, sondern Rettung vor dem Tode. Sie gelangt in Anwendung, wenn die Indicatio vitalis vorliegt. Diese ist bei be­drohtem Leben gegeben und hat keine Contraindicationen und muss allen anderen Indicationcn als derjenigen, welcher zuerst genügt werden muss, vorangestellt werden. Die die Indicatio vitalis bedingenden Zu­stände können der Krankheit selbst angehören oder durch Compli-cationen zur eigentlichen Krankheit hinzugekommen sein; solche Zu­stände sind z. B. die Gefahr der Erstickung, der Hirnlähmung, der Verblutung, das zu hohe Ansteigen der Innentemperatur, die Gefahr der Herzlähmung und dergleichen. In der Indicatio vitalis liegt die Auf­forderung, derartige das Leben bedrohende Zustände zu beseitigen. Nachdem dieser Indication genügt ist, kann gegen die eigentliche Krank­heit die Radicalcur eingeleitet werden. Unter Umständen wird aber mit Befolgung der Vitalindication auch der Radicalindication genügt, z. B. bei Prolapsus, bei Blutungen, bei incarcerirten Brüchen.
b.nbsp; Die Erhaltungscur. Cura conservatoria. Der Zweck der Cur ist, ein krankes Thier, trotzdem es an einer unheilbaren Krankheit leidet, möglichst lange oder eine bestimmte Zeit lang am Leben zu erhalten. Die Einleitung der Cur setzt also die Unheilbarkeit der Krankheit voraus. Bei Thioren kommt die Cur nur in Ausnahmefällen zur An­wendung. Für gewöhnlich wird der Besitzer unheilbar erkrankte Thiere tödten lassen. Aber unter Umständen ist das Erhalten des Patienten, trotzdem derselbe an einer Krankheit leidet, bei der die Wiederherstellung der normalen Verhältnisse erfahrungsgemäss nicht zu bewirken ist, er­wünscht. Dies ist z. ß. der Fall bei Lieblingsthieren und bei Thieren, von denen der Besitzer einen bestimmten Nutzen, den ihm das Thier trotz der Krankheit leisten kann, erzielen will; der Besitzer will z. B. frisch milchende Kühe noch weiter ausnutzen, er will schlachtbare Thiere mästen, er will vom trächtigen Thiere die Leibesfrucht gewinnen, er will das Thier noch zur Zucht oder zu leichten Arbeiten verwenden.
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230nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthiilfo.
Man sucht unter diesen Umständen den Organismus nach Maassgabe' der einmal eingetretenen unheilbaren Veränderungen ailraälig in ein künstliches Gleichgewicht zu setzen, an die abnormen Verhältnisse zu gewöhnen und damit die Wirkungen der Krankheit zu brechen. Die Hülfe geschieht in dem einen Falle chirurgisch durch Anlegen von Verbänden, durch den Nervenschnitt u. s. w., im anderen Falle phar-maceutisch, vor x\l!em aber durch hygienische Vorschriften.
c. Die Linderungscur. Palliativcur. Die Palliativcur bezweckt die Bekämpfung von Symptomen, welche Verschlimmerungen und Oompli-cationon der Krankheit herbeiführen könnten, und von solchen, welche der Ausdruck grosser Schmerzen und Beschwerden sind und die nicht selten auch ein verschlimmerndes Moment der Krankheit darstellen und die Ursache zu Complicationen derselben abgeben können.
Mittel. Die Heilmittel dieser Cur gehören allen Classen an. So kann z. B. ein Schmerz gelindert werden durch das Messer (Neurotomie), durch Nervendehnungen, durch Massage, durch Narcotica u. s. w.
Indicationen. a. Die Palliativcur geht der Radicalcur voraus oder neben derselben einher. Dies ist der Fall, wenn Complicationen der ursprünglichen Krankheit auftreten, welche besondere Gefahren bedingen, oder wenn mit der der Radicalcur zugänglichen Krankheit hervor­stechende gefährliche oder quälende Symptome verbunden sind.
Derartige Symptome sind: bedeutende Steigerung der Innentemperatur, Gas­ansammlungen in den Verdauungsorganen, starke Eiterungen, übermässige Se- und Excretionen, grosse Schwäche, grosse Reizbarkeit, starke Schmerzen, bedeutendes Angstgefühl etc. Diese Symptome sind unter Umständen physiatrischer Natur, z. B. Temperatursteigerungen. Schmerzen. Sie sind aber zu bekämpfen, sobald sie ein gewisses Maass überschreiten.
b. Die Palliativcur wird allein benutzt, wenn die Radicalcur un­ausführbar und überhaupt nicht verwendbar ist.
Das ist z. B. der Fall bei unbekannten und ungenau erkannten Krankheiten (Xeuralgien), ferner bei Krankheiten, hei denen die fortwirkenden Krankheits­ursachen (Tuberkelbacilien) nicht entfernbar sind, ferner bei Krankheiten, die von selbst heilen, sobald man dem Natnrheilbestreben freie Bahn schafft, indem man die verschlimmernden Symptome bekämpft und die Heilungshindernisse fern hält. In letzterem Falle wird die Palliativcur zur Radicalcur.
e. Die Heilmethoden.
Der Curplan ergiebt, welche Heilmethoden und welcher Hcil-apparat und wie derselbe in Anwendung zu bringen ist.
Nach Art der Heilmittel, die man benutzt, spricht man von einer latro-mechanik, latrodynamik, [atrochemie, Hydrotherapie, Klimatotherapie. —Die latro-mechanik gründet sich auf den anatomischen Bau des thierischen Körpers und die
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 231
meclKinischen Vorrichtungen (Bewegungen) desselben. Zu den Heilmitteln gehören: das chirurgische Messer, die sonstigen chirurgischen Instrumente, die Bandagen, .Maschinen, die Körperbewegung, Massage. Die latrochemie berücksichtigt die chemische Zusammensetzung des Körpergewebes und die daselbst ablaufenden cliemischen Vorgänge, die moleculiiren Bewegungen und Veränderungen. Die Heil­mittel sind die Remedia diaetetica et pharmaceutica. Die latrodynamile behandelt mit Aetherbewegungen (Licht, Wärme, Elektricität, Magnetismus und dergleichen). Die Klimatotherapie erkennt als einziges Heilmittel die Luft an, die auf mechani­schem, chemischem und physikalischem Wege heilsam wirken kann. Die llydro-iatrie stützt sich auf die chemischen. mechanischen und physikalischen Wirkungen des Wassers und auf die weite Verbreitung desselben im Thierkörper. — Wer eine dieser Behandlungsmethoden zur Grundlage eines Systems macht und alle Krank­heiten nach einer Methode behandelt, begeht einen unverzeihlichen Fehler. Jedes einseitige lleilsystem ist falsch. In dem einen Falle ist die eine, im anderen Falle die andere Methode am Platze. Der tüchtige Arzt benutzt die Heilmittel aller Systeme, je nachdem er deren Anwendung für angemessen hält.
Da die Zahl der Heilmittel eine sehr bedeutende ist, und deshalb das Aus­suchen des einzelnen Heilmittels dem aufgestellten Curplan gemäss grosse Schwierig­keiten bereitet, so ist man von jeher bestrebt gewesen, die Heilmittel in gewisse Gruppen zu bringen, um deren Uebersicht zu erleichtern. Jede Heilmittelgruppo sollte bestimmten allgemeinen Heilindicationon genügen. Bei diesem Bestreben gelangte man zur Bildung der sogenannten Heilmethoden und zur Eintheilung der Heilmittel nach ihrer therapeutischen Wirkung.
Begriffe. Unter Heilmethode versteht man eine Vorschrift zur zweckmässigen Anwendung der Heilmittel (des Indieirten). Man spricht nun von Grundhcilmethoden (Method, med. fundamentales) und von Specialheilmethoden (Meth. speciales).
Grundheilmethoden. Nur die auf den Indicationes universales s. fundamentales basirenden Grundhcilmethoden haben wir hier zu be­trachten. Die Grundheiimethode ist die Vorschrift zur zweckmässigen Anwendung des durch eine Grundanzeige geforderten Vereins von Mitteln, sie drückt einen Hauptzweck der Behandlung aus. Zu jeder Grund­methode gehört demnach ein ganzer Heilapparat, aus dem im Special­falle das Passendste auszuwählen ist. — Die Zahl der Grundanzeigen bestimmt die Zahl der Grundheilmethoden. Erstere müssen natürlich auf einem allgemein gültigen wissenschaftlichen Princip beruhen. Die Methode muss wissenschaftlich und erfahrungsgemäss folgerichtig aus der Anzeige hervorgehen und einfach, aber vollständig und zweck­massig sein.
Bei jeder Methode sind stets einige Momente unabweisbare Forderung: 1) Ent­fernung der veranlassenden und unterhaltenden äusseren Ursachen; 2) Hebung oder Linderung der Krankheit; o) Abhaltung schädlicher, Herbeiführung wohlthiitigor Einflüsse während des Krankheitsverlaufs durch diätetische Vorschriften; 4) Leitung der Keconvalesceuz.
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•23'2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
„Jede einzelne fundamentale Cunnethode findet bei verschiedenen Krank­heiten ihre Anwendung, und wiederum können bei derselben Kranliheit verschiedene Methoden zweckmässig in Gebrauch gezogen werden; dieselbe Methode bringt ver­schiedene Mittel in Anwendung, und dasselbe Mittel kann sein Unterkommen wieder bei verschiedenen Methoden finden, weil sie verschiedene, wenn auch zum Theil nur Neben- und Nachwirkungen haben, die verschiedenen Curzwecken dienen. Hierdurch ist denn auch die Möglichkeit gegeben, in concreten Krankheitslallen verschiedene Methoden in den verschiedensten Verhältnissen mit einander zu ver­binden, so dass die eine Heilmethode eine untergeordnete, die andere eine Haupt­wirkung hat, die eine als Stütze der anderen oder zur Milderung einer nicht ge­wünschten Nebenwirkung dient und nur wieder gut zu machen hat, was die andere neben ihrer eigentlichen Heilwirkung Abnormes geschalTen hat, dass die eine heilend, die andere vorbauend wirkt. Namentlich kann man die eine Methode aus der anderen hervortreten lassen, die urintreibemle Methode kann man z. B. aus der entziehenden, antiphlogistischen Methode durch salinische harntreibende Mittel, hervortreten lassen. Einzelne Methoden schliessen sich aus, z. B. Entziehung und Restauration, die diuretische und diaphoretische Methode: sie können natürlich nicht zugleich in Anwendung kommen.
„Hieraus eigiebt sich, dass die einzelnen Methoden nicht in sich abgeschlossen, dass sie vielmehr dehnbar sind und theilweise in einander greifen.- Je nachdem man die Curzwecke allgemeiner hinstellt oder specieller sondert, mindert oder mehrt sich die Zahl der Curmethoden. Ein zu bedeutendes Specialisiren ist falsch, die Zwecke sind möglichst allgemein zu fassen, ohne dass man aber zu verschwommenen Indicationen kommt.
i\usser der Feststellung der in Anwendung zu ziehenden Cur-metliode bestimmt der Curplan noch die specielle Art und Weise der Ausführung derselben, er behandelt die Auswahl der speciellen Heilmittel nach ihrer Specialwirkung, ihrem Preise, der Möglichkeit, sie leicht oder schwer zu erlangen u. s. \v.. er bestimmt das Appli-cationsorgan, die Applicationsmethode der Heilmittel, die Dosis, Form und Verbindung der Arzneimittel und dergleichen.
AendeiUng des CurpIanS. Der die Behandlung regelnde Curplan kann kein während der ganzen Cur durchaus feststehender sein. Nicht selten werden Aende-rungen des Plans und damit der Behandlung nothwendig. Es ist nicht gut, wenn man zu oft Aenderungen eintreten lässt, ebenso ist es aber durchaus falsch, eigen­sinnig an dem einmal aufgestellten Curplan festzuhalten. Zu Aenderungen im Cur­plan ist Veranlassung gegeben in neu auftretenden Nebenzufällen, in bei der Behand­lung auftretenden Contraindicationen (es ist z. B. Salpeter indicirt und wird ange­wendet, er veranlasst aber Darmreizung, diese stellt ein Heilungshinderniss dar, daraus folgt eine Contraindication rücksichtlich der Anwendung von Salpeter), ferner bei Wendungen der Krankheit, durch den Verlauf derselben, bei Fruchtlosigkeit der eingeleiteten Behandlung, bei Steigerung der Krankheitssymptome in Folge der Behandlung, bei Auftreten neuer Indicationen, beim Gewöhnen an gewisse Medica­mente, bei Befürchtung cumulativer Wirkungen und dergleichen.
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Die Kunstlmlfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;233
Die Ausführung der Behandlung.
Nach Erkenntniss der Krankheit und endgültiger Feststellung des Curplans folgt die Ausführung desselben, das heisst die eigentliche dir, die in Einleitung der Behandlung und der Forlbehandlung besteht.
Diätetische Vorschriften. Wenn keine Indicationen vorliegen, die ein sofortiges anderweites Eingreifen erfordern, beginnt man jede Cur mit dem wichtigsten Theilc derselben, mit der Anordnung der für den Krankheitsfall passenden Diät. Nur der Anfänger und der Pfuscher sündigen gegen diese wichtige Regel der Therapie.
Jede Heilmethode erfordert ihre besondere Diiit. wenn sie von guten Erfolgen begleitet sein soll. Die in dieser Richtung zu gebenden Vorschriften müssen klar, bestimmt und ausführbar sein. Man muss dabei an Alles denken, an die Stallluft. ihre Reinheit, Frische, den Wechsel derselben, an zu vermeidende Zugluft, an das Putzen und Reinigen der Thiere, etwaiges Bedecken derselben, ihre Streu, ihren Stand und ihre Lage, an das Futter und Getränk, an die Anordnung von Ruhe oder Bewegung, an die Arbeit der Thiere, die Geschlechtsfunctionen, an die Um­gebung der Thiere, das Licht, die Temperatur im Stalle, den Jiuicheabfluss u. s. w. Je genauer und exaeter man in dieser Beziehung verfährt, je bessere Erfolge wird man in der Praxis zu verzeichnen haben. Der ungünstige Ausgang und schlechte Erfolg vieler Curmethoden ist die Folge mangelhafter diätetischer Vorschriften. Wie soll ein Leiden der Verdauungsorgane heilen, wenn nicht genaue Diät beob­achtet wird, wie soll ein Tetanusfall einen günstigen Ausgang nehmen, wenn das kranke Thier durch Geräusche fortwährend irritirt wird? Es genügt aber nicht, die diätetischen Vorschriften zu geben, man muss deren Ausführung auch con-troliren und überwachen.
Mechanische Behandlung. Die mechanischen und physikalischen Heilmittel müssen in der Regel durch den Thierarzt selbst in An­wendung gebracht werden. Eventuell sind genaue Vorschriften z. B. behufs Anlegung von Verbänden, Anwendung von kalten oder warmen Umschlägen, Anwendung subeutaner Injectioncn u. s. w. zu geben. Die Vorschriften müssen Hand in Hand mit directer Demonstration gehen. Der Thierarzt führt vor den Augen des zu Belehrenden die betreffende Handlung aus und zeigt ihm genau, was er zu thuu hat. Nicht selten finden sich in den Ortschaften Leute, welche zu den bei kranken Thieren üblichen Hülfelcistungen besonders geschickt sind. Diese be­nutze man.
Pharmaceutische Behandlung. Die pharmaceutischen Heilmittel ver­abreicht der Thierarzt aus seiner Hausapotheke oder verschreibt sie in Form des Receptes und lässt sie aus den Apotheken beschaffen. Bei Anordnung dieser Art der Behandlung gebe man genaue Vorschriften über die Art der Anwendung der Arzneimittel und betleissige sich der möglichsten Einfachheit und verordne nicht zu viel Mittel zugleich.
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Man beachte wohl, dass man nicht jeder speciellen Indication genügen soll, und dass das Heil der Behandlung nicht in den Medicamenten liegt. Allerdings kann man nicht ganz ohne Compositionen auskommen. Einmal sind bestimmte Compositionen bewährt, und dann kann oft ein theures Mittel durch eine billige Composition ersetzt werden. Aber auch in anderer Richtung sind Compositionen notliwendig, so ist es bei manchen Mitteln, die eine complicirte Wirkung haben, nothwendig, sie in einer bestimmten Richtung zu unterstützen, so wirkt z. B. Brech-woinstein vomirend. abführend und diaphoretisch, durch Zusatz eines Brechmittels dirigiren wir die Wirkung des Mittels nach dieser Richtung u. s. w. Oft kann die unangenehme Nebenwirkung eines Mittels durch eine Composition unschädlich ge­macht werden. Manchmal ist es auch möglich, sogar eine speciflsche Wirkung eines Mittels durch einen bestimmten Zusatz zu erreichen.
Fortbehandlung. Mit der Einleitung der Behandlung ist die Thätig-keit des Arztes nicht beendet. Ein einmaliger Eingriff ist selten ge­nügend, um die Heilung herbeizuführen. Der Arzt muss den Erfolg jedes Eingriffs abwarten und beobachten, und danach eventuell seine Maassnahmen treffen. Häufig ist eine längere Beobachtung und Be­handlung und eine wiederholte Untersuchung, deren Resultate nicht selten zu einer Aenderung des Heilverfahrens führen, notliwendig.
Der Patient muss also öfter besucht werden; die Zahl und Häufigkeit der Besuche richtet sich nach der Natur etc. der Krankheit. Bei jedem Besuche lässt man sich Bericht erstatten über das Verhalten des Kranken in der Zeit vom letzten Besuche und nimmt eine Untersuchung des Kranken vor und ordnet die weitere Behandlung an. Bei jedem Besuche prüft man die Diagnose und stellt eine neue Prognose. — Man stellt die Höhe der Krankheit und den Verlauf fest, füllt Lücken bezüglich der Aetiologie aus, controlirt die anamnestischen Daten, untersucht nach neuen Schädlichkeiten und neuen Symptomen, fragt nach dem Verhalten des Thieres, seinem Appetit, der Koth- und Harnentleerung, der Munterkeit, der Wirkung der Mittel und dergleichen. Man prüft, ob die Vorschriften befolgt worden sind, ob der Krankheitsverlauf der gewöhnliche ist und dergleichen.
Die Behandlung der Ausgänge der Krankheit.
a. Bei Ausgang in Genesung.
Führt eine Krankheit zur Genesung, dann tritt an den Thierarzt die Aufgabe heran, die gt;'achcur, Apotherapia, Therapia reconvalescentiae zu leiten, das heisst, das genesende Thier zu überwachen und eventuell zu behandeln. Die als Apotherapie (laquo;mraquo; nachher) bezeichnete Kunst­hülfe beginnt mit der Untersuchung der Rcconvalescenten, der sich die Diagnosen- und Prognosenstellung und eventuell Behandlung anschliesst.
Begriff der ReCOnvaleSCenZ. Nach Beendigung der Krankheit folgt ein Mittelzustand zwischen Gesundheit und Krankheit, das Stadium der Convalescentia (Wiedergenesimg). Dieses ist ausgezeichnet durch Mangel an Kräften, erhöhte Reizbarkeit und Empfänglichkeit für Schädlichkeiten, das Fortbestehen einiger ge-
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Die Kunsthülfe,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;235
ringen Abweichungen vom Gleichgewicht der Fanctionen, namentlich von Schwäche der Functionen des liranli gewesenen Organs, durch Vorhandensein gewisser Defeote und allgemeiner Beschwerden unbestimmter Art, durch viel Ruhebedürfiiiss, reich­lichen Appetit und dergleichen. — Im Grossen und Ganzen liann man sagen, dass entweder noch ein Rest der vorhanden gewesenen Krankheit oder nur ein Schwäche­zustand des Organismus resp. einzelner Organe besteht (Locus minoris resistentiae}, der bei gewissen Krankheiten die Neigung zu Recidiven, resp. eine abnorme Anlage zu bestimmten Erkranknngen involvirt.
Untersuchung. Jede Nachbehandlung muss sich auf eine gründliche Untersuchung des Reconvalescenten stützen.
Die Untersuchung muss sich symptomatoiogisch auf die vorhanden gewesene Krankheit, auf die zu fürchtenden Recidive. Nachkrankheiten und anderweite Folgen, auf die Kräftezustände, den Appetit, die Verdauung, den Kreislauf, die Verhältnisse der Haut und dergleichen und ätiologisch auf die jetzt vorhandenen Einflüsse (Licht, Luft, Futter, Anstrengungen u. s. w.) in ihrer Wirkung auf den genesenden Organismus erstrecken.
Diagnose. Nach der Untersuchung folgt die diagnostische Prüfung, ob die Krankheit wirklich oder nur scheinbar beendet ist, ob die so­genannten kritischen Entleerungen reichlich und genügend zugegen sind, ob Krankheitsproducte zurückblieben, denen Ablluss zu verschaffen ist, ob für eine Zunahme der Kräfte gesorgt werden muss und dergleichen.
Prognose. Prognostisch ist namentlich festzustellen, wie lange das Rcconvalescenzstadium voraussichtlich dauern wird, und ob volle oder unvollkommene Genesung zu erwarten ist.
In ersterer Beziehung ist ein Vergleich mit der Dauer des Vorbotenstadiums nicht unwichtig. Es scheint ein langes Vorbotenstadium eine langdauernde Recon-lacescenz vorherzusagen. Bei Krankheiten, welche tief eingreifend sind und die Kräfte sehr mitnehmen, die mit langer Appetitlosigkeit, anhaltendem Fieber, schlechter Verdauung einhergehen, folgt ein langes Convalescenzstadium. Entzünd­liche, fieberhafte, acute Krankheiten versprechen eine volle Genesung: bei Nerven­leiden ist die Genesung meist eine unvollkommene: chronische Krankheiten haben eine lange Reconvalescenz mit oft unvollkommener Genesung. Bei schwachen und alten Individuen dauert die Convalescenz lange, während jugendliche Thiere sich überraschend leicht von einer Krankheit erholen. — Günstige prognostische Aus­sichten ergeben sich aus dem Vorhandensein eines guten Appetits, einer normalen Verdauung, einem normalen Pulse und günstiger Beschaffenheit des Harns.
Indicationen. Die Indicationen in der Reconvalescenz beziehen sich auf die ätiologischen Schädlichkeiten, auf Reste der Krankheit und auf den Kräftezustand.
Behandlung. Sowohl zum Genügen der ätiologischen, als der auf Hebung des Kräftezustandes des Reconvalescenten gerichteten Indicationen genügen in der Regel genaue diätetische Maassregeln.
Selten ist die Verabreichung von z. B. tonisirenden Medicamenten nothwendig. Manchmal ist es allerdings vortheilhaft, Appetit erregende, die Verdauung ver-
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Die Kunsthülfe
bessernde, die Secretion der verdauenden Secrete befördernde .Mittel zu geben, z. B. bittere und bitter aromatische Mittel. Wenn die Verdauungsorgane sehr ge­schwächt sind, kann sich auch die Verabreichung von Salzsäure, von Pepsin und dergleichen empfehlen. In seltenen Fällen ist auch ein ganz massiger Fortgebrauch der während der Cur angewandten Medicamente. an welche sich die Thiere gewöhnt haben, eine Zeit lang vortheilhaft.
]ii diätetischer resp. hygienischer Rücksicht achte mau auf Fern­haltung aller ätiologischen Schädlichkeiten, besonders auf die Vermeidung von Erkältungen, Ueberfütteruiigen, Ueberanstrongungen, auf gute Haut­pflege, frische Luft und darauf, dass leicht verdauliche, aber gut nährende, nicht belästigende Nahrungsmittel in kleinen Quantitäten und kurzen Zwischenräumen verabreicht werden. Dann sorge man für eine geringe Bewegung in freier Luft und achte wohl darauf, dass die Roconvales-centen ganz allrnälig wieder an die gewöhnlichen Lebensverhältnisse, die Gebrauchsweise, die Aussentemperatur, das Arbeiten, an das ge­wöhnliche Futter u. s. w. gewöhnt werden. —#9632; Bei diesen und anderen Vorschriften muss man ganz besonders diejenigen Indicationcn im Auge haben, die sich aus den Ursachen ergeben, welche die Krankheit her­vorriefen, und ausserdem auch diejenigen, die der Natur der vorhanden gewesenen Krankheit selbst entspringen. Auch sorge man dafür, dass die kritischen Entleerungen genügend erfolgen, und dass collkjuative, schwächende Entleerungen gestillt werden. — Die Thiere sind ganz be­sonders gegen diejenigen Krankheitsursachen zu sichern und zu schützen, welche die Krankheit hervorgerufen haben. Eine Ausnahme bilden nur diejenigen Reconvalescenten, welche an Krankheiten gelitten haben, die niemals reeidiviren, und die dem Körper Immunität gegen die betreffende Krankheitsursache verleihen. — Selbstverständlich ist es, dass man bei der Behandlung der Reconvalescenten ganz besonders das erkrankt gewesene Organ im Auge haben und vor Schädlichkeiten schützen muss, (Ein Thier, das an einem Magenkatarrh gelitten hat, ist bezüg­lich der Fütterung während der Rcconvalescenz viel vorsichtiger zu be­handeln, als ein anderes, dessen Verdauungsorgane während der Krankheit gesund blieben.) — Die Nachcnr ist wesentlich eine Vorbauungscur gegen neues Erkranken. Wenn nach dem Ablauf des Krankheits-processes noch gewisse Abnormitäten als Reste desselben zurückbleiben oder Nachkrankheiten bestehen, dann erwächst aus dieser Thatsache eine neue Indication, die sogenannte Radicalindication der Nach-cur. Sie richtet sich ganz und gar nach der Natur des vorhandenen Krankheitsrestes. Sind Krankheitsproducte zurückgeblieben, so hat man für deren Entfernung zu sorgen, sei es auf dem Wege der Re­sorption, sei es dadurch, dass man die Entleerung nach aussen er­möglicht.
b. Beim Ausgang der Krankheit in den Tod.
Sobald sich dem Thierarzt die Ueberzeugung aufdrängt, dass die Krankheit einen übelen Ausgang nehmen wird, muss er den Besitzer mit dieser seiner Ueberzeugung bekannt machen und dabei gleichzeitig
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Die Kunsthülfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;237
seine Meinung darüber aussprechen, ob eine Tödtung des kranken Thieres angezeigt erscheint. Bei den sterbenden Tliieren kommt eine eigentliche Euthanasie wie beim Menschen nicht in Betracht. Das beste Verfahren, dem Thiere die Schmerzen der qualvollen Agonie*) zu ersparen, besteht in dem Tödten desselben auf eine möglichst schmerzlose Art und Weise. Wenn der Besitzer absolut nicht darauf eingeht, das unheilbar kranke Thicr, dessen Leiden mit Schmerzen und Qualen verbunden ist, tödten zu lassen, dann muss der Thierarzt Alles thun, was in seinen Kräften steht, und alle Mittel gebrauchen, die ihm die Wissenschaft an die Hand giebt, um die Schmerzen und Qualen des Thieres zu lindern.
Anhang.
Zum Schlüsse des Abschnittes über Kunsthülfe im Allgemeinen seien für die Studirenden einige der wesentlichsten Kegeln derselben kurz resumirt:
Man stadire die Geschichte der Medicin und alle Ileilsysteme und verachte keines derselben. — Man localisire durch scharfe Diagnose die Krankheit In ihrem Sitze und unterscheide scharf das Primäre vom Seeundären. — Man erforsche die Affinitäten der Organe und Gewebe zu den Arzneimitteln und localisire die Arznei­wirkungen. — Man wende diejenigen Heilmittel an, die in näheren Beziehungen zu dem erkrankten Organe stehen. — Man beachte die Heilmittelwirkung nicht nur am kranken, sondern auch am gesunden Organismus. — Man beachte den epidemischen Einfluss wohl. — Man sei stets bestrebt, die Behandlung local zu machen. — Man vergesse niemals, dass nicht die Krankheit, sondern der kranke Organismus zu behandeln ist. — Wenn ein bestimmtes Heilverfahren oder Heil­mittel mit Grund in Anwendung gelangt ist, dann warte man die Wirkung ab, ehe man ein anderes Verfahren einschlägt. Schneller Wechsel und rasche Aufeinander­folge verschiedener Eleilmittel muss vermieden werden. Wenn ein Heilverfahren einen günstigen Erfolg hat, bleibe man ihm treu. Nur schwerwiegende Gründe können es rechtfertigen, dass man mit dem Heilverfahren wechselt. — Von den zur Auswahl stehenden Heilmitteln wähle man bei gefährlichen Zufällen die kräftigsten und die am schnellsten wirkenden, sonst diejenigen, welche die wenigsten Iseben-wirkungen haben aus. Bei der Landpraxis wähle man die milder wirkenden Mittel. und im Allgemeinen achte man auf Billigkeit derselben. — Man behandele stets möglichst einfach. — Wenn verschiedene Heilverfahren angewendet werden müssen, dann geschehe es womöglich so, dass sie einander unterstützen. — Bei keiner Gur vernachlässige man das diätetische Heilverfahren.
D. Die Heilmittel (Indicata).
Begriff. Durch äussore, auf den thierischen Organismus einwirkende Sinflüsse können je nach den vorliegenden Verhältnissen sowohl Krank-
*) üymimn und (Jj'Ow'raquo;o/talt; kämpfen.
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238nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
heitcn erzeugt, als geheilt werden. Eine Einwirkung, die eine Krankheit erregt, stellt eine Krankheitsursache, und eine solche, welche Krank­heiten heilt, ein Heilmittel dar. Da nun derselbe äussere Einflass in dem einen Falle ein Heilmittel sein kann, der in einem anderen Falle eine Krankheits- oder Todesursache abgiebt, so ist ersichtlich, dass die Heilmittel nichts zu einem bestimmten Zwecke absolut Ge­gebenes, sondern etwas Relatives darstellen, und dass nur der Effect, den die Einwirkung eines Einflusses hat, darüber entscheidet, ob er ein Heilmittel unter den vorliegenden Umständen ist oder nicht.
Man bezeichnet als Heilmittel alle diejenigen Potenzen, welche krankhaftes Leben in gesundes umzuwandeln, Krankheitsursachen zu entfernen, die durch Krankheit im Organismus hervorgerufenen Ver­änderungen aufzuheben, den Organismus in seinem Ausgleichsbestreben bei Krankheiten zu unterstützen vermögen.
Wie zum Zustandeltommen, so sind auch zur Heilung der Kranldieiton äussere und innere Bedingungen (Gausae) nothwendig. Die inneren, die Heilung ver­anlassenden Einflüsse werden durch das Kalurhoilhostreben (innere Heilmittel), die äusseren durch die eigentlichen Heilmittel repräsentirt. Die letzteren werden ent­weder ohne Zuthun des Arztes wirksam, oder ihre Anwendung geschieht auf ärzt­liche Anordnung hin. resp. durch den Arzt selbst. Erstcre sind die Katurheil-mittel. Sie gelangen entweder zufällig in Wirksamkeit, oder ihre Einwirkungen liegen in den gewöhnlichen Lebensverhältnissen und in den instinetivenBedürfnissen des Kranken begründet. Die durch den Arzt zur Verwendung gelangenden heilenden Potenzen stellen die eigentlichen Heilmittel, die Remedia technica dar. Ihre richtige Anwendung setzt die Kenntniss der Natur, der Ursachen, der Vorgänge etc. der Krankheit und die Kenntniss der Wirkungsweise der Heilmittel voraus. Die Heilmittol können zu ganz verschiedenen Zwecken angewandt werden und zur Erreichung derselben ihre Wirkung in ganz verschiedener Art und Weise entfalten. Die Anwendung geschieht z. B. zum Zwecke der Entfernung der Ursachen, oder zur Linderung des bestehenden Leidens, oder zum Schütze gesunder Individuen vor dem Erkranken. Diese Zwecke erreichen die Heilmittel, indem sie mechanisch oder chemisch oder psychisch etc. auf den Thierkörper einwirken.
Die Lehre von den Heilmitteln heisst die HeUmittellehre (Tamatologia*), Acologia**)). Ihre Geschichte reicht weit in das indische, ägyptische und grie­chische Alterthum zurück.
Eintheilung. Die Heilmittel theilt man nach verschiedenen Rich­tungen verschieden ein. 1) Nach den Zwecken, welche mit der An­wendung der Heilmittel verfolgt werden, unterscheidet man:
a. Palliative Heilmittel (Remedia paliiativa). Mit deren An­wendung bezweckt man nur eine Linderung einzelner Krankheitssymptomequot; oder der ganzen Krankheit, aber nicht deren Heilung, Sie gelangen
*) f'a/ta Heilmittel. **) laquo;zjj Eeilung {äxiofuu heilen).
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Eintheilung der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 239
z. B. bei gefahrdrohenden Symptomen, bei grosscn Schmerzen, bei unheilbaren Krankheiten zur Anwendung.
b.nbsp; nbsp;Radicale Heilmittel (Rcmedia proprie sic dicta) werden die­jenigen genannt, welche im gegebenen Falle die vollständige Genesung, die Restitutio ad integrum bewirken.
c.nbsp; nbsp;Causale Heilmittel. Diese richten ihre Wirkung gegen die Ursachen, welche die Krankheiten hervorrufen und unterhalten, z. B. die Milzbrandbaoillen, Tubcrkelbacillen etc., und bewirken so oft radicale Heilung (Hemedia directa).
d.nbsp; nbsp;Prophylaktische Heilmittel (Remedia prophylactica). Sie sollen den Eintritt von Erkrankungen verhindern und werden besonders bei miasmatischen und contagiösen Krankheiten angewendet. Solche Heilmittel sind: die Pockenlymphe, die mitigirten Milzbrandbaoillen und dergleichen.
Es ist eigentlich unrichtig, von prophylaktischen Heilmitteln zu sprechen, da durch dieselben ja keine Heilung einer Krankheit, sondern Verhütung einer solchen bezweckt wird. Es ist aber allgemeiner Usus, diese Bezeichnungen zu gebrauchen.
c. Dirccte und inclirecte Heilmittel. Dirccte Heilmittel sind solche, welche durch dirccte Bekämpfung der Krankheitsursache die Krankheit heben, oder welche die Heilung durch dirccte Einwirkung auf den Krankheitsproccss, resp. das erkrankte Organ oder die Krank­heitsursache bewirken, während bei indirecten Heilmitteln die Heilung durch Bowirkung eines anderen Körpcrtheilos, durch Anregung regula­torischer Functioncn, Einleitung solcher, Unterstützung des Ausgleichs-vermogons der Natur etc. erzielt wird.
f. Specifischc Heilmittel. Früher verstand man darunter die­jenigen Mittel, welche derart speeifisch heilsam bei bestimmten Krank­heiten wirkten, dass sie den speciellen Krankheitsproccss durch dirccte Einwirkung auf denselben zur Heilung führten. In diesem Sinne giebt es keine Specifica. Es giebt wohl Heilmittel, welche eine specifischc physiologische Wirkung haben, aber keine solchen, welche bestimmte ausgebildete Krankheiten in der gedachten Art und Weise speeifisch beeinflussen. Es ist dies auch unmöglich, weil jeder Krankheitsproccss nicht allein ein sehr complicirtcr Vorgang ist, sondern auch in ver­schiedenen Stadien, verschiedener Ausbreitung, verschiedenen Formen und Complicationcn auftritt, und weil sein Verlauf von äusseren und inneren Bedingungen abhängig ist.
Heutzutage kann man, wenn die Bezeichnung Rcmedia specifica beibehalten werden soll, darunter nur diejenigen Heilmittel verstehen, welche die Krankheitsursachen (Bacillen, Mikrokohken, Bakterien etc.) zerstören, vernichten, entfernen und dadurch die radicale Heilung be­stimmter, durch die betreffenden Ursachen bedingter und unterhaltener Krankheiten herbeiführen (Chinin gegen Wechselfieber).
Jedes Heilmittel, welches den betreffenden Krankheitserreger (z. B. den Rotz-. Tuberkel-. Schweineseucben-, Diphtheriebacillus) tödtet oder seine Fortpflanzungs-fähigkeit aufhebt, heilt die Krankheit, wenn die durch die genannte Krankh eitsursaclic bedingten Veränderungen noch nicht zu bedeu-
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240nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
tend sind. Dieses Remedium specificum ist demnach ein Remedium causale et directum. Es vernichtet nicht die Krankheit, wie man sich das früher vorstellte, sondern nur die die Krankheit unterhaltenden Ursachen. Die Heilung selbst wird vom Organismus herbeigeführt, sobald die Causa morbi nicht mehr einwirkt. Das Specilicum ist nur dann im Stande, die Heilung sicher herbei­zuführen, wenn die betreffende Causa noch keine derartigen Veränderungen hervor­gerufen hat, die das Xatuiheilbestreben nicht mehr heilen kann. In neuerer Zeit hat man viele Krankheitserreger (z. B. den Tuberkelbacillus [Koch], den Kotz-bacillus [Schütz und Löffler]) erkannt. Die nächste Aufgabe ist nicht allein, diese Entdeckungen durch weiteres Erforschen der Ursachen anderer Krankheiten zu vervollständigen, sondern auch die. die Antiparasitica resp. Antidota derselben. das heisst die iMittei zu suchen, welche diese Krankheitserreger vernichten oder sie ihrer Vermelmingsfähigkeit berauben. Diese Remedia antiparasitica sind dann die Kemedia speeifica derjenigen Krankheiten, welche der Einwirkung der betreffenden Ursachen ihre Entstehung- und Verschlimmerung etc. verdanken.
Wie man ehemals nach den geheimnissvollen Speeifica suchte, so richtete man auch das Augenmerk darauf, ein Remedium universale, das heisst ein Mitlei zur Heilung und Verhütung aller Krankheiten zu finden. — Selbstverständ­lich kann es kein Remedium universale geben, da ein Heilmittel immer nur dadurch ein solches ist, dass es in ein bestimmtes Vcrhällniss zu einem bestimmten Krankheitsprocess oder dessen Ursachen tritt, so dass ein Heilmittel also stets nur bedingt ein solches ist. Demnach ist jede Heilthoorie, die mit einem Universal­mittel alle Krankheiten zu heilen sucht, falsch und unberechtigt.
2) Nach der Abstammung tier Heilmittel theilt man dieselben ein in: a. solche, welche im Körper selbst gegeben sind, und b. in solche, die sieh in der Ausscnwelt befinden. Letztere theilt man wieder nach ihrer Wirkungsweise ein in physikalische, mechanische, chemische und die chemischen wieder in diätetische und pharmaceutische Heilmittel.
a.nbsp; nbsp;Heilmittel, die im Körper selbst gegeben und in den physiologischen Functionen begründet sind. Sie sind nicht substantieller Natur und bestehen in der Pflege und Stärkung, Gebrauch und Nichtgebrauch, Uebung, Abhärtung der Organe, Anwendung der Sinnesreize u. s. w.
Man theilt sie ein in: a. Remedia psychica (i/'v/^ Seele). Man versteht darunter besondere Seelenthätigkeiten (psychische Functionen), die man hervorruft, um ein Krankheitssymptom etc. zu bekiimpfen, z. B. Erregung von Schreck, Angst, Zorn. Diese Gruppe von Heilmitteln ist bei Krankheiten der Menschen aussei­ordentlich wichtig, kommt dagegen bei denen der Thiere kaum in Betracht. Man bekämpft psychisch nicht nur psychische, sondern auch somatische Krankheiten. Ein Remedium psychicum ist auch das Hypnoti siren, b. Remedia somatica (aoDfia Leib). Man begreift darunter körperliche Leistungen und ihre Pflege (Putzen, Abreiben, Baden, Bewegung etc.). Beziehen sich die betreffenden Ein­wirkungen auf ein bestimmtes Organ (Lungonturnen), dann spricht man von Re­media o r g a n i c a.
b.nbsp; nbsp;Aeusscro Einflüsse: laquo;. Remedia physica. Es sind dies die aus der Wechselwirkung der Substanzen auf einander hervorgehenden Naturkräfte (Licht, Wärme, Elektricität, Galvanismus, Schall, Schwere,
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Eintheilung der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 241
Adliäsion, Cohäsion, Druck, Temperatur, Bewegung etc.). ß. Remedia chirurgica. Sie stellen Werkzeuge, die zu mechanischen Eingriffen (Remedia mechanica) dienen, die durch Druck, Stoss, Reibung, Entfernung von kranken Theilen, Vereinigung getrennter Theile u. s. \v. wirken, dar.
Die Heilmittel dieser Gruppe sind: Instramente, Bandagen und Maschinen, Keibungen und Massage, uiidurchdriiigliche Ueberziige. Gefässcompression und Ligatur und vielleicht die Bluttransfusion und der Aderlass.
y. Remedia chemica, dcis sind Heilmittel, die ihre Einwirkungen auf chemischem Wege entfalten.
laquo;. Remedia diaetetica. Es sind dies die Nahrungsmittel. Sie stehen in engen Beziehungen zu dem thierischen Organismus resp. seinen Bestandtheilen, können den Lebensprocess unterhalten, zu Theilen des Körpers werden und verloren Gegangenes ersetzen. Sie liefern dem Körper die nothwendigen Kräfte in Form von Spannkräften.
Die Abgrenzung dieser Gruppe von der niichsten lässt sich nicht scharf vor­nehmen. denn es giebt Arzneimittel, die als Nahrungsmittel gehraucht werden können, und umgekehrt Nahrungsmittel, welche wichtige Medicamente sind und sich als solche in den Apotheken finden.
ß. Remedia pharmaceutica, Pharmaca, Medicamenta, Arznei­mittel. Es sind dies Stoffe, die in Apotheken aufbewahrt werden, und welche derartige Einflüsse für den Thierkörper darstellen, dass sie im gesunden Körper die Thätigkeit der Organe auf eine ungewöhnliche Art umstimmen, die Functionen stören, das Gleichgewicht im Lebensprocess aufheben und dabei dem Körper keinen oder nur einen geringen Ersatz für den Stoffverbraueh bieten. Findet die genannte Störung der normalen Functionen schon durch sehr kleine Mengen des betreffenden Körpers statt, dann nennt man das Arzneimittel ein Gift.
„Gift ist jede dem thierischen Organismus fremde Suhstanz. welche in grösserer oder geringerer Gabe demselben beigebracht, schnell oder langsam auf eine chemische Weise die Gesundheit stört oder selbst das Leben vernichtet, und sich in demselben nicht wieder erzeugt.quot; Die Gifte setzen eines der drei Hauptorgane des Körpers ausser Function, die Medulla ohlongata oder die Lungen oder das Herz. Zu diesen stehen sie in gewissen Beziehungen. Jedes Gift besitzt lebhafte chemische Affini­täten und erzeugt dadurch schon in kleinen Mengen und meist rasch deletiire Wirkungen. Die Gifte wirken entweder direct auf die Applicationsstelle und rufen dort liefgreifende chemische Veränderungen hervor (Säuren, Alkalien u. s. w.), oder vom Blute aus durch Affinitäten, die sie zu physiologisch wichtigen Or­ganen und Geweben besitzen und deren Integrität sie dadurch stören. Die Gifte enthalten durchaus nichts Besonderes (etwa ein Giftprincip), sondern sie wirken nur und allein durch ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften. Es giebt deshalb auch keine absoluten Gifte, die immer, in allen Verbindungen, in allen Modilicationen und unter allen Umständen giftig wären. Diese Thatsache ist des­halb sehr wichtig, weil sie uns einen Weg zur Bekämpfung von Vergiftungen zeigt. Im Organismus vorhandene Gifte, die nicht direct entfernbar sind, müssen in eine unwirksame Verbindung oder Modification übergeführt werden. Dann schadet ihr
Ellenbcrger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ip
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242nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Vorhandensein im Körper nichts. Zur Giftwirkung ist aber immer eine gewisse Menge und Concentration nothwendig. In kleinen Dosen und stark verdünnt können die Gifte recht günstige Wirkungen entfalten. Es existirt kein principiell er Unterschied zwischen Gift und Arzneimittel. Ein und derselbe Stoff ist. unter gewissen Verhältnissen ein Arzneimittel und unter anderen ein Gift (Koch­salz, Arsenik etc.). Die Lehre von den Arzneimitteln, Pharmakologie (quoftce-y.ov Arzneimittel), umfasst deshalb auch die Lehre von den Giften, Toxikologie, und behandelt meist theihveise auch die Remedia diaetetioa.
Die Pharmakologie ist eine Unterabtheilung der Akologie. Sie umfasst aber wieder verschiedene Disciplinen, nämlich: 1) Die Pharmacie. Zu dieser gehört: die Pharmakognos ie (Droguenlehre), die pharmacoutische Chemie, d. i. die Lehre von den chemischen und naturhistorischen Eigenschaften der Medicamente, und die Pharmakopoe, die Lehre von der Zubereitung etc. der Arzneimittel. 2) Die Pharmakodynamik, die Lehre von den Wirkungen der Medicamente. 3) Die Therapeutik, die Lehre von der Anwendung derselben in Krankheiten. 4) Die Reoeptirkunst (Formulare), welche die Formen, Gaben etc. kennen lehrt, in denen die Medicamente anzuwenden sind.
Die nachfolgenden Besprechungen beziehen sich auf die Heilmittel überhaupt und einige nur auf die Arzneimittel. — Eine gesonderte Besprechung der Arznei­mittel einerseits und der übrigen Heilmittel andererseits ist wegen der dann un­vermeidlichen fortwährenden Wiederholungen unmöglich.
I. Die Wirkungsweise der Heilmittel im Allgemeinen.
Einleitung. Die Heilmittel stellen für den Thierkörper äussere Einflüsse dar, die ihn chemisch oder mechanisch (und zwar grob oder fein mechanisch [physikalisch, molecular]) beeinflussen. Ihre Wirkung ist das Resultat der Einwirkung zweier Dinge, des Heilmittels und des Thierkörpers, auf einander und lässt sich nur aus der Kenntniss der Eigenschaften jedes dieser beiden Dinge für sich ermessen. „Die Wir­kung der Heilmittel besteht darin, dass sie in jene Reihenfolge normaler oder abnormer Vorgänge, welche wir Gesundheit oder Krankheit nennen, auf die ihren physikalisch-chemischen Eigenschaften entsprechende Weise eingreifen und, indem sie durch physikalisch-chemische Qualität einen (oder mehrere) dieser Vorgänge aufheben oder abändern, eine (oder mehrere) neue Reihenfolge von Vorgängen einleiten, welche ohne das nicht stattgefunden hätte.quot;
Wie bei der Einwirkung eines jeden äusseren Einflusses auf den Thierkörper (z. B. der Causa morbi) muss man auch bei der Keil­mittelwirkung zwei Vorgänge, welche die gesammte Wirkung darstellen, scharf von einander trennen, nämlich 1) die Einwirkung des betreffenden Einflusses auf den Thierkörper, und 2) die Rückwirkung des letzteren.
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Wirkungsweise der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;243
Beide Vorgänge zusammen stellen die Wirkung des Heilmittels darquot; Jede Heilmittelwirkung ist einer künstlicli erzeugten Krankheit ver­gleichbar und äussert sich durch Symptome.
1) Die Einwirkung, Actio, Laesio, immediate, active Wirkung. Man verstellt darunter a. die physikalisch-chemischen Veränderungen, welche ein Heilmittel zufolge seiner chemischen und physikalischen Eigenschaften im Organismus hervorbringt, und b. auch diejenigen, welche das Heilmittel eventuell selbst dabei erleidet.
a.nbsp; nbsp; Die Veränderungen der thierischen Gewebe durch das Heilmittel erfolgen durch Druck, Schwere, Adhäsion, Bewegung, Porosität, Form, Licht, Schall, Temperatur, Elektricität, Magnetismus, chemische Affinitäten u. s. w.
Die an den von Heilmitteln betroffenen Theilen hervortretenden Veränderungen sind sehr mannigfaltig. (Beispiele: Ein Messer trennt den Zusammenhang thieri-scher Gewebe, Sehwefelsänre zerstört sie und bildet einen Schorf, viele Medicamente entziehen ihnen das Wasser, andere bringen das Eiweiss zum Gerinnen oder zer­setzen, lösen oder modificiren es, andere zersetzen Leim oder leimgebende Gewebe, oder bringen das Keratin zum Aufquellen, die Kohlehydrate zur Spaltung; Wärme dehnt aus, Kälte verdichtet, erstere erwärmt, letztere kühlt ab, Druck presst die Gelasse zusammen u. s. w.) Die chemische Einwirkung von Medicamenten er­leidet durch das lebende Protoplasma zuweilen Abänderungen. Letzteres ver­trägt allmälig eintretende chemische Störungen oft ganz gut.
b.nbsp; nbsp; Das Heilmittel erleidet, der Wärme. Feuchtigkeit u. s. w. des thierischen Organismus ausgesetzt, vielfache Veränderungen, z. B. aufgelegtes Eis schmilzt, kaltes Wasser erwärmt sich und verdunstet, der atmosphärischen Luft wird Sauer­stoff entzogen, aus Chlorarsen wird durch Wasser Salzsäure und arsenige Säure; Metalloxyde, die mit Salzsäure zusammenkommen, bilden Salze, viele in Wasser unlösliche Stoffe werden in der Salzsäure im Magen löslich (kohlensaurer Baryt, Zink, viele Alkaloide); viele Verbindungen werden zersetzt, neue entstehen; unwirk­same Stoffe werden wirksam, ja giftig, und umgekehrt u. s. w. Es -werden also entweder neue Verbindungen gebildet oder bestehende aufgelöst. Gewisse Heilmittel erfahren gar keine Veränderungen bei der Anwendung: es gehen sogar viele Arznei­mittel unverändert durch den Körper (viele Alkaloide u. A.). Der Actionsort der Heilmittel entscheidet über die Art der Action. Ersterer hängt vielfach von der Applicationsweise ab.
Die Einwirkung findet zunächst stets nur am Orte der Appli­cation statt und bleibt vielfach darauf beschränkt. In anderen Fällen verbreitet sich das Heilmittel, namentlich wenn es chemischer Natur ist und breitet seine Einwirkung aus. Die Verbreitung der Wir­kung erfolgt durch Imbibition des Mittels, durch Fortführung desselben in Folge von Bewegungen, durch die Continuität und die Contiguität der Gewebe und Membranen etc., durch die Resorption und den Kreis­lauf, durch die Ablagerung in die Gewebe, die Ausscheidung durch die Ausscheidungsorgane u. s. w. ücberall, wohin das Mittel gelangt, findet seine Action so statt, wie sie in Folge der chemischen Eigenschaften
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244nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
des Mittels und der betreffenden Körpergewebe eintreten müssen. Das­selbe Mittel wird an den verschiedenen Stellen je nach der Einrichtung der Gewebe verschieden einwirken. Auf ein eiweissreiches Gewebe muss •/.. B. eine Säure ganz anders wirken, als auf ein eiweissarmes Gewebe.
2) Die FnnctionswirküDg des Mittels, die Reaction des Orga­nismus (physiologische, vitale Wirkung, Actio distineta, Reactio). Man versteht darunter die Vorgänge, welche in Folge der Ein­wirkung des Heilmittels im thierischen Körper ablaufen, das heisst die­jenigen Veränderungen der Lebensvorgänge, resp. der Organ- und Zell-funetion, welche in Folge der neuen, durch die Einwirkung des Heil­mittels erzeugten Bedingungen eintreten müssen. (Beispiel. Nacli der Action eines Messers [Schnitt] folgt Blutung, dann Thrombenbildung und unter Anderem Entzündung etc.; nach der Schorfbildung durch Schwefelsäure folgt Congestion, Entzündung, Eiterung.) Die Functions-wirkung ist die notbwendige physiologische Folge der Einwirkungen des Mittels, folgt den bekannten Gesetzen des Lebens und entspricht den gegebenen Bedingungen (cfr. S. G6 f.). Sie setzt sich meist aus einer directen örtlichen und einer entfernten indirecten Wirkung zu­sammen. Man theilt danach die Funetionswirkung ein in: a. örtliche Wirkung, Reactio direeta, localis, topica, welche durch directe Ein­wirkung des Heilmittels auf thierische Gewebe (Actio localis) zu Stande kommt, und b. entferntere Wirkung, Reactio indirceta, welche erst in Folge der örtlichen Wirkung eintritt.
Eine örtliche Wirkung des Heilmittels kommt nicht allein am Orie der Application, sondern überall da zu Stande, wohin das Heil­mittel im unveränderten oder veränderten Zustande (durch Resorption, Imbibition etc.) gelangt und einwirkt. Nach jeder örtlichen kann aber auch eine entfernte Wirkung eintreten, das heisst an jedem Actions-orte der Heilmittel erfolgt die Reaction des Organismus entweder nur örtlich oder auch entfernt.
Beispiel. Ein Jledicaraent wird per os verabreicht. Es erzeugt durch Ein­wirkung im Magen Reizung der Magenschleimhaut (Actio topica), Katarrh derselben (Reactio topica) und Wadenkrampfe (Reactio indireeta), verringerten Appetit und Abmagerung (Reactio indireeta et universalis). Das Mittel gelangt dann in das Blut und wird durch die Nieren ausgeschieden. Bei der Ausscheidung reizt es die Vieren (Actio topica). Die Reizung ruft eine veränderte Function der Nieren­zellen (Reactio topica) und reflectorische Nervenwirirnngen oder veränderte Haut-thätiglicit oder veränderte BlutbeschalTenheit hervor (Reactio indireeta).
Die Action und Reaction zusammen stellen die Wirkung dar. Diese ist verschieden je nachdem, ob sie mit oder ohne Resorption des Heilmittels erfolgt.
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Wirkung dor IleilmiUel ohno Resorption.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;245
A. Die Heilmittelwirkung ohne Resorption.
a.nbsp; Die örtliche Wirkung (Aetio et Reactio localis [topica]). Die­jenigen Heilmittel, welche nicht resorbirt werden, entfalten ihre örtliche Wirkung entweder nur am Orte der Application, oder auch an bcnach-barten Orten, wohin das Mittel durch Imbibition, durch Contiguitäts-uiul Contiuuitätsfortleitung und dergleichen Vorgänge hingelangt. Die locale Wirkung ist an die Natur der Zellen resp. Zellderivate geknüpft, mit denen das Beilmittel in Berührung gelangt, und geht stets von diesen aus. Sie erleiden Aendcrungen in ihrer Nutrition, Function oder Formation. Es gehören zu derartigen Wirkungen beispielsweise: Ver­engerung und Erweiterung direct getroffener Gefasse, Trübungen und Schwellungen von gereizten Epithelzellen, Contraction von berührten Muskeln, Reizungen der Nerven, Blutungen u. s. w. Die örtliche Reaction bildet mit der Action zusammen die örtliche Wirkung.
Beispiel. Ein Alkali trifft einen Körpertheil, entzieht ihm Wasser, zersetzt die Eiweisskörper und die Fettbestandtheile und löst sie auf und orlödtet das be­treffende Gewebe (Necrose). Das ist die Einwirkung. Ihr folgt die Gegen­wirkung des getroffenen Theiles; das nicht getödtete, aber gereizte Gewebe der Umgebung wird blutreicher, geräth in einen entzündlichen Zustand, stösst das Getödtete ab und sucht den stattgehabten Verlust durch Regeneration oder Neu­bildung wieder auszugleichen. Das Ganze zusarnraeiigenomiuen stellt die örtliche Gesammtwirkung an der Applicationsstelie dar.
b.nbsp; Entfernte Wirkung (Reactio indireeta). Der örtlichen folgt oft eine onifernlere Wirkung, ohne dass das Mittel sich über den Appli-cationsort verbreitet. Diese Wirkung ist die Folge der iti der Organi­sation der Thiere begründeten Abhängigkeit der Organe unter einander. Die indifferenten Wirkungen sind also Correlationsvorgänge und dem­nach abhängig von der Art der Correlationsbeziehungen des örtlich be­wirkten Organs.
Man hat zu manchen Zeiten diese Wirkungen überschätzt, zu anderen Zeiten dagegen sie möglichst negirt und fast alle Wirkungen auf stattgehabte Resorption und directo Wirkung des Resorbirten auf die Organe bezogen. Es kann aber keinem Zweifel unterliegen, dass es entfernte Wirkungen ohne Resorption des Heil­mittels giebt. Am besten beweisen dies die nicht resorbirbaren mechanischen und viele physikalische Heilmittel. Diese haben oft Vorgänge als Wirkungen zur Folge, die an ganz anderen Organen, als den direct betroffenen ablaufen. Aber auch bei vielen Giften, die resorbirbar sind, kann eine Reihe von Symptomen nicht als Resorptionswirkung angesehen werden. Man beobachtet oft nach director Einwirkung der Gifle Allgemeinersclioinungen, die ganz andere sind, als die nach der Resorption auftretenden. Einzelne Gifte entfalten vom Magen aus ihre heftigen Wirkungen ebenso rasch, ja schneller, als von der Subcutis aus. ja als nach der Einspritzung in die Venen. In diesen Fällen kann es kaum einem Zweifel unter-
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Die Kunstliiilfc.
liegen, dass die betreirenden Erscheinungen relkctorischer Natur sind. Beim Car-Ijolismus acutissimus dürften viele Erscheinungen als reflectorische zu deuten sein. Wir wissen, dass Reizungen des .Magens (z. B. durch Carbolsäure, Kupfer) rellecto-rische Contraction der Körperarterien, class Reizung durch Senföl Schweissausbruch, dass Darmreizung oft Collaps oder Krämpfe, dass üterusreizung oft Ohnmächten und Krämpfe bedingt. Diese Thatsachen erklären eine Reihe von Erscheinungen, welche bei Anwendung gewisser reizender Medicamente hervortreten, ohne dass eine Resorption stattfindet.
Die indirecten Wirkungen sind verschiedener Natur. Wir unter­scheiden :
1)nbsp; nbsp;Reflectorische Wirkungen. Diese kommen durch Vermittelung
der Nerven zu Stande zufolge der nervösen Verbindungen und der sym­pathischen (antagonistischen und consensuellen) Beziehungen der Organe unter einander und sind motorischer (Krämpfe), secretorischer (Speichel-fluss), trophischcr (Atrophie) oder sensibler (Schmerz, Jucken) Natur (cfr. S. quot;26 ff.). Es gehören beispieisweise hierher: Blutgefässverenge-rung und Erweiterung, Anämie, Hyperämie, Abstumpfung, Betäubung, Erregung einzelner Nervengebiete und dergleichen.
2)nbsp; Andere indirecte Wirkungen. Darunter versteht man alle an entfernten Organen auftretenden, der Localwirkung eines Mittels sich anschliessendcn Heilmittelwirkungcn, die ohne statthabende Resorption erfolgen und nicht reflectorischer Natur sind. Sie stellen unter Um­ständen Allgemeinwirkungen dar. die sich auf den gesammten Orga­nismus erstrecken (Abmagerung, Stärkung, Schwächung, Aufregung und dergleichen).
Beispiele. 1) Ein nur örtlich wirkendes Stomachicum ruft besseren Appetit hervor, die Folge davon ist bessere Ernährung, bessere Stimmung, lebhafteres Functioniren aller Organe u. s. w. 2) Ein örtlich wirkendes Mittel erzeugt Diarrhöe in Folge verminderter Resorption. Die entferntere Folge davon ist antiplaslischo Wirkung auf das Blut, Wassermangel im Blute, Durstgefiihl, Schwäche, Abmage­rung. 3) Ein Mittel, welches künstlich Eiterungen hervorruft, schwächt den ganzen Organismus.
Mittel, welche retlectorische und andere entferntere und unter Umständen Allgemeinwirkungen ohne eintretende Resorption entfalten können, sind: alle mechanisch wirkenden (chirurgischen) Heilmittel, die hautreizenden Mittel, die Wundheilmittel, die in zugängliche Höhlen, auf zugängliche Schleimhäute etc. bei deren örtlichen Erkrankungen angewandten Mittel, die breohenerregenden Mittel, die sogenannten Stomachica (bittere Mittel. Säuren und Alkalien etc.), die Anti-emetica, die Abführmittel, die stopfenden Mittel, die Carminativa, die Antiparasitica, insofern sie gegen Parasiten gerichtet sind, welche den Verdauungstract, die Haut, überhaupt zugängliche Stellen bewohnen, die Antiseptica, welche gegen Fäulniss-processe in direct erreichbaren Höhlen und Organen gerichtet sind, die Adstrin­gentia, Caustica u. s. w.
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Resorptionswirkung der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; quot;247
Aus den vorstehenden Betrachtungen und aus der Kenntniss der physiologischen Lebensvorgänge ergiebt sich, dass die Gesammtwirkung eines Medicaments schon ohne Resorption eine recht complicirte sein kann, indem die locale Wirkung eine entferntere bedingt, und diese wieder zur bedingenden wird.
B. Die Heilmittelwirkung mit Resorption.
Allgemeines. Viele Heilmittel, namentlich die Medicamente, werden am Orte der Application resorbirt und treten in die Säftcraasse des Körpers ein, durchwandern diesen, gelangen zu den Geweben und Organen des Tlücrkörpers, wirken auf diese ein, bleiben eventuell auch eine Zeit lang in ihnen liegen und werden dann oder direct durch gewisse Organe wieder aus dem Körper ausgeschieden. Auf dem Wege, den die Stoffe nehmen, können dieselben überall Wirkungen (bestehend aus Actio und Reactio localis et indireeta) entfalten (Actio remota, Resorptionswirkung) und zwar: 1) am Orte der Application, resp. der ersten Einwirkung (die Luft in den Lungen); — 2) in der Säftemasse des Körpers nach stattgehabter Resorption (Sauerstoff im Blute); — 3) in den Organen, resp. deren Zellen, wohin sie mit den Säften gelangen (Opium im Gehirn); — 4) am Orte der Ausscheidung (Canthariden in den Nieren). üeberall besteht die eventuell eintretende Wirkung aus einer Action auf die Gewebszellen und intercellulären Massen und einer directen und eventuell auch indirecten Functionswirkuug. Manchmal fehlt die Applicationswirktmg oder ist ganz unbedeutend, so dass das Medicament erst nach erfolgter Resorption wirkt. Das Medicament erleidet auf dem Wege, den es durch den Körper nimmt, oft sehr bedeutende Ver­änderungen (Actio). Diese repräsentiren die Schicksale des Medi­caments im thierischen Organismus.
Die Schicksale der Heilmittel sind oft recht bedeutende. Man bedenke nur, wie oft das Heilmittel chemischen Umwandlungen unterliegen kann: 1) vor der Re­sorption, 2) im Blute, 3) in den Organen, 4) bei der Ausscheidung u. s. w. Es wirkt deshalb auf die Gewebe oft ein ganz anderer Körper ein, als der verabreichte, und es erscheint in den Secreten oft ein Körper, der sehr verschieden von dem ist, der dem Tbiere eingegeben wurde. Werden die Stoffe unverändert ausgeschieden, dann spricht man von einfacher Elimination, werden sie verbrannt (oxydirl), von Destruction, und werden sie in anderer Weise umgewandelt, von Alteration.
a. Die Wirkung an der Applicationsstelle. Siehe hierüber das ad A. Gesagte.
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b. Die Resorption.
Die Resorption erfolgt immer nach den bekannten physiologischen Gesetzen und ist abhängig von den Eigenschaften des Heilmittels und des Applicationsortes (dem Blutgefässreichthura desselben u. s. w.).
Die Resorption findet besonders durch die Venen und Capillaren und die Lymphgefasse statt; die Cliylusgefiisso resorbiren besonders Fette und die darin löslichen Substanzen. Resorbirbar sind eigentlich nur llüssige und flüchtige Stoffe und allenfalls noch Emulsionen. Feste Körper sind nicht resorbirbar. Immerhin können sie in kleinen Quantitäten durch die active Thatiglceit der amöboiden Zellen aufgenommen werden. Ihre Wirkung bleibt aber immer sehr beschränkt, da sie nur mechanisch wirken können.
Der Beweis für die erfolgte Resorption eines Mittels ist gegeben: in dem Ver­schwinden desselben an der Applicationsstelle, dem Wiederauffinden desselben im Blute, den thierischen Geweben undSecreten. ferner darin, dass manche Stoffe örtlich nur den betreffenden Nerven bewirken, aber die Allgemeinerscheinungen nachgewiesenermassen nur hervorrufen können, wenn sie inquot;s Blut aufgenommen sind, ferner darin, dass Vergiftungen hervorgerufen werden, wenn man Thieren Milch oder Fleisch giebt, welches von vergifteten Thieren stammt und dergleichen.
Resorptionsfähigkeit der Mittel. Diese hängt besonders ab von der Diffusionsfähigkeil und Löslichkeit derselben (man vergleiche z.B. schwefelsaures Natron mit Kochsalz; erstere's ist schwer diffusibel
und demnach auch schwer resorbirbar, letzteres ist leicht diffusibel und leicht resorbirbar). Bei vielen Arzneimitteln genügt ihre vorherige oder in der an der Applicationsstelle vorhandenen Flüssigkeit erfolgende einfache Lösung, um sie zur Resorption tauglich zu machen. Bei anderen muss dagegen eine chemische Umwandlung vorhergehen, ehe sie resorbirbar werden. Deshalb sind manche Medicamente nur bei einer bestimmten Applicationsmethode wirkungsfähig, das heisst bei derjenigen, welche die Bedingungen zu der zur Resorption noth-wendigen chemischen Umwandlung darbietet.
So wirkt z. B. kohlensaurer Baryt nicht, wenn er auf die Haut oder per rectum applicirt wird. Wird er per os gegeben, dann entstellt im Magen resorbir-bares Chlorbaryum, und dadurch kommen Allgemeinwirkungen, ja Vergiftungen zu Stande. Aehnlich verhält es sich mit den Carbonaten von Zink und Blei. Bringt man Emulsin und Amygdalin kurz hinter einander einem Thiere per rectum oder per os oder per Infusion in's Blut bei. dann bildet sich stets Blausäure, welche eine Vergiftung hervorruft. Wird Emulsin in den Darm und Amygdalin in das Blut gebracht, dann entsteht keine Vergiftung, weil das Emulsin im Darm zersetzt wird. Viele Metalle und Metalloxyde werden erst durch die Einwirkung des Magen­saftes resorbirbar. Alkalien, Säuren, alkalische Salze, Arsen u. s. w. sind direct aufnehmbar.
Schnelligkeit der Resorption. Sie ist natürlich bei den verschiedenen Mitteln je nach ihrer Resorptionsfähigkeit, ihrer Natur und Beschaffenheit,
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Resorption der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; quot;249
ihres Aggregatzustandes, ihrer Temperatur, ihrer Concentration, ihrer Diffusibilität u. s. w. und je nach dem Ort der Application sehr vor­schieden. Im Allgemeinen kann man annehmen, dass Stoffe, welche keine besondere Affinitäten zum Eiweiss und dergleichen haben, rasch und leicht durch die Membranen gehen, während solche mit diesen Affinitäten schwer und langsam resorbirt werden. Nach der Schnellig­keit der Kesorption richtet sich natürlich meist die Schnelligkeit der Wirkung des Mittels.
Manche Medicamente werden ausserordentlich rasch resorbirt. Viele Heilmittel sind schon 5 Minuten nach der Application im Harn nachweisbar, Atropin wirkt schon nach 5 Minuten auf den Vagus, Strychnin ebenso rasch auf das Riickenmark u. s. w. Diese rasche Wirkung mancher Gifte war die Ursache, dass man zur An­nahme einer Verbreitung durch die Nerven gelangte, weil man eine so rasche Re­sorption für unmöglich hielt. Es wurde aber festgestellt, dass z. B. bei Injection von Strychnin in einen Schenkel, dessen Nerven durchschnitten sind, die Wirkung ebenso rasch eintrat, als bei erhaltenen Nerven. Damit war die Schnelligkeit der Kesorption dargethan und bewiesen, dass die Verbreitung nur durch die Säfte­masse stattgehabt haben konnte, und dass die Wirkung auf das Rückenmark nicht durch die Nerven vermittelt worden sein konnte, weil dieselben durchschnitten waren.
Resorptionsfähigkeit der Applicationsorte. Von den gewöhnlich zur Application von Heilmitteln benutzten Orten resorbirt am besten die Subcutis, dann folgt die Cutis, dann der Dünndarm, Magen, Mast­darm, die sichtbaren Schleimhäute und die unverletzte Haut.
Die unverletzte Haut vermag nur flüchtige oder sich leicht verflüchtigende oder in Salben enthaltene Stoffe zu resorbiren, wässerige Lösungen dagegen nicht. Viel besser resorbiren schon die Conjunctiva, die Vulvaschleimhaut und dergleichen. Die verletzte, der Epidermis beraubte Cutis (Hautwunden und granulirende Flächen) resorbirt leicht. Die Resorption vom Magen aus ist durch viele Versuche sicher festgestellt worden. Der Dünndarm hat ganz besondere Resorptionsapparate und vermittelt demgemäss die Resorption rasch und sicher. Weniger rasch resorbirt die Dickdarmschleimhaut. Am schnellsten und sichersten erfolgt die Resorption von der Subcutis. Die in dieselbe gespritzten Lösungen gelangen theilweise direct in das Lymphgefässsystem oder werden rasch von den Venen und Lymphgefässen auf­genommen.
Veränderungen der Heilmittel vor der Resorption. Diese sind am beträchtlichsten bei der Anwendung per os und viel geringgradiger bei anderen Applicationsmothoden. Manche an sich diffusiblen und resor-birbaren Stoffe werden nicht resorbirt, weil sie sich am Orte der An­wendung mit Körperbestandtheilen oder anderen dort vorhandenen Dingen (den Bestandtheilen der Nahrungsmittel etc.) zu unlöslichen, nicht resorbirbaren Körpern verbinden. Ueber die specielleren Ver­änderungen der Heilmittel vor der Resorption berichten wir später.
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250nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Dio Kiuisi hülfe.
Manche Mittel gelangen mehrmals zur Resorption, z. 13. Kupfer, Blei u. s.w. Diese Mittel werden, nachdem sie in Folge der ersten Resorption ihre Wirkung ent­faltet und einige Zeit in den Organen verweilt haben, theilweise durch die Ver-dauungsdrüsen ausgeschieden und gelangen auf diese Weise mit der Galle, dem Speichel u. s. w. in den Darm und werden theilweise öfter resorbirt.
c. Der Aufenthalt der Heilmittel in den thicrischen Säften.
Die Action der Heilmittel im Blute und in den Säften ist oft eine sehr bedeutende. Sie besteht in Veränderungen der Heilmittel, Ver­änderungen der Säfte und Einwirkungen auf die Gefässwände.
a. Veränderungen der Heilmittel. Die in das Blut aufgenommenen Heilmittel können verschiedenartige Veränderungen durch die Einwirkung der Blutbestandtheile erleiden.
Der an das Hämoglobin locker gebundene Sauerstoff wirkt auf viele SlolTo zersetzend ein: pllanzensaure Alkalien worden zu kohlensauren, Chloralhydrat zu Chloroform und Ameisensäure, Gerbsäure zu Gallussäure, die N-freien Substanzen vielfach zu CO., und If, 0, aus N-haltigeu entstehe zum Theil Harnstoff u. s. w. Viele Körper werden einfach verbrannt (Destruction), andere zu ganz neuen Körpern auf complicirte Weise umgewandelt (Alteration). Oft sind beide l'rocesse combinirt. Einige Stoffe verbinden sich mit Bestandtheüen des Körpers synthetisch zu neuen Körpern (Hippursäure aus Benzoesäure und Glycin). StolTo, welche für gewöhnlich zersetzt werden, gehen dann unverändert ab, wenn sie in grossen Gaben verabreicht werden, weil, jetzt nicht die genügende Menge Sauerstoff für die Oxydation disponibel ist.
Die Veränderungen der Heilmittel im Blute richten sich nach der zufälligen Beschaffenheit des letzteren. In GO.,-reichem Suffocationsblute wirken viele Heilmittel anders, als im Apnoüblute und dergleichen.
ß. Veränderungen der Säfte. Durch die ad laquo;. geschilderten Vor­gänge oder durch speeifische Beeinflussung bestimmter Blutbestand­theile durch die Heilmittel wird die Beschaffenheit des Blutes alterirt. Ist die Alteration eine bedeutende, dann ändern sich dem entsprechend die Eunctionen des Blutes und die Einwirkungen desselben auf die thierischen Gewebe und Organe und damit auch das Eunctioniren dieser. Unter Umständen kommen sogar Allgcmeinwirkungon auf den ganzen Organismus zu Stande.
Beispiele. Wird Salzsäure in kleinen Dosen und verdünnt durch längere Zeit hindurch gegeben, so veranlasst sie Alkalimangel im Blute und Abmagerung, weil sie fortwährend einen Theil des Alkali des Blutes bindet. — Alkohol. Aether, die gallensauren Salze, das Chinin wirken specifisch auf die rothen Blutkörperchen ein, andere entziehen dem Blute den Sauerstoff, andere machen das Blut lackfarben etc.
y. Einwirkungen auf die GefäSSWände. Durch die im Blute kreisen­den Mittel kann direct oder in Folge der Veränderungen der Blutqualität eine Einwirkung auf die Blutgefässwände mit entsprechenden Gegen-
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Deposition der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 251
Wirkungen, welche in der Regel Circulationsstörungen im Gefolge haben werden, erfolgen.
Viele StolTe, die in der betreffenden Concentration auf das Blut und die Blut-gefässwände im Allgemeinen nicht einwirken, haben diese Wirkung, wenn sie in gewissen Geweben auf dieselben wirken. So sehen wir z. B. vom Cantharidin, vom Blei und Quecksilber Entzündungen an bestimmten Orten entstehen. Eine genügende Erklärung für diese Thatsache giebt es nicht. Haben vielleicht das Blut resp. die Gefässwände an diesen Orten eine ganz besondere Beschaffenheit, oder liegt es so, dass die betreffenden mit besonderen Affinitäten zu den speciellen Geweben ausgestatteten Mittel erst in diese eintreten, dort Ernährungsstörungen hervorrufen und dadurch die Kesistenzfähigkeit der Gefässwände dieser Gewebe stören und nunmehr erst nach der zwecks Elimination erfolgenden Resorption die Alteration der Gefässwände bewirken?
d. Ablagerung der Heilmittel in die Gewebe und Organe.
Mögen die chemischen Heilmittel mit den Blutbestandtheilen Ver­bindungen eingegangen sein oder nicht, jedenfalls transsudiren sie aus dem Blute und gelangen in den extravasculären Säftestrom. Rein physikalische Verhältnisse, die Durcbtrittsfähigkeit der Substanzen an sich, die Porosität der Gefässwände, die Feinheit der Lösung, die Stärke des Blutdrucks u. s. w. entscheiden über das Erscheinen der Medicamente an der äusseren Capillarwand. Die chemischen Affinitäten der Steife zu den Körpergeweben, die allerdings durch die Eigenschaften des lebenden Protoplasma manchmal alterirt werden, bestimmen, wound in welcher Menge der Uebcrtritt statthat, und ob nach demselben die Wiederaufnahme in die Venen und Lymphgefässe sofort erfolgt oder nicht. Nach der Resorption würden sich die aufgenommenen Stoffe in Folge der Circulation gleichraässig im Körper vertheilen, wenn nicht die chemi­schen Affinitäten beständen. Diese bedingen Störungen der Gleichmässig-keit der Vertlieilung und unter Umständen bedeutende Anhäufungen in einzelnen Capillargebieten und Geweben. Der Eintritt und die Ab­lagerung der Medicamente in die Gewebe kann bei einigen derselben durch die chemische Analyse festgestellt werden, bei anderen erschliessen wir sie aus den Veränderungen, die an den Geweben und ihren Eunctionen bemerkbar werden. Jedes in ein Gewebe eintretende Medicament be­wirkt in demselben directe Aenderungen und erleidet auch selbst solche (Action). Der Action folgt die directe oder indirecte Reaction des Organismus.
ÄenderUQgeil der Heilmittel. Der complicirte Chemismus der Gewebe hat oft bedeutende Zersetzungen und Umwandlungen der dahin gelangten Medicamente zur Folge. Einzelne Stoffe können zu Gewebsbestandtheilen werden, indem sie andere vertreten. Dies ist namentlich mit anorganischen Stoffen der Fall. So
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25'2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Dio Kunsthülfe.
können die Kalksalze der Knochen durch Blei- und Barytsalze, die phosphorsauren durch arsensaure ersetzt werden. Diese fremden StolTe verschwinden alliuiilig wieder, weil sie dem Stoffwechsel verfallen.'—Nur wenige StolTe durchwandeln das chemische Laboratorium des Thierhörpers unverändert. Die meisten erleiden sehr bedeutende Umwandlungen. Das beste Beispiel hierfür bieten die Verände­rungen der Nahrungsmittel im Organismus. — Im Allgemeinen wissen wir recht wenig von den Veränderungen der Medicamente in den Geweben.
Aendeiungen der Gewebe, lieber die Art dieser Heilmittelwirlcungen lässt sich kaum etwas Allgemeines sagen. Es ist dies Gegenstand der Pharmakodynamik. Viele Medicamente verändern die Körpermusculatur tiefgehend; Jod und Brom be­dingen ein llautexanthem; Silber färbt die Haut: Blei, Silber, Quecksilber, Arsen lagern sich in den Knochen ab; die Aetherarten bewirken die Nerven in unbekannter Weise u. s. w. Bei dauernder Deposition von Stoffen in Geweben sind diese ent­weder tolerant gegen dieselben (bei chemisch indifferenten Stoffen), oder es tritt eine cumulative Wirkung ein, oder es gewöhnen sich die Gewebe derart an die Einwirkung, dass neu anlangende Stoffe gleicher Qualität wenig oder nicht wirken, oder endlich es nehmen die Gewebe andere Eigenschaften an, so dass die Arznei­wirkung modificirt wird, und dasselbe Arzneimittel bei Thieren, deren Gewebe bereits von demselben beeinflusst worden sind, ganz andere Wirkungen zeigt, als bei unbeeinllussten Geweben.
Reaction der Gewebe. Es ist selbstredend, dass jede Ablagerung eines fremden Körpers in ein Gewebe, gleichgültig, ob chemische Verbindungen mit Gewebsbestamltheilen entstehen oder nicht, Störungen der Gewebsfunclionen her­vorrufen muss. Offenbar sind diese Störungen stets nutritiver Natur. Bei bedeuten­den Ablagerungen beobachtet man auch bedeutende nutritive Vorgänge, bei geringen Anhäufungen sind aber nur functionelle oder gar koine Störungen nachweisbar.
e. Die Ausscheidung der resorbirten Heilmittel aus dem
Körper.
Die Ausscheidung der Heilmittel erfolgt auf denselben Wegen, auf denen die Stoffwcchselproducte ausgeseliieden werden.
Schnelligkeit der Ausscheidung. Diese richtet sich nach der Flüchtig­keit, Löslichlceit, Diffusibilität, den chemischen Eigenschaften (specicil den Affinitäten) des Medicaments, nach dem Ort und der Art der Ein­führung und nach der Schnelligkeit der Resorption. Bei der Schnellig­keit der Blutcirculation und der Grosse der exeretorischen Flächen im Körper können leicht diffusible, nicht mit Affinitäten zu Gewebsbestand-theilen ausgestattete Körper ausserordentlich rasch ausgeschieden werden. So ist z. 13. Jodkali schon 5 Minuten nach der Verabreichung im Harn nachweisbar. Viele Medicamente sind nach wenigen Stunden oder Tagen total aus dem Körper entfernt (Alkalien), während andere theilweise Monate und Jahre daselbst verbleiben (Kupfer, Blei, Quecksilber). Je nachdem, ob ein Stoff den Organismus rasch durchläuft und die Gewebe nur flüchtig bewirkt, oder ob er feste chemische Verbindungen mit den
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Gewebsbestandtlicilcn eingeht und langsam und allnuilig ausgeschieden wird, spricht man von Organdecursoren oder Organdepositorien. ürgandecursoren sind die leicht löslichen, keine festen Verbindungen eingehenden Stolle (Alkalien. Erden, Alkaloide, Eisen, ätherische Ocle, Säuren, Alkohole etc.). Im engeren Sinne hat man wohl auch als Organdecursoren nur solche Stoße bezeichnet, die unverändert in den Excrctcn wieder erscheinen. — Dauernde Deposition machen die N-haltigen Nährstoffe, vorübergehende die Schwermetalle.
Die Ausscheidung kann derart erfolgen, dass die Stoffe in der That direct nach aussen gelangen (durch den Harn und die äussere Haut), oder dass sie wieder in den Verdauungstract eintreten und abermals theilweise resorbirt und nur theilweise mit dem Kothe entleert werden (Ausscheidungen durch die Anhangs- und Wanddrüsen des Verdauungstractes).
Ort der Ausscheidung. Er ist nach der Natur der chemisch-physi­kalischen Eigenschaften der Medicamente verschieden.
Stoffe, die nicht resorbirbar sind, werden am Applicutionsovte unverändert oder wenig verändert wieder aus dem Körper entfernt. Die Organdepositorien werden besonders mit der Galle ausgeschieden, weil sie vorzugsweise in der Leber deponirt sind; flüchtige Stelle, Gase, Dämpfe etc. gelangen durch die Exspirations-luft und die Uautausdünstung nach aussen. die gelösten durch die flüssigen Secrete. Farbstoffe, Schwefel und einige Metalle erscheinen im Schweisse wieder; Jod und Quecksilber besonders im Speichel; Berlinerblau, Eisen, verschiedene Metalle im Magen- und Darmsaft; die meisten Stoffe im Harn: sehr viele in der Milch (Antimon, Arsen, Atropin. Blei, Colchicin, Jod. Kupfer, Morphium, Phenol. Quecksilber, Strychnin. Wismuth, 'Zink. Riechstoffe, Farbstoffe. Bitterstoffe etc.) u. s. w.
Veränderungen der Heilmittel und der Secrete. In den Secreteu erscheinen die Medicamente nur zum Theil unverändert wieder (ver­schiedene Riechstoffe, Farbstoffe, ätherische Oele, Chinin, Morphium, Atropin, Amygdalin, Gallussäure, kohlensaures, salpetersaures, chlor­saures, schwefelsaures Kali und Natron, Rhodankalium, Kaliumeisen-cyanür u. s. w.); die meisten aber sind verändert, z. 13. oxydirt (Alkohol, eiweissartige Körper, weinsaure, citronensaurc Alkalien, Zucker, Fette u. s. w.). Wenn eine Spaltung der Medicamente statthatte, dann kann es geschehen, dass dieSpaltungsproducte auf verschiedenen Wegen nach aussen gelangen. — Natürlich werden die Secrete durch die Beimischung der fremden Stoffe in ihrer Zusammensetzung geändert. Es kann auch vor­kommen, dass die Stoffe mit den Secretbcstandtheilen Verbindungen eingehen, und dass sie sich in den Ausscheidungswegen nochmals ver­ändern. So kann z. B. das durch die Galle in noch unbekannter Form ausgeschiedene Kupfer im Darm wieder zu Schwefelkupfer werden.
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Einwirkung auf die ausscheidenden Gewebe. Der auszuscheidende Stoff kann auf die Gewebe der Ausscheidungsorgane eine Wirkung, be­stellend aus Action und Reaction, entfalten und also unter Umständen im letzten Moment vor seiner Entfernung heilsam oder schädlich wirken.
II. Die Gesammtnirkung der Heilmittel.
Begriff. Aus den vorstehenden Betrachtungen über die Wirkungs­weise der Heilmittel ergiebt sich, dass in Anbetracht dessen, dass die­selben an verschiedenen Stellen ihre Wirkungen entfalten, und dass jede locale Wirkung eine entfernte im Gefolge haben kann, die Gesammt-wirkung eines Medicaments oft eine sehr complicirte ist.
Beispiel. Gelangt ein Arzneimittel oder ein diätetisches Heilmittel in den Verdauungstract, so kann es zunächst eine örtliche Wirkung auf die Magendarm-sciileimhaut, deren Nerven, Zellen etc, den Darmlnhalt u. s. \v. ausüben, schon dadurch kommen Allgemeinwirkungen zu Stande, einmal durch reilectorische Vor-'gänge in Folge der Darmreizung, dann durch Erhöhung oder Beeinträchtigung der Resorption und Secretion, durch Erhöhung oder Verminderung der Verdaulichkeit der Nahrungsmitlei (des Jlagendarminhalts) u. s. w., wodurch plastische und anti­plastische Allgemeinwirklingen bedingt werden. — Nun wird das Mittel, welches schon diese Wirkungen entfaltete, resorbirt, es wirkt auf die Besohall'enheit des Blutes und so der Organe ein und gelangt dann in die letzteren, erzeugt primäre Veränderungen derselben und bedingt dadurch wieder seeundäre und tertiäre Wirkungen. Endlich gelangt das Mittel von hier aus wieder in das Blut und nun zu den Ausscheidungsorganen, auf diese übt es wieder eine locale Wirkung aus, die ebenfalls seeundäre etc. im Gefolge haben kann. Ein einziges Mittel bedingt also eine grosse Reihe von zu verschiedenen Zeiten, in verschiedener Intensität, an verschiedenen Stellen etc. eintretenden Veränderungen.
Die Gesammtwirkung eines Heilmittels setzt sich demnach aus einer Reihe von örtlichen Actionen und Reactionen und den davon abhängigen entfernteren Reactionen zusammen. Diese können unter Umständen noch den Gesammtorganismus beeinflussen und eine All­gemeinwirkung, z. ß. Abmagerung hervorrufen. Alles zusammen genommen stellt erst die gesammte Wirkung des Heilmittels dar, und es ist oft schwer, zu entscheiden, welches Organ von dem Heilmittel zuerst beeinflusst worden ist. Jedes Heilmittel wirkt ursprünglich local, mag es ein oder viele Organe bewirken. Die chemische und physikalische Eigenart des Einwirkenden und des Bewirkten entscheidet über das Resultat. Es giebt, wie Virchow sagt, Beziehungen be­stimmter Stoffe zu speeiflschen Orten im Körper.
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Gesammtwirkung der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;255
Viele Erscheinungen, die nach der Einwirkung von Medicamoaten auf den Organismus eintreten, zeigen uns, dass zwischen den Arzneimitteln einerseits und den Körpergeweben andererseits gewisse, in physikalisch-chemischen Vorgängen begründete Beziehungen und zwar derart bestehen, dass bestimmte Stoffe auf bestimmte organische Gewebe stärker, hervorragender, als auf andere einwirken und zu gewissen Organen eine besondere und specifische Affinität besitzen. Dadurch werden die Eigenthümlichkeiten der quot;Wirkungen der Heilmittel begreiflich. Wenn nach Anwendung gewisser Medicamente bestimmte Alterationen und Modificationen der Funotionen bestimmter Organe hervortreten, so kann man sich diese Thatsache nur durch die Annahme erklären, dass das an­gewandte Medicament zu den betrefl'enden Organen in den erwähnten Beziehungen steht. In seltenen Fällen ist der Beweis der Richtigkeit dieser Annahme durch die chemische Analyse, durch Nachweis der Localisation der Substanzen in den be-trefTonden Organen geliefert worden. Meist ist dieser Beweis aus naheliegenden Gründen nicht zu erbringen.
Die Begriffe Gesammtwirkung und Allgcnieiuwirkung sind scharf auseinander zu halten. Allgemeinwirkung bezeichnet die Wirkung auf den ganzen Körper, auf das Allgemeinbefinden (Schwäche, Aufregung, Abmagerung). Die Gesammt­wirkung betrachtet dagegen das Heilmittel in dor Summa aller seiner örtlichen und entfernten Einzelwirkungen inclusive der Allgemeinwirkung. Die allgemeine Wirkung ist meist indirecter Natur (Abmagerung in Folge von Appetitlosigkeit), aber nicht jede indirecte Wirkung ist eine Allgemeinwirkung (z. B. Wadenkrämpfe bei Darmreizung). Die Allgemeinwirkung ist das Resultat einer oder mehrerer Wirkungen auf den Organismus als Ganzes.
Wirkungsarten. Bei der Zerlegung der Gesammtwirkung eines Heilmittels können folgende Arten der quot;Wirkung in Betracht kommen:
1)nbsp; Die örtliche und allgemeine Wirkung. Was man unter örtlicher Wirkung versteht, ist schon besprochen worden. Die Allgemein­wirkung stellt den Enderfolg der Wirkung dar, welche das Mittel auf den Gesammtorganismus ausübt. (Eine Säure wirkt örtlich z. ß. reizend, allgemein erzeugt sie Alkalimangel und Abmagerung.)
2)nbsp; Die primäre und seeundäre Wirkung. Die durch directe Einwirkung des Mittels bedingten Veränderungen stellen die Primär­wirkung dar, alle anderen Wirkungen sind seeundärer Natur. (Ein den Darm reizendes Mittel bedingt seeundär Krämpfe, ein diarrhoisches Mittel wirkt seeundär und allgemein antiplastisch, Canthariden erzeugen primär Hautentzündung und setzen seeundär die Temperatur herab.) — Hat die Secundärwirkung dieselbe Tendenz, wie die Primärwirkung, dann stellt sie die sympathisch-consensuelle, hat sie die ent­gegengesetzte Tendenz, die antagonistische Wirkung dar.
3)nbsp; Die dircetc und indirecte Wirkung (siehe oben).
4)nbsp; Die physiologische Wirkung ist die an gesunden und die therapeutische die an kranken Thiercn hervortretende Wirkung der Heilmittel.
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Die therapeutische entspricht im Allgemeinen der physiologischen Wirkung. Jedoch wirken gewisse Heilmittel auf Kranke ganz anders ein, als auf Gesunde; ja es liommt vor. dass Mittel, welche bestimmte Functionen bei Kranken bedeutend beeinllussen. die sie bei gesunden Thieren gar nicht alteriren. Die Krankheit schafft Abänderungen im Organismus, wodurch die Heilmittelwirkung modificirt wird , sie macht z. B. constante Verhältnisse labil. (Viele Medicamente wirken bei einem gesunden Thieie nicht auf die Innentemperatur ein, bei einem kranken da­gegen haben sie eine Wirkung in dieser Richtung, weil das Temperatnrcentrum schon irritirt ist. schon sein Gleichgewichtsvermögen verloren hat, also leichter angreifbar ist u. s. w.)
5) Die Haupt- und Nebenwirkungen der Medicamente sind dadurch gegeben, dass viele Arznehnittel aus mehreren und oft ver­schieden wirkenden Bestandtheilen bestehen. Derartige Mittel veranlassen also verschiedene Einzelwirkungen und höchst complicirte Gesammt-wirkungen. In der Regel überwiegt aber ein Bestandtheil die anderen, so dass seine Wirkung am schärfsten hervortritt. Diese Wirkung nennt man die Bauptwirkung. Die in Folge der Einwirkung der anderen Bestandtheile eintretenden Vorgänge bezeichnet man als die Neben­wirkungen.
Man pllegt ausserdem auch noch die zufällig auftretenden, in anderen Ver­hältnissen begründeten Wirkungen ^Nebenwirkungen- zu nennen. (Das Mittel hat z. B. seine Hauptwirkung im Magen oder auf der Haut entfaltet; nun wird ein Theil resorbirt und wirkt direct auf die Nieren oder wandelt sich im Blute in einen neuen Körper um, der neue Wirkungen hervorruft.) Auch die indirecten Reilex-vorgänge und die sonstigen geschilderten indirecten Wirkungen werden, wenn sie beabsichtigt waren, als „Nebenwirkungenquot; bezeichnet.
Trotz aller Mannigfaltigkeit der zahlreichen Heilmittel und ihrer complicirten Wirkungen sind sie doch rücksichtlich der Hauptwirkungen und der Enderfolge ihrer Einwirkungen in verhältnissmässig wenig Gruppen unterzubringen, und hat man nach der Wirkungsweise und nach den äusseren Erscheinungen, welche die Heilmittel bei ihrer Ein­wirkung auf den thicrischen Organismus im gesunden und kranken Zustande hervorbringen, dieselben eingetheilt.
Zwar hat jedes Heilmittel seine Besonderheiten in der Wirkung, aber die Hauptwirkungen aller Heilmittel sind auf gewisse Hauptbahnen ableitbar, und es lassen sich, wenn man die Nebenwirkungen unbeachtet lässt, alle Heilmittel nach ihren Haupt- und Endwirkungen in verhältnissmiissig wenig Classen bringen. Allerdings hat manches Heilmittel unter verschiedenen Umständen verschiedene Wirkungen und gehört deshalb verschiedenen Gruppen an.
1) Eine Reihe von Heilmitteln wirkt nicht auf die Organe resp. Zellen des Organismus ein, sondern auf fremde Körper, welche sich im Organismus finden und diesem schädlich sind; dahin gehören die Remedia antaeida (Neutralisantia, sie tilgen Säuren), die Carminativa (sie entfernen schädliche Gase durch Ab­sorption oder auf anderen Wegen), die Lilholytica und Lithontriptica (sie
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Hauptwirlmngen der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 257
wirken gegen Concremente und Steine), die Antiseptica (Antiputrida, Antizymo-tica, sie tödten und vernichten Fäulniss- und Gährungs-, vielleicht auch organisirte Krankheitserreger), die Absorbentia und Desodorantia (sie richten ihre Wir­kungen gegen übelriechende Gase), die Desinficientia (Zerstörer von Conüigien).
2)nbsp; nbsp; Andere Mitlei haben eine stark in die Augen springende örtliche M'irkuiig, die sie auf mechanischem oder chemischem Wege äussern. Dahin gehören die Emollientia, die eine Erweichung, Lockerung, Spannungsverminderung und der­gleichen bewirken, die Deraulcentia und Protoctiva, welche eine Decke auf Wunden u. s. w. zu bilden geeignet sind; die örtliche Hyperämie und Entzündung bedingenden Epispastica (Rubefacientia etYesicatoria); die Eiterung erregenden Suppurantia, die ätzenden, Necrose bedingenden Caustica, die Niesen er­regenden Errhina (Sternutatoria, Ptarmica), die den Appetit anregenden und die Verdauung fördernden Stomachica s. Digestiva.
Es gehören ferner hierher die abführend wirkenden Mittel, die Gathartica (Eccopiotica s. Leniiva et Purgantia et Laxantia), die Ekel erregenden Nauseosa und die Brechen erregenden Vomitiva, dann die Antemetica, welche das Er­brechen stillen, den Brechreiz heben, und die Obstruentia oder Styptica, welche Diarrhöen und zwar oft durch adstringirendeWirkung(M. adstringentia)mindern. Die Adstringentia dienen auch als Exsiccantia und als llämostatica (Styptica).
3)nbsp; nbsp; Andere Heilmittel haben wesentlich nicht locale Applications-, sondern entferntere Wirkungen; dahin gehören die die Blutbeschaffenheit verändern­den Mittel (Haematica), die je nach den Zwecken als Antidyscrasica, Plastica (Euplastica), Antiplastica (Dysplastioa), Alterantia, Resolventia bezeichnet werden. Auch die Antipyretica, welche die Innentemperatur herabsetzen (Antithermica), rechnet man hierher, ebenso die Antiphlogistica, die entzündungswidrigen, und die Calefacientia, die erwärmenden Medicamente. Andere Mittel bewirken die Circulation, man bezeichnet sie als Excitantia (Cardiaoa), Analeptica u. s. w. Die das Nervensystem speciell bewirkenden Mittel heissen Nervina (Neurotica). Dahin gehören die Cerebralia, Inebriautia, Sedativa, Anaesthetica, Anodyna, Hypnotica ('Soporiflca). Sedantia (Paregorica), Antispasmodioa, Antiteta-nica, Spinantia, Mydriatica. Myotica, Excitantia. Die die Geschlechtsorgane bewirkenden Mittel heissen Genitalia. Dahin gehören die wehentreibendon Ec-bolica (Parturefacientia oder Amblotica), die Aphrodisiaca, Anaphrodisiaoa. Wieder andere Mittel bewirken wesentlich die Musculatur, noch andere die seoretori-schen Organe. Letztere bezeichnet man als Evacuantia. Nach den speciellen Functionen heissen die letzteren-. Ptyalagoga (Sialagoga), Cholagoga, Expectorantia, Diuretica, Diaphoretica, Lactica u. s. w. Andere Mittel sind noch die Ahortiva, die Splenica, andere bewirken die Flimmerepithelien, wieder andere die Knochen, die Respirationsorgane u. s. w.
6)nbsp; Die Wirkungen der meisten Heilmittel sind in den genannten Richtungen constant. Bei manchen treten aber auch andere unerwartete Wirkungen durch zufällige Beimischungen, Individualitätsverhältnisse u. s. w. auf. Man spricht demgemäss von einer constanten und einer zufälligen Wirkung.
7)nbsp; Manche Heilmittel haben eine sogenannte Nach Wirkung, die in erhöhter Reizbarkeit des bewirkten Organs, Schwächezuständen etc. besteht.
Ellenher^er, Allgemeinlaquo; Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i •?
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258nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
8)nbsp; Die cumulative Wirkung. Darunter versteht man die bei öfterer Verabreiciiung eines Heilmittels eintretende Steigerung seiner Wir­kung. Sie kommt in der Regel nur bei Organdepositorien, z. B. Kupfer, Silber, Quecksilber, Strychnin, Arsen, Phosphor, Antimon vor. Diese Mittel lagern sich zum Theil in die Organe und Gewebe ab, so dass jede neue Dosis desselben Mittels noch eine beträchtliche Menge der früher verabreichten Dosen vorfindet. Dadurch kommt eine sich immer mehr steigernde Wirkung zu Stande (z. ß. eine chronische Vergiftung). Bei Organdecursoren kann die cumulative Wirkung nur bei so rasch auf einander folgender Verabreichung der Einzeldosen erfolgen, dass die späteren Gaben noch Theile der früheren vorfinden. Bei der cumu-lativen Wirkung kann eine an sich unschädliche Dosis eines Medica-mentes lebensgefährlich wirken.
Mit der cumulativen Wirkung ist die der reizenden und scharfen StolTe, welche in den ersten Gaben schon einen Reizungszustand der botrelfenden Organe resp. Gewebstheile schaffen, so dass die späteren Dosen ein schon gereiztes, em­pfänglicheres, erregbareres Gewebe antreffen und also heftiger als die früheren Dosen wirken, nicht zu verwechseln. Bei diesen Mitteln schaffen die ersten Gaben eine Prädisposition, einen Locus minoris resistentiae (d. i. eine Nachwirkung). Daraus erklärt sich die stärkere Wirkung späterer gleich grosser Gaben. — Andere Medicamente setzen die Empfänglichkeit der Gewebe für gleiche Eingriffe herab, stumpfen ab und gewöhnen die Gewebe an die betreffende Einwirkung, so dass später verabreichte Dosen schwächer als früher gegebene wirken.
9)nbsp; nbsp;Die speeifische Heilmittelwirkung. Man spricht von einer speeifischen Wirkung, wenn gewisse Körperthcile durch ein Heil­mittel ganz besonders beeinflusst werden, und wenn die Wirkung nicht am Applicationsorte stattfindet. Die speeifische Wirkung betrifft also nur ein bestimmtes Organ (z. B. das Herz, das Athmungscentrum, die Grosshirnhemisphären), einen beschränkten Theil des Körpers, oder ein bestimmtes System von Organen, und ganz besonders einen be­stimmten Nerven resp. ein bestimmtes Nervencentrum. (Beispiele. Di­gitalis bewirkt speeifisch das Herz, Opium die Grosshirnrinde, Strychnin das Rückenmark, Pilocarpin die Speichel nerven, Physostigmin die Darm­nerven u. s. w.) Es ist nothwendig, scharf zwischen der speeifischen physiologischen und der oben besprochenen speeifischen thera­peutischen Wirkung zn scheiden. Bei der ersteren handelt es sich um die speeifische Beeinflussung gewisser Körpertheile durch das Mittel, bei der letzteren um eine speeifische heilende Wirkung einer bestimmten Krankheit.
Erklärung der Speeifischen Wirkung. Die speeifische Wirkung kommt in verschiedener Art und Weise zu Stande.
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Specifische Wirkung der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;259
1)nbsp; nbsp; Sie wird bedingt durch die chemischen Affinitäten der Bestandtheile der Organe zu denen der Medicamente. Jedes Heilmittel wirlit auf dasjenige Organ specifisch ein, in welchem es die günstigsten Wirkungsbedingungen vorfindet und zu dessen Bestandtheilen es die grösste Affinität hat.
2)nbsp; nbsp;Die speoifische Wirkung erklärt sich nicht selten aus der physiologi­schen Bedeutung und Empfindlichkeit der Organe. Wirkt ein Heilmittel auf alle Organe des Körpers gleichmässig ein. so werden die empfindlicheren und die hochwerthigen Organe heftiger botrolTen, als die anderen, und die ersteren werden bedeutende, die anderen keine oder geringe Functionsänderungen erkennen lassen. (Wirkt z. B. ein Mittel auf die Epithelzellen des üarmcanals und der Haut, auf die Sehnen und Bänder und auf die Ganglienzellen gleichmässig ein, so werden bei geringen Einwirkungen nur Functionsstörungen an den letzteren ein­treten: das Mittel wird als ein Specificum auf Ganglienzellen erscheinen, ohne es zu sein.) Es sei zur Erklärung dieses Satzes nochmals an ein mehrfach erwähntes Beispiel erinnert: Eine Erschütterung durch Fall, Stoss und dergleichen trifft den ganzen Körper; alle Gewebe werden heftig erschüttert, in allen laufen offenbar gewisse Aenderungen in Folge dessen ab. Die Organe zeigen aber keine Störungen mit alleiniger Ausnahme des Nervensystems. Dieses höchstwerthige Gewebe des Körpers zeigt gewaltige Alterationen, derart, wie wenn die Erschütterung, die doch den ganzen Körper betroffen hat, das Nervensystem allein betroffen habe.
3)nbsp; nbsp;Auch aus der anatomischen Einrichtung, dem Blutgehalt, der Thätigkeit der Organe kann sich die speoifische Wirkung herleiten. Wenn das Mittel gleichmässig im Blute vertheilt ist, so kommt dasselbe natürlich in grösserer Menge zu den blutreichen, in Thätigkeit begriffenen und zu den Organen, in denen das Blut rascher lliesst, als zu anderen. Da nun das thätige Organ auch noch empfänglicher für äussere Eindrücke ist, als unthätigo, so ist es klar, dass dieses Organ speciell bewirkt erscheint.
4)nbsp; nbsp;Die in den Organen ablaufenden physiologischen und chemischen Vorgänge bedingen vielfach eine specifische Wirkung der Heilmittel. Manche Mittel wirken nur in Gegenwart von Säure, andere nur in Gegenwart von Alkali, und entfalten also ihre Wirkung an denjenigen Organen, in denen sich die betreffen­den Stoffe (als Producte etc. der Organthätigkeit) finden. Ein bekanntes, oft an­geführtes Beispiel liefert der Brechweinstein, der nur in Gegenwart von Säuren Eiweissgerinnungen und dadurch Reizungen und Aetzungen bedingen soll. Daraus erklärt man seine specifische Einwirkung auf den Magen und die Haut.
5)nbsp; nbsp;Die specifische Wirkung kann auch durch den Ort der Resorption, resp. der Application gegeben sein. Mittel, die vom Magen aus angewendet werden, gelangen natürlich zuerst in die Leber und veranlassen unter Umständen eine Leberwirkung, indem sie sich mit den Bestandtheilen der Leber verbinden und grösstentheils dort ablagern.
6)nbsp; nbsp;Endlich erklärt sich auch manche specifische Wirkung aus dem Orte der Ausscheidung des betreffenden Mittels, indem es im Momente der Excretion noch auf die Excretionsorgane einwirkt (Canthariden auf die Harnorgane).
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Die Kunstliülfe.
Anhang. Die Erforschuug der Heilmittel und ihrer Wirkungen.
Ehe wir zum nächsten Capitel übergehen, soll eine kurze Darstellung der Mittel und Wege, welche uns zur Erliermtniss der Heilwirkung der Heilmittel und zur Erforschung neuer, oder zur genaueren Feststellung der Wirkung bereits be­kannter Heilmittel olleii stehen, gegeben werden. —In den frühesten Zeiten ist die Heilwirkung gewisser Einflüsse bei Krankheiten rein zufällig erkannt worden. Diese rein zufälligen Beobachtungen bildeten die erste Basis der Heilmittellehre. Die zu­fällig erkannten Heilmittel wandte man bei Kranken an, sammelte dabei Erfahrungen über deren Wirkungen und protirte, wenn sie im Stiche Hessen, mit neuen Mitteln u. s. w. Die Beobachtungen fanden stets an Kranken statt. In späteren Zeiten gelangte man zu anderen Wegen der Forschung bezüglich der Heilmittelwirkungen. Schon die Scheu, den Kranken, namentlich den kranken Menschen als Versuchs-objeet zu benutzen, und die Schwierigkeit der Entscheidung der Frage, ob die bei einem Kranken eintretende Heilung die Folge des Naturheilbestrebens oder der angewandten Heilmittel sei, führte zum Aufsuchen neuer Forschungsmethoden. Heutzutage stehen uns folgende Wege zur Erkennung der Wirkung eines Heilmittels zu Gebote:
1. Die Beobachtung der Heilwirkung am Krankon (das Ex­periment im Krankenstalle, die sogenannte klinische Beobachtung).
Bei diesen Beobachtungen ist grosso Vorsicht am Platze. Vor Allem hüte man sich vor dem Schlüsse rpost hoc ergo propter hocquot;. Man fasse nicht nur den Enderfolg einer Behandlung in's Auge, sondern man beobachte genau die Ver­änderungen, welche nach der Einwirkung des betrelTenden Heilmittels eintreten. Erst wenn in vielen Fällen die Beobachtung dasselbe Resultat ergiebt, ist die Schlussfolgerung gestattet, dass die statthabende Aenderung des Krankheitsbildes in der That die Folge der Ileilmittelwirkung ist.
Dieser Weg der Heilmittelerforschung ist ein sehr schwieriger und führt leicht zu Täuschungen, was am besten aus den oft widersprechenden Angaben guter Beobachter über die Wirkungen desselben Heilmittels erhellt. Nur der durchgebildete Thierarzt kann auf diesem Forschungswege, der ungemein wichtig für die Fort-entwickolung der Medicin ist, richtige Erfahrungen sammeln.
2. Die Beobachtung der Heilmittelwirkung an gesunden Thieren derselben Gattung.
Aus den am Gesunden beobachteten Wirkungen schliesst man auf die Ver­änderungen, die das Mittel im kranken Organismus hervorrufen wird, und folgert daraus seine Heilwirkungen. Im Grossen und Ganzen ist eine derartige Betrachtung nicht als unzulässig zu bezeichnen; denn Krankheit ist Leben, das zwar unter abnormen Bedingungen, aber vielfach mit Erhaltung von vielen normalen Organen und Vorgängen, die regulatorisch die Heilung herbeiführen können, abläuft. Auf die noch gesunden Organe der Kranken müssen die Medicamente ebenso einwirken, wie
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Erforschung der Wirkung der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;261
bei gesundenThieren. Aber auch auf erllt;vanl;te Gewebe hat oft ein Heilmitte! dieselbe Wirkung, wie auf die gesunden (Adstringentien, Wärme, Kälte, Druck etc.). Bei Anstollung derartiger Beobachtungen ist es nothwendig, mit allen den Mitteln der Untersuchung und Beobachtung zu arbeiten, die bei physiologischen Forschungen in Anwendung gezogen werden. Dann ist die Methode ausserordentlich wichtig, dann lernt man den Angriffspunkt des Mittels kennen und die Gesammtwirkang verstehen, und daraus erkennt man die Indicationen zur Anwendung dor Mittel bei Krankheiten. — Etwas eingeschränkt wird die Methode dadurch, dass die Wirkung gewisser Mittel durch die Krankheit modificirt wird, dass z. B. Wirkungen des­selben Mittels bei Kranken, z. B. Fiebernden hervortreten, welche bei gesunden Thieren ausbleiben.
3. Die Beobachtung der Heilraittelvvirkungen an Thieren anderer Gattung.
Der hohe Werth und die Schwierigkeit der Untersuchungen gewisser Haus-säugethiere haben zu dieser Methode geführt, die zu Objecten ihrer Forschung Kaninchen, Frösche, Meerschweinchen, Hunde u. s. w. wählt. Viele Heilmittel (Kälte, Wärme, Elektricität, Organexstirpalionen. Eiweiss coagulirende, Wasser ent­ziehende Mittel u. s. w.) wirken auf alle Thierarten in ähnlicher Art und Weise; bei anderen Heilmitteln kann man, wenn sie bei mehreren Thierspeoies dieselben Wirkungen entfalten, sohliessen, dass sie auch bei anderen Thieren (z. B. beim Pferde und Rinde) ähnlich wirken werden. Natürlich müssen bei diesen Schlüssen die Eigenthümlichkeiten der Thierspecies (die Unmöglichkeit des Erbrechens bei Pferden, die grossen Vormägen der Wiederkäuer) wohl beachtet werden.
4. Die directe Beobachtung der Wirkung der Heilmittel auf
Krankheitserreger.
Man erforscht die Krankheitserreger, isolirt dieselben und setzt sie ver­schiedenen Einwirkungen, z. B. der Luft, der Wärme, den verschiedenen Arznei­mitteln aus. Das Mittel, welches den betreffenden Krankheitserreger ausserlmlb des Organismus tödtet, resp. vernichtet, zersetzt etc., kann das Heilmittel und wird das Prophylacticum der durch die betreffenden Schädlichkeiten veranlasston Krankheiten sein. Man kann mit demselben die Krankheitserreger, die sich ausser-halb des Körpers befinden, zerstören und am Eindringen in den Organismus hindern. Ob dasMittel aber auch benutzt werden kann, die in den Organismus eingedrungenen Krankheitserreger zu vernichten und dadurch als ein Specificum die Krankheit zu heilen, hängt von vielen Nebenumständen, namentlich von der Einwirkung des Mittels auf den Organismus des Patienten ab. In vielen Fällen sind die Mittel, welche die betreffenden, die Krankheit verursachenden Organismen tödten (z. B. hohe Temperaturen, Eintrocknen etc.). überhaupt nicht als Heilmittel verwendbar: in anderen Fällen können sie nicht in der nothwendigen Menge und Concentration (Sublimat. Senföl etc.) benutzt werden, ohne dem Patienten zu schaden oder ihn zu tödten. Das sind Schwierigkeiten, die noch überwunden werden müssen. — Der genannten Forsohungsmethode gehört zweifellos die Zukunft in der Medicin; sie verspricht grosse Erfolge.
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Die Kunsthülfe.
5. Die Beobachtung der Heilmittelwirkung an künstlichen
Krankheiten.
Die Methode hesteht darin, dass man künstlich Krankheiten, z. B. Wunden, Knochenbrüche, Organdefecte, Fieber, Erkältungen u. s. w. hervorruft und nun verschiedene Behandlungsmethoden in Anwendung bringt. Ans den Erfolgen dieser schiiesst man auf die Art und quot;Weise, wie ähnliche natürliche Krankheiten zu be­handeln sind. Da nur -wenige Krankheiten sich künstlich mit Sicherheit erzeugen lassen, kann diese Forsohungsmethode nur beschränkt Anwendung finden.
6. Erschliessen der Wirkungen neuer Heilmittel aus ihren
Eigenschaften.
Aus den quot;Wirkungen von bekannten Heilmitteln, welche ähnliche Eigenschaften haben, als die neu bekannt gewordenen, erschliesst man die Wirkungen der letzteren. Man geht dabei von bestimmten Voraussetzungen ans, die nicht immer zutreffend sind. Man nimmt z. B. an. dass ähnlich zusammengesetzte, ähnlich schmeckende und riechende, mit ähnlichen physikalischen Eigenschaften und chemischen Affini­täten ausgestattete Mitel auch ähnliche Wirkungen haben. Findet man nun ein neues Medicament, welches z. B. ebenso schmeckt, als andere in ihren Wirkungen bekannte Mittel, dann schiiesst man, dass dieses neue, bisher unbekannte Heilmittel eine ähnliche Wirkung haben werde, als die bekannten. Dieser Schluss trifft öfter allerdings zu. Oft aber führt er auch zu bedeutenden Täuschungen. Am meisten hat der Schluss aus den äusseren Eigenschaften (Farbe, Gestalt etc.) der Heilmittel auf die Action derselben zu Irrungen geführt. — Auch aus Geruch und Geschmack lässt sich nur mit Vorsicht auf die Wirkungen schliessen. Während z. B. einerseits alle bitter schmeckenden, oder alle stark riechenden Stoffe einander ähnlich in der Wirkung- sind, haben die gleich schmeckenden Steife Zucker und Bleioxyd ganz verschiedene Wirkungen. — Die naturhistorischen Eigen­schaften geben oft eine Andeutung bezüglich der Wirkung. Pflanzen derselben Familie haben meist ähnliche Wirkungen. Am sichersten können die chemischen Eigenschaften eines Körpers (seine /usammensetzung und seine Affinitäten) die Basis zu Schlussfolgerungen in Betreff seiner Wirkungen abgeben. Dabei muss man aber auch gewisse physikalische Eigenschaften, namentlich die Löslich­keit, Flüchtigkeit und den Aggregatszustand mit in Rechnung ziehen.
Beispiele. 1) Alle Anhydride haben in der Regel eine scharfe örtliche Wir­kung und entziehen den Geweben Wasser. 2) Alle Mittel, welche Eiweiss coagu-1 iren, sind in ihren Einwirkungen auf den thierisohen Organismus einander ähnlich, o) Alle Verbindungen eines und desselben Metalls haben eine bestimmte gleiche Hauptwirkung. 4) Alle Wasser entziehenden Stoffe wirken schrumpfend und die Ernährung störend auf die thierisohen Gewebe ein.
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Differenzen der lleilmiltehvirkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;203
III. Die Differenzen der Heilmittel Wirkung-.
Von den wie geschildert meist constant in bestimmten Richtungen auftretenden Hauptwirkungen der Heilmittel kommen nicht selten Ab­weichungen vor. Diese und alle zufälligen Nebenwirkungen finden ihre Ursachen in zufällig vorliegenden Verhältnissen, die entweder in äusscren Umständen oder in dem Thiere, bei welchem das Mittel angewendet wird, oder in dem Heilmittel an sich oder in dessen Applicationswcise gegeben sind.
1. Aeussere Umstände.
Auf die Heilmittelwirkung haben zeitliche und örtliche Verhältnisse, die Gegend, das Klima, die Witterung, die Tages- und Jahreszeiten, die diätetischen Maassnahmen (z. B. Eisen heilt Anämien nur bei guter Nahrung; Körperbewegung unterstützt die AVirkung der salinischen Abführmittel; wollene Umhüllungen befördern die Wirkung der Dia-phoretica und Wassertrinken die der Diuretica), die Verhältnisse der Luft und Temperatur im Stalle und dergleichen Einfluss. Es ist hier nicht der Ort, diese Verhältnisse speciell zu besprechen (siehe vorn S. 215 ff.).
2. Die Individualität des Patienten resp. des Versuchsthieres.
Die individuellen Eigenthümlichkeiten der tbierischen Organismen und die momentane Beschaffenheit der Organe, der zelligcn und flüssigen Bestandtheile derselben influirt die Heilmittelwirkung wesentlich. Gewisse Thiere reagiren auf ein Heilmittel ausserordentlich stark (Idiosyn­krasie), oder sehr schwach resp. gar nicht (Immunität). Oft handelt es sich aber nicht um ausgesprochene Idiosynkrasien und Im­munitäten, sondern nur um einen höheren oder niederen Grad von Empfänglichkeit für die Einwirkung gewisser Heilmittel. Diese Ver­schiedenheiten der Thiere bezüglich der Heilmittelwirkungen sind ent­weder individueller Natur oder auf Eigenschaften des Genus resp. der Speeics zurückführbar.
Beispiele. Das Gift der Giftschlangen schadet solchen derselben Art nicht. Das Schwein, der Iltis, der Igel sollen für Viperngift immun sein. Kaninchen und viele Herbivoren sind für Belladonna, Schweine für Solanin, Hühner für Digitalis, Vögel für Opium wenig, die Wiederkäuer für Qucclisilber sehr empfänglich. Manche Menschen erkranken an Urticaria, wenn sie Erdbeeren oder Krebse essen. Dieselbe Dosis Morphium macht bei dem einen Menschen Schlaf, bei dem anderen gleich starken Individuum nur Erregung; dasselbe Reizmittel ruft bei dem einen Menschen Blasenbildung, bei dem anderen kaum Röthung hervor.
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264nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe
Nur in seltenen Fällen kennt man den Grund der Immunitäten, Idiosynkrasien etc. Die scheinbare Immunität erklärt sich mancliraal aus dem Applicationsorte, aus einer langsamen Resorption bei gleich­zeitig rascher Ausscheidung (Curare zeigt keine Wirkungen bei Thiercn, denen man es per os gicbt), aus den Verhältnissen der Gewöhnung oder vorhandener Krankheiten (bei Chorea Sti Viti soll Immunität gegen Atropin bestehen), aus dem zufälligen Vorhandensein von Gegen­giften im Blute und dergleichen. Bei Thieren verschiedener Art ergiebt sich aus den Verschiedenheiten der anatomischen Einrichtungen oft eine Erklärung für verschiedene Wirkungen eines und desselben Mittels. Meist aber sind wir nicht in der Lage, eine genügende Erklärung für die Verschiedenheiten der Reactionen verschiedener Thiere auf gleiche äussere Einflüsse geben zu können, sondern müssen uns auf das My­sterium der Individualität (Virchow) berufen.
Die specielle individuelle innere Einrichtung der Gewebe bestimmt die Art der Reaction auf äussere Einflüsse. Die Gewebe der Individuen müssen unter ein­ander Verschiedenheiten im histologischen und chemischen Verhalten, der Inner-vation, der Blutgefässvertheilung. der Biutmenge u. s. w. zeigen oder in ihren physilialischen Eigenschaften von einander abweichen. Trotz Brüclte's inter­essanten Forschungen sind unsere Kenntnisse in dieser Richtung noch sehr un­bedeutend. AVir wissen durch ihn Manches über Verschiedenheiton der Gewebe im verschiedenen Alter und Geschlecht. Wir wissen auch, dass ganz geringfügige Aenderungen der physiologischen Functionen oft eine specifische Disposition be­dingen, wir kennen aber den innersten Grund der Individualitätsverhältnisse meist nicht.
Sehr häufig hängen die individuellen Dispositionen bei Thieren derselben Art von Alter, Geschlecht, Constitution, Ernährungszustand, Tcm-perament, von zufälligen inneren Verhältnissen, von Gewöhiiiing und den
vorhandenen Hrankhehen ab.
Bei einem ausgewachsenen Thiere wirkt dieselbe Quantität eines Arzneimittels circa IG Mal schwächer, als bei einem ganz jungen Thiere; bei einem 1—2jährigen Pferde wirken die Medicamento doppelt bis 3 Mal so stark, als bei einem 6jährigen Pferde u. s. w. Weibliche Thiere sind irritabler auf äussere Einllüsso, als männ­liche; gut genährte und Thiere von kräftiger Constitution ertragen gleiche Gaben eines Medicaments besser, als schwächliche und magere erethische Thiere; Indi­viduen, auf welche schon vorher reizende Einflüsse eingewirkt haben, und die sich also in einem gereizten Zustande befinden, werden durch dieselbe Dosis eines Medicaments viel heftiger beeinflusst, als sonst: bei leerem Magen tritt die Arznei-wirkung meist schneller und heftiger ein, als bei vollem Magen: gewisse Arznei­mittel werden sehr schädlich, wenn sie dem leeren Magen einverleibt werden; so können auch viele andere innere Verhältnisse die Arzneiwirkung influiren (reichliches Vorhandensein von chemischen Substanzen im Körper, welche die Arzneisubstanzen besser lösen, als dies gewöhnlich geschieht, oder besondere Umsetzungen mit ihnen
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Heilmittelwirkung bei Krankheiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;265
eingehen; pathologische Zustände. Erkrankungen regulatorisoher Apparate etc.). Wie die Gewöhnung die Arzneiwirkung beeinllusst, erhellt schon aus dem vorn (S. 37 ff.) Gesagten (gewisse Gifte erzeugen bei längerer Verabreichung Toleranz sonst heftig rcagirender Zellgruppen, machen diese inert; Rheum, längere Zeit ver­abreicht, zeigt keine Wirkung mehr u. s. w.). Dass die Grosse der Thiere die Arzneiwirkung beeinflusst, ist selbstverständlich. Man giebt aus diesem Grunde die Arzneidosen in neuerer Zeit vielfach pro Kilo Körpergewicht an.
Am wesentlichsten wird die Heilmittelwirkung durch etwa vorhandene Krank­heiten modificirt (bei gewissen Krankheilen wirkt kein Diuretioum, bei anderen kein Diaphoretioum, kein Reizmittel und dergleichen; gewisse Mittel wirken nur bei kranken Thieron in bestimmten Richtungen und bei gesunden nicht). Nachstehend sollen die Beziehungen besprochen werden, in welche die Heilmiltolwirkungen zu den Krankheiten treten.
Die Beziehungen der Heilmittelwirkung zu den Krankheits-
processen.
Allgemeines. Die Krankheitsheilung ist ebenso wie die Krankheits­entstehung an die Wechselwirkung zwischen äusseren Einflüssen (Causae externae) einerseits und der in der Einrichtung der Gewebe und Organe begründeten inneren Reaction des Organismus (Causa interna) anderer­seits geknüpft. Während bei der letzteren die Causa externa das Veranlassende (die Causa movens) des Vorgangs darstellt, geht die Krankheitsheilung primär von der Causa interna (dem Naturheilbestreben) aus. In beiden Fällen ist aber die Wechselwirkung beider Einflüsse nothwendig. Eine Krankheit kann ebensowenig durch äussere Einflüsse allein entstehen, als durch innere allein heilen. Im ersteren Falle ist die innere Einrichtung der Gewebe ebenso entscheidend, wie im letzteren Falle äussere Bedingungen. Die äusseren zur Heilung nothwendigen Bedingungen, die entweder in den natürlichen Verhältnissen gegeben sind (Naturheilung), oder durch den Menschen (den Arzt) künstlich geschaifen werden (Kunstheilung), rufen, wie wir bei Besprechung der Heilmiitelwirkung kennen lernten, gewisse Veränderungen im Organismus (Abänderungen der Lebenserscheinungen) hervor. Diese treten in gewisse Beziehungen zu den Vorgängen des kranken Lebens und schaffen neue Bedingungen für dasselbe, welche von denen verschieden sind, welche die Krankheit unterhalten und welche im günstigen Falle, das heisst, wenn die Einwirkung der Heilmittel den im kranken Zu­stande des Organismus begründeten Bedingungen genau entspricht, den Hei lungs Vorgang ermöglichen, einleiten oder unterstützen.
Bei Beurtheilung jedes durch Heilmittel bewirkten Heilungsvorgangs muss man wohl berücksichtigen: 1) das Heilmittel in allen seinen Eigenschaften; 2) die functionellen Aenderungen, die das Heilmittel hervorruft, und 3) die bestehenden
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26Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunstlmlfe.
Krankheits- und Nalurheilprocesso, das Heilbedürfniss und die Heilungshindernisse. Daraus resultiren die sehr verschiedenen Beziehungen der Ileümittelwirkungen zu den Kranhheitsvorgängen und die verschiedenen Arten der unter der Wirkung der Mittel ablaufenden Heilvorgängo. Manchmal kann die Heilung direct durch die ein­fache chemisclie und physikalische Einwirkung des Mittels, z. B. bei einer durch das Vorhandensein von Säuren hervorgerufenen und unterhaltenen Krankheit durch ein Alkali, oder bei einem durch hohe Temperatur bedingten Krankheitsprocesse durch Kälte, manchmal durch physiologische Bethätigung oder Beruhigung eines Organs (Brechmittel, Abführmittel bei fremden Körpern im Darmtractus, Morphium bei Husten) ermöglicht werden etc. Im Allgemeinen soll durch die Heil­mittel entfernt werden,' was abnormer Weise da ist, es soll ersetzt werden, was fehlt, es soll gemindert werden, wo zu viel, und gefördert und vermehrt werden, wo zu wenig ist, es sollen die Heiltriebe unterstützt, alles Förderliche gefördert, alles Abzuändernde abgeändert, alle geschwächten Functionen angeregt und ge­stärkt werden und dergleichen. Dadurch wird die stets vom Organismus selbst ausgehende Heilung möglich gemacht, resp. begünstigt. Da uns vielfach die Krankheitsvorgänge in ihrem Wesen und ihren Ursachen unbekannt und da auch die wesentlichsten und intimsten Vorgänge der Heilmittelwirkungen vielfach noch nicht erforscht sind, so tappen wir auch bei Beurtheilung der ileilvorgänge und ihrer Beziehungen zu den Einflüssen der Heilmittel noch vielfach im Dunkeln. Kachstehend sollen unsere heutigen Kenntnisse darüber, wie man sich das Anregen, Ermöglichen etc. der Heilung von Krankheiten durch die Einwirkung der Heilmittel denkt, und welche Beziehungen man zwischen den Vorgängen der Heilmittel-Wirkungen und den Vorgängen der Krankheit vermuthet, dargestellt werden.
I. Die antipathische Heiltnittelwirkung.
Die Heilmittelwirkungen können sich derart zu den Krankheits­vorgängen verhalten, dass sie die Wirkungen der Kranhheitsursachen durch Gegenwirkung aufheben, oder Erscheinungen hervorrufen, welche den Krankheilserscheinungen entgegengesetzt sind (Heilung durch Gegen­wirkung, Antipathie, Enantiopathie). Es besteht also ein Gegensatz zwischen Heilmittelwirkung und Ursachenwirkung. Der Gegen­satz kann sowohl in der Action als in der Reaction beider, als in beiden zugleich liegen (bei mangelnder Thätigkeit der Kchweissdrüsen heilen die die Schweissnerven anregenden Mittel, bei zu hoher Temperatur eines Körpertheiles hilft Kälte, bei gesteigerter Innentemperatur helfen Mittel, welche z. B. reactiv eine Herabsetzung derselben bewirken etc.).
Die Gegenwirkung der Heilmittel kann gerichtet sein gegen die Krankheitsursachen, die Krankheitserscheinungen oder das sogenannte Krankheitswesen.
Eine Bekämpfung der die Krankheit unterhaltenden Mo­mente ist durchaus rationell. Jeder äussere Einfluss, welcher der Action der Krankheitsursachen entgegenwirkt, die Krankheitsursache selbst entfernt, vernichtet, ihre weitere Einwirkung hindert oder para-
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Antipatliischo Iloilmittelwirlmng.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;267
lysirt, ist ein sicher wirkendes Heil- oder Gegenmittel. Die Gegen­wirkung richtet sich häufig nicht nur gegen diejenigen Ursachen, welche die Krankheit erzeugt haben und nun fortwirkend dieselbe unterhalten und verschlimmern, sondern auch gegen diejenigen die Krankheit unter­haltenden Vorgänge, Zustände und Einflüsse, welche erst während des Krankheitsverlaufs neu hinzugekommen und nicht selten in Folge der primären Erkrankungen eingetreten sind.
Beispiele. Wo zu viel von aussen zugefiilirte Säure eine Krankheit erzeugt und unterhält, helfen Alkalien. Ein Gleiches gilt beim Vorhandensein von Säuren, die als Folgen von krankhaften Vorgängen zugegen sind (organische Säuren ent­stehen bei Magenkatarrh durch krankhafte Gäbrungen; sie unterhalten und steigern den Katarrh; Alkalien bringen die Wirkungen der Säuren zum Verschwinden). Bei grosser Trockenheit hilft Wasser, bei zu grosser Starrheit expandirende Mittel, wenn die Trockenheit und die Starrheit Krankheit unterhaltende und verursachende Mo­mente abgeben. — Die bei der Entzündung bestehende Blutstauung ist als eine Ursache des Fortbestehens und der Steigerung des Krankheitsprocesses anzusehen. Die Gegenwirkung gegen die Stauung, das heisst gegen die Krankheitsursache wirkt heilsam.
Gegen die Krankheitssymptome ist die Heilmittelwirkung sehr oft gerichtet, das heisst, die Krankheit wird häufig durch Mittel, deren Wirkungen den Erscheinungen der Krankheit entgegengesetzt sind, be­kämpft. — Bei Aufregung im Gefässsystem werden kühlende und be­ruhigende, bei Schmerzen beruhigende, bei Schwäche erregende, bei Verstopfungen abführende, bei Durchfällen stopfende Mittel angewendet u. s. w. Alle Krankheitssymptome, welche belästigend, schmerzend, beängstigend für den Patienten wirken, oder Gefahren für denselben bedingen, welche Zeichen von Schwäche der Naturheilvorgänge, von Täuschungen des Organismus u. s. w. sind, müssen bekämpft werden, während dies bei denjenigen Krankheitssymptomen, die als Ausdruck des Naturheilbestrebens auftreten, nicht statthaben darf (z. B. Dyspnoc bei Lungenentzündung). Das Naturheilbestreben ist immer zu unter­stützen, es sind also auch Mittel anzuwenden, welche dielben Symptome hervorrufen, durch welche es sich äussert. Sehr oft haben aber die Krankheitssymptome mit dem Naturheilbestreben nichts zu thun, sondern documentiren nur die Schwäche desselben gegenüber den abnormen Bedingungen, oder ein Schiessen über das Ziel hinaus und dergleichen.
Beispiele. Die hohe Temperatur, welche der Organismus beim Fieber erzeugt, ist in gewisser Richtung heilsam. Sobald sie aber einen bestimmten Grad übersteigt, wird sie gefährlich. Aufgabe des Arztes ist es, durch Gegenmittel, Antithormica, die Gefahr abzuhalten. — Bei gefährlichen Schwächeerscheinungen der Kranken helfen die stärkenden Mittel, weil die Schwäche die Folge ungünstiger Bedingungen
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268nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die KunstMlfe.
ist, denen gegenüber das Naturheilbestreben unterlag. — Bei heftiger Erregung der Xerven helfen beruhigende Mittel (cfr. symptomatische Curmelhodo).
Wenn man die Kranklieitssymplomo nicht vereinzelt, sondern in genetischen Gruppen vom physiologisch-ätiologisclien Standpunkte aus bekämpft, dann erzeugt man Gegenwirkung gegen das Wesen (das heisst die die Symptome bedingenden krankhaften Vorgänge und Zu­stände). Eine solche Gegenwirkung ist nur heilsam bei krankhaften Zuständen — die fast immer Krankheitsursachen abgeben — und bei denjenigen krankhaften Vorgängen, die nicht Naturheil Vorgänge sind? und bei solchen, welche Krankheitsursachen darstellen. (Geschwülste entfernt man mit dem Messer; bei krankhaften Wucherungen und Neu­bildungen sucht man durch Druck, Aetzen, adstringirende Mittel etc. den krankhaften Vorgang zu beschränken; bei krankhaften Contractionen erschlafft man durch Wärme; die Emigration von Blutkörperchen hindert man durch Kälte, durch Chinin u. s. w.) Manchmal wirkt ein Mittel gleichzeitig gegen Symptome, Wesen und Ursache, z. B. Kälte adstrin-girt, setzt die Temperatur herab, hindert die Emigration der Leucocyten, hebt die Bewegung und Multiplication von Krankheitserregern auf, mindert den Schmerz u. s. w.
Eine scheinbare Bekämpfung des Krankheitsprocesses und seiner Symptome durch Gegenwirliung, wobei wir dem Naturheilbestreben helfen, ergiebt folgendes Beispiel: Bei Entzündungen besteht Hyperämie. Man sollte annehmen, die Hyperämie sei die Folge des Naturheilbestrebens und müsse deshalb durch Heil­mittel befördert werden. Wir wenden nun aber im Gegentheil Mittel an, welche scheinbar bezwecken, die Hyperämie zu beseitigen. Diese Art der Behandlung wird durch folgende Ueberlegung molivirt: Bei jeder Heizung sendet der Organismus viel Blut zur gereizten Stolle zum Fortspülen des Reizenden und Heilung der ge­setzten Abnormitätsn. Bei der Entzündung findet das hingesandte Blut abnorme Verhältnisse vor, welche Kreislaufsstörungen, Stauungen und Exsudationen hervor­rufen. In Folge dessen kann nicht genug arterielles, heilendes Blut zu dem kranken Tlieile hingelangen, und der Organismus seinen Zweck, die Ausgleichung, nicht rasch genug erreichen. Man unterstützt deshalb die Heilung, wenn man Bedingungen setzt, unter denen der Organismus mehr arterielles Blut zum kranken Theile hin­senden kann. Diesen Zweck erreichen wir, wenn wir das vorhandene venöse, stauende Blut entfernen. Damit unterstützen wir das Naturheilbestreben. Wir wenden also Mittel an, welche scheinbar bezwecken, den kranken Theil blut­arm zu machen, wollen aber blos das schlechte Blut entfernen und es ermög­lichen, dass der Theil blutreich werden kann. Die Blutstauung ist nur eine in-directe, durch die bestehenden abnormen Bedingungen bewirkte Folge des Natur­heilbestrebens, die schädlich und deshalb zu bekämpfen ist. Es handelt sich hier, wenn wir gegen die Blutstauung wirken, nicht um eine directs Gegenwirkung gegen den Krankheitsprocess. Der Krankheitsprocess besieht nicht in der Blutstauung, sondern in einer Alteration der Gefässwände. Diese kann nur geheilt werden durch Zufuhr arteriellen Blutes, welche der Organismus durch congestive active
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Derivatorische Heilmittehvirkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;269
Hyperämie anstrebt. Diese suchen wir durch Gegenwirkung gegen die passive Hyperämie zu ermöglichen.
Aus Vorstehendem geht hervor, dass es durchaus falsch wäre, stets nach dem Grundsatze „Contraria contrariisquot; zu behandeln. Dieser Grundsatz war nur so lange zu rechtfertigen, als man in der Krankheit einen Feind, etwas Fremdes sah, das vernichtet werden musste. Damals beherrschte die Antipathie die ganze Medicia; Jahrhunderte lang war die Losung der Aerzte: „Krankheitsvernichtungquot;. Paracelsus bekämpfte dieses Dogma mit wenig Erfolg, und erst der neueren Zeit war es vor­behalten, die Unhaltbarkeit der Antipathie darzuthun und zu zeigen, dass die sogenannten Krankheiten häufig nur der Ausdruck des Natur­heilbestrebens gegen die schädlichen Beeinflussungen der Organismen durch äusserc oder innere Ursachen sind, deren Bekämpfung beim Fortbestehen der betreffenden Beeinflussungen sogar schädlich sein kann.
Der beatige Aizt, der sich usuell Allopath oder Allöopath nennt, ist weder Antipalh, noch Homöopath, noch Hydriatiker etc., sondern er ist flomöopath, wo die Homöopathie angezeigt ist, und Antipath. wo diese Methode zum Ziele führt u. s. w. Er muss alle sogenannten Fleilsysteme beherrschen, darf aber keinem ausschliesslich anhängen. Der einzig rationelle Arzt ist derjenige, der sein Handeln den gegebenen Yerlüiltnissen anpasst, der das Wesen der Krankheit zu erforschen sucht und danach sein Wirken einrichtet, der die Krankheitsursache und ihr Wirken anti-pathisch bekiimpft und das Naturheilbestreben homöopathisch unterstützt, der, wenn die Krankheitserscheinungen die directen Folgen des Naturheilbestrebens sind. Ho­möopath, und wenn sie indirecte, schädliche, die Krankheit unterhaltende Folgen sind, Antipath ist u. s. w.
2. Die derivatorische Hellmittelwirkung.
Wenn die Heilmittel die Heilung des Krankhcitsproccsses durch eine sogenannte Ableitung auf weniger wichtige Organe, durch Reizung gesunder Theile, durch Ausleerungen u. s. w. bewirken, dann spricht man von einer Heilung durch Ableitung, Derivation, Antago­nismus, Polarität.
Der günstige Einfluss dieser Heilmittelwirkungen erklärt sich aus den bestehenden, vorn (S. 23—29) besprochenen Correlationsbeziehungen der Organe unter einander und aus der Thatsache, dass Krankheiten nicht selten durch Störungen der correlativen Beziehungen der Organe entstehen und also durch einen Eingriff in diese Beziehungen auch heilbar sein müssen. Schon diese Thatsachen motiviren die Anwendung der derivatorischen Behandlungsmethode und lassen dieselbe als eine rationelle erscheinen. Ganz besonders findet aber die Methode ihre rationelle Begründung in der Thatsache, dass das Naturheiibcstreben oft auf dem Wege der Ableitung, durch Erhöhung, Minderung und Ab-
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270nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
änderung der Functionen der in Wechselbeziehung zu kranken Theilen stehenden gesunden Organe, durch Stellvertretungen, Krisen u. s. w. die Heilung zu bewirken sucht und bewirkt. — Die Kunsthülfe macht von der Methode Gebrauch, wenn die Krankheit durcli direct wirkende Mittel nicht geheilt werden kann. Derivatorisch wirkende Methoden sind z. B. die hautreizenden, die evaeuirenden, die abführenden, brechen­erregenden, diuretischen und diaphoretischen Methoden, und es gehören zu den Heilungen durch Ableitung beispielsweise folgende:
a. Die palliative Behandlung innerer Schmerzen durch äussere Heizung.
Die Heizung sensibler Nerven hat im Allgemeinen und mit gewissen Ausnahmen herabgesetzte Irritabilität anderer sensibler Nerven zur Folge. So setzt die Reizung der sensiblen Nerven der Haut die Erregbarkeit der sensiblen Nerven der unter den gereizten (unter Umständen tief) gelegenen Theile (der Pleura, des Peritoneum, der Synovialmembranen u. s. w.) herab. Deshalb wendet man bei Pleuritis, Zahnschmerzen, Hustenreiz, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen etc. Hautreize als Heil­mittel an.
Anhangsweise sei hier auch der derivatorischen Heilungen gedacht, die durch sogenannte Unistim mungen des Kervensy stems bewirkt werden. Zu dieser empirischen Methode greift man nur, wenn alle anderen Heilwege im Stiche lassen. So wendet man bei lUickemnarlisleideii oft einfach .Mittel an, die auf das Rücken­mark wirken, so giebt man Brechmittel bei Nervenleiden, so elektrisirt man die Haut und einzelne Nerven bei anderen nervösen Leiden u. s. w. Derartige Be-handhmgsweisen sind Nothhehelfe für die Fälle, wo wir nicht rationell behandeln können. — Zu den theilweise rationellen umstimmenden Methoden gehört das Be­handeln gesunder und kranker Individuen mit Diaeteticis. um eine sogenannte Um-stimmung im ganzen Organismus durch Kräftigung. Abhärtung u. s. \v. zu erzielen. Auch gewisse umstimmende Behandlungen mit dem elektrischen Strome, durch Nervendehnungen und dergleichen beruhen auf physiologischen Thatsaohen.
b. Heilung durch Erregung compensatorischer (vicariirender) Functionen.
Gewisse Organe stehen in solchen Beziehungen zu einander, dass Erhöhung der Thätigkeit des einen verminderte Thätigkeit des anderen Organs zur Folge hat. Arbeitet nun ein Organ zu viel (in krankhaft gesteigertem Maasse), oder ist ein Organ derart erkrankt, dass die Re­stitution nur statthaben kann, wenn das Organ ruht (nicht oder nur wenig funetionirt), dann kann durch Anregung der Thätigkeit der vicariirenden, compensatorisch wirkenden Organe die Heilung berbei-geführt werden. In den genannten correlativen Beziehungen stehen: die Haut mit ihren Schweissdrüsen zu den Nieren, die Haut zu den Lungen, die Haut zu den Schleimhäuten, die Haut zu den Darmdrüsen, die Nieren zum Bindegewebe resp. dessen Capillaren, die Nieren zu den serösen Säcken, die Haut zu den serösen Häuten, die Haut zum Bindegewebe, die Nieren zu den Darmdrüsen, der Magen zum Pankreas,
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Derivatorische Heilmittelwirkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;271
die Lymphdrüsen zur Milz u. s. w. Demnach können Ergüsse in das Bindegewebe und in seröse Säcke durch Anregung der Haut- und Nieren-thätigkeit, Durchfalle durch schweisstreibende Mittel geheilt werden etc.
c. Die Heilung- von Krankheiten auf dem Wege des Reflexes.
Die Begründung der Anwendung der Methode beruht in der Kenntniss physiologischer Thatsachen. (Beispiele: Reizung der Haut ändert den Blutdruck, die Weite der ßlutgefässe und den Blutreichthuin der Pia mater, der Pleura, der Lungen u. s. w. ab, bewirkt rellectorische Rei­zung des Vagus und damit eine Verlangsamung der Schlagfolge des Herzens und eine reflectorische Reizung des A.thmungs-, des Temperatur-und des Stoffwechselcentrums. In ähnlicher Weise wirken Reize der Magen- und Darmschleimhaut, der Respirationsorgane u. s. w.) Vielfach hat man über die Anwendung dieser Methode (z. B. über das Legen von Fontanellen und Haarseilen, das Einreiben mit scharfen Salben) gespottet. Der Spott ist aber nur der Ausfluss mangelhafter physio­logischer Kenntnisse (siehe hautreizende Methode).
d. Heilung durch directe Blutableitung von den erkrankten Organen.
Man erhöht die Blutmenge in benachbarten gesunden und besonders solchen Theilen des Thierkörpers, die mit den erkrankten Organen in directer Blutgefässverbindung stehen, durch reizende, Congestivzustände erregende Mittel und beabsichtigt damit eine Abnahme der Blutmenge in den erkrankten Organen herbeizuführen. Dass man den genannten Zweck in der That in der gedachten Art und Weise erreichen kann, ergiebt sich aus den bezüglich der Blutvertheilung gültigen physikali­schen Gesetzen, aus der Thatsache der intravasculären Verblutung und aus den Versuchen von Zülzer, welche beweisen, dass bei Anwendung chronischer Reize auf die Haut ein gewisser Grad von Anämie der darunter gelegenen Muskeln, der Pleura und der Lunge eintritt. Die dieser Methode dienenden reizenden Mittel veranlassen ausserdem eine reflectorische Reizung der Blutgefässe (resp. ihrer Nerven) und damit eine Aenderung des Blutdrucks und der Gewebsspannung (siehe hautreizende Methode) in den erkrankten Theilen. Bei einer Minderung des Blutgehaltes eines Organs kann der Blutdruck unter Umständen unverändert bleiben, weil die Blutgefässe sich ungemein rasch der Blut­menge anpassen und sich verengern, und weil auch bei ungenügender Adaptation der Gefässwände bequem Flüssigkeiten aus den Geweben in das Blut aufgenommen werden können. Immer aber findet unter diesen Umständen eine Entlastung und Spannungsminderung der Gewebe statt. Der Kreislauf wird freier, das stockende, unbrauch­bare, venöse Blut wird abgeleitet, und das heilsame, arterielle kann frei zufliessen. — Eine Blutableitung von den Geweben kann ausser durch Reizung gesunder Theile auch durch den allgemeinen und localen Aderlass erreicht werden.
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e. Heilung durch Erzeugung eines künstlichen Kranlcheitsprocesses.
Der Zweck ist, durch Erzeugung einer neuen, für das Gedeihen des Gesammtorganismus weniger gefährlichen Krankheit die gefährliche natürliche Erkrankung zum Ausgleich zu bringen. — Aus den ge­schilderten Correlationsbeziehungen der Organe unter einander ergiebt sich die Möglichkeit des Zustandekommens des Ausgleichs einer Krank­heit auf diesem Wege.
f. Depletorische Heilung durch Ableitung der schädlichen, die Krankheit unter­haltenden Stoffe von dem kranken Organ.
Diese Methode ist nur dann eine derivatorische, wenn die schäd­lichen Stoffe durch die Säftemasse fortgeschafft und nach anderen, namentlich secernirenden Organen geführt werden können. Diese so­genannte blutreinigende, depuratorische Methode ist nur in sehr seltenen Fällen wissenschaftlich berechtigt. — Es ist zweifellos, dass man beim Vorhandensein von Kupfer, Blei, Quecksilber, pyrogenen Krankheits-produeten und dergleichen durch Anregung aller drüsigen Organe, namentlich derjenigen, welche erfahrungsgemäss das betreffende Mittel ausführen (z. B. beim Kupfer die Leber) die Entfernung dieser Stoffe aus den Geweben und aus dem Blute beschleunigen und dadurch deri-vatorisch auf die durch das Vorhandensein der Stoffe kranken Organe und Gewebe wirken kann. Die Methode muss bei denjenigen Stoffen, die sich im Darmcanal befinden oder durch die betreffenden Eliminationsorgane in denselben gelangen, noch dadurch unterstützt werden, dass durch bestimmte Heilmittel (schwefelsaure Alkalien u. s. w.) die Resorptions­fähigkeit des Darmcanals herabgesetzt oder dass die schädlichen Stoffe in einen Zustand gebracht werden, in welchem sie nicht resorbirbar sind (Schwefelblei etc.). — Ob auch eiternde Stellen bedeutende secre-torische und depuratorische Functionen übernehmen können, bleibe dahin­gestellt.
Auf Krankheitserreger dürfte mit dieser Methode nicht einzuwirken sein, z. B. auf Milzbrand-, Rotz-, Tuberkel-, Rothlauf-, Lungenseuche-bacillen. Hier ist eine derartige Reinigung unmöglich, vielmehr handelt es sich darum, die Bacillen auf andere Weise zu vernichten, resp. ihre Fortpflanzungsfähigkeit aufzuheben. Wenn das letztere gelingt, dann ist die Heilung gesichert, sofern nicht neue Keime von aussen ein­dringen, weil die vorhandenen Keime mit der Zeit zerstört und aus dem Körper ausgeschieden werden.
3. Homöopathische Krankheitsheilung.
Die Heilung einer Krankheit kann durch Mittel bewirkt werden, welche solche Erscheinungen hervorrufen, die den Krankheitssymptomen ähnlich oder gleich sind.
Beispiele. Eine sich durch Erbrechen äussernde und durch einen im Magen vorhandenen reizenden Stolf verursachte Krankheit wird durch ein Brechmittel
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Beschaffenheit des Heilmittels.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;273
geheilt. Das Erbrechen war Naturheilbestreben, dessen Zweck die Entfernung des fremden Körpers aus dem Magen war. Die Unterstützung des Naturheilactes durch das Brechmittel war demnach indicirt. — Bei Diarrhöen, die in fremden Körpern im Darmcanal ihre Ursache finden, bei kritischer Diarrhöe, kritischen Schweissen und kritischer Diurese, bei der durch fremde reizende Stoffe im Blute bedingten Diurese, bei gewissen Blutungen etc. helfen Mittel. welche bei gesunden Thieren das betreffende Krankheitssymptom hervor­rufen und es bei den Patienten zunächst steigern. Bei Erfrorenen sind Einhüllungen mit Schnee, bei Schmerzen Reizungen, bei Krämpfen und Zuckungen Mittel, welche diese Symptome bei Gesunden erzeugen, heilsam u. s. w.
Bei Anwendung dieser Methode bezweckt man entweder nur eine Unterstützung des Naturheilbestrebens, und zwar dann, wenn die Krank­heitssymptome der Ausdruck des Naturheilbestrebens, aber zur Er­reichung des Zweckes zu schwach sind, oder man sucht, wenn die Sym­ptome zu heftig sind und das eigentlich indicirte „Contraria contrariis curanturquot; unausführbar ist, die Heilung auf dem Wege der Erschöpfung herbeizuführen. Jede übermässig gesteigerte Thätigkeit führt zur Er­schöpfung und zur Ruhe. Diese bietet oft die Heilungsbedingungen dar. Kann man nun eine krankhaft gesteigerte Thätigkeit nicht durch Gegenmittel beruhigen, dann steigert man dieselbe noch höher, um die Erschöpfung noch rascher herbeizuführen.
Diese Heilungsmethoden (cfr. „Homöopathiequot;) sind Gegenstand der Homöopathie, deren leitender Grundsatz „Similia similibus curanturquot; ist, und die in beschränkter Weise schon von Hippokrates anerkannt wurde (per similia morbus sit et per similia adhibita ex morbo sanantur).
3. Die Beschaffenheit des Heilmittels.
Die Beschaffenheit der Heilmittel beeinflusst die Wirkung derselben ganz wesentlich. Bei den Arzneimitteln kommt in Betracht: ihre Güte, ihr Aggregatszustand, ihre Concentration, die Verbindung mit anderen Mitteln, die Aufbewahrung, die Methode der Darstellung, die Zubereitung, die Reinheit, die Menge (Dosis), und bei vegetabilischen Mitteln der Ort, wo sie gewachsen sind (Höhe, Bodenbeschaffenheit, Klima etc.), die Zeit des Einsammelns etc.
Gut eingesammelte und gut getrocknete Digitalisblälter sind bedeutend wirk­samer, als andere; dasselbe Mittel hat im gelösten Zustande ganz andere Wirkungen, als im festen: das in kleinen Dosen und kurzen Intervallen gegebene Mittel wirkt anders, als das in grossen Dosen und selten verabreichte; lOprocentige Carbolsäure hat andere Actionen zur Folge, als Iprocentige u. s. w. Die Verbindung der Heilmittel mit anderen irritirt die Wirkung oft bedeutend. Wo es angängig ist, verwende man nur ein Heilmittel. (Kt aber muss man, namentlich bei complicirten Krankheiten, mit mehreren Heilmitteln zugleich (z. B. der Elektricität, dem kalten
Bllenberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10
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Wasser und tonisirenden Medicamenten, den Hautreizen und innerlichen Mitteln) agiren. Auch Compositionen von Medicamenten sind oft unvermeidlich (siehe S. 234); man wähle aber -womöglich nur solche, die nur ein Hauptmittel ent­halten, und berüclisichtige stets sehr wohl, ob und welche chemischen Vorgänge die Composition zur Folge hat, welche Veniünderung der Concentration, Aerderung der Wirkung etc. des Hauptmittels eintreten wird und dergleichen.
4. Die Zubereitung und Form der Heilmittel.
Auf die Zubereitung und Form der Heilmittel im Allgemeinen kann liier nicht eingegangen werden. Das ist Gegenstand der Chirurgie, Diätetik etc. und wird zum Theil bei Schilderung der Cur- und der Applicationsmellioden von uns noch vorgetragen werden. Hier sind nur die Arzneimittel rücksichtlicli dieser Verhältnisse zu besprechen. Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass von der Form, in der ein Arzneimittel verabreicht wird, ganz wesentlich die Schnelligkeit und die Art seiner Wirkung abhängt. Ein Mittel, welches im rohen Zu­stande unwirksam ist, kann durch Kochen, Infundiren, Lösen, Extra-hiren der wirksamen Bestandtheile u. s. w. zu einem stark wirkenden Mittel werden. Die Zubereitung der Arzneimittel findet zum Theil in den Apotheken, zum Theil durch den Thierarzt selbst statt. Nur die von dem Thierarzt selbst ausgeführten Zubereitungsarten können hier Gegenstand der Betrachtung sein. üeber die genaueren Verhältnisse und das Schreiben der fieeepte verbreitet sich die Reccptirkunst.
a.nbsp; nbsp;Pulver.
In dieser Form werden viele Arzneimittel äusserlich und innerlich gebraucht. Häufig ist das Pulverisiren nur der erste Act zu anderen Zubereitungsmethoden, zur Herstellung von Mischungen, Pillen, Latwergen u. s. w. Zum innerlichen Gebrauch linden die Pulver direct wTenig, meist nur bei unerheblichen Krank­heiten und beim Vorhandensein guter Fresslust oder starken Durstes der Patienten und eines nicht unangenehmen Geschmacks oder Geruchs der Mittel Anwendung. Ks können in Pulverform verabreicht werden: süsse, salzige, aromatische und der­gleichen Medicamente. — Bei Pferden streut man die Pulver auf das Futter und feuchtet sie etwas an, damit das Wegblasen derselben durch das Prusten der Pferde vermieden wird, oder gieht sie im Getränk (Mittelsalze. Brechweinstein und der­gleichen). Bei den Wiederkäuern mischt man sie mit Schrot, Malz und der­gleichen, oder verabreicht sie im Getränk oder als Lecke, die man durch Zusatz von Kochsalz schmackhafter machen kann. Den Schweinen und Hunden giebt man die Pulver in Milch oder in dem gewöhnlichen Futter, oder man streut sie den­selben auf die Zunge. Letzteres geschieht besonders bei Schweinen, ausnahmsweise auch bei Pferden.
b.nbsp; nbsp; Pillen. Diese Arzneiform wendet man besonders bei sehr schlecht schmeckenden und
solchen Arzneimitteln an, welche eine unangenehme örtliche Nebenwirkung auf die
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Latwergen form der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;275
Mundschleimhaut ausüben oder durch Speichel zersetzt werden, weil in den Pillen die Medicamente direct in den Magen gelangen und dabei weder die Mundschleimhaut irritiren, noch durch die Mundsecrete verändert werden können. Ausserdem wird aber die Pillenform auch gern bei Thieren benutzt, bei denen das Eingeben von flüssigen Arzneien gefährlich und die Verabreichung in Latwergen oder Pulvern aus irgend welchen Gründen ausztischliessen ist.
Im Allgemeinen werden bei den llausthieren. besonders bei Schweinen, Hunden und Wiederhäuern Pillen sehr selten verwendet, weil man annimmt, dass sie die Wirkung der Medicamente verzögern, und weil die Art der Verabreichung keine sehr bequeme ist. Am meisten finden die Pillen noch bei Pferden Verwendung. Das Verabreichen der etwas länglichen Pillen geschieht entweder direct mit der Hand oder mit einem kurz konisch zugespitzten Stocke und muss derart er­folgen, dass die Pille bis zum Zungengrunde, das heisst derjenigen Stelle, von der aus der unwillkürliche Schlingact beginnt, hingeschoben wird, ohne dass aber dabei der Gaumen etc. des Thieres durch den Stab oder der Eingebende durch die Kiefer resp. Zähne verletzt werde. — Will man einem Pferde eine Pille mit der Hand ein­geben, so ergreift man mit der linken Hand die Zunge, zieht dieselbe ziemlich weit aus der Mundhöhle heraus und sucht mit den Fingern einen Stützpunkt am Unter­kiefer, um das Abreissen der Zunge bei heftigen Bewegungen des Thieres zu ver­meiden. Mit der rechten Hand geht man, die Pille zwischen den Fingern haltend, in die Mundhöhle bis an den Zungengrund ein und schiebt die Pille darüber hinweg. Dabei drückt man beim Eingehen den Arm gegen die Schneidezähne des ünter-Idefers und die Knöchel gegen den Gaumen. — Beim Eingeben mit dem Pillenstock steckt man die Pille auf das zugespitzte Ende, schiebt dasselbe bis über den Grund der wie angegeben fixirten Zunge hinaus in die Mundhöhle, zieht dann den Stock mit Anpressen an die Zunge mit einem Kuck zurück und lässt die in vorbeschriebener Art festgehaltene Zunge los. — Sehr günstig ist das Bestreichen der Pillen mit frischem Althaeawurzelbrei. Sie gleiten dann leicht hinab, lassen sich aber auch schwerer mit den Fingern festhalten.
Die Pillenmassen werden in ähnlicher Weise wie die Latwergen, nur mit weniger Wasser bereitet, und als Bindemittel wird, was bei Latwergen nicht ge­schieht, oft Seife benutzt.
c. Latwergen.
Die Latwergenform empfiehlt sich besonders bei denjenigen Hausthieren (Pferden und Schweinen), bei welchen das Eingeben llüssiger Arzneien dadurch, dass leicht Theile derselben in die Luftwege und Lungen gelangen, gefährlich ist. Man ver­wendet in dieser Form besonders diejenigen Medicamente, welche nicht löslich sind, keinen besonders unangenehmen Geschmack und Geruch und keine unangenehmen scharfen und reizenden Nebenwirkungen auf die Mundschleimhaut entfalten. Will man einem Pferde eine Latwerge eingeben, so fasst man die Zunge mit der linken Hand, zieht sie nach einer Seite und etwas vor und hält die Hand am Unterkiefer fest. Mit der rechten Hand streicht man direct oder mittelst eines Holzspatels die Latwerge auf den hinteren Theil der Zunge. Nun lässt man die Zunge los und hält zunächst den Kopf des Pferdes etwas hoch, damit nichts aus dem Maule her­ausfällt. Schweinen streicht man weiche Latwergen einfach in den beim Liegen oberen Lippenwinkel in das Maul ein. Man macht für diese Thiere die Latwergen süss, versetzt sie z. B. mit Honig. Wenn die Schweine nicht hochgradig krank
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sind und also beim Anfassen nicht ruhig liegen bleiben, bietet das Eingeben Schwierigkeiten dar. Man öffnet dann den Thieren z. B. durch das Einschieben eines Stückes Holz das Maul und streicht die scbleckenartigen Latwergen mit einem Spatel auf die Zunge, oder man bringt eine trockene Latwerge als Pille mit einem kleinen l'illenstock den Thieren bei.
Eine Latwerge ist eine breiige oder teigartige Masse, welche aus gepulverten Arzneimitteln und einem lliissigen süssen Saft (Syrup, Mohrrübensaft, Honig) oder anstatt des letzteren aus Wasser und einem Bindemittel (Mehl, Althaeawurzelpulver) besteht. Man rechnet 6—8 Theile Filatizonpulver zu einem Theil Bindemittel. Dazu ist Wasser in verschiedener Menge je nach der gewünschten Conslstonz zuzusetzen. Die Bereitung geschieht so, dass man das Arzneipulver und Mehl gut mischt und unter Umrühren ganz allmälig das warme Wasser zusetzt. In manchen Fällen nimmt man anstatt einfachen Wassers gelöste Arzneien (Salze etc.). — Lösliche Arzneimittel, die man in Form von Latwergen geben will, von denen man aber weiss, dass sie, in kleinen Stückchen in den Verdauungstract, namentlich in den Magen gebracht, leicht Anätzungen machen, löst man in Wasser auf und setzt sie dann dem Mehle zu. Die bereiteten Latwergen können, wenn sie zu dünn aus­gefallen, mit Mehl, und wenn zu trocken, mit Wasser verbessert werden. — Oft bereitet man eine trockene Latwerge und theilt dieselbe in Portionen ab, die je nach der Thierart eine verschiedene Grosse und längliche Form haben, und giebt diese wie Pillen ein. Man bezeichnet die einzelnen Portionen als Bissen (Boli). Zu bemerken ist noch, dass dünnbreiige Arzneien leichter schlingbar sind und sich rascher im Maule verbreiten und deshalb nicht so leicht wieder herausgeschoben werden können, als die trockenen; dass grössere Portionen leichter aus dem Maule ausschiebbar sind, als kleine: dass die mit Roggenmehl bereiteten Latwergen sich am besten an die Mundschleimhaut und im Maule herumsohmieren, wogegen die mit Althaeawurzelpulver bereiteten glitschig werden und leicht in der ganzen Masse aus dem Maule herausgleiten.
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d. Flüssige Form.
Die Anwendungsart in flüssiger Form hat für die innere Medication viele Vortheile. Die bereits verflüssigten Arzneien ersparen dem Organismus die Mühe der Auflösung. Extraction, Umwandlung behufs Lösung u. s. w. Die Medicamente gelangen in Folge dessen rascher und prompter und massenhafter zur Resorption und zur Wirkung und werden in geringerer Menge als sonst ungenutzt mit dem Kothe ausgeschieden. Diejenigen Medicamente, welche sich in den organischen Säften nicht lösen, oder deren wirksame Bestandtheile von diesen nicht extrahirt werden können, werden nur nach vorheriger Lösung, Extraction etc. wirksam, denn : -Corpora non agunt nisi solutaquot;. Auch diejenigen Heilmittel, welche im festen Zu­stande schädlich (z. B. reizend und ätzend durch Wasserentziehung) wirken, müssen vor der Anwendung gelöst werden. Für die äusserliche und subeutane Anwendungs­art ist diese Arzneiform noch viel nothwendiger, als für die innere Application, weil auf und in der Haut häufig die Bedingungen zur Lösung der Medicamente #9632; nicht gegeben sind, und weil, selbst wenn dieselben vorhanden sind, doch die Lösung immer langsam und allmälig stattfindet, wodurch die Resorption und Wir­kung bedeutend beeinträchtigt wird. Unter gewissen Umständen sind die Arzneien in flüssiger Form nicht anwendbar. So darf man bei den Thieren, bei denen beim
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Flüssige Form der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 277
Eingeben flüssiger Arzneien leicht ein Theil derselben in die Trachea etc. gelangt (Schweinen und Pferden), namentlich beim Vorhandensein von Atheinbeschwerden. nur in dringenden Fällen (Kolik. Gastro-Enteritis u. s. \v.) die flüssige Form bei innerlicher Medication verwenden. Besonders sind die Schiittelmixturen zu vermeiden.
Beim Eingeben von Flüssigkeiten bei Pferden legt man am einfachsten eine Strickschlinge über den Oberkiefer und liebt mit einer Schutt- oder Mistgabel die man in die Schlinge einschiebt, den Kopf hoch: oder man verwendet besondere Eingebezäume, oder man legt den Tliieren eine Halfter auf und führt durch den Nasenriemen den Arm einer Schüttgabel zum Erheben des Kopfes, oder man trenst das Thier auf und zieht den Trensenzügel über einen festen höheren Gegen­stand (z. B. die Raufe) und hält dadurch den Kopf hoch und fest. Man achte bei diesen Proceduren darauf, dass der Kopf nicht zu stark erhoben wird, sonst hindern die in Anspannung geratheiiden Brustzungenbein- und Brustschildmuskeln das Schlingen, so dass Verschlucken eintritt. — Die zum Eingeben bestimmte Arznei füllt man in eine langhalsige, blecherne, kupferne oder gläserne Flasche. Diese schiebt man mit dem Halse in den Raum zwischen Schneide- und Backzähne und giesst dann langsam und in kleinen Portionen die Flüssigkeit ein. Dabei darf die Zunge nicht festgehalten werden. Nach dem Eingiessen jeder Portion wartet man, bis das Abschlucken erfolgt, reizt dazu wohl auch durch Streichen am. Halse und dergleichen, und giesst dann weiter. Sobald das Thier hustet, muss sofort der Kopf desselben freigelassen und das Eingeben unterbrochen werden. — Das hier und da gebräuchliche Eingeben der Pferde durch die Nase und das Zu­halten derselben, um das Schlingen anzuregen, ist durchaus verwerflich.
Bei den Rindern ist das Eingeben leicht und das Verschlucken selten. Deshalb wird bei ihnen die flüssige Arzneiform oft angewendet. Die Rinder fasst man, indem man sich an den Hals derselben anlehnt, an den Hörnern, hebt den Kopf durch Herabdrücken nach dem Genick in die Höhe und stellt ihn fest. Die nun hochgelegene Mundspalte öffnet man durch Einschieben des Halses der Ein­gebeflasche und giesst die Arznei ein. — Das Erheben des Kopfes kann auch in anderer Weise als geschildert, z. B. in der Weise geschehen, dass man von links an das Thier herantritt und mit der linken Hand den Unterkiefer durch Umgreifen desselben erfasst und den Kopf erhebt und nun mit der rechten Hand eingiesst. Zu vermeiden ist bei diesen Manipulationen ein zu starkes Verdrehen des Kopfes nach einer Seite.
Die Schafe nimmt man fest zwischen die Beine, hebt den Kopf hoch und giebt mit einem Löffel oder einer Flasche die Mittel ein. oder man setzt sich auf einen Stuhl oder dergleichen und setzt das Schaf vor sich, derart, dass es mit dem Rücken gegen den Eingebenden gewandt ist, klemmt es zwischen die Beine und giesst die Arznei ein. — Beim Schweine ist die Anwendung flüssiger Arzneien sehr gefährlich. Sie verschlucken sich ungemein leicht und sterben oft direct beim Eingeben. Muss im Kothfall doch zu dieser Arzneiform gegriffen werden, dann fasst man die Thiere an den Ohren, hebt den Kopf hoch, schiebt einen Knittel in das Maul oder öffnet es mit einem Strohseile und giesst langsam mit einem Löffel ein. Am besten geschieht das Eingeben jedoch ohne Anwendung von Gewalt beim Liegen der Thiere durch allmäliges Beibringen von den Lippenwinkeln aus. Durch Krauen und beruhigendes Zusprechen gelingt dies namentlich bei kranken Thieren oft. Man hält die dem Boden zugekehrte Seite der Lippenspalte zu, hebt den Kopf
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Die Kunsthiilt'e.
vorn ein Idein wenig in die Höhe und giesst in den oberen Theil der Lippenspalte langsam ein. — Bei allen Thieren, die an Hirn- oder Brustentzündungen, hohen Fiebern, Starrlirampf und anderen erethischen Krankheiten leiden, bei denen Auf­regungen nachtheilig sind, muss das Eingeben ganz vermieden werden oder sehr behutsam geschehen.
a. Auflösungen.
Diese Arzneiform ist natürlich nur bei denjenigen Medicaraenten branchbar, welche löslich sind und ihrer sonstigen Eigenschaften wegen flüssig verabreicht werden dürfen. Bei Herstellung der Lösungen muss häufig eine Zerkleinerung oder Verreibung mit Wasser in der Reibschale vorhergehen. Welches Lösungsmittel, ob warmes oder kaltes oder alkoholisirtes Wasser u. s. w. anzuwenden ist, hängt von der Natur des Medicaments ab. Zu den Lösungen kann man auch die sogenannte Julepmixtur rechnen.
ß. Decocte.
Abkochungen macht man von solchen pflanzlichen Arzneimitteln, deren wirk­same Bestandtheile nicht flüchtiger Natur sind. z. B. von bitteren, adslringirenden und dergleichen iMitteln. Dieselben werden grob zerkleinert und mit der 16- bis 30 fachen Menge Wasser Übergossen und längere Zeit und zwar meist so lange, bis die Flüssigkeit nur noch die Hälfte der ursprünglichen Menge beträgt, gekocht. Bei schleimigen Blättern und Blüthen kocht man nicht länger als ' 4, bei Rinden und Wurzeln dagegen ',., Stunde.
y. Infuse.
Infuse bereitet man, indem man pflanzliche Arzneimittel. Blüthen und Blätter im unzerkleinerten, Wurzeln. Rinden etc. im grob zerkleinertem Zustande mit un­gefähr der 16fachen Menge kochenden Wassers übergiesst und das Ganze an einem warmen Ort 10 —15 Minuten zum sogenannten Ziehen stehen lässt. Darauf seiht man durch, so dass das Feste als Rückstand verbleibt. Das Flüssige ist das In-fusum und enthält die wirksamen Bestandtheile, die zur Anwendung kommen sollen. Man wendet die Methode bei Arzneimitteln mit flüchtigen, ätherisch-öligen und der­gleichen Bestandtheilen an. — Aussei- den Infusen und den Decocten giebt es auch Infuso-Decocte und Decocto-Infusa. Diese werden bei Naturkörpern an­gewendet, welche sowohl flüchtige, als fixe wirksame Bestandtheile enthalten. Man infundirt z. B. ein ätherisch-ölig-bitteres Mittel zuerst und erhält so die flüchtigen Bestandtheile. Dann kocht man den Rückstand und entzieht ihm die Bitterstoffe. Dann mischt man beide Flüssigkeiten mit einander.
(J. Mixtur.
Die Mixtur oder das Elixir besteht aus einer derartigen Mischung fester und flüssiger Bestandtheile, dass sich die ersteren gleichmässig in der Flüssigkeit er­halten. Man verwendet dazu gelöste Harze und Schleimharze, Campfer, ätherische Oele etc. und eine wässerige Flüssigkeit, wozu oft noch ein Bindemittel kommt.
e. Schüttelmixtur.
Die Schüttelmixtur besteht darin, dass mit einerFiüssigkeit derartige gepulverte Substanzen gemischt werden, die nur durch Umsohütteln gleichmässig vertheilt
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Breiumschläge. Salben und Pflastarnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 279
und schwimmend in derselben erhalten werden können. die sich aber beim Stehen am Boden des Gefässes absetzen.
£*. Emulsionen.
Emulsionen bestehen aus einer derartigen Mischung einer wässerigen Flüssig­keit, einer vegetabilischen Substanz und einem Bindemittel, dass die gar nicht oder wenig lösliche Substanz gleichmässig vertheilt in der Flüssigkeit schwimmt, wie das Fett in der Milch. Sie werden namentlich bei den sogenannten öligen Vegetabilien, Campfer, Harzen etc. angewendet.
Tj. Essenzen und Tincturen.
Die Essenzen und Tincturen bezieht man aus den Apotheken. Sie sind mit Alkohol zubereitet.
e. Breiumschläge.
Die Breiumschläge dienen zum äussern Gebrauch. Sie stellen solche Mischungen von trockenen, grob zerkleinerten, resp. gepulverten oder fein geschnittenen Sub­stanzen mit verschiedenen Flüssigkeiten dar, die eine breiartige Consistenz haben. Sie entstehen entweder durch blosses Zusammenmengen oder durch Kochen. Zu letzterem benutzt man grob zerkleinerte Substanzen, die beim Kochen schleimig, resp. quellbarer werden. Die Menge des zum Kochen verwendeten Wassers richtet sich nach dem Quellungsverniögen der Arzneimittel. Die nicht gekochten Kata-plasmen bereitet man, indem man die gepulverten festen Substanzen einfach mit der Flüssigkeit mengt. Die Breiumschläge werden warm oder kalt angewendet. Bei der Anwendung ist darauf zu achten, dass sie gut anliegen und fortwährend die beabsichtigte Temperatur besitzen.
f. Salben und Pflaster.
Pflaster sind bei unseren Thieren wonig verwendbar wegen der Bekleidung des Körpers mit Haaren, wegen des Vorhar.denseins der Hautmuskeln und wegen der Unruhe der Thiere. Salben werden dagegen sehr häufig verwendet. Es ist bei deren Anwendung besonders darauf zu achten, dass das Einreiben sehr gründ­lich und während längerer Zeit geschieht. Sonst sitzt die Salbenmasse auf den Haaren und bleibt unwirksam. Ein vorheriges Scheeren ist nur erforderlich, wenn die Haare sehr lang sind. Bei der Anwendung von Pflastern muss die Haut geschoren und unter Umständen sogar rasirt werden. Beim Einreiben von Salben, Oelen und dergleichen auf sehr schmerzende Körpertheile, z. B. entzündliche Schwellungen, Phlegmonen, Erysipelen etc., darf nicht fest aufgedrückt und nicht zu rasch gerieben w:erden, weil der Reibungsreiz das Leiden steigern würde. Ver­nachlässigung dieser Regel ist oft die Ursache, dass sonst zweckmässige Mittel die beabsichtigte günstige Wirkung nicht entfalten.
g. Linimente.
Die Linimente sind salbenähnlich, aber mehr llüssig und nur zum äusseiiichen Gebrauch bestimmt.
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Die Kunsthülfe.
Ueber die Anwendung von Heilmitteln in Gasform, über die subcutane Arzneiapplication, die hydropathisohen Umschläge, die Bereitung von Sinapismen und dergleichen wird an anderer Stelle gesprochen werden.
5. Die Application der Heilmittel.
Auf die Heilmittelwirkung hat sowohl die Art, wie der Ort der Application grossen Einfluss. Ein schlecht sitzender Verband hat z. B. den Eintritt von Necrose zur Folge, anstatt den beabsichtigten Nutzen zu leisten; ein schlecht angewandter Priessniiz-Unischlag trägt dem Patienten eine Erkältung zu, anstatt ihm zu nützen. Eine in den Magen applicirte Dosis Curare hat gar keine Wirkung, während sie von der Subcutis aus den Tod hervorruft. Dieselbe Dosis eines Mittels, die bei in langen Zwischenräumen erfolgender Anwendung kaum eine Wirkung entfaltet, wirkt sehr heftig bei öfterer Wiederholung (cumu-lativ); dasselbe Heilmittel zeigt ganz verschiedene Wirkungen je nach dem Aggregatszustande, in welchem es applicirt wird, und je nach der Dauer der Application; eine kalt und mit Druck applicirte Inhalation wirkt anders, als eine warm oder ohne Druck angewandte; ein Sina-pismus, eine scharfe Salbe und dergleichen ändern ihre Wirkung je nach der Art und Dauer der Application; ein rothglühendes Eisen wirkt anders, als ein weissglühendos u. s. w.
Ueber die Art und Weise der Application der Heilmittel ist theilweise schon in den vorstehenden Abschnitten gesprochen worden, theilweise wird dieselbe bei der Schilderung der Curmethoden erwähnt werden, theilweise aber ist sie in den Lehrbüchern der Chirurgie, der speciellen Therapie und beim klinischen Unterricht zu lehren. Nach­stehend sei hier nur die Application der Heilmittel in Bezug auf den A pplicationsort eingehender besprochen.
Die Heilmittel können an verschiedenen Stellen und auf verschiedene Organe des Körpers applicirt werden, um entweder nur eine örtliche oder um eine allgemeine Wirkung zu erzielen. Die Wirkungsweise der Heilmittel zeigt selbstverständlich DilTerenzen je nach der Wahl des Applicationsortes. Schon die örtliche Ein­wirkung muss eine ganz verschiedene sein je nach dem, ob das Sliltel auf die Haut oder in die Haut oder auf Schleimhäute applicirt. ob es in den Magen oder in das Blut u. s. w. eingeführt wird. Danach müssen die chemischen Umänderungen, die das Mittel erleidet, und die Einlliisse, die es auf das betreffende Organ ausübt, ver­schieden sein. Durch die Wahl des Applicationsortes können unwirksame zu wirk­samen und umgekehrt wirksame zu unwirksamen, können Allgemeinwirkungen er­zeugt oder ausgeschlossen werden u. s. w.
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Innerliche Application der Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;281
I. Die Application auf die Schleimhaut desVerdauungstractes.
I. Die innerliche Medication, die Application per os.
Die gebräuchlichste Art, Medicamente, Nahrungsmittel und auch einige andere Heilmittel dem Organismus einzuverleiben, ist die Ein­bringung derselben per os in den .Magen. Man nennt diese seit den ältesten Zeiten gebräuchliche Applicationsart herkömmlicher Weise die innerliche Medication.
Vortheile der innerlichen medication. Die innerliche Medication ist die naturgemässe, weil der Magen resp. der Verdauungstract an die Aufnahme der verschiedenartigsten Dinge und an deren Verarbeitung und eventuelle Kesorption durch Uebung gewöhnt ist. Die Schleim­haut des Verdauungstractes bietet den Heilmitteln eine sehr grosso Berührungsfläche zur Einwirkung und sorgt für rasche und prompte llesorption. Sie ist sehr reich an Bl utgefässen, so dass Aende-rungen ihres Blutgehalts auf die gesammten Circulationsverhältnisse des Körpers Einfluss haben; sie ist ferner sehr reich an Nerven und besitzt vielseitige Nerven Verbindungen und stellt dadurch mit vielen Organen in sympathischen Beziehungen. — Im Verdauungstract finden sich Säfte, welche die Lösung der meisten Medicamente be­wirken. Die Application bei der innerlichen Medication ist meist bequem und gefahrlos. Manche Medicamente können den Thieren sogar mit der Nahrung beigebracht werden.
Nachtheile der innerlichen Medication. Durch die Verdauungssäfte und den sonstigen Inhalt des Magendarmtractes kann die Wirkung der eingeführten Heilmittel durch Zersetzungen, Verdünnungen und der­gleichen unter Umständen ganz aufgehoben, können indifferente zu gefährlichen, ja giftigen Mitteln werden und dergleichen. Ein Nachtheil der innerlichen Medication liegt auch darin, dass die zum Zwecke der Erzielung einer Resorptionswirkung verabreichten Heilmittel erst die Leber, dann das rechte Herz und die Lungen (im kleinen Kreislauf) — woselbst sie überall festgehalten oder verändert werden können — durchlaufen müssen, ehe sie in den grossen Kreislauf und zu den Organen des Körpers, die sie beeinflussen sollen, gelangen. Dadurch kann die Wirkung der Heilmittel verlangsamt und modificirt werden. In diesen Nachtheilen kann unter Umständen eine Contraindication gegen die Anwendung der Medicamente per os liegen. Eine andere Contraindication gegen diese Applicationsmethode ist in gewissen Krank­heiten der Verdauungsorgane, besonders in dem Vorhandensein von Reizungszuständen derselben gegeben.
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Die Kunstluilfe.
Verändernngea der Heilmittel im Verdauungstract. Die per os applicirten Heilmittel sind vielfachen chemischen Angriffen im Ver-dauungscanal ausgesetzt und durchlaufen deshalb oft viele Veränderungen daselbst. Sie treffen mit den verschiedenartigsten alkalischen und sauren Körpern abwechselnd und mit verschiedenen Fermenten zusammen. Aus der Art der Veränderungen, welche die Heilmittel erleiden, ergiebt sich, ob die Applicationsmethode vortheilhaft oder nachtheilig für das betreffende Heilmittel ist. Manche Substanzen sind an verdauliche, sonst aber unlösliche Massen gebunden (vegetabilische Pulver etc.) und wirken deshalb nur bei innerlicher Medication, andere verlieren dagegen im Darmcanal ihre Wirksamkeit, oder die Art ihrer Wirkung wird modificirt. Die Veränderungen der Heilmittel sind in den verschiedenen Abschnitten des Verdauungscanais verschieden. Je rascher sie resorbirt werden, um so weniger sind sie den Angriffen der verschiedenen Ver­dauungssäfte etc. ausgesetzt.
Im Munde tn'ITt das Medicament mit der alkalisch reagirenden Mundilüssigkeit zusammen. Dadurch kann die Lösung und Einhüllung gewisser Medicamente und die Keutralisation kleiner Säuremengen vor sich gehen. Ausserdem können Ver­bindungen der Bestandiheile der Arzneimittel mit denen der Secrete und mit denen der Schleimhaut des Mundes statthaben. Letztere führen zu Verschorfungen, Fär­bungen . Reizungen und dergleichen. Auch zufällig vorhandene Körper können zu chemischen Umwandlungen führen, z. B. beim Vorhandensein cariöser Zähne in der Mundhöhle entstehen aus Metallsalzen zum Theil Schwefelmetalle. Im Allgemeinen sind die Actionen der Heilmittel in der Mundhöhle wegen ihres kurzen Aufenthalts daselbst unbedeutend.
Im Magen laufen Oxydationen und Reductionen, synthetische und asynthe­tische Vorgänge an einzelnen Heilmitteln ah. Die Heilmittel gelangen hier in Be­rührung mit den abgeschluckten MundHüssigkeiten, mit den Magensecreten, mit den eingeführten und veränderten Nahrungsmitteln und mit der Magenwand und erleiden oft bedeutende Umwandlungen; unwirksame und unlösliche Mittel werden zu löslichen und wirksamen (kohlensaurer Baryt, Bleicarbonat, Bleiacetat, Bleioxyd, Zinkoxyd etc.), schwer lösliche zu leicht löslichen: andererseits werden leicht lösliche und kräftig wirksame zu schwer löslichen, schwer resorbirbaren und wenig _ wirksamen Heilmitteln (Curare, Schlangen- und einige andere Gifte, gewisse Mengen von Säuren und Alkalien [durch Verbindung mit den Eiweisskörpern der Nahrung]).
Die Mundflüssigkeit wirkt vermöge ihres Ptyalingehalts spaltend und lösend auf die Stärke und manche Glykoside, wandelt den Rohrzucker in Ptyalose um, hüllt reizende Stoffe ein, wirkt auf andere vermöge ihres Luftgehalts oxydirend, oder geht andere chemische Verbindungen mit ihnen ein u. s. w.
Der Magensaft wirkt vermöge seines Gehalts an Fermenten, an Säuren (HCI, Milchsäure u. s. w.), an Eiweiss, Muoin, Salzen, oft sehr bedeutend auf die Heilmittel ein, löst die Eiweisskörper, die Casei'no, Fibrine und Albumine, spaltet den Zucker in Milchsäure, oxydirt gewisse Metalle, wandelt Blei- und Silbersalze in die schwer löslichen Metallchloride, die Carbonate und Acetate vielfach in
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Innerliche Application tier Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 283
Chlorüre, viele Metalle und Metallsalze in Peptondoppelsalze und Metallalbuminate um, macht die unlöslichen Queclisilbersalze löslich.
Der zufällige Inhalt des Magens (Nahrungsmittel und deren Bestand-theile) wirkt je nach seiner Natur verschieden auf die Schicksale, welche die Heil­mittel im Magen erleiden, ein. Die Eiweisskörper der Nahrungsmittel verbinden sich mit den Schwermetallen zu Blei-, Kupfer-, Quecksilber- etc. Albuminaten — die übrigens meistens in Folge der Wirkung der Verdauungssäfte resorbirbar sind —, die Gerbsäure der pflanzlichen Nahrungsmittel fällt viele Alkaloide und Metall­lösungen und mindert dadurch deren Wirkung, andere organische Säuren ver­binden sich mit den Alkalien der kolilensauren Salze zu sogenannlen magensauren Salzen und treiben die Kohlensäure aus, das Amygdalin gewisser Nahrungsmittel veranlasst bei Verabreichung von Emulsin die Entstehung von Blausäure u. s. w.
Die Verbindungen der Bestandtheile der Magenwand mit den Heilmitteln, wodurch unter Umstanden sehr gefährliche Processe (Anätzungen und dergleichen) eingeleitet werden, kommen besonders bei leerem Magen in Betracht. Bei gefülltem Magen werden die Affinitäten der Medicamente unter Umständen durch die Bestand­theile des Mageninhalts gesättigt (z. B. bei gewissen Aetzmetallen und Säuren) und dadurch unschädlich gemacht, während sie bei leerem Magen auf dessen Schleim­haut einwirken. Nebenbei sei hier erwähnt, dass auch die Resorptionsverhältnisse des Magens und Darms von ihrem Füllungszustande wesentlich beeinllusst werden, indem z. B. die Heilmittel bei nüchternem Magen rascher resorbirt werden, als bei vollem.
Bei den Wiederkäuern und den Vögeln gelangen die Heilmittel bei der Ver­abreichung per os, ehe sie in den Magen eintreten, erst in kropfartige Ausbuchtungen des Schlundes (Vormagen der ruminirenden Thiere), in denen weder Magensaft­fermente, noch Salzsäure, wohl aber Gerbsäure (als Bestandtheil der Nahrungs­mittel) und andere organische Säuren (als Gährungsproducte) vorkommen, und in denen eine alkalische und höchstens bei zufällig lebhafter Bildung der organischen Säuren eine schwach saure Reaction herrscht. Die Vormägen besitzen ein geringes Resorptionsvermögen und sind für locale Wirkungen wegen des hornigen Ueber-zuges ihrer Schleimhaut weniger zugänglich, als der Magen, und enthalten stets grosse Massen eines in Gährung begiifTenen Inhalts. Demgemäss verfallen die Heilmittel in denselben ganz anderen chemischen Einwirkungen, als im Magen, sie werden ausserdem enorm verdünnt und vertheilt, gelangen nicht leicht zu localen Reiz Wirkungen (wichtig für Brechmittel!) und schwer zur Resorption, so dass die Aussicht auf eine rasche, energische und sichere Wirkung derselben nur eine geringe ist. Ist eine derartige Wirkung beabsichtigt, dann muss man die Heilmittel direct in den Labmagen einführen. Das geschieht in der Weise, dass man dieselben im flüssigen Zustande in kleinen Portionen langsam verabreicht. (Vielleicht gelangen auch dünnbreiige Latwergen direct [die Schlund-und Psalterrinne entlang] in den Magen, ohne in den Pansen oder die Haube ein­zutreten.) Die Möglichkeit des directen Eintritts flüssiger Medicamente in den Labmagen ergiebt sich aus den anatomischen Verhältnissen der Wiederkäuer und aus bekannten physikalischen Gesetzen. Ausserdem kann man sich leicht davon überzeugen , wenn man Schlachtthieren llt;urz vor dem Tode ein leicht auffindbares Mittel, z. B. Weidenrindendecoct, Eisenmittel und dergleichen eingiebt.
Im Dünndarm treffen die Heilmittel mit der Galle, dem Bauchspeichel und dem Darmsaft zusammen; Eiweisskörper werden peptonisirt, Fette gespalten und
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emulgirt. Stärke gespalten und gelöst, das Pepton zerfällt theilweise in Leucin und Tyrosin und dergleichen. Dabei werden manche in Säuren lösliche Stoffe ausgefällt, Schwefel, Phosphorsäure. Jod u. s. w. werden durch den alkalischen Darmsaft resorbiibar gemacht. Säuren neutralisirt, verschiedene Alkaloide durch die Galle niedergeschlagen oder durch die alkalischen Darmfliissigkoiten wieder gelöst; gewisse Abführmittel werden erst durch die Darmsäfte, besonders die Galle, wirksam (Ja-lapin. Convolvulin, Elatherin, Colocynthin und dergleichen).
Im Dickdarm kommen besonders organische Säuren und die Darmgase als Materien in Betracht, die alteiirend auf die Heilmittelwirkung einwirken könnten (Kohlensäure z. B. wandelt Magnesiumhydroxyd in kohlensaure Magnesia, Schwefel­wasserstoff fällt Metalloxyde zu Metallsulphiden u. s. w.).
2. Die Application der Heilmittel per rectum.
Die Application der Heilmittel per rectum findet Anwendung bei Erkrankungen des Rectums und dessen Nachbarschaft (z. B. bei Be­schwichtigung schmerzhafter Affectionen in den benachbarten Theilen), bei Anhäufung von Fäcalmassen im Rectum (zur Entleerung derselben), bei zu träger (zur Anregung) oder zu stürmischer Perlstaltik (zur Hemmung derselben) und dergleichen, und endlich zur Erzielung all­gemeiner und Resorptionswirkungen. Letztere Anwendung der Medica­mente und Nahrungsmittel ist indicirt, wenn die Application per os contraindicirt ist (z. B. bei Stenose des Oesophagus, bei Reizzuständen des Magens).
Die Rectalschleimhaut bietet für die Einwirkung der Heilmittel nur eine kleine, weniger Blutgefässe und Nerven als die Dünndarmschleimhaut enthaltende Ober­fläche dar. Trotzdem findet die Resorplion der resorbirharen Heilmittel verhältniss-mässig rasch und prompt statt. Dies ist besonders bei den narcotischen Medica-menten der Fall, aber auch Jodkalium, Natr. salicylicum, Ac. carbolicum, viele Medic, excitantia et tonica werden von der Rectalschleimhaut gut resorbirt. Die Wirkung der Medicamente ist bei der Application per rectum eine bedeutend ge­ringere, als bei der per os, und muss man deshalb die vierfache Dosis der Medica­mente verwenden. Es ist dabei aber wohl zu beachten, dass die injicirte Flüssigkeit eine gewisse Menge nicht übersteigen darf, weil sie sonst die Rectalschleimhaut reizt, wodurch reflectorische Bewegungen zu Stande kommen, welche das Auspressen der in das Rectum eingeführten Flüssigkeiten bewirken. — Die vom Rectum ap-plicirten ungelösten drastischen Abführmittel sind besonders wegen des Fehlens des Gallenzuflusses unwirksam. — Grosse Quantitäten von Flüssigkeiten, namentlich von kaltem und warmem Wasser, injicirt man in das Rectum behufs Anregung der Darmmusculatur, der Darmdrüsen, und behufs Lösung trockener Fäcalmassen (bei Fäcalstasen), bei Helminthiasis, bei katarrhalischem Icterus, bei Cholelithiasis etc.), und behufs Minderung hoher Innentemperatur bei Fieber). Die Methode der Wasserinfusion ist von Mosler in die Menschen- und von Dam­mann in die Thierheilkunde eingeführt worden.
Die Application der Heilmittel auf die Rectalschleimhaut geschieht in ver­schiedener Art und Weise. Pulver werden eingestreut, Salben eingestrichen, feste
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Respirationstherapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;285
Körper direct eingeführt, Flüssiglieiten werden mit der Klystierspritze eingespritzt u. s. w. AVill man grosse Mengen von Flüssiglieiten einführen, dann lässt man die­selben unter constantem Druck langsam einfliesson, indem man ein mit einem Gummischlauch versehenes Rohr in das Rectum einführt, und in einen Trichter. der an dem anderen Ende des Gummischlauches sich befindet und in einer be­stimmten Höhe fixirt ist, die betreffende Flüssiglteitstnenge langsam eingiesst, wenn man nicht ein besonderes, mit einem Halm versehenes Wassergefäss, welches an die Slallwand angehängt und mit der zu infundirenden Flüssigkeit gefüllt wird, besitzt.
3. Die Application der Heilmittel auf die Mund- und Schlundschleimhaut. Die Application der Heilmittel auf die Mund- und Schlundschleim­haut findet nur bei örtlichen Leiden Anwendung und geschieht in Form des Bepinseins, Einstreuens, Einspritzens u. s. w.
II. Die Application der Medicamente auf die innere Ober­fläche des Respirationstractes. Die Respirationstherapic.
Allgemeines. Die innere Oberfläche des Athmungsapparats kann zur Heilmittclapplication zu örtlichen und zu allgemeinen Zwecken gewählt und die Heilmittel können im flüssigen, festen und im gas­förmigen Zustande angewandt werden.
Der örtlichen Behandlung ist der ganze Respirationsapparat zugänglich. In die oberen Luftwege können die Heilmittel eingepinselt, eingespritzt, eingeblasen werden u. s.w., in die unteren Luftwege können sie durch Einspritzung in die Trachea, oder durch den Inspirationsstrom, dem man gasförmige oder zerstäubte Medicamente beimengt, gelangen.
Zur Erzielung von Resorptionswirkungen kann kaum eine Schleimhaut geeigneter sein, als die Respirationsschleimhaut (namentlich in ihren Lungen­verzweigungen und in den Alveolen). Sie resorbirt rasch und prompt, sowohl Flüssiges, als Gasförmiges. Das Resorbirte gelangt direct in das linke Herz und von da in den grossen Kreislauf. Wahrend bei der Resorption vom Darm die Leber und die Lunge, und bei Resorption von der Haut die Lunge (das heisst der kleine Kreislauf) vorher passirt werden muss, ehe die Medicamente zu den übrigen Organen des Körpers gelangen können, fällt dies bei der Anwendung von der ßronchial-schleimhaut weg.
Leider hat die Anwendung von Heilmitteln auf die Respirationsschleimhaut den Kachtheil, dass sie wegen der grossen Reizbarkeit der letzteren häufig mit den oft nachlheiligen Reflexbewegungen, die man Husten und Niesen nennt, beantwortet werden.
I. Die Application von Hellmitteln auf die Nasen- und Rachenhöhlensohleimhaut.
Die Application von Heilmitteln auf die Nasen- und Rachenhöhlen-schleimhaut findet nur bei Behandlung örtlicher Leiden statt. Die Resorptionsfläche ist zu klein, um zur Erzielung von Allgemeinwirkungcn geeignet zu erscheinen. Immerhin könnte sie im Nothfall auch dazu benutzt
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werden. Die Anwendung der Heilmittel geschieht durch Einstreichen, Bepinseln, Einspritzen, Ein blasen und mit dem Inspirationsstrora auf dem Wege der Inhalation. Ganz besonders zu erwähnen ist das so­genannte Bestreuen oder Einstäuben. Man benutzt dazu einen be­sonderen Apparat, den Pulverisateur, der die betreffenden Mittel zerstäubt auf die betreffenden Stellen bläst und demnach diese mit dem Mittel bestreut. Früher benutzte man zu solchen Einstreuungen (z. B. von Kohlenpulver) auch Thonpfeifen und dergleichen primitive Apparate.
2. Die Trachealinjection.
Man versteht darunter das Einspritzen von flüssigen Arzneimitteln in den Tracheairaura. Die eingespritzten Medicamente fliessen an den Trachealwänden herab, gelangen in die Bronchien und in die Alveolen und können örtliche und in Folge rascher Resorption auch gewaltige Allgemein Wirkungen hervorrufen.
A priori sollte man annehmen, dass die in die Trachea gespritzten Flüssig­keiten unangenehme, ja gefährliche örtliche Wirkungen (Bronchitiden, Pneumonien) zur Folge haben müssten. Dem ist aber nicht so. Gohier war es, der zuerst con-statirte, dass die Pferde das Einspritzen ziemlich grosser Flüssigkeitsmengen in die Trachea ohne NacMheü ertragen. Delafond hat dann genauere Untersuchungen über den Gegenstand angestellt, und auch Lelong und Perosino haben die Trachealinjection zu therapeutischen Zwecken vorübergehend verwendet. Eine me­thodische Anwendung dieser Art der Arzneiapplication ist aber erst durch Levi versucht worden. (Levi, Manuel pratique des injections tracheales dans le cheval. Pise 1883.)
Levi hat die wichtigsten Arzneimittel bezüglich ihrer Wirkung bei trachealer Injection geprüft und die Methode bei vielen Krankheiten sowohl der Respirations­ais anderer Organe und bei Allgemeinkrankheiten mit grossem Erfolge angewandt.
Resorptionsfähigkeit der Respirationsschleimhaut. Die Resorptions­fähigkeit der Schleimhaut der Trachea, der Bronchien und der Alveolarllächen ist eine sehr bedeutende. Die in Betracht kommende Oberlläche ist von einer kolossalen Ausdehnung, das sie bedeckende Epithel ist sehr dünn, die Haut ist sehr reich an oberflächlich liegenden Capillaren und Lymphgefässen, dieAlveolen sind mitStomata von Lymphgefässen versehen, also gewissermassen selbst Lymphräume. Dazu kommt noch, dass die Respirationsbewegungen die Resorption durch saugende Wirkungen, durch Förderung des Lymph- und Venenstroms ungemein unterstützen. Diese Umstände erklären das lebhafte Resorptionsvermögen der respiratorischen Oberfläche (Grohier, Goodwin, Segalas, Mayer, Colin). Flüssigkeiten, die literweise injicirt wurden, verschwanden ungemein rasch. Terpenthinöl, Essig, Alkohol, Nux vomica, Blausäure, die verschiedensten Salze sind rasch im Blute nachweisbar und entfalten rasch ihre Wirkungen. Sogar fettige und ölige Stoffe sollen hier resorbirt werden (Levi). Der raschen Resorption folgt ein rascher Transport des Resorbirten durch den grossen Kreislauf, wie oben dargethan. Die
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Traohealinjection dor Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;287
Resorptionswirkungen der Heilmittel müssen bei der Application auf die respirato-rische Schleimhaut schneller als bei jeder anderen Applicationsmethode eintreten.
Vortheile der Methode. Die Methode ist leicht ausführbar und gefahrlos. Die Wirkungen der Heilmittel erfolgen sehr rasch, sicher und prompt. Die Dosis braucht nur eine sehr kleine zu sein. Man erspart also Zeit und Geld. Anzuwenden sind der Regel nach mir solche Medicaraente, die in kleiner Dosis schon bedeutend wirken, also z. B. Alkaloide, dann auch Infusionen, Extracte, Tincturen, Decocte. Salzlösungen wird man seltener anwenden. Wohl aber sind die flüchtig wirkenden Medicamente zu dieser Anwendung zu empfehlen.
Ausführung der Injectionen. Sie erfordert keine besondere Ge­schicklichkeit und ist ungefährlich. Man bedient sich zu den Injec­tionen kleiner, mit einem Stilet zum Einstechen und einer Hülse (wie am Troicart) versehenen Spritzen, wie sie zu den liypoderraatischen In­jectionen gebräuchlich sind. Es genügen in der Regel Instrumente von 5 Gr. Cubikinhalt, selten wird man solche von 30 Gr. Inhalt bedürfen. Will man ausnahmsweise grosse Mengen (300 — 600 Gramm) Flüssig­keit injiciren, dann muss man sich dazu eines besonderen Apparates bedienen. — Bei der Anwendung der Spritze lässt man den Kopf des Pferdes etwas strecken, fixirt mit der linken Hand die Trachea und stösst mit der rechten Hand welche die Spritze hält, das Stilet in die Trachea ein. Es ist gleichgültig, ob man rücksichtslos durchsticht, oder ob man erst die Haut durchbohrt und sich einen Zwischenraum zwischen 2 Ringen aufsucht und hier durchsticht. Natürlich muss man sich, ehe man injicirt überzeugen, dass man mit dem Ende der Hülse in der That in der Trachea ist. Man entfernt nun das Stilet, lässt die Hülse liegen und injicirt die betreffende Flüssigkeit. — Nach beendeter Injec­tion wird die Hülse entfernt. Dabei kann es vorkommen, dass die Injectionswunde mit der injicirlen Flüssigkeit verunreinigt wird, wodurch bei reizenden Medicamenten eine wenn auch unbedeutende Entzündung hervorgerufen werden kann. Um dies zu vermeiden, injicirt man vor dem Ausziehen der Hülse noch eine Spritze voll destillirtes Wasser. — Es ist selbstverständlich, dass für Reinhalten und eventuell Desinflciren der Spritzentheile zu sorgen ist. Bei der Injection ist nun noch auf Folgendes zu achten:
1) Man injicire in der Regel nur 5— 30 Gramm Flüssigkeit, auf ein Mal nur ausnahmsweise mehr. — 2) Man sorge dafür, dass eine reine Flüssigkeit, welche keine festen Partikclchen mehr enthält und neutral oder alkalisch oder höchstens schwach sauer reagirt, ver-
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Die Kunsthülfe.
wendet wird. — 3) Man wähle hauptsächlich energisch wirkende und einfache Medicamente (Alkaloide, dann auch Tincturen, Ex-tracte, Infusionen). Namentlich ist darauf zu achten, dass die Medi­camente nicht heftige örtliche Irritation veranlassen. So sind namentlich von unorganischen Salzen nur diejenigen, welche keine örtliche Wirkung haben, zu verwenden. — 4) Als Dosis wähle man den lö.—20. Theil der für den inneren Gebrauch fixirten Dosis und beobachte bei heftig wirkenden Mitteln noch besondere Vorsicht. — 5) Die Injections-stelle und die Zeit der Injection ist für gewöhnlich gleichgültig. Unter gewissen Verhältnissen ist aber auch in dieser Richtung Beschrän­kung geboten. Bei Dyspnoe, sebr frequenter Respiration etc. muss man entfernt vom Larynx nur sehr langsam injiciren, um unangenehmes Husten zu vermeiden. Will man aber mehr örtlich gegen den Larynx wirken, dann sticht man in der Nähe des Larynx ein, nachdem die Thiere vorher durch Bewegung u. s. w. aufgeregt wurden, und injicirt rasch. Die Expirationsluft schleudert dann die Medicamente nach oben.
Nachtheile der Methode. Unangenehme Folgen der Applicationsmethode sind selten. Die Schleimhaut ist meist sehr tolerant. Ausnahmsweise kommen allerdings Pferde mit sehr empfindlicher Schleimhaut vor, die nach der Injection sehr unruhig werden. Bei Stoffen, die reizende Dämpfe entwickeln, kann durch Aufsteigen dieser Dämpfe gegen den Larynx heftiges Husten entstehen.
Wirkung der Heilmittel. Diese richtet sich nach der pharmakologischen Wirkung der angewendeten Mittel. Als Specialwirkung ist nur eine besondere Ein­wirkung auf die Zahl der Athemzüge und die Raschheit und Heftigkeit der ein­tretenden Wirkung zu erwähnen und besonders zu betonen, dass tracheal injicirte Purgantien keine Wirkung entfalten. Auf das Athmen wirken die trachealen In-jeotionen derart, dass nach jeder Injection zunächst 10 Minuten lang die Respiration beschleunigt wird, worauf ein eine Stunde lang andauerndes Stadium folgt, in welchem die Respiration verlangsamt erscheint. Bei normalem Athmen sah Lovi eine Verlaugsamung von 4—6, bei krankhaft beschleunigtem sogar eine solche von 10—15 pro Minute eintreten.
Die Heilmittel. Von den speciell für die Verwendung auf dem Wege der Trachealinjection zu empfehlenden Medicamenten seien genannt: Die Carbolsäure (1 : 50 Alkohol und 50 Aqua; davon 10 — 30 Gramm für jede Injection), Tannin (1 : 5 Jod : 25 Glycerin : 25 Wrasser; davon 5—10 Gr. pro dosi), Alkohol (10—30 Gr. pro dosi), Extr. beilad. (5—50 Cgr.), Atropin. sulf. (5 Mgr. bis 3 Cgr.), Chloral (0.50—10.0). Chloroform (2: 20Gr. Alkohol : SOGr.Aqua). Aoonittinctur (5—lOGr.), Digitalistinctur (5—20 Gr.), Aether (80 Gr. zum Anästhesiron). Eserin. sulf. (0,01), Jod (Jod 2,0, Kalium jodat. 10,0, Aq. dest 100.0: davon 2 Gr. pro dosi mit all-mäliger Steigerung bis 20 Gr.): Sublimat (1 : 10O) 0.03, Tinct. opii (1 — 5.0), Chinin, muriat, (0,10—0.50), Strychnin sulfur. (0 02—0,06). 01. terebinth. (5 bis 15 Gr. mit gleichen Theilen 01. olivar.).
Indicationen. Die Trachealinjection ist sowohl bei Krankheiten des Respi­rationsapparats, als anderen Erkrankungen indicirt. Levi hat dieselben verwendet
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[nhalationsmethoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 289
bei Rotz, verdächtiger Druse, bei chronischer und acuter und Wurm-Bronchitis, bei Lungengangrän, bei Typhus u. s. w.
3. Die Inhalationsmethoden.
Man verstellt darunter die mit Benutzung des Inspirationsstromes erfolgende Application von gas- oder dampfförmigen oder von zu feinem Staub zerschlagenen Heilmitteln auf die Schleimhaut des Respirations­apparates.
Diese Methoden stellen den wesentlichsten Theil der Respirationstherapie dar und nehmen in der Menschenheilkunde seit neuerer Zeit eine sehr wichtige Stelle unter den therapeutischen Methoden ein, so dass auch die Literatur über diesen Gegenstand bereits sehr reichhaltig ist (wir nennen besonders das uns als Leitfaden dienende Werk: M. .1. Oertel, lieber respiratorische Therapie, Leipzig- 1882). — Schon zu den frühesten Zeiten sind Versuche mit der Inhalationstherapie gemacht worden, ohne dass man aber besondere Erfolge erzielte. Erst in der jüngsten Zeit, in der wir viele neue Mittel (Desinlicientia, Anaesthetica u. s. w.) und vor Allem die pneumatischen Methoden (das heisst die Anwendung des erhöhten und ver­minderten Luftdrucks auf die Respirationsschleimhaut) und die Möglichkeit, auch Flüssigkeiten (durch Zerstäuben) zu Inhalationen benutzbar zu machen, kennen lernten, hat man Erfolge bei Anwendung der Methoden der Respirationstherapie zu verzeichnen.
In der Thierheilkünde macht man von diesen Methoden noch wenig Ge­brauch, und werden dieselben zweifellos auch künftig wegen gewisser äusserer Verhältnisse, namontlich wegen des anatomischen Baues der Thiere und dergleichen nur in beschränktem Maasse Anwendung finden. Gegenwärtig scheinen jedoch diese Methoden von den Thierärzten mehr vernachlässigt zu werden, als es nach Lage der Sache wiinsohenswerth ist. Deshalb wird der Abhandlung dieser Methodik, um die Aufmerksamkeit der Veterinäre auf den Punkt hinzulenken, mehr Raum gewährt, als ihr eigentlich zukommt.
Zweck der Inhalationen. Wenn man Heilmittel mit dem Inspira­tionsstrome in den Athmungshohlraum einführt, so bezweckt man da­mit entweder eine directe Jüin Wirkung auf die Athmungsorgane, (um für die daselbst ablaufenden pathologischen Vorgänge im Sinne der Localtherapie günstige Heilbedingungeu zu setzen), oder die Re­sorption des Eingebrachten (um Wirkungen auf entferntere Organe oder den Gesammtorganismus zu erzielen).
In ersterer Beziehung ist es klar, dass emollirende und adstringirende Mittel auf die entzündliche Schleimhaut, alkalische Lösungen auf zähe, schleimige Massen und paretische Flimmerzellen, desinficirende Mittel beim Vorhandensein fauliger Massen, Styptica bei bestehenden Blutungen, verdichtete Luft und erhöhter Luft­druck bei mangelhaften Thoraxbewegungen u. s. w. eine günstige Wirkung haben müssen; während in letzterer Beziehung die schon bei der Trachealinjection be­sprochenen günstigen Resorptionsverhältnisse der respiratoiischen Schleimhaut hier nur zu erwähnen sind. Die Resorption findet ungemein rasch und massenhaft statt, so dass die Wirkung der Medicamente sehr stark und unter Umständen qualitativ
Ellenbär^er, Aligemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;]9
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anders sein wird, als bei den per os applicirten Medicamenten. Namentlich bei Herzkrankheiten und mycotischen Leiden wird man auf eine ausgiebige und sichere Wirkung rechnen können.
Vielfach gelangt bei den Inhalationsn mit dem Luftstrom ein so unbedeutender Theil der verwendeten Mittel in die Lungen, dass derselbe ungenügend erscheint, die beabsichtigte örtliche Wirkung zu entfalten. Man darf nun aber nicht vergessen, dass die Anwendung stets längere Zeit hindurch geschieht, und dass mit jedem Athemzuge ein kleiner Theil des Heilmittels eingeführt wird, so dass eine Summa­tion der Wirkung eintreten mnss. Auch ist zu berücksichtigen, dass ein Theil der an den Wänden des Larynx und der Trachea sich niederschlagenden Medicamonte in die Lunge hinabfliesst und so die Menge des mit dem Luftstrom Eingeführten vermehrt. Ausserdem aber ist wohl zu beachten, dass viele zum Inhaliren ver­wendeten Heilmittel dadurch günstig auf die Krankheit wirken, dass sie die ex-spirirte Luft und die Stallluft überhaupt desinliciren und desodoriren und dadurch den Thieren eine bessere Athmungsluft verschaffen.
1. Das Inhalirbare.
Gasförmige Stoffe gelangen mit dem Inspirationsstrome ohne Weiteres bis in die Lungcnalveolen, wenn sie nicht /u den irrespirablen, reizenden Gasen gehören und wenn sie die richtige Temperatur besitzen. Reizende, zu kalte und zu warme Gase und solche, die unter einem zu hohen Drucke stehen, können wegen Eintretens abweisender Akte (Husten, Niesen, Glottiskrampf) nur in Spuren in die Lungen eintreten.
Feste Körper können tief in die Rcspirationsorganc eindringen, wenn sie in so feine Partikelchen vertheilt sind, dass sie vom Luft­strome getragen werden, was schon die Thatsache beweist, dass in den Lungen fremde Körper, Staub- und Kohlentheilchen, die zufällig der Athmungsluft beimengt waren, angetroffen werden (Antbracosis pulmo-num). In die Lungcnalveolen gelangt von festen Körperchen immer nur ein kleiner Theil, weil eine bedeutende Menge derselben an den Wänden der oberen Theile des Respirationscanales hängen bleibt. Nur im feinst vertheilten Zustande können feste Körper zu Inhalationen benutzt werden. Leicht verwendbar sind die sublimirbaren Körper (Salmiak, Arsen, Quecksilber und dergleichen).
Flüssigkeiten können in Form von Dünsten, Dämpfen, Schwa­den und im fein zerstäubten Zustande inspirirt werden. Dünste und Dämpfe dringen verhältnissmassig leicht in die Lungen ein (z. B. die Aetherarten, die ätherischen Oele und dergleichen). Wasserdämpfe und sogenannte Scb waden können aber nur sehr selten in die tieferen Theile des Athmungsapparates gelangen. Der bei 100deg; entwickelte Wasserdampf ist zum Athmen zu heiss. Wird die Luft auf 35 — 40deg; abgekühlt, dann fällt ein grosser Theil als Wasser aus und nur der
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Das Inhalirbare.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;291
zur Sättigung bei der betreffenden Temperatur nothwendige Wasserge­halt der Luft gelangt zur Respiration. Wasserdampf ist also zum fn-halircn wenig geeignet. Die in einem besonderen Apparate zu äusserst feinen Tröpfchen (einem Nebelstaub [Spray]) zerstäubten Flüssig­keiten gelangen mit dem Inspirationsstrom nur zu einem kleinen Theile in die Lungen. Diejenigen Staubtheilchen, welche an die feuchten Wände des Respirationsapparates anschlagen, bleiben an diesen hängen. Dazu kommt aber noch, dass dadurch, dass die zerstäubten Flüssigkeiten beim Inhaliren in einen engen Raum (den Respirationsapparat) ein­treten, die Staubtheilchen an einander gedrängt und vielfach zum Ver­schmelzen zu kleinen Tropfen, die sich an den Wänden niederschlagen, verdichtet werden. An den engsten Stellen des Respirationsapparates muss sich der grösste Theil der Flüssigkeiten an den Wänden nieder­schlagen. Schon in der Nase bleibt ein bedeutender Theil der Flüssig­keiten hängen (das Inhaliren durch den Mund ist bei den Thieren nur selten ausführbar). Brian hat aber constatirt, dass immerhin beim Einathmen zerstäubter Flüssigkeiten durch die Nase die Medicamente im ganzen Athmimgsapparate gefunden werden. Ein Theil der Medi­camente mag wohl an den Wänden herablaufen und so nach innen ge­langen.
2. Die Methodik der Inhalationen. Bei Thieren weiden die Inhalationen entweder in der Weise aus­geführt, dass man die entsprechenden Mengen der zu inhalirenden Stoffe der Luft des Raumes, in welchem sieh die Thiere befinden, heimengt (so dass z. B. die gesammte Stallluft gleichmassig diesen Stoff trägt) oder in der Art, dass der zu athmende Stoff in einem kleinen Räume der zu inspirirenden Luft beigemengt wird. Bei den grossen Haus-thieren, die in Ställen leben, ist. die erstere Methode wenig (z. B. bei Chlordärapfen) gebräuchlich. Zur Ausführung der letzteren Methode steckt man den Thieren, z. B. einen mit dem betreffenden tlüchtigen Stoffe gefüllten Schwamm, in ein oder beide Nasenlöcher — eine nicht sehr empfehlenswerthe Applicationsmethode — oder man hält ihnen, was nur wenig gebräuchlich, eine weilhalsige Flasche, in welcher die Dämpfe (z. B. Chlordämpfe) entwickelt werden, vor, oder man stellt einen kleinen Luft- resp. Athraungsraum dadurch her, dass man den Thieren ein Tuch über den Kopf wirft, welches bis zur Erde, resp. der Stelle reicht, wo das zu Inhalirende entwickelt wird, oder dadurch, dass man am Kopfe der Thiere einen Sack, in welchem sich das zu Inhalirende be­findet, derart befestigt, dass der athmende Theil des Kopfes in dem
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Sacke steckt u. s. w. (dem Verhängen des Kopfes widersetzen sich manche Thiere). Nach der Inhalation müssen die Thiere am Kopf gründlich trocken gerieben und vor Zugluft geschützt werden.
Bei kleinen Hausthieren kann man von der erst genannten Methode in der Weise Gebrauch machen, dass man den Raum, in welchem dieselben leben, bis zu einem gewissen Grade abschliesst (z. B. durch Verhängen der Käfige der Vögel und Hunde mit Tüchern) und den zu inhalirenden Stoff in den Raum einführt oder darin entwickelt. Man kann auch in der Weise verfahren, dass man die kleinen Thiere auf den siebartigen Sitz eines Rohrstuhles setzt, den Stuhl mit einem Tuch verhängt und unter demselben den betreffenden Stoff entwickelt u. s. w. — Unter Umständen können auch Trachealwunden zum Inha-liren (z. ß. zerstäubter Flüssigkeiten) benutzt werden.
Die zu inhalirenden Stoffe müssen sich der Athmungsluft bei­mischen. Dies vermögen unverändert nur Gase. Flüssigkeiten und feste Körper sind demnach in den gasförmigen, dampfförmigen oder zerstäubten Zusiand überzuführen, um sie inhalirbar zu machen. Viele flüssige und feste Körper können durch einfaches Erhitzen verflüchtigt werden; andere müssen dagegen, wenn sie zu Inhalationen verwendet wer­den sollen vermittelst besonderer Apparate zerstäubt (in einen feineu Nebel verwandeil) werden. Dabei wird das Wasser meist als Träger der an­deren Stoffe benutzt. Das Wasser spielt überhaupt bei den Inhalationen die Hauptrolle. Sehr viele Körper werden, wenn sie zu Inhalationen benutzt werden sollen, entweder in Wasser gelöst, oder mit Wasser ge­kocht, oder mit demselben infundirt, oder kochendem resp. heissem verdampfendem Wasser, damit dieses Theile des Beigesetzten mit in die Höhe reisse, zugesetzt. Manche feste Körper kann man in der Weise zum Inhaliren verwenden, dass man sie trocken erhitzt, oder dass man sie auf heissc Backsteine oder heisse Eisenstücke und der­gleichen bringt.
Bei den gebräuchlichsten Inhalationen werden die Heilmittel in folgender Art behandelt:
Wasser wird zum Kochen erhitzt, so dass Dampf entweicht, der zum Ein-athmen geeignet ist; oder es werden in das Wasser glühende Eisenbolzen einge­taucht, um die Dampfentwickelung zu erzielen.
Aromatische Kräuter werden kochendem Wasser einfach zugesetzt; das ätherische Oel, resp. alle flüchtigen Bestandtheile entweichen und werden mit dem Inspirationsstrom inhalirt.
Narcotische und schleimige Stoffe werden unter Umständen ebenso wie die llüohtigen Stoffe applicirt.
Antiseptische und anticontagiöse Mittel, Carbolsäure, Theer etc. giesst man auf kochendes Wasser.
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Allgemeinwirkungen der Inhalationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;293
Gekochte heisse Gerste bringt man in einen Inhalationssack und lässt den Wasserdampf einathmen. Es bat diese Methode den Vorlheil vor der Anwendung einfacher quot;Wasserdiimpfe, dass die Gerste sich weniger rasch abkühlt, als ein­faches Wasser.
Essig und Holzessig benutzt man zu Inhalationen in der Art, dass man sie auf heisse Steine aufgiesst.
Chlordämpfe erzeugt man durch Uebergiessen von Chlorkalk mit Wasser oder Essig oder verdünnter Salzsäure, je nachdem man eine schwächere oder stärkere Entwickelang von Chlor beabsichtigt.
Theerdämpfe entwickelt man dadurch, dass man Theer auf eine heisse (I-!,')—45deg; C.) eiserne Schaufel bringt, oder dadurch, dass ein Theer enthallendes Gefäss in heissen Sand eingestellt wird, oder dadurch, dass man Theer auf kochendes Wasser bringt.
Joddämpfe erzeugt man wie Theerdämpfe, besonders durch Aufträufeln von Jodtinotur auf heisse eiserne Gegenstände. Letztere dürfen sowohl bei der Entwicke-lung der Theer- als der Joddämpfe nicht zu heiss sein, sonst wird die Entwickelung zu heftig, und die Dämpfe wirken reizend. Am besten erhitzt man die eisernen Schaufeln bis zur Rothglühhitze, lässt sie dann etwas abkühlen und kann sie nun verwenden.
Zu Terpenthinöl- und Carbolsäureinhalationen benutzt man eben­falls die zur Entwickelung von Theerdämpfen genannten Methoden.
Die Anwendung des Spray zu Inhalationen ist in neuerer Zeit in der Thier-heilkunde mehrfach versucht worden. Man hat ihn mit Erfolg namentlich bei kleinen, aber vereinzelt auch bei grossen Hausthieren angewendet (z. B. Carbol-säure bei Staupe der Hunde).
Die Dauer der Inhalationen richtet sich nach der Natur der zu inha-lirenden Stoffe. Wasserdampfinhalationen können eine Stunde und länger an­dauern; die Inhalationen von Jod-, Theer-, Chlor- etc. Dämpfen unterbricht man schon nach 10—15 Minuten. Schwache Theerdämpfe können Tage lang angewendet werden. Die anästhesirenden und narcotisirenden Mittel lässt man so lange inha-liren, bis der betreffende Zweck erreicht ist.
3. Die Wirkungsweise der Inhalationen im Allgemeinen.
Dieselbe ist vor allen Dingen abhängig von der Natur der ange­wandten Medicamente und zerfällt danach in die locale und allgemeine Wirkung. Neben dieser pharmacologischen Wirkungsweise ist aber noch der sogenannten speciellen Inhalationswirkung, welche die erstcre modificiren kann, zu gedenken. Man versteht darunter diejenige Wir­kung, welche durch die anatomische Einrichtung des Respira­tionsapparats, den Aggregatszustand, die Temperatur etc. der Me-dicamentc und die Art und Weise der Application bedingt wird.
Bei gasförmigen Mitteln, die ohne Apparat und ohne besondere Druckverhält­nisse zur Einathmung gelangen, kommt eine derartige Specialwirkung nicht in Betracht, wohl aber bei festen und flüssigen Stoffen. Erstere sammeln sich leicht an einzelnen Stellen an und wirken heftig local. Bei flüssigen Körpern kann die
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Kälte, die beim Zerstauben, und die Wärme, die beim Verdampfen in den Kespi-rationsapparat eindringt, die Temperatur, der Wasserdampfgehalt des Inhalirten etc. Specialwirkungen hervorrufen.
Die anatomische Einrichtung des Apparats, die Verengerungen und Erweite-terungen desselben bedingen quantitativ verschiedene Wirkungen an den ver­schiedenen Stellen. In der ^asen- und Kachenhöhlo und im Kehlkopf und zum Theil auch in der Trachea schlagt sich der grösste Theil des inhalirten nieder und berieselt die Schleimhaut. In die feineren Bronchien, namentlich aber in die Alveolen kommen nur sehr geringe Mengen des eingeathmeten Stoffes. An den erstgenannten Stellen wirkt also das Mittel am heftigsten, aber auch in den Alveolen kann dasselbe noch eine Wirkung entfalten. Denn wenn die Verdünnung, in der der StotT einwirkt, auch sehr bedeutend ist, so findet doch bei länger andauerndem Inhaliren die Einwirkung um so öfter statt und summirt sich. Dazu kommt noch, dass die innersten Thoile, die Alveolarmembranen etc. sehr sensibel sind.
Die Wirkungsweise zerstäubter Flüssigkeiten wird z. B. dadurch modificirt, ob die Inhalation langdauernd ununterbrochen stattlindet, ob sie unterbrochen wird, ob sie in einem feinen Anwehen besteht oder ein kräftiges Anprallen darstellt etc.
Die Temperatur des Inhalirten kann zwischen 5 und 40deg; wechseln. Kaltes Wasser wirkt bei entzündlichen Processen schmerzstillend, bei erethischen reizend, warmes Wasser befördert die Eiterung, die Abstossung von Exsudaten u. s. w. — Die Sättigung der Inspirationsluft mit Wasserdampf bewirkt, dass wenig oder gar kein dampfförmiges Wasser von den Gelassen der Lunge abgegeben werden kann, es entstellt eine Imbibition der Epithelien, zähe Massen werden verflüssigt, irri-tationszustände gemildert, Gefühle von Hitze und Trockenheit verschwinden.
Die Dämpfe gelangen meist tiefer in die Alveolen, als Flüssigkeiten, verbreiten sich gleichmässiger, bleiben nicht so reichlich oben hängen, verhalten sich also mehr als Gase. Die Dämpfe von Heilmitteln, die schon bei niederer Temperatur flüchtig werden (Aether, Chloroform u. s. w.), verhalten sich ganz und gar wie Gase. Bei ihnen kommt als modilicirendes Moment nur die rasche und massen­hafte Resorption in Betracht.
4. Die Mittel der Inhalationsmethoden.
In der Thierheilkunde werden bis jetzt nur wenig Mitte! zu Inha­lationen verwendet. jSTachstehend sollen aber nicht nur diese be­sprochen, sondern es soll, um zu weiteren Versuchen anzuregen, eine kurze Darstellung der verwendbaren und in der Menschenheilleunde ver­wendeten Mittel gegeben werden.
1) Mechanische Einwirkungen. Man übt einen Druck auf die Ober­fläche des Athmungsapparates aus, oder wendet einen Zug auf dieselbe an und zwar dadurch, dass man den Luftdruck, der für gewöhnlich auf der Schleimhaut lastet, erhöht oder vermindert. Selbstverständlich kann damit erheblich auf diese, namentlich bezüglich ihres Flüssigkeits­gehaltes eingewirkt werden. — Eine Druckerhöhung erzielt man dadurch, dass man comprimirte Luft einathmen oder in dieselbe aus-athmen lässt. Im letzteren Falle ist es der erhöhte Widerstand, wel­chen die Exspirafionsluft trifft, welcher die Druckerhöhung bedingt. —
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Druckerniedrigung kommt zu Stande: beim Ausathmcn in verdünnte Luft, in Folge des geringeren Widerslandes, auf den die Exspirations-luft stösst, oder beim Einatlimcn von verdünnter Luft. Jm practischen Gebrauche ist nur das Einathmen comprimirter und das Ausathmcn in verdünnte Luft. Durch ersteres können z. B. vorher unwegsame Par­tien der Lungen wieder athmungsfähig gemacht werden, während letzte­res bedingt, dass dem kräftigen Ausathmen eine starke Inspiration folgt, welche einen Mehreintritt von Luft in die Lunge und eine Er­höhung des Stolfwechsels u. s. w. bedingt. Ausser der directen Wir­kung auf die Respirationsorgane haben die mechanischen Einwirkungen einen bedeutenden Einfiuss auf die Circulationsverhältmsse der Lungen und die chemischen Vorgänge im Körper. Bei Anwendung pneumati­scher Kammern kommt noch hinzu, dass die Druckänderungen das ganze Individuum betreffen, dass also auch der Druck auf den Thorax, die Haut etc. abgeändert wird.
2)nbsp; nbsp;Narcotlsche Mittel. Diese ^Mittel wirken örtlich bei fehlendem Kpilhel und fehlendem Schlcimbelag meist reizend, bei längerer Anwen­dung anästhesirend, allgemein setzen sie die gesteigerte Erregbarkeit sensibler und motorischer Nerven und die Reflexerregbarkeit der Norven-centra herab, wirken antispasmodisch, schmerzstillend und beruhigend, lindern den Husten und wirken deprimirend auf das Scnsorium bis zur vollständigen Betäubung.
Man wendet diese Mittel auch in der Thicrheilkundo häufig an, namentlich um Allgemeinwirkungen, z. B. eine allgemeine Anästhesie, zu erzielen, oder um auf Krankheiten anderer Organe einzuwirken (z. B. vor der Vornahme grösserer und schmerzhafter Operationen, beim Vor­handensein bedeutender Schmerzen, beim Tetanus). Die Narcotica sind ausserdem als Falliativa indicirt beim Vorhandensein von Symptomen, die auf solche Krankheiten der Respirationsorgane schlicssen lassen, welche mit excessiver Erregbarkeit motorischer oder sensibler Nerven verbunden sind (Reizhusten, Keuchhusten, Pleuritiden, Asthma). Die Mittel wirken dabei vielfach nicht auf den Krankheitsprocoss und die erkrankten Gcwebselemente ein, sondern sie halten die schädlichen Wirkungen der in Folge der erhöhten Reizbarkeit leicht eintretenden Reflexe fern und unterstützen so die Heilbestrebungen des Organismus durch Abhaltung von Heilungshindernissen und anderen Störungen. Man verbindet die Narcotica mit erweichenden Mitteln bei entzündlichen Pro-cessen der Respirationsschleimhaut, die mit erhöhter Reizbarkeit ver­bunden sind (schmerzhafte Katarrhe, Verwundungen, parenehymatöse Entzündungen), oder mit styptisch und adstringirend wirkenden .Mitteln, um deren schädliche Nebenwirkungen (Reflexe, Husten und dergleichen) zu mildern.
Die hierher gehörigen Mittel (Opium und seine Präparate, Extr. hyoseyami, Extr. conii mac, Aether, Chloroform, Stickstoffoxydul), können in Dampfform, in Form von Räucherungen oder zerstäubt angewendet werden.
3)nbsp; Die erweichenden, emollirenden Mittel. Die Anwendung dieser Mittel ist indicirt: bei erhöhter Reizbarkeit, bei entzündlichen Processen
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296nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
des Respirationsapparates (katarrlialischc, phlegraonösc, parenchymatöse und pseudomembranöse Entzündungen, Verwundungen, Aetzungen, Ver­brennungen , Ulcerationen), um eine Beruhigung des Processes und Schutz vor neuen Reizungen zu gewähren. Die Mittel wirken dabei durcli Contact und Ausbreitung auf der Schleimhaut, Eindringen in das Epithel und die pathologischen Auflagerungen; sie befeuchten die entzündete Schleimhaut — die sie unter Umständen auch kühlen —, lösen und verflüssigen den zähen Schleim und befördern seine Entfer­nung und bilden auf epithelfreien Stellen unter Umständen eine Decke. — Die in dieser quot;Weise eintretende Abnahme der Reizung der entzün­deten Gewebe hat eine Förderung der Heilung zur Folge. Diese wird noch dadurch erhöht, dass die erweichenden Mittel meist bei höherer Temperatur angewendet werden, welche eine energischere Zellbildung in der Schleimhaut und in Folge des Flotterwerdens der Saftströmung eine Abnahme der serösen Infiltration und eine Entlastung der Gewebe von Blut- und Piasmaanhäufung, bewirkt. Dadurch bilden sich die pathologischen Veränderungen zurück, die jungen Bildungszellen ersetzen den Substanzverlust u. s. w.
Die emollircnden Mittel sind: 1) feuchte Wärme (Wasserdampf, Wasserschwaden und unter Umständen pulverisirtes erwärmtes Wasser). Die Anwendung dieser Mittelt ist uralt. Schon Hippokrates, Celsus, Galen, waren Freunde dieser Behandlungsmethode. Bei kranken Thieren wird sie ganz allgemein von Laien und Thierärzten benutzt. Von den Laien wird allerdings das Wasser selten allein gebraucht. Sie setzen stets noch irgend Etwas hinzu. Vielfach sind diese Zusätze ganz werthlos, oder sie haben mir den Werth, die rasche Abkühlung zu verhindern. Unter Umständen können die Zusätze (z. B. von schlei­migen und öligen Mitteln. Glycerin) aber auch zweckmässig sein. 2) Schleimige Mittel in Form von Decoeten, Infusen oder Lösungen (Althaea, Malva, Verbascum, Gummi arabicum etc.). 3) Fette, Oele, Oelemulsionen (1—5 Oel, 1—2 Gummi arab., 100 Aqua). 4) Gly­cerin. Das warme Wasser ist stets das Hauptmittel und die warme Feuchtigkeit, oder die feuchte Wärme das quot;Wirksame.
Die Mittel sind con t raindicirt, wenn excessive Schleimabsonde­rung oder Eiterung mit beschränkter Expectoration und stenosirtem Lumen besteht. In diesen Fällen sind Expectorantia zu verwenden. Erst nach ihnen können einhüllende, erweichende und narcotische Mittel gebraucht werden. Bei starken Schmerzen verbindet mau die emol­lircnden mit narcotischen Mitteln.
4) Die lösenden Mittel. Mit ihrer Anwendung bezweckt man eine Lösung angesammelter Krankheitsproductc (zähen, eiterigen und zelligen Schleimes, fibrinöser Exsudate und Pseudoraembranen) behufs Entfer­nung derselben. Ihre Anwendung ist indicirt bei Trockenheit der Schleimhäute in den oberen Luftwegen, trockenem Reizhusten, bei faser­stoffigen Exsudaten, dickem massigen Caverneninhalt u. s. w. Die Lösung der Krankheitsproducte, deren feste Theile aus Mucin, Eiweiss, Fibrin und Fibrin-ähnlichen Massen bestehen, kann in verschiedener Art und Weise geschehen, 1) durch einfache Verdünnung des Secretes.
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Dieses wird dadurch weniger consistent, verliert seine zähe und klebrige Beschaffenheit, wird locker, weniger festsitzend und leichter fortschaflf-bar durch die Flimmerhaare und durch Hustenstösse etc. Mau erreicht diesen Zweck durch Zufuhr von Wasser — welches entweder von aussen zugeführt wird oder aus den Blutgefässen der Schleimhaut resp. aus den Drüsen kommt — zum Secrete. 2) durch Lösung oder Um­wandlung der geformten Bestandtheile der Absonderungsprodude durch die chemischen Eigenschaften der angewandten Mittel.
Die lösenden Mittel sind: 1) Wasser, welches in Form von feuchter Wärme etc. die Massen zu verdünnen geeignet ist, 2) Salze, welche die Schleimdrüsen zur Secretion dünnflüssiger Massen anregen, indem sie Hyperaemic der Schleimhaut und Reizung der motorischen Nerven bedingen und welche durch ihren Alkaligehalt Mucin verflüssigen und die Flimmerbewegung anregen; 3) Alkalien, welche Mucin lösen, Elterkörperchen und junge Bildungszellen und fibrinöse Massen zum Auf­quellen und zur Lösung bringen, 4) organische Säuren, welche ähn­lich wie Alkali auf fibrinöse Massen, Pseudomembranen einwirken, 5) Verdauungsflüssigkeiten und andere Stoffe, welche, wie diese wirken (Fapayotin). Speciell sind als lösende Mittel zu nennen: Koch­salz, Salmiak, Kalium, Natrium und Lithium carbonicum, Kalium chloricum, Kalium und Natrium nitricum et sulfuratum, Liquor ammonii caustici, Kalkwasser, Milchsäure, Fapayotin u. s. w.
5)nbsp; Die antiseptischen und antiputriden Mittel. Diese Mittel sind indicirt bei Zersetzungsvorgängen im Respirationsapparate, Bronchi-eetasien, Gavernen, Lungenbrand, fötider und putrider Bronchitis, Diph­therie, Geschwüren u. s. w.
Die Wirkung der Mittel richtet sich entweder gegen die Fäulniss-bacterien oder gegen den Krankheitsprocess. Im letzteren Falle soll durch Reizung eine sogenannte Umstimmung erzielt werden und wird hierüber ad 7 berichtet. In ersterer Beziehung vernichten die Mittel die Fäulniss- und Gährungserreger, durch Reduction oder Oxydation oder directe Ertödtung. Damit wird die Fäulniss aufgehoben oder in an­dere Vorgänge umgesetzt, der locale Krankheitsprocess gebessert, das Eindringen der Fäulnisselemente in die Säftemasse des Organismus ge­hindert, die die Entfernung der fremden Massen bezweckende reactive Thätigkeit des Organismus gehoben, das Eindringen von Fäulnissfer­menten in neue abgestorbene Massen und deren Zersetzung und die Entwickelung übelriechender Fäulnissgase verhindert.
Zu den antiseptisch wirkenden, zu Inhalationen gebräuchlichen Mitteln gehören: Chlor, Brom, Borsäure, Kali hvpermanganicum, Ben­zol, Thymol, Kreosot, Phenol, Benzoesäure, Salicylsäure, Eucalyptol, Jodoform, Sublimat.
6)nbsp; nbsp;An die Betrachtung der antiseptischen Inhalatorien .schlösse sich eigentlich die derjenigen Mittel an, welche speeifische Krankheitserreger vernichten (antizymofische, anticontagiöse, antimycotiscbe, antibacilläre Mittel). Leider wissen wir aber über die Anwcndungs- und Wirkungs­weise dieser Mittel fast noch nichts. Uns ist bekannt, dass die Dipli-theritis, dass die Tuberculose (Koch), der Rotz (W. Schütz und
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298nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Löt'fler) durch bestimmte Pilze hervorgerufen werden. Tödtung dieser besonders in den Geweben der Respirationsschleimhaut sitzenden Pilze, ist die Aufgabe der Therapie. Leider sind uns die Mittel noch nicht bekannt, mit denen wir z. B. auf dem Wege der Localtherapie, der Inhalation, Trachealinjection, der Bepinselungen und dergleichen, die beireffenden Pilze zu tödten vermöchten, ohne dem Wirth der Parasiten zu schaden.
7)nbsp; Die reizenden (sogenannten umstimmenden) und die nervenerre­genden Mittel. Die ersteren Mittel wirken reizend auf die Schleim­häute und bedingen zuerst Hyperacmie, erhöhte Wärme, vermehrte Transsudation und Exsudation auf und in die Gewebe, Erhöhung des Stoffwechsels und unter Umständen Kräftigung der Ernährung. Die Hyperämie geht mit flotter Durchspülung der Gewebe, wodurch Blut-und Plasmaanhäufung, die nach chronischer Entzündung oft vorhanden sind, durch moleculären Zerfall und Resorption entfernt werden, einher. Unter Umständen können dieselben Mittel auch Entzündungen ohne Secretionen und centrale Reflexe, Husten etc. hervorrufen und auch eine chemische Wirkung auf die Gewebsbestandtheilc und die Ausscheidungs-produete entfalten, die Umsetzungsprocesso modificiren oder aufheben und dadurch antiputrid und antiseptisch wirken.
Ihre Anwendung ist indicirt: bei chronischen Katarrhen mit tor-pidem Charakter, schlecht genährten, blutleeren Schleimhäuten, Blen-norrhöen, atonischen Geschwüren, Lungenbrand (zur Anregung der De­marcation und Abstossung), Parese und Paralysen der Kehlkopfsmuskcln, überhaupt Innervationsstörungen.
Die anzuwendenden Mittel sind: Pix liquida, Terpenthinöl und die Balsame (Perubalsam, Copaivabalsam und dergleichen).
Die nervenerregenden Mittel bewirken, wenn sie in richtiger Verdünnung angewandt werden, keine Hyperämie, sondern eine (peri-phere oder centrale) Erregung der Nerven.
Man zählt zu ihnen: Ammonium causticura, Aetherartcn, Camphor, Tinctura asae fötidae, 01. animale fötidum u. s. w.
Sie sind indicirt bei dyspnoischen und apnoischen Zuständen, Asphyxia, Ohnmächten, spasmodischen Zuständen in den Respirationsor­ganen. Zu diesen Medicamenten gehören auch die husten- und niesen­erregenden Mittel, die die Expectoration wesentlich vermitteln.
8)nbsp; Die kühlenden Mittel. Sie sind angezeigt bei den Leiden, die mit erhöhter Wärme einzelner Theile des Respirationsapparates ein­hergehen, bei Hyperämien, acut entzündlichen, fieberhaften Affectioncn, bei hoher Innentemperatur. Man verwendet als Mittel nur die kalte Luft und das zerstäubte kalte Wasser, letzteres natürlich nur bei Leiden in den oberen Bezirken. Die Mittel wirken vor allem durch Wärmeentziehung und setzen sowohl örtlich als allgemein die Temperatur herab. Letzteres wird erklärlich aus der enormen Grosse, der Ober­fläche des Athmungsapparates und der oberflächlichen Lage der Ca-pillaren. — Bei örtlichen Leiden kommt noch in Betracht, dass die Kälte durch Contraction der Blutgefässc antihyperämisch wirkt und die Transsudation und Secretion beschränkt und dass die kalte Luft
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ein geringeres Sättigungsvermögen für Wassorfiämpfo besitzt. Der letzte Umstand bewirkt, dass mit der Exspirationsluft wenig Wasser nach aussen gelangen kann, dass in Folge dessen die Schleimhäute feuchter bleiben, dass die Entzündung die Neigung zur Zertheilung bekommt und dass die Hitze und Trockenheit beseitigt wird. — Endlich ist noch zu erwähnen, dass die kalte Lult dichter und demnach an Sauerstoff reicher ist als warme, ein Moment, welches bei vielen Krankheiten, Pneumonion und dergleichen sehr wohl in Anschlag zu bringen ist.
9) Die adstringirenden, styptischen und caustischen Mittel. Diese sind in der Thierlieilkunde noch wenig inhalatorisch angewendet worden. Sie sind indicirt, 1) bei acuten und chronischen Katarrhen der Schleim­haut der Luftwege (Hyperämie, Schwellung, Transsudation, Auflocke­rung, seröse und zellige Infiltration), wenn die neurotischen Erscheinun­gen (gesteigerte Reizbarkeit, heftiger Husten etc.) fehlen, 2) bei Blu­tungen auf die Oberfläche der Schleimhäute und Zugänglichkeit der blutenden Gefässe.
Die locale Wirkung der Mittel besteht in Wasserentziehung, Aus­trocknung, Verbindung mit den Albuminalen zu unlöslichen Körpern und Gerinnselbildung und erstreckt sich auf die Epithelien und zelligen Gebilde der Oberfläche, auf die Mucosa und Sübmucosa. Sie betrifft vor allem alle Eiwcisskörper, dann die bindegewebigen, elastischen und musculösen Elemente der Schleimhaut, ihre Capillaren, Saftkanäle, ßlut-und Lymphgefässe, ihre secretorischen Organe und Nerven, die Ge-websflüssigkeiten und das Blut. Der Effect der Wirkung bei den genannten Krankheiten besteht in Zerstörung der gelockerten und ge­schwellten Epithelien und hinfälligen jungen Zellen, Minderung der Flüssigkeiten im Gewebe, Zusammenhang und Volumsverkleinerung der geschwollenen Theilc, Abnahme der Secretion und Transsudation und (wegen der Contraction der Gefässwände) der Emigration der Wander­zellen.
Die Volumsverkleinerung aller Gewebstheile ist theilweise die directo Folge der Wasserentziehung, theilweise die Folge der activen, durch 'Nervenreizung her­vorgerufenen Contraction. Die Reizung dor Nerven wird durch die Wasserentziehung und durch mechanischen Druck der Gewebe bedingt. Wir finden also nach An­wendung der Mittel: Abschwellung der erkrankten Schleimhäute und Minderung der Flüssigkeiten auf denselben.
Sind Blutungen vorhanden und kommen die Stoffe in directe Berührung mit den blutenden Stellen und dem Blute, dann veranlassen sie directe Blutgerinnung und durch Reizung des blutenden Gefässcs, Contraction desselben und Unterstützung der Thrombenbildung. Bei Blutungen müssen die Mittel concentrirt und längere Zeit angewandt werden.
Durch die Einwirkung der Mittel auf belebte Einweisskörper (l'ro-toplasmen) verlieren diese ihre Vitalität; das Leben und damit die Wirksamkeit (Fermentation, Krankheitserregung) der beeinflussten Ba-cillen, erlischt. Es kommt also eine antiseptischc und antiputride Wirkung zu Stande.
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Die Wirkung dieser Medicamente ist trotz gleicher Wirkungsweise sehr ver­schieden nach der Concentration, in der sie zur Anwendung kommen. In starker Concentration würden sie die Schleimhäute vollständig gerben: bei mittlerer Con­centration wirken sie wie angegeben; bei schwacher Concentration wirken sie reizend auf das Gewebe und die vasomotorischen Nerven und bedingen Hyperämie, Trans-sudalion, beschleunigte Saftströmuug. wie dies bei chronischen l'rocessen behufs Durchtränkung und Umspülung alter Entzündungsproducte, um sie beweglich und rcsorbirbar zu machen, vortheilhaft ist (siehe ad 7).
Die hierher gehörigen Mittel sind: Acidum tannicum, Alumcn crudura et depuratam, Ferrum sesquichloratura, Argentuna nitricura. Plumbum aceticum, Zincum, Cuprum und Ferrum sulfuricum und ähnliche.
10)nbsp; nbsp;Bezüglich der Verwendung von Gasen zu Inhalationen (Stick­stoff und Schwefelwasserstoff) sind bis jetzt keine günstigen Erfolge zu verzeichnen.
11)nbsp; nbsp;in der Menschenheilkunde sind auch vielfach Mineralwässer und constitutionell wirkende Mittel, wie Jod, Sublimat, Arsenik, verwendet worden. Erstere sind jedenfalls überflüssig, da man besser ihre wirksamen Bestandtheile anwendet. Die letzteren könnten in der Thierheilkunde wohl Anwendung beim Rotz finden. Es dürften sich aber hierzu die Trachealinjectionen mehr empfehlen, als die Inhalationen.
III. Die Application auf andere zugängliche Schleimhäute.
Alle von aussei! zugänglichen Schleimhautpartien werden zur Arznei-application benutzt, wenn Localleiden, die auf dem Wege der Local-therapie zu behandeln sind, vorliegen.
Zur Erzielung von entfernten und Resorptionswirkungen wird man ausser den ad I und II genannten nur selten eine andere Schleimhaut benutzen. Letztere bieten oft nur eine kleine Fläche zur Application dar (wie die Conjunctiva), so dass nur heftige Gifte von hier aus bedeutende Allgemeinwirkungcn entfalten können, und sind zur Resorption wenig günstig eingerichtet (wie die Mundschleim­haut), oder sind sehr reizbar (wie die Nasenschleirahaut, so dass durch Niesen und Prusten die Medicamente theilweise wieder heraus­geschleudert werden) u. s. w.
Die Urogenitalschleimhaut wird bei den männlichen Thieren nur und allein zur Arzneiapplication bei örtlichen Leiden benutzt. Die Harnröhrenschleim-haut und die llarnblasenmucosa sind wenig geeignet zu Applicationen zu anderen als örtlichen Zwecken. (Eiweisskörper in der Harnblase, Blutgerinnsel und der­gleichen kann man durch Einspritzung verdauender Mittel auflösen; anderer fremder Inhalt wird durch Ausspülen entfernt u. s. w.) Die Schleimhaut der weiblichen Genitalien könnte benutzt werden, um entferntere Zwecke zu erreichen, weil sie eine grössere Oberfläche darbietet und nachgewiesenermassen ganz gut resorbirt. (Hamburger bewies, dass die Vaginalschlcimhaut Jodkalium, Salicylsäure, Carbol-säure, Chlorlithium, Rhodankalium, Ferro- und Ferridcyankalium und Bromkalium
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Heilmittelapplication auf seröse Häute.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;801
gut resorbirt, während sie sich Eisenmilteln gegenüber zweifelhaft verhielt.) Man wendet aber trotzdem diese Applicationsart von Medicamenten aus nahe liegenden Gründen in der Regel nur zu örtlichen Zwecken an.
Die Haut des äusseren Gehörgangs wird nur zur Behandlung örtlicher Leiden als Applicationsort der Heilmittel benutzt.
IV. Die Application auf seröse und synoviale Häute und sonstige kranke Gewebe.
Virchow sagt mit Recht: „Das Princip der Loealbehandlung ist in der Therapie allgemein zur Herrschaft gelangt. Die Loealbehandlung ist die Signatur der neueren Therapie. Da jede Krankheit durch Er­kranken von Zellgruppen zu Stande kommt, müssen auch Zellgruppen behandelt werden.quot; Dies ist um so leichter möglich, als jede Arznoi-wirkung in Folge der Beziehungen, welche zwischen gewissen Stoffen (Mitteln) und gewissen Theilen des Körpers bestehen, local ist, selbst wenn sich das Arzneimittel im ganzen Körper verbreitet. Die Loeal­behandlung kann also sehr wohl auch durch solche Mittel geschehen, welche resorbirt werden und also indirect vom Blute aus wirken. Da aber, wo es möglich ist, muss der Arzt das oder die Mittel direct an die­jenigen Stellen hinbringen, welche beeinflusst, behandelt werden sollen; der Arzt muss stets versuchen, eine directe Applicationswirkung herbei­zuführen, weil er diese besser in der Hand hat, besser dirigiren und corrigiren kann, als die indirecte Loealbehandlung. Demgemäss werden Heilmittel auf Wunden der äusseren Haut und der Schleim­häute und auf kranke Gewebe und Häute, die zufällig zugänglich sind oder künstlich zugänglich gemacht werden können, applicirt.
Beispiele. Bei Erkrankungen der Stirnhöhlen der Rinder trepanirt man ent­weder oder man siigt die Hörner ab und applicirt die Mittel direct; bei Erkranliimgen der Auskleidung der Oberkieferhöhlen wird trepanirt: auf erkrankte Synovialhäute bringt man die Medicamente direct durch Einstechen in die Gelenke und Sehnen­scheiden; Abscesse öffnet man mit dem Messer und behandelt die Geschwürsfläche direct; die Pleurasäcke, der Peritoneal- und Pericardialsack werden unter Um-stämlen behufs Behandlung troiearirt: beim Menschen werden in die Eustachischen Tuben und in die Rachenhöhle die Medicamente direct eingebracht u. s. w.
Als Applicationsinstrument kommt bei diesen Anwendungsarten der Heilmittel ganz besonders der Troicart in verschiedener Form und Grosse in Betracht (bei Uelenlvleiden, Leiden der grossen Körperhöhlen, bei Abscessen, Leiden in der Schiidelhölile mit Verdünnung resp. Erweichung der Schädeldecke etc.). Das Stilet dient zum Einstechen, die Hülse zum Einführen (Infundiren etc.) der Mittel. Auch bei Leiden des Magendarnicanals wird der Troicart manchmal verwendet, um lleilinillel in den üarmtractus (in die Vormagen des Rindes, den Dickdarm des Pferdes) direct einzubringen, Ja sogar um Ausspülungen der betreffenden Abschnitte vorzunehmen.
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302nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
V. Application von Heilmitteln direct in das Blut.
Da das Blut selbst ein wichtiges Heilmittel ist, so wäre eigentlich hier auch die Zuführung von Blut und Blutserum in die Blutgefasse kranker Tliicrc, die sogenannte Transfusion zu besprechen. Wir erle­digen aber diese Methode im Zusammenhange mit den die Blutbc-schaffenheit und Circulation beeinflussenden Methoden überhaupt und besprechen hier nur das Einführen von anderen Heilmitteln (Milch, Se­rum) und specicll von Medicamenten in das Blut: die Infusion im engeren Sinne. Die Methode wird, weil sie gefährlich und umständlich ist, nur selten und zwar dann angewendet, wenn eine Vitalindication vorliegt und wenn eine sehr heftige Wirkung nothwendig ist, nament­lich bei starkem Torpor, wenn der Zugang zum Magen unmöglich und wenn aus irgend welchen Gründen die subeutane Methode und die Trachealinjection verboten ist.
Eine grosse Zahl von Medicamenten kann zu dieser Applicationsmethode nicht benutzt werden, weil sie chemische Verbindungen mit den Blutbestandtheilen ein­gehen und dadurch gefährliche Nebenwirkungen (z. B. durch Eintritt von Ge­rinnungen) hervorrufen.
Die in das Blut direct injicirten Medicamente wirken ausserordentlich rasch und ganz besonders heftig und haben leicht eine heftige, gefahrdrohende Wirkung auf das Herz, grosse Aufregung, Schüttelfrost u. s. w. zur Folge, und kann die intravenöse Arzneiapplication überhaupt leicht nachtheilige Folgen haben. Einmal ist die Wirkung der Mittel schwer zu bemessen, also die Dosis schwer festzustellen: dann kann durch Eindringen von Luft in die Vene, was bei der Infusion leicht eintritt, dem Thiere Nachtheil bereitet werden; endlich folgen der Infusion leicht Venenentzündungen. Thrombosirungen etc. Die Methode ist als eine für die Objeete gefährliche zu bezeichnen und deshalb nur in Nothfällen zu verwenden. Bezüglich der Ausführung derselben ist zu bemerken, dass die Medicamente in destillirtem Wasser vollständig gelöst und frei von Beimengungen sein müssen; dass die zu injicirende Flüssigkeit Mö—40deg; warm und frei von chemischen Aflinitätsn zu Blut­bestandtheilen sein muss, und dass die Dosis nur '/.,— {/3 der gewöhnlichen Dosis betragen darf.
Die Infusion geschieht nach den in der Operationslehre zu besprechenden Grundsätzen. Am besten wird sie wie folgt ausgeführt: Man füllt eine entsprechend grosso, mit Canüle versehene Spritze, die genau wie die Pravaz'sche construirt ist, mit der Arzneilösung bis zur Spitze der Nadel, wobei man darauf achtet, dass die Flüssigkeit keine Luftblasen enthält. Nun unterdrückt man die Vena jugularis am Halse, bis sie strotzend mit Blut gefüllt ist, und stösst mit einem Kuck die Nadel der Spritze bis in das Lumen der Vena ein und injicirt dann langsam die Flüssigkeit durch Nachschieben des Stempels. Man kann auf diese Weise be­deutende Quantitäten ohne Nachtheil injiciren. So habe ich mohrfach bis 250 Gnu. einer Chlorallösung eingespritzt. H. Möller hat vielfach derartige Infusionen vor­genommen und die genannte Methode der Infusion zuerst beschrieben.
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Heilmittelapplication auf die äusscre Haut.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;303
VI. Die Application der Heilmittel auf die äussere Haut.*)
Allgemeines. Da die Anwendung der Heilmittel auf und in die Haut leicht und bequem ausführbar und da die Wirkungsweise der so angewandten Mittel meist leicht zu übersehen, leicht corrigir- und diri-girbar ist, so wird die Haut auch als Applicationsorgan für jede Art von Heilmitteln (für mechanische, physikalische und chemische Mittel) oft benutzt. Die Heilmittel werden dabei entweder auf die unverletzte oder auf die von der Epidermis enblösste Haut gebracht, oder sie werden in die Cutis oder in die Subcutis eingeführt und unterscheidet man danach verschiedene Applicationsmethoden. Man bezweckt mit diesen Methoden entweder die Erreichung örtlicher oder die entfernter und allgemeiner Wirkungen.
Die Haut als Applicationsorgan. Die äussere Haut ist für den Ablauf des tliierisohen Lebens, für die Regulation des Stoffwechsels, der Circulation, Re­spiration und Innentemperatur, der Se- und Exoretionen von ausserordentlicher Wichtigkeit. Sie ist in Folge ihrer Festiglieit, ihrer Elastioitüt, ihrer Verschieb­barkeit und dergleichen das direcle Schutzorgan für die unter ihr liegenden Theile; ihre Epidermis regulirt durch den Druck, den sie auf die Capillaren ausübt, die Säfteökonomie des Körpers, indem sie die zu bedeutende Säfteabgabe, wie sie in Form von Hautnässen bei fehlender Epidermis bemerkt wird, verhindert; sie steht in sympathischen (antagonistischen und consensuolien) Beziehungen zu vielen Organen und Norvencentren und unterhält überhaupt vielfache Beziehungen zum centralen Nervensystem: sie ist reich an Blut- und Lymphgefässen, Nerven und Musculatur und besitzt die Fähigkeit, rasch ihren Blutgehalt ändern und damit auf den Blutgehalt anderer Organe regulirend etc. wirken zu können.
Die Haut ist demnach, und zwar um so mehr, als sie den einwirkenden Medi­camenten eine grosso Oberfläche darzubieten vermag, vorzüglich als Applications­organ für Heilmittel geeignet und wird auch vielfach dazu benutzt. So wendet man auf dieselbe z. B. an: den Aetzstift. die Aetzpaste, Streupulver, Waschpulver, Seife, trockene Umschläge, Breiumschläge. Salben, Cerate, Pilaster, feuchte Umschläge, Tincturen, Irrigationen, Gasbäder, Dampfbäder, Fumigationen u. s. w.
A. Epiusrniatische Applicationsmethoden (Applicatio epidermatica).
Bei der Anwendung der Heilmittel auf die unverletzte, mit der Epidermis bedeckte Haut wird entweder die Resorption derselben und
*) Nachstehend sollen nur einige speciclle und besondere Applicationsmethoden abgehandelt werden. Die Behandlung localer Krankheiten der Haut und der direct darunter gelegenen Theile erfolgt nach den bei Besprechung der einzelnen (der anti-plilngistiselicn, antifebrilen etc.) Curraethoden vorzutragenden therapeutischen Grund­sätzen. Die Anwendung der Elektricltät, der Massage u. s. w., die Application der Heilmittel bei Erkrankungen des Hufes und der Klauen und dergleichen wird an anderer Stelle besprochen.
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304nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
die Resorptionswirkung bezweckt oder nicht. Im letzteren Falle will man blos eine örtliche oder auch eine entfernte reflectorische Wirkung erzielen.
I. Epidermatische Applicationsmethoden ohne bezweckte Resorptionswirkung.
Zu diesen Curmethoden gehören die hautreizenden und die Aetz-methoden. Bei beiden kann eine Resorption stattfinden, ja sie findet sogar häufig statt, aber sie ist nicht bezweckt. Sie veranlasst Nebenwirkungen, die unter Umständen sogar recht unerwünscht sind; nur in Ausnahmefällen ist die Resorption zur Unterstützung der beabsichtigten Wirkung gleichzeitig erwünscht.
a. Die hautreizenden Curmethoden. Der nächsle resp. locale Zweck dieser Methoden ist Reizung der Haut resp. der Hautnerven. Durch diese resp. ihre Folgen soll den Heilindicationen, die sich entweder auf Hautkrankheiten oder auf Er­krankungen innerer Organe beziehen, genügt werden.
Wirkung VOn Hautreizen. Zum Verständniss der Art und quot;Weise, wie die hautreizenden Mittel auf Kranldieitsprooesse günstig einwirken können, muss man ihre physiologische Wirkungsweise genau kennen und dabei die locale und die ent­fernte Wirkung der Hautreize wohl auseinander halten.
a. Die locale Wirkung (Applicationswirkung). Alle hautreizenden Mitlei veranlassen zunächst eine Hyperämie der Haut und dann entzündliche Prooesse derselben, die je nach der Natur des Mittels, der Daner der Anwendung, der Art und dem Orte der Application und der zufälligen BeschafFenheit der Applications-stelle verschieden sind. Bei kurzer Anwendung der Mittel entstehen nur sub­jective Gefühle, bei etwas längerer Einwirkung Hyperämie und Röthung (mit Schmerz, Brennen etc. verbunden), und bei langer Anwendung seröse, anfangs klare, später trübe Aussehwitzung. die anfangs an kleinen Stellen, bald aber massenhafi und verbreitet auftritt. Im letzteren Falle tritt Schwellung der Haut und in Folge des Ansammelns der exsudirten Flüssigkeit unter der dadurch empor gehobenen Epidermis die Bildung von erst kleineren und dann grösseren Blasen ein. Später platzen die Blasen, ihre Flüssigkeit trocknet zum Theil ein, und es bilden sich oft dicke Schorfe. Auf Hautstellen, die eine dünne Oberhaut haben und gefässreich sind, wirken die Mittel stärker und rascher ein, als auf andere Stellen; bei Einwirkung auf von der Epidermis entblösste Hautstellen entsteht Eiterung. Bei sehr heftiger Einwirkung und kräftiger Einreibung kann es auch bei anfangs intacter Epidermis zur Eiterung kommen. — Bei der Reizung der Hautschichten, welche die Mittel hervorrufen, erfolgt auch eine Erkrankung der den Haarbalg aus­kleidenden Epithelschicht, eine Exsudation in den Haarbalg und Ausfallen der Haare. Die Haarpapille bleibt aber in der Regel erhalten, so dass nach Ablauf des Processes eine Regeneration der ausgefallenen Haare eintreten kann und eintritt. Manche der hierher gehörigen Mittel bewirken kleine begrenzte Hautentzündungen, z. B. Entzündung der Hautdrüsen, resp. der Haarfollikel, und dadurch Pocken- und
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Locale Wirkung der Hautreize.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;305
Pustel bildung (Emetin, Crotonöl, Brechweinstein). Diese Mittel bewirken nicht selten eine Zerstörung der Haarpapille, so dass die ausfallenden Haare nicht wieder ersetzt werden können und haarlose Stellen zurückbleiben.
Bei schweren fieberhaften Krankheiten, schweren Entzündungen innerer Organe tritt manchmal von keinem dieser Mittel eine Wirkung ein. Es ist dies ein prognostisch wichtiges Zeichen, denn wenn bei Krankheilen das Reactionsvermögen des Organismus so gesunken ist. dass die Epispastica nicht mehr wirken, dann ist die Prognose eine durchaus ungünstige.
Nach den geschilderten örtlichen Wirkungen hat man die hautreizenden Mittel eingetheilt in Rubefaci entia, die nur eine Hyperämie, und Epispastica, welche eine wirkliche Hautentzündung mit ihren Ausgängen hervorrufen, und letztere wieder in Vesicantia, Pustulantia, Suppurantia. Jedes der M. epi­spastica kann als Rubefaciens gebraucht werden, wenn man es nur verdünnt und kurzdauernd anwendet. Die Concentration des Mittels, die Art und Weise der Ein­reibung und die Dauer der Anwendung entscheiden oft allein darüber, ob dasselbe Mittel als Rubefaciens, Vesicans oder Suppurans wirkt. Dagegen wird die Pustel­bildung durch ganz bestimmte Mittel hervorgerufen. Die Rubefacientia bewirken in der Regel auch nicht eine Hauthyperämie, sondern eine leichte, oberflächliche Entzündung. Demgemäss nennt man alle hautreizenden Mittel auch Epispastica, und die röthonden: Epispastica rubefacientia.
Die Wirkungsweise der hautreizenden Mittel ist uns mehr oder weniger unbekannt. Sie wirken theilweiso wohl durch Wasserentziehung, theilweise wohl auch durch directe Alteration der Gelasswände. — Zum Eintritt der Wirkung ist inniger Contact erforderlich. Deshalb müssen die Mittel meist tüchtig eingerieben werden. Dies muss besonders bei starker und verhornter Epidermis geschehen, damit die quot;Mittel hei der Einreibung bis in das Stratum mnoosum eindringen. Da bei den Thieren der Regel nach nicht nur eine stark verhornte Epidermis, sondern auch noch Haare vorhanden sind, so muss die Einreibung der — in stärkerer Con­centration anzuwendenden — Medicamente kräftiger als beim Menschen geschehen. Kur für wenige Hautreize sind die Thiere, namentlich die Pferde, reizbarer, als der Mensch (Terpenthinöl, faradischer Strom). — Das Abschneiden der Haare oder gar das Rasiren ist nur bei wenig Mitteln nothwendig. Bei der Einreibung-scharfer Salben trage man nach kräftigem Einreiben auf die dadurch hyperämisch gemachte Haut noch eine dünne Schicht der Salbe einfach auf und schütze die unter der eingeriebenen Stelle liegenden Theile vor der Wirkung des etwa Ilerab-lliessenden durch Bestreichen mit Fett, Wachs und dergleichen deckenden Stollen.
ß. Die entfernte Wirkung. Wie schon erwähnt, werden die hautreizenden Mittel therapeutisch häufig zu dem Zweck angewendet, um auf Krankheitsvorgänge, die in inneren Organen ablaufen, einen Einlluss auszuüben.
Früher glaubte man, dass durch die hautreizenden, Exsudation und Eiterung bedingenden Mittel die Materia peccans aus dem Körper herausgeschafft werde. Baunscheidt war sogar der Meinung, dass die sogenannten Krankheitsstoffo sich durch die bei der von ihm eingeführten hautreizenden Methode erzeugten Löcher der Haut verflüchtigten. Später sprach man von der Wirkung durch Gegenreiz, Blutableitung u. s. w.. ohne diese Anschauungen genügend wissenschaftlich be­gründen zu können. Dies hatte zur Folge, dass die Anwendung von Hautreizen bei inneren Krankheiten eine Zeit lang als unwissenschaftlich galt. Erst in der neuesten Zeit hat die hautreizende Methode die wissenschaftliche Basis erhalten. —
K 11 e u b e r yer, Mlgem^inf* Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; n/\
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306nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Das Verstandniss für die Wirkung der hautreizemlen Mittel auf innere Krankheiten ergiebt sich aus der Kenntniss der Wirkungen, welche Hautreize auf gesunde Thiere und deren Lehensvorgiinge ausüben. Die Haut ist, abgesehen von ihren Functionen als Schutz-, Athmungs- und Secretionsorgan, auch Sinnesorgan und dadurch Regulator für die Innenwiirme, die Circulation, die Respiration und die Stolfwechsel-vorgänge. Die normalen physiologischen Reize (Kälte, Wärme, Feuchtigkeit, Trockenheit u. s. w.) setzen die Hautnerven in die entsprechende Erregung. Diese wird dem nervösen Centialorgan mitgetheiit. damit dieses auf Grund der erhaltenen Meldungen die zweckentsprechenden Maassnahmen. die in Aenderungen der Wärnie-production, der Wärmeabgabe, der Schnelligkeit des Blutlaufs u. s. w. bestehen, treffen kann. Die Haut sichert den sich ändernden Einllüssen gegenüber den Or­ganismus, wie die Vorpostenkette und die Patrouillen eine Armee in Feindesland. Aus diesen physiologischen Thatsachen muss man folgern, dass künstliche Reize, welche die Hautnerven treffen, bedeutende Irritationen in den Central-organen und bestimmten Kerven und damit vielfache Aenderungen der Functionen der inneren Organe und Gewebe bedingen müssen. Diese theoretische Schluss-folgerung ist durch das Experiment als richtig nachgewiesen worden (Ludwig, Dubois, Schiff, Bezold, 0. Naumann, Rührig, Zuntz, lleidenhain, Paalzow, Pflüger u. A.).
Auf die Respiration wirken die Hautreize qualitativ ganz gleich ein, mögen sie stark oder schwach, ausgebreitet oder begrenzt sein. Sie haben stets eine Ver­langsamung und damit in der Regel auch eine Vertiefung der Athemzüge zur Folge.
Auf die Circulation wirken die Reize, je nachdem, ob sie stark oder schwach etc. sind, verschieden ein. Schwache Reize rufen eine Beschleunigung der Schlagfolge des Herzens hervor. Es entsteht Reizung der Vasomotoren der Haut, also Contraction der peripheren Gefiisse und dadurch erhöhter Blutdruck und gesteigerte llerzaction. Starke, lange andauernde und ausgebreitet wirkende Reize bewirken stets eine bedeutende Verlangsamung des Herzschlages. Theilweise erklärt sich dieser Effect daraus, dass bei länger dauernden und stärkeren Reizen die Musculatur der Haut resp. der Hautgefässe ermüdet und die contrahirten Hautgefässe deshalb erschlaffen, wodurch Abnahme des Blutdrucks und verminderte llerzaction entsteht. Hauptsächlich aber kommt die Vorlangsamung durch eine reflectorische Vaguswirkung zu Stande. (Beweis. Nach Durchschneidung des Nervus vagus tritt die verlangsamende Wirkung der Hautreize auf die Circulation gar nicht mehr oder in geringerem Grade als vorher ein.) Die durch Hautreizung verlangsamten Herzactionen scheinen aber an Kraft der Ausführung gewonnen zu haben.
Durch Hautreize wird aber nicht allein die Gesammtcirculation beeinllusst, sondern auch der Blutgehalt der einzelnen Organe im Speciellen. So zeigte Schäller, dass nach Anwendung grosser Sinapismen die Piagefässe sich nach vorübergehender Erschlaffung und Erweiterung verengern, dass diese Verengerung der Piagefässe längere Zeit anhält, und dass dabei Beschleunigung des Blutlaul's in den verengerten Gefässen besteht. Schulter findet die Ursache des geringeren Blutgehalts der Pia zum grossen Theil in der Depletion des Blutes. Mag diese Theorie oder diejenige, welche in reflectorischen Vorgängen den Schlüssel für die Erklärung sucht, die richtige sein, Thatsache ist die Verminderung des Blut­gehalts und die Verengerung der Piagefässe. — Zülzer hat dargethan, dass bei längere Zeit fortgesetzter Anwendung von Sinapismen auf die Haut der
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Entfernte Wirkung der Hautreize.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 307
Brustwand eine Anämie der darunter gelegenen Theile, der Muskeln, der Pleura, ja sogar des betreffenden Lungenflügels eintritt.
Die Innen wärme wird durch starke Hautreize herabgesetzt, durch schwache etwas erhöht. — Die Haut ist mit Temperatur (namentlich Kälte) empfindenden Nerven ausgestattet. Jeder diese Nerven treffende Reiz bedingt gesteigerte Tbiitig-keit des Wärme- resp. des excitocalorischen Centrums. Dazu kommt bei schwachen Hautreizen noch die verminderte Respiration und die Contraction der Bautgefässe, das heisst zwei die Wärmeabgabe herabsetzende Momente. Das Resultat muss noth-wendig eine Steigerung der Innenwärme sein. — Bei starken Hautreizen wird das excitocalorische Centrum in gleicher Weise wie bei schwachen Reizen erregt und die Wärmeabgabe durch die Lungen in Folge der herabgesetzten Ath-mung und der verlangsamten Circulation vermindert. In Folge dessen tritt eine Steigerung der Innenwärme ein. Diese geht aber sehr rasch vorüber, dann folgt ein Abfall der Temperatur. Letzterer ist dadurch bedingt, dass in Folge von Ermüdung und Lähmung der gereizten Hautnerven, resp. der Haut- und Gefäss-muskeln Hyperämie der Haut und dass durch Reizung des Schweisscentrums erhöhte Schweisssecretion eintritt. In Folge dessen steigt die AVärmeabgabe sehr bedeutend und die Innentemperatur sinkt. Gegen zu bedeutendes Sinken findet sich ein Gorrectiv in der besprochenen Vagusreizung, wodurch bewirkt wird, dass in der Zeiteinheit nicht zu viel Blut durch die Hautgefässe iliesst, dass also weniger Blut zur Abkühlung gelangt, als ohne dies geschehen würde, und dass die Erregung der Temperaturnerven durch die Hautreize das excitocalorische Centrum in Thätig-keit hält, wenn die Reizung nicht zu lange bestehen bleibt. Bei sehr anhaltender Reizung erlahmen die Nerven, die hyperämische Haut täuscht ihnen aussordem eine hohe Aussentemperatur vor, das W'ärmecentrum geräth in Ruhe und die Innen­temperatur sinkt enorm.
Auf den Stoffwechsel wirken Hautreize, namentlich rücksichtlich der Kohlensäureausfuhr erregend ein (Pettenkofer, Volt, Paalzow, Zuntz, Herzog Karl Theodor u. A.). Die Steigerung der Harnstoflausfuhr ist nicht constant. V. Hofmeister und ich beobachteten bei Pferden in Folge von Haut­reizen oft, aber nicht constant eine Steigerung der Harnstoffausfuhr.
Aus Vorstellendem ergiebt sich, dass schwache Hautreize eine Ver­engerung der peripheren Gefässe, gesteigerten Blutdruck, verlang­samte Athmung, erhöhte Innenwärme bedingen, während starke: Ver­langsamung des Kreislaufs und der Athmung, Sinken derTemperatur, Steigerung des Stoffwechsels und, anhaltend und ausgebreitet an­gewendet, Abnahme des Blutgehalts der inneren Organe bis zur Anämie und Schwund des Fettes hervorrufen. Hierzu kommt noch, dass plötzlich ange­wandte Hautreize reflectorische Inspirationsbewegungen hervorrufen, wodurch bei darniederliegender Athmung grosser Nutzen geschaffen werden kann.
Ausserdem haben die Hautreize noch Einfluss auf die Harnausscheidung, indem sie dieselbe in der Regel vermehren, und auf den Uterus, indem sie die Cteiusmusculatur reflectorisch reizen und Contractionen derselben bedingen. Ebenso wirken sie auf den Darmcanal, das heisst sie regen die peristaltischen Bewegungen an. Dagegen setzen sie nach Röhrig die Gallensecretion herab. Sodann be­wirken Reizungen der sensiblen Hautnerven eine Herabsetzung der Irritabilität der übrigen sensiblen Nerven. Ist diese Irritabilität in bestimmten Nerven erhöht, wie bei Neuralgien. Entzündungen u.s. w.. dann haben die Hautreize natürlich einen
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günstigen Einfluss auf die betreffende Krankheit. Die beschriebenen Reflex­wirkungen der Hautreize sind unabhängig von der Qualität der letzteren, sie treten in gleicher AVeise hei Anwendung von Sinapismen, Canthariden, elektrischen und thermischen Reizen ein. Entscheidend ist die Quantität der Reizung, das heisst die Stärke, die Dauer und die Ausbreitung derselben. — Zu den Rellex-wirkungen kommen nicht selten noch Resorptionswirkungen, z. B. des Senf­öls, dos Cantharidin u. s. w. hinzu. Diese pharmakologischen Wirkungen sind nebensächlicher Natur und meist nicht beabsichtigt.
Die Mittel der hautreizenden Curmethode (Epispastica). 1. Epispastica rubefacientia.
Wir verstehen darunter alle diejenigen Heilmittel, welche, auf die Haut angewendet, eine einfache schmerzhafte Hyperämie derselben (Erythem) resp. eine derartig oberflächliche entzündliche Affection her­vorrufen, dass es nur zu einer einfachen Abstossung der Oberhaut (stärkeren Abschuppung) kommt. Dabei fallen nicht selten auch Haare aus, die aber bald regenerirt werden. In dieser Weise wirken alle hautreizenden und selbst die ätzenden Mittel, wie z. B. Kalilauge, die anorganischen Säuren, die Essigsäure, wenn sie gehörig ver­dünnt angewendet werden. Eckte Rubefacientia sind: die ätherischen Oele, Spiritus, die empyreumatischen und balsamischen Harze, Oleum tcrebinthinae, Spiritus und Oleum sinapis, Tinctura thapsiae, Tinctura jodi u. s. w. Bei längerer und concentrirter Anwendung führen aber auch diese Mittel zur Blasenbildung und unter Umständen sogar zur Eiterung.
Die gewöhnlich angewendeten Mittel sind das Terpenthinöl, der Sal­miakgeist und das Senfül, welche sämmtlich flüchtig und stark erregend wirken. Man empfiehlt z. ß. als ein sehr gutes Reizmittel: 01. sinap. aether. 15 : Spir. dilut. oder 01. terebinth. 200 als Einreibung beider­seits in die Brustwand (bei Pleuritis, Dieckerhoff), nachdem die Haut vorher mit Spiritus angefeuchtet worden war. In der Menschenheilkunde werden die Brennncsseln = Urtication und einige scharfe Alkaloide (Veratrin, Aconitin etc.) häufig benutzt. Ausserdem müssen aber auch das heisse Wasser, die Hautfrictionen und der Faraday'sche Pinsel hierher gerechnet werden. Wasser, welches eine Temperatur von 50—GOquot; besitzt, wirkt ausgezeichnet als hautreizendes Mittel. Es wirkt schnell und kräftig. Auch durch Abreibungen der Haut mit Stroh und rauhen Gegenständen, durch scharfes Bürsten u. s. w. kann man Hauthyperämie hervorrufen. Dieses mechanische Heilmittel wird am besten als unterstützendes und vorbereitendes Mittel bei Anwendung der anderen Heilmittel benutzt.
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Mittel der liautroizenden Curmelhode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;309
Als eine hautreizende Methode sei auch noch das Baunscheidt'sche Ver­fahren erwähnt, welches darin besteht, dass mit Hülfe eines bestimmten Instru­ments viele Nadeln in die Haut eingestossen werden, und danach ein reizendes Mittel eingerieben wird. Man erreicht damit eine heftige und anhaltende Reizung und kann die Anwendung in grosser Ausdehnung geschehen. — Wie das Baun-scheidt'sche Verfahren, so kann auch die einfache Acupunctur in Anwendung gelangen. — Zu den hautreizenden Mitteln zählt ferner das Veratrin (das in Form von Salben, 1 : 16, oder Tincturen und wässeriger Lösungen Verwendung finden kann), schwache Lösungen von Sublimat, die Canth aridentinetuv, der Sinapismus (wenn er nicht zu lange liegen bleibt), der Campherspiritus und das Chrysarobin (Extract des Goapulver). Letzleres bildet den Uebergang zu den anderen Gruppen, da es leicht Hautentzündung macht. Bei seiner Anwendung ist Vorsicht geboten, weil es leicht resorbirt wird und dann Nierenreizung bedingt.—Als permanente hautröthende Mittel werden auch die Pechpflaster, Terpenthin-pflaster und das englische Emplastrum acre benutzt.
2. Epispastica vesicantia oder vesicatoria.
Jhrc Wirkung besteht in der Erregung einer supcrficiellen, der erysipelatösen ähnlichen Entzündung, resp. in entzündlicher Exsudation mit Blasenbildung auf der Haut, Anschwellung derselben und Schmerz­erregung. Je nach der Art des Mittels und der Anwendung ist die Hautanschwellung grosser oder kleiner und die Blasenbildung mehr oder weniger bedeutend, die Hautentzündung oberflächlicher oder tiefer, der später entstehende Schorf dicker oder dünner. Die Anwendung der Vesicantia bewirkt zwar Haarausfall, aber keine bleibenden haarlosen Stellen; es tritt im Gegentheil regelmässig Regeneration der Haare ein.
Die hierher gehörigen Mittel sind: 1) Die Cantharidensalbe. Dieselbe besteht wesentlich aus Canthariden und Fett (1 :4—8), wozu unter Umständen noch etwas Wachs als Constituens kommt. Die Con­centration der Salbe richtet sich nach der Dicke der Epidermis, der Empfindlichkeit etc. der Haut, in welche sie eingerieben werden soll, d. h. nach Umständen, die sowohl nach Thierart und Individualität, als auch nach der Localität, wo die Einreibung statthaben soll, ob an der Innen- oder Aussenfläche der Schenkel, ob am Unterbauche oder an den Brustseiten etc., verschieden sind. Bei sehr torpider Haut sucht man die Wirkung der Salbe durch Zusatz von Euphorbiumharz, von Terpenthinöl u. s. w. zu verstärken.
Die Einreibung geschieht derart, dass ein Theil der Salbe kräftig in die Haare eingerieben und dann der andere Theil einfach aufgestrichen wird. Unter Umständen wird die Anwendung nach 24 Stunden wiederholt. Eine zweimalige Wiederholung ist sehr selten nothwendig. Gegen die unangenehme Nebenwirkung der Cantharidensalbe, dass sie durch Abfliessen die unterhalb der eingeriebenen Stelle befindlichen Theile entzündet, schützt man die Thiere entweder dadurch.
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310nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
dass man täglich einige Male mit einem mit Seife bestrichenen feuchten Schwamm die gefährdeten Theile abwischen lässt, oder dadurch, dass man ein in Spiritus gelöstes Harz concentrirt mit einem Pinsel aufstreicht und troclmen lässt. Das Einschmieren mit Fett schützt meist nicht genügend.
Das englische Blister besteht aus Canthariden- und Euphorbiumpulver ana 2 Theile, Sublimat 1 Theil. Steiuöl 8 Theile und Wachssalbe 12 Theile.
2)nbsp; nbsp;Der Sinapismus, der aus frisch pulverisirtem schwarzen Senf­samen und lauwarmem Wasser hergestellt wird, ruft bei mehrmaliger Wiederholung und längerem Liegen Blasenbildung hervor. Er wirkt rasch und tief eingreifend. Der Brei wird auf entsprechend grosse Lappen aufgestrichen und damit auf die vorher frottirtc Hautstelle auf­gelegt und durch passende Binden, Pflaster, Deckengurten u. s. w. be­festigt. Oefteres Befeuchten ist nothwendig. Er bleibt, wenn man eine nachhaltige Wirkung beabsichtigt, mehrere Stunden liegen.
3)nbsp; nbsp;Sublimat in der Verdünnung von 1 : 6-8 mit Fett oder Spiritus wirkt tiefgreifender als die Sinapismen.
4)nbsp;Chloral wirkt, mit Gummi und etwas Glycerin angewendet, beim Menschen blasenziehend. Man verwendet z. B. 15 Grm. Chloral, 00 Grm. Campher, 10 Grm. Gummi und etwas Wasser, oder streut gepulvertes Chloral auf Pflaster u. s. w.
Die blasenziehende Wirkung kann auch erreicht werden durch Hitze, con-centrirte und längere Anwendung von Salmiakgeist, von Oleum sinapis arteficiale, durch Cardol, Mezereum, Euphorbium und Thapsia, Cantharidentinctur. kürzere Zeit angewandtes Grotonöl etc.
3. Epispastica pustulantia.
Sie bewirken keine gleichmässige, sondern begrenzte partielle Haut­entzündungen, die sich durch Pustelbildung (in Form der Blatterpusteln) zu erkennen geben. Wahrscheinlich werden durch diese Mittel die Hautdrüsen und die Haarfollikel speeiell ergriffen. Bei starker Wirkung werden die oberflächlichen Stellen der Haut necrotisch und es kommt zur Goschwürsbildung und in Folge dessen auch zur Entstehung von Narben. Die ausfallenden Haare werden in der Regel nicht wieder er­setzt, und es entstehen haarlose Stellen. Deshalb darf man die Mittel nur verwenden, wenn eine haarlose Stelle oder eine Narbe den Werth des Thiores nicht herabsetzt. Besonders sind sie bei Rindern und Schweinen, und dickhäutigen, torpiden Pferden, d. h. bei Thieren, bei denen schwächere Mittel nicht genügend wirken, indicirt. Uebrigens kann bei einigen Mitteln dieser Gruppe (z. B. Grotonöl) die Entstehung von Narben und haarlosen Stellen durch Beobachtung der nöthigen A'orsichtsmassregeln und durch gründliches Individualisiren sehr wohl vermieden werden.
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.Mittel dec hautceizenden Curmelhode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 311
1)nbsp; nbsp;Das Crotonol ist ein vorzügliches Mittel der hautreizenden Gruppe. Seine Wirkung kann nach dem Grade der Verdünnung und der Art und Weise der Anwendung willkürlich abgestuft werden. Es hat den Vorzug, dass es leicht und bequem in grosser Ausdehnung angewendet werden kann, und dass es rasch und kräftig wirkt. Das Crotonöl darf aber niemals unverdünnt benutzt werden, weil es sonst Necrose erzeugt. Man verdünnt es deshalb mit Terpenthinöl oder mit einem fetten Oele (beim Pferde i : 30—60, bei Rindern 1 : 6—10, beim Schweine 1 : 2).
Bei der Application des Crotonöls ist wohl zu beachten, dass es weniger ein­gerieben, als einfach eingestrichen, dass 24 Stunden nach dem Aufstreichen die betreffenden Partien gründlich abgewaschen, bedeutendere Geschwülste gekühlt und soarilicirt und die abgehobene Epidermis gespalten werden muss: überhaupt ist dafür zu sorgen, dass nach der Erreichung der beabsichtigten Wirkung kein Ocl auf und in der Haut zurückbleibt. Die Dosis für eine Einreibung beträgt bei Pferden 20 — 40 Tropfen (z. B. 1 Theil Gel und je 15 Theile Aether und Al­kohol). Bei Gehirnleiden der Pferde verwende man 20—30 Tropfen (mit 01. tereb. et 01. lini ana 80,0), bei Leiden in der Bauchhöhle 40 Tropfen (in die Bauohhaul), bei Brustloiden jederseits 10—15 Tropfen (in die Brusthaut). — Die Resorption des Oeles soll besonders leicht in Verbindung mit Leberthran eintreten.
2)nbsp; nbsp; Die Brechweinsteinsalbe (1:6 — 8). Sie erzeugt bei Schweinen Pusteln, beim Rinde eine mehr glcichmässige Entzündung. Bei wiederholtem und starkem Einreiben entsteht Necrose mit Bildung eines derben trockenen festhaftenden Brandschorfs. Letzteres verhütet man, wenn man eine schwächere Salbe (1 : 12—16) wählt und even­tuell noch Canthariden zusetzt. Die Salbe wird besonders bei Schweinen und Rindern und selten bei Pferden, bei denen haarlose Stellen zu vermeiden sind, angewendet.
3)nbsp; nbsp;Euphorbiumharz gebraucht man nur als Zusatz zu anderen scharfen Salben, namentlich zur Cantharidensalbc, z. B. 1 Theil Euphor-bium, 2 Theile Canthariden, 24 Theile Axungia porci.
4)nbsp; Einfach oder doppelt chromsaures Kalium mit der 8 bis 12 fachen Quantität Fett zur Salbe gemacht. Derartige Salben haben eine sehr heftige Wirkung; meist entsteht nach ihrer Einreibung ober­flächliche Necrotisirung mit Bildung eines sehr festsitzenden harten drückenden Schorfs. Die Salben sind deshalb mehr zu örtlichen Wir­kungen gegen Gallen, Hernien und dergleichen indicirt. Sie hinterlassen in der Regel kahle Stellen.
Wendet man Kalium bichrom. 1:20—25 an und reibt leicht und nicht so lange ein, dass die Haut gereizt wird, dann entstehen keine haarlosen Stellen. Eine solche Salbe ist bei Gallen, Sehnenklapp, Verhärtungen, Ueberbeinen und der-
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312nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
gleichen sehr zu empfehlen. Man reibt täglich einmal ein und setzt aus, sobald Hautreizung eintritt, und wartet, bis diese verschwunden ist.
5) Das Chloralhydrat ist von Folari beim Menschen als Pustulans em­pfohlen worden.
4. Epispastica suppurantia.
Diese Mittel sollen einen mit Eiterung einhergehenden, längere Zeit anhaltenden lüntzündungsprocess in der Haut oder Unterbaut her­vorrufen. Dadurch werden die in der Nähe gelegenen Theile hyper-ämisch und die entfernteren blass und anämisch. So werden z. B. Ge­lenke, um welche ein Haarseil gelegt ist, in ihren inneren, d. h. den eigentlichen Gelenktheilen blutarm.
Zu den oberflächliche Eiterung erzeugenden gehören die ad b. und c. genannten Mittel, die besonders dann Eiterung erzeugen, wenn die Epidermis vorher durch ein Vesicans entfernt wurde. — Letzteres ist nicht nothwendig bei Anwendung des Emplastr. vesicator. perpet., Empl. mezerei cantharid., dem Unguent, sabinae auf haarlose Stellen. — Unguentum cantharidatum (resp. Unguentum acre) erzeugt auf von Epidermis freien Stellen stets Eiterung. — Eiterungen in der Tiefe (Subcutis) erzeugen das Haarseil und das Fontanell. Beide wirken durch anhaltende Reizung, Exsudation und Eiterung. Die Anwendung der beiden Heilmittel besteht darin, dass man einen fremden Körper in die Unterhaut der Thiere bringt. Dieser stellt entweder ein Stück einfacher oder mit Terpenthinöl getränkter Wolle, Leinwand, Filz u. s. w. dar, oder besteht aus einem Stück der schwarzen Niesswurz und dergleichen. Der beabsichtigte Zweck kann nur erreicht werden, wenn die Reizung, die das Mittel macht, eine sehr bedeutende ist, und wenn sie lange anhält. Sonst leisten die anderen genannten Mittel mehr als diese. Man verwendet Haarseil und Eontanelle noch ziemlieh oft bei der Meningitis, bei Augenentzündungen und bei der Schulterlähme. — Beide Mittel haben die Entstehung von Narben zur Folge. — Auch die Moxen und das Glüheisen können als Suppurantia wirken.
Eine besondere Erwähnung als hautreizende Mittel verdienen noch:
5. Die Elektricitat.
Wie diese ihre hautreizende Wirkung entfaltet, wird bei den pliysikalischen Heilmethoden eingehender besprochen werden.
6. Hohe Temperaturen.
Man kann mit hohen Temperaturen je nach der Art der Anwendung sowohl eine einfache Röthung der Haut, als eine Blasenbildung, Eiterung und Aetzung
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Indicationen der liautreizenden Curmethode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 313
erzielen, a. Des heissen Wassers ist als Rubefaciens und Vesicans vorn schon gedacht worden. In höherer Temperatur und bei längerem Gebrauch wirkt es auch als Suppurans, b. Das Feuer kann in der verschiedensten Art (brennende Körper, Gasflammen u. s. w.) verwendet werden. So bestreicht man z. B. die betreffende Stelle des Körpers mit einer brennbaren Flüssigkeit. Petroleum, Terpenthinöl und dergleichen, und brennt dieselbe an. Je nach der beabsichtigten Wirkung löscht man mehr oder weniger rasch mit einem feuchten Strohwisch, Lappen und der­gleichen das Feuer. Man benutzt diese Methode besonders bei Schweinen, wenn man einen kräftigen Hautreiz setzen will. Ausserdem kann man das Feuer auch so anwenden, dass man sogenannte Moxen, Brenncylinder aus Baumwolle oder Werg, herstellt, diese mit einer brennbaren Flüssigkeit tränkt und auf die betreffende zu reizende Stelle aufsetzt. Damit übt man einen kolossalen Reiz aus. Nerven, die schon lange paretisch sind, können dadurch wieder in Action versetzt werden.
c.nbsp; Einströmende strahlende Hitze von glühenden Körpern von Eisen, Stahl, Kupfer (von sogenannten Brenneisen). Man verwendet dazu weiss- oder roth­glühende Körper, die man in die Nähe der zu reizenden Theile bringt, aber nicht zu lange einwirken lässt.
Indicationen.
Die hautreizende Methode ist bei örtlichen und bei Krankheiten entfernterer Organe indicirt, und spricht man danach von örtlichen und entfernteren Indicationen. Die Abgrenzung des Begriffs der örtlichen Indicationen ist verschieden vorgenommen worden. Im engeren Sinne versteht man darunter nur die bei obertliichlichen Krankheitsprocessen vorliegenden Indicationen, bei denen die örtliche Wirkung,
d.nbsp; i. die Hervorrufung (resp. Vermehrung) der Hautentzündung der Zweck ist, durch welchen die günstigen Bedingungen für die Heilung des bestehenden Krankheitsprocesses direct local gegeben werden.
Im weiteren Sinne begreift man darunter aber auch diejenigen Indicationen, welche in Erkrankungen der mehr oder weniger direct unter der Haut gelegenen Theile begründet sind (Erkrankungen der Unterhaut, der Gelenke, Sehnenscheiden, Sehnen, Muskeln, Knochen etc.) und bezieht dann die allgemeinen Indicationen nur auf die bei Erkrankungen der im Inneren gelegenen Organe auftretenden Hell­anzeigen. Während die hautreizenden Mittel bei oberflächlich gelegenen Krankheits­herden durch Anregung der Schmelzung und dergleichen direct und oft sehr günstig wirken, beeinflussen sie Entzündungen der unter der Haut gelegenen Theile oft als ableitende Mittel. Dies ist zwar manchmal, aber durchaus nicht immer angezeigt, sondern kann dadurch, dass es heilsame Eiterungs- und Entzündungs-processe stört, sogar einen schädlichen Einfluss ausüben (z. B. bei Schulterbeulen, Entzündungen tiefer gelegener Drüsen [z. B. der retropharyngealen Lymphdrüsen]). Es ist also bei ßeurtheilung der örtlichen Indicationen im weiteren Sinne die Tiefe des Sitzes des Krankheitsprocesses (der Abscesse etc.), das Stadium und die Tendenz der Erkrankung sehr wohl zu beachten. Bei einem oberflächlichen Abscess sind diese Mittel indicirt, bei einem tiefgelegenen dagegen contraindicirt: bei einer nicht zur Eiterung reizenden Entzündung tiefer gelegener Theile liegt die Indication zur Anwendung der Hautreizung vor, während bei Neigung zur Eiterung die Contra­indication gegeben ist. Bei Flüssigkeits- und oberflächlichen Eiterbeulen (ohne oder nach vorheriger subcutaner Entleerung), wo die Eröffnung unerwünscht und
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314nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
die Verklebnng der Wände der Höhle angestrebt wird, ferner bei frischen Sehnen-enlzündungen, bei chronischer Entzündung nicht tief gelegener Theile und bei Lappen-, Stich- und Gelenkwunden, wo eine Verklebung der Wundränder bezweckt wird, sind die hautreizeuden Mittel ihrer directen Wirkung wegen indicirt. Bei chronischen Entzündungen tiefer gelegener Theile (Knochen, Gelenke) ist dagegen die Hautreizung als ableitende Methode angezeigt. Nachstehend betrachten wir die örtlichen indicationen nur im engeren Sinne und erwähnen die anderen Krankheitsvorgänge bei den entfernteren Indicationen.
1. Oertliche Indicationen.
a.nbsp; nbsp; Man wendet die hautreizenden Mittel bei Verhärtungen und chronischen Entzündungen der Haut an, um durch die frische Reizung die chronische Entzündung in eine acute zu verwandeln und die Zertheilung und Heilung zu ermöglichen. Die Reizung bedingt rascheres Strömen des Blutes, Durchströmen von mehr gutem heilendem Blute durch den Krankheitsherd und erhöhte Resorption mit erhöhter Transsudation daselbst.
Auch bei hartnäckigen chronischen Hautausschlägen (seien sie parasitischer Natur oder nicht) leisten die hautreizeuden Mittel oft überraschende Dienste. Die Abschuppung der Epidermis wird gestei­gert, das lästige Hautjucken verschwindet, und in der acuten Entzün­dung erlischt das chronische Leiden. Bei diesen Leiden wendet man die milderen Mittel an und bezeichnet man die Art der Einwirkung als die substitutive. Bei Psoriasis, Eczem, Pityriasis und Herpes tonsurans ist besonders das 10 00 Chrysarobin empfohlen worden, hat sich aber bei Hunden nicht bewährt.
b.nbsp; nbsp; Bei Wunden und Geschwüren. Entweder bezweckt man (bei torpiden Zuständen) eine substituirende Heilung oder man will unter Umständen (bei frischen Wunden) eine tüchtige Eiterung erzeugen, um derivatorisch zu wirken.
c.nbsp; nbsp;Mit der Anwendung der hautreizenden Mittel bei frischen Ge­lenkwunden beabsichtigt man die Erreichung einer starken, den Ver-schluss der Wunde bedingenden Schwellung, um den Eintritt von Luft und septischer Keime in das verwundete Gelenk zu hindern.
d.nbsp; nbsp;Bei chronischen Entzündungen, Abscessbildungen und anderen Krankheitsprocessen in der Unterhaut (z. ß. Schwellung und Füllung der Lyraphgcfässe, Extravasationen u. s. w.), will man durch den acuten Entzündungsprocess dasselbe, wie bei den chronischen Krank­heiten der Cutis erreichen. Unter Umständen wirkt auch der durch die Anschwellung und später durch den Schorf gesetzte Druck auf den Krankheitsprocess günstig ein.
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Indicationen rler hautreizenden Curmethode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 315
e. Bei Entzündungen, Congcstioncn u. s. w. der direct unter der Haut gelegenen Thcilc kommt vielfach die örtliche Wirkung in Betracht. Theilweise handelt es sich allerdings schon um reflector!sehe und blutableitcndo Wirkungen.
2. Entferntere Indicationen.
1)nbsp; Paretische Zustände von Nerven- und Nervencentren. Bei Paresen ist der Nerv derart in seiner Irritabilität herabgesetzt, dass er durch die gewöhnlichen normalen Reize nicht mehr erregt wird und demgemäss in einem gefährlichen Ruhezustande verharrt. Damit ist unvollständiger Stoffwechsel und Rückgang in der Ernährung ver­bunden; es droht die regressive Metamorphose und unheilbare Lähmung. Werden nun stärkere als normale Reize künstlich in Anwendung ge­bracht, so geräth der Nerv in den thätigen Zustand, seine Ernährung wird durch Erhöhung des ßlutzuflusses gesteigert, und damit werden die Bedingungen zur Naturheilung gegeben.
In ähnlicher Weise wirken die Hautreize günstig bei paretischen Erkrankungen der Centralorgane. Sind die paretischen und paralyti­schen Zustände durch Hyperämie und Entzündung bedingt, dann be­günstigen die hautreizenden Mittel durch sogenannte Ableitung die Heilung (cf. ad 6).
2)nbsp; Hyperästhesien sensibler Nerven (Schmerzen neural­gischer und rheumatischer Natur). Die Wirkung der Hautreizung bei diesen Erkrankungen erfolgt nach dem physiologischen Gesetze des Gegensatzes (der Gegenreize), welches besagt, dass die Reizung sensibler Hautnerven die Irritabilität anderer sensibler Nerven herabsetzt. — Sind die Schmerzen durch hyperämische und entzündliehe Zustände bedingt, dann tritt die Schmorzlinderung in Folge der ableitenden Wir­kung der hautreizenden Mittel ein.
Ebenso wirken die Hautreize bei:
3)nbsp; Hyperästhesien motorischer Nerven und
4)nbsp; Krämpfen in Folge von Hyperästhesien sensibler und moto­rischer Nerven.
5)nbsp; Hyperämien (Congcstionen) innerer nahe oder entfernt liegen­der Organe. Die Hautreize veranlassen seeundär eine Verengerung der Blutgefässe der hyperämischen Organe und Abnahme ihres Blutgehaltes. Diese auf den Krankheitsprocess günstige Wirkung tritt namentlich dann sicher ein, wenn der Hautreiz in der Nähe des erkrankten Orga-nes anzubringen ist und wenn directe Blutgefässverbindung zwischen der gereizten Hautstelle und dem erkrankten Organe besteht. Der in
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316nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunslhülfe.
Anwendung zu bringende Reiz muss kräftig und ausgedehnt wirken, kann aber flüchtiger Natur sein.
Bei Congestionen zum Gehirn sind vielfach sehr günstige Erfolge beobachtet worden. Es ergab sich, dass schwache Reize keinen Einlluss auf die Weite und Füllung der Piagefässe hatten, wahrend bei starken und ausgebreiteten Reizungen nach primären Erweiterungen etc. seeundär stets eine Verengerung der Piagefässe und Znsammensinken des Gehirns beobachtet wurde. Dabei ward die Strom­geschwindigkeit erhöht, so dass mehr gutes, zur Oxydation taugliches Blut zu den kranken Stellen gelangen konnte.
6) Reizungen und Entzündungen innerer Organe, besonders der serösen und synovialen Häute (Gelenk-, Knochen-, Brustfellentzün­dungen u. s. w.).
Diese Krankheitsprocesse werden durch die Wirkungen der Haut­reize sowohl direct, durch reflectorische Beeinflussung des örtlichen Blutlaufs und der örtlichen Nervenirritabilität des kranken Organes, als indirect durch Wirkung auf die allgemeine Circulation, Stoffwechsel, Innentemperatur, Respiration u. s. w. beeinflusst.
Die Hautreize bewirken direct in dem entzündeten Organe (Pleura, Gclcnkhäute etc.) eine Verengerung der Gefässe und durch ge­steigerte Herzenergie rasciieres Strömen des Blutes, d. h. Vor­gänge, welche den Entzündungsprocess günstig beeinflussen, die Resor­ption steigern, die Stauung heben, den Zufluss guten, leistungsfähigen Blutes erhöhen. —
Wenn starke Reize anhaltend angewendet werden, so wäre es denkbar, dass eine Erschlaffung der Gelasse in Folge der Lähmung, Ermüdung ihrer Muskeln resp. Kerven eintreten könnte. Auch dies könnte günstig sein, namentlich bei chronischen, mit Exsudationen und Neubildungen verbundenen Entzündungen, indem der arterielle und damit der Gewebsdruck sinken würde: es käme eine ähn­liche Wirkung zu Stande, wie wir sie bei Anwendung warmer Umschläge und der­gleichen bei oberflächlichen Entzündungen beobachten.
Die Circulation wird in dem erkrankten Organe auch noch durch directe Blutableitung befördert, dadurch werden Stauungen gehoben und der Blutlauf wird frei. Die Blutableitung von inneren Organen durch Erweiterung der Hautgefässe in Folge angebrachter Hautreize ist experimentell festgestellt und kann nicht mehr negirt werden.
In Folge der Hautreizung wird die Erregbarkeit der Nerven in dem erkrankten Organe herabgesetzt, was von günstigem Einflüsse auf den Ablauf der Krankheitsvorgänge sein muss (bei Pleuritiden und Pneumonien wird die Athmung weniger schmerzhaft, also freier u. s. w.).
Der Stoffwechsel wird durch die Hautreize gesteigert und da­durch der Krankheitsprocess in der Weise günstig beeinflusst, dass das circulirende Eiweiss für den Ablauf der gesteigerten Stoffwechselvor­gänge nicht mehr genügt, Organeiweiss und in erster Linie abnorm abgelagertes, exsudirtes Eiweiss dazu benutzt und auf die Weise aus dem erkrankten Organe herausgeschafft wird.
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Indicatioren der hautreizenden Cuvmethode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 317
Die durch Hautreizungen veranlasste, verlangsamte und ver­tiefte Athmung wirkt bei den Leiden der Pleura und der Lungen direct und bei anderen Leiden dadurch heilsam, dass sie die Saugkraft -des Herzens und damit die Resorption erhöht.
Durch die verlangsamte, aber verstärkte Herzaction, wie sie durch Hautreizung hervorgerufen wird, steigt der Blutdruck und das Resorptionsverraögen der Venen und Lymphgefässe.
Endlich werden alle entzündlichen fieberhaften Krankheiten durch hautreizende Mittel dadurch günstig beeinflusst, dass die Innentempe­ratur in Folge des Hautreizes sinkt.
Bei Pferden, welche an fieberhaften Krankheiten litten, habe ich constant ein Absinken der Temperatur bei Anwendung von Sinapismen gesehen. Aehnliches haben später Klemm u. A. beobachtet. Bei gesunden Pferden blieb diese Wirkung oft aus. Andere Autoren wollen nach Sinapismen eine Steigerung der Temperatur beobachtet haben. Dieselbe tritt aber nur vorübergehend und zwar zum Theil in Folge der vermehrten Muskelaction, welche bei den durch den Hautreiz aufgeregten Thieren zu beobachten ist, ein. Eine anhallende Erhöhung der Innentemperalur durch Hautreize habe ich bei fieberhaften Krankheiten niemals beobachtet.
Bei Entzündungen von Theilen, die direct unter der Haut liegen, kommen zu diesen reflectorischen und Blut abführenden Wirkungen noch die der örtlichen Action, welche Transsudationen, Ernährungs­störungen, fettige Metamorphosen, gesteigerte Resorption, Einschmclzungen bedingen können. (Beispiele: Chronische Sehnen­scheiden- und Sehnenentzündungen, Periostitis, chronische Gelenkent­zündungen, festwerdende Exsudationen und dergleichen. Bei all diesen Leiden kommen die örtlichen schmelzenden Wirkungen ganz wesentlich in Betracht.)
7)nbsp; nbsp;Herzfehler. Klappenfehler und namentlich Innervationsstö-rungen des Herzens können durch hautreizende Mittel mit Vortheil be­handelt werden. Die Einwirkung derselben auf den Vagus resp. das Circulationscentrum ist eine Thatsache. Wenn Verlangsamung und Befreiung der Herzactionen und Minderung der das Herz belastenden Blutsäule Zweck der Behandlung ist, dann kann man mit hautreizenden Mitteln die Wirkung innerlich verabreichter Medicamente sehr wesentlich unterstützen.
8)nbsp; nbsp; Innervationsstörungcn der Respirationsorgane. Da die Hautreize die Athmungsnerven gewaltig und ganz besonders die Hemmungsnerven der Respiration beeinflussen (bei heftigen, plötzlichen Hautreizen werden tiefe und heftige Inspirationen ausgelöst, während bei anhaltenderen Reizen die Respiration auf längere Zeit verlangsamt wird), so ist die Anwendung derselben bei Innervationsstörungen in den Athmungsorganen durchaus rationell.
9)nbsp; nbsp;Bei Affectionen des Uterus, die mit atonischen Zuständen
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318nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
einhergehen. Hautreizende Mittel regen die Uterusmusculatur zur Thätigkeit an.
10)nbsp; Bei Verstopfungen, die durch träge Peristaltik, paretische Zustünde der Muscuiatur der Verdauungsorgane bedingt sind, kann durch reizende Einreibungen mit Terpenthinöl und dergleichen eine An­regung der Peristaltik erzielt werden.
11)nbsp; nbsp;Bei Kolik, namentlich Krampfkolik leisten heftig und llüchtig reizende Einreibungen oft überraschende Dienste. Wie bei der Pleuritis durch einen Sinapismus und dergleichen die Schmerzen zum Verschwinden gebracht werden, so geschieht dies auch bei Bauch­schmerzen, indem die Erregbarkeit der sensiblen Nerven des Perito-näums und Darmcanalos herabgesetzt wird. In Folge dessen sind die Krampfanfälle überhaupt nicht mehr so schmerzhaft und werden die­jenigen Krämpfe, welche die Folge erhöhter Irritabilität sind, gemindert, oder ganz zum Schwinden gebracht.
Die Krumpfe, welche durch Kohlensäureanhäufung im Blute bedingt werden, können nur wenig oder gar nicht durch die Wirkung der Hautreize auf die gesammte Circulation, wohl aber etwas durch die Minderung der Reizempfänglichkeit der Dannnerven beeintlusst werden.
12)nbsp; Bei Diarrhöen, welche ihre Ursache in gesteigerter Gallen-secretion finden, wirken die Hautreize durch Minderung der Gallense-cretion günstig ein. Ausserdem kommt dabei aber auch die die Irri­tabilität der Darmnerven herabsetzende Wirkung in Betracht.
13)nbsp; Bei Luxationen, Subluxationen, Ueberdehnungen und dergleichen wirken die Reize durch die Geschwulstbildung und nach dem ad 5 und G beschriebenen Modus. — Die Geschwulstbildung hält die Gelenke zum Theil in der Lage und hindert namentlich die (wegen ihrer die Gelenkilächen reizenden Wirkung schädliche) Bewegung der
kranken Theile. Deshalb ist die hautreizende Methode:
14)nbsp; Bei allen Leiden indicirt, bei denen eine Fixation des be­treffenden Theiles erwünscht ist. Durch die Hautreizung werden künstlich Schmerzen erzeugt, welche das Thier veranlassen, den be­treffenden Theil ruhig zu halten.
Andere Indicationen für die Anwendung der hnutreizenden Mittel ergeben sich aus den vorgetragenen Wirkungen der Hautreize.
Die Wahl der Epispastica richtet sich im speciellen Falle nach der Natur der Krankheit und der speciellen Wirkungsweise der Mittel. Die Kubefacientia welche sich durch Schnelligkeit der Wirkung auszeichnen, werden verwendet, wenn ein rasch wirkender Reiz auf einer grösseren Hautfläche (zur Anregung und Steigerung der Herzthätigkeit und Respiration etc.) hervorgerufen werden muss (Ohnmacht, Scheintodt, Collaps, narcotische Betäubung, starke Schmerzen. Reiz-
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Contraindicationpn der hautreizenrion Curmethode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;319
husten, Congestionen innerer Organe, bei Ilaulerlirankungen zur Steigerung der­selben, bei Athmungsstillstand zum Wiedererwecken der Athtnung u. s. v.). Bei ähnlichen Zuständen, namentlich bei Rheumatismen und Neuralgien, werden die „fliegenden Vesicantien benutzt. Die Vesicantia und Suppurantia sind indicirt bei den späteren Stadien entzündlicher Processe (Meningitis, Pleuritis, Pericarditis, Peritonitis, Arthritis, Augenentzündungen, chronische Lymphdrüsen­anschwellungen, Gallen, Exsudatreste in tiefer gelegenen Theilen, callöse Ulco-rationen). Als Appllcationsstellen benutzt man im Allgemeinen die in der Nähe der erlcranliten Theile gelegenen und die mit diesen in Blutgefässverbindung stehenden Ilautstellen und vermeidet dabei die Beugeflächen der Gelenlie und die fest anliegenden (z. B. keine Subcutis besitzenden) Hauttheile. Bei inneren Er­krankungen wähle man grosse Hautstellen und wende energisch wirkende Mittel an. Ausser den oben angegebenen hautreizenden Mitteln sind noch eine Anzahl anderer ähnlich wirkender Medicamente und Compositionen in Gebrauch, und hat fast jeder Thierarzt seine Lieblingsmittel. So wendet man z. B. an: Hydrarg. bi-Jod. rubr. 1 Th. mit 8—10 Th. Adeps suill. als eine kräftig und anhaltend reizende Salbe, ferner Liq. amni. canst. 30,0, 01 terebinth. 15,0, Spir. camphor, und Spir. saponat. 100,0 als reizende Einreibung. Auch emplehlenswerth ist Kalium caust. mit 50 Th. Aqua, oder Jod 1,0, Jodkalium 2,5—5,0, Adeps suill. 30,0 u. s. w. Näheres hierüber berichtet die Arzneimittellehre und die specielle Therapie.
Contraindicationen.
Die hautreizende Methode ist contraindicirt beim Vorhandensein septichämischer, typhöser Krankheiten, bei denen die Haut leicht brandig wird, und leicht schwer heilende Geschwüre entstehen. Ebenso dürfen Entzündungen, die zur Necrose neigen, nicht mit Hautreizen behandelt werden, wohl aber offene Geschwüre. Bei Entzündungen, die durch fremde Körper veranlasst sind, wäre die Hautreizung in der Hege! eine nutzlose Quälerei. Bei Eiterungen in der Tiefe stören die hautreizenden Mittel den Heilungsvorgang.
Gewisse Hautstellen verbieten die Anwendung der hautreizen­den Mittel, namentlich diejenigen, die bei jeder Bewegung abwechselnd gefaltol und gespannt werden (Köthe, Vorderknie etc.). — Geschwulst bildende Processe eignen sich nicht für die Behandlung mit Haut­reizen. Viele Contraindicationen sind nicht gegen die Methode, sondern gegen specielle Mittel derselben gerichtet, so sind z. B. bei Nierenent­zündungen und Reizungen die Cantharidensalben und bei zarthäutigen, edlen und werthvollen Pferden alle Mittel, welche haarlose Stellen oder gar Narben erzeugen, zu vermeiden. Bei Entzündungen des Gehirns und der Brustorgane und beim Tetanus, überhaupt bei allen erethischen Leiden sind stark aufregende und starke Schmerzen er­zeugende Mittel, z. B. Terpentbinöl, meistens contraindicirt.
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320nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
b. Die ätzenden Methoden.*)
Zweck der AetzUDgen. Der nächste Zweck der ätzenden Me­thoden ist immer die (durch die Affinität von Gewebsbestandtheilen zu den Heilmitteln oder durch intensive Hemmung der Oxydationen zu Stande kommende) Vernichtung von Körpergewebe zu therapeutischen Zwecken. Entweder ist die Gewebszerstörung selbst das Ziel der Be­handlung, oder sie dient nur zur Erreichung entfernterer Zwecke. Die Vernichtung ist Ziel, wenn Gewebe vorhanden ist, welches dem Organismus Schaden bringt, weil es am unrechten Orte steht, zu massen­haft vorhanden ist, zur unrechten Zeit erscheint, drückt, reizt u. s. w., oder wenn Krankheitserreger oder schädliche Krankheitsproducte oder schädliche, Gährungs- und Zersetzungsprocesse einleitende und unter­haltende Gäh rungs- und Fäulnisserrcger zugegen sind. Die ent­fernteren Ziele, welche man mit der localen Aefzung unter Umstän­den erreichen will, sind: heftige Nervenreizung (siehe erregende und hautreizende Methode), örtliche Entzündung und Neubildung, Ableitung (siehe hautreizende Methode), Narhcnbildung (adstringirende Methode), Schmelzung und Resorption (resorptionsbefördernde und antiphlogistische Methoden), Stillung von Blutungen, Lymphe-, Synovia- etc. Ausflüssen, Verschluss von Oeffnungen, Schulz nach aussei! (deckende Methode).
Wirkung der Aetzmittel. In Bezug auf die Wirkung der Aetzmittel muss man unterscheiden: a. die Art und Weise der Einwirkung; b. die Aus­breitung der Wirkung in Tiefe und Breite; c. die Beschaffenheit des so­genannten Schorfes (des todten Gewebes); d. das Verhalten des benach­barten lebenden Gewebes; e. den Heilnngsprocess, die Vernarbung.
Der Enderfolg der Einwirkung ist bei allen Aetzmitteln derselbe, nämlich Necrose, resp. Ertödtung des direct Getroffenen. Rücksichtlich der übrigen Vorgänge der Wirkung walten bedeutende Differenzen, welche über die praktische Verwendbarkeit der Mittel entscheiden, ob. Alle Aetzmittel wirken nur durch dirocten Contact. Sie heben die normale Gewebsstruotur auf, ändern den molecularen Gewebsaufbau und vernichten dadurch die Vitalität des Betroffenen. Diese Wirkung erfolgt bei vielen Mitteln durch plötzliche Wasserentziehung und
*) Die ätzenden Methoden reihen sich folgerichtig an die hautreizenden an. Mit wenigen Ausnahmen kommt es bei den hautreizenden Mitteln bei zu langer oder zu intensiver Anwendung zu partiellen Mortificationcn der Haut und wird damit die hautreizende zu einer Aetzwirkung, die Reizung zu einer Aetzung (Cautorisatio). Die Thatsache, dass echte Aetzmittel bei richtiger Verdünnung nur Hautreizung und letztere bei starker Concentration oder langer Anwendung Aetzwirkung veranlassen, dass also beide Arten von Mitteln zu einander überführen, dass ganz dieselben Mittel mit Recht in beiden Gruppen aufgeführt werden können, hat mich veranlasst, die ätzenden Methoden an dieser Stelle abzuhandeln, trotzdem man die Aetzmittel nicht nur auf die Haut und deren Neubildungen, sondern auch auf tiefer gelegene, von aussen erreichbare Theile anwendet.
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Aetzmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 321
Eiweissgerinnung; bei anderen durch intensive Oxydationen, Zersetzungen u. s. w. Die Beschaffenheit des Schorfs richtet sich nach der Art und Weise der Wirkung der Mittel und der Ausbreitung der Zerstörung, unter Umständen auch nach dem Orte der Einwirkung, namentlich danach, ob dieser der Austrooknung ausgesetzt ist oder nicht. Bei den einen weichen Schorf erzeugenden Mitteln bleibt die Wirkung nicht auf den Ort der directen Application beschränkt, sondern erfolgt meist sehr ausgebreitet, während die einen trockenen Schorf bildenden Mittel oberflächlicher ätzen und ihre Einwirkung nur auf die direct berührten Tbeile erstrecken. Buchheim glaubt, dass das Diffusionsvennögeu der Stoffe von grosser Bedeuiung für die Stärke und Ausdehnung der Wirkung resp. für die Masse des gebildeten todten Gewebes sei.
Durch die Einwirkung der Aetzmittol auf die thierischen Gewebe entsteht in der Umgebung des direct ertödteten Gewebes die sogenannte Reactions-wirkung. Sie ist einerseits durch den Reiz bedingt, den das Aetzmittel direct ausübt, und andererseits durch die Reizung, welche das abgestorbene Gewebe (etwas dem Organismus Fremdes) verursacht. Die erstere Reizung kommt theilweise dadurch zu Stande, dass das Aetzmittel auf die Umgebung des Berülmen im ver­dünnten Zustande und weniger intensiv als auf das Berührte einwirkt (z. B. die ausströmende Wärme beim Glüheisen, die durch Gewebssaft verdünnten chemischen Stoffe). In Folge der Reizung der lebenden Umgebung durch das Aetzmittel und den Aetzschorf tritt eine Keactionswirkung derselben ein. Diese besteht in Ent­zündung und Eiterung, welche zunächst Abstossung des Getödteten erzielt und dann in einen Vernarbungsprocess übergeht.
i
Die Aetzmittel (Cauteria).
1) Thermische Mittel (Breanmittel, Cauteria aotualia). Hohe Tem­peratur (Hitze) ätzt dadurch, dass sie momentan eine Gerinnung des Eivveisses in den Gewebszellen und der Intercellularsubstanz veran­lagst, diesen das Wasser und den Sauerstoff entzieht und sie verkohlt. Die Folge davon ist die Bildung eines trockenen Schorfs; denn es wird nicht nur alles vorhandene Wasser eingetrocknet und den Geweben entzogen, sondern es werden auch alle Gefässe des betroffenen Theiies durch Thrombenbildung verlegt und so die Flüssigkeitszufuhr abge­schnitten.
Die zerstörende Wirkung der Brennraittel greift wenig über den Ort der Anwendung hinaus, wohl aber wird auf die Umgebung des berührten und zerstörten Gewebes durch die einströmende Hitze ein heftiger thermischer Reiz ausgeübt. Es entstehen heftige Schmerzen. Aus diesen Gründen sind die Brennmittel sehr wohl als hautreizende und Erregungsmittel, namentlich bei Faresen verwendbar. Die Heizung des nicht ertödteten benachbarten Gewebes veranlasst natürlich eine Entzündung desselben, welche durch Einwirkung des Schorfs, als eines fremden Körpers, noch unterhalten wird. Der Schorf wird durch Eite-
1S1 lenberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.gt; i
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322nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
rung abgestossen und die Vernarbung erfolgt leicht und gut, weil das Gewebe von keinen chemisch altcrirenden Reizen getroffen worden ist.
a.nbsp; nbsp; Brennende Körper (Moxen etc.) sind als Aetzmittel nur noch wenig in Gebrauch, (s. S. 313).
b.nbsp; nbsp;Glühende Körper. Die sogenannten Brenneisen (Ferrum can-dens), Instrumente von Eisen oder Kupfer, die bis zur Weiss- oder Rothglühhitze erwärmt und dann mit dem zu ätzenden Theile in Be­rührung gebracht werden. Will man rasch zerstören und einen fest­sitzenden, guten, derben Schorf haben, dann muss man weissglühendc Körper verwenden und sie nur kurze Zeit auf den betreffenden Theil aufdrücken.
Die Form der Brenneisen ist eine verschiedene je nach den Zwecken, die man mit denselben verfolgt (siehe Instrumentenluinde und Operationslehre). Eine Art von Brenneisen ist für allgemeine Anwendung und eine Art für specielle Körpertheile bestimmt, #9632;— Zur Aetzwirkung benutzt man der Regel nach nui- die Anwendung „per contaotumquot;, während die Verwendung „in distansquot; mehr zu derivatorischen Zwecken (zu heftigen Reizungen) gebräuchlich ist. — Zum Zweck der Blutstillung ist aller­dings auch das Weissglüheisen in distans (Adamkiew icz, Billroth) empfohlen worden. Zur Blutstillung wurde früher stets das Weissglüheisen benutzt; gegen­wärtig wird die stossweise Anwendung des rothglühenden (Barde loben) oder das schwarzglühende Eisen (Malgaigne) angerathen.
Als Ersatzmittel für das Ferrum candens sind der Thermocautyr in ver­schiedenen Constructionen und galvanocaustische Brenner mehrfach benutzt worden. Die Thierärzte sind jedoch stets wieder zu dem schon von den ältesten Aerzten angewandten, von Hippokrates gepriesenen Ferrum candens zurück­gekehrt. Die Ignipunctur findet wonig Anwendung.
2) Die Cauteria potentialia; die corrosiven, chemischen Aetzmittel.
(Medicamenta caustica.) Die hierher gehörigen Mittel ätzen nicht so rasch, gründlich, prompt und energisch, als die Glühhitze. Einzelne können resorbirt werden und Intoxicationen hervorrufen (Arsen, Subli­mat). Die Anwendung geschieht in fester oder flüssiger Form, nach­dem die zu ätzende Stelle vorher gereinigt worden ist. Die Applica-tionsweise ist nach der Consistenz und Form (ob das Mittel in Form von Stücken [Stangen, Stäben], von Pulver, von Salben oder flüssig etc. angewendet wird), verschieden.
a. Die A etzalkalien (Kalium und Natrium h3rdricum) ätzen sehr tief und ausgebreitet. Der Schorf ist weich, fast flüssig. Die Wirkungs­weise besteht in energischer Wasserentziehung, Bildung der leicht lös­lichen, schmierigen Alkalialbuminate und Verseifung der Fette. — Der chemisch nicht gebundene Theil des Causticums (der üeberschuss des­selben) sitzt gelöst im Schorf, kann also noch wirken und zwar um so
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Aetzmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;323
mehr, da die meisten thierischen Gewebe keine saueren Stoffe enthalten, welche die ätzenden Alkalien etwa durch Neutralisation unwirksam machen könnten. Diese Thatsache und die weiche Beschaffenheit des Schorfs'slnd die Ursache, dass die Aetzwirkung dieser Mittel sich über den Ort der Application hinaus erstreckt. — Die Alkalien wendet man demgemäss dann an, wenn man tief und gründlich ätzen will und wenn eine scharfe Begrenzung der Aetzung nicht nothwendig ist (z. B. zur Zerstörung von Ansteckungsstoffen, Giften und Neubil­dungen). Die Heilung (die Vernarbung) erfolgt nach der Aetzung mit Alkalien nicht gut, weil das an das ertödtete anstossende lebende Ge­webe deshalb nicht mehr von normaler Structur ist, weil Theile des Aetzmittels im verdünnten Zustande durch Abfliessen aus dem weichen Schorf in dasselbe gelangt sind und die Structur gestört haben. Man beobachtet deshalb während der Heilung häufig noch nachträgliche Abstossungen ersterbender Gewebstheile und unangenehme Geschwürs­bildungen. Das alterirte Gewebe vermag nur mangelhafte Granulationen zu erzeugen.
b.nbsp; nbsp;Der Aetzkalk (Calcaria usta) wirkt weniger heftig, als Aetzkali, bildet einen trockenen, oberflächlichen Schorf. Die Vernarbung erfolgt langsam, aber rascher und besser, als bei den Aetzalkalien. Meist ver­bindet man den Aetzkalk mit Kali (1:2 oder 2:1), z. ß. als Pasta viennensis (5 Aetzkali, 6 Aetzkalk).
c.nbsp; nbsp;Argentum nitricum vereinigt sich leicht mit Eiweiss zu un­löslichen Verbindungen. Es ätzt unter starken Schmerzen, bildet einen trockenen Schorf, beschränkt seine Wirkung auf den Ort der Applica­tion und wirkt nur oberflächlich. Die Vernarbung erfolgt leicht. Will mau mild ätzen, so kann man Stangen aus Arg. nitr. und Kali nitr. (1 : 2) benutzen.
d.nbsp; Andere Metallsalze, Cuprum, Zincum, Ferrum sulfuricum etc. Sie besitzen ein bedeutendes Diffusionsvermögen und starke Ver­wandtschaft zum Eiweiss. Sie erzeugen einen trockenen Schorf, begrenzen ihre Wirkung und haben gute Vernarbung im Gefolge.
Es ist hier noch der Liquor Villati zu nennen, der sich be­sonders zum Einspritzen in Fistelgänge eignet.
e.nbsp; Die Chlormetalle, namentlich das Zink- Antimon-, Queck­silber- und Eisenchlorid.
Diese Mittel bilden einen begrenzten, trockenen, festhaftenden Schorf. Die Vernarbung erfolgt gut. Sie eignen sich besonders zur Blutstillung (Ferrum sesquichloratum) und Vernichtung von Infectionsstoffen (Su­blimat), aber auch bei Neubildungen (Zinkchlorid). Das Zinkchlorid
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324nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
kann recht gut in Stäbchenform angewendet werden (Zinc, chlor. 6, Kai. chlor. 3, Kai. nitr. 1, Bruns). Auch Pasten von Chlorzink sind im Gebrauch (Zinc, chlor. 1 : 2—4 Theilen Mehl). Den Liquor stibii chlorati verwendet man nur in Verbindung mit Quecksilberchlorid.
f.nbsp; Der rothe Präcipitat erzeugt einen oberflächlichen und etwas feuchten Schorf mit nachfolgender guter Granulation und guter Eiterung und Vernarbung.
g.nbsp; nbsp;Die Chromsäure und ihre Salze. Sie machen eine tiefgehende, nicht scharf begrenzte Aetzung. Die Demarcation und Vernarbung er­folgt langsam. Kalium bichrom. 1 : 3—5 giebt sehr tiefgehende Aetzun-gen, es fallen ganze Gewebsparüen nach längerer Zeit aus und es ent­steht eine vertiefte, faltige Narbe. Bei ausgedehnten Aetzungen mit Acidum chromicum sind lotoxicationen beobachtet worden. .
h. Die unorganischen Säuren. Diese entziehen den Geweben rasch das Wasser, coaguliren die Albuminate und zersetzen die Fette. Vielleicht kommt bei der Aetzwirkung, z. B. der Schwefelsäure, auch die entstehende Wärme mit in Betracht. Sie bilden einen trockenen Schorf und schränken ihre Wirkung auf den Ort des Contactes ein, und zwar deshalb, weil das alkalische Blut und die alkalischen Gewebs-säftc die überschüssige Säure neutralisiren. Ausserdera sind sie nicht, wie die Alkalien, in dem Schorf flüssig vorhanden, sondern fest an Eiweiss gebunden und können also nicht tiefer eindringen. Man ver­wendet die Mineralsäuren, wenn die Begrenzung nothwendig, ein trocke­ner, fester, drückender Schorl' und gute rasche Heilung erwünscht ist.
i. Alaun. Zucker. Tannin. Diese Mittel ätzen nur ober­flächlich.
k. Auch die Carbolsäure und die Sulfocarbolsäure werden zum Aetzen benutzt.
1. Ac. arsenicosum ist ein sehr heftiges Aetzmittel. Schon in der Verdünnung 1 : 8—12 ätzt es tief und bewirkt eine vertiefte Narbe. Der Aetzschorf sitzt fest und wird trocken. Die Granulation ist eine gute; Allgemcinwirkung durch Resorption zu befürchten.
Indicationen. 1) Blutungen. Blutungen stillen sich bei Anwendung von Aetz-mitteln dadurch, dass die zerstörten trockenen Gewebsraassen die offenen Gefässmündungen zuschliessen. Der Schorf leistet hier dasselbe, was die Unterbindung, der Druckverband, die coagulirenden Mittel und der­gleichen ebenfalls erzielen. Er befördert die Thrombenbildung und damit die Stillung der Blutung. Die Methode der Blutstillung
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Indioationen der Aetzmethodo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3'25
durch Schorfbildung wird nur dann angewendet, wenn man mit dieser Art der Blutstillung gleichzeitig die Erfüllung eines quot;anderen Zweckes erreichen will, z. ß. die Zerstörung zertrümmerter Gewebsmasscn, die Vernichtung von Giften und Krankheitserregern, die Zerstörung fauliger Massen u. s. w. oder wenn die Blutstillung mit einer anderen blutstillenden Methode unmöglich oder sebr schwer erreichbar ist (bei Mangel an Apparaten und Instru­menten oder bei Unausführbarkeit aus anderen Gründen, z. B. bei star­ken parenehymatösen Blutungen, welcbe durch Coagulantia nicht zu stillen sind; bei Blutungen aus grossen Gefässen, die sich derart re-trabirt haben, dass sie behufs Unterbindung nicht zu erreichen sind u. s. w.) Zur Blutstillung wählt man unter den Aetzmitteln in der Regel die Glühhitze. Die ausströmende Hitze des Weissglüheisens bringt das Blut in den Gefässenden direct zum Gerinnen und der durch Ge-webszerstörung gebildete und festsitzende Schorf hindert das Wegspülen der Thromben durch das Blut. — Das rothglühende Eisen erzeugt einen Schorf, der nicht festsitzt, leicht am Eisen klebt und bei dessen Weg­nahme abgerissen wird; es ist also nicht indicirt (s. S. 322). Die che­mischen Aetzmittel sind wegen der alterirenden Wirkung, die sie auf die Gewebe haben, wenig brauchbar; unter ihnen sind noch die Mineral­säuren und die Chlormetalle am meisten zu empfehlen.
2)nbsp; nbsp;Gelenk- und Sehnenscheidonwunden. Der Zweck der Aetzung ist, die Wunden durch einen Schorf zu schliessen, damit die äussere Luft mit ihren Krankheitskeimen u. s. w. nicht in das Gelenk etc. eindringen kann. Mit dieser Methode leistet man mehr, als mit allen Verbänden und coagulirenden Mitteln. Die ßchandlungswcise mag dem Theoretiker roh erscheinen, hat sich aber praktisch bewährt.
3)nbsp; nbsp; Bei anderen Wunden, überhaupt entblössten Theilen zur Deckung. In gewissen Fällen ist es nothwendig, Wunden, namentlich an den unteren Enden der Gliedmaasscn gegen die Aus.scneinflüsse zu schützen. Wenn die von der Natur durch Exsudation gelieferte Decke ungenügend ist und der Verband nicht liegen bleibt, dann muss man zum Glüheisen greifen, um die Naturheilung unter dem Schorf zu imitiren.
4)nbsp; nbsp;Neubildungen. Gewöhnlich entfernt man die Neubildungen durch Operationen mit dem Messer, durch Abschnüren u. s. w. Es kommt aber vor, dass hierbei die Entfernung der Neubildung nicht ganz gelingt und dass noch kleine Theile derselben zurückbleiben, oder dass man dies befürchtet. In diesen Fällen ätzt man den Grund der Ope­rationswunde nach der Exstirpation des Tumors möglichst gründlich aus.
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326nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
In einzelnen Fällen wählt man wohl auch anstatt der operativen Ent­fernung einer Geschwulst die Zerstörung derselben durch Aetzung, und zwar dann, wenn mit dem Messer die Ausschälung sehr schwierig oder unmöglich ist.
5)nbsp; nbsp;Schlecht eiternde, jauchige Wunden und Geschwüre und solche mit luxuriösen Granulationen und necrotischen Gewebstheilen und sogenannte fressende Geschwüre (Knochengeschwüre, Caries, Fisteln und dergleichen) werden geätzt. Das Aetzmittel zerstört die fauligen in Zersetzung begriffenen Massen und die Fäulnissbacterien, es erregt eine frische üemarcationsentzündung, welche die Abstossung des Zer­störten bewirkt, die Vernarbung einleitet. Ueppige Granulationen werden durch die Aetzmittel direct zerstört.
6)nbsp; nbsp;Gifte und Contagien in Wunden. In diesem Falle ist der Zweck der Aetzung die Zerstörung der eingedrungenen Gifte und Krank­heitskeime, um deren Resorption, die dem Gesaramtorganismus Schaden bringen würde, zu hindern.
7)nbsp; nbsp;Bei Lahmheiten in Folge chronischer Gelenk-, Sehnenscheiden-und dergleichen Entzündungen, Späth, Schale, Sehnenklapp u. s. w. wendet man die Aetzmittel an, ohne dass die Aetzung eigentlich be­zweckt ist. Meist beabsichtigt man nur die Anregung einer heftigen Entzündung, die entweder die Schmelzung und Resorption oder die Verwachsung, die Anchylose im Gefolge haben soll. Die Aetzmittel erzeugen eine tief gehende Entzündung, die leicht zu Neubildungen, Verwachsungen, Verhärtungen führt.
8)nbsp; Hernien, Aussackungen, Erweiterungen.
Man bezweckt Schorf- und Narbenbildung. Der Schorf wirkt durcli Druck, die Narbe durch Retraction. So werden die Erweiterungen ver­engert, kleine Brüche zurückgebracht und zurückgehalten u. s. w.
9)nbsp; nbsp;Bei Paresen und Paralysen wirkt die Cauterisation ebenso, wie es bei den hautreizenden Mitteln besprochen wurde.
Andere epidermatische Methoden sind die Metallotherapie, die Elelitro-und die Magnetotherapie. Diese werden an anderer Stelle speciell besprochen.
II. Epidermatische Arznelapplicatlon mit bezweckter Resorption, percutane Arznei-application, jatroleptische Methode (Anatrlpsologie).
Das Resorptionsvermögen der äusseren Haut. Die Thatsache, dass die Haut einen hornigen Ueberzug trägt und an den meisten Stellen noch mit Haaren bedeckt ist, behindert vielfach schon die örtliche Wirkung der Heilmittel. Noch mehr ist dies aber bezüglich der Re­sorption derselben der Fall. Zeitweise ist die Möglichkeit der Re-
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Epidermalische Arzneiapplicalion mit bezweckter Resorption.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;327
sorplion von Medicamenten, die auf die unverletzte Epidermis gebracht werden, ganz und gar geleugnet worden. Heutzutage weiss man, dass -atierdings gewisse Mittel die hornige Epidermis, ohne dieselbe zu ver­letzen, zu durchdringen und so zur Resorption zu gelangen vermögen.
Die Literatur über diesen Gegenstand gehört der neueren Zeit an. Erst seit Anfang dieses Jahrhunderts hat man der Methode mehr Aufmerksamkeit zugewandt, Untersuchungen über die Permeabilität der Epidermis angestellt und Methoden vorgeschlagen, um die Resorption von Medicamenten von der Epidermis zu ver­bessern, resp. zu ermöglichen. So haben Brera (mit der Anatripsologie) und Chresticn (jatroleptische Methode) vorgeschlagen, die Medicamento mit thierischen Secreteu zu vermischen, ehe man sie einreibt; Andere schlugen vor, nur die fein­häutigen und gefässreichen Stellen zu wühlen; wieder Andere nahmen die Elek-tricitiit zu Hülfe (Klencke und Hassenstein) u. s. w. Im Ganzen ist die Lite­ratur über den Gegenstand wenig ergiebig.
Von vielen Medicamenten ist es bekannt, dass sie die heftigsten Wirkungen ausüben, wenn sie die von der Epidermis enlblösste Cutis treffen oder in die Sub-cutis eingeführt, während sie gar nicht wirken, wenn sie auf die Haut mit intacter Epidermis gebracht werden. Es beweist dies, dass Corium und Subcutis für die Resorption sehr geeignet sind, dass aber die Epidermis dieselbe hindert. Dies kann natürlich nur dadurch geschehen, dass sie den Medicamenten den Durchtritt nicht gestattet und deren Berührung mit dem Corium hindert. Ist dies nun mit allen Heilmitteln der Fall, lässt die Epidermis nichts durch, kann also kein Medicament resorbirt werden, was auf die Haut mit intacter Epidermis gebracht wird?
Den besten Beweis für die Thatsache. dass gewisse Medicamente die Horn-schichlen zu durchdringen vermögen, liefern die Rubefa cientia und Epispa-stica, die auf die Epidermis aufgestrichen werden und ohne diese zu verletzen oder zu zerstören auf die Cutis einwirken. Auch die Canstica und Refrigerantia wirken durch die Epidermis auf die Cutis. Bei den Causliois findet aber eine Zer­störung der Epidermis statt, und bei den Refrigerantien wirkt vielleicht blos die durchgeleitete Kälte. Dagegen handelt es sich bei den Rubefacientia und Epi-spastica sicher um ein Durchdringen der Medicamente durch die unverletzte Epi­dermis. Sobald die Möglichkeit, dass die Medicamente die Epidermis durchdringen können, zugegeben wird, muss auch die Möglichkeit der Resorption der auf die Haut gebrachten Mittel zugestanden werden.
Rücksichtlich dieser Frage steht es heutzutage fest, dass gewisse Medica­mente an sich von der unverletzten Haut resorhirbar s ind, während andere nur unter gewissen Verhältnissen resorbirt werden können, und dass sich die Resorbirbarkeit der Heilmittel nach dem Zustande der Haut und nach der Applicationsweise der Mittel richtet.
1)nbsp; nbsp; Ohne Weiteres resorhirbar sind Gase und gewisse Dämpfe. Diese That­sache war schon dadurch festgestellt, dass Regnault und Reiset das Vorhanden­sein einer Hautathmung bewiesen. Wenn die Epidermis für Sauerstoff und Kohlen­säure permeabel ist, muss sie es auch für andere Gase sein. Durch Experimente ist denn auch nachgewiesen worden, dass Thiero durch giftige Gase, welche die Haut berühren, vergiftet werden können.
2)nbsp; nbsp; Anders gestalten sich die Verhältnisse für flüssige, resp. in Wasser gelöste Arzneimittel. Krause hat zuerst festgestellt, dass die Epidermis für
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328nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Wasser undurchdringlich ist. In neuester Zeit hat dies R. Fleischer bestätigt. Im Allgemeinen liann es als unbestreitbare Thatsache angesehen werden, dass die Epidermis im normalen, unverletzten Znstande für diejenigen Flüssigkeiten oder in Wasser gelösten Substanzen, welche nicht mechanisch oder chemisch das Horn-gewebe alteriren, impermeabel ist. Trotzdem wäre nun aber noch eine Resorption von der unverletzten Haut möglich, weil die Epidermis durch die Drüsenausfühnings-gänge und Haare durchlöchert ist. Diese Absorption findet in der That statt, aber sie ist sehr gering, schon wegen des Talges, welcher die Talgdrüsen verstopft. Nur bei langer Dauer der Anwendung kann die Absorption so bedeutend werden, dass sie in Betracht kommt. Colin beobachtete bei Pferden Vergiftungserscheinun­gen nach fünfstündiger Einwirkung einer Cyankaliumlösung auf die Haut. Eine beachtenswerthe Absorption durch die Epideimis bei Anwendung trockener und feuchter Umschläge, bei Local- und Vollbädern ist nicht festgestellt.
3)nbsp; nbsp;Für alle sich leicht verflüchtigenden Substanzen scheint die Epi­dermis durchgängig zu sein. Krause glaubt auch, dass Wasserdämpfe durchgehen können. Für Aether, Alkohol, Chloroform, ätherische Oele und dergleichen ist die Epidermis permeabel.
4)nbsp; nbsp; Auch Substanzen, die gewöhnlich nur in Spuren rcsorbirt, können besser und in grösseren Quantitäten aufgenommen werden,wenn die Haut in günstigeren Resorptionsverhältnissen sich befindet. Dies ist der Fall bei gesteigerter Thätigkeit der Hautdrüsen, wodurch die Lösung und Fortschaffung der die Drüsen-mündung verstopfenden Talgstückchen erreicht wird, bei grösserer Turgescenz und Blutlulle der Haut, bei chemischen und mechanischen, die Permeabilität erhöhenden Aenderungen der Epidermis, das heisst bei Reizung, Erwärmung, Reibung, Druck, hautreizenden Mitteln und dergleichen.
5)nbsp; nbsp; Günstig für die Resorbirbarkeit der Medicamente ist es. wenn sie mit Mitteln verbunden sind, welche das Fett, welches die Haut und Drüsen­mündung bedeckt, löst (Seifen, Aether etc.). Es gelangen dann Mittel zur Resorption, von denen in wässeriger Lösung gar nichts resorbirt wird.
6)nbsp; nbsp; Vielleicht können an sich nicht resorbirbare Mittel durch Verbindung mit flüchtigen resorbirbaren dadurch resorbirbar werden, dass sie von letzteren mit fortgerissen werden.
7)nbsp; nbsp; Die Epidermis ist für Medioamente im zerstäubten Zustande durch­gängig, denen sie für gewöhnlich den Durchtritt verwehrt, so für Morphium, Curare, Digitalin etc. (Röhrig).
8)nbsp; nbsp; Günstig für die Resorption ist die Verbindung der Mittel mit Fetten, Oelen, Glycerin. Manche Mittel, die in wässerigen Lösungen nicht resorbirbar sind, werden es. wenn sie in Salbenform mit Seife u. s. w. eingerieben werden. Hierbei kommen auch die mechanische Einreibung als solche und die lange Zeit der Einwirkung als die Resorption begünstigende Momente mit in Betracht. Vor allen Dingen aber ist es Thatsache, dass Fett leicht in die Drüsen und die Epi­dermis eindringt, während Wasser von dem vorhandenen Hauttalg abgehalten wird, welche die Resorption in solchen Fällen erklärlich macht.
9)nbsp; nbsp; Da die Resorption hauplsächlich von den Drüsen und Haarfoll ikeln geschieht, wird sie befördert, wenn die Mitteln derart angewendet werden, dass die Hautdrüsen in Thätigkeit gerathen und ihr Secret wegsohaffen (reizende Umschläge, reizende Bäder, reizende Einreibungen u. s. w.).
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Epidermatische Arzneinpplication mit bezweckter Resorption.
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10) Im Grossen und Ganzen ist aber die Resorption, #9632;welche von der Haut statthaben kann, wenig von Belang.
-- Es ergiebt sich aus Vorstellendem wesentlich, dass Alles das durch die unverletzte Haut resorbirbar ist, was gasförmig ist, was Fett löst oder in Fett gelöst zur Anwendung gelangt.
Die Resorbirbarkeit einzelner Wedicamente. Parisset, Teissier, Magendie, H. Munk zeigten, dass Jod, Jodkaliuno, Ferrocyankalium, Digitalis, Belladonna, sal icy 1 saures, indig-schwefelsaures Natron, Strych­nin, Blausäure, Arsenik, Sublimat in wässeriger Lösung nicht resorbir­bar sind, wenigstens nicht rasch resorbirt werden. — Dagegen sind dieselben Jlittel (Jod, Jodkalium, Belladonna, Quecksilber u. s. w.) resor­birbar, wenn sie in Salbenform angewendet werden. Befördert wird ihre Kesorption durch Zusatz von Seife (H. Möller), vorheriges Baden und Abseifen der Haut u. s. w. — Arsenik, Cyan kali, Sublimat und dergleichen werden auch in wässerigen Lösungen resorbirbar, wenn die Berührung lange dauert und Hautreizung besteht. Bei Arsenik­bädern muss man darauf achten, dass der Arsen vollständig gelöst ist, weil er sonst die Oberhaut zerstört und dass die Thiere nach dem Bade rasch zum Trocknen ins Freie kommen, damit der Arsenik nicht zulange einwirkt. Jod, Jodkali, Digitalis, Alcaloide und andere Substanzen worden, wenn sie mit Spiritus, Aether und dergleichen an­gewandt werden, resorbirt. — Kochsalz wird nur imbibirt, wirkt wasserentziehend und reizt so die Hautnerven, bedingt erhöhten Stoff­wechsel etc. Es wird also wirksam, ohne resorbirt zu werden. — Das Quecksilber dringt offenbar in Kügelchen in die Haarfollikel, Talgdrüsen etc. ein (Fürbringer, Oberländer etc.) und wird dort vielleicht gelöst und dann resorbirt, vielleicht durchdringt es auch theilweise die verhornten Epidermisschichten, gelangt in das Rete Mal-pighi und wird von den quot;Wanderzellen aufgenommen und in die Lymph­drüsen etc. verschleppt. — Alkohol, Aether, Chloroform, Essig­säure, Terpenthinöl, Campferöl, Coniin, die scharfen und flüchtigen Stoffe von Senföl, Crotonöl, Meerrettig, Cantha-ridin u. s. w. sind resorbirbar. (Andral und Marchand leugnen die Resorbirbarkeit des Crotonöl.) Stoffe, die mit Aetzraitteln ange­wandt werden, überhaupt mit solchen, welche die Epidermis verletzen, sind resorbirbar (endermatische Application).
Methodik. Es sind verschiedene Methoden zu dem Zwecke, das Durchdringen von resorbirbaren Medicamenten durch die Epidermis zu steigern oder dieses von solchen Mcdicamenten zu ermöglichen, für welche die Epidermis gewöhnlich nicht permeabel ist, in Gebrauch gezogen worden.
1)nbsp; nbsp;Die jatroleptische Methode (Anatripsologie) wendet die Medi­camente in Verbindung mit tbierischen Secreten an, um sie resorbirbar zu machen. Sie hat sich als werthlos gezeigt.
2)nbsp; nbsp;Die Aqnapunctnr. Man versteht darunter diejenige Applications-methode, bei der man vermittelst einer Spritze mit sehr feinem Ansatz­rohr, welches 1 Ctm. von der Haut entfernt gehalten wird, Wasser
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330nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
durch die unverletzte Haut bis in die Unterhaut einpresst. Das Ver­fahren ist bei Neuralgien beim Menschen manchmal mit Vortheil be­nutzt worden.
3) Die chemisch-elektrische epidermatische Methode. Der Zweck dieses Verfahrens ist, vermittelst des galvanischen Stromes Arzneistoffe durch die unverletzte Haut dem Körper einzuverleiben (Klencke, Hassenstein, Clemens). Die von Beer empfohlene Joddurchleitung hat sich als unausführbar erwiesen. Dagegen iiat H. Munk durch eine höchst interessante Versuchsreihe bewiesen, dass vermittelst der kata-phorischen Wirkung des galvanischen Stromes gewisse Medicamente (z. B. Strychnin, Chinin, Jod) leicht zur Resorption von der unver­letzten Haut aus gebracht werden können. — Die beiden letztgenann­ten epidermatischen Methoden gelangen nur ganz ausnahmsweise zur Anwendung.
B. Endermatische Applicationsmethoden.
(Anwendung dor Heilmittel auf die von der Epidermis entblösste Haut oder in das
Corium.)
I. Die deckenden Methoden.
Wenn die Epidermis von dem Corium entfernt ist, treten Krank­heitsvorgänge auf, welche nur die Folgen der vorhandenen abnormen Bedingungen, d. h. des Mangels der Epidermis sind. Die Behandlung des Arztes, dessen Aufgabe es ist, die normalen Bedingungen wieder herzustellen, kann nur darin bestehen, die verloren gegangene Decke zu ersetzen. Es geschieht dies in verschiedener Art und Weise: 1) Man wendet Mittel, weiche Eiweiss coaguiiren, auf die entblössten Stellen an, dadurch werden die exsudirten Massen und die obersten Zell­schichten zu einem deckenden Schorfe umgewandelt. Zu diesem Zwecke verwendet man den Höllenstein, Kupfervitriol, Bleizucker, Tannin, Creosot, Alaun und dergleichen. — 2) Man benutzt soge­nannte Klebemittel, um eine künstliche Decke zu erzeugen, z. B. Wachs, Terpenthin, Fech, Theer, Adhäsivpflaster, Coilodium, Guttapercha u. s. w. — 3) Endlich kann der Indication auch durch Anlegung von Verbänden genügt werden. Das Nähere über die deckende Methode wird bei den Causalcuren besprochen.
2. Die intracutane Arzneiappiication.
Diese Methode der Arzneiappiication besteht in der Anwendung von Heilmitteln auf die von der Epidermis entblösste Haut oder im directen Einführen der Medicamente in das Corium. Man bezweckt damit entweder die Behandlung örtlicher Leiden (Wunden, Geschwüre) oder die Erreichung der Resorptionswirkung. Zu ersterem Zwecke wird die Methode vielfach nach den an anderer Stelle zu besprechenden Grundsätzen benutzt. Zur Erzielung von Resorptionswirkung ist die Methode (welche z. B. vorhandene oder künstlich erzeugte Cutiswunden
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Inlracutane Arzneiapplication.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 331
benutzt) seit Einführung der subcutanen Arzneiapplication kaum noch im Gebrauche.
Das Resorptionsvermögen von Wunden und Geschwüren. Die Cutis
resorbirt. sobald die Epidermis entfernt ist und die Heilmittel direct auf resp. in das Corium und seine Drüsen ffelannen können. Jeicht, schnell und reichlich. Am besten resorhiren frische Cutiswunden. In diesen gelangen die Medicaracnte in directe Berührung mit den durchscbnittenen Blut- und Lymphgefässen. so dass eine Art Infusion resp. intravasculäre Injection eintreten kann. Dagegen erfolgt von alten Wunden, Geschwüren und Fisteln die Resorption sehr unsicher (Eulenburg), so dass diese Applicationsart von Heilmitteln, welche zur Re­sorption bestimmt sind, nicht zu empfehlen ist. Nach Hack verhalten sich gra-nulirende Flächen wie folgt: Sie resorbiren z. B. leicht Pilocarpin, sallcyl-saures, indigschwefelsaures Patron, Blutlaugensalz, nicht Apomorphin. — Je grosser die Granulationsnäche ist, um so grosser ist die Wirkung der auf sie ge­brachten Medicamente, weil sie, wenn auch nicht rascher, so doch grössere Mengen zu resorbiren vermag. Bei beginnender Heilung verkleinert sich die Fläche, und deshalb wird weniger resorbirt. Sitzt ein Schorf auf der Wundfläche, so hindert er die Resorption, wenn er trocken wird, während er sie im angefeuchteten Zu­stande erleichtert. Der von Höllenstein und Carbolsäure erzeugte Schorf befördert die Resorption, während der Schorf von Kupferoxyd, Alkali. Salpetersäure sie verzögert, der Chlorzink- und der Eintrocknungsschorf sie hindert. Wenn die Granulations­flächen antiseptiscb behandelt werden, steigt ihr Resorptionsvermögen. Während z. B. alkalische Lösungen und Apomorphin gewöhnlich nicht resorbirt werden, ge­schieht dies von gelisterten Flächen. Die Spraybehandlung vermindert die Re­sorption durch die dabei entfaltete Verdunslungskälte etwas. Mehrtägige Warm­wasserbehandlung, ebenso wie derartige Behandlung mit Jodtinctur setzt das Resorptionsvermögen herab, während Glycerin dasselbe erhöht. Campher in Lösung ist von Wunden resorbirbar. Alte, torpide, glasige Wunden besitzen ein nur ge­ringes Resorptionsvermögen. Die Kenntniss des Resorptionsvermögens der Wunden und Geschwüre ist bei der Wundbehandlung von praktischem Interesse.
Methoden. Das erste bekannt gewordene künstliche endermatische Verfahren ist das als emplnstru - endermatische Methode bezeichnete von Lembcrt und Lesieur. Es bestand in der Anwendung eines Vesicans und Benatzung der dadurch entblössten Fläche zur Arznei­application. Trousseau, Pidoux, Gualla, Piorry, Valloix, Dcmme u. A. haben die Methode mehrfach modificirt und Ammoniak, Kali causticum u. s.f w. zur Abhebung der Oberhaut benutzt. Die Methode ist mit Schmerzen für die Kranken verbunden, sie ist umständlich, wenig zuverlässig, die Resorptionf erfolgt langsam u. s. w. Sie stellt in jeder Richtung hinter der hypodermatiseben Methode zurück.
Eine andere endermatische Methode ist die sogenannte medicamen-töse Iiioculatiun, ein Verfahren, das Lafarque in die Praxis einführte und Langen beck vielfach verbesserte und modificirte. Es besieht im Wesentlichen darin, dass sehr feine Stiche in die Haut gemacht werden, die man zur Arzneiapplication benutzt, v. Bruns änderte das Verfahren in die sogenannte trockene Injection oder Tni|)lan(atioii ab. — Alle diese Methoden sind nicht mehr gebräuchlich. Die hypoderma-
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332nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
tische Injection ist an ihre Stelle getreten. Erwähnenswerth ist aber noch die Traiis|i1aiitation. Bei derselben benutzt man Hautstückchen oder Epidermis als Heilmittel. x\uf grosso Geschwürsflächen bringt man nach vorheriger An frischung kleine frische Hautstückchen, die anderen (gesunden) Stellen entnommen sind. Das Nähere über die Ausführung dieser Methode findet man in der Ciiirurgie.
C. Die subeutane, hypodermatische Heilmittelapplication. *)
Begriff. Die hypodermatischen Curmethoden bezwecken die Einfülirung der Medicamente in die ünterhaut, zur Erreichung ihrer Absorption. Nur selten beabsichtigt man mit dieser Application eine ätzende, reizende, entzündungserregende etc. örtliche Wirkung. Das Einbringen fester Substanzen in die ünterhaut (subeutane Implan­tation) wird nur wenig geübt. Wir beschäftigen uns hier nur mit der Einführung flüssiger Heilmittel in die Subcutis, der subeutanen Injec tion.
Die Methode der subeutanen Injection ist von Alexander Wood und von Rynd in die Modioin eingeführt worden. Bell und Ch. Hunter traten sofort als Verttieidiger der Methode auf. Nach Deutschland führte sie Bertrand, nach Frank­reich Behier. nach Amerika Ruppauer ein. In Deutschland war es v. Gräfe, der nach Franque und Semelerler sich durch Besprechung der speciellen Indi-cationen um die Einführung der Methode bemühte. Ganz besondere Verdienste erwarb sich aber in dieser Richtung A. Eulenburg, dessen gekrönte Preisschrift aligemeine Anerkennung gefunden hat. In die Thieiheilkunde fand die Methode nur langsam Eingang. Jabourin und Saunier haben in der Thierheilkunde wohl zuerst mit der Methode oxperimentirt. Dann folgte St. Cyr. In Deutschland war es besonders der berühmte Veterinär A. Ch. Gerlach, der viele Versuche mit hypodermatischen Injcctionen bei llausthieren anstellte, für die häufigere Verwendung der Methode bei Thierkrankheiten lebhaft eintrat und mit anderen Autoritäten es er­reichte, class die subeutane Arzneiapplication von den Thierärzten in ihren Vor­zügen erkannt und allgemeiner verwendet wurde.
Instmmente. Man verwendet zu den hypodermatischen Injectionen in der Regel die sogenannte Pravaz'sche Spritze; es ist dies eine kleine gläserne Spritze von 1—5 Gr. Kubikinhalt, die mit einer Nadel-canüle versehen ist. Für den thierärztiiehen Gebrauch eignen sich besser etwas grössere Spritzen. Auch ist es vortheilhaft, wenn neben den gewöhnlichen lancetförmigen hohlen Nadelcanülen eine stärkere nicht zugespitzte Canüle vorhanden ist, zu der ein kleines mit drei­kantiger Spitze versehenes Stilet gehört (also ein kleiner an die Spitze anschraubbarer Troicart). Es erschien mir überflüssig der verschiedenen Instrumente zu gedenken, die angewandt worden sind (von Rynd, ßourguignon, Gräfe, Beigel u. A.). Hüter's Infusor scheint
*) Submueöse Injectionen werden nur selten und dann ebenso wie die sub­eutanen angewendet.
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Subcutane Heilmittelapplication.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 333
wenig Eingang zu finden, weshalb wir auch dessen Beschreibung unter­lassen. Die Spritzen müssen gut gearbeitet sein, der Stempel muss vollkommen abschliessen u. s. w. — Die Spritzen und Canülen sind mit, grösster Sorgfalt stets zu reinigen und eventuell zu desinficiren.
Die Methodik. Nachdem die Spritze mit dem zu injicirenden Me­dicamente gelullt ist, sticht man die Nadelcanüle durch die in eine lockere Falte gelegte Haut, so dass die Spitze sich in der Unterhaut befindet. Indem man die Spritze fest in die Canüle eindreht, drückt man den Spritzenstempel langsam, am besten drehend nieder. Die in-jicirte Flüssigkeit streicht man mit den Fingern breit. Man kann nun die Canüle liegen lassen, die Spritze von Neuem füllen und die Injec­tion wiederholen. Es ist aber nicht vortheilhaft, zu viel Flüssigkeit an einer Stelle zu injiciren, sondern es ist besser, mehrere Stellen zu wühlen. Sobald die Injection beendet ist, zieht man die Canüle heraus und bringt die Injectionsgeschwulst durch Streichen mit den Fingern möglichst zum Vertheilen. — Der Anfänger achte wohl darauf, dass er wirklich durch die Haut sticht und nicht etwa mit der Spritzen-canüle im Corium bleibt oder gar zu tief in die Muskellagen einsticht und darauf, dass er keine Luft mit injicirt. Man entfernt die etwa beim Füllen der Spritze eingezogene Luft vor dem Injiciren durch eine entsprechende Bewegung mit dem Stempel der mit der Spitze nach oben gehaltenen Spritze. Man kann an jeder Stelle des Körpers je nach der Erkrankung injiciren. Bei freier Wahl des Inj ectionsortes benutzt man die bequem zugänglichen Stellen mit locker aufliegender Haut, also z. B. die Seiten des Halses, der Schulter, des Rumpfs, des Beckens etc. Bei neuralgischen, rheumatischen Schmerzen, Gelenkleiden u. s. w. wähle man die Injectionsstelle stets in möglichster Nähe der erkrankten scli merzenden Partien. Die Inject ion sflüssigkeiten, d. h. die zu den Injectionen zu verwendenden Lösungen müssen klar und am besten hautwarm, also nicht zu kalt sein, dürfen keine ungelösten Par­tikelchen enthalten und nicht zu sauer oder zu alkalisch reagiren.
Nach jeder Injection ist die Spritze abzuspülen und zu trocknen. Der Stempel muss von Zeit zu Zeit mit heissem Wasser gewaschen werden. Besonders ist auch auf die llcinheit der Canülen zu achten. Für ihre stete Durchgängigkeit sorgt man dadurch, dass man stets einen Platin-, Gold- oder Silberdraht in dieselben einlegt.
Absorptionsfähigkeit der Subcutis. Die Subcutis ist für die Absorption
in hohem Grade geeignet. Bekanntlich beginnen absorbirende Lyinphgefiisse in wandungslosen Räumen des Unterhautgewebes (resp. des Bindegewebes überhaupt) so dass diese die Anfänge und Wurzeln der Lymphgefässe darstellen. Bei den In­jectionen spritzen wir die betreffenden Flüssigkeiten direct in diese Räume. Natür­lich kann demnach das Injicirte loioht, rasch und bequem in die Lymph- und Blut-gefässe und zu allen Theilen des Körpers kommen. Ein günstiges Moment für die subcutane Anwendung der Heilmittel findet sich auch in dem maschigen Bau der Unterhaut. Die weiten Maschen begünstigen die Aufnahme und Verbreitung grösserer Mengen flüssiger Medicamente. Die rasche Absorption dieser grossen Mengen gelingt wieder nur in Folge des bedeutenden Keichthums der Subcutis an
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334nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Gelassen. Die Absorption, oder wie in neuerer Zeit der Sprachgebrauch es fälsch­licher Weise will, die Resorption scheint hauptsächlich von den Lymphgefässen zu erfolgen: in wie weit die Blutgefässe dabei betheiligt sind, ist nicht klar gestellt. Dass die Lymphgefässe besonders thätig sind, geht daraus hervor, dass organisirte Krankheitsträget oder -Erreger, wenn sie in die Unterhaut gebracht werden, meist zunächst Krankheiten im Lymphapparat veranlassen. Zweifellos findet aber bei flüssigen Medicamenten auch eine Absorption durch die Venen statt. Uebrigens darf nicht übersehen werden, dass bei dem Injiciren Verletzungen von Blutgefässen und so intravenöse oder i ntravascu läre Infusionen vor­kommen können, die unter Umständen von bedrohlichen Folgen begleitet sind. Dieses Eroigniss ist aber selten. Gewöhnlich vertheilt sich das Injicirte in den Maschen der ünterhaut und wird von da aus allmälig, allerdings relativ rasch aufgesaugt.
Die Wirkungen der Injectionen. Wie bei den Inhalationsmethoden, müssen wir auch hier die All­gemein- und die Special-Wirkungen unterscheiden. Die ersteren bezeichnet man auch als die Haupt- und die letzteren als die Neben­wirkungen. Die allgemeinen Wirkungen nennt man passend auch die pbarmakologisclien, und versteht demnach darunter die­jenigen Wirkungen, welche nach der Injection zufolge der pharmako-logischen Eigenschaften des Heilmittels eintreten müssen. Ueber diese Wirkungen belehrt uns die specielle Arzneimittellehre. Die speciellen Wirkungen oder Nebenwirkungen sind diejenigen, welche durch die Anwendungsweise und zufällige Umstände bedingt sind. Die meisten Nebenwirkungen treten nur in Ausnahmefällen auf, andere sind rogelmässige Vorkommnisse bei der subeutanen Injection des be­treffenden Medicamentes. Sie sind zum Theil beabsichtigt und zum Theil zufällige Vorkommnisse. Die letzteren stellen die echten Neben-, die ersteren die Specialwirkungen dar.
1. Die unbeabsichtigten Nebenwirkungen.
Zunächst könnten in Folge des Einstichs unangenehme örtliche Wirkungen hervortreten. Gewöhnlich aber beobachtet man keine irgend wie üblen Zufälle. In der Regel verklebt die Stichöffnung sehr rasch, ohne jede Folge; oder es bildet sich um dieselbe herum eine unbe­deutende Anschwellung, die bald versciiwindet, oder es entsteht — was aber seltener ist — eine schmerzhafte knötchenartige Verhärtung. Aber auch diese pflegt in wenigen Tagen zu verschwinden, ist also ohne alle Bedeutung. Beim Menschen muss oft an derselben Haut­stelle sehr häufig injicirt werden, und doch ist es sehr selten, dass üble örtliche Folgen auftreten, wenn es sich um Medicamente handelt, welche keine reizenden Bestandtheile besitzen. Ganz anders verhält es sich, wenn das Injicirte reizende Eigenschaften an sich trägt, dann entsteht
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Wirkungen der hypodermatischen lujectionen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;335
Entzündung an der Injectionsstelle, Phlegmone, Abscedimngen, Necrotisirungen u. s. w. Die reizende Wirkung der Heilmittel kann .bedingt sein durch ihnen eigenthümliche reizende Eigenschaften, oder aber durch Fehler bei der Zubereitung und der Lösung, durch zufällige Beimischungen, Verunreinigungen, durch das Lösungsmittel u. s. w. Das letztere sind Umstände, die vermieden werden können. Sind sie zugegen, dann trifft den Thierarzt der Vorwurf. Es sei hier besonders darauf aufmerksam gemacht, dass durch Anwendung unreiner Spritzen infectiöse und ansteckende Krankheiten übertragen werden können.
Arzneimittel, welche an sich mit reizenden Eigenschaften ausgestattet sind, dürfen behufs Erzielung entfernter und allgemeiner Wirkungen gar nicht oder nur unter ganz bestimmten Verhältnissen, z. B. bei drohender Lebensgefahr angewandt werden. Wenn die Rei­zung Zweck der Anwendung ist, dann liegt natürlich keine Contrain­dication gegen den Gebrauch der reizenden Medicamente vor.
Zu erwähnen dürfte nocli sein, dass gewisse Körperstellen mehr als andere zur Ecchymosirung und dergleichen neigen, und dass bei gewissen Krankheiten, brandigen Herden im Innern, typhösen Leiden u. s.w. Neigung zu Absce-dirungen und Keorotisirungon besteht, so dass selbst bei den unbedeutend­sten Verwundungen unangenehme Zufälle eintreten können.
Die gewöhnlichste, am häufigsten zu beobachtende Nebenerscheinung ist der Schmerz. Sehr empfindliche Thicre werden durch den einfachen Stich schon heftig irritirt. Namentlich ist diese Nebenwirkung unan­genehm bei tetanischen Zuständen, wo die krankhafte Irritabilität der Nerven die subeutane Injection fast verbietet. Zufällige Zerrungen von Unterhautnerven, Berührungen derselben mit der Spitze der Canüle, Reizungen durch das Medicament etc. können zufällig Schmerzen her­vorrufen und vorhandene steigern.
Wenn der Schmerz ziemlich häufig beobachtet wird, so ist dagegen ein anderer Zufall, nämlich das Eintreten von Blutuiigen um so seltener. Bei vorsichtiger Injection, bei sorgfältiger Auswahl der Hautstelle sind sie zu vermeiden, es sei denn, dass das betreffende Thier ein Bluter sei; dann wird die Blutung allerdings selbst bei vorsichtigster Injection immer sehr unangenehm sein. Glücklicherweise sind aber die Bluter unter unseren Thieren sehr selten. Ausserdem können nicht unbedeu­tende, wenn auch ungefährliche Blutungen eintreten, wenn es nothwen-dig wird, an Stellen zu injiciren, wo die Haut pathologisch verändert und gefässreicher ist. Eine wirkliche Gefahr erwächst aus den zufällig auftretenden Blutungen nicht.
Andere höchst selten beobachtete Zufälle kommen zu Stande durch das Eindringen der Spritzenspitze in eine grössere Vene oder ein grösseres Lymphgefäss (Münchmeyer). Die intravenöse In­jection hat natürlich zur Folge, dass sehr rasch eine sehr mächtige, unter Umständen gefährliche Arznei Wirkung in die Erschei­nung tritt.
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336nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
Dies dürften die am Läufigsten zu beobachtenden unbeabsichtigten Nebenwirkungen sein. Andere Special Wirkungen, der rasche Eintritt der Wirkung, die heftige Wirkung u. s. w. sind Zweck der Methode.
2. Die Haupt- und beabsichtigten Specialwirkungen.
Alan muss zwischen der localen und der entfernten Wirkung unter­scheiden, welche letztere man in der Regel als Allgemein Wirkung bezeichnet.
laquo;. Die entfernte Wirkung ist wesentlich die pharmakologische Wirkung, modificirt durch die speciellcn Verhältnisse, welche bei der subcutanen Applicationsmethode vorliegen. Diese speciellen Verhält­nisse sind gegeben in der Geschwindigkeit der Aufnahme der Medicamente in die thierischen Säfte und in der Schnellig­keit der Ausscheidung aus denselben.
Bezüglich der Resorption ist festgestellt, dass dieselbe ausser-ordentlich rasch stattfindet.
Spritzt man \ .2 Grm. einer 5—Sprocentigen Blausaure unter die Haut eines Kaninchens, so sind schon nach ' ., Minute die Vergiftungserscheimmgen vorhanden. Ebenso rasch erfolgt die Wirlmng bei Strychnin, Nicotin und Curare, Ergotin und Ätropin. Audi bei Morphium und Apomorphin tritt die Wirkung sehr rasch ein, bei Pilocarpin beobachtet man die Wirkung nach 1—4 Minuten. Kxacte Versuche Eulenburg's mit Amygdalin zeigen, dass bei subeutaner Anwendung derselben Menge des Mittels schon in 3-—4 Minuten eine gleiche Anhäufung desselben im Blute bestand, wie bei der Anwendung per es nach 15—20 Minuten. Auch die Untersuchung der Excrete giebt einen sicheren Anhalt über die Geschwindigkeit der Resorption. Bei subeutaner Anwendung lindet man die Mittel resp. ihre Bestand-theile oder Abkömmlinge viel früher im Harn, Schweiss etc.. als bei innerlicher Medication. So fand man Jod bei subeutaner Anwendung schon nach 4—5 Minuten, bei interner Anwendung erst nach 10—18 Minuten im Harn. Im Speichel des Menschen fand es sich im ersten Falle sogar schon nach 1—öMinuten. Demarquay zeigte, dass die Resorption bei subeutaner Anwendung nicht allein schneller erfolgt, wie bei interner, sondern auch schneller, als bei der Application vom Rectum, der Vagina, der Trachea und der Vesica.
Bezüglich der Ausscheidungsverhältnisse der subeutan inji-cirten und resorbirten Medicamente hat sich herausgestellt (Eulenburg, Czarlinski), dass diese den Körper viel rascher verlassen als die intern beigebrachten. Diese rasche Ausscheidung bedingt es, dass weniger leicht cumulative Wirkungen zu Stande kommen als bei der innerlichen Medication. Die Medicamente verweilen so kurze Zeit im Blute, dass bei der nächsten Injection schon Alles oder der grösste Theil aus dem Körper ausgeschieden ist.
Kaliumeisencyanür war bei hypodermatischer Anwendung nach 16—20Stunden im Harn kaum aufzufinden; bei Anwendung per os fand man es meist noch nach 70—80 Stunden im Harn. Ebenso verhielt es sich mit Jodkaliuni und Tannin.
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Wirkungen der hypodermatischen Injectionen.
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Bei der subcutanen Anwendung muss demnach die Hauptwirkung in Folge der speciellen Verhältnisse rascher, sicherer, ausgiebiger -ffnd intensiver auftreten, und eine cumulative Wirkung we­niger zu befürchten sein als bei der Application per os.
ß. Die Örtliche Wirkung. Wir verstehen darunter die pharmakolo-gische Wirkung des angewandten Heilmittels am Orte der Application und sehen dabei von den besprochenen zufälligen Nebenwirkungen ab. Eine viel ventilirte Frage ist die, ob bei der subcutanen Arzneiappli-cation die Nerven am Applicationsorte beeinflusst werden. — Es ist zweifellos und ganz allgemein beobachtet worden, dass nach subcutanen Injectionen beruhigender, narcotischer Mittel in den schmerzhaften Stellen, in deren Nähe die Injection vorgenommen wurde, eine Beruhi­gung in die Erscheinung trat. Aus dieser Thatsache erhellt aber nicht, ob die beruhigende Wirkung die Folge der Allgemein Wir­kung oder einer örtlich sedirenden Einwirkung ist. Hüter, Hilsmann, Joly u. A. sind der Ansicht, dass die am Applications­orte auftretende Wirkung nur ein Theil der Gesammtwirkung, eine Folge der die Centralorgane beruhigenden Wirkung sei und dass eine örtliche Beeinflussung der Nerven nicht statthabe. — Dem gegenüber lehrt aber die therapeutische Erfahrung, dass bei Neuralgien, Keflexkrämpfen u. s. w. die Wahl des Applicationsortes sehr wichtig ist (Rynd, Wood, Semeleder, Gräfe, Schule, Sommerbrodt u. A.), und dass z. ß. die beruhigende Wirkung des Morphium bei localen Schmerzen nur prompt erfolgt, wenn die Injection nahe an der schmerzenden Stelle vollzogen wurde.
Bei Lahmheiten der Thiere ergiebt sich zveifellos, dass der Applications-ort nicht gleichgültig ist, sondern dass die prompte Wirkung nur eintritt, wenn die injection in der möglichsten Nähe der schmerzenden Stelle gemacht wird. Bouley schlägt deshalb vor. in Zweifelsfällen zur Erforschung des Sitzes einer Lahmheit Jlorphiuminjectionen zu machen. Aus dem Verschwinden, resp. der Besserung der Lahmheit (Schulterlalmiheit, Hahnentritt) oder dem Ausbleiben dieser Wirkung soll der Sitz des Leidens, resp. des Schmerzes erkannt werden können.
Eulen bürg hat höclist lehrreiche Versuche an gesunden Menschen mit Prüfung des örtlichen Tastsinnes nach der Weber'schen Methode unter Anwendung des Volkmann'sohen Tastmessers oder Siereking's Aesthesiometer angestellt, um die durch therapeutische Erfahrungen schwer zu erzielende Entscheidung in der Frage der örtlichen Wirkung der Heilmittel auf die sensiblen Nerven zu bringen. Er wählte identische Hautstellen, stellte die Tastkreise an denselben fest, machte dann an der einen Hautstelle eine Morphiuminjection und nahm abermals die Tast­kreise der identischen Hautstellen auf. Er constatirte dann Abnahme des Tast­gefühls beiderseits, aber bedeutend stärkere Abschwächung am Applicationsort oder namentlich unmittelbar nach der Injection nur Abschwächung an der Injections-stelle und unverändertes Gefühl an der symmetrischen Stelle. Es erfolgt also die
EUenbcrger. Allgemeine Thernpie.
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338nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Kunsthülfe.
Abschwachung des Gefühls an der der Injectionsstelle symmetrischen Hautstelle später, und ist nicht so bedeutend, als ein der Injectionsstelle; ausnahmsweise konnte man sogar eine Gefiihlserhöhung, wahrscheinlich nach dem Gesetze des Ausgleichs, daselbst constatiren. In neuester Zeit hat Eulenburg auch die Prüfung der elelctrocutanen Sensibilität vorgenommen und dabei ganz ähnliche Resultate erzielt.
Eulenburg's Versuche beweisen, „dass gewisse Narcotica (Morphium, Atropin), abgesehen von ihrer Allgemein Wirkung auch eine speeifische örtliche Wirkung auf die sensiblen Hautnerven in der Umgebung der Injectionsstelle ausüben, indem sie den Tastsinn, sowie auch das cutane Gemeingefühl in den entsprechenden Bezirken relativ und absolut herab­setzenquot;. Injectionen von destillirtem Wasser, Strychnin, Veratrin, Saponin ergaben diese Wirkung nicht, wohl aber zuweilen 2 procentige Carbolsäure. —
Wenn die sensiblen Nerven local beeinflusst werden können, so liegt die Vermuthung nahe, dass dies auch bei motorischen der Fall sein werde. Diese Frage ist aber experimentell noch nicht entschieden. Eulenburg hat zu ihrer Lösung zwar Versuche angestellt, die Resultate derselben sind aber so inconstant, dass wir auf deren Aufzählung verzichten. Gewisse physiologische Versuchsresultate sprechen entschieden für eine Bejahung der Frage (die Wirkung von Älkaloiden etc., welche direct auf motorische, frei präparirte Nerven gebracht werden). Auch eine Reihe therapeutischer Beobachtungen (Demarquay, Gherini, Polli. Gualla, Eulenburg) scheinen die Möglichkeit einer directen Bewirkung motorischer Nerven durch injicirte Medicamente darzuthun.
Die Indicationen, Contrarndicationen und dergleichen.
Die Vorzüge des Verfahrens der hypoderraatischen Injection liegen in der rascheren, präciseren und kräftigeren und sicheren Wirkung der Heilmittel und in der Verbindung der Allgemein­wirkung mit der Localwirkung. Die Heilmittel brauchen nicht der zersetzenden Einwirkung der Verdauungssäfte ausgesetzt zu werden; ihre Resorption, Anhäufung im Blute und Ausscheidung nimmt nur kurze Zeit in Anspruch; die technische Ausführung der Methode ist bequem etc. — Die Anwendung der hypodermatischen Injection ist indicirt, wenn eine rasche und kräftige Wirkung erwünscht, wenn Gefahr im Verzüge (Vitalindication, Krämpfe, acute Vergiftungen, Kolik der Pferde, innere Blutungen und dergleichen) und wenn die Anwendung per os besondere Schwierigkeiten bietet, oder unmöglich ist (Brechdurchfall, Schlingkrämpfe, bei Schweinen überhaupt etc.), ferner bei Mitteln, die vom Verdauungscanal unsicher wirken, weil sie dort zersetzt oder zu langsam resorbirt werden (so
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Indicationen der hypüdermatischen Injectionsmethode.
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Curare und Aconitin bei Pflanzenfressern, Opium bei Vögeln, viele Krankheitserreger etc.), sodann, wenn nach Lage der Sache eine öftere 'Anwendung indicirt ist, aber die cumulative Wirkung vermie­den werden soll, und endlich, wenn neben der allgemeinen Wir­kung noch eine locale Wirkung erwünscht ist (Neuralgie etc.). Einige speoielle Indicationen der hypodermatisohen Applioationsmethode sind:
1)nbsp; nbsp; Zur Hervorrufung entfernter Wirkungen: a. Vorhandensein gefahrdrohen­der Zufälle (Schwäche, Ohnmacht. Blutungen, Krämpfe, Fieher etc.). b. Behinde­rung der Einfuhr der Heilmittel in den Magen wegen Erkrankung des Verdauungs-tractes, mechanischer Hindernisse etc. c. Bei mangelhafter Resorptionsfähigkeit der Digestivschleimhaut in Folge von Krankheiten derselben, d. Bei ungünstigen Einwirkungen der Digestivsäfte auf die Heilmittel, e. Zum Erreichen grösserer Heilerfolge bei localen Leiden, f. Bei dem Vorliegen grosser Schwierigkeiten beim Eingeben der Heilmittel u. s. w. (Quecksilberpräparate gegen Syphilis. Eisen gegen Anämien, Arsen gegen Hautkrankheiten. Opium gegen Durchfälle, Apomorphin als Brechmittel, Pilooarpin als Ecbolicum, Colocynthin als Drasticum, Colchicin als Diureticum etc.).
2)nbsp; nbsp; Zur Entfaltung localer Einwirkung. Dabei bezweckt man entweder die Hervorrufung einer localen Entzündung oder die Umstimmung der Functionen und die Aenderung der Ernährung der direct unter der Haut gelegenen Theile, oder die Erzeugung einer örtlichen Antisepsis oder Antiphlogose. Die hierher gehörigen Mittel sind: Ac. carbol., Ac. tannicum, Aqua, Argent, nitr., Cantharides, Cuprum sulfur., Natr. chlorat., Liq. natrii hypochlorosi, 01. terebinth., Spir. vini.
3)nbsp; nbsp; Zum Ersatz von Blutbeslandtheilen resp. des Blutes in toto (Mittel: defi-brinirtes Blut, Blutserum, Eiweisslösungen, Rindfleischsaft, Milch, Hühnereidotter, fette Oele, Zuckerlösungen, Wasser und dergleichen).
Bio hypodermatische Arzneiapplicalion hat wegen der vielen Vorzüge, welche sie vor der sogenannten innerlichen Medication hat, in der kurzen Zeit ihres Bekanntseins schon bedeutendes Terrain erobert. Es wird aber niemals dahin kommen, dass die hypodermatische Injection die Application per os ersetzen könnte, und diese etwa, nur noch zur Erfüllung örtlicher Indicationen angewendet würde. Das ist aus vielen Gründen unmöglich. Einmal sind viele Medicamente wegen ihrer örtlich reizenden Eigenschaften subcutan gar nicht anwendbar; andere nicht wegen ihrer Unlöslichkeit oder Schwerlöslichkeit; andere nicht, weil sie nur in reizenden Flüssigkeiten löslich sind; wieder andere nicht, weil sie nur durch Hinzukommen der Verdauungssäfte, resp. deren Einwirkung auf die Medicamente wirksam werden; andere nicht, weil sie nur in grosser Dosis wirken u. s. w. Sodann ist auch vielfach die intensive Wirkung, wie sie die hypodermatisoh injicirten Medicamente im Gefolge haben, nicht indicirt, oder es ist die cumulative Wirkung erwünscht u. s. w. Andere Nachtheile der Methode sind noch darin zu finden, dass leicht heftige Symptome auftreten, die in der Privatpraxis Unbequemlichkeiten etc. mit sich führen; dass das Verfahren etwas schmerzhaft ist (Tetanus); dass unter Umständen örtliche Zufälle eintreten.
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Die Mittel der hypodermatischen Applicationsmethode.
Die nachstehend aufzuführenden Mittel werden in möglichst con-centrirter Lösung angewendet. Als Lösungsmittel benutzt man in der Regel Aqua destillata, oder Spiritus oder Glycerin. Die Lösung muss immer eine vollständige sein. Die Dosis wird einzeln angegeben, sie ist 4 Mal grosser, als die für die intravenöse Application, bedeutend kleiner, als die zur innerlichen Medication gebräuchliche. Im Nach­stehenden werden wesentlich die in der Thierheilkuude benutzten Mittel, so weit sie mir in ihren Wirkungen aus thierärztlichen Schriften und eigenen Untersuchungen bekannt geworden sind, besprochen werden. Natürlich ist hier nur das Allgemeine zu erwähnen, da das Specielle Gegenstand der Pharmakologie ist. Nebenbei wird auch derjenigen Heilmittel gedacht, welche in der Thierheilkuude noch nicht angewandt worden sind, die sich aber unter gewissen Verhältnissen zur versuchs­weisen Anwendung empfehlen. Wir folgen dabei den Angaben Eulen-burg's, des berühmten Verfassers allgemein bekannter ausgezeichneter Schriften über die subeutanen Injectionen. Zu subeutaner Application dürfen nur Medicamente, welche in indifferenten Flüssigkeiten leicht löslich sind und in kleinen Dosen wirken und keine örtlich reizenden Eigenschaften besitzen, angewendet werden. Ausgeschlossen sind die Acria, die Caustica, die meisten ätherischen Oele, Balsame, Mittelsalze, die meisten Purganzen u. s. w. Am meisten eignen sich die Alkaloide der Narcotica, wenn sie rein zu erhalten und nicht zu theuer sind. Man vergesse nicht, dass man stets das beste Präparat verwenden muss. Sonst ist man nicht sicher, dass das Mittel rein ist. Namentlich die in neuerer Zeit in Gebrauch gezogenen Mittel, wie Pilocarpin etc. sind aus den besten chemischen Fabriken zu be­ziehen. Man beginne stets mit den kleineren Dosen und schreite dann erst zu den grösseren. —
Mittel organischer Natur. 1) Das Opium und seine Alkaloide. Das Opium wird in Form des Extr. opii wenig (bei Durchfällen) gebraucht. Das Morphi-num ist schwer löslich und also nicht verwendbar. Dagegen sind die Salze des Morphinum (M. sulfuricum, hydrochloratum und aceticura) für die subeutanen Injectionen sehr geeignet. Das M. sulfuricum ist am leichtesten löslich, das Morphinum aceticum ist leicht zersetzlich und giebt trübe Lösungen, das Morphinum hydrochloricum löst sich leicht und klar und ist das Gebräuchlichste der drei Präparate.
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Mittel der hypodermatischen Injectionsmethode.
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Eulen bürg empfiehlt die Lösung in Glycerin mit Zusatz von Aqua dest. oder die Verwendung der leicht löslichen Gelatinediscs von Samson, quot;von denen jedes 0,01 Morphium enthält. Sie sind leicht transportabel und sehr haltbar. Bei Anwendung der Morphiumsalze bezweckt man meistens eine Herabsetzung der centralen oder pheripheren Erregung und Erregbarkeit der Nerven. Selten werden andere Zwecke mit dieser Behandlung verfolgt. In der Thierheilkunde sind die Morphinsalze ver­wendet worden:
a.nbsp; nbsp;Gegen Tetanus und Trisraus der Pferde. Dosis 0,5—1,0 Gr. (In Brüssel 1864/65 ohne und später von Stockfleth, Schirlitz, Schäfer, Bräuer, Schilling, Hollenbach u. A. mit Erfolg).
b.nbsp; nbsp;Gegen Kolik, besonders Krampfkolik in der Dosis von 0,1—0,5 (Fearnley, Cuthbath, Faller, Fürstenberg, Steffen, Bräu er, Lemke, Adam u. A.).
c.nbsp; nbsp;Gegen jede Art von bedeutenden Schmerzen als Palliativura, selbst bei lethal verlaufenden Leiden und zum Zwecke der Euthanasie.
d.nbsp; nbsp;Gegen rheumatische Schulterlähme und sonstige rheuma­tische Lahmheiten.
e.nbsp; nbsp;Gegen Eclampsie säugender Hündinnen (Siedamgrotzky), Dosis 0,02, und gegen sonstige Krämpfe der Hunde, namentlich beim Zahnen und acuten Gehirncongestionen (0,008—0,05); im letzteren Falle wähle man ganz kleine Dosen, weil sonst leicht Einschlafen der Thiere mit lethalera Ausgang eintritt.
f.nbsp; nbsp;Zur Unterstützung der Chloroformnarcosc, Dosis für Pferde und Rinder: 0,05—1,2, Hunde 0,015—0,06 (Gerlach, Holz­mann u. A.).
g.nbsp; nbsp;Beim Hahnentritt der Pferde.
h. Bei Prolapsus uteri der Rinder (Dosis 1 —1,5 [Johne]) zur Minderung der Wehen.
i. Bei zu frühzeitigen üteruscontractionen.
k. Bei heftigem unerwünschten Hustenreiz.
Bei Anwendung starker Dosen wird nicht selten das Auftreten höchst unangenehmer Folgen (heftige Aufregung, Wuthanfälle, Lauf-wuth (Johne, Albrecht, Friedberger) beobachtet. — Das Codei'n, Narcein, Papaverin, Thebain und das Narcotin sind entbehrlich.
2) x\ pomorphinum hydrochloratum wird als Emeticum und als Expectorans für Hunde und Schweine gebraucht (Dammann und Holzmann). Es wirkt bei diesen Thieren schnell und sicher, bei Katzen nicht. Dosis: für Schweine 0,01—0.15, für Hunde: 0,01. Ausser-dem ist das Mittel gegen sogenannte Gelüste (Nagekrankheiten) von
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342nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Kunsthülfe.
Feser empfohlen und von Lemke und Adam mit Erfolg beim Wolle-fressen der Schafe und der Lecksucht der Rinder verwendet worden. Dosis für Schafe pro die 0,1—0,2, für Rinder 0,1—0,2 mit Steigerung bis 0,4 Gr.
3)nbsp; nbsp;Atropinum sulfuricum ist verwendet worden: a. Bei Kolik in Verbindung mit Morphinum (Harley und Holzmann). Morph. acet. 0,3. Atropin. s. 0,12. Aqua dest. 20,0 Gr. b. Bei Tetanus der Pferde (St. Gyr). c. Bei Strychninvergiftungen (ausgezeichnet wirksam!), d. Bei spastischen Zuständen der glatten Muscula-tur (krampfhaften Verschluss des Muttermundes bei Kühen, Holz­mann), Dosis: 0,06. Ich benutzte bei Pferden 0,05 — 0,1 und bei Str\rchninvergiftungen 0,15 Gr.
Das Belladonnaextra et und das Daturin sind nicht zu empfehlen. Das Duboisin wirkt qualitativ wie Atropin, aber doppelt so starlt, ist aber des enorm hohen Preises wegen in der Veterinärpraxis nicht verwendbar. Die Wirkungen des ilyosoyamin sind wenig bekannt.
4)nbsp; nbsp;Physostigrainum sulfuricum. Dieses Mittel ist in der neuesten Zeit in der Veterinärpraxis von Möller und Dieckerhoff, Lindquist u. A. in Anwendung gezogen worden und zwar zur An­regung der Darmperistaltik; Dieckerhoff versuchte es speciell bei der Kolik der Pferde (Dosis 0,04 — 0,1 Gr.). Lindquist giebt als Dosis an: 0,01 Gramm auf 42,5 Kilo Körpergewicht, und wendet das Mittel in IpCt. AVasserlösung an. Das Calabarextract habe ich in der Dosis von 0,08 — 0,1 bei Pferden benutzt. Die Verengerung der Pupille trat stets ein. Eine Wirkung auf den Darm wurde nicht beob­achtet, wohl aber Schreckhaftigkeit und Muskelzuckungen.
5)nbsp; Pilocarpinum muriaticum. Das Mittel wird von Eggeling und Möller zur Anregung der Pansenbewegung bei Wiederkäuern (0,1 bis 0,2 für Rinder, 0.05 für Schafe und Ziegen), von anderen zur An­regung der Darmperistaltik, von mir gegen Wassersuchten und als ein Diaphoreticum, Expectorans und ein den Stoffwechsel in hohem Grade anregendes Mittel empfohlen. Als Dosis für Pferde empfehle ich: a. Zu gelinden Wirkungen (Sialagogum) 0,05—0,15. b. Als Diarrhoi-cum 0,2—0,4. c. Als Diaphoreticum 0,4—0,8. In grosser Dosis ruft das Mittel Diarrhöe, Schweissausbruch und erhöhten Eiweisszerfall sicher hervor. In 3—4 Stunden tritt dann eine Abnahme des Körpergewichtes um 40 — 60 Pfund ein. — Bei solch grossen Dosen liegt allerdings die Gefahr des Eintritts von Lungenödem vor. Es ist also Vorsicht, namentlich bei Herzschwäche geboten.
5) Curare ist gegen Tetanus der Pferde von verschiedenen Sei-
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Mittel der hypodermatischen Injectionsmethode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;343
ten empfohlen worden. Ich selbst sah keine günstigen Erfolge von der Anwendung des Mittels. Ich habe bei Pferden 0,08 — 0,5 Gramm an­gewendet, ohne dass gefährliche Vergiflungserscheinungen eintraten. Ich beobachtete Muskelzuckungen, Schläfrigkeit, Mattigkeit und Läh­mungen einzelner Muskeln.
7)nbsp; nbsp; Emetin ist überflüssig, weil das Apomorphiu sicherer wirkt. Coffein könnte bei Opiumvergiftungen verwendet werden, hat aber den Naolitheil der leichten Zersetzlichkeit; Aconitin ist selten rein zu erhalten; Oleandrin, Coniin, Nicotin, Colchicin sind entbehrlich.
8)nbsp; Das Veratrin wird als Veratrinum sulfuricum bei rheu­matischer Schulterlahmheit der Pferde und sonstigen chronischen rheu­matischen Leiden angewendet. Dosis 0,04 — 0,08. Die Einspritzung wird nach 3 Tagen und unter Umständen mehrmals wiederholt. Das Mittel ist stark reizend, hat deshalb grosse Unruhe der Pferde und ausserdem örtlichen und oft auch allgemeinen Schweissausbruch zur Folge. Die Thiere müssen wegen der Unruhe V.,—\'2 Stunde bewegt werden. Vor­sicht betreffs der Dosis! Wenn die Diagnose richtig war, tritt die Besserung des Leidens rasch ein. Harms empfiehlt das Mittel zur Anregung der Pansenbewegung, Dosis: 0,10—0,12 bei Rindern.
9)nbsp; Strychninum sulfuricum. Eulenburg empfiehlt es gegen Neurosen des- Bewegungs- und Empfindungsapparates und gegen Ver­giftungen mit Chlornlhydrat. Bei Pferden und Hunden ist es vielfach gegen Kreuzlähme angewendet worden, aber meist ohne Erfolg. Ich selbst wandte 0,06 — 0,12 Gramm bei Pferden an. Einmal, als zuerst 0,1 und nach 2 Tagen 0,12 Gramm injicirt wurden, traten derartige Vergiftungserscheinungen auf, dass das Pferd nur durch eine Atropin-injeetion gerettet werden konnte. Die Wirkungen des Mittels äusserten sich in tetanusähnlichen Symptomen. Dosis 0,012—0,024 Gramm für Pferde, 0,018—0,036 Gramm für Rinder, 0,003—0,06 für Schafe und Ziegen, 0,001—0,003 für Hunde. Feser berechnet die Dosis pro Kilo Körpergewicht: für Pferde 0,0001—0,0002, für Rinder 0,0001—0,0002, für Ziegen 0,0001—0,0002, für Schweine 0,0002—0,0003, für Hunde 0,0001. Das Mittel kann nach Feser öfter repetirt werden ohne Gefahr der cumulativen Wirkung (und zwar pro Kilo: 0,05 Mgrm. stündlich, 0,20 Mgrm. nur 3stündlich und 0,2 Mgrm. täglich 2 Mal).
Chinin und Chinoidin sind vielfach zu den hypodermatischen Injectionen empfohlen worden. Eulenburg bevorzugt das Chininum bisulfuricum in Gly­cerin (1 : 10) gelöst, und das Chinoidinum hydrochloricum amorphum in Wasser oder Glycerin. — Ergotin sowohl, als die Sclerotinsäure werden in der Mensohenheilkunde angewendet, ebenso das Gelsem in. In der Thierheilkunde sind diese Mittel subeutan nicht gebräuchlich.
Das Digitalin ist bei Pferden von Dammann und mir angewendet worden.
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Die Kunstluilfe.
Bei meinen Versuchen hatte das Mittel Iceine constante Temperatur und Puls her­absetzende Wirkung. Es ist aber möglich, dass das negative Resultat auf die Art des von mir verwandten Präparats zu setzen ist. Ich wandte das Mittel in der Dosis von 0.025—0,5 Grm. bei 17 Pferden an. Bei gesunden Thieren sank die Pulszahl in keinem Falle herab, wohl aber bei solchen mit erhöhter Frequenz. Auch ein unregelmässiger Puls wurde regelmiissig. An der Applicationsstelle traten bedeutende Schwellungen, Phlegmonen etc., sogar Necrose auf.
Campher wurde in der Thierheilkunde mehrfach subcutan verwendet, und zwar in Form des Campherspiritus und des Campheröls, sowohl zu örtlichen, als allgemeinen Zwecken.
Aether und Spiritus camphoratus finden nach Siedamgrotzk y bei narcotischen Vergiftungen und Collapszuständen ihre Verwendung.
In der Menschenheilkunde sind versuchsweise noch verwendet worden: Sa-ponin, Cannabis, Tayuya, Camala. Oleum terebinthinae, Moschus. Zimmet, Cantha-riden. Crotonöl, Aloe, Elathoiium, Aloin, Colocynthin, Nicotin (gegen Tetanus), Scillainin als Diureticum, ebenso Scoparium u. s. w.
Die Carbolsäure ist von ßupprecht und Hüter zuerst subcutan angewendet worden. In die Thierheilkunde wurde das Mittel durch Zürn eingeführt. Die Carbolsäure wird benutzt bei Wunderysipel, Phlegraone, typhösen und septieämischen Leiden u. s. w. Man nimmt eine 2—5procentige Lösung und spritzt bis 20 Gramm an 3—4 Stellen in die ünterhaut täglich einmal ein. (Erfolg unsicher.)
In der Menschenheilkunde sind noch versucht worden: Blausiiiirepräparate; Benzoesäure als Excitans und Analepticura, Essigsaure gegen Neubildungen, Milch­säure gegen Osteochondrome, Gerbsäure als ableitendes Mittel und gegen Neuralgien. • Von Alkoholen und deren Derivaten sind verwendet worden:
Alkohol zur Hervorrufuug localer Reizerscheinungen, bei Variccn und Aneurysmen und dergleichen, Chloroform bei Neuralgien, Chlo-ralhydrat (wenig geeignet, weil zu bedeutende Mengen erforderlich und örtliche Reizerscheinungen häufig sind), Jodoform bei der In­fluenza der Pferde (Siedaragrotzky) und Amylnitrit.
Amylnitrit wird von Lawson beim Starrkrampf der Pferde empfohlen (am ersten Tage 120 Centigramm, dann 150 Cgr., täglich 2 Mal, dann 210—240 Cgr., täglich 2 Mal und nach 7 Tagen wieder absteigend in der Dosis).
Kohlehydrate, Glyceride, Albuminate und sonstige Nährstoffe. Man hat Zucker, Diastase, Fette, Glycerin, Blut, Blut­serum, Pepsin, Peptone und dergleichen, zum Ersatz des Blutes etc. (anstatt der intravenösen Infusion) in die ünterhaut injicirt. Die Be­richte über die Erfolge dieser Versuche lauten verschieden. Derartige Injectionen können thierärztlicherseits höchstens bei der Behandlung von Hunden, welche für den Besitzer einen grossen Werth repräsentiren, in Betracht kommen.
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Mittel der hypodermfitisohen Injectionsmethode.
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Anorganische Mittel.
1)nbsp; nbsp;Wasser wird vielfach als örtlich schmerzstilleiules Mittel gerühmt.
2)nbsp; nbsp; Jod. Jodtinctur. Jodkaliurn und Jodnatrium (Lücke und Schwalbe). Die Injection der Jodpräparate ist beim Kropf der Hunde angeblich mit Vorthoil in das umgebende subcutane Gewebe gemacht worden. Siedamgrotzky und Johne empfehlen das Mittel direct in den Kropf zu injiciren, wobei aber insofern Vorsicht nothwendig ist, als leicht Venen angestochen werden. Man muss also vor der In­jection nachsehen, ob Blutstropfen aus der Canüle vortreten. Das Mittel soll eine prompte Wirkung entfalten. Bei grösseren Verjauchungen ist Injection von Spiritus indicirt (Schnaller).
Ansserdem hat man subcutan noch benutzt: Bromkalium, Chlornatrium (zur Gewebsreizung, z. B. bei Nabelbrüchen), Chlonnagneslum und schwefelsaures Magnesium (als Laxanzen). Salmiakgeist (zu reizenden Injectionen und gegen Otternbiss, in Verdünnung und concentrirt zur Brandschorfbildung), Liquor kali arsenicosi. verschiedene Eisenpräparate (Kerrum albuminatum, peptonatum, Liquor ferri sesquichlorati [in erectile etc. Geschwülste]), Cupruin sulf'uricum, Argentum nitricum (als Derivans), Quecksilberpräparate (bei Syphilis). Neuerdings wird empfohlen: Feirum pyrophosphoricutn cum Natro oitrico 1—2 Gramm einer Lösung von 1 : 6 Aqua für Hunde mit Anämie und dergleichen Krankheiten.
Bei Abhandlung der Applicationsmethoden. deren Angriffspunkt die Kaut ist, wurde ein wesentlicher Theil der die Functionen der Haut bewirkenden Curmethoden besprochen. L'm das Capitel zu vervollständigen, fehlen nur noch die die Plautaussche id ung anregenden (die Haut als Excretionsorgan be­wirkenden) Methoden. Diese sollen an anderer Stelle besprochen werden. Auf die Darstellung einer allgemeinen Therapie der Hautkrankheiten musste verzichtet werden, weil dies bei der in diesem Werke inne gehaltenen Eintheilung der Cur­methoden zu vielen Wiederholungen geführt haben würde. Vielleicht wird es in einigen Uecennien möglich sein, die ganze jetzige Eintheilung der Curmethoden fallen zu lassen und von einer allgemeinen Therapie der Krankheiten des Nerven­systems, der Verdauungsorgane, der Kreislaufsorgane, der Haut u. s. w. zu sprechen. Zur Zeit aber ist dies in Anbetracht des Standes der therapeutischen Wissenschaften noch unmöglich.
Zum Schluss sei noch ein Weg der Arzneiapplication erwähnt, der bei Säuglingen, jungen Ferkeln, Kälbern, Füllen etc. in Betracht kommen kann. Ist die Verabreichung eines Heilmittels an diese Thiere indicirt, aber direct schwer ausführbar, dann empfiehlt es sich, wenn es sich um Mittel handelt, welche in die Milch übergehen (siehe S. 253), dieselben dem Mutterthiere zu verabreichen, damit sie die Jungen durch die Milch erhalten.
Gedruckt bei L, Schumacher in Berlin.
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Zweites Buch..
Specieller Theil.
Erster Abschnitt.
Geschichte der Therapie.*)
Therapie der Alten. Nach der Ansicht der Griechen waren die Elementarstoffe (Kardinalsäfte, Humores): Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle in allen Körpertheilen nachzuweisen, auch trat jeder von ihnen in einer bestimmten Menge auf, um das normale Mischungsver-hältniss in den Organen (Crasis) herzustellen.
Wenn man die ElementarstolTe der Griechen mit modernen Namen bezeichnet, etwa mit Eiweiss, Fett, Wasser etc., so erkennt man sofort, dass die Ansicht der Griechen über die Zusammensetzang der thierischen Gewebe eine chemische war. Wir wissen zwar jetzt, dass die Summe der die Organe zusammensetzenden che­mischen Substanzen eine viel grössere ist, auch sind wir in der Lage, genaue Mit­theilungen über die Eigenschaften einzelner abzugeben. Allein viele dieser Körper sind auch zur Zeit noch unbekannt und an dieser Stelle ist unser Wissen nicht besser bestellt, als das der griechischen Aerzte. Denn die nicht definirbaren Be-standtheile eines thierischen oder pflanzlichen Organismus mit demNamen: Extractiv-stofTe zu belegen, kommt sohliesslich auf dasselbe hinaus, als wenn man von gelber oder schwarzer Galle spricht.
Das normale Mischungsverhältniss der Körpertheile konnte gestört werden, wenn die Elementarstoffe in zu grosser oder in zu geringer Menge in den Organen enthalten waren, dadurch wandelte sich die Crasis in die Dyscrasis um. Mithin bezieht sich die Dyscrasis der Griechen nicht auf die veränderten Mischungsverhältnisse des Blutes, sondern auf die der Gewebe, sie entspricht den abnormen Einrichtungsverhältnissen
*) Dieses Capitel ist von Prof. Schütz bearbeitet.
Ellenberger, Allgemeine Therapie.
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Geschichte der Therapie.
derselben, welche die pathologische Anatomie erst in den letzten Jahr­zehnten ermittelt hat.
Auf dieser allgemeinen pathologischen Anschauung standen die therapeutischen Massnahmen der Griechen, denn sie bemühten sich, aus der üyscrasis wieder die Crasis herzustellen. Das Plus der Stoffe oder Säfte musste beseitigt und das Minus derselben ersetzt werden. Das Entgegengesetzte war das Heilmittel des Entgegengesetzten und die Heil­kunde bestand in Wegnehmen und Zufügen. War Blut, Schleim, gelbe oder schwarze Galle im ganzen Körper oder in einem Organ in zu grossen Quantitäten angehäuft, so wurden sie durch geeignete Mittel zur Ausscheidung gebracht, und zwar konnte sich diese Ausscheidung auf den ganzen Körper, aber auch auf ein einzelnes Organ erstrecken. Blut wurde durch Aderlassen entfernt. Sollte hierdurch ein Effect auf den ganzen Körper ausgeübt werden, so wurde die Venaesection am Arme vorgenommen, sollten dagegen einzelne Körpertheile vom Blute entlastet werden, so wurden Abschnitte znm Aderlassen gewählt, die in der Nähe der ersteren lagen, z. B. die Zungenvenen bei Krankheiten des Halses. Bei phlegmatischen Krankheiten wurden schleimtreibende (Phlegmagoga). bei cholerischen Krankheiten gallentreibende (Cholagoga) und bei melancholischen Krankheiten Mittel verabreicht, welche die schwarze Galle aus dem Körper entfernten.
Es ist dies die ilepletumche Mcthmle, durch welche die rohen Stoffe oder Säfte bezw. deren Urasetzungsproducte (Huraores corrupti) abge­leitet wurden, um die Organe zu entlasten. Diese Ableitung geschah entweder ganz nach aussen, wie durch Aderlass, Abführ-, harntreibende Mittel etc. oder nach einem anderen Theil des Körpers, der möglichst weit von dem erkrankten entfernt lag. „Was man ausführen muss, führe man da aus, wohin es am meisten drängt, durch die zweck-mässigen Orte.quot; Die Lungen- und Brustfellentzündung Hessen die Griechen durch die Anhäufung von Schleim in den Lungen oder auf dem Brustfelle entstehen, der vom Gehirn nach diesen Theilen geflossen war, und um diese gefährliche Congestio humorum zu verhindern, leiteten sie den Schleim nach einer „zweckmässigenquot; Stelle, nach dem Pharynx ab, und verordneten zu diesem Zwecke Gurgelwässer, Kau-und Niesemittel.
Gleiche Aufmerksamkeit schenkten die Griechen der Zeit, in der die Depletion, namentlich bei fieberhaften Krankheiten in Anwendung kommen sollte. Denn die ärztliche Beobachtung hatte gelehrt, dass sich die Fieber durch Krisen entscheiden, und dass die Entscheidung (Judicatio) an bestimmten Tagen eintritt. Man gab deshalb die
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Therapie der Alten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;349
depletorischen Mittel an den kritischen Tagen, um die kritischen Aus­scheidungen auf diese Weise zu steigern. Ja, es scheint fast, als ob 'vor dem 7. Tage ein ärztliches Eingreifen selten stattfand.
Eine andere therapeutische Aufgabe der Griechen bestand darin, nicht die rohen Säfte oder Stoffe zu entfernen, sondern sie im Innern des Körpers so umzuwandeln, dass sie unschädlich wurden und leichter ausgeschieden werden konnten. Es ist dies die alteriremle IHethude. Die nach den verschiedenen Körpertheilen geflossenen Substanzen wurden in neue Zustände übergeführt, sie wurden durch Coctio oder TTiifnc erst präparirt, d. h. durch einen chemischen Vorgang weicher, löslicher, zer-theilbarer gemacht.
Das Schicksal der Säfte Hess sich hiernach in 3 Stadien zerlegen, sie häuften sich zuerst in roher Form (ännpla) in einem Organ an, wurden dann gekocht und schliesslich ausgeschieden. Die Kochung, die man auch als Reifung (Maturatio) bezeichnet hat, war eine Vor­bereitung zur Depletion, die sich unter Umsetzung der Stoffe (Alte­ratio) vollzog. Mithin konnten durch die Krisen (natürliche Depletion) oder durch Arzneimittel (künstliche Depletion) rohe und gekochte Sub­stanzen ausgeschieden werden, und dabei war es, wie wir gesehen haben, gleichgültig, ob die Ausscheidung ganz nach aussen oder nach einem anderen Körpertheile (laquo;Tnmaovc) erfolgte. Die Griechen kannten die beiden Stadien des Catarrhs der Nasenschleimhaut, sie wussten, dass der vvässrigen Absonderung eine eitrige folgt und hielten die erstere für die Ausscheidung der rohen und die letztere für die der reif gemachten Substanz. Sie schieden also zwischen rohen und ge­kochten Ausscheidungen.
Die Anschauung an sich ist eine durchaus gerechtfertigte, denn eine Heilung vollzieht sich immer unter der chemischen Umsetzung der im Verlaufe der Krank­heit gebildeten l'roducte. Ein nicht eröffneter Abscess kann durch Fettmetamor­phose der Eiterzellen zur Heilung kommen. Die Heilung einer fibrinösen Pneumonie setzt voraus, dass das in den Alveolen angesammelte Fibrin zerfällt, sich verflüssigt, also zur Resorption oder Expectoration d. h. zur Ausscheidung geeignet gemacht wird. Diese Zerl'allsproduote sind die Substantiae maturae der Griechen. Der Unter­schied zwischen unserer Auffassung und der der letzteren besteht nur darin, dass wir diese Substanzen nicht als reine oder unschädliche bezeichnen können. Denn auch die Zerfallsproducte des Fibrins gehören nicht in die Alveolen und der Eiter, den die Griechen durch Maturation entstehen Hessen, bleibt für uns eine unreine Substanz.
Pathologie und Therapie der Griechen stellen eine fortlaufende, in sich zusammenhängende Lehre dar. in welcher der leitende Gesichts­punkt stets derselbe ist. Das System war ein harmonisches, es konnte erlernt und mit Sicherheit und Zuversicht angewendet werden. Hierzu
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350nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;GoschicVite der Therapie.
kommt, dass die ganze Lehre auf dem nüchternen und kalten Boden exacter Beobachtungen und Fori-chungen steht, die nur in einem Punkte eine spiritualistische Richtung verfolgt. Hippokrates lässt zwar die Krankheiten nicht durch pathogenetische Exercitien der Götter, sondern durch natürliche Einflüsse entstellen, wofür namentlich sein Buch: „Von der Luft, den Gewässern und den Orten1' spricht; er rechnet jedoch auf die Unterstützung einer übernatürlichen Kraft bei der Heilung von Krankheiten, die er als qvßic ..Naturquot; bezeichnet. So alt ist die An­sicht von der heilsamen Wirkung der Natur! Mag auch die Ansicht von ihrem Wesen sich im Laufe der Jahrhunderte geändert haben, die Grundanschauung ist, wie wir später kennen lernen werden, dieselbe geblieben.
Es ist selbstredend ausserordentlich schwer, sich eine zutrelfende Vorstellung von dieser Kraft im Sinne des Hippokrates zu bilden, man dürfte jedoch mit der Annahme kaum fehlgreifen, dass der Begriff „Natur11 gleich hinter der Gottheit stand. Ob diese Kraft mit Bewusstsein, d. h. mit Absichten und Tendenzen oder instinktraässig handelte, bleibt gleichgültig, denn in jedem Falle war die Natur „der Arzt der Krank­heit'1. Sie leitete die Krisen, deren Eintritt der Arzt nur zu erwarten und zu regeln hatte; daher seine beobachtende Stellung im Beginn einer Krankheit und die Verabreichung von Heilmitteln zu gewissen Zeiten. Trotz dieser zuwartenden Stellung war aber in vielen Fällen ein energisches Eingreifen geboten, damit „der Kranke die Krankheit mit Hülfe des Arztes beseitigequot;.
Die griechische Medicin war eine Priestermedicin, und wenn sie auch später in den Besitz von Laien überging, so erlitt sie hierdurch keine Veränderung. Sie überdauerte den Zerfall des römischen Reiches und ihre Dogmen fielen erst im 16. Jahrhundert, also zur Zeit der Reformation. Dass es in dieser langen Zeit an Versuchen nicht gefehlt hat, dieser Auffassung entgegenzutreten, ist selbstverständlich, diese Ver­suche waren aber nicht entscheidend auf den Gesammtgang der medi-cinischen Bildung. Erst nachdem man ein besseres Wissen auf dem Gebiete der Anatomie, Physiologie, Chemie etc. gesammelt hatte, wurde es möglich, den Kampf siegreich zu bestehen. Wie wirkten aber die Lehren der griechischen Medicin nach!
Therapie der Neuzeit. Der Kreislauf des Blutes war durch Harvey entdeckt. Der Gegensatz zwischen den festen und flüssigen Bestandtheilen des Körpers trat jetzt erst hervor. Hierzu kam das Auftreten von Boer-have. In seinen berühmten Werken: Institutiones medicae in usus annuae exercitationis domesticos 1708 und Aphorismi de cognoscendis et curandis morbis in usura doctrinae medicae 1709 steht das Blut an der Spitze und liegt den Krankheiten eine Veränderung der Blutmischung zu Grunde. Hippokrates, dem die Bedeutung des Blutes und seiner Circulation unbekannt war, hat die Abweichungen in der chemischen Zusammen­setzung der Körpertlieilo als Dyscrasie bezeichnet, Boerhave dagegen bezog sie auf die Veränderungen der Blutmischung. Er ist mithin der Begründer der modernen Humoralpathologie, die im Gegensatze zur griechischen auch als Hämatopathologie bezeichnet wird.
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Brownianismus.
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Trotzdem sich aber die anatomischen, physiologischen und patho­logischen Kenntnisse erweitert hatten, blieben die therapeutischen Ein-•-griffe dieselben, denn sie waren nach wie vor auf die Depletion gerichtet. Das Blut musste von seinen Schädlichkeiten befreit werden, um die Verstopfungen in den Gefässen (Obstructio vasorum) aufzuheben. Die Griechen entlasteten die Organe oder festen Bestandtheile des Körpers, Bo er have das Blut oder die flüssigen. Der ganze Körper, die Allge­meinheit war Gegenstand der Behandlung, damit die im Blute enthaltene Schärfe (Acrimonium) oder sonstige schädliche Substanz (Materia peccans) durch den Harn oder die Harnorgane etc. zur Ausscheidung gebracht würden. Denn schon Boerhave nahm 7 Schärfen: die saure, herbe, aromatische, fettige, salzige, alkalische und glutinöse im Blute an, für deren Ent­fernung die grossen Wege, meist durch Abführmittel, zu eröffnen waren. Ich kann mir vorstellen, dass die depletorische Methode einen neuen Triumph mit der Entdeckung des Glaubersalzes (1658) feierte, einer Substanz, die in fast gefahrloser Weise die gewünschten Ausscheidungen bewirkte. Die Entdeckung neuer Arzneimittel, wobei sich das Rüstzeug der Aerzte wesentlich vergrösserte, übte indess keinen Eintluss auf die therapeutische Richtung aus. Nur die Chemie brachte eine kleine Aen-derung zu Stande, indem die Arzneimittel chemisch untersucht und ihre Wirkungen nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen beurtheilt wur­den. Hierin lag allerdings ein Fortschritt, nur war es kein grosser, da die Kenntnisse noch nicht ausreichten, um über die Wahl des Mittels nach chemischen Gesichtspunkten zu entscheiden.
So lange es eine Humoralpathologie gab, ebenso lange sind auch die Krankheiten der Menschen und Thiere nach den besprochenen Grundsätzen behandelt worden. Hierin soll kein Vorwurf liegen, denn es ist genügend bekannt, dass eine grosse Zahl von Krankheiten auf diesem Wege zur Heilung geführt werden können. Es giebt Dyscrasien, aber nicht jede Krankheit entsteht durch eine Dyscrasie, und es ist daher zunächst geboten, das Gebiet der Dyscrasien auf das Thatsäch-liche zu beschränken. Auch muss man sich klar machen, dass selbst in den Fällen, wo eine Dyscrasie der Krankheit zu Grunde liegt, die Eröffnung der natürlichen Schleusen nicht immer zum Ziele führt. Die Einseitigkeit ist falsch, und es ist ein nicht zu unterschätzendes Ver­dienst von John Brown, diese Lücke in der Therapie erkannt zu haben. Leider verfiel er in das Gegentheil.
Brownianismus. In der Lehre des Brown fehlt jede humoral-pathologische Idee. Dagegen wird allen lebenden Theilen eine „Erreg­barkeitquot; zugesprochen, womit die Fähigkeit des Theils (der lebenden Substanz) durch irgend einen (von aussen kommenden) Reiz in Thätig-keit versetzt zu werden, bezeichnet werden soll. Die Erregbarkeit ver­mittelt den Reiz mit der Thätigkeit. In gesunden Individuen sind die Theile mit einem mittleren Maasse von Erregbarkeit ausgestattet, auch wirken die Reize in mittlerer Menge und Stärke ein. Krankheit ent­steht durch Steigerung oder Verminderung der Reize, sie ist also eine
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352nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Geschiclite der Therapie.
erhöhte oder verminderte Leistung des Theils. Die Kraft, d. h. die Leistungsfähigkeit desselben ist nach seiner Leistung zu schätzen und dementsprechend zwischen starken Leistungen oder Kraftäusserungen (sthenische Krankheiten) und schwachen Leistungen oder Schwäche-äusserungen (asthenische Krankheiten) zu scheiden.
Wenn man davon absieht, dass Brown nur eine dynamische Vorstellung von der Thätigkeit eines Theiles besass. so liegt der Fehler des Systems vornehmlich darin, dass es für die specielle Pathologie berechnet war, die sich bekanntlich mit zusammengesetzten Processen beschäftigt. Was wir „Krankheit'' nennen, ist ein Vorgang, der nicht nur an einer Zelle, sondern an vielen abläuft, und die Gesammt-leistung aller erkrankten Zellen heisst „Krankheitquot;. Nun ist es doch selbstredend, dass nicht alle Zellen in einer Richtung, sondern dass einzelne sthenisch und andere asthenisch arbeiten werden, ja dass der Charakter der Arbeit zu verschiedenen Zeiten sich verändern wird. Jede Krankheit besteht aus einer Reihe von sthenischen und asthenischen Vorgängen. Das System passt hiernach nur für die allgemeine , Pathologie, in welcher der Vorgang an einem einzelnen Element genau verfolgt wird. Hierzu kommt, dass es ansserordentlich schwierig ist, zu benrtheilen. ob ein Vorgang sthenisch ist oder nicht. Diese Schwierigkeit wird sofort klar, wenn wir die Ausdrücke sthenisch und asthenisch mit activ und passiv vergleichen, denn activ und passiv sind Ausdrücke für Thatsachen, ohne sich mit der Anführung der Gründe zu beschäftigen. Die Möglichkeit für das ürtheil. ob ein Vorgang sthenisch oder asthenisch ist, wird aber erst gegeben, wenn man die ursächlichen Verhält­nisse zur Action oder Passion, also die Zahl und Stärke der auf einen Theil wir­kenden Reize und die Erregbarkeit desselben genau prüfen kann. Mithin decken sich activ und passiv mit sthenisch und asthenisch nicht. Es ist ferner zu beachten, dass man in die Reihe der asthenischen Vorgänge auch die gezählt hat. die aus Mangel an Reizen unterbleiben, weil die Uelegenlieit fehlt, oder wo die Gelegenheit besteht, die Thätigkeitsäusserung unmöglich ist. Letzteres zeigt sich stets, wenn die innere Einrichtung eines Theils schwerbeschädigt ist. Brown, der sich nur um die äusseren Reize kümmert, lässt diesen Punkt gänzlich ausser Acht. Bei den sthenischen Vorgängen muss man auch unterscheiden zwischen solchen, wo der Theil nur auf stärkere Reize wirkt, und solchen, wo schon schwache Reize geniigen, um starke Wirkungen hervorzurufen. So erhöht das Strychnin die Reizbarkeit der Medulla, so dass selbst sehr schwache Reize im Stande sind, stürmische Actionen herbeizuführen. Dies ist doch wahrlich keine Sthenie. Ich betone es nochmals, dass die blosse vermehrte oder verminderte Leistung eines Theils noch nicht als ein Zeichen der Sthenie oder Asthenie anzusehen ist.
Brown iiatte überwiegend Krankheiten des Nervensystems im Sinn und seine Theorie war besonders gegen das letztere gerichtet, er stärkte und depotenzirte. Er wollte die Lebensprocesse wieder in die alten Normen zurückführen, er steigerte die Action künstlich bei asthenischen und verfuhr umgekehrt bei sthenischen Krankheiten. Die Organe sollten durch die Arzneimittel aus dem Zustande der Stärke oder Schwäche herausgebracht werden, mithin war das „Contraria contrariisquot; der leitende Gesichtspunkt. Sthenisch wirkten: Fleischnahrung, Gewürze,
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Rasori's irnd Roschlaub's Therapie.
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iVlkohul, Aether, Moschus etc. und astheuisch: Hunger, Kälte, Blut­verlust etc.
Der ßrownianismus fand grossen Anhang in Deutschland und Italien. Da er aber für die specielle Pathologie berechnet war, so befriedigten die practischen Erfolge so wenig, dass die Theorie bald in Verruf kam.
Namentlich ist es der Typhus exanthematicus gewesen, der zu diesem Aus­gange beigetragen hat. denn viele Aerzte behandelten ihn mit schwächenden, andere mit stärkenden Mitteln, und nach beiden Richtungen hin wurden keine Erfolge er­zielt. Ich möchte auch erwähnen, dass das Zurückführen der Lebensprocesse in die alten Normen nicht ausreichend ist. um eine Krankheit zu heilen, dass also der ßrownianismus an einem fundamentalen Fehler leidet, wie sich aus folgenden Beis|iielen ergiebt: Man denke sich einen formativen Process, hier würde das Zu­rückfuhren des Vorgangs in die normalen Verhältnisse keine volle Restitution schallen, denn es würde immer noch das Neugebildete zurückbleiben. Hat eine Pleuritis zur Exsudation geführt, so würde durch die Herstellung der alten Verhält­nisse an der Pleura noch nicht das in den Pleurasaclcen enthaltene Exsudat entfernt. Hier greifen coiuplicirte regulatorische Processe Platz, die man zu beachten und durch ein geeignetes Verfahren zu leiten hat.
Jetzt bildeten sich mehrere eolectische Versuche aus, zu denen das contrastimuiistische System von Rasori und die Erregungsiheorie von Röschlaub gehören, welche noch eine kurze Berücksichtigung er­fahren sollen.
Brown unterschied sthenische und asthenische Krankheiten und Hess die letzteren entweder durch Reize entziehende Einflüsse (Hunger, Kälte, Blutverlust.) — directe Asthenie oder durch übermässige Reizung entstehen, wodurch die Theile schliesslich erschöpft und in einen asthenischen Zustand — indirecte Asthenie versetzt würden. Hieraus resultirt, dass nach Brown alle Einflüsse reizend wirkten, und dass die Asthenie entweder durch den Mangel der gewöhnlichen Reize oder durch IJeberreizung zu Stande kommt. Nun sagt Rasori, dass es ausser den angeführten Einflüssen noch solche gebe, welche die Tliäligkeit der Theile direct, d. h. ohne vorherige Ueberreizung herab­setzten, und diese nennt er Contrastimulantia direeta, während die blosso Entziehung der gewohnten Reize (Hunger, Kälte, Blutverlust) indirecte Gegenreizung bewirkt. Hiernach giebt es zwei Krankheits­gruppen; die eine entsteht durch Reize (Stimoli) und die andere durch Gegenreize (Contrastimoli), ebenso müssen die Heilmittel in stimulirende und contrastimulirende zerlegt werden. Zu den Reizmitteln gehören: Campher, Alkohol, Moschus, Aether, China, Ammonium, Kohlensäure, Wärme, Blut; zu den Gegenreizmitteln: Arsenik, BrechWeinstein, Säuren,
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354nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Geschichte der Therapie.
Salpeter, Narcotica, bittere Mittel, Lymphe, Chylus, blut- und säfte­entziehende Mittel.
Nach Röschlaub ist das Leben eines Individuums gebunden an die Organisation und die „Erregbarkeitquot; der Theile. Da Röschlaub ferner die „Erregbarkeitquot; als das „innere Lebensprincipquot; ansah, so lässt sich nicht verkennen, dass er zwischen Organisation, d. i. der anatomischen Beschaffenheit und dem Lebensprincip der Organe, was man später Lebenskraft genannt hat, streng unterscheidet.
Die „Erregbarkeitquot; ist nach Röschlaub nicht nur die Eigenschaft des Theiis durch irgend einen Reiz in Thätigkeit gesetzt zu werden, sondern auch die Fähigkeit diesem Reize gegenüber eine active Gegen­wirkung zu äussern. Eine Krankheit kann nur in den festen Theilen auftreten, da die flüssigen Theile nicht erkranken können und sie ent­steht durch das Missverhältniss der Erregbarkeit und der durch sie auf die einwirkenden Reize erzeugten Gegenwirkung.
Sthenie (nach Röschlaub Hypersthenie) entsteht nach starken Reizen oder bei grosser Erregbarkeit, Asthenie nach schwachen Reizen oder in Folge verminderter Erregbarkeit.
Man muss anerkennen, dass Röschlaub die Bedingungen für das Zustande­kommen der Thätigkeit eines Theiis besser beurtheilte als Brown, aber man wird auch zugeben, dass die Lehre von Brown in der Hauptsache hierdurch nicht ver­ändert wurde. Erst im Jahre 1805 erkannte Röschlaub das Irrthümliche und Einseitige seines Weges und er entschloss sich deshalb im Jahre 1811 in einem offenen Briefe an seinen grossen Gegner Hufeland mit anerkennenswerthem Frei-muthe sich als in den wichtigsten Punkten der pathologischen Anschauung ge­schlagen zu bekennen.
Die Schwierigkeiten, welche sich entgegenstellten, um den Charakter einer Krankheit nach den besprochenen Systemen zu beurtheilen, habe ich bereits her­vorgehoben, und wie richtig dieses Urtheil ist, ergiebt sich schon aus der That-sache, dass Rasori selbst oft zweifelhaft war, zu welcher Gruppe eine Krankheit gerechnet werden müsse. In solchen Fällen empfahl er die versuchsweise Anwen-wendung kräftiger und in ihrer Wirkung bekannter Heilmittel, z. B. des Probe­aderlasses.
Der Ruf des Brown quot;sehen Systems konnte natürlich durch so geringe Veränderungen in der Auffassung nicht wieder hergestellt wer­den, vielmehr wurde es durch die heftigen Angriffe von Hufeland und Anderen vollständig gestürzt. Dies hatte zur Folge, dass die thera­peutischen Methoden der Humoralpathologie wieder allgemein in Auf­nahme kamen.
Bald nahm man jedoch wahr, dass die Anwendung von allgemein wirkenden Arzneimitteln, wie Venaesectio, Purgantia, Diuretica, in vielen Fällen schadete, und man fing daher an, keine Arzneimittel zu verabreichen und die Kranken nur unter die für die Heilung ihrer Leiden günstigen Bedingungen zu bringen. Hierbei lernte man den
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Exspectative Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;355
gesetzmässigen Verlauf der Krankheiten kennen und überzeugte sich sehr bald, dass oft ohne ärztliche Hülfe Genesung eintrat.
Man kehrte daher zu der Ansicht zurück, dass die Heilung der Krankheiten nur durch bestimmte Kräfte vermittelt würde. Georg Ernst Stahl hat diese Kraft Anima genannt, der er bewusste Absichten zuschrieb, die den Körper nach einem bestimmten Plane einrichtete, ihn leitete und auch die Heilungsvorgänge ersann. Aus der Anima wurde später die Vis vitalis, die sich ihre Anhänger nicht als einen „geistigen- Organismus und so persönlich wie die Anima vorstellten, sondern mit anderen Dingen in der Natur, wie Electricität, Wärme, Licht verglichen, die mithin eine „Naturkraftquot; sein sollte. Hierzu kam, dass Huleland zwischen Lebenskraft und Naturheilkraft (Vis na­turae medicatrix) schied, und von der erstcren voraussetzte, dass sie den Körper bildete und erhielt und von der letzteren annahm, dass sie etwaige krankhafte Störungen ausglich. Die Naturheilkraft wurde später kurz „Naturquot; genannt. Aerzte und Thierärzte schlössen sich der Natur an, beobachteten die Krankheit sorgfältig und richteten sie so ein, dass sie gesetzmässig verlaufen konnte.
Den Decursus morbi verfolgte namentlich die durch Schönlein gegründete Schule, welche die Krankheiten als mehr oder minder selbst-ständige Vorgänge oder Wesen ansah, die wie Pflanzen und Thiere systematisch eingetheilt werden könnten. Dieser Versuch ist nach dem eigenen Zugeständnisse der historischen Schule gescheitert, denn die Krankheiten sind überhaupt nichts für sich, sondern stellen nur schein­bar selbstständige Tlieile des Lebens dar, mit dem sie Sitz und Er­scheinungen gemeinschaftlich haben. Da man ferner bei einzelnen Krankheiten Würmer und Pilze als Ursache kennen gelernt hatte, so glaubte man, dass jede Krankheit durch ein Naturobject, ein lebendes Wesen verursacht sei. Wie weit diese Vorahnung begründet war, lehren die Ergebnisse der neuesten ätiologischen Forschungen, nach denen es nunmehr erwiesen ist, dass Milzbrand, Tuberculose, Lepra, Rotz, Ery­sipelas, Cholera etc. mikroparasitäre Krankheiten sind, auch lässt sich annehmen, class sich dieses Gebiet noch wesentlich erweitern wird. Die Gesclzmässigkeit des Verlaufs wurde zunächst bei den ansteckenden Krankheiten und später bei anderen beobachtet, schliesslich herrschte aber in der naturhistorischen Schule die Meinung, dass jede Krankheit dieser Gesetzmässigkeit unterworfen sei. Man hatte sich mithin dem natürlichen Verlaufe einer Krankheit zu unterwerfen, und Vorkommnisse, welche ihn stören konnten, zu beseitigen.
Non magister sed minister naturae sollte der Arzt sein, weil jede Krankheit seine Zeit brauche. Der Typhus hat einen bestimmten Ver­lauf, man muss Geduld haben und dessen natürliches Ende abwarten. Mithin hat Schönlein das exspectative Verfahren in die Therapie ein­
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eführt.
Nunmehr bildeten sich unter den Aerzten zwei Lager, in dem einen behandelte man die Krankheiten nach wie vor nach den über­lieferten humoralpathologischen Grundsätzen, in dem anderen schloss man sich Schönlein an und legte sich auf das Zuwarten. Da-
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356nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Geschichte der Therapie.
durch entstand die technokratische und physiokratische Methode. Die erstere
ging mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen die Krankheit vor, die letztere verfolgte die Erlebnisse des natürlichen Verlaufs einer Krank­heit und band sich an die tpvßic.
Diese Gegensätze liegen aber nicht blos in der Neigung der Schulen, sondern beruhen auch auf der Differenz der Krankheiten. Beide Richtungen sind berechtigt und können folglich nicht emgegengestellt werden. Mithin giebt es weder ein technokratisches noch physiokratisches System. Wir müssen wissen, welche Krank­heiten einen regelrechten Verlauf nehmen, und welche das Gegentheil zeigen. Dies ist die durch die Erfahrung gewonnene Stellung der Aerzte und Thierarzte. die auch über ihre therapeutischen Aufgaben entscheidet. In dem einen Falle wird man sich abwartend verhalten, in dem anderen dagegen die Heilung der Krankheit mit allen Mitteln zu erstreben versuchen.
Da das Leben die normale und die Krankheit die veränderte Einrichtung (Störung-) eines lebenden Theils voraussetzt, und die Mülfsrnittei, welche zur Aus­gleichung der Störungen (Heilung) in Anwendung gebracht werden, innerhalb der Breite der physiologischen Möglichkeiten liegen, so ist die Kunstheilung der Naturheilung nicht entgegensetzt.
Erstere benutzt die vorhandenen Einrichtungen des Körpers, um durch sie unter Herbeiführang günstiger Bedingungen die mögliche Ausgleichung der Stö­rungen in den Geweben zu Stande zu bringen. Sie regulirt demnach die äusseren Verhältnisse, unter denen der innere Ausgleich der Störungen erfolgen kann. Bei der Naturheilung fällt diese künstliche Regulation zwar fort. Allein sie verfolgt auch nur den durch die physiologischen Vorhältnisse mit Nothwendigkeit gebotenen und nicht erst durch eine besondere speeifische Kraft eingeschlagenen Weg. der durch die Einrichtung und die zahlreichen Beziehungen der verschiedenen Körper-theile untereinander vorgezeichnet ist, um den Ausgleich herzustellen. Dabei wird die gegebene anatomische und physiologische Beschaffenheit der Theile über die günstigen oder weniger günstigen Bedingungen für den Eintritt der Ausgleichungen entscheiden. Manche Theile sind zur Regulation weniger disponirt, andere besitzen eine grössere Restitulionsfähigkeit oder, wie man gesagt hat, bessere „H eilkraf iquot;. Die Natur kann nicht wegschneiden, aber die natürlichen l'rocesse bieten die Mög­lichkeit, dass Theile von den anderen getrennt oder gelöst werden können. Das llesultat ist ein übereinstimmendes, und man hat darüber zu befinden, ob man den künstlichen und meist kürzeren oder den natürlichen und längeren Weg wählen will. Wir vermögen in den Vorgängen der spontanen (Natur-) Heilungen nur den Ausdruck allgemeiner Entwickelungsgesetze zu erkennen und wissen, dass die Naturheilung oft die Lehrmeisterin in der Therapie war. Denn die durch die patho­logische Physiologie gelieferte Darstellung von den spontanen Heilungen und ihren Bedingungen wurde die Veranlassung zum Aufsuchen von Mitteln, unter denen solche Bedingungen künstlich herbeigeführt werden können. Man studirt die Na-turlieilungen wissenschaftlich, um die regulatorischen Einrichtungen des Körpers kennen zu lernen und sieb die Möglichkeit zu verschaffen, sie in gegebenen Fällen nutzbar zu machen.
Es ist auch nicht begründet, wenn man die empirischen und rationa­listischen Schulen gegenüberstellt, denn die Em|gt;irie soll auch rationell sein, d. h. vom Grunde der Erfahrung ausgehen. Sie soll die vorliegenden Krankheits­falle mit früher beobachteten vorgleichen und die dabei erprobten Methoden oder
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Rationelle unrl empirische Therapie.
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Heilmittel benutzen, um die Gesundheit herbeizuführen. Xun spielt zwar- die Nach­ahmung in der Therapie eine grosse Rolle, man übt mit Vorliebe eine Methode und .vorabreicht gern ein Mittel. Die Richtigkeit dieser Angaben Hesse sich durch Bei­spiele aus der Menschen- und Thierheilluinde mit Leichtigkeit beweisen. Aber selbst von einem so kleinen Standpunkte aus lassen sich noch Beobachtungen machen und Erfahrungen sammeln und dadurch kann selbst eine einzige Methode oder ein einzelnes Mittel noch rationell werden, wofür die Hydropathie ein schlagendes Beispiel abglebt. Aus dem Wasser, welches zuerst rein empirisch angewendet wurde, ist im Laufe der Zeit ein rationelles Mittel geworden. Jede Art von Thera­pie, gleichgültig ob sie mit chemisch oder physikalisch wirkenden Mitteln arbeitet, ist zunächst eine empirische, es werden erst Beobachtungen über die Wirkung der Mitlei bei Menschen oderThieren gemacht, und nachdem die Wirkung erkannt worden ist. kommen rlie Mittel hei anderen Thieren oder Menschen zur Anwendung. Eine Zeit lang werden die Mittel auch bei letzteren nur erfahrungsweise, also empirisch angewendet, und erst von dem Augenblick ab, wo die Wirkung derselben wissen­schaftlich zu erklären ist, werden sie als rationelle bezeichnet. Diese Thätigkeit ist im Grunde genommen nichts anderes, als die practischen Erfahrungen in eine wissenschaftliche Anordnung zu bringen. Der Begriff des Rationellen umschliesst überhaupt zwei Möglichkeiten. Er setzt in dem einen Falle voraus, dass wir den Sitz und die Entstehung einer Krankheit, auch die in dem leidenden Organe zu Stande gekommenen Veränderungen, ferner die Beziehungen der Arzneimittel zu den verschiedenen Körpertheilen und ihre Wirkung auf dieselben genau übersehen, und endlich, dass wir diese Kenntnisse zur Anpassung des Heilverfahrens bei einer Krankheit verwerthen — (die physiologische lleilkunst). In dem anderen Falle, den wir gleichfalls als rationell bezeichnen, fehlen diese Kenntnisse. Man sieht nur gewisse Erscheinungen, deren Zustandekommen unbekannt ist. und man verabreicht Arzneimittel, welche erfahrungsgemäss die Erscheinungen besei­tigen — (die erfa hrungsgemässe Therapie).
Wählen wir als Beispiel das Wechselfieber des Menschen, welches intermit-tirend auftritt, wo dem Fieberanfalle eine lieberlose Periode (Apyrexie) folgt. Gegen dieses Fieber wird Chinin mit grossem Erfolge in Anwendung gebracht, und diese Erfahrung hat man benutzt, um Chinin auch gegen andere, gleichfalls iutennit-tirend verlaufende Krankheiten zu verabreichen. Man bekämpft mithin ein Symptom, von dem man nicht weiss, wo und wie es zu Stande kommt, mit einem Mittel. dessen Wirkung auch nicht mit Bestimmtheit erklärt werden kann.
Wenn der wirkliche Rationalismus die Erkennung des inneren Vorgangs bei einer Krankheit und die ihm folgende Anpassung des Heilverlahrens voraussetzt, so ist der zweite Fall dem wirklichen Rationalismus nicht mehr zuzusprechen. Wir sagen: weil das Mittel beim Wechselfieber so und so wirkt, so wird es auch bei ähnlichen Krankheiten dieselbe Wirkung ausüben. Dieser Schluss isi berechtigt, d.h. rationell, aber man muss sich doch klar machen, dass diese Methode immer nur auf unvollständigen Erfahrungen beruht. Hiernach gelangt man zu dem Schlüsse, dass in der gewöhnlichen Praxis kein so grosser Unterschied zwischen dem Rationalismus und der Empirie besteht.
Nun noch einige Bemerkungen über die exspectative Methode von Schönlein. Er verlangte, dass man den natürlichen Verlauf einer Krankheit abwarten solle. Bei vielen Krankheiten tritt aber ein Ende beim natürlichen Verlaufe nicht ein. Benutzen wir das oben erwähnte Beispiel. Das Wechselfieber verläuft gesetzmässig,
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aber nach einer längeren oder kürzeren fieberfreien Periode beginnt jedesmal der­selbe Akt. Nur der Akt ist gesetzmässig, die demselben zu Grunde liegende Stö­rung aber eine andauernde, sie beschädigt den Körper schwer und man würde eines ..natürlichen'' Todes sterben, wenn sich der Arzt nur zuwartend verhielte. Da lernte man die Chinarinde und ihre heilsame Wirkung gegen das Wechselfieber kennen. Jetzt wartete man nicht mehr ab, sondern griff mit diesem Mittel energisch ein. Man wurde wieder mehr technokratisch, wobei auch die Neigung, eine einzelne Erfahrung sofort zu generalisiren, wesentlich mitgeholfen hat. Kurz, die Ent­deckung eines wirksamen Heilmittels änderte mit einem Schlage die ganze Rich­tung. In der neueren Zeit hat die Technokratie durch die Anwendung der hypo-dermatischen Injectionen eine ähnliche Anregung erfahren.
Die Geschichte der Therapie zeigt uns aber auch, dass die exspectative Me­thode weiter ausgebildet wurde. Dem Publikum gefiel die abwartende Stellung der Aerzte nicht. Anstatt aber nach den Gründen dieses Verfahrens zu forschen und den Nutzen desselben für viele Krankheiten zuzugestehen, wurde es zweifelhaft, ob ein Arzt überhaupt technokratisch wirken könne. Dieser Skepticismus ging selbst auf die Aerzte über, und unter diesen bildeten sich skeptisch-therapeutische Schulen. Die Zerfahrenheit in der Therapie wurde hervorgerufen durch den Einfluss der „rationellenquot; (Henle und K. v.Pfeuffer) oder „physiologischenquot; (Wunderlich, Rosei, Griesinger und Vierordt) Schule und durch die Ergebnisse der patho­logisch-anatomischen Untersuchungen. Die erstere hatte den wenig fruchtbaren Weg verfolgt, die physiologische Wirkung eines Arzneimittels zu ergründen, ohne an die Ermittelung der pathologischen heranzugehen. Die Therapie war mithin nichts anderes, als eine Uebertragung der physiologischen Beobachtungen auf den Krankheitsfall. Nun kann doch kein Zweifel bestehen, dass die Kenntniss von der physiologischen Wirkung eines Arzneimittels nicht genügt, um auf die practische Anwendung desselben in Krankheiten schliessen zu können. Die Physiologie kann uns lehren, wie die Arzneimittel wirken, wenn das Lehen unter gewöhnlichen Be­dingungen verläuft, aber wie sich die Wirkung gestaltet, wenn sich die Bedin­gungen für das Leben wesentlich geändert haben, darüber erfahren wir von der Physiologie nichts. Hier bleibt nichts übrig als feststellen, was die Mittel in Krank­heiten wirklich leisten. Dies thut die physiologische Schule nicht, denn sie hat nur erklärtund dabei übersehen, dass das zu Erklärende noch fehlte. Hierzu kommen die Resultate der wissenschaftlichen Forschungen, welche die neue Wiener Schule zu verzeichnen hatte. Durch Rokitansky lernte man die anatomischen Veränderungen, welche den Krankheiten zu Grunde lagen, genauer kennen und nach dieser Kennt­niss verkleinerte sich die Zuversicht, welche man in die Wirkung der Arzneimittel gesetzt hatte, um ein Bedeutendes (der pathologisch-anatomische Skepticismus). Man machte endlich die Beobachtung, dass die Kranken in Hospitälern häufig in kurzer Zeit genasen, ohne dass eine Verabreichung von Arzneimitteln stattgefunden hatte. So schwanden allmälig die Illusionen und machten der Ansicht Platz, dass jedes therapeutische Handeln unnütz, und dass der Nihilismus die richtige Methode in der Therapie sei. Bei Schönlein, der exspectativ verfuhr, war es geboten, die Krankheit so einzurichten, dass sie gesetzmässig verlaufen konnte, und um dies zu erreichen, mussten nicht selten Arzneimittel verabreicht werden; auch konnte man in die Stadien einer Krankheit eingreifen, um den Verlauf derselben abzukürzen.
Skoda, der eifrigste Anhänger der therapeutischen Verzweiflung und viele
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Therapeutischer Nihilismus.
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Andere entschieden sich dagegen für das Nichtsthun, d. h. für eine Richtung, die nur Verluste für die Therapie gebracht hat.
Die nihilistische Anschauung ist aus der Mospitalpraxis hervorgegangen, die bekanntlich der Privat- oder ambulatorischen Praxis gegenübersteht. Es ist sicher, dass die Hospitalpraxis für die Beobachtung und Untersuchung kranker In­dividuen geeigneter ist. dass man in ihr besseres Erfahrungsmaterial sammeln und die Wirkung der Arzneimittel genauer verfolgen kann, als in der Privatpraxis. Un­richtig ist es jedoch, wenn man die Erfolge der Spitiiler als Massstab für das Ur-theil über die Bedeutung der Therapie verwenden will. Wenn ich einen kranken Menschen oder ein krankes Pferd in ein Spital überführe, so ist dies schon ein the­rapeutisches Handeln, denn im Spital existiren vortheilhafte hygienische Verhält­nisse, wenigstens bessere, als man in den gewöhnlichen Privatwohnungen oder Pferdeställen zu sehen gewohnt ist. Diese Verhältnisse reichen bei vielen Krank­heiten schon aus. um Heilung derselben herbeizuführen und bei anderen, um auf ihren Verlauf günstig einzuwirken. Nichtstbun im Spital heisst mithin: Nichts neues zu der Einrichtung eines Spitals hinzufügen. In der Privatpraxis sind die Erfor­dernisse ganz andere. Hier muss man die für die Heilung einer Krankheit noth-wendigen Bedingungen oft erst schaffen, man muss durch Verabreichung geeigneter Arzneimittel erwirken, was man im Spitalo den vorhandenen günstigen Verhält­nissen getrost überlassen kann, kurz man ist gezwungen therapeutisch zu handeln, wenn die Erfolge mit denen der Spitäler conourriren sollen. Dies hatten die An­hänger des Nihilismus in der Therapie übersehen, und deshalb wandte man sich bald den Gesichtspunkten des positiven Handelns wieder zu. Ehe es jedoch dazu kam, bildeten sich unter Aerzten, Thierärzten und Laien noch einige mystische Me­thoden aus, zu denen namentlich die Homöopathie und der thierische Magne­tismus gehören, denn die Zeit, in der die Medicin das Wesen der Krankheiten und folgerichtig die therapeutischen Aufgaben noch nicht kennen gelernt, in der sich noch kein bestimmtes wissenschaftliches Princip ausgebildet hatte, war für die Ent-wickelung speculativer Ansichten am meisten geeignet. Niemand rechnete mehr mit concreten Thatsachen, der Sinn für ruhiges wissenschaftliches Beobachten fehlte. Reelle Untersuchungen wurden vernachlässigt, dafür construirte man eine Unzahl von Theorien, die ebenso arm an positiven Ergebnissen, wie reich an schweren Irrthümern waren. Zu beachten ist ferner die allgemeine philosophische Anschau­ung, welche jene Zeit beherrschte, nach der gewisse Kräfte (Anima oder Vis vitalis), die neben der Materie standen, die Vorgänge in der organischen Welt leiteten. Die organische Materie hatte keine Bedeutung oder nahm eine untergeordnete Stellung ein, und mit ihr operiiten gewisse Kräfte oder Geister. Diese Anschauung führte zur Annahme ähnlicher Kralle in den organischen Dingen, die frei gemacht und, was die vorliegende Frage betrifft, zu therapeutischen Zwecken verwerthet wer­den sollten.
Homöopathie und thierischer Magnetismus verfolgen spiritualistische Aufgaben, man will die Kräfte rufen und sie zwingen, in dieser oder jener Weise zu arbeiten. Eine nähere Besprechung beider Methoden wird die Richtigkeit dieser Angaben darthun.
Die Homöopathie. Die Homöopathie hat für die Wissenschaft nur geringe, für die Praxis dagegen eine hohe Bedeutung. Begründer derselben ist Samuel Hahnemann.
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Ihre Hauptlohren sind nach dem Organen folgende:
1.nbsp; nbsp; Das Loben ist nicht den Naturgesetzen unterworfen, sondern von der Lebenskraft abhängig. Die Lebenskraft hebt die Wirkung aller anderen Kräfte auf: sie beherrscht die physiologischen Thätigkeiten der Organe, kurz sie leitet alle Vorgänge des Körpers. Die Krankheit be­ruht auf einer Störung der Lebenskraft, sie ist mithin dynamischer Natur und für unsere Sinne nicht wahrnehmbar. Hiernach ist auch das Streben der alten Medicin, um das Wesen der Krankheit zu ergründen, ganz unnütz und den einzig sicheren Anhalt für die Erkennung und Behandlung geben die Symptome ab. „Nur die Gesaramtheit der Sym­ptome ist die dem Arzte zugekehrte Seite der Krankheit, bloss diese ist ihm wahrnehmbar und das Einzige, was er von der Krankheit wissen kannquot;, so lehrt Hahnemann.
Menschen und Thiere bestehen aus lebenden Theilen. und über die Thätigkeit der letzteren entscheidet die innere Einrichtung. Bei der Krankheit ist die innere Einrichtung in gefahrdrohender Weise verändert, folglich ist das Leben mit Gefahr oder die gefahrvoll veränderte Zelle als das Wesen der Krankheit anzusehen. Alle Untersuchungen der neueren Zeit sind darauf gerichtet, das Wesen des Lebens und der Krankheit zu studiren. und dadurch, class wir sie in ihrem Sitz erforschen, drängen wir die Symptome in den Hintergrund. Der Therapie ist nunmehr die Aufgabe gestellt, die in den erkrankten Organen vorliegenden Veränderungen zu entfernen. Hahnemann sagt dagegen: „Nichts ist zu ümn. als sich nach Mitteln umzusehen, welche die Symptome ans dem Wege schaffen und die Krankheit ist beseitigt.quot; Die Lehre Hahnemann's sohliesst folglich ein Eingehen in die Ur­sachen und das Wesen der Krankheit aus, und sie kann einen Anspruch auf eine wissenschaftliche Stellang überhaupt nicht machen.
2.nbsp; nbsp; Die Lebenskralt kann eine Krankheit nicht heilen, sondern dies geschieht nur durch eine andere Krankheit, die entweder ohne Zuthun der Kunst eintritt oder durch das homöopathische Heilverfahren hervor­gerufen wird. „Was man bisher Heilkunst liiess, war nichts als ein blesses Nachahmen jener unhülfreichen. zweckwidrigen, nicht selten verderblichen Bestrebungen und Veranstaltungen der sich selbst über-lassenen, verstandlosen Lebenskraft, die man mit dem missdeutlichen Namen „Naturquot; belegte.-' „Vor mirquot;, so äussert sich Hahnemann, „war die wahre Heilkunst noch nicht erfunden.quot;
Man kann aus den Schriften des Hahnemann nachweisen, dass er über die Bedeutung der Natur nicht immer dasselbe Urtheil abgegeben hat. Im „Aesculapquot; verdammt er die bisher gebräuchlichen Heilmethoden, denn wenn ein Kranker nach ihnen gesund wird, „so müssten die Naturkräfte überwiegend sein, um die Krank­heit nebst der gemeiniglich zweckhindernden Wirkung der Arzneien zusammen zu überwältigen, und so überwältigend siud die Naturkräfte wirklich oft und in den gewöhnlichen Fällen.quot; Mithin spricht Hahnemann der Naturheilkraft eine ausser-ordentliche Bedeutung zu. In der „Heilkunde der Erfahrungquot; erklärt er jedoch,
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dass die Naturheilkraft „durchaus nichtig und bedeutungslosquot; sei. Im üehrigen müsste ich den ganzen Abschnitt dieses Lehrbuches über Selbsthülfe des Organis--mus wiederholen, wenn ich die an Thorheit grenzenden Anschauungen des Erfinders der sogen, „wahren Heilkunstquot; widerlegen sollte. Auch sagt Hirschel. einer der hervorragendsten Vermittler zwischen den Homöopathen und den der anderen Rich­tung angehörenden Sachverständigen : „Man ist jetzt mehr Psychiatriker als je. ge­steht Naturheilungen bereitwillig und häufig zu.quot;
3. Da das Wesen der Krankheit nicht zu erforschen ist und der Arzt mithin nur die Aufgabe hat, die „Symptomencomplexe'' festzu­stellen, so sind zur Beseitigung jeder Krankheit solche Arzneien zu verabreichen, welche bei Gesunden möglichst ähnliche Symptome er­zeugen. Die ursprüngliche Krankheit wird durch die stärkere Arznei­krankheit geheilt, die schiiessiiehe Heilung erfolgt dadurch, dass die Lebenskraft die noch übrig gebliebene Arzneikrankheit beseitigt. „Wähle, um sanft, dauerhaft und schnell zu heilen in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden (pjioiov Tcad-og) zu erregen vermag, als sie zu heilen bestimmt ist.quot; „Similia similibus curantur.quot; „Man muss die starke Hitze im Fieber durch ein heisses Bad, die er­frorenen Glieder durch Schnee und gefrorenes Sauerkraut, die verbrannte Hand durch die Wärme des Feuers heilen und in allen Krankheiten Arzneien geben, die eine ähnliche Krankheit, als sie heilen sollten, für sieh erregen können.quot; Dabei will ich erwähnen, dass die Homöopathen die Untersuchung der Kranken und die Prüfung der Arzneimittel in gleicher Weise ausführen. Der Kranke und der die Wirkung einer Arznei prüfende Gesunde haben sich mit gespanntester Aufmerksamkeit zu beobachten, sie müssen ihre „gehabten Empfindungen, Beschwerden. Zufälle und Befindensveränderungenquot; deutlich angeben, den Zeitpunkt ihres Eintretens, ihre Dauer etc. genau bemerken. Diesen Mittheilungen lügt der Homöopath dann noch eigene Wahrnehmungen hinzu. Mithin ist der Begriff „Symptomquot; im Sinne des Hahnemann lediglich ein subjeetiver, denn er versteht unter Krankheitserscheinungen nur das, was der Kranke oder Arzneiprüfende subjeetiv als Veränderung seines Befindens wahrnimmt. Von einer objeetiven Beobachtung pathologischer Zustände ist fast niemals die Rede.
Als Hahnemann die Arzneimittellehre von Cullen übersetzte, entschloss er sich zu eigenen Untersuchungen über die Wirkung der Chinarinde. Er nahm eine grössere Dosis dieses Mittels ein und verfolgte die Wirkung desselben. Altschul und Stens behaupten, dass Hahnemann an demselben Tage von einem kalten Fieber, ähnlich dem Sumpffleber, befnllen wurde. Kleinert bemerkt, dass er „an einer dem Wechselfieber ähnlichen Befindensverändorungquot; litt und in dem Organen führt Hahnema nn selbst an. dass er nicht nur einen ..starken Wechselfieber-anfallquot; bekam, sondern auch Symptome an sich beobachtete, die bisher unbekannt
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waren. In dem Ergebnisse dieses Versuchs, fahren die Homöopathen fort, liegt die Wurzel des Heilgesetzes der Aehnlichkeit, denn Hahnemann stellte nunmehr Ver­suche mit anderen Heilmitteln bei Gesunden an. ermittelte ihre Wirkung und trat 1796 mit seiner „echten, wahren und gewissen Heilkunstquot; an die Oeffentlichkeit.
Die Biographen des Hahnemann sind in der Darstellung der Begebenheiten, welche mit ihm im Zusammenhange stehen, nicht immer sorgfältig und gewissen­haft gewesen. Es dürfte die Aufgabe dieses Lehrbuchs überschreiten, wenn ich nachweisen würde, dass nicht das Jahr 1796, sondern 1805 oder 1810 als das Ge­burtsjahr der Homöopathie anzusehen ist. Dagegen halte ich es für nothwendig, die eigenen Aussagen des Hahnemann über das wichtige Chinaexperiment zu verfolgen.
„Ich nahmquot;, so berichtet Hahnemann, _2 Mal täglich 4 Quentchen gute Chinarinde ein; die Füsse, die Fingerspitzen wurden mir kalt; ich ward matt und schläfrig; dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und ge­schwind. Zittern. Abgeschlagenheit etc.. kurz alle nur sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nacheinander, doch ohne eigentlichen Frost­schauer (!). Dieser Paroxysmus dauerte 2—3 Stunden und erneuerte sich, wenn ich diese Gaben wiederholte, sonst nicht (!).quot;
Wenn man beachtet, dass beim Wechselfleber fieberfreie Zeiten von verschie­dener Dauer die einzelnen Anfälle trennen, so konnte Hahnemann aus diesen Beobachtungen überhaupt nicht schliessen, dass die Chinarinde bei ihm ein Wech­selfleber hervorgerufen habe. 1796 sagt Hahnemann: „Ich habe in meinen Zu­sätzen zu Cullen's Arzneimittellehre schon angemerkt, dass die Chinarinde in grossen Gaben Lei empfindlichen Personen einen wahren Fieberanfall errege, der dem eines Wechselfiebers sehr ähnlich sei. und deshalb wahrscheinlich letzteres tiberstimme und so heile. Jetzt setze ich nach reiferer Erfahrung hinzu: nicht nur wahrscheinlich, sondern ganz gewiss.quot;
Koch später behauptet Hahnemann, „dass die Tinctur einer Unze guter Chinarinde in 5 Unzen Weingeist ausgezogen, mit einem paar Pfund Wasser innig-gemischt und in einem Tage ausgetrunken, ebenso gewiss ein mehrtägiges China-lieber hervorbringt, als derAufenthalt in herbstlicher Sumpfluft ein Wechselfieber.-'
Die methodische Steigerung in den eigenen Mittheilungen des Hahnemann über die Wirkung der Chinarinde lässt zunächst erkennen, dass er nicht das Opfer einer Selbsttäuschung war. Im Uebrigen sind diese Mittheilungen vollkommen un­richtig, was auch Jörg. Munk und Binz nachgewiesen und selbst von Homöo­pathen, wie Griesselich und Stürmer zugegeben wird. Da ich ferner weiss, dass die Thierärzte die medicinische Literatur mit Eifer studiren, so muss ich auch annehmen, dass die Behauptung von Eulenberg nicht unbekannt geblieben ist, nach der die mit dem Mahlen der Chinarinde in pharmaceutischen Fabriken be­schäftigen Arbeiter in Folge ihrer Beschäftigung zuweilen an bestimmten Formen des Wechselfiebers leiden. Diese Bemerkung findet sich auch bei Sick vor, aber ihre Unrichtigkeit ist längst dargethan worden. Schliesslich bleibt noch zu er­wähnen, dass Hahnemann in den späteren Ausgaben des Organen das Experi­ment über die Wirkung der Chinarinde überhaupt nicht mehr anführt. Die Gründe sind klar: weil die Richtigkeit des Experiments widerlegt war. Denn das Cardinal-symptom des Fiebers ist die erhöhte Körpertemperatur, die durch Chinin vermindert wird. Diese Herabsetzung der Körpertemperatur tritt aber auch bei Gesunden, also das Gegentheil von dem ein, was Hahnemann behauptet hatte.
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Dagegen ist die Forderung, zuerst Versuche bei Gesunden zu machen, um die Wirkung der Arzneimittel kennen zu lernen, eine gerechtfertigte; besser wäre es quot;aUerdings gewesen, wenn Hahne mann hierfür das Thierexperiment in Vorschlag gebracht hätte. Denn Menschen bleiben in ihren Angaben über die Wirkungen, welche sie nach der Aufnahme von Arzneimitteln wahrnehmen, nicht objeotiv genug, wie Hahnemann selbst gezeigt hat; sie gerathen vielmehr bei dem genaueren Verfolgen ihrer Empfindungen in einen Zustand äusserer Unruhe, dass sie in jedem Augenblicke neue Wahrnehmungen zu verzeichnen haben.
An einer anderen Stelle hat Hahnemann erklärt, dass er durch „Beobach­tung, Nachdenken und Erfahrung* auf den homöopathischen Heilweg geführt wor­den sei. Hahnemann wusste sich zu helfen, denn er wollte nunmehr die Begrün­dung für seine Meinung in der Erfahrung gefunden haben, die für ihn die be­quemste und breiteste Grundlage für alles Mögliche und Unmögliche abgab. Da der Beweis der Wahrheit fehlt, so sollte durch die Erfahrung das Similia sünilibus bewiesen werden.
Die Homöopathen bleiben auch nicht immer auf dem Grundsatze des Simile stehen, sie verordnen oft Mittel, von denen wissenschaftlich festgestellt worden, dass ihre Wirkung eine umgekehrte ist. So sagt z. B. Hahnemann: „Feuriger Wein stillt oft eine lästige Erhitzung des Körpers und die allzu heftige Erregung des Pulses — offenbar homöopathisch.quot; Gegen die Richtigkeit der Beobachtung lässt sich nichts einwenden, sie ist nur unrichtig aufgefasst und erklärt worden, denn die beruhigende Heilkraft des Weingeistes bei gewissen Fieberzuständen beruht nicht auf einer „Hitze erzeugendenquot; Eigenthümlichkeit. sondern ist lediglich als der Effect einer durch ihn bewirkten Temperaturherabsetzung anzusehen.
Der Entdecker des Grundsatzes: „Similia similibus curanturquot; ist übrigens nicht Hahnemann, denn schon Paracelsus spricht sich in diesem Sinne aus: „Wie sich zween Feind gegeneinander stellen, beide kalt, beide heiss. beide in Harnisch, die beide mit gleichem Gewehr in Kampf treten, also sollen die Äi'kana die Krankheit heilen. Man muss Form auf Form, Dinge von gleicher Eigenschaft gegen einander geben (cfr. S. 273).quot; Hahnemann hat mithin nur das zweifel­hafte Verdienst, einen bekannten Grundsatz mit voller Schärfe entwickelt zu haben. Die Therapie hat in jedem Falle die Aufgabe, eine Krankheit zu beseitigen, also das Gegentheil von dem zu machen, was vorliegt. Hierüber entscheidet aber nicht ein Grundsatz, sondern das Wesen der Krankheit. Das eine Mal sind es Narcotica und das andere Mal Purgantia, welche einen Durchfall beseitigen. Jeder Krankheits­fall hat seine Eigenthümlichkeiten und fordert oft das ganze medicinische Wissen. um die Gefahr für Leben und Gesundheit abzuwenden. Diese Kunst ist schwer und in ernster Arbeit zu erlernen. Bedenklich sieht es in dieser Beziehung bei den Homöopathen aus. sie kümmern sich nicht um Anatomie, Physiologie und patholo­gische Anatomie; hat sich doch Hahnemann nicht entblödet, die bei den Ob-ductionen nachweisbaren Abweichungen der erkrankten Organe auf die Therapie der „alten Medicinquot; zurückzuführen und sie für Wirkung der verabreichten Arznei­mittel zu erklären. In der wissenschaftlichen Medicin werden Mittel verabreicht, welche die in den erkrankten Organen durch die grosse Summe der diagnostischen Hülfsmittel festgestellten Störungen ausgleichen, und nur in den Fällen, wo wir die Krankheitserscheinungen bis jetzt nicht verstehen, wo die anatomische Grundlage für ihre Erklärung fehlt, verfahren wir symptomatisch, wir geben z. B. bei den periodisch auftretenden Nervenschmerzen der Menschen Chinin, weil es erfahrungs-
Ellenberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;at
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gemäss bei intermittirenden Krankheiten heilsam wirkt. Wir haben aber schon kennen gelernt, dass dies kein wahrer Rationalismus ist. Mithin kann die Homöo­pathie überhaupt nicht die „wahrequot; Ileillehro sein, weil in ihr nur Symptome Gegenstand der Behandlung sind. „Nichts ist zu thun. als sich nach Mitteln um­zusehen, welche die Symptome aus dein Wege schaffen und die Krankheit ist be­seitigt. quot; Wie oft ändern sich aber bei einer Krankheit die Symptome, und wie oft müsste man mit den Arzneien wechseln, wenn eine homöopathische Behandlung-gewissenhaft durchgeführt werden sollte. Auch giobt es eine Anzahl von Krank­heiten, welche dieselben Symptomenbilder liefern, wenn sie nur nach subjectiren Empfindungen festgestellt werden; endlich sind auch Symptomenlose Krankheiten, z. B. der latente Rotz bekannt.
Die Homöopathen sagen: die Mittel machen künstliche Krankheiten, und habe ich bei einem Menschen oder Thiere eine gleiche spontane, so beseitigt erstere, wenn sie stärker ist, die letztere und verschwindet dann mit Hülfe der Lebenskraft auch. Hiernach giebt es zur Zeit der homöopathischen Behandlung in demselben Organismus zwei Krank­heiten: die spontane und die Arzneikrankheit, die sich gegenseitig be­kämpfen; und Heilung soll eintreten, wenn die veränderte Lebenskraft (spontane Krankheit) durch die Arzneikraft besiegt wird.
Dieser Vorstellung liegt die Annahme zu Grunde, dass die Krankheit ein ein­faches Ding ist, welches durch ein anderes einfaches (Arzneikrankheit) beseitigt werden kann. Beide Annahmen sind unrichtig. Wer kann sich bei den jetzt herr­schenden Begriffen über die Einrichtung der lebenden Substanz überhaupt vor­stellen, dass die Heilung ein Kampf zwischen zwei Kräften ist, die in einem Orga­nismus wohnen, und wer kann glauben, dass der in diesem Kampfe nicht verbrauchte Theil der Arzneikraft durch die in die normalen Verhältnisse zurückgekehrte Lebens­kraft entfernt wird? Die Frage: Warum die Arzneikraft so stark ist, dass sie die anfängliche Krankheit besiegt, und doch wieder so schwach, dass sie selbst von der Lebenskraft überwunden wird, welche die erste schwächere nicht zu besei­tigen vermochte ? — bleibt ungelöst.
4.nbsp; nbsp;Zur Heilung einer Krankheit ist stets eine einfache Arznei aus­reichend. Ist eine geeignete Arznei nicht bekannt, so ist eine ähnlich wirkende zu wählen und der etwa dann noch vorhandene Symptomen­rest durch andere passende Arzneien zu beseitigen.
II ahne mann verlangte also, dass eine Arzneisubstanz zur Anwendung ge­bracht werden sollte, welche auf den Fall passte, d. h. eine specifische. Da diese Seite der Homöopathie später eine besondere Berücksichtigung erfahren hat und Männer zusammenführte, die sich den Namen der Specifiker beilegten, so werde ich weiter unten darauf zurückkommen.
5.nbsp; nbsp; Die Verdünnung der Arzneien verleiht ihnen die grösste Aus­breitungsfähigkeit. Durch die Verdünnung werden die Kräfte in den Arzneien erschlossen und die blosse Berührung mit den Nerven reicht aus. um sie wirksam zu machen. „Das Heilmittel ist so stark einzu­richten, dass es nur eben zur Absicht hinreicht und durch unnöthige
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Potenztheorie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 865
Schärfe den Körper nicht im mindesten angreife. Die Erfahrung zeigt aber, dass keine Gabe des homöopathisch gewählten Arzneimittels so klein sei, dass sie nicht stärker wäre, als die natürliche Krankheit und sie nicht besiegen könnequot;, lehrt Hahnemann. Substanzen, die selbst in grösseren Mengen weder auf gesunde, noch kranke Menschen eine Wirkung äussern, z. B. Hexenmehl und Holzkohle sollen es in De-cilliontel-Theilen eines Grans thun, wenn sie bei jeder Theilung gehörig geschüttelt werden. Nicht lösliche Körper sollen plötzlich löslich werden, wenn sie genügend verkleinert worden sind und Wirkungen hervorrufen, die wochenlang andauern.
Diese Potenziertheorie oder die sogenannte Dynamisationslehre ist der sinn­loseste Mystioismus, der je erfunden wurde. Dies ergiebt sich jedenfalls aus dem nachstehenden Satze des Hahnemann: „Ich halte keinen für meinen Nachfolger, der die Arznei nicht in so feiner Gabe giebt, dass weder die sinnliche Wahrnehmung, noch die chemische Analyse das mindeste irgend Arzneiliche darin darlegen könnte.quot; Wo aber weder die sinnliche Wahrnehmung, noch die Chemie im Stande sind, etwas Arzneiliches in den homöopathischen Mitteln nachzuweisen, ist von letzterem für den gesunden Menschenverstand überhaupt nichts mehr vorhanden und folglich keine Wirkung zu erwarten. Was kümmert dies aber den Meister und einen grossen Theil seiner Anhänger, sie lassen die Arzneisubstanz durch Verdünnung in wirksame Arzneikraft sich umsetzen. Destillirtes Wasser, Weingeist (!), Milchzucker und Stärkemehl sind die indifferenten Stoffe, welche zur Verdünnung benutzt werden. 1 Theil des reinen ArzneistoiTes mit 99 oder 100 Theilen eines festen oder flüssigen indifferenten Stoffes innig gemischt, giebt die erste Verdünnung, (Vioo)) 1 Theil der letzteren mit 100 Theilen indifferenten Stoffes von Neuem gemischt, die zweite Verdünnung (Vio.ooo) etc. Pulver werden bei der dritten Verreibung mit Wasser auflöslich (weil von ihnen nichts mehr vorhanden ist) und brauchen dann nicht mehr verrieben zu werden. Man' thut deshalb 1 Gran der dritten Tritur in 100 Tropfen Aqu. dest. oder Spirit, dil., schüttelt die Mischung und fährt mft der Verdünnung, wie eben angegeben fort.
Hahnemann bediente sich fast ausschliesslich der 30. Potenz, weil sie zur Heilung ausreichen und niedere Potenzen bei reizbaren Personen oft gefährliche Wirkungen hervorbringen sollten. An dieser Stelle muss ich daran erinnern, dass die 10. Potenz eines Arzneimittels 1 Quintilliontel-Tropfen der Urtinctur und die 30. Potenz 1 Decilliontel-Tropfen derselben in Spiritus oder Wasser enthält. Munk stellt folgende Rechnung auf: 1 Kubikfuss Wasser enthält etwa 3 Millionen Tropfen, die Kubikmeile also etwa 780,000 Trillionen Tropfen. Der Inhalt der Erde beträgt 2662 Millionen Kubikmeilen, müsste also von reinem Wasser ge­dacht, etwa 2080 Quinquillionen Tropfen fassen. Mithin haben 1 Decillion Tropfen einen Umfang von: 480,769,230,769,230,796,230,796,230 (d. i. 480 Qua­drillionen 769,230 Trillionen 769,230 Billionen 769,230 Millionen 796,230) solcher Körper, wie unsere Erde. Und wenn man in diese Menge einen Tropfen reiner Arzneitinktur schüttet, und das Ganze durcheinander rührt, so erhält man mit einigen Tropfen dieser Verdünnung gewaltige Wirkungen! Hahnemann sah die Wirkung eines Tropfens einer decillionenfachen Verdünnung des Kochsalzes 50 Tage lang anhalten! Ich glaube, dass diese Verirrung des menschlichen Geistes
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am besten durch die Worte Jürgensen's gekennzeichnet #9632;wird: „Hat Hahne-mann Recht, dann ist unsere Wissenschaft, dann sind die Grundlagen unseres Denkens überhaupt Unsinn, hat er Unrecht, dann kann seine Lehre nicht anders bezeichnet werden — ein Drittes giebt es nicht.quot;
Selbst die Zahl der Verdiinnungsschläge sollte für die Wirksamkeit der Arznei­mittel von Wichtigkeit sein, wie aus folgender Bemerkung von Hahnemann her­vorgeht: „Ein Tropfen Drosera in der 30. Verdünnung, mit 20 Armschlägen bei jeder Verdünnung geschüttelt, bringt ein am Keuchhusten erkranktes Kind in Lebens­gefahr, während, wenn die Gläser nur zweimal geschüttelt werden, ein mohnsamen-grosses Streukügelchen mit der letzten Verdünnung befeuchtet, die Krankheit leicht und sicher heilt.quot; Doch hiermit nicht genug.
Als Hahnemann seinem speculativen System Eingang verschafft hatte, kam er zu immer neuen Methoden. Er begann die Krankheiten durch liieohenlassen der homöopathischen Potenzen zu heilen. „In Dunstgestaltquot; meinte Hahnemann, „wirken homöopathische Mittel am sichersten und kräftigstenquot;. „Bei Stockschnupfen athme man den Duft durch den Mund, kleinen Kindern halte man das Kügelchen im Schlafe vor, und man kann gewiss sein, alles was nur durch die Homöopathie ge­heilt werden kann, an höchsten chronischen, nicht allöopathisch verdorbenen, sowie an acuten Krankheiten, wird am Sichersten und Gewissesten durch das Riechen geheilt.quot; Aber auch dies war noch nicht genug.
Hahnemann wagte alles und behauptete schliesslich, dass er ohne Arznei­mittel heilen könne. Hierzu reichte ein Strich mit seiner Hand aus, nur musste das Streichen mit dem festen Willen geschehen, möglichst viel Gutes damit zu stiften, denn darin: „in dem gutmütMgenWollenquot; liegt die Kraft. So wurde die Heilkunde allmälig Glaubenssache, welche die grosse Summe müssiger Köpfe beschäftigte. Hierzu kam, dass Hahnemann die Erfolge seiner Behandlung nach dem Grund­satze: „Bescheidenheit ist das ehrliche Geständniss der Mittelmässigkeitquot;, — mit einer Sicherheit veröffentlichte, die schon genügte, um leichtgläubige Gemüther mit sich fortzureissen.
Es ist hier nicht der Ort, die Gründe mitzutheilen, welche viele Sachver­ständige zum Aufgeben des Widerstandes und zum Uebertritt zu Hahnemann bestimmt haben. Ich sehe die gänzliche Unbekanntsohaft mit den Lehren der medi-cinischen Wissenschaften, die Neigung zur Charlatanerie, den Hang nach Wunder­barem, die Aussicht auf äussere Vortheile etc. als Ursache an, welche den Uebertritt veranlassten; bei Manchen mag auch das mangelhafte Urtheil entscheidend gewirkt haben, bei den Wenigsten indess die Ueberzeugung.
Trotzdem wäre die Homöopathie schon lange zu Grunde gegangen, wenn sie nicht durch Laien gehalten würde, denn in den Ansichten der homöopathischen Sachverständigen trat sehr bald eine Trennung ein, die noch heute fortbesteht. Der eine ist Anhänger der Potenztheorie, der andere nicht. Der Stallmeister Jenichen führte mit seiner 16,000. Potenz wahre Wunderkuren aus, Hering machte ein ganzes Fass Wasser mit einem Streukügelchen heilkräftig, und Gross erfüllte Tausende von gewöhnlichen Streukügelchen mit Blutkraft, wenn er sie mit einem einzigen, mit verdünntem Blute befeuchteten, zusammenschüttelte. Griesselich dagegen nennt die Potenztheorie ein „Ammenmärchenquot; und Bau sagt, dass „Poten­zierung durch Verdünnung ein Unsinn istquot;. Noch andere verwerfen das Princip des Simile oder legen ihm die Bedeutung eines Heilverfahrens mit specifischen Mitteln bei. Dadurch wird allerdings die Hahnemann'sche Erfindung wesent-
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Kritik der Homöopathie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 867
lieh geändert, die auf dem Princip des Simile, der Potenztheorie und der Psora-lehre beruht.
Mit der Psoralehre hat es folgende Bewandtniss. Das letzte grosse Werk von Hahnemann: ,,Die chronischen Krankheitenquot; erschien im Jahre 1828. In diesem Buche behauptet Hahnemann, dass Vs a^T chronischen Leiden auf einer inner­lichen Krätze und das letzte Achtel auf Syphilis und Sycosis (Feigwarzenkrankheit) beruhe. Die Psora (innere Krätzkrankheit mit oder ohne Hautausschlag) entsteht nach Hahnemann durch ein chronisches Miasma (d. h. nach Hahnemann ein mit specifischen Eigenschaften ausgestatteter Krankheitserreger). Es ist eine „gräss-liche Unwahrheitquot;, wenn man lehrt, dass die Krätze ein örtliches Uebel sei. Das Miasma wirkt auf die Haut, von hier auf die Nerven und dringt durch diese in den Organismus ein. DiePsora ist die Urquelle der allermeisten chronischen Uebel, welche die Pathologie bisher getrennt und unter verschiedenen Kamen als in ihrem Wesen verschiedene Krankheiten betrachtet hat. Letztere sind nur Aeusserungen der „la­tentenquot; Psora, die nicht örtlich behandelt werden dürfen, weil durch zurückgetretene Krätze das allergrösste Unheil gestiftet wird. Bei der latenten Psora giebt also Hahnemann symptomenlose Krankheiten zu.
Im Organen (Vorerinnerung, 2. Aufl., 1818, Seite 7 u. 8) steht Folgendes: „Nichtigkeit, bedauernswerthe Selbsttäuschung, ganz geeignet Menschenleben zu gefährden, war die Heilkunde belastet mit dem Fluch (!), das nicht zu sein, wofür sie sich ausgab, das nicht leisten zu können, was sie versprach; erst mit ihm und durch seine gewissenhaften Bestrebungen ist sie zu einer wahren Heilkunst ge­worden, die alle Leiden, „selbst chronische Krankheiten vom ältesten Datumquot;, heilen lehrt.quot; Prüfen wir die Wairheit dieses Ausspruchs auf Seite 5 und 6 der „chronischen Krankheitenquot;. Hier steht geschrieben, dass bei letzteren „der Anfang der homöopathischen Behandlung erfreulich, die Fortsetzung minder günstig und der Ausgang hoffnungslosquot; gewesen sei. Trotzdem sich also die Homöopathie bei der Behandlung chronischer Krankheiten als nutzlos erwiesen, hatte man nach aussen genau das Gegentheil geäussert. Wo bleibt ferner die Ansicht des Hahnemann, dass das Streben der alten Medicin nach dem Wesen der Krankheiten unnütz sei. Schlägt er doch selbst diese Richtung jetzt ein und überrascht die medicinische Welt mit der Ansicht, dass das Wesen der chronischen Krankheiten auf einer inneren Krätze beruhe. Hirschel empfiehlt Belladonna, Sulphur und Strammonium gegen Albernheit. „Oh, dass doch dieses Zeug helfen könntequot;, sagt Prof. Bock, „ich würde es den Homöopathen dringend empfehlen.quot;
Hahnemann nannte die wissenschaftliche Medicin: „Allöopatliiequot;, weil sie (iXXota, d. h. das Gegentheil von dem thue, was nothwendig sei, also zweckwidrig verfahre. Dieser Name sollte die wissenschaftliche Medicin in ihrer vollen Nich­tigkeit und Schlechtigkeit kennzeichnen, er war mithin zum Zwecke des Sohimpfens erfunden und hat sich merkwürdiger Weise bis heute erhalten. Spricht doch selbst das in Preussen vom 20. Juni 1843 publicirte Reglement, welches das Selbst­dispensiren homöopathischer Arzneimittel gestattet, von einer „allöopathischen Me­thodequot;. In der wissenschaftliehen Medicin hat es aber weder Allöopathen, noch eine allöopathische Methode gegeben, auch war der Grundsatz: „Contraria contrariis cu-ranturquot; niemals maassgebend. Die Krankheiten lassen sich überhaupt nicht nach einem Grundsatze behandeln, denn das Treibende, welches uns auf dem Gebiete der Therapie weiterführt, wird nicht getragen von einem Wahlspruch, mag dieser nun: „Simula similibusquot; oder „Contraria contrariisquot; heissen, beides ist der grossen
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Aufgabe gegenüber nur Phrase. Die Fortschritte entspringen aus den Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Forschung am gesunden und kranken Organismus und seines Verhaltens zu äusseren Einflüssen.
Die Homöopathie Hahnemann's als solche reicht bis zu Anfang der dreissiger Jahre, also dem Beginn der naturwissenschaftlichen Rich­tung in der deutschen Medicin. Diese Richtung räumte mit den specu-lativen Redensarten auf, sie schuf eine breite und feste Grundlage in der Erkenntniss der anatomischen Beschaffenheit und der functionirenden Vorgänge in den Organen des Körpers, und sie lehrte uns das Wesen und die Ursachen der Krankheit. Auf diesem Gebiete liegt das un­sterbliche Verdienst von Virchow. Dieses bessere Wissen zwang auch die Jünger des H ahnemann, welche sich von der Reformbediirftigkeit der Homöopathie überzeugt hatten, eine theilweise Umgestaltung der­selben vorzunehmen. Diese Bestrebungen gingen von Griesselich aus und wurden durch Arnold und Hirschel unterstützt.
Die heutige Homöopathie behauptet zweierlei: Sie stellt sich als eine besondere und von der Hahnemann'schen abweichende Lehre dar, hält aber an seinem Grundsatze Simile simili fest und glaubt aut dem Boden grosser wissenschaftlicher Errungenschaften unserer Zeit zu stehen.
Auch dies ist nicht richtig, wie ich in den nachstehenden Zeilen beweisen will-Hahnemann hatte zuerst behauptet, dass das Wesen der Krankheit für uns nicht erkennbar sei; die ungünstigen Erfolge seiner Therapie zwangen ihn jedoch, diese Ansicht zu verlassen und an ihre Stelle die Psoralehre zu setzen. Diese Lehre Hessen die modernen Homöopathen fallen, weil ihre Unrichtigkeit sehr bald erkannt wurde. Aber die ursprüngliche Meinung von Hahnemann, dass das Wesen der Krankheit ein unbekanntes „Etwasquot; sei, Hess sich bei den Fortschritten auf dem Gebiete der pathologischen Anatomie und Physiologie auch nicht mehr halten, man trat daher aus dem Nebel des Immateriellen heraus und aeeeptirte die Forschungser­gebnisse der Wissenschaft. An die Stelle der „Krankheitserscheinungenquot; traten jetzt die pathologischen Veränderungen der Organe, trotzdem blieb aber das „Similia similibusquot; der leitende Grundsatz.
Hahnemann defmirte das „Aehnlichkeitsgesetzquot; bekanntlich dahin: „Jede Arznei, welche unter ihren, im gesunden menschlichen Körper von ihr erzeugten Krankheitszufällen, die meisten der in einer gegebenen Krankheit bemerkbaren Sym­ptome aufweisen kann, vermag diese Krankheit am schnellsten, gründlichsten und dauerhaftesten zu heilen.-' Hahnemann kannte also nur Symptome, aber keine anatomisch nachweisbaren Krankheiten und er konnte seinen Krankheitserscheinungen nur Symptomenheilmittel entgegensetzen. Dieser Standpunkt wurde jetzt verlassen, denn die pathologische Anatomie hatte den Sitz und mit ihm das Wesen der Krank­heit ermittelt und dadurch nachgewiesen, dass der Hahne mann'sehe Krankheits­begriff unrichtig war. Die modernen Homöopathen waren ferner gezwungen, die Einwirkung der Arzneimittel auf gewisse Organe oder Gewebe des Körpers, von der ich später ausführlich sprechen werde, zuzugeben. Wenn man nun beachtet, dass
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Homöopathie der Neuzeit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3G9
die Homöopathen die verschiedenartigsten und oft schweren Erkrankungen der Kör-pertheile mit ihren Arzneimitteln quot;behandeln, so ist der Nachweis zu fordern, dass -'die homöopathischen Arzneimittel auf die erkrankten Organe oder Gewebe wirken. Da sie ferner die Indication zur Anwendung eines Mittels bei erkrankten Individuen aus der Einwirkung desselben auf den gesunden Organismus stellen, so müssen sie auch den Nachweis führen, dass die Wirkung der homöopathischen Arzneimittel am gesunden Menschen oder Thiere mit der angenommenen Wirkung am kranken Körper übereinstimmt. Anders ausgedrückt: die homöopathischen Arzneimittel müssen die krankhaften Organ- oder Gewebsveränderungen, die sie beseitigen sollen, bei ge­sunden Individuen hervorrufen. Und an der Erfüllung dieser Forderung sind alle Bestrebungen der modernen Homöopathen gescheitert; denn bisher war keiner im Stande, mit einem Mittel des homöopathischen Arzneischatzes, eine Lungenentzün­dung, ein Emphysem etc. hervorzurufen. Es fehlt hiernach die Rechtfertigung, durch welche ein Arzneimittel zu einem Simile nach homöopathischer Auffassung gemacht werden kann. Die Homöopathen haben zwar versucht, diesen Mangel an thatsächlichen Beweisen durch blosse Behauptungen zu ersetzen, dabei aber so geringe medicinische Kenntnisse gezeigt, dass es sich kaum verlohnt, auf ihre Bei­spiele einzugehen. Quecksilber soll bei Gesunden die der Ruhr eigenthümlichen Veränderungen des Darmes hervorrufen, folglich ein Mittel gegen diese Krankheit sein. Arsenik soll den Typhus abdominalis heilen, weil er im Darm ähnliche Ab­weichungen herbeiführt, Nun kann man sich aber sehr leicht überzeugen, dass die anatomischen Veränderungen der Ruhr verschieden sind von denen der Quecksilber­vergiftung, und dass die Wirkung des Arseniks und der Typhusbacillen auf den Darm nicht identisch sind.
Wenn wir wissen, dass die Arzneimittel auf verschiedene Körpertheile wirken, z. B. Opium auf das Grosshirn, Nux vomica auf das Rückenmark, so verdanken wir diese Kenntnisse nicht den Homöopathen, und wenn dies der Fall wäre, was würden diese Kenntnisse für die Richtigkeit des Aehnlichkeitsgesetzes beweisen? Wie steht es endlich mit der grossen Summe anderer homöopathischer Mittel, wie: Holzkohle, Lycopodium, Sulfur, Magnesia, Kochsalz etc., die auch gegen schwere Organleiden in Anwendung gezogen werden, ohne diese, wie die Homöopathen selbst zugeben, am Gesunden zu erzeugen. Bei keinem Mittel ist die Beziehung zwischen Krankheit und Heilung nach der Aehnliohkeitswirkung festgestellt, und wenn die Beziehung zwischen natürlicher und Arzneikrankheit nicht erwiesen werden kann, so ist die Behauptung der modernen Homöopathen von der dem Simile beigelegten wissen­schaftlichen Grundlage eine Unwahrheit. In der theoretischen Erörterung lassen die Homöopathen an die Stelle der „Symptomequot; die Veränderungen der Organe oder Gewebe treten, in der Praxis handeln sie jedoch nach den Grundsätzen des Meisters und lassen die Symptomenähnlichkeit für die Wahl der Mittel entscheiden. Gerade einer der berühmtesten homöopathischen Autoren, Clotar Müller, liefert in seinem „Haus- und Familienarztquot; den Beweis, dass die Therapie der Homöopathen nach wie vor eine symptomatische ist. Er behandelt die Krankheiten des Mundes mit 50 Mitteln, je nach der Veränderung des Geschmacks und Zungenbelags. Gegen den Zahnschmerz empfiehlt der Kreisphysikus Preussendorff nicht weniger als 33 Mittel. Ihre Therapie bleibt so lange eine symptomatische, bis Müller die anatomische Grundlage für die verschiedenen Geschmacksveränderungen und Preussendorff die für seine Zahnschmerzen festgestellt und beide nachgewiesen haben, dass ihre Mittel die bezüglichen anatomischen Abweichungen an den End-
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apparaten der Geschmacksnerven oder an den sensibeln Nervenfäden der Zähne hei Gesunden herbeiführen.
Gutwill hat an die Stelle der Hahnemann'schen Lebenskraft die „Zellequot; gesetzt. Nach ihm soll man untersuchen, welche Zellen erkrankt sind, und auf welche von ihnen die verschiedenen Arzneimittel wirken. Hierbei nimmt man wahr, sagt Gutwill, dass Krankheiten und Arzneimittel oft dieselben Erscheinungen her­vorrufen, dass beide also auf dasselbe Organ in derselben Weise wirken. Hiernach definirt er das Simile wie folgt: „Was auf dieselben Zellen und Atome wirkt, das beseitigt auch die Erscheinungen, die durch abnorme Zustände dieser Zellen und Atome veranlasst wurden. Denn die Aehnlichkeit dieser Symptomencomplexe bürgt dafür, dass man die erkrankte Stelle trifft und angreift.quot; Wer kann nun noch be­haupten, dass die Therapie der modernen Homöopathen eine „essentiellequot; ist? Man erkennt zwar, dass sie den Fortschritten in der Medicin gefolgt sind, aber auch, dass sie sich vergeblich bemühen, das Aehnlichkeitsgesetz diesen Fortschritten anzu­passen undeine „gründlichere und tiefere Auffassungquot; desselben herzustellen. Für das gewöhnliche Begriffsvermögen ist es unerfindlich, wie eine krankhaft veränderte Zelle durch ein Arzneimittel, von dem behauptet wird, dass es beim Gesunden dieselbe Veränderung hervorbringt, aus dieser Veränderung wieder in den normalen, also entgegengesetzten Zustand zurückgeführt werden soll. Nur das Umgekehrte, dass die schon vorhandene Störung noch gesteigert wird, kann man sich denken. Am Schlüsse kommt Gut will in üebereinstimmung mit allen Uebrigen Homöopathen zu dem Eingeständniss, dass eine genügende Erklärung für das Simile bis jetzt nicht gegeben worden ist und auch nicht gegeben werden kann.
Heinigke spricht sich insofern bestimmt aus: „Das Aehnlichkeitsgesetz ist, wie andere Naturgesetze, auf dem Wege der Induction und zwar von Hahnemann gefunden worden. Eine wissenschaftliche Begründung desselben kann nicht ge­geben werden.quot;
Die Homöopathen der Neuzeit sind übereinstimmend der An­sicht, dass ein homöopathisches Arzneimittel zur Entfaltung seiner Wirkung nur einer minimalen Dosis bedarf.
Es ist von einigem Interesse, die Begründung dieser Behauptung kennen zu lernen. Goullon schreibt: „Die homöopathische Arzneiwirkung bezweckt nicht Verdiinnung und Zerlegung der Materie, sondern Entfernung derselben, sie bewirkt ein wirkliches Freiwerden und Isoliren des Arzneigeistes, gebunden an ein neues Vehikel mit Erhebung auf eine höhere und freiere Stufe etc.quot; Offenbar liegt in der Entfernung der Materie durch Reiben und Schütteln nach Goullon und der Erschliessung der Arzneikraft im Sinne Hahnemann's kein Unterschied, folglich ist auch diese „wissenschaftliche Erklärungquot; nicht besser, als die Theorie des homöopathischen Meisters.
Eine andere Theorie ist die der Flächenwirkung von Doppier: „Für dieGrösse der Arzneiwirkung ist nicht die Quantität, sondern die Oberfläche maassgebend; letztere vergrössert sich mit zunehmender Verdünnung und Verreibung in geradem Verhältniss. Körper, welche gebrochen oder auf irgend eine Weise verkleinert wer­den, müssen an Oberfläche bedeutend gewinnen, indem Atome, welche früher im lanern der Körper lagen, mit dem umgebenden Mittel in Berührung treten und einen Theil, der neuen Oberfläche ausmachen. Eine genauere Betrachtung führt zu dem Ergebniss, dass die Gesammtoberfläche in dem Maasse zunimmt, als sich der Durch-
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Homöopathie der Neuzeit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 371
messer der einzelnen Theilchen verkleinert. Wird ein Kubikzoll irgend eines Körpers bis zur Kleinheit eines gröblichen Streusandes zerstossen, wobei er in mehr als eine - 'Million kleiner Theile zerfällt, so hat sich seine Oberfläche schon auf 6—7 Quadrat-fuss vergrössert. Zerreibt man den Körper zu einem Pulver von der Feinheit des Mehles, so bietet die Gesammtoberfläche schon ein Areal von mehr als 1000 Quadrat-fuss. Damit nun aber die genannte Oberfläche in Wahrheit als eine physische oder wirksame hervortrete, muss man von vornherein zu verhindern suchen, dass die ein­zelnen Theilchen untereinander in irgend eine Berührung treten, was man durch Vermengen mit anderen fremdartigen Stoffen, i. B. Milchzucker erreicht.quot;
In dieser Erklärung finden sich keine Anhaltspunkte, die sich für eine homöo­pathische Flächenwirkung verwerthen Hessen. Dass ein Körper, wenn er verrieben wird, eine grössere Oberfläche bekommt, und damit eine grössere Wirkungsfahigkeit erlangt, ist sicher richtig. Dasselbe geschieht aber, wenn der Körper in den Ver­dauungssäften aufgelöst wird. Die Homöopathen geben ferner nicht den verriebenen ganzen Körper, sondern nehmen einen Theil davon, den sie wieder verreiben, von der verriebenen Masse wieder einen Theil etc., wie kann hierbei die Oberfläche und mit dieser die Wirkung zunehmen? Wenn man die wirksamen Theile eines Arznei­stoffes mit anderen, heterogenen Stoffen vermengt, so vermindert man die Oberfläche der wirksamen Theilchen, weil an die Stelle einer ganzen Menge von ihnen die fremdartigen, indifferenten Stoffe treten. Die Wirksamkeit muss jetzt abnehmen, weil die Masse wirksamen Stoffes unendlich vermindert wird.
Man erkennt, dass überall Unklarheit und Selbsttäuschung, aber keine Wissen­schaft vorliegt. Eine wesentliche Umgestaltung der Aehnlichkeitstheorie hat nicht stattgefunden, und die „tiefere und gründlichere Auffassungquot; des Simile hat den Kern der Sache unberührt gelassen. Vorläufig ist die Bakody'sehe Vorher­sagung, dass der homöopathische Standpunkt bald der Standpunkt aller Männer der Wissenschaft sein werde, noch nicht in Erfüllung gegangen.
Mir lag daran, den Geist und das Wesen der Homöopathie den thierärztlichen Kreisen offen aufzudecken und zwar an der Hand der durch Hahnemann und seine Jünger gemachten Aeusserungen. Weiter auf die Leistungen dieser Mikrodosisten einzugehen, verbietet mir der Raum. Ich kann auch versichern, dass ich mich mit Selbstverleugnung durch die Schriften der thierärztlichen Homöopathen hindurch­gearbeitet habe und deshalb weiss, dass sie die Behandlung von Krankheiten zu einer gedankenlosen Spielerei entwürdigen. Wer gewohnt ist, durch rechtschaffene und fleissige Geistesarbeit an den Fortschritten seiner Wissenschaft mitzuhelfen, dem kommen die durch die thierärztlichen „Aehnlichleiderquot; ausgesprochenen Ansichten widerlich vor, um so mehr, als ihnen der originelle Anstrich fehlt, der selbstredend nur in den Schriften der homöopathischen Aerzte vertreten sein kann. Es ist eine gedankenlose Nachäfferei, in dem sich kein Atom von Wahrheit und Vernunft ent­decken lässt. Damit genug; denn ich habe die Absicht zu erklären, nicht zu ver­dächtigen.
Suum cuique. Die Homöopathen ordneten gegen die Krankheiten nur ein Mittel an, sie verwarfen also die bisher gebräuchlichen Arznei­gemische. Wenn man nur ein Arzneimittel giebt. so lässt sich seine Wirkung genau verfolgen, dagegen sind die Erfolge bei zusammenge­setzten Arzneigemischen nicht zu controliren. Mithin wuchs das Wissen auf dem Gebiete der Pharmakodynamik, namentlich als die wissen­schaftliche Medicin die durch die Homöopathie angebahnte Richtung
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372nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Geschichte der Therapie.
einschlug. Von Wichtigkeit wurde ferner die Anordnung einer strengen Diät bei der Behandlung von Krankheiten. Da die Homöopathen die Arzneisubstanzen in kleinen Dosen verabreichten, so schützten sie die­selben gegen äussere Einflüsse mit allen nur möglichen Mitteln. Hierzu gehörte auch die Entziehung von Nahrung. Wie günstig diese Entzie­hung bei zahlreichen Krankheiten wirkt, brauche ich an dieser Stelle nicht auseinanderzusetzen, und es muss deshalb die Einführung der homöopathischen Diätetik in die Therapie als ein weiterer Fort­schritt bezeichnet werden.
Aus der Homöopathie sind zwei andere Richtungen hervorgegangen:
1.nbsp; nbsp;Die Isopathie, welche durch Hermann begründet und durch Gross und Lux (Thierarzt in Leipzig) weiter ausgebildet wurde.
Sie waren mit dem Simile nicht zufrieden und machten aus dem­selben das Aequale. „Aequalia aequalibus curantur.quot; Die Krätze be­handelten sie mit „potenzirtem Krätzstoff (Psorin), die Pocken mit Variolin und Vaccinin, den Rotz mit Ozaenin (1 Tropfen der 30. Po­tenz), die Schwindsucht mit Phthisin, Fisteln mit Fistulin und Caries der Zähne mit Odontonekrosin. Gegen Leberkrankheiten wurde „poten-zirte Lebersubstanz'' Hepatin, gegen Lungenkrankheiten Pulmonin und gegen Milzkrankheiten Lienin verabreicht. Ein ehrwürdiger Pastor in Sachsen pries „potenzirte Bienenköniginquot; gegen Eifersucht an. „Der Mensch fiel durch Stolz und Sinnlichkeit, wozu die Schlange ihn ver­führte. Das beste Mittel gegen Wahnsinn und Stolz ist daher Schlan­gengift (Lachesis).quot; Das geröstete und potenzirte Bandwurmglied sollte ein Heilmittel gegen Tänien sein, der potenzirte ßlasenwurm (Coenurin ovium) die Blasenwürmer vertreiben. Schlangen, Kröten, Bienen und Spinnen mussten ihren Saft hergeben, um Zucker und Spiritus zu ver­unreinigen, und wenn letztere auf dem Wege der unendlichen Ver­dünnung wieder gereinigt worden waren, wurden sie als homöopathische Potenz unter dem Namen: Lachesis, Bufo, Apis und Aranea verab­reicht. Einzelne gingen noch weiter und verlangten, dass das Mittel, welches heilen soll, dem eigenen Körper der Kranken entnommen werden müsse, so stellte man Autocancrin gegen Krebs dar.
2.nbsp; nbsp;Die Specifiker hielten die Hahnemann'schen Lehrsätze für un­verträglich mit der Wissenschaft, sie verwarfen das Simile und das Potenziren und folgten deshalb der „bewährtenquot; Empirie, nach der ein Mittel (ein Specificum) bei jeder Krankheit sicher wirkt. Schon bei Lebzeiten des Hahnemann wandten Rau und Griesselich jedes medicinische Verfahren an, wenn sie davon Nutzen zu erwarten glaubten. Hiergegen verwahrte sich Hahnemann mit der Bemerkung: „Wird meine Lehre nicht in ihrer vollen Reinheit erhalten, so hat sie kein Anrecht
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Specifiker.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;373
mehr den Namen Homöopathie zu führenquot;. Hirschel redet der 3. Potenz (Hahnemann der 30.) das Wort. Weil geht überhaupt nur bis zur 3. Potenz und giebt den ersten Verreibungen oder Verdünnungen den Vorzug. Sorge verordnet Aconit, Belladonna, Calomel, Rheum, Bismuthum, Magnesia etc. in gewöhnlichen Gaben. Goulloa giebt Chininum sulfuricum, Creosot, Moschus etc. in gehörigen Dosen.
Man erkennt sofort, dass das ganze Verfahren kein homöopathisches ist, dass Theorie und Praxis sich nicht decken: denn das Diagnosticiren von Krankheiten und das Behandeln derselben mit Mitteln, die eingestandenermassen niemals Krank­heiten erzeugen, ist nicht homöopathisch. Es ist vielmehr ein specifisches, idiopathisches oder directes Heilverfahren. Die specifischen Arzneimittel machen die kleinen Dosen unnütz, und so hat sich der allmälige Uebergang voll­zogen, indem sich Männer durch die Verabreichung von specifischen Arzneimitteln den Grundsätzen der wissenschaftlichen Medicin genähert haben.
Eine Krankheit ist ein zusammengesetzter Process, der in seinen Erschei­nungen wechselt, und ein derartig complicirtes Verhältniss kann nicht durch eine einzige Substanz beseitigt werden (cf. S. 239). Nur wenn das Wechselnde an einem Punkte haftet, durch eine bestimmte Ursache, z.B. die Krätzmilbe, bedingt ist, liegt die Möglichkeit vor, dass ein Mittel Heilung bringt. Tödtet man die Milbe, so breitet sich die Krankheit nicht mehr aus, oder zerstört man den in der Epidermis wuchernden Pilz, so bleibt die Krankheit auf die ursprünglich befallene Stelle beschränkt. Specifisch wirkt ein Mittel, wenn es gegen den Krankheitserreger gerichtet ist, mithin ist die specifische Wirkung eine causale. Nach der Beseitigung der Ursache bleiben aber die durch letztere hervorgerufenen Störungen (Krankheit) zurück, deren Beseitigung neue Aufgaben stellt. Hierzu kommt, dass uns die Ur­sachen vieler Krankheiten nicht bekannt sind und von einer vernünftigen causalen Behandlung vorläufig keine Rede sein kann, und endlich, dass wir gegen viele der inzwischen bekannt gewordenen Ursachen keine Mittel kennen, welche specifisch wirken.
Die Specifiker sind im Grunde nur Bekenner des Glaubens, dass Gott, welcher die Krankheiten entstehen Hess, auch für jede ein Mittel erschaffen habe. Hieraus orgiebt sich die unabweisbare Forderung: Suchet, so werdet ihr finden. Aber auch dieses Bemühen ist vergebens, denn die Geschichte der Medicin hat das Unfrucht­bare dieses Bestrebens mit Sicherheit dargethan. Virchow sagt: ,,Ist die Krank­heit nur die gesetzmässige Manifestation bestimmter (an sich normaler) Lebenser­scheinungen, unter ungewöhnlichen Bedingungen und mit einfach quantitativen Abweichungen, so muss sich alles Heilverfahren wesentlich gegen die veränderten Bedingungen richten, und wenn fernerhin im Laufe derselben Krankheit bei dem sonstigen Wechsel der Bedingungen, der seinerseits in der gegenseitigen Störung neuer Organe durch die früher erkrankten etc. bedingt ist, immer neue Erschei-nungsreihen auftreten, immer neue Theile unter den Einfluss veränderter Bedingun­gen gerathen, so muss natürlich auch das Heilvorfahren entsprechend geändert werden. Eine vernünftige Auffassung specifischer Heilmittel kann also nur die Frage aufkommen lassen, ob für bestimmte Abschnitte der Krankheit ein bestimmtes, besonderes oderspecifisches Heilverfahren, Arzneientitäten aufgestellt werden können.quot; „Es genügt nicht. Jemanden, der nach einer Erkältung Pneumonie bekam, in eine gewöhnliche Temperatur zurückzuversetzen; denn nachdem einmal durch die Ein-
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Geschichte der Therapie.
Wirkung der Kälte in dem Ernahrungsprocess der Wandungen der Luftwege eine Veränderung gesetzt ist, die sich durch Veränderungen an der Capillarcirculation und an den Diffusionsstörungen zwischen Blut und Gewehe charaMerisirt, so ist damit eine Reihe neuer Krankheitsbedingungen aufgetreten, welche mit der Kälte nichts mehr zu thun haben. Die Anwesenheit einer verstopfenden Masse in den Luftwegen, die gestörte Circulation durch die Lungengefässe mit dem Rückstau gegen das Herz etc., die Verkleinerung der respirirenden Fläche, die Behinderung der Exspirationsbewegungen, die durch das Exsudat und die Respirationsstörung gesetzte Veränderung des Blutes, die verschiedenartig hervorgebrachte Alteration der Kervencentren stellen ebenso viele neue Objecte für die Behandlung dar, dem gegenüber eine ontologische, specifische oder essentielle Methode eine geistige Verirrung wäre.quot;
Mesmerismus. Ich glaube nicht Unrecht zu haben, wenn ich be­haupte, dass die Lehre von den specifischen Mitteln den Ruin in der Therapie erzeugen half, der mit dem Nihilismus geendet hat. Insofern half auch der thierische Magnetismus, den zuerst Mesmer als ein Heilmittel angewendet hat. Schon in seiner Dissertation bespricht er den Einfluss der Planeten auf den menschlichen Körper. Später bemühte er sich die heilbringende Wirkung natürlicher und künstlicher Magnete auf den thierischen Organismus festzustellen, und noch später nahm er an, dass in allen Körpern eine magnetische Kraft enthalten sei, welche zu Heilzwecken verwendbar gemacht werden könne. Nun wurden nicht mehr Magnete benutzt, sondern man übertrug die magne­tische Kraft des eigenen Körpers durch Berühren und Streichen auf die Erkrankten, schliesslich auch ohne solche Berührung durch den blossen Willen. „Diese Kraft heilt direct alle Nerven-, inderect alle übrigen Krankheiten, nur durch sie wirken die Arzneien, nur durch sie ent­stehen Krisen, kurz jede Heilung.quot;
Die Homöopathen behaupten, dass sie die Kräfte der Arzneien durch Verdünnungen freimachen, die Jünger des Mesmerismus da­gegen, dass sie selbst Träger der Heilkraft sind, die sie auf andere Dinge übertragen können.
Beide Richtungen sind spiritualistisch und einander so ähnlich, dass es nicht Wunder nehmen kann, wenn einzelne Männer homöopathische und magnetische Kuren zu gleicher Zeit ausgeübt haben. Ich will nur an den Postsecretär Arthur Lutze erinnern, der im Jahre 1850 in Jena zum Doctor promovirt und im Jahre 1860 durch den Herzog von Sachsen-Meiningen zum Sanitätsrath ernannt wurde. Lutze sagt: „Die heftigsten Schmerzen weichen oft einem Striche meiner Hand oder einem Worte, also der Kraft des Willens. Jahrelange Leiden verschwinden da­durch plötzlich und oft für immer. Das ist eine Gottesgabe, die man nicht durch Studiren erlernen, nicht mit der Vernunft begreifen kann, die aber, wie Thatsachen lehren, vorhanden ist, und auf Glauben und Willen beruht. Diese Kraft lässt sich
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Mesmerismus.
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auf Wasser, Zuckerltügelchen etc. übertragen. Darum kann auch nicht jeder homöo-
patische Arzneien bereiten, nach dem Grade des Lebensmagnetismus des Einzelnen
- quot;wird sich der Grad der Wirksamkeit der Arzneien richten, daher bringen auch die
von mir bereiteten Potenzen bei Weitem stärkere und schnellere Wirkungen hervor.quot;
Lutze heilte mit wenigen Strichen seiner Hand eine Lungenentzündung und seine magnetische Kraft reichte bis auf 40 und mehr Meilen Entfernung, so be­richtet er selbst in seinen autobiographischen Notizen und sein Apologet Ehe ling in dem in Dossau erschienen Buche über das Leben und Wirken Lutze's.
Ich würde die Leser ermüden, wenn ich die Wunderkuren aufzählen sollte, welche mit Hülfe des thierischen Magnetismus durch Lutze und andere gemacht sein sollen. Mir fehlt der Glaube und deshalb bin ich, um im Sinne dieser Ueber-natürlichen zu sprechen, auch nicht im Stande, diesen Glauben auf Andere zu über­tragen. Die Laien übersehen jedoch, dass eine grosse Zahl von Krankheiten von selbst, d. h. ohne jedes ärztliche Zuthun zur Heilung kommt, und gerade diese Laien sind die begeistertsten Anhänger der Homöopathie und des thierischen Magnetismus.
Dazu haben zwei Umstände beigetragen: zunächst die Neigung, jede Neuerung mit Eifer aufzugreifen, und dann die volksthümliche Beschaffenheit der neuen Lehre, welche die Wissenschaft einfach bei Seite setzte. Die Leichtigkeit, mit der auch jetzt der Laie bei kranken Menschen oder Thieren handelnd auftreten konnte, die so nachdrücklich behauptete Sicherheit des Erfolges, die wunderbare und geheim­nissvolle Kraftentwickelung winziger Arzneigaben, und der Glaube an eine Vor­sehung, die für jede Krankheit auch ein Heilmittel geschaffen habe, wirkten auf die grosse Masse mächtig ein. Der Sachverständige dagegen, welcher die Bedingungen kennt, unter denen die Krankheiten günstig verlaufen und der den gesetz- oder naturmässigen Gang derselben durch die exacte Methode der Diagnostik überwacht, wird letzteren durch ein unüberlegtes therapeutisches Eingreifen nicht stören. Er wird dagegen im gegebenen Falle, der wiederum nur durch sein ärztliches Wissen erkannt werden kann, die Heilbestrebungen der Natur anzuregen und zu unter­stützen, oder das durch gefahrvolle Ereignisse bedrohte Leben zu erhalten oder wenigstens die qualvollen Leiden und die aufreibenden Schmerzen zu lindern sich bemühen. Dieser Erkenntniss konnten sich weder die Anhänger der exspectativen Methode, noch die Nihilisten verschliessen, und man kehrte desshalb zur Techno-kratie zurück, nur mit dem Unterschiede, dass man jetzt local therapeutische Ten­denzen verfolgte.
Zu erwähnen bleibt nur, dass man in der neuesten Zeit versucht hat, den thierischen Magnetismus oder Hypnotismus in das Gebiet der wissenschaftlichen Forschung zu ziehen. Bei diesen Untersuchungen hat sich ergeben, dass es unter Umständen gelingt, Menschen und Thiere durch einen länger andauernden Eindruck auf ein Sinnesorgan in einen Zustand andauernder Willenlosigkeit zu versetzen, so dass sie in jeder beliebigen, selbst der misslichsten, ihnen angewiesenen Stellung verharren. Bei Menschen genügt hierzu ein anhaltendes leises Bestreichen des Ge­sichts, oder schwache electrische Ströme auf dasselbe, die andauernde Betrachtung eines glänzenden Gegenstandes, gleichmässige Geräusche etc. Auch bei Thieren sind hypnotische Zustände beobachtet worden. Hühner verharren in einer starren Stellung, wenn man ihnen einen Gegenstand plötzlich vor die Augen hält, oder einen Strohhalm über den Schnabel legt, oder einen Kreidestrich vor den auf den
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376nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Geschichte der Therapie.
Boden gerichteten Kopf zieht (Kircher's Experimentum mirabile, 1644); ähnliche Wahrnehmungen lassen sich hei anderen Vögeln, Kaninchen, Fröschen und Krebsen machen. Concentration der Aufmerksamkeit auf den Sinneseindruck scheint für das Eintreten eines solchen hypnotischen Zustandes erforderlich zu sein. Hypnotisirte Menschen können dabei Bewegungen nachahmen, welche sie sehen, oder auf Befehl Bewegungen ausführen. Bewusste Wahrnehmungen von der Aussenwelt fehlen ganz, manchmal besteht sogar Analgesie; Hallucinationen scheinen vorhanden sein zu können. Ein sicheres Verständniss dieser, besonders leicht bei Hysterischen auf­tretenden Erscheinungen ist noch nicht gewonnen, nur vermuthet Heidenhain, dass die oben erwähnten Einflüsse eine Thätigkeitshemmung der Ganglienzellen der Grosshirnrinde herbeiführen. Wenn aber auch die sichere wissenschaftliche Erklä­rung für die in Rede stehende Erscheinung noch fehlt, so kann doch das Vorkommen derselben nicht mehr bezweifelt werden, und es ist folglich dem Mesmerismus eine gewisse, wenn auch noch so geringe Bedeutung einzuräumen. Man kann es jetzt verstehen, wenn der Hypnotismus eine therapeutische Verwendung gegen Schlaf­losigkeit, physische Aufregungen etc. gefunden hat. Hiermit soll keineswegs dem Mysticismus von Lutze und seinen Anhängern das Wort gesprochen werden, denn ihre Thätigkeit bleibt nach wie vor ein unklares Umhertasten in magnetisch ange­hauchten Speculationen. Haben doch selbst die angeführten wissenschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahre die Vertreter dieser mystischen Richtung abseits vom Wege gefunden.
In der Chirurgie hat sich dagegen die technokratische Richtung stets erhalten und fortgebildet, leider aber hatte auch in ihr die generalisirende Behandlung Platz gegriffen. Den Geschwülsten sollte eine Dyskrasie zu Grunde liegen, die vererbt oder aber in späterer Zeit des Lebens erworben war. Sie sollten durch Ablagerung-gewisser Stoffe aus dem Blute entstehen, womit selbstredend eine Reinigung des­selben verbunden war. Hiernach galt die Geschwulst als ein glückliches Ereigniss, nur darauf angelegt, die schädlichen Stoffe aus dem Körper zu entfernen, und reichte eine Geschwulst hierzu nicht aus, so entstand eine zweite u. s. w. Die operative Entfernung der Geschwulst war ein gefahrvoller Eingriff, weil der Körper hiernach die Möglichkeit verlor, die Impuritäten des Blutes ausscheiden zu können. Die Behandlung wurde mithin nicht gegen die Geschwulst gerichtet, sondern gegen das Blut, sie war keine locale, sondern eine allgemeine und verfolgte den Zweck, die der Geschwulst zu Grunde liegende Veränderung der Blutmischung aufzuheben. Man legte Fontanelle, um Abzugswege an gefahrlosen Stellen herzustellen und ver­abreichte Mittel, denen eine günstige Wirkung auf die Beschaffenheit des Blutes zugesprochen wurde. In dem Augenblicke jedoch, wo der Krebs und andere Neu­bildungen als locale Uebel erkannt wurden, änderten sich die Aufgaben der Thera­pie, welche zur Zeit auf die Entfernung der Geschwülste ausschliesslich gerich­tet sind.
Fast alle Hautkrankheiten wurden von innen heraus, d. h. generell behandelt, weil die Humoralpathologie auch dieses Gebiet beherrschte. Diese Anschauung er­litt durch die Entdeckung der Krätzmilbe die grösste Niederlage. Früher Hess man die Krätze durch ein im Blute vorhandenes Krätzgift entstehen, dessen Aus­treibung eine schwierige und lang dauernde Behandlungsweise nothwendig machte. Vor Allem hütete man sich, auf die erkrankte Haut zu wirken, weil man den Ein­tritt gefährlicher Metastasen z. B. nach dem Gehirn fürchtete, denn durch die Haut
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Localtherapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sll
sollte sich das Krätzgift ausscheiden, und diese Ausscheidung konnte unterbrochen werden, wenn die erkrankte Haut zum Gegenstand der Behandlung gemacht wurde. 'Mit der Kenntniss der Krätzmilbe ist die Therapie der Krätze eine andere und zwar ausschliesslich locale geworden. Auch andere Hautkrankheiten wurden jetzt local behandelt, bis schliesslich Hebra diese Methode generell durchführte.
Denselben Entwickelungsgang hat die Therapie in der Ophthalmologie genom­men. Die Ansicht, dass alle Augenkrankheiten einen humoralen Grund hätten, und generell behandelt werden müssten, ist jetzt mit der entgegensetzten vertauscht worden. Die örtliche Behandlung der Augenkrankheiten ist jetzt die Regel.
Die Zweifel über die Bedeutung der Arzneimittel bei der immer zunehmenden Zahl derselben und dem Mangel an kritischer Bearbeitung ihrer Wirkungen waren so grosse geworden, dass sich Menschen- und Thierärzte an die umfassende Untersuchung derselben machten. Hierzu kam, dass eine grosse Zahl jener Männer, zu welchen auch Hertwig gehört, Kliniker, d. h. nicht nur Lehrer, sondern absolut fähige Beobachter, mithin im Stande waren, positive Erfahrungen über die Therapie zu sammeln. Aus diesen Arbeiten ergiebt sich, dass gewisse Arzneimittel zu be­stimmten Organen in Beziehung stehen. Diese Beziehungen sind von ausserordent-licher Wichtigkeit, wenn man auf Organe wirken will, denen von aussen nicht bei­zukommen ist. Alle pharmakologischen Untersuchungen der Neuzeit sind darauf gerichtet, die örtlichen Beziehungen der Arzneimittel zu verfolgen. Die Bedeutung, welche die Wirkung eines Arzneimittels hat, ist von derDignität des Organs abhängig, auf welches dasselbe wirkt. Eine Substanz, welche auf die Knochen wirkt, ist von geringerer Bedeutung als die, deren Wirkung auf das Herz gerichtet ist. Denn das Herz hat hochwichtige Functionen zu verrichten, es übt einen Einfluss auf die All­gemeinheit aus und in diesem Sinne kann man auch von einer allgemeinen Wirkung der Arzneimittel sprechen. In Wirklichkeit giebt es aber kein Mittel, welches auf das Ganze wirkt, sondern nur Localmittel, die allerdings unter den erwähnten Um­ständen einen allgemeinen Einfluss auszuüben im Stande sind.
Klar wird dies, wenn wir die Grenze zwischen Gift und Arzneimittel ins Auge fassen; denn Gifte können bekanntlich als Arzneimittel dienen. Man bezeichnet eine Substanz als Gift, wenn sie schon in kleiner Menge wirksam ist, und wenn die von ihr hervorgebrachten Veränderungen den Bestand des Organismus gefährden. In dieser Definition fehlt die Entscheidung, wodurch die Gefahr für den Organismus bedingt wird. Andere nennen die Substanzen Gifte, welche in dem thierischen Organismus functionelle Veränderungen hervorrufen. Eine derartige Wirkung haben fast alle Substanzen, die in den thierischen Körper eingeführt werden, ohne dass sie deshalb mit dem Kamen der Gifte belegt werden können. Vielmehr müssen diejenigen Substanzen als Gifte bezeichnet werden, welche auf die zum Leben unbe­dingt nothwendigen Organe (Gehirn, Respirations- und Circulationsapparat) wirken und deren Function bedrohen. Hieraus ergiebt sich, dass die Gifte die Allgemein­heit, d. h. das Individuum dadurch tödten, dass sie auf gewisse Körpertheile, also local, einwirken. Das Gift kann das Blut, das Herz etc. angreifen und das Indivi­duum tödten, weil Blut und Herz von hoher physiologischer Bedeutung sind. Das­selbe gilt von den Arzneimitteln, welche auf die verschiedensten Organe: Nieren, Nervensystem etc., ja selbst auf einzelne Theile derselben ihre Wirkung äussern können. Wir trennen zwischen Gehirn-, Rückenmarks- etc. Mitteln; ja wir begnügen uns auch damit noch nicht und fragen, ob das Mittel motorische oder sensible
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Geschichte der Therapie.
Nerven, ob es Herz-, Darm- ödere andere Ganglien bewirke. Alkohol und Strychnin haben bestimmte Beziehungen zu dem Nervensystem, dennoch ist die Wirkung beider Körper eine verschiedene, weil sie ihren Angriff gegen verschiedene Theile des Nervensystems richten. Alle Arzneimittel wirken local, und es ist die Aufgabe der Materia medica die Orte ihrer Einwirkung zu ermitteln. Die Arzneimittel können eine oder mehrere Stellen des Körpers angreifen, mithin setzt die Locali­sation eine unbestimmte Zahl von afficirten Orten voraus. Der Phosphor wirkt auf die Leber, Nieren, Knochen etc., er steht also mit verschiedenen Organen des Kör­pers in besonderer Beziehung. Ob das Arzneimittel eine oder mehrere Stellen be­fällt, beurtheilen wir aus der veränderten Leistung der Organe und mit Rücksicht darauf scheiden wir zwischen localer und multipler Wirkung, Dagegen giebt es, um es noch einmal zu betonen, keine generelle Wirkung, weil kein Arzneimittel auf alle Theile des Körpers wirkt. Wir kennen Mittel, welche in den Körper ein­dringen und sich in viele, auch solche, welche sich fast in alle Theile verbreiten, aber ihre Wirkung liegt nicht in dieser grossen Verbreitung. Die Wirkung tritt vielmehr an einzelnen Theilen hervor. Wenn Jod, Quecksilber oder Chloroform an­gewendet werden, so rechnet man darauf, dass das Mittel, indem es mit dem Blute in alle möglichen Theile verbreitet wird, an bestimmten Orten seine Wirksamkeit äussert. Auch ist zu erwähnen, dass bei der multiplen Wirkung einzelne Organe stärker ergriffen sind als andere, eine Thatsache, die sich nur dadurch erklären lässt, dass das Arzneimittel zu einzelnen Organen eine stärkere Beziehung hat, als zu anderen. Niemand wird bestreiten können, dass die in Rede stehende Bezie­hung zwischen Arzneimitteln und Körpertheilen eine specifische sein muss.
Diese Ansicht über die Wirkung der Arzneimittel ist zuerst von Rade-macher, einem niederrheinischen Arzte ausgesprochen worden, dessen Lehre in Deutschland wenig Platz gegriffen hat. Rademacher hatte über 50 Jahre lang in dem kleinen Städtchen Goch gelebt, wo er ausschliesslich den practischen Be­rufspflichten oblag und in dieser Abgeschlossenheit sein Heilsystem schuf. Ich kann mich dem absprechenden Urtheile über Rademacher, dem auch Gerlach beigetreten ist, nicht anschliessen, sondern bin im Gegentheil der Meinung, dass Rademacher ein grosser Denker war, und dass ihm vollkommen richtige Ideen vorschwebten, die allerdings zu einer merkwürdigen allgemein-pathologischen Beur-theilung führten.
Das Rademacher'sche Heilsystem. Rademacher scheidet zwischen Organ- und (Jniversalkrankheiten und dementsprechend auch zwischen Organ- und Universalheilmitteln. Ich finde in dieser Trennung nichts Auffallendes, da selbst gelehrte Pathologen sich in ähnlicher Weise ausgesprochen haben und erst durch Virchow nachgewiesen ist, dass es überhaupt keine allgemeinen, sondern nur multiple Krankheiten, giebt. Die Allgemeinkrankheit, besser Verallgemeinerung des Leidens, liess Rademacher entweder von einem Organe ausgehen (consensuelle Erkrankung) oder von vornherein bestehen. Nun verordnete er Mittel, welche entweder auf das erkrankte Organ (locale Wirkung) oder bei Universalkrankheiten auf das Allgemeine (multiple Wirkung) ein-
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Rademacher's Heilsystem.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 379
wirken sollten. In dieser Auffassung liegt die Lehre von den speei-fischen Beziehungen der Arzneimittel zu einzelnen Körpertheilen. Nach den Mitteln, welche auf die erkrankten Organe wirkten, bezeichnete er die Krankheiten, er sprach deshalb von einer Digitaliskrankheit des Herzens, Chelidoniumkrankheit der Leber, Antimonkrankheit der Lunge; er wusste ferner, dass die bezeichneten Arzneistoffe nicht jede Krank­heit des Herzens, der Leber etc. heilen konnten, sondern nur eine be­stimmte, und er benannte deshalb die verschiedenen Krankheiten der einzelnen Organe nach den Mitteln, welche sich als wirksam erwiesen. Rademacher schied hiernach zwischen Chelidonium-, Nux vomica-, Quassia- etc. Krankheiten der Leber. Die Organmittel heilten auch die „consensuellenquot; Universalkrankheiten. Gegen die selbstständigen üniversalkrankheiten wandte er Cuprum, Ferrum und Natrium nitricum an, die auch hiernach als Kupferkrankheit etc. bezeichnet wurden. End­lich hatte Rademacher beobachtet, dass die Krankheiten zeitweise einen bestimmten Charakter zeigen, dass sie, wie man auch sagt, der Herrschaft eines „Genius epidemicusquot; unterworfen sind. Hiermit wollte er die Thatsache erklären, dass eine Krankheit (namentlich eine an­steckende oder miasmatische) zu einer Zeit bösartig und zu einer anderen relativ gutartig auftritt, was wahrscheinlich von dem Grade der den krankmachenden Organismen anhaftenden Virulenz abhängig ist. Gegen diesen Genius gab er ein ßemedium epidemicum, und auch dieser Genius wurde nach dem Arzneimittel bezeichnet, welches Heilung brachte. Herrschte der Nicotiana-Genius, so gab er gleichzeitig Nico-tiana. Er verordnete deshalb gewöhnlich zwei Arzneimittel: das eine war gegen den Genius epidemicus gerichtet, und das zweite sollte die Organ- oder Universalkrankheit heilen. Die Organ- und Universalkrank­heit konnten nur durch die Therapie erkannt werden. Probeweise wurden daher so lange Arzneien angewendet, bis man das kranke Organ und das wirksame Mittel gefunden hatte. Bei den Universalkrank­heiten war die Sache leichter, weil es deren nur drei gab. Die Krank­heiten zerfallen also nach Rademacher in pharmaceutische Gruppen und seine Lehre ist eine allgemeine Pathologie, welche auf therapeu­tischen Beinen steht. In der Dosirung nahm Rademacher den Boden der alten Schule ein.
Wenn auch die genannten Mittel das nicht leisten, was Rademacher ange­nommen hat, und der ungenügendste aller Wege, die zur Erkenntniss von Krank­heiten führen, der „ex juvantibusquot; als einzig richtiger erklärt wird, so muss doch die Grundvorstellung des Rademacher als eine correcte angesehen werden, denn
Elle 11 berger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;On
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380nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Geschichte der Therapie.
sie gipfelt in dem Satze, dass die Mittel nur auf gewisse Organe wirken. Im üehrlgen strebte auch Hahnemann dem Ziele der Localisation zu, denn das Organ-Heilmittel von iiademacher ist streng genommen dasselbe, wie das „völlig passende, für den Fall specllischequot; von Hahnemann.
Rade mac her baute sich seine Therapie aus empirischen Thatsaohen auf, und es genügte Ihm zu wissen, dass unter bestimmten pathologischen Bedingungen eine bestimmte Wirkung auf die Verabreichung eines Mittels folgt. Für Ihn hatte die Kenntniss von der Wirkung eines Arzneimittels nur Insofern Interesse, als man In irgend einer Krankheit davon Anwendung machen konnte. Mit Rademacher fing daher die Therapie erst an, sich nach Art einer Naturwissenschaft zu ent­wickeln, denn der Anfang aller Xatunvissenschaft beginnt mit der empirischen Beobachtung. Welter konnte sich Rademacher in die naturwissenschaftliche Me­thode nicht erheben, denn sie setzt eine umfassende Kenntniss von Thatsachen vor­aus, zu denen wir besonders die grossen Fortschritte rechnen, welche die neueren Untersuchungen über das Wesen und den Verlauf der verschiedenen Krankheits-processe in der Diagnose und Prognose hervorgerufen haben. Diese Thatsaohen kannte Rademacher nicht, er blieb vielmehr auf dem rohen und anmassenden Standpunkte des Empirismus stehen, der noch heute mit demselben Gefühle der Unfehlbarkeit und Sicherheit unter dem Titel der sog. „Erfahrungquot; zu finden sein dürfte. Eine sichere Entwickelung der Therapie ist aber nur möglich, wenn sie an die erwähnten Untersuchungen über Wesen und Verlauf der Krankheit anknüpft, denn so lange man nicht welss, was man vor sich hat, so lange kann man auch In der Therapie zu keiner genauen Anschauung kommen, und nicht erwarten, wissen­schaftliche Resultate zu erlangen. Die empirische Beobachtung, die mit Räde­rn acher beginnt, lieferte die ersten Vorarbeiten für die Therapie, aber zu einer besonderen Naturwissenschaft erhob sie sich erst durch die Fortschritte in der pathologischen Anatomie und pathologischen Physiologie. Diese Fortschritte Hessen es zu, dass der vorhandene thatsächllche Besitz In eine wissenschaftliche Ordnung gebracht werden konnte. Jetzt besitzt die Therapie in der ganzen übrigen Medicln eine Grundlage, durch deren Verbesserung und Vervollkommnung sie nur noch fester begründet werden kann.
Die örtliche Beziehung, welche die Arzneimittel zu gewissen Organen haben, ist dasselbe, als wenn man sie örtlich appllclrt. Denn örtliche Beziehung und ört­liche Application sind von gleichem Werthe. Bei zugänglichen Apparaten (Haut, Maul- und Rachenhöhle etc.) wendet man die Arzneimittel direct an, bei nicht zu­gänglichen, z. B. Nieren, benutzt man die vorhandenen Wege: Magen, Blutbahn, Subcutis, um mit Hülfe der örtlichen Beziehung die Mittel in die Organe zu bringen, an die man sonst nicht heran kann. Wenn aber die Wirkung eines Arzneimittels eine locale ist, so kann man folglich nur von einer localen Therapie reden, die einem älteren Sprachgebrauch zu Folge eine Art Verwandtschaft zwischen dem Or­gan und dem eingeführten Arzneimittel voraussetzt. Wenn mehrere Arzneimittel auf ein Organ wirken, so können sie, wie wir gesehen haben, verschiedene Thelle desselben angreifen, also auch verschiedene Wirkungen äussern. Eine solche The­rapie war erst auf dem Wege einer fortschreitenden Erfahrung zu ergründen, und leider sind auch Jetzt noch die engeren Wirkungsgebiete der Arzneimittel nur bei wenigen sicher festgestellt. Ferner steht der Annahme nichts entgegen, dass ver­schiedene Arzneimittel, welche auf dieselbe Stelle eines Organs wirken, an ihr
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Rademacher's Heilsystem. Kritik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 381
differente Zustände hervorrufen können, dass also feinere Unterschiede in der Wir­kung der einzelnen Arzneistolfe bestehen. Dies würde im Allgemeinen der Anwen­dung von Mitteln gegen gewisse Krankheiten entsprechen, so scheint z. B. Chinin ein Mittel zu sein, welches auf den Ort wirkt, welcher intermittirende Erscheinungen hervorruft, gleichgültig: ob sie durch Malaria oder andere Ursachen erzeugt sind, wobei selbstredend nicht ausgeschlossen ist, dass das Chinin die auf diese Orte wirkenden Ursachen unschädlich macht. lu letzterem Falle würde die specilische Wirkung des Chinins nur gegen die Ursache gerichtet sein.
ich will an einem Beispiele zeigen, dass es in der Therapie keine universellen Heilmittel giebt. Das Eisen spielt hei den Stolfwechselvorgangen des Organismus eine wichtige Rolle und mit ihm werden viele Krankheiten, die sich durch Blut­mangel und Verfall der Ernährung auszeichnen, behandelt, auch geheilt. Wegen dieser Wirkung hat man lange Zeit angenommen, dass Eisen ein Universalmittel sei. Wie wirkt nun aber das Eisen?
Eisen ist im Haemoglobin der Blutkörperchen nachgewiesen worden, und zur Bildung des Hämoglobins, also auch zur Bildung der rothen Blutkörperchen, ist Eisen erforderlich. Nach den Untersuchungen von Kölliker, v. Reckling­hausen, Neumann und Anderen ist anzunehmen, dass die rothen Blutkörperchen aus den weissen Blutkörperchen der Milz, des Knochenmarks etc. entstehen, und nach der Verabreichung von Eisen an cachectische Individuen kann man nach­weisen, dass die Zahl der rothen Blutkörperchen steigt und die der weissen ab­nimmt. Mithin ist dargethan, dass das Eisen in den bezeichneten Organen die Um­wandlung der weissen in rothe Blutkörperchen erhöht, dass mithin seine Wirkung eine örtliche ist. Diese Wirkung soll das Eisen selbst bei normaler Zusammen­setzung des Blutes, bei gesunden Individuen äussem. Wenn aber nach der Anwen­dung des Eisens die Menge des Hämoglobins oder der rothen Blutkörperchen zunimmt, so wird auch mehr Sauerstoff in den Lungen aufgenommen, chemisch gebunden und an die Körpergewebe wieder abgegeben. Hiervon sind aber die Wir­kungen auf die übrigen Organe abzuleiten, denn die Gesundheit ist an die Zufuhr einer gewissen Menge von Sauerstoff gebunden, und nur wenn diese stattfindet, können die physiologischen Vorgänge in den Organen in normaler Weise verlaufen. Mit der Aufnahme von Eisen werden alle Functionen (Temperatur, Stoffwechsel, Herzkraft) gesteigert und bald bessere Ernährungsverhältnisse herbeigeführt. Da­gegen ist bis jetzt nicht erwiesen, dass Eisen eine directe, d. h. von dem Hämo­globineisen unabhängige Wirkung auf die Körpergewebe ausübt.
Selbst die therapeutischen Methoden wirken nicht universell. Nehmen wir z. B. die restaurirende Methode, und verabreichen wir eine ungewöhnlich fettreiche Nahrung, so sehen wir doch nicht in allen, sondern immer nur in gewissen Theilen grössere Fettmengen auftreten. Auf diese wirkt gewissennassen das'Fett und ruft an ihnen einenZustand hervor, denwir als„Mästungquot; bezeichnen. Da dasFett sehr reich an Kohlen- und Wasserstoff ist, so braucht es bis zu seiner Umwandlung in Kohlen­säure und Wasser' grosse Sauerstoffmengen, und wenn ein Thier viel Fett erhält, so hat der mit der Athmung aufgenommene Sauerstoff ein vorzügliches Verbren­nungsmaterial. Da ferner der Sauerstoff genug Fett vorfindet, so verbraucht er weniger Eiweiss, folglich wird die Abnutzung des letzteren verlangsamt und das Bedürfniss des Eiweiss herabgesetzt. Die Organe bleiben reich an Eiweiss und sind für functionelle Zwecke mehr geeignet.
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£#9632;•'2 #9632;'-*er durch die Arzneimittel hervorgerufene bessere Zustand eines oder mehrerer Theile kann zwar einen universellen Effect zur Folge haben, die Wirkung des Arznei­mittels ist jedoch keine universelle. Denn wir müssen scheiden zwischen einem universellen Effect und einer universellen Action. Nach unseren jetzigen Kennt­nissen giebt es kein Arzneimittel, auch keine therapeutische Methode, denen wir eine generelle Action zusprechen könnten.
Die moderne Therapie. Die allgemeine Pathologie und die allge­meine Therapie haben dieselben Bestrebungen, erstere lehrt die krank­haften Veränderungen der Elemente und die dadurch bedingten Stö­rungen ihrer Thätigkeiten und letztere die Beziehungen der Arzneimittel zu den Elementen. Es giebt mithin eine Cellularpathologie und eine Celiulartherapie (Addison). Jeder Krankheitsherd besteht aus einer grösseren oder kleineren Summe lebender Zellen und mit dieser Summe von Elementen hat es die Praxis, nicht nur für die Diagnose und Prognose, sondern auch für die Therapie zu thun. Der Gang der therapeutischen Bestrebungen steht in vollkommenem Pa­rallelismus mit den Bestrebungen der Cellularpathologie, beide ver­folgen das Princip der Localisation, welches Virchow zuerst aufgestellt hat. Das celluläre Mittel ist oft Organmittel, wie z. B. Phosphor, welches nicht nur eine Leberzelle, sondern alle angreift. Andere Mittel wirken nur auf einzelne Zellen, z. B. auf gewisse Ganglienzellen des Gross­hirns, auf die intracardialen Ganglien etc., aber nicht auf das ganze Organ. Mithin ist zum Behandeln von Krankheiten erforderlich: 1) die Kenntniss der den Krankheiten zu Grunde liegenden localen Processe und 2) die Kenntniss der örtlichen Beziehungen oder Wirkungen der Arzneimittel. Man muss in der Praxis den Sitz des Leidens und die­jenigen Abweichungen ermitteln, welche an den Zellen des leidenden Körpertheils vorliegen, und zur Heilung der Abweichungen diejenigen Arzneimittel wählen, welche auf das erkrankte Organ wirken und dessen Störungen ausgleichen, wenn die Behandlung als eine rationelle be­zeichnet werden soll. Bei compouirteu Processen, wo mehrere Organe leiden, wird ein Mittel nicht ausreichen, um Heilung herbeizuführen. Leider genügen unsere wissenschaftlichen Kenntnisse noch nicht, um in jedem Falle den gegebenen Weg verfolgen zu können, und an dieser Stelle fängt die Therapie an, eine Erfahrungswissenschaft zu werden. Wie unwissenschaftlich ist dagegen das Verfahren der Homöopathen. Sie suchen ein Mittel gegen Symptomencomplexe, d. h. sie sind ge­zwungen, dasselbe Mittel bei sehr verschiedenen Krankheiten oder im Verlaufe derselben Krankheit dasselbe Mittel von Neuem zu geben. In
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Die moderne Therapie.
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letzterem Falle müssen die Homöopathen bei derselben Krankheit mit den Mitteln fortwährend wechseln.
Da die Therapie die Lehre von der Verhütung und Behandlung der Krankheiten ist, so bedeutet jede fortschreitende Erkenntniss, welche wir über die Ursachen und das Wesen der Krankheiten erlangen, auch entsprechende Fortschritte für die Therapie. Ich möchte daher noch die Bestrebungen berühren, welche durch die epochemachenden Ent­deckungen auf dem Gebiete der Aetiologie in der Therapie hervorge­rufen worden sind. In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts vollzog sich der Uebergang von der alten Auffassung in der Medicin, in der die Krankheiten nach den Symptomen beurtheilt wurden, zu der patho­logisch-anatomischen. Durch die anatomische Untersuchung lernte mau die Veränderungen, welche die Organe bei den verschiedenen Krank­heiten erleiden, also Sitz und Wesen derselben kennen, und das ganze Bestreben ging darauf hinaus, vermittelst der physikalischen und che­mischen Diagnostik diese Veränderungen schon während des Lebens zu ermitteln. Diese Fortschritte in der Pathologie übten den nachtheiligen Einfluss auf die Therapie aus, dass man an der Wirkung der Arznei­mittel verzweifelte und es für unmöglich hielt, die Entstehung der anatomischen Veränderungen zu beseitigen oder letztere zu verhüten. Dies führte zur Methode des Zuwartens, zum Skepticismus und Nihi­lismus. Aber diese Methode der therapeutischen Verlegenheit brachte schliesslich für die Therapie den höchsten Gewinn, denn man fing an, mit den überlieferten Anschauungen zu brechen und zur selbstständigen Forschung an der Hand der wissenschaftlichen Methode überzugehen. Hierdurch wurde der Eintritt der Therapie in den Bereich der exacten Wissenschaften angebahnt.
Unsere Zeit bringt eine neue Veränderung in der Pathologie zu Stande, denn wir verlassen allmälig den anatomischen Standpunkt und wenden uns dem ätiologischen zu, nachdem wir erkannt haben, dass zahlreiche Krankheiten durch Mikroorganismen (Bacillen, Mikrokokken etc.) hervorgerufen werden. Diese Entdeckung muss auch auf die the­rapeutischen Anschauungen von Einfluss sein, sie wird aber wahrschein­lich nicht den Einfluss ausüben, den die anatomische Richtung bewirkt hat. Denn die Theorie des Contagium vivum ist nicht neu, und die Therapie hat bei ihren zahlreichen Untersuchungen den früher nur ge­ahnten, nunmehr allerdings sicher constatirten ätiologischen Thatsachen bereits mehr oder weniger Rechnung getragen. Durch diese Unter­suchungen hat die Therapie eine gewisse Selbstständigkeit erreicht und
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384nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Geschichte der Therapie.
unterscheidet sich weder in den Methoden, noch in den Ergebnissen von den übrigen Disciplinen in der Medicin. Sie ist nur das zu­letzt in deren Reihen eingetretene Glied. Das nach exacter Methode gewonnene thatsächlichc Material wird aber dasselbe bleiben, wenn auch seine Deutung mit der Veränderung der Anschauungen sich ändern mag. Die neue Erkcnntniss auf dem Gebiete der Aetiologie eröffnet die Aussicht, dass für viele, in der Theorie nur empirisch fest­gestellte Thatsachen eine wissenschaftliche Erklärung gefunden wird, auch weist sie der therapeutischen Forschung neue Wege mit grossen Zielen an.
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Zweiter Abschnitt.
Die Heilmethoden.
Einleitung. Wir theilen die fundamentalen Curmethoden (cf. S. 9 und 231) ein in a) allgemeine, b) speoielle Heilmethoden.
Zu den allgemeinen Heilmethoden rechnen wir alle gegen die Krankheitsursachen (causale und prophylactische Methoden) und ausser-dem diejenigen gegen die Krankheiten selbst gerichteten physikalischen, mechanischen und chemischen Curmethoden, bei denen es sich nicht um eine specifische Beeinflussung bestimmter Organe und Organ-functionen oder bestimmter Secrete des Thierkörpers, sondern um allgemeine Einwirkungen auf die thierischen Gewebe und deren Sub­strate und auf die thierischen Flüssigkeiten resp. auf den Gesammt-organismus handelt.
Die speciellen Heilmethoden bezwecken die hervorragende Beeinflussung bestimmter Theile und Functionen. Sie entfalten selbst­verständlich ihre Wirkungen nach den Regeln der allgemeinen Me­thoden und zwar in mechanischer, physikalischer und chemischer Art und Weise. Den Begriff der speciellen Heilmethoden wird man ver­schieden fassen müssen, je nachdem man sich auf den Standpunkt des Pathologen oder des Physiologen stellt. Vom pathologischen Stand­punkte aus versteht man unter speciellen Heilmethoden diejenigen, welche sich gegen die Krankheiten bestimmter Organe oder gegen be­stimmte Krankheitsgruppen richten. Im physiologischen Sinne sind specielle Heilmethoden diejenigen, welche einen bestimmten Einfluss auf einzelne Organe und Organfunctionen, z. B. auf die Hautthätigkeit, die Darmperistaltik u. s. vv. deutlich erkennen lassen. Beide Begriffe decken sich theilweise und zwar insofern, als die Methoden, welche einen specifischen Eiufluss auf bestimmte physiologische Functionen des
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Die Heilmethoden.
Thierkörpers haben, auch wesentlich heilsam bei krankhaften Ab­weichungen der Functionen derjenigen Organe wirken, welche sie im gesunden Zustande specifisch beeinflussen. Wegen der im Thierkörper bestehenden Wechselbeziehungen der Organe unter einander können die betreffenden Methoden aber auch bei Erkrankungen anderer als der direct beeinflussten Organe heilsam wirken. — Bei dem heutigen Stande der therapeutischen Wissenschaften ist eine allgemeine Therapie der Organstörungen, d. h. eine Abhandlung der speciellen Heilmethoden nach dem pathologischen Systeme noch undurchführbar. Deshalb müssen wir zunächst die speciellen Heilmethoden noch in einem ge­mischten Systeme abhandeln, dessen Mängel uns sehr wohl bekannt, die aber gegenwärtig unvermeidlich sind.
Ausser den allgemeinen und speciellen hat man wohl auch noch eine 3. Gruppe von Curmethoden unterschieden. Man fasste nämlich noch diejenigen Methoden, welche sich gegen die sogen. Allgemeinstörungen, also besonders gegen Fieber und Entzündung richten, in eine besondere Gruppe zusammen. Ich sehe aber hier­von ab. Das Fieber ist als eine Erkrankung des Wärmeregulationsapparates und die Entzündung als eine Krankheit der Blntgefässe zu betrachten und können dem­nach die fieber- und entzündungswidrigen Methoden sehr wohl als specielle Heil­methoden an den betreffenden Stellen in das System eingestellt werden.
I. Die allgemeinen Heilmethoden.
A. Die causalen und prophylaktisclien Curmethodeii.
Allgemeines. Die causalen und prophylaktischen Curmethoden haben zum Objecte ihres Angriffs die Krankheitsursachen. Ihr Zweck ist entweder, Ursachen, deren schädliche Einwirkung zu befürchten ist, aber noch nicht stattgehabt hat, dadurch zu bekämpfen, dass sie ihre Einwirkung auf den thierischen Organismus zu verhüten suchen (prophy­laktische Methoden) oder ihr Zweck ist, Krankheitsursachen, die den Thierkörper bereits beeinflussen und bereits Krankheiten hervorgerufen haben und unterhalten, an ihrer weiteren Wirkung zu hindern (causale Methoden). Das generelle Ziel beider Arten von Curmethoden ist dem­nach das Unschädlichmachen der Krankheitsursachen, üeber die Wich­tigkeit dieser Curmethoden habe ich mich im allgemeinem Theile bereits ausgesprochen und dort auch bereits die allgemeinen Grundzüge und Regeln, nach denen zu verfahren ist, dargelegt (S. 165—183, 157, 215 ff., 226 0'., 172). Das Gebiet der causalen und prophylaktischen
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Allgemeine Heilmethoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;387
Methoden ist in neuerer Zeit bedeutend erweitert worden und hat viel­fach an Verständniss gewonnen durch die Erkenntniss neuer Krank­heitsursachen, die wir wesentlich den hervorragenden Forschungen des genialen R. Koch verdanken. Bis in die neuere Zeit kannte man als Krankheitsursachen nur mechanische (incl. der physikalischen) und chemische Einflüsse und gewisse thierische Lebewesen (Milben, Einge­weidewürmer u. dergl.). Erst in allerneuester Zeit hat man erkannt, dass in gewissen ausserordentllch kleinen Organismen, den sogen. Spalt­pilzen, die veranlassende Ursache vieler, namentlich der Infections-krankheiten zu suchen ist und damit hat man neue Objecte für die vorbauende und causale Therapie gewonnen, damit haben sich grosse Aussichten für die Therapie der Zukunft eröffnet, und hat das Gebiet der causalen und prophylaktischen Curmethoden eine erhebliche Ver­tiefung und Vergrösserung erfahren.
Die Ursachen, warum wir so spät zu der Erkenntniss der neuen Krankheitsursachen gelangt sind, ist nicht in mangelhaftem Verständ­niss unserer Vorfahren für die ürsachenlehre, sondern in ganz anderen Umständen (in den unvollkommenen Forschungsmethoden, den unvoll­kommenen Mikroskopen und sonstigen Apparaten und dergl.) zu suchen. Man hat von Alters her sowohl der Vorbauung gegen die Einwirkung der Krankheitsursachen als der Bekämpfung der die Krankheiten unter­haltenden und verschlimmernden Umstände die grösste Wichtigkeit beigelegt. Trotz der eifrigsten Forschungen blieben aber die Ursachen sehr vieler Krankheiten unbekannt und konnten keine neuen Angriffs­punkte für die prophylaktischen und causalen Curmethoden gewonnen werden. Diese Erfolglosigkeit der ätiologischen Forschungen hatte zur Folge, dass die Ursachenlehre auf einer sehr niederen Stufe stehen blieb und dass vielfach vage Vermuthungen und Phrasen an Stelle reeller Thatsachen treten mussten. So gelangte die Aetiologie allmälig in Misscredit. Man gewöhnte sich in neuerer Zeit und um so mehr daran, sie zu missachten und über das ganze mysteriöse Capitel vor­nehm zu lächeln, als die neu aufgenommenen pathologisch-anatomischen Forschungen in kurzer Zeit grosse reelle Erfolge zu verzeichnen hatten und neues Licht über die Natur der Krankheiten verbreiteten, während die Bemühungen in der Aetiologie Jahrhunderte lang unfruchtbar ge­blieben waren. Wer sollte sich noch den unfruchtbaren ätiologischen Forschungen zuwenden, wenn ihm auf der anderen Seite die frucht­barsten Forschungsgebiete winkten? So kam es, dass sich, von wenigen Ausnahmen (Küchenmeister) abgesehen, alle hervorragenden Forscher einer jüngst vergangenen Epoche, den ätiologischen Forschungen ab-
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Die Heilmethoden.
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und anderen Gebieten, namentlich der Erforschung der bei den Krank­heiten vorhandenen anatomischen Veränderungen zuwandten. Eine natürliche Folge dieser Thatsache war, dass bis in die neueste Zeit die Aetiologie das dunkelste und mysteriöseste Gebiet der ganzen Pa­thologie blieb.
Erst in der allerneuesten Zeit hat sich eine sehr beachtenswerthe, allerdings lang vorbereitete (namentlich durch Küchenmeister's be­kannte Epoche machenden Entdeckungen über die Entwickelung der Bandwürmer etc., durch die Entdeckung der Trichinen, durch die Auf­findung der Milzbrandstäbchen, der Wechselfieberspirillen u. s. w.) Wand­lung in der Richtung der pathologischen Forschung vollzogen.
Die ätiologische Forschung wird jetzt mit grösstem Eifer und Er­folg betrieben, die ätiologische Schule ist gleichberechtigt neben die pathologisch-anatomischen getreten (cfr. S. 73). Dieser neuen Richtung und besonders ihrem hervorragendsten deutschen Vertreter R. Koch verdanken wir die Erkenntniss, dass eine grosse Zahl von Erkrankungs­formen durch gewisse niedere Organismen hervorgerufen wird, welche entweder durch ihre mechanischen Einwirkungen die Krankheitsursache selbst darstellen oder die Träger oder die Producenten gewisser noch unbekannter Gifte resp. Formente sind, welche dem Krankheitsprocess dadurcii, dass sie charakteristische Veränderungen und Reactionen der Gewebe hervorrufen, das specifische Gepräge verleihen. Dieser neuen Erkenntniss hat die Therapie Rechnung zu tragen. Mit dem Erkennen neuer Krankheitserreger werden der Therapie neue Ziele gesteckt, neue Objecte gegeben. Damit bietet sich ihr die Möglichkeit von Radical-curen bei Krankheiten dar, denen sie bis dahin in dieser Richtung machtlos gegenüberstand und die sie nur exspeetativ-symptomatisch behandeln konnte. Aufgabe der neuen Therapie ist es, die neu er­kannten Krankheitserreger ebenso energisch zu bekämpfen, wie es sie den bis dahin bekannten Krankheitsursachen gegenüber gethan hat. Wie man den eingedrungenen Holzsplitter zu entfernen und unschädlich zu machen suchen muss, so hat dies auch bei den Krankheit erzeugenden Mikroorganismen zu geschehen. Der Thierkörper muss gegen die durch die niederen Organismen bedingten Schädlichkeiten dadurch geschützt werden, dass man diesen den Eintritt in den Organismus wehrt resp. die Einwirkung auf denselben hindert (Prophylaxis) oder, wenn dies unmöglich war, dass man die bereits eingedrungenen tödtet, oder sonst­wie unschädlich macht, dass man ihre Vermehrungsfähigkeit aufhebt und ihnen die Bedingungen der Existenz entzieht (causales Ver­fahren).
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Prophylaktische Methoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 389
Prophylaxis. Die prophylaktischen Methoden richten sich gegen alle Krankheitsursachen und sollen deren Einwirkung auf die thierischen Organismen verhindern. Diejenigen Methoden, welche sich gegen die mechanischen, chemischen und physikalischen Krankheits­ursachen richten, bedürfen einer speciellen Besprechung nicht. Ihre Grundsätze sind leicht aus dem über natürliche Prophylaxis im ersten Theile dieses Lehrbuchs Gesagten zu erkennen. Vieles findet man auch in den Lehrbüchern über Gesundheitspflege auseinandergesetzt, Anderes ist im ersten Theile gelehrt worden und wieder Anderes ist so selbst­verständlich, dass es nicht angedeutet zu werden braucht. Eine beson­dere Beachtung verdienen dagegen diejenigen prophylaktischen Methoden, welche sich gegen Lebewesen kehren und unter diesen wieder diejenigen besonders, welche die Mikroorganismen bekämpfen. Die allgemeinen prophylaktischen Grundsätze sind dieselben, gleichgültig, ob die Prophy­laxis sich gegen Milben, Eingeweidewürmer u. dergl. oder gegen Spalt­pilze richtet. Die gegen die thierischen Parasiten gerichteten Methoden sind aber bedeutend leichter durchführbar und bedienen sich entweder so einfacher Mittel und Maasnahmen, dass dieselben kaum erwähnt zu werden brauchen, oder es kommen bei ihnen so specielle Methoden in Betracht, dass deren Besprechung Gegenstand der speciellen Therapie sein muss. Anders liegt dies bei den Spaltpilzen, den Ursachen der Infectionskrankheiten. Diesen gegenüber kommen gewisse allgemeine Vor-bauungsmaassnahmen in Betracht, die hier besprochen werden müssen.
Unter den niederen Organismen, welche in den Thierkörper ein­dringen, muss man wohl unterscheiden: 1) die absolut unschädlichen, 2) die nur unter gewissen Umständen und 3) die in der Regel schäd­lichen Organismen. Die ad 1 und 2 genannten finden sich fast überall in der Natur vor; sie sind ubiquitär. Deshalb kann ihr Eindringen in den Organismus niemals ganz und gar gehindert werden. Gegen das Eindringen der ad 1 aufgeführten unschädlichen Organismen bedarf es selbstverständlich auch gar keiner Vorbauung. Bei den unter gewissen Umständen schädlichen Lebewesen hat die Pro­phylaxis aber bereits eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Sie muss das Eintreten des oder der Umstände verhindern, unter denen die betr. Organismen schädlich werden. Feststehend ist in dieser Beziehung, dass die fraglichen Krankheitserreger nur dann Krankheiten erzeugen, wenn sie in grösserer Menge in dem Thierkörper vorhanden sind, wenn sie in grossen Mengen in denselben eindringen oder sich in demselben lebhaft vermehren und wenn sie einen disponirten Organismus antreffen. Die Prophylaxis muss daher darauf gerichtet sein, zu bewirken, dass
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Die Heilmethoden.
sie nicht in zu grossen Mengen in den Organismus gelangen und dass sie sich daselbst gar nicht oder nur unbedeutend vermehren. Da es fest steht, dass selbst die gefährlichsten Organismen nur dann schäd­lich wirken, wenn sie einen für ihre Entwickelung und Vermehrung günstigen Boden finden, so muss die Vorbauung dafür sorgen, dass sie einen ungünstigen Entwickelungsboden antreffen. Die Mittel dieser Art der Vorbauung sind wesentlich in den Regeln und Grundsätzen der Gesundheitspflege zu suchen. Mit Arzneien lässt sich gegen die ubi-quitären Krankheitserreger wenig leisten.
Die ad 3 genannten, in der Regel schädlichen Organismen treten der Reihe nach nur zu gewissen Zeiten, an gewissen Orten und unter bestimmten Bedingungen auf, so die Erreger der Diphtherie, der Cholera, des Rotzes, des Milzbrandes u. s. w.
Gegen diese Krankheitserreger kann in anderer Weise als gegen die ubiquitären Organismen Schutz geschaffen werden; als prophylak­tische Schutzmethoden nennen wir z. B. Desinfectionen, Impfun­gen, Sperrmaassregeln, Tödten der Kranken, Vernichten der Cadaver der Wirthe der Krankheitserreger u. s. w. Es ist selbstverständlich, dass der unbedingt sichere Schutz in diesem Falle nur in einer Abhaltung der Keime von den gesunden Thieren gefunden werden kann. „Wie ein Acker keinen Weizen hervorbringt, wenn er nicht mit Weizenkorn besäet war, so kann kein Individuum an Milz­brand erkranken, wenn nicht die betreffenden Keime in dasselbe einge­drungen sind.quot;
Der generelle Schutz, der in Abhaltung der Krankheitserreger be­steht, wird durch die Desinfection, die Sperr- und Tödtungs-maassregeln etc. bezweckt, während durch die Impfung der Orga­nismus der gesunden und gefährdeten Individuen in einen Zustand versetzt werden soll, in welchem er nicht an dem drohenden Leiden erkrankt, in welchem er den niederen Lebewesen die Bedingungen zur Entwickelung nicht darbietet u. s. w. (üeber die natürliche Vorbauung s. S. 55 ff.) Von den prophylaktischen Methoden wird die polizeiliche Prophylaxis in der polizeilichen Thierheilkunde, die diätetische in der Gesundheitspflege genauer besprochen. Hier, in der allgemeinen The­rapie kann es sich nur darum handeln, die wissenschaftlichen Grund­sätze der Impfung und Desinfection abzuhandeln.
Causalcuren. Sobald die Krankheitserreger nachgewiesener Maassen eingewirkt haben, resp. in den thierischen Organismus eingedrungen sind, beginnt die specifische Causalcur, zu welcher demnach auch die S. 172 und 173 beschriebene Abortivcur gehört.
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Causale Methoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 391
1) Die Causalcur, welche sich gegen lebende Krankheitserreger richtet, wird als antiparasitische Curmethode bezeichnet. Sie hat ea_-entweder mit makroskopischen oder mit mikroskopischen niederen Lebewesen zu thun. Die erstere Methode (Anthelminthica, Antiscabiosa etc., kurz auch als antiparasitäre Methode bezeichnet) ist in vielen Fällen ausführbar und hat gute Erfolge. Diejenige Methode dagegen, welche sich gegen niedere Organismen richtet, ist in der Regel nur ausführbar, wo es sich um ein beschränktes Auftreten von Mikro­organismen in einzelnen Theilen des thierischen Körpers handelt. Die antiseptische Methode hat gerade in den letzten Decennien die glänzendsten Erfolge in der Chirurgie zu verzeichnen. Dagegen steht die antizymotische, auf die bereits eingedrungenen Mikroben ge­richtete Methode noch auf schwachen Füssen, weil wir in vielen Fällen noch gar nicht die Mittel kennen, vermittelst deren wir die lebenden Krankheitserreger vernichten, entfernen und unschädlich zu machen ver­möchten, ohne dem Wirth derselben selbst zu schaden (S. 239 u. 240). Deshalb schlägt man in diesen Fällen häufig die exspeetativ-syrapto-matische Cur ein und sucht namentlich bei denjenigen Krankheiten, die einen bestimmten, bald beendeten Verlauf haben, die kranken Thiere so lange zu erhalten, bis die Krankheit abgelaufen ist. Wenn die Thiere den Krankheitsverlauf aushalten, dann kehrt die Gesundheit zurück. Manche der lebenden Krankheitserreger gehen nach einer Phase der lebhaften Vermehrung und Entwickelung bald zu Grunde, vielleicht deshalb, weil sie sich selbst die Ursachen zu ihrem eigenen Untergänge (durch Produciren von Stoifen, die für sie selbst Gifte sind, oder durch Umwandlung der thierischen Flüssigkeiten und Gewebe derart, dass diese ihnen nicht mehr die nothwendigen Existenzbedingungen darbieten etc.) schaffen. Sobald die Krankheits­erreger absterben, erlischt auch die Krankheit, wenn die thierischen Gewebe noch restitutionsfähig sind, d. h. das kranke Thier wird gesund, wenn es den Krankheitsverlauf auszuhalten vermochte. — In Ermange­lung der directen Causalcur sucht man auch durch diätetische Umstim-mung des Organismus (Trink-, Durst-, Schwitz-, Kaltwasser-, Trocken-, Bewegungscuren u. s. w.) denselben seuchenfest, d. h. so wenig empfäng­lich für die betreffenden Krankheitserreger zu machen, dass diese sich gar nicht oder nur mangelhaft zu entwickeln vermögen.
2) Die Causalcuren richten sich aber nicht bloss gegen die leben­den Krankheitserreger, sondern auch gegen die verschiedensten anderen physikalischen, mechanischen, chemischen, functionellen und anatomischen etc. Krankheitsursachen (cf. S. 268), gegen Krank-
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Die Impfung.
heitsproducte, welche Ursache des Fortbestehens der Verschlimmerung oder des Neuauftretens (S. 272) von Krankheiten sind. Viele, ja die meisten der speciellen Heilmethoden sind causale Methoden, so die brechenerregende Methode beim Vorhandensein reizender Körper im Magen und dadurch bedingten Erbrechen, die säuretilgende Methode bei Magendarmreizungen durch Milchsäure, die abführende bei Darm­entzündungen durch Fäcalstasen, die Carminativa bei Athembe-sciiwerden und Vergiftungserscheinungen durch Gasanhäufung, die M. lithontryptica und lithollytica bei ßlasenreizungen durch Harn­steine u. s. w. Ganz besonders zu nennen ist die giftwidrige Me­thode. Diese richtet sich gegen chemische Krankheitsursachen, lieber die gegen physikalische Krankheitsursachen gerichteten Mittel und Methoden ist wenig bekannt. — Die meisten dieser causalen und radi-calen Methoden werden als speciolle Heilmethoden abgehandelt, weil sich die betreffende Krankheitsursache in der Regel nur in bestimmten Organen findet. Hier sollen nur die antidotischen und antipara­sitischen Methoden als allgemeinere causale Curmethoden voraus­gesandt werden.
1. Impfling.)
Allgemeines. Unter Impfung, Inoculatio, versteht man die künst­liche Erzeugung einer Infectionskrankheit durch üebertragung des In­fection sstoffes auf empfängliche Thiere. Sie wird in verschiedener Absicht ausgeführt. Zu diagnostischen Zwecken impft man, wenn man ermitteln will, ob die fragliche Krankheit überhaupt infectiös ist oder eine bestimmte Infectionskrankheit darstellt. So impft man bei Milzbrandverdacht Kaninchen, bei Rotzverdacht Pferde, Meer­schweinchen etc. und beobachtet, ob die vermuthete Krankheit eintritt. Weiterhin impft man zum Zwecke der Abkürzung der Seuchendauer, sobald in einem grösseren Viehbestande eine Seuche (z. B. Maul- und Klauenseuche) ausgebrochen ist, welche voraussichtlich alle Thiere oder den grössten Theil der Thiere befällt. Bei der natür­lichen Ansteckung dehnt sich die Seuche längere Zeit aus; die damit verbundenen wirthschaftlichen Störungen (die nothwendige besondere Fütterung und Haltung, gestörte Nutzung), ferner die den freien Ver­kehr belästigenden Veterinär-polizeilichen Maassregeln (Sperre) lassen eine Abkürzung der Seuche nothwendig erscheinen. Selbst aus staats-
*) Die Capitel über Impfung, Desiiifection, Antisepsis und über die antipara­sitische Methode sind von Prof. Siodamgrotzky bearbeitet.
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Mitigation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;393
polizeilichen Gründen, namentlich zur Abkürzung der Verschleppungs­gefahr, welche stets wächst, je länger eine Seuche d;iuert, kann die Zwangsimpfung nothwendig werden, wie dies gegenwärtig z. ß. bei den Pocken geschieht.
Als prophylaktische Maassregel wird die Impfung vorgenommen, um eine mildere Krankheitsform zu erzeugen und damit die drohenden Verluste zu verringern, ferner um die Anlage zu einer Krankheit zu tilgen, ünempfänglichkeit zum Wiedererkranken, Immunität zu er­zeugen, und hiermit Schutz zu gewähren gegen fernere Erkrankungen.
A. Erzielung eines milderen Verlaufes der Impfkrankheit.
Hierzu stehen der Kunsthülfe verschiedene Wege zu Gebote, von denen einzelne allerdings practisch bis jetzt wenig erprobt sind, da­gegen ausbildungsfähig erscheinen.
I. Abminderung der Wirksamkeit des Infectionsstoffes (Mitigation, Attenuation).
Früher (Pessina 1802) glaubte man eine Mitigation dadurch er­zielen zu können, dass man von der ersten Impfung mit dem Contagium eines natürlich erkrankten Thieres an fortgesetzt nur von der geimpften, milder auftretenden Krankheit weiter impfte. Mit jeder weiteren Fort­impfung (jeder Generation oder Propagation) sollte der lufectionsstoff milder und milder werden, so dass schliesslich bei den späteren Gene­rationen mit Sicherheit auf einen milden, gefahrlosen Verlauf gerechnet werden könnte. Diese Lehre hat sich bei den lange Jahre hindurch fort­gesetzten Versuchen nicht bewahrheitet, weder bei der Schafpoeken­impfung, auf die sie zuerst Anwendung fand, noch bei der Rinderpest-impfung. Bei ersterer gelang es nicht trotz 50jähriger Bemühung, trotz Einrichtung besonderer Lymphregenerationsanstaltcn einen sog. cultivirten Impfstoff zu erzeugen (Bruckmüller); in vielen späteren Generationen trat die ursprüngliche Infectionskraft durch Erzeugung der natürlichen Krankheit in ihrer vollen Intensität wieder hervor. Auch bei den Rinderpestimpfungen in Russland kamen bei dem ge­impften Rindvieh in der 6., 10. und 14. Propagation wieder ebenso schwere Erkrankungen vor, wie bei der natürlichen Ansteckung. Nach­dem man schon darauf verzichtet hatte, eine qualitative Abänderung des Impfstoffes je erlangen zu können, hat die Neuzeit gelehrt, dass dies Ziel erreicht werden kann und zwar auf verschiedene Weise.
a. Milderung des Impfstoffes durch künstliche Züchtung des In­fectionsstoffes. Es ist das Verdienst Pasteur's, nachgewiesen zu haben,
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Die Impfung.
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dass durch längere Fortzüchtung eines Infectionsstoffes in künstlichen Nährstofflösungen unter gewissen Bedingungen eine Milderung eintreten kann, so dass derselbe eingeimpft eine mildere, nicht tödtliche Krank­heit erzeugt, und dennoch Immunität zurückbleibt. Zunächst gelang dies mit dem Organismus der Hühnercholera: derselbe in Hühnerbouillon unter Einwirkung von Sauerstoff längere Zeit fortgezüchtet, erzeugt nur noch örtlich an der Impfstelle Gangrän, macht aber das geimpfte Thier immun. Weiterhin gelang diese Milderung Pasteur bei den Milzbrand-bacillen. Wenn letztere in sterilisirter Bouillon bei 42—43deg; C. und Sauerstoffzutritt längere Zeit fortgezüchtet werden, so nimmt ihre Virulenz gradatim ab und geht sogar in 4—6 Wochen vollständig verloren.
Durch Unterbrechung dieser abschwächenden Cultur kann man einen Impfstoff von verschiedener Intensität erhalten, der eingeimpft das betr. Thier gar nicht oder nur unbedeutend gefährdet. Die gleiche Abminderung durch Züchtung ist ferner für Schafpockenlymphe von Toussaint, Semmer und Raupach, für Lungenseuche von Verriest und Bruylants angestrebt worden; doch fehlen bis jetzt sichere uud besonders practisch verwerthbare Resultate. Jedenfalls ist von dieser Methode zu erwarten, dass sie auch bei anderen Infectionsstoffen zum Ziele führen wird.
Wodurch die Milderung der Krankheitsgifte herbeigeführt wird, 1st noch nicht vollständig aufgeklärt. Pasteur misst der Einwirkung des Sauerstoffes neben höherer Temperatur die meiste Bedeutung zu. Neuere Versuche von Chauveau bestätigen, dass durch Einwirkung eines stärkeren Sauerstoffdruckes auf Milzbrandculturen bei normaler Temperatur eine Milderung erzielt werden kann. Andererseits ist durch Koch und Löffler nachgewiesen worden, dass die höheren Temperatur­grade eine bedeutende Rolle spielen, da die Schnelligkeit der Ab-schwächung ganz wesentlich von der niederen und höheren Temperatur abhängt, so dass schon geringere Differenzen innerhalb eines Grades grosse Verschiedenheiten zur Folge haben. Ausserdem scheinen auch die bei der Cultur entstehenden Stoffwechselproducte von Einfluss zu sein.
Jedenfalls wird die Methode, durch künstliche Züchtung eine Ab-schwächung von Krankheitsgiften herbeizuführen, bei der man die Variirung der Giftigkeit in der Hand hat, und sich die Festhaltung des erlangten Giftigkeitsgradesect; auch für fernere Culturen erreichen lässt, wie sie von Pasteur für Milzbrand nachgewiesen ist, auch bei anderen Krankheiten noch verwerthen lassen.
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Mitigation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;395
b.nbsp; Milderang des Impfstoffes durch Einwirkung höherer Teraperatur-grade. Toussaint wies zuerst nach, dass durch Erwärmung von Milz-btandblut auf 55deg; C. durch 10 Minuten dasselbe an Virulenz erheblich einbüsst, so dass es als ungefährlicher Impfstoif verwendet werden kann und doch Immunität erzeugt. Wenn auch die Versuche Toussaint's eine grosse Unsicherheit der Methode bekundeten, so geht doch nament­lich aus Chauveau's Untersuchungen hervor, dass sich dieselbe ver­bessern lasse. Auch für das Rauschbrand virus ist von Arloing, Cornevin und Thomas nachgewiesen, dass durch schnelle Erwärmung des Virus eine Abrainderung eintritt, Sommer und Raupach haben dasselbe für Schafpockenlymphe dargethan.
Bis jetzt ist die Methode nur beim Rauschbrande (s. unten) practisch verwerthet worden.
c.nbsp; Milderung des Impfstoffes (Schafpockenlymphe) durch Verdünnung mit Wasser (Peuch) und mit sauerstoffhaltigem Wasser (Nocard, Mollerau) scheint stattzufinden, jedoch in unsicherer und practisch bis jetzt nicht erprobter Weise; ebenso durch Einwirkung desinficirender Chemikalien (Carbolsäure, Kalium bichromicum) (Toussaint, Cham-berland und Roux).
d.nbsp; nbsp;Milderung des Impfstoffes vermittelst Durchführung desselben durch eine andere Thierspecies. Wir wissen, dass einige Infectionsstofife den Grad ihrer Virulenz ändern, wenn sie auf Individuen anderer Species übergeimpft werden, gewissermaassen unter andere Culturbedingungen gebracht werden. Sie scheint in einzelnen Fällen sich zu steigern, in anderen zu verringern; benutzen wir den abgeminderten Infections-stoff als Impfstoff für die ursprünglich heimgesuchte Species, so er­zielen wir eine mildere Krankheit und dabei vollen Schutz vor späterer Erkrankung.
Versuche lehrten, dass wenn man Blattern von Menschen auf ein Kalb und den aus der Impfkrankheit gewonnenen Impfstoff weiter von Kalb zu Kalb impft, die Giftigkeit desselben derartig abnimmt, dass mit der 20. Generation ein der ursprünglichen Kuhpockenlymphe gleich milder Impfstoff gewonnen wird, der ohne Gefahr zu Schutzimpfungen des Menschen verwendet werden kann. In neuerer Zeit hat Pasteur den gleichen Weg bei anderen Krankheiten betreten. So hat er gefunden, dass das Wuthgift bei Ueberimpfung auf Affen mit der 5. Generation so an Giftigkeit verloren hat, dass es ohne Gefahr zu Schutzimpfungen von Hunden verwendet werden kann, während die Virulenz steigt bei Ueberimpfung auf Kaninchen. Auch beim Schweinetyphus soll eine
Elleuberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9g
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Die Impfung.
Minderung der Virulenz eintreten durch üeberimpfung des Blutes auf Kaninchen, während sie bei Tauben sich steigern soll.
e. Verwendung des Infectionsstoffes von verwandten Krankheiten anderer Thierspecies als Impfstoff. Durch Jenner ist die Schutzimpfung des Menschen eingeführt worden mit Kuhpockenlymphe. Der Impfstoff, obwohl er nicht den Blattern des Menschen entstammt, bewirkt einge­impft gleichwohl Immunität vor den Blattern und ruft dabei nur eine milde und örtliche Krankheit hervor.
Das Gleiche hat man festgestellt bezüglich der Equine, der Lymphe der Pferdepocke. Selbst bei Schafen bewirkt die Impfung mit Vaccine Schutz vor Schafpocken, wenn auch die Krankheit nicht immer milder abläuft, wie nach Impfung der wirklichen Schafpockenlymphe.
Wahrscheinlich verhält es sich hier ähnlich wie mit dem Durch­laufen eines Impfstoffes durch eine andere Thierspecies. Die Pocken der Kühe wie die der Pferde scheinen nicht selbstständige, sondern verirrte Pocken zu sein (Bollinger), bei denen eine Abminderung der Virulenz eintrat, als sie gleichsam auf fremdem Boden gediehen. Ob dabei die höhere Körperwärme der betreffenden Thiergattung eine ab­schwächende Rolle spielt, also z. B. die Vaccine ein durch den Durch­gang durch warmblütigere Thierspecies abgemildertes Menschenpocken-contagium darstellt, ist schwer zu entscheiden.
2. Milderung durch eine von der natürlichen Infection abweichende Einimpfung
des Infectionsstoffes.
Bei der natürlichen Infection dringen die Infectionsstoffe meist in grösserer Menge und von den inneren Organen, Lunge, Verdauungs­schlauch etc. in den Körper ein und veranlassen schwere Allgemeinleiden oder bedeutende Veränderungen lebenswichtiger Organe, welche beide das Lelffen bedrohen. Dem entgegen suchen wir bei der Impfung den Infections-stoff in kleiner Menge künstlich in Gewebe, Organe oder Säfte ein­zuführen, in denen die Entwickelung und Wirkung desselben zwar er­folgt, die Erkrankung aber nicht belästigt und üble Folgen nach sich zieht. Bei der Auswahl der Impfstelle ist selbstverständlich die Natur der Krankheit zu berücksichtigen; man impft in das Gewebe, in wel­chem sich die Krankheit naturgemäss entwickelt: bei den Pocken in die Haut, bei der Lungenseuche in das ünterhautbindegevvebe etc. Andererseits hat man in der neueren Zeit beim Rausch brand kennen gelernt, dass man durch Einbringung des Virus direct in das Blut eine milde, das Leben nicht gefährdende Krankheit erzielt, nach welcher
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Immunität.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 397
Immunität zurückbleibt. Möglicherweise wird diese intravenöse Impfung in Zukunft noch eine grössere Rolle spielen für diejenigen Infections-atoffe, welche bei natürlicher Eniwickelung zunächst im Gewebe sich entwickeln und von dort aus erst Blut und Säfte vergiften. Die schon früher von Thiernesse u. A. ausgeführten intravenösen Lungenseuche-impfungen erlangen dadurch erneut eine höhere Bedeutung, wenngleich man auch erwarten kann, dass derartige Impfungen um so langsamer sich einführen werden, je schwieriger sie auszuführen sind. Auch bei Schafpocken sind die intravenösen Impfungen von Semmer und Raupach versucht worden, ohne zu besonderen Resultaten geführt zu haben.
Beim Rauschbrande entstand ferner nach Arloing, Cornevin und Thomas eine milde Impfkrankheit nach Einführung des Virus in die Luftröhre, ferner bei Einimpfung in das subcutane Gewebe der Schwanzspitze, wo Straffheit des Gewebes und niedrigere Temperatur die Entwickelung gefahrdrohender Impfgeschwülste verhinderte.
B. Schutz vor weiterer Erkrankung, Tilgung der Empfäng­lichkeit.
Alle Infectionskrankheiten entwickeln sich nur in den Organismen, die dafür empfänglich sind. Diese Empfänglichkeit ist überaus ver­schieden, je nach Krankheit, Thiergattung, selbst Individualität; vor Allem aber ist wichtig, dass diese Empfänglichkeit vielfach erlischt oder wie man sich der Kürze wegen ausdrückt, dass Immunität, Unempfänglichkeit, Tilgung der Anlage eintritt mit dem üeberstehen der Infectionskrankheit (cf. S. 65). Allerdings beobachten wir diese Immunität nicht bei allen Infectionskrankheiten; sie fehlt z. B. bei denjenigen, bei welchen der Infectionsstoff zunächst nur örtlich zer­störend einwirkt und von Stelle zu Stelle fortschreitend immer nur Localprocesse, aber keine allgemeine Säftevergiftung bewirkt, wie bei der Tuberkulose, dem Rotz etc. Aber auch bei den Infectionskrank­heiten, welche eine allgemeine Blutvergiftung veranlassen, tritt die Immunität nicht überall ein oder sie ist wenigstens eine unvoll­kommene, so dass z. B. grosse Mengen eines Infectionsstoffes bei den Impflingen dennoch Erkrankung herbeiführen (Milzbrand, Chauveau). Nur bei einigen bleibt die Immunität für die ganze Lebenszeit be­stehen (Rinderpest, Pocken, Lungenseuche, Rauschbrand, Hühnercholera), bei anderen ist sie zeitlich beschränkt (Aphthenseuche, Milzbrand)
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Die Impfung.
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oder tritt auch bei einzelnen Thierspecies gar nicht hervor. Die Immu­nität kann ferner, wie einzelne Versuche lehren, auf die Nachkommen übergehen, sobald die Mutter von der Krankheit während der späteren Trächtigkeitsperioden befallen wird, wie dies bezüglich des Rausch­brandes beobachtet wurde; doch fehlen hierüber noch allgemeingültige Erfahrungssätze.
Wichtig ist nun, dass bei einer grossen Zahl von Infectionskrank-heiten die künstlich hervorgerufene Impfkrankheit dieselbe Immunität zurücklässt, wie die auf natürliche Weise entstandene. Zuweilen, nament­lich bei künstlichen Impfstoffen, ist allerdings die Immunität unvoll­kommen, so dass zwar das geimpfte Thier geschützt ist gegenüber einem abgemilderten Krankheitsgifte, nicht aber gegenüber dem natürlichen oder in grosser Menge einwirkenden Gifte. Die Versuche von Pasteur über Impfmilzbrand lehren jedoch, dass die durch einmalige Impfung erzielte noch unvollkommene Immunität sich steigern lässt durch er­neute Impfung mit einem stärkeren Virus, so dass wir vollkommene Immunität erzeugen können durch mehrmalige Impfung, anfangs mit schwächerem Impfstoff, der das Leben des betreffenden Thieres nicht gefährdet, sodann mit starkem Impfstoff. In Bezug auf die Dauer der erlangten Immunität bestehen ebensolche Verschiedenheiten wie bei der natürlichen Erkrankung. Weitere diesbezügliche Forschungen müssen deshalb erst über den Werth verschiedener vorgeschlagener Impfungen entscheiden; denn wo nur eine zeitlich kurz bemessene Immunität erzielt werden kann, wird sich die Impfung nur selten verlohnen, wenn der Schutz der Thiere vor dem Erkranken der Hauptzweck der Impfung ist.
Ueber das Wesen der Immunität sind die Ansichten bis jetzt nicht vollständig geklärt und bestehen hierüber verschiedene Hypothesen. Nach der sogenannten Erschöpfungstheorie (Pasteur) sollen die Infectionsstoffe dem Organismus gewisse zum Wachsthum und zur Entwickelung nothwendige Stoffe entziehen, so dass später von Neuem eindringende Keime nicht die notwendigen Existenzbedin­gungen vorfinden. Der durchseuchte Thierkörper wäre demnach vergleichbar dem kleemüden Boden.
In Anbetracht der Lebhaftigkeit des Stoffwechsels im thierischen Organismus, der andauernden StofTzu- und Stolfausfuhr ist diese Theorie kaum haltbar. Gegen dieselbe spricht dann ferner die durch Versuche festgestellte Thatsache, dass das Blut und die Säfte immun gewordener Thiere bei künstlicher Züchtung der be­treffenden Infectionskeime einen vollständig genügenden Nährboden darbieten, so dass sich in ihm die betreffenden Keime vollkommen weiter entwickeln und gedeihen, während sie im Thierkörper nicht aufkommen können.
Dieselben Argumente sprechen gegen die sogenannte Gegengifttheorie (Chauveau,Wernich, S. 65). Nach derselben sollen unbekannte Stoffwechsel-
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Impfverfahren.
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producte der Infectionskeime im Körper zurückbleiben und die Entwickelung neu eindringender hemmen in ähnlicher Weise, wie der Alkohol bei einer gewissen Menge die Weiterentwickelung der Hefepilze hindert. Versuche lehren, dass auch m'den bereits zur Züchtung benutzten Culturflüssigkeiten nach ihrer Sterilisi-rung dieselben Mikroorganismen gedeihen (Pasteur), und dass die Einverleibung sterilisirter Culturflüssigkeiten in den Thierkörper keine Immunität verleiht (Grawitz).*)
Am meisten hat die Anschauung für sich, dass die Elemente des Körpers im Kampfe mit den Infectionsstoffen an Widerstandsfähigkeit derart gewinnen, dass sie die weitere Entwickelung neueindringender Keime nicht aufkommen lassen, die sogenannte Umprägungs- oder Anpassungstheorie.
Indem diese Erhöhung der Lebensenergie sich von einer Zellgeneration auf die folgende vererbt, wird der Körper auch für längere Zeit geschützt. Die Beobach­tungen, dass eine intensive Ernährung (geringerer Wassergehalt des Körpers, Jäger, Fleischnahrung, Feser) von bedeutendem Einflüsse auf die Widerstands­fähigkeit gegen Infectionskrankheiten im Allgemeinen, auf die sogenannte Seuchen­festigkeit ist, spricht zu Gunsten dieser Theorie.
Impfverfahren.
Zur Sicherung des Erfolges (milde Krankheit, Schutz vor weiterer Erkrankung) sind beim Impfen zahlreiche Umstände zu berücksichtigen, die hier nur in Kürze berührt werden sollen. Zu berücksichtigen ist:
1. Wahl des Impfstoffes. Der Impfstoff muss zunächst das wirk­same Agens und zwar in einer gewissen Concentration enthalten. Wenn auch bei vielen Infectionskrankheiten in allen Säften und Geweben die Krankheitskeime vorkommen, so sind sie doch in vielen derselben in so geringer Menge vorhanden, dass dieselben als sicher wirkende Impf­stoffe nicht verwendet werden können. Man wählt deshalb vornehmlich die Säfte, Secrete etc. der Gewebe und Organe, in denen der specifische
*) Mehrfach ist auch der Versuch gemacht worden, den thierischen Orga­nismus durch Einführung von Giften bezw. Arzneien indisponirt zu Infections­krankheiten (immun) zu machen. Von der Beobachtung ausgehend, dass gewisse häufiger giftigen Gasen ausgesetzte Berufsklassen seltener von Seuchen ergriffen #9632;werden, prüfte v. Proschauer den schützenden Binfluss des Schwefelwasserstoffs auf Scbafpocken. Es ergab sich dabei, dass dasselbe allerdings eine Indisposition der Lämmer bewirkte, dass dieselbe aber in der gewöhnlichen Luft schnell (vor Ab­lauf von 2 Stunden) verschwand.
Buchner sprach die Ansicht aus, dass lange fortgesetzte Darreichung von kleinen Arsenikgaben einen Zustand im Körper schaffen würde, der ihn mehr oder weniger immun für Infectionskrankheiten, besonders für nicht acut verlaufende (z. B. Rotz, Tuberculose) machen würde. Daraufhin hat Warrikow, obgleich beim Milzbrande als höchst acut verlaufender Krankheit, sich nicht viel erwarten Hess, zwei Kaninchen 14 Tage hindurch mit je '/no Grm. arsenige Säure gefüttert und dann mit frischem Milzbrandblute geimpft. Beide starben nach 24 Stunden an Milzbrand. Franck gab 2 Schafen fi Wochen hindurch täglich je O.Ol Grm. Arsenik; bei Impfung mit Milzbrand gingen beide an typischem Milzbrande zu Grunde. Auch die Koch' sehen Versuche mit Sublimat (siehe antizymotische Methode) blieben resoltatlos.
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400nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Impfung.
Krankheitsprocess im Wesentlichen abläuft, so bei den Pocken die Pockenlymphe, bei der Lungenseuche die Lymphe der kranken Lunge. Der Impfstoff muss dann ferner resorptionsfähig sein, deshalb sind vor allen Dingen flüssige Impfstoffe zu verwenden.
Weiterhin ist die Menge zu berücksichtigen. Impft man zu viel Contagium ein, so läuft man Gefahr, eine so schwere Impfkrankheit zu erzeugen, wie die natürliche Krankheit selbst ist; impft man zu wenig, so bleibt jegliche Wirkung aus. Im Allgemeinen sind stets jedoch nur geringe Mengen zu verwenden.
Ein besonderes Augenmerk ist darauf zu richten, dass mit dem Impfstoff nicht gleichzeitig andere, besonders faulige oder septische Keime eingeimpft werden. Dieselben können sich bereits in dem Thiere vorfinden, von dem man den Impfstoff entnimmt, sei es dass sich locale brandige Zerstörungen eingestellt haben, sei es dass sich ein allgemeines septisches (typhöses) Allgemeinleiden entwickelt hat. Beides muss streng berücksichtigt werden; man entnimmt deshalb die Lymphe solchen Thieren, welche, vorher gesund und kräftig, nur in leichtem oder mitteimässigem Grade ergriffen sind und beachtet eine normale Entwickelung des localen Processes. Zahlreiche Misserfolge bei Pocken der Schafe, bei Lungenseuche etc. entsprangen dieser Fehlerquelle. Aber auch in an sich gutem Impfstoffe entwickeln sich bei weiterer Aufbe­wahrung faulige Umsetzungen, deren Keime miteingeimpft eine gefähr­liche putride Erkrankung veranlassen können. Deshalb sollte, wenn möglich, stets mit ganz frischem Materiale geimpft werden; wo eine Aufbewahrung absolut nicht zu umgehen, muss dieselbe so eingerichtet werden (Luftabschluss, Kälte, wenn möglich trockener Zustand), dass faulige Zersetzungen nicht auftreten können.
2.nbsp; nbsp;Wahl der Impfstelle. Sie ist selbstverständlich abhängig von der Natur der Krankheit, bezw. von dem Ablauf der speeifischen Er­krankung in diesem oder jenen Gewebe und Organe. Weiterhin berück­sichtigt man aber, dass der künstlich erzeugte Krankheitsprocess möglichst wenig Gefahren mit sich bringt; man impft z. B. bei Lungenseuche besser am Schwänze als am Triel, weil hier weit eher heftige Localerkrankun-gen das Leben gefährden können. Aber auch darauf ist Rücksicht zu nehmen, dass an der Impfstelle wirklich auch die Resorption und die Entwickelung der speeifischen Erkrankung stattfinden kann. Bei niederer Temperatur und bei dünnen, blutarmen Ohren ist die Schafpockenirapfung stets unsicheren Erfolges.
3.nbsp; nbsp; Art des Impfens. Sie ist überaus verschieden, stets soll sie jedoch der Art sein, dass der Impfstoff wirklich eindringen kann, dass nicht stärkere Blutungen, Eiterungen etc. den Impfstoff wieder hinweg­schwemmen. Damit endlich nicht septische Keime gleichzeitig einge­impft werden, ist auf strenge Reinhaltung der Impfinstrumente, auf vorherige sorgfältige Reinigung der Impfstelle zu halten.
4.nbsp; nbsp;Diätetische Maassnahmen. In erster Linie ist dafür zu sorgen, dass die Impflinge nicht der natürlichen Infection ausgesetzt werden. Deshalb ist bei flüchtigen Infectionsstoffen, z. B. Pocken, vor Allem eine Häufung der Thiere in engen, dunstigen Stallungen zu vermeiden;
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Arten der Impfung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;401
natürlich erkrankte Thiere sind zu separiren. Weiterhin müssen alle den milden und natürlichen Ablauf der Impfkrankheit störende Einflüsse abgehalten werden. Aufenthalt in reiner Luft, unter Umständen selbst im- Freien, mittlere oder niedrigere Temperaturgrade des Aufenthalts­raumes, naturgemässe kräftige Ernährung sind nicht zu unterschätzende Hülfsmittel. Unreine, mit Fäuinissstoffen, Krankheitsproducten geschwän­gerte Luft, hohe Temperatur begünstigen die Entstehung septischer Er­krankungen; allzu niedere Temperatur hindert die Entwickelung der Impfkrankheit in den äusseren Theilen oder führt zu erheblichen Alige­meinerkrankungen.
Verschiedenheiten der Impfung nach Zweck und Zeit.
Je nach der Dringlichkeit der Impfung bezw. der Grosse der Ge­fahr unterscheidet man:
1.nbsp; Die Nothimpfung. Sie wird ausgeführt, sobald die Seuche bereits im Stalle oder Gehöfte ausgebrochen und die Uebertragung derselben auf die noch gesunden Thiere nicht zu verhindern ist. Demnach ist sie wesentlich nur angezeigt bei den Infectionskrankheiten mit flüchtigem Contagium, bei denen eine Absperrung nach erfolgtem Ausbruch die weitere Ausbreitung der Krankheit nicht verhindert. So wird die Noth­impfung ausgeführt bei den Schafpocken, bei der Maul- und Klauen­seuche, bei der Lungenseuche und in jenen Staaten, wo eine Tödtung der gefährdeten Thierbestände nicht stattfindet, bei der Rinderpest. Die Vortheile der Nothimpfung liegen zunächst im Privatinteresse; sie bestehen wesentlich in der Rettung der noch nicht erkrankten Thiere durch Erzeugung einer milderen Impfkrankheit. Da jedoch häufig bereits eine natürliche Ansteckung bei einzelnen Thieren erfolgt ist, kann man auf einen durchgängig günstigen Erfolg nicht rechnen. Bei ungünstigen A ussenVerhältnissen (im Winter, bei nasskalter Witterung, in dunstigen Stallungen etc.) kann unter Umständen der günstige Erfolg vollständig fehlen. Ein weiterer Vortheil der Nothimpfung ist die Abkürzung der Seuchendauer und der damit verknüpften lästigen Sperrmaasregeln.
Aber auch im öffentlichen Interesse kann die Nothimpfung wün-schenswerth oder nothvvendig erscheinen. Bei der natürlichen Durch­seuchung wächst erfahrungsgemäss mit der längeren Dauer der Seuche die Verschleppungsgefahr; jede Abkürzung vermindert die Gemeingefahr. Deshalb kann sich sogar eine Nothimpfung gegen den Willen des Be­sitzers, eine Zwangsimpfung, nothwendig machen, wie dies z. B. bei den Schafpocken in Deutschland eingeführt ist.
2.nbsp; nbsp;Die Vorbauungsimpfung (Praecautionsimpfung). Sie besteht in der Impfung krankheitsfreier Heerden, sobald eine Einschleppung einer Infectionskrankheit zu fürchten ist, der man auf andere Weise mit Sicherheit nicht vorbeugen kann. Sie ist angezeigt bei dringender Ge­fahr, bei leicht verschleppbaren Seuchen, sobald die Impfung mit Wahr­scheinlichkeit einen milderen Krankheitsverlauf und geringe Krankheits­verluste erwarten lässt. Grosse der Einschleppungsgefahr und Vortheile
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402nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Impfung.
der Impfung (milder Verlauf, Abkürzung der Seuchendauer und der Sperrmaasregeln) müssen gegenseitig abgewogen werden.
Bei ungünstigen diätetischen Verhältnissen, wo voraussichtlich die Impfung ebensoviel Verluste herbeiführt, unterlässt man die Vorbauungs-irapfung und wartet bis wirklich eine Einschleppung stattgefunden hat; erst dann greift man zur Impfung (Nothimpfung). Unter entgegen­gesetzten Verhältnissen wird man zur Vorbauungsimpfung auch bei ent­fernterer Gefahr schreiten. Selbst im allgemeinen Staatsinteresse kann eine Vorbauungsirapfung nothwendig werden, wo die Ein- und Ver­schleppungsgefahr eine grosse ist. So ist z. B. in Deutschland gesetz­lich bestimmt, dass, sobald die Schafpockenseuche eine grössere Aus­dehnung gewinnt oder nach den örtlichen Verhältnissen die Gefahr einer Verschleppung der Seuche in die benachbarten Schafheerden nicht aus-zuschllessen ist, die Impfung der von der Seuche bedrohten Heerden und aller in demselben Orte befindlichen Schafe polizeilich angeordnet werden kann.
Ausser bei den Schafpocken, wie soeben erwähnt, kommt die Vor­bauungsimpfung noch zur Anwendung bei der Lungenseuche in den Fällen, wo in Seuchengehöften wegen wirthschaftlicher Verhältnisse ein Neuankauf gesunder Rinder nothwendig ist, trotz gesonderter Auf-stallung aber die Ansteckung derselben nicht mit Sicherheit verhütet werden kann.
3. Schutzimpfung. Sie findet statt ohne dringende Gefahr in ge­sunden Heerden, um die Anlage zur Erkrankung zu tilgen. Sie wird ausgedehnt auf sämmtliche Thiere der betreffenden Gattung oder nur auf die seit der letzten Impfung vorhandene Nachzucht. Angezeigt ist die Schutzimpfung nur unter folgenden Verhältnissen: a) bei Krank­heiten, bei denen mit dem üeberstehen der Krankheit eine längere, womöglich lebenslängliche Immunität eintritt. Dies ist der Fall bei den Pocken, der Lungenseuche, der Rinderpest, dem Rauschbrande, der Hühnercholera. Bei anderen Infectionskrankheiten ist die erlangte Im­munität keine vollkommene oder zeitlich begrenzte, so beim Milzbrande. Weitere Forschungen sind in dieser Beziehung nothwendig.
b)nbsp; nbsp;bei Krankheiten, deren Ueberimpfung keine oder wenigstens so unerhebliche Verluste mit sich bringt, dass sie gegenüber den Verlusten durch die Seuche gar nicht in Betracht kommen können (Lungenseuche, Schafpocken).
c)nbsp; nbsp;bei gewisser, wenn auch entfernter Gefahr, d. h. beim öfteren Herrschen der Seuche, bei regem Viehankauf, mit dem die Seuche leicht unbemerkt eingeschleppt werden kann, bei endemischem Herrschen der Seuche, wo ein Schutz vor derselben durch keine anderen Maassnahmen gelingen will (z. B. Milzbrand in Milzbrandgegenden). Ohne eine ge­wisse Gefahr wäre es thöricht überhaupt die Schutzimpfung auszuführen.
Bei allen Schutzimpfungen ist aber weiter zu beachten, ob nicht durch die Impfung eine Wiedererzeugung des Infectionsstoflfes statt­findet, durch dessen Verschleppung die natürliche Seuche auf gesunde Thiere der Nachbarschaft erfolgen kann. Diese Gefahr ist z. ß. bei der Schutzimpfung der Schafpocken vorhanden; denn wie die natür-
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Rinderpest etc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 403
liehen Pocken verbreiten auch die Irapfpocken neben fixem einen flüch­tigen Ansteckungsstoff. Wo die alljährliche Schutzimpfung der Schaf­pocken gebräuchlich war, da starben auch die natürlichen Pocken nicht aas; während alle Länder frei von denselben blieben oder nur von ver­einzelten Seuchenfällen heimgesucht wurden, in denen die Schutzimpfung nicht ausgeübt wurde. Im allgemeinen Interesse müssen deshalb der­artige Schutzimpfungen, bei denen leicht verschleppbares Contagium im Verlaufe der Impfkrankheit entsteht, denselben veterinär-polizeilichen Beschränkungen unterworfen werden, wie die natürliche Krankheit. Ja es kann sich sogar rathsam erweisen, die Impfungen ganz zu verbieten, wie dies im deutschen Reiche mit den Schutzpockenimptungen der Schafe geschehen ist. Keinerlei Bedenken erregen dagegen diejenigen Schutzimpfungen, bei denen kein für andere Thiere gefährliches Conta­gium im Laufe der Impfkrankheit producirt wird.
Impfungen bei einzelnen Krankheiten.
Impfungen sind bei folgenden Krankheiten zur Anwendung gekommen bezw. vorgeschlagen:
1.nbsp; nbsp; Rinderpest. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts (zuerst 1744 von Dodson) ist die Rinderpestimpfung in verschiedenen Ländern (England, Frank­reich, Deutschland, Ungarn, Russland) theils als Noth-, theils als Schutzimpfung ausgeführt worden, wegen ungünstiger Resultate, namentlich aber wegen der da­durch bewirkten Forterhaltung der an und für sich fremden Seuche verlassen oder geradezu verboten worden. Sie wurde weiterhin als Schutzimpfung von Jessen empfohlen für die Steppengebiete Russlands, welche als Ursprungsstätten der Rin­derpest angesehen wurden, um hierdurch einen immunen Rinderbestand zu erzielen und jede Verschleppung der Seuche unmöglich zu machen. Die mit Aufbietung grosser Opfer angestellten Versuche (1853 bis 1873) führten jedoch zur Ueberzeu-gung, dass die durch Fortimpfung durch zahlreiche Generationen angestrebte Mitigation trotz einzelner günstiger Resultate (Gebr. Raupach) nicht erreicht werden konnte. Dies, die Gemeingefährlichkeit der Impfungen und die Erkenntniss, dass auch in den Steppengebieten die Rinderpest nicht ursprünglich sich entwickelt, sondern durch Verschleppung forterhält, führte zum Verlassen der Jessen'sehen Pläne. Ebensowenig gelang eine Mitigation des Pestcontagiums mittelst der Durch­führung desselben durch Schafe. Ob es möglich sein wird, das Rinderpestcontagium durch künstliche Culturen und höhere Erwärmung zu einem milden Impfstoffe abzu­schwächen, müssen weitere Untersuchungen lehren; einige Versuche Semmer's beweisen, dass das Contagium durch Erwärmen auf 55 0 C. durch 10 Minuten zer­stört wird.
Gegenwärtig ist nur die Nothimpfung in jenen Ländern angezeigt, in denen eine Tödtung der ergriffenen Bestände nicht stattfindet, und beim Steppenvieh, bei dem ein milderer Verlauf erwartet werden kann. Bis jetzt wurde mit Nasensecret oder Thränenflüssigkeit von gelinder auftretenden Fällen mittelst Lancette oder ge­tränkter, durch Hautfalten gezogener Wollfäden geimpft.
2.nbsp; nbsp;Milzbrand. Milzbrandschutzimpfungen sind erst in den letzten Jahren (seit 1881) vorgenommen worden, seitdem die Möglichkeit einer Abschwächung der Virulenz der Milzbrandbacillen nachgewiesen ist.
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404nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Impfung.
a)nbsp; nbsp;Methode Pasteur. Pasteur fand, dass bei längerer Züchtung von Milzbrandbacillen in Bouillon bei einer Temperatur von 42—430O. und Sauerstoif-zutritt die Virulenz derselben allmalig abnimmt und schliesslich naQh 4—6 Wochen vollständig verloren geht. Indem er diese Züchtung nach 24 bezw. 12 Tagen unter­brach und durch Zurückbringen auf 35(, C. eine Bildung von haltbaren, aber in gleicher Weise abgeschwächten Milzbrandsporen veranlasste, erhielt er ImpfstoiTe, von denen der erstere (premier vaccin) für Schafe ganz ungefährlich war, aber keine volle Immunität erzeugte, während der andere (deuxieme vaccin) noch eine erheb­liche Zahl von Schafen tödtete, bei den genesenden jedoch volle Immunität bewirkte. Er impfte deshalb zweimal, zunächst mit dem schwächsten Impfstoffe, nach Verlauf von ca. 10 Tagen mit dem stärkeren, der dann keine Verluste bewirken soll und Immunität zurücklässt.
Zahlreiche Impfversache mit nachfolgenden Controlinfectionen (Pouilly le fort, Vincennes, Chartres, Pest, Packisch u. A.) haben unzweifelhaft die Pasteur'sehe Abschwächung des Milzbrandgiftes und die Möglichkeit der Verwen­dung seiner Impfstoffe zu Schutzimpfungen dargethan. Trotzdem scheint die Me­thode bis jetzt nicht oder wenigstens nur in sehr stark heimgesuchten Milzbrand­gegenden praktisch verwerthbar.
Zunächst ist nicht hinlänglich festgestellt, in wie weit nach dem Ueberstehen von Milzbrand Immunität zurückbleibt; sie scheint im Wesentlichen nur bei Schafen und Rindern einzutreten, ist dagegen unvollkommen oder fehlt bei Pferden (Oemler, auch bei Kaninchen, Meerschweinchen, Mäusen, Ratten, Koch, Löffler). Weiterhin sind die Impfverluste noch zu bedeutend. Nach Pasteur betrugen sie bei Schafen 3 p. M., bei Rindern 0,05 p. M., bei Pferden 2 p. M., doch waren sie beträchtlicher bei anderen Impfungen (ausserhalb Frankreichs im Durchschnitt bei Schafen 3 pCt., bei Rindern 2,4 p. M.).
Jedenfalls zeigen die von Pasteur gelieferten Impfflüssigkeiten noch zu grosse Schwankungen, die vielleicht in Zukunft nach Koch'sehen Vorschlägen sich ver­ringern lassen. Möglicherweise sind auch die Mengenverhältnisse von Einfluss, wenigstens sah Blacekowitz keine Impfverluste nach genauer Dosirung (fein­wollige Schafe bis 25 kg 0,50, grobwollige 35—40 kg 0,625, Kammwoll- und Fleischschafe 50 kg 1,0 ccm).
Die durch die Impfungen erzielte Immunität ist eine unvollkommene. Wenn auch die Impflinge sich sehr widerstandsfähig gegen eultivirtes Milzbrandgift (bei Impfungen von Schafen ausserhalb Prankreichs 5 pCt. Verluste), etwas weniger gegen natürliches Virus (31 pCt. Verluste) verhalten, so sind sie doch nur unvoll­kommen gegen den natürlich (vom Verdauungsschlauch aus eindringenden) sich ent­wickelnden Milzbrand geschützt. Zudem scheint die Immunität durchaus nicht von langer bezw. Lebensdauer zu sein, da sie schon nach einem Jahre ziemlich unvoll­kommen ist.
Endlich darf die Gefahr der Schutzimpfungen insofern nicht übersehen werden, als bei den letal verlaufenden Impfkrankheiten eine Reproduction gemeingefährlichen Milzbrandvirus stattfindet.
b)nbsp; Methode Toussaint. Toussaint fand 1880, dass durch Erwärmen von Milzbrandblut auf 55deg; C. durch 10 Minuten dasselbe so an Virulenz verliert, dass es geimpft keine tödtliche Krankheit veranlasst, aber Immunität zurücklässt. Versuche zu Alfort haben diese To us saint'sehen Angaben bestätigt, doch war die erzielte Immunität so unvollkommen (bei Controlimpfungen starben von 18 Impf-
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Rauschbrand etc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;405
lingen 4), dass die Methode praktisch nicht verwerthbar schien. Möglicherweise führen die von Chauveau vorgeschlagenen Verbesserungen der Methode (gleich-massige Erwärmung in dünnen Pipetten, zweimalige Impfung, zunächst mit Blut erW'äJmt durch 15 Minuten auf 50deg;, sodann mit solchem erwärmt durch 9—10 Mi­nuten auf 50deg;) zu brauchbaren Resultaten. Bis jetzt hat Chauveau sicher be­wiesen, dass durch verschiedene Höhe und Dauer der Erhitzung des Milzbrandblutes sich verschiedene Grade der Abschwächung erzielen lassen.
c) Neuerdings hat Chauveau durch Einwirkung comprimirten Sauerstoffs auf Milzbrandculturen einen für Schafe und Rinder ungefährlichen, abgeschwächten Impfstoff erhalten, von welchem eine einmalige Impfung genügt zur Herbeiführung voller Immunität.
Die von Toussaint angestrebte Abschwächung des Milzbrandgiftes durch Desinficientia hat bis jetzt zu practisch verwerthbaren Resultaten nicht geführt, ebensowenig die von Chamberland und Roux wirklich bewirkte Attenuation der Culturen durch Chemikalien.
3.nbsp; nbsp;RaUSChbrand. Arloing, Cornevin und Thomas haben gefunden, dass, wenn man das aus den Beulen gepresste Rauschbrandgift in geringer Menge direct in die Blutbahn (mit genügender Vorsorge, dass Nichts in das umgebende Zellgewebe oder an die Venenwand gelangt) bringt, bei Rindern, Schafen und Zie­gen nur ein massiges Fieber eintritt, dagegen nach 5—20 Tagen volle Immunität zurückbleibt. Die Versuche zu Chaumont, an 25 Thieren mit Controlimpfungen an­gestellt, haben die Richtigkeit der Angaben bewiesen und sind danach zahlreichere Schutzimpfungen vorgenommen worden.
Weiterhin ist durch dieselben Forschor festgestellt worden, dass die Immunität über 17 Monate andauert, dass sie auf die Früchte übergeht, dass diese Immunität auch auf ungefährliche Weise erreicht werden kann durch Einspritzung in die Trachea oder in's subcutane Bindegewebe extrem gelegener und mit festem Gewebe ausgestatteter Theile, z. B. der Schwanzspitze. Eine Abschwächung des Virus er­hielten sie durch Trocknen des Saftes aus den Geschwülsten bei 32deg; C, Auflösen und Erhitzen auf 85 0 bis 100deg; C. Einspritzungen zuerst mit auf 100deg; erhitztem, später (8—15 Tage nachher) mit auf 85 0 erhitztem Virus (Dosis: Schaf 1 cg, Rind 3 cg auf 100 Wasser) erzeugten geringe Erscheinungen, aber Immunität. Practisch erprobt ist letztere Methode der Impfung noch nicht.
4.nbsp; nbsp; TyphUS der Schweine. Pasteur und Thuillier fanden, dass der von ihnen beim Schweinetyphus gefundene (von Klein als specifisch bestrittene) Mikrobe durch längere Fortimpfung von Taube zu Taube an Virulenz zu-, dagegen bei Fortimpfung durch Kaninchen abnehme. Sie benutzten deshalb das Blut von derartigen Kaninchen zur Schutzimpfung von Schweinen und wollen beobachtet haben, dass die schutzgeimpften Schweine von der Seuche verschont blieben, während die nicht geimpften massenhaft erkrankten. Bei den erheblichen Zweifeln gegen den Pasteur'sehen Mikrobus überhaupt (Klein, Raulet) müssen zunächst ausführ­lichere Mittheilungen abgewartet werden.
5.nbsp; nbsp;LungenseUCheimpfung. Von Dr. Willems in Hasselt 1851 empfohlen, hat die Lungenseucheimpfung trotz mannigfacher Bekämpfung doch sich erheblich ausgebreitet. Sie kommt fast nur als Nothimpfung zur Anwendung, selten als Praecautionsimpfung und zwar letztere nur, wo aus wirthschaftlichen Gründen in Seuchengehöfte gesundes Rindvieh eingeführt wird, welches nicht hinlänglich vor Ansteckung geschützt werden kann.
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Die Impfung.
Als Impfstoff benutzt man die gelbliche Lymphe, welche aus den frisch ent­zündeten Theilen der Lunge eines gesohlachteten lungenseuchekranken Eindes durch Abfliessen oder Auspressen gewonnen, sodann filtrirt und möglichst bald eingeimpft wird. Strenge Ausschliessung aller Lungentheile, in welchen der Process schon längere Zeit bestanden und zu nekrobiotisohen und gangränösen Umsetzungen ge­führt hat, ist nothwendig, um Einimpfungen septischen Materials zu vermeiden. Als Impfstelle benutzt man die Schwanzspitze, ca. 10 Ctm. vor ihrem Ende, welche vorher geschoren und gründlich gereinigt wird. Impfungen am Triel führen zu bedeutenden und gefährlichen Impfanschwellungen. Das Einimpfen in das Unter­hautzellgewebe geschieht fast ausschliesslich mit Hohlnadeln bezw. Spritzen (Sticker. Oemler). Die örtliche Impfwirkung tritt in der Regel erst nach 3 Wochen in Form einer massigen Anschwellung hervor, die sich allmälig zurück­bildet. Ausschreitungen der örtlichen Wirkung, starke Anschwellung, Gangrän, selbst Tod sind wohl meist Folge der Verwendung septischen Impfmaterials; sie lassen sich durch Coupiren der Schwanzspitze aufhalten. Im Uebrigen äussert sich die Wirkung durch baldiges Nachlassen der Erkrankungen in 3—i Wochen. Die kurz nach der Impfung folgenden Erkrankungen sind meist auf natürliche An­steckung vor der Impfung zurückzuführen. Die Verluste betragen bei Schwanz­impfung 1—2 pCt. und 5—10 pCt. Verluste der Schwanzquaste, bei Trielimpfung 4—8 pCt.
üeber die Berechtigung und den Werth der Lungenseucheimpfung gehen die Ansichten noch weit auseinander. Zwar wird die mit dem Ueberstehen der Krank­heit eintretende Immunität anerkannt, dagegen die durch die Impfung erzielte Zell-gewebsentzündung vielfach nicht als specifisch und identisch mit dem Lungenseuche-process, sondern als Folge der Einwirkung deletärer Stoffe angesehen. Den durch die Impfung erzeugten Schutz anlangend, so sprechen die in einzelnen Staaten an­gestellten Versuche, namentlich aber die zahlreichen Impferfahrungen in den von der Lungenseuche stark heimgesuchten Gegenden sehr zu Gunsten der Impfung. Diesen vielfachen positiven Erfolgen gegenüber beweisen die Misserfolge nur, dass unsere Methode der Impfung noch eine unvollkommene, aber verbesserungsfähige ist. Bis dahin, wo dieselbe auf genauer Erkenntniss der Natur und der Lebens­bedingungen des Ansteckungsstoffes basirend vervollkommnet ist, wird die jetzige Methode bei sorgfältiger Auswahl der Lymphe, möglichst schneller Verwendung derselben (entsprechend der leichten Abdunstung des Ansteckungsstoffes aus dem Fleische) bei gründlicher Reinigung der Impfstelle immerhin befriedigende Resul­tate liefern.
Die 1854 von Thiernesse, 1869 von Bouley, Burdon-Sanderson, neuerdings von Degive versuchte Impfung durch intravenöse Injection von Lymphe scheint zwar Immunität zu verleihen, veranlasst jedoch leicht örtliche schwere und selbst tödtliche Veränderungen. — Die Versuche von Verriest und Bruylants mit künstlich abgeschwächten Culturen des Impfstoffes haben bis jetzt zu entschei­denden Resultaten nicht geführt.
6. Mdül- Und Klauenseuche- Die Impfung derselben wird nur als Noth-impfung und lediglich zum Zwecke der Seuchenabkürzung bei zögernder Ausbreitung in der Weise vorgenommen, dass Maulgeifer oder Bläscheninhalt kranker Thiere in die Maulschleimhaut gesunder mittelst Hand oder Tuch, wohl auch nach vorgängiger Einritzung, eingestrichen wird, oder dass Futter mit Geifer von kranken benetzt den
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Schafpocten etc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 407
gesunden Thieren vorgelegt wird. Nebenzweck ist das Leiden von den Klauen abzuhalten.
Auch die subcutane Impfung mit dem Blaseninhalt ist beim Rinde und Schafe am Ohr, Schwanz und Triel vorgenommen. Nach 48 Stunden brechen die Blasen an der Impfstelle hervor, bleiben aber nicht immer auf diese beschränkt.
Die Immunität ist bei der Aphthenseuche zuweilen nur von kurzer Dauer.
7.nbsp; nbsp;Schafpockenimpfung. Angeblich soll dieselbe schon lange im Gebrauch gewesen sein. Nach Entdeckung der Vaccination des Menschen versuchte man zu­nächst die Impfung der Schafe mit Kuhpockenlymphe, ging aber bald zu der mit Schafpockenlymphe (Ovine) über. Dieselbe gewann eine allgemeine Ausbreitung und Anerkennung, trotzdem die von Pessina angestrebte Mitigation selbst in besonderen Impfinstituten nicht erreicht wurde.
Die Ovination kommt gegenwärtig wesentlich als Noth- und Vorbauungs­impfung zur Anwendung, um einen milderen Krankheitsverlauf und Seuchenabkiir-zung herbeizuführen. Die lange Jahre hindurch gebräuchliche alljährliche Schutz­impfung der Lämmer ist verlassen resp. verboten worden, weil auch bei ihr ein flüchtiges und damit verschleppbares Contagium erzeugt wird, welches gesunde Heerden gefährdet, und weil man erkannt hat, dass die jährlichen Schutzimpfungen der Lämmer die wesentliche Quelle ausgebreiteter Pockenepizootien waren.
Zur Impfung benutzt man die klare Lymphe der Schafe selbst und zwar von jungen, nur massig ergriffenen Thieren am 6.—8. Tage nach natürlichem Ausbruche oder aus Impfpocken am 10.—11. Tage nach der Impfung. Bei einer grossen Zahl zu impfender Thiere verschafft man sich die hinreichende Menge Lymphe durch Vor­impfung einer kleineren Zahl gesunder, jüngerer Schafe. Die Impfung geschieht mit­telst Impfnadel meist an der inneren Ohrfläche, bei kaltem Wetter an der unteren Schwanz- oder inneren Schenkelfläche durch Einstechen unter die Oberhaut. Von Ein-fluss auf günstigen Verlauf ist eine sorgfältige diätetische Ueberwachung der Impf­linge, namentlich ist zu berücksichtigen Schutz vor Erkältungen, Nichthäufung der Impflinge, um die natürliche Ansteckung durch die Athmungsluft zu verhüten.
Die Schutzimpfung der Schafe mit Kuhpockenlymphe (ovinisirte Vaccine) ist mehrfach von Sacco, Godine, Jadelot, neuerdings von Pissin empfohlen und versucht worden; doch hat sie sich nicht eingebürgert, da sie nicht nur un­günstigere Erfolge, öfteren allgemeinen Pockenausschlag, grössere Verluste, gerin­gere Schutzkraft aufweist, sondern bei ihr selbst ein flüchtiger Ansteckungsstoff erzeugt wird.
In neuester Zeit sind zur Milderung des Impfstoffes noch verschiedene Ver­fahren versucht worden, ohne dass sie bis jetzt practisch verwerthbare Resultate geliefert haben. Hierher gehören: Verdünnung der Lymphe mit Wasser 1 : 50 (Peuch) und mit sauersteffhaltigem Wasser (Nocard-Mollerau), nach deren subcutaner Injection kaum örtliche Wirkungen, gleichwohl Immunität eintreten sollen; Erwärmungen von Blut und Lymphe auf 55deg; C, Einspritzungen in die Ju-gularis (Sommer-Raupach); Culturen der Spaltpilze in künstlichen Nährlösun­gen (Toussaint, Sommer, Raupach, Plant).
8.nbsp; nbsp;Hundswuth. Auch für die Hundswuth hat Pasteur in jüngster Zeit eine Schutzimpfungsmethode gefunden. Nachdem er das constante Vorkommen des Wuthgiftes im verlängerten Marke und die sichere Uebertragung der Wuth durch Einspritzung eines Extractes des verlängerten Markes in sterilisirter Bouillon in den durch Trepanation eröffneten Arachnoidealraum festgestellt hatte, gelang es ihm
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408nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Impfung.
nachzirweisen, dass beim Durchgange durch Kaninchen das Wuthgift an Intensität (ausgesprochen durch kürzere Ineuhationsdauer) zu-, dagegen beim Durchgange durch Affen abnimmt. Pasteur impft deshalb das Wuthgift zunächst auf Affen, von der 5. Generation ab subcutan oder intravenös auf Kaninchen; indem er das Extract aus dem verlängerten Marke des Kaninchens bei einem Hunde zur ersten Schutz­impfung verwendet, dann weiter 3—4 Mal wiederholt dasselbe aus dem verlän­gerten Marke der von jenem ersten weiter geimpften Kaninchen benutzt, verursacht er keine tödtliche Krankheit beim geimpften Hunde, wohl aber Immunität. An 23 geimpften Hunden und 19 Controlhunden sind sodann Uebertragungsversuche mit Wuth angestellt worden, welche die volle Immunität der schutzgeimpften bewiesen.
9.nbsp; nbsp;Staupe. Auch gegen Staupe ist eine Schutzimpfung mehrfach versucht worden und zwar sowohl mit Vaccine, entsprechend der damaligen Auffassung der Staupe als Hundepooke (Jenner, Viborg) als mit dem Inhalte der Pusteln (Hayne u. A.), wie sie bei der Staupe auftreten, endlich selbst mit dem Nasen­schleime. Die Resultate der Impfung sind trotz einiger günstiger doch in der Mehr­zahl ungünstig ausgefallen, so dass die Impfung gegenwärtig verlassen ist.
10.nbsp; nbsp;Hühnercholera. Nach Pasteur's Entdeckung lässt sich der von Sem-mer und Perroncito gefundene Mikrobe in seiner Virulenz dadurch abschwächen, dass seine Cultur in neutralisirter Hühnerbouillon bei ungehindertem Luftzutritt lange Zeit (2—8 Wochen) in derselben Flüssigkeit fortgezüchtet wird. Der so er­zielte Impfstoff verursacht sodann nur locale Nekrose, hinterlässt aber Immunität.
Toussaint sah auch Immunität bei Hühnern eintreten nach Einimpfung septicämischen Blutes.
11.nbsp; nbsp;Vaccination. Von Interesse für den Thierarzt ist endlich noch die Schutzimpfung des Menschen mit Kuhpockenimpfstoff, die Vaccination.
Nachdem zufällige Beobachtungen ergeben hatten, dass die beim Melken pockenkranker Kühe angesteckten Personen trotz nur localer Erkrankung dennoch geschützt waren vor den Blattern, benutzte man nach Jenner's Vorgange (1796) die Lymphe der Kuhpooken, originäre Vaccine, zur Schutzimpfung der Menschen. Bei der relativen Seltenheit der Kuhpocke war man jedoch bald gezwungen, die Lymphe der künstlich erzeugten Kuhpocke des Menschen, die humanisirte Vaccine, zu Weiterimpfungen zu benutzen und geschieht dies noch bis auf den heutigen Tag.
Wegen der angeblich hiermit verbundenen Abnahme der Schutzkraft, sowie wegen der Gefahr der Uebertragung von Krankheiten von Mensch zu Mensch, griff man jedoch zu der bereits früher von Sacco empfohlenen und ausgeführten Me­thode der animalen Vaccination zurück, indem man Lymphe von Kälbern, animale Vaccine, zur Schutzimpfung des Menschen verwendete, welche man ent­weder durch Einimpfung von originärer Vaccine und Fortzüchtung von Kalb zu Kalb — die animale Vaccination im engeren Sinne — oder durch Einimpfung von humanisirter Vaccine — Retrovaccination, Lymphregeneration — erzielte. Ursprünglich als Retrovaccination (Sacco), später als animale Impfung (Negri 1840, sog. neapolitanische Methode) in Italien angewendet, breitete sich diese Methode seit 1864 (Paris, Berlin, Brüssel) mehr und mehr aus und wird gegenwärtig allgemein, in Zukunft vielleicht ausschliesslich angewendet.
Zur Fortpflanzung (Cultur) zieht man in den Impfanstalten gegenwärtig meist die Benutzung von Kälbern im Alter von 3—6 Monaten der früher gebräuchlichen von Saugkälbern vor. Man wählt hierzu gesunde, gut und naturgemäss ernährte
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Vaccination.
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Thiere aus. Zur Erleichterung der Impfung und Lymphatmahme benutzt man Impftische mit beweglicher Platte; bei senkrechter Stellung der letzteren werden die Kälber angeschnallt und sodann in die Seitenlage gebracht. Anstatt der früher gebräuchlichen Stellen, Mittelfleisch, Scrotum, hintere Euterfläohe, impft man jetzt meist den grösseren Theil der hinteren rechten Bauchfläche, nachdem sie vorher gereinigt und rasirt, mit 50—200 Ritzen oder Stichen. Meist am 5. Tage (bei kälterem Wetter am 6.) entnimmt man aus den entwickelten durchscheinenden Knötchen die Lymphe, welche nach Unterschieben einer Klemmpincette über die Basis der Pocke reichlich vorquillt und mittelst Röhrchen aufgesaugt wird, oder man streicht das Gewebe der Pocken mit Lancetten ab und bringt sie auf Elfenbeinspatel oder Glasplatten. Conservirt wird der Impfstoff entweder flüssig in Haarröhrchen, rein (leicht Gerinnsel bildend), mit Glycerin vermischt oder mit Zusätzen von Salicylsäure, Thymol etc., oder breiförmig, d. h. Lymphe mit abgestrichenem Pockengewebe zwischen mit Paraffin umschlossenen Glasplatten, mit Glycerin ver­rieben in Röhren, oder endlich trocken, d. h. unter antiseptischen Cautelen im Exsiccator auf Platten und Spatel eingetrocknet, selbst als Pulver (Reissner'sches Impfpulver), welches zum Gebrauche mit Glycerin verrieben wird. Bei flüssiger Form geht die Wirksamkeit bald verloren, am längsten (Monate, selbst 1 Jahr) er­hält sie sich bei trockener Lymphe.
Der Erfolg der animalen Lymphe steht dem der humanisirten sowohl bei Erst­impfungen als bei Revaccinationen ziemlich gleich, namentlich bei unmittelbarer Verwendung. Sie sichert zugleich vor Krankheitsübertragungen, wenigstens ist bis jetzt kein Fall von einer solchen bekannt geworden und ist auch bei der Seltenheit der Tuberculose bei Kälbern und wenn sonst eine Untersuchung der Impfthiere stattfindet, nicht zu erwarten.
Bei der Schutzimpfung der Menschen sind ferner noch folgende Methoden zur Anwendung gelangt: Impfung der Blatternlymphe auf Kälber und Fortzüchtung derselben durch 15—20 Generationen; die dann milder gewordene Lymphe erzielt auf Menschen geimpft nur örtliche Wirkung und vollkommene Immunität. Impfung mit der Lymphe der Pferdepocke (Equine) veranlasst heftige örtliche und allge­meine Wirkung.
Künstliche Züchtung der Vaccine in Nährlösungen hat bis jetzt zu befriedi­genden Resultaten nicht geführt.
2. Desinfection (Methodus desinticiens prophylactica).
Unter Desinfection, für welche eine genügend um­fassende deutsche Bezeichnung (Reinigung, Entgiftung) fohlt, versteht man ganz allgemein die Vernichtung bezw. unschädliche Beseitigung von Infectionsstoffen mit der Absicht eine Infection zu verhüten. Genau genommen bezweckt die Desinfection nur die Befreiung der Träger des Infectionsstoffes von letzterem, ohne dass diese selbst dabei zu Grunde gehen oder geschädigt werden, doch rechnet man auch die Maassnahmen vielfach zur Desinfection, durch welche die Infectionsstofife mit ihren Trägern, von denen sie sich nicht trennen lassen, vernichtet werden.
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410nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Desinfection.
Die Desinfection ist ganz allgemein dort angezeigt, wo eine In­fection zu befürchten ist; in erster Linie deshalb bei ansteckenden (contagiösen) Infectionskrankbeiten, weiterhin aber auch bei Infections-krankheiten, deren schädliches Agens ausserhalb des Thierkörpers sich entwickelt (miasmatische Krankheiten), soweit dasselbe erkennbar oder zu vermuthen ist. Der Desinfection sind zu unterwerfen alle Gegen­stände, welche erwiesenermaassen oder begründeter Vermuthung nach Infectionsstoife an und in sich tragen.
Sie hat sich demnach zu erstrecken auf Menschen und Thiere, so­weit sie an ihrer Oberfläche, in dem Haarkleide, den Bekleidungs­gegenständen Infectionsstoffe verschleppen können, auf thierische Ca­daver und ihre Theile im natürlichen Zustande (thierische Rohstoffe: Häute, Knochen etc.), auf Stallungen, Eisenbahnwagen, Stallgeräth-schaften, Dünger, Geschirr und ßekleidungsgegenstände, auf Rauhfutter, kurz auf Alles, was mit den an Infectionskrankbeiten leidenden Thieren und ihren Cadavern in Berührung gekommen ist und von dem ange­nommen werden kann, dass es die ihm anhaftenden Infectionskeime gelegentlich auf infectionsfähige Thiere übertragen kann.
Die Desinfection kann in mehrfacher Weise erfolgen. Zunächst durch vollständige Vernichtung der Gegenstände selbst, an denen der Infectionsstoff haftet. Mit der vollständigen Zerstörung der Träger (z. B. durch Feuer) gehen auch die Infectionskeime zu Grunde. Sie geschieht dann ferner bis zu einem gewissen Grade durch Reinigung, d. h. der mechanischen Entfernung der Infectionsstoffe von gewissen Gegenständen, sobald sie denselben nur äusserlich anhaften. Je nach der Art der Objecte erfolgt sie durch Abfegen, Abkratzen, Abhobeln, Klopfen, Lüften, durch Abspülen, Waschen, unter Zuhülfenahme von lockernden Laugen und Seifen. Unter Umständen kann die Reinigung für sich genügen; gewöhnlich wird sie aber nur als Unterstützungsmittel benutzt, namentlich um die Infectionsstoffe von den sie deckenden und schützenden organischen Massen zu befreien und auf diese Weise eine sichere Einwirkung der Desinfectionsmittel auf die blossgelegten Keime zu garantiren.
Die eigentliche Desinfection (Entgiftung), die Zerstörung der Infectionsstoffe selbst, geschieht durch verschiedene physikalisch und chemisch wirkende Mittel, die Desinfectionsmittel. In einzelnen der letzteren Mittel vereinigt sich Vernichtung, Reinigung und eigentliche Desinfection.
Wirkungsweise and Werth der Desinfectionsmittel. So lange man die Natur der Infectionsstoffe noch nicht kannte, hatte man über die
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Wirlaingsweise der Desinfectionsmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;411
Wirkungsweise der Desinfectionbmittel und ihren Erfolg nur ungenaue rein speculative Vorstellungen. In früheren Zeiten, wo man auf das Varhandensein von Miasmen und Contagion aus den in der Luft ent­haltenen üblen Gerüchen schloss, nuissten selbstverständlich diejenigen Mittel als Desinfectionsmittel gelten, welche die Luft von jenen Ge­rüchen befreiten, desodorisirten.
Ferner legte man, von der Annahme ausgehend, dass Contagion und Miasmen organische Massen seien, gebunden an ein organisches Vehikel, denjenigen Mitteln eine desinficireude Wirkung bei, welche vornämlich eingreifend auf organische Substanzen überhaupt einwirken, ohne diese ganz zu vernichten; so namentlich den bleichenden Stoffen (z. B. Chlor).
Indem die practische Erfahrung die ungenügende Wirkung dieser Mittel vielfach darthat, griff man zu Versuchen, bei denen man die Desinfectionsmittel auf Impfstoffe und Theile kranker Thiere einwirken liess und sodann ihre Ansteckungsfälligkeit erprobte. Wenn auch hier­durch manche Aenderung der Anschauungen eintrat, so fehlt es doch nicht an sich bedeutend widersprechenden Resultaten. Weiterhin wurde sodann bei der Aehnlichkeit des ursächlichen Zusammenhanges von Fäulniss mit Päulnisskeimen und Infectionskrankheiten mit den In-fectionsstoffen die fäulnisswidrige Wirkung verschiedener Mittel als gleichwerthig für die Desinfeution betrachtet. Zahlreiche Untersuchungen wurden deshalb zunächst zur Feststellung der antiseptischen Wirkung der Mittel unternommen, die von Einfluss auch auf die Anschauungen über Desinfectionsmittel wurden.
Erst in der jüngsten Zeit, nachdem durch Erkenntniss der Natur und Lebensbedingungen einiger Infectionsstoffe der Weg geebnet war, hat Koch in verdienstvoller Weise die Methode angegeben, um auf dem Boden einwurfsfreier Versuche zur richtigen Würdigung der Desinfections­mittel zu gelangen, indem er die Einwirkung derselben auf die In-lectionskeime selbst verfolgte. Nach ihm kann nur aus dem nach Anwendung bestimmter Mittel eintretenden Verluste der Entwickelungs-fähigkeit der zu den Versuchen verwendeten Mikroorganismen auf eine genügende Desinfection geschlossen werden. Ferner ist jedes Desin­fectionsmittel nach folgenden Richtungen zu prüfen. Einmal ist fest­zustellen, ob ein solches im Stande ist, die widerstandsfähigsten der pathogenen Mikroorganismen, die Dauersporen der Bacillen zu tödten; nur dann ist es ein sicheres Desinfectionsmittel. Andererseits ist festzustellen, wie sich ein Desinfectionsmittel zu anderen, leichter zu tödtenden Mikroorganismen verhält; tödtet es diese, so ist es
El 1 eu berge r, Allgemeine TUentpie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nrj
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Die Desinfection.
wenigstens als Mittel gegen diejenigen Infectionskeime zu verwenden, welche keine resistenten Dauersporen bilden. Endlich ist noch zu prüfen, ob das betreffende Mittel geeignet sei, die Entwickelung der Mikroorganismen in geeigneten Nährlösungen zu hemmen und demnach ausreiche, wenigstens die Weiterentwickelung von Infectionsstoffen zu hemmen, wo eine vollständige und sichere Desinfection nicht erreicht werden kann. Ausserdem sind aber auch die Fragen nach dem erforder­lichen Concentrationsgrade, der Zeitdauer der Einwirkung, dem Einflüsse des Lösungsmittels, der Temperatur, den noth-wendigen Vorbereitungen (Anfeuchten des Objects), bei Gasen nach der Vertheilung im Räume, sowie endlich nach der Wirkung von Corabinationen mehrerer Desinfectionsraittel zu lösen.
Bei der Prüfung ist dann stets zu berücksichtigen, unter weichen Verhältnissen es seine practische Verwendung finden soll. Desinfections-mittel müssen ferner schnell wirken, ehe sie nämlich durch Verflüch­tigung oder durch Verdünnung in ihrem Gehalt an wirksamen Substanzen zu sehr herabgesetzt werden. Je schneller sie wirken, um so besser für die Anwendung. Viel länger als 24 Stunden dürfte im Allgemeinen die Desinfectionsdauer aus practischen Rücksichton nh-ht zu bemessen sein.
Von diesen Gesichtspunkten ausgebend hat Koch eine grosse Eeihe von Desinfectionsversuchen angestellt und zwar mit besonderer Berücksichtigung der leichter zai isolirenden und widerstandsfähigen Milzbranddauersporen und Bacillen. Ihm folgend haben Schiff und Fischer Versuche über die Wirkung verschiedener Desinfectionsmittel auf Tuherkelbaciifen angestefft. Hiermit ist eine sichere wissen­schaftlich begründete. Basis zur Beartheilong der Zuverlässigkeit der Desinfections­mittel gewonnen; dennoch ist damit nur ein Bruebtheif der Desinfectionsfrage ge­löst. Viefes muss der weiteren Forschung vorbehalten bleiben, namentlich da schon jetzt dargefegt worden ist, wie überaus verschieden das Verhaften der ein­zelnen fnfeotionskeime gegen die Desinfectionsmittef ist. Wir sind deshafb auch gezwungen, bis dahin, wo namentlich die Erkenntniss der Natur der verschiedenen bis jetzt unbekannten Infectionskeime, ihrer Lebensweise und Widerstandsfähigkeit eine Prüfung der Desinfectionsmittef gegen diesefben gestattet, die durch frühere Versuche und practische Erfahrungen gewonnenen Resultate bei der Desinfection nicht unberücksichtigt zu fassen.
Aus den zahfreiohen Versuchen Koch's mag fofgendes affgemeine Ergebniss hier Pfatz finden. Versuche mit Milzbrandsporen ergaben, dass es nur wenige Mittel giebt, weiche Mifzbrandsporon innerhalb 24 Stunden zu tödten vermögen (Chlor, Brom 2 pCt., Jod, Sublimat 1 pCt., Osmiumsäure IpCt.); eine grosse An­zahl von bisher angesehenen Desinfectionsmitteln übt wenig Einfluss auf Milzbrand­sporen aus. Für die Desinfectionspraxis im Grossen können daher nur Chfor, Brom und Subfimat als sicher alle Mikroorganismen tödtend angesehen werden.
In einer weiteren Versuchsreihe stellte Koch das Verhaften der Mifzbrand-bacillen gegenüber verschiedenen Desinfectionsmittefn fest. Wenn auch zugegeben werden muss, dass diese in ihrem Verhaften von anderen Bacterien abweicheu
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Werth der Desinfectionsmittel.
413
können, so steht doch nach Koch soviel fest, dass wenn ein Mittel in den angege­benen Concentrationsgraden das Wachsthum der Milzbrandbacillen nicht aufhebt oder wenigstens erheblich zurückhält, es dies auch nicht bei anderen pathogenen Bacferien und denen der gewöhnlichen Zersetzungs- und Fäulnissprocesse zu thun vermag. Folgende Tabelle mag einen Ueberblick über die gewonnenen Resul­tate geben.
Geprüfte Stoffe.
Conoentrations-grad 1 : x, bei dem das Wachsthum der Baoillen eine Behin­derung zu erfahren anfängt.
Concentrations-grad I : x, bei dem
das Wachsthum
gänzlich aufgehoben
ist.
Sublimat.......
Senföl........
Allylalkohol.....
Arsenigsaures Kali . . .
Thymol.......
Terperthinöl.....
Blausäure......
Pfefferminzöl ....
Chromsäure.....
Pikrinsäure .....
Jod........
Nelkenöl......
Salicylsäuro.....
Uebermangansaures Kali
Campher......
Euoalyptol.....
Salzsäure......
Borax.......
Benzoösäure.....
Brom........
Jod........
Carbolsäure.....
Borsäure......
Chloralhydrat ....
Chinin.......
Schwefelcalcium . . . Chlorsaures Kalium. .
Essigsäure......
Roher Holzessig . . . Schwefelr.atrium . . . Benzoesaures Natrium Aethylalkohol ....
Aceton.......
Kochsalz......
1,000,000
330.000
1 G0,000
100.000
80,000
75.000
40.000
33,000
10.000
10,000
5.000
5.000
3,300
3.000
2,500
2,500
2,500
2,000
2.000
1.500
1,500
1,250
1.250
1,000
830
350
250
250
250
stärker als 250
200
100
stärker als 100
64
300,000 33,000
10,000
8.000
5,000 stärker als I : 4,0)0
1,500
1,250 stärker als 800
700
800 stärker als 400 625
12
stärker als I : 24
Die DesinfectionsmitteL
1. Lnft. Die Luft wirkt nur im besdiränlden Maasse eigentlich desinficirend, dennoch kann sie als wichtiges Unterstützungsmittel bei
27*
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414nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die üesinfection.
der Desinfection dienen. Zunächst werden durch die Luft und ihre Bewegung flüchtige Ansteckungsstoffe mit der Luft fortgeführt und so fein vertheilt, verdünnt, dass sie nicht mehr einzuwirken vermögen. Die ziemlich enge Begrenzung des infectionsfähigen Dunstkreises bei Krankheiten mit flüchtigem Contagium beweist dies hinlänglich. Bei fixen Ansteckungsstoffen findet zunächst durch ungehinderten Luftzu­tritt eine Austrocknung bezw. Zusammentrockuung mit den Medien statt, in denen sie sich befinden. Sie werden hierbei vor Allem ge­bunden, fixirt und dadurch in ihrer Wirkung auf andere Thiere be­schränkt. Namentlich geschieht dies an und in compacten Stoffen, während in porösen Stoffen leichter, durch Aufrütteln. Pochen. Lüften eine Loslösung derselben sammt ihren eingetrockneten Hüllen von Nährmaterial und eine Fortführung als infectionsfähiger Staub eintreten kann. Ausserdem scheint aber auch durch die Austrocknung bei den weniger widerstandsfähigen Ansteckungsstoffen die Lebensfähigkeit ver­nichtet zu werden. Wenn dies auch nicht überall stattfindet, z. B. nicht bei den Fäulnissbacillen, den Dauersporen etc., so liegt dennoch eine so grosse Zahl von Beobachtungen und Versuchen (namentlich von Renault mit dem Contagium des acuten Rotzes, des Milzbrandes, der Schafpocken, der Hundswuth) vor, dass darüber Zweifel nicht bestehen können. Diese Vernichtung auf die Einwirkung des Ozons zurückzu­führen, wie man es wegen der desodorisirenden Wirkung gethan, ist nach den bacteriologischen Versuchen der Neuzeit nicht mehr zu wagen.
Immerhin bedarf es einer längeren Einwirkung der Luft. So fanden Schill und Fischer, dass tuberculoses Sputum, welches am 95. Tage noch wirksam war, seine Wirksamkeit am 179. Tage vollständig verloren hatte; ein anderes am 95. Tage noch wirksames Sputum hatte am 183. Tage schon erheblich an Wirksamkeit abge­nommen, am 226. Tage war dieselbe vollständig erloschen.
Als unterstützendes Desinfectionsmittel benutzt man die Luft in der Weise, dass man für angehinderten Luftzuiritt oder für eine Durch­strömung (Luftzug) sorgt. Dabei muss die Einwirkung eine längere sein, denn nur allmälig tritt die Wirkung hervor: jedenfalls ist die Dauer der Einwirkung nach der Widerstandsfähigkeit und nach der Art der zu desinficirenden Gegenstände verschieden zu bemessen.
Anwendung als Desinfectionsmittel findet die Luft ohne unser Zuthun auf alle im Freien befindlichen Gegenstände, Wege, Weiden etc., auf Dünger, den wir zu dem Zwecke ausbreiten, auf Häute und Kleidungsstücke, die wir namentlich dem Luftzuge aussetzen, auf Stallungen etc., die wir nach anderweitiger Desinfection noch gut durchlüften.
2.nbsp; Licht. Aus der Thatsache, dass Impfflüssigkeiten im Dunkeln ihre Wirksamkeit länger bewahren als bei ungehinderter Lichteinwirkung, schliesst man auf eine desinficirende Einwirkung, ohne sie näher erklären zu können. Eine Mitwirkung findet deshalb vielleicht im Freien statt.
3.nbsp; nbsp;Wasser. Das Wasser wirkt zunächst reinigend auf inficirte Gegenstände; es befreit sie von den anhaftenden Stoffen und führt sie meist in den Erdboden ab. Zu gleicher Zeit wird hierdurch die Erhe-hebung derselben als staubförmige Partikel in die Luft verhindert.
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Physikalische Desinfectionsmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;415
Weiterhin werden Ansteckungsstoffe durch viel Wasser so verdünnt, dass sie nicht mehr zu wirken vermögen. Endlich scheint Wasser auch zer-stöjend einzuwirken auf minder widerstandsfähige Infectionsstoffe, wenn auch die von Naegeli aufgestellte Theorie, dass sich Contagienpilze im Wasser nur wenige Tage lebensfähig erhalten sollten, durch Versuche von Koch, bei welchen Milzbrandsporen noch nach 90 tägigem Liegen im Wasser ihre volle Keimfähigkeit bewahrt hatten , widerlegt worden ist.
Im Aligemeinen wird deshalb das Wasser auch nur als unter­stützendes Desinficiens benutzt und zwar rein oder mit Zusatz von anderen lösenden oder direct desinficirenden Mitteln bei Desinfection von Ställen. Stallgeräthschaften etc. Ausserdem ist nach zahlreichen Beobachtungen Regen und namentlich Thau ein ganz wesentliches natürliches Desinfectionsmittel für Wege und Fluren.
4. Höhere und niedere Temperaturgrade. Die Glühhitze (Ver­brennung. Veraschung) bewirkt eine Vernichtung alles Organischen, so auch der Krankheitskeime. Leider ist ihre Anwendung eine sehr be­schränkte; sie kann nur zum Ausglühen feuerfester Gegenstände (Ketten, eiserner Krippen. Raufen) oder zur Verbrennung an sich werthloser Gegenstände (Holz. Stroh, nicht zu nasser Dünger) benutzt werden. Die Versuche, die Seuchencadaver durch Verbrennung zu vernichten, haben bis jetzt zu allgemein practisch verwerthbaren Resultaten nicht geführt, denn der bedeutende Wassergehalt derselben erfordert intensive Hitze, die sich nur in besonderen Feuerungsanlagen bei kleinen oder zerstückelten Cadavern erreichen lässt.
Dass höhere Hitzegrade die Krankheitskeime ebenso wie die Fermente etc häufig zerstören, war schon früher durch zahlreiche Ver­suche und durch die practische Verwendung dargethan. Die mannig­fachen Widersprüche sind erst in der neueren Zeit gelöst worden, nach­dem man die äusseren Umstände der Einwirkung der Hitze und den Znstand der Mikroorganismen genauer berücksichtigte. Namentlich ist zu betonen, dass alle entwickelten Mikroorganismen leichter durch Hitze zerstört werden, als ibre Keime, die Dauersporen, die sich oft sehr widerstandsfähig erweisen, dass die Vernichtung leichter erfolgt in feuchtem Zustande resp. in Flüssigkeiten, als im trockenen Zustande, leichter in sauren Flüssigkeiten, als in alkalischen.
Bei Erhitzung von Flüssigkeiten werden die darin enthaltenen Krankheitserreger oft schon vernichtet durch Temperaturen unter der Siedehitze. So wird (nicht sporenhaltiges) Milzbrandblut, ver­dünnt mit, Wasser, bereits wirkungslos bei Erwärmung auf 55 0C. in 5, 50quot; in 10, 48deg; in 15 Minuten, unverdünnt bei 51deg; in 15 Minuten (Davaine). Pockengift bei 60deg; (Pasteur und Co I in). Fäulnissbacillen bei 60deg; in 45—60 Minuten. Doch ist die Wirkung dieser Temperatur­grade gegen die verschiedenen Krankheitserreger noch nicht so exact festgestellt, dass sie sich sicher in der Praxis verwerthen Hessen.
Sicherer wirkt die Siedehitze, wenigstens bei längerer Einwirkung, vernichtend auf Mikroorganismen und Krankheitskeirne. Ihr widerstehen nur die üauersporen (der Henbacillen. der Milzbrandbacillen). Da dem­nach durch einmalige Anwendung der Siedehitze nicht immer voll-
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Die Desinfection.
kommene Desinfection erreicht wird, so ist zur vollständigen Erreichung mehrmalige Anwendung derselben nach einigen Zwischenräumen (in denen die Keime ausgewachsen sind) vorgeschlagen (Tyndall).
Am sichersten wirken strömende überhitzte Heiss wasserdäm pfe, sobald dafür gesorgt wird, dass die Temperatur der Dämpfe nicht durch Wärmeverlust erheblich sinkt, d. h. in geschlossenen unter Dampfdruck stehenden Räumen.
Versuche ergaben, dass selbst die widerstandsfähigsten Milzbranddauersporen abgetödtet werden; denn sie verloren ihre Wirksamkeit sobald sie im freien Zustande 10 .Minuten Dämpfen von 95deg;, in Gartenerde 10 Minuten Dämpfen von 105deg; oder überhaupt 15 Minuten einem Dampfstrome von 100deg; ausgesetzt wurden. Ge­trocknetes tuberculoses Sputum wurde durch strömende Wasserdämpfe von 100deg; C. in 15 Minuten, selbst in Leinwand verpackt in 00—60 Minuten unwirksam (Schill und Fischer).
Die Heisswasserdämpfe haben dabei den grossen Vortheil, dass sie entgegen der Siedehitze tief in den Gegenstand eindringen, während eine erhebliche Schädigung derselben nicht stattfindet (mit Ausnahme von Wolle und Seide). Sie lassen sich auch mit Vortheil auf Cadaver anwenden, deren Weichthcile unter der Einwirkung derselben sich voll­ständig zu einem Breie autlösen.
Viel weniger sicher wirkt die trockene Hitze. Eine Temperatur von 100deg; wirkt auf trockene Fäulniss- wie Krankheitserreger nicht genügend ein.
Die Versuche im Reichsgesundheitsamte ergaben, dass sporenfreies Milzbrand-bacillenmaterial erst bei Temperaturen von 123deg;, sporenhaltiges erst nach 3 stün­diger Einwirkung einer Temperatur von 140deg; vernichtet wurde. Getrocknetes tuber­culoses Sputum wurde durch einstündiges Erhitzen im Trockenschranke bei 1000 C. unwirksam, dagegen nicht vollständig bei Verpackung in Leinwand in 60 Minuten (Schill und Fischer). Derartige hohe Hitzegrade haben dabei den Nacht heil, dass die derselben ausgesetzten Gegenstände vielfach verkohlen und deshalb ver­dorben werden. In Praxi tritt hierzu der Uebelstand, dass die einzigen zu Gebote stehenden Hitzekammern, die Backöfen, sich nicht reguliren lassen, bald überhitzt bald auch zu wenig warm sind. Jedenfalls ist in uncontrolirbaren Fällen eine lange Anwendung derselben angezeigt.
Niedere Temperaturen hemmen, wie zahlreiche Erfahrungen und verschiedene Versuche lehren, zwar die Entwickelung von Fer­menten und Krankheitserrgern, heben aber ihre Reproductionsfähigkeit nicht auf. In gefrorenen Gegenständen werden geradezu Contagien conservirt und entfalten nach dem Auftbauen ihre Wirkungen im unge-schwächtea Grade.
5. ühemische Desinflcientia.
a) Metallsalze. 1. Quecksilberchlorid. Das Sublimat ist nach den epochemachenden Versuchen Koch's das zuverlässigste Desin-fectionsmittel und zugleich das einzige, welches die wichtige Eigenschaft besitzt, ohne besondere Vorbereitung der Objecte (Befeuchten etc.) schon durch eine einmalige Application einer sehr verdünnten Lösung (im Maximum 1 : 1000, vielfach schon 1 : 5000) und in wenigen Minuten
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Desinflcirende Metallsalze.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 417
alle, auch die widerstandsfähigsten Keime der Mikroorganismen zu tödten. Nur gegen die Tuberkelbacillen bezw. ihre Sporen hat sich das Sublimat in geringerem Grade wirksam erwiesen (Schill und Fischer). Das Sublimat empfiehlt sich daher bei allen sehr wider­standsfähigen Infectionsstoffen, zur Desinfection von Wunden, Händen, Kleidungsstücken, Stallwänden und Fussboden, Gerätlischaften etc.
Koch glaubt nicht, dass die giftigen Eigenschaften des Sublimats seiner Anwendung im Grossen entgegentreten werden, weil das Desin-fectionsmittel einestheiis nur kurze Zeit, ''.,—' 2 Stunde, mit dem Desinfectionsobject in Berührung zu bleiben brauche und dann durch reichliches Wasser wieder entfernt werden könnte; andorntheils die un­zweifelhaft auch dann noch zurückbleibenden geringen Mengen für die nur vorübergehend mit den Desinfectionsobjecten in Berührung kom­menden Menschen und Thiere absolut keine Gefahr bringen würden. Eventuell könnte man sich des minder giftigen salpetersauren oder schwefelsauren Quecksilberoxydes bedienen, die allerdings 2—3 mal applicirt werden müssten. Flaut schlägt vor, das zur Desinfection von Ställen benutzte zurückbleibende Sublimat durch Anwendung von Schwefelwasserstoffwasser, einige Stunden nach Anwendung des ersteren (durch Umwandlung zu Schwefelquecksilber) unschädlich zu machen, wozu bei Anwendung eines Liter 1 p. M. Sublimates l/S9 Liter des letzteren genüge. Die Kosten einer Sublimatdesinfection sind in Anbe­tracht der bedeutenden Verdünnung geringer als bei Verwendung einer 5 procent. Carbolsäurelösung.
Sublimatlösangen von 1 : 20,000 vernichten Fäulnissbaoterien in künstlichen NSlniösungen (Buchholtz), 1 : 33,000 Milzbrandbacillen, deren Entwickelungs-
hemmung schon bei 1 : 1,000,000 beginnt (Koch). 1 p. M. Lösungen von Sublimat, salpetersaurem und schwefelsaurem Quecksilberoxyd tödten Milzbrandsporen sicher in 10 Minuten. Auf Brettern ausgebreitete, an Seidenfäden angetrocknete und in Erde suspendirte Milzbrandsporen wurden mittelst Sprayapparat mit denselben Lösungen derartig besprengt, dass die Objecte in wenigen Minuten wieder getrocknet waren; hierdurch wurde die Entwickelungsfiihigkeit der ersteren durch alle 3 Mittel vollständig, der in der Erde suspendirten aber nur durch die Sublimatlösung voll­ständig vernichtet. Wahrscheinlich liegt die Grenze der Wirkung des Sublimates gegen Milzbrandsporen zwischen 20—50,000facher Verdiinnung, bei einem einmali­gen Befeuchten ist aber eine sichere Wirkung erst bei 1 : 5000 zu garantiren (Koch). — Nicht in gleich starker Weise wirkt Sublimat auf Tuberkelbacillen ein. Getrocknetes Sputum Tnberculöser wurde allerdings durch 20—24siündige Einwir­kung der 8—12 fachen Menge einer Sublimatlösung von 1 : 1000—5000 desinfleirt, dagegen erwiesen sich unwirksam bei 24 stündiger Einwirkung auf grössere Mengen Sputum (40—50 cem) Lösungen von 1 : 5000 2 Thl. zu 1 TM. und 1 : 5000—1000 1 Thl. zu 1 Thl. (Schill und Fischer).
Bei Verwendung von Sublimatlösungen ist darauf zu achten, dass die darin enthaltene Menge unverkürzt zur Geltung kommen kann. Alle Substanzen, welche mit Quecksilbersalzen unlösliche Verbindungen eingehen oder dasselbe zersetzen: Eiweisslösnngen, Schwefelwasserstoff, Alkalien sind zu entfernen oder es sind stärkere Concentrationsgrade zu wählen.
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418nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Desinfeotion.
2.nbsp; nbsp; Uebermangansaures Kali. Es ist durch den nascirenden Sauerstoff wirkend ein kräftiges Oxydationsmittel und desodorisirt da­her stark. Als Desinfectionsmittel ist es nur in stärkerer Concen­tration sicher wirkend; deshalb und des Preises wegen wird es wesent­lich nur zur Desinfection der Hände, Wunden etc. verwendet.
5 procent. Lösung tödtete Milzbrandsporen in 1 Tag, nicht aber 1 procent. Lösung; 1 : 3000 hemmt das Wachsthum der Milzbrandbacillen, hebt die vollstän­dige Entwickelung auch bei 1 : 1400 nicht auf (Koch). 1 : 1250 desinficirte es Milzbrandbiut (Davaine), 10 procent. Schafpockencontaguim (Griinwald), 1 : 20 war es unwirksam auf getrocknetes, wirksam auf frisches Rauschbrandcontagium (Arloing, Cornevin und Thomas).
3.nbsp; nbsp;Kochsalz. Wird wesentlich zur Conservirung von Fleisch und Häuten benutzt und scheint durch Wasserentziehung, wenn auch lang­sam, bei wenig widerstandsfähigen Infectionsstoffen (Rinderpest) zu desinficiren.
Milzbrandsporen blieben unversehrt in concentrirter Kochsalzlösung durch 40 Tage (Koch); ebenso frisches tuberculoses Sputum durch 20 stündige Einwir­kung 5procent. und gesättigter Kochsalzlösung.
4.nbsp; nbsp;Eisenvitriol. Wird wesentlich nur als Antisepticum bezw. Desodorans für Senkgruben benutzt. Die desinficirende Wirkung ist nicht erwiesen.
Eisenchlorid, öprocent., tödtete Milzbrandsporen in 6 Tagen (Koch).
5.nbsp; nbsp;Chlorzink. Dasselbe ist als antiseptisch wirkendes Mittel auch zur Desinfection empfohlen, besitzt aber als solches nach Koch einen geringen Werth.
Nach Koch vermochte eine 1 procent. Lösung sporenfreies Material in 48 Stun­den nicht vollständig zu tödten, eine öprocent. Milzbrandsporen nach Einwirkung von 1 Monat nicht in der Entwickelungsfähigkeit zu hemmen.
b) Metalloide. 1. Chlor. Ursprünglich wegen seiner auf organische Farbstoffe bleichenden und desodorisirenden Wirkung als kräftiges Desin­fectionsmittel empfohlen und vielfach angewendet, wurde es theils durch practische Erfahrungen über ungenügende Wirkungen, theils durch die wärmeren Empfehlungen der Carbolsäure etc. als Desinficiens in den Hintergrund gedrängt. Erst durch neuerdings im Reichsgesundheitsamte angestellte Versuche hat sich das Chlor rehabilitirt, da es sich, wenn auch nicht als ein absolut sicheres und vollkommen genügendes, so doch immerhin als ein sehr leistungsfähiges Desinficiens, namentlich zur Desinlicirung geschlossener Stallräume erwiesen hat, welches im Verein mit anderen Unterstützungsmitteln bei allen nicht zu stark widerstandsfähigen Infectionsstoffen genügen dürfte.
Nachdem von verschiedenen Seiten die Wirksamkeit des Chlors als Desinficiens bei Rinderpest, Lungenseuche, Kuhpocken, Wuth bestritten oder bezweifelt worden, sprachen besonders die Renault'sehen Versuche, bei denen trockene und flüssige Ansteckungsstoffe beim acuten Rotz, Milzbrand, Schafpocken, Hühnerpest, der Ein-
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Desinficirende Metalloide.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;419
Wirkung des Chlorgases, des Chlorwassers oder der Chloralkalien ausgesetzt und dann verimpft wurden und sich dennoch wirksam erwiesen, 7ai Ungunsten des Chlors. S euere bacterioskopische Untersuchungen zeigen dagegen eine nicht unerhebliche Desinfeotionsleistung des Chlors. Denn das Fortpflanzungsvermögen wurde ver­nichtet von Bacterien in künstlichen Nährlösungen bei einem Chlorgehalte von 1:25,000 (Buchholtz), in Fleischwasser 1:31 (Jalan de la Croix), von Milzbrandsporen in frisch bereitetem Chlorwasser binnen 24 Stunden, in öprocent. Chlorkalklösung in 5 Tagen, während letzteres nach Itägiger Einwirkung das Wachsthum etwas verzögerte, nach 2tägiger eine lückenhafte Entwickelung veran-lasste (Koch). ISTach Arloing wirkt Chlor desinficirend auf frisches, nicht auf getrocknetes Rauschbrandgift.
a) Chlorgas. Das gelblich-grüne, wegen seiner Schwere sich senkende und ungleichmässig im Räume sich vertheilende Chlorgas ver­mag zwar nicht mit Sicherheit alle in einem Räume vorhandenen Desin-(ectionskoimo zu zerstören, wohl aber eine erhebliche Dosinfectionskratt zu äussern (Koch). Namentlich die in Spalten und Ritzen oder an dem Gase weniger zugänglichen Stellen befindlichen Infectionskeime werden weniger beeinflusst als die oberflächlich und unbedeckt gelegenen. Nach den die Grundlage abgebenden Versuchen von Fischer und Proskauer ist nothwendig ein hoher Conce ntrationsgrad (1,41 Volumprocent) des Chlorgases in der Raumluft (Concentrationsgrade, welche den Autenthalt von Menschen und Thieren in den betreffenden Räumen gestatten, sind vollständig wirkungslos) und zweitens ein möglichst lioher Feuchtigkeitsgehalt der Raumlult. welcher schon längere Zeit vor der Chlorentwickelung durch Wasserverdampt'ung, Zer­stäubung. Besprengung mit Wasser bewirkt werden muss.
Zur Entwickelung der Chlordcämpfe wird am besten Chlorkalk und Salzsäure benutzt uud zwar pro Kubikmeter 0,25 kg von ersterem, 0,35 von letzterer (Kosten 15 Pf.); um allmälige Entwickelung herbeizuführen, verpackt man den Chlorkalk in Filtrirpapier, legt ihn in hinlänglich tiefe Schalen (pro Schale nicht mehr als 0,5 kg Chlorkalk), welche man möglichst hoch und gleichmässig vertheilt aufstellt. Nachdem alle OelTnungen des Raumes thunlichst dicht verschlossen sind, wird die Salzsäure aufgegossen, wobei sich das Personal durch möglichste Beschleunigung der Handlung vor dem Einathmen des sehr zum Husten reizenden Gases hüten muss. Die Dauer der Desinfection soll nicht unter 24 Stunden betragen.
Leicht zerstörbare Gegenstände, namentlich Kleidungsstücke leiden durch Chlor in Bezug auf Farbe und Haltbarkeit.
Nach der Chlorräucherung sind die Räume gut zu lüften. Als Nachtheil ist durch mehrfache Erfahrungen bekannt geworden, dass nach Einstallung von Schlachtthieren (Kälbern) in durch Chlor desinficirte Räume, Stallungen, Eisenbahn­wagen (selbst noch nach Verlauf von 3 Wochen) nach dem Schlachten das Fleisch derselben wegen Chlorgeruch ungeniessbar sich erwies.
In fest verschlossenen Flaschen vernichtete Chlorgas bei möglichstem Feuch­tigkeitsgehalte alle im lufttrockenen Zustande und nicht zu dicker Schicht einge­brachten Mikroorganismen in einiger Zeit vollständig. — Das Chlorgas kann ferner dargestellt werden: 1) aus einem Gemenge von Kochsalz (3 Theile), pulverisirten Braunstein (1 Theil) und roher concentrirter Schwefelsaure (2 Theile), letztere mit
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Die Desinfection.
gleichen Theilen Wasser verdünnt, die unter Umrühren zugesetzt wird (Guyton-Morveau'sche Räucherung. Auch andere Mengenverhältnisse [12 : 8 : 10] werden benutzt.); 2) aus Chlorkalk und Schwefelsäure (1:2); 3) aus Salzsäure mit Braun­stein. Doch erfolgt die Entwickelung nicht so schnell und intensiv wie bei dem oben angegebenen Gemisch.
b)nbsp; nbsp; Chlorwasser zersetzt sich bei LichteinWirkung sehr bald unter Bildung von Salzsäure. Seiner ünzuverlässigkeit wegen wird es nur selten zum Desinficiren von Händen, Wunden etc. und stets nur frisch verwendet.
c)nbsp; nbsp;Chlorkalk. Das aus einem Gemisch von unterchlorigsaurem Kalke und Chlorcalcium bestehende, als Nebenproduct in chemischen Fabriken gewonnene und deshalb wohlfeile Präparat vereinigt die Wir­kungen des Chlors mit denen des Kalkes, ist allerdings kein zuver­lässiges (besonders wenn alt und verlegen), aber bei weniger wider­standsfähigen Infectionskeimen doch brauchbares Mittel. Er wird mit der 10fachen Menge Wasser verrührt als Chlorkalkmilch zum Ueber-tünchen von Mauer- und Holzwerk, Fussboden, zum Desinficiren von Häuten, Hörnern und Klauen benutzt. Seine Anwendung auf Leinen und Lederzeug (1 :20) erfordert baldiges Abwaschen, um die nach­theilige Wirkung (ßrüchigwerden) zu verhüten und beim Leder gutes Einfetten. Wollene Zeuge werden ganz verdorben.
2. Brom. Die dunkelbraunrothe Flüssigkeit, welche sich im Wasser schwer (1 : 30) löst, bei gewöhnlicher Temperatur sich in Form braunrother Dämpfe verflüchtigt, ist erst in jüngerer Zeit namentlich zur Desinfection geschlossener Stallräumc vorgeschlagen und benutzt worden. Aus verschiedenen Versuchen geht zwar hervor, dass das Brom an sie!) ein zuverlässiges Desinfectionsmittel selbst für sehr widerstandsfähige Infectionsstoffe ist, dass dagegen der practischen Ver­wendung erhebliche Bedenken namentlich mit Bezug auf den Preis entgegenstehen, so dass es sich nur empfehlen dürfte zur Desinfection von geschlossenen Räumen bei weniger widerstandsfähigen Infections-stoffen. Die Anwendung geschieht in der Weise, dass man Brom in eine flache, mit Sand gefüllte, hochgestellte Schale giesst und ver­dampfen lässt. Die Bromdämpfe beschädigen Wände und Gegenstände stärker als Chlor.
Nach angestellten Versuchen vernichtet Brom das Fortpflanzungsvermögen von Bacterien in künstlichen Nährlösungen in Verdünnung von 1 : 3333 (Buch-holtz), in Fleischwasser 1 : 336 (Jalan de la Croix), Milzbrandsporen 1 : 50 in 24 Stunden (Koch), hemmt das Wachsthum von Milzbrandbacillen bei 1:1500 (Koch), zerstört frisches und getrocknetes Rauschbrandcontagium (Arloing, Cor-novin und Thomas), wirkt in Lösung 1 : 100 24 Stunden angewendet unzuver­lässig auf frisches, sporenhaltiges Sputum Tuberculöser (Schill und Fischer).
Zur practischen Verwendung genügen wässerige Lösungen in Form einfacher Waschungen oder Benetzungen nicht, denn 0,5—2prooent. Lösungen vermochten nach 4 maliger Anwendung die Entwickelungsfähigkeit von Milzbrandsporen nicht aufzuheben; dasselbe gelang erst bei 3 maliger Anwendung von 4procent. Lösung.
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Desinficirende Alkalien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 421
Eine derartige Desinfection eines Eisenbahnwagens würde aber, abgesehen von der erschwerten Anwendung, 20 Mark kosten (Koch).
Bromdämpfe vernichten zwar Milzbrandsporen sicher in 24 Stunden (Koch), unB. 0,2 Volumenprocent in einer mit Feuchtigkeit geschwängerten Atmosphäre tödten in Flaschenversuchen nach 3 stündiger Einwirkung alle Mikroorganismen (Fischer und Proskauer). Bei der practischen Verwendung in Kellerräumen wurden jedoch selbst oberflächlich ausgelegte Mikroorganismen nicht vernichtet, da ein ßromgehalt von 0,2 pC't. nicht oder nicht dauernd zu erreichen war, selbst nicht mit dem von Frank empfohlenen (patentirten) Verfahren, geformte Kieselguhrstan-gen mit Brom (1 : 5) zu tränken und in offenen Glasgefässen abdunsten zu lassen. Selbst bei Verwendung von 36 g pro Kubikmeter Hess sich der gewünschte Effect nicht erreichen. jSTur wenn es gelänge eine andere, die schnellere Bromverdampfung ermöglichende Methode zu finden, würde der erforderliche Bromgehalt der Luft mit geringeren Brommengen und geringeren Kosten (als mit Chlor) zu erreichen sein (Fischer und Proskauer).
3. Jod. Obgleich demselben eine bedeutende desinficirende Wir­kung zuerkannt werden muss, kann es als Desinficiens seines Preises und der Nebenwirkungen wegen nur in Betracht kommen bei Wunden etc.
Jodwasser tödtete Milzbrandsporen in 24 Stunden (Koch), alkoholische Jod-lösung bewirkte nach 1 und 2 Tagen nur lückenhafte Entwickelung derselben (Koch). Jodwasser hemmte die Entwickelung von Milzbrandbacillen bei 1 : 5000 (Koch). Nach Warrikow wurden Milzbrandbacillen zerstört durch Lösungen 1 : 50,000. Nach Davaine wirkte Jodlösung zu verdünntem Milzbrandblut zuge­setzt derart vernichtend, dass bei Mischungsverhältnissen von 1 : 100—12,000 unter 22 damit geimpften Thieren nur eins starb.
Die von Davaine gerühmte Wirkung des Jods tritt aber nach Koch nicht ein, wenn es (ohne gleichzeitige Verdünnung) dem circulirendeu Blute zugesetzt wird, dessen Alkalien sofort mit dem Jod feste Verbindungen eingehen. Eine Ver­dünnung von 1 : 7000 habe die Entwickelung der Bacillen nicht zu hemmen ver­mocht, welche erst bei 1 : 5000 anfangen langsamer zu werden. Die letztere Ver­dünnung auf die Blutmenge eines erwachsenen Menschen berechnet würde einen so starken Jodgebrauch nothwendig machen, dass sich stets 12 g Jod in Circulation befinden müssten, dass sei aber unmöglich (Koch).
Trockenes tuberculoses Sputum wurde unwirksam durch 20 — 24 stündiges Liegen in der 8—12fachen Menge von 5procent. Jodkaliumlösung, in der gleichen Zeit angefeuchtet durch Jodoformdämpfe, Joddämpfe, Vermischen mit Jodoform; unwirksam war 0,1 und 1 prooent. Jodkaliumlösung, wässerige Jodlösung 1 : 500 bis 1 : 10,000, gesättigtes Jodoformwasser, Jodoform in Oel 5procent., Jodoform in Terpentinöl 5prooent., Jodoformdämpfe (Schill und Fischer).
c) Alkalien mul Erden. Die eigentlichen Aetzalkalien gelten wogen ihrer zerstörenden Einwirkung auf organische Substanzen als sichere Zerstörungsraittel für fixe Contagien. doch sind sie in dieser Form wegen der zerstörenden Wirkung nicht oder nur sehr bedingt anzuwenden. Wohl aber sind sie wichtige Unterstützungsmittel bei der Desinfection, vor Allem als Wasch- und Reinigungsmittel, die die Infectionskeime nicht nur entfernen helfen, sondern auch zur Einwirkung anderer Mittel
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Die Desinfection.
freilegen von den Resten der einhüllenden thierischen Substanzen. Ausserdem ist aber auch eine direct desinficirende Wirkung bei einigen erwiesen.
a.nbsp; nbsp;Aetzkali und Natron. Beide werden nur als Lösungen 1 : 30—10O verwendet. Der Billigkeit wegen benutzt man meist die käufliche Seifensiederlauge von spec. Gew. 1,084, bezw. von der Stärke, dass ein frisches Ei darin schwimmt. Erforderlichen Falles geschieht die Bereitung in der Weise, dass man 1 Theil roher Pottasche (oder 4 Theile Holzasche) bezw. Soda mit 20 Theile Wasser aufkocht und nach und nach 1 Theil gelöschten Kalk hinzusetzt. Sie werden namentlich als Reinigungsmittel bei Holz- und Mauerwerk, Stallgeräthschaften, Wollen- und Leinen­zeug verwendet.
Kali oausticum desinficirte Milzbrandblut bei Verdünnungen 1 : 375 (üa-vaine), war aber unzuverlässig 1 : 10 auf frisches tuberculoses Sputum (Schill und Fischer). Natronlösung 1:100 wirkte desinflcirend auf trockenes tuberculoses Sputum bei 20—24stündiger Einwirkung in 8—12facher Menge, auf frisches wirkte es 2: 100 unzuverlässig (Schill und Fischer).
b.nbsp; nbsp;Kaliseife. Grüne Seife. Sie dient wesentlich zur Reinigung von Stallgeräthschaften und Geschirren, ist bis zu gewissem Grade auch desinflcirend.
2procent. Kaliseife tödtet nicht Milzbrandsporen in 12 Tagen, hemmt das Wachsthum der Milzbrandbacillen bei Lösungen von 1 : 5000, vernichtet das Fort-ptlanzungsvermögen bei 1 : 1000 (Koch). Da Kalilauge 8mal niedrigere Grenz-werthe aufweist, so wird die Desinfectionswirkung einer oder der anderen in der Kaliseife vorhandenen Fettsäuren zugeschrieben.
C. Aetzkalk (gebrannter oder gelöschter Kalk). Ueber die desinficirende Wirkung des Kalkes fehlt es an sicheren Unterlagen; man nimmt sie an wegen der zerstörenden Einwirkung auf organische Substanzen. Im Ganzen wird der Kalk nur als unterstützendes Uesinfectionsmittel benutzt und zwar als Kalkbrei (Mörtel) zum Abputzen des Mauerwerks inficirter Ställe und als Kalkmilch (1 : 15 Wasser) zum Uebertünchen von Holz und Mauerwerk, zum Einlegen von Häuten, Ueber-giessen von Dünger, der Cadaver und thierischen Auswurfsstoffe. In stärkerer Ver­diinnung (1 : GO. Kalkwasser.) kommt dem Kalke kaum eine desinficirende Wir­kung zu.
Kalkwasser tödtete Milzbrandsporen nicht in 20 Tagen, verursachte aber nach 15 Tagen lückenhafte Entwickeluug derselben (Koch). Auf frisches Rauschbrand-contagium erwies sich Aetzkalk und Kalkwasser unwirksam (Arloing, Cornevin und Thomas). Kalk wird vielfach zur vermeintlichen Desinfection menschlicher Faeces verwendet, ist es aber kaum, sondern verzögert nur die Fäulniss durch Wasserentziehung und Praeoipitirung und bindet Fäulnissgase.
(1) Säuren, Alle Mineralsäuren galten wegen ihrer ätzenden und zerstörenden Wirkungen auf organische Substanzen als kräftig desin­ficirende Mittel, namentlich die flüchtigen als zur Zerstörung flüchtiger Contagion geeignet. Sie waren daher früher mehr in Brauch, als jetzt, wo ihr Werth durch genauere Versuche sehr eingeschränkt wurde.
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Desinficirende Säuren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;423
a.nbsp; nbsp;Schwefelsäure. Sie kann nach Koch's Versuchen als Desinflciens kaum noch in Betracht kommen, abgesehen davon, dass sie wegen ihrer zerstören­den Einwirkung auf organische Substanzen leicht ßeschiidigungen hinterliisst.
'quot;'Nach Davaiue sollten Verdünnungen von 1 : 1000—5000 Milzbrundblut voll­ständig desinliciren. Bei den Koch'sehen Versuchen dagegen erwies sich dieselbe in Iprocent. Lösungen auch bei 20 tägiger Einwirkung auf Milzbrandsporen nur von geringer Wirkung.
b.nbsp; nbsp;Schweflige Säure. Die durch Verbrennung von mit Schwefel­fäden durchzogenen Schwefelstückchen leicht und billig zu erzeugende schweflige Säure ist wiederholt, neuerlich namentlich von Petten-kofer und Mehlhausen als ein sehr wirksames Desinficiens besonders für Luft empfohlen worden. Nach den in neuerer Zeit angestellten sorgfältigeren Untersuchungen von Wernich, Schotte und Gärtner erwies sie sich bereits gegen ßacterien im Allgemeinen als unsicher wirkend, namentlich ist sie aber nach den mit pathogenen Mikroorga­nismen angestellten Versuchen von Koch als ein sehr unsicher wir­kendes Desinfectionsmittel zu bezeichnen.
Ihre Wirkung wird erhöht durch voraut'gehonde Anfeuchtung. Wegen der reizenden Wirkung auf die Schleimhäute kann sie nur in entleerten Stallungen und zum Ausschwefeln giftfangender Sachen be­nutzt werden.
Nach den Versuchen von Koch und Wolffhügel im Reichsgesundheitsamte blieben Milzbrandsporen, trotzdem sie der Einwirkung von schwefliger Säure in den möglichsten Concentrationsgraden bis 10,56 Vol.-Proc. selbst durch mehrere Tage ausgesetzt wurden, vollständig intact; nur diejenigen Sporen, welche 24 Stunden vor und während des ganzen Versuches in Wasser gelegen hatten, zeigten eine ver­spätete Entwickelung. Selbst die stärkste, überhaupt erreichbare, wässerige Lösung konnte nach 24 ständiger Einwirkung nur eine Verzögerung und erst am folgenden Tage eine vollständige Vernichtung der Entwickelungsfähigkeit herbeiführen. Bei den Versuchen mit sporenfreiem Material wurde zwar im Besinfectionskasten bei 1 Vol.-Proc. Gehalt an schwefliger Säure mikrokokkenhaltiges Blut im trockenen Zu­stande innerhalb 20 Minuten, im feuchten Zustande innerhalb 2 .Minuten sterilisirt, doch ist ein solcher Concentrationsgrad in nicht vollständig luftdicht schliessenden Räumen gar nicht dauernd zu erhalten. . Die mit Rüchsicht auf die Praxis in Zim­mern ausgeführten Versuche ergaben, dass die Culturen nicht desinficirt wurden.
Die Entwickelung erfolgt nach Wolffhügel am besten durch Verbrennung von Stangenschwefel, welcher vorher mit Spiritus befeuchtet wird. Durch die frei­willige Ventilation in den Desinfectionsräumen geht bis 92 pCt. des Gases verloren. Das Gas durchdringt zwar dünne, sehr durchlässige Gegenstände, aber nicht grössere Waarenballen etc. ohne Lockerung der Verpackung. Durch voraufgehende Befeuchtung leiden die Gegenstände leicht. Nach den älteren Vorschriften sollen pro Kubikmeter 20 g Schwefel benutzt werden.
Der mahrfach empfohlene schwefligsaure Kalk verdient nach Koch und Plaut ebensowenig Empfehlung.
C. Salzsäure. Früher waren die salzsauren Räucherungen (durch Auf­träufeln von Salzsäure auf erhitzte Gegenstände oder Aufgiessen von Schwefelsäure
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Die Desinfection.
auf Kochsalz) in Gebrauch, sind aber mit Recht durch die Chlorräucherungen ver-driingt worden. Die Säure selbst besitzt keine hervorragende desinflcirende Wir­kung und wird deshalb in der Praxis nicht benutzt.
Nach Davaine desinficirte sie Milzbrandblut bei Verdünnung 1 : 3000, nach Koch hemmt sie die Entwickelung 1 : 2500, hebt sie auf 1 : 1700, vernichtet aber .Milzbrandsporen in 2procent. Lösung erst nach lOtägiger Einwirkung.
d.nbsp; nbsp; Salpetrige Säure. Sie stand früher als sogenannte salpetersaure (Smith'sche) Raucherimg (durch Uebergiessen von Salpeter mit Schwefelsäure über Kohlenfeuer) in grossem Rufe, namentlich weil sie auch von Thieren ohne Be­lästigung vertragen wurde, wird jetzt jedoch nicht mehr benutzt.
e.nbsp; nbsp; Phenol, Car bolsäure. Die desinfioirende Kraft der Carbol-säure wurde früher in Berücksichtigung der fäulnisswidrigen Wirkung der Theersäuren bei Conservirung von Fleischwaaren, der desodoro-sirenden bei Anwendung auf Facalien sehr hoch geschätzt. Exactere Versuche mit Fäulnisskeimen und Infcctionsstoifen haben jedoch diese Meinung erheblich hcrabgedrückt. Nach diesen ist die Carbolsäure nur ein schwächeres Desinficiens. von dem eine sichere Wirkung nur gegen die weniger widerstandsfähigen InfectionsstofFe und zwar in ca. Spree. Verdünnung erwartet werden kann. Namentlich wird es zur Desinfi-cirung von Mauern, Holzwerk. Geräthschaften etc. nach vorgängiger Reinigung benutzt.
Die Koch'sehen Untersuchungen mit Milzbrandmaterial ergaben folgende Resultate. Mit Milzbrandsporen inficirte Seidenfäden mussteu in Sprocent.Carbol-lösung 7, in 4procent. 3, in öprocent. 2 Tage gelegt werden, wenn ihre Fortent-wickelungsfähigkeit vernichtet werden sollte. Dagegen werden Milzbrandbaoillen schon durch 0,5procent. Carbollösiing vernichtet. Wenn Blut von Milzbrandthieren mit einem gleichen Theile einer Iprocent. Carbollösiing gemischt wurde, blieben Impfungen mit diesem Material schon nach kurzer Zeit wirkungslos. Das Aus­wachsen der Milzbrandsporen zu Baoillen in geeigneten Nährlösungen konnte schon durch Zusatz von 1 Theil Carbolsäure zu 850 Theilen der Nährlösung verhütet werden. — Pockenlymphe wird bei 1 procent. Carbolsäurezusatz nicht, wohl aber bei 2procent. unwirksam. — Tuberculoses Sputum wurde unwirksam durch 20 bis 24 stündiges Liegen in der 8—12fachen Menge öprocent. Carbollösung, frisches durch 20stündiges Liegen in 3procent. Carbolwasser. Auch grössere Mengen frischen Sputums (40 cc) wurden durch gleiche Mengen 5—lOprocent. Carbol-lösungen, nicht aber in 2' 2procent. in 24 Stunden sicher desinfleirt (Schill und Fischer),
Am besten zu verwenden sind wässerige Lösungen. Carbolsäure in Damplform hat nur bei gleichzeitig einwirkender sehr hoher Temperatur eine desinflcirende Wirkung, denn nach Koch zeigten sich Milzbrandbaoillen. die in Erde vertheilt 45 Tage lang unaufhörlich bei einer Temperatur zwischen 15—20deg; C. Carboldünsten ausgesetzt waren, vollständig lebensfähig; selbst bei einer 2 Stunden lang gleich­zeitig einwirkenden Temperatur von 75deg; konnte keine vollständige Vernichtung aller Keime erzielt werden. In Oel oder Alkohol gelöst äusserte die Carbolsäure auch nicht die geringste desinflcirende Wirkung.
Als Nachtheile der Verwendung von Carbolsäuredesinfcction zur Desinfection von Ställen mag besonders darauf hingewiesen werden, dass nach mehrfachen Beob-
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Antiseptische Methode.
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achtungen dieselbe von den nach vollendeter Desinfection aufgestellten Thieren mit der Respirationsluft aufgenommen wurde und hierdurch nicht nur bei Schlaciit-Ifälbern das Fleisch einen intensiven Carbolgeruch annahm, der es zum Consum unbrauchbar machte, sondern auch die Milch von Kühen, sowohl roh als gekocht genossen, beim Menschen Uebelkeit und Erbrechen veranlasste.
3. Die fäuinisswidrige Methode, M. antiseptica.
Fäulnissprooesse am und im Thierkörper zu verhüten, entstandene zu unterdrücken, dass ist die generelle Indication dieser Methode.
Werden abgestorbene thierisohe Substanzen unter gewissen Wärniebedingungen bei Gegenwart von Wasser dem Luftzutritte ausgesetzt, so treten eigenthüraliche Umsetzungen ein, welche man als Fäulniss, Putrescentia, Sepsis bezeichnet. Sie verändern sich hierbei physikalisch und chemisch; in ersterer Beziehung zerfallen sie je nach dem geringeren oder grösseren Wassergehalte in Ideine Trümmer von gelber, brauner oder schwarzer Farbe (Detritus) oder sie verflüssigen sich zu einer trüben, übelriechenden Flüssigkeit (Jauche). Die chemischen Veränderungen, welche sich schon äusserlich durch Geruch und Farbenveränderungen kundgeben, vollziehen sich allmälig und sind je nach Wassergehalt, gehemmten oder ungehinderten Luft­zutritt, bald Hydrations-, bald Reductions- und Oxydationsprocesse. Die chemischen Producte sind daher ungemein zahlreich und verschieden; unter den Anfangs- und Zwiscienproducten finden sich mehrere in verschiedenem Grade giftige Substanzen (Panum's extractförmiges putrides Gift, das Sepsin von Bergmann und Schmiedeberg, nicht constant bei Fäulniss thierischer Substanzen, septisches Alkaloid von Sonnenschein und Zülzer, ein narkotisches Gift von Panum, überhaupt organische den Alkaloiden ähnliche Basen, welche jetzt meist als Pto­maine, Septicine, Leichenalkaloide etc. zusammengefasst werden), während die End-producte: Wasser, Kohlensäure, Wasserstoff, Mineralsalze und die neben anderen (besonders flüchtigen Fettsäuren) den Fäulnissgeruch bedingenden, Schwefelwasser­stoff und Ammoniak darstellen.
Als nächste Ursache der Fäulniss wird jetzt allgemein die Ein­wirkung eines belebten Fermentes und zwar der kleineren Formen der Schizomyceten anerkannt. Bei ihrer Allgegenwart werden sie nament­lich durch Wasser und Luft den fäulnissfähigen Substanzen zugeführt. Fäulniss entwickelt sich jedoch auch nach Zuführung von Fäulniss­keimen nur unter gewissen Bedingungen. Die organische Substanz muss zunächst abgestorben, dem Einflüsse des lebendigen Stoff­wechsels entzogen sein. Es ist nothwendig ein gewisser Wassergehalt bezw. Wasserzufuhr, denn mit vollständiger Eintrocknung werden thie-rische todte Massen fäulnissunfähig, sie mumificiren, während die Fäulniss um so schneller abläuft, je wasserreicher Gewebe und Säfte sind. Wasser dient als Lösungsmittel weiterhin zur Herstellung chemischer Verbindungen. Die Bedeutung des Zutrittes atmosphä-
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426nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die faulnisswidrige Methode.
rischer Luft zur fäulnissfähigen Substanz liegt in der Hauptsache in der damit eintretenden Zufuhr der Luftkeime, weiterhin in der die chemischen Umsetzungen unterstützenden Anwesenheit des Sauerstoffs. Fäulniss entwickelt sich ferner nur bei Temperaturen zwischen 0deg; und -f- 60quot; C. am lebhaftesten bei -f- 30 — 40 C. Begünstigend wirkt endlich gewisse Ruhe der faulenden Substanz und der umgebenden Medien.
Im und am lebenden gesunden Thierkörper treten Fäulnissprocesse nicht auf, obgleich Fäulnisskeime stets auf die äussere Oberfläche ein­wirken, sowie mit der Luft in den Respiralionsapparat und mit Nahrung und Getränk in den Verdauungsschlauch eingeführt werden. Der intacte Abschluss des Körpergewebes durch die Epithelien, der lebhafte Stoff­wechsel, sowie die hemmende Wirkung der Verdauungssecrete hindern die Entwickelung der Fäulniss. Dagegen tritt Fäulniss leicht ein, so­bald die schützenden Decken durch Verwundung, Verschorfung nicht mehr vollständig abschliessen, sobald auf stagnirende Wundflüssigkeiten und abgestorbenes, wasserreicheres Gewebe Fäulnisskeime einwirken; im Innern im Verdauungstractus, sobald durch Darniederliegen der Ver-dauungsthätigkeit der hemmende Einfluss der Verdauungssäfte in Weg­fall kommt; im Respirationsapparate, sobald erheblichere Ansammlungen von Secretcn stattfinden, in den übrigen Höhlen, sobald Fäulnisskeime von aussen eindringen und in Flüssigkeiten einen fruchtbaren Boden vorfinden.
Die nachtheiligen Einwirkungen der Fäulniss auf den Thier­körper hat man durch zahlreiche Versuche und Beobachtungen zu er­forschen gesucht, ohne dass man nach allen Richtungen hin zum Ab­schluss gelangt ist. Als örtliche Folgen der Einwirkung sieht man je nach Verschiedenartigkeit der faulenden Substanzen auftreten: be­grenzte Entzündung mit Eiterung, ausgebreitetere Phlegmone mit Abscessbildung, brandiges Absterben und faulige Zersetzung des Ge­webes und anschliessend Phlegmone mit folgender Verjauchung; Phle­bitis mit Bildung fauliger imprägnirter Thromben. Durch Aufnahme der fauligen Stoffe in die Lymphspalten schliessen sich weiterhin an septischer Erysipelas und Lymphangitis und Lymphadenitis. Aber auch der Gesammtkörper leidet; in den relativ selteneren Fällen durch das massenhaftere Eintreten giftiger Fäulnissproducte, der che­mischen Gifte in die Blutbahn, die septische Intoxication, die sich vor Allem durch unmittelbar folgende schwerere nervöse Erscheinungen kundgiebt. Viel häufiger ist die septische Infection, die Septicaemie, bei der nach einer verschieden langen Incubationszeit, entsprechend der
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 427
im Körper stattfindenden Vermehrung der Fäulnissorganismen, ein schweres allgemeines Blutleiden, oder durch Verschleppung der Fäul­nisskeime durch Embolien oder Ansiedelung derselben in besonders disponirten Theilen (Gelenken z. B.), metastatischc, eitrige oder jauchige Entzündungen entstehen.
Ausdrücklich muss aber am Schlüsse dieser fragmentarischen Besprechung noch herTorgehoben werden, dass, wie schon die Fäulniss thierischer todter Massen keinen einheitlichen Process darstellt, wie schon dort je nach der Natur der Fäul­nisskeime verschiedene Formen der Fäulniss und verschiedene Producte entstehen, auch die hierher gehörigen örtlichen und allgemeinen Infectionskrankheiten sehr verschiedene Processe sind, je nach der Natur der betreffenden Keime. Eine voll­ständige Klarlegung und Abtrennung der einzelnen Krankheit wird nur erst möglich durch genaue Erforschung der Keime, ihrer Form, Lebensweise, Widerstandsfähig­keit. Den Anfang mit dieser Klarlegung- hat bezüglich der Septicämie Koch gemacht; er hat nachgewiesen, dass das, was wir klinisch kurzweg Septicaemie nennen, in ursächlicher Beziehung nicht ein einheitlicher Process ist, sondern dass es verschiedene Arten von Septicaemie giebt. Weiterhin hat Rosenbach bei Ver­folgung der Wundkrankheiten resp. der Eiterung schon klar gelegt, dass verschiedene Mikroorganismen (der goldgelbe Traubenkokkus, der weisse Traubenkokkus, der Eiterkettenkokkus etc.) bei der Eiterung thätig sind und je nach der Natur der­selben beschränkte oder ausgedehnte Eiterungen, progressiven Brand, Knisterbrand, Septicaemie oder Pyaemie erzeugen. Die weitere Forschung wird eine weitere Tren­nung aller der an die Fäulniss sich anschliessenden, mit derselben verwandten, aber nicht identischen Infectionskrankheiten bewirken, sie in einzelne specifische ausein­anderhalten; bis dahin sind wir gezwungen, sie noch zusammenzufassen und namentlich ihre Behandlung summarisch zu besprechen; wir sind dazu um so mehr berechtigt, als therapeutisch alle die Ilülfsmittel, welche zur Aufhaltung septischer Processe sich nützlich erweisen, auch allen diesen, vielfach als accidentellen Wund­krankheiten zusammengefassten Processen energisch entgegentreten.
Speciellere Indicationen.
a) Zersetzungen an der ansseren Körperoberfläche. 1. Wunden. Wenn man auch schon vor längerer Zeit erkannt hatte, dass subcutane Wunden viel günstiger, d. h. ohne Eiterung, Fieber etc. verlaufen, so ist es doch ganz wesentlich das Verdienst Lister's, durch die Ein­führung seiner Methode des antiseptischen oder aseptischen Occlusiv-verbandes (seit 1867) in die Chirurgie eine ganz wesentliche Umge­staltung der Wundbehandlung herbeigeführt zu haben. Wir wissen gegenwärtig, dass alle Wunden, welche wir machen, selbst in Höhlen, Eingeweide eindringende Operationswunden günstig verheilen, sobald wir mit peinlicher Sorgfalt das Eindringen von Fäulnisskeimen, sei es mit den Instrumenten, sei es mit der einwirkenden Luft, dem Inhalte der Ein-
El 1 e nb e rger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 90
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428
Die fänlnisswidrige Methode.
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weide etc. verhüten, für Asepsis sorgen. Wenn Hände, Schwämme, Instrumente, eingelegte E'ädeii gründlich desinficirt, wenn die Operation unter Carbolzersläubung ausgeführt und die Wunde mit einem gut schliessenden aseptischen Verbände bedeckt wird, dann heilt sie nicht nur viel häufiger auf dem Wege der ersten Vereinigung, in kurzer Zeit, dann heilt sie auch, wenn prima intentio nicht eintritt, ohne erhebliche Wundsecretion; die Wundsecrete bleiben geruchlos, die entzündliche Reaction bleibt auf die nächste Umgebung der Wunde beschränkt, die Schmerzen sind gering und es fehlen die früher gefürchteten aeeiden-tellen Wundkrankheiten, die Phlegmoncn und jauchigen Infiltrationen, die Lymphgefässentzündungen, das Wundfieber, die Scpticaemie und Pyaemie. Die Lister'sche Wundbehandlung ist deshalb als einer der segensreichsten therapeutischen Fortschritte zu bezeichnen und sie hat sich überall Bahn gebrochen, wenn sie auch verschiedentlich modificirt worden ist. Denn ihre günstigen Erfolge bleiben, wenn auch an Stelle des Phenols die verschiedensten antiseptischen Mittel: Salicylsäure, Benzoesäure, Borsäure. Thymol, Zinkchlorid, Jodoform, Sublimat benutzt wurde, wenn auch der Carbolnebel während der Operation in Wegfall gekommen ist und Anderes mehr. — Dieser günstige Verlauf der Wunden tritt selbst dann, wenn auch nicht so vollkommen ein, wenn eine strenge Asepsis sich nicht durchführen lässt, wenn, wie es z. B. bei unseren Thieren vielfach der Fall ist, aseptische Verbände sich nicht anbringen lassen oder unvollkommen schliessen, sobald jede Stagnation und Zersetzung der Wundsecrete durch Sorge für Abfluss und Anwendung fäulnisswidriger Substanzen verhütet wird, also auch bei offener Wundbehandlung. Selbst bei bereits inficirten Wunden, in denen Fäulniss der Wundsecrete bereits eingetreten ist, werden durch antiseptische Mittel die bedenklichen Zufälle vermindert oder aufge­hoben. Deshalb ist die Methode angezeigt: bei allen frischen Wunden, welche wir selbst hervorbringen, Operationswunden; ferner bei allen zufälligen Verwundungen, namentlich wo leicht Zersetzungen und Folgekrankheiten auftreten; bei Quetsch- und Risswunden, wo stets ein Absterben von Gewebe und reichlicher Erguss von Wundflüssig­keit die Entstehung von Fäulniss begünstigt: bei in Höhlen eindrin­genden Wunden, wo Fäulnisskeime leicht in der Tiefe einen günstigen Boden zur Entwickelung finden und stets schwer erreichbar sind (Ge­lenkwunden, Wunden, eindringend in Bauch-, Brusthöhle etc.); endlich alle offenen Schäden, auch wenn sie nicht durch Verwundungen, sondern im Verlaufe von Quetschungsentzündungen oder durch iiiterung entstehen, namentlich tiefe und buchtige Eiterhöhlea etc.
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 429
2.nbsp; nbsp;Brand. Abgestorbenes Gewebe fault nicht, sobald es arm an Feuchtigkeit ist oder dieselbe an die Umgebung abgiebt; es trocknet ein', mumificirt (trockener Brand). Anders die wasserreicheren Gewebe! in denselben tritt, vorausgesetzt, dass von aussen oder von den Schleim­hautkanälen aus Keime eintreten können, schnell Fäulniss, gewöhnlich stinkende, zuweilen unter Gasentwickelung (Knisterbrand) ein, wobei dieselbe durch die höhere Körperwärme wesentlich gefördert wird. Sich selbst überlassen, führt derartige Fäulniss leicht zu fortschreitendem Brande (feuchter Brand, Gangrän) und schwerem Allgemeinleiden.
3.nbsp; nbsp; Die örtlichen accidentellen Wundkrankheiten, d. h. der Wundrothlauf, die Lymphgefässentzündungen, die Phlebitis, die progressiven Zellgewebsentzündungen, so weit sie sich als Folgen von Verwundungen und Brand entwickeln und von aussen er­reichbar sind. Sie alle sind nur die Folge von einer Aufnahme zer­setzter Wundsecrete in Säfte und Blutbahnen. Wenn auch mit der Verstopfung der Quelle, mit der Antisepsis in der Wunde etc. eine weitere Zufuhr von Keimen abgeschnitten ist, entwickeln sich doch die bereits eingedrungenen weiter. Ihnen direct auch entgegenzutreten ist deshalb die Aufgabe der antiseptischen Methode.
4.nbsp; nbsp; Geschwüre. Viele idiopathische Geschwüre kommen deshalb nicht zur Verheilung oder führen selbst zu fortschreitendem Gewebs­zerfall, weil in der Tiefe Zersetzungen andauern, sei es in den zurück­gehaltenen Secreten, sei es in den abgestorbenen, aber nicht abge-stossenen Gowebstheilchen, oder in dem Geschwürsgrunde, dem Gewebe selbst. Stellen wir durch die antiseptische Methode diese ursächlichen Verhältnisse ab, so tritt Heilung ein.
b) Zersetzungen im Innern des Körpers. 1. Im Verdauungs-traetus. Schon in der Maulhöhle treten leicht faulige Umsetzungen auf, so des Speichels bei gehindertem Abschlucken (Starrkrampf, Bräune), in Wunden etc. Vom Weinstein der Zähne, einem wahren Pilzreservoir aus, entwickelt sich eine Gangrän der anliegenden Schleim-hauttheile. Ist doch der Speichel an sich ein sehr günstiger Boden für die Entwickelung der Schizomyceten.
Im Magen- und Darminhalte sind zwar stets Fäulnisskeime enthalten, ihre Thätigkeit wird aber normaliter gehemmt oder zum Mindesten in Schranken gehalten durch die Verdauungssäfte, namentlich die Salzsäure des Magensaftes, die Galle. Ist aber die Verdauung geschwächt, so entwickeln sich bald Umsetzungen verschiedener Art, besonders in den Theilen, wo grössere Anhäufungen stattfinden, im Pansen und in den dicken Därmen. Wenn auch die gesunde Schleim-
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430nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die fäulnisswidrige Methode.
haut vielfach vor weiterem Schaden schützt, so doch nicht immer. So selten wir unter dem Einfluss derselben nicht selten Verschorfungen, namentlich der Solitärfollikel, der Payer'schen Drüsen, auch wohl der Schleimhaut eintreten und die Aufnahme der deletären Stoffe veran­lagst schwerere Allgemeinleiden. Die als Typhus bezeichneten Allge-mcinleiden (Pferd, Schwein), sind wahrscheinlich derartige Folgezustände. Aber auch andere Folgen, Anhäufungen von Gasen, Berstungen etc. können sich den Umsetzungen des Darminhaltes anschliessen.
2.nbsp; nbsp;Im Respirationsapparate. Mit der Luft werden immer Zersetzungskeime eingeführt, namentlich in dunstigen Stallungen; sie beginnen ihre Thätigkeit, sobald stagnirende Secrete, Schleim, Blut etc. in den Nebenhöhlen der Nase, schleimiges Exsudat in den Alveolen und Bronchien ihre Ansiedlung und Vermehrung gestatten. Entzün­dungen der Schleimhaut der Nebenhöhlen mit seeundärer Lymphgefäss-entzündung, infectiöse weiterkricchende Lungen- und Brustfellentzündung und schwere Allgcmeinleidcn sind die Folge. Auch wo in anderer Weise Gangrän entsteht, durch hämorrhagische Infiltration der Schleimhaut beim Typhus in der Nasenscheimhaut, bei Fremdkörper- und infectiöser Pneumonie in der Lunge, da soll die antiseptische Methode den Nach­theilen entgegentreten, soweit sie einzuwirken im Stande ist.
3.nbsp; nbsp;Im weiblichen Genitalapparate. Erst in der neueren Zeit haben wir einsehen gelernt, dass die schweren septischen Erkrankungen, septische Gebärmutterentzündung, das Puerperalfieber etc. auf eine In­fection zurückzuführen sind. Nur strenge Desinficirung der Hände und Instrumente bei der Geburtshülfe, desinficirende Ausspülungen der Ge­bärmutter nach der Geburt, Entfernung der Nachgeburt etc. kann diese Erkrankungen verhüten. Selbst das Verkalben, wenn es endemisch in Ställen auftritt, ist wahrscheinlich Folge einer Infection durch Lochien, Reste ausfaulender Nachgeburt etc. von Nachbarkühen und die vielen günstigen Erfolge einer desinficirenden Präservativbehandlung machen os uns zur Pflicht, die antiseptische Methode zum Mindesten zu versuchen.
4.nbsp; nbsp;Im Harnapparate, wo die Blasenkatarrhe und Entzündungen mit ihren Folgen, Diphtheritis der Schleimhaut, Pyelitis etc. wahrschein­lich vielfach die Folge fauliger oder ähnlicher Umsetzungen des Harns sind, hat die antiseptische Methode der Schwierigkeit wegen, gründliche Ausspülungen mit antiseptischen Mitteln zu ermöglichen, bis jetzt wenig Erfolge zu verzeichnen.
c) Allgemeine Sepsis, Septicaemie und die verwandten Zustände, Pyaemie und Septicopyaemie, auch das sogenannte typhöse Stadium
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 431
schwerer innerer Ertrankungen. Sie alle kommen darin überein, dass Fennente von den ursprünglichen Krankheitsherden aus in die Blut-und Säftemasse eingedrungen sind und in diesem oder an bestimmten Stellen, wo sie deponirt wurden, ihre schädlichen Wirkungen entfalten. Leider sind wir noch wenig im Stande, durch unsere antiseptischen Mittel dieselben zu erreiche:! und zu vernichten, ohne gleichzeitig den Körper zu vergiften (s. Antizymose).
Mittel.
Alle fauligen und ähnliche Umsetzungen lassen sich bekämpfen und sciiliesslich besiegen durch Beseitigung ihrer Ursachen, der Fäul-nisskeime (Entfernung, Vernichtung derselben), sowie der Bedingungen, unter denen sie sich entwickeln: Zutritt von Luft, Vorhandensein von Wasser, Wärme und Ruhe. Die antiseptische Methode greift zu allen den dagegen zu Gebote stehenden Mitteln, je nachdem der Ort und die Art der Krankheit eine wirksame Anwendung derselben gestatten.
1.nbsp; nbsp; Mechanische Entfernung der Fäulnisskeime und wo­möglich der fäulnissfähigen Substanz vom und aus dem Thier-körper. Die hierher gehörigen Maassnahmen sind ausserordentlich ver­schieden. Wir sorgen für Entleerung und Abfluss der Wundsecrete durch Spaltung, Gegenöffnung, durch Einlegen von Drainröhren, von absorbirendeu Verbandstoffen, durch Ausspülungen. Brandige Gewebs-theile werden mit dem Messer abgetragen, sobald sich ihre Grenzen übersehen lassen; wo dies nicht der Fall, machen wir tiefe Einschnitte, um die ßrandjauche zum Abfluss zu bringen. In Geschwüren zerstören wir den Geschwürsgruud durch Aetzmittel, Glüheisen oder tragen ihn ab und sorgen für genügenden Abfluss. Umsichtiger und dreister Ge­brauch des Messers zu Gegenöffnungen, Spaltungen etc. hält oft allein das Umsichgreifen der Zellgewebsverjauchung auf.
Auch in den Körperhöhlen benutzen wir diese Entfernung. Die Maulhöhle spülen und spritzen wir aus oder sorgen durch Vorhängen von Wasser dafür, dass das kranke Thier die Ausspülung selbst be­sorgt. Den abnormen Darminhalt entleeren wir durch Abführmittel; sehr günstig erweist sich hier das Calomel, weil es durch allmäligc Umsetzung in Sublimat gleichzeitig antiseptisch wirkt.
Schwerer schon gelingt uns diese Entfernung aus dem Respirations-apparale; wir lassen Stirn- und Kieferhöhlen -kranke Thiere vom Boden fressen, regen durch gleichzeitig desinficirende Dämpfe von Thcer, Car-bolsäure, Holzessig die Expectoration an. Den kranken Uterus spülen wir aus und entfernen event, die Nachgeburtsreste mit der Hand.
2.nbsp; nbsp; Abhaltung der Luft. Nur beschränkt kann man dieser Aufgabe am Thierkörper gerecht werden. Die absolut deckenden (Occlusiv-) Verbände, welche in der humanen Chirurgie nach dem Vor-
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432
Die fäulnisswidrige Methode.
gange Lister's so glänzende und ungeahnte Erfolge erzielt haben, lassen sich bei Operationen und Wunden am Thierkörper nur an wenigen Stellen so sicher anlegen, dass man auf einen vollkommenen Luftab-schluss rechnen kann. Bei oberflächlichen oder sehr kleinen Wunden kann man durch klebende, deckende oder schorfmachende Mittel jede weitere Wundcomplication verhüten, wie dies namentlich bei der Be­handlung der Gelenkwunden durch Collodium, Acidum tannicum etc. so häufig gelingt.
3.nbsp; nbsp;Wasserentziehung. Austrocknung. Ohne Wasser keine Fäulniss, der trockene Hautbrand, die Mumification ganzer Theilc lehrt das zur Genüge. Früher, ehe man die sicher wirksamen Antiseptica kannte, verwendete man deshalb zur Absorbirung der Wundsecrete und der ßrandjauche, zur Gerbung und Verdichtung brandigen Gewebes in viel ausgedehnterer Weise die absorbirenden Streupulver aus Holzkohle, pflanzlichen Adstringentien. und die Bähungen mit gerbstoffhaltigen (Eichenrinden-) Abkochungen mit Essig, Holzessigzusatz etc. Sie sind jetzt vielfach verdrängt; letztere namentlich können aber noch oft genug beim hcissen Brand als erstes und bequem zu habendes Haus­mittel Anwendung finden.
4.nbsp; nbsp;Kälte. Die niedrigen Tomperaturgrade, welche die Fäulniss aufheben und wie sie zur Conservirung fäulniss fähiger Substanzen, z. B. des Fleisches benutzt werden, lassen sich am Thierkörper selbstver­ständlich nicht erzeugen. Aber auch schwächere Temperaturerniedrigung hemmt schon in Etwas und wir benutzen sie deshalb als Unterstützungs­mittel, namentlich wo wir sonst ohnmächtig sind. Die frühere An­wendung der Kälte bei Wunden, namentlich Quetschwunden, ist ver­lassen, seitdem wir bessere Mittel haben. Wohl aber benutzen wir kalte Umschläge um den Leib, Kaltwasserklystiere bei den septischen Allgemeinerkrankungen, wo wir sonst mit den übrigen Mitteln nicht ausreichen.
5.nbsp; nbsp;Die eigentlichen fäulnisswidrigen, antiseptischen Mittel. Sie wirken hemmend auf die Entwickelung und Lebensthätigkeit der Fäulnissorganismen, tödten sie selbst ab, weiterhin verändern sie die fäulnissfähigen Substanzen, namentlich die Eiweisskörper. machen sie weniger geneigt zu Umsetzungen und binden wohl theilweise selbst die Fäulnissproducte. üeber die Stärke der Wirkung urtheilte man früher einfach nach den sichtlichen Erfolgen, namentlich nach dem Aufhören des Fäulnissgeruches. In der neueren Zeit sind jedoch zahlreiche genauere Untersuchungen angestellt worden, wobei möglichst die Grenze der Verdünnung zu ermitteln gesucht wurde, in welcher die betreffenden Mittel einerseits die weitere Entwickelung der Bacterien hemmen, andererseits das Fortpflanzungsvermögen der Bacterien vollständig ver­nichten. Die Resultate der Versuche sind nicht gleichrnässige, da sich erhebliche Unterschiede herausstellen, je nach der Herkunft der Bacterien, je nachdem künstliche Nährlösungen, frisches, älteres, ge­kochtos, ungekochtes Fleischwasser, Harn etc. zur Züchtung verwendet wurden; nur einige derselben mögen angeführt werden.
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!
h
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Mittel.
433
L. Buchholtz kam bei Untersuchungen über die Resistenz der niedrigen Organismen bei Züchtungen in künstlichen Nährlösungen gegen die verschiedenen Antiseptioa zu folgenden Reihen, in denen nur die gebräuchlichsten aufgeführt sind.
Die Entwickelung
der Baoterien hemmen
In einer
Verdünnung
von 1 :
Das Fortpflanzungs­vermögen von Baoterien vernichten
In einer
Verdünnung
von 1 :
Quecksilberchlorid . .
Thymol.......
Benzoesaures Natrium.
Kreosot .......
Benzoesäure.....
Salioylsäure.....
Salicylsaures Natron .
Phenol.......
Schwefelsäure ....
Borsäure......
Salzsäure......
Alkohol.......
20,000
2,000
2,000
1,000
1,000
666
250
200
151
133
75
50
Chlor .......
Jod........
Brom........
Schweflige Säure . , .
Salioylsäure.....
Benzoesäure.....
Thymol.......
Schwefelsäure , , . ,
Kreosot .......
Phenol.......
Alkohol .......
25.000
5,000
3,333
666
312
250
200
161
100
25
4,5
De la Croix untersuchte das Verhalten von Baoterien in Fleischwasser gegen einige Antiseptioa.
Die Resultate ergeben sich am besten in folgender Tabelle, wobei in den Co-lonnen die kleinste Gabe aufgeführt ist, mit welcher:
la die Entwickelung von Baoterien in frisch inficirtem Fleischwasser
verhindert, 1b bezw. ihr Fortpflanzungsvermögen aufgehoben wird; 2a in Floischwasser entwickelte, lebhaft sich bewegende Baoterien ge-
tödtet werden, 2b deren Fortpflanzungsvermögen zerstört wird; 3a die aus der Luft in gekochtes Fleischwasser fallenden Bacterien in
der Entwickelung gehemmt werden, 3b bezw. deren Fortpflanzungsvermögen zerstört wird; 4a die aus der Luft in ungekochtes Fleischwasser fallenden Bacterien
in der Entwickelung gehemmt, 4b bezw. ihres Fortpflanzungsvermögen beraubt werden.
Antiseptioa.
a
l
b
Im Verhält 2 a b
niss vi a
)n 1 :
3
b
4 a b
Sublimat......
Salicylsäure.....
Aluminiumacetat . . .
Alkohol.......
Carbolsäure.....
25,250
1.003
4.268
21
669
10.250
343
59
4,5
22
5.085 : 1,250 60 — 427 i 64
4,5 1.18
221 2,66
10.250 3.003 4.268
11.18
402
6,500 603 937
1.77
22
7,168 2,525 1,121 343
6,310 478
21,34 -
502 i —
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434
Die fäulnisswidrige Methode.
Im Verhältniss von 1 :
Antiseptica.
1
i
b
a
b
488
3,710
170
109
1.340
20
135
2,009
190
205
2,020
116
50
410
121
4.911
22.768
431
769
2.550
336
—
1,548
410
100
150
150
3,148i
1,340
8,515
5,734
2,877
28,881
13.931
10.020
2,005,
4
b
a
109
286
109
1,340
325
12.G49
306
3,353
50
1,439
1,008
15.606
493
6,597
510
2,010
101
300
153
20
135
72
77
1,061
875
843
35
Kalk, unterchlorigsaurer
Thymol.......
Schweflige Siiure . . . Schwefelsäure ....
Benzoesäure.....
Chlor........
Brom........
Jod........
Kali hypermanganicum
11.135 1,340 6.448 5.734 2,867
30.208 6.308 5.020 1.001
1.nbsp; nbsp;Quecksilber. Alle Quecksilberverbindungen sind giftig für niedrige Organismen, am stärksten die leicht iösliehen. Die bedeu­tendste fäulnisswidrige Wirkung äussert das Quecksilberchlorid, das Sublimat, die noch in Verdünnungen 1 :'20,000 hervortritt. Es wird deshalb namentlich in der jüngsten Zeit sehr vielfach als Anti-septicum äusserlich verwendet, und zwar als desinficirende Flüssigkeit und zur Iniprägnation von Verbandstoffen für Operationen in Lösungen von 1 : 1000—5000, bei unreinen Wunden und Geschwüren 1 : 500 bis 1000, auf Schleimhäute mit profusen septischen Blennorrhoen (Con­junctivitis, Ulcus corneae) 1 : 2000—1000. Innerlich wird Sublimat seiner ätzenden und Ailgemeinwirkungen wegen nicht verwendet, dafür aber das Quecksilberchlorür, das Calomel, welches ohne die Wirkung der ungeformten Fermente des Speichels, Magensaftes etc. zu stören, energisch der Fäulniss im Darrainhalte entgegentritt. Es wird deshalb namentlich bei Zersetzung des Darrainhaltes und folgendem (infectiösen) Darmcatarrhe oder ulcerativer Darmentzündung (ruhrartige Sommerdurchfälle, schieichende Darmcatarrhe mit Anschoppung, Typhus des Pferdes und Schweines) in kleineren Gaben benutzt, wobei es gleichzeitig durch die laxirende Wirkung die Entleerung der fäulniss­fähigen Substanzen unterstützt.
2.nbsp; nbsp;Zincum chloratum, Chlorzink, in Gebrauch als Verband-wasscr 2—Sprocent. bei Wunden, in Sprocent. Lösung als kräftiges, leicht eindringendes Desinficiens bei vernachlässigten septischen Wunden (Gelenk-), Geschwüren, Fisteln, Gangrän.
3.nbsp; nbsp;Liquor Aluminis acetici, essigsaure Thonerde. Es ist von Burow als vorzügliches, nicht reizendes Desinficiens in die Wund­behandlung eingeführt worden, und wird bei bereits eingetretener Wund­zersetzung als Äusspülungsmittel in Sprocent. Lösung benutzt. Weiter sind in Gebrauch die mit dem Mittel getränkten Verbandstoffe (essig­saure Thonerde-Gaze).
4.nbsp; nbsp;Kalium permanganicum, übermangansaures Kali, ist in Folge seiner oxydirenden Wirkung ein sehr wirksames Desodorans, als wirkliches Antisepticum wird es von anderen übertroffen. Es wird
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 435
deshalb namentlich bei Zersetzungsvorgängen mit putridcn Gerüohcn verwendet als Wasch- oder Ausspülungsflüssigkeit 3—öprocent. bei Krebs, Caries, septischen Wunden, 3procent. als Waschmittel für Hände, Anfie, Iprocent. zum Ausspülen des Manles bei Geschwüren, der Ohren bei fötiden Ohrencatarrhen, des Uterus bei stinkenden Lochien. Im Ganzen ist es zu theuer zum gewöhnlichen Gebrauche.
5.nbsp; nbsp; Chlor wirkt zerstörend auf Fäulnisserreger und die gasigen Fäulnissproducte (desodorisirend). ist aber durch andere Mittel wesent­lich in den Hintergrund gedrängt worden. Das leicht zersetzliche Ohlorwasser wird fast nur noch bei infectiösen Conjunctiviten und Hornhautgeschwüren angewendet. Dagegen findet Chlorkalk in Form einer Lösung oder eines Breies '2—lOprocent. noch öfter Verwendung bei putriden oder torpiden Geschwüren, Decubitus und ausgebreiteter Gangrän.
6.nbsp; nbsp;Jodoform. Selten hat sich ein Mittel so schnelle Anerken­nung erworben, wie das seit 1879 in die antiseptische Wundbehandlung eingeführte Jodoform. Wenn auch durch Beobachtung von allgemeinen (nervösen) Störungen beim Menschen nach äusserlichem Gebrauche und durch experimentelle Verfolgung der relativ nicht bedeutenden anti-septischen Wirkung der allgemeine Enthusiasmus etwas eingedämmt ist, so bleibt doch gerade für die Thierheilkunde das Jodoform ein kaum zu ersetzendes, zuverlässiges Antisepticum. Die Vorzüge liegen darin, dass das Mittel gerade in Berührung mit Blut und thierischen Wundflüssigkeiten wegen der langsamen Freimachung von Jod gleich-massig andauernd die Fäulniss hemmt, dabei nicht reizt, eher schmerz­stillend wirkt und die Secretion der Wundflächen beschränkt. Ver­giftungserscheinungen sind bei Thieren nach äusserlicher Anwendung noch nicht beobachtet. Deshalb können Jodoformverbändo Tage und Wochen lang liegen, und was für Thierärzte noch mehr worth, auch in Wunden, wo ein Occlusionsverband nicht möglich, hält Jodoform jede Fäulniss ab. Ausserdem wird es mit grossem Vortheil bei putriden, jauchigen und übelriechenden Geschwüren benutzt. Am meisten erfolgt die Anwendung in Pulverform für sich, seltener mit Holzkohle. Stärke­mehl verdünnt, mit Oel, Glycerin, Vaseline 1 : 1 —10, oder mit Gacao-butter oder Gelatine (2, J. 8) als Jodoformstäbchen für Fistelcanäle. Ausserdem finden die imprägnirten Verbandstoffe (Jodoformwatte, -Jute etc.) vielfach Anwendung.
7.nbsp; nbsp; Mineralsäuren hemmen Bacterienentwickelung und Fäulniss vielfach stärker als Phenol. Verwendung findet namentlich Salzsäure innerlich bei abnormen Umsetzungen des Magen-Darminhaltes, sowohl bei Dyspepsien, besonders der Rinder, als auch bei Durchfällen, denen abnorme Gährungen des Darminhaltes zu Grunde liegen, Ruhr, auch bei Typhus. Weniger in Gebrauch ist die Schwefelsäure. Von der starken fäulnisswidrigen Wirkung der schwefligen Säure ausgehend, sind in neuerer Zeit namentlich das Natrium sulfurosura und sub-sulfurosum zum innerlichen Gebrauch bei Gährungen etc. im Darra-canal empfohlen worden, haben aber wenig Eingang gefunden. Bor­säure ist vielfach als kräftiges Antisepticum in der List er'sehen
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Die fäulnisswidrige Methode.
Wundbehandlung angewendet worden, namentlich, weil sie die Wund-flächen nicht reizt. Als Ausspülungsmittel benutzt man 2''2—3proc. Lösungen, weniger sicher wirkt die Borsalbe (1 : 5 Fett, oder 1 Bor­säure. 1 Wachs, je 2 Theiie Mandelöl und Paraffin) auf Wunden, wo ein Verband nicht möglich ist.
8. Die Benzolabkömmlinge, Producte der trockenen Destil­lation. Von Alters her sind die Producte der trockenen Destillation benutzt worden um durch Räucherung das Fleisch vor Fäulniss zu schützen. Früher nur massig verwendet, sind die Mittel in den letzten 20 Jahren als sehr wirksame Antiseptica eingebürgert, die nur von wenigen Mitteln, Quecksilberchlorid, Chlor, Brom, Jod, schwefliger Säure und Schwefelsäure übertroffen werden und die zugleich leichte Anwend­barkeit mit nicht sehr unangenehmen Nebenwirkungen verbinden. Am meisten kommt zur Verwendung:
Das Phenol, Carbolsäure, Acidum carbolicum, von welchem am besten nicht die krystallinische, sondern die officinelle flüssige, das Acidum carbolicum liquefactum (10 C. 1 Wasser), dagegen die rohe Carbol­säure, wegen ihres wechselnden Gehaltes schwer lösliche, nur ausserhalb des Thierkörpers benutzt wird. Das Phenol hindert die Entwickelung der Fäulnissorganismen bereits in 0,2—0,5procent. Lösung, ihr Fortpflan­zungsvermögen wird jedoch erst definitiv durch 4proceüt. vernichtet. Oertlich wirkt die Carbolsäure concentrirt ätzend, auf Haut in 5procent. Lösungen, auf Wunden und Schleimhäute in Sprocent. reizend, z. Th. anästhesirend. Bemerkenswerth ist, dass sie selbst von unverletzter Haut leicht in das Blut übergeht und Vergiftungserscheinungen, Krämpfe und Collaps veranlassen kann. Bei geringerer Aufnahme wird sie zwar bald oxydirt rcsp. gebunden und als Hydrochinon und phenol-schwel'elsaures Kali durch den Harn ausgeschieden, der sich danach dunkel färbt, doch verleiht sie leicht dem Fleische der Schlachtthiere einen Phenoigeruch. Als antiseptisches Mittel hat die Carbolsäure durch die Einführung der Lister'sehen Wundbehandlung ihre grösste Bedeutung erlangt, wenn sie auch gegenwärtig vielfach verdrängt worden ist. Sie findet hier Anwendung in Form verschieden concentrirter Lösung: zu 5pCt. zum Händewaschen, Abwaschen des Operations­feldes, zur Desinficirung der Instrumente, Drainröhren etc.; zu 21 2pCt. zur Erzeugung des Carbolspray, zum Befeuchten der Verbandstoffe, zur Ausspülung der Wunde, des Uterus (Vorsicht!), zu Bädern etc.. Auf­bewahren von Drainröhren etc.; als Phenolöl öprocent. zu Olivenöl zur EinÖlung der untersuchenden Hände und Finger, Sonden etc., Wunden in der Nähe von After, Geschlechtslheilcn, beim trockenen Brande.
In der Wirkung schliessen sich an die Carbolsäure an: Kreosot, meist durch Phenol ersetzt, oft noch als desinficirender Zusatz zu harzigen Tincturen und Wundbalsamen benutzt. Theer, als Theerwasser 1:10 zu Verbänden bei Gangrän benutzt, Theergyps (1 : 3—8 GypsJ, ein billiges austrocknendes und desinficirendes Pulver für Geschwüre, als Theerräucherungen bei Lungenbrand. Holzessig wird wegen seiner Billigkeit noch viel verwendet, namentlich als kräftiges Antisepticum bei Gangrän der Haut (Brandmauke, Absterben der Haut im Verlaufe von Typhus).
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;437
Thymol, kräftig (1 : 1000) antiseptisch wirkend und weniger giftig als Phenol, hat sich als Ersatzmittel des letzteren in der Wundbehandlung eingeführt, ist aber für den thierärztlichen Gebrauch zu theuer. Naphthalin entfaltet in Pulverform antiseptische Wirkungen und wurde als Wundmittel empfohlen. Hydrochinon wird besonders zu Verbänden am Auge, sowie hei llornhautgeschwiiren mit in-fectiöser Grundlage benutzt. Phenylborsäure wirkt sehr kräftig antiseptisch (1 : 1000).
9.nbsp; nbsp;Von den aromatischen Säuren sind einige als fäulniss- und gährungswidrige Substanzen sehr wirksam, dabei weniger giftig für die Hausthiere als Sublimat, Phenol etc.
Die Salicylsäure hindert die Fäulniss des Harns in 0,1 proccnt. Lösungen, erhält Fleisch in 1 procent. Lösung eine Woche lang, in concentrirter Lösung 4—5 Wochen ohne Fäulniss; bei Gegenwart von Alkaliphosphaten und Carbonaten wird Salicylsäure gebunden, wodurch jede fäulnisshemmende Wirkung vernichtet wird. Daher kommt es, dass die Salicylsäure bei innerlicher Verabreichung den Erwartungen nicht entsprochen hat und deshalb resp. als salicylsaures Natron zwar noch bei den allgemeinen accidentellen Wundkrankheiten verwendet wird, aber wesentlich nur antipyretisch wirkt. In der antiseptischen AVund-behandlung wird der Vortheil der Ungefährlichkeit zum Theil aufge­hoben durch die Schwerlöslichkeit und deshalb schlechte Vertheil bar­keit; sie findet aber öfter Anwendung an Stelle des Phenols in Form einer Lösung 1:300 zum Ausspülen, als Pulver oder am meisten in Verbindung mit absorbirenden Verbandstoffen: 3 und 10procent. Salicyl-watte und 4procent. Salicyljute.
Die Benzoesäure, nach ßuchholtz in 0,2 procent. Lösungen Fäulniss stark hemmend, zu 0,3—0,4 Fäulnissbacterien tödtend, dem­nach Salicylsäure noch übertreffend, hat sich in der antiseptischen Wundbehandlung nicht eingebürgert, wird aber als benzoesaures Natron gegen die innerlichen accidentellen Wundkrankheiten (gleich­zeitig als Antipyreticum) gegeben.
10.nbsp; nbsp;Von den flüchtigen ätherischen Oelen sind Terpen­tinöl und Campher, wenn auch gering, so doch fäulnisshemraend; indem sie gleichzeitig eine reactive Entzündung und damit Abstossung abgestorbener Theile hervorrufen, erweisen sie sich oft von günstiger Wirkung bei unreinen torpiden Geschwüren, sowie brandigen Processen. Das Terpentinöl wird deshalb verwendet äusserlich in den erwähnten Fällen, namentlich auch bei Knochencaries und Nekrose, in Verbindung mit harzigen Tincturen, ferner innerlich bei putriden Processen in der Lunge: Gangrän, chronischem Lungenkatarrh, namentlich auch in Form von Inhalationen. Der Campher findet in ähnlicher Weise äusserlich Anwendung auf torpide Geschwüre als Streupulver. Camphorbrei (mit wenig Spiritus zum Brei gemacht) oder als Salbe.
Anhangsweise mögen noch folgende Maassnahmen Erwähnung finden.
Fäulniss am und im Körper tritt nicht ein, sobald Leben, d. h. Stolfwechsel, reichliche Zufuhr von Ernährungsmaterial, Umsetzung und Abfuhr besteht. Leb­hafte und ungestörte Blutcirculation hemmt örtlich wie allgemein das
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Die Cansalcur der Infectionskrankheiten.
Fortsolireiten der Fäulniss. Deshalb wenden wir oft erregende Mittel, örtlich wie allgemein, an, wo faulige Umsetzungen drohen. In Wunden befördern wir, wo strenge Antisepsis nicht möglich, durch laue Wärme (Bähungen, Bäder), durch harzige Tinoturen, Terpentinöl, Campherbrei etc., die baldige EntwicMung einer abschliessenden Granulation. Beim heissen Brande beleben wir die stockende Cir­culation durch dieselben Mittel, durch Campherspiritus etc. Selbst bei septischen Allgemeinerkrankungen verwenden wir die Herzstärkungsmittel (Digitalis, Campher etc.) ileissige Frottirungen der Haut etc. zur Unterhaltung einer regen Circulation. Faulige Processe im Gewebe verbreiten sich vielfach durch mechanische Fort-schall'ung der Keime in die Lücken des losen Bindegewebes, in die Lymphgefässe etc., in Folge von Bewegung. Es ist hinlänglich bekannt, dass sich an relativ ein­fache Wunden etc. schwere örtliche und selbst allgemeine Leiden, Lymphgefäss-eutzündungen, progressive Eiterungen, sogenannte Eitersenkungen, Septicaemie anschliessen durch unvorsichtige Bewegung. Deshalb ist Ruhe für den ganzen Körper, selbst erzwungene Ruhe für einzelne Theile durch Verbände, Hochbinden etc. in manchen Fällen ein wichtiges Hülfsnüttel, um diese Folgen zu verhüten.
Contra-Illdicationen. Von einer allgemeinen Contraindication kann keine Rede sein, denn todtes und faulendes Gewebe muss aus dem Körper entfernt, den krankhaften Umsetzungen muss mit Energie entgegengetreten werden, wo und wie sie vorkommen. Wohl aber ergeben sich mannigfache Contraindicationen gegen die einzelnen Mittel, bei deren Auswahl häufig auf besondere Eigenthümlichkeiten der­selben und des Applicationsortes Rücksicht genommen werden muss.
4. Die Causalcur der Infectionskrankheiten (Methodus antizymotica, s. desin-
ficiens causalis).
Die antizymotische oder die abortive Behandlung der Infeotions-krankhoiten ist der antiseptischen, antimycotisclien und antiparasitären Methode nahe verwandt. Sie tritt ein, wenn die prophylaktische Me-ihode der Infectionskrankheit erfolglos war. Sie stellt sich die Auf­gabe, die in den Körper eingedrungenen pathogenen Lebewesen direct zu bekämpfen, zu tödten, soweit es angeht oder wenigstens in ihrer Energie so herabzudrücken, dass sich der Körper ihrer entledigen kann. Dass der thierische Organismus das letztere vermag, dass er deshalb auch wesentlich die Antizymose unterstützt, beweist das häufige sieg­reiche üeberstehen der Infectionskrankheiten; und hierin liegt auch ein gewisser Trost und eine Ermuthigung, dass es in der Zukunft gelingen wird, diese an sich noch so wenig begründete und erfolgreiche Methode besser auszubilden und nutzbringender zu machen.
Die oben gestellte Aufgabe kann nur erfüllt werden durch Mittel, welche wirklich die Krankheitserreger tödten, welche auch in den Körper einzudringen vermögen bis zu den Infectionskcimen, namentlich in den Kreislauf, und welche andererseits den Körper nicht vergiften. Leider sehen wir, dass kaum ein einziges Mittel diesen Bedingungen all­seitig entspricht.
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;439
Zunächst ist dabei zu berücksichtigen, dass wir bei vielen Krank­heiten die Infectionsorganismen überhaupt noch nicht kennen und noch weniger ihr physiologisches Verhalten und ihre Widerstands-fähigkcit. Wenn wir auch bezüglich des Milzbrandes über grössere Erlahrungen gebieten, so wissen wir aber auch andererseits, dass die verschiedenen Infectionsstoffe sich sicher verschieden verhalten werden gegenüber den einzelnen Desinficientien, wie dies bezüglich des Tuberkel-bacillus z. ß. gegenüber dem Sublimat nachgewiesen ist. Auch die klinische Erfahrung in der humanen Medicin spricht ganz entschieden für ein derartiges verschiedenes Verhalten der Infectionsstoffe. Denn während z. B. Chinin in prompter Weise bei Malaria und Abdominal­typhus das Infectionsüeber (wahrscheinlich doch zum grossen Theil durch directe Beeinflussung der Mikroorganismen) deutlich und sicher herabdrückt, ist es ganz unwirksam bei Flecktyphus, Pocken, Scharlach, acutem Gelenkrheumatismus u. A. Auch die empirisch festgestellte Einwirkung des Quecksilbers auf Syphilis, der Salicylsäure beim acuten Gelenkrheumatismus etc. beweist ein sehr verschiedenes Verhalten der Infectionsstoffe gegen die einzelnen Mittel. Es wird deshalb die Auf­gabe der Zukunft sein, für jeden der einzelnen Infectionsstoffe das wirksame Gegengift kennen zu lernen, sowohl durch directe Versuche, als durch klinische Beobachtungen. Bis jetzt stehen wir noch an den allerersten Anfängen dieser Ermittelungen.
Eine weitere Schwierigkeit für die Anlizymose liegt darin, dass die Mittel nur schwer und selten sich dem Körper in solchen Mengen einverleiben lassen, dass sie ihre Wirkung voll und ganz entfalten können, denn die meisten derselben haben so bedeutende chemische Affinitäten, dass sie in Berührung mit den Salzen und Eiweisskörpern des thierischen Körpers Umsetzungen eingehen, wodurch ihre speci-fische Wirkung herabgesetzt oder erheblich vermindert und selbst ihre Aufnahme in den Kreislauf ganz verhindert wird. Diese störenden Um­setzungen beginnen ja bereits im Verdauangstractus, wo immerhin die desinficirende Wirkung noch am ersten zu erreichen ist, und die Erfahrung hat relativ günstige Resultate zu verzeichnen bei den Krankheiten, wo das Eindringen der pathogenen Organismen von hier aus stattfindet. Viel schwieriger ist das selbstverständlich bei den im Blute kreisenden oder in nicht direct erreichbaren Organen vegetirenden Krankheitserregern. Möglicherweise ist allerdings eine gänzliche „innere Desinfectionquot; nicht nothwendig und genügen bereits geringere Einwirkungen um den In-fectionsstoffen den Nährboden ungeeignet zu machen, die Indisposition, wie sie bei den Impfungen entsteht, durch Arzneien hervorzurufen.
Endlich aber dürfen die betreffenden Mittel den kranken Körper selbst nicht vergiften. Es giebt zwar eine grosso Menge sicher antiseptischer Mittel; sie sind aber fast sämmtlich in den Concen-trationsgraden, die zu dieser Wirkung nothwendig und die durch ent­sprechend grosso, auf die ganze Blut- bezw. Säftemasse berechnete Gaben zu erreichen wären, giftig für die thierischen Zellen und Gewebe wie für den Gesammtorganismus.
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Die Causalcur der Infectionskrankheiten.
II
Wie grosse Dosen antiseptischer Mittel bei innerer Verabreichung nothwendig wären, wenn man die durch Versuche festgestellten wirksamen Concentrationsgrado im Körper erreichen wollte, ergiebt eine Berechnung von Koch, dass unter Zugrunde­legung der Gesammtmasse des Körpers zur Tödtung von Milzbrandbaoillen im Milz-brandcarbunkel eine Dosis von 156—208 g Chinin nötliig wäre.
Aus diesen Darlegungen ergiebt sich, dass die antizymotische Behandlung der Infectionskrankheiten mit bedeutenden Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Jedenfalls muss es der zukünftigen Forschung und dem vielfältig und ohne Voreingenommen­heit angestellten Versuche am kranken Thiere vorbehalten bleiben, sicherere Grund­lagen für die einzelnen Krankheiten wir für die verschiedenen Mittel zu geben, als wir sie gegenwärtig haben. Daraus geht aber auch hervor, dass wir die symptomatische Behandlung bei den Infectionskrankheiten, die Beseitigung oder Minderung der ge­fahrdrohenden Grundveränderungen und Erscheinungen (Fieberhitze, Herzschwäche etc.) vorläufig nicht vernachlässigen dürfen, so lange uns zuverlässige Anti-zymotioa fehlen.
Eine genauere Besprechung der zu Gebote stehenden Mittel kann unterbleiben; es mag auf die Desinficientia und Antiseptica verwiesen werden. Nur in Kürze und anlehnend an obige Darlegungen mag Folgendes erwähnt werden:
Quecksilber. Durch die hervorragenden desinfioirenden Wirkungen des Quecksilbers (S. 416) erscheint dasselbe auch als inneres Desinliciens geeignet, doch sind über seine Verwendbarkeit namentlich bei den im Blute ablaufenden Infections­krankheiten noch Versuche und Erfahrungen zu sammeln.
Koch's Versuche, durch Sublimat eine Abschwächung der Milzbrandbacillen im Thierkörper zu erzielen, waren erfolglos. Mehrtägige Sublimatinjeotionen von 0,5 cc einer 1 p. M. Lösung mit darauffolgenden Milzbrandimpfungen hatten bei 4 Kaninchen keinen Erfolg, sie starben sämmtlich an Milzbrand, ohne dass Zahl und Beschaffenheit eine Abschwächung erkennen Hessen. Entweder wird Sublimat nicht gleiohmässig im Thierkörper vertheilt oder zu schnell ausgeschieden, um die erforderliche Concentration im Thierkörper zu behalten oder erleidet Veränderungen, welche seine antiseptisohe Wirkung mindern oder aufheben.
Von den Präparaten des Quecksilbers erscheint vor allen das Calomel wegen seiner allmäligen Umwandlung in Sublimat geeignet, als Desinliciens im Danncanale zu wirken, und leistet dasselbe auch in der That gute Dienste bei Zersetzungsvor­gängen im Darmcanale (Durchfällen, Ruhr), Ulcerationen daselbst, Abdominal­typhus des Menschen, Typhus der Schweine und Pferde. Unbestritten ist das Quecksilber das wirksamste Antisyphiliticum.
Arsen, dessen specifisch desinficirende Kraft noch nicht genügend festge­stellt ist, wird vielfach bei acuten Infectionskrankheiten (Typhus des Schweines, Pferdes, Inlluenza, llühnercholera etc.) verwendet, ohne dass die sichere Wirkung über allen Zweifel festgestellt erscheint.
Jod, dessen desinficirende Wirkung nicht unbedeutend erscheint, ist bisher im Ganzen wenig als innerlich desinlicirendes Mittel angewendet worden; wahr­scheinlich ist seine Wirkung eine geringe, weil es den Körper nur in festeren und unwirksameren Verbindungen passirt. Wegen der geringeren örtlichen Wir­kungen und der schnellen Aufnahme verdient vielleicht das Jodoform mehr Beach­tung. Empfohlen wurde Jod besonders von Davaine auf Grund seiner Versuche (s. oben) gegen die Pustula maligna. Als Antisyphiliticum viel gebraucht.
Die schwefligsauren und unterschwefligsauren Salze, Kalium
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 441
und Natrium sulfurosum und subsulfurosum, wurden als gährangswidrige Mittel auch bei im Blute ablaufenden Infectionslminkheiten verschiedener Art empfohlen. Da jedoch die fraglichen Säuren im günstigsten FaUe nur im Darmcanal antifer-mentativ wirken, die Salze aber nur als schwefelsaure in das Blut eintreten, so sind die Mittel nicht wirksam, und wird dies durch verschiedentliche Erfahrungen bestätigt.
Chinin, zunächst bekannt als Specificum gegen Malariafieber, wirkt ab-tödtend auf einzelne niedere Organismen bereits in Verdünnungen von 1 zu 100,000, auf Spirillen 1 : 10,000, während es andere bei 1 : 500 niedere Infu­sorien unberührt lässt (namentlich auch Recurrensspirillen, Eugiena, Amöben etc.). Es tödtet in künstlichen Nährlösungen Organismen bei Lösungen 1 : 200 (Buoh-holtz), hemmt 1 : 830 das Wachstimm der Milzbrandbacillen und hebt es auf bei 1 : 625, ist ziemlich unwirksam auf Milzbrandsporen (Koch). Es hemmt Fäul-niss in neutraler Lösung von 0,2 pCt., ähnlich wie Phenol, stört dagegen nicht die unorganisirten Fermente.
Es wirkt nicht in allen Fällen fieberwidrig bezw. temperaturherabsetzend in grosson Dosen, am sichersten bei intermittirendem Fieber, nicht ganz zuverlässig bei Abdominaltyphus, croupöser Pneumonie, Septicaemie, nicht bei RückfaHtyphus, acuten Exanthemen, Gelenkrheumatismus des Menschen. Ersatz-Präparate: Chi-ninum sulfuricum und hydrochloricum; unsicher Chinoidinum bezw. Tinctura Chinoidini.
Das verwandte Chinolin unterdrückt in 0,2—0,4procent. Lösungen die Fäul-niss von Harn, Leim, Blut (Donat), ähnlich wie Chinin, wirkt aber weniger sicher temperaturherabsetzend wie dieses.
Früher führte man noch verschiedene Vegetabilien als Mittel gegen das Syphi­lisgift (Sassaparill, Sassafrass, Daphne, Guajac etc.), gegen das Hundswiithgift (Hoang-nan, Echium, Cucumis abyssinica etc.), gegen die Variola (Sasracenia purpurea etc.) auf, welche sämmtlich unwirksam sind.
Alkohol, nur schwach fäulniss- und gährungshemmend in den Verdünnungen, die im Körper erreichbar, wirkt temperaturherabsetzend, aber sicher nur in grossen Dosen und bei längerer Darreichung.
Senföl hemmt Fleischwasserbacterien in der Entwickelung in bedeutenden Verdünnungen 1 : 3353, wenn auch das Fortpflanzungsvermögen nur durch stärkere Concentration aufgehoben wird (Jalan de la Croix), Milzbrandbacillen werden bei 1 : 330,000 in ihrer Entwickelung gehemmt. Bis jetzt liegen über seine thera­peutische Verwendung günstige Mittheilungen nuraus dem letzten russisch-türkischen Feldzuge bei Malaria vor.
Carbolsäure ist gegen die verschiedensten Infectionskrankheiten versucht worden, sowohl innerlich, als subcutan, namentlich bei Milzbrand, Schweinetyphus etc., ohne dass jedoch entscheidende Resultate zu verzeichnen sind. Bei Fes er's Milzbrandversuchen erwies sie sich in jeder Dosis und Form unwirksam. Am meisten noch werden 2procent. subcutane Injectionen in der Peripherie von Wund-erysipel empfohlen.
Thymol hat sich in der humanen Medicln innerlich bei den verschiedensten Zuständen als unwirksam erwiesen.
Benzoesäure, in Form benzoesauren Natrons, hat sich ähnlich wie Sali-cylsäure bei einigen Infectionskrankheiten wirksam, namentlich zurllerabdrückung der Temperatur, erwiesen.
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Schmarotzertilffende Methode.
Salicylsaure s Natrium, besonders in Ruf gekommen bei acutem Gelenk­rheumatismus, drückt die Temperatur herab und hat sich so bei einzelnen Infections-krankheiten wirksam erwiesen, obwohl es sich bei Versuchen von Feser und Friedberger bei Septioaemie und Milzbrand unwirksam zeigte.
Auch Campher hielt suboutan und innerlich verwendet den Milzbrand nicht auf (Feser).
5. Schmarotzertilgende Methode, M. antiparasitica.
Der Körper der Hausthiere wird von einer grossen Zahl von Schmarotzern bedroht oder heimgesucht. Sowohl pflanzliche Orga­nismen, namentlich aus der Reihe der Schimmelpilze, als auch thierische aus den Klassen der Protozoen, Würmer und Arthropoden siedeln sich auf oder im Thierkörper an (Epi- und Entophyten, Epi- und Eatozoen) und schaden in der verschiedensten Weise. Einzelne belästigen nur mechanisch (z. B. durch Verstopfung des Darmrohres, Verdrängung der Gewebe), die meisten entziehen eine beträchtliche Menge von Nahrungs­stoffen und verursachen bei grosser Zahl selbst Blutarmuth, Hydraemio und Tod (Cachexie); viele veranlassen noch durch ihre Bewegung, durch Anbohren, selbst durch Ausscheidung scharfer Säfte Reizungen und mehr oder weniger erhebliche Enlzündungszustände mit ihren Folgen.
Diese Parasiten zu bekämpfen, ihre Einwanderung zu verhüten, sie von und aus dem Thierkörper zu entfernen, todt oder lebendig, ist die allgemeine Indication dieser Methode.
Diesen Forderungen können wir aber nur gerecht werden durch genaue Kennt-niss der Parasiten, namentlich ihrer Entwickelungsgeschichte, Widerstandsfähigkeit u. dergl.
Seitdem die gerade bei Parasiten früher vielfach angenommene Generatio aequivoca gänzlich zurückgewiesen, hat die Wissenschaft die Abstammung und Ent-wickelung vieler Schmarotzer klargelegt und damit auch die sichersten Wege für die Vorbauung, z. Th. selbst für die Behandlung vorgezeichnet. Andererseits tappen wir bezw. der Entwickelungsgeschichte bei anderen Parasiten noch voll­ständig im Dunkeln und unsere Maassnahmen leiden darunter bedeutend an Sicherheit.
Eine verhältnissmässig kleine Anzahl von Parasiten lebt für gewöhnlich ausserhalb des Thierkörpers, in der Aussenwelt, und kommt nur zufällig auf und in Thiere, um vorübergehend ein Schmarotzerleben zu führen — die Gelegen­heitsparasiten. So werden z. B. Schimmelpilze zu Gelegenheitsparasiten und namentlich diejenigen, deren Entwickelung an höhere Temperaturen gebunden, ent­wickeln sich lebhaft auf dem neuen für sie günstigen Nährboden und entfalten be­denkliche, selbst das Leben bedrohende Wirkungen.
Die Mehrzahl der Parasiten sind durchaus schmarotzende Thiere, wenigstens sind die entwickelten, gesohlechtsreifen Thiere (zuweilen allerdings auch nur gewisse Jugendzustände) auf einen thierischen Nährboden angewiesen.
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 443
selbst wenn sie in der Jugend, wie viele Rundwürmer, ein freies Leben führen. Ent­fernt vom Thierkörper gehen sie zu Grunde, meist in relativ kurzer Zeit. Gewöhnlich sind aber die Parasiten auf einen ganz bestimmten Nährboden, auf eine bestimmte Species angewiesen. Deshalb haben die meisten Thierarten ihre bestimmten Para­siten; auf andere Thierarten verpflanzt gehen sie zu Grunde oder führen nur ein kümmerliches Dasein. Die Einwanderung (Invasion) der Parasiten erfolgt deshalb vielfach nur von Thier zu Thier einer Thierart durch einfache Uebersiedelung (wie z. B. bei den Räudemilben). In anderen Fällen wandern die frei lebenden Jugend­zustände der Parasiten mit Futter und Getränk in den Thierkörper ein (Rundwürmer) oder die entwickelten Thiere setzen ihre Eier und Larven auf oder in den Thier­körper ab, damit sie sich dort entwickeln (z. B. Gastruslarven). Am verwickeltsten werden die Invasionsverhältnisse bei den Parasiten mit Generationswechsel, wo vielfach die einzelnen Entwickelungszustände angewiesen sind, in verschiedenen Thierspecies zu parasitiren (z. B. Band- und Blasenwürmer). Die üebertragung ist hier keine einfache mehr, sie ist an viele Umstände gebunden und nur die über­aus grosse Vermehrungsfähigkeit dieser Art von Parasiten sichert vor einem Aus­sterben derselben.
Indicatio prophylactica. Die einzige sichere Grundlage für eine wirksame Vorbeugung bietet die Kenntniss der Entwickelang, der Lebensbedingungen etc. der Parasiten. Wo die Entwickelangsgeschichte der Parasiten vollständig aufgedeckt ist, da ergeben sich die Maass-nahmen von selbst, da kann auch die Vorbeugung sich voller Wirkung rühmen. Seitdem wir z. ß. den Zusammenhang des Gehirnblasenwurmes mit der Taenia coenurus des Hundes kennen, seitdem man weiss, dass der Hund nur durch unvorsichtige Verabreichung des Gehirns dreh­kranker Schafe den Bandwurm erwirbt und die mit dem Kothe vom Hunde abgehenden Glieder des Bandwurmes ihre Eier auf die Weiden der Schafe ausstreuen, und diese von den Schafen mit aufgenommen sich im Gehirn zu den Blasenwürmern entwickeln, ist die rationelle Vorbeugung von selbst gegeben. Vernichtung aller Blasenwürmer von umgestandenen Schafen, vor Allem Nichtfütterung der Köpfe an Hunde. Abtreibung etwa vorhandener Bandwürmer bei den Hunden durch Wurmcuren vor der Weidezeit haben dazu geführt, dass die früher so gefürchtete Drehkrankheit der Schafe, die oft 5 pCt. des Bestandes vernichtete, in Deutschland eine sehr seltene und kaum noch in Betracht kommende Krankheit geworden ist. Wo freilich die Entwickelungs-geschichte noch unvollkommen oder gar nicht bekannt ist, da fehlen uns auch sichere Vorbauungsmittel, da können wir uns im Allgemeinen immer nur darauf beschränken, dass Sorge für Reinlichkeit im Futter, Getränk und Aufenthalt noch am meisten die Parasitenbrut von den Hausthieren abhält.
Elle u berger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; oq
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Indicatio causalis et morbi. Die Bekämpfung., der bereits ein­gedrungenen Parasiten und damit die Behandlung der parasitären Krankheiten kann stattfinden durch Entfernung der Parasiten oder durch ihre Tödtung auf dem Wege der Vergiftung.
Die Entfernung der Parasiten vom und aus dem Thierkörper kann nur selten direct bewirkt werden; indirect sucht man sie anzu­regen durch Hervorrufung gewisser abwehrender Bewegungen, Auslee­rungen etc. Unmöglich ist sie beim Sitz der Parasiten im Gewebe oder in tief liegenden Organen.
a)nbsp; nbsp; Entfernung der Parasiten durch Operationen, z. B. Trepanation der Stirnhöhle bei der Oestruslarvenkrankheit, der Schädel­höhle bei der Drehkrankheit etc.
b)nbsp; nbsp; Drastische Abführmittel bei Parasiten im Darmcanale. Für sich genügen sie selten, meist unterstützen sie aber wesentlich die Behandlung, wenn durch parasitentödtende iMittel die Parasiten krank, weniger widerstandsfähig oder abgetödtet wurden. Deshalb sind auch die besten Anthelmintica diejenigen, welche mit einer giftigen Einwirkung auf die Eingeweidewürmer eine starke abführende Wirkung verbinden.
c)nbsp; nbsp;Niesemittel (Sternutatoria) bei Parasiten in den Nasenhöhlen, hustenerregende Mittel bei Lungenwürmern. Sie haben stets nur eine beschränkte Wirkung. Die ersteren, namentlich Pulver und Tabak, Niesswurzel, genügen nur zur Zeit der Einwanderung der Schafbremsen, so lange sich dieselben noch in der Nasenhöhle befinden; dagegen ver­mag auch das kräftigste Niesen nie die bereits mehr entwickelten Larven aus der Stirnhöhle zu schleudern. Husten erregt man durch kräftige Theerdämpfe, durch Verbrennung von Horn, Waciiholdersprossen etc.; nur bei kräftigen Individuen kann man erwarten, dass ein Aus­husten der in den feineren Bronchien in Schleim eingehüllten Würmer stattfindet.
d)nbsp; nbsp; Hautpflege, d. h. fleissiges Bürsten, Striegeln, unter Um­ständen Waschen und Baden, selbst Scheeren vertreibt vielfach die­jenigen Hautparasiten, welche sich nicht in dieselbe eingraben. Leider lässt sie sich nur bei Pferden und Hunden genügend durchführen, kaum bei grösseren Rinderheerden und gar nicht bei Schafen. Scheeren der räudigen Schafe, der von Läusen geplagten Kälber ist aber ein wichtiges Unterstützungsmittel der antiparasitären Behandlung.
e)nbsp; nbsp; Kräftige Ernährung. Es ist ein alter Erfahrungssatz, dass viele Parasiten nur gedeihen in abgeschwächten Wohnthieren, sei es dass dieselben noch jung und unentwickelt die vollen Körperkräfte noch nicht erlangt haben, oder durch ungenügende Ernährung herabgekommen
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;445
sind. In kräftigen Wohnthieren gedeihen die Parasiten nicht oder doch nur massig, weil sie durch kräftige Abwehrbevvegungen (Reiben, Niesen, Hasten) schon bei der Einwanderung entfernt oder auch in das festere widerstandsfähigere Gewebe nicht so leicht eindringen können (z. B. ent­wickeln sich Finnen bei älteren Schweinen und Rindern nicht oder nur vereinzelt). Kräftige Ernährung schützt deshalb nicht allein mit vor Einwanderung, sie erleichtert auch die Bekämpfung und endlich erhält sie die Thiere in den Fällen, wo die Parasiten, z. 13. Bremsenlarven, Lungen-, Magenwürmer, Leberegel etc., nur eine bestimmte Zeit im Körper verweilen und dann freiwillig auswandern.
Die Tödtung der Parasiten auf dem Wege der Vergiftung kann durch verschiedene Mittel erfolgen. Wir besitzen Mittel, die sicher alle Parasiten tödten; leider ist ihre Anwendung sehr einge­schränkt, weil sie leicht auch den Träger der Parasiten mit vergiften und ferner, weil die im Innern des Organismus wohnenden Parasiten nicht direct, sondern nur durch das Blut erreicht worden können. End­lich ist nicht zu vergessen, dass bei Heerdekrankheiten auch der Preis der Mittel und die leichte Herstellung und Anwendung eine Rolle bei der Auswahl spielt. Jedenfalls sind die verschiedenen Schmarotzer verschieden empfindlich resp. widerstandsfähig gegen einzelne Gifte: leider kennen wir diese Verschiedenartigkeit noch nicht hinlänglich, um sicher in der Auswahl gehen zu können. So weit die practische Er­fahrung uns den nöthigen Anhalt gegeben, wird unten eine entsprechende Zusammenstellung folgen.
1. Anorganische Mittel, a) Quecksilber und seine Präparate sind wichtige Antipurasitica, deren Anwendung sich nur wegen der Giftigkeit für den Parasitenträger wesentlich einschränkt; namentlich kommen sie gegen Epiphyten und die auf der Haut schmarotzenden Insecten (Haematopinus und Trichodcctes) zur Anwendung, welch' letztere sie selbst, ohne mit denselben in Contact zu kommen, tödten. Besonders verwendet wird: Unguentum hydrargyri cinereum bei Läusen (Vorsicht bei Rindern wegen Vergiftung); Hydrargyrum bichloratum corrosivum in 2procent. spirituöswässriger Lösung namentlich bei Epi­phyten, seltener innerlich gegen Ascariden und Bandwürmer; Unguentum hydrargyri praeeipitati albi (Quecksilbcrammoniumchlorid) gegen myco-tische Ausschläge, ebenso zuweilen Hydrargyrum praeeip. rubrum.
b) Arsenik, ein wirksames Gift für Parasiten, leider auch für deren Träger, so dass die Anwendbarkeit erheblich eingeschränkt wird. Innerlich nur gegen Spulwürmer bei Pferden verwendet, quot;2—3 g mit bitteren Mitteln oder Aloe einige Tage. Aeusserlich gegen Hautpara­siten, Läuse, namentlich bei Rindern, Räude bei Schafen in Va ^is
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I1/-; procent. Lösungen meist unter Zusatz von Pottasche hergestellt. Da ihre Anwendung sich oft noch gefährlich erwiesen hat, sind ver­schiedene Zusätze, Alaun lOprocent. (Matthieu), 10—20 procent. Eisenvitriol (Tessier) gemacht worden. Schaierle und Kehm ver­wenden ' j Arsen. 6 Alaun, 100 Wasser, Eberhardt 2,5 Arsen, Alaun 20. Wasser 300; Viborg'scher Arsenikessig (2 3 Essig, l/z Wasser dazu 1 pCt. Arsenik). Die Arsenikbäder sind bei Schafräude sehr wirksam, aber vielfach gefürchtet wegen der Vergiftung durch Aufsaugung von wunden Stellen aus und durch Ablecken.
c)nbsp; nbsp;Brech Weinstein ist bei Pferden ein bequemes Antiparasiticum gegen Ascariden, welche nach 15 — 20 g, mit dem Getränk nach vor-liengem Dursten verabreicht, abgetödtet abgehen.
d)nbsp; nbsp;Scliwefel spielte als Kratz- und Räudemittel früher eine grosse Rolle, ist aber durch wirksamere Mittel fast verdrängt. Er wirkt namentlich durch die verschiedenartigen Zusätze, durch welche die Bil­dung von Schwefelwasserstoff und Schwefelalkalien bedingt wird. In Gebrauch sind noch: Schwefel mit grüner Seife 1:8 (Hertwig), Schwefel 2, Pottasche 1, grüne Seife 5 und Fett 8 (Helmerich), Schwefel und Holzt beer aa 1, grüne Seife und Spiritus 2, bei empfind­licher Haut mit Zusatz von Kreide 0.5 (Wiener Krätzsalbe). Kali­schwefelleber in Lösungen 1:10 — 20 wird selten verwandt. Die Vlemingkx'sche Schwefelcalciumlösung (40 Aetzkalk, 80 Schwefel in 800 Wasser zu 500 eingekocht) wirkt sehr kräftig, veranlasst aber starkes Ausgehen der Haare und muss deshalb bald (nach l/2 Stunde) abgewaschen werden.
o) Alkalien und Erden. Sie finden wesentlich gegen Parasiten der Haut Anwendung, wobei hauptsächlich ihre reinigende Wirkung zur Entfernung und Aufweichung der Krusten und Borken, weniger ihre vergiftende Wirkung in Betracht kommt. Namentlich sind die Alkalien und kohlensauren Alkalien in 2—5procent. Lösung, vor Allem die Kali­seife, für sich oder mit anderen Mitteln in Brauch, weniger der Aetz­kalk (Gerlach's vorbereitendes Bad bei Schafräude ist gebrannter Kalk 2,5. Pottasche 5, Wasser 125; Walzquot;sche Lauge).
2.nbsp; nbsp; Scharfe Mittel. Sie kommen besonders gegen Hautungeziefer zur Anwendung. Obenan steht Tabak, verwendet in Abkochungen 1:20—25 oder in Form der Tabaksbeize, welche in den Cigarren-fabriken durch Auslaugung der schweren virginischen Tabake und Ein-dickung gewonnen, namentlich nach dem Auslande als billiges und sehr kräftiges Räudemittel in den Handel kommt. Nach Ostertag kann man sie sich bereiten durch 3stündiges Auskochen von 2.5 Tabaksrippen in 130 Wasser unter Zusatz von 5 Kochsalz und 10 Holzasche. Bei Rindern treten nach allgemeinen Waschungen leicht Vergiftungen auf, namentlich beim Jungvieh. — Ferner sind zu nennen weisse Niess-wurzel, Sabad illsamen und Steplianskörner in Decocten 1:20, letztere auch in Pulverform als absolute Mittel gegen Läuse.
3.nbsp; Aetherisch-ölige und balsamische Mittel. Das Insectenpulver — die gepulverten Blüthenköpl'c verschiedener Pyrethrumarten — kann gegen alle Hautinsecten verwendet werden, welche es zunächst betäubt,
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 447
schliesslich tödtet; für die gewöhnliche Praxis ist es zu theuer. Anis-und Petersi liensaamen wirken ähnlich. Das ätherische Anisöl, für gewöhnlich zu theuer, benutzt man zur Vertreibung von Federungen bei-Vogeln, verdünnt mit Olivenöl und einige Tropfen in das Federkleid eingestrichen; bei kleineren Vögeln Vorsicht, da sie leicht sterben. Das ätherische Wachholderöl, mit Spiritus (5) verdünnt, wurde gegen Haarsackmilben als sehr wirksam empfohlen, ist aber vom Perubalsam verdrängt. — Der peruvianische Balsam, ein nachhaltiges, dabei gelind wirkendes und angenehmes Mittel gegen alle Hautparasiten wird nur bei kleinen Luxusthieren, besonders bei der Acarusräude des Hundes benutzt, einfach oder etwas verdünnt mit Spiritus. Er wird wesentlich verdrängt durch den billigeren Styrax, der namentlich bei Hunden und Vögeln benutzt wird, entweder mit Fett (aa), Olivenöl (30 : 8) oder Seifenliniment (60, grüne Seife und Spiritus aa 10). Das Terpen­tinöl und der Terpentin früher gegen Hautparasiten verwendet, sind jetzt als solche verlassen wegen der reizenden Wirkung auf die Haut. Dagegen findet ersteres noch bei Lungenwürmern Verwendung.
4. Producte der trockenen Destillation. Sie sind sammtlich feindlieh, sowohl gegen pflanzliche wie thierische Parasiten, bei äusserer wie bei innerer Anwendung; ihre unangenehmen Nebenwirkungen, Reizung der Haut und Schleimhäute, allgemeine Vergiftungen lassen sich vermeiden durch Verdünnung und vorsichtige Anwendung. — Obenan steht das Kreosot, wirksamer als die Carbolsäure, namentlich sicher gegen Räudemilben. Es wird stets in Verdünnungen von 1:20 — 30, in wässrig-spirituöser Lösung, mit Oel, mit Seifen-Theerlinimenten ange­wendet, bei zarten Thieren (Hunden) vertheilt auf mehrere Male über die Körperoberfläche eingerieben. Innerlich ist es namentlich von Gerlach gegen Lungenwürmer empfohlen. Theor ist ein in der thier-ärztlichen Praxis wegen seiner Billigkeit sehr beliebtes Antiparasiticum bei Räude und Pilzflechte, meist wird es zum Zwecke des bequemeren Einreibens und Auswaschens mit grüner Seife, auch noch mit Spiritus versetzt und durch Kreosot, Schwefel etc. verstärkt. Holzessig nur selten als Zusatz benutzt. — Benzin hat den Erwartungen nicht überall entsprochen; namentlich ist die Wirkung auf Eingeweidewürmer keine sichere; dagegen findet es äusserlich bei Haut Ungeziefer, sowie bei örtlich begrenzter Räude Anwendung, verdünnt mit Oel 1:3, Wasser 1:5 — 20. Petroleum wird fast.nur bei Räude der Katzen ver­wendet; bei den übrigen Thieren, besonders Pferden bewirkt es leicht Haarausfall, verdünnt ist es unzulänglich.
01. cornu cervi und das durch Destillation dieses mit Oleum terebinthinae gewonnene 01. Chaberti empyreumaticum sind wirk­same Mittel gegen Nematoden, müssen jedoch mit Abführmitteln unter­stützt werden. Ersteres findet gegen Hautparasiten (in der Walz'schen Lauge) kaum noch Anwendung, hin und wieder zur Abhaltung von Fliegen und Mücken noch benutzt. Hierher gehört noch das pikrin-saure Kali (Kaliumsalz des Trinitrophenols), welches in Dosen von 0.12 in Schleim gelöst 3 Tage hintereinander gegeben bei Lämmern gegen Nematoden, auch Bandwürmer gerühmt wird.
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5. Specifische Anthelminthica ans dem Pflanzenreiche, namentlich gegen Band- und Rundwürmer im Darmoanale gerichtet. Fruotus Cinae. Wurmsamen Ziltwersamen ist ein kräftiges Gift für Nematoden, namentlich Ascariden, wird aber des Preises wegen fast nur bei kleinen Tlneren benutzt und wird verdrängi durch das Santonin (0.05—0.1quot;2 g für Hunde mit Ricinusöl oder Butter gegeben). Für andere Tlüere ersetzt durch Rei nfarrnblütiien. — Ausscbüesslich gegen Band­würmer werden verwendet: Farren krautwurzel. Rhizoma filicis maris, nur frisch wirksam, sonst wenig belästigend, verdrängt durch das Extr. filic. aethereura, 4—8 g für Hunde, erfordert gleichzeitige Anwendung von Abführmitteln; Granatwurzelrinde, zwar sehr kräftig wirkend, aber reizend und theuer. deshalb wenig in Gebrauch; Flores Kousso, die zerstückelten weiblichen Blüthenstände der Hagenia abyssinica, zu 5—lag mit .Milch als Schüttelmixtur gegeben, nach einer Stunde wiederholt; Kamala, die Drüsen und Drüsenhaare der Früchte von Roitlera tinetoria, zu 5 —10 g in Schüttelmixturen namentlich bei Hunden und Lämmern sehr wirksam, erfordert kein Abführmittel. Von Zürn sind für Hunde noch empfohlen worden enthülste Kürbiskerne •25—50 Stück, ferner Arckanuss, eine Palmfrucht, gepulvert zu 5—15 g mit Butter gegeben; letzteres ist ein souveränes Bandwurm-rnittel. auch ohne Laxanz. Alle diese Mittel wirken nur sicher, wenn sie frisch sind; ältere Waare aus Apotheken, wo wenig Verbrauch, bringt Misserfolge und ungerechtfertigte absprechende ürtheile.
In Kürze noch folgende Zusammenstellung:
1.nbsp; nbsp; Pflanzliche Parasiten, a) Epiphyten. Favuskrankheit und Herpes tonsurans. Zunächst Erweichung der Borken durch grüne Seife oder Glycerin, so­dann Theer mit Spiritus oder grüner Seife, verstärkt durch Carbolsäure oder Kreosot 1 : 20—30; Carbolsäure, Kreosot in wassrig-spirituöser Lösung 1:20:10; wässrig-spirituöse Sublimatlösung 2—Sprocent.; rothes und weisses Quecksilberpraecipitat in Salbenform 1 : 4—8; Jodtinctur bei beschränktem Auftreten.
b) Enterophyten. Bei Soor Auspinseln des Maules mit verdünntem Essig, Salzsäure, Weisswein, Alaun, Höllensteinlösung. Gegen die Pilze in den Luftwegen (Pneumomykosen) sind wir bis jetzt ebenso ohnmächtig wie gegen die in den Ge­weben (Actinomyces).
2.nbsp; nbsp; Thierische Parasiten. 1. Haut be wo im er.
a) Insecten: bei Läusen Abkochung von Tabak, von Stephanskörnern (1 : 20—25), Carbolsäure oder Kreosot in wassrig-spirituöser (1 : 10 : 20) Lösung, Benzin mit Seife (1 : 6), Sabadillsamen, Stephanskörner und weisse Niesswurzel, zusammengemischt, trocken einzureiben, Insectenpulver. Die kräftigsten Mittel, Quecksilbersalbe, verdünnt nur an einzelnen Stellen aufgestrichen, bei Pferden am einfachsten auf die Kartätsche gestrichen, und Arsenik (16 g, Pottasche 16 g, Wasser und Essig aa l','., kg) können durch Vergiftung namentlich beim Rinde ge­fährlich werden. Ausgedehnt findet Arsenik (pro Rind 15 g, Schaf 5 g 1 : 3—400) in Holstein, Schleswig und Dänemark als sogen. Arsenikwäsche 1—2mal im Jahre Anwendung. — Bei Flöhen: Insectenpulver, Carbolseife, gepulverten Petersilien­samen. — Bei Federungen: Anisöl mit Olivenöl verdünnt 1 : 10 einige Tropfen zwischen die Federn gestrichen. — Bei der Schaflausfliege: Tabakabkochung,
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Thierische Parasiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 449
graue Salbe in einem Striclie über den Rücken gestrichen. — Fliegenmaden verschwinden nach Carbolsäurelösungen.
b) Arachniden. Räudemilbon. Milbengifte sind in abnehmender Stärke: Kreosot, Carbolsäure, Benzin, Kalilauge, Theer, Tabak, Niesswurz, grüne Seife, Arsenik, Sublimat, Perubalsam, Styrax, Schwefel. Zur Unterstützung, namentlich um die Borken zu lösen, dienen die Alkalien und Seifen. Bei der Wahl und Zu­sammensetzung der Mittel entscheidet Hartnäckigkeit und Ausbreitung der Räude, leichte Anwendbarkeit, namentlich sicheres Eindringen, und die sichere, das Leben nicht gefährdende Wirkung. Bei Pferden, Rindern, Schweinen und Hunden kommt namentlich Kreosot und Carbolsäure in wässrig-spirituosen Lösungen (I : 10 : 20), mit Oel und Fett 1 : 10—30, mit theorhaltigen Linimenten (Theer, grüne Seife aa 10, Kreosot 1) zur Anwendung. Bei langhaarigen Hunden Perubalsam mit Spiritus, Styrax mit Fett aa; bei Katzen Petroleum. Bei Schafen wird die Räude vielfach nur durch örtliche Behandlung (Schmiercur) der Räudestellen mit Tabakssaft, Car­bolsäure, Benzin, Hirschhornoel in Schranken gehalten; die vollständige Tilgung ge­lingt nur durch eine Badecur nach vorausgegangenem Scheeren in besonders zu­sammengesetzten Badeflüssigkeiten nach Walz, Zündel, Gerlach, Tessier (s. spec. Path.). — Gegen Haarsackmilben der Hunde erweist sich nur Perubalsam von nachhaltiger Wirkung.
2.nbsp; nbsp;Darmbewohner. Gastruslarven im Magen werden durch kein Mittel abgetödtet, welches nicht auch das Wohnthier vergiftet. Benzin ist mehrfach empfohlen, jedoch in der Wirkung zweifelhaft. — Magen würmer, Fütterung von Lupinenheu und Körnern, stinkendes Thieröl, Chabert's Oel täglich 1 Theelöflfel voll, pikrinsaures Kali 0,12 g mit Schleim 3 Tage hintereinander. — Band­würmer, die oben erwähnten specifischen Anthelminthica. —#9632; Rundwürmer, namentlich Ascariden, Arsenik, Brechweinstein bei Pferden, Wurmsamen, Wurm-farrnwurzel, Benzin, stinkendes Thieröl, pikrinsaures Kali.
3.nbsp; nbsp;Leberbewohner sind bis jetzt unerreichbar.
4.nbsp; nbsp;Bewohner der Luftwege. Die Schafbremsenlarven sind selbst nach Trepanation der Stirnhöhle gegen die verschiedensten Mittel unempfindlich. Auch die Lungenwürmer sind nicht zu tödten, weder durch Inhalationen noch vom Magen aus, doch scheinen sie durch Kreosot (verdünnt) sowie Terpentinöl (mit Campher­spiritus aa einen Theelöffel voll mit schleimiger Flüssigkeit) so beunruhigt zu werden, dass sie bei kräftigen Thieren ausgehustet werden können. Ueber die Wirk­samkeit von Trachealinjectionen fehlen bis jetzt sichere Erfahrungen.
Alle im Gewebe der Muskeln und Organe liegenden Parasiten, Rund- wie Blasenwürmer, sind bis jetzt unerreichbar für Mittel, welche vom quot;Verdauungstractus aus durch das Blut hindurch wirken sollen.
6. Die giftwidrige, entgiftende Curmethode (Meth. antidota).
Allgemeines. Eine sehr häufige Krankheitsursache stellen die sogen. Gifte, d. h. Stoffe dar, welche, dem Organismus einverleibt schon in kleinen Mengen das Leben der Thiere bedrohen (cf. S. 241). Die Auf­gabe der ätiocratischen Therapie ist es, diese Stoffe für den Organis­mus möglichst unschädlich zu machen und das bedrohte Leben zu
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Die giftwidrigen Curmethoden.
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retten. Zur Erfüllung dieser Aufgaben hat man die Indicatio prophy-lactica, causalis und morbi zu berücksiclitigen. Die Indicatio prophy-lactica bezweckt die Abhaltung der Gifte vom Organismus und bedarf keiner weiteren Besprechung. Die Indicatio causalis richtet sich gegen das bereits eingedrungene Gift und dessen Wirkungen. Sie hat in erster Linie das Gift und erst in zweiter Linie den thierischen Organismus zum Objecte. Die Indicatio morbi erstreckt sich nur und allein auf den kranken, d. h. vergifteten Organismus.
Die Indicatio causalis ist gegeben: 1) wenn die Einführung des Giftes constatirt ist. gleichgültig, ob Vergiftungserscheinungen zugegen sind oder nicht; 2) wenn Vergiftungserscheinungen beobachtet werden, einerlei, ob die Einführung eines Giftes nachgewiesen ist oder nicht. Sie besteht darin: 1) das Gift zu entfernen, oder wenn dies unmöglich, 2) dasselbe unschädlich zu machen oder seine scluädlichen Eigenschaften zu verringern; 3) seine Wirkungen im Organismus zu mildern oder auf­zuheben. Diese Indicationen werden erfüllt: 1) mechanisch durch Entfernung, Einhüllung, Verdünnung des Giftes oder Hinderung der Aufsaugung desselben (Umbinden eines Gliedes, Auswaschen von Wun­den, Aussaugen); 2) chemisch durch Neutralisation und Zersetzung des Giftes, durch Bildung unlöslicher oder indifferenter Verbindungen desselben etc.; 3) physiologisch durch Beeinflussung des Organismus in der Weise, dass man ihn in die Lage bringt, den Giftwirkungen widerstehen und dieselben ertragen zu können, indem man seine Em­pfänglichkeit für die Giftwirkungen herabsetzt, die Giftwirkungen durch Anregung von bestimmten Functionen aufhebt, die Resistenzkraft des Organismus steigert u. dgl.
Die Indicatio morbi besteht in der Aufgabe, den Vergiftungserschei­nungen entgegenzuwirken und die durch die Giftwirkung hervorgetrete­nen Krankheiten der Genesung zuzuführen, die anatomischen Verän­derungen zum Verschwinden zu bringen u. s. w. Diese Indication hat es am gewöhnlichsten mit Entzündungen, Anätzungen, nervösen Erre­gungen und Depressionen, Krämpfen und Betäubung, Neuralgien, Dys-krasien, Erstickungszufällen, Lähmungen u. dgl. zu thun.
Gegengifte. Diejenigen Heilmittel, welche bei Vergiftungen eine günstige Wirkung entfalten, die Giftwirkung hindern, aufheben oder schwächen werden Remedia antidota genannt. Im engeren Sinne fasst man unter diesem Begriffe allerdings nur diejenigen Heilmittel zusammen, welche das Gift chemisch unwirksam machen und höchstens noch die­jenigen, welche in einem derartigen physiologischen Antagonismus zu Giften stehen, dass sie deren Wirkungen durch ihre eigene Wirkung
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Gegengifte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gt; 451
auf den Organismus paralysiren können. Bei der nachstellenden Be­trachtung haben wir aber alle gegen Gifte nützlichen Mitlei und Me­thoden zu besprechen und können dieselben etwa eintheilen in 1) solche, welche mechanisch; 2) solche, welche chemisch auf das Gift und 3) solche, welche in irgend einer Art auf die Functionen des Orga­nismus des vergifteten Thieres wirken, ohne auf das Gift selbst di­rect einen Einfluss auszuüben. Die letzteren Mittel pflegt man als functionelle, dynamische Gegengifte zu bezeichnen. Zu ihnen gehören die physiologischen und pharmakologischen Antagonisten (z. B. Aether. Chloroform. Morphium), frische Luft, kalte Uebergiessungen, Hautreizungen, Reiben, kalte Klystiere. starke Riechraittel, Schnupf-mittel, künstliche Respiration u. s. w.
Viele Antidota genügen nicht blos einer Indication, sondern meh­reren und manche sind nicht blos einem, sondern vielen Giften gegen­über Gegengifte; derartige generelle Gegengifte sind z. B. Eiweiss und Tannin. Durch Mischung mehrerer vielseitiger (genereller) Anti­dota hat man Mittel herzustellen versucht, welche, wenn auch nicht bei allen, so doch bei einer grossen Anzahl von Vergiftungen mit Nutzen zu gebrauchen sind. Derartige Mittel sind eine praktische Notwendigkeit, weil wir oft zwar aus den Symptomen der erkrankten Thiere auf eine stattgehabte Vergiftung schliessen, aber nicht die spe-cielle Natur des Giftes feststellen können.
In früheren Zeiten hat man auch nach einem Uni versalantidot (Alexiphar-macon, Antidotum universale), d.h. nach einem Mittel gesucht, welches gegen alle Vergiftungen mit Nutzen verwendet werden könne. Selbstverständlich existirt eia derartiges Mittel nicht. Bei unbekannten Vergiftungen kann man also in Er­mangelung eines allseitigen Gegengiftes nur von den mehrseitigen, generellen Gegengiften Gebrauch machen.
Wenn man nicht weiss, ob eine Vergiftung vorliegt, muss man zur Eruirung dieser und der eventuellen weiteren Frage nach der Natur des Giftes nach Ger-lach: 1) die Art der Entstehung der Krankheit und ihre wichtigsten Symptome prüfen, 2) die Thiergattung berücksichtigen (bei Hunden ist an Rattengift, bei Schweinen an Pökel- und Heringsbrühe, bei Pflanzenfressern an vegetabilische Gifte zu denken), 3) die Umstände in's Auge fassen, unter denen die Vergiftung einge­treten ist, namentlich, ob und welche Medicamente verabreicht wurden, ob dies an mehrere Thiere geschah, ob alle erkrankt sind, ob die Vergiftungserscheinungen beim Weidegang oder bei Stallfütterung eingetreten sind, ob giftige Abfälle (z. B. eines Gewerbes), welche die Thiere erreichen können, zugegen sind u. s. w. — Hat man constatirt, dass thatsächlich eine Vergiftung vorliegt, dann sucht man aus den Vergiftnngssymptomen wenigstens zu erschliesseu, ob es sich um ein scharfes, ein narkotisches, ein erregendes, ein septisches Gift handelt. Ist dies fest­gestellt, dann verabreicht man ein generelles Antidot, also bei narkotischen Giften
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Die giftwidrigen Curmethoden.
Tannin; bei scharfen Eiweiss, Schleim und einhüllende; bei Depressionen excitirende Mittel u. s. w.
Zur Unterstützung dieser Diagnose und der Beurtheilung der einzuschlagenden Behandlung seien nachstehend die Gifte nach ihren Wirkungen aufgeführt. Man unterscheidet:
I.nbsp; nbsp; Irritirende Gifte, d. h. Gifte, welche Reizungen, Anätzungen etc. her­vorrufen. A. Mineralische irritirende Gifte, a) Säuron (Schwefelsäure, Salpetersäure, Salzsäure, Oxalsäure); b) Alkalien (Kalium-, Natrium-, Ammo­niumverbindungen); c) Metalle (Blei- und Kupfer-, Zink-, Quecksilber- und Eisen­verbindungen, Arsenik); d) Metalloide (Phosphor-, Chlor-, Jodverbindungen). B. Pflanzliche irritirende Gifte (Drastica, Sabina). C. Thierische irri­tirende Gifte (Canthariden).
II.nbsp; nbsp;Neurotische (narkotische) Gifte: A. Cerebralia (Opium, Alkohol,
Chloralhydrat, Chloroform, Aether, Kohlensäure, Kohlenoxyd, Kohlendunst, Leucht­gas, Schwefelwasserstoff, Cloakengas). B. Spinalia, Rückenmarksgifte (Strychnin, Kockelskörner (Pikrotoxin)). C. Cerebrospinalia, Gehirnrückenmarksgifte(Cyan-verbindungen, Nitroglyoerin, Anilin, Nitrobenzin, Carbolsäure, Belladonna, Datura Strammonium, Hyoscyamus niger, Nicotiana, Solanum, Conium maculatum, Cicuta virosa, Aethusa Cynapium, Oenanthe crocata, Digitalis, Aconitum, Veratrum, Col-chicum, giftige Pilze und Schwämme, Seoale cornutum).
III.nbsp; nbsp; Septische Gifte. A. Thiergifte (giftige Schlangen, Bienen und Wespen). B. Zersetzungsgifte (Wurstgift, Leichengift).
Ob die ad III genannten Gifte hierher gehören ist zweifelhaft. Es ist möglich, dass dieselben chemische, es ist möglich, dass sie anorganische Gifte darstellen und dass die Behandlung dieser Vergiftungen also unter die Methodus antibacillaris fällt.
Allgemeines über das Verfahren bei Vergiftungen, a) Ist das Gift unbekannt, dann wendet man zunächst Entleerungs-resp. Entfernungs-mittel an, wenn die Krankheitssymptome noch nicht zu lange bestehen. Darauf verabreicht man generelle Antidota und genügt allen aus den Vergiftungserscheinungen entspringenden Indicationen nach den thera­peutischen Regeln. Vor Allem mus.laquo; man natürlich die Vitaiindicationen berücksichtigen, bei Ohnmacht kalte Uebergiessungen', bei Erstickungs­gefahr künstliche Respiration, bei drohender Apoplexie Aderlässe anwenden u. s. w. b) Ist das Gift bekannt, dann sucht man aus der Qualität desselben, der Form seiner Einverleibung, dem Einverlei­bungsort (Haut, Darmkanal, Luftwege etc.), der Zeit des Zustande­kommens der Vergiftung, der Thatsache, ob die Vergiftung eine chro­nische oder acute ist u. s. w., die speciellen Indicationen festzustellen. Man sucht dann zunächst mechanisch und chemisch auf das Gift einzu­wirken durch mechanische Entfernung desselben aus dem Körper, durch Verdünnung und Einhüllung, durch chemische Zersetzung etc. Ausser-dera stellt man die durch das Gift hervorgerufenen Krankheitssymptome
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Mechanisches antidotisches Verfahren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;453
und anatomischen Veränderungen fest und behandelt diese, d. h. den vergifteten Organismus. Bei Entzündungen, Anätzungen u. dergl. ist die kühlende, entzündungswidrige, die reizmildernde Curmethode, bei anderen Symptomen sind andere Methoden am Platze. Die vorhan­denen Krankheitssymptome entscheiden allein über die Natur der Be­handlung des vergifteten Organismus. Diese Behandlung muss neben der Causalcur einhergehen und event, derselben folgen.
Specielles. Bei Besprechung des speciellen Verhalten bei Ver­giftungen besprechen wir a) das mechanische, b) das chemische, c) das functionelle giftwidrige Verfahren.
I. Die physikalische und mechanische giftwidrige Behandlung. Die mechanischen Beeinflussungen des Giftes beziehen sich auf 1) Ent­fernung des Giftes, 2) Verdünnung und Einhüllung, unter Umständen auch Lösung (bei den in Stücken ätzenden Stoffen) desselben und auf Einhüllen und Decken derjenigen Theile, welche durch das Gift ge­fährdet sind, 3) auf mechanische und physikalische Behinderung der Resorption.
Ad. 1. Die Entfernung des Giftes kann geschehen 1) durch Erbrechen oder durch Anwendung der Schlundsonden und der Magen­pumpe; 2) durch Erregung von Diarrhöen; 3) durch Ausspritzen und Aussaugen, Auswaschen, Ausschneiden und Aetzen von Wunden etc.; 4) durch Inhalationen; 5) durch den Aderiass. Die in Betracht, kom­menden Mittel sind demnach; Brechmittel, Abführmittel, Schlundsonden, Messer, Actzmittel, Wasser, Seifemvasser, Spritzen, Wasserdampf u. s. w.
Die Brechmittel sind am Platze, wenn das Gift vor Kurzem verschluckt worden ist. Besteht aber bereits Erbrechen, dann ist ein weiteres Verabfolgen von Brechmitteln meist überflüssig; man unterhält dann den Brechakt durch Verabfol­gung von lauwarmem Wasser, Milch, Schleim, Oel u. dergl. Als Brechmittel ver­wendet man Zink- und Kupfervitriol bei narkotischen, Brechweinstein, Brechwurzel bei scharfen Giften. Ganz besonders sind aber das Apomorphin (subeutan) und das Kochsalz zu empfehlen. Die Brechmittel sind contraindi-cirt bei gewissen Vergiftungserscheinnngen, z. B. Strychninkriimpfen und bei Giften, welche starke Anätzungen des Schlundes und Magens, Gastritis oder Ente­ritis bedingt haben (conc. Mineralsäuren, kaustische Alkalien etc.), weil Zerreissun-gen oder stärkere Läsionen der betr. Organe zu befürchten sind. Die Wirksamkeit der Brechmittel bei Vergiftungen hängt von der Schnelligkeit ihrer Application ab. Jede Zögerung vergrössert die Gefahr.
Die Magenpumpe und die Schlundsonde dürften nur selten Verwendung finden. Bei Wiederkäuern wäre unter Umständen die Gastrotomie zu versuchen.
Die Abführmittel sind vor Allem indicirt, wenn die Brechmittel zu spät kommen würden und bei Thieren, die nicht erbrechen können. Sie sind überhaupt zu gebrauchen bei schwer löslichen und lange im Verdauungscanale verweilenden
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Die giftwidrigen Curmethoden.
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Mitteln, bei obstruirenden Giften, nach der Verabreichung von Gegengiften, welche Obstruction hervorrufen und bei Vergiftungen, deren Symptome spät hervortreten. Die öligen Abführmittel sind bei Vergiftungen im allgemeinen die besten, sie sind aber bei Phosphor-, Canthariden- und Kupferintoxicationen entschieden contra-indioirt.
Bei äusserlich beigebrachten Giften gelangen die ad 3 genannten Manipulationen in Anwendung. Sind z. B. in den Mastdarm, die Scheide, den Ge­hörgang Gifte eingedrungen, dann hilft man durch Ausspritzen, Aussaugen und Auswaschen. Aus vergifteten Wunden sucht man das Gift durch Waschen, Aus­saugen. Ausschneiden, Aetzen, Brennen zu entfernen. — Gifte, die in den Respi­rationsapparat gelangt sind, sucht man durch Inhalationen mit Wasserdampf, durch Erregung von Husten und diesen unschädlich zu machen. — Sind die Gifte bereits im Blute, dann kann unter Umständen der Versuch gemacht werden, durch starke Aderlässe und Infusion von gesundem Blute das Leben zu retten (CO-Ver-giftung).
II.nbsp; nbsp;Den ad 2 genannten Indicationcn genügt man mit schleimigen, öligen, mehligen, eiweisshaltigen Mitteln und mit Wasser. Diese Mittel gelangen besonders in Anwendung bei scharfen und ätzenden Giften, wenn von Brechmitteln kein Erfolg mehr zu erwarten ist. Sie können mit und ohne Abführmittel gegeben werden.
III.nbsp; nbsp; Die Resorption kann behindert werden durch Unterbindung des betreffenden Theiles gegen das Herz hin und durch starke Abküh­lung desselben.
II. Die chemischen Gegengifte. Die chemischen Gegengifte sind die eigentlichen Aatidota. Man versteht darunter Stoffe, welche durch den Contact mit Giften dieselben derartig chemisch beeinflussen, dass sie deren locale und allgemeine Wirkung aufheben oder massigen.
Die chemische Beeinflussung der Gifte durch ihre Gegengifte ist folgende: 1) es entstehen Stoffe, welche in Wasser, den Verdauungs­und den thierischen Säften überhaupt unlöslich oder schwer löslich und demnach nicht resorptionsfähig und local unschädlich sind (Beispiele: bei Oxalsäurevergiftung entsteht bei der Verabreichung von kohlensaurem Kalk der schwer lösliche oxalsaure, bei Schwefelsäurever­giftung der schwefelsaure Kalk; bei Bleivergiftung bildet sich bei Ver­abreichung von Schwefelsäure das unlösliche Schwefelblei u. s. w.); 2) es entstellen leicht lösliche, aber indifferente oder überhaupt un­schädliche Stoffe;; 3) es bilden sich schwerlösliche Stoffe mit giftigen Eesorptionswirkungen (Beispiel: bei Sublimatvergiftungen giebt man Eiweiss. Es entsteht Quecksilberalbuminat. Dieses ist langsam in den Verdauungssäften löslich). Diese Stoffe werden gefährlich, wenn sie längere Zeit im Vcrdauungskanale verweilen und in grösseren Mengen zur Resorption kommen. Die schwere Löslichkeit giebt wenigstens einen
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Chemische, organische Gegengifte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 455
relativen und in vielen Fallen, in denen durch ein Abführmittel u. dgl. für rasche Entfernung gesorgt werden kann, einen absoluten Schutz gegen die Vergiftung. Die mechanische Entgiftung ist überhaupt soweit möglich mit der chemischen zu verbinden. Sie geht ihr verlier und folgt ihr nach.
Als chemische Gegengifte dürfen in der Regel nur Mittel ver­wendet werden, welche selbst ohne schädliche Wirkungen sind. Giftige und schädliche Stoffe sind als Gegengifte nur benutzbar, wenn sie in einer Form verabfolgt werden können, in welcher ihre schädliche Wirkung nicht in Betracht kommt, wenn sie sich z. ß. früher mit dem Gift zu unschädlichen Stoffen verbinden, ehe sie schaden können. (Bei Alkalivergiftungen wendet man nicht concentrirte, sondern verdünnte Säuren au und umgekehrt u. s. w.). Bei der chemischen Entgiftung ist die Hauptsache, dass Gift und Gegengift in unmittelbaren Con­tact gelangen und zwar womöglich am Applicationsort, in den sogen, ersten Wegen. Die Dauer der Zeit, wie lange ein Gift in den Verdauungs­organen, in den Wunden u. s. w. verweilt, ist uns meist unbekannt. Im Darmcanale bleiben schwer lösliche Gifte oft sehr Jange liegen, na­mentlich im Dickdarm. Jedenfalls muss man mehrere Stunden nach der Giftaufnahme immer noch so verfahren, als ob noch Gift in den ersten Wegen zugegen sei.
Sobald die Gifte im Blute sind, kann man nur Gegenmittel geben, die leicht resorbirbar sind und und eine lebhafte Affinität zu dem be­treffenden Gifte besitzen. Sind die Gifte schon in den Geweben, dann kommen die sogen, chemischen Lösungsmittel (Jod und Bromka­lium) in Anwendung. Man versteht darunter Mittel, welche mit den in den Geweben abgelagerten Giften leicht lösliche und leicht ausscheid­bare Verbindungen eingehen. Die fest liegenden Gifte werden dadurch wieder mobil gemacht, werden resorbirt, gelangen mit dem Blute zu den Excretionsorganen und dann nach aussen.
Was die Dosis der Gegengifte anlangt, so gebe man grosse Men­gen. Nur sehr selten ist dies verboten, z. B. beim Tannin als Gegen­gift der Alkaloide, beim Eiweiss als Gegengift der Kupfersalze, weil in diesen Fällen die gebildete unlösliche Verbindung im Ueberschusse des Gegengiftes löslich ist.
Nachstehend seien die wichtigsten chemischen Antidota genannt.
1. Gegengifte Organischer Natnr. a) Eiweiss und eiweisshaltige Stoffe (Eier, Blut, Milch u. dergl.) wirkt als Gegengift gegen a) Mineralsäuren, b) Gerbsäuren, c) Jod, Brom, Chlor, d) Sohwermetalle und ihre Salze, e) liaustische und schwefelsaure Alkalien, f) alkalische Erden und
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Die giftwidrigen Curmetlioden.
deren Sulfurate. — Mit den ad a bis inol. d genannten Mitteln verbindet sich das Biweiss zu schwer löslichen und unschädlichen Körpern. Die Alkalien verbinden sich innig mit den Albuminaten zu löslichen Stollen. Ihre Aetzkraft wird dadurch gebrochen. Mit den alkalischen Erden bilden die Eiweisskörper unlösliche und wenig schädliche Verbindungen. — Bei Vergiftungen mit Arsenik, Brechwein-stein, Phosphor, vegetabilischen Acriis wirken Eiweisslösungen nur als Ein-hiülungs- und Verdünnungsmittel. Die Milch dient namentlich als Verdünnungs­mittel und zur Erleichterung des Erbrechens. Dieses Antidot ist wegen des Fettgehaltes bei Phosphor-, Kupfer- undCantharidenvergiftung contra-indicirt. —- Bei chronischen Metallvergiftungen sind auch Klystiere von Eiweiss­lösungen am Platze.
b)nbsp; Leimstoffe. Leim ist indicirt bei den ad a genannten Giften als Noth-behelf für Eiweiss. Bei Vergiftungen mit Gerbstoffen und Alaun ist derselbe sogar sehr wirksam. Scharfen Giften gegenüber wirkt er wie Schleim.
c)nbsp; Schleimige Mittel. Diese dienen ebenso wie der Leim als Nothbehelf für Eiweiss, im Uebrigen wirken sie als Einhüllungs- und Deckmittel. Der Lein-samenschlelm ist ölhaltig und demgemäss bei gewissen Vergiftungen contraindicirt.
d)nbsp; Mehlige, Kleber enthaltende Substanzen, Kleber und Stärke­mehl. Stärkemehl ist ein wirksames Antidot bei Vergiftungen mit Jod und Brom. Die mehligen Substanzen sind gegen ätzende Säuren, Sublimat und andere Metallsalze brauchbar, leisten aber weniger als Eiweiss. Gegen scharfe Gifte, Phosphor und Canthariden leisten sie wenig.
e)nbsp; Zuckerstoffe (Zuckerwasser, Honigwasser, Syrup u. s. w.). Zuckerist ein Antidot gegen Kalk und andere alkalische Basen, gegen chromsaure und vielleicht auch gegen Kupfersalze. Kalk und alkalische Basen werden durch Zucker gebunden. Die Kupfersalze sollen durch ihn reducirt und so unschädlich gemacht werden. Diese Wirkung ist aber zweifelhaft, da die Reduction und Ent­mischung von Kupferlösungen durch Zucker erst bei hoher Temperatur oder langer Einwirkung eintritt. Bei langer Einwirkung wandelt sich aber der Zucker in Milchsäure um und diese löst die Kupfersalze wieder auf.
f)nbsp; nbsp;Oelige Mittel (Schweineschmalz, zerlassene Butter, Thran, Baumöl etc.). Als Nothbehelf können sie gegen Brom, Chlor, Jod, ätzende Säuren gebraucht werden, weil sie sich mit diesen zu fast unlöslichen Stoffen verbinden. Ausserdem verwendet man diese Mittel innerlich bei Vergiftungen mit ätzenden, reizenden und scharfen Stoffen (Alkalien, Ammoniakalien, alkalische Erden, ätzende Metalloxyde und Metallsalze, Carbolsäure, Creosot, scharfe ätherische Gele u. s. w.), zu Einreibungen und Umschlägen nach dem Bisse giftiger Thiere und zu Klystieren. Contraindicirt sind sie bei Vergiftungen mit Phosphor, Canthariden und Kupfer.
g)nbsp; nbsp;Tannate (Tannin, Eichenrinden- oder Weidenrindenabkochung, Galläpfel u. s. w., im Nothfalle auch Thee und KalTee). Tannin ist ein vorzügliches Mittel bei Alkaloidvergiftungen. Es verbindet sich mit denselben zu schwer lös­lichen Verbindungen. Bleiben letztere aber längere Zeit im Verdauungscanale, dann werden sie gelöst und wirken wieder giftig. Deshalb verlangt der Tanningebrauch eine Nachbehandlung durch Entleerungsmittel. — Auch bei Vergiftungen mit Brechweinstein, Zinksalzen, emetischen und scharfen Stoffen (Ra­nunkeln, Niesswurz, Fingerhut, Brechwurzel etc.), giftigen Pilzen werden gerbstoff-haltige Mittel mit Nutzen angewendet.
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/nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Anorganische Gegengifte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 457
h) Terpentinöl. Dieses Mittel ist bei acuter Phosphorvergiftung, wenn es in lOOfaoher Menge gegeben wird und wenn man gemeines ozonisirtes Oel nimmt, indicirt. Man darf es aber nicht mit Eidotter verreiben. Das Oel bildet mit Phosphor eine krystallinischo Masse.
2. Gegengifte anorganischer Natur. Diese Mittel wirken durch Bildung einer unlöslichen Verbindung mit dem Gifte, oder durch Neutralisation desselben unter Bildung von Salzen (Säuren zu Alkalien), oder durch Reduction oder Oxy­dation desselben, oder durch Austreiben von Wasserstoff (Brom, Jodj u. s. w.
a)nbsp; Alkalische Mittel und Ammoniakalien. Die kohlensauren Alkalien gebraucht man u) gegen Vergiftungen mit Jod und Brom, wobei sich milde Salze bilden, ß) gegen Zinksalze; es bildet sich kohlensaures Zinkoxyd, ein wenig schädlicher Körper, y) gegen Säuren; hier sind sie nur als Nothbehelf zu ge­brauchen, weil die in grösseren Mengen verabreichten kohlensauren Alkalien ätzend wirken; deshalb ist in diesen Fällen Seifenwasser und Magnesiahydrat vorzuziehen, dquot;) gegen Veratrin und Kali chloricum, auch gegen (Jueoksilber.
Die Ammoniak alien gebraucht man bei Intoxicationen durch Schlangen­gift, Insectenstiche etc., narkotische Substanzen (Chloroform, Chloral-hydrat, Alkohol) innerlich, ferner als Inhalationsmittel bei Vergiftungen durch Chlor-, Brom- und ätzende saure Dämpfe, bei Asphyxie und Ohnmacht und endlich als Waschmittel bei vergifteten Wunden (Bienenstich, Schlangen-biss etc.).
b)nbsp; nbsp;Chlor (Chlorgas, Chlorkalk, unterchlorigsaures Natron und Magnesia) bei Vergiftungen mit Schwefelpräparaten, Alkaloiden und einigen pflanzlichen und thierischen Stoffen. Auch bei Intoxicationen mit Blausäure, Schwefelwasser­stoff, Kloakenluft u. s. w. kann das Mittel inhalatorisch und bei Einwirkung sep­tischer Gifte und dem Biss oder Stich giftiger Thiere in Form von Waschungen verwendet werden.
c)nbsp; Jod und Jodkalium sind Gegenmittel vieler giftigen Alkaloide und Sulfide und werden auch gegen thierische Gifte benutzt. Mit den Alkaloiden geht das Jod schwer lösliche aber giftige Verbindungen ein. Man muss also nach dem Jod Entleerungsmittelverabfolgen. Bei chronischen Metallvergiftungen wirkt das Jod als chemisches Lösungsmittel.
d)nbsp; Eisen in Form desEisenpulvers bei Vergiftungen mit Quecksilber-, Kupfer-, Chrompräparaten und als Eisenoxydhydrat (mit Magnesiahydrat), Liquor ferri oxydato hydrato acetior, Forr. oxydatum dialysatum gegen Arsensäure und arsenige Säure und deren Salze.
e)nbsp; Ferrocyankalium gegen Metall-, namentlich Kup fersalze. Es bildet mit diesem in Wasser unlösliche Niederschläge.
f)nbsp; Kochsalz wirkt vorzüglich gegen Höllenstein. Bei der Berührung beider entsteht unlösliches Chlorsilber.
g)nbsp; Kupfer. Kohlensaures Kupfer wird bei acuten Phosphorvergiftungen gebraucht. Die Phosphorstückchen erhalten einen Ueberzug von Phosphorkupfer oder metallischem Kupfer und werden dadurch weniger gefährlich. Entleerende Mittel, z. B. Kupfervitriol als Brechmittel, müssen nach einigen Stunden nachge geben werden.
h) Kohle (Thier- und Pflanzenkohle, frisch geglüht) ist bei Vergiftungen mit organischen Substanzen verwendbar, namentlich die Thierkohle. Sie kann viele Körper aus ihren Verbindungen niederschlagen (wegen ihrer Adhäsionskraft),
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Die giftwidrigen Curmethoden.
sie verlangsamt die Wirkung der betr. Gifte, zertheilt sie, hüllt sie ein und schützt so die Magenwände gegen dieselben. Sie befördert auch das Erbrechen.
i) Kalkpräparate (Kalkwasser, kohlensaurer Kalk, Zuckerkalk, Kreide, Eier­schalen) bei Vergiftungen mit Mineral-,We in-, Oxalsäure, sauren Oxalsäuren Salzen als Sättigungsmittel. Bei Vergiftungen mit Metallsalzen ist es als Nothbe-helf anstatt Magnesiahydrat zu verwenden; ebenso bei CarbolsäureVergiftung.
k) Magnesiapräparate (Magnesiamilch, kohlensaure und Aetzmagnesia) bei Vergiftungen mit Mineralsäuren, Essig- und Weinsäure. Bei Oxalsäurever­giftungen sind Kalkpräparate besser. Magnesiahydrat ist auch bei Vergiftungen mit Metallsalzen geeignet, da es deren Oxyde abspaltet. Diese sind wenig schädlich. Magnesiahydrat mit Milch und stark verdünnter kohlensaurer Ammoniaklösung wirkt bei Intoxicationen von Alaun, löslichen Aminoniumsalzon und Arsenik günstig. Mit Arseniksäuren bildet das Mittel fast unlösliche Verbindungen.
1) Säuren (Essig, Citronensaft, Wein- und Citronensäure mit schleimigen Mitteln und Milch), bei Vergiftungen mit Alkalien und Alkalischen Erden und auch bei narkotischen Vergiftungen.
m) S o h w e f e 1 p r ä p a r a t e. Schwefelblumen und Sohwefelmiich, Sohwefelwasser-stoffwasser, Schwefeleisenhydrat sind bewährte Antidota bei Quecksilber- und Bleivergiftungen. Aber auch bei Vergiftungen mit Kupfer-, Zinn- und anderen Metallsalzen, mit Brechweinstein und Arsenik werden die Mittel empfohlen. Zweck ist, die in Wasser und verdünnten Säuren unlöslichen Verbindungen des Schwefel mit den Metallen (Schwefelblei etc.) herzustellen.
n) Schwefligsaure und unterschwefligsaure Salze. Sie sind Antidota der unterchlorigsauren Salze, welche sie desoxydiren und zu einfachen Chlo-rüren umwandeln, während sie selbst zu schwefelsauren Verbindungen oxydiren.
o) Schwefelsäure und schwefelsaure Salze werden bei Vergiftungen mit Blei- und Barytsalzen und Carbolsäure angewendet. Die ersteren werden in schwefelsaures Blei resp. Baryt, Körper, die unlöslich sind und die letztere in phe-nylsaure Salze, d. h. nicht giftige Körper umgewandelt.
III. Die functionell, physiologisch wirkenden, dynamischen, empi­rischen Gegengifte. Diese Mittel richten sich gegen krankhafte, nach Einverleibung des Giftes auftretende und durch ihre Intensität und Ausbreitung das Leben bedrohende Vorgänge, besonders gegen die Stö­rungen des cerebrospinalen und des Herznervensystems. Ausserdem können auch diejenigen Mittel, welche die Empfänglichkeit für das Gift abstumpfen und diejenigen, welche die Fortschaffung der im Körper latenten Gifte unterstützen, hierher gerechnet werden (Schwefel, Jod­kalium).
Bezüglich der gegen die das Leben bedrohenden meist nervösen Vergiftungszufälle gerichteten Mittel ist zu bemerken, dass gewisse Mittel in ihrer Wirkung in einem solchen Gegensatze zu bestimmten anderen Mitteln stehen, dass sie die Organwirkungen dieser aufheben können. Dieses Verbältniss der Mittel zu einander bezeichnet man als Antagonismus. Dass ein solcher Antagonismus zwischen bestimmteu
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Functionelle Gegengifte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;459
Mitteln besteht, ist absolut zweifellos festgestellt. Dagegen ist die Frage heutzutage noch controvers, ob der Antagonisruus nur ein ein­seitiger, oder ob er ein doppelseitiger ist. Unter doppelseitigem Antagonismus ist ein solches Verhältniss zu verstehen, bei dem die Mitte! ihre Organwirkungen gegenseitig aufheben können, sodass bei­spielsweise Gift a nicht nur ein Antidol für Gift b ist, sondern auch umgekehrt b für a. wie dies ja bei den chemischen Giften, z. B. Säuren und Alkalien vielfach der Fall ist. Früher glaubte man allgemein an den doppelseitigen physiologischen Antagonismus. In neuerer Zeit neigen sich die meisten Autoren der anderen Anschauung zu, d. h. sie bestreiten das Vorkommen eines echten doppelseitigen Antagonismus ganz und gar. Wir geben nachstehend wesentlich die Anschauungen von Rossbach und Falck wieder, obgleich manche Autoren diesen Forschern noch widersprechen. Nach Ross bach giebt es einen doppel­seitigen Antagonismus zwischen den Wirkungen zweier Gifte im Sinne von Plus und Minus nicht. Der Antagonismus ist immer nur ein einsei­tiger, und auch dies nur in einem beschränkten Sinne. Wenn nämlich zwei Gifte auf einen Organtbeil im entgegengesetzten Sinne, das eine lähmend, das andere erregend wirken, dann kann nur das lähmende Mittel die erregende Wirkung des andern Mittels dadurch, dass es die Erregung und Reizbarkeit des Organtheiles herabsetzt, aufheben, während das erregende Gift die vorhergegangene Wirkung eines lähmenden Mittels nicht beseitigen kann. Zur Lebens­rettung kann also nur ein die bedrohten Organe in ihrer Reizbarkeit herabsetzendes und lähmendes Gift dienen. Die Indication für die Anwendung eines Antagonisten ist gegeben in der heftigen das Leben bedrohenden Erregung eines oder mehrerer Organe nach Vergiftung mit einer erregenden Substanz. Das anzuwendende lähmende Gegengift darf aber selbst nur in kleinen Dosen, in denen es die abnorme Erregung der lebenswichtigen Organe der normalen Erregbarkeit u. s. w. zuführt, angewendet werden, weil es sonst durch lähmende Wirkung selbst das Leben bedroht. Man muss also ganz kleine Dosen anwenden und kann diese dann so oft wiederholen, bis der Zweck erreicht ist. — Zu bemerken ist übrigens, dass zwei Gifte, die bezüglich einer Organwirkung Antagonisten sind, dies durchaus nicht auch in ihren anderen Wirkungen sein müssen. So liegen die Verhältnisse nach Rossbach bezüglich der echten Antagonisten. Nun kann aber ein gegenseitiger Antagonismus scheinbar vorhanden sein, wenn ein lähmendes Gift in kleinen Dosen eingewirkt hat, in denen es nur auf den nervösen Endthcil eines Organes, nicht aber den darüber
Ellenberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;qq
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hinaus befindlichen drüsigen oder muskulösen Theil einwirkt. In diesem Falle kann ein erregendes Gift, welches den letzteren Thoil beeinflusst, scheinbar die Vergiftung aufheben. Demnach giobt es ausscr den ech­ten, physiologischen A ntagonisten, d. h. Stoffen, welche auf dieselben Theile der Organe im entgegengesetzten Sinne wirken, auch noch unechte, von Falck „pliarmakologischequot; genannte Antagonisten. In beiden Fällen hebt das lähmende Gift die Wirkung des erregenden auf, im ersteren Falle aber nicht umgekehrt.
Die pharmakologisch en Antagonisten sind nur in ihren Ver­giftungssymptomen antagonistisch. Sie haben aber einen antagonisti­schen Effect aufeinander, trotzdem sie in anderer Weise und auf andere Theile der Organe einwirken. Sie sind also symptomatische Anta­gonisten und auch so zu verwenden. (Beispiele: 1) Wenn ein Mittel von den Nerven aus lähmend auf das Herz wirkt, während ein zweites Mittel erregend das Herz beeinflusst, aber durch directe Muskelwirkung, so sind dies symptomatische Antagonisten, denn das eine Mittel ruft Erregungs-, das andere Abstumpfungs­erscheinungen am Herzen hervor. Die beiden Mittel sind aber keine echten Antagonisten, weil sie nicht in derselben Weise resp. nicht auf dieselben Organtheile wirken. Sie wären dies erst, wenn sie beide im entgegengesetzten Sinne entweder auf den Nerven oder auf den Muskel wirkten. 2) So können z. B, auch zwei Mittel auf die Weite der Pupille im direct entgegengesetzten Sinne wirken, ohne da­rum echte Antagonisten zu sein. Wenn ein Mittel erregend auf den Sympalhicus, das andere erregend auf den Oculomotorius wirkt, dann sind die Mittel symptomatische Antagonisten, weil das eine die Pupille erweitert, das andere sie verengt. Sie sind aber keine echten Anta­gonisten. Dies würden sie nur sein, wenn das eine Mittel erregend, das andere lähmend auf denselben Nerven wirkte (z. B. den Sym­palhicus). Dann erzeugte das eine Mittel Erweiterung, das andere Ver­engerung der Pupille durch echten Antagonismus). Aus diesen Beispielen jst klar ersichtlich, dass die entgegengesetzte Wirkungsäusserung durchaus nicht immer in entgegengesetzter Wirkungsweise beruht. Zwei erregende oder zwei lähmende Mittel können demnach in den Er­scheinungen ihrer Wirkungen als Antagonisten erscheinen, trotzdem sie dies keineswegs sind, trotzdem sie im Gegcntheilo gleichsinnig, d. h. beide erregend, oder beide lähmend wirken. Die antagonistische Wir­kungsäusserung kommt nur dadurch zu Stande, dass die betreffenden Mittel in diesem Falle auf antagonistische Muskeln oder antagonistische Nerven wirken. — Der symptomatische Antagonismus kann, wie leicht
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Punctionelle Gegengifte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;461
ersichtlich, ein doppelseitiger sein. Deshalb muss scharf zwischen den echten und unechten Antagonisten geschieden werden. Symptomatische Anlagouisten sind z. B. Atropin-Physostigmia, Atropin-Campher, Stryehnin-Chloralhydrat, Chloralhydrat-Atropin, Morphin-Atropin u. s. w. Echte Antagonisten sind: Muscarin-Atropin, Pilocarpin-Atropin, Strych-nin-Atropin.)
Von den functionellen Antidoten führen wir nachstehend die wichtigsten auf:
1.nbsp; nbsp;Aether. Dieses Mittel ist als ein Excitans bei Vergiftungen mit Schwäm­men, Wurstgift, Muscheln, Digitalis, Helleborus, Aconit, Kicotin, Veratrin, Coniura, Oxalsäure, Schlangengift, Kloakengas u. s. w. verwendet worden.
2.nbsp; nbsp;Alkohol wird mit Ammoniak und anderen Stimulantien bei Schwäcliezu-ständen, die durch Gifte bedingt sind, bei drohender Herzlähmung, gegen Ghlor-dämpfe, Essigsäure u. s. w. gebraucht.
3.nbsp; nbsp;Amylnitrit gegen die Asphyxie bei Chloroformintoxication und gegen Ergotinvergiftungen.
4.nbsp; nbsp; Atropin. Ilomatropin. Diese Mittel sind empfohlen gegen Pilo-carpin-, Muscarin-, Morphium-, Opiumvergiftungen, wohl auch bei Intoxicationen mit Fliegenpilzen, Calabarbohne und Blausäure. Gegen Muscarin und Pilocarpin ist Atropin ein sicheres Mittel, bei Morphiuinvergiftungen nur, wenn sie nicht hoch­gradig sind. Bei Strychniiivergiftungen erwies sich bei meinen Versuchen das Atropin in jedem Falle in promptester Weise wirksam. — Atropin und Hyoscyamus werden auch als Adjuvautia bei der Bleikolik benutzt. Das Duboisin soll ein Antagonist von Pilocarpin sein.
5.nbsp; nbsp;Brom kali um. Man verwendet dieses Mittel als Antidot bei chronischen Metallvergiftungen, um deren Ausscheidung als ßrommetall zu bewirken, namentlich als Sedativum bei Bleivergiftungen mit nervösen Erregungserscheinungen.
6.nbsp; nbsp;Chloralhydrat. Dieses Mittel ist namentlich in Verbindung mit Brom-kalium ein vorzügliches Antidot bei Vergiftungen mit Strychnin und Picrotoxin und wirkt in diesem Falle besser als Morphium, Caunabis, Curare. Auch bei Methyl-eyanäthinvergiftung ist Chloral wirksam.
7.nbsp; nbsp;Chloroform ist in der Form der Inhalationen bei allen Vergiftungen, die durch Medicamenta tetanica bedingt sind, zu verwenden. Ausserdem wohl auch bei der Bleikolik, bei Harnbeschwerden nach Cantharidenintoxicationen u. dergl.
8.nbsp; nbsp;Coniinum hydrobromicum ist bei Strychnin- und Brucinvergiftungen zu gebrauchen.
9.nbsp; nbsp;Curare dient als symptomatisches Antidot bei Intoxicationen mitTetanicis. Das Mittel vermag den Erregungszustand des Rückenmarks, den diese Mittel er­zeugen, nicht herabzusetzen, sondern nur lähmend auf die Endplatten der moto­rischen Nerven zu wirken.
10.nbsp; nbsp;Ergotin ist gegen Kohlengas- und Amylnitritintoxicationen und die Folgen der toxischen Hyperämie der nervösen Centralorgane empfohlen worden. Bei Chloral- und C'hloroformvergiftungen ist das Mittel nutzlos.
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11.nbsp; nbsp;Eserin (Physostigmin) ist als Sedativum bei Vergiftungs-Tetanus und toxischen nervösen Symptomen, z. B. der Bleivergiftungen zu gebrauchen. Ausser-dem wird das Mittel gegen Atropin- resp. Belladonnaintoxicationen verwendet.
12.nbsp; nbsp;Jodkalium ist ein funotionelles Gegengift in dem Sinne, rtass es die Ausscheidung (eine physiologische Function) gewisser in den Organen depo-nirter Gifte, der Schwermetalle, bewirkt, indem es sich mit diesen zu löslichen Jod-metallen verbindet. Diese werden in den Organen in den flüssigen Zustand über­geführt, gelangen dann zur Resorption und nunmehr mit dem Blute zu den Excreüonsorganen.
13.nbsp; nbsp;Kaffee und Thee. Beide leicht zu beschaffenden Hausmittel wirken durch ihren Cofl'eingehalt functionell und durch den Gerbsäuregehalt chemisch antidotarisch gegen alle Narcotica. Man giebt die Mittel innerlich oder wendet sie in Klystierform an oder benutzt das Coll'ehuim citricum subcutan. Die gewöhn­lichsten Gifte, gegen welche diese Mittel gebraucht werden, sind: Belladonna, Opium, Chloroform, Chloral, Aether, Alkohol, giftige Gase, Carbolsäure, Kreosot, Amyl-nitrit, Phosphor, Antimon, Brechmittel, Tabak, Digitalis, Veratrum u. s. w.
14.nbsp; nbsp;Camp her ist bei toxischen Depressionszuständen, drohender Herzparalyse, Alkohol-, und zur Abstumpfung der Empfänglichkeit bei Cantharidenvergiftungen verwendbar. Im letzteren Falle wird er mit schleimigen und narkotischen Mitteln angewendet. Nutzlos ist er gegen Chloral und Chloroform.
15.nbsp; nbsp;Kalte Begiessungen. Diese Methode ist bei sehr vielen Vergiftungen (mit Gasen, Blausäure, Narcotica etc.), bei Ohnmächten, Scheintod, Bewusstlosig-keit mit Nutzen brauchbar. Bei Blausäurevergiftung sind die kalten Begiessungen und die künstliche Respiration oft sehr wirksam.
16.nbsp; nbsp;Künstliche Respiration ist bei allen Vergiftungen, bei denen die erlöschende oder schon sistirende Respiration mit Eintritt des Todes droht, zu verwenden.
17.nbsp; nbsp;Morphium- und Opiumpräparate gegen Atropin, Daturin, Hyo-scyamin, Alkohol, mit Ammoniak, Euphorbium. Ausserdem als Unterstützungsmittel bei der Bleikolik, bei Brechweinsteinvergiftungen gegen den Brechreiz, gegen In-toxicationen mit Picrotoxin, Veratrum viride, Nicotin u. s. w.
18.nbsp; nbsp;Narcotica überhaupt sind anzuwenden zur Abstumpfung der Empfäng­lichkeit bei allen Krämpfe erzeugenden Mitteln.
19.nbsp; nbsp;Sauerstoff ist bei Vergiftungen mit giftigen Gasen und gegen die toxische Asphyxie zu gebrauchen.
20.nbsp; nbsp;Säuren, verdünnte (Essig, Citronensaft etc.) werden bei narkotischen Vergiftungen verwendet.
21.nbsp; nbsp;Strychnin. Man benutzt dieses Mittel wohl gegen Chloral, Curare, Nicotin und Gifte, welche Muskelparalysen hervorrufen, aber ohne Nutzen.
22.nbsp; nbsp;Transfusion ist als Ilülfsmittel zur Anregung der Lebensthätigkeit resp. der stockenden Organfunctionen, namentlich bei Blutvergiftungen durch Gase, die man mit Aderlässen behandelt hat, zu gebrauchen.
i^m
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Verzeiohniss der Gifte und ihrer Gegengifte.
463
Verzeiohniss der gewöhnlichen Gifte und ihrer Gegengifte.*)
Gifte.
Gegengifte.
Aconitin. Alaun.
Alkalien, kaustische und kohlensaure.
Thierkohle — Gerbsäure. Stimulantien.
Magnesia usta mit Milch. Schwache Lö­sungen von kohlensaurem Ammoniak.
Essig. Citronensaft. Verdünnte Schwefel­säure. Fette und fettige Oele. Ein­hüllende Mittel.
Tannin. Jod.
Brechmittel. Kalte Begiessungen. Kalte Klystiere. Kalte Luft. Künstliches Athmen u. dergl.
Einhüllende Mittel. Tannin.
Wie bei Alkalien. Bei Vergiftungen durch tiinathmungen: Inhalation von Wasser­dämpfen.
Jodjodkalium. Tannin. Atropin.
Jodjodkalium. Tannin. Atropin.
Excitantien.
Eiweiss. Magnesia. Kohlensaure Alkalien. Tannin.
Chlornatrium. Eiweiss. Milch. Ferrum sulfuratum hydratum. BeiChronicität: Jodkalium. Hungercur.
Antidotum Arsenici. Magnesia calcinata. Ferrum sulfuratum hydratum. Thier­kohle. (Seife, Schwefelwasserstoff-wasser und Kalkwasser, Eiweiss, Schleim.)
Antidotum Arsenici. Ferrum. hydrico-aceticum in Aqua.
Antidotum Arsenici.
Tannin. Jodjodkalium. Morphium. Gegen die Schwäche Excitantien, gegen Seh­störungen Physostigmin resp. Extr. fab. Calab. (?)
Alkaloide. Alkohol, Aether.
Aloe. Ammoniak.
Amanita bulbosa. muscaria. Anilin und Nitrobenzin.
Antimon, Antimonchlorid.
Argentum nitricum.
Arsenige Säure.
Arsenigsaure und arsensaure Salze.
Arsensäure. Atropin. Belladonna.
*) Wenn mehrere Gegengifte zu nennen sind, bestimmt die Reihenfolge der­selben ihren Werth. Die mechanischen Wege der Entgiftung sind in diesem Ver­zeichnisse nicht aufgeführt, da sie fast bei jedem difte hätten wiederholt werden müssen. Est ist selbstverständlich, dass event. Emetica, Purganzen etc. in Anwen­dung kommen müssen.
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464
Die giftwidrigen Curmethoden.
Gifte.
Gegengifte.
Blausäure und alle Cyanverbindungen.
Oxysulfuretum ferricum natr. Oxysulfu-
retum ferricum magnesia. (Chlor-Eisen-
Ammoniak.) Atropin. Künstl. Respira-
tion. Kalte Uebergiessungen. Kalte
Klystiere.
Bleizucker. Bleiessig.
Natrium sulfuricum. Magnesia sulfur.
Natr. phosphor. Verdünnte Schwefel-
säure. Eiweiss. Milch. Thierkohle.
Gerbsäure. Hydratisches Schwefeleisen.
Jodjodkalium bei Chronicität.
Blei, kohlensaures.
Mischung von Essig und schwefelsaurem
Katron.
Brechweinstein.
Gerbsäure. Abkochung von Eichen- und
Chinarinde. ^Magnesia, Alkalien,Schwe-
felverbindungen.)
Brom.
Stärkemehl, Weizenmehl. Eiweiss. Magne-
sia. Bei Vergiftung durch Einathmung:
Wasserdämpfe. (Ammoniak, Schwefel-
wasserstoff.)
Canthariden.
Alkalien. Campheremulsion. Morphium.
Behandlung des Darmleidens.
Carbolsäure.
Schwefelsäure. Schwefelsaures Natron.
Calcar. carbon, praecipit. Zuckerkalk.
Eiweiss.
Chlorbaryum.
Schwefelsaures Natrium. Schwefelsaure
Magnesia.
Chlordämpfe.
Einathmungen von Wasserdämpfen, wohl
auch von Ammoniak, Schwefelwasser-
stoff.
Chloroform, Chloral.
Sauerstoff. Strychnin (?). Künstliche Re-
spiration. Kaltes Wasser.
Chromsäure.
Eiweiss. Magnesia.
Chromverbindungen.
Magnesia. Kali carbon. Eisenoxydhydrat.
Kalium chrom. et bichrom.
Acetas ferri.
Co ff ein.
Jodjodkalium.
Colchicin (Herbstzeitlose).
Gerbsäure.
Coniin (Schierling).
Gerbsäure.
Curare.
Künstliche Respiration.
Cytisin (Goldregen).
Jodjodkalium.
Datura Stramonium.
Wie bei Atropin.
Digitalin (Fingerhut).
Gerbsäure. Excitantien.
Drastica überhaupt.
Symptomatische Behandlung (Schleim,
Oel, Milch, Eiweiss), Einreibungen.
Klystiere u. s. w.
.
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Verzeichaiss der Gifte und ihrer Gegengifte.
465
Gifte.
Gegengift
Eisenvitriol, Eisenohlorid.
Emetin.
Essigsäure. Weinsäure. Citronensäure.
Natr. carbon. Magnesia. Eiweiss. Zucker­kalk.
Tannin.
Magnesia. Kohlensaure Alkalien. Kohlen­saurer Kalk etc. Eiweiss. Milch. Sei­fenwasser.
Eiweiss mit Magnesia (Ferr. sulfur.).
Tannin.
Stärke. Eiweiss. Weizenmehl. Magnesia.
Stärke. Eiweiss. Weizenmehl. Magnesia.
Symptomatische Cur (Chloroform, Mor­phium bei Krämpfen, Excitantien bei drohenden Paralysen).
Höllenstein. Schleim.
Kalilösung. Eiweiss. Magnesia. Schleim.
Kali (1 : 60—100). Magnesia. Schleim.
Magnesia usta. Eiweiss. Ferrocyankal. Ferr. sulfur.hydrat. Milchzucker. Trau­benzucker. Honig. Rohrzucker. Lima-tura ferri, argenti, zinci. Kohle. Natr. bicarbonioum. Eiweiss. Syrup. — Bei Chronicität: Schwefelsäure. Salmiak. Diuretica.
Ferro-kalium cyanatum flavum und Jod­kalium.
Atropin, Tannin und gerbstoffhaltige Ab­kochungen.
Tannin. Chlorwasser (?).
Tannin und Jodkalium. Kaffee. Eiweiss.
Reizmittel.
Atropin. Tannin. Gerbstoffhaltige Ab­kochungen.
Zuckerkalk. Kohlensaurer Kalk. Kreide. Kalkwasser. Magnesia. Opiate. — Bei Erbrechen: schleimig - ölige Mittel. Gegen Collaps: Erregungsmittel (Kaf­fee, Aether, Campher etc.)
Unreines Terpentinöl. Cupr. sulfuri-cum et carbonicum. Unterchlorigsaure Magnesia mit freier Magnesia. Stärke, Mehl, Eiweiss, wenn das Brechmittel Cupr. sulf. zu spät kommt.
Atropin.
Goldchlorid.
Höllenstein, s. Argent, nitr.
Hyosoyamin (Bilsenkraut).
Jod.
Jodoform.
Kokkuskörner.
Kochsalz. Kreosot. Krotonöl. Kupfersalze.
Metallsalzvergiftungen überhaupt.
Morphium.
Mutterkorn. Nicotin (Tabak). Nitroglycerin. Opium.
Oxalsäure.
Phosphor.
Physostigmin und Muscarin.
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466
Die giftwidrigen Curmethoden.
.
Gifte
•
Gegen gifte.
Pilze und SclnvKmme.
Symptomatische Behandlung.
Quecksilberchlorid und -
oxyd.
Eiweiss. Milch. Kleber. Ferr. sulfurat. hydrat. Kohle. Eisenfeile. Limatura ferri auri, Limat. ferri et argenti. (Magnesia, metall. Quecksilber etc.) Bei Chronicität: Jodkalium, Diapho-retica. Symptomatische Cur.
Ranunkeln.
Ammoniak. Schleim.
Rhus.
Gelsemium — Sassafras.
Sabina.
Nach den Brechmitteln folgt S3rmptoma-tische Cur.
Salpeter.
Behandlung der Gastroenteritis und Er­regungsmittel. Besteht kein spontanes Erbrechen, dann ein Brechmittel.
Santonin.
Aether.
Säuren (Schwefelsäure,
Salpetersäure,
Magnesia usta. Kohlensaures Natron.
Salz-, Phosphorsäure
etc.).
Kohlensaurer Kalk. Kreide. Eier­schalen. Eiweiss. Milch. .Seifenwasser. (Nachbehandlung: Morphium gegen Erbrechen; schleimige Getränke, kalte Umschläge etc.)
Schwefelkalium und Schwefelnatrium.
Zinksulfat (als Brechmittel und Antidot.
Chlorwasser).
Schwefelwasserstoff.
Chlor (inhalirt). Atropin.
Schierling. Cicuta virosa, ebenso Ae-
Excitantien.
thusa cynapium u. Oenanthe crocata.
Septische Gifte.
S. Meth. antisept.
Solanin.
Kohlensaure Alkalien.
Strychnin und Brucin.
Tannin. Galläpfel. Brombromkalium. Jodjodkalinm. Jodtinctur. Atropin. Morphium. Aether. Chloroform.
Thierische Gifte (Bienen- und Schlan-
Chlorwasser. Salmiakgeist. Kali hyper-
gengift).
mangan. und Liqu. kali. Excitantien. Diuretica und Diaphoretica. Sympto­matisches Verfahren.
Unterchlorig saure Alkalisalze.
Eiweiss. Magnesia.
Veratrin (weisse Nieswurz etc.).
Jodjodkalium. Excitantien.
Wurstgift.
Symptomatische Behandlung.
Zinksalze.
Gerbsäure und gerbsäurehaltige Flüssig­keiten. Kohlensaure Alkalien. Eiweiss. Milch.
Zinnverbindungen.
Magnesia. Eiweiss. Milch.
Das Anthrax-, Wuth-, Rotzgift u. a. gehören nicht hierher.
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Die sonstigen allgemeinen Curmetlioden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 467
B. Die sonstigen allgemeinen Curmetlioden.
Einleitung. Die allgemeinen Curmetlioden, welche verschiedene
Gewehe. Organe, Flüssigkeiten etc. des Tliierkörpecs in gleicher oder ähnlicher Weise beeinflussen, differiren nicht nur in der physikalischen, mechanischen oder chemischen Wirkungsweise, sondern auch in Bezug auf die nächsten und entfernteren Heilzwecke erhehlich.
In den physikalischen Curmetlioden werden die verschiedenen physikalischen Kräfte zu Heilzwecken verwendet: die Wärme bez. Kälte zu örtlicher und allgemeiner Veränderung der Temperatur und ihren meist reactiven. functionellen Folgewirkungen, die Electrici-tät weniger direct der elektrischen Wirkungen (Electrolyse) wegen, als vielmehr ihrer physiologischen Folgewirkung wegen, auf Muskeln und Nerven. Ganz unbedeutend ist die therapeutische Verwendung von Licht und Schall.
Sehr vielfach und mannichfaltig verwendet die Therapie mecha­nische Einwirkungen, die mechanischen Curmetlioden. zu Heilzwecken. Sie erfolgen am meisten durch gewisse Handgriffe und Handfertigkeiten. durch Instrumente, durch Verbände und Maschinen und bezwecken zu­nächst auf den Ort der Einwirkung beschränkte Veränderungen des Zusammenhanges (Trennungen lurch Operationen verschiedener Art und Vereinigungen durch Verbände), der Form und Gestalt (Erweiterung und Verengprung durch Operationen). Veränderung der Lage. Richtung oder des Ruhezustandes (Einrichtung. Reposition, Lageberic.htigungen, Entleerungen) u. s. w. Bei andern wird die weitere örtliche und allgemeine Wirkung. Anregung der Resorption und Circulation beab­sichtigt (Massage und Bewegung). Alle die zahlreichen ersterwähnten therapeutischen mechanischen Eingriffe lassen sich kaum oder nur gezwungen zu fundamentalen Curmetlioden zusammenfassen und er­fordern eine besondere genaue Abhandlung, die über den Rahmen der allgemeinen Therapie hinausgeht und dem Herkommen gemäss der Akiurgie, Chirurgie, der Verbandlehre und der Geburtshülfe vorbehalten wird. Nur die Methoden der Massage und der Bewegung mögen hier Platz finden. Eine Reihe anderer allgemeiner Heilmethoden beruht auf der Verwendung chemischer Einwirkungen (über chemische Einwir­kung, s. Heilmittel, I. Th.). Bei einigen derselben bezweckt man ört­lich begrenzte Veränderungen der Dichtigkeit, des Aggregatzustandes (Verdichtung. Auflockerung. Verflüssigung oder Austrocknung) oder des Ueberzuges (Einhüllen, Bedecken, Schlüpfrigmachen). Die hierher gehörigen Methoden, die adstringirende, verengernde, coagulirende, die erweichende und auflösende und die deckende, einhüllende Methode werden den mechanischen Methoden folgen.
Die allgemeinen auf Stoffzufuhr, Stoffersatz und Sloffentziehung bezüglichen Kuren werden als diätetische Kuren zusammengefasst; dagegen sollen diejenigen Methoden, welche speciell die Entziehung von Blut und den Wiedersatz von verloren gegangenem oder ungeeignetem
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468nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Anwendung von Kälte und quot;Wärme.
bez. verdorbenem Blute direct durch Aderlass resp. Transfusion be­zwecken, unter den speciclien Curmethoden abgehandelt werden.
1. Anwendung von Kälte und Wärme.9)
Die therapeutische Verwendung von Kälte und Wärme geschieht meist mittelst verschieden temperirten Wassers. Zwar lässi sich auch durch kalte und warme Luft auf den kranken Thicrkörper ein­wirken, aber einerseits ist deren Wirkung in Folge des schlechteren Wärmeleitungsvermögens eine viel geringere als beim Wasser (vergl. die Einwirkung eines Wasserbades gegenüber einem Luftbade von der­selben Temperatur), andererseits ist die künstliche Temperirung der Luft eine viel umständlichere als beim Wasser, namentlich die Ver­wendung kalter Luft in heissor Jahreszeit nur unvollkommen zu er­möglichen. Endlich kommt noch hinzu, dass die Einwirkung der Luft sich nicht auf einzelne Theile beschränken lässt. Aus diesen Gründen findet im Wesentlichen nur die kalte Luft als diätetisches Unter­stützungsmittel, namentlich bei schweren fieberhaften, bei infectiösen Krankheiten, bei Gongestionen nach Kopf und Lungen Verwendung, so weit man sie ohne besondere Vorrichtungen, durch ergiebige Ventilation der Stallräume, Auswahl schattiger Ställe, von Scheuntennen, durch Aufenthalt im Freien besonders in der Nacht einwirken lassen kann.
Die Lehre von der therapeutischen Verwendung verschieden temperirten Wassers wird meist als Hydrotherapie, auch Hydropathie zusammengefasst. Das Wasser ist als Heilmittel schon im Alterthum, theihveise sogar schon S3'stematiscli in Form von Kaltwasserouren, dann weiter in verschiedenen Formen und zu ver­schiedenen Zwecken in der Medicin benutzt worden. Eine allgemeinere Beachtung l'and dasselbe jedoch erst wieder in diesem Jahrhundert durch das Verfahren des Bauern Vincenz Priessnitz in Gräfenberg (Oestreich. Schlesien), der, durch Beobachtungen über die günstigen Wirkungen des Wassers bei kranken Thieren und eigenen Leiden angeregt, das Wasser als Universalheilmittel gegen alle Krank­heiten in den verschiedensten Formen verwendete. Seine Erfolge hatten eine ausser-ordentliche Verbreitung der sogen. Wassercuren zur Folge und zwar sowohl im Laienpublikum als auch unter den Aerzten, ohne dass zunächst das auf humoral-pathologischen Anschauungen fussende empirische Verfahren eine genügende wissen­schaftliche Begründung erhalten hätte. Dieselbe ist erst in der neueren Zeit durch Versuche und genaue Beobachtungen zum Theil erreicht worden, während mannig­fache Misserfolge die Verwendung des Wassers als Universalheilmittel erheblich eingeschränkt haben.
In der Thierheilkunde hat die Hydrotherapie niemals die Ausbreitung ge-
*) Die Capitol über die Anwendung der Kälte, Wärme, Electricität, Bewegung und Massage sind von Prof. Siedamgrotzky bearbeitet worden.
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Kältecuren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;469
funden, wie in der humanen Medinin, einerseits weil die innerliche dauernde An­wendung sich nicht erzwingen lässt, andererseits die Benutzung von Voll- und beschränkten Bädern, ausgedehnten Umschlägen etc. ziemlich umständlich oder theilweise nicht durchführbar ist. Trotzdem wird das Wasser auch in der Thier-heilkunde schon wegen seiner Billigkeit viel benutzt, namentlich bei äusseren Krankheiten.
I. Verwendung der Kälte.
Die physiologische Wirkung der Kälte ist eine überaus verschie­dene, je nach dem Grade derselben, der Dauer und Ausdehnung ihrer Anwendung.
Bei örtlich begrenzter Anwendung von kalten [Jmschlägen mittleren Grades erfolgt nicht nur eine physikalische Abkühlung der betroffenen Theile, sondern es werden auch Gontractionen der orga­nischen Muskulatur der Haut und Gefässe angeregt, welche eine Weg­drängung des Blutes und der Säfte aus den peripheren Theilen und damit eine weitere Verminderung der Temperatur, sowie eine Herab­setzung der gesammten Stoffwechselvorgänge veranlassen. Namentlich macht sich dieser Einfluss bemerkbar bei krankhaft erhöhter Biutzufuhr und Anhäufung, ferner wenn besonders die zuführenden Blutgefässe der Kälteeinwirkung ausgesetzt werden. Dieser Zustand hält längere Zeit an, überdauert sogar die Einwirkung, wenn nicht sehr bedeutende Kälte­grade (Eis, Kältemischungen) angewendet werden. Im letzteren Falle folgt der sehr starken Contraction der organischen Muskulatur sehr bald eine Lähmung derselben; der Gefässtonas geht verloren und eine träge Circulation mit passiver Anhäufung des Blutes in den Capillaren geht dem schliesslichen Absterben (dem Erfrieren) voraus.
Wirkt die Kälte nur vorübergehend ein. wie dies namentlich stattfindet bei seltener gewechselten und durch üeberdeckung sich all-mälig erwärmenden kalten Umschlägen, so tritt zwar zunächst ebenfalls Abkühlung und Verengerung der Gefässe ein, bald folgt aber Erschlaf­fung der organischen Muskulatur und Erweiterung der Gelasse. Nament­lich in der Haut (aber auch in den unterliegenden Theilen) erweitern sich dieselben; sie röthet sich und wird saftreieher etc. Durch diese Wirkung gelingt es nicht nur Blut und Säfte in die peripheren Bahnen abzuleiten und damit tiefer liegende zu entlasten, sondern auch die Hautausscheidungen anzuregen. Bei häufigerer und länger andauernder Einwirkung wird dabei die Circulation so lebhaft unterhalten, dass eine Aufsaugung selbst festerer Exsudate erzielt werden kann.
Bei ausgedehnterer Anwendung der Kälte auf einen grösseren Theil der Körperoberfläche werden, je nachdem der Körper durch Ver-
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470
Anwendung von Kälte.
weiohlichung empfindlicher oder abgehärteter ist, durch den Kältereiz nervöse reflectorische Erscheinungen, namentlich Zittern und Con-tractionen der Körpermuskeln, Vertiefung und Verlangsamung der Athemzüge, auch der Herzcontractionen veranlasst. Durch die Ver­engerung der Gefässe in den äusseren Gebieten entsteht eine Ver­drängung des Blutes nach den inneren Organen und Steigerung des Blutdruckes daselbst. Auf die Körpertemperatur wirkt äusserlich an­gewendete Kälte verschieden ein, je nach dem Grade und der Dauer derselben. Bei Anwendung massiger Kälte von nicht zu langer Dauer bleibt die Temperatur constant oder steigt sogar um ein Geringes, und zwar z. Th. in Folge einer Steigerung der Oxydationsprocesse im Körper, z. Th. in Folge der Verminderung der Wärmeausstrahlung. Dauert jedoch die Kälteeinwirkung länger an oder kommen niedrigere Tempe­raturen zur Anwendung, so sinkt die Körpertemperatur allmälig herab und zwar schneller bei kleineren, bei verweichlichien. kranken Thieren namentlich mit krankhaft erhöhter Temperatur. Diese Herabsetzung überdauert die Einwirkung stets ura mehrere Stunden, dann steigt sie wieder und zwar bei gesunden Thieren über die normale Höhe hinaus. Versuche haben ferner gelehrt, dass kalte Bäder nur den Fettumsatz, nicht aber den Fiweissumsatz steigern, bei längerer Anwendung aber mit dem Fettumsatz auch der Eiweisszerfall sinkt, auch bei Fiebernden. Die Hautausscheidung vermindert sich während der Kälteeinwirkung, steigt nachher aber um so stärker an; entgegengesetzt die Urinausscheidung.
Indicationen. Die Kälte findet vortheilhafte Verwendung bei sehr verschiedenen Krankheiten und zwar nicht nur wegen ihrer unmittel­baren, sondern auch ihrer secundären Wirkungen. Wegen erster Wir­kung der Verminderung der Temperatur und der Blut- und Säftemenge kommt sie zur Anwendung in folgenden Krankheiten:
1. Blutüberfüllungen. Sowohl bei den activen Congestionen, als auch bei den passiven Blutanschoppungen nicht zu tief liegender Theile veranlasst Kälte eine Verengerung des ganzen Gefässgebietes und damit eine Ausgleichung der Störung.
quot;2. Entzündungen. Früher legte man bei der Anwendung der Kälte bei Entzündungen das Hauptgewicht auf die Herabsetzung der erhöhten Temperatur, der Hitze im Entzündungsherde; jetzt dagegen, wo wir wissen, dass diese Wärmeerhöhung nur unbedeutend (0.5 bis 0.8deg;) ist und nur subjectiv überschätzt wird, müssen wir in der ver­dichtenden Wirkung der Kälte, in der durch sie bewirkten Gefässcon-traction und Anämie und weiterhin in der Herabdrückung des krank­haft gesteigerten Stoffwechsels den günstigen Einfluss suchen. Aller-
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;471
dings ist die kühlende Behandlung der Entzündungen in der jüngeren Zeit etwas eingeschränkt worden, seitdem wir bei verschiedenen Entzün-dungeft als Ursache Infectionsstoffe erkannt und in der desinficirenden Behandlung eine bessere und radicalere Beeinflussung kennen gelernt haben. — (cf. antiphlogist. Methode.)
3.nbsp; nbsp; Blutungen. Kälte bewirkt schnellere Gerinnung des aus­tretenden Blutes und Verengerung der Gefässe; sie genügt deshalb als überall verwendbares Blutstillungsmittel, namentlich bei capillaren und venösen Blutungen (s. adstringirende Methode).
4.nbsp; nbsp;Schlaffheit des organischen Gewebes. Krankhafte Schlaff­heit des Bindegewebes wird nur bei langer Anwendung der Kälte ge­mindert; dagegen wird aber die organische Muskulatur schnell zur Contraction gebracht, deshalb benutzen wir Kaltwasserklystiere bei grosser Trägheit, namentlich der Dickdarmmuskulatur, Eiseinbringang bei Mastdarmvorfällen, Kaltwasserirrigationen bei Schlaffheit des Uterus etc.
5.nbsp; nbsp; Gährungen. Alle Gährungen vollziehen sich nur bei erhöhter Temperatur; sie werden aufgehalten durch Kälte. Deshalb bilden Kalt-wasserübergiessungen oder geradezu das Eintreiben der Tliiere in Wasser ein seit Alters her gebräuchliches wirksames Mittel bei tympanitischen Auftreibungen des Hinterleibes in Folge von Gährungen des Magen-Darminhaltes bei der Trommelsucht der Wiederkäuer, der Windkolik der Pferde.
6.nbsp; nbsp;Fieber. Die abkühlende Methode ist namentlich bei acuten In-fectionskrankheiten mit hohen Temperaturen angezeigt. Beim Milzbrand­fieber sind z. B. seit langer Zeit energische Kaltwasserübergiessungen als sehr wirksam bekannt; aber auch bei anderen liifectionsfieberu, Influenza etc., selbst bei hohen entzündlichen Fiebern (Brustfell-. Lun­genentzündung) ist in neuerer Zeit mehr und mehr die kühlende Behandlung als erfolgreich erkannt worden. (Siehe weiter die fäulniss­widrige Methode.)
Wegen der seeundären Wirkungen auf die Haut, der nach vor­übergehender Kälteeinwirkung entstehenden Erschlaffung der Gefässe. stärkeren Füllung mit Blut, gesteigerter Circulation und Resorption findet die Kälte in Form der sogenannten Priessnitzumschläge Anwendung
7.nbsp; nbsp;als Ableitungsmittel bei Entzündungen tiefer liegender Theile, namentlich Lungen-, Brustfell-, Darm-, Bauchfellentzündung etc.
8.nbsp; nbsp;als resorptionsbeförderndes Mittel bei schleichenden Ent­zündungen gefässarmer Theile, welche durch krankhafte Vermehrung des interstitiellen Gewebes zu Verhärtungen, Verdichtungen, Verkür-
ocr page 492
472nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Anwendung von Kälte.
zungen etc. neigen. Die Kälteeinwirkung mit nachfolgender Erwärmung steigert bei längerer Anwendung die träge Circulation, befördert die Aufsaugung faserstoffigen und zeiligen Exsudates und verhindert jene üblen Ausgange. Wenn auch nicht, wie Laien vielfach glauben, das Wasser hierbei eindringt und die Exsudate löst, so begünstigen doch derartige Umsehläge, bei denen gleichzeitig Verdunstung und Verdich­tung durch Wärmeabgabe abgehalten wird, das Baden des Gewebes in der eigenen Gewebsflüssigkeit.
Kühlende Mittel. 1. Eis. Schnee. Indem das Eis oder der Schnee am Körper schmilzt, kommt eine beträchtliche und annähernd gleichmässige Wärmeentziehung zu Stande, die sich auch namentlich in tieferliegende Tiieile erstreckt. Da in Folge langer und intensiver Kälteeinwirkung eine Erschlaffung der Gefässe und damit eine passive Blutanhäufung bewirkt wird, so wird Eis seltener bei oberflächlichen Entzündungen verwendet, wohl aber bei tiefer liegenden, die von Wasser-abküblung nicht oder nicht genügend getroffen werden, namentlich Knochenhautentzündungen, Meningiten etc., ferner bei Blutungen.
Die Anwendung geschieht entweder so, dass Schnee oder fein zerklopftes Eis unmittelbar aufgelegt und durch Verbände festgehalten wird, oder dass man dasselbe in nicht zu dicke Compressen, leinene Säckchen oder in undurchlässige Beutel (Eisbeutel, Kühlkappe) etc. packt und am Körpertheil befestigt. Die An­wendung von Eislappen, d. h. feuchte Lappen, welche abwechselnd auf Eis gelegt werden, ist meist zu umständlich. In Mastdarm, Scheide, Uteras werden mit der Hand durch Abthauen abgerundete Eisstücke direct gebracht.
2.nbsp; nbsp; Kältemischungen von Salzen, welche angefeuchtet unter Wärmebindung sich lösen (so die Schmuckerschen Umschläge von Sal­peter mit Salmiak oder Kochsalz in eine leinene Comprcsse gepackt und befeuchtet), werden bequemer durch Eisuraschläge ersetzt.
3.nbsp; nbsp; Kaltes Wasser. Als billigstes und bequemstes Mittel findet es Anwendung in der verschiedensten Form. Die Temperaturgrade des zu Gebote stehenden Wassers sind natürlich sehr verschieden: Brunnen­wasser hat meist Temperatur von -f- 10—14 0C., Flusswasser je nach Jahreszeit von O0—27deg; C, stehendes Wasser von 0deg;—30deg; C. Durch Zusatz von Eisstückchen, Schnee lässt sich Wasser auf 6 — 0deg; C. ab­kühlen.
a) Allgemeine Bäder. Sie kommen mehr diätetisch (Schwem­men in Flüssen, Teichen etc.) zur Anwendung, als therapeutisch. In letzterer Beziehung ist das Eintreiben ganzer Schafheerden bei Tympa­nitis zu erwähnen, wobei allerdings ein Theil der dyspnoeischen Thiere durch Zurückdrängen des Blutes nach Innern Organen zu Grunde geht. An Stelle der bei kranken Thieren nicht auszuführenden Bäder benutzt man kalte üebergiessungen oder Berieselungen des Gesammt-körpers, namentlich beim Milzbrand, bei hohen Infectionsfiebern, bei gefahrdrohender Tympanitis am besten in der Weise, dass gut durch-
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 473
nässte, leinene Säcke und Decken über den Körper gehängt und immer­fort mit kaltem Brunnenwasser begossen werden, bis zum Versehwinden der gefahrdrohendcnd Erscheinungen. Nachträglich ist gutes Trocken-F€-iben und massiges Bedecken erforderlich, um die Entstellung von Er­kältungskrankheiten zu verhüten.
b)nbsp; nbsp; Kaltes Getränk. Die Aufnahme kalten Wassers in den Quantitäten, wie sie unsere grösseren Pflanzenfresser aufzunehmen pfle­gen, bewirkt nicht nur subjective Minderung des Hiizegefübls, sondern auch allgemeine Temperaturherabsetzung. Sie wäre deshalb bei allen erheblicheren Fiebern ein sehr wirksames Heilmittel, leider haben wir keinen directen zur Wasseraufnahme animirenden Einfluss und müssen deshalb nur Sorge dafür tragen, dass den Thieren immer frisches Trink­wasser zum freiwilligen Genüsse zu Gebote steht. Bei Maulentziindungen, Angina, bei Starrkrampf muss man stets für kaltes Getränk sorgen: die Thiere spülen sich darin zum Mindesten das Maul aus, vermindern das Hitze­gefühl und entfernen die sich zersetzenden Speichel- und Puttermassen.
c)nbsp; nbsp;Kalt wassereinfüllungen (Irrigationen) in Mastdarm (Kly-stiere), in Scheide und Uterus (sog. Uterusdouchen) haben allgemeine und örtliche Einwirkungen. Namentlich finden die ersteren Anwendung bei grosser Fieberhitze wegen ihrer bedeutenden Herabsetzung der Tem­peratur; sie sind für den Thierarzt werthvoller als kaltes Getränk, weil man unabhängig vom Durste der Thiere beliebig grosse Mengen in öfterer Wiederholung anwenden kann. Stets darf man nur von grösseren Mengen (5—15 L.) und öfterer, stündlicher bis halbstündlicher Anwendung eine Allgemeinwirkung erwarten. Oertlich wirken sie schon in geringerer Menge direct durch Abkühlung günstig bei Entzündungen, Blutungen, ferner durch reflectorische Anregung der Muskulatur beim Darniederliegen der Darmbewegung, bei Schlaffheit des Uterus, Zurück­bleiben der Nachgeburt etc.
Zur Anwendung benutzt man selten noch Spritzen (Klystier-, Saugdruck-, Mutterspritzen), sondern meist einen sogen. Irrigationsapparat, den man sicli auch leicht in der Weise herstellen kann, dass man an einem an der Spitze abgerundeten Holzrohre (30 cm 1., 2 cm d.) einen Gummischlauch befestigt und diesen an einen grösseren Trichter oder ein Blechgelass anschliesst. NacMem das Rohr in Mast­darm, Uterus etc. eingeführt ist, füllt man das Wasser durch geringere oder stärke Hebung des Gefässes langsamer oder schneller ohne jede Belästigung ein.
d)nbsp; nbsp;Kalte locale Bäder finden wesentlich nur Anwendung bei entzündlichen Leiden an den Fussenden. Das Einstellen der Thiere in Flüsse. Bäche und Teiche erfordert eine gewisse Vorsicht, da sich hier­bei die Thiere (in Folge der Verdunstungskälte über Wasserflächen. des sogen. Ziehens am Wasser) leichter erkälten. Auflegen von Decken ist beim längeren Einstellen nicht zu unterlassen. Vielfach bequemer ist bei ruhigen Thieren das Einstellen der betreffenden Gliedmasse in Kästen. Eimer, Fässer, Kautschuckstiefeln, deren Wasserinhalt öfter erneuert wird.
e)nbsp; nbsp;Berieselungen, üeberströmungen, Irrigationen einzelner Theile bewirken eine sehr gleichmässigc Abkühlung, lassen sich lange
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474nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anwendung von Kälte.
furtsetzen, ohne besondere menschliche Abwartung zu verlangen und finden deshalb jetzt in ausgedehntem Maasse Anwendung bei Entzün­dungen in den Hufen, Gelenken, Sehnen etc. an den Fussenden der Pferde, aber auch am Kopfe (Gehirnentzündungen) und am Rumpfe.
Die Hersteffung ist einfach genug. Ein 2—3 Meter langer Gummischiauch wird am unteren Ende verkorkt und zugebunden, die darüber befindfiche Strecke wird mit einer glühenden Nadef durchlöchert und locker umgebunden; das obere Ende wird mit einem höher stehenden Wasserreservoir (Eimer, Fass, auch direct mit einer Wasserleitung) verbunden, bei Eimern, indem man es heberartig über den Eimerrand hängt (wobei man um Knickungen zu vermeiden, ein geknietes Biei-oder Blechrohrstück einschaftet), bei Fässern durch Verbindung mit einem Hahne oder einer im Spund steckenden Holzröhre. Demsefben Zwecke dienen die fertig zusammengestellten und theureren Gummikühfapparate (Irrigatoren).
Der von Leiter erfundene Kühlapparat besteht aus biegsamen verzinnten Metallröhren von 3—6 mm Dicke, weiche in einer Ebene aber in verschiedenen Formen (scheibenförraig, ovaf) zusammengebogen wurden; an beiden Enden werden dünne Gummischläuohe befestigt, so dass, wenn das eine mit einem höher stehenden Wasserbehälter oder der Wasserleitung verbunden ist, das Wasser, nach­dem es sämmtliche Spiralwindungen durchflössen, am unteren Ende ausfliesst. Die Spiralen lassen sich beliebig biegen und so an viele Stellen des Körpers dicht an­legen; man hat demnach eine flache Kühlschlange vor sich, die den unterliegenden Körpertheilen intensiv Wärme entziehen kann. Leider bewirken unsere Thiere durch ihre Bewegungen leicht Verbiegungen und Knickungen der Metallröhren, so dass sie nicht gleichmässig anliegen oder nicht mehr passirbar sind.
f)nbsp; nbsp; Kalte Waschungen sind umständlich und sehr ungleichmässig kühlend. Besser werden sie ersetzt durch kühlende Wasserum­schläge, deren Wirkung allerdings auch niemals eine gleichmässige ist und eine häufigere, Vi—'/.j stündliche Befeuchtung erfordert. Man benutzt hierzu ausgewaschene (leicht das Wasser annehmende) Leinwandlappen, mehrfach zusammengelegt, Schwämme, auch Rasenstücke. Besonders muss darauf geachtet werden, dass sie nicht schnüren und nicht zu dick sind, damit sich die kühlende Wirkung nicht blos auf die ausse­ien Schichten beschränkt. Künstliche Abkühlung des Wassers durch Eis und Schnee ist wünschenswerth.*)
g)nbsp; nbsp;Erwärmende Kaltwasserumschläge sogen. Priessnitz-umseh läge. Sie bestehen in kaltnassen Umschlägen, deren Oberfläche überdeckt wird, um Verdunstung und Verdunstungskälte zu verhüten. Ihre Wirkung ist eine mehrseitige. Durch häufige Erneuerung (['., stünd­lich) ausgedehnter Umschläge am Rumpf erreicht man eine Herab-drückung der Gesammttemperatur ohne Gefahr, eine Erkältung zu
*) Vergleichende Versuche Bayer's (während der Drucklegung in der Revue f. Thierhlkde u. Thierzuoht veröffentlicht) über die Einwirkung der verschiedenen Kältemittel auf unter die Haut geschobene Thermometer ergaben die stärkste Ab­kühlung durch Irrigation (— quot;23,8quot;), dann abnehmeud durch Aethorzerstäubung (— 15,2deg;), Eisbeutel (—8,4deg;), Leiter's Wärmeregulator (—7,2quot;). Waschungen (— 5,3quot; bei behaarter, — 1,9quot; bei unbehaarter Haut), Lehmanstrich (— 3,2quot;), Um­schläge (— 3quot;, beide kurz andauernd).
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;475
veranlassen. Zu dem Zwecke benutzt man ihn namentlich bei hohen Fiebern, bei Pleuritis und Pneumonia. Bei seltnerer Erneuerung be­wirkt der Umschlag in der oben geschilderten Weise eine Hyper-ümie der Haut und der unterliegenden Theile, die besonders be­nutzt wird zur Ableitung bei tiefer liegenden Entzündungen (Angina, Pleuritis, Peritonitis etc.). Weiterhin werden bei äussern Leiden die Priessnitzumschläge verwendet, namentlich bei schleichenden zur Verhär- . tung neigenden Entzündungen, zur Anregung der Circulation und Re­sorption, zuweilen auch zur Reifung von Abscessen etc. (s. auch Wärme).
Die Anlegung geschieht in der Weise, dass man leinene Tücher oder Lappen in kaltes Wasser eintaucht, gut durchziehen lässt, dann ausringt, an den Kör-pertheil (der auch noch mit Schwamm angefeuchtet werden kann) gut anschmiegt und dann mit wollener Decke und wollenen Binden bedeckt. Um die Verdunstung zu vermindern und das Feuchtwerden der wollenen Decke zu verhüten, bringt man mit Vortheil zwischen beide Lagen eine undurchlässige Schicht von Guttapercha­papier, Oelleinwand, Wachsleinwand etc. ein. Die Erneuerung, d. h. Anfeuchtung des nassen Umschlages geschieht je nach Zweck in ', .2 bis 3 Stunden.
h) Der Kaltwasserstrahl, die Douche. Beim Wasserstrahl wirkt weniger die Abkühlung des betreffenden Theiles als die starke Erregung der Nerven, die um so grosser ist, je kräftiger der Strahl einwirkt. Er wird im Ganzen selten angewendet und zwar auf den Kopf bei Ohnmächten und Betäubungen (Alkohol-, Opium-, Chloro­formvergiftung) oder bei peripheren Lähmungen und rheumatischen (Schulter-) Lahmheiten mit nachfolgender starker Frottirung und Ein­hüllung der gedouchten Theile. Wo eine Wasserleitung nicht zu Ge­bote steht, benutzt man eine Gartenspritze, und zwar stellt man sie in der Entfernung auf, dass der Wasserstrahl bereits zerstäubt, aber noch mit einer gewissen Kraft einwirkt.
4.nbsp; nbsp; Verdunstungskälte. Auch auf der Körperoberfläche lässt sich die durch den üebergang eines Stoffes aus den flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand entstehende Verdunstungskälte erzeugen; bei der Verdunstung wird der Unterlage mehr oder weniger schnell Wärme entzogen. Die eine Zeit lang gebräuchliche Aetherzerstäu-bung auf die Haut erzeugt sehr schnell eine erhebliche Abkühlung und dann auch Verringerung der Empfindlichkeit, doch wird dieselbe als örtliches Anästheticum kaum mehr benutzt.
Dagegen verwendet man die Verdunstungskälte in der Thierheilkunde in ausgedehntem Maasse bei dem sogen. Lehmanstrich, d. h. man streicht Lehm mit Wasser (auch Essig, Bleiwasser) zum Brei gemacht auf den leidenden Theil gegen die Haare und erneuert den Anstrich bei beginnendem Abtrocknen. Es ist ein überaus bequemes, überall anwendbares und gleichmässig abkühlendes Mittel.
5.nbsp; nbsp; Abkühlungen durch Arzneien. Mit Ausnahme der Kälte-mischungen wirken die sogen, kühlenden Mittel innerlich wie äusserlich nicht un­mittelbar wärmeentziehend ein; höchstens kann dies zum Theil gelten von den äusserlich angewendet schneller als Wasser verdunstenden Mitteln, namentlich
El I e n b e r ge r, AUgemeinfl Theraiiie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;01
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47finbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aiiwendung von Wärme.
Essig, der mit Wasser verdünnt auch mit Zusatz von Salzen (als Oxycrat) verwendet wird. Die kühlende Wirkung ist wohl zur Hauptsache auf die subjective Empfin­dung in Folge einer bestimmten Einwirkung auf die Nerven am Berührungsorte, möglicherweise auch auf die bewirkte Verengerung der Gefässe und Verminderung der Blutzufuhr zurückzuführen. Als derartige kühlende Mittel für äusserliche An­wendung sind im Gebrauch: Essig, Bleiessig, Bleizucker, Salpeter, Salmiak in stär­keren Verdünnungen mit Wasser. Die sogen, kühlenden Mittel für innerlichen Ge­brauch, bei denen vielleicht eine verflüssigende Wirkung auf das Blut in Betracht kommt, sind die Kali- und Natronsalze, besonders gelten die salpetersauren als die am stärksten kühlenden, ohne dass die Annahme physiologisch begründet ist. (Näheres s. fieberwidrige Methode.)
2. Anwendung der Wärme.
Stärkere Hitzegrade wirken auf die Haut reizend, rufen Schmerz hervor; durch Erweiterung der Hautgefasse füllen sich dieselben stark mit Blut, Schweissbildung tritt ein. i3ei weiterer Steigerung folgt Ent­zündung verschiedenen Grades bis zur vollständigen Zerstörung (Ver­brennung). Die weiteren Wirkungen auf den Gesammtkörper sowie die einzelnen Organe sind denen der Hautreize im Allgemeinen analog. (Siehe hautreizende Methode.)
Gelindere Wärmegrade, die der Körpertemperatur nahe stehen, sie aber nicht erreichen (30—35 0C., die sogen, laue Wärme), namentlich in Form der feuchten Wärme, wirken reinigend und aul lockernd auf die betroffene Haut, vermindern ihre Sensibilität, führen durch Er­schlaffung der Gefässwände zu starker Blut- und Saftanhäufung in der Haut und den unterliegenden Geweben und beseitigen weiterhin selbst krankhaft nervöse Erregungen und Schmerzen, Krämpfe in tiefer liegen­den Organen.
Indicationen. Die Anwendung der Wärme ist bei folgenden Krank­heiten indicirt:
1.nbsp; nbsp; Wunden, Geschwüre, Brand. In Wunden gefässarmeren Gewebes vollzieht sich nur langsam die Granulationsbildung, namentlich wenn Kälte und Verdunstung (Trockenheit) die reactive Blutanhäufung hemmen. Laue Wärme führt hier viel schneller die uothwendige Blnt-anhäufung, die Zufuhr von Ernährungsmaterial zur Granulationsbildung herbei und kürzt die Heilung bedeutend ab. Bei den Geschwüren, welche durch mangelhafte Abstossang abgetödleten Gewebes unterhalten werden, sowie bei Brand befördert laue Wärme die demarkirende Ent­zündung und raacerirt das todte Gewebe.
2.nbsp; nbsp; Entzündungen, die in Eiterung übergehen. Wo einmal Eite­rung in der Tiefe angeregt, da führt möglichste Beschleunigung der
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[ndicationen.
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Reifung und des Durellbruches nicht nur zur Abkürzung der Entzün­dung, sondern verhütet auch Eiterversonkungen und Abkapselungen des Eiters. Durch laue Wärme sind wir im Stande, nicht nur zu lockern und den Blutreichthum zu vermehren, sondern auch schnellere Einschmelzung zu bewirken.
3.nbsp; nbsp; Schleichende Entzündungen mit Neigung zur Verhär­tung. Laue Wärme verhütet hier durch Hebung der Circulation und Resorption das Liegenbleiben fibrinöser Exsudate, das Sesshaftwerden araöboider Zellen und die sich anschliessende Verdichtung und Ver­kürzung, wie sie stets durch Bildung entzündlichen Narbengewebea erfolgt.
4.nbsp; nbsp; Trockene Katarrhe der Respirationsschleimhaut mit grosser Reizbarkeit. Croup. Siehe expectorirende Methode.
5.nbsp; nbsp; Grosse Reizbarkeit und ihre Folgezustände, Krämpfe bezw. unregelmässige und übermässige Contractionen in Organen mit orga­nischer Muskulatur. Bei Krampfkolik wirken lauwarme Klystiere schnell beruhigend, ebenso bei krampfhaftem Yerschluss der Blase, bei Krampfwehen.
G. Als Ableitungsmittel werden die höheren Temperaturgrade benutzt, wo man eine schnelle und kräftige Wirkung haben will, so bei Bräune mit Erstickangszufällen, bei drohendem Gehirnödera etc. Der vielfach erprobte Erfolg des Glüheisens bei schleichenden Gelenk-und Sehnenenlzündungen ist wohl nur zum Theil als Ableitung zu erklären, zum Theil werden die schleichenden Entzündungen ange­facht zu acuten. welche entweder zur Einschmelzung niedergelegter Exsudate führen (Sehnen) oder eine schnellere Ankylosirung be­wirken (Späth).
7. Allgemeine Abkühlung der Körperoberfläche und die daran sich anschliessenden Erkältungskrankheiten, namentlich rheumatische und katarrhalische Lrkrankungen im Entwickelungsstadium s. hinten.
Anwendung. Die Wärme kann in verschiedener Weise angewendet werden. In vielen Fällen lässt sich zunächst die eigene Wärme des thierischen Körpers benutzen. Namentlich bei Erkältung bewirkt eine forcirte Bewegung eine günstige Steigerung der Eigenwärme überhaupt und durch Beschleunigung der Circulation einen lebhafteren Blutandrang nach der Haut. Durch geeignete Bedeckungen mit schlechten Wärme­leitern, namentlich wollenen Decken verhütet man die zu schnelle Aus­strahlung und unterhält den Blutreichthum in der Haut. Aber auch bei örtlichen Leiden (Jndic. 1. 2, 3) kann man die störende Aus­strahlung der Eigenwärme durch Bedeckungen verhindern. Trockene Einhüllungen: einfache wollene Decken und Verbandstoffe wirken dabei
31*
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478nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Anwendung von Wärme.
geringer als nasse Einwickelungen (Priessnitzumschläge. s. oben), bei denen die Feuchtigkeit lockernd mitwirkt und die reactive ßlutfülle der Haut leichter eintritt. Bei Verhärtungen (Sehnen, Drüsenentz.) wirken sehr günstig die vielfach vergessenen Anstriche von Theer (Thecrbänder), dickem Terpentin. Collodium etc.; bei Eiterungen Honig mit Mehl aa.
Als äussere Wärmequelle wird am meisten bei begrenzten Leiden das warme Wasser mit Temperaturen von 27—37 0C. benutzt in Form von Bädern, Bähungen, d. h. recht häufig wiederholte Anfeuchtungen mittelst Schwämmen, Umschlägen, Kissen etc. oder Einspritzungen. Vielfach werden dem Wasser noch andere Substanzen zugesetzt, so auf­lösende Mittel, Seife, Kali carbonicum, Aschenlauge, oder erregende Mittel, so namentlich Heusaataufguss, Camillenthee etc.
Wegen ihrer langsamen Wärmeabgabe und deshalb gleichmassigen Wirkung sind die Breiumschläge besonders zur Reifung von Abscessen in Brauch. Man benutzt namentlich Leinmehl, Hafergrütze, Malven-und Käsepappelkraut, denen man verschiedentlich erregende Mittel nach Bedürfniss zusetzt.
Stärker erhitztes Wasser kommt nur bei einzelnen Leiden zur Anwendung, üebergiessung mit kochendem Wasser bei Bräune mit Erstickungsanfällen, drohender Gehirnlähmung (Kalbefieber) sind als Hausmittel hin und wieder im Gebrauch (vergl. S. 3113). üeber Wasserdämpfe bei Katarrhen der Respirationsorgane siehe expecto-rirende Methode.
Trockene Wärme durch Auflegen von erwärmten Decken, Pelzen, Hafersäcken, öfter erneuert, wird bei Erkältungskrankheiten, sowie als mildes Ableitungsmittel bei Entzündungen innerer Organe benutzt.
Ueber die Verwendung der Glühhitze mittelst der Brenneisen, des Paquelin'sehen ßrennapparates, zur Schorfbildung und Erzeugung heftiger Entzündungen sowie über die Moxen siehe ätzende Methode L, S. 321 und 322.
Gontraindicationen richten sich nur gegen gewisse Grade und Arten der Erwärmung und bedürfen als selbstverständlich keiner weiteren Aufführung.
2. Anwendung der Electricität. Electrotherapie.
Geschichtliches. Die Electrotherapie ist jüngeren Datums. Zwar fehlte es nach Entdeckung der Electricität nicht an empirischen Versuchen, dieselbe zu Heil­zwecken zu verwenden, eine wissenschaftlichere Methode wurde erst nach der Ent­deckung der Inductions-Electricität durch Faraday (1831) von Duchenne (1847) eingeführt, indem er den electrischen Strom unter der Haut zu localisiren suchte. Weitere Ausbildung erhielt diese Methode der localen Faradisation namentlich durch Remak und Ziems sen. Ferner ist dann von Remak die therapeutische Ver­wendung des galvanischen Stromes angeregt worden, um deren weitere Ausbildung
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Anwendung der Electricitat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;479
sich zahlreiche Forscher und Aerzte in den beiden letzten Decennien verdient gemacht haben.
In der Thierheilkunde hat die Electrotherapie bis jetzt stets nur vereinzelt und im Wesentlichen nur an den klinischen Lehranstalten Verwendung gefunden. Das wird auch voraussichtlich noch lange so bleiben, da die rein nervösen Leiden, die der Electrotherapie zufallen, bei unseren Thieren seltener auftreten und schwie­riger zu diagnosticiren sind, und andererseits die kostspielige Anschaffung der noth-wendigen Apparate bei relativ seltener Benutzung, die Sohwerbeweglichkeit nament­lich der Apparate für den constanten Strom, die Widerspenstigkeit unserer Thiere hemmend entgegentreten.
Aus diesen Gründen kann auch die Electrotherapie nur kurz und, weil eigene, ausgedehntere Erfahrungen fehlen, nur in Anlehnung an die humane Electro­therapie*) besprochen werden, indem die physikalischen Verhältnisse dabei als be­kannt vorausgesetzt werden.
Die Reibungs-Electrioität (statische, ruhende Electricitat) wird in der Medicin fast nicht verwendet, sondern im Wesentlichen nur der electrische Strom und zwar als constanter (galvanischer) und als inducirter (faradischer) Strom.
Physiologische Wirkung. Dieselbe ist zunächst abhängig von der Form, der Stärke und der Dauer der Einwirkung des electrischen Stromes, weiterhin aber vornämlioh von der Dichtigkeit desselben. Beim Durchleiten des electrischen Stromes durch den thierischen Körper ist die Stromdichte am grössten an der Ein-und Austrittsstelle; zwischen beiden verzweigt sich der Strom in unzählige Strom­fäden, von denen die in gerader Linie zwischen beiden Polen laufenden die grössere Dichtigkeit haben. Will man daher einen electrischen Strom in hinreichender Stärke auf einen bestimmten Theil, einen Nerv oder Muskel, einwirken lassen, so muss man eine Stelle wählen, wo derselbe möglichst nahe der Haut liegt oder durch festes Andrücken der Electroden auf die Haut die Entfernung zwischen jenem und dem Pole möglichst mindern.
Das Leitungsvermögen des thierischen Gewebes ist kein gutes und vor Allem kein gleichmässiges, in letzterer Beziehung namentlich abhängig vom Wasser-, Salzgehalt und der Temperatur. Die besten Leiter sind das Blut, Gehirn, Rücken­mark, Muskeln, die schlechteren Sehnen, Knorpel und Knochen. Den grössten Lei­tungswiderstand zeigen die Horngebilde, Epidermis und Haare im trockenen Zu­stande; um denselben nach Möglichkeit zu verringern muss man daher diese Theile gehörig durchfeuchten, am besten mit warmem Salzwasser.
Von den Grundwirkungen des electrischen Stromes auf das thierische Ge­webe sind nur die electrolytischen genauer bekannt. Wie in Flüssigkeiten, todten Geweben etc. so auch im lebenden Gewebe treten bei Anwendung des con­stanten Stromes an den Polen chemische Zersetzungen, namentlich Bildung von Säuren an der Anode, von Alkalien an der Kathode auf, welche auf das lebende Gewebe entzündungserregend bis ätzend wirken. Diese Wirkung ist am stärksten beim Einstechen der Electroden in das Gewebe, auf Schleimhäuten und Wunden, schwächer an der Haut. Dass ähnliche, wenn auch fast unmerkliche Veränderungen auch in der intrapolaren Strecke stattfinden, ist wahrscheinlich. Ganz gering sind
*) Zum gonauorcn Studium muss auf die ausführlicheren Werke über Electro­therapie von Bossbacb (Physikalische Heilmethoden, 1882), Bosenthal. Krb, Pierson (Compendium der Electrotherapie) u. A. verwiesen werden; namentlich an letzteres lehnt sich die obige Abhandlung an.
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480nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anwendung der Electrioität.
diese electrolytischen Wirkungen beim Inductionsstrome, in Folge seiner kurzen Dauer und des fortwährenden Wechsels.
Im Uebrigen treten als Wirkungen des electrischen Stromes im Wesentlichen Reizerscheinungen an Muskeln, Nerven, Gefässen hervor. In der Haut entstehen zunächst entsprechend dem Nervenreichthum schmerzhafte Empfin­dungen (prickelnde bis stechende beim Inductions-, brennende beim constanten Strome) und zwar heftiger bei trockener Haut, wo nur wenige Stromfäden durch die Drüsengänge in grosser Dichtigkeit eintreten, als bei starker Befeuchtung und festerem Andrücken grosser Electroden, wo durch Vertheilung der Strom weniger dicht die Nerven trifft. Weiterhin entstehen nach kurzem Gelasskrampfe Gefässer-weiterungen mit folgender Hyperämie, die sich bis zur Entzündung, Quaddel-Blasen­bildung etc. steigern können, wobei die electrolytischen Producte mitwirken. Stets treten diese Veränderungen an der Kathode schneller und intensiver hervor.
Beim Inductionsstrome entstellt nur geringe Hautröthang, dagegen starke Contraction der Hautmuskulatur (Gänsehaut)
Nerven und Muskeln. Am (freipräparirten) Nerv entsteht, wie die Physio­logie lehrt, beim Durchfliessen eines galvanischen Stromes eine Abänderung seiner Erregbarkeit, so dass beim Schliessen des Stromes an der negativen Electrode die­selbe erhöht (Ivatelectrotonus), an der Anode verringert wird (Anelectrotonus), und zwar am stärksten an den Electroden selbst, in der intrapolaren Strecke abnelnnend bis zum Indifferenzpunkte, welcher bei starken Strömen der Kathode, bei schwachen der Anode näher liegt. Bei der Oeffnung findet eine Aenderung im entgegenge­setzten Sinne statt. An centrifugalen (motorischen) Nerven rufen gleiohmässig durchfliessende constante Ströme keine Erregungen, d. h. keine Contractionen am zugehörigen Muskel hervor, wohl aber treten dieselben auf bei Schwankungen in der Stromdichte, beim Oeffnen, Schliessen etc. und zwar um so heftiger, je schneller die Schwankung bewirkt wird, während eine allmälige Vorstärkung des Stromes beim sogen. Einschleichen in die Kette selbst bei bedeutender Stromstärke keine Contractionen veranlasst. Die Erregung der Nerven, die Zuckung, erfolgt in einer bestimmten von Richtung und Intensität des Stromes abhängigen Weise (Pflüger'-sches Zuckungsgesetz), so dass bei schwachen Strömen nur bei Schliessung des Stromes Zuckung, bei mittelstarken sowohl Schliessungs- als Oeffnungszuckungen, bei starken Strömen bei aufsteigender Richtung nur Oelfnungs-, bei absteigender nur Schliessungszncknngen entstehen. Dieses Gesetz wird durch die Annahme er­klärt, dass nur durch Entstehen des Kateleotrotonus oder durch das Verschwinden des Anelectrotonus, d. h. immer bei plötzlicher Steigerung der Errregbarkeit Erre­gung entsteht.
Die Richtigkeit des Pfliiger'schen Gesetzes ist zwar auch für den unver­sehrten menschlichen Nerven nachgewiesen worden; da jedoch in Folge der vielen Nebenleitungen die Stromdichte in der intrapolaren Strecke nicht gross genug ist, so ist im Ganzen die Pol Wirkung die maassgebende und zwar erhält man beim Einwirken des galvanischen Stromes auf den motorischen Nerven, gleichviel, in welcher Richtung er fliesst: bei ganz schwachem Strome Schliessungszuckung an der Kathode, bei weiterer Steigerung stärkere KaSZ und schwache Anodenschlies-sungszuckung, sodann weiter Anodenöffnungszuckung, bei fernerer Steigerung tonische Contraction an der Ka nach der SZ, noch weiter KOZ, bei der höchsten Stromstärke auch leichte tonische Contractionen an der Anode. Stets wirkt ein
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Die electrisohen Apparate.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 481
Wechsel der Stromesrichtung mittelst des Commutators (Volta'sehe Alternative) energischer als einfache Oeffnung und Schliessung der Kette.
Bei der Anwendung der Electricität auf sensible Nerven treten nicht nur die Abänderungen der Erregbarlieit in gleicher Weise auf, sondern auch eine Erre­gung, die gewöhnlich als Schmerz empfunden wird. Am stärksten ist dieselbe bei Schliessung der Kette und an der Kathode; geringer beim Oeffnen und an der Anode.
Für den Muskel gilt dasselbe wie für den motorischen Nerv, doch erfolgt die C'ontractiou langsamer; der faradische Sh'ora veranlasst wegen seiner kurzen Dauer keine Contraction. Ausserdem veranlasst der electrische Strom Erhöhung der Tem­peratur, Vermehrung des Volumens und entfaltet eine erfrischende Wirkung, nament­lich bei ermüdetem Muskel.
Die Sinnesnerven zeigen nur beim constanten Strome deutliche Erregungs-erscheinuugen im Sinne ihrer speeifisohen Energie. Galvanisation des Sympa-ihicus veranlasst Schwindel, Herabsetzung des Blutdruckes und der Pulsfrequenz. Das Rückenmark wird nur bei Anwendung sehr starker Ströme von schwachen Stromschleifen getroffen, welche geriuggradige Erregungen auslösen; leichter ist das Gehirn zugänglich, bei dessen Galvanisation subjective Sinnesempfindung, Schwindel, Ohnmächten etc. veranlasst werden.
Bei Anwendung des electrischen Stromes auf innere Organe treten nur Er­scheinungen dor Contraction der Muskulatur, stärker der quergestreiften als der glatten hervor.
Die electrischen Apparate.
Dieselben sind in so grosser Zahl und mannigfaltiger Abweichung für den Eleclrolherapeulen construirt worden, dass ihre Aufzählung einen grossen Umfang nehmen würde, so dass einige Andeutungen, namentlich mit Berücksichtigung der transportablen Apparate, die für den Thierarzt allein zu benutzen sind, ge­nügen mögen.
Zur Erzeugung des galvanischen Stromes können nur Elemente benutzt werden, in welchen die eintretende Polarisation und dadurch bedingte Abnahme der Stromstärke möglichst vermindert wird. Deshalb kommen zu constanten Ketten namentlich zur Vorwendung das Siemens-Halske'sehe, das Leclanohe's, das Bunsen'sche, das Smee'sche und das Pincus' Element. Von den verschiedenen aus diesen zusammengestellten Batterien sind wohl am meisten verbreitet die transpor­tablen Batterien mit Tauchvorrichtung von Stöhrer-Dresden, Hirschmann-Berlin, Spamer (Krüger) Berlin. Als Nebenapparate sind zu erwähnen zur Regelung der Stromstärke die Stromwähler, der Rheostat (zur Einschaltung von verschieden-gradigen Widerständen, Metall- und Flüssigkeitsr.), zur Wechselung der Strom-richtuug der Stromwender (Commutator). Die Electroden (Rheophoren, Stromgeber) bestehen aus einem mit hölzernen Handgriff versehenen Messingstabe, an dessen vorderer Spitze nadel-, knöpf- oder plattenförmige Endstücke aus Metall, an dessen hinterer der Kupferdraht angebracht ist. Die Stöhrer'schen Electroden tragen als Contacttheile Kohlenknöpfe. Stets müssen die Contacttheile mit einem feuchten Leiter: Badeschwamm, mit Flanell, Barchent, Leinwand etc. überzogen sein. 'Zur Reizung der Haut benutzt man eine Electrode, die in feine Metallfäden ausläuft, den electrischen Pinsel. Auch hebelartige Unterbrechungsvorrichtungen werden
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482nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anwendung der Electricität.
an den Electroden angebracht. Die Leitungsschnüre bestehen aus feinen Kupfer­drähten, -welche mit Seide übersponnen oder Gummisohläuchen überzogen sind.
Zur Anwendung des faradischen Stromes werden meist transportable Ap­parate (ebenfalls von den oben genannten Firmen) verwendet, in denen ein oder zwei Elemente mit einer Inductionsvorrichtung in einem Kästchen vereinigt sind. Sehr verbreitet ist der kleine Stöhrer'sche Inductionsapparat, in welchem ein Zink-Kohleelement durch Heben des mit verdünnter Schwefelsäure gefüllten Glases in Thätigkeit versetzt werden kann. Der Inductionsapparat, in einer anderen Abthei­lung des Kastens, besteht aus der primären Spirale und dem Unterbrecher; über erstere verschiebbar nach oben angebracht ist die secundäre Spirale. Man hat es in der Hand, beliebig starke Ströme zu erzeugen; eine Verminderung derselben er­reicht man durch geringes Heben des Glases, geringere Spannung des federnden Hammers, der primäre wird ferner durch Verbindung der beiden Schraubenständer des seeundären Stromes mittelst des beigegebenen Drahtbügels, der secundäre durch Hinabdrücken der seeundären Rolle am graduirten llolzstäbchen erreicht. Beige­geben sind Leitungsschnüre sowie die erwähnten Kohleeleclroden. Aussei- den Stöhrer'schen sind noch zahlreiche andere transportable Inductionsapparate von Hirschmann, Krüger u. A. in Gebrauch.
Methoden der Anwendung der Electricität.
Der electrische Strom wird zunächst meist zum Zwecke der Unter­suchung und Feststellung der betr. Leiden, dann weiterhin zum Zwecke der Behandlung angewendet.
Zur Untersuchung benutzt man sowohl den faradischen als den galva­nischen Strom. Den ersteren verwendet man hauptsächlich zur Ermittelung der Sensibilität der Haut und der Muskeln, sowie der Contractilität der Muskeln, bezw. des Erregbarkeitszustandes der motorischen Nerven. Man wählt hierzu gewöhnlich den seeundären Strom und zwar verwendet man zu Reizungen der Haut trockene Electroden oder den eleotrischen Pinsel, zur Erregung von Muskeln und Nerven Electroden, welche mit feuchten Leitern umgeben sind und auf die gut ange­feuchtete Haut fest aufgedrückt werden an den Punkton, wo dieselben der Haut am nächsten liegen.
Bei der Anwendung des galvanischen Stromes wird von den Practikern die polare Methode der sogen, physiologischen oder Richtungsmethode vorgezogen, d. h. man setzt von den gut angefeuchteten Electroden die eine auf einen indiffe­renten Punkt, die andere auf den zu untersuchenden Muskel oder Nerv und prüft anfangs mit schwachen, dann mit steigenden Strömen und mittelst Stromwechsel, ob die Zuckungen in normaler Weise (zunächst KSZ) sich folgen (s. oben).
Auf diese Weise lassen sich folgende pathologische Verhältnisse feststellen: 1. Steigerung der electrischen Erregbarkeit, zeigt sich durch Zuckungen bei schwachen faradisohen Strömen, frühes Auftreten der KaSZ, weiter durch Kathoden-schliessungstetanus und Anodonöffnungszuckung, namentlich bei corebralen Läh­mungen; 2. Herabsetzung der electrischen Erregbarkeit durch Auftreten von Erregungen erst bei grösserer Stromstärke, besonders bei spinalen und peripheron Lähmungen mit gleichzeitiger Atrophie; 'S. qualitativ-quantitative Verän-
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Methoden der Anwendung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 483
derung der Erregbarkeit zeigt sich durch fortschreitendes Sinken dor Reaction der Nerven gegen beiderlei Ströme, während die Muskeln neben Sinken der Erregung durch faradische Ströme eine Steigerung bei galvanischen Strömen zeigen, so dass die ASZ an Stärke der KSZ allmälig gleichkommt und die KOZ stärker als gewöhn­lich wird, wobei die Muskelcontractionen träge und langsam verlaufen. Diese sogen. Entartungsreaction (Erb) deutet auf erhebliche anatomische Aende-rungen der Nerven und Muskeln und findet sich namentlich bei peripheren Lähmun­gen in Folge von Trennung, Quetschung, Druck, Neuritis etc.; 4. Erhöhung der Reflexerregbarkeit.
Therapeutisch wird a) der faradisehe Strom namentlich wegen seiner erregenden Wirkung bei Lähmungszuständen peripherer Nerven und Muskeln, verwendet, seltener benutzt man seine die Erregbarkeit modificirende (bei Krämpfen etc.) oder die Resorption anregende Wir­kung. Zur Reizung der Haut dient der electrische Pinsel, zur Erre­gung der Muskeln, Nerven feuchte Electroden, von denen der eine Stromgeber direct auf die Stelle aufgesetzt wird, wo die zu erregenden Theile der Haut am nächsten liegen (sogen, motorische Punkte, bei Thieren noch nicht bestimmt), der andere ebenfalls auf den erkrankten Theil oder an einem indifferenten Punkte ausgesetzt wird. Gewöhnlich darf man zu diesem Zwecke den seeundären Strom nur in solcher Stärke anwenden, dass leichte Contractionen hervorgerufen werden; stärkere schaden nur.
b) Der galvanische Strom eignet sich besonders zur Erregung der nervösen Centralorgane, wird aber auch vielfach bei peripheren Leiden benutzt. Seine erregende Wirkung wird durch Aufsetzen der Kathode, seine beruhigende durch die der Anode auf den erkrankten Theil beabsichtigt, doch bindet man sich nach den jeweiligen Erfolgen nicht so streng an diese Forderung. Ausserdem kommt seine sogen. katalytische, d. h. durch Vermittelung der vasamotorischen und trophi-schen Nerven umstimmende bei entzündlichen, sowie seine resorptions-befördernde Wirkung bei Exsudaten zur Anwendung. Auch hier benutzt man wenigstens zunächst und namentlich bei den Centralorganen nur schwache Ströme in kurzer Dauer; die Electroden bleiben entweder auf den eingenommenen Stellen (stabil) oder die eine wird auf der zu behandelnden Stelle streichend bewegt (labiler Strom).
Die electrolytische Durchleitung vom negativen zum positiven Pole, (kata-phorische) Wirkung von Stoffen (Jodkalium) durch den thierischen Körper und zwar auch durch solche Theile, welche auf dem Wege der Diffusion nicht durch­drungen werden (vergl. 1., S. 330), ist zwar sicher auch für lebendes Gewebe nach­gewiesen (Bruns), doch ist die therapeutische Verwendbarkeit bei Geschwülsten, serösen Säcken practisch noch nicht genügend dargethan.
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Anwendung der Electricität.
Indicationen.
I. Bei Krankheiten des Nervensystems wird die ISleetrioifät viel­fach benutzt und zwar a) bei Neurosen der motorischen Nerven, als: 1. Lähmungszustände. Für Prognose und Behandlung ist neben Unterscheidung in centralc und Leitungslähmungen diejenige in cerebrale, spinale und periphere Lähmungen wichtig.
Bei den cerebralen Lähmungen (Hemipiegien oder Lähmungen der motorischen Hirnnerven der entgegengesetzten Seite- wird bei der Untersuchung die faradische und galvanische Erregbarkeit unverändert gefunden, daneben meist gesteigerte Reflexerregbarkeit, zuweilen leichte Reizerscheinungen. Behandlung: Galvanisation des Kopfes und des Sympathicus mit schwachen Strömen und grossen Electroden, später periphere Galvanisation und selbst Faradisation. Im Ganzen nicht zu früh nach Eintritt der Lähmungen (nach einigen Wochen) Contraindi­cation: Erscheinungen der Gehirncongestion.
Bei den spinalen Lähmungen (Paraplegie) ist die eleetrische Reaction der Muskeln und Nerven entweder unverändert oder bei län­gerem Bestände vermindert, die Sensibilität vermindert oder seltener gesteigert, erhöhte Reflexerregbarkeit bei Compressionsiähmungen vor­handen. Behandlung: Galvanisation des Rückenmarks mit stärkeren Strömen, daneben Galvanisation des Sympathicus und faradische und galvanische Reizung der peripheren Muskeln.
Von den peripheren Lähmungen zeigen die durch Continuitäts-trennungen bedingten nach kurzer Zeit und peripheriscii fortschreitend an den Nerven Abnahme der faradischen und galvanischen Reizbarkeit der Nerven, an den Muskeln Abnahme der faradischen, aber Steigerung der galvanischen Erregbarkeit mit Veränderung des Zuckungsgesetzes (s. oben), die rheumatischen und Drucklähmungen ähnliche Verhält­nisse mehr oder woniger ausgeprägt. Behandlung: In leichten Fällen faradischer Pinsel oder massig starke Faradisation mit feuchten Leitern. Bei Entartungsreaction Galvanisation.
quot;2. Krara pfzustände, sobald sie selbstständig in einzelnen Ncr-vengebieten auftreten, werden nicht immer mit dauerndem Erfolge laquo;lurch Galvanisation (Anode auf den betr. Nerven) beseitigt.
b) Neurosen der sensiblen Nerven. Anaesthesien werden, wenn sie durch Störung der Nervenleitung bedingt sind, dun-h Fara­disation mit dem electrischen Pinsel, bei centraler Ursache durch Gal­vanisation behandelt, wenn nicht Reizerscheinungen dieselbe contra-indiciren. Neuralgien wurden früher mehr mit der faradischen Geissei oder schwachen faradischen Strömen, jetzt durch Galvanisation mit schwachen Strömen von kurzer Dauer (Anode auf den differenten Punkt) beseitigt.
13. Von den Ftirn- und Rückenmarkskrankheiten sowie all-gemeinen Neurosen hat die humane Eiectrotherapie besonders Erfolge zu verzeichnen bei der Tabes dorsalis durch Anwendung des galvanischen Stromes, weniger bei Tetanus und Katalepsie.
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 485
II. Krankheiten anderer Organe. Von Krankheiten der Digestions­organe sind gegen Atonic der Magen- und Darmmuskulatur, atonische Dyspepsie faradische Ströme wirksam befunden. Faradisation der 'Gallenblase bei Icterus calarrhalis durch quere Durchleitung durch den Bauch erwies sich auch bei einem Hunde wirksam. Gegen Blasen­lähmungen und Wehenschwäche, namentlich bei Hunden, dürften ener­gische Faradisationen zu versuchen sein.
Auch beim Muskelrheumatismus möchte in leichten Fällen die Faradisation mit dem electrischen Pinsel, in hartnäckigen Fällen die Galvanisirnng der afficirten Muskeln wegen ihrer guten und schnellen Erfolge in der humanen Medicin bei Thieren zu versuchen sein.
Galvanokaustik. Diese von Middeldorpf eingeführte und in der hu­manen Chirurgie vielfach benutzte Methode beruht auf der Wirkung intensiver galvanischer Ströme, Leiter mit grossem Widerstände zum Glühen zu bringen. Man benutzt zur Erzeugung besondere Batterien von starker electromotorisoher Kraft und geringem Widerstände (galvanokaustische Apparate) und verbindet die Lei-lungsscluuire durch Platin, welches in Form eines (Draht) Schlingensohnürers, eines messerförmigen Galvanokauters oder eines Porzellanbrenners (spiralförmig auf einen Porzellankegel aufgerollter Draht, eine Art Brennkolben) durch den Strom in's Glühen versetzt wird. Man verwendet nun diese Glühhitze, um mit möglichst geringer Blutung und geringen Schmerzen und ohne die iiussere Be­deckung erheblich zu verletzen, Neubildungen, Polypen etc. aus Höhlen (Nasen­rachenraum, Kehlkopf, Mastdarm, Uterus) zu entfernen.
Electrolyse. Die Verwendung der electrolytischen Wirkung starker Ströme zur Zerstörung von Neubildungen (Kropf, Carcinom, Sarooraen) geschieht nach dem Vorgänge von Alt haus in der Weise, dass feine Nadeln in die Geschwulst cingestossen und sodann mit den Leitungsdrähten einer constanten Batterie ver-bnnden werden, im Wesentlichen erfolgt hierbei eine Mortifioirung der Geschwulst, die dann durch Eiterung ausgestossen wird. In ähnlicher Weise wird die Electro-punetur, d. h. ein Verfahren angewendet, bei welchem man zwei durch Firniss­überzug isolirte feine Nadeln in ein Aneurysma einsticht und durch Ketlen-schliessung eine Blutgerinnung und hiermit eine Verheilung des Aneurysma herbeiführt.
Metallotherapie. Von französischen Aerzten ist eine eigenthümliche thera­peutische Anwendung der Metalle namentlich bei den halbseitigen (besonders auf Hysterie beruhenden) Anästhesien in der Weise gemacht worden, dass Platten der­selben (Gold, Eisen etc.) auf die Haut gelegt und in längerer Berührung daselbst erhalten wurden. Dass hiernach in vielen Fällen die Sensibilität vorübergehend oder dauernd zurückkehrt, und damit Heilung erzielt wird, ist nicht mehr zu be­zweifeln, obgleich über die Grundwirkung vorläufig keine allseitig genügende Er­klärung vorliegt. Zunächst lag die Annahme nahe, dass geringe electrische Ströme hierbei eine Rolle spielten, doch ist dies kaum haltbar, nachdem man die gleichen Resultate durch Aufbinden von Holzplatten (Xylotherapie) erzielte. Möglicherweise handelt es sich hierbei um die Temperaturdifferenz zwischen Metali und Haut und den durch die verschiedene Wärmeleitung andauernd einwirkenden schwachen Reiz derartiger Platten (Rumpf). Auch bei innerlicher Verabreichung der Metalle in Form löslicher Salze soll die gleiche Wirkung eintreten.
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486nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Massage.
4. Die Massage (Streichen und Kneten).
Unter Massago (von masser, kneten) verstellt man eine metho­dische Behandlung kranker Thoile mittelst der Hand.
Diese Behandlungsweise ist uralt, bereits bei den Chinesen, Indern, Griechen und Kömern in Gebrauch gewesen, aber allmälig im Mittelalter in die Hände der Bader und Streichfrauen übergegangen. Erst in neuerer Zeit ist die als unwissen­schaftlich nicht beachtete Methode in der humanen Medicin wieder zu Ansehn ge­langt, namentlich in Folge der glänzenden Erfolge von Dr.Motzger in Amsterdam. Auch in der Thierheilkunde wird sie, wenn auch bis jetzt noch ziemlich beschränkt, angewendet. (Säheres siehe: Die Massage, ihre Theorie und practische Verwer-thung in der Veterinärmedicin v. Vogel.)
Technik. Die Hauptloislungen dieser Methode werden mit der Hand ausgeführt, seltener mit Unterstützung von Instrumenten und bestehen in folgenden A'errichtungen:
1.nbsp; nbsp; Streichen (Effleurage). Geraeinhin mit der flachen Hand, seltener mit dem Radialrande derselben, mit den Fingerspitzen oder dem eingebogenen Daumen werden die kranken Theile langsam und massig stark in centripetaler Richtung gestrichen. Stets beginnen die Streichungen central von der kranken Stelle (Einleitungsmassago) und werden dann allmälig auf diese selbst ausgedehnt.
2.nbsp; nbsp;Reibendes Streichen (Massage ä friction). Mit einer Hand, am kräftigsten mit dem Daumen unter stärkerem Druck wird der kranke Theil circular gerieben und abwechselnd mit der anderen cen­tripetal gestrichen.
3.nbsp; nbsp;Kneten (Petrissage). Mit den Fingerspitzen oder der ganzen Hand wird der kranke Theil umfasst, etwas gehoben und sodann kräftig aber sanft, immer in ccntraler Richtung geknetet (ohne zu zwicken). Bei grösseren Partien benutzt man beide Handballen (Walken).
4.nbsp; nbsp;Klopfen (Tapotement). Je nach Empfindlichkeit, Tiefe und Härte wird die kranke Stelle mit der Kante der flachen Hand oder der geballten Faust geschlagen.
Unterstützend wirken ferner noch passive Bewegungen, Beugung, Streckung, Drehung kranker Gelenke, massige Bewegung, Priess-nitz'sche Umschläge.
Instrumente sind für gewöhnlich nicht nothwendig, doch können unter Umständen, um grössere Kraft auszuüben, abgerundete Holztheile, Gummi walzen etc. zum Streichen benutzt werden. Alle Manipulationen
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Wirlcung und Anwendung.
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müssen massig, aber mit einem gewissen Nachdruck unter Berücksich­tigung der Schmerzhaftigkeit ausgeübt werden; stets soll von schwachen Anfängen zu stärkeren Kraftäusserungon übergegangen werden. Man kann entweder trocken massiren. oder man fettet Hände und behaarte Haut mit einem indifferenten Fette gut ein, namentlich bei längerer Massirung. Die Dauer (5—30 Minuten) und Wiederholung (1—3 mal pro Tag) richtet sich namentlich nach der Dauer und Hartnäckigkeit des Leidens.
Physiologische Wirkung. Durch die streichenden Bewegungen wird zunächst rein mechanisch die langsamfliessende Lymphe aus den Lymphgefässen, das Blut aus den Venen fortgedrückt, wobei das Klap­pensystem wesentlich unterstützt. In die entleerten ßlutgefässe wird in lebhafterer Weise neues Blut eindringen und so die örtliche Circu­lation sich heben, weiterhin aber auch die Aufsaugung von Lymphe, Exsudaten, selbst solchen, welche nicht rein flüssig sind, direct oder indirect gefördert. Nach Einspritzungen von fein geriebener Tusche in Gelenke von Kaninchen war in den massirten Gelenken die Entzün­dung nicht nur geringer, sondern auch die Aufsaugung der Tusche durch die Lymphgefässe bis zu den Lymphdrüsen gediehen, während sich in den nicht massirten Gelenken die Tusche noch vollständig vor­fand. Schwaches Streichen bewirkt weiterhin Gefässverengerungen, stärkeres Gefässerweitemngen, lebhafteren ßlutzufluss, Röthe und Wärme des Theiles. In entzündeten Theilen bewirkt die Massirung durch Be­seitigung der Exsudatraassen und Lymphstauungen Abnahme der Ge­schwulst, des Schmerzes und der Hitze; neugebiidete Gewebe zerfallen fettig und fallen der Resorption anheim. In schlecht ernährten, er­müdeten, gelähmten Theilen führt das Streichen zur lebhafteren StofF-zufuhr und schnelleren Ausgleichung der gestörten Ernährung.
Therapeutische Anwendung. Im Allgemeinen sind der massirenden Behandlung nur die Erkrankungen der oberflächlicheren Theile zu­gänglich.
1.nbsp; nbsp;Krankheiten der Haut und des ünterhautzellgewebes. Bei Quetschungsentzündungen leichteren und mittleren Grades werden die Sugillationcn und Lymphergüsse durch Massirung schneller zur Resorption gebracht. Ebenso werden begrenzte Oedeme und nach­folgende Sclerosirungen der Haut und des ünterhautzellgewebes, wie sie namentlich nach Lymphangitis vorkommen, durch Streichen in Ver­bindung mit Druckbandagen beseitigt.
2.nbsp; nbsp; Krankheiten der Muskeln und Sehnen. Bei Muskel­rheumatismus ist die Massirung oft überaus wirksam, ohne dass wir
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488nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Massage.
uns genaue Rechenschaft über ihre günstige Wirkungsweise abzulegen vermögen. Günstig wirkt sie ferner bei Muskelquetschungen und bei der Atrophie (Kneten. Klopfen), wie sie in Folge schmerzhafter Lahmheiten sich entwickelt. — Sehnenentzündungen, bei denen durch Kälte nicht selten die Entstehung von Verhärtungen begünstigt wird, zertheilen sich vielfach schneller durch Anwendung der Massage neben lauen Bädern, feuchten Einwickelungen etc. Bei schleichenden Sehnenscheidenentzündungen lässt sich vielleicht durch Massage die Bildung der Wucherungen und Verwachsungen verhüten.
3. Krankheiten der Knochen und Gelenke. Bei Gelenk­entzündungen in Folge von Distorsion und Contusion hat die humane Medicin staunenerregende Erfolge durch Massirung zu verzeichnen; die Anwendung derselben dürfte bei unseren grösseren Hausthieren leider oft bedeutende Schwierigkeiten bieten. Auch bei Gelenkwassersucht wurde bei frühzeitiger Anwendung ein günstiger Erlolg beobachtet. Von Knochenleiden hat bei ossificirender Periostitis (üeberbeine) schon in früheren Zeiten die vorsichtige Streichung zur Resorption der neuge­bildeten Masse geführt.
Von äusseren Leiden können noch periphere Neuralgien und Arterienobliterationen (nicht der Venen) durch Massage behandelt werden; so beobachtete Bayer günstige Erfolge bei der Verstopfung der Schenkelarterlen beim Pferde durch Kneten der thrornbosirten Stelle neben methodischer Bewegung. Auch bei schleichenden, zu Verhärtungen neigenden Drüsenentzündungen (Mastitis, Lymphdrüsenentzündung, sobald sie nicht infectiöser Natur) kann die Massage die Verdichtung verhüten. Ob die Massage bei Augenleiden (chronischen), Bindehaut-catarrhen und Keraliten in Form circulärer und radiärer Reibung des oberen Augenlides mit 2 Fingern durch einige Minuten im Vereine mit zertheilenden Salben wesentliche Beschleunigung der Zertheilung bewirken wird, müssen weitere Versuche lehren.
Bei inneren Krankheiten ist die Massage bei unseren grossen Hausthieren nur schwierig anzuwenden. Angezeigt erscheint sie bei grosser Atonic der organischen Muskulatur der Baucheingeweide mit ihren Folgen: Unverdaulichkeit der Rinder, Anschoppungen etc. Wegen ihrer günstigen depletorischen Wirkung durch Beschleunigung des venösen Blutabtiusses werden in der humanen Medicin Massirungen des Halses bei Angina, Gehirncongestion und Meningitis mit Erfolg verwendet.
Gontraindicationen bilden namentlich alle infectiösen Entzün­dungen (Wundrothlauf, Lymphangitis, jauchige Zellgewebsentziindnng),
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Bewegung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;489
Eiterungen. Phlebitis und Thrombenbiiflnng, weil durch die Massage eine mechanische, örlliclie und allgemeine Ausbreitung der Krankheiten bewirkt werden würde.
5. Bewegung.
Jn der Tbierheilkunde giebt es weder Gymnastik noch eine beson­dere Heilgymnastik: trotzdem können auch wir die Bewegung der Thiere als unterstützendes therapeutisches Moment in vielen Fällen nicht entbehren.
Schon in der Gesundheitspflege hat die Bewegung eine ganz hohe, leider in der Jetztzeit viel zu sehr vernachlässigte Bedeutung; denn ihre Wirkungen: Hebung und Kräftigung des Blutkreislaufes. Steigerung des Stoffwechsels, Anregung zu tiefer und ausgiebiger Athmung, Unter­stützung der Darmbewegung und damit Hebung der Verdauung. Kräfti­gung und Stählung der Körpermuskulatur. Erhaltung der Geschmeidig­keit in Gelenken und Sehnen sind gar nicht zu entbehren zur Heran­bildung von leistungsfähigen und genügend widerstandsfähigen Thieren. Die nachtheiligen Folgen des Mangels an Bewegung können wir ja leider häufig genug bei den durch Stallhaltung zu jahrelanger Ruhe verurtheilten Thieren beobachten, bei denen allgemeine Verweichlichung und Schwäche, chronische Lungenkatarrhe mit ihren Folgen: Kurzath-migkeit, Tuberkulose, träge Verdauung mit all ihren häufigen üblen Störungen früher oder später hervortritt.
Wenn nun auch deshalb eine geregelte Bewegung eine der wich­tigsten prophylaktischen Maassregeln darstellt, so ist dieselbe aber auch nicht unbeachtet zu lassen bei inneren wie bei äusseren Krank­heiten. Von ersteren sind es namentlich allgemeine Körperschwäche mit Anämie, bei denen neben kräftiger Ernährung ungezwungene Bewe­gung in frischer, freier Luft Kräfte und Säfte stärkt. Ferner ist gieichmässige Bewegung bei allen chronischen Lungenkatarrhen etc. von bedeutendem Nutzen, sie fördert die Expectoration der zurückge­haltenen Schleimmassen und sorgt durch die Anregung zur nöthigen Tietathmung für gehörige Ausdehnung und Durchlültung der Lungen. Bei Trägheit der Verdauung, namentlich mit Anschoppung in den dicken Därmen führt eine etwas schnellere Bewegung zu lebhafteren Con-tractionen der Darramuskulatur.
Von äusseren Leiden sind namentlich Schwäche und paretischc Zustände der Muskeln, Steifigkeit und Rigidität derselben und ihrer Sehnen, wie sie durch Leberanstrengung, Nervenlähraungen, im Laufe von schmerzhaften Lahmheiten entstehen, nur auszugleichen durch methodische, allmälig zunehmende, aber nicht anstrengende Be­wegung. Ebenso unterstützt dieselbe ganz wesentlich die Aufsaugung von lymphatischen Ergüssen durch Anregung und mechanische Unter­stützung der Blut- und Lymphcirculation.
Dass chronische und deformirende Entzündungen in den Gelenken (besonders Späth, Schaale etc.), in den Sehnen und Huftheilen eine
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490nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bewegung.
gleichmässige ruhige, nicht anstrengende Bewegung auf weichem, nach­giebigen Boden (im Acker), wobei heftigere Stösse ebenso wie schnelle, stark zerrende Verschiebungen vermieden werden, sehr häuflg allraälig zurückgehen und ohne Steifigkeit oder Verwachsung zu hinterlassen, verschwinden, ist allbekannnt und allgemein durch den Ausspruch, dass sich die Pferde bei Ackerarbeit den Späth ausgehen, anerkannt.
Nur sehr selten finden die in der humanen Heilgymnastik viel­fach verwendeten Einzelbewegungen der Gliedmassen oder ihrer Theile, die activen Widerstandsbewegungen, sowie passive Bewegungen in der Thierheilkunde Anwendung, da erstere in wirksamer Weise nur bei beabsichtigten, dem Willen unterworfenen Bewegungen Anwendung finden können, letztere meist zeitraubend und sehr anstrengend sind. Die hierher gehörigen Manipulationen beschränken sich meist nur auf das Aufheben oder Hochbinden eines Fusses, um durch die Belastung des anderen eine Dehnung, Nachgiebigkeit von Sehnen und Gelenken etc. bei Sehnenverkürzung z. B. neugeborener Thiere zu erzielen, wenn nicht gröbere organische Veränderungen, Verdichtung etc. sie unmöglich machen.
Contraindicirt ist die Bewegung bei allen schwereren fieber­haften Krankheiten, Entzündungen, Congestionen innerer und äusserer Theile.
Anhangsweise zu den physikalischen und mechanischen Methoden seien noch erwähnt:
Schallentziehung, Stille, sowie Lichtentziehung, Verdunkelung, gehören zu den wichtigsten Beruhigungsmitteln des nervösen und psychischen Lebens. Sie sind deshalb nicht zu unterlassen bei allen nervösen Erregungszu-ständen, namentlich Starrkrampf, epileptiformen Krämpfen, Epilepsie, Gehirnhyper-ämie etc. Dass auch bei allen entzündlichen Augenkrankheiten die Lichtentziehung nicht ausser Acht gelassen werden darf, ist selbstverständlich.
Pneumatotherapie (cf. S. 294). Die Heilung oder Besserung von Krank­heiten durch verdichtete oder verdünnte Luft ist selbstverständlich bei unseren Hausthieren im Allgemeinen nicht anwendbar, weil die hierzu dienenden Vorrich­tungen (die pneumatischen Apparate zur isolirten Einwirkung auf die Lungen, die pneumatischen Glocken zur Einwirkung auf den ganzen Körper) nicht anwendbar und ausserdem viel zu theuer für die thierärztliche Praxis sind. Wir können des­halb von der günstigen Einwirkung auf Athmung, Circulation und Stoffwechsel namentlich bei Engbrüstigkeit, Lungenkatarrhen und ihren Folgen keine Anwen­dung machen, zumal auch die beim Menschen als Ersatz dienende Tiefein- und Langsausathmung unseren Thieren nicht aufgezwungen werden kann, und müssen deshalb ersatzweise durch Regelung der Bewegung den Athmungsvorgang in wün-schenswerther Weise beschleunigen (s. Bewegung).
Aehnlich verhält es sich mit der Klimatotherapie, d. h. die Beeinflussung von Krankheiten durch Wahl eines Aufenthaltsortes mit bestimmter Beschaffenheit von Luft, Boden, Wasser, Wärme etc. Wohl einzig zur Vorbeugung gegen die periodische Augenentzündung ist ein Klimawechsel, d. h. Versetzung junger Pferde aus niedrigen und feuchten in höhere und trockene Gegenden mit Erfolg in Anwen-dune gekommen.
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Die vei-clichtciulen, verldoinernden und verwandten Cnrmethoden. 4',)!
_ 6. Die verdichtenden, verkleinernden und verwandten Curmethoden.
Allgemeines. Diese Curmethoden bezwecken eine Gerinnung gerinn­barer d. h. eiweisshaltiger Säfte, eine Schrumpfung, Verkürzung, Ver­kleinerung von Gewebs- und Organbestandtheilen, eine Stopfung zu reichlicher oder abnormer Ausflüsse, eine Trocknung abnorm nässender Flächen, eine Verkleinerung von Ganälen und Oeffnungen.
Bei Anwendung der verdichtenden Methoden werden die Gewebe dichter, derber, zäher, elastischer, undurchdringlicher; ihr Tonus wird gesteigert, die Gewebszwiscbenräume verengt, die Flüssigkeiten ver­drängt, die Blutmenge verringert. Dabei werden die Wärme, die Er­nährung, die Secretion der verkleinerten und einen kleineren Raum einnehmenden Gewebe herabgesetzt, der Zerfall beschränkt und die etwa bestehenden, durch Atonic und Laxität der Gewebe bedingten Störungen aufgehoben und krankhafte Ab- und Aussonderungen be­schränkt.
Zu den verdichtenden Methoden gehören die adstringirende, die toni-sirende, die austrocknende, die verengernde, die ooagulirende, die ätzende und die vereinigende Methode. In engster Auffassung versteht man unter adstringirendei Methode nur diejenige, welche eine Verdichtung und Zu-sammenziehug auf chemischem Wege durch Remedia adstringentia hezweckt. Im weiteren Sinne sind aber als Werkzeuge der verdichtenden Methode auch die mecha­nisch und functionell verdichtend und verengernd wirkenden Mittel zu betrachten.
Indicationen.
Die Indicationen, welchen mit Anwendung der adstringirenden Methode genügt werden soll, sind sehr mannigfaltig. Demgemäss ge­langt dieselbe auch bei sehr verschiedenen Krankheiten in Anwendung. Man verfolgt mit der adstringirenden Methode folgende Zwecke:
1. Minderung oder Vermeidung von Säfte Verlusten. Mit Säfteverlusten sind stets die Gefahren einer das Leben bedrohenden Kraftabnahme oder die von Ernährungsanomalicii verbunden. Im spe-ciellen Falle können hierzu noch Gefahren kommen, welche in der Natur der Krankheit, oder solche, welche in Functionsstörungen be­ruhen, die durch Ablagerung der Säfte in Gewebe und Höhlen entstehen, oder solche, welche in der Resorption der abgelagerten Säfte und der etwa dadurch bedingten Infection zu suchen sind u. s. w. Allen diesen Gefahren soll die adstringirende Methode dadurch entgegentreten, class
Bilenbcrger. Mlgemelno Thcnipionbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;on
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492nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die verdichtenden Curmethoden.
sie die Säfteverlustc beseitigt oder wenigstens verringert. Die in Be­tracht kommenden Säftoverluste sind sehr verschiedenartig, a) Blut­verluste (Blutungen). Die Adstringentien wirken dabei direct oder indirect, für sich allein oder mit anderen Mitteln gemeinsam (cf. blut­stillende Methode), b) Anderweite Säfteverluste (Synoviaaus-flüsse, krankhafte Se- und Excretionen, Transsudationeu, Exsudationen). Diese lassen sich unterscheiden in laquo;) Verluste von Säften, die den Körper verlassen und ß) von solchen, welche in Höhlen oder Parenchyme des Körpers abgelagert werden. Die ersteren werden in der Regel nur dadurch gefährlich, dass sie dem Körper Material entziehen, die Ernährung stören u. s. w., während die letzteren ausserdem auch noch durch die Wirkung der abgelagerten Säfte auf die betreffenden Organe u. s. w. schädlich werden können. Als Säfteverluste, deren Stillung die adstringirende Methode als Methodus styptica et renitens anzu­streben hat, seien speciell genannt: 1) Synoviaausflüsse aus Gelenk-und Sehnenscheidenwunden. Die Adstringentien bringen bei directer Berührung die ausfliessende Synovia zum Gerinnen und wirken verengernd auf die Ausflussöffnung. Auf diese Weise kann der Synoviafluss ge­stillt werden. 2) Diabetes insipidus, Albuminurie und Diabetes mellitus. Die innerliche Anwendung von Adstringentien ist bei diesen Leiden von Alters her empfohlen worden. Bei Erschlaffung der Gcfässe, leichter Filtration, Schlaffheit dos Nierengewebes ist auch die Wirkung dieser Mittel wohl einzusehen. Sie bewirken eine Ver­engerung der Gefässe, eine Erhöhung des Gewcbstonus u. dcrgl. Natür­lich dürfen nur solche Mittel benutzt werden, welche noch bei ihrer Elimination adstringirend wirken oder solche, welche reflectorisch die Nierengefässe beeinflussen. 3) Katarrhe der Schleimhäute (der Mund- und Rachenhöhle, der Luftwege, der Harn- und Geschlechts­organe) mit zu reichlicher Schleimsecretion (Blennorrhoe) und grosser Schlaffheit der erkrankten Häute. Die meist direct applicirten, selten vom Blute aus angewandten Heilmittel beschränken die Secretion und den Blutgehalt der Häute (Meth. renitens et exsiccans), mindern die Schwellung, heben den Gewebstonus. 4) Exsudations- und Trans-sudationsprocesse mit Ablagerung der Krankheitsproducte in Höhlen und Gewebe (Wassersuchten u. s. w.). Die die Gefässe verengernden Adstringentien erhöhen die Resorption und mindern den Blutgehalt der betreffenden Theile. 5) Galactorrhoe bei Hündinnen, Stuten u. s. w. Man verwendet Mittel, welche durch die Milchdrüsen ausgeschieden werden und demnach bei ihrer Elimination dieses Organ beeinflussen können. 6) Auch bei der wohl selten zu beobachtenden Sperma torrhoe
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 493
hat man eine adstringirondo und tonisircnde Behandlung in Anwendung gezogen. 7) Hj^peridrosis. Bei zu leicht eintretendem und über-_„massigem Schwitzen hat man sowohl den äusserlichen als den inner­lichen Gebrauch chemischer Adstringentien neben anderen Mitteln empfohlen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass durch eine der­artige Behandlung ein günstiger Erfolg erreicht werden kann, nament­lich wenn die Veranlassung der krankhaften Schweisse in localen Ur­sachen (schlaffen, erweiterten Hautgefässen u. dergl.) zu suchen ist. Besonders empfehlenswerth erscheint die äusserliche Anwendung milder Adstringentien und der rationelle Gebrauch des kalten Wassers. 8) Durchfälle, wenn dieselben durch übermässige Secretionen und Transsudationon bedingt werden. Die Adstringentien beschränken die­selben, verengern die transsudirenden Gefässe u. dergl. Wenn die Durchfälle in Folge zu lebhafter Peristaltik auftreten, haben die Ad­stringentien keinen Erfolg. 9) Speicheifluss. Derselbe kann durch Verdichtungsmittel, die man in Form von Maulwässern oder in Schlecken- oder Latwergenform örtlich verwendet, unter Umständen gebessert werden. Auch diejenigen adstringirenden Medicamente, welche durch den Speichel entleert werden, z. B. Blei- und Kupfersalze können bei innerlicher Medication günstig wirken. 10) Zu reichliche Eite­rung. Die chemischen Adstringentien wirken bei directem Contact coagulirend auf die Transsudatc, verengern die Gefässe, hemmen die Emigration und die Theilungsvorgänge der Lcucocyten, tödten die zur Eiterung reizenden Bacterien u. s. w. 11) Nässende Hautstellen. Diese werden dadurch, dass die auf dieselben gebrachten Adstringentien gerinnend auf die exsudirten Flüssigkeiten wirken, trocken und mit einer Decke versehen (Meth. obtegens).
2. Beseitigung der Atonie contractiler Gewebe, Schrum­pfung geschwollener und gedehnter Theile, Schrumpfung und Ertödten neugebildeten Gewebes, Verengerung von Ganälen und Oeffnungen. Diese Indication stellt eigentlich die Aufgabe der tonisirenden Methode dar (cf. unten). Sie ist bei nachbenannten Krankheiten gegeben: a) schlaffe, üppige Granu­lationen und andere Zellwucherungen, Gefäss- und Binde-gewebsneubildungen, Gewebsschwellungen. Die Adstringen­tien bewirken bei diesen Krankheiten eine Verkleinerung und Schrum­pfung der schlaffen Gewebsmassen, eine Verengerung der Gefässe, eine Gerinnung der Eiweisskörper der oberen Zelllagen, eine Läh­mung der Leucocyten, eine Herabsetzung der Zelltheilungsvorgänge u. s. w. Auf diese Weise werden Gewebsschwellungen zum Ver-
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494nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die verdichtenden Curmetlioden.
schwinden, Neubildungen zum Stillstande oder zu langsamerer Bildung gebracht etc. b) Verminderter Tonus (Laxität) aller muskulösen Organe (Verdauungsorgane, Harnblase, Uterus etc.) und besonders der Schliessmuskcln. Bei diesen Krankheiten kommen meistens die functioncll durch üebung und Stärkung wirkenden Verdichtungsmittel in Betracht, c) Prolapse. Abgesehen von der ad b genannten An­wendung der Verdichtungsmittel auf die schlaffen Schliessrauskeln ge­langen die adstringirenden Mittel (Kälte, Tannate etc.) auch auf das vorgefallene Organ zur Anwendung, um dasselbe zu verkleinern und zur Reposition vorzubereiten, d) Hernien. Die adstringirende Methode bezweckt eine Verkleinerung des Bruchsackes, e) Aneurysmen und Varicen. Die adstringirenden Mittel sollen eine Verengerung der Ge-fässe erzielen, f) Gallen. Bei Erweiterungen von Gelenkkapseln und Sehnenscheiden wirken die zusammenziehenden Mittel durch directe Verkleinerung und durch Anregung einer erhöhten Resorption.
3.nbsp; nbsp; nbsp;Bekämpfung von Entzündungen und Hyperämien. Der Nutzen der adstringirenden Methode bei beiden Krankheiten ist einleuchtend. Bei der Entzündung mindern die adstringirenden Mittel die Schwellung, die Transsudation, Exsudation und Emigration, ver­engern die Gefässe, erhöhen den Blutdruck, erhöhen die Resorption und bessern die Ernährung (cf. antiphlogistische Curmethode). Bei der Hyperämie wirken die Mittel durch Gefässverengerung.
4.nbsp; nbsp; nbsp;Bekämpfung von Fäulniss und Gährung und Ver­nichtung der schädlichen Spaltpilze und Fermente. Es kommen hier faulende Wunden und Geschwüre, Gährungen im Magen, Durchfälle und dergl. Zustände in Betracht. Die adstringirenden Mittel beschränken die betreffenden Vorgänge sowohl dadurch, dass sie eintrocknend und coagulirend auf die Geschwürssecrete etc. als auch dadurch, class sie tödtend auf die Bacterien wirken, und die Eivvoisslösungen, die denselben als Nährflüssigkeiten dienen, coaguliren (Meth. autiseptica).
5.nbsp; nbsp; Bilden einer Decke auf den entblösten Stellen. Die Coagulantien bringen die Transsudate und Exsudate zum Gerinnen und bilden einen Schorf, welcher als Decke wirkt.
6.nbsp; nbsp; Bekämpfung gewisser Erkrankungen des Blutes und des Gefässsystems, welche mit passiven Ausdehnungen der Ge­fässe, Blutungen, serösen Ausschwitzungen, mangelhafter Gerinnungs­fähigkeit des Blutes (z. B. Hydrämie, Skorbut, Septicämie. Anämie) einhergehen. Die Indication ist wissenschaftlich kaum haltbar, muss aber als eine empirische liier Erwähnung finden (Meth. antidyscratica).
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fudiciitioiuMi und Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 495
Nur iu den Fällen, wo eine leichte Zerreisslichkeit der Gefässe zu Blutungen Anlass giebt, kann die Anwendung der adstringironden Mittel wissenschaftlich begründet werden.
7.nbsp; nbsp; Bekämpfung von Parasiten. Die adstringirenden Mittel tödten gewisse Parasiten, versetzen andere in eine Art Scheintod und machen wieder anderen den Aufenthaltsort unangenehm und dienen so als Antiparasitica (of. die betr. Methode).
8.nbsp; nbsp; Behandlung von Vergiftungen. Viele Gifte werden durch Tannin wirkungslos gemacht, z. B. die Karcotica und die meisten Alkaloide, die Zink- und anderen Metallsalze, gewisse Brechmittel, die giftigen Pilze.
9.nbsp; nbsp; Aufhebung der Norvenleitung bei Schmerzen. Durch Druck, Berührung eines Nerven mit Adstringentien kann die Leitung eines Nerven leicht aufgehoben werden.
10.nbsp; nbsp; Beförderung der Narbenbildung, Minderung von Zusammen-hangstrenmmgen, zur Consolidation des neugebildeten Narbengewebes.
Mittel.
Die Wirkung der adstringironden Mittel kommt zu Stande durch Eiweissgerinnung, Wasserentziehung, Kältceinfluss (Wärmeentziehung), Druck, Narbenrotraction oder durch active Contraction. Sie ist dem­nach entweder physikalischer oder chemischer oder functioneller Natur. Die physikalisch-mechanischen Agcntien wirken durch Kälte und Druck, die chemischen Mittel bewirken Gerinnung der Eiwcisskörper und deren Derivate, Leim etc. und veranlassen dadurch Verkleinerung und Schrumpfung an den betr. Stellen und Gerinnung aller eiweiss-haltigen Flüssigkeiten, mit denen sie in Berührung kommen, z. ß. des Blutes, der Synovia, der Wundsecrete u. dergl. (Medic, coagulantia); die functionellen Mittel wirken durch die Nerven und Muskeln, sie veranlassen eine directe oder reflectorische Muskelcontraction (z. 13. der Gefässe (Ergotin)) durch Muskel- und Nervenreizung.
Die meisten hierher gehörigen Mittel entfalten aber ihre Wirkung in mehreren Richtungen, so wirken z. B. viele Coagulantia gleichzeitig Wasser entziehend; viele Wasser entziehenden und coagulirenden Mittel rufen durch diese Einwirkung Nervenreizung und active Muskelcon­traction (functionclle Wirkung) hervor; die physikalisch-mechanisch wirkenden Mittel bedingen meistens eine Nervenreizung u. s. w. Die physikalisch, mechanisch und chemisch wirkenden Mittel entfalten ihre directe Einwirkung in der Regel nur am Applicationsorte. Bei einigen chemischen Adstringentien kann aber auch eine entferntere directe Wirkung, z. B. auf die Blutgefässwände, die Ausscheidungsorgane
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496nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die verdichtenden Curmethoden.
u. s. w. mit Grund angenommen werden. Die Wirkungen des Copaiva-balsams und der Cubeben bei Katarrhen der Harnröhronschleimhaut können z. B. nur erklärt werden, wenn man eine adstringirende Wir­kung dieser Mittel bei ihrer Ausscheidung direct auf die ürethral-schleimhaut annimmt. — Die örtliche Wirkung kann oberflächlich oder tief, bedeutend oder unbedeutend sein und unter Umständen sogar zum partiellen Zerfall (Aetzung) führen. Die functionell wirkenden Mittel können sowohl am Applicationsorte als auch an entfernten Stellen reflectorisch Verdichtungen, Verkleinerungen, Verengerungen u. s. w. hervorrufen. Die physikalisch, mechanisch und chemisch wirkenden Mittel entfalten meist auch reflectorische Wirkungen durch Nerven­reiz und wirken demgemäss auch functionell.
1.nbsp; nbsp;Nerven- und Muskelreizo (funetionelie, dynamische Verdich-tungsmittel). Es ist gleichgültig, ob diese Mittel auf die motorischen und secretorischen Nerven und ihre Endorganc oder auf die Muskel­substanz direct oder ob sie indirect reflectorisch von den sensiblen Ner­ven aus wirken, der Erfolg ist stets Muskelcontraction resp. Thätigkeit. Als solche Reize verwendet man: Kälte, Hitze, mechanische Reizung (Reiben, Pochen, Kneten), coagulirende, Wasser entziehende Mittel, Strychnin, Chinin, Seeale cornutum u. s. w.
2.nbsp; nbsp;Aetzmittel und das chirurgische Messer zur Erzeugung von Narben. Man macht eine Wunde, resp. eine frische Wundfläche, um die Bildung von Narbengewebe anzuregen. Das neu gebildete Narbengewebe retrahirt sich stets bedeutend. Dadurch können Oeff-nungen und Canäle verengt und Anschwellungen verkleinert werden.
3.nbsp; nbsp;Adstringentia physicalia. Als solche wirken die Kälte (kaltes Wasser, kalte Luft, Aether, Eis, Kältemischungen etc.), die Electricität, der Magnetismus, alle Wasser entziehenden Mittel (trockene Luft, Streupulver von Kohle etc.) und die Hitze. Die Kälte wirkt sowohl durch einfache Wärmeentziehung, wie auch durch Nerven­reiz und active Contraction schrumpfend; die Electricität bewirkt active Muskelcontractionen und unter Umständen Eiweissgerinnung. Die Luft entzieht den Geweben und den feuchten Theilen, z. B. den Schorfen, Feuchtigkeit (Mcth. exsiccans), macht dieselben trockener, derber, fester und kleiner, erzeugt dadurch Schrumpfung derselben, hemmt die Gra­nulation, die Gährung und Fäulniss und wirkt schorfbildend. In gleicher Weise wirken auch alle porösen und hygroskopischen Körper. Die hohe Hitze kann durch Gerinnung der Eiweisskörper und durch Nervenreiz und reflectorische Contraction adstringirend wirken. Niedere
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 497
Hitzegrade (d. h. laue Wärme) wirken bekanntlich entgegengesetzt. Sie lockern, erschlaffen, wirken ausdehnend.
4.nbsp; nbsp; Adstringentia mechanica. Grob mechanisch verdichtend wirkt nur der Druck, den wir ausüben durch die Hand, durch Ver­bände, ümwickelungen, Tournujuets u. dergl. Ueber die Anwendung des Drucks bei Wunden, Hernien, Vorfällen, Blutungen u. s. w. be­richtet die Chirurgie das Nähere.
5.nbsp; nbsp; Adstringentia chemica (coagulantia). Die Wirksamkeit der hierher gehörigen Mittel erklärt sich wesentlich aus dem A'orhalten derselben zum Eiweiss und den eiweisshaltigen Flüssigkeiten und Form­elementen des Thierkörpers. Die betreffenden Mittel besitzen nämlich eine lebhafte Affinität zum Eiweiss und verwandten Stoffen, verbinden sich mit denselben innig und bilden einen unlöslichen Niederschlag mit ihnen. Sie bringen eiwcisshaltige Flüssigkeiten (Blut, Lymphe, Chylus, Parenchymsaft), sobald sie mit denselben in Berührung kommen, zum Gerinnen. Die Adstringentien hemmen sonach Gährungen und Fäul-nissprocesso, stillen Blutungen und abnorme Ausflüsse eiweisshaltiger Flüssigkeiten. Auf blutende Flächen gebracht machen sie das Blut rasch gerinnen, erhöhen die Gefässcontraction und stillen die Blutung; auf blennorrhoischen und eiternden Flächen beschränken sie die Schwellung, die Gefäss-Injection und die Absonderung; auf Geschwüre und brandige Vorgänge wirken sie durch Vernichtung der Gährungs- und Fäulniss­fermente und durch Beschränkung des Zerfalls. Die schrumpfende Wirkung der Adstringentien ist wesentlich die Folge ihres coaguliren-den Einflusses. — Die chemischen Adstringentien entfalten ihre Wir­kung hervorragend am Applicationsorte und eignen sich besonders zum directen Curverfahrcn und zur äusserlichen Anwendung. Bei inner­lichem Gebrauche beschränken sic die Secretion der Verdauungsflüssig­keiten, machen deren Fermente unwirksam, hemmen die Verdauung, stören die Ernährung, verlangsamen die Defäcation und machen die Fäces trockener, härter; in grossen Gaben wirken sie ätzend. Ueber-haupt entscheidet über die Wirksamkeit der äusserlich und innerlich verwendeten Adstringentien der Grad der Affinität derselben zu den Albuminaten, der Grad der Concentration und Löslichkeit und die Form der Anwendung. Concentrirte Adstringentien wirken unter Umständen tief ätzend, während sie im verdünnten Zustande nur eine oberfläch­liche Schrumpfung hervorrufen. — Die Rosorptionswirkung bezieht sich auf die Depositions- und Ausscheidungsorgane und ist bei einzelnen Mitteln verschieden. Sie kommt bei der adstringironden Methode
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498nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die veidichtenden Curmethoden.
direct nur wenig in Betracht. — Immerhin rufen die meisten hierher­gehörigen Mittel Secretabnahmc der Ausscheidungsorgane hervor.
a)nbsp; nbsp;Adstringentia tannica. Hierhin gehört eine grosse Anzahl von Mitteln, die tanninhaltig sind (Galläpfel, Eichenrinde, Weidenrindc, geröstete Eicheln, Nussblätter, Ratanhiawurzel, Bärentraubenblätter, Catechu, Kino, Salbei, Heidelbeeren, Preissei beeren, Collodium stypti-cura etc.). Der Repräsentant dieser Medicamente ist das Acidum tan-nicum selbst. Tannin und die tanninhaltigen Medicamente bringen Eiweiss und Leim (wenn nicht alkalische Reaction zugegen ist) zum Gerinnen und wirken antifermentativ und antiseptisch. Bei alkalischer Reaction wirkt Tannin zwar nicht mehr coagulirend, aber doch noch AVasser entziehend. Tannin erhöht die Muskelelasticität und entzieht den Muskeln 0 und Wasser. Blut und Lymphe gerinnen zwar durch Tannin; bei wenig Tannin löst sich aber das Tanninalbuminat wieder in den kohlensauren Alkalien dieser Säfte auf. während es bei viel Tannin fest bleibt; das erstarrte Blut schliesst bei Blutungen das blutende Gefäss ab; auf Wunden entsteht eine Decke; lockere Granu­lationen werden dichter und schrumpfen. Dabei ist die Wirkung dos Tannin auf lebende Gewebe immer nur eine oberflächliche. Schleim­häute werden durch Tannin anästhesirt, ihre Gefässe erweitert (!). Die Verdauung wird durch medicinelle Gaben nicht gestört, das Pepsin bleibt wirksam, das Pepton wird nicht gefällt und die Tanninalbu-minate sind peptonisirbar. Auch eine Resorptionswirkung scheint das Tannin zu haben und vom Blute aus noch adstringirend auf die Organe wirken zu können. Nach Lewin wird nicht alles Tannin im Blute zu Gallussäure oxydirt, sondern ein Theil gelangt als Aikalitannat zur Ausscheidung, wird dabei unter dem Einflüsse des phosphorsauren Natrons wieder zu Tannin und kann als solches die Ausscheidungs­organe adstringirend beeinflussen. Tannin wird verwendet bei Magen-, Darm- und anderen Blutungen, Schleimhauterkrnnkungen, bei Diarrhöen, bei krankhaftem Schwitzen, zu Inhalationen und als Antidot bei Vergiftungen mit Morphin, Strychnin, Nicotin, Antimon und allen Metallen.
b)nbsp; nbsp;Adstringentia metallica. Wir fassen darunter die Salze der Schwermetalle (Eisen, Blei, Kupfer, Zink, Silber, Cadmium) und der alkalischen Erden, Alaun und die Alaunpräparate zusammen (Plumbum aceticum, Pl. hydrico-aceticum solutum, PL hydrico-carbonicum, Cuprum sulfuricum, aceticum, Lapis ophthalmicus, Zincura sulfuricum, Ferrum sulfuricum, Ferrum sesquichloratum solutum, Argentum nitricura. Aqua Calcis, Alumen ustum u. s. w.). Diese Mittel besitzen eine hoch­gradige Affinität zu den Albuminaten und bilden mit denselben Nieder­schläge von Metallalbuminaten. Sie bewirken Abnahme aller Ausschei­dungen, Gerinnungen der eiweisshaltigen Flüssigkeiten, Gerinnung der Eiweissbestandtheile der oberflächlichen Zellen mit Schrumpfung der­selben. Verlangsamung der Defäcation, Verminderung von Eiterungen, Austrocknung nässender Stellen u. s. w. Diese Wirkungen treten bei Anwendung von starken Verdünnungen ein; stärkere Concentrationen
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 41)9
wirken dagegen ätzend. Einige der Mittel entziehen den Gewoben auch direct das Wasser. Am stärksten wirkt in dieser Richtung der gebrannte Alaun. Die Adstringentia aluminosa lassen als wesent-quot;Tichste Wirkung die Austrocknung und Verdichtung der berührten Ge­webe erkennen und werden gegen Katarrhe, Diarrhöen und auf Wunden und nässende Flächen angewendet. Bei ausgebreiteteren stark nässenden Hautflächen kann es kein besseres Mittel geben als gebrannten Alaun. Die mildesten unter den aufgeführten Mitteln sind die Präparate der alkalischen Erden und dos Alaun; wohingegen die Salze der Schwer­metalle sehr heftig wirken und mit grosser Vorsiciit, angewendet werden müssen, wenn Anätzung vermieden werden soll.
c)nbsp; nbsp;Adstringentia aeida (Acidum sulfuricura, hydrochloricum, nitricum, boricum etc.). Diese Mittel neutralisircn das Alkali der Gewebe und Flüssigkeiten, coaguliren die Eiweisskörper, entziehen den Geweben Wasser. Je nach der Concentration wirken sie einfach ad-stringireud oder coagulirend oder stark ätzend. Die im verdünnten Zustande innerlich verabreichten Säuren gelangen nicht als solche, sondern in der Form der Salze in das Blut.
d)nbsp; nbsp; Adstringentia resinosa, terebintinosa et ompyreu-matica (Gummi Myrrhae, Theer, Greosot, Carbolsäure, Holzessig, 01. Terebinth., Fruct. Junip.. Fruct. Sabinae, ßals. Copaivae, Fix liquida, Aqua picea u. s. w.). Diese Mittel coaguliren Eiweiss und adstringirou nicht nur, sondern wirken auch reizend und im concentrirten Zustande stark ätzend. Sie sind indicirt bei Auflockerung der Gewebe mit gesunkener Irritabilität. (Ganz vorzügliche Dienste leisten sie gegen Gährangs- und Fäulnissprocesse, deren Erreger und Producte.) Als Adstringentien resp. Tonica kommen diese Mittel auch wesentlich in Betracht bei Katarrhen der Respirations- und Genitalorgane. Sie ver­mindern bei innerer Verabreichung die übermässigon Secretionen.
e)nbsp; nbsp; Adstringentia alcoholica. Diese Medicamente entziehen den Geweben Wasser und Wärme und bringen, im concentrirten Zu­stande angewendet, auch das Eiweiss zum Gerinnen. Dabei regen sie gleichzeitig durch Nervenreizung zu activen Contractionen an. Sie werden nur als Medicamenta tonica benutzt.
f)nbsp; nbsp;Seeale cornutum wirkt bei innerer Verabreichung blutstillend und zwar durch Verengerung der Blutgefasse.
ContraindicatioilOB. Die Verbote, welche gegen die Amvendung der Me­thode gerichtet sein können, sind nur gering; dagegen ist häufiger die Anwendung einzelner Mittel aus speciellen Gründen contraindicirt. Die adstringirende Methode ist z. ß. contraindicirt bei Eiterbildungen im Parenchym und auch bei gewissen krankhaften Ausscheidungen, wenn dieselben im speciellen Falle etwas Heilsames an sich tragen, eine Entlastung des Organismus bewirken, z. B. bei den sogen, kritischen Entleerungen, bei Diarrhöen in Folge reizender Stoffe im Darm u. s. w. Bei Keizungs- und Entzündungszustiinden des Magens kann die Methode auch contraindicirt sein, während sie bei einfachen Katarrhen vorzügliche Wirkungen entfaltet. Bei der Verabreichung adstringirender Mittel stellen sich überhaupt leicht Verdauungsstörungen ein. Sobald diese auftreten, ist eine Contraindication
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500nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die tonisirenden Curmethoden.
gegen die weitere Anwendung der Adstringentien gegeben. Auch der Gebrauch grosser Gaben und stärkerer Concontrationen der betr. Mittel ist wegen der störenden Einwirkung auf die Verdauung verboten. Bei längerer Verabreichung mancher Ad­stringentien (Blei-, Kupfer-, Silbersalze etc.) entstehen in Folge derselben Intoxi-cationen, nervöse Symptome etc. Deshalb ist ein derartiger längerer Gebrauch solcher Mittel stets zu vermeiden.
Anhang. 1. Tonisirendc Heilmethoden. Don verdichtenden Methoden rechnet man wohl auch die tonischen zu oder umgekehrt. Unter Tonus versteht man gewöhnlich die functionelle Energie der Muskeln und Nerven und den Zustand einer gewissen Spannung und derben Beschaffenheit der Gewebe. Die tonisirenden (rslvto, ich spanne) oder roborirenden Methoden sind diejenigen, welche den Tonus er­höhen, welche die Resistenz der Gewebe, deren Stoffwechsel und Er­nährung steigern, die thierischen Organe und Gewebe stärken, die contractilen Elemente derber, fester, leistungsfähiger machen, die Blut-gefässe verengern, krankhafte Secretionen hemmen etc. Zu den toni­sirenden gehören demnach eine ganze Anzahl von Methoden (Meth. stomachica, restaurans, roborans etc.) und ganz besonders die adstrin-girende Methode.
Die Adstringentien können in der That nicht nur einen vorübergehenden, sondern auch einen dauernden, roborirenden, tonischen Einfluss auf die thierischen Gewebe entfalten. Namentlich gilt dies von den functionellen und den physika­lischen Verdichtungsmitteln. Diese regen die betr. Muskeln und Nerven zur Thä-tigkeit an. Sobald dies öfter und längere Zeit geschieht, ist damit eine Stärkung der betr. Theile verbunden; denn jede nicht übermässige Thätigkeit steigert die Ernährung und den Stoffwechsel der Gewebe und stärkt. Die Abhärtungsmittel (cf. S. 40), welche bei zarter, weicher, reizbarer zu Erkältungen neigender und durch den Reiz des Geschirrs und Sattels leicht erkrankender Haut in Anwendung kommen (kaltes Wasser, kalte Luft, Gerbstoffe) gehören zu den Tonicis. — Adstrin­gentia tonioa sind alle leichten und alle zu längerer Thätigkeit anregenden Mittel (Ferrum, Chinapräparate, Salicylsäure, Resorcin, Strychnin, Colombo, Quassia, Creosot, 01. Terebinthinae, Balsamum Copaivae, Cubebae, Aqua calcaria etc.).
Indicationen. Die tonisirenden, stärkenden Methoden sind indicirt: 1) Bei allen Schwächezuständen, bei denen nicht bestimmte Organerkrankungen oder Allgemeinkrankheiten vorliegen, welche als Ur­sache derselben anzusehen sind und bei denen auch weder Nahrungs­mangel noch Druck auf Nerven oder Blutdyscrasien die Ursache der Schwächeerscheinungen abgeben. Diese Schwächezustände betreffen ent­weder den ganzen Organismus oder bestimmte Organe: a) allgemeine Schwäche (Asthenie). Sie tritt besonders im Muskel- und Nerven­system hervor und äussert sich als allgemeine Schlaffheit, Mangel an Energie, Trägheit, Gleichgültigkeit, Apathie, leichtes Ermüden, leichtes Schwitzen, Schlaffheit aller Weichgebilde, verminderte Elasticität der Haut (Stehenbleiben der Hautfalten), Blässe der Schleimhäute, Herz­klopfen, Hyperästhesien, leichte Erregbarkeit, Schreckhaftigkeit u. s. w.
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 501
b) Schwäche der Verdauungs-, Circulations- und Secretions-organe.
2)nbsp; nbsp;Bei Erschlaffungen und Auflockerungen der Gewebe, Erweiterungen, Aussackungen (siehe Indication 3 der adstringirenden Methode).
3)nbsp; Bei Hydrämie, Scorbut, Neigung zu Blutungen u. s. w.
4)nbsp; Bei profusen Se- und Excretionen.
Zu den Mitteln der Methoden gehört: 1) vor allen Dingen die richtige Diät, die Zuführung passender Nahrungsmittel. Man vermeide alle erschlaffende und wässerige Nahrung, füttere trocken und gut. Das Weitere hierüber vergl. unter Methodus nutriens.
2)nbsp; nbsp;Frische, reine Luft, die unter allen Umständen als ein Stär­kungsmittel anzusehen ist.
3)nbsp; nbsp;Kälte, kaltes Wasser und kalte Luft. Die Kälte wird sowohl zur Abhärtung der Haut in Form kühler Stalltemperatur, wie auch örtlich in Form kalter Waschungen, kalter Bäder, kalter Injectionen, kalten Getränkes u. s. w. benutzt. Die kalte Stalltemperatur kräftigt die Haut, erhöht die Wärmeabgabe, steigert den Stoffwechsel, vermehrt den Appetit und verbessert die Verdauung, wirkt also in jeder Bezie­hung kräftigend.
4)nbsp; nbsp;Reinlichkeit. Putzen.
5)nbsp; nbsp;Richtige Abwechselung zwischen Ruhe und Bewegung. Die speciellen Fälle müssen Aufschluss darüber geben, ob vorzugsweise Ruhe oder Bewegung indicirt ist. Bei Schwäche aus Unthätigkeit (z. B. bei fetten Schoosshündchen) ist Bewegung, bei abgetriebenen Arbeitsthieren Ruhe ein Stärkungsmittel.
6)nbsp; nbsp;Arzneimittel, welche die Verdauung und den Appetit heben (Medic, stomachica), das Herz (cardiaca) und die Ncrventhätigkeit anregen (excitantia), den Muskeltonus heben, die Blutbeschaffenheit verbessern und fehlende Bestandtheile der Körpergewebe ersetzen (Spiri-tuosa, Aetherea oleosa, Amara, Adstringentia, Ferrea, Manganmittel, Kalk, Knochenerde, Phosphor, Chinin, Salicin, Strychnin u. s. w.).
2.nbsp; nbsp; Die vereiigcrnde itlcthode wird von der verdichtenden umfasst und ist nur eine Art derselben. Dieselbe ist indicirt bei krankhafter Erweiterung natür­licher Hohlorgane, Canäle und Oeltnungen und deren Folgezuständen, bei krank­haften Erweiterungen von Gelassen, bei klaffenden Wunden, Fisteln, bei mangelhafter Resorption und Rückbildung wegen zu weiter Capillaren und zu geringem Druck. Die Verengerung wird bewirkt chemisch durch die Adstringentia chemica, mechanisch durch Druck (durch die Hand, Gewichte, Umbiegungen, Um Wicke­lungen, Druckwerkzeuge, Tourniquets, Gummibinden etc.), durch Operationen, durch Kälte und durch Entleerungen übermässig gefüllter Hohlorgane, functionell durch Kräftigung von Muskeln, Hervorrufung und Kräftigung von Reflexbewe­gungen, Narbonbildung und unter Umständen auch durch Mässigung von Bewe­gungen (Emphysem etc.).
3.nbsp; nbsp; Ebenso wie die verengernde gehört auch die coagiiliTcntle Methode zu der adstringirenden. Die Indicationen der Methode fallen mit denen der adstrin­girenden zusammen (Stopfung, Austrocknung, Decken, Antisepsis, Verengerung,
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502 Die verdichtenden, verkleinernden und verwandten Curmethoden.
Antidotismus, Antiparasitismus, Aetzung, Zertheilung, Nervenreizung). Die Mittel der Methode wirken nur örtlich durch Gerinnung der in den thierischen Flüssig­keiten und Gewesen vorhandenen Eiweisskörper und unter Umständen auch der Leimstoffe. Es sind die als Adstringentia chemioa oben aufgeführten Medicamente. Zu ihnen kommt noch die Wärme und Electricität und Wasserentzie­hung hinzu.
4.nbsp; nbsp; Die Aetzcuren (siehe S. 320).
5.nbsp; nbsp; Die austrocknenden Hlethoden (M. exsiccantes). Die örtlich austrocknenden Methoden fallen vielfach mit den verdichtenden Ouren zusammen. Man bezweckt mit denselben Verdichtung, Eintrocknung von Epithelien, Exsudaten, Eiter und sonstigen Krankheitsproducten, gelinde Reizung der peripheren Nerven (CINa wirkt in der Epidermis wasserentziehend, dadurch entsteht Nervenreizung, dadurch er­höhter Stoffwechsel!), Schrumpfung lockerer Granulationen, Bildung trockener Schorfe u. dergl. ähnliche Wirkungen, welche bei der verdichtenden Methode erwähnt wurden. Die Mittel der Methode wirken durch Verdunstung, Aufsaugung, Minde­rung der Absonderung und der Blutzufuhr, durch Coagulation und Porosität und sind vorn aufgeführt worden.
6.nbsp; nbsp; Die vereinigenden Methoden fallen vielfach mit den verengernden zu­sammen und schliessen sich den verdichtenden und verkleinernden folgerichtig an. Sie sind indicirt zur Aufhebung abnormer Trennungen des Zusammenhanges, zur Einleitung vollständiger oder theilweiser Verwachsung von Theilen, Geweben und Organen, die normaliter getrennt sind, zur Herbeiführung der Verödung von Ca-nälen und Gewebstheilen, zur Verhütung des Eintritts schädlicher Stoffe in Höhlen, die abnormer Weise geöffnet sind. Die Methode gelangt demnach zur Anwendung bei frischen und alten Wunden, Knoohenbrüchen, Zerreissungen, Aneurysmen, blutenden Gefässen, angeborenen Spaltbildungen, abnorm erweitertem ßauchring, zu weiten Oeffnungen, Fisteln etc.
Die Mittel der Methode, wie auch die Contraindicationon finden in der Chirurgie und Operationslehre ihre Besprechung. Man unterscheidet 1) mecha­nische (Anlegen von Nähten, Auffrischung von Geschwürsflächen, Erzeugung von Wunden u. s. w.) und 2) chemische und functionelle Mittel (Aetzmittel, Medicamenta acria, Jodeinspritzungen, Förderung der Granulation u. s. w.).
7. Die erweichenden, erweiternden und verwandten Curmethoden.
Den verkleinernden, coagulirenden, verengernden und verdichtenden Methoden entgegengeüetzt wirken die vergrössernden, auflösenden, erweiternden, erschlaffenden (erweichenden, lockernden) Methoden. Während mit dem Gebrauche der erstgenannten Methoden stets eine Verkleinerung der behandelten Theile einhergeht, ist bei den jetzt zu besprechenden Methoden stets eine Vergrösserung des Beein-flussten zu constatiren. Dort ist die Verkleinerung, hier die Vergrösse­rung das gemeinsame Moment der Einzelcuren.
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Die erweichende etc. Methode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 503
A. Die erweichende, auflockernde, erschlaffende Methode.
Indicationen. Die Aufgabe dieser Methode besteht darin. Krank-heitsproducte (Blutgerinnsel, Exsudate, Eitermassen u. dergl.) zu er­weichen, Spannungen in den thierischen Geweben zu beseitigen, aus­dehnend auf die letztereu zu wirken, ihre Consistenz zu mindern und sie in einen schlaffen Zustand zu versetzen. Die Anwendung der Methode wird bedingt durch:
a)nbsp; nbsp;Abnorme Dichtigkeit, Trockenheit, Härte, Starrheit, Rissigkeit von thierischen Theilen und Geweben und von Krankheits- und Abson-derungsproducten (feste Schorfe, harte Krusten), Verhärtungen von Bändern und Sehnen, harte Schwellungen der Haut und anderer Theile, Spannungen im Muskelgewebe, sprödes, bröckliches Hufhorn u. dergl.
b)nbsp; nbsp;Verminderte Driisensecretionen.
c)nbsp; nbsp;Zu geringe Eiterung bei den per secundam intentionem heilenden Wunden und bei Abscessen in der Tiefe.
d)nbsp; nbsp;Schmerzen, die durch Spannung und durch Druck, durch Geschwülste, gespannte oder zu trockene Gewebe entstehen. Die die Spannung hebende, den Druck beseitigende, den Feuchtigkeitsgehalt und die Wärme steigernde erschlaffende Methode wirkt in diesen Fällen schmerzlindernd.
e)nbsp; nbsp;Gewisse Entzündungen. Alle Entzündungen, die mit starken Schmerzen und Spannung einliergehen und die eine ausgesprochene Tendenz zur Eiterung haben, erfordern den Gebrauch der erschlaffenden Mittel, so z. B. heftigere Quetschungsentzündungen, Stasen, vorge­schrittene Katarrhe, Katarrhe mit trockenen Schleimhäuten, Entzün­dungen von Sehnen und sehnigen Häuten. Eine Entzündung mit be­ginnender Eiterung kann durch die Behandlung mit adstringirenden und kühlenden Mitteln nur verschlimmert werden. In solchem Falle sind erweichende, reifmachende Mittel (Maturantia) anzuwenden. Eine Entzündung von Lymphdrüsen und wirklichen Drüsen nimmt den besten Verlauf beim Gebrauch der erschlaffenden Methode, sobald das betr. Leiden schon etwas vorgeschritten ist.
Mittel. 1. Wärme und Feuchtigkeit sind die beiden wesent­lichsten Mittel der fraglichen Methoden. Man kann jedes für sich allein oder beide gemeinsam anwenden. Im letzteren Falle erzielt man den besten Erfolg.
Wärme wirkt schon an und für sich physikalisch ausdehnend. Diese 'Wir­kung übt sie auf Lebendes und Todtes, Organisches und Unorganisches aus, wenn die
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504nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die erweichenden Curmethoden.
betr. Körper nur die Fähigkeit der Dehnbarkeit besitzen. Bei lebenden thierischeu Geweben ist eine Folge der Wärmewirkung die Erweiterung der Blutgefässe und die Vermehrung des Blutgehaltes der betr. Theile. Gleichzeitig wird allerdings den Geweben bei Anwendung trockener Wärme auch etwas Wasser entzogen. Werden die Theile aber in entsprechender Weise (durch einhüllende Mittel u. dergl.) vor dem Säfteverlust geschützt, dann tritt dieser Nachtheil nicht ein.
Feuchtigkeit an sich wirkt auch erschlaffend, lockernd, erweichend, dehnend, indem sie den Wassergehalt der Gewebe erhöht, Gerinnsel erweicht und lockert, ihre löslichen Bestandtheile aullöst u. s. w. Bei Anwendung von Feuch­tigkeit kommt aber immer ein zweites Moment, die Temperatur der verwendeten Flüssigkeit sehr wesentlich in Betracht. Je nachdem ist die Wirkung eine ganz verschiedene; kalt angewendete Feuchtigkeit adstringirt. Ausdehnend wirkt die Feuchtigkeit in der Regel nur, wenn sie warm angewendet wird. Dann tritt eine Combination der Wirkung der Wärme und der Feuchtigkeit ein, eine gegenseitige Steigerung der Einzelwirkung. Der Gebrauch der warmen Feuchtigkeit resp. der feuchten Wärme ist deshalb ausserordentlich beliebt und vorzüglich wirksam. Warmes Wasser erweicht die festen Krusten, Borken, Schorfe und löst sie ab, macht spröde Stoffe geschmeidig, erweicht feste, trockene Kothballen, lockert, erschlafft die organischen Gewebe, macht sie wasserreicher, weicher, blutreicher und hebt deren Func-tionen, bringt Säftestauungen zum Verschwinden, macht die Cir­culation frei, erhöht Transsudationen, Exsudationen, Emigrationen, Zellenbildung, befördert die Eiterbildung und Granulation von Wund- und Geschwürsflächen, erweitert die Drüsenausführungs­gänge und die secernirenden Hohlräume, regt die Driisensecretionen an, befördert die Resorption durch Erweichung und Anregung der Circulation, stillt Schmerzen durch Beseitigung krankhafter Span­nungen u. s. w.
Die feuchte Wärme wird in zwei Formen angewendet: 1) In Form der Zuführung von aussen. Dies geschieht durch feuchtwanne Umschläge und warme Bäder. Erstere werden aus schleimigen und mehligen Stoffen (Leinsamen, Leinsamenmelil, Althäa etc.) und warmen Wasser hergestellt. Zu letzteren verwendet man entweder warmes Wasser rein für sich oder mit Zusatz von aromatischen, nar­kotischen, lösenden (Alkalien) Mitteln u. dergl. Bei Thieren kann es sich nur um Anwendung von Fuss- und Dunstbädern handeln; andere Badearten sind meist nicht ausführbar. Der Gebrauch der warmen Feuchtigkeit in der Form der Zu­führung von aussen findet nur in beschränktem Maasse statt, bei starker schmerz­hafter Spannung, bei Hufleiden, bei beginnender Eiterung u. dergl. Zuständen. — 2) In der Form der Benutzung der eigenen thierischen Wärme und Feuchtigkeit (s. Wärmecuren). Die Ausführung dieser Behandlungsmethode er­folgt derart, dass man die in Frage kommenden Theile in der Weise bedeckt, dass die Wärme- und Feuchtigkeitsabgabe gehindert wird. Es geschieht dies durch das Ueberziehen mit einer dichten Decke (Glycerin, Glycerinsalbe, Fett, Gel, Eiweiss, Schleim, Theer, Firniss etc.), das sogen. Firnissen, durch das Bedecken mit trockenen Stoffen, welche schlechte Wärmeleiter sind und die Feuchtigkeit zurück­halten (Guttapercha, Gummibindon, Filz, Wolle, mehrfach übereinander gelegte Leinwandbinden u. s. w.) und durch den Gebrauch der sogen. Priessnitzumschläge.
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 505
Bei all diesen Methoden wird die Temperatur und der Feuchtigkeitsgehalt der bedeckten Theile wesentlich erhöht und auf diese Weise eine günstige Wirkung auf die verhärteten, gespannten, schmerzenden Theile ausgeübt, jede Lösung und Zer-iheilung befördert u. s. w. Die Methode der Benutzung der thierischen Eigenwärme und Feuchtigkeit ist thierärztlich wegen der Schwierigkeit des Gebrauchs der Kataplasmen und Bäder ausserordentlich wichtig. Bei Erkrankungen des Euters und vieler Drüsen, bei denen die warme Flüssigkeit indicirt ist, müssen wir von der Benutzung der Kataplasmen absehen und können aus practischen Gründen nur das üeberfirnissen mit Gel u. dergl. resp. die Priessnitzumschläge anwenden. Bei den Priessnilzumschlägen wird übrigens auch etwas Feuchtigkeit von aussen zu­geführt.
2. Als andere erschlaffende Methoden sind zu nennen: Anregung zu Eiterungen, Anwendung von Narcoticis, von Glycerin, Vaseline, Fetten, Oelen, Schleim u. dergl.
Verhärtungen, welche nicht anderweitig beseitigt werden können, sind nicht selten durch Anregung der Eiterung vollständig zum Verschwinden zu bringen; geronnene Exsudate, frische Neubildungen können durch den Eiterungsprocess zur Lösung gelangen u. s. w. — Die Earcotica wirken natürlich nur erschlaffend bei Spannungen, die durch krankhafte Nervenirritabilität und dadurch bedingte active Contraotionen verursacht werden. Glycerin und Vaseline und Fette wirken wesentlich durch Zurückhaltung von Wärme und Feuchtigkeit. Sie können aber auch direct aufweichend etc. wirken. Die Fette z. B. machen geschmeidig, erhöhen die Dehnbarkeit, verhindern Sprödigkeit und Rissigkeit und machen Schorfe und Krusten ablösbar. Bei schrundiger, rissiger, mit Schorfen bedeckter Haut, sprödem Hufhorn u. dergl. Zuständen ist die Anwendung von Fett, Vaseline und Glycerin entschieden angezeigt. Der Durchfettung des Hufes, d. h. dem Einschmieren des­selben mit fetten Salben sollte zweokmässiger Weise stets eine gründliche Reinigung mit nachheriger Durchfeuchtung vorhergehen.
Contraindicatlonen. Wenn bei Anwendung der Methode z. B. die Secre-
I tionen und Transsudationen, die Eiterung zu bedeutend, die Granulationen zu üppig
und zu locker werden, dann ist die fernere Anwendung der Methode contraindicirt.
ß. Die erweiternde Methode (M. dilatans).
Indicationen. Die dilatirende Methode bezweckt die Erweiterung von natürlichen oder abnormen Canälen und Oeffnungen und physiolo­gische Hohlorganen. Sie wird angewendet a) bei Verengerung von ßlutgefässen, b) von natürlichen Oeffnungen, c) von Hohlorganen und Canälen, d) bei zu engen Fisteln, e) bei zu engen Oeffnungen an Abs-cessen, eiternden Höhlen u. s. w.
Mittel. 1. Mechanische. Die Erweiterung von Oeffnungen und Canälen kann mechanisch geschehen durch Einführung der Finger, der Hand, des Armes; durch Einlegen von quellenden Stoffen (Laminaria digitata, Pressschwaram etc.), die bei ihrer Quellung gewaltsam er­weiternd wirken; durch Einschiebung harter, kegelförmiger Verband­stoffe (aus Werg, Jute gedrehten Kegeln) und Instrumente; durch den
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.r)00nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die erweiternde und lösende Curmethode.
Gebrauch scheerenartiger üilatatoreu, durch Einspritzung von Flüssig­keiten, die man eine Zeitlang in den Canälen festhält, durch Einführung von Gummi, Kautschuk- etc. Blasen, die man mit Luft aufbläht, durch Einschneiden der Wände der Canäle und Oeffnungen und andere, z. B. transplantatorische chirurgische Operationen.
2.nbsp; nbsp;Chemisch und physikalisch wirkende Mittel. Es sind dies in erster Linie die sämmtlichen in der vorhergehenden Methode genannten erweichenden, erschlaffenden und lösenden Mittel. Sodann sind bei Verengerungen, welche durch Schwellungen der Wände veran-lasst werden, adstringirende Mittel am Platze. Endlich sind auch die Aetzmittel als wichtige Erwciterungsmittel, z. B. bei Fisteln zu nennen.
3.nbsp; nbsp; Die functionell wirkenden erweiternden Mittel kommen wesentlich bei den durch Krampfzustände bedingten Verengerungen in Betracht und werden durch die Remedia antispasmodica repräsentirt. Ausserdem können aber auch andere Mittel functionell erweiternd wirken, wie folgende Beispiele beweisen: Bei Harnblasenverschluss kann eine reflectorische oder directe Anregung des Detrusor urinae unter Umständen günstig wirken. Bei Verengerungen durch Hyper­ämien, Schwellungen und Entzündungen sind die Medicamenta anti-hyperaemica und die Resorbentia am Platze.
C. Die lösende Curmethode (M. solvens).
Indicationen. Die lösende Methode bezweckt die Unschädlich­machung gewisser fester Dinge resp. die Entfernung derselben von der Stelle, an der sie sich befinden oder deren Entfernung aus dem Körper. Die zu lösenden Dinge sind verschiedener Natur, es sind Krankheits-produete oder fremde von aussen in den Organismus gelangte Körper oder Körperbestandtheile, z. B. Blutgerinnsel, zähe feste Schleimmassen, todte oder unter Umständen auch lebende Parasiten, verschluckte Metall­stücke, geronnene Exsudatmassen, Eiter, Blutkörperchen, Epithelicn, Harn- und andere Steine, Concremente, Harnsäure und Kalksalze u. s. w.
Die Entfernung des Gelösten kann in verschiedener Art und Weise geschehen, entweder direct durch Muskelbewegungen (Expectoration, Entleerung mit dem Harn, dorn Kothe etc.) oder durch Aufnahme in das Blut. Im letzteren Falle werden die resorbirten Stoffe direct den Excretionsorganen übergeben oder anderweitig ver-werthet, verbrannt u. s. w. Die Einleitung und Beförderung der Resorption ge­schieht durch gewisse Mittel und Methoden. Diese werden an anderer Stelle abge­handelt (s. Resorption befördernde Methode).
Mittel. Die Mittel der Methoden sind Wasser, Alkalien, alka­lische Salze, Säuren und andere der Natur der zu lösenden Stoffe angepasste Mittel. Sie werden je nachdem äusserlich und innerlich angewendet und geschieht die Lösung entweder durch directe Zuführung der lösenden und zersetzenden Substanzen zu dem zu Lösenden oder durch Zuführung derselben durch das Blut oder durch Zurückhalten von Körperflüssigkeiten. Die Zuführung der Lösungsmittel durch das
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Die einhüllende und deckende Curmethode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;507
Blut ist bei gewissen Mitteln zweifellos möglich. So kann man den Harn durch einfache Wasserzufuhr verdünnen, durch innerliche Verab­reichung von Alkalien alkalisch und zum Lösen von harnsauren Salzen geeignet machen, so kann man durch innerlich verabreichte Alkalien den zähen Schleim in den Respirationsorganen verflüssigen. Näheres über die lösenden Mittel wird an anderer Stelle ausgeführt, so bei Besprechung der Inhalations-, der expectorirenden, der diuretischen und der die Resorption befördernden Ourraethoden.
Wie wir an die Gruppe der verkleinernden Methoden die vereinigenden, so können wir hier an die vergrössernden die trcunmhleii Hethuden anschliessen. Diese bezwecken die Beseitigung eines abnormen Zusammenhanges, die Bildung von Canälen und Oeffnungen, die Erweiterung solcher, die Herstellung von Beweglich­keit (bei Sehnen- und Fasciencontraoturen u. dergl.), die Wiederherstellung der normalen Lage der Körpertheile (bei Zerrnarben, llernion u. s. w.) die Verkleine­rung gewisser Theile (Frenulum linguae, Zäpfchen d.M.), Entfernung schädlicher Körpertheile und fremder schädlicher Körper, die Einverleibung von Stoffen, die Herstellung des Zusammenhanges und Ersatz des Verlorenen (Schliessen von Fisteln, Transplantationen), Beseitigung gewisser Functionsstörungen (Neurotomie bei Lahmheiten).
Die eine Zusammenhangtrennung erzielenden Mittel sind verschiedener Natur, sie wirken auf mechanischem oder chemischem Wege oder durch funotionelle Vor­gänge. Mechanisch erzielt man Zusammenhangtrennungen durch schneidende, stechende, bohrende, reissende, schabende Instrumente, Bänder zum Abbinden, Quetschapparate u. s. w.. chemisch durch Aetzmittel, l'unctionell durch An­regung von Mnskelbewegungen (Irisbewegungen, bei losen Verklebungen derselben mit der Linsenkapsel), Einleitung der Exsudation, der Eiterung, der Resorption, der Verödung. Das Nähere über die in Frage stellende Methode schildert die Chirurgie.
D. Die einhüllende, überziehende, deckende Curmethode (Meth. involvens, obtegens, obvolvens).
Mit dieser Methode beabsichtigt man entweder Körpertheile, Häute etc. mit einem üeberzuge resp. mit einer Decke von mehr oder weniger grosser ündurchdringlichkeit zu verschon oder fremde Körper, welche sich im Thierkörper befinden oder in denselben eingeführt werden sollen, einzuhüllen und schlüpfrig zu machen, um den reizenden Einlluss, welchen derselbe auf den Thierkörper ausübt, zu mildern oder aufzuheben. Diese Methode fällt zuweilen mit den vergrössernden resp. erschlaffenden Methoden zusammen.
Indicationen. Mit Anwendung der einhüllenden und deckenden Curmethode bezweckt man:
a) Die Erlangung eines Schutzes gegen äussere normale und abnorme Einflüsse, gegen schädliche Einverleibungen, gegen Gifte, gegen Kälte und Hitze, gegen ablliessende Se- und Excrete,
Bllenberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;oo
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508nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; üie einhüllende und deckende Curmethode.
gegen die atmosphärische Luft, gegen Berührungen und Reibungen durch anliegende Thcile und Organe oder fremde Körper u. dergl. Diese Indication kommt in Betracht: 1) lgt;eim Fehlen der normalen Decke eines Körpertheiles, beim Fehlen der Epidermis der äusseren Haut, des Epithels der Sehleimhäute u. dergl., beim Vorhandensein von frischen Wunden u. s. w. Die dockenden Mittel sollen die fehlende norraalo Decke ersetzen und die Einwirkung der Luft mir ihren ünrein-lichkoiten und dergl. Einflüsse abhalten; 2) bei abnormer Irrita­bilität (Hyperästhesie) eines Theiles. z. B. beim Einschuss der Pferde, bei Augenentzündungen, bei gewissen Neuralgien etc. (und bei normaler Irritabilität, wenn der betr. Theii aus anderen Gründen geschont werden soll): 3) bei der Einverleibung stark reizender, ätzender Stoffe. .Man hüllt die betr. Theile und Häute, die der Reizung aus­gesetzt sind ein, resp. versieht sie mit einer Decke. So verabreicht man Schleim und Oel zum Schutz der Verdauungsorganc. injicirt diese Stoffe in die Geschlechtsorgane zu deren Schutz u. s. w. Empirisch wendet man einhüllende ilittel auch innerlich bei Gefährdung entfern­terer Organe, z. B. der Excretionsorgane durch Stoffe, die in den Or­ganismus und zur Resorption gelangt sind. Thatsächlich scheinen Reizungen in den Harnwegen, den Respirationsorganen durch die Ver­abreichung schleimiger Stoffe gemildert zu werden. Bei dem Gebrauch scharfer und diuretischer Medicamente sind deshalb die einhüllenden Mittel beim Kintreten von Reizungen der Barnorgane indicirt; 4) bei Läsionen von Körpertheiien durch abfliessende reizende Se- und Excrete (Harn, Thränen. Jauche); 5) bei Einreibung scharfer Salben und anderer scharfer Mittel zum Schütze der darunter gelegenen Theile gegen etwa abfliessende Arzneien.
b) Einhüllung und Schlüpfrigmachen von äusseren Gegenständen und Medicamenten, die mit dem Thierkörper in Berührung kommen oder in denselben eingeführt werden, wenn nachtheilige Einwirkungen von denselben durch Reibung und Be­rührung. zu erwarten sind. Die Reibungen und Berührungen sollen durch die betr. Heilmittel möglichst vermieden werden. Die Hände und Instrumente, welche in Schleimhautcanäle des Körpers eingeführt werden sollen, werden mit öligen und schleimigen Mitteln schlüpfrig gemacht. Die Reizung der Rectalsch leimhaut durch trockene Fäcal-massen wird durch schleimig-ölige Klystiero gemildert. Scharfe, stark reizende, ätzende Arzneimittel giebt man in Emulsionsform, mit Schleim, Oel, Gummi u. dergl., um denselben die reizenden Eigenschaften zu nehmen oder dieselben wenigstens zu mindern.
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;509
c)nbsp; nbsp; nbsp;Zurfickhaltang von Wärme und Feuchtigkeit und Verhinderung des Verlustes derselben. — Deckende Mittel hindern
--die Wärme- und Feuchtigkeitsabgabe. Dadurch können Zertheilungen herbeigeführt, Eiterungen beschleunigt, Spannungen und Schmerzen gehoben. Resorptionen eingeleitet, Verhärtungen beseitigt werden. Sie sind z. B. indicirt bei Haut- und oberflächlichen Euterentzündungen, bei gewissen Augenleiden und zur Wundheilung u. s. w. Auch zur Unterstützung der diaphoretischen Methode ist die einhüllende am Platze.
d)nbsp; nbsp; Verhinderung von Ausflüssen. Bei Gelenk- und Sehnen-scheidenwunden u. dergl. Zuständen, bei denen Secrete entleert werden, die eigentlich an der betreffenden Stelle verbleiben müssten, verklebt man die Ausflussoffnung. Man erfüllt damit 2 Indicationen, man ver­hindert einerseits den schädlichen Secretverlust, andererseits aber auch das Eindringen schädlicher Stoffe von aussen in die betr. Höhlen und die reizende Einwirkung der Luft.
e)nbsp; nbsp; Heilung und Zertheilung entzündlicher Krankheits-processe (Verbrennungen, Exanthema etc.). Heilsam wirken bei diesen Krankheitszuständen die Dcckmittel durch Abhaltung neuer Reize, Inruhcsetzen des betr. Theiles und durch Zurückhaltung von Wärme und Feuchtigkeit, und unter Umständen auch durch die Einwir­kung der Mittel als Gegendruck. Es sind dies Alles Momente, welche eine Zertheilung der Entzündung begünstigen.
f)nbsp; Befestigung und Verklebung von Körpertheilen.
g)nbsp; Förderung des örtlichen Stoffwechsels.
h) Erzeugung eines Gegendrucks. Bei Wunden, Excretionen und dergl. quellen die hyperämischen und entzündlichen Theile leicht vor und ent­stehen luxuriöse Granulationen u. dergl. In diesem Falle sollen üeclimittel sehr günstig wirken, indem sie aussei- der schon erwähnten Wirkung der Abhaltung von Reizen, Bacterien etc. noch einen heilsamen Gegendruck erzeugen. Siedam-grotzky hält die Anwendung des Gegendrucks bei Garo luxurians für fehlerhaft, weil der Ausfluss und die Ausstossnng gehindert wird und weil die Wucherungen auf einen Reiz in der Tiefe deuten, gegen den man zweckmiissig einschreiten muss.
i) Schmerzlinderung und Beruhigung hyperästhetischer Nerven. Bei Neuralgien, exeoriirten Ilautstellen, oberflächlichen schmerzhaften Entzün­dungen u. dergl. Krankheiten hat die deckende Methode einen sehr heilsamen Einfluss. Die hyperästhetischen Nerven werden den Reizen theihveise oder ganz entzogen, gleichzeitig mindert auch die zurückgehaltene Wärme und Feuchtigkeit die Schmerzen.
Mittel. Die Mittel, mit welchen wir die fraglichen Zwecke zu er­reichen streben, entfalten ihre Wirkung im dickflüssigen, festweichen oder festen Zustande Danach bezeichnet man dieselben als: 1) Lubri-
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4
510nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die einhüllende und deokende Curmethode.
cantia, 2) Glutinantia, 3) Obtegentia. Dazu kommen dann noch die trockenen festen Einhüllungen und die schorfbildenden Mittel.
Zu den einhüllenden, schlüpfrigmachenden Mitteln (Lubri-cantia) sind zu zählen: die Schleime, Oele, Fette, Glycerin, Eiweiss-stoffe, Mehlsubstanzen, Kleister, Emulsionen, Vaseline u. dergl.
Für äusserliche Anwendung ist das Glycerin vielleicht das beste und wich­tigste aller aufgeführten Mittel. Bei Reizungen der Magendarmschleimhaut, der Conjunctiva etc. eignen sich besonders die schleimigen, mehligen und albuminosen Mittel, während die Fette sowohl äusserlich wie innerlich brauchbar sind. In neuerer Zeit ist zum äusserlichen Gebrauche Vaseline am meisten empfohlen; leider veranlasst dieses Mittel bei Pferden oft Ausgehen der Haare.
Zu den Obtegentia gehören in erster Linie alle Coagulantia (s. adstringirende Methode). Sie bilden dadurch die schützende Decke, dass sie mit den Albuminaten der Secrete der Wunden, Geschwüre etc. Verbindungen eingehen und die Flüssigkeiten zum Gerinnen bringen.
Eine gute Decke bilden die Bleimittel, der Höllenstein, Kupfervitriol, Alaun-kupfer und die Tannate. Aber auch der Alkohol, die Carbolsäure, Kreosot und andere Mittel können zu diesem Zwecke verwendet werden. Bei Abwägung der speciellen Indicationen sind die Nebenwirkungen der betr. Mittel; Heizung, Desin-fection etc. wohl in Anschlag zu bringen.
Zu den deckenden Mitteln muss man auch die schorfbildende Hitze, das glühende Eisen und den Electrocauter rechnen. Diese Mittel bilden feste, drückende Krusten, die geeignet sind, Blutungen und Synoviaaustlüsse zu slillen, lockere Granulationen durch Druck zu beschränken. Geschwürs- und Wundflächen zu decken. Bei manchen Blutungen und Gelenkwunden bleibt das glühende Eisen auch heute noch das beste Heilmittel.
Andere deckende Mittel sind in den trockenen festen Einhül­lungen und Um Wickelungen und in den Verbänden überhaupt gegeben. — Endlich kommen als deckende Mittel auch die Gluti­nantia in Betracht: Leimstoffe, Wachs, Terpentin, Theer, Pech, flüssiges Guttapercha, Kautschuk, alle möglichen Kittmassen und Pflaster, Collo-dium, Stärkemehl, Gummi u. s. w.
Die Pflaster finden in der Thierheilkunde nur selten Anwendung, weil sie auf der behaarten Haut der Thiere schwer haften und durch die Bewegungen der Hautmuskeln und die Gelenkbewegungen gelockert werden. Ausserdera kommen als Htilfsmittel bei dieser Methode diätetische Maassnahmen zur Verwendung: Entzie­hung von Licht durch Verdunkelung des Stalles, Fernhaltung der Kälte durch Warmhalten des Stalles, Verabfolgung- eines schleimigen Futters u. dergl.
Contl'aifldlcatioueil. Die Contraindicationen richten sich meist nur gegen bestimmte Mittel, selten gegen die Methode überhaupt. Die einhüllenden schleimigen
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Weitere allg-emeine Curmethoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 511
Mittel veranlassen bei ihrer innerlichen Verabreichung leicht Erschlaffung der Ver-dauungsorgane, Störungen der Verdauung, wahrscheinlich wegen mangelnder Rei­zung der Schleimhaut und deshalb ungenügender Secretion der Verdauungssäfte. Sobald diese Folgen bemerkbar werden, muss man mit dem Gebrauch der Mittel aussetzen. Bei Vergiftungen mit Phosphor und Canthariden sind die Oele contra-indicirt u. s. w.
Aamp;haDg. Als weitere allgemeine Curmethoden sind noch kurz zu erwähnen:
1.nbsp; nbsp;Die neutralisiren den Methoden. Man verstellt darunter die Zu­führung von Säuren bei Alkaliübersehuss und Säuremangel und die Zuführung von Alkalien und Säureentziehung bei Säureüberschuss im Körper. Die säurewidrige Methode kommt nicht selten in Anwendung. Die wesentlichsten Anhaltspunkte für die Indicationen dieser Methode findet man in den Reactionsverhiiltnissen der So- und Excrete und gewissen Störungen der Organfunctionen. Die Besprechung dieser Methode erfolgt an anderer Stelle.
2.nbsp; nbsp;Die Entleerungs- und Reinigungscuren. Man verstellt darunter diejenigen Methoden, welche die Entfernung von Stollen aus dem Innern oder von der Oberfläche des Körpers bezwecken. Indicationen werden gegeben durch das Vorhandensein fremder Körper im Körper, Anstauung von Se- und Excreten, An­häufung von Exsudaten und Eiter, Säftevermehrung, Dyscrasien, Vollblütigkeit, Oedemen, Wassersuchten, Epithelsoliuppen, Verstopfung u. s. w.
Die Entleerung geschieht durch mechanisch, chemisch und functionell wirkende Mittel. Zu den ersteren gehören die Hand des Thierarztes und Instru­mente, welche durch Druck, Schneiden, Saugen, Erschütterung u. s. w. wirken; zu den chemischen Mitteln sind, zu zählen: die lösenden, erweichenden, schmelzenden Mittel und zu den functionell wirkenden alle diejenigen Mittel, welche Bewegungen, Secretionen, Erschlaffungen bewirken und Lebewesen und Parasiten tödten. Die Entleerung erfolgt dann durch Husten, Niesen, Flimmerbewegung, Erbrechen, Peristaltik, Uteruscontractionen, Erschlaffung von Sphincteren, Diarrhöen, Harn­ruhr, Aderlass u. s. w.
3.nbsp; nbsp;Die Entzieh ungs- und die Zuführungscuren, s. diätetische Heil­methoden.
4.nbsp; nbsp;Die alterirende Methode (Meth. metasyncritioa, s. alterans, s. sub-stitutiva).
Mit dieser Methode bezweckt man eine Veränderung des gesammten Ernäh-mngsprocesses. der Organbestandtheile und Flüssigkeiten; dadurch soll die Mög­lichkeit der Genesung in dem speciellen Falle gegeben werden. Die Methode gelangt zur Anwendung bei schweren allgemeinen und localen Erkrankungen, namentlich solchen des Nervensystems (Neuralgie, Neurasthenie etc.), bei der Sy­philis, bei inveterirten Hautausschlägen u. s. w. Worin die bezweckte sogen. Alte­ration besteht, ist uns durchaus unbekannt. Sie besteht in einigen Fällen wohl in der Vernichtung von Gährungs- und Fäulnissproducten oder Erregern, in Vernich­tung der Krankheitserreger (Syphilis), in Neutralisationsvorgängen (Gicht), in Lösungsprocessen, Dünnflüssiginachen des Blutes, Erhöhung der Widerstandskraft des Organismus, Aenderung der Dispositionsverhältnisse und des Ernährungszu­standes desselben u. s. w.
Die Mittel der Methode wirken entweder allgemein oder nur auf bestimmte Theile (z. B. Drüsen) und werden entweder direct oder vom Blute aus angewendet.
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51 quot;2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Diätetische Curmcthoden.
Die diffusibien Medioamente können vom Blute aus alle Gewefce und Flüssigkeiten und eventuell auch einzelne Theile specifisch beeinflussen. Die von den Mitteln erzeugte Alteration kann, wenn sie keine locale, sondern eine multiple ist und nicht nur in einer Besserung des Ernährungszustandes und der Kesistenzfähigkeit des Organismus beruht, mir vorübergehend sein. Locale Alterationen können dauernd bestehen.
Als Remedia alterantia sind zu nennen: DieRemedia nauseosa und emetica, die giftigen Metalle und Metalloide, sowohl die die Ausscheidungen begünstigenden (Solventia metallica, alterantia, antiplastica), als die die Gewebe verdichtenden und die Secretionen mindernden (Consolidantia metallica), als auch die die Erreg­barkeit des Nervensystems herabsetzenden (Nervina metallica) Mittel, z. B. Queck­silber, Gold, Zink, Kupier, Silber, Chrom, Arsen, Brom, Jod. — Weiter wirken alterirend Mineralwassercuren, jede Veränderung der Lebensweise, klimatische und Reisecuren und vor allen Dingen die noch zu besprechenden diätetischen Curen. Diese letzteren sind die wirksamsten Mittel der Methode.
8. Diätetische Curmethoden.
Einleitung. Zu den diätetischen Curmethoden zählen alle diejenigen, welche Maassnahmen umfassen, die sich nicht auf die Anwendung besonderer chemischer und mechanischer Heilmittel, sondern nur auf Ernährung, Getränk, Luft, Temperatur, Stallung. Stallstreu, Hautpflege u, dergl., d. h. auf diätetische Regeln beziehen, welche bei gesunden Thieren in Anwendung gebracht werden müssen, um die Gesundheit zu erhalten. Sie gelangen bei kranken Thieren zur Verwendung, um die Herstellung der Gesundheit zu ermöglichen und zu besclileimigen.- Sie genügen oft ganz allein, um Krankheiten der Genesung zuzuführen. Die Wichtigkeit dieser Curmethoden ist im ersten Theile auseinandergesetzt worden.
Bei kranken Thieren gelten dieselben diätetischen Grundsätze wie bei gesunden, sodass demnach die Ernährungslehre der kranken Thiere ihre wichtigsten Stützen in den bei der Ernährung gesunder Individuen gemachten Erfahrungen findet. Bei Kranken muss man ebenso wie bei Gesunden für gute, reine Luft, gute Stallventilation, trockene Stall­streu, massig warme, eher zu kühle als zu hohe Stalltcmperatur, eventuell für warme Bedeckung der Thiere, für gründliche Hautpflege, zweckentsprechende Ernährung, frisches, gutes und reichliches Trink­wasser, eventuell auch für Körperbewegungen (namentlich, wenn die Anregung der Resorption erwünscht ist) u, dergl. Maassnahmen Sorge tragen. In dieser Richtung sei auf die Lehrbücher der Gesundheits­pflege verwiesen. Nachstehend wollen wir uns wesentlich nur mit der Frage der Ernährung der kranken Thiere beschäftigen.
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Ernährung der Thiere.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;513
Ernährung der Thiere, Wenn man die Ernährungsfrage für ein Thier beurtheilen will, muss man eine genaue Kenntniss des Stoffver-_J)rauchs des Organismus unter physiologischen und pathologischen Verhältnissen, der Bedeutung der Nährstoffe für das Leben, der Be­schaffenheit, Verdaulichkeit etc. der Nahrungsmittel, der Grosse ihrer Ausnutzung unter verschiedenen Verhältnissen, der gebräuchlichsten Zubereitungsarten der Nahrungsmittel, dem Vortheile und Nachtheile derselben u. dergl. haben.
Im Thierkörper findet fortwährend ein Zerfall von Kräftematerial statt. Da­durch wird die an das Material gebundene Spannkraft frei und kann zu den Leistungen des Thierkörpers verwendet werden. Die freie Kraft äussert sich meistens als Wärme, mechanische Arbeit (Bewegung) und Eleotricität. Das noth-wendige Kraftmaterial kann der Organismus in seinen eigenen ßestandtheilen (Ei-weisskövper, Fette, Kohlehydrate) finden, da eine Zersetzung dieser Stoffe in Kohlen­säure, Wasser, Harnstoff und dergl. Körper, die als weiter nicht mehr verwendbar aus dem Organismus ausgeschieden werden müssen, die zum Leben nothwendige Kraft zu liefern vermag. Wenn nun der Organismus in dieser Weise verfahren würde, dann würde er sich selbst sehr bald verzehren. Dies kann nur dadurch verhindert werden, dass dem Organismus von aussen soviel Kraftmaterial geliefert wird, als zum Leben, d. h. zum Ablauf des Stoffwechsels nothwendig ist. Die Zu­fuhr muss den Verbrauch decken, um das Stoffwechselgleichgewicht herzustellen. Bei wachsenden Thieren und bei solchen, welchen voraussichtlich eine Zeit der Noth, d. h. eine Zeit, in der die Zufuhr sistirt oder zu gering ist, bevorsteht, oder die eine solche Zeit durchgemacht und einen Theil des eigenen Körperbestandes verbraucht haben, muss die Zufuhr den Verbrauch übersteigen, um das Wachsthum und den Ansatz zu ermöglichen, um Kraftmaterial für den Nothfall aufzuspeichern, um das in der Zeit der Noth verloren gegangene Material wiederzuersetzen und den normalen Körperbestand wiederherzustellen.
Ausser dem eigentlichen Kraftmateriale (Eiweisskörper, Kohlehydrate, Fette) finden wir im Thierkörper noch andere Stoffe. Diese haben eine stützende, Form und Consistenz gebende Function, oder dienen als Vermittler der Diffusionsvorgänge in den Geweben und Flüssigkeiten, oder als Träger für den Körper nothwendiger oder auszuscheidender Stoffe u. s. w. Diese Körper, welche meist unorganische Ver­bindungen sind, verfallen insofern auch dem Stoffwechsel, als sie bei dem Zerfall des Kraftmateriales und der Ausscheidung der Stoffweohselproducte aus ihrer Ver­bindung gerissen werden u. s. w. und, insofern sie nicht anderweit zur Verwendung kommen, zur Ausscheidung gelangen. Diese Thatsache bedingt, dass dem Thier­körper auch derartige Stoffe zugeführt werden müssen.
Die Nahrung unserer Thiere muss demnach aus organischem, sogen. Kraft-und unorganischem Materiale bestehen. Die organischen Nährstoffe scheiden sich in stickstoffhaltige und stickstofffreie Körper. Den ersteren fällt die wichtigste Aufgabe im Thierkörper zu; sie haben den Aufbau desselben wesentlich zu ermöglichen und Ersatz zu leisten für die verbrauchten Eiweisskörper des Blutes und der Gewebe. Die in den Thierkörper eingeführten Eiweisskörper verbleiben zum grössten Theile in der Säftemasse des Körpers (Blut, Parenchymsaft etc.) und werden durch die Thätigkeit der Gewebszellen rasch zersetzt (circulirendes Eiweiss,
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Voit) und liefern dadurch dem Thierkörper Kräfte; nur ein kleiner Theil wird zu einem Bestaiidtheil der thierischen Gewebe (Organeiweiss, Voit). Die Nahrung muss stets eine gewisse Menge von Eiweiss enthalten, sonst wird Organeiweiss zu den Stoffweohselvorgängen benutzt and es tritt eine gefährliche Schwächung des Organismus ein. Eine vermehrte Zufuhr von Eiweissmaterial bedingt eine Förde­rung der Energie der Zersetzungsvorgänge in den Geweben, einen Mehrverbrauch von Eiweiss und eine Mehrausscheidung von Harnstoff. Es hat dies aber auch eine gesteigerte Fettbildung und Fettahlagerung zur Folge. Die aufgenommenen Eiweisskörper werden im Organismus in stickstoffhaltige und stickstofffreie Atom-complexe gespalten. Erstere werden als Harnstoff u. dei'gl. nach ausson geschafft, die letzteren, welche Fette oder fettähnliche Körper darstellen, werden zu CO., und 11^0 verbrannt oder bei überschüssiger Aufnahme als Pett im Körper abgelagert und für den Nothfall aufgespeichert oder zur Milchproduction u. dergl. benutzt. — Mit Eiweisskörpern allein kann aber der thierische Organismus nicht erhalten werden.
Die stickstofffreien Nährstoffe (Fette und Kohlehydrate [Stärke, Cellu­lose, gummiartige Stoffe, Pilanzenschleim, Zucker], organische Säuren u. s. w.) haben keine so vielseitige Wirkung wie die Proteinstoffe, sie sind nicht im Stande zur Bildung stickstoffhaltiger Körperbestandtheile zu dienen resp. in Eiweisskörper überzugehen, können aber das Eiweiss Insofern theilweise ersetzen und Eiweiss sparend wirken, als sie anstatt desselben verbrennen. Sie begünstigen demnach die Bildung von Organeiweiss (von Fleisch) und die Ablagerung von Fett im Körper und können die ungenügende Eiweisszufuhr theilweise decken und den dabei statt­findenden Verbrauch von Organeiweiss erheblich herabmindern. Sie sind aber nie­mals für sich allein im Stande, das Leben dauernd zu erhalten. Sie sind vorzüglich Ifeizstoffe und nehmen den wesentlichsten Antheil an der Erzeugung der thierischen Wärme.
Das im üeherschuss eingeführte Fett kann als thierisches Fett in die Gewebe abgelagert und bei Nahrungsmangel denselben Nutzen haben, wie das direct mit der Nahrung zugeführte Fett. — Kohlehydrate und Pette können sich gegenseitig ersetzen. Erstere haben bei mangelnder Fettzufuhr eine rettsparende Wirkung in Bezug auf den etwaigen Verbrauch des Organfettes. Ein geringer Theil der Kohlehy­drate scheint auch in Fette umgewandelt und als solches im Thierkörper abgelagert werden zu können. — In den stickstofflosen Nährstoffen liegt wahrscheinlich die wesentlichste Quelle der Muskelkraft. Bei gesteigerter Muskelarbeit wird der Ei-weissumsatz nicht, wohl aber die Kohlensäure-, Wasser- und Wänneproduction und die O-Aufnahme erhöht. Die Eiweisskörper stehen zur Muskelkraft insofern in Be­ziehungen, als sie diese Organe aufbauen und die Kraft der Muskeln von ihrer Masse abhängt.
Neben dem Kraftmateriale muss die Nahrung noch Salze und Wasser enthalten. Üie Thiere können sich unter Umständen mit einem Minimum von Salzen behelfen; sie können dieselben aber nicht ganz entbehren. Die zum Leben notwendigsten Mineralbestandtheile sind die Kalium-, Natrium-, Kalk-, Eisen- und Magnesiumsalze.
Die Nährstoffe werden den Thieren in Form von Nahrungsmitteln (Griin-l'ulter, Rauhfutter, Knollen und Wurzeln, Körner des Getreides und der Hülsen­früchte, Rückstände technischer Gewerbe und animalische Futtermittel) verabreicht. Igt;ie naturgemässe Nahrung ist bei den verschiedenen Thierarten verschieden.
Der Bedarf des Organismus an Nährstoffen wird verschieden sein, je nach dem
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Krankendiät.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 515
Ablauf seiner Stoffwechselvorganire, je nachdem ob das Thier arbeitet oder ruht, ob es mager oder fett, ob es ausgewachsen oder im Wachsthum begriffen ist, ob es Wolle, Milch u. dergl. bereitet oder nicht, ob es krankhafte Verluste hat, ob der quot;Stoffwechsel durch krankhafte Erhöhung oder Verminderung oder anderweite Aende-rimg bestimmte Abweichungen erlitten hat u. dergl. Die Nahrungszufuhr muss sich dem Bedarf des Organismus stets anpassen, am die Gesundheit zu erhalten oder wieder herzustellen. Die speciellen Angaben über den thierischen Stoffwechsel, den jSTahrungsbe(larf, die natnrgemiissen Xahrungsmittel, deren Verdaulichkeit, die Verdauungs- und Assimilationskraft der einzelnen Hausthierarten u. dergl. findet man in den Lehrbüchern der Physiologie und Gesundheitspflege und muss hier wegen Raummangel auf näheres Kingehen in diese Verhältnisse verzichtet werden.
Allgemeine Regeln der Krankenernährung. Bei der Feststellung der Ernährung kranker Tliierc muss man zwei Punkte zugleich im Auge haben, nämlich 1) den Zweck, den man mit der Ernährung erreichen will und 2) die Möglichkeit der Ausführung der indicirten Diät. In erster Richtung ist festzustellen, wie die Nahrung qualitativ und quan­titativ beschaffen sein muss, um in dem speciellen Falle einen günstigen Einfluss auf den Verlauf des Krankheitsprocesses ausüben und die Her­beiführung der Genesung unterstützen zu können. Nachdem von diesem Gesichtspunkte aus eine Auswahl unter den Nährstoffen stattgehabt hat, müssen dieselben weiter in Rücksicht auf die Natur und die Complicationen der vorliegenden Krankheit darauf geprüft werden, ob sie auch, verdaulich und resorbirbar sind und ob sie die Verdauungs­organe der Kranken nicht belästigen. Danach hat dann eine engere Auswahl unter den von dem ersten Gesichtspunkte aus indicirten Nahrungsmitteln einzutreten und sind die contraindicirten Stoffe aus-zuschliessen. Die Berücksichtigung des zweiten Gesichtspunktes kann zeitweise eine partielle oder totale Entziehung der Nahrung zur Folge haben, trotzdem vom ersten Gesichtspunkte aus die Nahrungszufuhr geboten erscheint. In dritter Linie kommen bei Feststellung der Diät auch die ökonomischen Verhältnisse in Betracht (S.'215), die in jedem Falle wohl zu berücksichtigen sind.
1. Zweck der Krankendiät. l)ie Art der Nahrungszufuhr soll in erster Linie von der Natur des Krankheitsprocesses, von den Stoffwechsel- und Lebens­vorgängen des kranken Thieres und dessen ganzer Individualitäl abhängen. Nach Kenntnissnahme der Natur der in dem kranken Thiere ablaufenden Stoffwechselvor­gänge hat sich der Arzt behufs Feststellung der Diät zunächst zu fragen, welcher Erfolg soll durch die IHät in stoll'licher und funclioneller Beziehung erreicht werden? Die Antwort auf diese Frage wird je nach der Art der Stoffwechselvor­gänge, dem Nährzustande, der Natur des Krankheitsprocesses des Patienten ent­weder lauten, dass durch die Nahrungszufuhr der während des kranken Lebens erfolgende stoffliche Verlust ganz oder nur theihveisc ersetzt, oder dass durch ihn
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ein Ansatz oder dass eine Aenderung der Stoffwechselvorgänge und des Ernährungs­zustandes herbeigeführt werden muss.
Wenn man einerseits darüber klar geworden ist, ob man durch die Nahrungs zufuhr das Stoffwechselgleichgewicht erhalten, oder ob man einen Verlust oder einen Ansatz oder welche Aenderung der Stoll'wechselvorgänge man erzielen will, und andererseits darüber, wie gross der StofTverbrauoh und welcher Art die in dem Thiere ablaufenden StoU'wechselvorgange sind, dann kann man auch die Grosse und die Natur des Bedarfs des kranken Thieres leicht bestimmen, indem man das über den Bedarf gesunder Thiere physiologisch Festgestellte zu Grunde legt.
2. Die Möglichkeit der Ausführung der indicirten Krankendiät. So­bald nach Abwägung der Krankheit die Grosse und Natur des Bedarfs des kranken Thieres an Nährmaterial festgestellt ist, zieht man in zweiterLinie den Zustand und die Leistungsfähigkeit der Verdauungs- und Kesorptionsorgane in Be­tracht, damit nur solche Stotfe, deren Verarbeitung die Leistungsfähigkeit der Ver­dauungsorgane gewachsen ist, verabreicht werden. Bei vielen Krankheiten laufen die Verdauungs- und Resorptionsvorgänge in abnormer Weise ab und ist nament­lich recht häufig das Verdauungs- und Resorptionsvermögen vermindert. In dieser Thatsache kann unter Umständen eine Contraindication gegen die Verabreichung der Nahrung in der durch den sonstigen Zustand des Patienten indicirten Quantität und Qualität gegeben sein. Ist z. B. durch den Krankheitscharakter und den !Nähr-zustand des Patienten eine reichliche Nalmmgszufuhr indicirt und wird dieser In­dication rücksichtslos, trotzdem die Verdauungsorgane mangelhaft functioniren, Statt gegeben, dann wird mit der Nahrungszufuhr der angestrebte Zweck nicht allein nicht erreicht, sondern es wird sogar geschadet, weil nämlich einerseits die Nahrungsmittel, wenn sie nicht in genügender Menge verdaut und resorbirt wer­den, auch die erwünschten Wirkungen im Organismus nicht entfalten können und weil andererseits die unverdauten Nahrungsmittel dadurch, dass sie längere Zeit im Verdauungscanale verweilen in Gährungen und Zersetzungen verfallen und da­durch Zersetzungsproducte produciren, welche schädlich wirken, indem sie z. B. die Schleimhaut des Verdauungscanales reizen und Katarrhe erzeugen, indem sie resor­birt werden und die Blutbeschaffenheit alteriren u. s. w.
Man ersieht aus Vorstehendem, dass zur Feststellung der Kranken­diät nothwendig sind: 1) Kenntniss der Stofi'wechselvorgänge des kranken Thieres, der Natur der Krankheit, der Individualität. 2) Kennt­niss des mit der Nahrungszufuhr zu erreichenden Effectes. 3) Kenntniss des Zustandes der Verdauungs- und Resorptionsorgane. 4) Kenntniss der ökonomischen Verhältnisse. Im Allgemeinen kann man als Regeln für die Krankenernährung festhalten: Man vermeide jede Uebcrladung der Verdauungsorgane; man verabreiche deshalb den kranken Thiercn stets nur geringe Futterquantitäten auf einmal: man gebe diese aber in kleinen Zwischenräumen, vermehre also die Zahl der Mahlzeiten; man benutzte den Instinkt, als Wegweiser (cf. S. 33 u. 96); man lasse die Nahrungsmittel stets in einer Form und Zubereitung verabfolgen. in welcher sie leicht verdaulich sind; man wechsele mit den Nahrungs-
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Entziehungsdiät.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;517
mittein und der Form derselben, um zu verhindern, dass sie den Thieren unangenehm werden; man beachte die individuellen Verhältnisse genau und verbinde mit den Nahrungsmitteln unter Umständen gewisse Reizmittel und sogen. Stomachica. Als Getränk verabreiche man meistens reines Wasser und davon so viel als die Thiere aufnehmen wollen und regele die Temperatur desselben nach der Natur der vorliegenden Krankheit.
Eintheilung. Man kann bezüglich der Nahrungszufuhr zwei Methoden unterscheiden, nämlich die entziehende und die kräftigende, reichlich zuführende Methode. Die letztere wird wohl auch die roborirende, reslaurirende, reconstituirende und die erstere wohl auch die schwächende Methode genannt.
A. Die Entziehungsdiät (Meth. abstinens).
Allgemeines. Die Entziehungsdiät besteht entweder darin, dass eine Entziehung oder Beschränkung der Nahrung überhaupt stattfindet oder darin, dass die Zufuhr bestimmter Nährstoffe beschränkt wird oder ganz unterbleibt. Sie findet ihre Indication entweder a) in dem Krankheitsprocessc an sich oder b) in dem Zustande und der Art der Functionirung der Verdauungs- und Resorptionsorgane des kranken Thieres.
a)nbsp; nbsp; Ira ersteren Falle soll zu bestimmten Zwecken der Verbrauch des Organismus durch die eingeführten Nahrungsmittel nur theilweise gedeckt werden. Dadurch wird der Organismus genöthigt, von dem in ihm vorhandenen Kraftmaterial Gebrauch zu machen, aufgespeicherte Fettmassen zu verbrennen, Exsudatraassen zu resorbiren u. dergl. In diesen Vorgängen liegt bei vielen Krankheiten etwas Heilsames. Durch eine besondere Auswahl der Nahrungs- und Reizmittel durch eine nur partielle Entziehung, d. h. durch Entziehung von einem oder einigen ganz bestimmten Nährstoffen, bei reichlicher Zufuhr von den anderen kann man aber bei der Entziehungscur auch noch andere Zwecke, Aenderung der Zusammensetzung des Blutes, Aenderung der Wachs-thums- und Ansatzverhältnisse des Körpers etc. erreichen.
b)nbsp; nbsp; Vom zweiten Gesichtspunkte aus muss oft, trotzdem der bei der Krankheit bestehende erhöhte Zerfall vermehrte Zufuhr verlangt, dennoch eine Entziehung und Beschränkung der Nahrung Platz greifen, weil die Verdauungsorgane nur mangelhaft zu funetioniren vermögen.
CdUtelen. Selbstverständlich darf die Nahrungsbesohränkung und Entzie­hung nicht zu weit ausgedehnt werden, damit nicht durch die Inanition und durch die Consumtion des stofflichen Bestandes des Körpers Gefahren für diesen eintreten. Man muss bei der Entziehungsdiät stets das Lebensalter, den Nährzustand und die
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Organleistungen des kranken Thieres in Betracht ziehen und darf namenüich nicht vergessen, dass bei wiederholt au demselben Iiulividiium vorgenommenen Ent-ziehungscuren Oligocythämie und dadurch eine gefährliche Schwächung des Orga­nismus eintritt. Jede Schwächung des Kranken ist nachtheilig für denselben. Deshalb muss die Entaiehungscur die Schwächung so viel als möglich vermeiden.
Es erhellt hieraus auch, dass die frühere Bezeichnung der Bntziehungscur als schwächende Methode unrichtig und nur geeignet ist, falsche Vorstellungen zu erwecken. — Da Kraftfülle niemals schädlich und niemals weder die Ursache von Krankheitsentstehung noch von Genesungshemmung sein und da es ein Uebennass von Kraft überhaupt nicht geben kann, so kann auch derZweck einer therapeutischen Methode niemals Schwächung sein. — Früher rechnete man zu den Sclnvächnngs-rnren die antiplastische, antiphlogistische, erschlaffende, ekelerregende Methode, gewisse beruhigende Mittel n. s. w. Nach unseren heutigen Anschauungen ist die Aufstellung einer schwächenden Methode nicht mehr berechtigt.
Bei gesunden Thieren kann allerdings eine schwächende Cur und namentlich die Kntziehungsdiiit zu bestimmton Zwecken in Anwendung gelangen, z. B. zur Zähmung bösartiger Thiere, zur Minderung des Geschlechtstriebes, als Dressur­mittel u. dgl.
a) Die allgemeine Entziehung. Die allgemeine diätetische Entzie-hungscur besteht darin, dass den kranken Thieren weniger Nährmaterial verabreicht wird, als das sogen. Beharrungsfutter beträgt, d. h. woniger, als zur Conservirung des vorhandenen Nährzustandes nothwendig ist. Sie umfasst die Diät von einer geringen Beschränkung des Nahrungs­mittelquantums an bis zur vollständigen Entziehung jeglicher Nahrung, d. h. bis zur Hungercur. Selbstverständlich kann es sich bei Anwen­dung der Hungercur nur um einen kurzen Zeitraum handeln.
Die diätetische Entziehungscur ist nur eine Art der entziehenden Cttrmethode. In vielen Fällen muss mit ihr eine oder die andere entziehende Methode combinirt werden. Als entziehende Methoden sind noch zu nennen: 1) Blutentziehungen (der Aderlass); 2) die So- und Excretionen vermehrenden und die Resorption im Ver­dauungscanale und die Assimilation vermindernden Methoden, z.B. die abführende, die diuretische und diaphoretische Curmethode; 3) die den Zerfall, den Stoffwechsel steigernde und die Gowebsresorption befördernde Curmethode und die Verabreichung von sogen. Zehrmitteln (-lod, Quecksilber, Alkalien, alkalische Salze, Chlor u. s. w.).
Die diätetische Entziehung ist übrigens noch durch das Anordnen von Muskelbcwegungen zu unterstützen. Diese steigern den Ver­brauch im Körper und regen die Resorption an. Die Zwecke der Cur können demnach erreicht werden durch Steigerung der Ausgaben oder Minderung der Einnahmen oder durch beides.
Indicationen. Die Entziehungscur, die in vielen Fällen in Form einer physiatrischen Appetitverminderung oder einer vollständigen Appo-titlosigkeit vom thierischen Organismus selbst eingeleitet wird, bezwekt eine Verminderung der Stotfmengo im ganzen Organismus, oder in
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Allgemeine Entziehung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 519
einzelnen Theilen oder im Blute, eine Verhütung der Ueberfüllung des Körpers mit Nährstoffen und der dadurch eintretenden Krankheits-.-Steigerung, eine Anregung von Riickbildungsvorgängen, der Einschrael-zung und der Resorption im Thierkörper, eine Entlastung der Ver­dauungsorgane und Verringerung der Leistungsaufgabe derselben n. dgl. Demgemäss ist die fragliche Curmethode indicirt:
1.nbsp; nbsp; Bei übermässiger Anhäufung von Kurpermaterial und zwar speciell hei der sogen. Voll- und Dickblütigkeit und bei der Fett­leibigkeit. Die allgemeine Entziehung bewirkt, weil sie den Ver­brauch in der Nahrungszufuhr nicht deckt, dass die Kürpersubstanz dem Stoffwechsel unterworfen wird und dass die Neubildung und der Ansatz sistirt resp. geringer wird.
Bei der Voll- und Dickblütigkeit wirkt die Entziehungscur als eine prophy­laktische Methode. Der genannte Körperzustand involvirt die Anlage zu Krank­heiten, zu Schlagfluss, Schwindel, liehe u. s. w. Sie ist die Folge von guter Ernährung bei zu geringer Bewegung und tritt namentlich bei raschem Uebergang von schmaler zu reichlicher Ernährung auf. Sie wird bekämpft durch Anordnung von viel Bewegung und Schmälernng der Kost.
2.nbsp; nbsp; Bei dem Vorhandensein ungehöriger Stoffe im Organismus, die aus demselben entfernt werden sollen, z. B. bei Hydrops, chronischen Exsudaten, bei der Gicht, bei der Syphilis u. s. w. Bei diesen Krank­heiten wirkt die Curmethode durch Anregung der Einschmelzung und der Resorption. Sie ist Jedoch mit grosser Vorsicht anzuwenden, um das Eintreten einer bedenklichen Schwächung des Organismus zu vermeiden.
3.nbsp; nbsp;Bei Fieber und Entzündungen, namentlich bei rheumatischen Ent­zündungen und solchen mit plastischen Neubildungen, üeber die Diät bei diesen Leiden siehe bei den entsprechenden Curmethoden. Zu bemerken ist, dass heut­zutage die allgemeine Entziehung bei diesen Krankheiten nur noch wenig an­gewendet wird, während dies früher, namentlich von Rasori und seinen Schülern allgemein geschah.
4.nbsp; nbsp; Bei Krankheiten der Verdauungsorgane und bei allen denjenigen Krankheiten, die mit einem ungenügenden Func-tioniren, einer geringeren Leistungsfähigkeit dieser Organe einhergehen.
a) Bei Krankheiten der Verdauungsorgane (Entzündungen und Katarrhen etc.) ist Ruhe derselben geboten. Jede Reizung durch Nahrangszufuhr steigert den Krankheitsprocess (vergl. hierüber Seite 125 ff.). Bei paretischen Zuständen des Darmtractus wirkt die Nahrungszufuhr schädlich dadurch, dass die Nahrung Gährungs- und Zersetzungsvorgängen verfällt und dass die gährenden Stoffe Anlass zur Entstehung von Magendarmkatarrhen geben.
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520nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Entziehungsdiät.
Die richtige Diät ist hei Verdauungskrankheiten ausserordentlich wichtig. Viele Misserfolge der Behandlung finden ihre Erklärung in unheachtet gelassenen diätetischen Vorschriften, so z. B. hei der chronischen ünverdaulichkeit der Wie­derkäuer, bei Magendarmkatarrhon der Hunde, bei der Kolik der Pferde. Die meisten Krankheiten der Verdauungsorgane gehen mit abnormer Erregbarkeit der SchleimhautneiTen, mit verringerter Secretion derVerdauungssäfte, oder mitSecretion unwirksamer Säfte und mit Unregelraässigkeiten der Peristaltik einher. Dabei be­steht in der Regel Appetitlosigkeit, nicht selten auch Erbrechen oder Durchfall; d. h. Symptome des Naturheilbestrebens. welche andeuten, dass die Aufnahme von Nahrungsmitteln schädlich ist. Deshalb ist bei den meisten, sowohl den mit Ver­stopfung, als den mit Diarrhöe einhergehenden Verdauungsleiden die Abstinenz indioirt. Die zugefiihrten Nahrungsmittel reizen die abnorm empfindliche Ver-dauungsschleimhaut und wirken dadurch verschlimmernd auf den Krankheitsprocess; bei Verstopfungen vermehren sie die Menge des Darminhaltes schädlicher Weise. Vor Allem aber verfallen die Nahrungsmittel, da sie nicht in normaler Weise ver­daut werden, abnormen Gährungen. Die Gährungsproducte aber wirken direct durch Reizung der Schleimhaut und indirect durch ihre Resorption schädlich,
laquo;) Bei acuten Krankheiten. Diese heilen nur, wenn den Verdauungs­organen Ruhe gegeben wird. Es ist deshalb für einige Zeit absolute Abstinenz geboten. Bei schwachen, heruntergekommenen Individuen wende man künstliehe Ernährungsmethoden an. Dabei verabreiche man viel kaltes Wasser oder schleimige, unter Umständen auch adstringirende Getränke. Bei leichteren Erkrankungen ist es nicht nothwendig, die absolute Abstinenz durchzuführen; man gebe aber nur ge­kochte, verflüssigte, leicht verdauliche Nahrungsmittel.
,0) Bei chronischen Magendarmkatarrhen wird die eigentlich indicirte Entziehung leicht dadurch gefährlich, dass sie Schwächezustände hervorruft. Andererseits aber wirkt die Nahrungszuftihr leicht schädlich durch Belästigung und Reizung und namentlich durch die eintretenden Gährungs- und Fäulnissprocesse. Man ordne deshalb knappe Diät an und lasse nur leicht Verdauliches verabreichen. Unter Umständen greift man zu Peptonen. Die schwer verdaulichen Nahrungs­mittel müssen vorher gekocht oder gebrüht werden; wo möglich gebe man nur ganz weiche oder flüssige Sachen. Man unterstütze deren Verdauung noch durch die Verabreichung von Salzsäure. Bei chronischen Katarrhen, die nach acuten Ent­zündungen und dergleichen auftreten, ist Enthaltsamkeit indicirt. Man gebe wenig eiweissreiche, wo möglich flüssige Nahrung in kleineren Quantitäten und kurzen Zwischenräumen, vermeide dagegen Kohlehydrate und Fette.
j') Bei gewissenDyspepsien, dieveranlasst sind durch allgemeineSchwäche-zustände, z. B. Anämie, Hydrämie, ist die entziehende Diät nicht indicirt. Es ist vielmehr eiweissreiche Nahrung, die leicht verdaulich ist, zu verabreichen. Dadurch sucht man das Hauptleiden zu heben. Mit diesem schwindet auch die Dyspepsie. Kohlehydrate gebe man, weil sie zu Gährungen reizen, wenig; ebenso beschränke man die Aufnahme von Fett, weil dieses schwerer verdaulich ist und sehr leicht nachtheilig wirkt. Bei der nervösen Dyspepsie des Menschen ist die entziehende Methode nicht indicirt.
d) Atonische Schwäche der Verdauungsorgane. Während bei den ad a—;' genannten Krankheiten die Regel gilt, dass die Nahrung keine reizenden Eigenschaften haben darf, ist bei den atonischen Zuständen, die namentlich bei Rindern häufig sind, eine reizende Nahrung indicirt.
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;521
/#9632;) Bei Magengeschwüren, Magenblutungen ist absolute Abstinenz für einige Zeit resp. künstliche Ernährung angezeigt.
s) Magencarcinome und Magenerweiterungen kommen bei den Hausthieren kaum zur Behandlung. Bei den letzteren ist eine trockene, wenig voluminöse Nahrung am Platze.
if) Bei Diarrhöen sei die Nahrung schleim- und gummihaltig und werde in geringen Mengen verabreicht. Alle reizenden, leicht gährenden, schwer ausnutz­baren und viel Koth bildenden Nahrungsmittel sind schädlich.
.'/) Bei der habituellen Verstopfung der Hunde ist eine leicht verdau­liche, schwach reizende, leicht abführende Nahrung (Molkensäure, Milch etc.) oder nach Siedamgrotzky Beigaben von mechanisch reizenden Futtermitteln, besonders Schwarzbrod, Kleiebrod, Knochen (zur Gegenwirkung gegen die Atonie der Darm-muskulatnr) am Platze.
/) Bei Behinderung des Abflusses der Galle (Gelbsucht der Hunde) beschränke man die Fettzufuhr und ersetze das Fett durch Kohlehydrate.
b) Bei Krankheiten, welche mit verringerter Bildung der verdauenden Secrete einhergehen (Fieber, Sepsis, Anämie), kann die Nahrungszufuhr durch Belästigung der Verdauungsorgane und dadurch, dass die Nahrungsmittel der Gährung und Päulniss verfallen, anstatt verdaut zu werden, sehr schädlich wirken.
Verringerte Secretionen im Magen und üarmcanale werden aber auch bei solchen Krankheiten, z. B. Anämie, Blutverluste, beobachtet, bei denen Stär­kung indicirt ist. Bei diesen Leiden muss die Diät mit grösster Vorsicht fest­gestellt werden, um das Eintreten von Krankheiten der Verdauungsorgane zu ver­meiden und eine allmälige Stärkung zu erzielen. Man muss mit geringen Mengen einer leicht verdaulichen Nahrung beginnen und allmälig die Menge steigern und zu schwerer verdaulichen Stoffen übergehen. Auch beim Fieber und bei der Sepsis darf die absolute Entziehungsdiät nicht angewendet werden, sondern muss sich auf gewisse Stoffe beschränken (cf. Fieberdiät).
5.nbsp; nbsp; Die Entziehungsdiät gelangt auch bei der Vorbereitung zu grösseren Operationen in Anwendung, llan bezweckt damit ein Leerhalten des Verdauungscanales (um Verletzungen desselben durch das Werfen der Thiere zu vermeiden u. dergl.) und eine Verringerung des Brennmaterials im Körper (um der nach den Operationen leicht eintretenden fieberhaften und entzündlichen Reaction weniger Material zu bieten).
6.nbsp; nbsp; Auch als Nachcur nach den Operationen ist die Entzie-hungsdiät indicirt, namentlich ist dies aus naheliegenden Gründen bei allen Laparotomien, Herniotomien u. s. w. der Fall.
7.nbsp; nbsp;Bei gichtischen Zuständen. Bei diesen Krankheiten ist im Allge­meinen Entziehung eiweissreicher Nahrungsmittel indicirt. Auch darf Fett nur in geringen Mengen verabreicht werden. Dagegen aber gebe man vegetabilische Nah­rungsmittel, namentlich Grünfutter, Obst, Wurzelfrüchte u. dergl. in hinlänglichen
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Die Entziehunffsdiiit.
Mengen. Bei der Gicht des Menschen hat Cantani eine ganz besondere Diät vor­geschlagen, nämlich: massige Mengen eiweissreicher Kost bei Vermeidung amylum-haltiger und zuckerhaltiger Nahrungsmittel. Vor Allem aber isi die Einfuhr von Säuren, Alkohol. Kaffee und Gewürzen zu verhindern, dagegen viel Wasser auf­zunehmen.
Contraindicationen. (legen die einziehende Methode überhaupt giebt es nur eine Contraindication, die in Schwäche, Kraft- und Stoffmangel des Patienten be-ruht. Diese ist entweder a priori gegeben oder entsteht erst während resp. durch die Wirkung der entziehenden dir. Sie schränkt die Methode stets mehr oder weniger ein, weil Schwäche des Körpers und seiner Organe stets nur nachtheilig auf den Krankheitsverlauf einwirken kann. Wenn die entziehende Methode z. B. bei Krankheiten der Verdauungsorgane indicirt ist und die Patienten schon sehr schwach und mager sind, dann muss man Stoff- und Kraftzufuhr in einer Art versuchen, bei welcher ihre nachtheiligen Wirkungen möglichst vermieden werden. Man verab-reicht dann nur leicht verdauliche, oder vollständig gelöste und bereits verdaute eiweissreiche, stark nährende Stoffe, oder bringt solche in das Rectum ein u. s. w.
b) Partielle Entziehungen. Die partielle Entziehungscur besteht darin, dass den Patienten bei reichlicher sonstiger Ernährung ein oder einige Nährstoffe (resp. eine Gruppe derselben) oder bestimmte Nahrungsmittel, die mit Eigenschaften ausgerüstet sind, vermöge deren sie bei den betreffenden Krankheiten nachtheilig werden, entzogen werden.
Beispiele der ersten Art der Entziehungseuren sind: Entziehung von Kohle­hydraten bei Melliturie, von Wasser bei Ilydropsien, von Fett bei der Fettsucht, von Kali- und Natronsalzen bei gewissen Blutveränderungen etc. Beispiele der zweiten Art: Entziehung der Lupinen bei beginnender laipinose, der Schlempe bei der Schlempemauke, der reizenden Nahrangsmittel beim Blutharnen u. s. w.
Die partielle Entziehung wird häufig mit einer allgemeinen Nah-rungsbeschränkung verbunden. In gewissen Fällen ist mit der Entzie­hungscur auch das Anordnen von Bewegungen zu vereinigen, z. B. bei chronischen Hydropsien und bei der Fettsucht, im ersteren Falle um die Resorption anzuregen, im letzteren Falle zu demselben Zwecke und zur Anregung der Muskelgewebsneubildung.
a) Die Wasserentziehung. Die Trockencuren. Diese Curmethode besteht in einer verminderten Verabreichung bis zur möglichst voll­ständigen Entziehung des Trinkwassers. Da die Wasserentziehung aber unmöglich längere Zeit anhaltend geschehen kann, so pflegt man die Cur mit Intermissionen vorzunehmen. Man schiebt zwischen eine Reihe von Durst- je einen Trinktag ein und lässt die Cur längere Zeit ge­brauchen. Mit der Entziehung des Getränkes kann man passend die diaphoretische Methode combiniren. Auf diese Weise erreicht man die Verminderung der Säftemasse im Organismus im höchsten Maasse. Die Folgen einer derartigen Behandlung der Kranken bestehen nicht nur
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Die Wasserentziehung'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;523
darin, dass der Wassergehalt des Organismus abnimmt, sondern auch noch in dem Verlust anderer Körperbestandthoilo. Während einer wasser­entziehenden Cur steigt das spec. Gewicht d^s Blutserums, nimmt die Menge des specifisch schwerer gewordenen Harns ab, steigt die Körper­temperatur und zwar oft recht bedeutend (z. B. bis 40deg; 0.) und treten die Erscheinungen eines remittirenden Fiebers ein. Das Körpergewicht nimmt während der Dursttage ab, steigt aber an den Unterbrechungs­tagen rasch an und beträgt nach einer längeren Cur meist mehr als vor derselben (Jürgensen). Die Harnstoffausscheidung ist in den ersten Tagen nach der Cur gesteigert. Die Trockencuren regen den Stoff­wechsel und die Regeneration an und erhöhen die Resorption in bedeu­tendem Maasse.
Indicationen. Die Wasserontziehungen sind indicirt bei vielen Hydropsien, bei Exsudationsprocessen, bei der Syphilis, Gicht, Rheu­matismus, Scrophulose und bei allen Störungen der Circulation, die in Herzschwäche beruhen, um durch Vorminderung der Blutmenge das Herz zu entlasten. Die Methode ist da am Platze, wo es gilt die Resorption und Einschmelzung zu steigern und eine Wandlung des krankhaften Stoffwechsels zu schaffen. Auch bei Neigung zum Schwitzen mit leichtem Ermüden, bei Neigung zum Fettansatz, bei Behandlung der Fettsucht und der Vollblütigkeit ist die Methode indicirt.
Körner empiielüt auch bei aouten Krankheiten die WasserentziehungsdiKt. Nach ihm bewirkt sie, dass sich die aus verstärktem Blutdruck in den Capillaren resultirenden Erscheinungen massigen, dass übennässige Temperatursteigerungen verhütet werden, Puls- und Athemfrequenz herabgehen, die exsudativen Prooesse günstiger verlaufen und die Wirkung local angewendeter Mittel geteigert wird.
Contraindicationen. Es ist selbstverständlich, dass die Wasserentzie­hung nicht zu sehr ausgedehnt werden darf, ohne höchst nachtheilige Folgen zu veranlassen. Bei Durchfall, Harnruhr und anderen mit übermässigeu Secretionen einhergehendon Vorgängen, bei denen die Secrete nach aussei! ge­langen, könnte dorchWasserentziehong eine lebensgefährliche Bluteindickang herbei­geführt werden. Bei diesen Krankheiten sind deshalb die Trockencuren entschieden contraindicirt. Bei der strengsten Indication zur Wasserentziehung muss schliesslich immerhin soviel Wasser verabfolgt werden als zur Lösung der excretiellen Stoffe, zur Harnbildung u. dergl. nothwendig ist.
Eine allgemeine Austrocknungsour ist die Schroth'sche Cur, nach ihrem Erfinder, dem Bauern Schrot h zu Lindewiese in Böhmen, genannt. Diese Cur be­steht darin, dass die kranken Menschen wochenlang in nassen Einwickelungen (mit nachfolgender Abkühlung) schwitzen und dabei altbackene Semmel als einziges Nahrungsmittel geniessen, das Wasser aber ganz entbehren müssen. Höchstens dürfen die Kranken zuweilen einen Schluck Wein aufnehmen. Nur alle zwei bis fünf Tage kommt ein Trinktag, an welchem leichter Wein genossen werden darf. Schroth hat auch kranke Thiere nach seiner Methode behandelt.
A.usser der allgemeinen Austrocknung spricht man wohl auch von örtlichen Austrocknungscuren. Diese gelangen zur Anwendung bei nässenden Hautstellen, feuchten Schorfen, Erweichung von Epithelien u. s. w. Wenn wir von den physika-
E 11 e n be r ger, Allgeineine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;oa
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Die Entziehunffsdiät.
lisch durch ihre Porosität austrocknenden Mitteln absehen, dann fällt die örtliche Austrocknungscur mit der adstringirenden Methode zusammen (cf. daselbst).
2.nbsp; nbsp; Die Eiweissentziehuiig wurde früher beim Fieber angewendet und ist heutzutage höchstens bei Voll- und Dickblütigkeit und den daraus entspringenden dispositionellen Zuständen indicirt. Bei Eiweissverlusten, z. i3. bei der Albuminurie. bei denen man früher wohl die Methode anwandle, um dem kranken Organ das Object der Ausscheidung zu entziehen, wäre eine Eiweissentziehuiig im höchsten Maasse schädlich, weil dadurch eine übermässige Schwächung des Körpers erzielt werden würde. Bei diesen Krankheiten ist gesteigerte Eiweisszufuhr am Platze.
Die Vcgctai'ierdiat, d. b. die Entziehung der Fleischnahrung, kann bei Carnivoren zu bestimmten Zwecken (bei gewissen Hautausschlägen) benutzt werden. Da rationelle Indicationen zu dieser Cur kaum anzu­geben sind, verzichten wir auf eine nähere Beschreibung derselben.
3.nbsp; nbsp; Die Rohlehydratcntziehiing. Mit dieser Diät bezweckt man in der Regel eine .Minderung des Fettgehaltes des Organismus und des Zuckergehaltes des Blutes (beim Menschen). Fs handelt sich gewöhn­lich nicht um eine vollständige Entziehung, sondern nur um eine Min­derung der Kohlehydratzufuhr.
Während bei Wasser- und Eiweissverlusten durch krankhafte Ausscheidungen die Entziehung der betr. Nahrungsmittel contraindicirt ist, liegt dies bei den bei der Melliturie statthabenden Zuckerverlusten des Organismus anders. Hierbei kann die Kohlehydratentziehung günstig wirken. In folge dieser üiiit sistirt die Zucker­ausscheidung und die Harnruhr. Die Kntziehungsdiät hat keinen schädlichen Ein-fluss auf die liraftverhäitnisse des Körpers, wenn die Zufuhr von feiten und Ki-weisskörpern gesteigert wird. Dadurch kann voller Ersatz für die in der Nahrung fehlenden Kohlehydrate geliefert werden. Die Kraftsumme, welche letztere bei ihrer Verbrennung im Organismus zu CO., und E.,0 bei nonualei- Ernährung pro-duciren, wird beim Mangel dieser Stoffe durch Verbrennung des eingeführten oder durch Abspaltung des aus den Eiweisskörpern entstandenen Fettes geschaffen. Bedin­gung zu einer derartigen erl'olgreichen Cur ist das Bestehen einer guten Circulation und einer guten Verdauung. — Bei den Wasser- und Eiweissentziehungen kann kein Ersatz für diese Stoffe geschaffen werden. Darin liegt der Unterschied, warum ihre Entziehung unter ähnlichen Verhältnissen, bei denen die Kohlehydratentziehung vorgenommen wird, direct contraindicirt ist.
4.nbsp; nbsp;Die KcUciitzicluing. Hiermit bezweckt man eine Reduction des im Organismus vorhandenen Fettes. Dies erreicht man aber nur. wenn gleichzeitig auch die Kohlehydratzufuhr beschränkt, wird. Auch eine Beschränkung der Einfuhr von Leimstoffen unterstützt die Cur. Unter solchen Verhältnissen findet Verbrennung des Körperfettes und dadurch Minderung desselben statt.
Andere Entziehungscuren, die sich auf die Entziehung von Nahrungsmitteln beziehen, können hier nicht weiter besprochen werden. Es ist selbstverständlich, dass man, wenn sich unter einem l'ferdebestamle bei einer Fütterung von grünem Klee und llüisenl'rüchten Rehe und Gehirncongestionen einstellen, diesen Thieren
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Die kräftigenden und stärkenden diätetischen Methoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;525
die betr. Nahrungsmittel entzieht, dass man bei häufigem Abortus in Folge von Kolik und Aufblähen bei Grünfütterung diese Diät ändert u. s. w.
Ich will es nicht unterlassen, an dieser Stelle nochmals auf die von üam-mann in seinem erwähnten Werke in dieser Richtung gemachten Ausfallriingen zu verweisen. Man findet dort die diätetische Prophylaxe und die Regeln, welche die Grundlagen zu den diätetischen Curen bei Kranken abgeben, in der ausfiihrliclisten Weise abgehandelt.
B. Die kräftigenden und stärkenden diätetischen Methoden (Meth. nutrient es. s. roborantes).
Die kräftigenden Nährmethoden (zuführenden, stärkenden, restaurirenden, reconstituirenden Methoden) bezwecken eine Besserung des Nähr- und Kraftzustandes der Patienten und bestehen in der Steigerung und Verbesserung der Nahrungszufuhr und verbinden mit dieser unter Umständen Maassregeln, die eine Minderung des Verbrauchs, ein Herabsetzen der Stoffwechsel Vorgänge bezwecken. Die Methode ist indicirt. wenn ein derartiges unrichtiges Verhältniss der Lebensvorgänge besteht, oder unmittelbar vorher bestanden hat, dass der Verbrauch des Organismus die Nahrungszufuhr übersteigt und in Folge dessen Abmagerung, Schwäche u. dergl. an den Thieren hervortritt. Dieses Missverhältniss im Thierkörper ist entweder dadurch bedingt, dass die Zufuhr in toto oder an einzelnen Stoffen zu gering ist, oder dadurch, dass ein abnorm gesteigerter Verbrauch im Thierkörper besteht.
Die restaurirende Methode wirkt durch Aenderung und Besse­rung der Ernährung. Besserung der Ausnutzung, Aende­rung und Besserung der Verbrauchs Verhältnisse. In ersterer Hinsicht, d. h. in Bezug auf die Aenderung der Ernährung unter­scheidet man zwischen einer stärkeren Zufuhr von Nahrungsmitteln überhaupt und einer Specialzufuhr bestimmter Nährstoffe und Nahrungs. mittel. Die Besserung der Ausnutzung erreicht mau durch An­wendung der Meth. stomachica, die Herabsetzung des Verbrauchs durch Anordnung von Ruhe und andere Maassnahmen.
1. Allgemeine zuführende Methode (ffleth. nutriens). Diese Methode wird angewendet um bestehende Schwächezustände zu heben. Ver­luste zu ersetzen, die Energie des Stoffwechsels zu steigern, alle Organe zu erhöhter Thätigkeit anzuregen und beschleunigte ßlutbildung hervorzurufen. Sie besteht in der gesteigerten Verabreichung leicht verdaulicher, stark nährender, kräftiger Nahrungsmittel und namentlich solcher, welche grosse, leicht assimilirbare Eiweissrnengen enthalten.
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526nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Allgemeinzufuhr.
Je nach der Natur der Krankheiten wählt man eine mehr schlaffe oder eine leicht reizende Nahrung.
Indicationen. Die Methode ist indicirt bei allgemeinem Stoff­mangel und Abmagerung, bei allen Schwächezustäuden (bei der wahren Schwäche [Debilitas, s. asthenia vera], bei der Muskel- und Nerven­schwäche, bei der Schwäche der Verdauungsorgane), bei ßlutkrank-heiten, bei der Anämie, bei allen Atrophien, bei iibermässigen Se- und Excretionen, bei allen Reconvalescenten, bei leichtem Ermüden, leichtem Schwitzen, allgemeiner Schlaffheit, Zittern, ungenügender oder zu heftiger Reaction auf Reize u. s. w.
Die eigentlichste, so zu sagen einzigste Indication der Methode ist zu finden in dem sogen, sohlechten Aussehen der Thiere. Dies zu hessern ist die Auf­gabe der Methode. Das schlechte Aussehen kann bedingt sein: a) durch unzu­reichende Zufuhr. Diese ist die Folge von Geiz oder Armuth der Besitzer, von schlechter Witterung, schlechtem Boden u. s. w. Sie ist entweder zu gering, um den status quo ante zu erhalten, oder sie genügt diesem Zwecke, ist aber zu gering, um den notwendigen Ansatz zu ermöglichen, b) Durch unzureichende Ver­dauung wegen mangelhaften Functionirens der Verdauungsorgane. In diesem Fall hungern das Blut und die Organe trotz reichlicher Nahrungszufuhr, c) Durch un­zureichende Resorption und Assimilation wegen Abnormitäten an den Resorptionsorganen, den Gekrösdriisen, wegen herabgestimmter Zellenenergie u.s.w. d) Durch Erkrankungen der cytogenen Organe und Gewebe, e) Durch zu starken Verbrauch (in tote oder in Bezug auf einzelne Körperbestandtheile), zu reichliche Verluste an Material, bedingt durch laquo;) zu starke, anhaltende Arbeit und Strapazen bei lebhaften, sanguinischen Thieren ß) pathologische Ent­ziehungen z. B. Blutverluste und Säfteverluste (Magendarmcatarrhe mit Diarrhöe, Dysenterien, Albuminurie, Melliturie, Galactorrhöe [zu vieles Melken], Spermator-rhöe, Blennorrhöe, Eiterungen, Hydropsien, Oedeme, Exsudationen, Krebs, Tuber-culose, Ovarialcysten u. s. w.). y) Verluste durch Schmarotzer, z. B. Bandwürmer. 6) Consumptive Vorgänge (Fieber, gewöhnliche Dyskrasien etc.).
Bei den das schlechte Aussehen bedingenden Krankheiten müssen andere Methoden in Anwendung gebracht werden und hat die restaurirende Methode nur eine palliative Bedeutung. Bei der mangelhaften Zufuhr und bei dem zu starken Verbrauch durch Arbeit, Milchsecretion und dergl. kann aber die Methode radical heilend wirken.
Mittel. Die wesentlichsten Mittel der Methode sind die Nahrungs­mittel in den passenden Zubereitungsmethoden und muss in dieser Hinsicht auf die Lehrbücher der Gesundheitspflege verwiesen werden. Man gebe gehaltreiche, leicht verdauliche Nahrungsmittel in leicht verdaulicher Form, in kleinen Rationen und kurzen Zwischen­räumen. Es ist selbstverständlich, dass man die naturgeraässen Nahrungsmittel für die einzelnen Thierarten auswählen muss, so für Pflanzenfresser: Gras, Heu, Körner, Schrot, Kleie u. dergl.; für Omni­voren: Körner, Knollengewächse, Blut; für Carnivoren: Fleisch, Milch,
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 527
Fleischbrühe, Fleischextract, Eier u. dergl. Alkoholische Nahrungs­mittel und Genussmittel werden nur selten verabreicht. Alkohol ist insofern günstig, als er leicht assimilirbar ist und leicht verbrannt wird und dabei viel lebendige Kraft producirt. — Auch die Zufuhr von Peptonen u. dergl. Stoffen ist unter Umständen indicirt. Natürlich muss den Nahrungsmitteln die nöthige Menge an Salzen und Flüssig­keit beigegeben werden. Die Steigerung der Wasserzufuhr ist günstig, da Wasser gesteigerte Fresslust, gesteigerte Ausscheidung und gesteigerten, beschleunigten Stoffwechsel bewirkt. Bei den Pflanzen­fressern zeigt auch der Uebergang zur Grünfütterung oft die über­raschendsten Erfolge bei heruntergekommenen Thieren.
Die restaurirende Cur durch Nahrungszufuhr kann noch wesentlich unterstützt werden durch Sorge für Ruhe bei Arbeitsthieren etc., durch Beschränkung der Ausleerungen und des Verbrauchs überhaupt, durch Anregung der Verdauungsorgane zur Thätigkeit, durch Stärkung derselben durch passende Medicamente (Meth. stomachica). Es ist selbstverständlich, dass alle krankhaften Ausleerungen und Säfte Ver­luste beschränkt oder aufgehoben werden müssen, soweit dies möglich ist, wenn die Cur Erfolg haben soll. Der Causaleur ist überhaupt, wie bei allen Methoden so auch hier in erster Linie zu genügen, die Schmarotzer sind zu entfernen, Eiterungen zu mindern, andere Entlee­rungen zu stopfen u. s. w.
Die durch Hemmung der Ausgaben und Förderung der Verdauung bewirkte Restauration pflegt man die indirecte Restauration zu nennen.
2. Specialzufuhr. Diese unter Umständen als Meth. alterans zu be­zeichnende Methode besteht in der gesteigerten Zufuhr ganz bestimmter Stoffe, in der Beimischung derselben zur gewöhnlichen Nahrung. Nicht selten wird sie mit der allgemeinen Zufuhrsteigerung combinirt. Mit der Specialzufuhr bezweckt man den Ersatz bestimmter im Organismus fehlender Bestandtheile oder eine Aenderung bestimmter Stoffwechsel­vorgänge.
Es kommt in der That nicht selten vor, dass ganz bestimmte Körperbestandtheile in ungenügender Menge vorhanden sind. Die Ur­sachen hiervon sind in gesteigerter Abgabe (Wassermangel im Blute beim Sonnenstich und beim Durchfall; Eiweissmangel bei der Albumin-urie etc.) oder in verminderter Aufnahme (Eisenmangel bei schlechter Ernährung oder beim Magendarmkatarrh) zu suchen.
Die häufiger vorkommenden Defecte sind: Kalk-, Phosphor­säure- und Eisenraangel. Mangel an Kalk und Phosphorsäure in der Nahrung erzeugt ausser der Lecksucht bei jungen Thieren Rhachitis
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Die Specialzufuhr.
und bei alten Knochenbrücliigkeit. Rci diesen Krankheiten kann der Kalkraangel vielleicht auch durch zu grossen Verbrauch in Folge Auflösung der Kalksalze durch zu reichlich vorhandene Milchsäure im Körper verursacht sein. Bei Eisenmangel entsteht die Ohiorose. Der Eisenmangel ist seltener durch Eisenarmuth der Nahrung, weit häufiger durch Verdauungsstörungen und mangelhafte Resorption und Assimilation bedingt. Kochsalzmangel kommt häufig auf Alpenweiden in Folge mangelhafter Zufuhr und bei Krankheiten mit massigen fibrinösen und zelligen Exsudaten in Folge gesteigerten Verbrauchs vor. Mangel an Fett, an Wasser und an Eiweiss kann sowohl in Folge mangelhafter Zufuhr als gesteigerter Abgabe eintreten.
Die wesentlichsten Krankheiten, bei denen die in Frage stehende Curmethode angezeigt ist. sind: Lecksucht, Knoc henbrüchigkeit, Rhachitis, Ohiorose, Hydrämie, Fetsarmutli.
Mittel. Die Specialzufuhr ist fast stets mit einer allgemeinen Stärkungscur resp. Zufuhrsteigerung zu verbinden und kann häufig durch dieselbe ganz ersetzt werden. Bei der Zufuhrsteigerung kann der Organismus bei guter Verdauung und Resorption die Specialdefecte selbstständig decken, weil er ja in den zugeführten Nahrungsmitteln das Material zur Deckung in genügender Menge findet. Bei an diesen Krankheiten leidenden Thieren leistet z. B. oft der ücbergang zur Grünfütterung mehr als alle Specialzufuhr. Der Zusatz von Kochsalz ist bei allen diesen Krankheiten von günstigem Einflüsse.
In manchen Fällen ist aber aussei- der Beobachtung aller allge­meinen diätetischen Regeln auch die directs Zufuhr der betreffenden fehlenden Stoffe nothwendig, so des Eiweisses (bei der Albuminurie), des Fettes (bei Fettmangel), der Kohlehydrate, des phosphorsauren Kalks, des Kalkchlorhydrophosphats (bei mangelhafter Entwickelung des Knochensystems), des Chlorcalcium, der Knochenerde, des Koch­salzes, von Kali, Eisen, Blut etc. Das letztere Mittel kann ebenso wie Blutserum direct durch Infusion in das Blut des Patienten zu dessen Stärkung eingebracht werden (cf Bluttransfusion). Man benutze die Gelüste der Thiere als wichtige Fingerzeige für die An­ordnung der Diät.
Bei dem Vorhandensein von Specialdefecten ist aber der Regel nach die indirecte Restauration viel wichtiger als die directe. Bei Eisenmangel nützt man in der Regel mehr durch Besserung der Verdauung, durch Verabreichung von Salzsäure, als durch Eisenzugabe. Nur selten ist nachweislich die Nahrung der Thiere zu arm an Eisen, und nur in diesem Falle ist die Verabreichung des Mittels indicirt. In
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Speciolle Diätcuren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 529
allen anderen Fällen handelt es sich um mangelhafte Resorption resp. Assimilation des in der Nahrung in genügender Menge vorhandenen Eisens. Auch bei Rhachitis und Knochenbrüchigkeit nützt man durch Besserung der Verdauung und Verabreichung von Alkalien und alka­lischen Salzen (zum Binden von Säuren) meistens mehr als mit Knochenmehl und Phosphor.
Specieiies. 1. Die Ernähriing von Reconnilesceiiteii (ületbodus restaurans,
reeoiistiliieiis. Während des Ablaufs der Kranklieiten erleiden die meisten Thiere einen Verlust ;in Körpermaterial. Diesen so rasch als möglich wieder zu ersetzen, die Reconvalescenten auf einen günstigen Nähr- und Kräftezustaml zurückzubringen, ist die Aufgabe der diätetischen Curmethodeii. die in diesem Falle mit dem Ablauf der Krankheiten und beim Fieber mit dem Wiedereintritt der normalen Körper­temperatur zu beginnen haben. Die Cur besteht in der Verabreichung einer solchen Mischung- von N-haltigen und N-frelen Nährstoffen, die dem Zustande des Recon­valescenten angepasst und leicht verdaulich ist. Stets aber ist bei Anordnung der diätetischen Maassnahmen grosse Vorsicht nothwendig; denn nicht selten, nament­lich bei fieberhaften Krankheiten, sind während der Reoonvalescenz die Verdauungs­organe noch geschwächt. Auch besteht oft eine Zeit lang noch eine gesteigerte Erweisszersetzung.
Stets sorge man für allmäligen Uebergang von der llüssigen zur festen Nah­rung und für eine allmälige Angewöhnung der Reconvalescenten an die gewöhn­lichen Verhältnisse. Der Appetit der Reconvalescenten darf nur bis zu einem ge­wissen Grade ein Fingerzeig für die zu ergreifenden Massnahmen sein. Der Mangel der Gewebe an Material erzeugt oft ein sehr bedeutendes Hungergefühl. Wollte man diesem Statt geben, dann könnte leicht eine Belästigung der Verdauungsorgane u. s. w. eintreten. Reconvalescenten gebe man deshalb stets nur geringe Mengen Nahrung aber um so öfterer.
2. Diät bei Kiiuchciilu'iichigkcit untl Rhachitis. Diese Krankheiten können bedingt sein durch Mangel an Kalksalzen in der Nahrung oder durch mangelhafte Ausnutzung der darin vorhandenen Kalksalze bei gleichzeitig starkem Verbrauch an denselben (Milchtliiere). Die ungenügende Ausnutzung kann in Erkrankungen der Verdauungs- und Resorptionsorgane oder in Erkrankungen der osteoblastischen Zellen ihren Grund finden. Andererseits hat man die Ursache der Rhachitis auch in einem Uebermaasse von Milchsäure im Organismus oder in einem unrichtigen Ver­hältnisse des Kalium und Natrium und des Phosphorsänre- und Chlorgehaltes gesucht. Ueberwiegen der Kalisalze und der Phosphorsäure in der Nahrung bedingt mangel­hafte Ausnutzung der Natronsalze und des Chlor. In Folge dessen tritt zu wenig HC1 im Magen auf. Deshalb wird die Verdauung beeinträchtigt und werden die Kalksalze ungenügend gelöst und nicht transportfähig.
Man muss in jedem Falle forschen, ob eine fehlerhafte Ernährung vorliegt und diese ändern; namentlich aber inuss man stets bestrebt sein, für eine allgemeine Aufbesserung des Ernährungszustandes durch Verabreichung passender Nahrungs­mittel (Zufuhr eines kräftig nährenden, leicht verdaulichen, kalkreichen Futters), Bekämpfung eines etwa vorhandenen Magenkatarrhes, Stärkung der Verdauung (durch 11C1, bittere Mittel etc.), Beschränkung des Kalkverbrauohs (durch Ein­stellen des Melkens etc.) zu sorgen. Der Mugendarmkatarrh ist immer zuerst zu
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Specielle Diätcuren.
beseitigen; denn bei Magenkatarrh werden die Kalksalze mangelhaft resorbirt und wird viel Milchsäure gebildet. — Herstellung des richtigen Verhältnisses von Kali zu Natron (2 : 1) und Chlor zu Phosphorsäure ist auch indicirt; neben den diäte­tischen Maassnahmen muss man noch Kalk und Phosphor in verschiedenen Formen verabreichen.
3.nbsp; nbsp; Diät bei der Chlorose und Anaemic. Bei diesen Krankheiten ist eine eiweissreiche aber leicht verdauliche und gut zubereitete Nahrung indicirt. Da aber in der Regel Magendannkatarrhe gleichzeitig bestehen, müssen diese vor allen Dingen bekämpft werden. Zugleich empfiehlt sich die Verabreichung von Eisen oder die subeutane Anwendung, z. 15. von Ferrum pyrophosphoricum.
4.nbsp; nbsp; Diät bei tier Phthisis. Neben reichlicher Nahrung sind noch Kalk und Salzsäure zu verabfolgen.
5.nbsp; nbsp;Diät bei allgemeinen Eniähriingsstörmigen. Es giebt gewisse Krankheiten, bei denen die auffallendste Erscheinung die Störung im gesamraten Ernährungszu­stande ist, ohne dass man dieselbe auf eine specielle Organerkrankung zurückführen kann. Man spricht dann von allgemeinen Ernährungsstörungen oder Constitutions-anomalien. Wir fuhren dieselben auf abnormes Verhalten zelliger Elemente oder auf krankhafte Veränderungen der Säfte zurück. Die zelligen Elemente können in ihren mechanischen oder in ihren Organisationsverhältnissen oder in Bezug auf ihre Nervenbeeinflussung gestört sein, so dass ihre Aufnahme und Abgabe abnorm wird.
Aussei diesen Ernährungsstörungen treten natürlich auch bei allen Störungen der Nahrungsaufnahme, der Verdauung, der Resorption, der Säftebewegung, bei Erkrankungen einzelner Organe und des Gesammtorganismus, beim Fieber u. s. w. allgemeine Ernährungsstörungen auf.
Bei allgemeinen Ernährungsstörungen wird die Ernährung je nach den vor­liegenden Krankheitszuständen eine verschiedene sein müssen; so wähle man bei Anämien und Hydrämien eine Nahrung aus, die mehr N als die normale Nah­rung enthält, sehe dabei aber auf leichte Verdaulichkeit, denn bei diesen Leiden liegen in der Regel Verdauungsstörungen, atonische Zustände der Verdauungsorgane u. dergl. vor. — Scorbut, Scrophulose und ähnliche Erkrankungen sind bei unseren Hausthieren selten. Die allgemeinen Ernährungsstörungen unserer Hausthiere sind meist Folgen der Tuberkulose oder von Erkrankungen der Lymphapparate. Es ist in diesen Fällen durch die Diät wenig zu erreichen.
6.nbsp; nbsp;Diät bei der Fettsucht. Diese Curmethode gehört in die Gruppe der roborirenden, stärkenden Methoden. Sie geht mit einer Ver-rainderung des Körpergewichts einher und ist deshalb fälschlicher Weise wohl als eine schwächende Cur betrachtet worden. Das ist aber durch­aus falsch. Die Beseitigung des übermässig angehäuften Fettes hat keine Schwächung, sondern eine Kräftigung des Organismus, eine Be­freiung desselben von belästigendem, die normalen Functionen störenden Materiale zur Folge. Geht hiermit gleichzeitig ein theilweiser Raum­ersatz für das verloren gegangene Fett durch Wachsthum oder Neu­bildung des funetionirenden Gewebes (der Muskulatur etc.) einher, dann ist die betr. Cur eine Kräftigungscur par excellence. Die fett­widrige Cur kommt für die thierärztliche Praxis weniger in Betracht als für die Menschenheilkunde. Immerhin wird aber zuweilen thierärzt­liche Hülfe bei fettsüchtigen Hunden und Pferden in Anspruch ge-
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Diät bei der Fettsucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 531
nommen. Bei der nachfolgenden Schilderang der in Frage stehen­den Curmethodo lehnen wir uns wesentlich an die OerteTschen Lehren an.
Indicationen. Die Indication zur Anwendung der fettwidrigen Methode ist gegeben bei joder die Norm übersteigenden, die normalen Körperfunctionen störenden Fettablagerung im thierischen Organismus, wenn diese nicht aus ökonomischen Gründen wünschenswert!) ist. Selbstverständlich kommt diese Methode nicht bei fetten Rindern, Schweinen, Hühnern etc. in Betracht, wohl aber bei Arbcits- und Zuchtlliieren, bei Thieren, die zum Luxus und aus Liebhaberei gehalten werden, namentlich bei den Sclioosshunden.
Zur genaueren Feststellung der Indicationen dieser Methode muss man zwei Stadien der Fettsucht unterscheiden:
1.nbsp; nbsp; Diejenige Form, die in einfacher übermässiger Fettablagerung im Körper besteht und noch nicht zu Circulationsstörungen geführt hat.
2.nbsp; nbsp; Diejenige Form, welche mit derartigen Circulationsstörungen (Fettherz, Fettsucht. Veränderungen im Lungenkreislauf u. s. w.) ver-bunden ist, dass bei der geringsten Anstrengung Dyspnoe eintritt.
Bei beiden Stadien der Fettsucht verlangt die Hauptindication gefahrlose Entfettung des Körpers; im zweiton Stadium kommen hier­zu aber noch eine Reihe von Spocialindicationen, die sich aus den vor­handenen Combiuationen ergeben, den Störungen dos Kreislaufs, der krankhaften Blut beschaffen licit, der allgemeinen und der spociellcn Herzschwäche, der ungenügenden Compensation bei Herzfehlern, dem Vorhandensein eines Fettherzens, den Veränderungen und Störungen im Lungenkreislauf, den oft bestehenden Magendarmkatarrhen, Leber- und Nierenleiden, den Katarrhen der Respirationsschleimhaut und der Lungen. Die Special! ndirati on en beziehen sich auf: Kräftigung des Herzmuskels, Correction der Gleichgewichtsstörungen im Kreislauf, Regulirung der Flüssigkeitsaufnahrae und -Abgabe, auf die Grosse der Nierenthätigkeit, auf die Beseiti­gung dyspnoischer Zustände von Seiten der Respirationsorgane und Ermöglichung erhöhter Muskelthätigkeit, auf die Ver­dauung und Resorption der zweckmässig ausgewählten Nah­rungsmittel u. s. w.
Mittel. Die Mittel der Methode können gefunden werden in richtiger Diät und directen Entziehungen. Bei Feststellung der Diät kommen bei beiden Stadien der Fettsucht dieselben wissenschaft­lichen Principien der Physiologie und Therapie und die Forderung in Betracht, dass die Diät so beschaffen sein muss, dass sie dauernd ohne besonaere Beschwerden festgehalten werden kann.
Zur Beurtheilung der Nahrungsfrage seien aus dem Gebiete der Ernährungs­lehre nur einige Punkte angeführt: Das Körperfett unserer Thiere bildet sich aus dem aufgenommenen Eiweiss und eingeführtem Fett und nur ausnahmsweise z. Th. auch aus Kohlehydraten. — Fettansatz kommt im Thierlcörper nur zu Stande, wenn die Nahrungsaufnahme den Verbrauch des Körpers übersteigt; sonst wird sowohl das Spalt'ungs- als das Nahrnngsfett zu Kohlensäure und Wasser verbrannt.
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Entfettungsmethoden.
Bei einer alle Nährstoffe enthaltenden Nahrung werden zuerst die Kohlehydrate ver­brannt und erst wenn diese in ungenügender Menge zugegen sind, das Spaltungs- und das Nahrungsfett; andernfalls wird dieses angesetzt. — Bei einer Ernährung aus Eiweiss und Fett wird zuerst das Spaltungs- und das Nahrungsfett zerstört so lange das Zellvermögen reicht, der Ueberschuss wird angesetzt. — Bei reiner Ei-weissuahrung ist der Organismus auf das Spaltungsfett allein und eventuell auf vorhandenes Körperfett angewiesen. — Der Fettansatz kann demnach sowohl durch zu viel Nahrungsfett, als durch zu viel Spaltungsfett an sich, als durch das durch die Kohlehydrale geschützte und deshalb unzersetzte Fett und nur ausnahmsweise durch Umwandlung aus Kohlehydraten geschehen. — Der Fettansatz erfolgt am schwersten bei reiner Eiweissnahrung, schon leichter bei Ernährung mit Eiweiss und Kohlehydraten, noch leichter bei Ernährung mit Eiweiss und Fetten und am leichtesten bei Zufuhr von Fett und Kohlehydraten neben einer massigen Eiweiss-menge. Er wird erhöht durch Einflüsse, welche die Fähigkeit der Zellen zur Stoff-zersetzung verringern, z. B. durch Ruhe, Alkoholgenuss, hohe Lufttemperatur, Anämie u. s. w. Stets kommt der Fettansatz durch zu reichliche Ernährung im Verhältnisse zum Verbrauch zu Stande.
Die Anwendung der direct entziehenden Methoden ist bei dem zweiten Stadium der Fettsucht gefährlich und kann demnach mir bei dem ersten Stadium in Betracht kommen.
Zu den zehrenden Curmethoden gehören: die abführenden, blutentziehenden, schweiss- und harntreibenden Methoden und die Be-wegungseuren. Im Gebrauch sind nur die abführenden und Bewe-gungscuren.
Die ersteren sind aber deshalb zu verwerfen, weil sie nicht dauernd in Anwendung gelangen können. Eine Entfettungscur ist aber nutzlos, wenn sie nur vorübergehend angewendet wird. — Die Bewegungscuren
können dauernd und methodisch
zur Unterstützung der diätetischen
Entfettnngscuren verwendet werden
1. Die Behandlung der einfachen Fettsucht (die einfache Entfet­tungscur). Diese Curmethode verlangt die Entfettung des kranken Organismus mit Vermeidung einer gefahrvollen Schwächung des Pa­tienten.
Die Entfettung geschieht: 1) durch eine derartige Veränderung der Qualität und Quantität der Nahrungsmittel, wie sie sich aus den Grundsätzen der (Petten kofer-Voit'schen) Ernährungslehre ergiebt, und 2) durch Umänderung der Lebensweise, namentlich durch gesteigerte Thätigkeit, Vornehmen anstrengender Bewegungen u. dergl. — Was die Auswahl der tahriingsniittel für Fettsüchtige anlangt, so ist zweifellos die mehr oder weniger ausschliessliche Darreichung von stickstoffhaltigen und die Verminderung oder Entziehung von stick-stoifiosen Nahrungsmitteln indicirt.
Wenn die stickstolflosen Nährstoffe in der Nahrung in genügender Menge vor­handen sind, dann wird das von den Eiweisskörpern gelieferte Spaltungsfett ganz oder theilweise im Thierkörper abgelagert. Sind sie in mehr als genügender Menge zugegen, dann kann dieses Mehr ebenfalls als Körperfelt deponirt werden. Sie
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Entfettungsmethoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 533
befördern demnach das Fettwerden und hindern die Entfettung. Bei Entziehung von stioktofflosen und ausschliesslicher Darreichung von N-haltigen Nährstoffen ist der Organismus zunächst auf die Verbrennung des Spaltungsfettes angewiesen. Da jlieses aber nicht rasch und nicht reichlich genug gebildet wird und da die Zell-krätte durch dessen Zersetzung noch nicht erschöpft sind, wird Körperfett zum Stoffwechsel verwendet. Auf diese Weise tritt die Entfettung des Körpers, nament­lich der Muskelfasern und des Herzens ein und wird der anämische Zustand der Fettsüclitigen gebessert. Die Entfettung kann noch gesteigert werden durch Erhö-liung der Fähigkeit der Zellen zur Zersetzung (Körperbewegung, kalte Luft, kalte Bäder etc.)
Die Methode der ausschliesslicheu Ernährung mit stickstoffhaltigen Nahrungs­mitteln ist zuerst von Chambers empfohlen worden. Allgemein bekannt wurde sie aber erst durch die Publication der von Harvey angeordneten Entfettungscur durch Banting. Die sogen. Rantingcur hatte aber bei ihrer strengen Durch­führung bedeutende Nachtheile im Gefolge. Bei den Patienten traten Ernährungs­störungen, Dyspepsie, Magendarmkatarrhe, Kraftlosigkeit, nervöse Störungen u. s.w. hervor. Die Nachtheile der Bantingcur bestehen darin, dass sie die Eiweisszer-Setzungen im Körper steigert und mit Verlust an Organeiweiss droht. Bei ver­mehrter Eiweisszufuhr, wie sie bei jeder Albuminaternährung besteht, steigt die Eiweisszersetzung im Körper. Es kann deshalb leicht der Fall eintreten, dass das circulirende Eiweiss ungenügend und dass Organeiweiss verbraucht wird. Das Körpergleichgewicht kann bei reiner Eiweissnahnmg nur erhalten bleiben, wenn die Eiweisszufuhr eine sehr bedeutende ist.
Schutz vor Eiweissverlust findet ein nicht fetter Organismus nur, wenn mindestens diejenige Quantität von Eiweiss verabreicht wird, welche im Darm überhaupt resorbirt werden kann, d. h. eine so bedeutende Menge, dass leicht Ver­dauungsstörungen eintreten.
Ein fettreicher Organismus gebraucht zu demselben Zwecke woniger Ei­weiss (Voit), weil er an Stelle des fehlenden Nahrungsfettea das Körperfett an­greift und dadurch Eiweiss erspart. Immerhin hat auch der fette Körper bedeutende, sein Verdauungsvermögen stark in Anspruch nehmende Eiweissmengen nothwendig. Deshalb kann bei Fettsüchtigen, die mit guten Verdauungsorganen ausgestattet sind, die Cur mit reiner N-haltigen Nahrung wohl begonnen werden. Sobald aber während der Cur eine mehr oder weniger bedeutende Entfettung des Orga­nismus eingetreten ist, tritt ein Mehrbedarf von Eiweiss ein. weil weniger Fett zum Verbrauch zugegen ist. Wird das Mehr an Eiweiss nicht geliefert, oder nicht ver­daut und resorbirt, dann wird weniger Eiweiss abgelagert, Organeiweiss zersetzt und Eiweissverlust im Körper herbeigeführt. Dadurch werden die Individuen kraft­los und elend. Der in der Entfettung begriffene Körper verlangt eine Abänderung der Diät, wenn nicht ein geradezu ausgezeichnetes Verdauungs­und Resorptionsvermögen vorliegt.
Aus diesen Thatsachen ergiebt sich, dass die Bantingcur nur mit Vorsicht und modilicirt angewendet werden darf.
Den Nachtheilen der Bantingcur kann man dadurch begegnen, dass man der Eiweissnahrung stickstofffreie Nährstoffe zusetzt. Diese setzen den Eiweissverlust des Körpers herab. Wenn man aber die Entfettung erreichen will, dann darf man die N-freien Nährstoffe nur in geringen Mengen zusetzen und zwar muss sich der Zusatz ganz und gar nach dem Verbrauch des Körpers au Kraflmaterial richten.
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Entfettungsmethoden.
Er muss je nach der Arbeitsleistung der Thiere, der Lufttemperatur etc. verschieden, aber stets etwas geringer sein, als der Bedarf des Körpers beträgt, weil selbstver­ständlich nur in diesem Falle das aufgespeicherte Fett angegriffen und damit eine Abnahme des Fettgehaltes des Körpers erreicht wird. Je geringer der Kräfte verbrauch im Organismus ist, d. h. je weniger sich das Individuum bewegt und arbeitet, und je höher die Aussentemperatur ist etc., um so weniger N-freie Stoffe dürfen verabfolgt werden. Bei Auswahl der Nährstoffe und Mengenbestimmung derselben muss man zwei Gesichtspunkte im Auge haben: die Zersetzbarkeit der betr. Stoffe im Körper und ihre ümbildungsfälüglieit in Fett und die Zersetzungsfähigkeit des Körpers für die fettbildenden Substanzen.
Die Anschauungen der Autoren gehen bezüglich der ISahrstoffauswahl noch auseinander. Ebstein empfiehlt die Verabreichung von Fett und Entziehung von Kohlehydraten, wogegen Oertel (und Voit) die möglichste Entziehung des Fettes in der Nahrung und Zusatz von Kohlehydraten zu derselben vor­schlägt. — Beide Methoden sind durchaus rationell, wenn die betreffenden N-freien Stoffe in so geringer Menge gegeben werden, dass sie für den Kräfte- und Wärme­bedarf des Organismus nicht genügen, sodass eigenes Körperfett verbrannt werden mnss. — Oertel begründet seine Anschauung damit, dass er mit Voit und Hubner sagt, dass man die Zersetzbarkeit der Stoffe und ihr Fettbildungsvermögen resp. ihr Vermögen, die Fettabgabo des Körpers zu mindern, an den Vertretungs-werthen der Stoffe für Fettbildung erkenne und dass die Fette sich in dieser Rich­tung zu den Kohlehydraten wie 2,5 : 1 verhalten. Die Fette ermöglichen die Bil­dung von Kraft und Wärme am leichtesten und in der geringsten Menge. Dazu kommt noch, dass jeder Fettüberschuss in Form von Fett im Körper angesetzt wird. Von Kohlehydraten muss fast das 2,5fache verabreicht werden, um dieselbe Menge von Kraft und Wärme zu liefern, die eine bestimmte Quantität Fett producirt. Die überschüssigen Kohlehydrate werden nicht annähernd so leicht als Fett abge­lagert, wie eingeführtes Fett. Aus diesen Gründen, folgert Oertel, ist Fettentzie­hung bei Fetten indicirt.
Eine combinirte Verabreichung von Kohlehydraten und Fetten wird bei keiner Entfettnngscur empfohlen, weil dabei die Quantitätsgrenze am schwersten einzuhalten ist und weil dann das genossene Fett leicht angesetzt wird, während die Kohlehydrate verbrennen und zur Kräfte- und Wärmeproduction dienen.
Bcmerkenswerth ist noch, dass auch die Beschränkung der Wasseraufnahrae und die Beförderung der -Abgabe, d. h. eine Verminderung des Wassergehaltes des Gesammtorga-nismus, einen gewissen Grad von Entfettung bewirkt. Es wird da­durch nicht allein der Fettansatz gehindert, sondera in Folge dessen thatsächlich Fett verzehrt und der Fettgehalt des Organismus herab­gesetzt (Oertel).
Die Reduction der Flüssigkeitsmenge im Körper bewirkt eine raschere Ver­brennung des Körperfettes und ohne alle weiteren Maassnahmen schon an sich eine gewisse Entfettung des Organismus. Diese sehr wichtige, von Oertei festge­stellte Thatsache erklärt sich vielleicht aus dem uns über Fettbildung Bekannten. Fettzellen entstehen nur an Blutgefässen und Gapillaren, in dichtester Nachbar­schaft am Blute. An Stellen mit partiellen Gefässerweiterungen und Circulations-verlangsamung findet die Fettgewebsbildung rascher als an anderen statt. Der
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Entfettungscuren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 535
geringere Gehalt des stauenden Blutes an Sauerstoff giebt eine Ursache der Fett­bildung ab. Bei der genannten Form der Fettsucht bestehen vielfach Verlang-sajmmgen der Circulation uud venöse Stauungen, d. h. pradisponirende Momente für Fettbildung. Diese verschwinden bei Wusserentziehung, weil dadurch die Cir­culation freier wird und die venösen Stauungen beseitigt werden. Es kommt aber hierbei auch zu partiellen Anämien und nach bekannten Gesetzen in denjenigen Theilen, deren Stoffverbrauch geringer ist und deren Gefässe schlechter innervirt sind. Dies ist im Fettgewebe der Fall. Hier also wird Anämie, selbst Gefäss-verödung und damit Auflösung und Resorption des Fettgewebes eintreten. Das resorbirte Fett wird im Blute verbrannt.
üeber rationelle Entfettungscuren bei unseren Hausthieren hat in neuerer Zeit der bekannte thierarztliche Forscher und Schriftsteller Vogel in dankenswerther Weise exacte Untersuchungen angestellt und genaue Mittheilungen über die Resultate der von ihm an fettsüchtigen Thieren vorgenommenen Entfettungscuren gemacht. Seine Curen nehmen 19—26 Wochen in Anspruch. Vogel ist selbstständig zu ähnlichen Anschauungen wie Ebstein gekommen. Er hält dafür, dass die Nah­rung Albuminate und Fett in richtigem Verhältniss enthalten, aber arm an Kohlehydraten sein müsse. Ausserdem schreibt er massige Nahrungsmengen vor.
Vogel gab z. B. einem 55 kg schweren fettsüohtigen Hund täglich 3 Pfund Hafergrütze und 130 Gramm Fett. Später wurden 450 Gramm Hafer, 250 Gramm amerikanisches Fleischmehl und 130 Gramm Fett gegeben.
Ein fetter Hühnerhund erhielt 750Gramm Fleisch, 750 Gramm Brod, 100 Gnu. Fett mit 1 gestrichenen Theelöffel voll Kochsalz. Das Fleisch kann durch Fleisch­mehl ersetzt werden. — In ähnlicher Weise wurden auch die anderen Fettsüchtigen mit Erfolg behandelt. Kartoffeln, Milch u. s. w. erhielten die Thiere nicht.
Bei Pferden hat man nur die Diät zu regeln und die Nahrungsmenge etwas zu massigen. Man gebe z. B. 7 Pfund Hafer, 7 Pfund Heu, 3,5 Pfund Stroh und 1 Pfund Leinsamenmehl mit 5 pCt. Salz. — Vogel hat mit seiner Curmethode seiir gute Erfolge erzielt.
Die Behandlung der Fettsüchtigen mit Circulationsstörungen. Die Circulationsstörungen sind in der Regel bedingt durch die Kraftab-nahme des Herzmuskels und Insufficienz desselben. Diese ist die Folge von Fettablagerung und Fettdurchsetzung des Herzens und der dadurch bedingten Atrophie des Myocards und zum Theil wohl auch durch Verfettung eines Theils der Muskelfasern. Hierdurch treten die Störungen in der Circulation, im hydrostatischen Gleichgewicht und in der Nierenthätigkeit auf. Dabei bestehen oft gefährliche Schwächezu­stände. Anämie und Hydrämie, Katarrh der Verdauungsorgane (durch venöse Hyperämie bedingt), der Bronchialschleimhaut und der Lungen; etwa bestehende Klappenfehler werden mangelhaft compensirt, körper­liche Anstrengungen und Muskelbewegungen können nicht mehr er­tragen werden.
Indicationen. Nach Oertel liegen in diesen Fällen für die Zwecke dieser Cur (cf. S. 531) drei Indicationen vor:
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536nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entfettungsmethoden.
1) Verringerung d er Flüssigkeitsmenge im Körper, 2) Ent­fettung des Körpers und 3) Kräftigung des Herzmuskels und Wiederherstellung einer etwaigen compensatorischen Hypertrophie.
Mittel. Ad 1. Die Müssigkeitsmimleriing im Organismus erreicht man durch eine Minderung der Wassereinnalime und Erhöhung der Wasserausgabe. Letzteres bewirkt man durch Anregung der Haut-thätigkeit und der Schweissdriisen, durch Anordnung von Bewegung und Arbeit und eventuell durch Anwendung schweisstreibender Mittel (Pilocarpin).
Die Minderung des Wassergehaltes des Organismus bewirkt Min­derung der Herzarbeit, Freiwerden der gesammten und der Lungen-circulation, Abnahme des Körperfettes (cf. oben), Steigerung der Lebensenergie, Steigerung des Stoffwechsels, erhöhte Gewebsbildung, Verschwinden der dyspnoischen Erscheinungen. Möglichkeil von Körper­bewegungen.
Die Flüssigkeitsaufnahme hat einen wei reichenden, in physikalischen Vor­gängen beruhenden Einlluss auf die Circulation des Blutes und der Säfte, auf die Ernährung der Gewebe und auf den StolTverbrauch im Körper. Die erhöhte Zufuhr von Flüssigkeit, resp. überhaupt die Vermehrung des Wassergehaltes iles Orga­nismus erhöht durch die Vermehrung der Blutmenge die Arbeit des Herzens, indem sie höhere Anforderungen an dasselbe stellt. Jede Verminderung der Flüssigkeits­menge des Körpers muss selbstredend den entgegengesetzten Effect haben; sie mindert und erleichtert die Herzarbeit und macht die Circulation freier, beseitigt Stauungen u. dergl. In Folge der Befreiung der Circulation bekommen die Gewebe mehr arterielles, O-reiches Blut, dadurch steigern sich ihre Lebensproccsse und treten die genannten günstigen Folgen, die Möglichkeit der Bildung neuer, das Wachsthum atrophischer Muskelfasern (z. B. des Herzens), die Beseitigung der Dyspnoe etc. ein.
Ad 2. Die Entfettung des Körpers wird zum Tlioil schon durch die Wasserentziehung, im grösseren Maasstabe aber nur durch zweck­entsprechende, nach oben vorgetragenen Grundsätzen geregelte Diät gelingen. Der Patient werde mit einer genügenden Menge von Eiweiss-körpern, denen so viel Kohlehydrate oder Fette beigemischt sind, dass sie den Bedarf des Organismus noch nicht decken, ernährt und zwar darf diesen Individuen viel weniger an Kohlehydraten oder Fetten gegeben werden, als solchen, die sich noch viel bewegen, viel Wärme produciren und viel Kraft material verbrauchen. — Je geringer der Kräfteverbrauch im Organismus ist, d. h. Je mehr die Zellthätigkeit darniederliegt, je mehr die Circulation gestört ist, Je weniger sich das Individuum bewegt, um so weniger N-freie Nahrungsmittel dürfen gegeben werden. Bei geringen Störungen der Circulation und Respi­ration, bei noch bestehender Möglichkeit von Körperbewegungen, bei lebhafter Zellthätigkeit können dagegen noch ziemlich bedeutende Mengen geduldet werden. Sobald bedeutendere Circuiationsstörungen bestehen, muss man die Circulation durch Reduction des Fliissigkeits-gehaltes des Körpers freimachen und darf nur sehr wenig N-freie Stoffe geben. Sobald die Zellthätigkeit sich wieder steigert, kann
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Entfettungsmethoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 537
auch die Nahrung gewechselt werden. Man muss überhaupt bei der ganzen dir festhalten, class mit der Aenderung des Körperzustandes bei der vorschreitenden Entfettung stets quot;auch Aenderung der Nahrung den physiologischen Ernäh­rungsgesetzen gemäss eintreten muss.
Die Bantingcui ist contraindicirt aus folgenden Gründen: Das reichlich ge­nossene Kiweiss muss in dem Blute in einen X-haltigen und N-freien Theil zerlegt und letzterer muss radical verbrannt werden, sonst entstellt Fett. Diese Vorgänge können aber nur ablaufen bei ungestörter Zellthätigkeit, bei dem Stattfinden von Muskelbewegungen, bei gesundem, an rothen, O-haltigen Blutkörperchen reichem Blute, bei freier Circulation und ungestörter Respiration und gesunden Verdauungs­organen.
Bei geschwächten Verdauungsorganen sind die Nahrungs­mittel in kleinen Mengen, aber in kurzen Zwischenräumen zu geben. Das Getränk darf nicht unmittelbar nach dem Fressen verabfolgt werden, damit es den Magensaftquot; nicht verdünnt. Seine tägliche Menge muss zur Lösung der ausgeschiedenen Stoffe (Harnstoff, Harnsäure etc.) hin­reichen.
A d 3. Kräftigung des llerzmuskeh. Jede Entfet.lungscur ist gefähr­lich. Der Fettansatz hat eine gewisse Schwächung der Körperorgane, namentlich des Herzens zur Folge. Bei Fetten ist der Herzmuskel atrophirt und ein nicht unbedeutender Theil des Raumes, den die Herzwand einnimmt, durch Fett ausgefüllt. Wenn bei der Ent­fettung dieses Fett schwindet, dann bleibt ein haltloses, schlaffes, atrophisches Myocard zurück, welches wenig leistungsfähig ist. In Folge dessen liegt, obgleich die Herzarbeil durch die in Folge der Wasserentziehung verringerte Blutmenge eine geringere geworden ist, die Gefahr vor, dass das Herz plötzlich versagt und selbst diese geringere Arbeit nicht mehr zu leisten vermag. Dieser Gefahr rauss man vorbeugen. Dies kann nur geschehen durch die Herzmuskel­gymnastik und die Zufuhr geeigneter kraftreicher Nahrungsmittel. — Erstere hebt die Ernährung des Herzens durch reichlichere ßlutzufuhr und Anregung einer lebhafteren Circulation und eines lebhafteren Stoff­wechsels. In Folge dessen wachsen die vorhandenen Muskelfasern und werden neue aus Rudimenten von alten gebildet. Dies gelingt selbst­verständlich nur dann, wenn die Herzübung dadurch unterstützt wird, dass das nöthige ßildungsmaterial durch die oben angegebene zweck-mässige. an Eiweisskörpern reiche, an N-haltigen Stoffen ärmere Nah­rung geliefert wird. Bei den mit Circulationsstörungen behafteten Fettsüchtigen sorge man für möglichst viel Bewegung in frischer Luft (beim Menschen Bergsteigen), für einen möglichst kühlen Aufenthaltsort und verabreiche denselben nur geringe Flüssigkeilsmengen und gebe diese stets erst längere Zeit (1 \2 bis quot;2 Stunden) nach der Nahrungs­aufnahme.
Im Anschluss an die Curmethoden von Banting, Ebstein, Oertel ist noch die Schweninger'sche Curmethode zu erwähnen, die sehr bedeutende Erfolge zu verzeichnen hat und, nach den Erfolgen zu urtlieilen, eine durchaus rationeile
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538nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Künstliche Ernährung.
und vorzügliche Heilmethode sein muss. Ueber dieselbe ist mir weiter nichts be­kannt, als dass Schweninger unter Vervverthung der Forschungen der Wissen­schaft, unter Berücksichtigung dos zu Grunde liegenden Uebels auf möglichste Individualisirung Werth legt und jegliche schablonenhafte Behandlung verwirft. In jedem einzelnen Falle ist auf etwaige Circulationsstörungen, patholo­gische Verhältnisse im Unterleibe, an Magen, Darm, Leber, Nieren, auf Erkrankungen der Respirationsorgane etc. Rücksicht zu nehmen und die Indi­vidualität des Patienten genau zu eruiren. Danach richtet sich die einzuschlagende Diät. Ein bestimmtes Regime, ein System für Alle giebt es nicht. Man muss dem­nach für jeden Patienten eine andere, der Individualität angepasste Cur in Anwen­dung bringen.
Künstliche Ernährung. Man verstellt darunter alle diejenigen Me­thoden, bei denen die Nahrungsmittel dein Organismus nicht auf dem gewöhnlichen Wege durch Mund und Magen, sondern in anderer Weise einverleibt werden. Sie sind indicirt, wenn die naturgemässe Ernährung in Folge der Erkrankung des Thieres aus irgend welchen Gründen un­möglich ist. — Die Mittel der Methoden sind Nährstoffe und Nahrungs­mittel. Sie werden im natürlichen oder besonders präparirten Zustande benutzt. — Die Einführungsorte dieser Stoffe sind verschiedene, und unterscheidet man danach verschiedene Methoden der künstlichen Er­nährung'. In der Thierheilkunde werden wohl nur die Nährkiystiere benutzt.
Ernährende Klystiere. Die Methode. Nährstoffe dem Organismus per rectum einzuverleiben, ist sehr alt, sie ist schon von Celsus in Anwendung gezogen worden.
Die Mittel der Methode dürfen keine reizenden Eigenschaften be­sitzen, damit sie nicht in Folge des durch sie ausgeübten Reizes sofort wieder entleert werden und müssen sich im löslichen resp. resorbir-baren Zustande befinden. Man hat namentlich Blut. Blutserum, Milch, Peptone, Fleischbrühe u. dergl. Stoffe empfohlen. Blut soll nach Ernest, Mosler, Hans Möller in der That resorbirt werden. — Leube hat vorgeschlagen, ungelöste Nährstoffe mit künstlichen Ver­dauungssäften (Pankreassaft) gemischt dem Dickdarm einzuverleiben (Flcischpankreasklystiere). Im Dickdarm soll dann unter den möglichst natürlichen Verhältnissen die Verdauung vor sich gehen. Diese Me­thode ist zweifellos durchaus rationell und empfehlenswerth. Sie hat aber den grossen Nachtheil, dass das in den Dickdarm eingeführte Material meist nicht lange genug daselbst verweilt, um der Verdauung gründlich zu unterliegen, sondern in der Regel zu früh entleert wird. — Bezüglich der Ausführung der fraglichen künstlichen Ernährungsmethode sind allraälige Infusionen den Klystieren vorzuziehen.
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Methoden der künstlichen Ernährung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;539
Um entscheiden zu können, ob diese Methode rationell ist, müssen wir zu­nächst wissen, ob der Dickdarm (resp. seine Secrete) Verdauungskraft besitzt und ob in demselben Resorption stattfindet. Was die erstere Frage anbetrifft, so wird zwar Eiweiss vom Dickdarmsaft nicht angegriffen, wohl aber wird daselbst Stärke in Zucker umgewandelt; Fette worden nicht wesentlich verändert. Die Resorptions-kraft der Dickdarmschleimlmut ist keine ganz unbedeutende (cf. S. 284). Die Mastdarmschleimhaut vermag Peptone, gewisse lösliche Albuminate (Eiweisskörper der Milch, Alkalialbuminate, die Albuminate des Fleischsaftes, mit CINa versetztes Hühnereiweiss u. dergi.), emulsionirte Fette, Zucker und Salze zu resorbiren. Aus diesen Thatsachen erhellt, dass durch Einführung von Nahrungsmitteln in das Rectum dem Körper ein Theil der zum Leben nothwendigen Nährstoffe beigebracht werden und dass zweifellos der Körper bis zu einem gewissen Grade auf diese Weise ernährt werden kann. Da aber die Resorptionskraft der Rectalschleimhaut nur gering, die Oberfläche, welche von den per anum eingeführten Nahrungs­mitteln erreicht wird, verhältnissmässig klein, und die Aufenthaltszeit der Nahrungsmittel im Verhältnisse zu derjenigen, während welcher dieselben bei der normalen Ernährung im Darmoanale bleiben, nur sehr kurz ist, so kann bei dieser Art der Ernährnng kein vollständiger Ersatz des Verbrauchs statt­finden. Das zugeführte Nährmaterial genügt nicht, um das Stoffwechselgleich­gewicht herzustellen; es genügt nicht zu einer vollständigen Ernährung des Indivi­duums. Diese Methode der Ernährung ist deshalb nur dann indicirt, wenn es sich darum handelt, durch einen wenigstens theil weisen Ersatz des Verbrauchten das Leben noch zu fristen, um Zeit für eine andere Cur, für die Heilung eines Magen­oder Darmleidens etc. zu gewinnen u. dergl.
Aussei den ernährenden Klystieren hat man noch verschiedene Methoden der künstlichen Ernährung versucht:
. 1. Die aussei'e Haut wird heutzutage nicht mehr zur Beibringung von Nähr­substanzen benutzt. Immerhin können alkoholische Mittel von der Haut in das Blut gebracht werden. Früher verordnete man beim Menschen nährende Bäder. Dass dieselben nutzlos sind, bedarf wohl keiner Atiseinandersetzung.
2.nbsp; nbsp; Die Subcutis ist in neuerer Zeit als Applicationsorgan für Nährstoffe be­nutzt worden. Man hat flüssige Fette, Zuckerlösungen, Milch, Eigelb, defibrinirtes Plut, Mandelöl, Leberthran, Eisenlösungen, Olivenöl, Rindfleischsaft, Pepton, Blut­serum u. dergl. angewendet und sogar von einer Verdauung in der unterbaut durch das überall vorhandene peptische Ferment gesprochen. Jedenfalls kann durch diese Methode nur wenig geleistet werden.
3.nbsp; nbsp;Man hat auch die Peritonealhöhlc benutzt, um Nährstoffe dem Blute ein­zuverleiben und namentlich defibrinirtes Blut infundirt. Blut ist aber nur ver­wendbar, wenn man solches von derselben Thierart nimmt, weil das Blutserum anderer Thiere die Blutkörperchen des kranken Thieres zerstören würde. — Diese Methode ist nicht ohne Gefahr. Sie kann Peritonitis hervorrufen.
4.nbsp; nbsp;Einspritzungen in das Klut. Man hat verwendet: a) Blut, b) Blutserum, c) Milch, d) Kochsalzlösungen, (cf. Transfusion.)
5.nbsp; nbsp; Andere Methoden, wie das Anlegen von Magenfisteln (Gasterostomie) bei Unvermögen zu schlingen, das Anlegen von Darmfisteln (Enterostomie) bei Magen­leiden sind in der Chirurgie zu besprechen.
Ellenberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;or^
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540nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Stoffwechselmethoden.
Zu den Stärkungscuren gehören endlich noch die beim Menschen angewandten: Trauben-, Milch-, Molken-, Kumyss-, klimatische und Badecuren.
Anhang. An die diätetischen könnten die den Stoffwechsel beeinflussenden Methoden, 'die man in hyper- und hypotrophische oder in trophische und atrophische eintheilen kann und die entweder auf die allgemeine oder locale Ernährung wirken, angeschlossen werden. Es ist jedoch kaum möglich, besondere Sto (Twechselmethoden zu bilden und könnte dies nur Anlass zu vielen Wieder­holungen geben, da die Grundsätze dieser Methoden auch an anderer Stelle abgehan­delt werden müssen. Es wird dies ersichtlich, wenn man bedenkt, dass z. B. hyper­trophisch alle Meth. analepticae, d. h. alle Methoden, welche die Organfunctionen anregen, ferner alle Methoden, welche den Appetit steigern, die Verdauung bessern, die Resorption in den Verdauungsorganen anregen, die Blutbeschaffenheit bessern, die Nahrungszufuhr steigern u. s. w. trophisch, während alle entziehenden, die purgirende und harntreibende Methode, die antiplastischen Mittel, die Zelirmittel (Quecksilber, Jod etc.) atrophisch wirken. Um dem Leser jedoch einen ungefähren üeberblick über den Einflnss aller Arzneimittel auf den Stoffwechsel zu geben, wollen wir kurz die Köhler'sche Eintheilvmg derselben angeben. Köhler theilt die Arzneimittel ein in:
I.nbsp; nbsp;Solche, welche die Oxydationsvorgänge im Organismus und den Stoffwechsel unter Zuhülfenahme der Ernährung erhöhen;
II.nbsp; nbsp;solche, welche dies unter Abnahme der Ernährung thnn;
III.nbsp; nbsp;solche, welche unter Zunahme der Ernährung die Oxydationsvorgänge herabsetzen;
IV.nbsp; nbsp;solche, welche dies unter Abnahme der Ernährung leisten.
Zu 1. gehören: 0, Eisen, Alkalien, Kalk etc. (bessern die chemische Zusam­mensetzung des Blutes und erhöhen dessen Functionsfähigkeit), die bitteren Mittel, die Cardiaca (Digitalis, Seeale etc.), die Angiosthenica (ätherische Oele, Annnoniak-präparate, Kreosot etc.).
Zu 11. rechnet man die Abführ- und Brechmittel, die Hypersecretoria (die Organdecursoren Jod, Brom, Chlor und die Organdepositorien Quecksilber, Antimon).
Zu 111. sind zu zählen: Kaffee, Thee, Coca, Arsen.
Zu IV. gehören: Chinin und die Säuren (modilioiren die Oxydationsvorgänge im Blute resp. entziehen die Alkalien), die Tannate (mindern Secretion und Pori-staltik des Darmes etc.); Aconitin, Veratrin, Kalisalze (setzen die Ilerzarbeit herab); dieAngio-asthenica (Atropin, ilyoscyamin, Zink, Kupfer, Blei etc.), die Anaesthetica, Sedativa, Paralytica etc.
Die vorstehende Eintheilung ist nur theilweise richtig. Von sehr vielen Mitteln kennen wir den Einflnss auf den Stoffwechsel noch nicht. Vieles ist noch zu er­forschen. Manches bis vor Kurzem allgemein Gültige hat sich als falsch erwiesen. Während man z. B. früher glaubte, dass alle Alkalien den Eiweissumsatz beschleu­nigten, wissen wir jetzt, dass dies zwar kohlensaures Natrium und vielleicht Chlor­natrium thut, dass dagegen das phosphorsaure, schwefelsaure und essigsaure Na­trium denselben mindern u. s. w.
Allgemeine Therapie der Gefahr in Krankheiten. Eine der wich­tigsten Aufgaben der Therapie ist es, das Auftreten der Gefahr bei Krankheiten zu verhüten und wenn das Eintreten derselben unvermeid­lich ist, deren Folgen vorzubeugen. Sobald Lebensgefahr vorliegt, geht
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Allgemeine Therapie der Gefahr in Krankheiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;541
die Indication, diese zu beseitigen und das bedrohte Leben zu retten, allen anderen Indicationen vor. — Die präventive Therapie der Ge­fahren wird leider noch zu wenig geübt. Sie muss bei allen acut ver­laufenden Krankheiten stets in erster Linie berücksichtigt werden und an Stelle der Exspectativcur treten. Eine speciello Schilderung dieser Art der Therapie kann hier nicht stattfinden, weil die Therapie der Gefahren z. Th. bei anderen Methoden besprochen wird, wesentlich aber Gegenstand der speciellen Therapie sein muss. — Die Behandlung der Gefahren setzt die genaueste Kenntniss der vorliegenden Krankheits-processe voraus. Aus dieser Kenntniss ergiebt sich, welche Gefahren drohen und wie diesen vorgebeugt, oder wie sie gemildert werden können.
Beispiele: 1. Bei fieberhaften Krankheiten sind Gefahren von der sinkenden Herzkraft, der sinkenden Thätigkeit der Nervencentra oder von Seiten der acuten Laealerkrankungen zu erwarten. Diese treten ein in Folge längerer Einwirkung der Fiebertemperatur auf die Körperorgane und in Folge der lieberhaften Con-sumption. Die Therapie muss deshalb von Anfang an darauf gerichtet sein, ein anhaltendes Bestehen der Fiebertemperatur zu verhindern und die Fieberconsumption herabzusetzen.
2. Bei chronischen Krankheiten drohen Gefahren durch Säfteverluste, durch Herbeiführung von Ernährungsanomalien und Inanitionen. So sind zu nennen: Blutungen, Säfteverluste nach ausson (durch den Darm, die Nieren etc.), Magendarm-katarrh, Ruhr, Albuminurie, Melliturie, Eiterungen, Galactorrhoe, Spermatorrhoe, Blennorrhoe, Säfteerguss in Höhlen und in Gewebe, Exsudationen, Kraft- und Stoff verlast durch Tuberkulose, Krebs, Adenome, Ovarialcysten u. s. w. Die Therapie muss den Säfteverlusten, so weit dies irgend möglich ist, vorbeugen und die statthabenden Verluste durch die Nahrungszufuhr zu decken suchen, um die drohenden Gefahren (Schwäche, Abmagerung, Collaps) zu verhüten.
Die Therapie muss jede Krankheit unausgesetzt im Auge haben im Hinblick auf die aus ihr erwachsenden Gefahren und dann jeder auch noch so geringen Gefahr sofort und energisch entgegen­treten und darf nicht zuwarten. Wenn z. B. ein leichter Magen-darmeatarrh besteht, so rauss man sofort an die Gefahr des Zustande­kommens schwerer Ernährungsanomalien denken und demgemäss selbst gegen den unbedeutendsten Katarrh einschreiten. So kann man die Gefahr vermeiden. Die Prophylaxe der Gefahr ist der Therapie der­selben bei Weitem vorzuziehen. Sie ist aber nur erfolgreich, wenn man die ersten kaum merkbaren, den Beginn einer ernsten Entwicke-lung des KrankheitsVerlaufs andeutenden Erscheinungen gehörig würdigt. Wenn die Gefahr erst vorhanden ist, dann ist die Aufgabe der Therapie oft eine recht schwierige. Die Abwendung der Gefahr muss dann aber die Hauptindication der Cur darstellen, neben welcher alle anderen Indicationen zunächst verschwinden.
Da die Darstellung dieses Gegenstandes nicht die Sache des vorstehenden Lehrbuches sein kann, sei auf die betreffenden Werke von Politzer und von Blau verwiesen. Die wesentlichsten die Lebensgefahr bezeugenden Symptome, Zustände
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542nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die speciellen Heilmethoden.
oder Vorgänge sind: Asphyxie, heftige Dyspnoe, Couvulsionen, Bewusstlosigkeit, heftige Diarrhöe, heftiges Erbrechen, heftige Brust- und Bauchschmerzen, bedeu­tende Blutungen, ürinverhaltung, Verbrennungen, Tympanitis, Erfrierungen und Vergiftungen. In allen diesen Füllen liegt direote Lebensgefahr vor und ist sofor­tiges und energisches, alles Andere hinten ansetzendes Einschreiten erforderlich, um das Leben zu retten.
II. Die speciellen Heilmethoden.
A. Methoden, welche speciell auf das Nervensystem einwirken (M. nerviuae s. neuroticae).
Die sammtlichen Functionen des Thierkörpers stehen unter der Herrschaft des Nervensystems. Die Oentralorgane desselben können durch ihre Leitungsapparate (die Nerven) auf die Function jedes Organes, jedes Gewebes, ja jeder Zolle anregend oder beruhigend ein­wirken, sie können dieselben, wenn sie ruhen, in Thätigkeit, und wenn sie thätig sind, in Ruhe versetzen, sie können die Thätigkeit steigern oder mindern. Im Nervensysteme herrscht aber wie im Thierkörpcr überhaupt strengste Arbeitstheilung. Jede Faser und jede Ganglien­zelle hat ibre bestimmte Function (specifische Energie). Daraus folgt, dass man durch Heilmittel auch immer nur in der betreffenden Rich­tung wirken kann, dass eine sogen. Alteration dagegen nicht möglich ist. Die betreffende Function lässt sich nur anregen oder beru­higen, steigern oder mindern, aber nicht in eine andere Thätigkeit umsetzen; ein secretorischer Nerv kann nicht zu einem sensiblen werden u. s. w.
Aus diesen Betrachtungen ergiebt sich, dass die Methoden, welche auf das Nervensystem einwirken, in zwei grosse Gruppen zerfallen müssen, nämlich in die Gruppe der erregenden und in die der beruhi­genden Methoden. Es muss hierzu aber gleich bemerkt werden, dass ein und derselbe Stoff, dass ein und derselbe Eingriff sowohl anregend als schwächend, je nach der Dauer und Stärke des Eingriffs, der Dosis des Medicamentes und dem Zustande des beeinflussten Nerven­apparates wirken kann, und dass namentlich viele Eingriffe zunächst eine Erregung hervorrufen, welcher dann eine Abschwäcbung und Be­ruhigung (Ermüdung) l'ulgl.
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Erregencle Curmethoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 543
Im Allgemeinen kann man sagen, dass die eigentlichen Nervina in kleinen Gaben und bei kurzem Gebrauche erregend, in grossen Dosen und bei längerer Anwendung lähmend und betäubend wirken. Dasselbe Mittel kann also beiden Methoden angehören. Aber auch diejenigen Mittel, welche man stets einer dieser Methoden, der beruhi­genden oder erregenden einreiht, sind in ihrer Wirkungsweise eigentlich gleich. Sie unterscheiden sich nur in der Länge des Excitationsstadiums und in der Grosse der zur Betäubung (Depression) nöthigen Dosis von einander. Bei manchen Stoffen ist das Excitationsstadium ein so kurzes, dass es vernachlässigt und so diese Stoffe als reine Be­täubungsmittel angesehen werden können. Ob es aber Nervenmittel giebt, bei denen gar kein Excitationsstadium zu Stande kommt, ist zweifelhaft. Beachtenswerth ist noch, dass die Nervenmittel auch auf das Herz und die Blutcirculation in dem betreffenden Sinne wirken. Wie aus vorstehenden Betrachtungen ersichtlich ist, lässt sich die Theilung der Nervenmittel in beruhigende und erregende wissenschaft­lich nicht durchführen. Practisch ist aber die Trennung in eine erre­gende und beruhigende Methode noch nicht zu entbehren.
Allgemeines über die erregenden Curmethoden. Diese Curmethoden haben den Zweck, eine Steigerung der Functionen des Nervensystems hervorzurufen, die gesunkene Thätigkeit desselben wieder zu erwecken oder die geschwächte zu stärken u. dergl. Die Erhöhung der Thätig­keit und der Energie des Nervensystems hat natürlich eine erhöhte Functionirung aller oder gewisser Organe des Körpers, eine lebhaftere Circulation, lebhafteren Stoffwechsel, eine Steigerung der Empfindung, der Bewegung und der Secretion u. s. w. zur Folge.
Jede Erregung veranlagst durch bessere Ernährung, lebhafteren Stoffwechsel und lebhaftere Circulation eine Stärkung des betreffenden Organs, wenn sie einerseits nicht gar zu rasch vorübergeht, anderer­seits auch nicht zu gross ist und nicht zu lange dauert und dem-gemäss keine Ermüdung aus Ueberreizung und LJeberarbeiten herbeiführt. Demnach fallen die Begriffe stärkende und erregende Methode häufig zusammen. Beide bezwecken momentane oder dauernde Hebung der Leistungsfähigkeit und der Leistung, Vermehrung der Kraftsumme der Organe und des Gesammtorganismus. — Nur die übermässige, heftige, flüchtige Erregung hat nach momentaner Stärkung und Leistungssteige­rung eine Schwächung, Erschlaffung, Ermüdung und Erschöpfung zur Folge. Diese Wirkung ist durchaus unbeabsichtigt. Sie stellt eine höchst unangenehme Beigabe der erregenden Methode dar, ist aber in vielen Fällen nicht zu vermeiden.
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544nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nervencaren.
Indicationen. Die erregende Methode ist im Allgemeinen indicirt zur Herstellung des normalen Grades der Verrichtungen mangelhaft und träge functionirender Organe, zur Hebung gesunkener, zum Wiedererwecken eingegangener Functionen. Das Hauptobject der Indicationen ist demnach Organschwäclie (die gesunkene Function von Geweben und Organen) und die allgemeine Schwäche, oder specieller: 1) gesunkene Function des Grosshirns in Bezug auf die psychischen und intellectuellen Verrichtungen. 2) Schwächeerscheinun­gen in Betreff der motorisch-sensiblen und sensoriellen Functionen des Organismus. Beide Schwächezustände botreffen das cerebrospinale Ner­vensystem. 3) Schwäche der Organe resp. ihres Nervensystems (N. sym-pathicus) und ihrer Innervation (z. B. Dyspepsie, Anorexic, atonische Verstopfung, Herzschwäche, Schwäche der Vasomotoren, Anaphrodisie, Paralyse der Sphincteren und der Austührungsgänge von Drüsen, verrin­gerte Secretionen, gesunkene Innentemperatur u. s. w.).
Die Schwäche der Organe und des Gesammtorganismus kann durch verschie­dene Ursachen bedingt sein. Eine Ursache der Organschwäche ist in mangelhafter und gestörter Ernährung, eine andere in mangelhafter Innervation, eine dritte in parenehymatösen Degenerationen, oder vorhergegangenen und bestehenden Erkran­kungen und eine vierte in schwächenden Einflüssen, narkotischen Giften etc. zu suchen.
1.nbsp; nbsp; Die mangelhafte Ernährung ist veranlagst durch Zufuhr von zu wenigem oder qualitativ mangelhaftem Futter oder durch schlechte Verdauung, un­genügende Resorption und Assimilation, odor durch Circulationsstörungen, oder durch zu lebhaften Verbrauch. Die Behandlung dieser Schwächezustände erfolgt durch stärkende und erregende Curmethoden. Die letzteren müssen, wenn sie dauernden Erfolg haben sollen, namentlich bei den aus Abmagerung, Cachexie, Atrophie, Anämie, Hydrämie, Verdauungsschwäche hervorgehenden Schwächezu­ständen, mit den stärkenden Curen, die in passender Ernährung, zweckmässiger Anordnung von Ruhe und Diät, Besserung der Verdauung, Stärkung der Verdau­ungsorgane u. dergl. bestehen, verbunden werden.
2.nbsp; nbsp; Die mangelhafte Innervation der Organe kann dadurch veranlasst werden, dass die Irritabilität der betreffenden Xerven oder das ganze Nervensystem gesunken ist, oder dadurch, dass Mangel an Reizen besteht, oder endlich auch durch die Einwirkung schwächender Einflüsse auf die Nerven (Narcotica etc.). Das Sinken der Irritabilität kann sehr verschiedene Ursachen haben; es kann bedingt sein durch mangelhafte Ernährung und allgemeine Schwäche, oder durch Leiden des Nervensystems, oder durch einen Druck, der auf bestimmte Theile desselben aus­geübt wird (Belastung der Centren und Nerven durch Blut, Exsudate, Neubildungen u. dergl.), oder durch eine Alteration der nervösen Substanz durch Gifte, Erschüt­terung, Schreck, Angst, oder durch zu lange Ruhe und in Folge dessen trägen Stoffwechsel in den nervösen Gebilden u. dergl. Der Reizmangel findet seine Ur­sache in einer abnormen Beschaffenheit des Blutes.
3.nbsp; nbsp; Die Organschwäche kann auch durch eine vorhergegangene Erkrankung (Schwäche des Reconvalescenzstadiums) oder durch bestehende Krankheiten, z. B. parenehymatöso Degenerationen durch Fiebertemperaturen bedingt sein.
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Beruhigende Methoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;545
Bei all' diesen Schwächezuständen kann Indication für Anwendung der sym­ptomatischen, erregenden Methode vorliegen.
Bei Würdigung der erregenden Methode ist wohl im Auge zu behalten, dass 'das Trägheitsgesetz auch für lebende Gewebe gilt und dass die Gewöhnung häufig nur eine Folge der Trägheit der Organe ist. Treibt man die Organe nicht an, dann gerathen sie in Ruhe; ihre Ernährung sinkt, sie werden schwach. Jede Heizung bedingt Thätigkeit, bessere Ernährung, regeren Stoffwechsel und Stärkung. — Bei gesunkenen Functionen leisten die Reizmittel dasselbe wie die Peitsche bei trägen Thieren. Da jede Function, die nicht geübt wird, immer mehr sinkt, so muss sie angespornt werden, damit sie im Gange bleibt. — Das Gesetz der Ueberreizung stellt dem nicht entgegen, weil man eben nicht übermässig reizen soll.
Den ad 3 genannten Indicationen, die sich auf Organschwäche (Trägheit des Uterus, des Herzens, des Magens, des Darms, verringerte Secretionen der drüsigen Organe, Dyskrasien, Sepsis etc.) beziehen, wird durch Methoden genügt, die zum Theil den tonischen, zum Theil den excitirenden Methoden angehören (Meth. car-diaca, emmeimgoga, abortiva, tonica, stomachica, diaetetica, laxans u. s. w.).
Meist müssen hygienische,tonische, und erregende (excitirendo) Methoden gleich­zeitig zur Anwendung gelangen.
i. Die erregenden Methoden sind auch indicirt zur Erzeugung von pathologischen Vorgängen und zur Steigerung normaler Functionen. Zu dieser Gruppe von Metboden gehören die Meth. epispastica, eraetica, purgans, diaphoretica, diuretica, expectorans, Ableitungscuren (bei Schmerzen etc.). Auslecrungseurcn u. s. w.
Allgemeines über Beruhigangscuren. Der generelle Zweck dieser Methoden ist, die Erregbarkeit im ganzen Nervensystem und in be­stimmten Nerven herabzudrücken, die Rückwirkung gegen äussere und innere Reize zu mindern, die übermässig gesteigerte Thätigkeit einzelner Organe zu verringern, die allgemeine oder specielle Sensibilität herab­zusetzen, den nervösen Erethismus zu beruhigen und die übermässige Contractilität der Muskeln zu mindern. Diese Methoden können sich auf alle Arten von Nerven und sowohl auf normal als abnorm funetio-nirende erstrecken. Zu ihnen gehören die Meth. antemetica, anti-diarrhoica, styptiea, antispasmodiea, antihidrotiea, anaphrodisiaca, u. s. w. — Im nachstehenden Capitel besprechen wir die Erregungs­und Beruhigungscuren wesentlich in Bezug auf das Nerven- und Muskelsystem. Die anderen, z. B. die ad 3 und 4 genannten Erre­gungsmethoden und ihre Mittel und die betreffenden Beruhigungscuren werden an anderer Stelle abgehandelt werden.
Allgemeines über Nervenmittel. Im Nervensystem unterscheiden wir verschiedene Organe und Theile (Centralorgane [Gehirn, Rücken­mark], Specialsysteme für die einzelnen Organe und Organapparate, Specialcentra für bestimmte Functionen und dafür Haupt-, Neben-
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Nervencuren.
und Unterccntra, periphero Ganglien, periphere Nervenfasern etc. S. 23—29). Die Remedia nervina wirken selten auf das ganze Nerven­system (damit steigernd oder mindernd auf alle Körperfunctionen), sondern vielmehr in der Regel nur auf einzelne Centra oder einzelne Systeme. Hierzu ist jedoch einschränkend zu bemerken, dass die regionär und local wirkenden Nervenmittel meist noch Nebenwirkungen haben und dass sie in der Regel neben demjenigen Theile des Nerven­systems, den sie vorzugsweise beeinflussen, auch noch auf andere Theile, wenn auch geringer und erst in zweiter Linie, wirken. Nach den Hauptwirkungsregionen theilt man die Nervenmittel ein in: 1) Neurotica peripherica, 2) N. spinalia, 3) N. eneephalica, 4) N. organica s. sympathica.
1.nbsp; nbsp; Die N. peripherica wirken auf die peripheren Nerven resp. Nervenend­apparate (Coniin, Curare, Piperidin).
2.nbsp; nbsp; Die N. spinalia wirken auf das liüclceumark a) erregend, resp. die Irritabilität erhöhend und damit die Muskelbewegungen steigernd (Med. hyperkine-tica: Strychnin, Xieotin, vielleicht Galabar und einige Glykoside), b) herabstim­mend, resp. die Irritabilität mindernd, die Muskelbewegungen verringernd (Rem. hypokinetica: Atropin, Chloral, Hyoscyamin, Curare).
ö. Die N. cerebralia nehmen in erster Linie das Gehini zum Angriffs­punkte ihrer Wirkung. Man theilt sie ein In:
a)nbsp; nbsp;N. eneephalica analeptica. Sie wirken erregend und belebend auf die Gchirntliätigkeit, namentlich bei allgemeinem Gesunkensein der Kräfte (M. agry-pnotica s. antihypnotica), narkotischen Vergiftungen u. s. w. Die speciell als be­rauschend bezeichneten Mittel (M.inebriantia) regen nicht nur die psychische, sondern auch die motorische (M. hyperkinetica) und sensitive (M. hyperaesthetica) Thätig-keit des Gehirns an und lassen als Nebenwirkung eine Beeinflussung des Gefäss-systems, des Herzens, des Stoffwechsels etc. erkennen.
b)nbsp; nbsp;N. eneephalica anaesthetica. Sie heben nach kurzem Erregungs-stadiuiu die Perception äusserer Kindrücke (d. h. Bewusstsein und Gefühl) auf einige Zeit auf, wenn sie in gewissen Mengen in das Blut gelangen und daselbst verweilen. Sie machen das Gehirn, welches sie wesentlich beeinflussen, unfähig, Schmerzen zu empfinden. Sie werden wesentlich benutzt, um einen Zustand von Bewusstlosigkeit herzustellen, in welchem schmerzhafte Eindrücke bei chirurgischen Operationen nicht zur Perception gelangen können.
c)nbsp; nbsp;N. eneephalica hypnotica (soporiflea). Sie werden vorzugsweise zur Herbeiführung von Ruhe und Schlaf in verschiedenen Krankheitszuständen benutzt und veranlassen nur ein kurzes, dem Schlafe vorhergehendes Erregungsstadium. Diese Mittel repräsentiren die eigentlichen Narcotica, weil sie einen bewusst- und empfindungslosen Zustand (Narkose) für längere Zeit herbeiführen. Sie werden wohl auch als fixe im Gegensatz zu den echten, flüchtigen Anästhetica be­zeichnet. Die flüchtigen Anästhetica wirken rasch vorübergehend und stets nur so lange, als sie sich in genügender Menge im Blute befinden. Die Narcotica erreichen ihre Wirkung wohl durch eine Art vorübergehender Gerinnung In der Hirnrinde oder durch Blutleere derselben.
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Nervenmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 547
d) N. encephalica sedativa s. paregorica. Diese Mittel dienen zur Be­ruhigung- psychischer Exaltationszustände, zur Beschwichtigung von Schmerzen und krankhaften Phänomenen. Sie haben besonders ausgeprägte Wirkungen auf einzelne Nerven und bestimmte Centren. Sie wirken nicht bios central, sondern auch peripher (cf. S. 337).
4. Die Remedia organica wirken auf bestimmte Specialsysteme, z. B. auf das Nervensystem des Herzens, der Gefässe, des Verdauungscanales, des Harn-apparates, der Schweissdrüsen, der Geschlechtsorgane u. s. w. — Sie wirken auf die betreffenden Organe entweder peripher oder central oder reflectorisch und beein­flussen das erregende oder das herabstimmende (hemmende) Nervensystem, und zwar entweder im erregenden oder im herabstimmenden Sinne. Die Besprechung der diese Mittel umfassenden Methoden erfolgt an anderer Stelle. Hier muss nur darauf hingewiesen werden, dass der WirkungsefTect (der Erfolg), in sehr verschiedener Art hervorgerufen werden kann. Die Diaphorese kann z. B. veranlasst werden durch Erregung der Schweissnerven oder durch Lähmung der die Schweisssecretion hemmenden Nerven, oder durch ebensolche Wirkung auf die Schweisscentra etc.
Die Wirkung der Nervina ist noch bedeutend localisirter, als dies in der ge­nannten Eintheilung ausgedrückt wird. Die Encephalica wirken z. B. in der Regel nicht auf das ganze Gehirn, sondern auf einzelne Theile desselben und bestimmte Centra und zwar auf einen oder mehrere Abschnitte. Werden mehrere Centra beein-flusst, dann erfolgt dies meist in bestimmter, aber nach der Natur des Mittels verschiedener Reihenfolge. Die berauschenden Mittel wirken z. B. zuerst aufs Grosshirn, dann auf's Kleinhirn und dann auf die Medulla oblongata; sie bewirken: 1) Steigerung der Functionen des Grosshims, dann Absinken, 2) Störungen der Coordination der Bewegungen, 3) Störungen der willkürlichen Bewegung, 4) Stö­rungen der Athmung. Chloral und verschiedene Anaesthetica heben die Schmerz-empfmdung früher auf, als das Allgemeingefühl. Pikrotoxin wirkt zuerst auf dieMedulla oblongata (Vagus-,Keflexheramungs- und Bewegungscentren); Atropin, Sicotin, Blausäure wirken hervorragend auf's Athmungscentrum, Codei'n, Santonin, Amarin auf's Coordinationscentrum und machen Zwangsbewegun­gen u. s. w.
Nebenwirkungen der Gehirnmittel. Die Medicamenta encephalica haben ausser ihren Wirkungen auf die Centra noch vielfach Nebenwirkungen auf bestimmte Nerven. So wird z. B.: 1) der erste Nerv wesentlich beeinllusst von Strychnin (erregend) und Morphium (abstumpfend), während z. B. Atropin, Daturin, Chloroform, Alkohol die Geruchsempfindung nicht alteriren; 2) der zweite Nerv von Santonin, welches auch den Olfactorius beeindusst (subjectives Sehen und Riechen); 3) der dritte Nerv von den Encephalica myotica und mydria-tica. Gewisse Mittel (Atropin, Hyoscyamin, Daturin, Duboisin) veranlassen eine Erweiterung (Mydriasi.s), andere eine Verengerung (Myosis) der Pupille (Eserin, Pilocarpin, Muscarin etc.). Die ersteren bedingen eine Narkose, die letzteren eine Erregung des Oculomotorius. Einzelne erreichen den WirkungsefTect wohl auch durch eine entgegengesetzte Wirkung auf den Sympathicus. Möglicherweise beein­flussen einige dieser Mittel auch die betreffenden Centra. Endlich sei noch bemerkt, dass auch durch periphere Reizung des N. trigeminus die Weite der Pupille beein-flusst werden kann. 4) Der vierte und sechste Nerv zeigen keine besonderen Empfänglichkeiten; 5) der fünfte Nerv ist für Strychnin und Aconitin besonders empfänglich; 6) der siebente Nerv wird durch viele Substanzen erregt, besonders
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548nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nervenouren.
durch Atropin, Physostigmin, Nicotin, Digitalin, Nauseosa, bittere und andere Mittel, die auf die Speichelsecretion, wirken; 7) der achte Nerv ist quot;besonders den Wirkungen von Chinin und salicylsaurem Natron unterworfen; 8) der neunte Nerv wird von Bromkalium und Atropin, 9) der zehnte von Digitalis, Atropin, Blau-siiure (Digitalis wirkt erregend, Atropin herabsetzend auf die Erregbarkeit der peripheren Vagusenden im Herzen, Blausäure erregend auf die in der Lunge etc.) bewirkt; 10) Für welche Substanzen der elfte und zwölfte Nerv besonders empfäng­lich sind (ob z. B. für die Mydriatica?) ist noch nicht sicher festgestellt; 11) der Nervus sympathicus wird von vielen Gehirnmitteln in Nebenwirkung beein-llusst, z. B. die Herz- und Gefässnerven von den Incbriantia, von Atropin, Cotoin, Opium etc.).
Aus dem vorstehend Angeführten, aus der verschiedenen Localwirkung, der verschiedenen Intensität, Reihenfolge, Richtung u. s. w. der Wirkung erklärt sich die grosse Mannigfaltigkeit der Wirkungsäusserungen der Neurotica.
Wirkungsweise der Nervina. Diese Mittel wirken entweder direct auf die Nervensubstanz (das Nervengewebe) oder auf den Blutgehalt und Stoffwechsel dieser Organe, indem sie das Blut und die Blntciroulation beeinflussen. Diejenigen Mittel, welche nur in letzterer Richtung wirken (z.B. CO) und dadurch die schweren Nervenzufälle hervorrufen, gehören nicht hierher, wohl aber diejenigen, welche neben ihrer Wirkung aufs Nervensystem noch in der genannten Richtung wirken. Thatsächlich veranlassen die meisten Narcotica neben der durch chemische Affini­täten veranlassten Einwirkung auf die Nervensubstanz noch das Eintreten von Ch--culationsslörungen in den nervösen Organen. Ein Theil der Cerebralia ana-leptica wirkt vielleicht sogar nur und allein durch Erregung des Gefässsystems und den dadurch veranlassten erhöhten Blutgehalt und Stoffwechsel des Gehirns. Die Alkaloide, Alkohole und Aetherarten, Glykoside etc. scheinen aber local auf die Nervensubstanz einzuwirken. Speciell beeinflussen sie die eiweissartigen Körper, wie dies Nothnagel und Rossbach für die Alkaloide dargethan haben. Die Alkaloide wirken auf den Organismus ähnlich wie die übrigen Gifte (Säuren, Metalle, Alkalien); sie unterscheiden sich von diesen aber wesentlich dadurch, dass sie keine so bedeutenden Affinitäten zu den zuerst zugäng­lichen Geweben haben und dass sie demnach nicht sofort gebunden werden, wie diese, sondern mit dem Blute thatsächlich zu den Centralorganen des Nervensystems und den Körperzellen überhaupt hingelangen. Auf diese wirken sie ein, indem sie deren Oxydationsprocesse herabsetzen und das Zellleben stören.
Zu den eiweissartigen Körpern der Nervensubstanz bestehen wahrscheinlich noch besondere Affinitäten. Wäre dies aber auch nicht der Fall, so wären die Alkaloidwirkungen doch erklärlich, weil das Nervensystem in Folge seiner hohen Empfindlichkeit und Ilochwerthigkeit (cf. S. 258) durch ganz geringfügige Einwir­kungen schon gewaltige Functionsänderungen erleidet, während dies bei den anderen Organsystemen resp. deren Zellen nicht der Fall ist. Auf jede Alkaloideinwirkung antworten die verschiedenen Nerven je nach ihrer speeifischen Energie verschieden und zwar im positiven oder negativen Sinne. — Die Localisation der Wirkungen erklärt sich aus speeifischen Affinitäten und daraus, dass die Eiweisskörper der Nervensubstanz an den verschiedenen Stellen in verschiedener Menge zugegen sind (Buchheim).
Auf die Alkohole übt das Gehirn eine starke Attraction aus. Sie scheinen namentlich auf das Protagon oder Lecithin, die Eiweisskörper und Fette der Nerven-
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Erregende Curmethode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;549
Substanzen einzuwirken. Die Differenzen ihrer Wirkung hängen mit ihrer Flüchtig­keit, ihrem Siedepunkte und der Art der Einführung in den Körper zusammen. Die Metallsalze wirken offenbar in ähnlicher Weise wie die Älkaloide.
1. Die das animale Leben erregende Curmethode (Meth. analeptica
s. excitans).
Indicationen. Die erregenden Methoden, deren Indicationen vor­stehend schon genannt warden, gelangen zur Anwendung bei allge­meiner Schwäche, Darniedcrliegen resp. Gesunkensein aller Körper-funetionen, bei allen sensitiven und motorischen Depressionen im Gebiete des animalen Lebens, speciell bei Hypo- und An­ästhesien, Hypokinesen, Paresen, Paralysen (Akinesen) u. dergl. Zu­ständen, die in Schwäche und Lähmung einzelner Nerven- und Muskelgebiete, und bei solchen, die in Schwäche (Hyposthenie), verringerter Irritabilität und Irritation der nervösen Cen-tralorgane (des Gehirns und Rückenmarks) begründet sind. Sie er scheinen demnach indicirt bei allen Erscheinungen von verminderten oder aufgehobenen Gehirnfunctionen (Torpor, Collaps, geistige Trägheit. Betäubung [Sopor, Coma, Lethargus, Bewusstlosigkeit, Asphyxie], Schlafsucht u. s. w.), von verminderter und aufgeho­bener Rückenmarksfunction (Bewegungsmangel) und von Muskel-schwächc und Muskellähmung, bei gesunkener Innentemperatur und narkotischen Vergiftungen. — Die Schwäche kann sich unter Um­ständen auch in erhöhter Irritabilität, Convulsionen u. dergl. äussern. In diesen Fällen sind aber mehr die stärkenden und hygienischen als die excitirenden Methoden angezeigt. — Neben der symptomatischen erregen­den ist stets die Radicalbehandlung indicirt, die sich gegen die Ur­sachen der Depressionszustände, der Lähmungen u. s. w. zu richten hat. Bei narkotischen Vergiftungen sind neben den symptoma­tischen Erregungsmitteln (functionellcn Antidota) chemische und mecha­nische Antidota in Anwendung zu bringen.
Mittel. Den vorbesprochenen Indicationen genügt man durch An­wendung von Mitteln, welche die psychomotorischen und psychosensiblen Functionen steigern, die motorischen und sensiblen Apparate anregen, das Gehirn, Rückenmark und ihre Nerven reizen, welche überhaupt die geschwächten Organe momentan oder dauernd erregen, event, deren Ernährung bessern und sie stärken.
Man hat die hierhergehörigen Mittel je nach den Zwecken, denen sie dienen, vorschieden bezeichnet, z.B. Encephalica analeptica, Uyperaestlietica, Hyperkinetica,
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Die das animale Leben erregende Curmethode.
Iiiobriantia, Delirantia, Tetanica, Noosthenioa ()'ooc, Intelligenz), Agrypnotica (ccyot'Trmo), wach erhalten), Exhilarantia, Antinarcotica, Expergefacientia (Werk­mittel), Antiparalytica u. s. w. und hat sie eingetheilt in physikalische, chemische und fnnctionolle Heilmittel.
Die Erregungsmittel sind mehr oder weniger flüchtiger Natur und haben an sich keine nachhaltige Wirkung, weshalb sie in öfter wieder-holten Gaben verabfolgt worden müssen. Nach der durch diese Mittel bewirkten Erregung folgt eine gewisse Abspannung, die um so bedeu­tender ist. je höher die vorhergehende Erregung war. Es ist deshalb grosso Vorsicht hei Dosirung dieser Mittel am Platze und nur in den seltenen Fällen, in denen die nachfolgende Erschlaffung beabsichtigt ist oder wenn eine Vitalindication vorliegt, kann mit den höchsten Dosen vorgegangen werden. Fast alle der zu nennenden Mittel wirken ausser auf die nervösen Centralorgane etc. noch nach vielen anderen Richtungen erregend, die meisten regen die Circulation resp. die Vaso­motoren und das Herz an, viele die Haut- und Schleimhautnerven, andere gewisse Secretionen, den Stoffwechsel, die Innentemperatur u. s. w. Diese Nebenwirkungen der Medicamente sind bei ihrer Auswahl im concreten Falle wohl in Betracht zu ziehen. Wir nennen als erregende und belebende Mittel*):
1.nbsp; nbsp;Aetherisch-ölige Mittel. Sie stammen aus dem Pflanzen­reich aus der Familie der Umbelliferen, Labiaten, Cruciferen etc. Es seien speciell genannt: Camphora (5—20,0; 1—5,0; 0,05—1,50); Rad. Valerianae (8—30; 4—8; 0,5—2,0); Radix Artemsiae, Rad. et flor. Arnicae, Flor. Chamomillae, Fol. Menthae piperitae et crispae (15—45; 8—15; 2—4), Fruct. Carvi, Rad. Angelicae (15—60; 4—8; 1—4), Rhiz. Imperatoriae, Asa foetida, 01. animale foetid. (15—30; 1—8; 1—30 gutt.) u. s. w. Campher ist der Repräsentant dieser Mittel und wirkt wie die kampherhaltigen Mittel auf Gehirn und Medulla oblongata stark erregend. Er ist deshalb bei Collapszuständen oft von vorzüglicher Wirkung und kann mit alkoholischen Mitteln ver­bunden werden. Man verwendet ihn auch zu subeutanen Injectioncn (1 : 5—10 Th. Aether sulf. oder Spiritus camphor, täglich einige Male, bei Collaps stündlich ca. 5 Gramm bei grossen und 2 Gramm bei kleinen Thieren).
2.nbsp; nbsp;Moschus, Castoreum. Zibeth sind in der Thierheilkunde nicht gebräuchlich.
3.nbsp; nbsp;Die Spirituosa und Aetherarten. Diese Mittel sind in kleinen und mittleren Dosen Erregungsmittel des Nervensystems und
*) Die Dosonangaben (nach Vogel) sind so zu verstehen, dass die erste Dosis für Pferd und Rind, die zweite für Schaf, Ziege, Schwein, die dritte für Hunde gilt. Liegen Dosen Verschiedenheiten in den einzelnen Abtheilungen vor, dann bezeichnet die Klammer hinter der ersten Dose die des Rindes, die Klammer hinter der zweiten Dose die des Schweines.
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;551
können demgemäss bei Schwächezuständen, nervöser Abspannung, Muskelschwäche Verwendung finden, namentlich in Verbindung mit Campher. (Spirit, sulfur, äther. 15—30; 4—8; 1—4. Aether sulf. 8^_15; 2—4; 1 — 2. Spirit, vini 15—60; 8—15; 2—8.)
4.nbsp; nbsp;Ammoniak und seine Präparate. Sie gelten allgemein, innerlich verwendet, als energische, flüchtige Erregungsmittel der ner­vösen Centralorgane und gelangen auch als Riechmittel und als Haut­reizungsmittel bei allgemeiner Apathie, Ohnmächten, Collaps, Schwäche­zuständen und dergl. zur Verwendung. (Lici- Ammon. caust. 8—15; 1—8; 5 —15 gutt.; Ammon. sol. anisat. stdl. 10—30 gutt.; Ammon. carbonic, pyrool. 4—12; 1—4; 0,5—1.)
5.nbsp; nbsp;Kaffee und Thee, Guaranapaste. Alle drei Mittel wirken durch ihren Coffeingehalt erregend auf das Nervensystem. Man benutzt starken Kaffee oder Thee, unter Umständen mit Alkohol, als Erregungs­mittel bei Collapszuständen und bei narkotischen Vergiftungen (bei Somnolenz, Sopor, Coma) und bei Alkoholintoxicationen.
6.nbsp; nbsp;Coca ist ein gewaltiges Erregungsmittel für das cerebrospinale Nervensystem resp. dessen Centralorgane.
7.nbsp; nbsp;Kaliumpräparate (Kalium nitricum 8—30; 4—8; 0,1—0,2). Sie gelten als Erregungsmittel der contractilen Substanz (und der Flimmerhaare) und können demgemäss bei Muskellähmungen Anwen­dung finden (?).
8.nbsp; nbsp; Die Narcotica (üpiumpräparate, Solaneen, Cannabisarten, Strychnin, Brucin etc.) wirken in kleinen Gaben erregend auf das Nervensystem. Als Erregungsmittel sind wesentlich im Gebrauch 1) die Narcotica acria (z. B. Veratrin, Aconitin, Colchicin), die zu­gleich heftig erregend auf die sensiblen Nerven der Haut, der Schleim­häute u. s. w. wirken, und 2) die Tetanica resp. Convulsiva (Nux vomica 2—8 [15], 1—4; 0,05—0,5; Strychnin, Brucin), die bei Läh­mungen als Antiparalytica (ct. vorn) verwendet werden.
9.nbsp; nbsp;Die Chinapräparate üben einen anregenden Einiluss auf das Nervensystem aus. Cinchonidin z. B. wirkt stark erregend auf die centralen motorischen Centra.
10.nbsp; nbsp; Die Kälte, kaltes Wasser, kalte Douchen etc. Die erregende Wirkung der Kälte auf geschwächte Nerven und Muskeln und auf das centrale Nervensystem ist allgemein bekannt. Kalte Uebergiessungen sind bei Zuständen von Bewusstlosigkeit, bei Ohn­mächten u. dergl. am Platze.
11.nbsp; nbsp; Die Revulsiva (Acupunctur, Epispastica, ßrenncylinder, hy-podermatische Injectionen von Veratrin, Reizungen von Schleimhäuten [Riech-, Nies-, Hustenmittel] u. s. w.) Diese Mittel wirken durch reflectorische Erregung der Centralorgane des Nervensystems und der Nerven. Sie sind, abgesehen von ihren Indicationen bei Organschwäche (cf. vorn), besonders beim Collaps, bei tiefen Ohnmächten und bei Leiden der Centralorgane des Nervensystems indicirt und leisten dabei oft ganz Vorzügliches.
12.nbsp; nbsp; Die Electricität wird bei Lähmungen oft mit Erfolg benutzt. Durch den Inductionsstrom kann man den geschwächten Nerven
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Die das animale Leben berahurencle Methode.
beleben, den gelähmten Muskel oder Nerven vor seeundärer Entartung schützen, seinen Blutgehalt vermehren und seinen Stoffwechsel erhöhen. Der constante Strom entfaltet seine polare Wirkung, recreirt den Nerven- und Muskelstrom und vermag durch die kataleptische und kataphorische Wirkung unter Umständen einem heilsamen Einfluss aus­zuüben. — Auch die Ccntralorgane können direct und rellectorisch auf electrischem Woge erregt werden.
13.nbsp; nbsp;Die Massage (cf. S. 486) wird zur Auslösung von Con-tractionen, zur Erhöhung der Vitalität, zur Steigerung der Blutzufuhr bei paretischen Zuständen von Nerven und Muskeln gebraucht. Sie gehört ebenso wie Nux vomica, Brucin, Physostigmin , Rhus toxicoden-dron zu den Hyperkinetica.
14.nbsp; nbsp; Die Kohlensäure regt in ähnlicher AVeise wie Kaffee, Thee, Alkohol (alles Noosthenica) die psychischen Gehirnfunctionen an, wird aber therapeutisch nicht benutzt.
15.nbsp; nbsp;Der Sauerstoff und Ozon wirken erregend auf alle Functionea des Thierkörpers. Practisch zur Verwendung gelangt er mit resp. in der Luft bei künstlichen Rospirationen.
16.nbsp; nbsp;Phosphor, namentlich Natrium phosphoricum, soll anregend auf die Grosshirnfuuctioncn wirken.
17.nbsp; nbsp;Der Hypnotisraus soll sich als Errcgungsmittel bei pare­tischen Zuständen in einzelnen Fällen bewährt haben.
Gontraindicationen. Die erregende Methode wurde früher in zu grosser Aus­dehnung angewendet (Brownianismus) und hat viel geschadet. Sie ist stets mit Vorsicht (wogen der der Erregung folgenden Ersclilaffung) und mit sorgfältiger Auswahl der Mittel, genauer Dosirung und wenn möglich, in Verbindung mit robo-rirenden und tonisirenden Methoden zu gebrauchen. Die ganze Methode ist sehr selten contraindicirt und zwar bei Reizungen und acuten Entzündungen der in Be­tracht kommenden Organe. Die die Mittel.
2. Die das animale Leben beruhigende Methode (Meth. sedans).
Indlcationen. Die beruhigenden Methoden bezwecken eine Herab­setzung der Functionen des Nervensystems (unter Umständen bis zur Betäubung und Lähmung) und zwar durch Minderung der Irritabilität oder der bestehenden Irritation oder der Reizsumme. Indem sie die Empfindlichkeit mindern, massigen sie die Rückwirkungen gegen äussere und innere Reize. Sie finden Anwendung, um den kranken Thieren die Leiden erträglicher zu machen, oder um die üblen Folgen der Schmerzen und Krämpfe abzuhalten, oder um die Thiere ökonomisch nutzbar zu erhalten, oder um ihnen die bei Operationen entstehenden Schmerzen zu ersparen etc. — Die beruhigenden Methoden wirken in der Regel
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 553
nur symptomatisch und palliativ. Die radicale Methode muss neben­hergehen. Die sedirende Behandlung ist indicirt:
1.nbsp; nbsp; Bei erhöhter Reizbarkeit und Reizung im Gebiete des Nervensystems, a) Hyperästhesien. Erethismus. Es bestellt gesteigerte Sensibilität, gesteigerte Erregbarkeit der Nerven und der Centralorgane und in Folge dessen erhöhte Reflexthätigkeit und abnorm gesteigerte Reaction gegen äussere und innere Reize. Dieselbe erstreckt sich auf das ganze Nervensystem oder einzelne Gebiete (allgemeine Nervosität oder örtliche Hyperästhesie). Als Symptome beobachtet man z. B. Delirien, Tobsucht, Schlaflosigkeit, Unruhe, grosso Schreck­haftigkeit, leichte Erregbarkeit des Herzens und der Centralorgane. Neigung zu Krämpfen, irritable Schwäche, Hyperästhesie der Haut, Jucken, Kitzeln, Brennen und sonstige unangenehme krankhafte Empfin­dungen , erhöhte Reizbarkeit der Sinnesnerven (Photophobic u. dergl.) — Gegen diese Eeidcn sind besonders diätetische Maassnahmen (Ab­härtung etc.) wirksam.
b)nbsp; nbsp; Schmerzen. Die Schmerzen müssen wegen der Qualen, welche sie den kranken Thieren bereiten und der Gefahren, welche ihr Bestehen einschliesst (Rückwirkungen auf die nervösen Central-, die Circulationsorgane, Veranlassung von Krämpfen u. s. w.) sympto­matisch bekämpft werden. Dies geschieht durch Milderung oder Ent­fernung der Reize, Aufheben der abnormen Irritabilität oder Herab­drücken der normalen bis unter die Norm. Besonders indicirt sind die schmerzstillenden Mittel, wenn die Schmerzen sehr heftig und anhaltend und die Ursachen derselben nicht schnell zu beseitigen sind, und ganz besonders bei unheilbaren schmerzhaften Uebeln und Neuralgien, bei denen das Krankheitswesen in der gesteigerten Irritabilität zu be­ruhen scheint.
c)nbsp; nbsp;Krämpfe und Hyperkinesen, Convulsionen, Tetanus,Trismus, Epilepsie, Eclampsie u. s. w. Als nächste Ursachen der Krämpfe treten uns gesteigerte Irritabilität und Irritation der Centralorgane, gesteigerte Sensibilität oder Reizung der peripheren Organe und aufgehobene Re­flexhemmung entgegen. Die Palliativbehandlung richtet sich gegen die gesteigerte Irritabilität. Sie ist indicirt bei gesteigerter Sensibilität der Hautnerven, bei gefahrdrohenden Krämpfen, bei solchen, deren Ur­sachen unbekannt sind u. s. w. Sonst greift die Radicalcur Platz.
2.nbsp; nbsp;Bei Vergiftungen mit erregenden Giften. Die beruhigenden Mittel werden im Sinne der functionellen Gegengifte gebraucht (cf. anti-dotische Methode) gegen die Vergiftungskrämpfe, -Schmerzen u. s. w.
3.nbsp; nbsp; Bei andauernden schmerzhaften Operationen als Vor-
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554nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die das animale Leben beruhigende Methode.
bauungscur. Man beabsichtigt, den Thieren die Operationsschmerzen zu ersparen, den Muskeltonus und die Erscheinungen des Sträubens und der Unruhe der Thiere zu beseitigen, um schneller, ruhiger und sicherer operiren zu können. Laparotomien, Bruchoperationen, Repositionen u. dergl. erleichtert die narkotisirende Methode in hohem Grade und macht oft eine sonst unmögliche Operation erst möglich.
Ausser unter den vorstehend genannten Umständen sind die sedirenden Me­thoden noch indicirt: bei Blutungen, die durch Bewegungen veranlasst werden (Bluthusten, Uterusblutungen etc.), beim Fehlen des normalen Schutzes der Häute etc., bei abnormer Irritabilität der secretorisohen Nerven, bei Pro-lapsen und Hernien, bei derEnteralgie(Krampfkolik), DyspnoS(Asthma) spastica, Glottiskrampf, Krampf- und Keuchhusten, vasomotorischen Neurosen (Neurospasmus der Gefässe), bei der Satyriasis, Nymphomanie u. s. w. Bei all' den letztgenannten Leiden, die sich wesentlich auf gesteigerte Irritabilität des N. sympatliicus be­ziehen, kommen Specialmethoden in Betracht (s. hinten).
Mittel. Zu den beruhigenden Methoden gehören:
1.nbsp; nbsp; Mitte! und Methoden, welche die Krankheiten, denen die Symptome des Krampfes, des Schmerzes u. s. w. entspringen, und über­haupt die Ursachen der erhöhten animalen Thätigkeit beseitigen. Diese Mittel sind hier nicht zu besprechen. Es gehören dahin die Evacu-antia, die Antiparasitica, die directen Antidote, die entzündungswidrigen Mittel u. s. w.
2.nbsp; nbsp;Mittel, welche direct auf das Nervensystem und die Muskeln sedirend wirken, ihre Roactionsfähigkeit mindern.
Die wesentlichsten der beruhigend wirkenden Mittel sollen weiter unten aufge­führt werden. Bei den wichtigeren derselben werden besondere Bemerkungen ange­fügt. Nach Gruppen sind zu nennen: a) die Alkohole (Alkohol, Chloroform, Aether, Chloralhydrat, Amylnitrit, Jodoform); b) die aromatischen Verbindungen (Carbol-säure, Benzol etc.), die flüchtigen ätherischen Gele und die Pflanzen- und Thier-stoffe, welche diese enthalten; c) gewisse Bilteistoffe; d) die Alkaloide, namentlich die des Opium und der giftigen Solaneen; e) einige Glykoside; f) Cyanverbindungen; g) anorganisohe Körper (Metallsalze, Kohlensäure, Jodoform, Bromkalium u. s. w.).
3.nbsp; nbsp;Hygienische Maassnahmen, Abhärtung, gute Ernährung, gesunder Aufenthalt u. s. w.
4.nbsp; nbsp;Versetzen des kranken Theiles in Ruhe.
5.nbsp; nbsp;Schützen des erregten, schmerzenden Theiles vor den Einflüssen, welche Schmerzen und Krämpfe hervorrufen, durch Einhüllen, Decken und directe Abhaltung der Reize.
6.nbsp; nbsp;Durchschneidung oder Zerstörung oder Dehnung des schmer­zenden oder des die Schmerzempfindung leitenden Nerven und damit
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 555
Aufhebung des Zusammenhanges zwischen dem wahrnehmenden Centrum und dem gereizten Nerven.
7.nbsp; nbsp;Andere operative Eingriffe.
8.nbsp; nbsp;Die Revulsiva und Contrastimulanria. Zu diesen gehören: Haut­reize, Schleimhautreize. Evacuantien, electrisclie Reize, Acupunctur, Massage, Klopfen, Aquapunctur, Kälte, Digitalis, Ammoniak, Eaietin, Ipecacuanha, China, die ßroraure, die giftigen Solaneen.
9.nbsp; nbsp; Physikalische und psychische Mittel: Kälte, Wärme, Electricität, Magnetismus. Hypnotisraus, Metaliotherapie, Xvlotherapie.
Ad 2. Die Mittel, welche direct beruhigend auf die Nerven wirken, haben in der Regel nur eine palliative, selten eine radicale Heilwir­kung. Letzteres nur. wenn es sich um Nervenkrankheiten (Nervosi­täten, Neuralgien etc.) handelt. Sie wirken dann dadurch, dass sie den Nerven Ruhe geben und dass während des Ruhestadiums die Selbst­heilung eintritt; oder sie veranlassen eine Aenderung in den Vorgängen im Nerven (electrisclie Ströme, Stoffwechsel, Circulation, O-Verbrauch etc.) und führen dadurch in einer uns unbekannten Art und Weise die Heilung herbei.
Es ist sehr schwierig, eine üeborsicht der hierher gehörigen Mittel zu geben, weil bis jetzt jeder Eintheilungsversuch misslungen ist. Ganz dieselben Mittel gehören den verschiedensten Gruppen an. Ja, wie vorn schon angeführt, es müssen gewisse Mittel als beruhigende und er­regende Mittel zugleich aufgeführt werden, so dass wir eigentlich nicht einmal von beruhigenden und erregenden, sondern nur von Mitteln sprechen können, welche den Reizungszustand und die Irritabilität der Nerven und nervösen Centralorgane durch directe Wirkung auf dieselben alteriren.
Die gewöhnlich als beruhigende Mittel aufgeführten Medicamente pflegt man nach ihrer verschiedenen Wirkung und den Indicationen, die man mit ihrer Anwendung verbindet, in der Regel in drei Gruppen resp. Methoden zu bringen. Man spricht von a) einer Meth. sedans (s. leniens) im engeren Sinne, b) einer Meth. hypnotica (sopori-fica, narcotica, stupefaciens etc.) und c) einer Meth. anästhetica.
a) Die sedative Methode bezweckt die Herabsetzung der Sensi­bilität und Motilität. die Linderung von Schmerzen, die Stillung von Krämpfen und die Bekämpfung von Vergiftungen. Sedircnde Medi-camente sind: ßromkalium, Chloralhydrat, Butylchloralhydrat, Extr. Cannab. ind., Camphora monobromata, die ätherisch-öligen Mittel, die aromatischen Verbindungen, die Metallsalze u. dergl. Beruhigende Mani­pulationen und Methoden sind: die mechanische Irritation der Nerven­enden, Aufträufeln von Chloroform, die Ignipunctur, die Acupunctur, Electrisiren, die Metallotherapie, Anwendung des Magnetismus und Hypnotisraus, die Xylotherapie, rasches Klopfen, subeutane Injection von destillirtem Wasser, Abhärtungsmethoden, richtige diätetische Maass­regeln u. s. w.
E 11 e n b e r ge r. Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .tp
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556nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die das animale Leben beruhigende Methode.
b)nbsp; nbsp; Die hypnotisirende, narkotisirende Methode bezweckt die Herbeiführung einer mit Gefühls- und Bewusstlosigkeit verbundenen Betäubung und des tiefen Schlafes. Die Narkose unterscheidet sich vom Schlaf nur durch die Art der Entstehung und die Tiefe derselben. Sie muss in gewissen moleciilaren Veränderungen innerhalb des centralen Nervensystems begründet sein. Zu den Narcotica gehören: Opium und dessen Hauptalkaloide, Cannabis, Belladonna, Hyoscyamus. Capita Papaveris, Crotonchioralhydrat und -ßromat, Chloralhydrat u. s. w. Sie wirken anodyn und antiseptisch und werden sowohl innerlich als äusserlich. sowohl als allgemeine, wie auch als locale Schmerz- und Krampfstillungsmittel verwendet und können auch als Anästhetica dienen. Ihre Wirkung ist anhaltender als die der flüchtigen Anästhe­tica. Sie wirken aber nicht so rasch, sicher und gefahrlos als diese. Man zieht in der Praxis die flüchtigen Anästhetica vor. — Morphium ist z. B. zum Anästhesircn von Pferden nicht geeignet, weil es ein zu heftiges Erregungsstadium hervorruft. Bei Hunden und Katzen kann es in Verbindung mit Chloralhydrat zu diesem Zwecke benutzt werden.
c)nbsp; nbsp;Die anästhesirende Methode bezweckt, das Bewusstsein und Gefühlsvermögen vorübergehend aufzuheben, um den Thieren die Schmerzen von vorzunehmenden Operationen zu ersparen, vorhandene Schmerzen zu lindern, die Reflexerregbarkeit herabzusetzen, Krampf-wehen zu beseitigen, Krämpfe zu stillen u. s. w. Interessant ist, dass die Anästhetica auch auf Pflanzen lähmend wirken, z. B. auf Mimosa pudica.
Sie sind contraindicirt bei Krankheiten des Herzens, bei Gefäss-und Lungenerkrankungen, bei hochgradiger Anämie, seltenem und kleinem Pulse.
Zu den Anacsthetica gehören die Methyl-, Aethyl-, Propyl-, Butyl Verbindungen, die zusammengesetzten Aether und einige aroma­tische Verbindungen, die Kohlensäure, Stickstoffoxydul, Schwefelkohlen­stoff etc. Die meisten Anästhetica wirken bei örtlicher Anwendung betäubend auf die Nerven.
Die anästhesirende Wirkung ist den meisten chlorirten Kohlen­wasserstoffen und deren Derivaten aus der Fettreihe in höherem oder geringerem Grade eigen. Es ist hier nicht der Ort, diese Mittel sämmt-lich zu besprechen und verweisen wir auf die Monographie von Eduard Tauber (Die Anästhetica, Berlin 1881), in welcher .ca. 50 Mittel rück­sichtlich ihrer anästhesirenden Eigenschaften abgehandelt werden.
Die Methode der Anästhesirung durch Inhalation flüchtiger Stoffe ist von Horace Wells erdacht und seit 1844 angewendet worden. Jackson und Morton verschafften derselben weitere Verbreitung. Von den vielen anästhesirenden Mitteln werden gewöhnlich nur das Chloro­form und der Schwefeläther und von Zahnärzten das Stickstoffoxydul angewendet.
Als Beruhigungsmittel können die Anästhetica innerlich und äusser­lich und in Klystierforra Anwendung finden. Zur Erzeugung der allge­meinen Bewusstlosigkeit benutzt man die inhalatorische Applications-
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 557
methode (cf. S. 291 und #9632;295). Man hält dun Thieren einen mit dem betreffenden Stoffe getränkten Schwamm vor die Nase oder wendet die sogen. Flanellmasken an und lässt so lange einathnien, bis Bewusst-#9632;tind Empfindungslosigkeit eingetreten ist (bei grossen Thieren gebraucht man ca. 50—120. bei kleinen Thieren. z. B. Hunden, 4—12 Gramm). Dabei muss man die Respiration und Circulation beobachten. Sobald das Athmeu tief und langsam erfolgt, unterbricht man die Inhalation.
Die Zahl der als beruhigende und überhaupt als Nervenmittel innerlich, sub-cutan, inhalatorisch etc. verwendeten Medicameute ist sehr bedeutend. Nachstehend soll eine Anzahl derselben aufgeführt werden. Wir verzichten jedoch darauf, die zahlreichen, wichtige Sedativa darstellenden Medicamenta aetherea oleosa einzeln aufzuführen und nennen auch von den flüchtigen Anaostheticis nur einige wenige specielle Mittel.
Acetal (Hypnoticum), Aciduin benzoieum, carbolicum, carbonioum, hydrobro-micum (Husten, Herzklopfen, Epilepsie), Aesculin (hypoiistheticum), Aoonitum (tubera), Aether sulfuricus, aceticus, Petrolei, (Spiritus Aethcris nitrosi, chlorati), alle Medicamenta aetherea oleosa, Aethylidenum ohloratum, Agaricus (gegen Migräne), Alkohol, die Medicamenta amara, Amanita muscaria (Muscarin), Amyg­dalae amarae, Amyläther, Amylenuin, Amylnitrit, Apomorphin (gegen Lecksucht), Argentum sulfuricum et nitricum (gegen Epilepsie, Asthma etc.), die aromatischen Säuren, Arsen (Sol. Fowleri) (gegen Chorea und periodische Neuralgien), Aspido-sperma Quebracho (Aspidospermin), Atropin (Homatropin), Belladonna (fol.), Bismuthum valerianicum, blausäurehaltige Mittel (resp. Cyanverbindungen), Brom und viele Brom Verbindungen (Bromäthyl, Bromal, Bromlithium, Bromoform), Butylchloral (Crotonchloral) (wie Chloralhydrat), Calabarbohne und ihre Alkaloide, Camphora und Camphora monobromata (gegen nervöses Herzklopfen, Reiz der Harn- and Genitalapparate). Cannabis indica (Schlafmittel), Garboneura sulfuratum. Cascarinde, Cerium oxalicum (.gegen Husten, spastische Dyspnoe), Cheken, Chinin, muriatioum, hydrobromicura. sulfuricum, jodatum etc., Chloralhydrat, Chloro­form, Chrysarobin, Cicuta virosa. Coca in (vorzüglich als ein örtliches Anäslhe-ticum der Schleimhäute), Cocculi (semina), Codei'n, GofTein, Colchioin, Colchicum, Conium (gegen Husten und motorische Hyperästhesien, dem Curare ähnlich), alle Cotopräparate, Crocus, Cumarin, Curare, Cynoglossum (semina), Damiana, Daturin, Delphinin, Diäthylacetal (Hypnotic), Digitalis, Dioxybenzol, Ditain (wie Curare). Duboisin, Elaylum chloratum, Ergotin, Gelsemium, Gerbsäure, Grindelia robusta. Homatropin (s. Belladonna), Helleborns viridis (radix), Hyoscyamus (Hyoscyamin chloratum, hydrojatum [Keuchhusten, Asthma]), Indageer (seinen). Jodäthyl, Jod-kalium, Jodoform (Arthritis), Kalisalze (K. bromatum, nitrosum [Epilepsie], Kaliiuu-jodüreyanür [Rheumatismus]), Lactuca virosa, Laudanin, Laurocerasus (folia), Lobelia (herba), Lupulus (glandulae), Menthol (Antineuralgicum), Mangan, alle Metallsalze, Methyläther, Methylchlorür (Methylbiohlorid), Methylstrychnin (dem Curare ähnlich), Morphin, Narcein, Narcissus (flores), Narcotin, Natrium lacticum, nitricum (gegen Epilepsie), salicylicum, Niootin, Nitrogenium oxydulatum, Nitro-glycerin. Oleum animale foetidum, Oleuni Terebinthinae, Opium. Osmiumsäure (Antineuralgic), Oxaläthylen, ozonisirle Luft (als Hypnoticum), Paraldehyd (Hypno­ticum), Paraguaythee, Phenol. Phosphor (gegen Neuralgien), Piperidin (lähmt die sensiblen Endausbreitungen der Nerven), Piscidia erythrina, Piiuri (Hypnoticum),
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558nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die das animale Leben beruhigende Methode.
Propylamin, Pyrogallol, Quebracho, Rhoeas (flores), Saponin, Seeale cornutum, Sparcein, Stannium, Staphysagrin, Stramonium (folia et semen), strychninhaltige Mittel, Tongapulver (Neuralgien), Veratrum viride, Zincum phospliorioum, cyanatum.
Das Nähere über die Unterschiede in den Wirkungen dieser Mittel wird in der Arzneimittellehre besprochen. Hier soll nur von einigen wichtigeren noch ihre An­wendung bei Krankheiten angegeben werden. — Heber die flüchtigen Anüsthetica ist das Jiöthige bezüglich ihrer Application auf inhalatorischem Wege zur voll­ständigen Anästhesirung erwähnt worden. Ausser diesen treten uns als die wich­tigeren Beruhigungsmittel namentlich das Opium und seine Alkaloide, die giftigen Solaneen, die ätherischen Oele, das ßromkalium, das Chloralhydrat, das Cocain und einige andere entgegen. In der Thierheilkunde kommt man mit einer verhältnissmässig geringen Anzahl von Bernhigungsmittoln aus. In der Menschenheilkunde nimmt die beruhigende Methode eine wichtigere Stelle ein. Auch treten uns gerade den Medicamenta sedativa gegenüber die grüssten indivi­duellen Verschiedenheiten entgegen. Oft bleibt dem Arzte nichts Weiteres übrig, als im concreten Falle einfach eine Reihe von Mitteln am Patienten zu versuchen, um dasjenige zu linden, welches für das betreffende Individuum am geeignetsten ist.
Die nachstehend speciell aufgeführten Mittel sollen wesentlich in ihrer An­wendung als Sedativa. weniger in ihren Eigenschaften als Anästhetica und Hypno-tica besprochen werden.
1.nbsp; nbsp;Aether, Chloroform bei der Krampfkolik und ähnlichen Leiden (8—15; 2—4; 0,5—2,0 [10—15 gutt.]). Diese Mittel setzen seeundär auch die Erregbar­keit der motorischen Nerven (ebenso wie Alkohol) herab.
2.nbsp; nbsp;Die ätherisch-öligen Mittel (Flor. Chamom., Kad.Valer., Fol. Menlhae, Spir. sulf. aeth., Camphora, Asa foetida), die wir als flüchtige Erregungsinittel kennen gelernt haben, wirken beruhigend bei vielen Reiz- und Krampfzuständen, besonders des Danncanales, z. ß. bei der Krampfkolik.
3.nbsp; nbsp; Arsenik, besonders gegen nervöse Reizbarkeit der Athmungsorgane (0,3 — 0,9; Sof. 0,005 — 0,05; Schw. 0,01—0,02; ITd. 0.003—0,005). Sol. Fowled (das 100 fache der Arsenikdosis).
4.nbsp; nbsp;Belladonna. Man verwendet dieses Mittel besonders bei Krämpfen der Hinterleibsorgane (Kolik, Blasenkrampf etc.), oder zum Zwecke der Pupillener­weiterung oder der Verminderung der Thätigkeit der hemmenden Splanchnicus-fasern. Auch bei erotischen und entzündlichen Zuständen, gesteigerter Reflexthätig-keit, Krampfhusten findet das Mittel Verwendung. Es setzt die Sensibilität und Reflexerregbarkeit herab. Gegen Epilepsie leistet Atropin nichts, weil es die Erreg­barkeit des Grosshims steigert. (Folia Beilad. 15—30 [50]; 4—8; 0,3—1,0. — Extract 2—4,0 [6,0]; 0,2—0,5; 0,05—0,3.) Hyosoyamus wird ähnlich wie Belladonna verwendet.
5.nbsp; nbsp;Hb. Conii ist bei Krämpfen indicirt.
6.nbsp; nbsp;Blausäure, vorzüglich bei erhöhter Reizbarkeit der Nerven, besonders der Schleimhäute des Respirationsapparates. (Ac. hydroeyan. 90—100 gutt.; 15—20; 1—4 gutt.; Aqua Laurocerasi das lOfache von Blausäure. — Amygdalae amarae 30—60; 2—4; 1—2.)
?. Bromkalium bewirkt Abnahme der reflectorischen Reizbarkeit des Rückenmarks, Verminderung der Sensibilität und der Functionen des motorischen Nerveuapparates (Ataxie) und Neigung zum Schlaf mit bedeutender Herabsetzung der Erregbarkeit des Grosshirns. Man wendet dasselbe an gegen epileptische
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;559
Krämpfe, erethischen Koller. Couvulsionen der Hunde und Schweine, Starrkrampf, abnorm gesteigerten Geschlechtstrieb. (20—50,0 [80]; 5—15,0; 0,2—6,0 täglich dreimal.)
8.nbsp; nbsp; Das Cocain ist das beste örtliche Anästheticum, welches wir kennen. Es ist namentlich bei Augenoperationen fast unentbehrlich. Durch Aufstreichen von Cocainlösungen auf die Cornea und Conjunctiva tritt absolute Anästhesie dieser Theile ein. Auf alle Schleimhäute wirkt es in gleicher Weise.
9.nbsp; nbsp;Digitalis (Fol. 1,0—5,0 [6,0]; 0,1 — 1,0; 0,05—0,3) bei erhöhter Reiz­barkeit des Herznervensystems.
10.nbsp; nbsp;Ergotin (Seeale oornutum) hat sich bei manchen Schmerzen, namentlich solchen, die von den Centralorganen ausgehen und mit Erweiterung der Gehirn-gefässe einhergehen, bewährt.
11.nbsp; nbsp;Die Kohlensäure ist als allgemeines Anästheticum empfohlen worden, findet aber als solches keine Anwendung. Man benutzt dieselbe wesentlich zur Beruhigung der gereizten Magennerven. Kalium oder Natrium bicarbonicum (8—15; 2-4; 0,5-1,0).
12.nbsp; nbsp;Der Monobromkampher wurde gegen Tetanus empfohlen, hat sich aber nicht bewährt.
13.nbsp; nbsp;Bismuthum valerianicum soll vorzügliche Wirkungen gegen Krämpfe der Hinterleibsorgane, Leibschmerzen etc. entfalten.
14.nbsp; nbsp;Die Carbolsäure dürfte als Beruhigungsmittel innerlich kaum benutzt werden. Aeusserlioh wirkt sie vorzüglich anästhesirend auf Haut- und Schleim­hautnerven.
15.nbsp; nbsp;Chinin wirkt bei vielen schmerzhaften Leiden beruhigend. Bei Menschen leistet dasselbe oft Vorzügliches bei Kopfschmerzen, namentlich bei der Migräne und bei allen periodisch auftretenden Schmerzen.
16.nbsp; nbsp;Ch loralhydrat kann man gegen Reizungszustiinde. nervöse Aufregun­gen, Delirien. Krämpfe, Tetanus, Krampfwehen. Drängen bei Prolapsen (R. Ritz) etc. verwenden. (50—100; 2—5,0; 0,5—2,0.) — Gern giebt man es in Klystier-t'orm 1 : 5—10 Schleim.
17.nbsp; nbsp;Natrium salicylicum hat sich beim Menschen gegen gewisse Arten von Kopfsohmerz vorzüglich bewährt.
18.nbsp; nbsp;Opium (2-6 [8]; 1—1,25 [Schf.]; 0,3—0,6 [Schw.]; 0,05-0,5) und besonders sein Alkaloid Morphium entfaltet vorzügliche beruhigende Wirkungen auf das Grosshirn und auch auf die peripheren Nerven. Als hypnotisirendes und sedi-rendes Mittel kommt (abgesehen von Diarrhöen) fast nur das Morphium und zwar in subeutaner Application zur Verwendung (0,2—1,0: 0.05—0,2; 0,03—0,1; 0,01—0,05) gegen die S. 341 genannten Leiden und schmerzhaften Zustände, spastische Harnverhaltungen u. s, w. Unwirksam dürfte das Mittel beim Hahnen­tritt sein, da dieses Leiden nach Dieckerhoff besser operativ behandelt wird. — Wenn man das Morphin zur Herbeiführung der Narkose bentitzt (Pf. 1—1,25; Hd. 0,03—0,06), dann verbindet man dasselbe in der Regel noch mit anderen Mitteln, #9632;/,. B. ChloralMystieren etc. Es ist aber in dieser Richtung nur wenig zu empfehlen. Bei Pferden namentlich entstehen oft Anfälle von Raserei und Tobsucht, von Laufwuth u. s. w., ehe die Narkose eintritt.
Ad 5. Die Abhaltung der normalen Sinnesreize und etwaiger abnormer Reize ist von grösster Wichtigkeit für die sedirende
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560nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die das animale Leben beruhigende Methode.
Methode. Bei erhöhter Reizbarkeit des Auges ist der Stall zu ver­dunkeln oder das Auge zu verbinden; bei Reizung der Gehörnerven sind die Thiere vor Geräuschen zn schützen; Thiere mit Tetanus oder Strychninkrärapfen sind vor allen Sinnesreizen möglichst zu bewahren u. dergi. Ganz besonders kommen auch die deckenden, einhüllen­den und schlüpfrig machenden Mittel in Betracht, sowohl bei abnormer Reizbarkeit thicrischer Theile. als beim Fehlen der normalen Schutzdecke, als auch beim Vorhandensein abnormer liinflüsse. Man be­zweckt eine Abhaltung oder Abschwächung normaler oder abnormer Ein­flüsse und deckt resp. hüllt ein und zwar entweder den gefährdenden und zu schützenden Körpertheil oder das Gefährdende. Die Anwendung der deckenden, einhüllenden und schlüpfrig machenden Mittel (cf. vorn) ist indicirt bei hohen Schmerzen in Folge von Spannung in entzündeten äusseren Theilen, bei Schmerzen durch Epidermis- und Fpithelverlusle. bei Verbrennung, bei Einführung rauher Gegenstände und der Hände in Höhlen etc. mit erregbaren Geweben.
Ad. ß. Der Nutzen der Neurotomie ist leicht einzusehen. Sie wird angewendet bei lang dauernden sehr schmerzhaften, bei schwer oder unheilbaren Leiden, um das Thier noch eine Zeil lang gebrauchs­tüchtig zu machen. Sie findet namentlich Anwendung bei der chro­nischen Hufgelenkslahmheit.
Die Dehnung der schmerzenden resp. schmerzleitenden Nerven wurde eine Zeit lang sehr ausgedehnt angewendet, hat sich jedoch als sedirendes Heilverfahren nicht bewährt.
Ad 7. Das chirurgische Messer ist ein vorzügliches Beruhigungs­mittel. Ein durch Eiteransammlung unerträglich gewordener Schmerz verschwindet beim Anstechen des Abscesses. Zahnschmerzen weichen bei Extraction des Zahnes; Entfernung drückender Horntheilc. Spaltung und Trennung gespannler und gezerrler Theile, Entfernung schmerzender Tumoren bringen die Schmerzen zum Schweigen u. s. w.
Ad 8. Die A bleitungsmittcl, und besonders die hautreizenden Mittel entfalten ihre beruhigende Wirkung nach dem Gesetze, dass durch die Erregung eines sensiblen Nerven in der Regel die Irritabilität der anderen sensiblen Nerven herabgesetzt wird. Diesem Gesetze scheint das Gesetz der Mitempßndung (der Irradiation des Schmerzes) zu widersprechen. Es ist aber eine unbestrittene Thatsache, dass innere Schmerzen durch die Reizung sensibler Nerven der Haut (und der Schleimhäute) beseitigt, übertäubt werden können (cf. hautreizende Methode). Bei Nervenleiden, Neuralgien tritt diese Wirkung oft über-raschend hervor. Die Schmerzlinderung, die wir durch hautreizende Mittel bei der Pleuritis, Pneumonic, der rheumatischen Gelenkentzündung erzielen, ist theilweise durch Reflexcontraction der Arterien in den be­troffenen Theilen bedingt. Bei der Wirkung der Epispastica kommt ausser-dem noch in Betracht das Freiwerden der Circulation an der irritirten Stelle und die Contraction der correspondirenden Gefässgebiete anderer Theile. Letztere kann sedirend wirken. Audi die Blutableitung mag die sedirende Wirkung unterstützen. Nebenbei sei übrigens bemerkt, dass bei Anwendung von Reizmitteln auch örtlich eine beruhigende
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 561
Wirkung der berührten vitalen Tlieile zu Stande kommt. Die betäu­bende Wirkung der Bremse bei Operationen ist thierärztlich sehr wichtig. Sie macht bei kleinen Operationen das Anästhesiren überflüssig.
Ad 9. Thermische Einflüsse können als ausgezeichnete Beru­higungsmittel betrachtet werden. Die Wärme heilt, wenn der Schmerz die Folge von Spannung ist, und unter Umständen auch bei Rheu­matismus. Die Kälte ist ein Beruhigungsmittel für gereizte Nerven und wirkt betäubend und als Anästheticum auf sensible Nerven ein. Bei localen Entzündungen und Hyperämien wird die Schmerzstillung noch dadurch erreicht, dass die Kälte die Scliwellung und dadurch den durch diese veranlassten Schmerz beseitigt.
Auch der Druck kann unter Umständen beruhigend wirken, /.. B. bei Oedemen. Aneurysmen, Varicen.
Als ein sedirendes Verfahren wird auch die Xylotherapie 'Auflegen gewisser Holzarten auf schmerzende Stellen) (Dujardin-Beauraetz, Hugues, Bennet) empfohlen. Gewisse Hölzer sollen die gesteigerte Sensibilität der Theile, auf welche sie aufgelegt werden. herabdrücken und dieselben sogar anästhesiren. Am energischesten soll die braune Chinarinde wirken. Nicht alle Hölzer haben aber diese Wirkung, einige wirken stark, andere schwach, andere gar nicht.
Der Hypnotlsmus kann zum Stillen von neuralgischen und rheumatischen Schmerzen, zur Beruhigung nervöser Erregtheit bei ere-tbischen Zuständen, bei der Schlaflosigkeit u. s. w. benutzt werden. Ein Erfolg dürfte wohl nur beim Menschen zu erwarten sein.
Die Electrotherapie ist sowohl bei Krämpfen, als auch bei Hyperästhesien und Neuralgien benutzt worden (cf. vorn).
Coiltiaindicatioiien. Üieslaquo; richten sich nur gegen die Mittel und werden in der Materia medica besprochen. Die Contraindicationen gegen das Anästhesiren sind bereits erwähnt worden.
Eine allgciuciiic Tberapli; der Krankheiten des INervensysteiiis ist am so
weniger durchführbar, als selbst die allgemeine Pathologie desselben noch auf sehr schwachen Fassen steht. Die Aufgabenderallgemeinen Therapie der Centralorgane des Nervensystems sind vielfältige. Sie hat: 1) circolatorische, 2) sogenannte functionelle Störungen zu beseitigen. ','gt;) acute und 4) chronische anatomische Ver­änderungen der Heilung zuzuführen. Diesen Aufgaben kann die Therapie in ver­schiedener Art und Weise genügen. Gegen die fun ctionellen Störungen kämpft, man mit den vorbesprochenen Seuroticis, mit Riechmitteln, mit psychischen Mitteln (b. M.), durch Wirkung auf Bewegungs- und Empflndungsnerven, durch Anregung von Reflexvorgängen und namentlich mit Mitteln an, welche die allgemeine und die locale Ernährung und die BluibeschalTenheit verbessern. Hyperämien und Anämien behandelt man mit Aderlässen, blutableitenden Mitteln, mit Herz- und Gefässmitteln, mit Wärme und Kälte, Electricität u.s.w. Bei acut entzündlichen Vorgängen ist die Methodus antiphlogistica indicirt; hier leisten ganz besonders die äusserlich applicirte Kälte und die in grosser Ausdehnung angewendeten Epispastica oft ganz Vorzügliches. Die chronischen Leiden (Hydrooephalus, Degenerationen, tnduralionen u. s. w.) sind einer wirksamen Therapie wenig zugänglich. Es sind aber zu versuchen; ableitende, hautreizende, Se- und Excretionen anregende, pur-
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562nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Therapie des Xervensystoms.
girende Mittel, die Electricität, Stoffwechsel umstimmende Mittel, Förderung der Blutbildung und Ernährung, Anregung der Stoffweohselvorgänge, Regulation der Function der erkrankten Theile, Bewegungscuren etc.
Die wesentlichsten Mittel der Cerebrospinaltherapie sind zu finden in Kälte, Wärme, Electricität, Blutentziehungen, Ableitungsmittoln, Gefäss- und Nerven­mitteln (Bromkalium, Strychnin, Curare, Calabar, Ergotin, Atropin, Phosphor u. s. w.), in sedironden, irritirenden und tonischen symptomatisch wirkenden Mitteln und in hygienischen Vorschriften.
Es ist thatsächlich bewiesen, dass man durch Kälte und Wärme nicht blos reflectorisch, sondern auch direct physikalisch die Centralorgane, ihre Temperatur, ihren Blutgehalt etc. (cf. Kälte- und Wärmecuren) beeinflussen kann. Auch mit der Electricität kann man direct auf die Centralorgane einwirken. Dieselbe kann sowohl durch ihre erregende und modificirende, als auch durch ihre kata-lytische Wirkung functionelle Störungen ausgleichen und die Circulation, Saftströ­mung und Resorption in den Centralorganen beeinflussen. Entzündliche und andere mit anatomischen Veränderungen einhergehende Erkrankungen können durch die katalytische Wirkung der Electricität der Heilung zugeführt werden.
Durch Aderlässe sowohl wie durch örtliche Blutentziehungen kann man bei acuten Hyperämien, beginnenden Oedemen u. dergl. sehr günstig wirken (cf. Aderlass).
Die hautreizenden Mittel entfalten einen bedeutenden Einfluss auf die ner­vösen Centralorgane, sie wirken reflectorisch direct anregend auf die Nervensubstanz (man denke an die Wirkung von Hautreizen bei Ohnmächten), ändern die Circu-lationsverhältnisse in hervorragender Weise (cf. hautreizende Methode) und setzen die Schmerzempfindungen und Hyperästhesien in den Centralorganen herab. — Die durch Etablirung exsudativer und eiteriger Hautentzündungen beabsichtigte Ablei­tung von Exsudationen und Entzündungen ist wissenschaftlich nicht basirt.
Die Purgirmittel und alle die Se- und Excretionen anregenden Mittel haben oft einen sehr heilsamen Einfluss auf Krankheiten der Centralorgane, z. B. auf Gon-gestivzustände, beginnende Oedeme, Hydrocephalus u. s. w. Die Wirkung besteht in Anregung der Resorption (durch Bluteindickung und Ableitung des Säftestromes etc.) und in Blutableitung (durch Ansammlung des Blutes im Abdominalsysteme, wodurch selbst Anämie des Gehirns erzeugt werden kann).
Ueber die Wirkung der Nervina haben wir uns vorstehend ausgesprochen, sie beeinflussen zum Theil die Krankheiten direct, zum Theil indirect durch An­regung oder Herabstimmung von Functionen.
Wie man durch Anregung dos Stoffwechsels, durch Anwendung der To-nica, durch Aenderungen der Ernährung auf die nervösen Centralorgane ein­wirken kann, lehren uns die allgemeinen Methoden.
Die Nervenkrankheiten äussern sich als sogen, functionelle oder anato­mische. Erstere in Erregungs- (Neuralgien, Krämpfen) und Schwächungszuständen (Anästhesien, Paralysen etc.); letztere als Hyperämie, Entzündung, Atrophie, Hypertrophie und Neubildung.
Die nervösen Störungen behandelt man mit den besprochenen erregenden und beruhigenden Mitteln und Methoden, sodann mit Mitteln, welche die locale Blut-und Säftecirculation, die locale Temperatur, den localen Stoffwechsel und die locale Ernährung beeinflussen und mit solchen, die auf die allgemeine Circulation, Blut­beschaffenheit, Stoffwechsel, limentemperatur u. s. w. einwirken. — Durch local
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Allgemeine Therapie de? Nervensystems.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;563
applicirte hautreizende Mittel, durch Anwendung von Kälte, Wärme und Electricität kann man die Nervenkrankheiten tiefgehend beeinflussen. Unter Umständen muss man auch von den Centralorganen aus wirken, üass der oausalen Curmethode #9632; höchste Aufmerksamkeit zu schenken ist, abnorme Keize zu beseitigen sind u. s. w. ist selbstverständlich. Die anatomischen Erkrankungen sind nach allgemeinen Grund­sätzen zu behandeln.
Die Störungen der Sinnesfunctionen können bedingt sein durch Erkran­kungen der Central Organe, oder der entsprechenden Nerven, oder der nervösen End­apparate, oder der Schutzorgane. Alle diese Erkrankungen werden nach den Regeln der Curmethoden behandelt; eine allgemeine Therapie der Krankheiten der Sinnes­organe ist kaum durchführbar. Hier wäre in Specialitäten einzugehen, die Gegen­stand der speciellen Therapie sein müssen.
Allgemeine Therapie der Lähmungen. Dieselbe passt sich den ätiolo­gischen Momenten und der Natur der Lähmung an. Die Lähmungen können veran-lasst sein durch Syphilis, Apoplexie, Degenerationen des Rückenmarks, Meningitis, Muskelatrophien, Infectionen, Intoxicationen, Hyperämien und Anämien des Gehirns u. s. w. Je nach der Natur der Krankheiten muss die radicale Behandlung eine verschiedene sein. Neben dieser muss aber die symptomatisch und trophisch wirkende erregende Behandlung einhergehen (cf. vorn).
Wenn man wissenschaftlich scharf zwischen Paresen und Paralysen unter­scheidet, dann sind es eigentlich nur die Paresen, welche Anlass zur Anwendung der erregenden Methode geben können. Ein absolut paralytischer Nerv ist durch die erregende Methode nicht mehr erregbar. Die wirkliche Paralyse kann, wenn man von chirurgischen Heilungen absieht, überhaupt nicht mehr geheilt werden. Anders liegen die Verhältnisse bei der Parese. Diese ist entweder dadurch bedingt, dass der paretische Nerv nur in seiner Irritabilität derart herabgesetzt ist, dass er durch normale Reize nicht mehr, wohl aber noch durch abnorm starke Reize in Thätigkeit versetzt werden kann; oder dadurch, dass eine Schwächung oder Minderung der normaler Weise einwirkenden Reize vorliegt. Das Wesent­liche für den Therapeuten ist die Thatsache, das? bei der Parese ein an sich noch erregbarer und functionsfähiger Nerv ruht und diese Ruhe, wenn sie lange anhält, den Tod des Nerven durch Ernährungsstörungen und Degene­rationen zur Folge haben muss. Die Aufgabe des Therapeuten besteht daher darin, den paretischen Nerven von Zeit zu Zeit anzuregen, damit er vorübergehend thätig und dadurch vor dem Absterben bewahrt wird. Während der Thätigkeit steigert sich seine Säftecirculation, werden die stauenden Säfte abgeführt, gelangt frisches Blut in denselben und setzt der Stoffwechsel ein. — Hierdurch gewinnt der Orga­nismus Zeit, die Regulation vorzunehmen; der Nerv wird in den Stand gesetzt, die Krankheit zu überstehen.
Die Behandlung der Lähmungen erfolgt mit äusseren und inneren Mitteln. Unter ersteren seien besonders die Gegenreize, die Electricität und die ther­mischen Einflüsse, unter letzteren Abführmittel, Jodpräparate und die erregenden Mittel genannt.
Allgemeine Therapie sonstiger Depressionszustände. Die Be-wusstlosigkeit kann bedingt sein durch Hämorrhagien im Gehirn, Embolien der Hirnarterien. Commotio und Compressio cerebri, Urämie, Alkoholvergiftung, Inha­lation u. s. w. u. s. w., die Asphyxie durch irrespirable Gase, Strangulation. Er-
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hamp;inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;AllgernHnp Therapie des Nervensystems.
trinken u. s. w. Je nach dem muss die Radicalbehandlung verschieden sein. Sie ist aber stets mit der erregenden Methode zu verbinden.
Beim Oollaps verlangen die Indicationen; Hebung der gesunkenen Herz-thätigkeit, Anregung der herabgesetzten Irritabilität der Medulla oblongata, Kräfti­gung der insul'ficienten Athmung, Wiedererweckung der erschöpften Thätigkeit der Wärmecentra, Excitation der anderen geschwächten Organe. — Der Hauptangriffs­punkt der Behandlung ist durch die Haut gegeben, weil sie in den mannigfaltigsten reflectorischen Beziehungen zu den Organen steht. Die erste Behandlung beim Collaps besteht in der Anwendung der Wärme oder Hitze auf die Haut, dem Ge­brauch llüchtiger reizender Einreibungen in dieselbe (Sinapismen etc.), der Anwen­dung der Electricität, dem Bespritzen mit kaltem Wasser, dem Auflegen heissor Gegenstände, dem Gebrauche von Riechmitteln (Salmiakgeist), der Anwendung reizender und erregender Klystiere etc. Dabei giebt man innerlich heissen Kaffee und Spirituosen, wendet Wein, KalTee, Ammoniak, Essig per rectum, oder erregende Mittel (Campher, Spiritus oder 01. camphor., oder Camphei in Aether gelöst, Coffein, Liq. ammonii anisat., Spirit, sulfurico-aether., Tinct. moschi, Ammon. valerianic. oder ein ähnliches Mittel) subeutan an, legt den Kopf tief, um Blut in das Gehirn zu schaffen, leitet unter Umständen die künstliche Athmung ein und dergl. Nach dieser ersten Hülfe sucht man nach den Ursachen des Collapses, um danach die Behandlang einzuleiten. Die Ursachen können liegen in Ueberanstren-gung, Erhitzung, Abkühlung, starker Diarrhöe, starkem Erbrechen u. dergl., oder in verabreichten Arzneien (Digitalis, Opium), oder in Rupturen von Organen und Gefässen, oder in Proagonie bei letalen Leiden, oder in septischen und febrilen Processen, oder in ungenügender Ernährung. Je nach den vorliegenden Ursachen ist, die weitere Behandlung anzuordnen.
Allgemeine Therapie der Krämpfe und des Erethismus (Meth. antispasmodica). Die Radicalcur richtet ihr Hauptaugenmerk auf Eruirung der Ursachen und deren Entfernung, die wir z.B. finden in Hirnhämorrhagien, -Anämien. -Hyperämien, -Tumoren, -Entzündungen, Rückenmarksleiden, Druck auf sensible und motorische Nerven durch Tumoren, Narben und Blutergiessungen, Beizung der Schleimhäute durch Würmer, Cholämie, Urämie, Chlorämie, etc. Je nach der Natur der Krampfursachen ist die Behandlung eine verschiedene. Ruhe, d. h. Schutz vor Heizen, ist aber bei allen Arten indicirt. Metallpräparate, die Electricität, die Myotomie und Tcnotomie können heilsam wirken.
Vor Allem aber wende man auch die palliative, die beruhigende Methode, resp. die Nervina sedantia an; cf. vorn.
Zu den antispastischen Mitteln gehören:
1) Viele Nervina eneephalica, nämlich die Narcotica sedativa und anaesthetica.
2)nbsp; nbsp;Mittel, welche die Rellexfunclion des Rückenmarks herabsetzen (Calabarbohne).
3)nbsp; Mittel, welche die Thätigkeit der motorischen Nerven deprimiren (Goniin,Curare).
4)nbsp; nbsp;Mittel, welche örtlich die Sensibilität resp. die Nervenreizbarkeit herabsetzen.
5)nbsp; nbsp;Mittel, welche die Mtiskelcontractilität mindern (Veratrin, Kali-u.a. Metallsalze, Calabar, Curare, Aconitin. Delphinin. Staphysagra, Cicuta etc.) — Diese hypo­kinetisch wirkenden Mittel haben entweder einen localen (Myotica, Angio-asthenica) oder allgemeinen Einlluss (Curare, Blei, anhallende Faradisation). Sie führen. wenn sie in starken Dosen angewendet werden, Lähmungen herbei (Paralysantia, Paralytioa) und heben auch vorübergehend bestehenden Tetanns auf (Aniitetanica).
Die Behandlung des Schmerzes (Meth. anodyna) ist eine causale und
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Allgemeine Therapie der Bewegungsorgane.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ößf)
eine symptomatische. Erstere wendet sich gegen den die Schmerzen verursachenden Reiz oder gegen die Schmerzen erregende Krankheit.
Die symptomatische sedative Cur (cf. Meth. sedans) darf nur unter der einschränkenden Berücksichtigung dessen, dass die Schmerzen oft eine physia-trische und diagnostische Bedeutung haben, eingeleitet werden.
Allgemeine Therapie der Bewegungsorgane. Die Störungen der Bewe-
gungsfunctionen äussern sich in verminderten, aufgehobenen, erhöhten und per­versen Functionen. Sie können bedingt sein durch Abnormitäten und Krankheiten, sowohl der activ bewegenden als der passiv bewegten Theile der thierischen Bewe­gungsmaschine. Die betr. Erkrankungen sind nach allgemeinen therapeutischen Grundsätzen und Jlethoden zu behandeln. Ausserdem muss event, von den speciell auf die in Frage kommenden Theile wirkenden Mitteln Gebrauch gemacht werden. Die activen Bewegungsorgane, die Muskeln, können functionelle und circu-latorische Störungen und anatomische Veränderungen erkennen lassen. Die circu-latorischen Störungen und anatomischen Veränderungen werden nach allgemeinen Regeln (mit Kälte, Wärme, Electricität, Chemikalien, chirurgischen Mitteln u. s. w.) behandelt. Die functionellen Störungen beruhen in mangelhafter Inuer-vation, in abnormen Reizen oder in molecularen Aenderungen der Muskelsnbstanz. Die Fehler der Innervalion werden nach den vorbesprochenen Methoden behandelt, die abnormen Reize beseitigt und regulirl. Die molecularen Veränderungen sind besonders durch Mittel zu behandeln, welche die Ernährungs- und StolTwechselver-hältnisse der Muskulatur (resp. auch des Körpers im Allgemeinen) beeinflussen (namentlich auch durch Bewegungscuren. Massage etc.), und ausserdem event, noch durch Mittel, welche auf die Jluskelsubstanz direct einwirken. Zu diesen Mitteln ge­hören z. B. Veratrin, Sulfocyanin, die Kalisalze, ColTeln, viele Alkaloide und An-ästhetica. Diese Mittel .ändern dieMuskelfunctionen, die Muskelkraft, die Irritabilität, Elasticität und die Ernährung. Sie erzeugen bei Gesunden z.B. Zittern, Zuckungen. Ernährungsstörungen, selbst fettige Degeneration der Muskeln u. s. w.
Bei vielen Mitteln ist es noch zweifelhaft, ob sie echte MusMmittel sind oder nur vom Nerven aus wirken. Zweifellos steht es aber fest, dass es thatsächlicli Mnskelmittel giebl. Wir wissen, dass z.B. Veratrin, Sulfocyankalium und die Kali­salze direct auf die Muskelerregbarkeit und nicht durch die Nerven wirken. ColTein und verschiedene Anästhetica haben neben der Nerven- noch eine Muskelwirkung. Alle Nauseosa und Emetiea beeinflussen die Muskelsubstanz (neben der indirecten Wirkung auf dieselbe durch ErschlalTung und Durchfeuchlung) direct und wirken ermüdend. Veratrin und viele Alkaloide steigern erst die Contractioncn und führen dann Lähmung herbei.
Die Muskelmittel kann man nach Kobert eintheilen in: a) solche, die ohne erhebliche Einwirkung (Chlornatrium etc.), aber für das Muskelleben wichtig sind; b) solche, welche unter gewissen Umständen die Muskelleistung erhöhen (Kreatin in grossen Dosen, Hypoxanthin. Coffein, Glykogen, Phvsostigmin in kleinen Dosen): c) solche, welche in kleinen Dosen die Leistung meist abschwächen, in grossen aufheben: Kupfer, Cocain, Apomorphin. Saponin, Cyldamin. Asclepiadin. Sanguinarin, Delphinin, Tart. stib., alle Emetiea, Antimon, üigitalin. Digitalein, Digitaliresin, Digitoxin, Toxiresin, Scilenin, Helleborein, Oleandrin, Adonidin. Xeriodorin, Neriodorein, Veratrin. Antiarin, Arsengruppe (Antimon, Arsen), Platin, Quecksilber, Kalisalze, Salmiak, Blei, Emetin u. s. w.
Bestimmte Indicationen für die Anwendungder Muskelgifte sind nicht bekannl.
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Methoden, welche äif Innentemperatur beeinflussen.
Bei Krämpfen, Lälimungen u, s. w, der Muskeln wirkt man meist durch die Nerven. Nerv und Muskel sind so wenig zu trennen, dass die Nervencuren mit den Muskel-curen zusammenfallen, insoweit sich erstere auf motorische Nerven beziehen.
Ueber Mittel, die auf die glatte Muskulatur wirken, ist wenig bekannt; man nennt als solche: Alaun, Calciumchlorür, Magnesia sulf., Kupfer, Silber, Blei, Cotoin, Zucker, Harnstoff und vor Allem die Emetica und Nanseosa.
Die Flimmerbewegung wird angeregt durch stark verdünnte Alkalien und Ammoniakalien.
Besondere Mittel, welche die passiven Bewegungsorgane beeinflussen, giebt es nur wenige, so wirken Phosphorpräparate, Kalksalze, Quecksilbermittel in prägnanter Weise auf die Knochen ein. Im ücbrigen ist die Behandlung der Knochenkrankheiten in der Chirurgie und speciellen Therapie zu besprechen. Die allgemeine Therapie der Rhaclütis und Osteomalacie ist vorn bereits geschildert worden.
B. Methoden, welche die Innentemperatur beeinflussen (Thermo-
therapie).
Die ailgerneine Therapie der Abweichungen der Innentemperatur spielt eine grosse Rolle, weil die normale Körpertemperatur eine der wesentlichsten Bedingungen des Lebens der homoiothermen Thiere ist. Ihre Aufgabe besteht darin, die Innentemperatur, wenn sie gestört ist, zur Norm zurückzuführen oder wenigstens gefährliche Abweichungen zu hindern. In dem einen Falle ist die erhöhte Temperatur zu mindern, im andern die gesunkene zu erhöhen. Dies geschieht unter Berück­sichtigung des S. 42—46, S. 57 mid S. 137ff. Erörterten und in fort­währender Unterstützung des Naturheilbestrebens.
Die Fingerzeige für die Art der Therapie ergeben sich aus den über die Wärme­bildung und Wärmeregulation bekannten physiologischen Thatsaehen: Die Quollen der thierischen Wärme sind wesentlich in den im Körper ablaufenden O.xydations-processen zu suchen. Die Grosse der Oxydationsprocesse und damit die Grosse der Wärmeproduction wird durch die Centralorgane des Nervensystems regulirt. Das Hauptcentrnm für die Wärmeproduction scheint in der Rinde des Grosshirns seinen .Sitz zu haben. Unter ihm fungiren zweifellos viele Untercentra, die in der Medulla oblongata und spinalis gelegen sind und vielleicht auch noch untergeordnete Centra in den Organen besitzen.
Der Wärme erzeugende thierisohe Organismus befindet sich in steter Berührung mit einem Medium (Luft oder Wasser), dessen Temperatur wechselt. Da nun zwei verschieden warme Körper stets bestrebt sind, sich in das Temperaturgleichgewicht zu setzen, so müsste mit dem Wechsel der Aussentemperatur auch ein Wechsel der Körpertemperatur eintreten. Thatsächlich erfolgt dies aber bei den homoiothermen Thieren nicht. Diese behalten mit geringen Schwankungen constant dieselbe Innen-
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Wannecuren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5ö7
temperatur bei, gleichgültig, ob die Aussenteraperatur z. B. -|- 20 ü oder — 20 0 C. zeigt. Die etwa zu beobachtenden Schwankungen sind immer nur vorübergehend und nicht bedeutend. So lassen z. C. Thiore, die direct der Einwirkung der Sonneu-• strahlen und einer hohen Temperatur ausgesetzt sind, eine Erhöhung um 2—3 0 C. erkennen. Eine derartige Kurz andauernde Abweichung von der Con stanz der Innen­wärme ist ungefährlich. Sobald aber die Steigerung bedeutender wird oder die ge­nannte Temperatur lungere Zeil anhält, tritt Lebensgefahr ein.
Die Fähigkeit des thierischen Organismus, trotz des meist bedeutend niederen Standes und trotz des grossen Wechsels der ihn umgebenden Temperatur seine Eigenwärme constant zu erhalten, beruht auf den Eigenschaften der äusseren Haut und des Nervensystems und ist zurückzuführen auf eine Regulation der Wärrae-production und der Wärmeabgabe (S. 42—45 und S. 57).
Die Wärmeabgabe findet wesentlich durch die äussere Haut und zwar auf dem Wege, der Strahlung, Leitung und Verdunstung statt. Ihre Grosse ist einerseits abhängig von der Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalte der äusseren Luft, resp. des umgebenden .Mediums, und andererseits von der Blutlullung, dem Blut-wechsel, der Grosse der Oberfläche, dor Natur, Dichte etc. der Bedeckung der äusseren Haut. — Wie bedeutend das Regulationsvermögen durch Aenderung der Wärmeabgabe ist, beweist die Thatsache, dass letztere um mehr als 60 pCt. ab-und um 92 pCt. aufwärts schwanken kann. Es vermag so das Dreifache der Wärme-production compensirt zu werden. Die oft rasche Entfieberung erklärt sich aus der möglichen Steigerung des Wärmeverlustes um mehr als 92 pCt. (Winternitz). — Immerhin hat auch die Correctur des Abkühlungscoefficienten durch die vorn ge­schilderten regulatorischen Vorgänge ihre Grenzen. Bei starken Schwankungen der Aussentemperatur muss auch eine Correctur der Wiirmeproduction Platz greifen. Die Temperatur empfindenden Hautnerven Orientiren das Wärmecentrum über die bestehenden Abldihlungsverhältnisse, sodass dieses eine zweckentsprechende Erhö­hung oder .Minderung der Wärmebildung eintreten lassen kann. — Sobald die Wärmeregulation nicht mehr- gelingt, erkrankt das betr. Thier. Denn es ist die Aufgabe der Therapie, künstlich durch Kegulirung der Wärmeabgabe und Wärme-produotion die normale Temperatur möglichst herzustellen und wenigstens bedeu­tende und lang andauernde Abweichungen so lange fernzuhalten, bis die die Ab­weichungen bedingenden Ursachen beseitigt sind. Selbstverständlich muss die Therapie sich auch gegen diese Krankheiten richten. Sind diese beseitigt und sind durch die Abweichungen der Temperatur keine zu bedeutenden Störungen an den Körperorganen bewirkt worden, dann tritt die normale Wärmeregulation und die Gesundheit von selbst ein.
Erwärmangscuren. Dieselben bezwecken im engeren Sinne eine Erhöhung der gesunkenen Innenwärme; im weiteren Sinne (cf. vorn) gelangen sie auch zur Anwendung, um die örtliche Gewebsteraperatur oder das Zellenleben zu erhöhen, krankhafte Spannung zu mindern, Schmerzen zu beseitigen, gespannte und contrahirte Gewebe zu dehnen, von inneren Organen Blut abzuleiten (durch Erweiterung der Haut-gefässe). um die Diaphorese einzuleiten und zu unterstützen.
Die die Innentemperatur steigernden Methoden gelangen zur An­wendung bei drohendem Erfrierungstode, bei allen Krankheiten mit
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568nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rrwarmungscuren.
gesunkener Innentemperatur und bei Erkältungskrankheiten (als Abortiv- und prophylaktische Cur).
Sobald in Folge von Kälteeinwirkung eine Erkältungskrankheit zu befürchten ist, kommt es auf schnelle Wiederenvärmung der abge­kühlten Theile und Erregung des Schwitzens an. Hierdurch kann der Eintritt der Erkältungskrankheiten gehindert oder event, der Verlauf gemildert und abgekürzt werden.
Wenn die Thiere längere Zeit einer niederen Temperatur ausgesetzt sind, so sinkt ihre tnnentemperatnr etwas und die Thiere frieren, ohne aber zunächst zu erkranken. Wird die einwirkende Kälte aber sehr bedeutend, dann treten Krank­heiten ein. es kommen Lnngencongestionen, diunmkollerähnliche Erscheinungen tu dergl. zu Stande und unter Umständen tritt unter Sinken der Athemfrequenz, der Herzaction u. dergl. Vorgängen der Erfrierungstod ein. Dieser Fall ist jedoch bei den Säugethieren selten. Häufiger erfri-eren einzelne periphere Körpertheile, z. B. die Schwanzspitze, die Ohren, die Haut an den Extremitäten und am Skrotura und zwar besonders leicht bei alten und schwächlichen und bei den im Stalle ge­haltenen verweichlichten, mit geringem Pelze (Haarldeide) versehenen Thieren. während die im Freien lebenden, im lebhaften Daseinskampfe stehenden Individuen den Abkühlungen und Erkältungen weniger leicht ausgesetzt sind.
Die sogen. Erkältungskrankheiten bestehen zwar nicht in einem Sinken der tnnentemperatur, werden aber durch Einwirkung der kalten Aussentemperatuv auf lebende thierische Gewebe verursacht. Man muss zwei Arten von Erkältungs­krankheiten unterscheiden; 1) diejenigen, die in Folge der örtlichen Abkühlung der Gewebe örtlich hervortreten, und eine Folge der örtlichen Beeinflussung des Gewebs­iebens sind, und 2) solche, die örtlich oder entfernt auftreten, aber durch indirecte, z. B. reflectorischo Wirkungen der Kälte bedingt werden. Zu ersteren gehört z. B. die Frostmauke, zu letzteren Rheumatismen, Darmkatarrhe, Lungenleiden etc. Das Vorkommen der letzteren Art von Erkältungskrankheiten ist in neuerer Zeit wohl von einigen Forschern ganz geleugnet worden. Es kann aber gar keinem Zweifel unterliegen, dass durch Einwirkung der Kälte auf lebende thierische Gewebe (z. B. der kalten Luft auf die llespirationsschleimhaut, kalten Getränkes auf den Magen, der Zugluft auf die äussore Haut) nicht allein örtliche, sondern auch und nament­lich bei Kälteeinwirkung auf die Haut, entferntere Krankheiten entstehen können. Andererseits muss allerdings auch zugegeben werden, dass die Erkältungskrank­heiten nicht annähernd so häufig sind, als früher dieAerzte und heutzutage die Laien annehmen und dass die Kälteeinwirkung oft nur ein prädispositionelles Moment schafft.
Schon die einfache Erfahrung, dass die Abhärtung ein nützliches Prophylacti-cum gegen Erkältungskrankheiten ist und dass die diaphoretische Methode beim Auftreten dieser Krankheiten zum Coupiren oder Mildem mit Nutzen angewendet wird, spricht für die Lehre der Erkältungskrankheiten.
Auch die Thatsache, dass manche Krankheiten direct nach der Einwirkung der Kälte auf die äussere Haut beginnen und sich gradatim weiter entwickeln, dass die Erkältungskrankheiten meist in der Nähe derjenigen Hautstellen auftreten, welche der Kälte ausgesetzt waren (Zug auf den warmen entblössten Kopf ruft Neuralgien an der Schädelhedeckung [Galea aponeurotica etc.]. die auf die Backe einwirkende
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;569
Zugluft den Eintritt einer Trigeminusneuralgie [Zahnschmerz], die Kälteeinwirkung auf die entblösste Halshaut eine Halsentzündung hervor u. s. w.) und andere That-sachen beweisen das Vorkommen von Erkältungskrankheiten. Ihr Zustandekommen
#9632;erklärt sich zum Theil aus den refleotorischen Vorgängen, welche bei Reizungen der als Sinnesorgan und Wärmeregulator fungirenden Haut auftreten und bei starken Heizungen in .Störungen der Blutcirculation, der Wärmeregulation, der Athmung u. s. w. bestehen. Mitwirkend kann dann auch in Betracht kommen a) der Reiz, den das in der Haut abgekühlte Blut auf die warmen inneren Gewebe ausübt, b) die Contraction der Hautgefässe und Hautmuskulatur, welche die Blutvertheilung stört und das Blut nach innen drängt, und c) die Unterdrückung der Hautsecretion. Leber diese Verhältnisse habe ich mich in einer Broschüre (Physiologie in der Haut. Jona) näher ausgesprochen.
Mittel. Der [ndicatio prophylactica ist zu genügen durch Vermeidung der Einwirkung plötzlichen Teraperaturwechsels, der Zug­luft, kalten Wassers u. s. w., durch richtiges Bedecken der Thiere, richtige Anlage der Weideplätze u. s. w. und vor allen Dingen durch die sogenannte Abhärtung der Haut. Diese besteht im Herabsetzen der Erregbarkeit und Stärkung der Hautnerven, Steigerung des Tonus der Hautgefässe und Hautmuskulatur durch üebung dieser Organe, durch häufiges Putzen, Striegeln, methodische Anwendung kalten Wassers, kühle Stallungen und andere diätetische Maassnahmen (cf. S. 39).
Der Indicatio causalis et morbi wird bei den Abkühlungen, abgesehen von den Erkältungskrankheiten, durch Mittel genügt, weiche entweder dem Thierkörper direct von aussen Wärme zuführen oder den Wärmeverlast desselben herabsetzen oder die Wärmeproduction im Körper erhöhen.
1.nbsp; nbsp;Zuführung der Wärme von aussen. Man benutzt hierzu entweder einfach die Sonnenwärme oder die strahlende Wärme glühender und brennender oder die trockene Hitze anderweiter warm gemachter Körper, schlechter Wärmeleiter und fester Wärme­träger, oder erwärmte Luft, warmes Wasser, warme Umschläge, warme Bähungen, warmes Getränk u. dergl. Bei Ausführung dieser Behandlungsmethode hat man wohl zu beachten, dass die Er­wärmung erfrorner und erstarrter Theile nur ganz allmälig nach vor­herigem trockenem Reiben oder Frottiren mit Schnee u. dergl. statt­finden darf.
2.nbsp; nbsp;Die Minderung des Wärmeverlustes kann geschehen durch Lieberziehen mit dichten Massen, Bedecken mit wollenen Sachen und überhaupt schlechten Wärmeleitern.
3 Die Erhöhung der Wärmeproduction geschieht durch active und passive Bewegungen, reichliche Ernährung, Anregung des Stoff­wechsels und der Circulation u. dergl. Auch durch Keactionsvorgänge, die durch Anwendung der Kälte auf die Haut (Schneeeinreibungen, Frottiren mit kaltem Wasser) entstehen, wirken in diesem Sinne.
4. Verabreichen der sogen. Calefacientia. Medicamente, welche mit Sicherheit die Innentemperatur steigern, sind uns noch nicht
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Abkühlurmscuren.
bekannt. Es sollen jedoch in diesem Sinne wirken: Laudanin, Strychnin, ßrucin, Thebain, während Laudanosin und Curare einen wechselnden Einfluss entfalten. Die Wirksamkeit dieser Mittel ist leicht aus ihrer Wirkung auf die Muskelbewegung zu erklären. Diejenigen Medicamente, welche früher ..erhitzende* (Galefaciontia) genannt wurden, erzeugen der Regel nach nicht nur keine Erhöhung, sondern sogar ein Absinken der Innentemperatur. Ihre Bezeichnung Calefacientia haben sie zu einer Zeil erhalten, als das Thermometer in der Medicin noch nicht ange­wendet wurde und verdanken sie der Thatsache, dass sie das Eintreten eines Wärmegefühls in der Haut bewirken, indem sie den Kreislauf beschleunigen und die Haut blutreich und wann machen.
Bei stark abgekühlten Thieren wirken diese Mittel (die Calefa­cientia und auch alle Diaphoretica) aber thatsächlich erwärmend, während sie bei Thieren mit erhöhter Temperatur durch Steigerung der Ver­dunstung etc. abkühlend wirken.
Die Calefacientia wirken günstig und erwärmend bei Thieren, die dem Erfrierungstode nahe sind, überhaupt bei allen denjenigen Patienten, bei denen die Innentemperatur gesunken ist, das Herz träge arbeitet und die Respiration fast sistirt, indem sie das Herz anregen, den Bluturalauf und die Athmung beschleunigen, den Stoffwechsel und die OxydatiOQsprocesse und damit die gosammte Wärmeproduction steigern. Unterstützend erwärmend wirken dann warme Bedeckungen, Einführen warmer Getränke und Klystiere u. dergl.
Abkühlungscuren. Die Indicationen der Abkühlungscuren ver­langen eine Bekämpfung der erhöhten Temperatur und ihrer Folgen. Sie sind demnach bei allen denjenigen Krankheiten indicirt, welche bei örtlichen und allgemeinen Temperaturerhöhungen entstehen und ver­laufen. Ausserdem werden sie angewendet bei Erschlaffungen u. dergi. Leiden (hierüber s. verkleinernde Methoden).
Temperatursteigerungen werden sowohl an einzelnen Theilen, als auch im ganzen Organismus beobachtet. Sie entstehen in Folge der Einwirkung der äusseren Hitze, in Folge von Störungen der Wärmeregulation, des Stoffwechsels, der Circu­lation u. s. w.
Die vorübergehenden allgemeinen Tetnperatursteigerangen, wie wir sie z. B. bei den Thieren nach der Futteraufnahme (Vordauungslieber) and bei Thieren, die in der Sonne liegen, beobachten, sind angefährlich, weil das Naturheilbestreben die normale Innentemperatur bald wieder herstellt. Jedes längere Bestehen einer localen oder allgemeinen Temperatursteigerung ist gefährlich.
Bei hoher Luftwärme und namentlich bei gleichzeitigem bedeutenden Feuch-tiglieitsgehalte der Luft vermag der thierische Organismus auf die Dauer nicht mehr zweckentsprechend zu reguliren. Es treten Lungencongestion, Lungenödem, Gehirnhyperämie mit den Erscheinungen der Erstickungsgefahr und Betäubung, Schwindelanfälle, dummkollerige Erregangs- oder Depressionserscheinungen und dergl. Krankheiten ein. Die Erhöhung der Innenteinperatur durch eine hohe Tem­peratur der feuchten oder trockenen Luft führt namentlich zum Eintritte des sogen.
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Die fieberwidrige Methode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 571
Hitzschlages oder Sonnenstichs. — Als locale Folgen der Einwirkung hoher Hitzegrade beobachtet man locale Hyperämien, Entzündungen und die sogen. Ver­brennungen. Bei directer Einwirkung der Sonnenstrahlen entsteht der llautsüimen-'Crand oder die Kopf- und Blatterrose.
Mittel. Der Indicatio prophylactica genügt man durch kühles Getränk, kühlende Bäder und dadurch, dass man die Thiere an schattige Orte bringt oder sonstwie Schatten erzeugt und die directe Einwirkung der Sonnenstrahlen hindert. Dem Getränk kann man noch Säuren, essigsaure Salze oder Schwefelsäure zusetzen. Den Schweinen verabreicht man saure Milch, Molken; den Rindern und Pferden Sauerteigwasser, Grünfutter u. dergl. Die Indicatio morbi ver­langt aussei' kühlenden Mitteln meistens noch die Anwendung anderer Methoden.
Oertliche Temperatursteigerungen behandelt mau mitWärme-entziehungen durch Anwendung kalter Umschläge u. s. w. (cf. „Anwen­dung der Kältequot;), allgemeine nach den bei der fieberwidrigen Methode zu besprechenden Principien.
Oertliche Verbrennungen sind nach den bei Entzündungen und Exsudationeu geltenden Regein zu behandeln. Es kommen in diesem Falle wesentlich die austrocknenden, deckenden und antiphlogistischen und unter Umständen auch die schmerzstillenden Curmethoden in Betracht.
Die fieberwidrige Methode (Meth. antifebrilis).
Allgemeines. Das Fieber ist symptomatisch wesentlich durch eine längere Zeit bestehende, erhebliche und dadurch gefährlich werdende Temperatur-Steigerung ausgezeichnet (cf. S. 137—140). Das Wesen desselben ist unbekannt und dürfte in Alteration verschiedener Nervencentren bestehen. Das Fieber ent­steht wahrscheinlich stets durch Aufnahme und Entfaltung fermentartiger Stoffe. Bei demselben besteht eine Störung der Wärmeregulation derart, dass bei gering-gradig erhöhter Wärmeabgabe eine hochgradige Steigerung der Wanueproduction und in Folge dessen eine allgemeine Steigerung der Innenwärme vorhanden ist. Üie Wärmeregulation ist nicht völlig aufgehoben, die Regulatoren sind nicht voll­ständig unthätig, sie sind nur in ihrem Gleichgewicht gestört, sie arbeiten „mit Einstellung auf einen höheren Temperaturgradquot;. Man nimmt an, dass dies durch herabgesetzte Erregung der Cnntralorgane bedingt ist, und dass hier dasselbe Ver-hältniss vorliegt, wie bei einem Sicherheitsventil an einem Dampfkessel bei höherer Belastung, in welchem Falle höhere Spannung zu seiner Üetfnung nöthig ist. Die Höhe der Fiebertemperatur ist also Folge der erhöhten Production, nicht der ver­minderten Abgabe. In einzelnen Stadien des Fiebers besteht allerdings in Folge ver­ringerter llerzarheit und der euntrahirten Hautgefasse eine Verminderung der Abgabe.
Als wesentlichste Elrscheinungen treten uns beim Fieber, abgesehen vom Car-dinalsymptom, der Temperatursteigerung entgegen: Steigerung der Ge-websco nsumption, Steigerung der Pulsfrequenz, Vermehrung des Durstes, Ab­nahme des Appetits, erhöhte Reizbarkeit der Hautgefasse, Abnahme aller Secretioneu
Ellen berger, AJlgemeiue Therapie,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ..^
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Die fieberwidrige Methode.
(dieses Symptom ist jedoch nicht beständig; so folgt z.B. dem Fioborfrost der Fieber-schweiss), gestörtes Sensorinm, grosse Schwäche und Abgeschlagenheit.
Indicationen. a) Die Indioatio prophylactica, erstreckt sicli auf die Abhaltung von Entzündungen, Wunden, Fäulnisspim-essen und auf Abhaltung der Ursacben der essentiellen Fieber.
b)nbsp; nbsp; Die Indicatio causalis bezweckt Entfernung und Unschäd­lichmachung der Fieberursachen, z. B. der Spirillen, Bacillen, der sep­tischen Fermente u. s. w. und unterstützt in dieser Richtung das Natur­heilbestreben (cf. S. 137 ff.). Dieser Indication genügt man durch Anwendung von Chinin und Salicylsäure und ähnlichen Mitteln, durch Desinfection faulender Stellen, Wunden und Geschwüre, durch die Eröifnung von Abscessen, durch die Verabreichung von Laxanzen, durch Desinfection des Darminhaltes (Calomel, Naphthalin), durch den Gebrauch des Quecksilbers bei der Syphilis (cf. antizyraotische Methode).
c)nbsp; nbsp; Der Indicatio morbi kann nicht genügt werden, weil uns das eigentliche Wesen des Fiebers noch unbekannt ist. Deshalb tritt an ihre Stelle die Indicatio syraptomatica et palliativa. Diese stellt dem Therapeuten die Aufgaben: 1) die aus dem Fieber entsprin­genden Gefahren zu beseitigen; 2) Alles zu vermeiden, was das Fieber steigern könnte; 8) dafür zu sorgen, dass für den Patienten die nothwendigen Existenzbedingungen gegeben sind, um einen gemässigten Verlauf und einen günstigen Ausgang zu ermöglichen, und dass nament­lich die Resistenzfähigkeit des Organismus gesteigert wird.
Die Gefahren des Fiebers liegen in den Wirkungen der hohen Innenwärme auf die Gewebe und Organe des Körpers und in dem Ver­brauche des zur Wärmeproduction verwendeten Körpermateriales und den dadurch drohenden Inanitionszuständen. Beide Momente werden ganz besonders durch die sinkende Herzkraft und die sinkende Thä-tigkeit der Nervencentren gefährlich. Ausserdcm können auch von Seiten acutcr Localerkrankungcn Gefahren drohen.
1) Die Fieberhitze und 2) die Fieberconsumption wirken auf die Organe dos Körpers und auf jegliche Zellthätigkeit schwächend ein und setzen die Resistenz der Organe gegen nachtheilige Einflüsse u. s. w. bedeutend herab. Sobald eine bestimmte die Norm übersteigende Innentemperatur längere Zeit anhält oder sobald sie einen gewissen Grad übersteigt, veranlasst sie parenehymatöse Degene­ration, insbesondere des Herzens, der Niere, der Leber, der Milz und der Skelet-muskulatur. .le mehr die Degeneration vorschreitet, je mangelhafter funetioniren die Organe, bis schliesslich ihre Function ganz erlischt. — Üie schwächende Wir­kung beider Momente, der Fieberhitze und der Consumption, tritt namentlich am
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 573
Herzen und am oentralen Nervensystem in Form der herabgesetzten Ilerzkraft und des gestörten Sensoriums in die Krsoheinung.
3)nbsp; nbsp;Die Schwächung der Herzkraft findet ihre Ursache entweder in der •-Wirkung der hohen Temperatur, oder in der den fieberhaften Process bedingenden
Blutvergiftung (resp. in der Einwirkung der septischen und [nfectionsstoffe auf das Herz), oder in dem excessiven Functioniren mit folgender Ermüdung des Herzens, oder in den durch die Fieberconsnmption veranlassten Inanitionszuständen, oder in besonderen Siifteverhisten (Blutungen, Exsudationen).
4)nbsp; nbsp;Das Sinken der Thiitigkeit der Nervencentra ist wesentlich die Folge, der Wirkung der hohen Temperatur auf diese Organe.
5)nbsp; nbsp;Ausserdem kann auch die Rückwirkung der beim Fieber etwa bestehen­den acuten Localerkrankungen auf Herz und Gehirn eine Lebensgefahr für den Organismus einschliessen.
Aus dem Vorstehenden folgt, dass die Fiebertherapie, abgesehen von ihrer causalen Aufgabe, welche die Entfernung und Vernichtung der pyrogenen Stoffe verlangt und stets in erster Linie steht, wesent­lich gerichtet sein muss: a) auf Bekämpfung der Fieberhitze, b) der gesteigerten Herzfrequenz, c) der Störungen der Functionen der ner­vösen Centralorgane, d) der acuten Localkrankheiten, e) der febrilen Consumption.
a) Bekämpfung der Fieberhitze. Bei Durchführung dieser Indi­cation darf man nicht vergessen, dass die Fieberhitze unter gewissen Verhältnissen, z. B. beim Wechselfieber (cf. S. 138) sogar von Vortheil ist und dass beim Fieber der Eintritt des Todes nicht immer in Folge der Fieberhitze erfolgt, sondern dass auch andere umstände, nament­lich die localen Erkrankungen, den letalen Ausgang verschulden können. Die Regel ist allerdings, dass bei fieberhaften Krankheiten die Fieber­hitze mit den meisten Gefahren droht und grössere Gefahren mit sich bringt, als die gesteigerte Herzfrequenz, die Störungen der Gehirn-funetionen, die localen Processe und die Gewebsconsumption, und dass sie desshalb mit aller Energie bekämpft werden muss. Diese Indication ist an die Spitze aller zu stellen und zwar um so mehr, als das Herab­gehen der Fiebertemperatur einen günstigen Einfluss auf die Herzfrequenz, die Gewebsconsumption und das Functioniren der Centralorgane des Nervensystems hat.
Da auch schon massige Fieber bei längerem Bestehen dem Herzen gefährlich werden, so sind auch sie zu bekämpfen. Es ist schon vortheilhal't, wenn wir mit der Therapie nichts erreichen, als dass das Ansteigen gehindert und das Fieber täglich 1 und 2 Stunden etwas herabgedrückt wird. Die Minderung der Fieber­hitze wirkt auf alle Organe und auch auf die in der Medulla oblongata liegenden Inncrvationscentra günstig ein. — Wegen der grossen Gefahren,-welche die Fieber­temperatur mit sich bringt, ist dieselbe auch schon bei den Initialfiebern, trotzdem man die üatur der im Anzüge bellndlichen Krankheit noch nicht erkennt,
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zu bekämpfen. Wenn nun auch das Ankämpfen gegen die Fiebertemperatur die erste und wesentlichste Aufgabe der Fiebertherapie ist, so kann es doch ausnahms­weise auch vorkommen, dass rücksichtslos einer anderen Indication genügt werden muss, selbst wenn die aus der Fieberhitze entspringenden Gefahren dadurch ge­steigert werden; sobald z. B. gefährliche Inauitionserscheinungen eintreten, muss Nahrung zugeführt werden, gleichgültig, ob dadurch die Temperatur gesteigert wird oder nicht.
Die Bekämpfung der Fieberhitze kann geschehen:
a)nbsp; nbsp; Durch Steigerung der Wärmeabgabe, Erhöhung des Ab-kühlungscoefficienten und zwar laquo;) durch directes Abkühlen, directe Wärmeentziehung (antithermische Methode), ß) durch Erhöhung der Circulation in der Haut und Erweiterung der Hautgefässe.
b)nbsp; nbsp;Durch Herabsetzen der Wärmeproduction. durch Minde­rung der Oxydationen und Verbrennungen im Thierkörper (antipyre-tische Methode im engeren Sinne). Gewöhnlich rechnet man auch die ad ß genannten Mittel noch zu den antipyretischen. In diesem Sinne besprechen wir nachstehend die antithermische und antipyretische Methode nacheinander. Es sei jedoch im Voraus bemerkt, dass man in der Praxis am besten beide Methoden mit einander verbindet. Durch wiederholte äussere Abkühlung bei gleichzeitiger innerer Anwendung der Antipyretica wird man die bestmöglichen Resultate erzielen.
1. Die antithermischc Kehanilliing. Die direden Wärmeentziehungen durch kalte Bäder, kalte Uebergiessungen, kalte Umschläge u. s. w. sind schon von den Alten vielfach in Anwendung gezogen worden.
Bei den künstlichen Abkühlungen werden natürlich zuerst nur die äusseren Theile und das dieselben durchströmende Blut be­troffen. Das kühlere Blut wirkt nach innen zurückkehrend abkühlend auf die inneren Organe. Sodann tritt aber zwischen den warmen inneren und den abgekühlten äusseren Theilen ein Wärmeausgleich und in dessen Folge eine Abkühlung der inneren Theile ein. — Natürlich währt diese Abkühlung auch nach Beendigung der wärmeentziehenden Procedur noch so lange an (Nachwirkung künstlicher Abküh­lungen), bis die äusseren Theile die gewöhnliche Temperatur wieder ange­nommen haben. Nach einiger Zeit zeigt das fiebernde Individuum wieder die frühere Temperatur. Ein fieberndes Thier regulirt nämlich auf seine Fiebertemperatur ähnlich wie ein gesundes auf seine Normaltemperatur (Liebermeister). Bei energischen und bedeutenden Wärmeentziehungen verliert der Organismus eine Zeitlang seine Regulations- und Compen-sationsfähigkeit. Bald tritt aber die Fieberregulation wieder in Kraft. — Immerhin erreicht man durch die Anwendung der abkühlenden Procedur, dass die Organe eine Zeitlang von der schädlichen
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Mittel und Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 575
Beeinflussung durch die hohe Temperatur befreit bleiben und sich auch etwas erholen und reconstituiren können. Beabsichtigt -man einen nachhaltigeren Erfolg, dann müssen die wärmeentziehenden Froceduren recht oft in Anwendung gelangen.
Der Erfolg wird dann sein, class die Organe, weil sie nur verhält-nissmässig kurze Zeit von der hohen Temperatur beeinflusst werden, resistenter gegen die sonstigen schädlichen Einwirkungen bleiben, dass sie weniger bedeutend geschwächt werden, weniger rasch in Lähmung verfallen. Namentlich soll die Herzlähmung vermieden werden.
Äosser der Herabsetzung der Innentemperatur bewirken die Wärmeentziehungen noch Contraction der peripheren Arterien und der Hautmuskeln, Abnahme der Puls-frequenz und kräftigeres Arbeiten des Herzens. Sie halten Thrombosen, Hypostasen, Oedeme, Collapszustände u. dergl. fern; sie wirken slimuiirend und umstimmend auf die nervösen Centralorgane (reflectorisch) und dadurch besonders günstig bei Leiden in der Schädelhöhle; sie schützen die grossen Parenchyma vor den paren-chymatösen Degenerationen und halten die Delirien (der kleinen Thiere), welche eine Folge der Reizung der Centralorgane durch die hohe Temperatur sind, fern.
Mittel. Die Mittel der antithermischen Methode sind das kalte Wasser, die kalte Luft, das Eis und die Kältemischungen. Bei den Thieren gelangen in Anwendung: kaltes Getränk, kalte Ueber-giessungen, kalte Umschläge und Umhüllungen, kalte Klystiere und Wasserinfusionen in das Rectum (of. raquo;Anwendung der Kältequot;). Die kalten Darminfusionen (Dammann) event, die Einführung von Kühl­sonden in das Rectum verdienen ganz besondere Beachtung.
Indicationen und Contraindicationen. Die antithermische Methode ist indicirt bei hohen Allgemeinfiebern (septischen und essentiellen Fiebern) und denjenigen symptomatischen Fiebern, bei denen die Temperatur eine gewisse Grenze übersteigt oder längere Zeit auf einem hohen Grade beharrt. Dagegen ist sie nicht indicirt, wenn der Indicatio causalis genügt werden kann und keine Indicatio vitalis in der Fieberhitze gegeben ist. Ebenso ist sie im Allgemeinen nicht anzuwenden bei den symptomatischen und katarrhalischen Fiebern, beim Drusenfieber und bei den Fiebern mit bestimmtem, nicht coupirbaren Verlaufe.
2. Die sogen, antipyretische Methode im engeren Sinne. Sie um-fasst diejenigen Behandlungsmethoden, welche ein Herabdrücken der Fiebertemperatur zu bewirken suchen, ohne durch Anwendung der Kälte eine directe Wärmeentziehung hervorzurufen. Die hierher gehörigen Mittel dürften sich aus drei Gruppen zusammenstellen:
a) Innerlich verabreichte Mittel, welche durch die Erhöhung des Abkühlungscoefficienten wirken, welche eine Erweiterung der
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576nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die fieberwidrige Methode.
Hautgefässe, ein rascheres Strömen des Blutes, erhöhte Hautausdünstung und Schweissausbruch bei ungehinderter Verdunstung bewirken. Hier­her gehören sehr viele Mittel, welche früher als Calefacientia bezeichnet wurden und auch wohl manche derjenigen Mittel, welche als Antipyre-tica aufgezählt werden.
ß) Mittel, welche die Wärmeproduction herabdrücken. Dieser Auf­gabe muss man vor allen Dingen durch eine entsprechende Diät gerecht werden, sodann durch Mittel, welche auf die Centralorgane derart wirken, dass die Oxydation und die Stoffwechsclvorgänge vermindert werden (Arsenik?), welche also das Wärme- und vasomotorische Centrum beeinflussen und endlich durch Mittel, welche Muskelerschlaffungen und dadurch geringere Wärmeentwickelung (cf. Muskelmittel) hervorrufen.
y) Mittel, welche die pyretischen Stoffe, seien es lebende Orga­nismen oder chemische Körper, unschädlich machen, sie katalytisch ver­nichten, aus dem Körper herausschaffen u. s. w.
Da eine scharfe Scheidung der einzelnen Mittel nach den drei Gruppen noch nicht durchführbar ist, sollen nachstehend alle hierher gehörigen Mittel gemeinsam als Antipyretica aufgeführt werden.
Die Antipyretica wirken bei gesunden Thieren vielfach wenig oder garnicht, sie werden oft erst bei Thieren, deren Temperaturgleichgewioht schon gelitten hat, wirksam. Sie wirken besser des Morgens früh, wo schon Neigung zum Fieberabfall besteht, als Nachmittags u. s. w.
Besonders zu beachten ist auch noch, dass manche dieser Mittel das Fieber zu beseitigen scheinen, ohne speciell die Temperatur zu beeinllussen. Diese wirken z. B. bei allen typischen Leiden, gleichgültig, ob sie mit oder ohne Fieber ver­laufen, günstig und man hat sie deshalb auch Antitypica, Antiperiodica genannt (Chinin, Piperin, Carbamid, Salicin). Die Wirkungsweise dieser Mittel ist uns unbekannt.
Die Fiebertherapie muss bestrebt sein, für alle Arten des Fiebers die causale, d. h. die radicale Curmethode zu finden. Sie muss bei den essentiellen Fiebern nach Mitteln suchen, welche die fiebererzeugenden Schädlichkeiten unschädlich machen, die Mikroorganismen vernichten u. s. w. Es kann sich aber nicht darum handeln, ein Fiebermittel zu finden, sondern es ist anzunehmen, dass die Fieber­fermente verschiedener Natur sind, und dass es demnach Specifica gegen die verschiedenen Fieberarten giebt.
Die antipyretisch angewandten Mittel sind:
1. Die Chinarinde und ihre Alkaloide. Da die Chinarinden selbst als Antipyretica kaum noch angewendet werden, so sind in erster Linie die Chininsaize als Antipyretica zu nennen. Die Chinin­salze (Chininum sulfuricum, bisulfuricum, muriaticum [10—15; 1 — 3; 0,5—1,50], bimuriaticum, hydrobromicum, salicylicum, carbamidatum etc.) wirken bei vielen fieberhaften Krankheiten (z. ß. bei septischen und allen intermittirenden Fiebern, bei der Pneumonie, beim Typhus etc.) ziemlich sicher fieberwidrig; sie setzen die Innentemperatur vielleicht
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;577
dadurch, dass sie eine Herabsetzung der Wärmeproduction und der Wärme frei machenden Vorgänge in den Säften und Geweben bewirken, herab und mindern die Puiserregung. Neben den innerlichen ist von --Eegis auch die intravenöse Application empfohlen worden. Bei be­deutender Herzschwäche ist das Chinin, da es ein Herzgift ist und die Gefahr leicht erhöhen könnte, contraindicirt.
Im Anschluss an die Chininsalze sind noch zu nennen: 1) Das Antipyrin, scheint vorzüglich fieberwidrig zu wirken und hat von den Chininderivalen die wenigsten schädlichen Eigenschaften. 2) Chinolin (Chinolinum tartaricum, salicylicum etc.). Dieses Mittel wirkt unsicher und hat unangenehme Nebenwirkungen auf die Ver­dauungsorgane und ist deslialb nicht zu empfehlen (Polansky). 3) Chinidin wirkt ganz ähnlich wie das Chinin und ist als Ersatzmittel für dasselbe zu ge­brauchen (Polansky). 4) Chinoidin (Friedberger) wirkt unsicher und nur in grossen Dosen. 5) Ginchonin wirkt schwächer, aber ähnlich wie Chinin. 6) Katrin hat gute antipyretische Wirkungen, reizt aber den Magen sehr und er­zeugt leicht Collapse. Ebenso wirkt 7) Kairinchloral. 8) Salicin hat schwächere fleberwidrige Wirkungen als das Chinin. 9) Chinolinmethylhydrür wird auch Kairolin genannt und wirkt wie Ivairin. 10) Beberin und Piperin kommen nicht in Betracht. 11) Thallin und seine Salze und Aethylthallin werden als vor­zügliche Antipyretica empfohlen.
2. Die aromatischen Säuren und aromatischen Verbin­dungen.
a)nbsp; nbsp; Die Salicylsäure und das salicylsaure Natron (50—80 [100]; 5—15; 0,3—3,0) haben eine entschieden temperaturherabsetzende Wirkung und sind in vielen Fällen dem Chinin vorzuziehen. Nament­lich wirken die Mittel bei rheumatischen Leiden, besonders dem acuten Gelenkrheumatismus, besser als Chinin.
Das Salicin hat ähnliche aber schwächere Wirkungen. Die Benzoesäure, resp. das benzoesäure is atri um hat sich bei einer Reihe von fieberhaften Krank­heiten als ein temperaturherabsetzendes Mittel vorzüglich bewährt. Die Kresotinsäure und ihr Natriumsalz wirken in dieser Richtimg ebenfalls sehr gut, sind aber noch wenig angewendet worden. Das Senföl wird nicht gebraucht, setzt aber die Temperatur herab.
b)nbsp; nbsp;Die aromatischen Verbindungen, als z. B. Thymol, Carbol und ähnliche Mittel setzen zwar die Temperatur herab, haben aber meistens derartige unangenehme Nebenwirkungen, z. B. auf das Herz, dass sie als Antipyretica wenig in Gebrauch gezogen werden.
Vorzügliche fleberwidrige (und antiseptische) Wirkungen hat das Resorcin, besonders bei intermittirenden Fiebern. Es übertrifft die Salicylsaure und das Chinin insofern, als es auch bei Exacorbationen sicher wirkt, hat. aber den 'Nachtheil, dass seine Wirkungen nur flüchtiger Natur sind, dass es das Nerven­system sehr beeinllusst und Schweissausbruch hervorruft (letzteres ist durch Atro-pinznsatz zu mildern). Auch das Brenzkatechin und das Hydrochinon (mit Aether subeutan 1 : 10) wirken ähnlich. Die Pikrinsäure ist bei Wechselliebern als Antipyreticum empfohlen worden (Bell u. A.). Sozewitsch sah auch eine
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Die fieberwidrige Methode.
Temperiiturerniedrigung von 0,3—1,00 C. eintreten (Natrium et Ammonium picri-nicum). Eucalyptol (Eucalyptus globnliis) soll sehr energisch fieberwidrig wirken.
3.nbsp; nbsp;Die Alkohole. Alkohol (Branntwein 50 —150 [300]; 30—60; 2 —10) kann zweifellos bei vielen fieberhaften Krankheiten mit Vortheil verwendet werden. Er ist ein gutes fieberwidriges Mittel (Grebe) und setzt die Innentemperatur auch bei unseren Hausthieren (Harms, Vol­mers) herab; er ist ein Reizmittel für das Nervensystem und das Herz und ein gutes Nahrungsmittel. Er verlangsamt die Respiration und den Stoffwechsel und reizt zum Theil auch die vasomotorischen Nerven. Seine Wirkung ist aber mehr flüchtiger Natur. Man kann diesen Nach­theil dadurch ausgleichen, dass man erst Alkohol und dann Chinin verabreicht. Alkohol hilft in manchen Fällen, in denen Chinin im Stiche lässt. Als Regel muss jedoch gelten, dass der Alkohol bei acut fieberhaften Krankheiten, weil bei diesen seine Bedeutung für den Stoff­wechsel nicht in Betracht kommt und weil er die Herzerregung und die cerebralen Symptome steigert, weniger geeignet, dass er dagegen bei protrahirten fieberhaften Krankheiten mit verminderter Nahrungs­zufuhr sehr am Platze ist. Man verordnet Wein, Bier, Branntwein.
Chloroform, Aether, Chloralhydrat, Amylnitrit und Jodoform wirken sammtlich temperaturherabsetzend. Diese Mittel setzen offenbar die Warme-production herab, worauf besonders die Thatsache hinweist, dass sie die postraonale Temperatursteigerung hindern. Sie sind practisch als Antipyretica wenig im Gebrauche. Chloral hat man zwar gegen Fieberdelirien mit Vortheil benutz) (Rüssel), fürchtet aber seine unangenehmen Nebenwirkungen, .lodoform ist als Antipyreticum auch in der Thierheilkunde versucht worden (Siedamgrotzky), hat sich aber nicht besonders bewährt.
4.nbsp; nbsp;Die Narcotica sind bei Fieberdelirien, aber nur mit Vorsicht und nur ausnahmsweise zu gebrauchen. Sie beruhigen zwar die Schmerzen und die Delirien, berauben uns aber eines wichtigen diagnostischen und prognostischen Mittels, des Schmerzes. Gegen Unruhe und Schlaflosigkeit empfiehlt Senator als das beste Mittel Bromkalium.
5.nbsp; nbsp; Die Remedia diaphoretica und gewisse Excitantia. Der Repräsentant dieser Gruppe ist der Campher. Er setzt die Tem­peratur herab und erregt das Gehirn und die Medulla oblongata. Er ist demgemäss bei fieberhaften Krankheiten dann indicirt, wenn Schwäche­zustände bestehen. Die temperaturherabsetzende Wirkung des Caraphers habe ich bei Pferden sicher constatirt. Ebensolche Wirkung sah ich das Terpentinöl bei Pferden entfalten. Möller fand ein Gleiches.bei Hunden. Die Diaphoretica sind besonders bei Fiebern mit kalter, trockener Haut indicirt.
6.nbsp; nbsp; Gewisse Medicamenta cardiaca. Digitalis (Fol. 1—5 [6]; 0,1 — 1,0; 0,05-0,3; Tinct. 5 — 10 f. Pf. pro dilaquo; 30,0; f. Hd. 5—15 gutt. tägl. 2—3mal) setzt bei acut fieberhaften Krankheiten die Temperatur herab, wenn auch weniger als die Salicylsäure und das Chinin. Da es noch unangenehme Nebenwirkungen besitzt, ist das Mittel als Antipyreticurn kaum noch im Gebrauche. Dagegen ist es
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;579
bei bestehender Herzschwäche zur Anregung der Circulation und Ver­langsamung des Pulses indicirt. Aehnlichen Indicationen genügen auch Veratrin und Aconit. Den subcutanen Gebrauch von Digitalin --kann ich nicht empfehlen. Auch Dammanirs Versuche sprechen nicht für dieses Mittel.
7.nbsp; nbsp; Die hautreizenden Mittel, besonders die Sinapismen. Diese wirken nach meinen eigenen und anderen Versuchen durch die Hautreizung und durch das resorbirte Senföl oft ganz vorzüglich fieber­widrig (cf. hautreizende Methode).
8.nbsp; nbsp;Quecksilbermittel. Diese Mittel haben keine hervorragende antipyretische Wirkung. Wo aber bei fieberhaften Krankheiten eine Desinfection des Darminhaltes und eine laxirende Wirkung indicirt er­scheint, hat das Calomel (4—8 [6]; 2—4; 0,5—1,0) einen sehr günstigen Einfluss und ist von diesem Gesichtspunkte betrachtet ein sehr gutes Antipyreticum.
9.nbsp; nbsp; Blutentziehungen. Diese Methode der Antipyrese wurde früher geübt, ist jedoch verwerflich (s. blutentziehende Methode). Durch einen ausgiebigen Aderlass kann zweifellos die febril gesteigerte Tem­peratur rasch herabgesetzt werden. Der Blutverlust bedingt aber durch die Schwächung des Organismus solche Gefahren für den weiteren Ver­lauf der Krankheit, dass hierin eine Contraindication gegen die Anwen­dung des Aderlasses gegeben ist.
10.nbsp; nbsp; Alkalisalze, namentlich die schwefelsauren und sal­petersauren Salze haben sich als fieberwidrige Mittel eines grossen Euf's erfreut. Die ersteren wirken wohl nur als Ausleerungsmittel. Auch die Nitrate leisten wenig. Erst in grossen Dosen setzen sie die Temperatur herab. — Auch Kalium und Natrium nitrosum sind empfohlen worden. Sie wirken dem Amvlnitrit ähnlich. Der Kalisalpeter (8—15 [25]; 2—8; 0,2—1,0) und der ßrechweinstein (1—4 [8,0]; 0,1—0,2; 0,005—0,05) veranlassen bei längerem Gebrauche eine Gefässerweite-rung in den Häuten und damit gesteigerte Wärmeabgabe.
11.nbsp; nbsp; Jod- und Brompräparate. Trasbot empfiehlt das Jodkalium bei der croupösen Pneumonie der Pferde; Krüger das Natrium jodicum bei fieberhaften Erkrankungen dieser Thiere. Senator lobt das Bromkalium gegen Unruhe und Schlaflosigkeit fieberhaft erkrankter Menschen.
12.nbsp; nbsp; Phosphorpriiparate. Oleum Phosphoris und Acidum phosphoricum sind angewendet worden; ersteres namentlich bei acut fieberhaften Krankheiten mit typhösem Charakter (Degive). Sie leisten nichts Hervorragendes.
13.nbsp; nbsp; Seeale cornutum wird von Larronge bei der Influenza der Pferde mit pneumonischen und pleuritischen Erscheinungen und bei der Staupe der Hunde gerühmt.
14.nbsp; nbsp; Die Säuren. In medicinellen Gaben scheinen sie die Temperatur kaum zu beeinflussen. Manche wirken schweisstreibend. Jedenfalls wirken sie aber vor­züglich durststillend und sind deshalb bei fieberhaften Krankheiten indicirt. Die Salzsäure ersetzt die fehlende Magensäure und hebt die Fieberdyspepsie auf. Sie kann mit Pepsin gegeben werden.
15.nbsp; nbsp; Wasser veranlasst, wenn es fiebernden Thieren in grösswen Mengen
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verabreicht wird, eine bedeutende Temperaturerniedrigung und ist auch insofern vortheilhaft, als sich der Appetit der Thiere länger erhält.
16. Das Firnissen eines Theiles des Körpers. Nach den an Kaninchen ge­machten Firnissversuchen musste man vermuthen, dass das Firnissen ein vorzüglich temperaturherabsetzendesRemedium sei. Die von mir an grosserenThieren (Pferden, Hunden und Schafen) angestellten Versuche ermuthigen jedoch nicht dazu, das Fir­nissen therapeutisch bei fiebernden Thieren zu benutzen.
b)nbsp; Bekämpfung der Herzschwäche. Die Herzschwäche ist ver-anlasst durch die Wirkung der Fiebertemperatur und event, der das Fieber veranlassenden Infectionsstoffe auf das Herz, durch die mangel­hafte Ernährung desselben, durch die hohe Reizbarkeit des Herznerven­systems und des Herzmuskels und event, durch das excessive Functio-niren des Herzens. Die aus ihr entspringenden Gefahren werden schon durch die angeführte antipyretische und antithermische Behandlung bekämpft, wodurch das Herz beruhigt wird. Ausserdem sorge man für eine sedative Diät, für Ruhe und Entfernung und Abhaltung aller neuen Schäden. Als Arzneimittel dürften speciell zu nennen sein: Digitalis, Kalium nitricum, Veratrinum, Tartarus stibiatus und alle Nauseosa, Acidum phosphoricum u. s. w.
In vielen Fällen, in welchen Gefahren vorliegen, welche der Herzschwäche ent­springen, ist die Therapie ohnmächtig. Es sind nämlich die das Fieber veran­lassenden Stoffe meist dem Herzen direct schädlich. Leider kennen wir aber noch keine Mittel, welche diese Infectionsstoffe vernichten. Bei Infectionsflebern kann man deshalb häufig nichts Weiteres thun, als wenigstens zu versuchen, die Wirkung der genannten Stoffe möglichst abzuschwächen. Dies geschieht durch Reizung des Herzens und Hebung der sinkenden Energie der nervösen Central-organ e (durch Kaffee, Ammoniak, Campher, Aether, Alkohol, Coca, Aetherea-oleosa, flüchtige Hautreize, Electricität, Ozon etc.) so lange, bis die Giftwirkung sich erschöpft hat und der Infectionsstoff unwirksam und ausgeschieden worden ist. — Den durch excessives Functioniren des Herzens drohenden Ge­fahren kann durch Anwendung der Kälte in der Herzgegend vorgebeugt werden. Ist aber die Herzschwäche schon eingetreten, dann sind derartige Eisumschläge u. dergl. zu vermeiden, weil sie den Verfall der Herzkraft beschleunigen würden. Anstatt ihrer wende man innerlich Chinin, die allgemeine Antipyrese und etwa Digi­talis und äusserlich Sinapismen an. Ist die Herzschwäche durch Inanition be­dingt, dann besteht die Heilung in guter Ernährung. Wird sie durch Säftever-Inste verursacht (Exsudationen, Blutungen etc.), dann hilft Stillung dieser.
c)nbsp; Bekämpfung der Nervenschwäche. Den Gefahren, welche durch die Fieberwirkung auf die Nervenceatra entstehen, beugt man vor durch Bekämpfung des Fieberprocesses, durch Anwendung von Stirnulantien bei Schwäche-, durch den Gebrauch der Sodativa (Chloral, Morphium, Bromkalium, kalte Umschläge) bei Erregungs-zuständen, durch Bekämpfung der Inanition und der Säfteverluste.
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 581
Man handele aber rasch, schon bei den geringsten Anzeichen, ehe die wirklichen Gefahren eingetreten sind.
d)nbsp; Bekämpfung der Localerkrankungen. Die Gefahren, welche durch primäre Erkrankungen anderer Organe und secundäre Rückwir­kungen auf Herz und Gehirn drohen, bekämpft man durch rationelle Behandlung der Localaffectionen. Man muss dabei aber unausgesetzt den Stand der Leistung des Herzens und der Centra beobachten und jeder Schwächung entgegentreten.
e)nbsp; nbsp;Bekämpfung der Fieberconsumption. Die übermässige Con­sumption wird z. Th. durch die antitherraische und antipyretische Be­handlung herabgesetzt. Ihren Gefahren beugt man aber vor allen Dingen durch eine rationelle Fiebcnliiit vor. Diese muss derartig be­schaffen sein, dass sie die gefahrvolle Consumption des Körpermate-riales verhindert, ohne die Fiebertemperatur zu steigern und ohne die Verdauungsorgane zu belästigen.
Man muss bei Feststellung der Fieberdiät drei Momente im Auge haben: 1) die gesteigerte Consumption, den gesteigerten Eiweiss-zerfall, für welchen Ersatz durch die Nahrungszufuhr geschaffen werden soll; 2) die Fieberhitze, welche durch die Nahrungszufuhr dadurch, dass sie das Brennmaterial im Körper vermehrt, vielleicht gesteigert werden kann; 3) das Verdauungsvermögen der Fiebernden, welches in der Regel herabgesetzt ist und-deshalb Anlass zu Contraindicationen gegen die Nahrungszufuhr gt; abgiebt. Bei genauer Abwägung der aus diesen drei Momenten sich ergebenden Indicationen kommt man zur Feststellung einer rationellen Fieberdiät.
I. Physiologische Vorbemerkuugeu. a) Die beim Fieber bestehende gesteigerte Consumption hat sehr leicht zur Folge, dass die zelligen Elemente des Körpers selbst angegriffen und der Zerstörung zugeführt werden. Dies ist soweit als möglich zu vermeiden, weil jede Schwä­chung der Zellen unter allen Umständen für das Leben des Organismus schädlich ist. Nur die Nahrungszufuhr aber schützt die Zellen vor einer Beeinträchtigung durch Verbrauch ihrer Bestandtheile und den Körper vor dem Verzehren des eigenen Fleisches und Blutes. Sie muss deshalb selbst dann stattfinden, wenn sie eine Steigerung der Temperatur zur Folge hat. In diesem Falle sind mit der Nahrungs­zufuhr antithermische Proceduren zu verbinden.
b) Die Wirkung der Nahrungszufuhr auf die Fiebertem­peratur. Von Alters her galt als Grundsatz, dass jede Nahrungszu-fuhr beim Fieber dadurch, dass sie das Brennmaterial im Körper vermehre, die Wärmeproduction und damit die Fiebertemperatur steigere
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und dass deshalb bei Fiebernden die Abstinenzdiät geboten sei. Dieser Satz, dem auch heute noch viele Aerzte huldigen, entbehrt aber der nöthigen thatsächlichen Unterlagen. Bewiesen ist nur, dass unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme eine Fiebersteigerung (Digestionsfieber), welche aber bald vorübergeht, eintritt, und dass nur bei schlechter Auswahl und Zubereitung der Nahrungsmittel länger andauernde Tem­peratursteigerungen beobachtet werden. Dagegen liegen keine sicheren Beobachtungen darüber vor, dass durch die Nahrungszufuhr bei richtiger Auswahl und Zubereitung der Nahrungsmittel die Fiebertemperatur auf längere Zeit gesteigert wird. — In dem Bestehen der Fieberteraperatur ist demnach eine Contraindication gegen die Nahrungszufuhr überhaupt nicht gegeben. Wohl aber verlangt sie eine sorgfältige Auswahl der Nahrungsmittel nach ihren Wärme producirenden Eigenschaften.
c) Das Verhalten der Verdauungsorgane resp. der Functionen derselben ist beim Fieber insoweit sehr beachtenswerth, als nur das verabreicht werden darf, was für die Fiebernden verdaulich und resor-birbar ist, die Verdauungsorgane nicht belästigt, das Verdauungsver­mögen nicht übersteigt.
Beim Fieber ist das Verdauungsvermögen im Grossen und Ganzen in grösserem oder geringerem Grade, je nach der Höhe des Fiebers, der Natur des Krankheitsprocesses und der individuellen Verhältnisse herabgesetzt; die Verdauungssäfte werden in ungenügender Menge oder in abnormer, unwirksamer Qualität secernirt und die Peristaltik ist geschwächt. Immerhin nutzen die Fiebernden die Nahrung ziemlich aus, weil die Dünndarm Verdauung weniger gestört ist als die Magen­verdauung. Selbst Diarrhöen schaden nichts, weil diese im Dickdarm ihre Ursachen finden.
Immerhin würde die beim Fieber verlangte ideale Menge der Nah­rungsmittel das Verdauungsvermögen der Fiebernden übersteigen.
üeber die Verdaimngsstörungen bei Fiebernden wurde Folgendes festgestellt: Der Speichel und der Magensaft verlieren bei stark fiebernden Thieren ihr ver­dauendes Vermögen und werden in geringer Menge secernirt. Ebenso wird bei starkem Fieber nur wenig oder keine Salzsäure producirt (bei stark fiebernden Pferden fand ich keine HC1 im Magen und wenig Pepsin in der Magenschleimhaut).
Die Verhältnisse der Magenverdauung sind jedenfalls beim Fieber sehr wechselnd; im Grossen und Ganzen kann aber als Kegel gelten, dass dieselbe nur noch mangelhaft statt hat und bei hohem Fieber ganz sistirt. Dazu kommt noch, dass dabei die Magensehleimhaut sehr irritabel ist. Die Darmverdauung ist nicht so hochgradig gestört, wie die Magen Verdauung; die Menge der verdatenden Säfte (Galle, Pankreassaft) ist verringert und bei schwersten Fiebern sistirt sogar deren Secretion. Im Dünndarm ist die Resorptionsfähigkeit verringert; die Peristaltik
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Fieberdiät.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;583
findet träge statt. Im Dickdarm ist dies nicht der Fall; hier besteht oft sogar leb­hafte Peristaltik.
Die verdauende Thätigkeit des Magens kann bei guter Diinndarmverdauung -ohne Naohtheil ganz ausfallen. — Trotzdem würde aber die Verabreichung- grosser Mengen von Nahrungsmitteln schädlich sein, weil sie längere Zeit im Magen liegen bleiben und in Folge des Fehlens der HC1 in Gährungs- und Zersetzungsprocesse verfallen, deren Producto schädlich wirken.
2. Wahl der Nährstoffe lraquo;ci iler Fiebenliät. Auf Grund der Kenntniss der vorstehend besprochenen Verhällnisse und auf (irund der That-sache, dass beim Fieber der Eiweisszerfall vorherrscht, während der Kohlehydrat- und Fettverbrauch nur unbedeutend erhöht ist, sodass der fiebernde Organismus ärmer an Eiweiss und reicher an Fett wird und die Zeilen der Fiebernden oft sehr fettreich sind, ist die Wahl unter den Nährstoffen für die Fieberdiät zu treffen und die Frage zu entscheiden, ob Eiweisskörper, Kohlehydrate oder Fette oder welche Mischung dieser zu geben ist.
1. Zufuhr von Eiweisskörpern ist wegen der gesteigerten Eiweisszersetzung bei Fiebernden, um den Verbrauch von Organeiweiss und damit die Schwächung der Zellen zu verhindern, entschieden indicirt. Da aber andererseits die Proteine durch ihre Menge und Consistenz wegen des verringerten Verdauungsvermögens und der gesteigerten Irritabilität der Magenschleimhaut schädlich wirken, muss man die­selben in leicht assimilirbarer, reizloser Form und in nicht zu grossen Mengen verabreichen. Auch kann als Ersatzmittel für dieselben wohl zum Leim gegriffen werden.
Von Alters her hat man die Albuminatverabreichung an Fieberkranke ver­boten, weil man annahm: a) dass die Eiweisskörper die Fiebertemperatur steigerten und b) dass durch eine vermehrte Eiweisszufuhr nicht nur keine Ersparniss, sondern sogar eine Steigerung des Gewebszerfalles, welche an der Vermehrung der Harn-stoffausfuhr kenntlich sei, bewirkt werde. Es sei demgemäss indicirt, beim Fieber wohl Leim und Kohlehydrate und gewisse Mineralien, namentlich Kali, nicht aber Eiweiss zu geben
Ad a) Der erstgenannte Einwurf ist oben widerlegt worden.
Ad b) Es ist richtig, dass jede Eiweisszufuhr auch eine Vermehrung der Ei­weisszersetzung bei gesunden und kranken Individuen hervorruft. Es ist aber nicht ilchtig, dass die Erhöhung der Zersetzung jedesmal so bedeutend oder gar bedeu­tender Ist, als die Erhöhung der Einfuhr beträgt, üeber den Grad der erhöhten Zersetzung bei Eiweisszufuhr entscheiden bestimmte Verhältnisse. Den wesent­lichsten Kinlluss auf den Stoffwechsel hat ausser der Nahrungszufuhr immer der Ernährungs-, Erregungs- und Bediirfnisszustand der Zellen, der wieder abhängig ist von der Einwirkung von Ruhe und Arbeit, von sensiblen Reizen, von Abküh­lungen, der Körpertemperntnr, von der Gewöhnung an reichlichere oder spärlichere Eiweisszufuhr u. dergl. Wird gesunden Zellen mehr Eiweiss zugeführt als gewöhn-
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584nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die fieberwidrige Methode.
lieh, dann nehmen sie einen Theil desselben in sich auf und sammeln dasselbe an. Ein Theil kann jedoch nicht rasch genug assimilirt werden und wird zersetzt. Da­durch steigert sich die Ausfuhr. Dies ist ganz besonders der Fall, wenn die Zelle mit genug Eiweiss versehen und die Zufuhr bedeutend ist.
Beim Fieber ist der Verbrauch gesteigert, gleichgültig ob Zufuhr besteht oder nicht. Das Zellbediirfniss nach circulirendem zu ersetzenden Kiweiss liegt vor. Bei Mehrzufuhr von Nahrungseiweiss wird die Menge des ciroulirenden Eiweisses erhöht. Damit steigert sich auch die Eiweisszersetzung und zwar beim Fieber deshalb etwas mehr als heim gesunden Organismus, weil die kranken Zellen bei hohem Fieber offenbar ausser Stande sind, Eiweiss anzusetzen und die Menge des Organeiveiss zu erhöhen, während dies bei gesunden Zellen bei dauernd erhöhter Vermehrung der Eiweisszufuhr eintritt. Da aber dargethan ist, dass die Ausfuhr von N (die übrigens beim Fieber stets, gleichgültig ob die Nahrung reich oder arm an N ist, die Einfuhr übersteigt) nicht in gleichem Maasse mit der Steigerung der N-Zufohr steigt, so geht hieraus ein Gewinn für den Organismus hervor. Es beweist dies, dass eine Ersparniss an Organeiweiss bei der Steigerung der N-Zufuhr statt­hat und dass der stoffliche Bestand des fiebernden Organismus we­nigstens an circulirendem Eiweiss vermehrt wird. Es ist aber ausserdem auch gar nicht unwahrscheinlich, dass während der Intermissionen und der Re­missionen der Fieber der Ansatz, die Vermehrung resp. der theilweise Ersatz des verbrauchten Organeiweisses stattfinden kann. In diesen Zeiten erholen sich die Zellen und sind dann im Stande, den nächsten Fieberanfall leichter zu überstehen. — Die Eiweisszufuhr beim Fieber dürfte, wie aus Vorstehendem ersichtlich ist, geeignet sein, den Eintritt der parenehymatösen Entartungen und der Zellthätigkeit hinauszuschieben.
2.nbsp; nbsp;Die Kohlehydrate vermögen allein die Eiweisszufuhr nicht zu ersetzen und den Hungertod hinauszuschieben. Wohl aber vermögen sie in Verbindung mit Eiweisskörpern als Schützer des Organismus zu fungiren. Sie bedingen keine Temperatursteigerung, während dies be­züglich der Eiweisskörper vielleicht in geringem Grade statthat. Dem­nach ist ein Zusatz von Kohlehydraten zur Nahrung Fiebernder vor-th eilhaft.
3.nbsp; Leim wird leicht resorbirt und kann Eiweiss theilweise ersetzen.
4.nbsp; nbsp;Fette werden nicht gut vertragen, weil sie schwer verdaulich und resorbirbar sind und die Fiebertemperatur steigern. Sie sind auch durchaus überflüssig, denn im fiebernden Körper herrscht kein Mangel, sondern Ueberfluss an Fett.
Es geht aus den vorstehenden Betrachtungen hervor, dass man die Fieberkranken mit einem Nahrungsgemisch von Eiweissstoffen (und event. Leim) und Kohlehydraten nähren soll. Reine Eiweissnahrung ist ebensowenig zu empfehlen als reine Kohlehydratnahrung. Bei ersterer ist Temperatursteigerung, bei letzterer Inanition zu befürchten.
3. Practische Schlussfolgerungen. Man nähre den Fiebernden so gut als es sein Verdauungsvermögen gestattet. Letzteres prüfe man
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Fieberdiät.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;585
an der Beschaffenheit des Kothes, des Speichels (ob diastatisches Ver­mögen vorhanden?), des etwaigen Erbrochenen u. s. w. Man beachte den instinctiven Appetit der Thiere als Fingerzeig für die Diät (cf. vorn). Wenn die Verdauung ganz darniederliegt, erkennt man das Wiedereintreten derselben an dem Wiedererscheinen der Chloride im Harn. Bei chronischen Fiebern ist öfter und bei acuten manchmal die Verdauung gar nicht gestört. Dann kann man füttern wie normal.
Man lege das grösste Gewicht auf die Form der Nahrungsmittel. Sie seien möglichst zerkleinert, gequollen, gekocht,, gebrüht, mit Wasser gemengt, fäulnissfrei etc. Am besten ist es, wenn man dieselben im gelösten Zustande, resp. in resorbirbaren Formen geben kann, weil die Resorption beim Fieber meist nur wenig gestört ist.
Man gebe die Nahrung in kleinen Portionen und kürzeren Zwischen­räumen. Es ist eine bekannte Thatsache, dass kleine Mengen von Nahrungsmitteln leichter und rascher verdaut werden als grössere Quantitäten. Ein geschwächter Magen vermag letztere gar nicht zu bewältigen. Ausserdem irritiren dieselben den abnorm reizbaren Magen und veranlassen Erbrechen u. dergl. Oder sie verfallen Gährungen und bleiben lange liegen.
Der Reizbarkeit der Magenschleimhaut wegen empfiehlt es sich, etwas Schleim und schleimige Sachen (Kleienschlapp, Gerstenschleim, Leim u. dergl.) zu geben. Wasser werde in grossen Mengen, dem Durste der Thiere entsprechend verabreicht.
Die Nahrungsmittel anlangend, welche man Fiebernden geben soll, so empfiehlt sich bei Pflanzenfressern die Verabreichung von Mehl- und Kleientränken, von Grünfutter, Wurzelwerk, Obst, organischen Säuren; bei Fleischfressern: Eier, Milch, Suppen, Leim, Fleischsaft, Peptone, Zucker, Buttermilch, saure Milch, Molken.
Dagegen aber vermeide man das schwer verdauliche und leicht oxydirbare Fett in der Nahrung. Die Beigabe von Kochsalz empfiehlt sich. Zur Anregung des Appetits und der Verdauung können auch kleine Quantitäten Alkohol gegeben werden.
4. Sonstige diätetische Vorschriften. Neben passender Nahrung ist zu sorgen für einen kalten luftigen Aufenthalt, gute Hautreinigung, trockene Streu, absolute Ruhe. Zufuhr reiner frischer Luft ist sehr wesentlich. Bei septischen, essentiellen gefahrdrohenden Fiebern ver­meide man jegliche Körperbedeckung. — Bei anderen Fiebern richte sich die Bedeckung nach der umgebenden Temperatur. Ist diese ver-hältnissmässig hoch, dann bedecke man die Thiere nicht und wickele höchstens die Extremitäten ein, um eine gleichmässige Circulation zu
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586nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Methoden, welche das Blut und dessen Circulation beeinflussen.
erzielen. Ist die umgebende Temperatur niedrig, dann ist warmes Be­decken des ganzen Körpers und der Beine, namentlich bei Erkältungs­krankheiten und inneren Entzündungen indicirt. weil die Kälte leicht Anämie und Kälte der bei fiebernden Thieren sehr empfindlichen Haut und stärkere Belastung des Herzens und der inneren Gefässgebiete etc. bewirkt.
Bezüglich der einzelnen Fieberarten können noch folgende Grundsätze gelten: Bei Fiebern von wenigen Tagen verordne man ganz knappe Diät, selbst Abstinenz; bei längeren Fiebern in den ersten Tagen knappe Diät, dann leicht assimilirbare und nicht voluminöse Nährstoffe in kleinen Quantitäten und kleinen Pausen; bei chronischen Fiebern ist reichliche und intensive Ernährung am Platze. Es ist dabei dafür zu sorgen, dass die Thiere eine Nahrung erhalten, in der die Nährstoffe sich in demVerhältnisse belinden, wie es im gegebenen Falle am geeignetsten ist, um einen Ansatz zu ermöglichen und Verluste zu vermeiden; in jedem Falle ist eine eiweissreiche Nahrung am Platze (bei Pflanzenfressern: geschrotener Hafer, süsses Heu, Brot, bei Schweinen und Schafen Eicheln, Kasta­nien, bei Hunden rohes Fleisch etc.).
C. Methoden, welche das Blut und dessen Circulation beeinflussen.
t. Blutentziehungen.
A. Allgemeine Blutentziehungen. Der Aderlass.
Beim Aderlass wird das Blut aus einem grösseren Gefässe zu all­gemeinen therapeutischen Zwecken, zur Verminderung der gesammten Blutmasse, zur Erfüllung sogen, entfernter Indicationen, z. B. zur Min­derung des Blutgehaltes eines inneren Organcs, welches einem örtlichen Aderlass nicht zugänglich ist, u. s. w. entnommen. Diese Blutentlee­rung hat immer eine merkbare Minderung der Gesammtblutmenge zur Folge. Sie wird stets an einer Vene vorgenommen (Vonaesectio, Phlebotomie).
Geschichtliches. Der Aderlass ist offenbar schon in den ältesten Zeiten therapeutisch verwendet worden. Der geschichtlich nachweisbare erste Aderlass wurde von Podalirius, einem Sühne des Aesculap vorgenommen. Die Ascle-piaden führen den Aderlass als Heilmittel an. Die Dogmatiker (H ippokrates) stellten bereits bestimmte Indicationen für den Gebrauch desselben auf. Die pytha-goräische Schule bekämpfte diese therapeutische Methode, weil sie den Sitz der Seele im Blute suchte, während die Empiriker und Methodiker den Aderlass empfahlen. — Galen und nach ihm die ganze arabische Schule näherten sich in
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Geschichte des Aderlasses.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 587
ihren Anschauungen dem Hippokrates. Auch mönchische Aerzte machten zum Theil vom Aderlass Gebrauch. Im Mittelalter ist der Aderlass vielfach bekämpft und vielfach warm empfohlen worden.
in der letzten Hälfte des vorigen und in den ersten Decennien dieses Jahr­hunderts gelangten die Anhänger der die Blutentziehungen empfehlenden Schule zum Siege. Der Aderlass wurde zum wichtigsten Heilmittel der lledicin, zum Re-mediiim universale und sogar bei Gesunden prophylaktisch (z. B. in Form der Friihjahrsaderlässe) vorgenommen. Es wurde mit dieser Methode allmälig ein grosser Missbrauch getrieben. Namentlich war es Broussais' antiphlogistisches Heilsystem, welches zum vollständigen Vampyrismus führte. Durch die zu ausge­dehnte Anwendung der Aderlässe ist in unglaublicher Weise geschadet worden.
In der Neuzeit ist der natürliche Rückschlag gegen die missbräuchliche An­wendung des Aderlasses eingetreten. Leider ist man aber wieder aus einem Extrem in das andere verfallen und hat vielfach den Aderlass ganz und gar verdammt. Selbstverständlich geschah dies von allen Anhängern des therapeutischen Nihilis­mus. Wenn nun auch die nihilistische Schule überwunden ist und der Geschichte angehört, so giebt es doch immerhin noch viele Aerzte, die den Aderlass für durch­aus entbehrlich halten. Nach meiner Ansicht ist es ebenso falsch, den Aderlass zu verwerfen, wie es früher falsch war, ihn bei fast allen inneren Krankheiten als Remedium universale anzuwenden.
In der Thierheilkunde ist man. Dank der Energie und der klaren überzeugen­den Darlegungen unseres grossen A. Ch. Gerlach niemals in das Extrem des voll­ständigen Verdammens des Aderlasses verfallen. Ger lach führte aus, dass die Blutentziehungen nicht die tief eingreifenden feindlichen Wirkungen und nicht die nachtheiligen Folgen für den Organismus haben, wie sie in grellen Farben geschil­dert wurden, und dass der Aderlass in der That für die Therapie nicht ganz zu entbehren ist. — Die Indicationen für die Vornahme des Aderlasses sind allerdings gegen früher bedeutend einzuschränken. Ehe ich nachstehend die nach meiner Ansicht heute noch gültigen Indicationen bespreche, ist es nothwendig, erst die Folgen und Wirkungen der Blutentziehungen auf den thierischen Organismus zu betrachten, weil man nur dadurch ein Verständniss für die Indicationen ge­winnen kann.
Die Folgen der Blutentziehungen. Bei gesunden Individuen bemerkt man als allgemeine Folgen nach einem massigen Aderlasse nur eine leichte Abspannung, Müdigkeit und Neigung zur Kühe. Diese Erscheinungen hallen nicht lange an, sondern gehen bald vorüber, so dass das betreffende Individuen schon nach kurzer Zeit wieder ganz normal erscheint. Die eingehenderen Untersuchungen ergeben aber folgende beachtenswerthe Einzelwirkungen der Aderlässe. 1. Wirkung auf den Blut­druck. Während der Blutentziehungen sinkt natürlich der Blutdruck bedeutend. Er steigt aber bald wieder an und kehrt nach kurzer Zeit, bei kleineren Aderlässen nach 3—5, bei grossen nach 24—48 Stunden zur Norm zurück. Wie vorn ausgeführt (S. 102—105) besitzt das Gelasssystem die Fähigkeit, sich der Flüssigkeitsmenge anzupassen, in hohem Grade. Mit der Abnahme der Flüssigkeitsmenge erfolgt schon vermöge der Elasticität der Gefässwände eine Gefässverengerung und -Verkürzung; aber auch die Vasomotoren bedingen eine Verengerung der kleineren Arterien bei Blutentziehungen. Demgemäss wird das anfängliche Sinken des Blutdrucks rasch
EUenberger. Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;qq
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588nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Blutentziehungen.
wieder ausgeglichen und ein dauerndes Sinken erst beobachtet, wenn ein Viertel der Gesammtblutmenge und mehr entleert wird. Auch in dem Falle, wenn das Gefässsystem vor dem Aderlass sehr hedeuteud überfüllt war, sodass eine Art Parese der Gefässmuskulatur (eine Ueberdehnung) bestand, bleibt der Blutdruck einige Zeit erniedrigt, weil in diesem Falle die Verengerung nach der Blutentlee-ruug häufig nicht genügend eintritt. Der Ausgleich des Blutdrucks erfolgt zum Theil, d. h. ausser der Anpassung durch die Gelasswünde auch durch die sich in Folge gesteigerter Resorption rasch wieder vermehrende Blutmenge.
2.nbsp; nbsp;Wirkung auf Stromgeschwindigkeit und Blutvertheilung. Die Pulsfrequenz nimmt während und kurz nach massigen Aderlässen etwas zu und sinkt bei sehr erheblichen Aderlässen. Die Stromgeschwindigkeit wird während jeder Blutentleerung, namentlich in den zur AusflussölTuung direct hinleitenden Venen erheblich gesteigert. Dadurch wird in diesen Gefässen und Gefässgebieten die Blutmenge verringert und die Circulation befreit und werden etwa daselbst vorhandene Blutstauungen gehoben. Diese Thatsache erklärt sich leicht aus fol­genden Ueberlegungen. An der Aderlassstelle tritt eine Verminderung resp. Auf­hebung des Blutdruckes ein. In Folge dessen entleert sich das Blut aus allen um­liegenden und aus den weiter nach dem Herzen hin liegenden Venen. Demgomäss erfolgt in dem ganzen benachbarten Gefässgebiete und weiterhin, unter Umständen im ganzen Kreislaufe eine Beschleunigung der Circulation. Diese Verhältnisse können heilsame Einflüsse haben.
Wenn mechanische Hyperämien in benachbarten oder entfernten Organen bestehen, so werden sie durch das Hin- und Ausströmen des Blutes an der Aus-flussstelle eine Verminderung, die je nach der Grosse des Aderlasses verschieden sein wird, erfahren. Durch diese Wirkung kann auch ein Einfluss auf die Ge-fässnerven und dadurch ein dauernder Heileffekt erzielt werden. Jedenfalls be­steht die. Primärwirkung des Aderlasses in einem Nachlass etwaiger Blut­überfüllungen in Lunge, Herz und Gehirn. Der Einlluss auf die Lunge bedingt Abnahme dyspnoischer Erscheinungen und macht die Athmung frei. Besteht bei Gehirnhyperämien Verminderung der Zahl der (Uhemzüge, so tritt durch den Aderlass wieder eine Vermehrung derselben ein.
Diesen zweifellos heilsamen Primärwirkungen stehen aber ungünstige seeundäre Folgen gegenüber. Das in Folge des Aderlasses weniger Blut enthaltende Gefässsystem füllt sich nämlich rasch wieder durch Resorption aus den Geweben; dadurch tritt zwar eine Befreiung der Gewebe von stauendem Materiale etc., aber auch eine Verdünnung des Blutes ein. Letzterer Umstand hat eine Nei­gung zu Transsudationen und Exsudationen zur Folge. Diese nachtheilige Folge des Aderlasses ist wohl zu beachten. Zu ihr kommt noch eine weitere, nämlich:
3.nbsp; nbsp; die Wirkung des Aderlasses auf die Gewebs- und Organ-funetionen. Die erregenden und ernährenden Einflüsse, welche das Blut auf die Gewebe und Organe ausübt, werden durch den Aderlass natürlich abgeschwächt. Der Hämoglobin- und damit der Sauerstoffgohalt des Blutes wird durch den Ader­lass gemindert; dies muss bei wiederholten und grossen Aderlässen ein Sinken der Lebensprocesse zur Folge haben. Allerdings sucht das Herz durch Mehrarbeit und Beschleunigung des Kreislaufs und somit rascheren Blutwechsel in den Geweben Ausgleich zu schaffen. Dieser Umstand hat aber natürlich wieder einen Kraftver-
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Die Folgen dor Blutentzieliungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;589
lust zur Folg-e. Bei starken und wiederholten Aderlässen hat man fettige Degene-tionen und Transsudations-Processe in verschiedenen Organen beobachtet. Es geht Körpergewebe zu Grunde, um den Blutverlust zu ersetzen. Alle diese Verhältnisse -bedingen ein Sinken der Lebensenergie, eine Abnahme der Resistenz gegen nach­theilige Einflüsse. In allen Geweben und Organen sinkt der Gewebsdruck etwas, nimmt die Flüssigkeitsmenge ab, wird die Säftecirculation freier. —Die Secre-tionsthätigkeit aller Drüsen, namentlich der Verdauungsdrüsen, sinkt nach Ader­lässen und damit die Leistungsfähigkeit der Verdauungsorgane. Die Muskel­kraft wird herabgesetzt, ebenso die Thätigkeit der nervösen Centralorgane. Sehr grosse Blutentziehungen haben auf die letzteren bekanntlich einen enormen Einfluss.
Eine besondere Wirkung üben die Aderlässe auf die blutbildenden Organe aus. Diese gerathen in Folge von Aderlässen in einen Zustand vorübergehender Arbeitshyperplasie; gelbes Knochenmark wird unter Umständen wieder zu rothem etc. Die Thätigkeit dieser Organe und Gewebe steigert sich je nach der Grosse der Aderlässe mehr oder weniger erheblich, während andererseits der Verbrauch an rothen Elementen vermindert wird.
4. Einwirkung auf die Blutqualität und -Quantität. Die Quan­tität des Blutes wird beim Aderlässe selbstverständlich zunächst vermindert. In Folge der Aenderung der mechanischen Verhältnisse des Kreislaufs tritt aber eine vermehrte Aufnahme von Flüssigkeiten (des Gowebssaftes und der im Verdauungs­canale vorhandenen Flüssigkeiten [Lymphe, Cliylus]) ein und dadurch wird unter Umständen die ursprüngliche Blutmenge rasch wieder hergestellt. Auf die Blut-qualität wirkt dieser Vorgang natürlich derart ein, dass eine Verdünnung des Blutes eintritt, d. h. nach Blutentleerungen ist die Menge der rothen Blut­körperchen im Verhältniss zur Menge der Blutflüssigkeit je nach der Grosse des Aderlasses mehr oder weniger geringer als vor dem Aderlasse. Werden aber kleine Aderlässe in Zwischenzeiten von ein oder mehreren Tagen gemacht, dann steigert sich der Gehalt an Fibringeneratoren und vielleicht auch an Blutkörperchen in Folge der erregenden Wirkung, welche die Aderlässe auf die cytogenen Orgaue ausüben.
Während bei reichlichen Aderlässen die Gerinnbarkeit des Blutes abnimmt und das Blut wässeriger wird, nimmt nach kleinen Blutentzieliungen die Gerinn­barkeit und die Plasticität des Blutes zu. Der Sauerstoffgehalt des Blutes hai natürlich mit der sinkenden Hämoglobinmenge abgenommen. Ueber die Wirkungen auf die Form, Grosse etc. der zelligen Elemente besteht noch keine Klarheit. Soviel scheint durch B untzen constatirt zu sein, dass nach dem Aderlass eine bedeutende Vermehrung ganz kleiner Blutkörperchen eintritt. Vielleiclit wird auch die Zahl der mit einem Kern verseheneu rothen Elemente beträchtlich vermehrt. Es treten auch rothe Körnerkugeln und dergl. Elemente auf. Im Allgemeinen lässt sich demnach sagen, dass in Folge eines Aderlasses sich die Menge derjenigen ge­formten Elemente im Blute vermehrt, die als Vorstufen und Entwicklungsformen der rothen Elemente anzusehen sind. Die Rückkehr der Blutbeschaffenheit und der Blutmenge zur Norm erfolgt derart, dass zuerst das Volum des Blutes wieder hergestellt wird. Dies erfolgt bei massigen Aderlässen schon in einigen, bei grossen Aderlässen in ca. 24—48 Stunden. Da sich die Blutkörperchen und das Fibrin langsamer ersetzen, besteht kurz nach dem Aderlasse Hydrämie; das
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590nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Blutentziehungen.
Fibrin ersetzt sich aber auch ziemlich rasch und jedenfalls rascher als die Blut­körperchen; in Folge dessen geht die Hydrämie zunächst in eine Oligocythämie über: auf dieses Stadium folgt eine Leucocythiimie, weil sich die farblosen Elemente rascher ersetzen als die rothen, und dann das Stadium der vollständigen Restitution, in welchem das Blut wieder in normaler Beschaffenheit und normaler Menge zu­gegen ist. Der Beginn der Regeneration der morphologischen Elemente des Blutes kann 48 Stunden nach dem Aderlasse beobachtet werden. Je nach der Grosse der Aderlässe ist die Regeneration in 7 bis 34 Tagen beendet und die Norm wieder hergestellt. Die durch grosse Aderlässe verursachte Schwächung des Körpers und seiner Organe ist demnach bei gesunden Thieren erst nach 4—G Wochen wieder vollständig ausgeglichen.
5.nbsp; nbsp;Wirkung auf den Stoffwechsel. Nach Aderlässen ist die Umsetzung der Eiweisskörper und damit die HarnstofTausfuhr vermehrt (Jürgensen und Bauer), während die Fettzersetzung und damit die O-Aufnahme und CO.j-Abgabe vermindert ist. Daherkommt es, dass hlutarme und chlorotische Indivi­duen leicht Fett ansetzen und dass öfter wiederholte Aderlässe ebenso wie der interourrente Hunger den Fettansatz erhöhen. — Die vermehrte Harnstoffausscheidung hat natürlich eine Vermehrung der Harnmenge, d.h. der Wasserausscheidung und zwar um so mehr zur Folge, als eine hydrämische Blutbeschaffenheit diesen Vorgang unterstützt. Die vermehrte Harnstoffausfuhr weist insofern auf eine Schwächung der Organe durch den Aderlass hin, als sie bei der selbstverständlich bestehenden Verminderung des circulirenden Eiweisses doch nur eine Folge der erhöhten Zersetzung des Organeiweisses sein kann.
6.nbsp; nbsp;Wirkung auf die Innentemperatur. Der gewöhnliche Aderlass hat bei gesunden Thieren keinen constanten Einlluss auf die Innentemperatur; bei fiebernden Individuen wirkt er antifebril. Die temperaturlierabsetzende Wirkung tritt rasch ein, hält aber nicht lange an.
7.nbsp; Zum Schluss muss noch auf diejenigen Folgen aufmerksam gemacht werden, welche durch das bei der Operation des Aderlasses nothwendige Unterdrücken der Vene und die dadurch bedingte Blutanstauung eintreten können. Da wir bei unseren grösseren Hausthieren in der Regel die Vena jugularis zum Aderlassen benutzen und demgemäss vor der Vornahme der Blutentleerung dieses grosse Gefäss und unter Umständen sogar (namentlich bei Rindern, durch Umlegen eines Strickes um den Hals) beide Venen zugleich zusammendrücken, so tritt in Folge dessen vor jedem Aderlasse eine Blutanstauung nach dem Gehirn und eine Minderung der Blntraenge des Herzens ein. Dieser Umstand kann bei Blutüber-füllung des kleinen Kreislaufs und des Herzens günstig wirken. Bei Hyperämien des Gehirns und der Gehirnhäute, bei vollblütigen Thieren, bei Neigung zu Apo­plexien kann aber die Anstauung des Blutes nach dem Kopfe auch gefährlich werden. Beim Vorhandensein dieser Krankheiten ist deshalb Vorsicht geboten uiid das Unter­drücken beider Jugulares zu vermeiden.
Indicationen. Wie Eingangs .schon bemerkt, sind die Indicationen für den Aderlass, seitdem man die Folgen desselben genauer studirt hat, beträchtlich eingeschränkt worden. Früher verwendete man den Aderlass gegen infectiöse, entzündliche und fieberhafte Krankheiten und gegen die sogen, plethorischen Zustände. Wenn
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 591
wir nun aber die besprochenen Folgen der Aderlässe mit der Natur der genannten Krankheiten vergleichen und namentlich berücksichtigen, dass der Organismus den Verlauf dieser Krankheiten um so besser übersteht, je kräftiger er ist, so kommen wir zu dem Resultat, dass der Aderlass einen therapeutischen Werth bei denselben in der Regel nicht haben kann, sondern dass er sogar meistens nachtheilig auf ihren Verlauf einwirken wird.
Der Aderlass schwächt den Körper und alle seine Or­gane, erhöht die Neigung zu Transsudationen und Exsu­dationen, setzt die Innentemperatur nicht bedeutend und nicht an­haltend herab und entzieht dem Körper Kraftmaterial. Bei fieberhaften, infectiösen und entzündlichen Krankheiten besteht aber ohnedies schon erhöhte Consumption, Neigung zu Transsudationen, allgemeine Schwäche u. dergl. Demnach kann der Aderlass diese Krankheiten nur ungünstig beeinflussen.
Bei Aufstellung der Indicationen zum Aderlass rauss man stets im Auge haben, dass das Blut ein so notwendiger und wichtiger Be-standtheil des Körpers ist, dass dasselbe nur angegriffen und in seiner Menge vermindert werden darf, wenn es das Wohl des Ganzen dringend erheischt. Bei allen Indicationen müssen stets die Contraindicationen berücksichtigt und demgemäss namentlich genau beachtet werden: die Körperconstitution, das Alter und der Kräftezustand der Thiere, die Beschaffenheit des Pulses und Herzschlages, die Beschaffenheit des Blutes und der Genius epidemicus. Bei alten und schwächlichen Thieren, beim Vorhandensein eines schwachen, weichen Pulses u. dergl. ist der Aderlass contraindicirt und darf nur bei Vitalindicationen vor­genommen werden.
Bei folgenden Krankheiten resp. Abnormitäten ist unter gewissen Umständen heute noch die Phlebotomie indicirt:
1. Bei Gehirncongestionen und auch bei den damit einher­gehenden Gehirnblutungen und apoplectischen Zuständen. Bei diesen mit drohender Lähmung des Vagus- und Respirationscentrum einher­gehenden Anomalien wirkt der Aderlass nicht selten lebensrettend. Er bringt die Congestion plötzlich zum Verschwinden, mindert den Blutdruck im Gehirn, beseitigt die daselbst bestehenden Stauungen u. dergl. Da der Aderlass an der Jugularis gemacht wird, so wirkt er bei diesen Leiden förmlich wie eine örtliche Blutentleerung. — Man beachte jedoch, dass der Aderlass nur ein massiger sein und nur bei kräftigen Individuen und nur ganz zu Beginn des Leidens vorgenommen werden darf. Sonst giebt er Dispositionen zum Hydro-
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592nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Blutentziehungen.
cephalus ab. Auch ist zu bemerken, dass die Diagnose mit Vorsicht zu stellen ist, weil die Gehinianämie mit ganz ähnlichen Erscheinungen einhergeht, wie die Gehirncongestion. Auch bei der Meningitis kann zu Beginn des Leidens bei kräftigen Individuen, heftigem Verlauf und hohem Fieber ein kleiner Aderlass dadurch, dass er Stauungen hebt und für gutes arterielles Blut freie Bahn schafft, von Nutzen sein; später führt er meist zur Vermehrung des Hydrocephalus.
2.nbsp; nbsp; Bei Lungenerkrankungen. Bei der Lungenhyperämic mit beginnendem Oedem ist bei kräftigen Individuen mit kräftiger Herzaction der Aderlass entschieden indicirt. Er mindert den Blut­druck, hebt Stauungen auf, verringert die Ausschwitzungen und befördert die Resorption. Der heilsame Erfolg der Venaesection ist bei keinem anderen Leiden so in die Augen springend, als bei diesem. Die dem Ersticken nahen Thiere zeigen plötzlich, sowie das Blut fliesst, ruhigere Athmung und ruhigere Herzaction; die Angst im Auge verschwindet u. s. w. In gleicher Weise kann die Phlebotoraie angewandt werden bei den mit Hyperämie einhergehenden Lungenblutungen kräftiger Thiere, bei den Stauungshyperämien Herzkranker, bei dem Lungen-infaret mit hochgradiger Stauung im kleinen Kreislauf und drohendem Lungenödem und sogar ausnahmsweise bei der croupösen Pneumonic, wenn die Schmerzen und die Dyspnoe sehr hochgradig sind und be­deutende Blutstauungen bestehen. — Die Wirkungen des Aderlasses auf die Circulation der Lungen und des Gehirns können selbst beim Milzbrand therapeutisch Verwerthung finden. Wenn bei dieser Krank­heit Congestionen nach den Lungen und dem Gehirn bestehen, wirkt ein Aderlass oft recht günstig. Durch ihn beseitigt man die momentane Lebensgefahr, gewinnt Zeit und befreit die Circulation.
3.nbsp; nbsp;Bei Herzleiden und bei der Endocarditis, wenn sich Gerinnsel in Herz und Lunge bilden, wenn acute heftige Kreislaufstörungen mit cyanotischen Erscheinungen und beginnendem Lungenödem auftreten.
4.nbsp; nbsp; Bei der ürämie ist der Aderlass von d'Espine empfohlen.
5.nbsp; nbsp; Bei Blutvergiftungen durch CG und andere Gase. Hierbei kann durch Entfernung des vergifteten Blutes heilsam gewirkt werden, wenn der Aderlass mit der Transfusion verbunden wird.
6.nbsp; nbsp; Bei der Enteritis wurde der Aderlass vielfach angewendet. Diese Indication dürfte aber nicht mehr haltbar sein.
7.nbsp; nbsp; Bei Hautausschlägen, Hautjucken, Hitzblattern, bei der Nesselsucht u. dergl. in. sollen Venaesectionen günstig wirken.
8.nbsp; nbsp; Bei der Anämie, Chlorose, Hydrämie. Bei diesen Leiden
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 593
haben1 kleine Aderlässe, öfters wiederholt, oft einen recht günstigen Einfluss.
9.nbsp; nbsp;Bei dem Verschlag, der Rehe wird noch von vielen Thier-ärzten der Aderlass gemacht. Bei diesem Leiden kann derselbe in der Tiiat günstig wirken, wenn er frühzeitig, im congestioneiien Stadium vorgenommen wird. Später schadet er. Nach meinen Erfahrungen kann man bei anderweiter energischer und methodischer Behandlung dieses Leidens ohne den Aderlass auskommen.
10.nbsp; nbsp;Zur Gewinnung des zu Transfusionen zu verwendenden Blutes.
11.nbsp; nbsp;Zur Beförderung der Mast empfiehlt man ganz kleine, mehrmals wiederholte Aderlässe.
12.nbsp; nbsp;Zu ßlutuntersuchungen.
13.nbsp; nbsp; Zur Beförderung der Conception. Bei vollblütigen kräftigen Stuten und Kühen, die nicht trächtig werden, sehr erethisch sind und nach dem Coitus den Samen wieder auspressen, soll ein vor dem Coitus vorgenommener Aderlass insofern günstig wirken, als die Thiere dann nicht selten befruchtet werden.
14.nbsp; nbsp;Als Präservativmittel. Ob der Aderlass bei gut genährten vollblütigen kräftigen Thieren, wenn er einige Zeit vor der Geburt vor­genommen wird, in der That ein Präservativmittel gegen gewisse Krank­heiten der Mutter (Kalbefieber, Euterentzündung) und des Kalbes ist, wie dies behauptet wird, dürfte mit Grund bezweifelt werden.
Wie aus Vorstehendem ersichtlich ist, nützt der Aderlass besonders bei passiven Blutstauungen und unter Umständen auch bei activen Congestionen und zwar speciell bei frischen Lungen- und Gehirn­hyperämien.
Die Technik der Blutentleerungen wird in der Operationslehre besprochen. Die Grosse des Aderlasses richtet sich nach der Natur der Krankheit, den indivi­duellen Verhältnissen des Thieres und den wahrend des Aderlasses auftretenden Erscheinungen. Sobald die beabsichtigte Wirkung erreicht ist, unterbricht man die Blutentleerung. Natürlich richtet sich die Menge des zu entleerenden Blutes ganz bedeutend nach der Constitution und dem Nährzustande der betreffenden Thiere. Im Allgemeinen darf man nicht mehr als ' 3 der Gesammtblutmenge entleeren. Bei grossen Pferden und Rindern kann man 6—7, bei kleinen 2—3 Kilo, bei Schafen und Schweinen 250 Gramm bis 1 Kilo, bei Hunden 150 Gramm bis 1 Kilo Blut entnehmen. Was den Ort des Aderlasses anlangt, so macht man denselben am besten an der Vena jugularis. Nur bei den Schweinen muss man anders ver­fahren. Bei diesen Thieren schneidet man Stücke vom Schwanz und den Ohren ab, öffnet die grosse Ohrvene oder die Vena saphena magna.
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594nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die örtlichen Blutcntziehnnffen.
B. Die örtlichen Blutentziehungen.
Sie werden am leidenden Theile resp. in dessen nächster Umge­bung vorgenommen, um auf dessen Säftecirculation und andere in ihm ablaufende Vorgänge unmittelbar einzuwirken. Sie erzielen in dem­selben: Beschleunigung der Circulation, Sistiren der Leucocyten-Emi-gration und Ablösung der an den Gcfässwänden klebenden farblosen Elemente, Wiederaufnahme solcher in den Blutstrom, Verstärkung des Blutstromes, Beseitigung von Blutstauungen, Hebung der örtlichen Ge-websernährung (Nicolas).
Die Blutentziehungen geschehen durch Blutegel, Schröpf köpfe, Skarificationen des kranken Theiles und durch Oeffnung der direct aus dem leidenden Theile kommenden, das Blut abführenden kleinen Venen, ganz ausnahmsweise und zu ganz besonderen Zwecken durch Oeffnung der zuführenden Arterien. In der Thierheilkunde werden die Blutegel und Schröpfköpfe nicht verwendet. Die örtlichen Blutentlee­rungen werden therapeutisch vorgenommen, um eine Entleerung aus den überfüllten Capillaren und den benachbarten Gefässgebietcn und eine Entfernung des stauenden venösen schlechten Blutes und der Gewebssäftc aus dem kranken Theile zu erreichen. Dadurch wird die Circulation frei, die Spannung und Schwellung gemässigt, der Schmerz gemindert und vor Allem nicht selten der Eintritt des örtlichen Todes (des Brandes) verhindert. Durch die Entfernung der stauenden Säfte wird der Zufluss frischen, arteriellen . an Sauerstoff reichen Blutes er­möglicht. Aus der schädlichen venösen wird eine arterielle heilsame, die Ernährung der Gewebe und Gefässwände bessernde Hyperämie. Die Indicationen zu den örtlichen Blutentziehungen ergeben sich aus dem Gesagten. Man wendet sie an: bei Zungenentzündungen, Entzündungen der Huflederhaut, Hyperämien der Conjunctiva, Oedemen der Unterhaut u. s. w. und verbindet sie zuweilen mit dem allgemeinen Aderlass.
Der Aderlass, welcher an einem grösseren Gefasse, welches in directer Ver­bindung mit einem kranken Organe, in welchem Stauungen bestehen, vorgenommen wird, ist in seinem ElTect den örtlichen Blutentziehungen gleichzustellen, z. B. der Aderlass an den Venae digitales bei Stauungen im Hufe, der Aderlass an der Milchader bei Euterentzündimg und bis zu einem gewissen Grade auch der Ader­lass an der Jugularis bei Gehirncongestionen.
Anhang. Unter Umständen hat die Therapie die Aufgabe, natürliche Blutungen , die eine physiatrischeBedeutung haben (z. B. Blutungen aus der Nase, dem Mastdarm, dem Uterus), zu fördern. — Dies geschieht je nachdem, mit auf­lockernden oder reizenden Mitteln, mit Anwendung der Wärme, durch Reibungen,
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Die blutstillende Methode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 595
Bewegungen und Niesmittel, Verabreichung von sogenannten Treibmitteln (Pel-lentia, aromatische, balsamische oder drastische Mittel).
2. Die Blutstillung (Meth. antihaemorrhagica s. haemostatica).
Stillung bestehender Blutungen ist die einzige Aufgabe dieser Methode. Sie ist indicirt, wenn die Blutungen keine physiatrische Bedeutung haben (of. S. 111). Sie bezweckt Unterstützung des Natur­heil bestrebens (S. 112 und 113) und soll die Bildung und das Haften des stopfenden Thrombus befördern. Dies geschieht durch Wirkung a) auf die blutenden Gefässe und ihre Umgebung (Lumenverengerung der Gefässe, Contraction des umgebenden Gewebes u. s. w.), b) auf den Blutdruck (Verringerung desselben durch Wirkung auf das Herz, die Blutgefässc oder die Blutmenge), c) auf das Blut (Erhöhung der Gerinnungsfähigkeit desselben).
Mittel, a) Remedia mechanica. Diese Mittel wirken durch Druck, Zusammenpressung und Schliessung des blutenden Gefässes. Sie bestehen in Anlegung von Compressionsverbänden. im Gebrauch der Acuprossur. der Ligatur, der Tamponade, im forcirten Flectiren der Gelenke der blutenden Gliedmassen (b. ML), im Exstirpiren von blutenden Geschwülsten und anderen Operationen (Amputation bei durch Fracturcn bedingten Blutungen u. s. w.).
b)nbsp; nbsp;Ferrum candens und Galvanokaustik (s. vorn).
c)nbsp; nbsp;ßemedia adstringentia et styptica. Diese Mittel werden direct auf die blutenden Stellen angewendet (z. ß. inhalatorisch bei Blutungen aus dem Respirationsapparat) und wirken adstringirend auf die blutenden Gefässe und das sie umgebende Gewebe und gerinnend auf das austretende Blut- Indem letzteres einen äusseren Thrombus bildet, erzeugt es einen heilsamen Gegendruck auf das nachströmende Blut und auf das blutende Gefäss. Als specielle Mittel sind zu nennen: die Kälte, die Hitze, die chemischen Adstringentien (Tannin, Plumb, aect., Ferr. sesquichlor., Coliodium stypticum u. s. w.). Ausserdem gehören hierher auch die functionell, d. b. reflcctorisch adstringirend wirkenden Mittel. Sie erzeugen eine Verengerung der blutenden Ge­fässe, unterstützen andere blutstillende Methoden und können auch Blutungen aus Flächen, die der directen Application nicht zugänglich sind, ganz allein stillen (Anwendung von Kochsalz auf die Mundschleim­haut bei Lungenblutungen, Kälte und Hitze, Injection von 39 bis 40deg; C. warmen Wasser in den Uterus bei Hämorrhagien daselbst etc.). Die adstringirenden Mittel aller drei genannten Categorien sind nur indicirt bei Blutungen aus kleineren Gefässen bei sogenannten paren-chymatösen und solcben Blutungen, bei denen die Ligatur und Cau­terisation nicht verwendbar ist, z. 15. bei Blutungen aus Höhlen und Organen, in denen die blutenden Gefässe nicht erreichbar sind. —
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596nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Blutstillende Methode.
Sobald man die blutenden Gefässe fassen kann, muss die Ligatur an­gewendet werden. Der Gebrauch der adstringirenden Methode bei Blutungen ist demnach nur als ein Nothbehelf anzusehen.
d)nbsp; nbsp;Gebrauch innerlich wirkender Mittel, welche 1) die Blut-gefässe verengern, 2) die Herzkraft herabsetzen und 3) die Gerinnungs­fähigkeit des Blutes erhöhen. Hierher gehören: Seeale cornutum, Ergotin, Acid, sclerotinicum, Aconit, Veratr. vir.. Tart. stib., Ferr. sesquichlor., Tannin, Ratanhia, Bleiacctat, Eisenalaun, Kreosot, Phos-phorsäurc, Terpentin, Alaun, Säuren, Kochsalz u. s. w.
e)nbsp; Blutentziehungen. Wenn der starke Blutdruck im blutenden Gefässe die Thrombenbildung bindert, dann nützt eine plötzliche Herab­setzung dos Blutdrucks durch einen Adcrlass.
f)nbsp; nbsp;Beruhigende Mittel, z. B. passende Lagerung und Stellung der blutenden Körpertheile mit Inruhesetzen derselben; Medicamenta sedativa bei Blutungen mit Hustenreiz. Mastdarmzwang, Niesen, Drängen u. s. w.
g)nbsp; nbsp;Hautreize. Diese können auf reflectorischem Wege günstig wirken, sowohl durch ihre sedirende, als gefässcontrahirendc Wirkung.
Gegen die Folgen gefährlicher Blutungen verwendet man Riech­mittel, Ruhe, Warmhalten, Verabreichen von Excitantien und Tonicis, die Transfusion u. s. w.
Contraindicationen. Bei den heilsiimen Blutungen ist die blutstillende Curmethode contraindicirt. — Die Contraindicationen gegen einzelne Mittel ergeben sich im Specialfalle aus den zufälligen Umständen und den allgemeinen therapeu­tischen Grundsätzen.
3. Die Transfusion.
Unter „Transfusionquot; versteht man die Uebertragung des lebenden Blutes eines Thieres in das Gefässsystem eines anderen Lebewesens.
Diese Methode steht zum Aderlass im directen Gegensatz; sie hat eine Ver­mehrung, der Aderlass dagegen eine Verminderung der Blutmenge und Biutbestand-theile des kranken Thieres im Gefolge.
Geschichtliches. Die Methode der Blutiiberfuhrung von einem gesunden in ein krankes Individuum ist 1501 von Ilieronymus Cardanus zuerst ausgeführt worden. Nach ihm machten sich Patter, Boyle, Lower experimentell um die Transfusionsmethode verdient. Am Menschen wurde die erste Transfusion 1667 von Jean Denis ausgeführt. In der neueren Zeit, namentlich vor ca. 15Jahren, wurde diese therapeutische Methode auf das Lebhafteste empfohlen und viel angewendet. Gegenwärtig macht man keinen so ausgiebigen Gebrauch mehr von derselben, weil man sich überzeugt hat, dass sie nicht ganz ungefährlich ist und auch nicht ganz das leistet, was man erwartet hatte.
Ausführung der Transfusion. Die Transfusion kann in verschiedener Art ausgeführt werden. Die eigentliche Technik der Ausführung wird in der Opera­tionslehre besprochen. Hier sei nur Folgendes bemerkt: die Blutüherführung von dem gesunden in das kranke Thier kann direct oder indirect geschehen. Im ersteren
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Ausführung der Transfusion.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 597
Falle wird das Gefäss des Gebers mit dem des Empfängers durch einen Kantschuk-schlauch oder eine Röhre verbunden, sodass das Blut direct aus dem einen Gefäss-system in das andere überfliessen kann. Bei der indirecten Transfusion wird einem quot;Thiere ein Quantum Blut durch einen Aderlass entzogen und einem anderen Thiere in eine Vene oder Arterie eingespritzt. Bei dieser Methode wird das Blut am Besten vor dem Einspritzen defibrinirt. Man bringt es in ein erwärmtes, absolut trockenes oder mit 0,6procent. CIXa-Lösung ausgewaschenes Gefäss und defibrinirt es da­selbst. Darauf wird es filtrirt und dann mittelst eines Biiretteninfusors oder einer Spritze in eine geöffnete Vene des Patienten eingeführt. Hierbei ist besonders die Gefahr des Lufteintritts zu vermeiden und dafür zu sorgen, dass bei horizontaler Lage des Patienten das Blut langsam und gleichmässig einströmt. — Die Infusion geschieht entweder in eine Vene oder nach Hüter in eine Arterie. Im letzteren Falle entweder peripher oder in gewissen Fällen central. Die letztere Methode ist bei starken Anämien unbedingt vorzuziehen (Landois).
Bei den bei der indirecten Transfusion nothwendigen Manipulationen muss das Blut immer auf der Bluttemperatur erhalten und vor Verunreinigungen und namentlich vor der Berührung mit Wasser bewahrt werden.
Ob man die Methode der directen oder der indirecten Transfusion wählt ist gleichgültig. Es handelt sich nur darum, dass bei der betr. Methode das über­tragene Blut seine Lebenseigenschaften behält und im Blute des Empfängers weiter functionirt. Am sichersten erreicht man diesen Zweck natürlich bei der directen Transfusion; aber auch bei der indirecten bleiben die rothen Elemente lebensfähig. Es besteht bei dieser allerdings die Gefahr der Bildung des Stromafibrin und vor allem die Gefahr der Ueberführung eines an Fibrinferment reichen Blutes. In der Regel hat aber die indirecte Transfusion keine Blutgerinnungen beim Empfänger zur Folge.
Besonders erwähnenswerth ist noch die Transfusionsmethode von Affa­nassi ew. Dieser Forscher setzt dem einem Thiere durch Aderlass entnommenen Blute die betr. Menge von Pepton zu, um das Gerinnen desselben zu verhindern und das Defibriniren überflüssig zu machen.
Als Regel kann man noch hinstellen, dass das zum Trausfundiren zu verwen­dende Blut von Thieren derselben Art sein muss. Immerhin hat man beim Menschen auch viele Lammbluttransfusionen und angeblich mit Erfolg ausgeführt.
Als fernere Regel ist festzuhalten, dass man bei schwer Erkrankten arterielles Blut infundiren muss. Infimdirt man venöses Blut und das Thier hat noch keine ausgiebige Athmung, dann findet in den Lungen keine genügende Decarbonisation statt, das venöse Blut gelangt mit dem grossen Kreislauf zu den nervösen Central-orgnnen u. s. w. und bewirkt dann unter Umständen durch die Wirkung der C02 auf die Nervencentra etc. gefährliche Zufälle.
Die Wirkungen der Transfusion. Die Folgen der Transfusionen sind verschieden, je nachdem das Blut von Thieren derselben oder einer differenten Thierart genommen wird.
a) Bei Transfusionen mit gleichartigem Blute constatirt man als Folgen: Vermehrung der Blutmenge, der Zahl der Blutkörper­chen, des Sauerstoff- und Fibringehaltes des Blutes des Empfängers, Steigerung des Blutdrucks und Erhöhung der Innentemperatur.
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598nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Transfusion.
DieVermehrung der Blutmenge ist eine natürliche Folge jeder Transfusion. Sie ist therapeutiscli bezweckt und hat bei acuten Anämien meistdirect heilsame Folgen. Dass diese Quantitätsvermehrung bis zu einer Ueberfüllung des Gefässsystems gehen sollte, ist bei therapeutischen Infusionen nicht zu befürchten. Sollte es aber wirk­lich einmal durch eine Transfusion dahin kommen, dass mehr Blut als die normale Menge in dem Gefässsystem des Empfängers vorhanden wäre, so wäre auch dies ohne besondere Gefahr. Einerseits accomodirt sich das Gefässsystem dem Mehr an Flüssigkeit sehr leicht; andererseits bleibt aber auch jede Vermehrung der Blut­menge nur kurze Zeit bestehen. Bei einer Vermehrung bis zu 30 pCt. der normalen Blutmenge erfolgt der Ausgleich schon in 24 Stunden (Worm Müller). Das Gefässsystem eines gesunden Thieres kann bis zu 83pCt. mehr Flüssigkeit als nor­mal aufnehmen, ohne dass längere Zeit plethorische Erscheinungen entstehen.
Die Vermehrung der Zahl der rothen Blutkörperchen stellt das wichtigste Ergebniss der Transfusion dar. Die übertragenen rothen Elemente ent­falten ihre Lebenseigensohaften im Körper des Empfängers, beleben dessen Blut wieder, führen demselben Sauerstoff zu, regen den Stoffwechsel an u. s. w. Sie erhalten sich einige Zeit im Blute des Empfängers und gehen allmälig in demselben zu Grunde (Worm Müller). Bemerkenswerth erscheint, dass im Blute Anämischer fremde rothe Blutkörperchen leichter fortleben, als im Blute Gesunder.
Die Vermehrung des O-Gehaltes des Blutes ist eine einfache Folge der Vermehrung der rothen Elemente resp. des Hämoglobingehaltes.
Die Vermehrung des Fibringehaltes des Blutes tritt natürlich nur bei directer Transfusion ein. Da aber das Fibrin ohne belebende Eigenschaften ist, so hat dasselbe auch keine Bedeutung für den Empfänger und es ist eine Thatsache, dass defibrinirtes Blut genau ebenso gut wirkt, wie Sbrmalblut. Das eingespritzte Plasma wird sehr rasch aus dem Gefässsystem wieder ausgeschieden und liefert das hauptsächlichste Material für vermehrte Harn- und Harnstoffausfuhr.
Die Erhöhung des Blutdrucks tritt bei jeder Transfusion hervor und zwar ist sie bei anämischen Thieren dauernd, insoweit sie nicht den Normal­druck übersteigt; tritt letzteres ein, dann erfolgt bald wieder ein Abfall desselben auf die Norm.
Die Innentemperatur wird nach Transfusionen erhöht (Fieberreaction). Diese Erscheinung tritt l/4 bis ll% Stunde nach der Operation ein und ist meist ungefährlich.
Der Stoffwechsel resp. die Harnstoffausscheidung wird bei hungernden Thieren nach Transfusionen gesteigert. Das Plasma des eingeführten Blutes liefert das Material für die vermehrte Harnstoffausscheidung.
b) Die Transfusion mit dem Blute von Thieren anderer Art. Im Allgemeinen darf als Grundsatz gelten, dass die Blutflüssigkeit einer Thierart die Blutkörperchen anderer Thierarten auflöst. Somit geht bei den Transfusionen mit ungleichartigem Blute nicht allein der Nutzen der Transfusion, der ja gerade in dem Zuführen leistungsfähiger rother Blutkörperchen besteht, verloren, sondern es wirkt die Transfusion sogar noch direct schädlich, indem sie auch zur Zerstörung von Blutkörperchen des Empfängers führt. Bei der Auflösung der Blutkörperchen bilden sich zunächst Haufen aneinander geklebter Körperchen, die Anlass zu Em-bolien geben. Ausserdem treten aber auch leicht wirkliche Gerinnungen ein. Diese werden bewirkt durch das Stromafibrin und die Wirkungen des freien Hämoglobin. (Auflösung der Blutkörperchen, Bildung von Embolien und Blutungen, Störungen
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 599
der Gewebsernahrung, Verklebung von Blutkörperchen und Gerinnungen sind also die Folgen der Transfusion mit dem Blute anderer Thierarten.) Die Symptome und weiteren Folgen dieser Methode sind für unseren Zweck ohne Interesse.
Wir wollen aber nicht unterlassen zu bemerken, dass Gsellius, Ilasse, Sander u. A. die Lammbluttransfusion beim Menschen empfehlen und keine Nacli-theile davon beobachtet haben wollen. Diese Angaben stehen im Widerspruche mit den Beobachtungen vieler anderer Autoren. Aus physiologischen Oriinden muss ich mich der Anschauung der letzteren anschliessen und halte die Transfusion mit ungleichartigem Blute für durchaus verwerflich, weil sie nicht allein nutzlos, sondern vielmehr schädlich und direct lebensgefährlich ist.
Indicationen. Die Transfusion wird vorgenommen, um verloren gegangenes Blut zu ersetzen, oder um eine schlechte Blutmischung durch Einführung gesunden Blutes zu bessern. Sie ist demgemäss indi-cirt, wenn das Blut eines Thieres in Bezug auf Quantität oder Qualität derartig verändert ist, dass es nicht mehr in genügender Weise zu funetioniren vermag. Bei folgenden Krankheiten ist die Transfusion verwendet worden:
1, Bei acuten Anämien, wie sie nach starken Blutverlusten auftreten. In diesem Falle bezweckt man, das verloren gegangene Blut zu ersetzen und den Eintritt des Verblutungstodes zu hindern. Bei diesen Leiden bieten die neu eingeführten rohen Blutkörperchen un­mittelbaren Ersatz und gewähren dem Empfänger die Möglichkeit der besseren Ausnutzung und Verwerthung der Nahrungsstoffe und damit des wahrhaften und vollständigen und dauernden Ersatzes des ver­lorenen Blutes. Durch die Transfusion werden bei diesen Leiden aber nicht allein die genannten directen, sondern auch die indirecten Ge­fahren, welche in den bei anämischen Zuständen eintretenden fettigen Degenerationen bestehen, vermieden und die Reconvalesoenz bedeutend abgekürzt.
Bei starker Anämie ist die Infusion des Blutes in die Vene unter Umständen gefährlich. Es entsteht dabei eine Anhäufung des Blutes in den grossen Venen-stämmen und dem Herzen; dadurch wird der Druckunterschied zwischen den Arte­rien und Venen vermindert und der Blutstrom verlangsamt. Bei dem ohnedies schon bestehenden Blutmangel kann hierdurch leicht der Eintritt des Todes bedingt wer­den. Die Medulla oblongata litt schon vorher an Blutmangel; bekommt sie nun in Folge der verlangsamten Circulation noch woniger O-haltiges Blut, dann tritt leicht Lähmung derselben und damit der Tod ein. — Um diese Nachtheile der venösen Transfusion zu vermeiden, muss man entweder ganz langsam infundiren und das Herz durch subeutane Anwendung von Campher, innerliche Verabreichung von Wein u. dergl. anregen oder nach Landois zur sogen, arteriellen centralen Trans­fusion greifen. Diese besteht darin, dass man das zu infundirende Blut von einer Arterie, z. B. der Radialis, gegen die Aorta treibt. Das sauerstolfreiche Blut wirkt
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600nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Transfusion.
dann anregend auf die in der Medulla oblongata gelegenen Respirations-, Circula­tions- etc. Centren und kann so lebensrettend wirken.
Bei gewissen anämischen Zuständen kommt die sogen. Autotransfusion in Betracht. Bei dieser Methode geht man von der Vorstellung- aus, dass nicht allgemeiner, sondern localer Blutmangel die betreffenden Krankheitserscheinuugen hervorruft, dass z. B. das Blut sich in den Extremitäten oder in den Gefässen der Brust- und Bauchhöhle angehäuft hat und dass deshalb die Arterien anderer Theile, z. B. des Gehirns blutleer sind. Die Autotransfusion besteht nun darin, dass man durch Kneten, Eimvickolungen mit elastischen Binden, Compression des Brust­kastens 11. dergl. Manipulationen das Blut in die Arterien zu schaffen und eine nor­male Blutvertheilung herzustellen sucht.
2.nbsp; nbsp; Bei Vergiftungen. Wenn das Blut durch Beimengung giftiger Substanzen functionsunfähig geworden ist, z. B. bei Vergiftungen mit Kohlenoxydgas. Aether, Chloroform, Strychnin, Schlangengift u. s. \v., ist die Transfusion in Combination mit dem Aderlass indicirt. Man entfernt einen grossen Theil des vorgifteten Blutes durch einen Ader­lass und fuhrt neues lebensfähiges Blut durch die Transfusion zu. Beides ist aber vollständig zwecklos, wenn es sich um multiplications-fähige Gifte handelt (um das Fäulniss-, Milzbrandgift etc.).
3.nbsp; nbsp; Bei fehlerhaften Blutmischungen, weiche ihre Ursache in krankhaften Vorgängen im Körper finden (autochthone Intoxicationen). Hier ist die Transfusion nur dann am Platze, wenn die Ursache der Dyskrasie zu heben ist. Hierhergehörige Krankheiten sind: Cholämie, ürämie, Hydrämie, Oligocythämie u. s. w.
Ausserdem ist die Transfusion noch empfohlen worden bei Ver­brennungen (Lesser), bei Inanitionszuständen, bei der Pyämie und Septicämie, bei der Chlorose, Leukämie und der mit Blutungen einher­gehenden Schwindsucht.
Contraindicationen. Bei Schwäche des Nervensystems und des Herzens und bei inneren und überhaupt solchen Blutungen, bei denen das blutende Gefä,ss nicht unterbunden werden kann, ist die Transfusion contraindicirt. Bei den ge­nannten Blutungen ist sie deshalb schädlich, weil sie die Thrombenbildung hindert, indem sie den Blutdruck erhöht und das Wegspülen des Thrombus veranlasst. Durch die Transfusion kann eine Blutung, die gestillt war, von Neuem angeregt und dadurch die Transfusion lebensgefährlich werden. Bei innerlichen Blutungen injioire man ca. 9 Tage nach der Blutung, dann ist der Thrombus fest.
ElSatzmethoden. Die Schwierigkeiten der Bluttransfusion, namentlich der Beschaffung des Blutes bei Transfusionen am Menschen und die Gefahren, die namentlich bei wiederholten Transfusionen immerhin mit denselben verbunden sind (nach Lassar: Albuminurie, interstitielle Nephritis, entzündliche Zellinfil-tration in vielen Organen), Hessen die Aerzte nach Ersatzmethoden suchen. Als solche hat man vorgeschlagen: die Kochsalzinfusion, die peritoneale Transfusion, die Infusion von Pepton, Blutserum, Milch etc. in das Blut u. s.w.
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Ersatzmethoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;601
1.nbsp; nbsp;Oie Kochsalzinfiision, Von einigen Autoren wird angenommen, dass die Infusion einer 0,Gprocent. blutwarmen Kochsalzlösung vollständigen Ersatz für die Bluttransfusion biete und diese überflüssig mache. Die Koohsalzinfusion bessert
-die mechanischen Verhältnisse des Kreislaufs, ist leicht ausführbar und hat keine schädlichen Wirkungen auf das Blut und die thierischen Gewebe. Die Kochsalz­lösung wirkt im Ucgentheile günstig auf dieselben ein und regt deren Thätigkeit an (Kochsalzfrösche!). Wenn bei dem Patienten die Gefahr wesentlich in den mechanischen Störungen des Kreislaufs zu suchen, wie dies bei acuten Anämien in der Regel der Fall ist, dann ist die Kochsalzinfusion der Bluttransfusion vorzu­ziehen. — v. Ott ist der Meinung, dass die Bluttransfusion überhaupt keinen grösseren Nutzen habe als die CINa-Infusion.
Jlir will es aber doch erscheinen, dass es nicht gleichgültig ist, ob man dem Patienten für einige, wenn auch kurze Zeit lebensfähige Blutkörperchen einverleibt oder nicht. Dass die Blutkörperchen von Thieren derselben Art bei der Transfusion eine Zeit lang weiterleben (namentlich im Gefässsystem eines anämischen Thieres) scheint mir dargethan zu sein (W. Müller). Demgemäss dürfte bei gewissen Leiden, z. B. CO-Vergiftungen, Cachexien etc., die Bluttransfusion der Koch-salzlransfusion vorzuziehen sein, weil hierbei die neu eingeführten rothen, O-führen-den Elemente das Leben einige, wenn auch nur kurze Zeit unterhalten können und der Therapeut dadurch Zeit gewinnt.
Bei einfachen acuten Anämien ist die Kochsalzinfusion am Platze. Sie stellt die normalen mechanischen Verhältnisse des Kreislaufs wieder her, regt das Herz zur Thätigkeit an u. dergl. Hier genügen die im Körper noch vorhandenen Blutkörperchen zur Unterhaltung des Lebens, bis der Wiederersatz der verloren ge­gangenen Elemente durch neue erfolgt.
Bei der Ausführung der Kochsalzinfusion sind wie bei der Bluttransfusion gewisseVorsichtsmaassregeln geboten (Vermeidung des Lufteintritts, Blutwärme der Lösung etc.), unter denen besonders die Vermeidung des zu raschen Tnfundirens hervorzuheben ist. Xach Kronecker dürfen in der Secunde nicht mehr als 20ccin CINa in die Ader einströmen. Sonst wird alles Blut aus dem rechten Herzen ver­drängt. — Zu den Infusionen kann man nach Kr on eck er eine mit 2 Oelfnungen versehene Glasflasche benutzen, die mit Papierstreifen von 20 zu 20 com graduirt ist. Man verstopft die eine OelTnung mit einem Wattepfropf und setzt die andere durch einen Gummischlauch, der an einer Seite eine Canülo trägt, die in die Vene eingestochen werden kann, mit letzterer in Verbindung. Durch verschiedenes Hoch­halten der Flasche sorgt man dafür, dass nicht mehr als 20 cem CINa in der Minute in die Vene einströmen.
Die Kochsalzinfusion kann bei Bluteindickungen (bei der Cholera) und bei besonderen Schwierigkeiten, die sich ihrer Ausführung entgegenstellen, durch die subeutane Injection oder peritoneale Infusion oder die tracheale Injection u. dergl. Methoden zu ersetzen versucht werden.
2.nbsp; Die peritoneale Blutinfusion. Diese ist namentlich von Ponfick empfohlen worden und wird auch von anderen Autoren sehr gerühmt. Von anderer Seite (Mosler) wird aber gegen diese Methode eingewandt, dass sie unter Umständen lebensgefährlich werde und dass ein rascher Ersatz des fehlenden Blutes durch sie nicht geschaffen werden könne. Die Resorption soll in 17—33 Stunden erfolgen. Bei protrahirten fieberhaften Krankheiten, (ieberlosen chronischen Anämien etc. soll die Peritonealinfusion immerhin bedeutendes leisten (Kaczorowsky) und sollen
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602nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die antiphlogistische Curmethode.
nach Albertoni die Blutkörperchen dabei lebensfähig bleiben und keine llämo-giobmausscheidung eintreten.
3. Die Infnsiuiicii von Klutscriini, Pcptuu, Ulilch und dergl. Mitteln sind nicht zu empfehlen. Die Infusion von Blutserum hat vor der Koohsalzinfusion gar keinen Vortheil; dagegen hat sie den Nachtheil, dass sie, sobald das Serum von einer anderen Thierart stammt, den rolhen Blutkörperchen des Empfängers feindlich ist und einen Theil derselben zerstört (v. Ott beobachtete dies z. B. bei Pferdeblutseruminfusionen bei Hunden) und dass das Blutserum häufig reich au Fibrinferment ist und dadurch den Eintritt von Blutgerinnungen bedingt. — Dass Peptoninfusionen schädlich sind, ist z. B. durch Schmidt-Mülheim dargethan worden. — Die Schädlichkeit von Milchinfusionen ist einleuchtend.
4. Die antiphlogistische Curmethode.
Die antiphlogistische Curmothodo bezweckt die Unterstützung des S. 115—118 geschilderten Naturheilbestrebens und erstreckt sich auf das entzündete Gewebe und den Entziindungsvorgang.
Bei der Entzündung bestellt neben der Alteration der Gefässwände Blutstauung, Ueberscbwemmung des umliegenden Gewebes mit Blut-bestandtheilen (besonders mit Blutplasma und Leucocyten), Erkrankung des letzteren, besonders an Ernährungsstörungen; seeundär tritt leicht Untergang des die Gefässe umgebenden Gewebes und der Gefässe selbst oder Neubildung homoiogen oder beterologen Gewebes auf. Für die Entzündungstherapie ist besonders wesentlich, dass der Entzündungs-heerd zu viel venöses, O-annes, nicht leistungsfähiges, schädliches und zu wenig gutes, arterielles, leistungsfähiges, Sauerstoff reiches Blut enthält.
Indicationen. Die Indicatio prophylactica bezweckt die Ab­haltung von Zerrungen, Entblössungen und Erkältungen und von chemi­schen und parasitären Einflüssen. Ihr genügt man durch subeutane Operationen, durch Lister's Wundbehandlung. Besserung entzündlicher Dispositionen, Ersatz von Epithelverlusten, Vermeiden von Anämien und Hypostasen, Behandlung dor die Entzündung unterhaltenden Krank­heiten, durch Abhärtung etc.
Indicatio causalis. Sie bezweckt: 1) Beseitigung der Krank­heitsursachen, Fremdkörper etc. (über das Naturheilbestreben, in Form von Erbrechen, Diarrhöen etc. s. vorn), 2) Vermeidung solcher Ein­flüsse, welche eine Erhöhung der Entzündung herbeiführen können, aber nicht die ursprüngliche Krankheitsursache darstellen.
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;603
Ad 1. Die Entzündungstherapie entfernt die Krankheitsursachen (durch das Messer, durch Anregung des Stoffwechsels und Steigerung cler Thätigkeit der Excretionsorgane), oder macht sie unschädlich (durch Indifferenzirung, Neutralisiren von Säuren und Alkalien, Tödten von Parasiten, Vernichten von Infectionsstoffen, Aetzen, Fortschaffen trockener Fäcalmassen durch Abführmittel etc.), oder sucht wenigstens deren Ausbreitung und Vermehrung zu hindern (Salicylsäure bei localisirtem Rheumatismus, Carbolsäureeinspritzung in das entzündete Gewebe etc.).
Die causale Methode ist häufig nicht oder nicht rechtzeitig aus­führbar, weil die Ursache oft unbekannt ist oder schon zu heftig ein­gewirkt hat, wenn die Therapie beginnt.
Ad 2. Reizungen äusserer entzündeter Stellen durch Geschirrtheile, Haare, Schmutz, Insecten u. dergl. sind zu vermeiden; die der Epidermis beraubten Theile sind durch eine künstliche Decke vor der Luftein­wirkung etc. zu schützen; die entzündeten Theile sind möglichst in Ruhe zu setzen, um die Reizung derselben durch Bewegungen zu hindern (Narcotica bei Hustenreiz, Fixiren der Gelenke bei Gelenkent­zündungen, Sinapismen bei Pleuritis zur Verlangsamung des Athmens, Digitalis bei Pericarditis etc.).
Nebenbei sei bemerkt, dass Körperbewegungen bei entzündlichen, z. B. putriden Ergüssen in die Pleurasäcke und den Uterus; bei Wundroth­lauf, Lymphangitis, septischer Phlegmone etc. lebensgefährlich werden können, weil sie die Resorption der noch nicht durch Verfettung etc. unschädlich gemachten infectiösen Stoffe hochgradig befördern.
Die Indicatio morbi richtet sich gegen das Wesen der Entzün­dung, namentlich gegen die Circulationsstörungen. Sie ist aufzustellen, weil remota causa non semper tollitur effectus. Ihre Aufgaben sind im Allgemeinen: Ausgleich der entzündlichen Ernährungsstörungen durch den Stoffwechsel und zwar durch Hinführen von arteriellem, leistungs­fähigen gesunden Blute zu dem entzündeten Theile, Fortschaffen der unbrauchbaren Gewebsmolecüle und Anbahnung des Wiederersatzes derselben. Fortschaffen des nicht mehr leistungsfähigen Blutes und der in das Gewebe ergossenen und eingewanderten ßlutbestandtheile, An­bahnung und Unterhaltung der Rückbildung der entstandenen Neu­bildungen.
Der Ausgleich der Entzündungen kann nur geschehen, wenn dafür gesorgt wird, dass ein vermehrter Zufluss von arteriellem Blute zu dem ent­zündeten Theile statthat und gewissermassen eine active Hyperämie an Stelle der passiven tritt, weil an gesundem Blute, welches die alterirte Gefässwand heilen kann, Mangel ist. Diesen Zweck erreicht man aber nur, wenn man gieich-
Ellenberger, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; oq
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604nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die antiphlogistische Curmethode.
zeitig für den Abfluss des in den entzündeten Theilen stauenden venösen Blutes sorgt. Wenn beides angebahnt wird, dann erfolgt auch gleichzeitig die Beseiti­gung der in das Gewebe ergossenen Flüssigheiten, die auf dem Wege der Re­sorption durch die Venen und Lymphgefasse bewerkstelligt wird, sobald der Blutab-fluss frei ist. Nicht resorbirbare Exsudate entfernt man durch Punctionen, Anre­gung der Verfettung, Anregung von Muskelbewegungen (Husten, Niesen etc.) und dergl. Die Exsudatflächen sind zu desinficiren, die Narbenbildung anzuregen und zu befördern.
Indicatio symptomatica. Sie beschäftigt sich meist mit Be­seitigung der durch die Entzündung veranlassten Schmerzen und Qualen, mit den Functionsstörungen, welche die betreffende Entzündung im Gefolge hat und mit Bekämpfung der Nebenerscheinungen, die je nach den ergriffeneu Organen verschieden sind und eine besondere Be­handlung erfordern. Die antiphlogistische Methode umfasst demnach eine Reihe anderer, z. B. die hautreizende, abführende, erregende, be­ruhigende etc. Methode.
Die Indicatio exitu beschäftigt sich mit Beförderung oder Be­kämpfung der Abscedirung oder Neubildung, Beschleunigung der Reso­lution, Anregung der Resorption (Jod, Quecksilber, Kneten, Zerstörung, Einleitung der fettigen Metamorphose, mechanische Zertrümmerung, Hyperämieerzeugung etc.), Vermeiden des Chronischwerdens (durch Fernhaltung der unterhaltenden Schädlichkeiten), mit Entfernung nicht resorbirbarer Eitermassen, entzündlicher Dispositionen etc.
Die Indicatio vitalis verlangt die Anwendung vicariirender Functionen, die Bekämpfung und Vermeidung der Säfteverderbniss, der Säfteverluste, des Entzündungsfiebers u. dergl.
Mittel. Die wesentlichsten entzündungswidrigen Mittel bezwecken, den verletzten Gefässen eine genügende Menge leistungsfähigen Blutes zu­zuführen, die Resorption anzuregen und das venöse Blut fortzuschaffen. Diese Zwecke können durch direct applicirte Mittel oder durch indirecte und Resorptionswirkung und zwar durch Mittel, welche den Kreislauf örtlich beeinflussen, oder solche, welche indirect durch die Nerven wirken oder durch empirisch als wirksam erwiesene, in ihrer Wirkungs­weise unbekannte Mittel erreicht werden.
Verringerung der Blutmenge im entzündeten Theile ist stets indicirt. Dies soll meist durch Erhöhung des Abflusses und nur ganz ausnahmsweise durch Verringerung des Zuflusses erreicht werden. — Bei Entzündungen äusserer oder irgendwie direct erreichbarer Theile (Uterus, Vagina, Pharynx etc.) spielt die örtliche Behandlung die Hauptrolle und kommt die indirecte Behandlung weniger in Betracht. Bei Entzündungen nicht direct erreichbarer Theile (Milz, Leber, Nieren
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 605
etc.) muss man vom Blute aus (local), oder durch redectorisohe Wir­kung von den Nerven aus, durch Beeinflussung der Innentemperatur, Jurch Ableitung, Gegenreiz u. s. w. auf den Entzündungsprocess ein­zuwirken versuchen.
1. Thermische Mittel. Diese wirken direct auf die Gewehs-
elemente und indirect von den Nerven aus.
a) Die Kälte nützt dadurch, dass sie die entzündeten Gewebe auf die Normaltemperatur bringt und damit die Muskelthätigkeit der Ge­lasse wieder herstellt. Sie wirkt adstringirend. mindert die Exsudation und Emigration etc.. lindert direct die Schmerzen und beeinilusst reflectorisch die Gefässmuskulatur. Letztere Wirkung ist unbedeutend, weil die Gefässnerven und die Gefässmuskulatur wegen Erschöpfung den Reflex nur mangelhaft auslösen. — Die Kälte darf nicht zu gross sein, sonst setzt sie die Gewebstemperatur unter die Norm herab, lähmt die Gefässmuskulatur u. s. w. Nur bei starken Entzündungsfiebern kann auch dies nothwendig werden.
Die Kälte ist indicirt bei allen denjenigen Entzündungen direct erreichbarer Theile. bei denen das Wesentlichste in einer Veränderung des Blutreichthums besteht, und es zu besonderen weiteren Ver­änderungen, sowohl plastischen als zelligen Exsudaten, noch nicht ge­kommen ist. also bei congestiven Entzündungen, z. B. bei frischen Synoviten, bei Entzündungen der Huflederhaut, bei traumatischen Ent­zündungen des Unterhautzellgewebes, bei Gelenk-, Sehnenscheiden- und Gehirnentzündungen u. s. w. Bei Quetschungsentzündungen tritt die Kälte zum Theil der durch die Quetschung bedingten Schwäche der Gefässmuskulatur entgegen und hindert den Austritt grösserer Mengen des Blutplasma. Dagegen erweist sich die Kälte nicht günstig bei solchen Quetschungsentzündungen, bei denen eine gröbere Zertrümme­rung des Gewebes und Abtödtung in der Tiefe stattgehabt hat. bei rheumatischen und vielfach bei schleichenden Entzündungen drüsiger Organe und gefässarmen Gewebes, in welchen leicht Verhärtungen und Verdichtungen zurückbleiben. Auch bei bereits eingetretener Eite­rung schadet die Kälte, weil sie nicht nur die Schmerzen vermehrt, sondern auch die weitere eiterige Einschmelzung und damit den Durch­bruch nach aussen hemmt und Änlass zu Abkapselungen (z. B. bei der Schulterbeule). Verschiebungen und Verschwärungen nach der Tiefe giebt. — Bei chronischen Entzündungen ist ohnedies zu wenig Blut vorhanden, sodass längere Wärmeentziehungen schaden würden. Da­gegen kann bei diesen Zuständen die Kälte als Reizmittel zur An­regung der Circulation (z. B. in Form der Douche, des Bespritzens etc.) verwendet werden; besser sind aber zum Hyperäraisiren dauernde Reize (Jod). Bei chronischen Synoviten erweist sich die Kälte durch ihre tonisirende Wirkung als ein ausgezeichnetes Mittel und wird dabei in Form von Irrigationen angewendet.
Die Indicationen der Kälte sind namentlich nach dem Sitze der Entzündungen verschieden, Sie ist bei Entzündungen äusserer Theile überhaupt dann indicirt. wenn man erwarten kann, dass die Kälte-
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606nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die antiphlogistische Curmethode.
Wirkung den Entzündungsherd thatsächlich zu beeinflussen vermag; deshalb verwendet man die Kälte bei Entzündungen der Haut, des ünterhautzellgewebes, der oberflächlichen Muskellagen, der Gelenke, Sehnen, des Periosts, der Huflederhaut etc. und auch bei Hirnhaut­entzündung, Angina, Rippenfell-, Mastdarm-, Scheiden-, Uterusentzün-dungen u. s. w.
Die Anwendung geschiebt in Form von Lehmanstrichen, Um­schlagen, Waschungen, Eisuraschlägen und Irrigationen oder mit dem Leiter'schen Wärraeregulator, oder in Form von Kältemischungen (Lösung von kohlens. Ammoniak mit Salpetersäure versetzt bis schwache Säuerung eintritt; die entstehenden Krystalle mit Wasser (1 : 2) ver­wendet; Sehnee oder Eis mit Kochsalz etc.), Aetherzerstäubungen u. s. w. Nach Bayer wirken die schulgemäss angewandten Lehm­anstriche am schlechtesten, bedeutend besser die von 5 zu 5 Min. erneuten kalten Umschläge (von 12—ISquot; Wasser), noch ein wenig besser Waschungen, die alle 5 Minuten gemacht werden. Eisbeutel und der Leiter'sche Wärmeregulator sind in ihrer Wirksamkeit gleich; sie kühlen viel bedeutender als die vorgenannten Mittel. Am besten wirken die Irrigationen. Jede der Procoduren wirkt stärker bei unbehaarter als behaarter Haut. Aetherzerstäubungen kühlen enorm ab. Nach dem Aufhören des Zerstäubens tritl aber bald wieder ein sofortiges und ziemlich rasches Ansteigen der Temperatur ein, was bei den drei zuletzt genannten Methoden nicht annähernd in diesem Maasse der Fall ist. — Der Hornschuh des Hufes wird nur schwer von der Kältewirkung durchdrungen. Soll es geschehen, dann sind Irrigationen das Beste; Umschläge wirken nur. wenn sie regelmässig alle 5 Minuten erneuert werden.
b) Die Wärme wird direct angewendet bei beginnenden Eiterungen, bei Exsudationen, die zur Aufsaugung zu bringen sind, bei starken Quetschungen, beginnendem Brande, vorgeschrittenen Katarrhen, bei chronischen Entzündungen der Drüsen und der blutarmen Theile. bei starken Schmerzen in Folge von Spannung u. s. w.
Auch die in grösseren Intervallen erneuerten kalten Umschläge und Waschungen können bei Entzündungen günstig wirken, indem sie ein fortwährendes Spiel zwischen Verengern und Erweitern der Blut-gefässe erzeugen. Dies befördert die Circulation, Resorption und den Stoffwechsel (Bayer).
2. Druck. Die drückenden Verbände können verschieden wirken. Werden sie nicht zu fest und von der Peripherie gegen den centralen Theil (mit dem venösen Blutlauf) angelegt, dann drücken sie das venöse Blut aus dem entzündeten Theile heraus, setzen die Gewebs-flüssigkeit unter einen höheren Druck und befördern so die Resorption. Zu fest angelegte Verbände können Anämie und Gangrän erzeugen. — Neubildungen kann man durch scharfen Druck, wodurch Ernährungs­störungen mit fettiger Metamorphose u. dergl. veranlasst werden, zum Schwinden bringen.
3 Massage. Sie befördert die Circulation, besonders den Abfluss der Lymphe und des venösen und die Zufuhr des arteriellen Blutes
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 607
und setzt die Schmerzhaftigkeit und Temperatur herab. Das Streichen von der Peripherie zum Centrum regt die Resorption an. — Bei chro­nischen Entzündungen werden durch diese Methode Exsudate und neu­gebildete Gefässe zerdrückt und die regressive Metamorphose des Neu­gebildeten und dessen Resorption angeregt.
4.nbsp; nbsp; Scarificationen (Eiuschnitte und Einstiche). Da die in den enlzündeten Geweben liegenden Exsudatmassen daselbst Spannungen veranlassen, durch Druck auf die Gefässe den arteriellen Zutluss hindern und die Gowebsernährung stören, so müssen Einschnitte und Einstiche in dasselbe günstig wirken, weil sie die Spannung heben, Abflusswege für die Entzündungsproducte schaffen, die zusammenge­drückten arteriellen Gefässe befreien. — Die durch das Einschneiden zerschnittenen Gefässe thrombosiren; dadurch wird die Zahl der exsu-direnden Gefässe vermindert, ein Umstand, der günstig auf den Verlauf der Entzündung einwirken muss.
5.nbsp; nbsp; Oertliche Blutentziehungen. Diese heben Stasen und befördern den Blutabfluss aus den Gefässen. Die nach dem Orte der Entleerung statthabende verstärkte Strömung rcisst die im Entzündungs-gebiete haftenden wandständigen Blutkörperchen fort und spült die verstopften Capillaren rein, so dass eine normale oder verstärkte Cir­culation (eine locale active Hyperämie) temporär zu Stande kommt. Dadurch wird die Gewebsernährung gebessert. Neben den Scarificationen und örtlichen Aderlässen sorge man für richtige Gewebstemperatur.
Gewisse örtliche Blutentziehungen (an den zuführenden Gefässen) bewirken eine Verminderung des ßlutzuflusses und dadurch langsameren Ablauf der Entzündung. Es ist dies günstig, wenn die Exsudation zu massenhaft und dadurch die Resorption des Exsudirten unmöglich ist. Der verringerte Blutzufluss verringert die Exsudation und schafft die Möglichkeit des Fortschaffens der Exsudate durch die Blut- und Lymph-gefässe.
6.nbsp; nbsp; Das Hochlegen der entzündeten Theile wird in der Men-schenhoiikundo angewendet. Es befördert den Abtluss des venösen Blutes und der Lymphe, entlastet die Capillaren und befördert den Zuiluss des arteriellen Blutes.
7.nbsp; nbsp;Die Electricität (cf. „Electrotherapiequot;), Die Eiectricität kann sowohl durch den Nervenreiz eine Besserung der Circulationsver-hältnisse bewirken, wie auch zufolge ihrer katalytischen und katapho-rischen Wirkung die Zertheilung und Resorption erheblich anregen.
8.nbsp; nbsp;Derivatio und Revulsio. Die ableitenden Methoden (haut­reizende, diuretische, emetische, abführende Methoden etc.) können bei der Entzündung sehr heilsam wirken, Sie verbessern namentlich die Circulation im entzündeten Theile und sind besonders bei Entzündungen tiefer gelegener Theile indicirt.
Es ist ein Fehler der modernen Therapie, die derivatorischen Methoden zu wenig zu beachten. Die günstige Wirkung eines Sina-pisrnus bei einer Pleuritis z. 13. kann unmöglich geleugnet werden. Ebenso verhält es sich mit der Wirkung der Hautreize bei Gehirnhaut-
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608nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die antiphlogistisohe Curmethode.
entzündungen, der Abführmittel bei vielen congestionellen Entzündungen u. s. w.
9.nbsp; nbsp; Medicamenta sedativa. Sie sind indicirt bei heftigen Schmerzen und bei allen Reizzuständen, welche die Entzündung unter­halten und erhöhen, indem sie Bewegungen erzeugen, Husten hervor­rufen u. s. vv. (Digitalis, Opium, Chinin, Yeratrin, Belladonna, Aqua amygdal. am. u. s. w.) Man wendet dieselben sowohl direct als auch innerlich der Resorptionswirkungen wegen an. Ersteres geschieht in Form von Inhalationen, Einspritzungen. Umschlägen, Salben u. s. w.
10.nbsp; nbsp;Reizmittel und Tonica. Bei Schwächezuständen, sogen, asthenischen und typhösen Entzündungen mit kachectischen Erschei­nungen u. dergl. ist es indicirt. Reizungen zu erzeugen, um den Lebens-process anzuregen (Campher, Aether, Wein, Benzoe, Ammoniak, Moschus [b. M.]). Bei chronischen Zuständen sind diese Mittel mit Tonicis zu verbinden (gute Ernährung, bittere und adstringende Mittel etc.).
11.nbsp; nbsp;Adstringentien. Bei allen chronischen Entzündungen mit gesteigerten Secretionen und Exsudationen, z. B. bei der ßlennorrhoe, Fluor aibus etc., ferner überhaupt bei Entzündungen in weichen nach­giebigen Geweben mit starken Gefässerweiterungen und reichlichen flüssigen Exsudationen, namentlich bei derartigen Leiden der Schleim­häute sind die Adstringentien entschieden indicirt. Man benutzt sie bei acuten und frischen Entzündungen, um die Schwellung zu mindern, die Circulation anzuregen, die Emigration und Exsudation zu beschränken. Sie werden demgemäss bei den oberflächlichen Entzündungen aller Häute, besonders der Schleimhäute viel benutzt (cf. adstringirende Me­thode). Sie coupiren diese Entzündungen häufig. Vielleicht kommt in diesen Fällen auch die Wirkung auf die niederen Lebewesen (bei infectiösen Katarrhen) in Betracht. Diese werden durch die Adstrin­gentien entweder direct getödtet oder dadurch allmälig zu Grunde gerichtet, dass das flüssige Eiweiss, dessen sie zu ihrer Ernährung be­dürfen, in den festen Zustand übergeführt wird.
Die Anwendung der Adstringentien geschieht in der Regel äusser-lich (in Form von Umschlägen, Waschungen, Einspritzungen, Inha­lationen, Bestreuungen. in Form des Spray u. s. w.). Zuweilen werden diese Mittel aber auch innerlich benutzt, namentlich bei Erkrankungen der Evacuationsorgane, des ürogenitalapparates u. s. w. Hier sind ausser den echten Adstringentien namentlich auch die Balsame zu nennen, die bei chronischen Katarrhen oft überraschende Dienste leisten.
12.nbsp; nbsp;Die Medicamenta emollientia sind bei Entzündungen mit starker Spannung und Schwellung (cf. erweichende Methode) indicirt.
13.nbsp; nbsp; Die vomirende Methode (cf. daselbst).
14.nbsp; nbsp;Die substitutive Methode. Man setzt eine künstliche Ent­zündung an Stelle der natürlichen dadurch, dass mau zerstörend aut die oberen Theile entzündeter Gewebe wirkt und den Nachschub gesunder Zellen ermöglicht (Argenlum nitricum, Alaun, Säuren, überhaupt alle Aetzmittel). Es geschieht dies bei chronischen Entzündungen, z. B. chronischen Hautausschlägen, Fisteln u. dergl. Bei diesen Leiden sind die oberflächlichen Gewebselemente derartig abnorm beschaffen und
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 609
functioniren so abnorm, dass von ihnen die Heilung nicht zu erwarten ist. Deshalb muss man sie zerstören, damit die noch gesunden tiefer gelegenen Zellen die Selbstheilung einleiten und durchführen können.
15.nbsp; nbsp;Die antiseptische Methode kann bei Entzündungen der­jenigen Organe, welche mit der Luft in Berührung gelangen, in An­wendung kommen. Ebenso kann die antizymotische Methode cnt-zünduugswidrig wirken. Diese Methoden genügen jedoch ebenso wie die antiparasitären nur der Causalindication.
16.nbsp; nbsp;Chirurgische Mittel: Troicariren, Tracheotomiren, Abscess eröffnen, Extractionen, Laparotomien u. s. w.
17.nbsp; nbsp;Mittel, welche den Abfluss des Exsudats befördern resp. er­möglichen.
18.nbsp; nbsp;Mittel, welche die Resorption anregen, den fettigen Zerfall der Exsudate herbeiführen u. s. w. (cf. Resorption befördernde Methode).
19.nbsp; nbsp;Gewisse, empirisch als Antiphlogistica angepriesene Mittel, z. B. Kalium nitricum, Calomel, Sublimat, Jod, Chininsalze, gewisse Adstrin-gentien. Diese Mittel üben bei vielen fieberhaften Entzündungen zweifellos einen günstigen Einfluss auf den Verlauf der Krankheiten aus. Sie gelangen meist innerlich zur Anwendung. Einige werden jedoch auch äusserlich applicirt, z. B. Jod, ünguentura ein. und Sublimat. In letzterem Falle beabsichtigt man entweder eine derivatorische Wir­kung (cf. hautreizende Methode) oder eine Anregung und Beförderung der Resorption.
In manchen Fällen können wir uns eine Erklärung für die günstige Wirkung der hier zu nennenden Medicamente bilden: Digitalis (Fol. 1—5 [6]; 0,1—1,0; 0,05—0,3) wirkt anregend auf die Blutbewogung und beseitigt Blutstauungen; Ergotin (Pulv. Sec. corn. 15 — 30 [50]; 1 —10 [4]; 0,5—3,0) verengert die Gefässe, vermindert die Exsudation und erhöht den Blutdruck; Chinin (Ch. muriat. 2—15; 0,5—3; 0,5—1,5) wirkt lähmend auf die Leucocyten; Calomel (2—4 [3]; 1—2; 0,5—1,0) zum Abführen doppelt so viel) desinficirt den Darm und wirkt wie ein Abführmittel; Kalium nitricum und carbonicum (8—15 [25]; 2—8; 0,2—1) wirken lösend auf vorhandene schleimige Exsudate, mindern die Schleimsecretion und regen die Flimmerbewegung an, welche die Exsudate nach aussen schafft u. s. w.
20.nbsp; nbsp;Die fieberwidrige Methode. Sie beeinflusst örtliche Ent Zündungen, die Fieber veranlassen, günstig.
Allgemeine Therapie der Blatkrankheiten (Hamatotherapie). Das Blut
ist die Ernährungsflüssigkeit des Körpers. Von der normalen Beschaffenheit desselben hängt das gesammte Leben ab. Das Blut besteht aus dem ungefärbten, flüssigen, Fibringeneratoren enthaltenden Blutplasma und den geformten zelligen Elementen, unter denen die dem Blute die Farbe verleihenden rothen Blutkörperchen an Menge vorwiegen. Es führt allen Geweben und Zellen des Körpers nicht allein das Kraftmaterial, sondern auch denjenigen Körper (Sauerstoff) zu, der die Zersetzung des Kraftmaterials und damit die Krafterzeugung, d. h. das Freiwerden der Spann­kräfte ermöglicht. Das Kraftmaterial, welches den Stoffwechselvorgängen vorfällt oder von den thierischen Zellen assimilirt wird, befindet sich in dem flüssigen Theile
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des Blutes; der die Zerstörung und Zersetzung desselben bewirkende und dadurch Wärme und andere Kräfte erzeugende Sauerstoff ist an körperliche und zwar an die rotlien Elemente gebunden. Die Zahl und Oberfläche dieser entscheidet über den O-Keichthum des Blutes. Das Kraftmaterial erhält das Blut aus den Verdauungs­organen durch die der Verdauung folgende Resorption; den Sauerstoff erhält es in den Lungen durch die Respiration.
Das Blut liefert nun aber nicht blos die betreffenden Stoffe an die Zellen und Gewebe ab, sondern es erhält auch Material von denselben und zwar sowohl das von diesen aufgenommene überschüssige und unbrauchbare, als auch das ausge­nutzte verbrauchte Material (die Stolfwechselproducte). Diese in den Geweben auf­genommenen Steife würden die normale Blutbeschaifenheit beeinträchtigen, wenn dieselben nicht bald wieder ausgeschieden würden. Die Ausscheidung geschieht durch die Excretionsorgane, die Lungen (für C02 und I1.,0), die Jfieren, dieSchweiss-drüsen. — Fortwährende Einnahme und Ausgabe erhält die normale Blutbeschaffen­heit. Ausserdem wird diese auch noch dadurch erhalten, dass die Blutkörperchen, die bekanntlich im Lebensprocesse alimälig zu Grunde gehen, durch neugobildete ununterbrochen ersetzt werden.
Bedenkt man, wie das Blut in seiner Menge und Beschaffenheit von normaler Resorption, normaler Abgabe und der steten Neubildung von zelligen Elementen abhängt, wie es mit allen Organen, Geweben und Flüssigkeiten in den innigsten Beziehungen und in stetem Ausgleiche steht, dann erkennt man unschwer, wi-3 leicht Abweichungen der normalen Beschaffenheit desselben eintreten können und wie mannigfaltig die Einflüsse sein müssen, die man auf therapeutischem Wege auf das Blut ausüben kann. Mau versteht dann auch, dass jede therapeutische Methode einen Einfluss auf die Blutbeschaffenheit und Blutmenge ausüben kann. Dies thun in hervorragender Weise z. B. alle diejenigen Methoden, welche auf die Bfutcircu-lation, auf die Zufuhr an Jsährmaterial, die Abfuhr durch die Se- und Excrete, die Resorptionsverhältnisse im Darm und in den Geweben, die Thätigkeit der blutbil­denden Organe einwirken, z. B. die diätetischen, die direct zuführenden (Transfusionen, Infusionen), die entziehenden und evaeuironden (Aderlass, abführende, diuretische, diaphoretische Methode), die die Verdauung ver­bessernden Methoden u. s. w.
Die Blutkrankheiten bestehen in Anomalien der Quantität und Qualität des Blutes, in Veränderungen der zelligen Elemente desselben, in Zahl und Beschalfen-heit, in abnormer Zusammensetzung des Blutplasma u. s. w. Es gehören hierher allgemeine Oligämie, Anämie, Plethora, Hydrämie, Leukämie, Oligämia hypalbumi-nosa, Oligocythämie, Aenderungen des Wasser-, Salz-, Alkali-, Fibringehaltes, der Zahl und Beschaffenheit der körperlichen Elemente, die Cholämie, Septicämie, ürämie, Pyämie, Asphyxie u. s. w. (cf. S. 118).
Die thcrlt;i|ieiitisclieii Ülcthmlen müssen das Naturheilbestreben in den S. 118 und 119 geschilderten Richtungen unterstützen und der Natur der Krankheiten nach darauf gerichtet sein, die Blutmenge zu vermehren (diätetische Curen, Transfusionen etc.) oder sie zu vermindern (Aderlässe, entziehende und evaeuirende Methoden) oder die Qualität zu verändern, schädliche Stoffe zu entfernen u. dergl. (diaphore­tische, diuretische, laxirendo Methoden u. s. w.). Einige Methoden beeinflussen das Blut in toto und allen seinen Eigenschaften, andere nur in Bezug auf einzelne Bestandtheile und Eigenschaften. Aus der Wirkung eines Mittels auf eine Eigen­schaft des Blutes erwächst aber oft eine seeundäre Wirkung in anderer Richtung;
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so steigert z. B. eine den Eiweissgehalt des Blutes primär erhöhende Methode seoundär die Zahl der Blutkörperchen und überhaupt die Blutmenge. Die auf die Eigenschaften des Blutes und seine Bestandtheile durch bestimmte Mittel und Me­thoden statthabenden Einwirkungen, die zum Zwecke der Bekämpfung von Anämie, Plethora, Ilydrämie, Leukämie, Chlorose, Hydropsien, Dyskrasien, Diathesen u.s.w. therapeutisch benutzt werden, lassen sich nach der Verschiedenheit des Objectes der vorzugsweisen Beeinflussung wie folgt gruppiren.
1.nbsp; Einwirkung auf die Blutkörperchen. Wir unterscheiden: a)Mittel und Methoden, welche eine Vermehrung (Er3'throtica, Haematopoetica), b) solche, welche eine Verminderung (Erythrolytica) und c) solche, welche eine Functionsänderung der Körperchen herbeiführen. Eine Vermehrung und Verbesserung der rothen Blut­körperchen, wie dies bei der Anämie, Chlorose, Hydramle erwünscht ist, erreicht man einmal durch alle Methoden, welche die Menge des Kraftraateriales im Blute steigern und die Thätigkeit der cytogenen Organe anregen, sodann durch directe Zufuhr von Eisen und Mangan (Analeptica) und endlich durch Steigerung der Respiration. Namentlich das Eisen wirkt günstig auf die Bildung rother Elemente und kann auch snbeutan verwendet werden bei gefährlichen Anämien, wenn das innerlich ver­abreichte Mittel nicht vertragen wird. Eisen ist innerlieh stets in ganz kleinen Dosen und in möglichst leicht assinülirbarer und resorbirbarer Form und in Verbindung mit Stomachicis zu geben. Die Verminderung und Zerstörung der Blut­körperchen erzielt man durch die entziehenden und die zehrenden Methoden und durch Medicamente, die man wohl auch Alterantia genannt hat (z. B. durch Alka­lien, Jod, Quecksilber, Arsenik, Phosphor, Brom), wenn diese Mittel längere Zeit angewendet werden. Eine Functionsänderung der Blutkörperchen tritt namentlich ein durch Zufuhr von Gasen, z. B. von Sauerstoff, Ozon, Kohlenoxyd, flüchtigen ätherischen Oelen, Stickoxyd u. s. w. Natürlich wirken alle Methoden, welche die Respiration beeinflussen, in erster Linie in dieser Richtung. Auch Gestaltänderungen der Blutkörperchen, Vergrösserungen und Verkleinerungen können durch gewisse Mittel herbeigeführt werden. Chinin und Alkohol wirken vergrössernd, Morphin verkleinernd auf die rothen Körperchen. Die farblosen Elemente werden durch Chinin, Berberin und andere Substanzen derart in ihrer Amöboidbewegung gehemmt.
2.nbsp; nbsp;Einwirkungen auf die Blutflüssigkeit. In dieser Beziehung können wir unterscheiden die Beeinflussung a) des Eiweiss-, b) des Salz-, c) des Wassergehaltes. Der Eiweissgehalt wird vermehrt durch Zuführung von Albuminaten durch die Nahrung, durch Steigerung der Resorption im Darm-canale, durch Herabsetzung des Eiweissverlustes, durch Anwendung der Methodus tonica et stomaohica; er wird vermindert durch die entgegengesetzt wirkenden Me­thoden. Mit dem Eiweissgehalt überhaupt wird auch der Gehalt an Fibrin­generatoren des Blutes vermehrt (Meth. hyperinotioa) oder vermindert (Meth. hypinotica s. plastilytica). Eine Erhöhung des Salzgehaltes erzielt man durch die erhöhte allgemeine und Specialzufuhr und Minderung des Verlustes. Den Wassergehalt beeinflusst man durch erhöhte oder verminderte Wasseraufnahme, durch die Verminderung der Resorption und Vermehrung der Se- und Excretionen (Purgantien, Diuretica, Diaphoretica, Sialagoga etc.) und umgekehrt (Meth. inspissans et diluens).
3.nbsp; nbsp;Die Blutmenge wird durch die verschiedenen zuführenden und entzie­henden Methoden, namentlich rasch durch den Aderlass und die Transfusion alterirt.
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Allgemeine Therapie der Blutkrankheiten.
Ersterer kann bei Blutanhäufungen in wichtigen Organen, letztere hei Blutmangel und abnormer Beschaffenheit günstig wirken.
4.nbsp; nbsp;Auf die chemische Zusammensetzung des Blutes kann man sehr grossen Einfluss ausüben durch Zuführung oder Entziehen von Stoffen. Vermuthet man, dass zu viel Säuren und saure Salze im Blute, dass seine Neigung zum Ge­rinnen gesteigert ist, dann kann man Abhülfe durch Verabfolgung von Alkalien und Ammoniakalien schaffen und umgekehrt. Beim Fehlen von CINa, Fe und anderen Stoffen führt man diese zu u. s. w.
5.nbsp; nbsp; Einwirkungen auf die physikalischen Eigenschaften des Blutes. Die Consistenz des Blutes wird erhöht durch alle Methoden und Mittel, welche den Gehalt desselben an Zellen und Eiweisskörpern erhöhen und umgekehrt. Verflüssigend, die Neigung zur Gerinnung mindernd, wirken die Alkalien und Ammoniakalien und die C02; sie werden deshalb Fibrolytica (Defibrinantia, Hypino-tioa) genannt. Zu diesen gehören angeblich auch Jod-, Brom-, Schwefel-, Mer-kurial-, Antimonial-, und Arsenikpräparate. Andererseits wirken coagulirend, resp. die Neigung zu Gerinnungen vermehrend (Fibrosthenica) die Tannate, die Mineral­säuren, Kreosot, Galle, Ergotin und andere Mittel. Auf die Temperatur des Blutes kann im positiven und negativen Sinne eingewirkt werden und spricht man danach von Medio, calefacientia einer- und Medic, antipyretica (antifebrilia, temperantia) andererseits. Da, wie schon gesagt, viele Mittel und Methoden vielseitig auf das Blut einwirken, so hat man wohl auch unterschieden: 1) Meth. plasticae s. nutri-entes, 2) die Meth. antiplasticae, 3) die Meth. alterantes. Diese Methoden wirken selbstverständlich in der betreffenden Richtung nicht nur auf das Blut, sondern von hier aus auch auf den Gesammtorganismus, d. h. auf die Ernährung und Functionirung aller Gewebe und Organe des Körpers. So kann man auf diesem Wege das Nervensystem erfolgreichst beeinflussen, Neuralgien durch günstige Ernäh­rung und Eisenzufuhr heilen, Erregung und Betäubung durch Einwirkung auf die Blutbesohaffenheit erzeugen u. s. w.
Die Meth. plasticae, euplasticae (tonicae) werden eingetheilt in directe und indirecte. Erstere erhöhen direct durch Mehreinfuhr von Nährmaterial und Minde­rung des Verbrauchs die Plastioität, den Eiweissgehalt des Blutes und die Ernäh­rung der Gewebe und steigern die Lebensenergie resp. die Leistungsfähigkeit des Organismus. Die indirecten Methoden erreichen dieselbe quot;Wirkung dadurch, dass sie die Ausnutzung des Eingeführten erhöhen und die Thätigkeit der blutbildenden Organe anregen. Ersteres geschieht durch die Verdauung und Resorption steigern­den, die gestörte Verdauung bessernden, Krankheiten der Verdauungsorgane heben­den Methoden, letzteres durch kleine oft wiederholte Aderlässe, durch Chinin, Eisen und dergl. Mittel, durch Anregung der Nerventhätigkeit durch excitirende Mittel und dergl. Endlich wirken plastisch alle Mittel, welche den Verbrauch an Nähr­und Körpermaterial beschränken, den Eiweissumsatz mindern (die Sparmittel, Chinin, Arsen [?]). — Die plastischen Methoden sind indicirt bei pathologischen Aenderungen der Blutbeschaffenheit (Dyskrasien und Diathesen), bei der Chlorose, Leukämie, Anämie u. s. w. (of. Meth. nutriens). Die hämatischen Mittel wirken vielleicht mehr auf die Gewebe als auf das Blut ein.
Die Meth. antiplasticae (dysplasticae) wirken durch Verringerung der Einfuhr, Erhöhung des Verbrauchs, directe Entziehung (Aderlässe etc.), Verabreichung zehrender Mittel, Minderung der Resorption im Verdauungscanale (Abführmittel) u. s. w. Ueber die Indicationen cf. entziehende Curmethode.
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Circulationstherapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;613
Die Meth. alterantcs. Man hat friihervielfach die antiplastisohen Methoden auch als die metasynkritisohen, alterirenden , katalytischen, resolvirenden bezeichnet. Wenn man den Ausdruck Alteration nicht ganz ausmärzen will, was wohl das Beste wäre, dann wird man darunter alle anderweiten Aenderungen des Blutes, die nicht als Erhöhung oder Minderung der Plasticität aufzufassen sind, bezeichnen können. Solche Aenderungen des Blutes bestehen in Erhöhung der Gerinnungsfähigkeit des Blutes, z. B. durch Verabreichen von Galle, Kreosot etc., oder Minderung derselben durch C02, schwache Säuren, Alkalien, alkalische Salze; Steigerung des O-Gehaltes durch Zuführung von Eisen; festeres Binden desselben durch Alkohol und Chinin, Anregung oder Lähmung der Leukocyten durch Berberin, Chinin etc.; Vergrösserung der Blutkörperchen durch Chinin, Alkohol, Blausäure; Verkleinerung derselben durch Morphium; Lösung des Farbstoffs durch Aether, Chloroform, Galle u. s. w.
Zu den Alterantien gehören alle Mittel, welche gegen Diathesen, Dyskrasien, gegen Syphilis, Skrophulose, Gicht u. s. w. wirken, so z. B. auch Quecksilber und Phosphor. Erstercs ändert die Blutbesehalfenheit, die Ernährung und den Stoff­wechsel bedeutend; letzterer veranlasst erhöhte Eiweisszersetzung, erhöhte N-Aus-fuhr und dadurch fettige Degeneration der Gewebe. — Die Alterantien sind auch Kesolventien genannt worden, weil bei ihrer Anwendung (Jod, Quecksilber) patho­logische Ablagerungen, Organisirung und Vascularisirung von festen Exsudaten und Anschwellungen schwinden sollen.
Aligemeine Therapie der Circulationsstörungen und der Erkrankungen
der Circuiationsorgane. Da es, wie aus den über die Physiologie des Blutes ge­machten Bemerkungen hervorgeht, nothwendig ist, dass den thierisohen Geweben ununterbrochen frisches Blut, welches neues Nähr- und Kraftmaterial und Sauer­stoff enthält, zugeführt, und dass aus denselben das mit dem Stoffwechselproducte beladene Blut zu seiner Auffrischung ununterbrochen und schnell abgeführt wird, so erhellt hieraus, dass das Blut fortwährend in Bewegung sein muss. Die Blntbewe-gung ist bedingt durch die Druckunterschiede im Gefässsystem und das Bestreben des Blutes, diese Unterschiede auszugleichen. Der Ausgleich gelingt während des Lebens niemals, weil das Herz ununterbrochen die Druckunterschiede von Neuem schafft. Das Herz ist zwischen Anfang und Ende des Gefässsystems eingeschoben und stellt so den Anfang und das Ende desselben dar. An der Einmündung des Gefässsystems in die Vorkammern des Herzens liegt der geringste und an der Aus-mündung der Herzkammern in die Arterien der höchste Druck des Gefässsystems. In Folge des Bestrebens des Blutes, diesen Druckunterschied auszugleichen, muss sich dasselbe nothgedrungen vom Herzen durch die Capillaren hindurch wieder nach dem Herzen hinbewegen und demgemäss ein Kreislauf des Blutes entstehen. Das Ausgleichen des Druckunterschiedes erfolgt während des Lebens nicht und die Blut­bewegung dauert ununterbrochen fort, weil das Herz in Folge seiner rhythmisch erfolgenden Conlractionen diesen Unterschied immer wieder von Neuem schafft. Das Herz wirkt mit seinen Vorkammern saugend und mit seinen Kammern drückend auf den Inhalt des Gefässsystems. Dadurch wird der Blutlauf fortwährend unterhalten. Die gesammte Circulation, die Stromgeschwindigkeit, der Blutdruck u. s. w. hängt demnach aussei von der Blutbeschaffenheit (cf. vorn) wesentlich von den Functionen und der Beschaffenheit des Herzens, von der Ausgiebigkeit und der Folge der Herz-contractionen ab. Ausserdem aber beeinflussen auch die Blutgefässe seihst die Circulation durch Erhöhung oder Verminderung der Widerstände in Folge Verenge­rung und Erweiterung ihres Lumens.
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Circulationstherapie.
Indirect kann auch das die Gefässo und das Herz umgebende Gewebe (z. B. durch Druck und Zug auf deren Wände, durch erhöhte oder verminderte Attraction auf das in den Capillaron enthaltene Blut etc.) auf die Blutbewegung iniluiren.
Die Krankheiton der Circulations Organe werden nach allgemeinen Regeln behandelt. Die Circulationsstörungen (Anämien, Hyperämien, Blu­tungen etc.), die therapeutisch in Betracht kommen, sind allgemeiner oder örtlicher Natur und werden durch Erkrankungen des Herzens, der Gefässe und andere Ver­hältnisse, welche direct oder indirect auf diese Theile wirk'en, durch mangelhafte Ernährung der Gefässwände, durch Zerreissen derselben u. s. w. veranlasst. — Die Circulationsstörungen behandelt man wesentlich durch Einwirkungen auf das Herz und die Blulgefässe; diese erfolgen direct oder durch das Nervensystem oder auch auf anderen Wegen.
Jede Einwirkung, welche das ITerz in seinen Verrichtungen beeinflusst, die Weite der Blutgefässe abändert, sie zur Contraction oder Erschlaffung bringt und dergl., ändert die Schnelligkeit dor Circulation und den Blutdruck. Die betr. Ein-llüsse können ihre Wirkung direct auf die betr. Organe oder indirect durch das Nervensystem entfalten. Dielnnervationsverhältnisse derCirculationsorgane, nament­lich die des Herzens sind sehr complicirte. Das Herz ist einmal mit eigenen, Automatie besitzenden Ganglien ausgestattet und wird ausserdem durch den Nervus vagus resp. N. accessorius und den N. sympathicus innervirt. Indem der erstere einen hemmenden und der letztere einen antreibenden Einfluss ausübt, erscheint dh Herzthätigkeit als das Produkt dieser beiden einander entgegengesetzten Triebe. Die antreibenden und hemmenden Kerven entspringen in den entsprechenden in der Medulla oblongata gelegenen automatischen Centren. Diese stehen der Herzthätig­keit vor und reguliren dieselbe, indem das eine anregend, das andere hemmend wirkt. Ausserdem vermag auch das Grosshirn auf die Herzthätigkeit einzuwirken. Die Blutgefässe besitzen ebenfalls anregende und hemmende, resp. verengernde und erweiternde Nerven.
Es erhellt hieraus, dass man auf vielen Wegen und durch verschieden wirkende Mittel denselben Effect (Steigerung oder Minderung der Herzthätigkeit, Beschleu­nigung oder Verlangsamung des Blutstromes, Erhöhung oder Verringerung des Blutdrucks) erzielen kann. Da die einzelnen Theile des Gefässsystems mit antago­nistischen Nervensystemen versehen sind, so ist es klar, dass die Erregung des einen Systems dieselbe Wirkung hat, wie Lähmung des anderen, und dass zwei Mittel, welche in gleichem Sinne, d. h. beide erregend oder lähmend und zwar derart wirken, dass z. B. das eine erregend auf das antreibende, das andere er­regend auf das hemmende Nervensystem einwirkt, in ihrem Effect Antagonisten sind. Sie haben eine gleichsinnige und trotzdem entgegengesetzte Wirkung, weil der Angriffspunkt ihrer Actio ein verschiedener ist. — Die aus diesen Verhältnissen erwachsende Schwierigkeit der Erforschung der Grundwirkung der Circulationsmittel wird noch dadurch erhöht, dass auch in demselben Specialnervensystem der An­griffspunkt der Heilmittelwirkung ein verschiedener sein kann. Der N. vagus ist z. B. central und peripher, direct und reflectorisch zu irritiren. Auch durch Steige­rung des arteriellen und intracardialen Blutdrucks ist der Vagus erregbar. Man kann so z. B. durch Mittel, welche die Arterien verengern und den Blutdruck steigern, den N. vagus und die anregenden Herzganglien zur Thätigkeit anspornen u. s. w.
Selbstverständlich kann die Circulation auch bedeutend beeinflusst werden
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Herztherapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 615
durch die Art der Ernährung, durch Bewegung und Uuhe, durch A.ufregang des gesammten Nervensystems, durch Wirkung auf das Verhalten anderer Organe u. s.w. Zur Beurtheilung der Wirkung der den Kreislauf beeinflussenden Methoden und Mittel muss man festhalten, dass eine Steigerung der Pulsfrequenz und der Herz­schlagfolge durchaus nicht gleichbedeutend ist mit einer Stimulation der Herzkraft, wie auch ebensowenig ein Sinken der Pulsfrequenz beweist, dass die Herzkraft sinkt. Digitalis ist z. B. ein Sedativum für das Herz und setzt die Zahl der llerz-schläge herab, gleichzeitig ist dies Mittel aber auch ein Stimulans, es regt die Herzthiitigkeit an und bewirkt, dass die Herzoontractionen ergiebiger werden.
Die hierher gehörigen Mittel hat man früher in drei Gruppen eingetheilt, in Sedativa, Stimulantia, Regulatoria. Diese Eintheilung ist aber deshalb kaum durch­zuführen, weil viele Mittel je nach der Dosis und den speoiellen Verhältnissen ver­schieden wirken, bald stimulirend, bald sedirend. Man bespricht deshalb die Mittel und Methoden lieber nach den Angriffspunkten ihrer Wirkung.
Leider ist in dieser Richtung noch vieles dunkel und controvers. Wir folgen wesentlich den Böhm'sehen Anschauungen. xUs Hauptangriffspunkte für die Cir-culationstherapie ergeben sich: 1) das Herz, 2) die Blutgefässe, 3) der Gesammt-organismus, 4) das Blut. Dabei kann die auf den betr. Theil statthabende Wirkung in jedem Falle wieder direct oder indirect erfolgen.
1. Einwirkung auf das Herz. Die in Anwendung zu bringenden Mittel und Methoden bezwecken eine Vennehrung oder Minderung der Herzenergie mit oder ohne Steigerung der Frequenz. Sie erreichen diesen Zweck in verschiedener Art und Weise und zwar: a) durch Beeinflussung der in der Medulla oblongata gele­genen Centra. Diese Reizung erfolgt entweder direct oder durch Erregung centri-petaler Nerven indirect; b) durch Wirkung auf den Nervus vagus; c) durch Wir­kung auf den N. sympathicus; d) durch directe Herzwirkung und zwar laquo;) durch Wirkung auf das Herzfleisch, ß) auf die in demselben gelegenen Herzganglien, die wieder direct und indirect erregt werden können; e) durch reflectorische Wirkung (Hautreize etc.); f) durch Wirkung auf das vasomotorische Centrum und die Blut­gefässe und so durch indireote Beeinflussung des Herznervensystems und seiner Function.
a) Erregende Beeinflussung der Herzthatigkeit. (Meth. cardiaca, exci-
tans, analeptica.) Mit dieser stimulirenden Methode, die von Brown ganz be­sonders empfohlen wurde, bezweckt man eine Steigerung der Arbeitsleistung des Herzens, eine Stärkung desselben, eine Vermehrung seiner Thätigkeit, eine Beschleu­nigung der Circulation. Es soll entweder die Einzelcontraction gesteigert und die Schlagfolge vermehrt (Meth. polysphygmica) oder nur eine dieser beiden Wirkungen erzielt werden. Die gesteigerte Herzarbeit und beschleunigte Circulation ist kennt­lich an dem frequenten vollen Pulse, grösserer Blutfülle, Turgescenz und Wärme der Haut, Röthung der Schleimhäute u. dergl. Symptomen, vor allen Dingen aber durch den gesteigerten Bhrtdruck. Dies ist das Hauptmerkmal der Wirkung des Erfolgs der in Frage stehenden Therapie, während der Erfolg in Bezug auf die Frequenz der Herzcontraotion oft ganz gleichgültig ist. Die Erregung kann sogar mit verminderter Schlagfolge einhergehen.
Indicatioiicii. Die das Herz erregende Therapie ist indicirt: 1) bei allen Schwächezuständen des Herzens. Diese geben sich zu erkennen durch geschwächte Contractionen, pochenden, breiten Herzschlag, Zunahme der Herzdämpfung, trägen, elenden Puls, verminderten Blutdruck, verringerte Arterienspannung, Sinken der
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616nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Erregende Herztherapie.
Körpertemperatur, Kälte der Haut, namentlich an entfernteren, peripheren Theiten, Auftreten von Circulationsstörungen, passiven Hyperämien, Stauungen, Transsu-dationen (z. B. Oedembildungen an den Beinen) u. dergl. Symptomen. Oft bestellt eine beschleunigte Schlagfolge neben Herzklopfen. In diesem letzteren Falle be­zweckt die Therapie, das rasch arbeitende, aber sich nur oberflächlich contra-hirende Herz zu langsamen, aber ergiebigen Contraotionen anzuregen. Die Herz­schwäche ist oft nur eine Theilerscheinung anderer Leiden. Sie kann in Atonie des Myocards, beginnenden Degenerationen desselben (z. B. durch Fieberhitze), in gestörter Innervation oder in Mangel an Beizen (Mangel an Blut, vermin­derter Blutdruck in Folge Gelasserweiternng etc.) begründet sein. Die mangelhafte Innervation kann veranlasst sein durch Schwäche des sympathischen oder des cere-bralen oder beider Herznervensysteme und ihrer Centra. Die sympathische Schwäche äussert sich durch verzögerten, zuweilen aussetzenden trägen, elenden Puls, gesun­kene Temperatur; die Schwäche des Vagus durch beschleunigten, schwachen, kleinen, oft unregelmässigen Puls, gespannte Arterie, Herzklopfen; die Schwäche beider Systeme durch etwas vermehrte Frequenz, elenden Puls, pochenden Herzschlag, allgemeine Körperschwäche.
Bei all diesen Leiden, namentlich aber im letzteren Falle muss neben einer auf das Herz resp. sein Nervensystem erregend und regulirend eingreifenden auch, (und dies namentlich bei Schwäche beider Nervensysteme), eine allgemeine Stär-kungscur Platz greifen.
2.nbsp; nbsp; Bei Collapszuständen, Ohnmächten u. dergl. aus Herzschwäche hervor­gehenden Zuständen und Symptomen.
3.nbsp; nbsp; Bei Herzleiden (Klappenfehlern) zur Einleitung und Unterstützung der Compensation (Digitalis).
4.nbsp; nbsp; Bei Compensationsstörungen bei Herzfehlern, wenn ein Sinken des Blut­drucks eintritt (Digitalis). Hier ist eine die Schlagfolge mindernde, die Einzelcon-traction verstärkende Therapie am Platze.
5.nbsp; nbsp; Bei Stauungen in grösseren Gebieten des Kreislaufs, am durch erhöhte Herzarbeit die Stauungen zu beseitigen.
6.nbsp; nbsp; Zur Erhöhung des Blutdrucks, um diuretisch oder diaphoretisch zu -wirken.
mittel. Sie bewirken eine Stärkung der Einzelcontraction oder eine Steige­rung der Schlagfolge oder beides oder Verlangsamung der Schlagfolge aber Steige­rung der Ausgiebigkeit der Einzelcontractionen. Die Angriffspunkte der Wirkung der Cardiaca sind die central und peripher reizbaren excitirenden Nervensysteme des Herzens mit Einschluss der excitomotorischen Herzganglien, der Herzmuskel und das vasomotorische Nervensystem.
Da das Herz unter normalen Verhältnissen niemals seine volle Kraft entfaltet, sondern die Fähigkeit der gesteigerten Arbeitsleistung besitzt, so können die in Frage stehenden Mittel auch bei gesunden Thieren auf ihre Wirkung geprüft werden. Die Mittel, welche die Herzenergie und die Schlagfolge steigern und zu denen z. B. Moschus, Ammoniak, Kampher, Alkohol, die Kalisalze gehören, werden Medicamenta cardiaca excitantia genannt. Zu ihnen gehören ganz besonders
1. die die Herzmuskulatur direct beeinflussenden sogenannten Herzgifte. Sie regen in kleinen Dosen die llerzthätigkeit an, bewirken in grossen Gaben die sogenannten peristaltischen Herzcontractionen und rufen in sehr grossen Dosen systolischen Stillstand des Herzens hervor. Nur ausnahms­weise erfolgt der Tod durch Erschöpfung mit diastolischem Stillstande des Herzens.
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 617
Zu diesen Mitteln gehören die Digitalisglykoside, Coffem, Helleborin, Ulicium religiosum, Nerein, Evonymin, Scillain, Apocyanin, Antiacin, Taughinia venenifera, Upas Antjar, Phrynin, Adonidin, Oleandrin, Strophantus hispidus, Convallamarin, Neriodorin, Neriodorein, Erythropliyllein, Thevenin, Theokresin, die Mittel der Veratringruppe, Acid, phosphor., Physostigmin, Campher, Guanidin. Die letzteren fuhren nicht zum systolischen Stillstande. Ulicium religiosum bewirkt centrale Vagusreizung mit Pulsverlangsamung. Das Coffein wirkt in ähnlicher Weise wie Digitalis, es verlangsamt die Schlagfolge und steigert die Kraft des Herzens, ist also Herzregulirungsmittel. Acidum phosphoricum stärkt, regelt und verlangsamt die Herzfunction. Physostigmin wirkt anregend auf das Herz und hebt unter Um­ständen den diastolischen Stillstand auf. Von einigen Autoren werden auch Kali caust., Kai. et Natr. carbon, und die Bariumsalze zur Digitalisgruppe gezählt, weil sie direct permanente Herzcontraction erzeugen.
2.nbsp; nbsp;Eine andere Gruppe von Mitteln wirkt auf die Herzganglien. In schwachen Dosen bewirken diese Mittel (Medic, analeptica) gesteigerte Frequenz und gesteigerte Contraction, in starken Dosen diastolischen Stillstand des Herzens. Sie rufen die Vermehrung der Arbeitsleistung vorübergehend hervor. Wir nennen: Alkohol, Wein, Aether, Chloroform, Chloral, überhaupt die Anästhetica, die Ammo­niakalien, Moschus, Kampher, Cyan; vielleicht gehören hierher auch noch die Kali­salze und die Oxalsäure.
Zwischen den beiden genannten Gruppen stehen Mittel, welche zwar primär eine Beschleunigung der Herzthätigkeit durch Wirkung auf die Ganglien und den Herzmuskel hervorrufen, aber secundär eine Abnahme der Schlagfolge und leicht Lähmung des Herzens mit diastolischem Stillstande hervorrufen: Aconitin, Del-phinin, Nicotin, Phosphor u. s. w.
3.nbsp; nbsp;Mittel, welche auf reflectorischem Wege, und Mittel, welche auf die Vasomotoren wirken. Letztere bedingen nicht selten auch Temperatur­erhöhung und Vermehrung gewisser Secretionen. Jedes Mittel, welches die Gefässe im Ganzen oder in einzelnen Gebieten verengt, wirkt nach bekannten Gesetzen an­regend auf die Herzthätigkeit. Ebenso regt jeder Hautreiz reflectorisch das Herz an. Ganz besonders ist unter den zahlreichen hierher gehörigen Mitteln die Kälte zu nennen.
Bemerkenswerth ist noch, dass mitunter Einflüsse, die an sich schwächen, befreiend auf die Herzthätigkeit einwirken können. Bei Blutstauungen und der daraus hervorgehenden übermässigen Belastung des Herzens wirken Aderlässe in dieser Weise. Das nur noch träge und mangelhaft functionirende, fast stillstehende Herz arbeitet nach dem Aderlass wieder ausgiebig.
Contraindicationen. Die den Blutdruck steigernden Mittel sind contra-indicirt bei atheromatösen Processen der Arterien, bei Blutungen mit sinkender Herzthätigkeit, so lange das blutende Gefäss nicht fest geschlossen ist und bei Zu­ständen, bei denen Neigung zu Blutungen besteht. — Alle Medicamenta cardiaca führen leicht zur Ermüdung und Erschöpfung. Deshalb ist Vorsicht bei ihrer An­wendung geboten. Handelt es sich nicht um eine kurz dauernde Anregung, wie z. B. bei Ohnmächten, dann ist die roborirende Methode neben der erregenden indicirt. — Die Dosirung der Mittel ist mit Vorsicht vorzunehmen, weil zu hohe Dosen rasch Lähmung und Erschöpfung des Herzens bedingen.
b) Die die Herzthätigkeit mindernde Methode (Meth.depressoria, contra-
stimulans). Diese Methode bezweckt eine Herabsetzung der krankhaft gestei-
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I.
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Depressorische Herztherapie.
gerten Herzthatigkeit und des Blutdrucks (Meth. bradysph3-gmica s. temperans). Sie ist nur selten, vielleicht bei entzündlichen Herzaffectionen und bei Paresen des N. vagus indicirt. Sie hat mehr ein wissenschaftliches, als ein praktisches Interesse. Rasori und die contrastinmlistische Schule wandte bei entzündlichen Affectionen scheinbar diese Methode an. Sie wollten eine verminderte Energie der Blutströmung und eine Abnahme der Temperatur damit erzielen.
Die Mittel der Methode müssen nach den Angriffspunkten ihrer Wirkung ein-getheilt werden in: 1) Mittel, welche den Herzmuskel direct beeinflussen. Hierher scheinen zu gehören: die Metallsalze (von Kupfer, Zink etc.), Tartarus stibiatus, Apomorphin, vielleicht einzelne Säuren und Salze. Bemerkenswerth ist, dass die Kupfersalze, ehe sie lähmen, ebenso wie z. B. Atropin, erst heftig reizend auf das Myocard wirken. 2) Mittel, welche die hemmenden Herzganglion erregen oder lähmen. Atropin, Curarin, Methylstryclinin, Chinin, Lactuca virosa, Coniin (lähmt die Vagusenden), Milchsäure, milchsaure Salze, Kohlensäure, Kaliumsalze etc. (Mus-cariu, Pilocarpin, Kicotin wirken anfangs stark erregend auf den Herzmuskel, dann aber lähmend). 3) Mittel, welche central wirken : zahlreiche Narcotica und Alkaloide (Blausäure, Amylnitrit, CO u. s. \v.). Opium, Chloral, Bromkalium, Methyl-, Aethyl-, und Propylalkohol sollen allerdings die Herzaction durch Hemmung und directe Minderung derMuskelcontractilität deprimiren. 4) Mittel, welche reilectorisch wirken. Inhalation reizender Gase durch Mund und Sase, Reizung der Magenschleimhaut etc.: 5) Mittel, welche auf die Vasomotoren lähmend oder auf dieVasodilatatoren erregend wirken. Jedes Mittel, welches den Blutdruck und die Spannung im Arteriensystem mindert, beruhigt das Herz (z. B. Nitroglyoerin, Amylnitrit). 6) Mittel, welche die Blutmenge verringern, z. B. der Aderlass.
Die contrastimulirende Methode ist nicht mit der sedirendon zu verwechseln. Bei zu rascher Schlagfolge des Herzens wirkt man sedirend ohne aber einen de-pressorischen Einfluss auszuüben. In diesem Sinne werden viele Narcotica ange­wendet.
Nebenbei sei in Bezug auf die Herzmethoden noch bemerkt, dass die auf den Herzmuskel wirkenden Methoden in der Regel denselben Einfluss auf die Skelet-muskulatur entfalten.
2. Einwirkung auf die Blutgef äSSe (Angiotherapie). Mit den auf die Blut-gefässe wirkenden Methoden beabsichtigt man eine Verengerung (Meth. angio-sthenica) oder Erweiterung (Meth. angioasthenica) der Gefässe in grösserem oder kleinerem Gebiete, eine Erhöhung oder Minderung des örtlichen oder allgemeinen Blutdrucks (und hiermit mdirect eine Wirkung auf das Herz, eine Aenderung der Ernährungs-, Transsudations- und Secretionsverhältnisse der Gewebe und Organe) oder eine Aenderung der Ernährung der Gefässwände.
Es ist klar, dass jede Veränderung des Gefässlnmens eine Rückwirkung auf das Herz ausübt, und dass demnach alle Mittel und Methoden, welche die Blutge-fässe beeinflussen, indirect auch auf das Herz wirken. Deshalb hat man wohl auch praktisch von Medicamenta cardiaco-vascularia gesprochen und in diese Gruppe alle das Herz und die Gefässe beeinflussenden Medicamente zusammengefasst. Wissenschaftlich aber ist die von uns vorgenommene Scheidung in Herzmittel und Gefässmittel berechtigt.
Indicationen. Die Methoden sind indicirt bei Varicen und Aneurysmen zur Verkleinerung derselben, bei Blutungen zur Blutstillung durch Gefässverenge-rung, bei den Hämorrhoiden, bei gesteigerten Transsudationen (behufs
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Angiotherapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;619
Verengerung der transsiidirenden und resorbirenden Gefässo), Blutiiberfül-lungen oder bei Blutmangel in einzelnen Gebieten, bei krankhaft verminderten Secretionen (behufs Steigerung des Blutdrucks oder Erweiterung der Gelasse und Erhöhung des Blutgehaltes), bei Störungen der Horzthiitigkeit, bei ge­wissen Nervenaffectionen (durch tonische Mittel), bei temporären Hyperämien, bei gesteigerten Se- und Excretionen (durch Verengerung der Gelasse und contrahirende Wirkung auf das umliegende Gewebe (Balsamica) u. s. w. Bei Varicen und Aneurysmen kommt die Wirkung auf die Muscularis kaum in Betracht, weil diese atrophisch ist. Hier handelt es sich wohl mehr um eine retrahirende Wirkung auf Eiweisskörper, Fasern etc. der anderen Gefässhiiute.
Mittel. Die Gefässmittel wirken entweder auf die Gefässwiinde und deren Muskulatur oder sie wirken auf das vasomotorische und vasodilatatorische Centrum und zwar direct oder reflectoriseh. Die directe Wirkung auf die Gefässmuskulatur wird oft präsumirt, ohne dass ein sicherer Beweis für diese Art der Wirkung vor­liegt. Die Trennung zwischen Gefässmuskulatur und Nerven derselben ist noch nicht gelungen. Es ist meistens ganz unmöglich, bestimmt zu entscheiden, ob eine Wirkung direct auf die Muskeln und ihre Nerven oder relleotorisch durch einen Nervenretlexbogen stattfand. In Bezug auf die Innervation der Blutgefässe ist zu bemerken, dass sich 1) Ganglien in den Gefässwänden befinden, dass 2) diese ge­wissen Centren in der Medulla spinalis, dass 3) auch diese wieder den Centren in der Medulla oblongata unterstehen und dass endlich 4) auch die Grosshirn­hemisphären auf die Weite der Gefässe einwirken können.
1. Die Vcrciistü'iiiii; der Gefässe und damit die Erhöhung des Blutdrucks er­zielt man a) durch directe Beeinflussung der Gefässe durch innerlich verabreichte oder direct angewendete Metallsalze, Gerbstoffe u. dergl. Mittel. Beim innerlichen Gebrauche kommt namentlich die Wirkung auf die Gefässe der Ausscheidungsorgane in Betracht (cf. adstringirende Curmethode).
b)nbsp; nbsp;durch Wirkung auf die im Centralnervensystem gelegenen Centra: Am­moniak-, Baryt-, Kalisalze, Strychnin, Pikrotoxin, Cicutoxin, Delphinin, Coffei'n.
c)nbsp; durch reflectorische Wirkung: reizende Dämpfe (auf die Trigeiuinuspartion), Hautreize, Sinapismen u. dergl. Hier geht aber die Verengerung bald in Erweite­rung über.
Ganz besonders dürfte die Wirkung der ICälte zu erwähnen sein. Die Kälte wirkt offenbar direct physikalisch, aber auch indirect reflectoriseh contra-hirend. Letzteres kann auch durch die Hitze erreicht werden. Sobald diese so be­deutend ist, dass sie einen plötzlichen Nervenreiz bewirkt, erzeugt sie Gefässver-engerung. — Jede Wasserentziehung durch Adstringentien ruft einen Nervenreiz durch Druck des schrumpfenden Gewebes hervor und dadurch rellectorische Gelass-contraction. Alkohol entfaltet z. B. sehr gute Wirkungen bei Aneurysmen, Hä-morrhoiden und anderen Gelasserweiterungen.
Contrahirend auf die Gefässe scheinen in nicht genügend erforschter Art und Weise noch zu wirken: Seeale cornutum (Ergotin [verengert die Gehirngelasse stark und andauernd], Sklerotinsäure) und bei Catarrhen: die Balsamica und Exsiooantia, der Gopaivabalsam und die Cubebeu etc. Diese Mittel entfalten ihre Wirkung-offenbar nicht durch Verbindung mit den Secreten, sondern durch Wirkung auf die Gefässe und Gewebe.
E 11 e n b e rge r, Allyemeino Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; At)
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620nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Angiotherapie.
Man bezweckt mit der Gefassverergorung die Beseitigung von Hyper­ämien und Stauungen, die Verminderung von Transsudationen und Exsudationen, die Anregung der Resorption, die Minderung von Se-und Excretionen, eine Anregung des Herzens resp. die Erhöhung des Blutdrucks, die Verbesserung der Gowebsernährung durch Beschleuni­gung des Blutlaufs und Beseitigung von Stauungen u. dergl.
2.nbsp; nbsp;Die Erweiterung der Oefässc. Sie kann erreicht werden: a) direct durch Wärme, b) central durch die meisten Anästhetioa (Aether, Chloroform, Alkohol, Cyanwasserstoff, viele Alkaloide, Aconitin etc.), c) durch Wirkung auf einzelne Gefässgebiete (Getasscentren), (Amylnitrit, Kopf), arsenige Siiure (Splanch-nicus) (vielleicht Erregung gefässdilatatorischer Nerven), Nitroglycerin (setzt die Spannung der Gefässe herab), Cotoin undParaootoin (auf Abdomiualgefässe, nament­lich des Darmoanals), Atropin (auf periphere Gefässe), Chloral (auf Darmgefässe) u. s. w., d) refleclorisch durch alle anhaltenden und starken Haut- und Schleim­hautreize.
Im letzteren Falle ist die Gofässerweiterung in der Kegel einfach eine Ermü­dungserscheinung, seltener haben die betr. hautreizenden Mittel einen lähmenden Einfluss auf die Vasomotoren, üie Gefasserweiterung kann auch passive Folgeer­scheinung von Herzschwäche sein (Cyanose).
Mit der Gefässerweiterung geht eine Verringerung des Blutdrucks einher; die Getasswände werden durchlässiger, die Transsudation steigert sich u. dergl. (raquo;ie Gefässe erweiternde Methode kann demgemäss behufs Einschmelzung von Exsudaten u. dergl. in Anwendung gezogen werden. Selbstverständlich hat die Gofässerweite­rung auch eine Entlastung des Herzens eine Verminderung der Anregung dieses Organs zur Folge. Die Methode ist indicirt, wenn krankhafter Weise Gefäss-verengerungen in einzelnen Gebieten oder im Grossen bestehen (cf. erweiternde Methoden,).
Einige Gefässmittel reizen sowohl vasodilatatorische, als auch vasomotorische Nerven, sodass bei ihrer Anwendung an einzelnen Stellen Verengerungen, an anderen Erweiterungen zu Stande kommen (Atropin, CO,, Nicotin).
3.nbsp; nbsp;Auf die Eriiähriing der Khitgefihse. Jede Störung der Ernährung der Blutgefässe muss man dadurch auszugleichen suchen, dass man die Zufuhr an gutem arteriellen, sauerstoffreichen Blute zu den betr. Stellen steigert, den Abfluss befördert, Stauungen beseitigt und überhaupt die Circulation regulirt. Diese Me­thode kommt besonders bei Entzündungen in Anwendung. Manche Stoffe haben einen ganz hervorragenden Einfluss auf die Gefässwände, z. B. Alkohol und Phos­phor (zwei Mittel, welche die Gefässwände brüchig machen), Arsenik n. s. w. Die Adstringentien erhöhen den Tonus und damit auch die Ernährung der Gefässwände. Alle Mittel, welche die Gefässmuskulatur zur gesteigerten Thätigkeit anregen, bessern den Ernährungszustand derselben. Günstig wirken auch aromatische Bähun­gen und örtlich angewendete ätherische Oele (Flor, chamom., 01. Lauri, Spir. camphor., 01. Tereb., Linim. volat.). Sie verbessern die Ernährung der Gefäss­wände und regen die örtliche Circulation an.
Unter den Anomalien des Gefässsystems treten uns besonders Gongestionen (Hyperämien), Blutungen und Entzündungen entgegen; während Thromben-und Embolibildung häuüg ihre Ursache in der Beschaffenheit des Blutes finden. Die Behandlung der Blutungen und Entzündungen wurde bereits besprochen. Bei
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Die die Resorption beeinflussenden Methoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;621
Hyperämien verwendet man im Allgemeinen folgende Mittel: Kälte, Contrastimu-lantien, Excitantien (wenn die Hyperämie eine Folge von Erschlaffung ist), Ad-stringentien, directe und indirecte Evacuantien (örtlicher und allgemeiner Aderlass, Purgauzen etc.), Kcvulsiva, Druck, Massage, Hochlegen, zweckmassige Diät, Electricität.
Bei Anämien kommen folgende Mittel zur Anwendung: gute und intensive Ernährung, Besserung der Verdauung, Muskelbewegungen, Massage, Wärme, Hydro­therapie, reizende Heilmittel, Frottiren u. dergl.
D. Die die Resorption beeinflusseiuleu Methoden.
Einleitung. An allen Stellen des Thierkörpers finden normaler Weise Re-sorptionsvorgänge statt, welche bezwecken: 1) dem Blute neues Nährmaterial zu­zuführen, 2) den Geweben alles Verbrauchte, üeberlliissige und Schädliche zu ent­ziehen. Ersteres geschieht normaler Weise nur in dem Verdauungstracte und abnormer Weise bei hungernden Thieren in fast allen Geweben. Das Kesorbirte wird durch das Blut zu den hungernden Zellen und Geweben hingeführt.
Die zweite Art der Resorption muss in allen Geweben stattlinden, weil einer­seits die Blutgefässe mehr transsudiren, als zur Erhaltung der Gewebe und zu ihrem Kraftersatz nothwendig ist, weil andererseits in den Geweben fortwährend Stoff-wechselproducte entstehen, welche entfernt werden müssen und weil endlich zu­weilen StolTe in die Gewebe gelangen, deren Verweilen daselbst Nachtheile für diese und den Gesammtorganismus im Gefolge hat und die demnach zu entfernen sind. Namentlich lagern sich bei vielen Krankheiten StolTe, wesentlich Krankheits-producte, in die Gewebe, auf freie Körperflächen, in Höhlen und Canäle, welche auf dem Wege der Resorption fortgeschafft und den Excretionsorganen übergeben werden müssen. Das normale Leben der Gewebe hängt von einem ununterbrochenen Wechsel der Gewebsflüssigkeit ab. Dieser ist bedingt durch fortwährende Zufuhr neuer Flüssigkeit durch das arterielle und fortwährende Abfuhr des vorhandenen alten und verbrauchten Gewebssaftes durch das venöse und Lymphgefässsystem, in welches er auf dem Wege der Resorption gelangt. Diese geschieht demnach sowohl durch Venen und Capillaren, als auch durch Lymphgefässe und deren Anfänge und erfolgt nach den bekannten physikalischen und physiologischen Gesetzen. Resor-birbar sind nur reine Flüssigkeiten und solche, in denen sich feine Fett- u. dergl. Partikelchcn befinden. Der Resorption von nicht flüssigen Stoffen muss deshalb stets eine Verflüssigung resp. Verfettung vorhergehen.
Die Resorption kann nun abnormer Weise gesteigert oder vermindert sein. Dann muss durch die Kunst die Norm wieder herzustellen gesucht werden. Es können aber auch Umstände vorliegen, welche eine Erhöhung oder Verminderung der normalen Resorption an bestimmten Stellen, des Körpers wünschenswerth er­scheinen lassen. Audi in diesen Fällen muss die Kunst helfend eingreifen.
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622nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die die Resorption vermiiidernden Methoden.
1. Die die Resorption vermindernden Methoden.
Diese Methoden werden bei Besprechung anderer Carmethoden ab­gehandelt und nehmen auch eine geringere Steile in der Therapie ein als die umgekehrt wirkenden Methoden. Sie sind in allen denjenigen Fällen indicirt, in denen die Aufnahme schädlicher Substanzen in die Säftemasse des Körpers gehindert werden soll. Dies ist der Fall bei vergifteten Wunden, beim Vorhandensein von Giften im Vcrdauungs-canale, beim Vorkommen von in Zersetzung begriffenem Eiter, Jauche u. dergl. im Körper (z. B. im Uterus, in den Lungen), beim Eindringen von Contagien und Miasmen in Wunden, Canäle, Höhlen, Gewebe des Körpers u. s. w.
Die Mittel, welche die Resorption ganz und gar hindern oder nur mindern, sind verschiedener Natur. Beim Vorhandensein von Stoffen im Darmcanale, die nicht resorbirt werden sollen, verabreicht man Mittel, welche schwer diffusibel sind und dem Darminhalt diese Eigen­schaft mittheilen, oder solche, welche den Darminhalt rasch nach aussen schaffen (Brcch- und Abführmittel), oder solche, welche sich mit den betr. Stoffen zu unlöslichen und darum nicht resorbirbaren Körpern verbinden. Bei vergifteten Wunden an den Extremitäten legt man central eine elastische oder andere Binde um den betreffenden Theil, hemmt auf diese Weise das Strömen des Blutes und der Säfte gegen das Herz und erhöht den Druck in den betr. peripheren Theilen, sodass in diesen wohl Transsudation, aber keine Resorption auftritt.
Da Bewegung die Resorption hochgradig unterstützt, ist in den vorliegenden Fällen Ruhe indicirt. Thieren. welche Jaucheheerde im Innern tragen, die nicht entleert werden können, muss man Ruhe geben. Oft beobachtet man nach einer längeren Bewegung eines solchen Thieres den Eintritt einer schweren fieberhaften septischen Er­krankung.
Unter Umständen erreicht man auch durch das Verabreichen von Kalksalzen eine Verminderung der Resorption, weil dadurch der Vorgang der Verkalkung von Eiterherden, absterbenden Neubildungen u. dergl. befördert wird. Auch Wassertrinken kann die Resorption vermindern, indem es die Blutmenge vergrössert, das Blut dünnflüssiger und zu Transsudationen geeigneter macht-.
Im Grossen und Ganzen muss bei Ausführung der in Frage stehenden Methode gleichzeitig die Entfernung derjenigen Stoffe, deren Resorption zu befürchten ist, angestrebt werden. Vergiftete Wunden
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Die die Resorption befördernde Methode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;623
sind auszuwaschen, auszusaugen, auszubrennen; Eiter und Jauche im Uterus sind wegzuspülen, Abscesse zu öffnen; fremde Stoffe in der Nase sind durch Berieselungen und Niesen, aus dem Darmcanale durch Durchfall und Erbrechen zu entfernen.
2. Die die Resorption befördernde Methode.
Indicationen. Die in Frage stehende Curmethode bezweckt die Anregung der Resorption im Aligemeinen. Durch ihre Anwendung sollen solche Stoffe, die sich am unrechten Orte befinden und deren längeres Verweilen dem Organismus schädlich ist, durch Aufnahme in die eirculirenden Säfte von ihrem Aufenthaltsorte entfernt werden.
Sie ist indicirt bei Ergüssen in Höhlen und Gewebe, beim Vorhandensein von Faserstoffexsudaten, bei Ansammlungen von Eiter, Schleim, zähen, geronnenen, dichten, derben Krankheitsprodukten, abgestorbenen Gewebsstücken und extra-vasirtem Blut, bei Verdickungen, Indurationen, H\'per-trophien, Stasen, gewissen Neubildungen, beim Vorhanden­sein von Steinen und Concrementen.
Die genannten Objecte können zum Verschwinden gebracht werden: 1) durch direote Resorption. Ergüsse in Höhlen und auf seröse Häute und Schleimhäute sind meist direct resorbirbar; 2) durch fettige und granuläre Metamorphose. Das Ergossene und Geronnene und das Neugebildete verfällt der fettigen Meta­morphose und gelangt danach zur Resorption; 8) durch Erdrücken vermittelst neugebildeten Bindegewebes, das sich an seine Stelle setzt. Alle diese Vor­gänge stehen unter der Herrschaft des Nervensystems. Gewisse Nerven bestimmen die Ernährung und den Zerfall in den Geweben, sie regeln die Assimilation und die Ausscheidung der Zellen. Leiden diese Nerven oder erkranken die Zellen, dann schwellen die letzteren durch Blut- und Lymphbestandtheile an u. s. w.
Die Indicatio morbi s. essentialis bezweckt: Lösung des Löslichen, Begünstigung der Rückbildung des Neugcbildeten auf einen embryonalen Zustand. Begünstigung des körnigen und fettigen Zerfalls der Exsudate und Extravasate etc., Unterstützung der Bildung von Narbengewebe, Erhöhung der Resorptionskraft des Blutes und der Lymphe durch Erhöhung ihrer Concentration und der Venen und Lymphgefässe durch Minderung des Druckes in ihnen und Erhöhung des Druckes in den Geweben resp. in dem zu Resorbirenden und event, in den Arterien.
Die Indicatio prophylactica und causalis verlangen Auf­hebung oder Minderung der Exsudation, Transsudation und Secretion
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624nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die die Resorption befördernde Methode.
neuer Massen. Dies geschieht durch Anregung sympathischer Secre-tioncn, Herstellen einer freien Circulation und Vermehrung des Tonus in den transsudirendcn Geweben. — Die Therapie richtet sich demnach auch gegen die Dickblütigkeit, gegen Blutstauungen, Exsudationen, Hyperämien, harnsaure Diathesen u. s. w.
Mittel. Die Mittel der Methode wirken z. Th. mechanisch (Com­pression, Massago), #9632;/,. Th. revulsiv, z. Th. chemisch oder physikalisch lösend u. s. w. Man kann die Mittel nach ihrer Wirkung eintheilen in: 1) schmelzende, erweichende und lösende (cf. die erweichende und lösende Curmethode), quot;2) wegschaffende (durch Erleichterung der Circulation und Erhöhung der Resorption, z. B. durch die Antihydro-pica), 3) solche Mittel, welche durch tiefere Veränderungen die zu resorbirenden Massen auflösen, indem sie die regressive Metamorphose, die fettige und moleculäre Degeneration und die Bildung von Narben­gewebe anregen und unterstützen.
1.nbsp; nbsp;Der Druck. Jeder von einem anhaltenden Drucke beeinflusste Körpertheil schwindet. Dieses Schwinden lebender Gewebe ist z. Th. dadurch bedingt, dass der Druck die zuführenden Gefässe unterdrückt und Anämie, Ernährungsstörungen und regressive Vorgänge in dem ge­drückten Theilo erzeugt. Dazu kommt, dass unter dem Drucke die Gewebsspannung, d. h. der Gewebsdruck steigt und dass dadurch die Resorption erhöht wird. Der Druck stellt das vorzüglichste Mittel dieser Methode dar. Er wird verwendet in Eorm von Einwickelungen, Compressivverbänden, Einpflasterungen, Eingipsungen u. s. w. Der Druck muss auf den fraglichen Theil anhaltend und gleichmässig einwirken. Die Pilaster können gleichzeitig durch Reizung und Druck wirken. Selbst Aetzmittel wirken durch den Druck des Schorfs. Man ver­wendet den Druck therapeutisch: bei Hypertrophien, Neubildungen, Exostosen, Ostcophyten, Gewebsvcrhärtungen, Drüsenknoten, Hautver­dickungen, Gallen, Extravasaten, chronischen Schwellungen u. s. w.
2.nbsp; nbsp;Massiren. Die Massage befördert die regressive Metamorphose in hohem Grade (cf. Massage).
3.nbsp; nbsp; Hautreizende Mittel, scharfe Salben etc. (cf. hautreizende Methode). Diese Mittel befreien die Circulation und alteriren den Ca-pillarkreislauf, regen denselben und die Lymphcirculation an und be­fördern so die Resorption. Bei einzelnen Vesicantien erfolgt diese Wirkung nicht nur durch die Applications- und reflectorische, sondern auch durch eine Resorptionswirkung, z. B. bei Cantharidensalben. Das Cantharidin wird z. Th. resorbirt und beeinflusst vom Blute aus den Capillarkreislauf bedeutend.
Schwellungen von oberflächlich liegenden Lymphdrüsen, Hydrops der Gelenke und der serösen Säcke, Exsudatreste in der Tiele und dergl. Zustände werden durch Vesicantien und Suppuranticn oft recht günstig beeinflusst. Bei Exsudaten etc., welche direct in oder unter
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 625
der Haut sich befinden, wirken die scharfen Mittel schmelzend, indem sie vermehrte Transsudationen und Ernährungsstörungen, die zur Ver-.i'ettung führen, erzeugen. Bei scharfen Pflastern kommt noch der drückende Einfluss zum revulsiven hinzu.
4.nbsp; nbsp;Mittel, welche die örtliche Ernährung und Circulation durch Wirkung auf die Nerven oder die vasomotorischen Elemente direct beeinflussen und die Säfteströmung der Gewebe alteriren. In diesem Sinne wirkt die Electriciät. Der constante Strom kann durch seine kataphorische und katalytisohe Wirkung die Resorption ganz zweifellos erhöhen (cf. vorn). Die Electropunktur befördert die fettige Degeneration und kann so unter umständen Neubildungen zum Schwinden bringen.
5.nbsp; nbsp; Die sogen. Remedia resolventia (alterantia). Man ver­steht darunter Mittel, welche die Zertheilung von Entzündung und Schwollung und das Verschwinden von Krankheitsprodukten durch directe örtliche oder allgemeine, die Ernährung und den Stoffwechsel umstimmende, mehr oder weniger unbekannte Wirkung veranlassen. Eine Anzahl der Mittel erhöht den Wassergehalt des Blutes (durch Verdauungsstörungen, Störungen der Blutbildung, Hygroskopie etc.) und befördert damit die Diffusion des Blutserums in pathologische Producte. Andere Mittel lösen die zu resorbirenden Stoffe direct auf (Alkalien z. B. die Harnsäure und die harnsauren Salze etc.) Als solche z. Th. in ihren Wirkungen noch unbekannte, usuell als Resol­ventia bezeichnete Mittel sind zu nennen: die Alkalien, Säuren, die Schwefel-, Antimon-, Jod-, Brom-, Quecksilberpräparate. Sie alle gelten von Allers her als Resolventia, ohne dass man sich eine klare Vorstellung von ihrer Wirkungsweise machen konnte. Was wir heutzu­tage darüber wissen; soll nachstehend angedeutet werden. Das Nähere wird in der Arzneimittellehre abgehandelt.
a)nbsp; Die Alkalien, Ammoniakalien und ihre Verbindungen (Mittelsalze, Seifen etc.). Sie werden ilusserlich und innerlich verwendet. Sie verflüssigen Eiweisskörper und den zähen Schleim, binden Säuren und regen die liariisecretion an. Alle diese Momente wirken günstig für die Resorptionsprocesse. Bei äusser-licher Anwendung kommt auch ihre hautreizende, revulsive und erweichende Wir­kung in Betracht. Ganz besonders lösend wirken die Alkalien auf harnsaure Salze ein und befördern so die Kesorption der in Gelenken etc. vorhandenen harnsauren jS'iederschläge. Bei der äusserlichen Anwendung kommt zur lösenden noch die reizende Kali- und bei Salben die Fett-, bei Bädern die Warmwasserwirkung in Betracht. Kalibäder wirken bei chronischen Hautverdicknngen, Exsudationen unter der Haut etc. in der That sehr günstig.
b)nbsp; Säuren. Innerlich dürfte wohl nur die Essigsäure als ein die Schweiss-secretion steigerndes, gewisse Eiweissstoffe lösendes Mittel in Anwendung gelangen. Auch bei Reichthum des Harns an Phosphaten und der dadurch bedingten Gries-bildung sollen Säuren günstig wirken. — Aeusserlich können die Säuren vielfach als resorptionshefördemde Mittel verwendet werden; so hat man z.B. Ueberosmium-siiure in Geschwülste eingespritzt; so kann man die schorfbildende Wirkung der Säuren zur Üruckerzeugung benutzen u. s. w.
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626nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die die Resorption befördernde Methode.
c)nbsp; nbsp;Die Quecltsilborpräparat e gelten als Mittel, welche bei innerlichem Gebrauche nicht allein die Emigration (vielleicht durch lähmende oder tödtende Wirkung auf die Leucocyten), Exsudation und Neubildung- (durch deletäre Einwir­kung auf die lebenden Zollen) hemmen, sondern auch die Einschmelzung und Re­sorption erhöhen (Ilydrarg. bichlor. corr. 0,5—1,0; Hunde 0,005—0,03; Calomel 4—8 [6]; 0,5—0,8 [2—4]; 0,06—0,05). Eine sichere Erklärung für diese Wir­kungen der Quecksilbermittel giebt es nicht; ja, einige Autoren bestreiten sogar diese Wirkungen überhaupt. — Das Quecksilber soll auch äusserlich, in Form der grauen Salbe angewendet, zertheilend, einschmelzend und resorptionsbefördernd wirken. Man verwendet dieselbe bei acuten chirurgischen Leiden (Entzündungen der Lymphgefässe, Venen, Aponeurosen, Phlegmonen, beginnenden Verhärtungen und Eiterungen) als ein antiphlogistisches Resolvens und bei chronischen Zuständen (GewebsVerdichtungen, plastischen Ausschwitzungen, Ocdemen, Lymphophlebiten, Sklerosirungen der Haut, Unterhaut etc.) als ein Liquefaciens. Vogel rühmt die graue Salbe als das werthvollsie Zertheilungsmittel der Veterinärchirurgie.
d)nbsp; nbsp;Die Jodpräparate, besonders das Jodkalium (5—15,0 [20,0]; I—5,0; 0,3—2,0), werden innerlich als zertheilende, resorptionsbefördemde Mittel ge­braucht: bei exsudativen Entzündungen der serösen Häute, bei hyperplastischen Bindegewebswucherungen, bei Struma, bei Hypertrophien und chronischen Entzün­dungen der Lpmphdrüsen und anderer drüsiger Apparate u. s. w. Mit Sicherheil nachgewiesen ist die Jodkaliumwirkung beim Kropf. — Auch bei Metallablagerungen in den Geweben (chronischen Metallvergiftnngen) werden die Jodpräparate als resorptionsbefördemde Mittel gerühmt. — Die Jodpräparate (Jodtinctur, Jodkalium, Jodoform) werden auch äusserlich als zertheilende Mittel benutzt, wirken dabei wohl aber, insoweit sie nicht zur Resorption gelangen, nur als hautreizende Mittel, ohne einen specifischen Einfluss zu entfalten.
e)nbsp; nbsp;Die Antimoupr.äparate (Stibium sulfurat. rub. [15—30 (80); 10—20; 5—10], Tartarus stibiatus [1—4 (8,0); 0,1—0.2; 0,005—0,05]) werden bei ent­zündlicheraquo; Affectionen als zertheilende Mittel innerlich gegeben. Sie vermehren die HarnstoffaussolieicLung. Wie diese Mittel im üebrigen bei Katarrhen, Lungen-, Drüsenentzündungen etc. wirken, ist uns unbekannt.
f)nbsp; nbsp;Die Schwefelpräparate werden in der Thierheilkunde als resorptions­befördemde Mittel zuweilen noch in Anwendung gezogen, z. ?gt;. bei lymphatischen Stockungen und katarrhalischen Leiden und zwar in Verbindung mit Mittelsalzen und kohlensauren Alkalien (Flor. sulf. 10—20 [50]; 2—5; 0,3—1,0).
g)nbsp; nbsp;Arsenikpräparate sind verwendet worden gegen Lymphome, Sarcome, etc., sowohl innerlich, als subcutan und in Form von Einspritzungen in die Ge­schwülste. Sie erhöhen die Eiweisszersetzung in den Körperzellen; in welcher Weise sie resorptionsfördernd wirken ist zweifelhaft.
h) Co nun ist bei skrophulösen Zuständen als Resorptionsmittel empfohlen worden.
6.nbsp; nbsp; WasserzufuTir. Sie wirkt lösend, Blut verdünnend. Schweiss-und Harnkrisen anregend und dadurch die Resorption befördernd u. s. w.
7.nbsp; nbsp; Wasscrentzichung befördert die Resorption, indem sie den Organismus zwingt, das in seinen Höhlen etc. vorhandene Wasser in das Gefässsystem aufzunehmen, und hemmt Exsudationen und Trans-sudationen.
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 627
8.nbsp; nbsp; Alle Emollientia (cf. vorn). Sie lockern das Gefüge der Haut, weichen die Epidermis auf, vermehren den Parenchymsaft der •Gewebe. Bei Bindegewebsentzündungen wirken sie entschieden zer-theiiend oder maturirend, je nach dem Zustande der Blutgcfässe.
9.nbsp; nbsp; Wärme. Sowohl die trockene, als die feuchte Wärme wirkt steigernd auf den localen Stoffwechsel und regt zur Resorption an. Die Einschmelzung wird durch die Wärme (namentlich die feuchte), welche erhöhte Transsudation hervorruft, gefördert.
10.nbsp; nbsp;Die Verdauungsmitte] (Pepsin. Trypsin, Papayotin, Papayin, Doliarin). Diese Mittel kommen zur Zertheilung von Neubildungen, zur Lösung von geronnenem Blut und Faserstoff in der Weise zur Ver­wendung, dass man dieselben direct applicirt, z. B. bei Blutgerinnseln in der Harnblase Papayin in dieselbe injicirt u. s. w. Auf Neubildungen mit Blutzufluss und Blutwechsel haben diese Mittel keinen Einfluss. Exsudate etc. vermögen sie aber zu verflüssigen.
11.nbsp; nbsp; Die sogen. Rcmedia antihydropica. Es sind dies die Diaphoretica, Diuretica und die Diarrhoica. Sie wirken durch Blutein­dickung und Ableitung und die Diuretica auch dadurch, dass sie die der Diurese im Wege stehenden Hindernisse fortschaffen. Die resorptions-befördernde Wirkung dieser Mittel bei hydropischen Zuständen ist nachgewiesen.
12.nbsp; nbsp; Die Aetzmittcl bringen Neubildungen etc. zum Zerfall und damit zur Resorption (cf. vorn).
13.nbsp; nbsp; Die Remedia adstringentia et tonica. Sie wirken ört­lich und entfernt resorptionsbefördernd. wenn Schlaffheit der Gewebe und Gefässe besteht. Ausserdem sind zu nennen alle schorfbildenden und alle die Circulation steigernden Methoden.
14.nbsp; nbsp; Remedia diätetica. Diese Mittel wirken auf die allge­meine und damit natürlich auch auf die örtliclie Ernährung und Re­sorption. Die gute Ernährung regt den Stoffwechsel an und bedingt dadurch auch die Resorption gewisser Krankheitsproducte, z. B. bei der Skrophulosc und lymphatischen Ablagerungen. — Die schlechte Er­nährung führt zur Sclbstverzehrung. Der Hunger wirkt in gleichem Maasse lösend und resorptionsbefördernd wie der Durst und die Be­wegung. Letztere veranlasst schon bei normaler Verabreichung der Nahrung einen erhöhten Verbrauch von Kraftmaterial. Wird aber den Thieren dabei keine Nahrung verabreicht, so müssen sie von ihrem eigenen Körper leben und ihr Harn wird sauer, die Harnstoffausscheidung bedeutend u. s. w. Unter diesen Umständen werden natürlich auch und zwar in erster Linie die Krankheitsproducte in den Stoffwechsel­bereich hineingezogen, sie werden verbraucht, verbrannt. Dass hierbei die Resorptionskraft des Blutes steigt, ist selbstredend. Beim Hungern wird es arm an vielen Bestandtheilen; dadurch steigert sich der Dif­fusionsstrom nach dem Blute bin und wird die Resorption erhöht (cf. Entziehungscuren, Schroth'sche Curmethode). Diese physiologische Einschmelzung kann aber noch bedeutend erhöht werden durch An-
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626nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die die Resorption befördernde Methode.
c)nbsp; nbsp;Die (Juecksilborpräparate gelten als Mittel, welche bei innerlichem Gebrauche nicht allein die Emigration (vielleicht durch lahmende oder tödtende Wirkung auf die Leucocyten), Exsudation und Neubildung (durch deletäre Einwir­kung auf die lebenden Zellen) hemmen, sondern auch die Einschmelzung und Re­sorption erhöhen (Hydrarg. bichlor. corr. 0,5—1,0; Hunde 0,005—0,03; Calomel 4—8 [(!]; 0,5-0,8 [2—4]; 0,06—0,05). Eine sichere Erklärung für diese Wir­kungen der Quecksilbermittel giebt es nicht; ja, einige Autoren bestreiten sogar diese Wirkungen überhaupt. — Das Quecksilber soll auch äusserlich, in Form der grauen Salbe angewendet, zerlheilend, einschmelzend und resorptionsbefördernd wirken. Man verwendet dieselbe bei acuten chirurgischen Leiden (Entzündungen der Lymphgefasse, Venen, Aponeurosen, Phlegmonen, beginnenden Verhärtungen und Eiterungen) als ein antiphlogistisches Kesolvens und bei chronischen Zuständen (Gewebsverdichtungen, plastischen Ausschwitzungen, Oedemen, Lymphophlebiten, Sklerosirungen der Haut, Unterhaut etc.) als ein Liquefaciens. Vogel rühmt die graue Salbe als das werthvollste Zertheilungsmittel der Veterinärchirurgie.
d)nbsp; nbsp;Die Jodpräparate, besonders das .Jodkalium (5—15,0 [20,0]; 1—5,0; 0,3—2,0), werden innerlich als zertheilende, resorptionsbefördemde Mittel ge­braucht: bei exsudativen Entzündungen der serösen Häute, bei hyperplastischen Bindegewebswucherungeu, bei Struma, bei Hypertrophien und chronischen Entzün­dungen der Lpmphdrüsen und anderer drüsiger Apparate u. s. w. Mit Sicherheit nachgewiesen ist die Jodkaliumwirkung beim Kropf. — Auch bei Metallablagerungen in den Geweben (chronischen Metallvergiftungen) werden die .Jodpräparate als resorptionsbefördemde Mittel gerühmt. — Die Jodpräparate (Jodtinctur, Jodkalium, Jodoform) werden auch äusserlich als zertheilende Mittel benutzt, wirken dabei wohl aber, insoweit sie nicht zur Resorption gelangen, nur als hautreizende Mittel, ohne einen specißschen Einlluss zu entfalten.
e)nbsp; nbsp;Die Antimonptäparate (Stibium sulfurat. rub. [15—30 (80); 10—20; 5—10], Tartarus stibiattts [1—4 (8,0); 0,1—0.2; 0,005—0,05]) werden bei ent­zündlichen Affectionen als zertheilende Mittel innerlich gegeben. Sie vermehren die Harnstoffausscheidung. Wie diese Mittel im Uebrigen bei Katarrhen, Lungen-, Drüsenentzündungen etc. wirken, ist uns unbekannt.
f)nbsp; nbsp;Die Schwefelpräparate werden in der Thierheilkunde als resorptions­befördemde Mittel zuweilen noch in Anwendung gezogen, z. ?gt;. bei lymphatischen Stockungen und katarrhalischen Leiden und zwar in Verbindung mit Mittelsalzen und kohlensauren Alkalien (Flor. sulf. 10—20 [50]; 2—5; 0,3—1,0).
g)nbsp; nbsp;Arsenikpräparate sind verwendet worden gegen Lymphome, Sarcome, etc., sowohl innerlich, als subcutan und in Form von Einspritzungen in die Ge­schwülste. Sie eihöhen die Eiweisszersetzung in den Körperzellen; in welcher Weise sie resorptionsfördernd wirken ist zweifelhaft.
h) Coniin ist bei skrophulösen Zuständen als Resorptionsmittel empfohlen worden.
6.nbsp; nbsp;Wasserztifuhr. Sie wirkt lösend, ßlut verdünnend, Schweiss-und Harnkrisen anregend und dadurch die Resorption befördernd u. s. w.
7.nbsp; nbsp; Wasscrentziehung befördert die Resorption, indem sie den Organismus zwingt, das in seinen Höhlen etc. vorhandene Wasser in
•nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; das Gcfasssystem aufzunehmen, und hemmt Exsudationen und Trans-
sudationen.
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Mittel.
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8.nbsp; nbsp; Alle Emollientia (cf. vom). Sie lockern das Gefiige der Haut, weichen die Epidermis auf, vermehren den Parenchymsaft der Gewebe. Bei Bindegewebsentzündungen wirken sie entschieden zer-thcilend oder maturirend, je nach dem Zustande der Blutgefässe.
9.nbsp; nbsp; Wärme. Sowohl die trockene, als die feuchte Wärme wirkt steigernd auf den localen Stoffwechsel und regt zur Resorption an. Die Einschmelzung wird durch die Wärme (namentlich die feuchte), welche erhöhte Transsudation hervorruft, gefördert.
10.nbsp; nbsp;Die Verdauungsmittel (Pepsin. Trypsin, Papayotin, Papayin, Doliarin). Diese Mittel kommen zur Zertheilung von Neubildungen, zur Lösung von geronnenem Blut und Faserstoff in der Weise zur Ver­wendung, dass man dieselben direct applicirt, z. B. bei Blutgerinnseln in der Harnblase Papayin in dieselbe injicirt u. s. w. Auf Neubildungen mit Blutzufluss und Blutwechsel haben diese Mittel keinen Einfluss. Exsudate etc. vermögen sie aber zu verflüssigen.
11.nbsp; nbsp; Die sogen. Remedia antihydropica. Es sind dies die Diaphorctica, Diuretica und die Diarrhoica. Sie wirken durch Blutein-dickung und Ableitung und die Diuretica auch dadurch, dass sie die der Diurese im Wege stehenden Hindernisse fortschaffen. Die resorptions-befördernde Wirkung dieser Mittel bei hydropischen Zuständen ist nachgewiesen.
12.nbsp; nbsp; Die Aetzmittel bringen Neubildungen etc. zum Zerfall und damit zur Resorption (cf. vorn).
13.nbsp; nbsp; Die Remedia adstringentia et tonica. Sie wirken ört-
lich und
und entfernt resorptionsbefördernd. wenn Schlaffheit der Gewebe
Gelasse besteht, Ausserdem sind zu nennen alle schorfbildenden
und alle die Circulation steigernden Methoden.
14.nbsp; nbsp; Remedia diätetica. Diese Mittel wirken auf die allge­meine und damit natürlich auch auf die örtlicbc Ernährung und Re­sorption. Die gute Ernährung regt den Stoffwechselan und bedingt dadurch auch die Resorption gewisser Krankheitsproducte, z. B, bei der Skrophulose und lymphatischen Ablagerungen. — Die schlechte Er­nährung führt zur Selbstverzehrung. Der Hunger wirkt in gleichem Maasse lösend und resorptionsbefördernd wie der Durst und die Be­wegung. Letztere veranlasst schon bei normaler Verabreichung der Nahrung einen erhöhten Verbrauch von Kraftmaterial. Wird aber den Thieren dabei keine Nahrung verabreirht, so müssen sie von ihrem eigenen Körper leben und ihr Harn wird sauer, die Harnstoffausscheidung bedeutend u. s. w. Unter diesen Umständen werden natürlich auch und zwar in erster Linie die Krankheitsproducte in den Stoffwechsel­bereich hineingezogen, sie werden verbraucht, verbrannt. Dass hierbei die Resorptionskraft des Blutes steigt, ist selbstredend. Beim Hungern wird es arm an vielen Bestandtheilen; dadurch steigert sich der Dif-fusionsstrom nach dem Blute hin und wird die Resorption erhöht (cf. Entziehungscuren, Schroth'sche Cunnethode). Diese physiologische Einschmelzung kann aber noch bedeutend erhöht werden durch An-
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628nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Methoden, welche die Haut und ihre Functionen beeinflussen.
wendung von Abführmitteln, schweiss- und urintreihenden Mitteln und auch durch Anwendung von Hautreizen, welche reflectorisch den Stoffwechsel erhöhen.
Contraindicationen. Die resorptionsbefördenide Methode ist verboten, wenn es sich um Exsudate, Neubildungen u. s. w. handelt, die Stoffe enthalten, welche, in das Blut gebracht, gefährliche Krankheiten erzeugen. Im üebrigen richten sich die Contraindicationen gegen bestimmte Mittel und Wege. Bei allge­meiner Schwäche, Anämie, Hydrämie, Abmagerung, Chlorose etc. sind alle Zehr­mittel (entziehende Methode, Kali-, Quecksilber-, Jodmitte] etc.) verboten.
Anhang I. Anhangsweise müssen liier noch die Mittel und Methoden er­wähnt werden, welche eine Beschränkung der Granulation und Eiterung, der copiösen Se- und Excrete, die Entfernung deletär wirkender Feuchtigkeiten (bei Verjauchungen und feuchtem Brand) ohne Resorption und damit die Verhütung von Selbstinfectionen bezwecken. Man wendet in diesen Fällen Heilmittel an, die man als Exsiccantia oder Resorbentia bezeichnet: athmosphärisohe Luft, Holzkohle Ein-streupulver (Althaea, Mehl, Stärke, Gummi, Thon, Calc. carb., Colophonium, Ad-stringention und Amara und leichte Aetzmiltel [Alaun, Chlorkalk, Zucker]) etc. — Auch bei Anwendung der Medicamenta antaeida kommt das Wegschaffen ge­wisser Stoffe (der Säuren) in Betracht, ohne dass deren Resorption bezweckt ist.
Anhang II. Die Curmethoden, welche auf die Schilddrüse und die Lymphdrüsen wirken, können nicht besonders abgehandelt werden, weil wir darüber zu wenig wissen. Es ist uns bekannt, dass Jod einen hervorragenden Einfluss auf die Schilddrüse hat, und dass Quecksilber, Arsen und Antimon ganz besonders auf die Lymphdrüsen einwirken. Specielleres aber wissen wir nicht. Die Lymphbewegung hängt von der Blutbewegung ab. Die Methoden, welche die Blutbewegungen reguliren, wirken demnach auch auf die Lymphbewegung ein.
Die Erkrankungen der Milz und der Lymphdrüsen sind nach allgemeinen Kegeln unter Berücksichtigung der Wirkungen der genannten speciellen Mittel zu behandeln.
E. Methoden, welclie die Haut und ihre Functionen beeinflussen.
Die Curmethoden, welche auf die Functionen der Haut einwirken, sind zum grössten Theile bereits besprochen worden (S. 303—343). Nur diejenige ist bis dahin unerwähnt geblieben, welche die Haut als Excretionsorgan beeinflusst.
Die äussere Haut hat ausser vielen anderen Functionen (Wärmeregulation, Sinnes-, Schutz-, Athmungsfunclion) auch die, als Secretionsorgan (für Talg und Schweiss) zu dienen. Therapeutisch kommt namentlich die Schweissbildiing in Betracht. Durch die Thätigkeit der Sclnveissdrüsen wird aus dem Körper Material ausgeschieden, dessen derselbe zum Leben nicht bedarf, und der Wassergehalt des
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 629
Blutes regulirt. Die excretiellen Stoffe, insbesondere das durch die Haut nach aussen geschaffte Wasser, gelangen entweder im gasförmigen oder im flüssigen Zu­stande nach aussen und spricht man je nachdem von einer Perspiratio insensibilis oder sensibilis. Die Perspiration und die Schweissbildung hat für den Körper ganz besonders die Bedeutung der Wärmeregulation desselben.
Die secretorischen Functionen der Haut können durch die Anwendung gewisser Mittel gesteigert oder gemindert werden.
Anmerkung. An dieser Stelle ist es angezeigt, einige Bemerkungen über die Beeinflussungen der Secretionen überhaupt zu machen. Krankhafter Weise kommen Erhöhungen, Verminderungen und Qualitätsänderungen der Secretionen vor. Die Therapie bezweckt demnach ebenfalls eine Steigerung, Minderung oder Aende-rung der betr. Secretion und unterscheidet danach stimulirende, sedirende und regulirende Methoden. Zu diesen kommt dann noch eine Suppletivmethode, welche den künstlichen Ersatz für ein fehlendes, aber zu bestimmten Zwecken nothwendiges Secret anstrebt. Zu den stimulirenden Methoden gehören: die diuretische, diapho­retische, cholagoge, peptagoge, sialagoge, lactagoge, myxagoge etc. und zu den depressorischen: die paradiaphoretische, paradiuretische etc. Methode. — Die Se-cretionsmethoden bezwecken in der Regel, die Herstellung der Sonn bei abnormer Secretion. .Unter Umständen kommen sie aber auch zur Anwendung, um auf ent­ferntere Organe und deren Functionen oder auf den gesammten Organismus in heilsamer Weise einzuwirken.
Bei krankhaft gesteigerten Secretionen strebt die Therapie deren Verminderung an. Dies gelingt durch Entfernung der Ursachen der betreffenden Anomalie, Steigerung des Drüsentonus, Erregung sympathischer Absonderungen etc. Man verwendet aussei- hygienischen Maassregeln Mittel, welche das Nerven­system oder die Circulation beruhigen, oder hautreizende oder Mittel, welche sympathische Secretionen steigern (Purgantia, Diaphoretica etc.), oder adstrin-girende Mittel etc.
Bei Verminderung der natürlichen Secretionen wendet man die die Secre­tionen steigernden Mittel an, wie dies bei Besprechung der betr. Curmethoden ge­schildert werden wird.
Man stärkt die geschwächten Absonderungsthätigkeiten durch reizende, erre­gende Mittel, durch richtige Diät etc., vermehrt den Blutzutluss zu den betrefl'enden Drüsen, erhöht den Blutdruck in denselben, entfernt die der Secretion entgegen­stehenden Hindernisse, beschränkt symptomatische Secretionen etc. Man wirkt wesentlich auf das Blut und ändert dessen Beschaffenheit, oder auf das Nerven­system (und zwar entweder auf das vasomotorische und dadurch auf die Blutcircu-lation und den Blutdruck, auf die specifisch den Secretionen vorstehenden sogen, secretorischen Nerven), oder auf die secernirenden Drüsenzellen direct, vom Blute aus.
Qualitätsänderungen der Secrete bekämpft man auf causalem Wege. Man erforscht ihre Ursachen und sucht sie zu bekämpfen und wendet sich auch direct gegen die Qualitätsänderungen. Es kann dies geschehen durch Einwirkungen auf das Blut (sowohl durch Arzneimittel, als auch durch üiätetica), oder durch Einwirkung auf das Nervensystem. Abnorme Säuerung eines Secretes kann man durch alkalische Mittel vom Blute aus beseitigen, Beimischungen von Blut und Blutfarbstoff, Mangel an Salzen etc. lassen sich durch Einwirkungen auf Blut und Blutgefässe entfernen u. s. w.
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Methoden, welche die Schweissbildong mindern und steigern.
Sowohl bei Verminderungen als Qualitätsänderungen lümn die Substitutiv-methode Platz greifen.
1. Methode, weiche die Schwelssbildung mindert (Meth. antidiaphoretica).
Bei übcrmas.sigem Schwitzen, einem bei Thicron selten vorkom­menden Leiden ist die Anweiulung dieser Methode indicirt. Die Mittel und Wege der Methode sind folgende: 1) der örtliche und innerliche Gebrauch von Adstringentien, Acidum tannicum, Chinin, tannic, Plum­bum aceticum, Lärchen schwamm (Agaricus albus etc.); 2) Waschungen der Haut mit Alkohol, kaltem Wasser u. dergl., überhaupt alle ab­härtenden, tonisirenden Einflüsse; 3^ die Anwendung von Diureticis. Bei Steigerung der Nierenthätigkeit sinkt die Schwelssbildung; 4) trockene Fütterung, Wasserentziehung; 5) kräftige Ernährung bei Thieren, bei denen da.laquo; Schwitzen ein Zeichen von Schwäche ist; 6) Medicamente, die durch die Haut eliminirt werden, viele Salze, Tincturen, Schwefel, Antimon etc. — Agaricus albus (und das Potain) wirkt wahrschein­lich auch auf diesem Wege; 7) die phosphorsauren Kalksalze werden empfohlen; 8) bei periodischen Schweissen kann man die Antipcriodica versuchen; 9; bei gewissen Fällen wirkt das sonst sudorifere Opium paradiaphoretisch, ßeachtenswerth ist überhaupt, dass die sudoriferen Medicaraente bei krankhaften Schweissen diese häufig beseitigen (Ammon. acet. etc.).
2. Methode, welche die Schweissbildong steigert. Die schweisstreibende Methode (Math, diaphoretic o.
Die diaphoretische Ourraethode gehört zu den evacuircnden Me­thoden, wie z. B. die Meth. diuret.. purgans, emetica. sialagoga, errhiua etc. — Ihre Aufgabe besteht darin, die secretorische und excretorische Function der Haut anzuregen, die abnorm gesunkene auf die Norm zu erheben, die normale über die Norm zu steigern. Ob es bei Anwen­dung dieser Methode zu wirklicher Schweissbildung oder nur zu er­höhter Perspiratio insensibilis (zu erhöhter Verdunstung) kommt, hängt nicht nur von der Wirkungsweise der Mittel und den individuellen und Gattungsverhältnissen des Thieres ab, sondern ganz besonders von den Aussenverhältnissen. dem Wassergehalte und der Temperatur der Luft, dem Luftdrucke, der Bedeckung u. s. w. Ein wesentlicher Unterschied besteht zwischen Schweissbildung und Perspiratio insensibilis nicht.
Die nächsten Folgen einer gesteigerten Diaphoresc sind: Erhöhung der Hauttemperatur, Vermehrung des Blutreichthums der Haut, rascherer Blutstrom in derselben, Entziehung von Wasser, Salzen, Säuren, Harn-
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[ndicationeu.
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stoff u. s. w. aus dem Blute. Mit dieser vermehrten Stoff- ist auch eine höhere Wärmeabgabe und raschere Pulsfrequenz verbunden.
Den primären Wirkungen schliessen sich dann sceundäre Folgen an: Steigerung des Stoffwechsels, verminderte Harnsecretion, Schonung der Nieron, Steigerung des relativen Hämoglobingehaltes des Blutes, Minderung des Blutvolums und etwaiger abnormer Spannungszustände der Haut und ihrer Gelasse, Minderung profuser Se- und Excretionen, Ahnahme des Blutzullusses nach anderen Organen (also Aenderung der Blutverthcilung), Vermehrung der Abschuppung der Oberhaut, Steige­rung der Resorption im Körper. Letzteres ergiebt sieh daraus, dass die erhöhte Hautsecretion eine Abnahme des Wassergehaltes des Blutes bewirkt. Eine selbstverständliche Folge des Schwitzens ist auch, dass, wie erwähnt, die Harnmenge abnimmtquot; und dass der Harn speeifisch schwerer und reicher an Harnstoff wird.
Der Blutdruck sinkt anfangs bei reichlichem Schwitzen etwas. Die Anpassung der Gefässwände an den verringerten Inhalt und die ge­steigerte Resorption gleicht aber diese Erscheinung bald aus.
Die schweisstreibende Methode stellt einen sehr bedeutenden Ein­griff in das Leben des Organismus dar, sodass das Körpergewicht bei Anwendung dieser Methode oft recht erheblich abnimmt. Bei Krank­heiten kann sie grossen Nutzen stiften und schadet fast niemals. In der Thierheilkunde ist die schweisstreibende Methode von geringerer Bedeu­tung als in der Menschenheilkunde. Einmal sind einige Hausthierarten wenig zum Schwitzen geneigt, sodann ist aber vor Allem zu beachten, dass die in der Menschenheilkunde gebräuchlichsten Mittel bei Thieren gar nicht oder nur schwer anwendbar sind oder nicht wirken.
Indicationen. Die Lehre von der localen Therapie und der Loca­lisation der Krankheit hat das Ansehen der diaphoretischen Methode beeinträchtigt. Der vorurtheilslose Beobachter wird jedoch dieser Me­thode eine grosse Wichtigkeit nicht absprechen können. Man braucht blos die Naturheilproccsse zu beobachten, um dies einzusehen. Sehr oft schützt sich der Organismus vor dem Erkranken durch einen Sehweissausbruch, oder bekämpft damit bereits bestehende Krankheiten in wirksamer Weise u. s. w. Die Methode bleibt deshalb auch heute noch wichtig für den Therapeuten. Ihre Zwecke sind: Wiederherstel­lung der unterdrückten oder verminderten Hautsecretion, Blutverbesse­rung, Abkühlung, Entfieberung, Beruhigung und Abspannung, Ableitung (bei übermässigen anderweiten Secretionen), Anregung der Resorption und dergl.
Sie erweist sich besonders nützlich bei allen denjenigen Krankheiten, welche
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632nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schweissbildung steigernde Methode.
vermuthlicli die Ursache ihrer Entstehung in Störungen der Functionen der Haut gefunden haben (rheumatische und katarrhalische Leiden).
Vor allen Dingen sind hier diejenigen Krankheiten zu nennen, welche als Erkältungslcrankheilen bezeichnet werden und ihren Eintritt einer Kälteein­wirkung, namentlich einer plötzlichen Abkühlung der erhitzten Haut verdanken.
Eine klare Vorstellung darüber, inwieweit die Unterdrückung der Hautaus­dünstung und des Schmitzens schadet, hat man bis heute noch nicht. Wir wissen nur, dass das Ueberzieheu der Haut unserer Thiere mit einer dichten Decke Nach­theile für die Gesundheit derselben hat. Wenig widerstandsfähige und kleine Thiere sterben bei einer solchen Behandlung; grosse widerstandsfähige Thiere sterben zwar nicht, wie ich dies dargethan habe, erleiden aber bedeutende Störun­gen in den normalen Functionen ihres Organismus. Ob die Störungen aber durch die unterdrückte Hautausdünstung, oder durch andere Momente, z.B. durch falsche Wärmeregulation und zu starke Abkühlung, die ihre Ursache in der Thatsaciie finden, dass die Temperatur empfindenden Nerven der Einwirkung der Aussentem-poratur entzogen sind, bedingt sind, ist uns unbekannt.
Wir stützen uns bei Angabe der genannten Indication nur auf die Erfahrung. Diese lehrt uns, dass bei den sogen. Erkältungskrankheiten, die ihre Entstehung zwei Momenten, den durch die Reizung der Hautnerven auftretenden, die Circula­tion, die Blutvertheilung, die Wärmeregulation, die Athmung etc. beeinflussenden reflectorischen Vorgängen und dem durch das in der Haut abgekühlte, nach innen rüokkehrende Blut auf die warmen Gewebe ausgeübten Kältereiz verdanken dürften, die diaphoretische Methode mit grossom Nutzen angewendet wird.
Da eine lebhafte Hautthätigkeit bei allen Krankheiten von Nutzen ist, so erscheint die diaphoretische Methode gewissermassen bei allen Krankheiten, namentlich bei denjenigen, welche mit kalter, welker, schlaffer, oder mit ganz trockener Beschaffenheit der Haut einher­gehen, indicirt. Ganz speciell dürften aber noch folgende Leiden zu nennen sein:
1.nbsp; nbsp; Die rheumatischen und diejenigen katarrhalischen Krank­heiten, welche als Erkältungskrankheiten aufzufassen sind und alle Krankheiten, die mit Minderung der Hautthätigkeit und mit Steige­rung der Innentemporatur einhergehen und in Folge krankhaften Ver­haltens der Hautnerven eintreten (Fieber, Entzündungen). Bei allen diesen Leiden sind die Diaphoretica indicirt, so lange nicht grössere Veränderungen innerer Organe vorhanden sind, d. h. zu Anfang der Leiden.
2.nbsp; nbsp; Oedeme, Wassersuchten (Lungenödem, acuter Hydrops, Bauch- und Brustwassersucht). Bei allen Krankheiten, bei denen grössere Flüssigkeitsraengen zur Resorption gebracht und aus dem Körper entfernt werden sollen, ist die diaphoretische Methode mit Nutzen zu gebrauchen. Sie macht das Blut concentrirter, macht es durstig und steigert seine Resorptionskraft.
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;633
3.nbsp; nbsp;Gesteigerte Secretionen und Transsudationcn, z. B. profuse Darmentleerungen, Diarrhöen, Speichelfluss, Harnrulir u. dergl. Leiden, wenn sie durch gesteigerten Blatgehalt bedingt sind. Die Vermehrung der Schweisssecretion fuhrt aothgedrungen zu einer Minderung aller anderen Secretionen, weil die Schweissdrüsen dem Blute Secretions-material entziehen.
4.nbsp; nbsp;Nierenleiden, acute Nephritis etc. Bei diesen Leiden be­zweckt man, eine Entlastung der Nieren herbeizuführen (um diesen Orgauen Kühe zu geben), den excretiellen Stoffen einen anderen Weg nach aussen zu bahnen und den durch deren Zurückhaltung drohenden Nachtheilen soviel als möglich vorzubeugen.
5.nbsp; nbsp; Fettsucht. Reichliches Schwitzen zehrt. Dies ist eine alte Erfahrung. Der genauere Nutzen der diaphoretischen Methode bei der Fettsucht ist vorn besprochen worden.
6.nbsp; nbsp; Gewisse Hautkrankheiten. Bei chronischen Hautleiden, Hautausschlägen, die mit Trockenheit der Haut, starken Epidermis-auflagerungen und starker Schuppenbildung einhergehen, hat die diapho­retische Methode oft überraschende Erfolge. Aber auch bei den durch Milben veranlassten Hautkrankheiten ist diese Curmethode als Vorcur angezeigt. Durch die erhöhte Wärme der Haut, die sie im Gefolge hat. werden die Milben mobil, gelangen mehr nach aussen und werden der Wirkung der betr. Einreibungen zugänglicher.
7.nbsp; nbsp; Gicht des Menschen und andere Dyskrasien und Dia­thesen. Durch die vermehrte Schweisssecretion können Beimischun­gen des Blutes rascher entfernt werden, als dies sonst geschehen würde, z. B. Gifte und Medicamente, die z. Th. durch die Haut elimi-nirt werden.
8.nbsp; nbsp; Bei gewissen krampfhaften Affectionen kann die diapho­retische Methode als beruhigende und erschlaffende Methode in Anwen­dung gezogen werden.
9.nbsp; nbsp; Bei der gesunkenen Eigenwärme des Körpers, bei Abküh­lungen sine! warme Bedeckungen, warme Eingüsse und ähnliche Mittel der diaphoretischen Methode von Nutzen.
10.nbsp; nbsp;Als prophylaktisches Mittel ist die diaphoretische Methode bei allen Erkältungen resp. in allen Fällen, wenn durch irgend eine Veranlassung die Transspiration vermindert oder unterdrückt wurde, am Platze.
11.nbsp; nbsp;Ungenügende Krisen kann man durch Diaphoretica erhöhen.
12.nbsp; nbsp; Unterdrückung habitueller Schweisse oder sonstiger Secretionen beim Menschen.
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634nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schweissbildiing steigernde Methode.
Mittel. Alle Momente, welche den tUutdruok in den Capillaren der Schweissdrüsen erhöhen (Wassergenuss, hohe Temperaturen) wirken steigernd auf die Transsudation. Je nachdem, ob sieh die erhöhte Perspiration in Form der Schweissbildung äussert oder nicht, ob sie als sensible oder insensible Perspiration auftritt, werden die betr. Mittel als Diapnoica oder Hydrotica (Sudorifera, Sudorifica) bezeichnet. Da es aber mehr von äussereu Umständen als von der Art der Wirkung der Mittel abhängt, ob es zu einer Schweissbildung oder nur zu einer erhöhten Perspiration kommt, so kann dasselbe Mittel in dem einen Falle als ein Diapnoicum, im anderen als ein Hydroticum wirken. Demnach ist eine derartige Eintheilung der schwcisstreibenden Mittel nicht durchführbar und auch zwecklos.
Die Wirkungsweise der schweissireibenden Mittel ist verschieden. Die diaphoretische Wirkung kommt zu Stande durch Zuführung von Wärme oder Wasser von aussen oder innen, oder durch Beschleunigung der Circulation, Erhöhung der Temperatur und des Stoffwechsels, oder durch das Ekelgefühl, durch Abspannung und Schwäche, Erschlaffung der Hautgefässe und dergl. Einige diaphoretische Mittel entfalten ihre Wirkung central, d. h. sie reizen die in den Centralorganen gelegenen Schweisscentra und rufen dadurch den Schweissausbruch hervor. Andere Diaphoretica reizen peripher die Schweissnerven und die Elemente der Schweissdrüsen; wieder andere wirken nach beiden Richtungen. Manche Diaphoretica entfalten dadurch ihre Action, dass sie durch die Haut eliminirt werden und bei der Ausscheidung die Drüsen oder ihre Nerven reizen (Ammoniakalien); einige dieser Mittel wirken deshalb auch bei örtlicher Anwendung. Viele Diaphoretica wirken vom Blute aus, er­höhen dessen Wassergehalt etc., manche durch Beeinflussung des Nervus sympathicus und Acndcrung der Circulationsverhältnisse, manche da­durch, dass sie erregend auf die Circulationscentra und das Herz ein­wirken, manche wirken auch vom Grosshirn aus (psychisch), z. B. Erre­gung von Ekel und Angst.
Die schweisstreibende Wirkung der betr. Heilmittel muss beim therapeutischen Gebrauch derselben durch Regelung gewisser Aussen-verhältnisse, durch diätetische Maassnahmen unterstützt werden. Viele Mittel (z. B. Flores Sambuci, Tiliae, Arnicae, Herba Menthae piper., Melissae, Rad. Serpentariae, Campher, Alkohol, Aether etc.) wirken nur bei exaeter Anwendung dieser Maassnahmen schweisstreibend. Die betr. Maassnahmen bestehen im warmen Bedecken, reichlicher Wasser­aufnahme, Erhalten einer höheren Stalltemperatur, Bewegung unter der Decke und dergl. Einzeln stehende Pferde z. B. stellt man in einen
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Mittel.
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dicht besetzten, warmen Kuhstall mit feuchter Luft, da warme feuchte Luft den Schweissausbruch ausserordentlicli begünstigt. Dabei bedeckt man die Tiiiore einfach oder mehrfach mit wollenen Decken, um mehrere Schichten einer feuchtwarmen Atmosphäre (zwischen Haut und Decke, zwischen der ersten und zweiten Decke) zu schaffen. Kloinen Thieren kann man auch warmes Wasser eingiessen.
Wer diese Maassnahmon vernachlässigt, wird mit der Anwendung der schweisstroibenden Mittel bei Thieren keinen Schweissausbruch erzielen, wohl aber immerhin die Hautausdünstung steigern. Nur wenige Mittel wirken so stark diaphoretisch, dass sie, in gehöriger Dosis angewendet, unter allen Umständen Schwitzen hervorrufen. Die Erweiterung der Hautcapillaren bei der Nausea und bei warmer Tem­peratur giebt Prädisposition zum Schwitzen, sodass dann die Diapho-retica gut wirken. — Beim Menschen haben die Diaphoretica besseren Erfolg als bei den Thieren, weil man deren Wirkung durch Einwicko-lungen. Einbetten, warme Zimmer, warme Getränke, reichliche Wasser­aufnahme, feuchte Atmosphäre leicht unterstützen kann.
Manche iMittel sind gleichzeitig Diuretica und Diaphoretica. Acussere Verhältnisse entscheiden, nach welcher Richtung sie im specieilcn Falle wirken.
1. Die speeifisch schweisstreibenden Mittel. Wir ver­stehen darunter diejenigen Mittel, von denen wir mit Grund annehmen, dass sie einen hervorragenden Einfluss auf die Schweissnerven resp. ihre Centra und Endapparate (die Drüsenzellen [?]) ausüben. Es sind dies: Pilocarpin, Muscarin, Nicotin, Physostigmin, Strychnin, Picro-toxin und vielleicht auch Campher und Ammonium aceticum (Liq. Ammon. acet. 300—400; 30—50; 3—10; bei grossen Hausthieren anstatt dessen Tart. stib. 1—4 [8]; 0,1—0,4; 0.02—0,1). Alle diese ilittel wirken central; Pilocarpin und Muscarin wirken aucli peripher bedeutend, Nicotin und Physostigmin aber nur sehr schwach. Vcratrin gehört vielleicht auch in diese Gruppe. Es erzeugt bei subeutaner An­wendung locales, bei intravenöser allgemeines Schwitzen.
Die sämmtlichen ilittel wirken bei unseren Hausthieren bedeutend schwächer als beim Menschen. Vom Jaborandi sah Sicdamgrotzky gar keine diaphoretische Wirkung. Lungwitz und ich beobachteten, dass das Pilocarpin bei Pferden erst in grossen Dosen (0,5—0,8) be­deutenden Schweissausbruch hervorruft. Pilocarpin und Muscarin er­zeugen leicht Lungenödem. Tritt dieses ein, so hat man im Atropin ein absolut sicheres Gegenmittel. Als schweisstreibende Mittel führte man wohl auch noch Opium, China, Sassaparili etc. an.
Ob das Natrium salicylicum (15—80 [100]; 5- 15; 0,3—3,0), welches eine ganz hervorragende diaphoretische Wrirkung besitzt, speeifisch wirkt, ist noch unbekannt.
Ell en berge r, Allgemeine Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11
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636nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die schweisstreibende Methode.
2.nbsp; nbsp;Mittel, welche theihveise vom Blute und theilweise von den Nerven aus wirken. Vielleicht gehören diese Mittel theil­weise zu den .Specificis. Ihre Wirkungsweise ist noch nicht erforscht. Hierhin gehören: Essigsäure Tartarus stibiatus, Ammonium muri-aticum und aceticum, Antimon (Stib. sulf. nigr. 8—30 [45]; 8—15; 0,5—8), gewisse Narcotica und Acria, Schwefelpräparate (Flor. sulf. 15—30; quot;2—10; 0,5—1) und empyreumatische Mittel u. s. \v. In Bezug auf die Essigsäure sei bemerkt, dass bei vielen Menschen der Genuss selbst einer ganz geringen Quantität Essig schon heftiges Schwitzen hervorruft. In gleicher Weise wirken auch andere orga­nische Säuren (Citronensäure), vielleicht auch verdünnte Mineral-sauren und viele scharfe Mittel, z. B. Senf und Meerrettig.
3.nbsp; nbsp; Mittel, welche Ekel erregen. Alle Nauseosa und alle Brechmittel haben einen schweisstreibenden Einfluss, der sich aus anderen Wirkungen dieser Mittel, den geänderten Verhältnissen der Cir­culation, der Erschlaffung der glatten Muskulatur und der psychi­schen Einwirkung erklärt (cf. unten). Auch Gefühle von Angst und dyspn oischc Erscheinungen rufen den Schweissausbruch hervor. Erstere kann man z. B. durch das Fesseln der Thiere erzeugen, wobei aller­dings auch noch die Muskelbewegung in Betracht kommt.
4.nbsp; nbsp; Mittel, welche die Herzaction anregen und den Blut­druck steigern. Es sind dies die flüchtig erregenden Mittel, z. B. Flor. Sambuci (30—60; 8—15; 2—8 mit viel heissem Wasser), Flor. Tiliae, Chamomillae, Menthae etc., Campher (2-8 [16]; 1—2; 0,05 — 0.5), Spiritus, Aether, Arnica, Ammon. carbon. (8—15; 1—2; 0,2—1) u. s. w. Wird neben der innerlichen Verabreichung dieser Mittel noch durch äussere Bedeckung für eine starke Füllung der Flautgefässe, für eine feuchtwarme Schicht auf derselben und für gesteigerte Wasseraufnahme gesorgt, dann tritt Schwitzen ein.
5.nbsp; nbsp;Maassnahmen und Mittel, welche die diaphoretische Wirkung der Medicamentc unterstützen. Diese Maassnahmen können unter Umständen schon für sich allein den Schweissausbruch hervorrufen. Jedenfalls aber unterstützen sie die schweisstreibenden Medicamente sehr bedeutend in ihren Wirkungen.
a)nbsp; nbsp;Die Wärme. Eine hohe Aussentemperatur mindert die Wärme­ausstrahlung des Körpers, erweitert die Hautgefässe und macht die Haut blutreich, sie steigert auch die Wasserverdunstung und die Wasser­abgabe aus dem Blute. Bei trockener Wärme wird die gasige Haut­ausdünstung gesteigert, bei feuchter Wärme Schweissausbruch hervor­gerufen. Sobald die trockene Wärme bedeutender ist, führt auch sie den Schweissausbruch herbei. Man sorge (ür einen warmen Stall und trockene gute Streu und dergl.
b)nbsp; nbsp;Bedecken mit wollenen Decken und überhaupt schlechten Wärmeleitern in einfacher und mehrfacher Schicht. Bei diesen Proce-duren wird die Körperwärme zurückgehalten, die Hautlemperatur ge­steigert, die Hautgefässe erweitert und dadurch der Blutgehalt der
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 637
Haut und die Perspiration derselben erhöht. Es sind dies Alles Mo­mente, welche eine Prädisposition für das Schwitzen schaffen und die schweisstreibende Wirkung der Medicamente erhöhen.
c)nbsp; nbsp;Bedecken mit luft- nnd wasserdichten Hüllen. Diese haben einen ähnlichen Effect jvie die wollenen Bedeckungen.
d)nbsp; nbsp; Warme wässerige Getränke (b. M.) wirken, wenn sie reichlich genossen werden, schon an sich schweisstreibend, unterstützen aber die Diaphoretica in ihrer Wirkung stets. Sie erzielen den Erfolg sowohl durch das Wasser, als durch die Wärme. Man setzt solchen Getränken gern noch Mittel zu, welche die Circulation anregen und den Blutdruck erhöhen (Aromatica und Spirituosa).
e)nbsp; nbsp; Locale Reizmittel. Gute Hautpflege. — Reiben, Kneten, Walken, Bürsten, Striegeln, Bespritzen der Haut und Einreibungen mit Salmiakgeist, Terpentinöl, Campherspiritus, und ähnliche hautreizende Proceduren (Frottiren mit rauhen Lappen und Strohwischen) erhöhen die Disposition zum Schwitzen und regen die Hautthätigkeit an.
f)nbsp; Bedecken mit nassen Hüllen. Feuchtwarme Einwicke-lungen. Priessnitzumschläge. Alle diese Behandlungsmethoden regen die Hautthätigkeit an, steigern den Blutgehalt der Haut u. s. w. Die Priessnitzumschläge (cf. vorn) wirken, namentlich nach vorheriger Einreibung eines Rubefadens in die Haut, auch allein, ohne Anwendung innerlicher Sudorifica. — Das Einpacken der Thiere in nasse Tücher, über welche Wolle, wollene Decken, trockenes Stroh u. s. w. gelegt werden, ist bei kranken Thieren nicht schwer ausführbar.
g)nbsp; nbsp;Dampfbäder beim Menschen.
h) Die Electricität wirkt erregend auf die Hautthätigkeit und kann unter Umständen die diaphoretische Methode unterstützen.
i) Bewegungen, Muskelarbeit wirken durch die gesteigerte Herzaction und die vermehrte Wärmeproduction.
Contraindicationen. Gegen die Methode giebt es kaum eine Contraindi­cation, wohl aber gegen die Mittel. Bei Anwendung derselben ist, um Erkältungen zu vermeiden, Vorsicht 7,u gebrauchen; Zugluft abzuhalten etc. Nach dem Schwitzen ist die Haut abzureiben, event, abzuwaschen, leicht zu bedecken u. s. w.
Anmerkung. Bei fehlerhaft beschaffenen Schweissen (Chromidrosis etc.) muss nach der Ursache derselben, die in Blut-, Leber-, Nebennieren- etc. Erkran­kungen oder in Pilzansiedelungen in resp. auf der Haut zu finden ist, gesucht und danach die Behandlung eingerichtet werden.
Allgemeine Therapie der Hautkrankheiten. Wir unterscheiden sogen.
functionello Störungen der Hautthätigkeit (Hyper-, Hypo-, Paridrosis, Seborrboea, Hyper- und Anästhesie der Haut u. s. w.) und anatomische Veränderungen der­selben. Die Behandlung der ersteren geschieht nach der diaphoretischen, anti­diaphoretischen, sedirenden, excitirenden Curmethodo etc. Die eigentlichen Haut-affectionen können eingetheiit werden in a) locale Hauterkrankungen ohne Mit-alfection anderer Körperorgane, b) solche mit Ernährungsstörungen in anderen Organen als der Ursache derselben, c) solche mit Stoffwechselalterationen (Dia­thesen), welche die Localleiden veranlasst oder die Prädisposition zu denselben
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638nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Therapie der Hautkranklieiten.
abgegeben haben. Die erste Gruppe der Erkrankungen ist nur durch locale Mittel zu bekämpfen, während sich bei den beiden anderen Gruppen die Therapie auch gegen die causalen Krankheiten wendet.
Bei der Hauttherapie darf nie vergessen werden, welch' grosse physiologische Bedeutung die Haut für die Circulation, die Innentemperatur und den Stolfwechsel hat und in welcher Weise Hautreize diese Functionen alteriren. Dagegen ist der respiratorischeu Function der Haut eine grosse Bedeutung nicht beizulegen, wohl aber regulirt sie reflectorisch die Lungenathiuung. Nach meinen Untersuchungen kann man bei unseren Ilausthieren sehr grosse Hautgebiete ohne Nachtheil längere Zeit luftdicht bedecken.
a) Die Lucaltherapie, Sie richtet sich gegen Erosionen und Schwellungen der Haut, gegen das Nässen, gegen Pigmentveränderungen, Verliornungsanomalien, Entzündungen, Hyperämien, Volumsveränderungen, gegen den Juckreiz, Neuralgien u. s. w. Zu den Mitteln der Methode gehören: Wasser, Seifen, Fette, Theer, aro­matische Säuren und aromatische Verbindungen, Merkur- und Jodpräparate, Aetz-mittel, chirurgische Instrumente u. s. w. Die Anwendung erfolgt epi-, en- und hypodermatisch.
Wasser reinigt die Haut, erweicht und schafft die Krankheitsproducte fort, erschlafft oder tonisirt das Hautgewebe je nach der Art der Anwendung, seiner Temperatur u. s. w. Bei Hunden und Schufen sind Voll-, bei grossen Ilaus­thieren Theil-Bäder (Fussbäder für die Vorderbeine etc.) mit inedicamentösem Zusatz im Gebrauche. Die hauptsächlichsten den Bädern zugesetzten Mittel sind: Schwefel, Pottasche, Schwefelleber, Theer, Seife, Sublimat, Arsenik, Carbolsäure.
Die Seife dient wesentlich als Reinigungsmittel der Haut, indem sich ihr überschüssiges Alkali mit dem Fette der Haut verseift. Sie wird aber auch zum Heizen und Maceriren verwendet.
In der Thierheilkunde benutzt man nur die salbenähnliche Schmierseife. Die stärkeren Kaliseifen wirken bei längerer Anwendung ätzend auf die Haut; deshalb ist Vorsicht geboten. — Man verbindet die Seife unter Umständen mit anderen Mitteln, z. B. mit Styrax bei parasitären Leiden, mit Theer (Auspuiz zieht den destillirten Theer in Substanz vor), Carbolsäure u. s. w.
Die Fette dienen besonders als Deck- und Schutzmittel. Sie wirken aber auch günstig auf die Ernährung der Haut, ihre Regeneration und den Ablauf ihrer Functionen. Ausserdem besitzen sie emollirende Eigenschaften; sie be­schränken die Perspiration und Wärmeabgabe und bedingen dadurch grössere Durchfeuchtung und Erwärmung der Haut. Salbenmassen sind in der Regel besser als flüssige Gele, weil sie dichter sind. Pflaster sind thierärztlich wenig verwendbar.
Der Theer. Alle reinen Theere (destillirte Holztheere) beschränken die Schuppenbildung, den venösen Blut- und den Säftegehalt der Haut, beseitigen den Juckreiz etc.
Kreosot, Carbolsäure, Salicylsäure haben ähnliche Wirkungen wie die Theere. Sie wirken auch tödtend auf die Hautparasiten, gleichgültig, ob diese pflanzlicher oder thierischer Natur sind.
Auch das Chrysarobin, die Pyrogallussäure und das Benzoeharz sind gegen Hautausschläge empfohlen worden. Besondere Vortheile scheinen sie nicht zu haben.
Die Quecksilberpräparate dürften oft in den gedachten Richtungen besser
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 639
wirken als Theer. Sie haben einen grösseren Einfluss auf die pflanzlichen Haut­parasiten, die doch vielfach Ursachen der Schuppenbildung und des Juckreizes sind (Sublimatlösung 1:500, Ungt. praecip. album, Sublimatcollodium).
Auch die Schwefelpräparate und verschiedene Harze (Perubalsam, Styrax etc.) wirken den Theeren ähnlich. Perubalsam und Styrax sind die besten Mittel gegen Hautparasiten (cf. vorn).
Aetzmittel werden auf die Haut applicirt, um Krankheitsproducte, Krank­heitserreger und Gewebswucherungen zu zerstören, um stark zu reizen und um substitutiv zu wirken.
Ueber die Wirkung der hautreizenden Mittel bei Hautkrankheiten s. vorn (S. 314).
Austrocknende Pulver sind bei stark nässendenHautstellen (Al.ustum etc.), adstringirende Mittel bei Zuständen von Erschlaffung indicirt.
ÜS'eben der Anwendung von Medicamenten auf die Haut sind oft noch chirur­gische Proceduren in Anwendung zu bringen. In der Thierheilkunde wird von der mechanischen Behandlung der Hautkrankheiten wenig Gebrauch gemacht.
Die Hautentzündungen werden nach den Regeln derMeth. antiphlogisticanbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; __
behandelt.
b) Die innerliche Itchaiullans;. In erster Linie sind alle Mittel zu nennen, welche auf den Stoffwechsel, die Blutbereitung und -circulation und auf die Er­nährung einen günstigen Einfluss ausüben. Sie unterstützen natürlich die Local-behandlung. Aussei- diesen Mitteln giebt es aber noch Medicamente, welche einen mehr oder weniger speeifischen Einfluss auf die Haut besitzen. Zu diesen gehören: Arsenik, Jod, Pilocarpin, Ergotin, Atropin. Die arsenige Säure bessert das Aussehen der Thiere, macht das Haarkleid glatt und glänzend und wirkt auch günstig bei chronischen Hautausschlägen. Ein Gleiches wird von den Alkalien behauptet. Ob diese Wirkungen durch locale Beeinflussung der Haut von den auf diesem Wege zur Elimination gelangenden Mitteln erreicht werden oder in anderer Weise, ist uns unbekannt. Auch das Quecksilber, Jod und Belladonna haben einen besonderen Einfluss auf die Haut. Man beobachtet beim innerlichen Gebrauche derselben das Auftreten von Hauterkrankungen und Hautausschlägen. Die oben genannten Alkaloide werden gegen Neurosen und Angioneurosen der Haut verwendet. Dass sie die Circulation und den Blutgehalt der Haut beeinflussen, darf als zweifellos festgestellt gelten.
Prophylaktisch sei zur Ilauttherapie bemerkt, dass man durch gute Haut­pflege und Abhärtung (Meth. derraatotonica) Hautkrankheiten abhalten und einen besseren Verlauf unvermeidlicher Krankheiten sichern kann.
Die haarwuchsbefördernden (Meth. trichagoga) und die haarzer­störenden Mittel (Meth. epilatoria s. depilatoria) kommen thierärztlich kaum zur Verwendung. Von Pferdehändlern werden wohl beide Arten der Mittel angewendet, und zwar die letzteren zur Erzeugung weisser Abzeichen, die ersteren um haar­lose Stellen, wie sie nach Anwendung scharfer Salben etc. entstehen, rasch zu be­seitigen. Die Pferdehändler sollen z. Th. auch dermocosmetisch wirken, indem sie zur Verbesserung des Haarkleides Arsenik verabreichen.
A
ii
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640 Cnrmethoden, welche die Harnbrgane und ihre Functionen beeinflussen.
F. Curmetlioden, welche die Harnorgane und ihre Fimctiouen
beeinflussen.
Die Harnorgane bezwecken die Secretion und die Abführung des Harns aus dem Körper. Zunächst beschäftigen wir uns nur mit der Harnsecretion. Diese erfolgt in den Nieren. Bei dem Secretionsvor-gange kommt sowohl eine Eigenthätigkeit des Nierenparenehyms (der Nierenzellen), als auch eine durch die eigenthümliehen Blutdruckver-hältnisse der Nieren bedingte mechanische Transsudation aus den Blut-gefässen in Betracht. Drei Momente, der Blutgchalt der Nieren, die Beschaffenheit des Blutes und der Blutdruck in den Niercngefässen sind aussei- der Eigenthätigkeit der Nierenzellen von grösster Wichtigkeit auf die Harnsecretion; je nachdem erscheint dieselbe erhöht, vermin­dert oder verändert.
Therapeutisch kann die Harnsecretion bedeutend beeinllusst werden (Medic, nephritica). Wir besprechen nachstehend die harnvermehrende und harnvermindernde Methode und betrachten die harnalterirenden Maassnahmen in dem Capitcl über allgemeine Therapie der Harnorgane.
1. Methode, welche die Harnsecretion befördert (Meth. diuretica).
Der Zweck der diuretischen Methode ist Anregung der Nieren-thätigkeit und Vermehrung der secernirten Harnmenge.
Folgen der Diärese. Die bei vermehrter Harnsecretion eintretenden Folgen sind wesentlich: 1) raschere Entfernung schädlicher exerc-tiellcr Stoffe, namentlich der Stoffwechsel- und der Krankheitsproducte, der Krankheitserreger, krankhafter Zcrselzungsproductc etc. aus dem Kör­per ein; 2) Verminderung der Säftemasse des Organismus, nament­lich der wässerigen ßestandtheile desselben. 3) Dadurch, dass mit der erhöhten Diuresc ein vermehrter Blutzulluss zu den Nieren verbunden ist, kann eine Ableitung des Blutes von erkrankten Organen eintreten. 4) Durch die vermehrte Harnausscheidung wird der Blutdruck im ge-sammten Gefässsystem herabgesetzt. Dies wird zwar durch vermehrte Aufnahme von Flüssigkeiten aus den Geweben und Anpassung der Gefässc an die Blutmengo bald wieder ausgeglichen. Immerhin hat dieses Moment eine Entlastung der Gewebe, eine Verminderung des Wassergehaltes derselben zur Folge. 5) Durch reichliche Harnbildung wird der Wassergehalt des Blutes vermindert und das Blut concentrir-ter und gewissermassen eingedickt. Die Folge davon ist, dass der
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Indioationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 641
Diffusionsstrom von den Ganglienzellen, don Körperhöhlen und den oxsudirten Flüssigkeiten in das Blut lebhafter und die Resorption dadurch bedeutend gesteigert wird. 6) Durch die Wirkung vieler Diuretica entsteht direct oder indirect durch die in Folge der erhöhten Diurese vermehrt ausgeschiedenen Zersetzungsproducte eine Nierenreizung; dadurch kann eine derivatorische Wirkung erzielt werden. Die durch die Diuretica bedingte Nicrenreizung ist jedoch nicht bedeutend und erstreckt sich meist nur auf die Nerven. Ganz anders liegt dies bei der Nierenreizung, die wir bei fieberhaften Krankheiten beob­achten. Diese betrifft die Drüsenzellen und ist bedeutend und anhaltend. In Folge dessen wird die Seeretion gemindert, weil die Drüsenzellen degoncriren und ihre Ernährung leidet. 7) Die Diurese regt den Stoffwechsel an. Die Vermehrung der Harnmenge geht in der Regel mit Vermehrung der Harnstoffausfuhr einher. 8) Der Harn wird flüssiger, wasserreicher, speeifisch leichter und weniger reizend; der Harn­druck in den Ausfuhrwegen steigert sich. Der wasserreichere Harn ist ein besseres Lösungsmittel als der wasserarme und die grössere Harnmenge spült unter grösserem Drucke leicht Sedimente und fremde Stoffe fort und spült die Blase aus. 9) Die starke Diurese bewirkt, dass bei fieberhaften Krankheiten die Innentemperatur sinkt. Durch den erhöhten Stoffwechsel wird zwar die Wärmeproduction etwas erhöht. Dies Moment kommt aber gar nicht in Betracht gegen die bei der Diurese statthabende Entfernung der pyrogenen Stoffe. Ausserdem geht auch mit dem entleerten warmen Harn eine gewisse Menge von Wärme direct verloren. 10) Die Diuretica veranlassen nicht selten auch eine Reizung des Genitalapparatcs.
Indicationen. Die diuretische Methode kann angewendet werden behufs Ausführung angehäufter excretieller Stoffe, Steigerung und Anregung der sogen. Harnkrise, Beförderung der Resorption, Fort­schaffung von Krankheitserregern und -Producten, Entlastung der Ge­webe und behufs Erreichung reizderivatorischcr Zwecke. Sie wird auch bei den verschiedensten Krankheiten versuchsweise benutzt, weil sie sollen schadet, sehr oft aber nützt.
Sie ist in der Veterinärpraxis um so wichtiger, als die diaphoretische Methode bei Thieren weniger leistet als beim Menschen, sodass man die diuretische als Er­satz für die diaphoretische Methode benutzen muss. Die Wichtigkeit der diure-tischen Methode erkennt man am Besten an denjenigen Fällen, bei denen auf dem Wege der Selbsthülfe eine gesteigerte Diurese zu Stande kommt und die Hellung herbeigeführt wird. Für die Anwendung der diuretlschen Methode beachte man noch, dass man das in dieser Richtung auftretende Naturhellbestreben stets unter stützen muss.
Folgende Gruppen von Krankheiten verlangen ganz besonders die Anwendung der diuretischen Methode:
1) Alle durch verminderte oder aufgehobene Harn-secretion bedingte, und 2) alle Krankheiten, welche mit
::i.
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642nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Methode, welche die Harnseoretion befördert.
Anhäufung von resorbirbaren, aber überflüssigen Stoffen im Körper einhergehen.
Die TTarnansscheidnng bezweckt normaliter die Ausscheidung von gelösten Stoffwechselproducten und von Stoffen, welche im Körper überflüssig sind, dem Stoffwechsel nicht dienen können und durch längeres Verweilen dem Körper schädlich werden. — Sobald in Folge irgend welcher Umstände mehr über­flüssige oder schädliche Stoffe im Körper sind als, normal, muss eine Vermehrung der Harnsecretion eintreten, um die Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen. Erfolgt dies nicht von selbst, dann muss die Kunst bestrebt sein, den Process herbeizuführen. Ebenso ist es, wenn die Harnseoretion unterdrückt ist; in diesem Falle droht Anhäufung der excretiellen, schädlichen Stoffe im Organismus und da­durch Krankheit, wenn nicht durch Steigerung der Nierenthätigkeit vorgebeugt wird. Sobald sich die Harnausscheidung bessert, tritt die Genesung ein.
Ad 1. Zu dieser Gruppe von Krankheiten gehört: die einfache unterdrückte Harnsecretion ohne nachweisbare Ursache, die fieberhaften Krankheiten bei Beginn der Krise und gewisse ner­vöse Leiden (Torpor, Lähmungen der Harn- und Geschlechtsorgane) und Krankheiten, bei denen gerinnbare Stoffe und albuminöse Exsudate in den Harncanälchen die verminderte Harnausscheidung verursachen.
Bei den meisten fieberhaften Krankheiten der Fleischfresser ist die Harn­secretion vermindert, der Harn sedimentirt und ist speeifisoh schwerer als normal. (Bei den Pflanzenfressern sedimentirt der normaliter sedimentirende Harn während des Fiebers nicht.) Mit dem Eintritt der Besserung dieser Krankheiten pflegt plötzlich vermehrte Harnsecretion einherzugehen (Harnkrise). Die Harnkrise kann a) die Ursache, oder b) die Folge der Besserung, oder c) ein zufälliges Vorkomm-niss sein, das Beziehungen zum Fieber hat. Ad a) Beim Fieber entsteht in Folge der vermehrten Bildung excretioneller Stoffe, d. h. der Stoffwechselproducte, bei gleich­bleibender oder verminderter Ausfuhr eine Anhäufung derselben in den Geweben und später im Blute. Diese Stoffe können durch Nierenreizung eine vermehrte Urinsecretion bedingen. Da sie nun nicht selten reizende und pyrogenetische Stoffe sind, so hat ihre Ausscheidung (d. h. die Ausscheidung von Krankheitsproducten, welche die Krankheit verschlimmern) die Minderung des Fiebers zur Folge. In anderen Fällen häufen sich im Blute Krankheitserreger an, die von aussen aufge­nommen worden oder Krankheitsproducte, die aus Krankheitsherden im Körper stammen. Auch diese können durch Nierenreizung erhöhte Diurese bedingen. In beiden Fällen hat die vermehrte Harnausscheidung die Besserung des Leidens zur Folge und ist Ursache der Besserung. Sie ist demgemäss von Therapeuten zu unterstützen.
Ad b) Bei fieberhaften Krankheiten besteht in der Regel eine Nierendegene­ration, welche verminderte Harnsecretion und Anhäufung der excretiellen Stoffe im Körper zur Folge hat. Mit dem Eintritte der Besserung der Krankheit schwindet die Nierenerkrankung, die Schleusen werden geöffnet, die Hindernisse der Secretion entfernt und es tritt eine vermehrte Harnsecretion ein, weil mehr excretielle Stoffe vorhanden sind als normal. In diesem Falle ist die vermehrte Diurese nicht Ur­sache, sondern Folge der Besserung. Da sie aber immerhin günstig wirkt, ist ihre
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Indioationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;643
Steigerung indicirt. Auch kann man versuchen, den Eintritt der Harnkrise zu be­schleunigen.
Ad c) Bei gewissen Krankheiten besteht neben den wesentlichen Anomalien noch ein vermehrter Blutzufluss zu den Nieren und erhöhter Blutdruck daselbst. Die dadurch voranlasste erhöhte Diärese hat mit der Besserung der Krankheit nichts gemein.
Die Anhäufung exoretieller StofTe hat nicht selten das Auftreten nervöser Leiden zur Folge. Die Anregung der Diärese wirkt dabei natürlich heilsam.
Ad 2 sind spccioll zu nennen: Hydropsien, Transsudationen, Exsudationen, Oedeme, chronische Metallvergiftungen, Gicht, Lithi-asis, Fettsucht, Plethora, Ansammlung von Krankheitskeimen und Krankheitsproducten im Blute (Sepsis, Dyskrasien, Diathesen) u. s. w.
Die diuretische Methode beschleunigt in der oben angegebenen Art und Weise die Resorption der Trans- und Exsudate und deren Elimination. — Selbstverständ­lich kann bei Wassersuchten, Trans- und Exsudationen die Heilung nur erwartet werden, wenn die Ursachen dieser Processe oder Zustände zu entfernen sind. Bei unheilbaren Circulationsstörungen als Ursache der Transsudationen kann die Diurese nur vorübergehend Erleichterung verschaffen, also nur palliativ wirken. Ist aber die Ursache zu heben, dann kann in Folge der verstärkten Diurese die angesammelte Flüssigkeit aus dem Körper entfernt und damit die Heilung herbeigeführt werden. So ist die diuretische Methode von Nutzen bei Wassersüchten, die durch ver­minderte Diurese und bei solchen, die durch Schwäche und hydrämische Zustände bedingt sind, wenn bei letzteren die stärkenden Methoden gleichzeitig in Anwen­dung gelangen. Auch bei den acuten fieberhaften Krankheiten, die mit Wasserer­güssen einhergehen, ist die diuretische Methode zu versuchen. — Die Wirkung der Diurese bei chronischen Metallvergiftungen, bei denen Gifte im Blute und in den Geweben zugegen sind, die ausgeschieden werden müssen und deren Elimi-nationsorgano die Nieren sind, ist die günstige Wirkung der Diuretica leicht einzu­sehen. Ebenso ist dies mit der Gicht (Harnsäureanhäufung im Körper) der Fall. — Der Nutzen der Methode gegen Fettsucht liegt in der Verminderung der Säftemasse des Körpers (of. vorn). Gegen lebende oder todte Krankheitserreger und gegen Krankheitsprodiicte nützt die diuretische Methode der Regel nach nur, wenn auf andere Weise die Zersetzung dieser Körper eingeleitet wird.
3.nbsp; Das Vorhandensein von Harngries und kleinen Harn­steinen. Durch den in grösseren Massen secernirten Harn kann ein Herausspülen und Herausdrängen dieser fremden Körper aus den Harn­wegen versucht werden. Ausserdcra wirkt bei diesen Krankheits-zuständen die Diurese noch prophylaktisch günstig ein. Der wässerige Harn kann weniger Anlass zur Vergrösserung und Bildung dieser fremden Körper geben. Bei diesen Krankheiten wählt man solche Diuretica, welche gleichzeitig chemisch lösend auf die Concreraente etc. einwirken.
4.nbsp; nbsp; Das Vorhandensein von Schleim, Blut, Eiter in den Harn wegen behufs Ausspülens dieser fremden Körper aus denselben.
.
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644nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Methode, welche die Ilarnsecretion befördert.
Auch in diesem Falle sind als Diurotica chemische Lösungsmittel der genannten Stoffe, z. B. Alkalien zu verwenden.
5.nbsp; nbsp; Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane über­haupt (Nieren- und Blasenkatarrh), um den Harn zu verändern, seine Menge zu vermehren, Reize zu mildern, Hyperämien zu beseitigen, Nerven zu reizen, Reflexbewegungen anzuregen. Bei Lähmungszu-ständen der Blasenmuskulatur, sowohl des Detrusor als des Sphincter kommen reizende Diuretica mit Erfolg in Anwendung.
6.nbsp; nbsp;Krankhaftes Schwitzen. Die vermehrte Harnsecretion setzt die Schweisssecretion auf sympathischem Woge herab.
Mittel. Auf die Harnsecretion haben hervorragenden Einfluss: der Blutdruck, die Herzthätigkcit, die innervationszustände der Nieren, die Concentration und Zusammensetzung des Blutes, die Beschaffenheit der Nierengefässo etc. Diuretisch wirken alle Momente, welche eine Steige­rung des Blutdrucks herbeiführen, resp. die Thätigkcit des Herzens steigern (z. B. Wasseraufnahme, Krämpfe, Kälte, Vagusroizung und dergl.), das Blut verflüssigen, die Secretion anderer Organe beschränken und solche Mittel, welche behufs ihrer eigenen Ausscheidung viel Wasser gebrauchen.
Die Diuretica entfalten ihre Wirkung entweder mechanisch (Flüssigkeiten von bedeutendem DilTusionsvermögen und Muskelbewegungen), oder chemisch, oder functionell (durch Reizung des Herzens und seines Neryensystems, des vasomoto­rischen Nervensystems und der Nieren und ihrer Nerven), oder auf mehreren Wegen, wie die Mittelsalze. Der Impuls zur Diurese geht stets von den Nieren oder vom Herzen aus.
Nach der Wirkungsweise hat man die Diuretica früher eingetheilt in Diuretica frigida et acria (calida), oder in antiphlogistische und excitirende, oder in mechanisch und chemisch wirkende Mittel. Besser aber theilt man dieselben heutzutage ein in: a) solche, welche auf und durch das Blut wirken, das Blut ver­dünnen und diffusibler machen und die Blutmasso vermehren; b) solche, welche die mechanischen Vorgänge der Circulation abiändern und den Blutdruck erhöhen (Digitalis, Squilla); c) solche, welche die Nieren selbst reizen und die Circulatiofts-und DifTusionsvorgänge in denselben so abändern, dass die Secretion gesteigert wird. Dass bei den Wirkungen b und c nervöse Vorgänge statthaben, ist ein­leuchtend. Das Nähere über die Wirkungen der Mittel auf das die Harnsecretion dirigirende Nervensystem ist uns nicht bekannt.
Der Arzt muss wohl unterscheiden zwischen den wirklich und den nur scheinbar harntreibenden Mitteln. Viele scharfe Stoffe bewirken bei ihrer Ausscheidung eine Reizung der Nieren und der harnabführen­den Wege. Letzteres ist die Ursache des häufigen Harnlassens. Dies nimmt der Laie für harntreibende Wirkung. Tbatsächlich besteht aber häufig in Folge der Nierenreizuug verminderte Harnsecretion, ja unter
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;645
Umständen sogar Anurie. — Viele der scharfen Mittel sind in kleinen Dosen auch wirkliche Diuretica (Acria). Wie sie wirken, ob alterirend auf das Epithel, oder auf den Blutdruck etc. ist unbekannt.
Interessant ist auch, dass viele Diuretica thatsächlich nur bei Kranken, be­sonders solchen mit wassersüchtigen Zuständen, wirken (Ilydragoga). So fand man Juniperus, Squilla, Digitalis, Terpentin, Rhoum, Guajac, Colchicum bei Gesunden wenig wirksam oder ganz unwirksam (Krahmer, Megevand). Dagegen zeigten sich kohlensaures Natrium und Chlornatrium, ersteros allerdings erst nach einigen Tagen und nach primärer llamvenninderung auch bei gesunden Thieren wirksam (Münch, Falck). Es ist überhaupt noch streitig, ob bei Gesunden eine diure-tisohe Wirkung ohne 'Wasserzufuhr eintritt. Bei Wassersuchten ist das nöthige Wasser im Organismus vorhanden. Natriumcarbonat und Chlornatrium steigern den Blutdruck nicht; sie wirken demnach durch Blutveränderung oder Wirkung auf die Capillaren. Chlornatrium veranlasst aber Wasseraufnahme; diese steigert den Blutdruck, verdünnt das Blut und giebt den Nieren Wasser für ihre Arbeit.
Abhängig von der Natur der bestehenden pathologischen Ab­weichungen (Herz-, Gefäss-, Nierenerkrankung, anomale Blutbeschaffen­heit, exsudative Processe, anomale Innervation der Nieren) muss die Wahl unter den harntreibenden Mitteln getroffen werden, wenn man nicht schaden will; so giebt man Digitalis bei Kiappenfehlern am Herzen, Colo-cynthin beim Morbus Brightil, Eisen bei anämischem Hydrops u. s. w. Auch ein rechtzeitiger Wechsel in den Mitteln ist wohl zu beachten. Es ist unrichtig, dasselbe Mittel längere Zeit zu verabreichen.
1. Kühles Wasser und wässerige Getränke. Es ist zweifel­los, dass bei Einführung von viel Wasser die Harnabsonderung unter Blutdrucksteigerung und Blutverdünnung vermehrt wird. Genauere Untersuchungen über das Verhältniss der vermehrten Harnausfuhr und der Wasseraufnahrae ergeben, dass die Harnmenge höchstens um so viel und meist sogar noch weniger vermehrt wird, als die Wasseraufnahme beträgt. Daraus ergiebt sicii, dass das Wasser nur ein Diureticum spurium ist, d. h. dass es keine vermehrte Wasserausfuhr aus dem Körper, keine Wasscrentziehung desselben bewirkt. Dagegen wird durch vermehrte Wasserzufuhr die Harnstoffausfuhr, d. h. der Stoffwechsel gesteigert.
Aus diesen Thatsachen ergeben sich die speciellen Indicationen für die Wasseranwendung. In allen Fällen, in denen es sich um Anregung des Stoffwechsels, Anregung der Einschmel-zung fester Exsudate und dergl. handelt, bei gewissen Reizungen der Nieren und des harnabführenden Apparates, die häufig mit Verminderung der Harnsccretion einhergehen, bei Harn Sedi­menten und Harngries, bei solchen Leiden mit verminderter Diurese, bei denen es sich nur um Hinwegräumung der Hinder­nisse handelt, welche der normalen Secretion im Wege stehen und bei Dyskrasien und Vergiftungen, bei denen eine rasche Ausscheidung
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646nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Methode, welche die Harnsecretion hefördert.
erwünscht wird, ist das Wasser indicirt. Dagogcn ist es contraindicirt bei denjenigen Zuständen, bei denen durch die Diurese eine Entwässe­rung des Körpers erzielt werden soll. — Bemerkenswerth erscheint auch, dass bei reichlicher Wasseraufnahme die rothen Blutkörperchen grosser werden und ihre Klebrigkeit verlieren und dass in der Veterinärpraxis diese Methode der Anregung der Diurese wenig gebräuchlich ist.
2.nbsp; nbsp; Säuren, besonders vegetabilische (Milchsäure, Citronensäuro, Kohlensäure. Molken, Buttermilch). Diese Mittel steigern die arterielle Spannung und den Blutdruck. Sie wirken z. Th. diuretisch, z. Th. dia­phoretisch, je nach Individualität und sonstigen Umständen.
3.nbsp; nbsp; Salinische Diuretica, besonders die Alkalien (Natrium und Kalium carbonicum (8 —15 [30]; 2—4: 0,5—1), nitricum, aceticum, citronicum, bitartaricum (15 — 30 [100]; 15 — 60 [80]; 5—15), Lithium carbonicum). Diese Mittel wirken dadurch, dass sie das Blut dünnflüssiger machen, den Stoffumsatz und dadurch die Ausscheidung direct steigern, das Diffusionsvermogen des Blutes erhöhen und die Widerstände, welche ihrem Durchtritte durch Membranen entgegenstehen, mindern. Hierzu kommt bei den Kalisalzen noch, dass sie das Herz anregen. Manche regen auch den Durst an und veranlassen eine grössere Wasseraufnahme, manche brauchen auch viel Wasser zu ihrer Ausscheidung.
Kalium nitricum bewirkt eine Steigerung der Harnsecretion, namentlich der Harnstoff-, weniger der Wasserausfuhr. Es wirkt auf das Blut und das Herz. Das Blut wird flüssiger, die Körperchen werden kleiner, gezackt und verlieren ihre Klebrigkeit. Man gebe dieses Mittel mit wenig Wasser (weil dieses umgekehrt auf die Blutkörperchen wirkt) und in nicht zu kleinen Dosen und nicht zu grossen Intervallen. — Kalium chloricum steigert die Harnmenge und auch die Harnstoffausfuhr, letzteres aber weniger als Kalium nitricum. — Natrium sali-cylicum wirkt diuretisch, steigert die Harnstoffaus fuhr und die Harnmenge. Magnesium carbonicum und Calcaria carbonica vermehren die Ham-wassermenge und bringen die Harnsedimente zum Verschwinden. Ammonium chloratum wirkt diuretisch. Kalium aceticum (Natr. aect. 10—25 [50]; 5—15; 3—10) soll wenig wirksam sein. Kalium jodatum soll die Harnaus­scheidung vermindern. Natrium biboracicum (8—15 [30]; 2—4; 0,5—1) vermehrt die Wasserausscheidung.
4.nbsp; nbsp; Medicamenta cardiaca. Manche Mittel wirken durch Beein­flussung der Herzthätigkeit, durch Regelung derselben und Steigerung des Blutdrucks. Sie sind besonders indicirt bei denjenigen Hydropsien, welche durch Herzfehler bedingt sind (Ascites der Hunde). Zu ihnen gehören: Digitalis, Coffein (Ooffeinum citricum, bei gesunden Nieren und gesundem Herzen), Convallamarin, Helleborein. Seiila. Digitalis wird von Möller bei dem Ascites der Hunde sehr gerühmt, weil das Leiden oft durch Herzfehler bedingt ist.
5.nbsp; nbsp; Medicamenta acria. Die Wirkungsweise dieser Mittel ist nicht genau bekannt. Nur in bestimmten Dosen und nur bestimmte Mittel sind echte Diuretica (cf. oben). Sie wirken meistens wohl bei ihrer Ausscheidung (im unveränderten oder veränderten Zustande) auf
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 647
die Harnwege, erzeugen reflectorisch eine Erregung der contractilen Elemente der Nierengefasse und damit zunächst eine Steigerung des Blutdrucks. Der Verengerung der Gefässe soll bald eine Erweiterung mit vermehrtem Blutzuüusso folgen. Ob auch die Nierenparenchym-zellen direct gereizt und zu lebhafterer Thätigkeit, stärkerer Attraction auf das Blut u. s. w. angeregt werden, ist unbekannt. Ein Theil der Mittel wirkt auch auf das Herz, resp. dessen Nervensystem und steigert so den Blutdruck. — Länger andauernde Anwendung der scharfen Diuretica ist gefährlich, es entsteht dann spärliche Secretion eines eiweissreichen Harns. Dies ist namentlich bei stärkeren Mitteln, z. B. den Canthariden der Fall. Hier ist auch grosse Vorsicht bei der Dosirung geboten. Die Mittel sind z. Th. nur in kleinen Dosen Diuretica, während sie in grossen Dosen z. B. drastisch (Gratiola, Bryonia, Lycopodium, Colocynthides. Gummi Gutli, Jalappa, 01. Cro-tonis etc.), oder emetisch (Scilla, Rad. Caincae. Rad. Podophyllii peltati Rad. Apocyni etc.) wirken.
Zu den Diuretica acria gehören: die Canthariden, Blatta orientalis, Millepedes, die Saponin führenden Mittel (Saponaria, Senega, Polygala), vielleicht auch Digi­talis, Colchicum (Semen 3—5 [8]; 0,1—1,5; 0,05—0,3), Sabina, Sinapis, Cubebae, Yerba santa, Stramonium, Scilla (Rad. 5—10 [15]; 1—2 [0,05—0,5]; 0,05—0,4) und seine Alkaloide, Scillitoxin (gefährlich), Scillin (zu theuer), Scillipicrin (unge­fährlich, gut wirkend bei subeutaner Anwendung in Aqua, aber Einstichstelle reizend), Scoparin (1:12 snbeutan), Sparteinum sulfuricum (innerlich und sub-cutan), Aconit (?), Boldin (vermehrt die Harnstoffabgabe), Folia uvae ursi (wirken stark harntreibend).
Zu den scharfen Mitteln gehören zum Theil auch:
6.nbsp; nbsp;Die Medicamenta aetherea oleosa, insbesondere soweit sie scharfe ätherischeOele enthalten. Sie wirken einerseits durch Anregung der Circulation und Steigerung des Blutdrucks, und andererseits, wenigstens die scharfen Medicamente, durch directe Nierenreizung. Zu ihnen ge­hören: Sabina. Thuja, Cochlearia, Allium, Anethum, Daucus, Semen Petroselini (10—20 [50]; 5—10; 0:5 —5), 01. Terebinthinae (5—10 [20]; 1—5 [3]; 0,1 —1,0), 01. et Fructus et Sumitates Juniperi (Fruct. 20—50 [100]; 10—20 [5—10]), Phellandrium, Spargel, Sel­lerie, Hopfen u. s. w.
7.nbsp; nbsp;Medicamenta adstringentia. Diese Mittel sind bei Albu-minurie indicirt. Sie wirken insofern diurotisch, als sie den Wassergehalt des Harns bei dem genannten Leiden vermehren, während sie den Ei-weissgehalt mindern. Sie sind als Diuretica und Antidiuretica verwendbar.
8.nbsp; nbsp;Remedia tonica. Bei passiven Hyperämien und Transsu-dationen sind .sie zu deren Beseitigung geeignet. Sie verbessern die Blutmischung, steigern den Tonus, regen die Herz- und Gefässthätigkeit an, Die in Folge der Atonie im Gefässsystein etc. bestehende unge­nügende Harnsccretion steigert sich nach Anwendung der Tonica. Hier­her ist vielleicht auch der Hopfen zu rechnen.
9.nbsp; nbsp;Medicamenta resinosa (Resina Pini 10—15; 4—8; 1—4; Pix I4U. 8-15; 2—4; 0.5—2; Tereb. comm. 8—30; 2—8; 0,5—2).
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648nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Methode, welche die Harnsecretion mindert.
Sie haben theilweise die gleiche Wirkung wie die ad 7 und 8 ge­nannten Medicamente; ausserdem reizen sie aber auch bei ihrer Aus­scheidung die Harnorgane direct wie die Diuretica acria.
10.nbsp; nbsp;Zucker- und kohlensäurereichc Getränke (b. M.).
11.nbsp; nbsp;AVarme Umschläge oder wanne Kissen, welche auf die Nierengegend applicirt werden.
12.nbsp; nbsp; Gute Ernährung. Sie steigert die Bildung der Erythrocyten, stärkt und regt das Herz an.
Contraindioationen. Harnruhr, Blutharnen, Reizungen der Harn- und Geschlechtsorgane und viele fieberhafte Krankheiten contraindioiren die Methodus diuretica. — Ausserdem giebt es vielfache Contraindicationen gegen die Mittel, welche durch die specielle Krankheit gegeben sind. Bei Wassersucht sind Wasser und die alkalischen Diuretica, bei hyperämischen und exsudativen Nterenerkran-kungen die Diuretica acria verboten. Hat man bei anderen Krankheiten letztere angewendet und es tritt Nierenreizung ein, so muss man die Mittel sofort aus­setzen. Bei Nierenentzündungen sind die kohlensauren und pflanzensauren Alkalien indicirt, die salpetersauren contraindicirt.
2. Methode, welche die Harnsecretion und Nierenthätigkeit mindert.
Eine Minderung der Nierenthätigkeit und der Harnmenge ist die Aufgabe dieser Methode. Sie ist indicirt bei übermässiger Harnsecretion, gesteigerter Nierenthätigkeit und bei allen denjenigen Krankheiten, welche eine gewisse Ruhe der Nieren günstig erscheinen lassen, wie dies bei der Nierenreizung, Nierenentzündung, Aibumin-urie u. s. w. unter Umständen der Fall ist.
Die Mittel und Wege der Methode sind:
1.nbsp; nbsp;Mittel, welche eine Minderung des Blutdrucks in den Nieren und des Blutzuflusses zu denselben bewirken, z. B. durch Reizung des Splanchnicus major. Hierher gehören die Mittel, welche die Herzthätig-keit herabsetzen.
2.nbsp; nbsp;Adstringenticn. Viele adstringirende Mittel behalten ihre adstringirenden Eigenschaften bis zur Elimination bei oder erlangen sie erst bei derselben wieder. Diese Mittel wirken mindernd auf die krankhaft gesteigerte Harnsecretion (cf. Meth. adstringens).
3.nbsp; nbsp;Anregung anderer Secretionen durch Meth. diaphoretica, diarrhoica etc.
4.nbsp; nbsp;Anwendung sedirender und antispastischer Mittel bei Nierenreizung (Opium mit Kampher und Schleim, Bromkalium, Baldrian, Asa fötida).
5.nbsp; nbsp;Anwendung von Mitteln, welche den Stoffwechsel mindern. Die vermehrte Harnausscheidung ist oft nur eine Folge des gesteigerten Stoffwechsels, der gesteigerten Harnstoffbildung. In diesem Falle sind Mittel indicirt, welche den Stoffwechsel herabsetzen.
6.nbsp; nbsp;Beschränkung der Wasscraufnahme.
7.nbsp; nbsp;Gebrauch von Mitteln, welche gegen anderweite Ursachen der
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Allgemeine Therapie der Krankheiten der Harnorgane.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 649
vermehrten Harnsccretion gerichtet sind. Oft ist die sogen, wässerige Harnruhr die Folge der Verabreichung verdorbenen Futters. Aenderung ,der Fütterung heilt die Krankheit.
Allgemeine Therapie der Krankheiten der Harnorgane. Die Krank­heiten der Ilarnorganc können in functionelle Störungen und anatomische Verände­rungen getrennt werden, wenn wir ausserdem festhalten, dass letztere stets mit functionellon Abweichungen einhergehen. — Bezüglich der Functionen der Harn­organe müssen wir unterscheiden: Harnbereitung (die in den Nieren erfolgt), Harn-transport, Harnansammlung und Harnausstossung. Der in den Harncanälchen der Xieren gebildete Harn sammelt sich zunächst im Sierenbecken an, gelangt dann in die Harnleiter; diese transportiren ihn nach der Harnblase, wo eine Samm­lung desselben stattfindet. Erst dann, wenn sich eine bedeutendere Menge Harn in der Harnblase angesammelt hat, erfolgt die Entleerung des Harns durch die Urethra nach aussen. — Die sämmtlichen Einzelfunctionen können Abweichungen erleiden und zwar sowohl durch anatomische Veränderungen an den Harnorganen selbst, als durch solche in ihrer Nachbarschaft (Erkrankungen der accessorischen Geschlechtsdrüsen etc.), als auch durch nervöse und sonstige Einflüsse bei durch­aus normaler Beschaffenheit der Harnorgane.
Die anatomischen Erkrankungen der llarnorgane können an den Nieren, dem Nierenbecken, denUreteren, der Harnblase und der Urethra auftreten. Sie werden nach den allgemeinen Kegeln, je nach der Natur der Erkran­kung behandelt. Soweit möglich wird von der Localtherapie Gebrauch gemacht und zwar direct oder indirect. Die Harnröhre und die Harnblase sind wesentlich den directen Applicationen zugänglich (durch Einspritzungen, Einblasen, Bepinseln etc.); während die Nieren und die harnabführenden Organe dieser ent­zogen sind. Trotzdem sind sie der Localtherapie zugänglich und zwar vom Blute aus. Wir wissen, dass die meisten Medicamente durch die Nieren ausgeschieden und von vielen auch, in welcher Form sie eliminirt werden, ob un­verändert, ob im oxydirten oder reducirten Zustande u. s. w. Hiernach liisst sich die Art der Wirkung vieler Medicamente auf die llarnorgane übersehen. Am ent­schiedensten äussern ihre locale Wirkung vom Blute aus (bei der Ausscheidung) die Cubeben und der Copaivabalsam bei chronischen Katarrhen der harnleitenden und entleerenden Organe.
Ausser durch die Localtherapie können die llarnorgane aber noch in anderer Weise beeinflusst werden, z. B. durch derivator is ehe hautreizende Mittel, durch Einwirkungen auf die Schweisssecretion, den Stoffwechsel, die Nerven-centra, namentlich die spinalen motorischen Centra der Harnorgane, die vasomo­torischen und und secretorischen Nerven etc., endlich auch durch Beeinflussung der Geschlechtsorgane.
Reizungen, Hyperämien etc. der Nieren können sowohl durch innerlich verabreichte reizmildernde oder adstringirende Mittel vom Blute aus, als durch kalte und warme Umschläge und Hautreize, die in der Lendengegend angebracht werden, Fluxionen zu den Nieren verhindern und die Blutcirculation in den­selben befreien, beeinflusst werden; auch kann man durch Einwirkung auf das vasomotorische Nervensystem und durch ableitende und andere Mittel (diaphore­tische, purgirende etc. Mittel, Blutentziehungen u. s. w.), welche den erkrankten Nieren Ruhe geben, heilsam wirken u. s. w.
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Allgemeine Therapie der Harnorgane.
Bei anämischen Zuständen der Nieren sind Nierenreizungsmittel (Can-tharideu, Colchicura, Balsame etc.) und Circiilationsmittel (Digitalis etc.) am Platze. Je nach der Natur des Krankheitszusuindes regele man das Getränk. — Bei Niorenkrankheiten beachte man, namentlich bei chronischen, das Herz.
Bei Erschlaffungszuständen der Nieren sind innerlich Adstringentien und äusserlich reizende Einreibungen, bei chronischen interstitiellen Entzündungen Jodmittel u. s. w. am Platze. Bei ürämie nützen palliativ unter Umständen Ab­führmittel, Blutentziehungen und Diaphoretica u. s. w. Bei Hyperästhesien sind beruhigende Mittel, warme Umschläge in der Kierengegend etc. indicirt; bei Anästhesien und Lähmungen des Harn abführenden etc. Apparates wirkt man durch reizende Einreibungen, durch die Electricität, durch innerlich verabreichte reizende Neurotica (Nux vomica etc.).
Bei Reizungen des harnleitenden und -sammelnden Apparates sorge man dafür, dass der Harn sehr wässerig sei und reizmildemde Eigenschaften habe (Enuretica) und verwende ebenso wie bei Nierenreizungen beruhigende Mittel, z. B. feuchtwarme und ölige Einreibungen und Umschläge äusserlich, Narcotica (Hanf, Belladonna etc.), Schleim, Oele und milde Diuretica (Alkalien und Wasser) innerlich. Bei Blutansammlungen, Conorementen u. s. w. in diesen Theilen sucht man durch Anregung der Harnsecretion und dadurch, dass man die lösenden Eigenschaften des Harns erhöht (z. B. durch grössere Wässerigkeit, erhöhte Al-kalescenz etc.), für Entfernung dieser fremden Stoffe zu sorgen. —#9632; Die therapeu­tische Methode, welche Harnsteine, Conoremente etc. ohne chirurgische Operation entfernt, bezeichnet man als die Methodus lithontryptica et litholytica. Ihr wird theilweise, wie oben dargethan, durch die Anwendung der diuretischen Methode genügt. Mittel wie Lithium carbonicum, Borax, Seifenwasser und über­haupt die alkalischen Diuretica werden besonders gegen Harngries angewendet. Bei Thieren kommt die Methode kaum jemals in Gebrauch, weil die Krankheiten zu spät bemerkt werden.
Bei löslichen oder verdaulichen fremden Körpern in der Harnblase werden lösende und verdauende Mittel in dieselbe eingespritzt. Bei unlöslichen fremden Körpern können Ausspritzungen der Blase helfen, wenn das Ausspülen, welches man durch die diuretische Methode erreicht, nicht genügt. Bei grösseren fremden Körpern in den Entleerungs- und Sammlungsorganen gelangen chirurgische Methoden in Anwendung u. s. w.
Bei Erkrankungen der Urethra und der Harnblase kommt zur innerlichen Behandlung mit reizenden oder reizmildernden Mitteln noch örtliche Application von Medicamenten, Einspritzungen von adstringirenden (Tannin, Bleiacetat etc.), reizmildernden (lauwarmes Wasser, schleimige Mittel) und reizenden Mitteln, ört­liche Aetzungen, Bepinselungen u. s. w. hinzu.
Die functionellen Störungen der Harnorgane beziehen sich auf Stö­rungen der Harnsecretion, der Hamfortleitung, der Harnansammlung und der Harn­entleerung. In ersterer Beziehung kommen vor: krankhaft erhöhte oder verminderte Harnsecretion und Qualitätsäntlerungen des Harns. Auf die Harnsecretion kann therapeutisch in vielen Beziehungen eingewirkt werden.
Wir unterscheiden harnvermindernde, harn vermehrende und harnverändernde Mittel. Die ersteren sind bereits besprochen worden. Zu den harn verändernden Mitteln (Alloiuretica) zählen: harnalkalisirende (Alkalien und ihre Präparate), harnsäurende (Balsame und Säuren), harnaromatisirende (Terpentinöl, Cubeben,
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1^
Curmethoden, welche d. Functionen d. Verdauangsbrgane etc. beeinflussen. 651
Pfefler, Spargel etc.), harn färbende (Chroiuuretica: Kluibarbar, Krapp, Indigo etc.), eiweisstreibende (Acria, Balsamica. Spirituosa), lianisäuretreibemle (Lithuretica: Alkalien, Wasser), harnstolTvermehrende (Mnskelbewegangen, StolTwechselvorgänge etc.), wasservermehrende Mittel u. s. w. Kranldieilen, bei denen der Endzweck der Behandlung Aendorung der IJarnqualitiit ist, sind z. B.: Melliturie, Albnminurie, Gholurie, Hiiniaturie, Hämoglobinurie und die Gicht. Da die Ursachen dieser Leiden verschieden sind, muss auch die Therapie eine verschiedene sein. Die Gicht behandelt man mit Alkalien, die Hämaturie mit blutstillenden und reizmildernden Mitteln, üiiitänderungen etc., die Albuminurie mit Circulations-, Blutmitteln u. s. w.
Functionelle Abweichungen der Harnsammlung kommen z. B. vor bei Lähmungen des Sphincter vesicae; Abweichungen der Entleerung bei Krampf des Sphincter vesicae oder Lähmung des Detrusor urinae, resp. der motorischen Blasen­nerven. Die Ursachen können central oder peripher liegen und danach richtet sich die Therapie. In Anwendung gelangen die Nervenmethoden (Meth.antiparalytica und antispastica) und die örtlich reizenden oder beruhigenden Methoden. Bei den Stö­rungen der Blasenentleerung verwendet man: chirurgische Mittel, reizende Ein­spritzungen, reizende Diuretica, Electrisiren, Bewegungen, Massage, Strychnin, Seeale corn., Balsam, scharfe Mittel u. s. w.
Ueber die Möglichkeit, die Blasenmuskulatur zu beeinllussen, ist Folgendes bekannt: der Tonus der Blasenmuskulatur wird gesteigert durch Gallussäure, die auch starke Contractionen hervorruft, Eisenchlorid und Chininum hydrochloricum; Contractionen der Blase rufen hervor: Pilooarpin, Curare (durch GO.,-Anhäu-fung). Strychnin (bei intactem Lnmbarmark; in starken Dosen auch bei durch­schnittenem Mark), Seoaie corn, (mit Steigerung des Blutdrucks), iS'icotin, Chloro­form und Chloral. Dilatation der Blase bedingen Morphin, Opium und Amyl-nitrit. — Dagegen erzeugen Alkohol und Coffein erst Dilatation und Zunahme des Blasentonus.
(j. Curmethoden, welclie die Fuuctioiien der Verdauuugsorgaue uud die Verdauung beeinflussen.
Einleitung. Die hierhergehörigen Methoden beeinllussen das Secretions- und Resorptionsvermögen der Magendarmschleimhaut, die Säftebewegung und die peri-staltischen Bewegungen der Magendarmwand, die chemischen Verdauungsvorgänge u. s. w. Sie wirken direct wesentlich auf die Nerven und die zelligen Elemente der Schleimhaut und wohl nur ausnahmsweise auch direct auf die Muskulatur derselben. — Mit der Anwendung der fragt. Methoden bezweckt man entweder, Störungen der Verdauung und der Functionen der Verdauungsorgane aufzuheben, oder auf andere Organe undevent. den gesammten Organismus einzuwirken, sodass die herbeigeführten Functionsänderungen an und für sich Zweck dieser Methoden sind oder nur zur Er­reichung anderer entfernterer Zwecke dienen. Ihre Anwendung ist demnach sowohl bei Krankheiten der Verdauungsorgane, wie auch bei vielen anderen Krankheiten iudicirt. Im letzteren Falle handelt es sich um indirecte und lleflexwirkungen. Diese
Eilenberger, Aligemeiue Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ao
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652 Curmetlioden, welche d. Functionen d. Verdauuiigsorgane etc. beeinflussen.
sind wegen der zahlreichen und innigen correlativen Beziehungen, welche zwischen den Verdauungs- und anderen Organen bestehen, sehr mannigfaltig. Die betr. Methoden üben deshalb thatsächlich einen tiefgehenden Einfluss, sowohl auf das Leben des Gesaramtorganismus (Nähr- und Kräftezustand), als auf die Functionen einzelner Organe aus. — Dass bei Störungen der Verdauung und bei Erkrankungen der Verdaunngsorgane diese Methoden die Heilung resp. die günstigen Heihings-bedingungen herbeiführen können, ist seltbstverstilndlich. Bei diesen Krankheiten vermögen aber auch andere Methoden und zwar sowohl allgemeine (antiphlogistische, adstringirende, physikalische, mechanische), als auch specielle (Anregung der Peristaltik durch Hautreize. Verminderung der Darmsecretion durch Anregung der Nieren- und Haulthätigkeit u.s.w.) günstig zu wirken, indem sie für sich allein den Eintritt der Heilung herbeiführen oder die in Frage stehenden Methoden unterstützen.
Die Aufgabe der Verdauungsorgane besteht darin, die Nahrungsmittel aufzunehmen, die in diesen enthaltenen Nährstoffe zugänglich und event, löslich zu machen, sie zu lösen und in die Säftemasse des Körpers überzuführen. Die zur Erreichung des Zweckes notwendigen Akte sind: 1) Aufnahme der Nahrung, 2) Zerkleinerung und Einspeichelang derselben, 3) Secretion des Magensaftes und Magenverdauung, 4) Ueberführung des Mageninhaltes in den Darm, 5) Secretion der Galle, des Pankreas- und Darmsaftes und Darmverdauung, G) Resorption des Resorbirbaren, 7) FortschalTen des Nichtresorbirbaren und des üeberllüssigen.
Alle diese Akte können durch Heilmittel und Heilmethoden in gewissen Rich­tungen beeinflusst werden: die Secretion der sämmtlichen Verdauungssäfte kann vermehrt oder vermindert oder anderweit alterirt, die Fortsohaffung des Darm­inhaltes kann verzögert oder beschleunigt, die Resorption erhöht oder verringert werden u. s. w.
Eine Eintheilung der in Frage stehenden Cnrmethoden ist kaum durch­führbar. Man kann allenfalls unterscheiden: 1) Methoden, welche die Verdauung verbessern, den Appetit anregen, krankhafte Gährungen hemmen und Säure- und Gasansammlungen bekämpfen. Dahin gehören die Methodus stomachica, carminativa et antaeida. 2) Methoden, welche die Secretion der Verdauungsorgane hervorragend beeinflussen (Moth, sialogoga, cholagoga etc.). 3) Methoden, welche besonders auf die Bewegungen der Verdauungsorgane einwirken: a) anregende Methoden: Meth. purgans et emetica, b) beruhigende, Meth. styptica et antemetica.
1. Methode, welche den Appetit und die Verdauung anregt und verbessert (Meth. stomachica s. digestiva s. peptica).
Allgemeines. Es gehören hierher alle diejenigen Mittel iiiui Maass-nahmen, welche bei mangelndem oder zu geringem Appetit und beim Fehlen anderweiter bedeutender Erkrankungen, welche den Appetit-raangel zu erklären vermöchten, eine Wiedererweckung und Steigerung des gestörten Appetits bezwecken.
Der gestörte Appetit ist in der Regel die Folge von geschwächter Verdauung. Diese findet ihre Ursachen in mangelhafter Secretion oder fehlerhafter Beschaffen­heit der verdauenden Säfte, in trägen Bewegungen des Magens und Darmcanals,
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Indicationen und Mittel.
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in abnormen Fäulniss- und Gährungsprocessen (Ansammlungen von organischen Säuren und Gasen), in einem leichten, diagnostisch schwer nachweisbaren Magen­darmkatarrh, oder in gesteigerter oder gesunkener Irritabilität der Magennerven. Sobald die Yerdauungsstörungen und deren Ursachen entfernt sind, kehrt der Appetit wieder.
Indicationen. Nach Vorstehendem bezwecken die Appetit ver­bessernden Methoden wesentlich eine Förderung der geschwächten und eine Besserung der abnormen Verdauung. Die unter diesen Umständen je nach der Art der vorliegenden Krankheitsursachen zu verfolgenden Curzwecke sind: Vermehrung des Magensaftes, Besserung der Qualität desselben, Hemmung von Gährungen. Entfernung der Gährungsproducte, Bekämpfung der Ursachen der Gährungsprocesse (Magenkatarrhe, pare-tische Zustände des Magens u. s. w.), Anregung der Peristaltik, Be­kämpfung nervöser Magenschmerzen.
Die Anwendung der Methoden ist indicirt:
1.nbsp; nbsp;bei einfacher Appetitlosigkeit ohne nachweisbare speciello Ursache.
2.nbsp; nbsp;bei schlechter Verdauung, welche sich durch Verringerung des Appetits, häutiges Rülpsen, Aufblähen, Gähnen, Abgang übelriechender Gase und schlecht verdauten Kothes und ähnliche Symptome äussert (Apepsia gastrioa).
3.nbsp; bei Reconvalescenten, bei bestehender Schwäche und Abmagerung, geringem Appetit, geschwächter Verdauung und dergl. (Meth. reoonstituensquot;).
Mittel. Die Mittel der Methode sind natürlich je nach den zu verfolgenden Zwecken verschieden. Die Vermehrung des Magensaftes kann durch Anregung der Magensaftsecrction (Peptagoga, Kälte, Wärme, Salze, reizende und aromatische Stoffe etc.) oder durch Zufuhr von Ersatzmitteln (Suppletiva: Pepsin, Salzsäure, künstlicher Magensaft, Papayolin etc.); die Besserung der Qualität durch Reizung der Magen­drüsen und bessere Fütterung oder durch Zuführung der fehlenden, Neutralisation der zu reichlich vorhandenen Bestandtheile geschehen u. s. w. Eine Anregung des Appetits überhaupt wird durch alle die­jenigen Mittel erzielt, welche die Magenschleimhaut leicht reizen. Ausserdem kann dies zweifellos auch durch passende diätetische Vor­schriften , vor Allem aber durch Anordnung von Körperbewegung erreicht werden.
1. Medicamenta amara (pura et mucilaginosa). Diese Mittel vermehren direct den Appetit, steigern die Secretion der Verdauungs­säfte, speciell des Speichels und des Magensaftes, regen gelind die Magenbewegungen reflectorisch an (Medic, gastrotonica), hemmen in geringem Grade Gährungen und beseitigen gewisse Krankheitszustände des Magens, namentlich solche, die nicht mit acuten Entzündungen verbunden sind. Sie sind besonders bei chronischen, mit Schwäche und Blutarmuth verbundenen Leiden indicirt.
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fi54 Methode, welche den Appetit und die Verdauung anregt und verbessert.
2.nbsp; nbsp; Medicamenta aroinatico-amara. Sie wirken den vorigen ähnlich und nur wegen ihres Gehaltes an ätherischem Oele etwas kräftiger anregend auf die Magennerven und die Secretion.
3.nbsp; nbsp; Medicamenta aromatica s. excitantia (Gewürze). Sie rufen eine Steigerung der Secretionen und der Bewegungen der Magen-darmmuskulatur hervor, wenn sie in massigen Dosen angewendet werden.
4.nbsp; nbsp; Auch die Medicamenta acria und gewisse balsamiea sind in kleinen Dosen indicirt. Tinct. Colchici ist z. 15. zur Hebung der trägen Peristaltik, welche nach Erkrankungen der Verdauungsorgane beobachtet wird, zu verwenden.
Als zu diesen vier Gruppen gehörende, die Verdauung belebende Mittel sind zu nennen: Rad. Gentian. (10—15 [30]; 5—10; 1—3) (Hb. Trifol. libr., lib. Centaurei), Hb. Absyntluiet Rh. Calami arom. (15—bü [50]; 5— 10; 0,5 -2), Piper nigr., Nux vomica (2—10; 1-4; 0,05—0,5), Cort. Chinae (10—20 [50]; 5—15; 2—8), Colombo, Liehen island., Achillea millef., Polygala, Humulus Lupulus, Salvia, Asa t'ötida, Fruot. Junip., Had. Armoraoeae, Bulbus Allii, Had. Rhei, Semen Menlhae et Carvi, Semen Sinapis, Radix Zingiberis, Cort. Colo etc.
5.nbsp; nbsp; Salze, speciell Kochsalz. Chlornatrium (30 — 60 [100]; 5—15; 4—8) regt die Secretion der Verdauungssät'te an, steigert den Appetit durch Reizung der Nervenendigungen, giebt Anlas's zur Salzsäurebildung, unterstütz! erlährungsgemäss die Peptonisirung und Tryptonisirung der Eiweisskörper, erregt den Durst und fördert die Resorption. Auch Brechweinstein regt in kleinen Dosen den Appetit, an.
6.nbsp; nbsp; Alkohol. In kleinen Dosen ist der Alkohol ein ganz vor­zügliches, die Magensaftsecretion und die Magenbewegungen steigerndes, die Gährungen hemmendes Mittel. In grossen Dosen stört er die Ver­dauung durch seine Eiweiss gerinnenden und die Schleimhaut krankhaft reizenden Wirkungen. Bei Hunden wirken die mit Alkohol bereiteten bitteren Tincturen sehr günstig gegen Verdauungsstörungen (Möller).
7.nbsp; nbsp;Arsenik gilt empirisch als ein Stomachicum (Pulvis: 1—5: 0.01—0,06; 0,003 — 0.005). Er wirkt thatsächlich bei chronischen Verdauungsstörungen und Appetitmangel der Pferde günstig ein. Die Art und Weise dieser Wirkung ist unbekannt. Neben der Appetit ver­bessernden Wirkung übt er auch einen günstigen Einlluss auf die Er­nährung durch Einwirkung auf den Stoffwechsel aus.
8 Die gährungswidrigen Methoden, speciell die Medicamenta antacida und carminativa. üeber deren Wirkung sprechen wir uns bei den betreffenden Methoden aus. Bemerkt sei nur, dass die unbeab­sichtigte Nebenwirkung der kohlensauren etc. Alkalien, die in Neutrali­sation der Salzsäure des Magensaftes besteht, deshalb nicht schadet, weil dabei OINa entsteht, welches Anlass zur Anregung der Magensaft­secretion und zur HOl-Bildung giebt. —Die kohlensauren Alkalien sind besonders wichtige Stomachica. Die im Magen frei werdende Kohlensäure hat eine beruhigende Wirkung auf die Magennerven und wirkt schmerzlindernd. Das Natrium bindet Säuren (Milch-, Butter-
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Mittel.
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Essigsäure). Das entstehende 01 Na regt die Magensaftsecretion, den Appetit und die Magenbewegungen an.
9.nbsp; nbsp;Manche, namentlich die bitter schmeckenden und die scharfen Narcotica wirken in kleinen Dosen stomachisch, so z. B. auch der Taback.
10.nbsp; nbsp; Die gegen Magenkatarrhe gericiiteten Mittel kommen in An­wendung, wenn das Bestellen eines Magenkatarrhes deutlich nachweis­bar ist. Sie gehören eigentlich nicht hierher, es sind z. B. Schleim lösende, Nervenirritabilität mindernde und andere Mittel (Nux vomica, Ammoniuiu hydrochloricum, Kohlensäure [Natrium bicarbonicum], Bis-muthum subnitricum und salicylicum u. s. w.).
11.nbsp; nbsp; Bei gewissen Dyspepsien, die in Verstimmungen der Magen­oder Darmnerven beruhen und auch anderen, deren Ursachen wir dia­gnostisch nicht feststellen können, leisten oft Brech- oder Abführ­mittel gute Dienste.
12. Die Suppletiva. Man versteht darunter diejenigen Heil­mittel, welche den Magensaft oder einzelne Bestandtlieile desselben zu ersetzen bestimmt sind: a) Salzsäure (3—5 [15]; 1—'2; 0,2—1,0). Dieses Mittel ist ein normaler Restandtheil des Magensaftes; sein Fehlen bedingt Verdauungsstörungen, Eintritt von Gährungen u. s. w. Die HC1 fehlt besonders sowohl bei Reiz- als bei atonischen Zuständen der .Magenschleimhaut. Bei starken Magenkatarrhen roagirt der Mageninhalt alkalisch oder neutral. — Die Verabreichung der Salzsäure darf bei Herbivoren stets erst 2—3 Stunden nach Beendigung des Fressens er­folgen, damit das amylolytische Stadium der Verdauung (Ellenberger und Hofmeister) durch dieselbe nicht gestört wird, b) Pepsin resp. Extracts aus der Schleimhaut der Belagzellregion eines Säugethierraagens ist bei verringerter Magensaftsecretion, welche oft die Ursache des fehlenden Appetits ist. allein oder mit HCI zu verabreichen. Olenew hat das Pepsin bei Pferden als ein vorzügliches, die Verdauung stärken­des Mittel kennen gelernt, c) Ptyalin und Diastase werden ver­wendet:, um die Verdauung des Stärkemehls zu befördern, d) Papayin, Papayotin und Doliarin. Sie wirken lösend auf Eiweisskörper. Ueber ihre praktische Brauchbarkeit sind die Praktiker noch streitig, e) Dextrin soll eine encrgischei-e Verdauung der Eiweisskörper herbei­führen (wie auch Chlornatrium).
Ausser der Anwendung der genannten Mittel ist noch besonders auf eine richtige Diät zu achten. Man vermeide 7,u reichliche Ernährung, namentlich mit schlaffem salzlosen Futter, wechsele mit den Nahrungsmitteln, vermeide jede einseitige Diät und setze der Nahrung Gewürze zu, insoweit es die Thierart zulässt.
Besonderheiten bei den Wiederkäuern. Bei den Wiederkäuern gelten
die bei der Meth. stomachica angegebenen Regeln wegen der Besonderheit der anatomischen Verhältnisse nicht durchgängig und kommen bei ihnen noch ganz besondere Mittel in Anwendung, nämlich solche, welche die Rumination (Meth. ruminatoria) und die Bewegung der drei Vormägen anregen. Die hierher gehörigen Mittel sind solche, welche geeignet sind, die durch dickes Epithel geschützten
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656nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die säurentilgende Methode.
Schleimhäute zu reizen und so rellectorische Bewegungen hervorzurufen, demnach auch die Brechmittel. Als Ruminatoria finden Verwendung: die Tinct. Ferri acetici Rademacheri, Acidum hydrochlorioum (10—15; pro die 120; namentlich mit Alkohol [15:50]), Tartarus stibiatus, Nux vomica, Veratrum album, Tinct. Veratri albi mit Glühwein, 11b. Absintliii, Fol. Nicotianae, Pfeffer, Knoblauch, Zwiebeln, Calmus, Wermuth u. s. w. Bei fehlendem Wiederkauen verfährt der Laie wohl auch so, dass er einem ruminirenden Thiere einen Bissen aus dem Maule entnimmt und denselben in die Maulhöhle des Kranken einbringt, um dieses (durch Einwir­kung auf die Geschmacks- und Geruchsnerven) zum Wiederkauen zu reizen.
2. Die säurentilgende Methode (Meth. antacida).
Sie gehört zu den gährnngswidrigcn Methoden. Diese richten sich gegen das Zustandekommen von Gährungen im Magen nnd Darmcanale und bekämpfen die Folgen und die Producte bestehender Gährungen. Zu ihnen gehören auch die Appetit anregenden, die Erbrechen und DorchfaU erzeugenden Methoden. Speciell aber sind gegen die Gährungsproducte gerichtet die Meth. antacida und carminativa.
Unter gewissen Verhältnissen kommt im Magen eine abnorm grosse Menge organischer Säuren vor. Diese Säureanhäufung ist die Folge von krankhaften Gährungen, wie sie bei Störungen der Magenverdauung (bei Magenkatarrhen, Ueberfressen etc.). bei mangelhafter Magen-saftsecretion und bei zu langem Verweilen des Inhaltes im Magen bestehen. Die entstehenden Säuren sind gewöhnlich Milchsäure, Essig- und Buttersäure. Erstere bildet die Hauptmenge und ist bei den Herbivoren ein normaler Bestandtheil des Mageninhaltes. Sie wird nur schädlich, wenn sie in zu grossen Mengen vorhanden ist; dann wirkt sie reizend auf die Magenschleimhaut, erzeugt und unterhält Katarrhe u. s. w. In solchen Fällen tritt dann das cigenthümliche Ver-hältniss ein, dass sich im Magen zwar zu viel (organische) und doch zu wenig Säure (Salzsäure) findet.
Es ist deshalb durchaus kein Widerspruch, wenn man in solchen Fällen zu­nächst ISatr. bicarbon. und dann FIC1 verabreicht. 1101 wird im Magen nur gebildet bei vorhandenem Bedürfniss, bei Anhäufung von Futter im Magen; dagegen entsteht die Milchsäure unabhängig von den physiologischen Bedürfnissen; sie bildet sich aus dem Dextrin und Zucker des Mageninhaltes und erzeugt und unter­hält, wenn sie in zu grossen Mengen vorhanden ist, Magenkatarrhe. Aus diesen Thatsachen folgt, dass nur die organischen, nicht aber die anorganischen Säuren in abnormen Mengen im Magen auftreten können.
Indicationen. Die Aufgaben der Therapie bestehen darin, die weitere Entwickelung der organischen Säuren zu hindern und die vorhandenen Säuren zu neu tra lisiren oder fortzu­schaffen. Ersteres kann geschehen durch Fortschaffen des gährenden Mageninhaltes (nach dem Darm oder nach aussen) und zwar durch Anregung des Erbrechens oder Durchfalls oder durch Einleitung der
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Mittel.
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normalen Verdauung (Zuführung von HC1, künstlichem Magensaft, Pepsin etc.), durch Bekämpfung der Ursachen der Gährung (Magen­katarrh, Paresen, Dilatation etc.) oder durch Tödten der sogenannten Gäjirungserreger.
Die Krankheitssymptome und Krankheiten, bei denen die Methode indicirt ist, sind: chronisches Aufblähen, Lecksucht, Heiss-hunger, Milchfehler, Magenkatarrhe und alle sonstigen Störungen der Verdauung, Erbrechen, Durchfall etc. Ausscrdem kommt die Methode in Anwendung bei zufälliger Einführung von Säuren in giftig wirkender Dosis.
Mittel. 1. Die Neutralisantia. Zu diesen gehören die Präpa­rate der Alkalien, Ammoniakulicn und alkalischen Erden. Kalium und Natrium carbon, und bicarbon. (8 —10 [quot;25]; 2—8; 0,2—2,0), Ammo­nium caust. sol. etc., Magnes. carbon, (bei Neigung zu Verstopfung), Magn. ustum, Calcar. carbon, (bei Neigung zu Durchfall), Kreide, Kalk­wasser, Holzasche u. dcrgl. Mittel.
2.nbsp; nbsp;Die Digestiva (künstlicher Magensaft, Salzsäure etc.). Es ist eine Thatsache, dass bei Gegenwart von Salzsäure oder eines wirk­samen Magensaftes die betreffenden Gährungen nicht eintreten und keine Säureansammlungen zu Stande kommen. So auffallend es also zunächst erscheinen mag, so richtig ist es, bei Säureüberschuss im Magen Salzsäure zu geben.
3.nbsp; nbsp; Die Evacuantia: Brechmittel. Abführmittel.
4.nbsp; nbsp; Die Antizymotica: Natrium subsulfurosum (25—100 [200]; 15 — 30; 1 —10), Kalium hypermanganicum (?), Acidum salicylicum et carbolicum, Thymol, Creosot, Calomel u. s. w.
5.nbsp; nbsp; Die Oausalia, d. h. diejenigen Mittel, welche sich gegen die Säureanhäufungen bedingenden Krankheitszustände wenden, z. B, gegen den Katarrh, Parese, Dilatation des Magens u. s. w.
Anhang. Unter Umständen tritt ein Säureüberschuss und Alkalimangel in anderen Organen oder im Körper überhaupt auf. Als Symptome dieses Zustandos sind zu nennen: saure Reaction des Harns der Pflanzenfresser, überhaupt saure Reaction sonst neutraler odor alkalisoher Secrete, leichte Säuerung der Milch, Nei­gung zu harnsauren Diathesen, Sistiren der Flimmerbewegung an bestimmten Stellen (bei Katarrhen der Nasen- und Rachenhöhle etc.). In allen diesen Fällen sind Alkalien und Ammoniakalien sowohl zur innerlichen Verabreichung als zu Einspritzungen etc. angezeigt. Besonders wirksam ist eine alkalinische Diät.
3. Methodus carminativa.
Unter gewissen Verhältnissen treten so lebhafte, mit bedeutender Gasentwickelung verbundene Gährungen im Magen oder Darmoanale auf, dass eine gefährliche Gasansammlung in diesen Hohlorganen zu Stande kommt. Ganz besonders oft und leicht kommen solche Gas­ansammlungen in den Vormagen der Wiederkäuer vor. Nur selten beobachtet man Ansammlungen von Gasen, die nicht in den Hohl-
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658nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Methodns carminativa.
Organen entstanden, sondern von aussen aufgenommen worden sind (Koppen der Pferde). Als therapeutische Objecte sind speciell zu nennen: zu reichlich entwickelte Gase, welche Beschwerden machen, Atonie und Parese der Magendarmmuskulatur, Verengerungen und Ver-schliessungen des Darmrohres, Krampfzustände der Darmmuskulatur, Obstipationen.
Die Aufgabe des Arztes ist, den Gefahren, welche durch solche Gasanhäufungen bedingt werden, entgegenzutreten. Diese Aufgabe wird erfüllt 1. durch Entfernung der vorhandenen Gase, quot;2. durch Verhinde­rung einer weiteren Ansammlung, resp. einer ferneren Entwickelung derselben.
1.nbsp; nbsp;Die Entfernung der vorhandenen Gase geschieht a) me­chanisch durch Trocariren der betreffenden Hohlorgane, Oeffnen der­selben mit dem Messer, durch Anwendung des Schlundrohres u. dergl. Manipulationen; b) physiologisch durch Anregung von Akten, welche die Äusstossung der Gase bewirken, z. B. des Rülpsens und der Peri-staltik (Einlegen von Strohwischen oder Holzstücken ins Maul, Ge­brauch reizender scharfer Heilmittel (Pfefferminz, Pfeifer, Kümmel, Wetmuth, Brechweinstein, Knoblauch, Zwiebeln), Anwendung von Pur­ganzen, Hautreizen, Wasserbegiessungen; c) durch Mittel, welche die Gase binden und absorbiren (Absorbentia) (Salmiakgeist, Rd. 15,0, Seh. 4,0, alle 10—15 Min.), Kalkwasser (Aetzkalk 15—30 : 1000 Aqua), Petroleum (Rd. 15 — 30), Potasche, Seifenwasser, Kalium sulfuratum (Pf. 5—10), Kohle (?) etc.
2.nbsp; nbsp;Die Verhinderung der Gasansammlung. Dies geschieht bei den Koppern durch Hinderung des Koppens, in anderen Fällen durch Verhinderung der ferneren Gasentwickelung. Die letztere Aufgabe erreicht man: a) durch Fortschaffen der gährenden. Gase ent­wickelnden Massen (durch die Laparotomie, Anregung der Peristaltik, Erbrechen, Purgiren); b) durch Bekämpfung derjenigen abnormen Ver­hältnisse, welche die Ursache zur abnormen Gasentwickelung, zum abnorm langen Verweilen des Inhaltes u. s. w. abgeben (Magenkatarrhe, Paresen der Magenmuskulatur etc.); c) durch directe Hemmung der Gährung durch Medicamente, welche die Gährungs- und Fäulnisserreger tödten.
Als ad 2 gehörige Mittel sind zu nennen: die Medicamenta mminatoria, digestiva, antizymotica, die Purganzen,Vomitorien, Klystiere, kalte Uebergiessungen, Salzsäure, Petroleum, Essig, Natrum snbsulfurosum, Calomel, Kalium chloricum, Tinct. ferri acet. Kadern., 01. Terebinth., Senf, Pfeffer, Knoblauch, Pfefferminze, Anis, Fenchel, Kümmel, Petersiliensamen, Angelica, Baldrian, Nelken, Majoran, überhaupt die Medicamenta aetherea oleosa, dann die Spirituosa u. s. w.
In seltenen Fällen werden die Gasansammlungen durch locale Krämpfe bedingt; dann sind Antispasmodica (Aether, Baldrian, Belladonna, Hyoscyamus) am Platze; ist Atonie der Darmmuskulatur die Ursache, dann sind scharfe aromatische Mittel zu verabreichen; wenn Verstopfung die Ursache ist, dann wende man Purganzen, Klystiere u. dergl. an. — Die prophylaktische Indication verlangt Vermeidung jungen, saftigen, welken, bethauten Klees, Mischung desselben mit
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Die brechenerregendo Methode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 659
Stroh, Schafgarbe, Kümmel u. dergl., oder die Verabreichung von Trockenfutter vor dem Grünfutter u. s. w.
4. Die brechenerregende Curmethode (Meth. emetica s. vomitoria).
Diese Methode gehört zu den wcsentlicii die Bcwegiingeii der Verdauungs-organe beeinfliisseiideii illethodelaquo;. Durch bestimmte Curmethoden werden die Bewegungen der Verdauungsorgane angeregt, durch andere beruhigt und gehemmt. — Eine gelinde Anregung der Bewegungen der Verdauungsorgane erzielen wir durch die bei der Methodns stomachica genannten anregenden Medica-menta amara, aromatioa, spirituosa et acria, eine stärkere Anregung aber durch die Meth. emetica und purgans. In beiden Fällen tritt gleichzeitig eine Steigerung der Secretionen ein. Diese gehen entweder der gesteigerten Peristaltik vorher und sind deren Ursache oder sie begleiten dieselbe und folgen ihr. Die die Bewe­gungen beruhigenden Methoden bezwecken, die zu stürmischen und ab­normen Bewegungen des Magens und Darmcanals zu beseitigen (Meth. antemetica et styptica).
Das Erbrechen ist ein unwillküriichor Akt, welcher die Entleerung des Vorderdarms und Magens bewirkt. Die bei demselben stattfinden­den Bewegungen des Zwerchfells und der Bauchmuskeln hängen von einem in der Medulla oblongata gelegenen Centrum ab (ßrecheentrura). Dieses ist sowohl direci als auch reflectorisch erregbar. Die reflecto-risehe Reizung erfolgt in der Regel durch Reizung der peripheren Vagusenden des Magens, der Rachenhöhle, des Schlundes, seltener auch durch Reizungen der Darm- und Uterusschleirnhaut.
Es bleibt aber zunächst noch zweifelhaft, ob es ein besonderes Brechoentrum giebt, oder ob das betreffende Centrum einfach das Vaguscentruin ist. Für das Vorhandensein eines spontan reizbaren Brechoentrums spricht die Thatsache, dass bei gewissen Erkrankungen der nervösen Centralorgane ohne Störungen der Vagus-funetionen Brechneigung und Erbrechen symptomatisch besteht.
Dem Erbrechen geht stets ein Ekelgefühl mit verstärkter Speichcl-secretion vorher. Dieses Ekelgefühl kann bei richtiger Dosirung der ilittel bedeutend verlängert werden und spricht man dann von Remedia nauseosa. Der Brechakt selbst ist ein anstrengender, zur Ermüdung führender Lebensvorgang, der unter gewaltiger Erschütterung des ganzen Körpers und durch eine energische Contraction der Bauchmuskeln und des Magens nach vorhergehender Inspiration und Feststellung des Zwerchfells bei geschlossener Glottis erfolgt. Nothwendige Vorgänge beim Erbrechen resp. Folgen desselben sind, ausser der Ausleerung des Magens: Abschlcimung der Magen-, Schlund- und Rachenhöhlenschlcim-haut, Anregung der Magensaftsecretion, der Magenbewegungen und der Darmperistaltik, Compression der in der Bauchhöhle liegenden Organe,
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(i60nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hie brechenerreffenflp Methode.
Bewegung ihres Inhaltes und unter Umständen Entleerung derselben, namentlich Auspressen stauender Secrete aus den Drüsen und ihren ausführenden Gängen, Ueberfüllung des grossen Kreislaufs mit Blut (wie beim Valsalva'schcu Versuche), spceiell aber (durch mecha­nisches Verdrängen des Blutes aus den Arterien der Bauchhöhle) Blutansammlungen (Congcstionen) in den Organen der Schädel- und Brusthöhle und in den peripheren Theilen (den Schleimhäuten und der äusseren Haut), Steigerung der Transsudationen und der Drüsensecretionen in den letzt genannten Regionen: die trockenen Schleimhäute werden feucht, zähe Schleimmassen locker, die Flimmerbewegung wird durch die ergossene alkalische Blutflüssigkeit angeregt, es tritt Schweiss-ausbruch ein (der z. Th. auch durch das Ekelgefühl vcranlasst wird), die Harn-, Speichel- und Gallensccretion wird gesteigert u. s. w. Die Puls- und Athemfrcquenz steigert sich vom Beginne des Ekelstadiums ab bis zur Höhe des Erbrechens und sinkt dann. Nach der Zwerch­fell- und Bauchmuskelcontraction beim Erbrechen folgt eine starke Exspiration, die geeignet ist. Secrete u. dergi. aus der Lunge nach oben zu schaffen. Nach dem Erbrechen besteht z. Th. in Folge der vorhergehenden starken Anstrengung und Erregung eine bedeutende Abspannung und Ermüdung. Diese ist aber auch noch dadurch be­dingt, dass fast alle Brechmittel eine directe Wirkung auf die Muskelsubstanz haben, deren Erregbarkeit herabsetzen und Er­schlaffung der Muskulatur bedingen. Endlich veranlassl das Erbrechen auch eine Aenderung des Stoffwechsels und zwar eine in Folge der Anstrengung, des Schweissausbruchs, des Speicheins n. s. w. eintretende Erhöhung desselben.
Alle die genannten Momente können vielfach einen heilsamen Einfluss bei Krankheiten entfalten: Die Anstrengung und Erschütte­rung veranlasst ümstimmungen im Nervensystem; die Abspannung nach dem Erbrechen giebt den kranken Theilen Ruhe zur Natur­heilung; die Wirkung auf den Kreislauf regelt die gestörte Blutver-theilung und den Blutdruck u. s. w. Dass das Erbrechen heilsam bei Krankheiten und schützend gegen die Nachthelle der Krank­heitsursachen sein kann, lehrt die Thatsache, dass dasselbe oft als Selbsthülfe, als Naturheilvorgang (bei üeberfüllungen des Magens, Reizung desselben durch fremde Körper, bei fremden Körpern in der Rachenhöhle u. s. w.) eintritt.
Indicationen. Die brechenerregende Methode wird verwendet, um fremde und schädliche Stoffe und Körper, mögen sie von aussen stammen oder im Organismus entstanden sein, aus den ersten Wegen heraus-
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Indicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 661
zuschaffen, um Verstimmungen im Nervensystem aufzuheben, croupöse Häute und Schleim, überhaupt pathologische Productc und zufällig in die Trachea gelangte Fremdkörper aus den Respirationsorganen zu ent­fernen, um Gallenstauungen zu heben, den Kreislauf im Hinterleibe zu ändern, Schweissausbruch hervorzurufen und symptomatisch die Innen­temperatur herabzusetzen. Diesen Indicationen entsprechend wendet man die Erbrechen erregende Methode als Entleerungsmittel (für Rachen, Schlund, Magen, Duodenum, Leber, Gallenwege, Luftwege), als üm-stimmungs- und Erregungsraittel, als Sccretionen förderndes und ein­schmelzendes Mittel an:
1.nbsp; nbsp; Bei Krankheiten, welche durch Aufnahme von schädlichen Stoffen oder von zu viel Nahrung entstanden sind.
2.nbsp; nbsp; Beim Vorhandensein fremder Körper im Schlünde und der Rachenhöhle.
3.nbsp; nbsp; Bei Magenkrankheiten, die in Verschleimungen desselben beruhen und solchen, bei denen der Inhalt im Magen die Krankheit unterhält und verschlimmert (Magenkatarrhe mit gährendem, saurem Inhalte u. s. w.).
4.nbsp; nbsp; Bei gewissen Verstimmungen der Magennerven, nervösen Schmerzen, Gefrässigkcit, Appetitlosigkeit ohne nachweisbare Ursachen, Brechneigung und Erbrechen (cf. S. 272, Vomitus vomitu curatur), ünverdaulichkeiten, Schwächezuständen der Magenmuskulatur u. dergl.
5.nbsp; nbsp;Bei Anhäufungen von Krankheitsproducten in den Luftwegen, beginnendem Lungenödem, Verschleimungen, Group, inve-terirten Katarrhen etc. und zufällig in die Trachea gelangten Fremd­körpern.
Durch den vermehrten Blutandrang nach den Schleimhäuten entsteht eine ver­mehrte Transsurlation auf die Oberfläche derselben. Dadurch wird der zähe Schleim verflüssigt, werden Exsudatmassen gelockeri und zum Auswurf geeignet gemacht. Ausserdem wird die Flimmerbewegung durch das alkalische Transsudat angeregt. Diese kann in Verbindung mit den Muskelanstrengungen und der tiefen, nach jedem Brechakt eintretenden Exspiration die fremden Dinge nach oben und aussen schaffen.
6.nbsp; nbsp;Bei Gallenstauungen und Icterus.
Die Gallenstauungen sind oft die Folge von Hindernissen, die sich im aus­führenden Gange resp. an der Ausmündungsstelle desselben finden (Schleimpfröpfe, Schwellung der Duodenal- und Gallengangschleimhaut etc.). Durch die beim Erbrechen wirksame Bauchpresse werden Leber und Gallenblase etc. zusammen­gedrückt. Dadurch wird der Gallendruck in den Gallengängen erhöht, die Galle wird vorwärts getrieben und das Hinderniss überwunden.
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Die brechenerrcs'enfle Methode.
7.nbsp; nbsp;Bei Blutüberfüllungen einzelner Hinterleibsorgane und gewissen passiven Circulationsstörungen im Hinterleibe.
Während des Brechakts wird der Blutdruck im Hinterleibe erhöht, die Blut-gefiisse werden comprimirt, das Blut vorwärts getrieben, Hindernisse beseitigt, Stauungen aufgehoben.
8.nbsp; nbsp;Bei Erkältungs- und rheumatischen Krankheiten.
Das Erbrechen macht die Circulation frei, hebt Kreislaufstörungen und Stasen, bewirkt Schweissausbruoh, regt die gesammte Hautausdünstung an, fördert den Stoffwechsel u. s. w. und kann demnach bei beginnenden Erkältungskrankheiten günstig wirken.
9.nbsp; nbsp;Bei allgemeinem Unbehagen, Vorstimmungen u. s. w. In diesen Fällen wendet man empirisch die Brechmittel oft mit vielem Erfolg an.
10.nbsp; nbsp; Bei Infectionskrankheiten, bei denen der Magen die Eingangspforte für den Infectionsstoff darstellt und das Vorhandensein solcher Stoffe im Magen präsumirt werden muss.
Früher wurde die .Meth. emetica als Prophylacticum und Coupirmittel sowohl gegen viele entzündliche, als auch gegen infeotiose Krankheiten angewendet. Diese Indication ist nur rationell, wenn Krankheitserreger in den ersten Wegen zu­gegen sind oder wenn kurz vorher eine Erkältung stattgefunden hat.
Mittel. Das Erbrechen wird hervorgerufen sowohl durch Reizung gewisser Stellen des Verdauungsschlauches als auch durch directe Reizung des sogen. Brechcentrums und einiger Theile des Grosshirns. Welche Brechmittel reflectorisch, welche direct wirken, ist noch nicht sicher festgestellt, ücber den refloctorischen Brechakt wissen wir. dass jeder Reiz, der die betreffende Stelle in zweckentsprechender Weise trifft, namentlich jede heftige und rasch erfolgende Reizung der Magenschleim­haut Brechneigung und event. Erbrechen hervorruft. Es ist dabei gleichgültig, ob der Reiz chemischer, mechanischer oder thermischer Natur ist; ein mechanisches Kitzeln wirkt ebenso wie ein medicinisch als Brechmittel verabreichtes, oder ein beliebiges scharfes oder ätzendes Medicament.
Therapeutisch können aber nur ganz bestimmte Mittel als Brech­mittel benutzt werden, und zwar nur solche, deren locale Wirkung ungefährlich ist und deren Nebenwirkungen unerheblich sind. Ausser diesen Mitteln giebt es auch noch solche, welche eine specifisch brechenerregende Wirkung besitzen und diese entweder durch directe Reizung des Brechcentrums oder speeifische Einwirkung auf die Magen­schleimhaut resp. die peripheren Vagusenden entfalten.
Die erste Art von Brechmitteln vermag ihre Wirkung nur bei der
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Mittel.
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Verabreichung per os zu entfalten, während die das Brechccntrum beeinflussenden Mittel auch bei anderen, z. B, der subcutanen Appli-cationsmethode, wirksam werden. Jedoch kann ausnahmsweise aueh bei subcutan, intravenös etc. verwendeten Mitteln die Wirkung reflecto-risch durch Reizung der peripheren Vagusenden im Magen erfolgen, indem das in das Blut gelangte Mittel durch und auf die Magenschleim­haut ausgeschieden wird und bei und nach der Ausscheidung ebenso wirkt, wie wenn es per os verabreicht worden wäre.
In der Veterinärpraxis ist übrigens die Anwendung der Brechmittel beschränkt. Die Pferde können bekanntlich unter normalen Verhältnissen wegen der Entfernung des Magens von den Bauchwänden, der schiefen Einpflanzung des Schlundes, der Nähe des Pylorus an der Cardia, der lockeren faltenreichen Mucosa an der letzteren und der eigenthümlichen Muslcelverhältnisse derselben nicht erbrechen. Eine Aus­nahme machen Pferde mit starls dilatirtem Magen (manche Kopper). — Bei Wieder­käuern wirken die Brechmittel höchst unsicher. Die per os verabreichten Mittel gelangen meist in die Vormägen, die mit einem dicken verhornten Epithel bekleidet sind, sodass die Mittel sowohl ihre locale Wirkung schwer entfalten, als auch nur unsicher resorbirt werden können. Auch die intravenös und subcutan verwendeten Mittel wirken nicht prompt. Ausserdem aber ist ganz besonders zu betonen, dass das sogen. Erbrechen der Wiederkäuer nur in einem Entleeren der Vormägen be-steht. Ein Entleeren des eigentlichen Magens nach oben, welche Wirkung man bei anderen Thieren beim Erbrechen beabsichtigt, ist bei den Ruminantiern unmöglich.
Die Brechmittel lassen sich in folgende Gruppen bringen: 1) mecha­nische, 2) Antimonmiltel. 3) Kupfer- und Zinkpräparate. 4) Vegetabi­lische Mittel und 5) Mittel, die aus den Alkaloiden des Opium ge­wonnen werden. Wir nennen folgende speciell: Rhizoma Ipecacuanhae, Tartarus stibiatus, Zmcum und Cuprum sulfuricum, Rhizoma Veratri, Vcratrinum, Apomorphinum (Apocodeinum.Cyclamin, Asclepiadin, Violin). Auch Grindelia robusta und Phytolacca decandra werden für den Men­sehen empfohlen.
Die Nebenwirkungen der Brechmittel, namentlich Darmreizung, Nausea. Collaps (besonders bei Tart. stib.) sind entweder erwünscht oder nicht und danach muss man die Auswahl unter denselben treffen.
Bei AViederkäuern wirkt Veratrum alb. bei intravenöser Appli­cation sowohl, wie auch vom Magen aus (bei Verabreichung grosser Dosen, 15 — 25) ziemlich sicher; seine Anwendung ist aber nicht ohne Gefahr. Tartar, stib. wirkt bei diesen Thieren unsicher. Auch bei Schweinen ist dasselbe oft unwirksam, namentlich, wenn es in grösserer Verdünnung und in Milch gegeben wird, und wendet man deshalb bei diesen Thieren Veratrum album an (0.3—1,5). Bei Hunden sind Zincum und Cuprum sulfuricum (Schw. 0.5 —1.5; Hd. 0,1—0,6), als Nothmittel Kochsalz (1—2 Theelöffel voll) und Senfpulver (1 Esslöffel voll) beliebt und auch eine Verbindung von Tart. stib. (Schw. 0,5-1; Hd. 0.1—0,3) mit Ipecacuanha (Schw. 1 — 4,0; Hd. 0,5—2,5) oder Veratri n subcutan (0,005—0,02). Apo-
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664nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die brechenerregende Methode.
morphin (hydrochlor. Sehw. 0,01—0,1; Hd. 0.005—0,05) ist be­sonders zu empfehlen, wenn die innerliche Application mit Hindernissen verbunden ist. Die Wirkung der Brechmittel kann durch vor- und nachherige Verabreichung schwacher Kochsalzlösungen oder warmen Wassers unterstützt werden.
Bei scharfen Giften und mechanisch reizenden Stoffen sind schleimig­ölige Flüssigkeiten mit dem Brechmittel zu verabreichen.
Contraindicationon. Gewisse Kraukheitszustände verbieten die Anwen­dung von Brechmitteln ganz und gar oder mahnen wenigstens zur Vorsicht. So soll man beim Vorhandensein von Aneurysmen, von Sklerosen der Arterienwände, sowie während der Gravidität und bei schwächlichen Tliieren keine Vomitiva verwenden. Auch bei Entzündungen und Reizungen derjenigen Organe, welche durch die Muskelwirkungeu beim Erbrechen direct leiden würden, beim Vorhandensein von Hernien, bei Neigung zu Apoplexien, bei der Plethora, bei frischer Magenentzün­dung, bei Herzkrankheiten, Lungencavernen, Pleuraadhäsionen, bei Diarrhöen (werden durch Brechmittel erhöht), bei Neigung zu Lungen- und Magenblutungen sind Brechmittel nur mit Vorsicht zu gebrauchen. Beim Vorhandensein hartnäckiger Verstopfungen wende man erst Klystiere und Wasserinfusionen an.
Zusatz. In manchen Füllen ist die ekelerregende Wirkung der Mittel (Tart. stib., Ipecacuanha, Kupfer, Höllenstein (?), Arsenmittel, alle widerlich riechenden und schmeckenden Medic, aetherea oleosa) zur Erreichung des Zweckes ausreichend (Meth. nauseosa s. nauseotica s. per nauseam). Die ekelerregenden Mittel bedingen Erschlaffung der quergestreiften und glatten Muskulatur (namentlich wenn sich dieselbe in krankhafter Spannung befand), Herabsetzung der Herzthätig-keit und Schweissausbruch. Deshalb sind diese Mittel indicirt bei Krampfwehen, Gallen- und Nierensteinen (zur Erleichterung des Durchganges), bei vielen Krämpfen, gewissen BrustaiTectionen (Asthma, Hustenkitzel, Herzklopfen), bei Durchfällen (weil sie antiperistaltisch wirken) und überhaupt bei abnormen Magen- und Darmbe­wegungen, bei Krampf der Blase, Harnzwang, Schleimansammlungen in den Ath-mungsorganen (als Expectorantien etc.). Ausserdem können die Nauseosa auch wegen ihrer die Herzfrequenz herabsetzenden und wegen ihrer diaphoretischen Wirkung-Anwendung finden. — Die Ekelempfindung kann einen cerebralen oder spinalen oder peripheren (Magenekel) Ursprung haben. Durch vorsichtige Dosirung gewisser Mittel kann man das Ekelgefühl längere Zeit erhalten, ohne dass Erbrechen ein­tritt. Die ekelerregende Methode wird in der Thierheilkunde nur ganz ausnahms­weise in Gebrauch gezogen.
5. Die abführende Methode (Meth. purgans).
Die Methode verfolgt als nächsten Zweck die Entleerung des Inhaltes des Verdauungsschlauchcs auf dem natürlichen Wege. Dieser Zweck kann in verschiedener Art und Weise erreicht werden: 1) durch Verabreichung von viel Wasser zur Verdünnung, von Sclileim und Oelen zum Schlüpfrigraachen des Darminhaltes, 2) durch Erhöhung der Secre­tion und Transsudation der Darraschleimhaut und der Darmdrüsen,
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Die abführende Methode.
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3) durch Verminderung der Resorption, 4) durch Erhöhung der Peri-staltik, 5) durch Einleiten mehrerer dieser Wirkungen zugleich. — Durch die auf diese Weise bewirkte Entleerung des Darmcanals wird in vielen Fällen der gestellten Indication genügt, indem der Ver­dauungsschlauch von den ihn belästigenden Massen, schädlichen Stoffen u. s. w. befreit und bestehende Verstopfungen aufgehoben werden.
Krankheiten, welche mit Verstopfung, zu trägem Vorrücken des Danninhaltes einhergehen, sind ungemein häutig. Ist die Verstopfung die alleinige Krankheits­ursache, dann verschwindet mit Anwendung dieser Methode die Kranhheit; ist sie aber nur eine Nebenerscheinung oder Folge einer anderen Krankheit, dann hat die Methode nur eine symptomatische Bedeutung und dient nur zur Linderung der eigentlichen Krankheit. In manchen Fällen soll mit der Entleerung des Darmcanals nichts weiter erreicht werden als eine grössere Resorptionsmöglichkeit für die zu verabreichenden Medicamente.
Ausser der besprochenen hntleerung des Verdauungsschlauches, der Abschleimung der Darmschleimhaut und der Anregung der Secretion der Verdauungsdrüsen (Lober. Pankreas, Darmwanddrüsen etc.) hat aber die Methode noch eine Reihe anderer Wirkungen, 'wegen welcher sie auch anderen Curzwecken dienen kann.
Die abführende Methode hat ausser einer spccielien Entlastung der Leber, der Pfortader, der Ohylusgefässe und der Gekrösdrüsen stets auch eine allgemeine Verminderung der Quantität und Aenderung der Qualität der Säftemasse des Körpers sowie ein rorühergehendes Sinken des Blutdrucks und damit eine Er­leichterung erkrankter und geschwollener Organe im Gefolge. Bei län­gerem Gebrauche der Abführmittel entsteht Abmagerung.
Bei der Wirkung der Abführmittel ist die Resorption immer vermindert, mögen nun die speciellen Abführmittel durch Anregung der Peristaltik oder dadurch wirken, dass sie den Darminhalt schwer diffusibel machen. Dabei ist die Secre­tion in der Regel, namentlich bei Anwendung der Mittelsalze erhöht. Es ist selbst­verständlich, dass in Folge dieser Verhältnisse eine Abnahme der Masse der Körper­säfte, des Blutes und der Lymphe und damit ein Sinken des Blutdrucks eintreten muss, welches so lange anhält, bis sich die Gefässwände der geringeren Flüssig­keitsmenge angepasst haben oder bis neue Flüssigkeit aus den Geweben resorbirt worden ist. Nach Hay wird bei Anwendung von Mittelsalzen das Blut zunächst concentrirter (dadurch erklärt sich der bei den Diarrhöen zu beobachtende Durst), nach einiger Zeit ist es wieder normal in Folge erhöhter Aufnahme von Wasser aus den Geweben, darauf wird das Blut nochmals concentrirter in Folge erhöhter Diärese; bald tritt wieder normale Beschaffenheit desselben ein.
Da die verringerte Resorption nicht nur zu einer Wasserabnahme, sondern auch 7.u einer Verringerung der circulirenden Salze, Eiweisskörper, Kohlehydrate und Fette führt, so tritt Mattigkeit und bei längerer Andauer des Abführens Ab-Abnahme des Fettpolsters etc. eiu. Die Methode wirkt also zehrend,
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666nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die abführende Methode.
schwächend, antiplastisch; sie regt die riickschreitende Stoffmetamorphose an, indem sie sowohl die zu chymificirendeu Nahrungsmittel, als auch die Verdauungssäfte nicht zur Resorption gelangen lässt und eliminirt; dieses hat zur Folge, dass im Körper mehr verbraucht als aufgenommen wird. Der Mangel an circulirendem Eiweiss bedingt den lebhafteren Verbrauch von Organeiweiss und überhaupt von Körper- und Blutbestandtheilen, die sonst nicht zersetzt worden wären, also z. B. auch von Krankhoitsproduoten, Exsudaten, Krankheitserregern und dergl. — Die abführende Methode ändert also die Blutmasse, die Blutqualität und bei län­gerem Andauern auch den Nähr zu st and des Körpers.
Die Äenderung der Blutquantität und -Qualität hat auch eine Abänderung der Diffusions- und ResorptionsVerhältnisse im Körper zur Folge. Das Blut wird eoncentrirter und geräth in einen Zustand, den man als Hunger oder Durst desselben bezeichnen könnte, deshalb entzieht es den Körperhöhlen und den Körpergeweben lebhafter Flüssigkeil als sonst, während andererseits die Transsudatioiien ver­ringert werden.
Auch die Circulation und Verthcilung des Blutes und der Säfte wird durch die fragliche Curmethode und besonders in der Richtung beeinflusst. dass durch die Hyperämie des Darmcanals andere hyper-ämische Organe entlastet und Stauungen gehoben werden.
Bei ihrer Anwendung entsteht meist eine Hyperämie der Darmschleimhaut. Da nun die Darmschleimhaut bei ihrer enormen Oberfläche sehr reich an Gelassen ist und einen nicht unbedeutenden Theil des Gesammtblutes führt, so muss eine bedeutendere Zunahme der normalen Blutmenge dieses Organes den Blutreichthum anderer Organe nicht anbeträchtlich im negativen Sinne beeinflussen. (Es sei bei dieser Gelegenheit nochmals an den Verbiutungslod ohne Blutgefässzerreissung, nur durch Anfüllung dos Pfortadersystems erinnert.)
Andere Wirkungen der Abführmittel beruhen in den consen-suellen und antagonistischen Beziehungen des Darmkanales zu anderen Organen. Eine vermehrte Secretion der Darmdrüseu ruft eine Verminderung der Schweiss- und Harnsccretion hervor u. dergl. Die Reizungen der Darmnerven bedingen reflectorische Vorgänge in anderen Organen, wirken wohl auch derivatorisch auf dieselben und bringen Schmerzen zum Schweigen u. s. w.
Indicationen. Die Indicationen der abführenden Methode stützen sich auf die vorgedachten Wirkungen derselben, also auf ihre aus­leerende, Wasser entziehende, Resorption anregende, resolvirendo und antidyskratische, oder ihre Darm reizende, aplastische, abmagernde, oder ihre die Gallen- und andere Secretionen anregende, oder ihre ableitende und antiphlogische Wirkung im Allgemeinen. Man wendet die abführende Methode an: zur Entfernung verhärteter Koth-massen und anderer Schädlichkeiten aus dem Körper, zur Bekämpfung
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Indicationen.
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der Tendenz zu langsamer Peristaltik, zur Acnderung der Stoffwechsel­vorgänge, zur Stillung der Darmreizung und Verhütung derselben durch Entfernung vertrockneter Ingesta, zur Bekämpfung der Fettsucht, zur Entlastung des Körpers von pathologischen Ergüssen, zur Ableitung bei Entzündungs- und Stauungsprocessen und Hyperämie in inneren Organen u. dergl. Man hat dabei entweder eine directe (Verstopfung, Fremdkörper etc.) oder eine indirecte Heilwirkung im Sinne.
Die Wichtigkeit der abführenden Methode ist auch ersichtlich aus der Häufig­keit des Auftretens von Diarrhöen bei der Selbstheilung und dem Selbstschutz. Früher wurde die Methode mehr als heutzutage verwendet und galt der Satz: Qui bene purgat bene curat.
Die abführende Methode ist indicirt:
1.nbsp; nbsp;Bei allen Krankheiten, welche mit Verstopfung einhergehen. Die Verstopfung, d. h. träger Abgang des Kothes bis zum vollständigen Fehlen der Defäcation ist Indication der Methode, gleichgültig, ob die Obstipation durch mangelhafte Irritabilität der Magen- und Darmnerven und der daraus resultirenden trägen Peristaltik oder durch verringerte Secretion oder durch andere Umstände bedingt ist. Die Entfernung des Darminhaltes, die Anregung der Peristaltik und Secretion ist Endzweck der Cur.
Besonders erwahnenswerth sind hier solche Leiden, die mit Durchfall einher-gehen, bei denen aber troclcene Ingesta an beschränkten Stellen des Darmcanals sitzen und Darmreizung u. s. w. bedingen. Hier bezweckt die Methode die Ver­hinderung der Darmreizung und ihrer Folgen.
Bei vielen entzündlichen und fieberhaften Krankheiten besteht Ver­stopfung. Bei allen diesen Leiden ist die Methode indicirt. Sie soll hier nicht radical, sondern symptomatisch wirken. Der trockene Darminhalt belästigt das Thier durch Druck und Raumbeengung; die fortwährend statthabende Resorption steigert das Fieber, die Darmschleimhaut geräth in einen Reizungszustaud u. s. w. — Je nach der Art der Verstopfung muss neben der abführenden Methode event, noch eine andere Curmethode in Anwendung gezogen werden; bei Verstopfungen, die durch partielle Krämpfe bedingt werden, muss man anders verfahren als bei paralytischen Obstipationen, bei Indigestionen anders als bei Darmdislocationen u. s. vv.
2.nbsp; nbsp; nbsp;Bei Ansammlung resp. bei Gegenwart von fremden Körpern und anderen schädlichen Stoffen (Giften, Parasiten, ver­dorbenen und unverdaulichen Speisen, verschluckten fremden Körpern [Erde, Sand, Holz, Knochen etc.], Darmsteinen, Haarballen, Schleim­massen, Exsudaten, Croupmembranen, Eiter, Blut, faulenden Stoffen u. dergl.) im Darm. Diese Dinge stellen die Causa morbi externa dar. Mit ihrer Entfernung schwindet in der Regel auch die Krankheit selbst. Bei Gegenwart von spitzen und schneidenden Dingen ist die Methode aus nahe liegenden Gründen contraindicirt.
Ellen berger, Allgemeiue Therapie.
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Die abführende Methode.
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3.nbsp; nbsp;Bei Prolapsus recti. Nur in seltenen Fällen ist die Obsti­pation die Ursache des Prolapsus. Dann würde die abführende Metliode radical wirken. Gewöhnlich liegen die Verhältnisse so, dass, weil trockene feste Kothmassen, verzögerte und schwierige Defäcation nach-Iheilig beim Bestehen oder bei Neigung zu Prolapsus recti wirken, die abführende Methode nur palliative Zwecke verfolgt. Auch heim Be­stehen und bei Neigung zu Prolapsus vaginae ist für leichte Defä­cation zu sorgen, weil jede mit Beschwerden verbundene Defäcation Anlass zum Eintritt oder zur Vergrösserung des Vorfalles giebt.
4.nbsp; nbsp;Bei Hernien. Die Ansammlung trockener fester Massen in den im Bruchsack liegenden Darmpartien kann Anlass zu Incarcerationen und zum Tode geben. Dies soll durch Anwendung der abführenden Methode verhindert werden. Die Methode hat also auch in diesem Falle nur einen palliativen Zweck. Ebenso ist die Methode bei Ste­nosen des Darmlumens, Intussusceptionen, Verschiiessungen des Darms durch Neubildungen indicirt.
5.nbsp; nbsp;Bei der Ruhr, bestimmten Diarrhöen, Dyspepsien, Darm­entzündung, gewissen Magendarmkatarrhen. Die Entleerung bezweckt Entfernung der die betreffenden Krankheitsvorgänge unterhaltenden und steigernden Massen und unter Umständen auch Befreiung der Säfte-circulation in der Darmwaud und Erregung der Peristaltik.
6.nbsp; nbsp;Bei Icterus und verschiedenen Loberleiden.
Durch die bei der Anwendung der abführenden Methode lebhafter statthabende Peristaltik wird die Entleerung der Galle befördert. Ausserdem haben auch viele Abführmittel eine die Gallensecretion anregende Wirkung. Auch kommt beim Stauungsicterus in Betracht, dass die den Gastroduodenalkatarrh (Anlass zur Gallen­stauung) unterhaltenden Gährungsproducte entfernt werden.
7.nbsp; nbsp; Bei der Fettsucht, z. B. von Schoosshündchen, bei welcher die Abführmittel die oben beschriebene Wirkung entfalten.
8.nbsp; nbsp; Bei dem Vorhandensein von Krankheitserregern im Darmkanale, überhaupt bei allen Krankheiten, bei denen die Re­sorption schädlicher, giftiger Stoffe (Gase, ßacterien etc.) vom Darm aus zu befürchten ist, z. B. bei vielen typhösen Leiden, vielleicht auch bei der Urticaria etc. In allen diesen fällen ist besonders Calomel indicirt.
9.nbsp; nbsp;Bei Entzündungen innerer Organe, namentlich des Ge­hirns und Rückenmarks und bei acut fieberhaften Krankheiten.
Beim Fieber besteht in der Regel ein höherer oder niederer Grad von Ver­stopfung und erhöhte Resorption. Der trockene Darminhalt wirkt an sich schädlich und die erhöhte Resorption steigert das Fiebennatcrial im Organismus. Die ange­häuften Fäces vermehren die Fieberhitze, geben Anlass zu Congestionen nach
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Indicationen.
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anderen Organen u. s. w. Die vermehrte Ausfuhr assimilirbaren Materials und der verwendbaren Secretionsproducte des üarmtractes, die Minderung dor Darm­resorption und die Entfernung der trockenen Fäcalmassen wirkt antiphlo-gis-tisch und antipyretisch. Auch kommt die Wirkung auf den Blutdruck, die Wirkung als Gegenreiz, die Beeinflussung der Circulation, die Beseitigung von Blutstauungen und ganz besonders die Erhöhung der Resorption in den entzündeten Organen in Betracht. Man empfiehlt bei Brustleiden, Verschlag, Arthritis die Salze und bei Gehirn- und Riickenmarksleiden die Ürastica.
IG. Bei gewissen niclii entzündlichen Circulationsstörungen.
Bei ünregelmässigkeiten in der Circulation ist die heilsame Wirkung der abführenden Methode in der Blutableitung nach dem Gefässsystem des Darmcanales und der dadurch bewirkten anderweiten Blutvertheilung zu suchen. Diese Indication liegt namentlich vor bei Hyperämien und Congestionen. drohenden Blutstauungen und Oedemen des Ge­hirns, der Lungen und auch anderer innerer Organe. Auch bei Hirn­blutungen, bei Schwindelanfällen und solchen Leiden der Gentral-organe, die durch Reflexwirkung vom Darm ans günstig beeinflusst werden können, ist die Methode indicirt.
11.nbsp; nbsp; nbsp;Bei gewissen Diathesen und Dyskrasien (Mercurial-dyskrasien, Cholämie. Urämie etc.). Die abführende Methode steigert die Elimination der schädlichen Stoffe aus dem Blute.
12.nbsp; nbsp;Bei wassersüchtigen und ähnlichen Zuständen. Hier sind namentlich die eoncentrirten Solutionen der Mittelsalze, weil sie eine hochgradige Abnahme des Blutserums hervorrufen (Hay) indicirt. In Folge dessen tritt eine gesteigerte Resorption in den Höhlen und Ge­weben ein. Die Abführmittel sind deshalb bei allen Krankheiten ange­zeigt, bei denen Flüssigkeitsentziehung für den Organismus heilsam ist und bei denen die Wasserausfuhr durch die Lungen und Nieren unge­nügend oder nicht zu ermöglichen ist. — Ansserdem sind sie aber auch überhaupt bei allen denjenigen Krankheiten und krank­haften Zuständen am Platze, welche durch Lösung und Re­sorption geheilt werden können, z. B. Schwellungen von Lymph­drüsen, Verschleimungen, Ansammlung von Exsudaten und sonstigen Krankheitsproducten etc. Auch bei gewissen ünregelmässigkeiten in der Circulation kann die Methode indicirt sein. Bei allen ad 12 genannten Leiden giebt man gleichzeitig Mittelsalze und aromatische Abführmittel.
Die Wirkung energischer Abführmitlei bei den durch Lösung und Resorption heilbaren Krankheitsprocessen ist leicht einzusehen. Die sämmtlichen Danndrüsen ergiessen schon normaliter enorme Mengen von Speichel, Galle, Pankreas-, Magen-unil Darmsaft in den Verdauungsschlanch. Dadurch erleidet das Blut, abgesehen
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Die abführende Methode.
von den durch Harn, Schweiss etc. herbeigeführten Einbussen bedeutende Verluste. Diese werden unter normalen Verhältnissen durch Resorption vom Darm aus ge­deckt. Sobald, wie dies bei Anwendung von Abführmitteln (durch Resorptions­minderung) eintritt, dieser Ersatz fehlt oder zu klein ist, muss der Organismus von sich selbst leben. Dass er dies thut lehren hungernde Thiere. Es ist nun leicht erklärlich, dass der Organismus in solchen Fällen die Exsudate, Neubildungen etc. zu seiner Ernährung und Krafterzeugung ebenso oder in höherem Grade wie nor­males Körpergewebe benutzt. Bedenkt man weiter, dass in Folge der Abführwir­kung die Resorptionskraft des Blutes gesteigert ist (s. oben) und dass neugebildete Gefässe schlechter mit Blut gespeist und Neubildungen schlechter ernährt werden, dann begreift man leicht das Verschwinden von Exsudaten und sonstigen Krank-heitsproducten, das Stillestehen und die Rückbildung von Neubildungen.
Mittel (Purgantia, Drastica. Cathartica). Allgemeines. Die x\bführ-mittel bewirken eine rasche gewaltsame Entfernung des Darminhaltes in Form von an Flüssigkeiten reichen, oft fast flüssigen Massen und verhindern demgemäss das Zustandekommen der normalen Resorption. — Die Wirkungsweise der Abführmittel ist je nach ihren Löslich-keitsverhältnissen, ihrer chemischen Natur und den Darmabschnitten, auf weiche sie wirken, eine verschiedene. Bei allen Mitteln beob­achtet man jedoch eine lebhaftere Peristaltik und einen be­deutenden b^lüssigkeitsgehalt dos Darminhaltes. Ob nun die gesteigerte Peristaltik primär in Folge einer von den Abführmitteln eintretenden Nervenreizung auftritt, oder ob sie erst die Folge der Flüssigkeitsanhäafung und des durch diese ausgeübten Reizes, ist eine viel ventilirte Frage. Auch ist darüber viel disputirt worden, woher der bedeutende Flüssigkeitsgehalt des Darminhaltes stammt. Man streitet heute noch darüber, ob die Flüssigkeitsansammlung im Darmcanale eine Folge verminderter oder gehinderter Resorption, oder einer abnorm starken Secretion und Transsudation oder einer ge­steigerten Wasserzufuhr von aussen ist. Offenbar wirken die ver­schiedenen Abführmittel je nach ihrer Natur etwas verschieden; alle bedingen aber eine verringerte Resorption und eine Erhöhung der Peristaltik. Ob aucli bei allen eine vermehrte Transsudation und Secretion eintritt, ist noch unentschieden.
Sie wirken entweder direct auf die Verdauungsschleimhaut und ihre Nerven oder vom Blute aus. Die meisten Abführmittel wirken nur vom Darm aus und des­halb auch nur, wenn sie in denselben hineingebracht werden. Nur eine kleine Gruppe derselben kann man auch subeutan appliciren.
Ueber die Form und die Art der Anwendung der Abführmittel ist zu bemerken, dass die meisten Abführmittel per os und bei Rindern und Hunden meist im flüssigen Zustande verabreicht werden; bei Pferden und Schweinen ist die Latwergenform vorzuziehen. Die Pillenform empfiehlt sich bei einigen Mitteln (Aloe) für alle Thiere.
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Mittel.
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Die Application per anum ist wenig gebräuchlich; sie findet statt, wenn die innerliche Darreichung aus irgend welchen Gründen erschwert und contraindicirt ist. Sie ist schmerzlos und sicher und gestattet eine Steigerung der Dosis. Die Mittel sind mit wenig Flüssigkeit in den Darm einzuführen.
Die subcutane Ainrcinliing von Abführmitteln hat nur bei wenig Mitteln wirk­liche Vorzüge (Physostigmin, Pilocarpin, Muscarin). Hiller spricht sich im Allge­meinen dahin aus, dass dieselbe weder eine Verringerung der wirksamen Dose, noch eine Verkürzung der bis zum Eintritte der Wirkung verstreichenden Zeit, noch eine grössere Sicherheit und Reinheit der beabsichtigten Arzneiwirkung zum Vorzuge hat, dass sie im Gegentheil der internen Application in Bezug auf Sicherheit und Annehmlichkeit nachsteht. Ausgeschlossen von dieser Applicationsmethode sind diejenigen Mittel, welche nur in grossen Dosen wirken oder die Gegenwart der Galle bedürfen, um wirksam zu werden. Versuchsweise hat Hill er äuge wendet:
1)nbsp; nbsp;Aloin (1:25 Aqua [davon 1 gr beim Menschen] oder 1:8 heissem Glycerin),
2)nbsp; Extractum Aloes aquos., 3) Colocynthin, 4) Colooynthinum purum, 5) Citrullin, 6) Extr. Colocynthidis, 7) Cathartin, 8) Cathartinsäure, 9) Extr. Elaterii nigr., 10) Extr. Elat. pharm., 11) Elat. alb. anglic, 12) Elat. crystallis., 13) Leptandrin, 14) Evonymin, 15) Baptistin. #9632;— Von diesen Mitteln würden etwa zu empfehlen sein AloTn in Glycerin 1 : 5—8 (Dosis für den Menschen 0,15—0,2), Colocynthin (5—10 Milligrm.) 0,3 : 30 alkoholisirtes Glycerin. In neuerer Zeit sind in der Thier-heilkunde 2 Mittel subcutan mit Vortheil angewandt worden, das Physostigmin und das Pilocarpin. Ersteres hat Dieckerhoff in die Veterinärpraxis eingeführt. Es hat sich durchaus bewährt. Letzteres scheint bei Rindern den Vorzug vor dem Physostigmin zu haben (cf. S. 342).
Auf Grund eigener Untersuchungen habe ich die Meinung vertreten, dass das Pilocarpin auch bei der Kolik der Pferde ein wichtiges Mittel ist und scheint dies auch durch die Praxis bestätigt zu werden. Empfehlenswerth ist die Verbindung beider Mittel mit einander, des die Darmbewegungen (Physostigmin) und des dieSecrotionen anregenden Mittels (Pilocarpin). Auf meine Veranlassung hat mein Assistent Graf eine Reihe von Versuchen mit subcutan angewendeten Abführmitteln bei Hausthieren angestellt. Im Wesentlichen ergiebt sich aus denselben, dass Muscarin, Pilocarpin, Physostigmin sichere Abführmittel sind, dass die Verbindung eines der beiden erst genannnten Mittel mit letzterem zu empfehlen ist, dass Aloin, Colocynthin, Citrullin (Colocynthitin),Nicotin,]STitropentan und Podophyllin wenig wirken, dass letzteres ein heftiges Gift ist (Vogel fand es bei Hunden wirksam und unschädlich), ferner, dass kleine Dosen reizender Salze (ClXa, Glaubersalz etc.), an der Bauch wand injicirt (0,1 bis 1,0), die Peristaltik leicht anregen. Muscarin und Pilocarpin rufen leicht Lun­genödem hervor (namentlich bei Wiederkäuern). Sie können aber ohne Gefahr an­gewendet werden, weil man im Atropin ein absolut sicheres Gegenmittel besitzt. H. Möller hat intravenös applicirte Abführsalze bei Hunden wirksam, bei Pfer­den unwirksam gefunden.
Specielleres über die Art und Weise der Abführwirknng. In früheren
Zeiten schloss man aus der Thatsache, dass viele Abführmittel die äussere Haut und die zugänglichen Schleimhäute reizen, dass diese Mittel auch ihre Abfiihrwirkung durch Reizung der Darmschleimhaut und die dadurch vermehrte Peristaltik und gesteigerte Secretion ent-
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672nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die abführende Methode.
falteten. Später erkannte man aber, dass die Abführmittei durchaus nicht alle in gleicher Weise wirkten und dass bei einigen die genannte Art der Wirkung kaum angenommen werden konnte. Heutzutage muss man bei Erklärung der Wirkungsweise der Abführmittel 3 Gruppen unterscheiden. Die Repräsentanten der ersten Gruppe (der milderen Abführmittel) sind die schwefelsauren Alkalien und das schwefelsaure Magnesium (die Mittel- oder Abführsalze); die der zweiten Gruppe (der scharfen Abführmittel) gewisse aromatische scharfe Stoffe, Harze u. dcrgl.; die der dritten Gruppe: Wasser, Schleim und Ocle.
a) Die Ahfiihmlzc. Die Wirkung der Mittelsalze haben wir uns heutzutage wie folgt vorzustellen: die in den Darmtractus gelangen­den Mittelsalze machen den vorhandenen Inhalt schwer diffusibel, schwer resorbirbar und erhalten ihn demgeraäss flüssig. Dazu kommt noch, dass sie gleichzeitig die Darmsecretion anregen und eine ver­mehrte Flüssigkeitszufuhr zum Darminhalte bedingen. Ob diese Wir­kung durch stärkere Endosmosc zur concentrirteren Salzlösung oder durch Anregung der Darmdrüsentliätigkeit zu Stande kommt, ist fin­den Effect gleichgültig. Natürlich hängt der Grad dieser Wirkungen eines Mittels von seinem Diffusionsvermögen und dem Concentrations-grad ab, in welchem es zur Anwendung gelangt.
Mit dieser Flüssigkeitsansammlung tritt gleichzeitig eine massige Vermehrung der Peristaltik ein, jedoch in bedeutend geringerem Grade als bei der Anwendung der Drastica. Die Vermehrung der Peristaltik ist entweder eine Folge director Nervenreizung durch die Mittelsalze (durch VVasserentziehung, Wirkung der Bitterkeit, Circulationsstörung?) oder der Ansammlung einer grösscren Quantität von Darminhalt (cf. Naturheilung). Verschiedene andere Abführmittel wirken in ähnlicher Weise wie die Mittelsalze. — Bemerkenswerth ist noch, dass bei Thieren mit weitem, grossen Dickdarme, welcher grosse Mengen eines festen Inhaltes enthält (Pferd. Rind), wirklicher Durchfall bei An­wendung dieser Mittel selten beobachtet wird. Bei diesen Thieren er­zeugen sie meist nur Dünnbreiigwerden der Fäces.
Geschichtliches. Liebig-, Poiseuille, Matteacci, Rabuteau u. A. führten die Wirkung der Mittelsalze auf einen endosmotisohen Vorgang zurück. Nach ihnen musste jedes Mittel mit hohem endosmotisohen Vermögen ein Abführmittel sein. Bei der Verabreichung der Abführsalze, die sämmtlich hygroskopisch sind und die Neigung sich zu lösen besitzen, ist im Darm eine Salzlösung enthalten, die concentrirter ist als die Blutflüssigkeit und demgemäss dem salzärmeren Blute und der Darmwand Wasser entzieht, indem ein endosmotischer Strom aus den Blut gefässen der Darmschlcimhaut nach dem Darminhalte entsteht, in dessen Folge
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 673
eine Vermehrung des Wassergehaltes des letzteren und der Abgang flüssiger Excre-mente eintritt.
Aubert, Headland, Buchheim, H. Wagner zeigten demgegenüber, dass -die Concentration der Salze nicht entscheidend für ihre Wirkung ist, dass auch enorm verdünnte Salzlösungen Diarrhöe erzeugen, dass stets Resorption von Abführ­salzen statthat und dass im Kothe kein Bluteiweiss auftritt (Aubert). Damit wurde die Liebig'sche Theorie unhaltbar. Aubert stellte deshalb eine neue Theorie auf, nach welcher die Abführwirkung eine Folgo der durch die reizende Wir­kung der Abführmittel auf die Schleimhaut reflectorisch vermehrten Peristaltik ist. Hiernach sollten die Abführmittel auch bei Injection in das Blut wirken.
So standen sich nun zwei Theorien gegenüber, von denen die eine auf An­nahme einer grösseren Wasserabscheidung in den Darm, die andere auf Voraus­setzung einer beschleunigten Peristaltik beruhte. — Beide Theorien Hessen es aber unerklärt, warum gewisse Mittel, die stark hygroskopisch sind und andere, welche die Darmschleimhaut reizen, garnicht oder nur wenig (z. B. Kalium nitric.) ab­führend wirken.
Buch he im bestritt die Richtigkeit der Aubert'sehen Theorie und nament­lich auch dessen Behauptung, dass intravenös beigebrachte Abführsalze wirksam seien (was auch von Hay u. A. für unrichtig erklärt wird). Nach Buchheim ist die Abführwirkung weder die Folge einer vermehrten Secretion, noch die einer er­höhten Peristaltik, sondern vielmehr die einer Retention der normalen Darmflüssig­keiten in demselben, d. h. einer verminderten Resorption. Diese soll dadurch bedingt sein, dass die schwer dififusiblen Salze den Darminhalt schwer diffusibel und damit schwer resorbirbar machen. Dadurch entsteht eine Vermehrung der nor­malen Quantität und eine flüssige Qualität des Darminhalts. Ersteres bedingt, nach früher besprochenen Gesetzen, das Eintreten einer verstärkten Peristaltik.
Von den Salzen der Alkalien diffundiren am langsamsten die schwefel-, phos­phor- und kohlensauren, schneller die Chloralkalien, am schnellsten die salpeter­sauren Salze. Die letzteren werden schon im Magen und Dünndarm grösstentheils resorbirt. Nur die schwer dilTundirbaren Salze gelangen in grösseren Mengen in den Dickdarm. Sie wirken wie angegeben und reizen auch direct die Darmsohleim-haut. Dies thun unter den schwer diffundirenden am meisten die schwefelsauren Salze, weil sie von diesen noch am besten diffundiren und weil die am besten diffundirenden Salze den Darm am meisten reizen (Kai. nitricum).
Headland behauptet, dass die llittelsalze im oberen Theile des Darmcanals resorbirt und da nur ein kleiner Theil derselben durch die Nieren eliminirt werden kann, zum grössten Theil wieder durch die Schleimhaut im Dickdarm mit viel Wasser ausgeschieden werden. Dadurch soll die Diurese entstehen. Ein Versuch von Car­penter spricht für Headland's Theorie. Hay bestreitet dieselbe entschieden.
Durch neuere Untersuchungen von Voit, Bauer, Moreau, ßrieger, La ud er-Brunt on , II. Möller ist dargethan worden, dass unter günstigen Ver­hältnissen und bei richtiger Concentration die Abführsalze thatsächlich so wirken, wie es Liebig lehrte. Namentlich hat Hay festgestellt, dass die Mittel­salze, wenn der Organismus die gehörige Menge Wasser enthält, stets eine ver­mehrte Secretion der normalen Darmsäfte (vielleicht in Folge ihrer Bitterkeit und der dadurch bedingten reflectorischen Reizung der Darmdrüsen) bewirken, dass sich aber der Grad dieser Wirkung nach der Stärke der Concentration der Salze richtet.
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674nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die abführende Methode.
Neben dieser die Secretion steigernden Wirkung sollen diese Mittel gleichzeitig auch die Peristaltik massig anregen, ohne dass aber eine entzündliche Reizung oder Transsudation mit heftiger Peristaltik eintritt. Die eintretende vermehrte Peristaltik braucht durchaus keine Folge einer besonderen Wirkung der Mittel zu sein, sondern es ist eine Thatsache, dass jede Ansammlung im Darm Reizung und dadurch ver­mehrte Peristaltik hervorruft.
b) Die aroinatischcn Abführmittel. Die schwer löslichen Abführ­mittel, als deren wirksame Grundlage meist aromatische Säuren er­kannt worden sind (Cathartinsäure, Convolvulin, Jalapin, Elaterin, Podo-phyllotoxin, Rl)einsäure,Aloin,Colocynthin,Ricinusölsäure,Crotonölsäure), bewirken stets eine mehr oder weniger heftige Reizung der Darm-schleimhaut, die unter Umständen zur Entzündung und Anätzung führen kann, und verstärken und beschleunigen die peristaltischen Darmbewe­gungen in bedeutendem Grade. Ganz besonders entfalten sie diese Wirkung auf den Dickdarm. Ob gleichzeitig eine vermehrte Transsu­dation und Hypersecretion statthat, ist noch zweifelhaft. Die Dünn­flüssigkeit der entleerten Massen erklärt sich leicht aus der mangel­haften oder aufgehobenen Resorption. Bei dem raschen Fortschaffen der Massen ist nicht Zeit genug zur Resorption vorhanden; ausserdem ist auch die gereizte Schleimhaut wenig geeignet zu dieser Function. Das bei den Diarrhöen Entleerte hat die grösste Aehnlichkeit mit dem normalen Inhalte des Colon. Norraaliter arbeitet der Dünndarm flott, treibt seinen flüssigen Inhalt rasch in den Dickdarm, dieser arbeitet träge, sein Inhalt wird mehr oder weniger trocken. Sobald die Dick­darmwände aber flott thätig sind, müssen flüssige Massen entleert werden.
Die Anregung der Peristaltik findet entweder vom Magen aus oder durch directe Reizung der Darmschleimhaut oder sogar der Muskulatur statt. Jeder die Magenschleimhaut local treffende Reiz ruft reflectorisch durch Vermittelung der Magenvagusfasern eine Vermehrung der Darm-peristaltik hervor. Manche Drastica reizen aber die Magenschleimhaut gar nicht, sondern wirken erst, wenn sie in den Darm gelangt sind. Diese wirken offenbar direct auf die Darmganglien.
Die Wassermongen in den Fäces bei Durchfall sind nicht allein das Product der Ausscheidung aus dem Blute, sondern sie repräsentiren zum grossen Theilo aufgenommenes und nicht resorbirtes Wasser. Mittel, die nur durch Anregung der Peristaltik diarrhoisch wirken, werden nur bei Gegenwart von Wasser wirksam (z. B. Aloe) und wirken um so besser, je mehr Wasser zugegen ist. Wie die aroma­tischen wirken auch einige andere reizende Mittel.
Geschichtliches. Radziejewski, Thiry, Schiff und Brieger konnten bei ihren Versuchen nicht constatiren, dass die fragl. Mittel eine Transsudation aus den Darmcapillarai in das Darmlumen veranlassen, während dies von Moreau und Lauder-Brunton behauptet wird. Radziejewski hält das bei den
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 675
Diarrhöen Abgehende für unveränderten Dünndarminhalt. „Wenn eine aus festen und flüssigen Bestandtheilen gemischte Masse, wie ja der Darrainhalt eine darstellt, durch ein vielfach gewundenes Rohr von unebener Oberfläche schnell hindurchge-' trieben wird, muss erst der flüssige Theil herauskommen, während der consistente Rest länger zurück- und an der Darmsohleimhaut haften bleibt.quot; Die Thatsache, dass das Blut wasser- und salzärmer wird, lässt sich aus der verringerten Resorption ohne Zuhülfenahme einer Transsudation sehr wohl erklären. Brieger ist auch der Ansicht, dass die fragl. Mittel keine vermehrte Secretion bedingen, sondern nur durch erhöhte Peristaltik wirken. In grossen Gaben rufen einige dieser Mittel ent­zündliche Exsudation und Hypersecretion hervor. In den ersten Momenten der Wirkung der scharfen Abführmittel besteht Anämie der Schleimhaut als Folge der reflectorischen Reizung der Vasomotoren.
c) Die Mittel der dritten Gruppe bewirken weiche Entleerungen, entfalten aber keine specifische Abführwirkung. Sie wirken meist durch einfache Flüssigkeitszufuhr und dadurch bedingte Verflüssigung oder durch Schlüpfrigmachen des Darminhaltes.
Nachstehend sollen die wichtigsten Abführmittel einzeln aufgeführt werden. Vorher sei aber noch Folgendes bemerkt. Es ist fehlerhaft, durch sehr verstärkte oder häufig wiederholte Verabreichung eines und desselben Mittels die Wirkung erzwingen zu wollen. Viel besser ist die Verbindung mehrerer Abführmittel in kleinen Dosen. Auch ist Abwechselung mit den Abführmitteln bei chronischen Obstipationen am Platze. Sehr empfehlenswerth ist die Verbindung von Drasticis mit Osmoticis.
Es ist ferner zu beachten, dass die Abführmittel bei gleichzeitiger Verab­reichung von Wasser bedeutend besser wirken als ausserdem, ja dass bei durstenden Thieren mit wasserarmen Geweben oft die Durchfallwirkung ganz ausbleibt.
Manche Abführmittel (Rheum) enthalten Bestandtheile, die diametral entgegen­gesetzt wirken; sie haben deshalb je nach Dosis und Verbindung verschiedene Wir­kungen.
Die meisten Abführmittel müssen gelöst sein, wenn sie wirken sollen. — Manche wirken nur auf bestimmte Darmabschnitte.
Viele der Mittel haben Nebenwirkungen, z. B. auf das Centralnervensystem (Elaterin), auf die Harnseoretion (Goloquinthen, Gummi Gutti) u. s. w., einige machen Kolikschmerzen, einige üebelkeit und Erbrechen, andere regen die Gallen-secretion an u. s. w.
Während der Anwendung der Abführmittel, besonders der scharfen, hüte man die Thiere vor Erkältungen, lasse sie hungern, oder füttere sie leicht mit feuchten, wasserhaltigen Nahrungsmitteln, biete ihnen oft Getränk an u. s. w.
Tritt übermässiges Abführen ein, dann wende man warme Einhüllungen des Bauches an. Nach der Wirkung der Abführmittel sei man noch vorsichtig mit der Diät. Manche Mittel verlangen eine Vorbereitung der Thiere, die wesentlich im Hungern besteht; manche Mittel wirken besser in oft wiederholten kleinen als einer grossen Dose etc.
1. Die Abführsalze (Porgantia frigida s. antiphlogisfica). Hier­her gehören besonders die Salze der Alkalien und Magnesia sulphurica. Am kräftigsten wirken die schwefelsauren Alkalien (Natrium und
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676nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die abführende Methode.
Kalium solfaricum [in •24Stdu.: 1000; 100—200; 30—100]), dann folgen die kohlensauren. Am schwächsten erweisen sich die salpeter­sauren, Oxalsäuren und phosphorsauren Salze. Die fettsauren Al­kalien sind wegen unangenehmer Nebenwirkungen wenig verwendbar. Die weinsauren Salze (Hd. 4—15, Rd. 45—180) wirken gering. Tar­tarus stibiatus reizt und kann nur als Unterstützungsmittel, namentlich bei Wiederkäuern, benutzt werden (1—4 [8]; 0,4—1,0; 0,1 — 0,4). Das Sal carolinuin facticium wird als wirkliches Abführmittel nur bei den kleinen Hausthieren benutzt.
2.nbsp; nbsp;Quecksilbermittel. Von diesen ist nur Calomel im Ge­brauche (4—8 [6]; 0,5 —0,8 [2 — 4]; 0,06 — 0,15). Calomel ist be­sonders bei Schweinen (in Verbindung mit Ricinusöl) indicirt; bei grossen Thieren dann, wenn es sich um gleichzeitige Desinfection des Darminhaltes handelt und bei fieberhaften entzündlichen Krankheiten. Wiederkäuern darf das Mittel nur mit grösster Vorsicht verabreicht werden.
3.nbsp; nbsp;Aromatische Mittel. Folia Sennae (Schw. 5—20; Hd. 4 bis 15); Radix Rhei (Schw. 8—30; Hd. 2—12: Kälber und Lämmer 4 bis 6); Tubera Jalapae (Schw. 5—20; Hd. 0,5—4); Podophyllinum (Schw.lt; 0.5- 2; Hd. 0,1—2); Evonyminum, Aloe (20—40 [60]; 30 [15]; 1-3); Fructus Colocynthidis (Schw. 4—8; Hd. 0.5—2); Elaterium. Gummi Gutti (15—30; 2—8; 0.5—2, nur für Hunde zu empfehlen); Rad. Scammoraiae. Tamarinden. Hb. Gratiolae (Rd. 60—90; Schw. und Z. 8—12). Svrup. Rhamni catharticae (Hd. 15 — 30); Fruct. Rhamui cathart. (Hd. 10—20) etc.
Für die grossen Hausthiere, Pferd und Rind, verwendet man von diesen Mitteln nur Aloe und dies besonders bei Gehirnleiden, wasser­süchtigen Zuständen u. dergl., weniger bei fieberhaften entzündlichen Krankheiten. Aloe wirkt durch Darmreizung und ist ein Drasticum. Bei seiner Anwendung bereite man die Tiiiere, wenn möglich, vor; man gebe ihnen in den letzten 24 Stunden vor der Anwendung des Mittels nur wenig Futter, hauptsächlich Kleientrank und Wasser und gebe die Pille des Morgens nüchtern. — Sennesblätter, Podophyllin. Rhabarber sind nur für Schweine und Hunde, Gummi Gutti nur für Hunde, das Purgirkraut nur für Wiederkäuer indicirt.
4.nbsp; nbsp;Reizende ölige Mittel. 01. Crotonis (10 — 20 gutt. [30]; 6—10 [3—6] gutt.: 1—8 gutt. in Schleim; semen 0,5 — 2 [4]; 0,2 bis 0,4; 0,05—0,2). 01. Ricini. Ranzige Oele und Fette.
Crotonöl ist ein heimtückisches und gefährliches Mittel und sollte nur bei ganz hartnäckigen Verstopfungen, z. 13. bei dem Kalbefieber der Rinder gebraucht werden. Es wirkt auch bei Wasserentziehungen. Ricinusöl (250—500 [1000]; 50—150 [100]; 15—50) wird besonders bei Schweinen und Hunden, in Süddeutschland und der Schweiz aber auch bei Pferden vielfach verwendet. — Fette und Oele (besonders das ranzige Leinöl) können als Hausmittel bei sämmtlichen Hausthieren benutzt werden, namentlich wenn es sich um einfache Obstipationen handelt. Sie wirken dadurch, dass sie die Darmwand und den Darm­inhalt schlüpfrig machen, die Resorption erschweren und im ranzigen
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Mittel.
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Zustande die Darmschleimhaut reizen und dadurch vermehrte Peristaltik hervorrufen.
5.nbsp; nbsp;Gewisse Alkaloide, als Physostigmin (Dieckerhoff), Pilo-oarpin und Muscarin. Das Physostigmin wirkt wesentlich durch An­regung der Peristaltik, während Pilocarpiu und Muscarin hauptsächlich durch gesteigerte Secretion und Transsudation und durch Veriiüssigung des Darminhaltes wirken. Diese Mittel werden subcutan angewendet.
6.nbsp; nbsp;Zuckerhaltige Mittel. Honig, Milclrmcker, Melasse, Manna (Pld.je nach der Grosse 10—60). Diese Mittel wirken durch ihr geringes Diffusionsvermögen, durch eine leichte Reizung der Darmnerven (vielleicht in Folge ihrer hygrosko­pischen Eigenschaft) und durch ihre leichte Zersetzlichkeit. Es entsteht Milchsäure und diese wirkt reizend und anregend auf die Peristaltik.
7.nbsp; nbsp;Schwefelmittel. Diese Mittel sind nur noch bei Hunden im Gebrauche. Bei diesen wirken Schwefelblnmen, wohl auf dem Woge der Darmreizung, abführend.
Ausser den genannten Mitteln giebt es ja noch viele andere, welche abführend wirken, z. B. Kamnla. Sie werden aber nicht als Abführmittel speciell angewendet, sondern ihre Abführwirkung stellt nur eine Nebenwirkung dar, die je nachdem er­wünscht oder unerwünscht ist. Die in der Menschenheilkunde viel gebräuchlichen, in der Natur vorkommenden Abführwässer (Marienbader, Kissinger etc.) sind in der Vetcrinärpraxis nicht gebräuchlich.
8.nbsp; nbsp;Adjuvantia und Corrigentia. Viele Mittel vermögen an sich keine Abführwirkung hervorzurufen, steigern aber die Abführwirkung wesentlich, wenn sie echten Abführmitteln zugesetzt worden; andere verhindern unangenehme Neben­wirkungen oder ermöglichen es erst unter den gerade vorliegenden Umständen, dass das Abführmittel wirksam werden kann u. s. w. Hierher gehörige Mittel sind:
a)nbsp; nbsp;Wasser. Da die Abführwirkung ausser durch die gesteigerte Peristaltik durch Verflüssigung des Danninhalts zu Stande kommt, muss Wasserzufuhr die Wirkung der Abführmittel unterstützen und unter Umständen für sich allein ab­führend wirken.
b)nbsp; nbsp;Weiche, wässerige Nahrung (Grünfutter, Kleie, Leinsamenmehl, Wurzeln). Sie steigern die Wirkung der Abführmittel. — Runkelrübenblätter führen schon für sich allein Diarrhöe herbei (sie sind sehr wasserreich und enthalten viel Kalisalze). Rohe Kartoffeln wirken bei Wiederkäuern drastisch abführend (Gerlach).
c)nbsp; nbsp;Bittere Mittel. Sie verhindern die Ermüdung der Magen- und Darm­muskulatur und erhöhen zweifellos die Abführwirkung durch Reizung der Schleim­hautnerven.
d)nbsp; nbsp;Die ätherisch-öligen Mittel. Sie wirken krampt- und schmerz­stillend und sind deshalb wirksame Corrigentia bei Verabfolgung von drastischen Purgirmitteln.
Im Uebrigen wirken sie ähnlich wie die bitteren Mittel und unterstützen Ab­führwirkungen. In grossen Dosen sind sie selbstständige Purgantien (01. Tereb.).
e)nbsp; nbsp;Hefe, besonders Bierhefe, macht Neigung zu Durchfällen und ruft häufig selbstständig solche hervor und zwar ebenso wie:
f)nbsp; nbsp;die Molken durch den Gehaltan Milchsäure (Seh. und Z. 3—4 Pfund).
g)nbsp; nbsp;Schleime und milde Oole (100—400; GO—180; 15—60). Diese Mittel machen den Darminhalt und die Schleimhautoberfläche schlüpfrig und be-
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Die abführende Methode.
fördern die Fortbewegung des erstoren. Die Oele erschweren ausserdem auch noch die Resorption.
h) Klystiere. Sie wirken direct lösend auf den Darminhalt und regen reflectorisch die Peristaltik an. Sie sind indicirt bei grosser Nei­gung zum Erbrechen, wenn schnelle Entleerung erwünscht, wenn Schonung der Kräfte und Säfte nöthig ist, wenn die starken, oft harten und festen trockenen Massen im oder nahe am Rectum sitzen, wenn Neigung zu Prolapsen besteht, eine Bruchoperation stattgefunden hat u. s. w. Zu den Klystieren benutzt man kaltes oder warmes Wasser, Seifenwasser, Tabakabkochung, Salzlösungen u. dergl. Zu­weilen will man von hier aus auch die Laxirwirkung durch Resorption erzielen und verwendet dann Colocynthin, Aloi'n, Podophyllin, Abführsalze etc. — Die Tabak-rauchklystiere werden zwar in neuerer Zeit wenig verwendet, sind aber recht wirksam. Ein besonderer Rauchapparat ist nicht nothwendig. Eine einfache lange Pfeife, deren Spitze abgeschraubt ist, genügt. Voraussetzung dabei ist, dass der Sohliessmuskel des Afters noch functionirt. — Eigentliche Klystiere werden heut­zutage weniger gebraucht als Wasserinfusionen nach Dammann (s. vorn). Diese haben den Vortheil, dass die Flüssigkeit langsam eindringt, dass deshalb grosse Mengen eingeführt werden und dass dieselben unter Umständen bis in den Blind­darm vordringen können. Bei Schweinen und Hunden kann man auch die Seifen­zäpfchen (Suppositorien) verwenden.
i) Kochsalz, Seife. Kochsalz regt die Verdauung und Peristaltik an und unterstützt dadurch die Abführmittel in ihrer Wirkung. Die Seifen reizen die Darm­wand und beschleunigen die Peristaltik.
9.nbsp; nbsp;Frottiren der Bauchwand. Kneten und Drücken. Bei diesen Mani­pulationen kommen drei Momente in Betracht, einmal die Hautreizung und die da­durch reflectorisch bewirkte Beschleunigung der Peristaltik, sodann die directe Darmreizung und endlich das directe Fortdrücken, Zerquetschen etc. der Inhalts­massen des Darmcanals.
10.nbsp; nbsp;Reizende Einreibungen in die Bauchwand. Die günstige Wirkung derselben ist festgestellt. Die Reizung der Haut regt reflectorisch die Darmmusku­latur an (cf. vorn). Ausserdem wirkt der gesteigerte Blutzufluss zur Haut und die erhöhte Hautausdünstung günstig, namentlich bei den durch Erkältung bedingten Koliken und bei congestionellon Zuständen der Darmschleimhaut. Endlich ist auch die schmerzlindernde Wirkung der Hautreize günstig bei schmerzhaften Koliken. Zu den Einreibungen benutzt man 01. Tereb., Spir. camphor., Liq. Ammon. caust. etc. — Häufig werden dieselben nur als Einleitung von Priessnitzumschlägen oder anderen Einwickelungen und Einhüllungen des Bauches gemacht und dies nament­lich bei Erkältungskrankheiten. Bei Einreibungen mit Crotonöl beabsichtigt man namentlich bei Schweinen neben der epispastischen auch noch eine Resorptions­wirkung.
11.nbsp; nbsp;Körperbewegung. Es ist unzweifelhaft, dass Körperbewegungen die Peristaltik anregen und die Defäcation beschleunigen, mag dies nun auf dem Wege der Mitbewegung oder in anderer Weise zu Stande kommen.
12.nbsp; nbsp;Subcutane Injectionen von kleinen Mengen von Abführsalzen oder Chlornatrium (0,1—1,0) in die Bauchwand. Diese Injectionen regen wahrschein­lich durch Reizung der Ilautnerven und Reflexwirkung die Peristaltik an, wie ich dies zuweilen bei Pferden constatirte. Die Methode ist einfach und gefahrlos.
13.nbsp; nbsp;Scharfe Mittel. Senf etc. Diese Mittel beschleunigen in kleinen Dosen
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Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 679
die Peristaltik, ohne eigentliche Abführwirkung zur Folge zu haben. Als Adju-vantia sind sie sehr gut zu verwenden.
14.nbsp; nbsp;Ziemssen regt die Peristaltik auch dadurch an, dass er Natrium-bicar-- bonat und Weinsäurelösung getrennt in den Dickdarm einbringt. Durch die Ein­wirkung beider Mittel auf einander entwickelt sich C0.2, der Dickdarm wird voll Gas, die Schleimhaut gereizt, die Peristaltik angeregt, Stasen beseitigt etc.
15.nbsp; nbsp;Narcotische Mittel. Die Xarootica wirken in der Regel verstopfend. Unter gewissen Verhältnissen unterstützen sie aber die Abführwirkung. In allen Fällen, in welchen Krampfzustände die Veranlassung zu Verstopfungen abgegeben haben, sind sie indicirt. Belladonna wirkt auch schwächend auf die Hemmungs­nerven des Darms, erhöht also die Peristaltik. Direct anregend auf die Peristaltik wirken die sogenannten scharfen narootischen Mittel: Aconit, Gelsemin, Colchi-cum, Strammonium, Helleborus, Nicotin. Bei Wiederkäuern ist Tabak ein vorzügliches Anregungsmittel für die Vormägen. (Rind CO [mit 250 Natr. chlor, und 500 Natr. sulf.], Schw. und Z. 15 [mit 60 Natr. chlor, und 90 Natr. sulf.]).
Eintheilling der Abführmittel. Man pflegt die Abführmittel einzutheilen in 1) Lenitiva (Eccoprotica). Es sind dies Mittel, welche nur eine weichere und leichtere Entleerung, aber an sich keinen Durchfall hervorrufen. Sie regen die Peri­staltik massig an, machen die Fäces schlüpfrig und verflüssigen sie. Sie empfehlen sich als Präservativa zur Verhütung der Verstopfung, als Zusatzmittel zu eigent­lichen Abführmitteln, sodann bei Prolapsen, Hernien, nach Operationen u. s. w. (Serum lactis, Manna, Pulpa Tamarindorum, Natrium bicarbonicum, Tartarus depu-ratus. Sulfur, Magnesia carbonica und usta, Oele, Schleime, Zucker, Runkelrüben­blätter, Kleie, Grünfutter, Schwefel [Hunde etc.].
2.nbsp; nbsp;Osmotica oder Lax antia (schwefeis. Alkalien und Magnesia). Diese Mittel wirken wesentlich durch ihr geringes endosmotisches Aequivalent, erschweren die Resorption und regen die Secretion an. Sie sind indicirt bei leichteren Fällen von Verstopfung, bei chronischen Katarrhen des Dünndarms und dergl. Leiden, bei Brustentzündungen, Fieber, Fettleibigkeit u. s. w.
3.nbsp; nbsp; Purgantia (Peristaltica). Die hierher gehörigen Mittel regen die Peri­staltik an und beeinträchtigen so die Resorption. Die Reizung der Darmschleimhaut ist aber eine milde, sie rufen keine heftigere Darmreizung, Entzündung, Exsudation u. dergl. hervor. (Rhamnus Frangula, Calomel, Ricinusöl, Rheum, Senna, Rhamnus Purshiana etc.)
4.nbsp; nbsp;Drastica (Cathartica: Aloe, Podophyllin, Jalappe, Scammonium, Kolo-quinthen, Gummi gutti, Elaterium, Oleum Crotonis). Diese wirken durch heftigere Darmreizung und müssen mit Vorsicht angewandt werden, weil sie leicht Darm­entzündung hervorrufen. Man gebraucht diese Mittel bei schwereren Fällen von Verstopfung, habitueller Obstipation durch Trägheit des Dickdarms, Darmstenosen und -Intussusceptionen, bei Gehirnleiden, bei der Blcikolik u. s. w. Sie rufen bei ihrer Wirkung in der Regel Kolikschmerzen hervor, welche durch die krampfhaften Darmcontractionen bedingt sind, stören die Verdauung und bewirken schnell eine meist mehrere Stunden anhaltende Entleerung flüssiger Massen. Dass diese Schmerzen hauptsächlich hierdurch und weniger durch die Reizung der sensiblen Nerven und den entstehenden Darmkatarrh bedingt werden, geht daraus hervor, dass einige Mittel (z. B. Crotonöl) schon ehe sie in den Darm eintreten, Kolikschmerzen hervor­rufen. Die Drastica entfalten auch entfernte Wirkungen.
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680nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die abführende Methode.
In vielen Fällen sind diese Abführmittel contraindicirt, so bei acut ent­zündlichen AlTectionen des Darmcanales, bei inneren Blutungen. Collapszuständen, grosser Anämie, Neigung zu Diarrhöen, bei Hernien und länger bestehenden Inva-ginationen, überhaupt bei Leiden, bei denen Neigung zu Darmzerreissungen besteht, welche durch die stürmische Peristaltik veranlasst werden könnte.
Anstatt der 4 Gruppen unterschied man wohl auch nur starke und milde Ab­führmittel oder Ecooprotica und Drastica u. s. w. Alle diese Eintheilungen sind aber unhaltbar geworden, weil dasselbe Mittel je nach Dosis, Form und Verbindung ganz verschiedenartige Wirkungen entfalten kann. Die Drastica wirken in kleinen Gaben lenitiv und einige Lenitiva in grossen Gaben drastisch u. s. w. Köhler hat deshalb eine neue Eintheilung versucht und unterscheidet:
1. Solche, deren Bestandtheile in Wasser löslich sind (Mittelsalze, Colooynthis, Aloe, Gratiola, Rheum, Senna, Frangula); 2. solche, welche Glyceride enthalten und mit dem alkalischen Darmsafte in Berührung kommen müssen, um verseift, löslich und rosorbirbar zu werden; 3. solche, die harzartige Säureanhydride ent­halten und zu ihrer Lösung den Zutritt der Galle bedürfen (Agaricus, Gummi Gutti, Elaterium, Jalapa, Scammonium).
Viele Abführmittel erregen neben Durchfall gleichzeitig Erbrechen und werden deshalb Emeto-Cathartica genannt (Tart. stib., Chrysarobin, Chrysophansäure, Semen Colchici, Hb. Chelidonii maj., Asar. europ. etc).
Contraindicationen. Die Contraindicationen richten sich in der Regel nicht gegen die Methode an sich, sondern gegen die Mittel. Bei Besprechung der sogen, drastischen Purgirmittel ist bereits ihrer Contraindicationen gedacht worden. Im Allgemeinen ist festzuhalten, dass es gegen die Indication, die im Darm abnorm lange verbliebenen, eintrocknenden Massen fortzuschalfcn, keine Contraindication geben kann. Bei Erschlaffung des Darms sind aber die Lenitiva, die Gele, Schleime u. s. w. contraindicirt, wie bei Magen-, Leber- und Darmentzündung, Peritonitis, Neigung zu Prolapsen, Typhus, Metritis und Nephritis die stark reizenden, die Peri­staltik heftig anregenden Mittel verboten sind. Auch bei trächtigen Thieren, bei Neigung zu Blutungen aus Darmgefässen, bei der Anämie, bei Schwäche und Ab­magerung dürfen nur milde Abführmittel angewendet werden. Im Allgemeinen liegen aber Contraindicationen gegen die abführende Methode überhaupt vor: bei Operationen am Bauch, am Magen, Darm etc.; bei Wunden daselbst, Wunden am After, Uterus und den Blasenwänden, bei Sohwächezuständen, Anämien etc.
6. Methodus antemetica.
Indication. Die Methode bezweckt die Beseitigung des krankhaften Erbrechens und der Brechneigung. Ihre Indication ist demnach in dem Vorhandensein von krankhaftem und zu heftigem Erbrechen und in an­haltendem, oft wiederkehrenden Brechreiz und Ekelgefühl gegeben.
Diese Krankheitserscheinungen sind durch Reizungszuständc des Magens, Vor­handensein reizender Stoffe (organische Säuren, abnorme Gasmengen), scharfer Gifte etc. in demselben oder durch gewisse Krankheitszustände am Dann (einge-
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Methodus antemetica.
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klemmte Brüche, Verengerungen des Darmcanales etc.), am Uterus (Reizungen des­selben) , am Respirationsapparate (Reizungszustände, starker Hustenreiz), auf der Schleimhaut des Pharynx, am centralen ]STervens3'steme u. s. w. bedingt. Die The-#9632;fapie richtet sich zunächst gegen die Krankheitsursachen, die Darm-, Uterus- etc. Leiden. Bei der nachfolgenden Besprechung haben wir wesentlich das durch Rei­zungen der Magenschleimhaut veranlasste Erbrechen im Auge. Bei diesem bestehen die zu erreichenden Heilzwecke in der Beseitigung der das Erbrechen veranlassen­den Reizvorgänge des Magens und der etwa vorhandenen reizenden Substanzen oder auch in einer Herabsetzung der Irritabilität der Vagusenden, Beseitigung entzünd­licher Krankheitsvorgänge etc.
Mittel. Die bei dem vom Magen ausgehendem Erbrechen indicirten Mittel sind:
1. Die Tannate. Sie sind namentlich bei der durch Brechmittel veranlasstcn Hyperemesis indicirt, weil sie diese fällen. Tannin mit Rolhwein erweist sich gegen das Erbrechen der Hunde als ein vorzüg­liches Mittel (Siedamgrotzky).
#9632;2. Brechmittel. (Voraitus vomitu curatur.) Mit Anwendung derselben bezweckt man die Entfernung aller in den ersten Mägen vor­handenen, den Brechreiz bedingenden Substanzen.
3.nbsp; nbsp;Narcotica (Opium, Morphium) und C02. Diese Mittel sollen den Reizzustand der retlectorisch das Erbrechen hervorrufenden Nerven und event, auch den des Brechcentrums herabsetzen. Die C02 verab­reicht man in der Form von Natr. bicarbonicum. Das Mittel bindet einen Theil der im Magen vorhandenen und oft das Erbrechen bedin­genden organischen Säuren; die frei werdende CO., wirkt beruhigend auf die Magennerven und das sich aus der HCl bildende CINa regt die Magensaftsecretion an und verflüssigt den Schleim. Demnach ist dieses Mittel beim Erbrechen ganz besonders indicirt.
4.nbsp; nbsp;Wismuth (Bismuthum subnitricum et salicylicum) wirkt durch seine die gereizten und wunden Stellen deckende und durch seine des-inficirende Eigenschaft günstig (Hund 0.5—3,0 pro die in Pillen, Möller).
5.nbsp; nbsp;Die gährungshemmenden Mittel (01. Eucalypti, Thymol, Natr. subsulfurosum. Acid, carbol., Acid, salicylicum etc.). Durch diese wird eine weitere Entstehung der Reizzustände erzeugenden und Erbrechen hervorrufenden Gährungsproducte gehindert.
6.nbsp; nbsp; Medic, antaeida et carminativa, um die das Erbrechen bedingenden Mittel zu neutralisiren oder zu entfernen.
7.nbsp; nbsp;Die antikatarrhalischen Mittel.
8.nbsp; nbsp;Empirisch das Ingluvin.
9.nbsp; nbsp;Beim Menschen verwendet man noch kalte Getränke, Selters­wasser, Eispilien, starken Thee und Kaffee u. dergl.
10.nbsp; nbsp;Zur Unterstützung der Cur ist Entziehung der Nahrung, be­sonders reizender und leicht zersetzlicher Nahrungsmittel geboten.
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682nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Methodus enterostyptica.
7. Methodus enterostyptica s. antidiarrhoica.
Die Indication zu dieser Methode ist gegeben 1) in dem Bestehen von Diarrhöen und Neigung zu solchen. Hierbei kann die Aufgabe der Therapie nur sein, die stürmische Peristaltik zu beruhigen und den Wassergehalt des Darminhalts zu beschränken. 2) In Veränderungen am Magendarmcanale, an der Bauchwand, den Baucheiageweiden, Mast­darmfissuren etc. Hier bezweckt die Therapie Vermeidung der Muskel­bewegungen, damit die Wundheilung und event. Vernarbung ungestört ablaufen kann.
Die Ursachen der Diarrhöen können verschiedener Natur sein. Die nähere Ursache finden wir meist in einem Reizzustande des Darmes resp. in einer krank­haften Reizung desselben durch bestimmte Einflüsse, z. B. durch Abführmittel (Hypercatharsis). Die die Reizung und die Reizzustände bedingenden Einflüsse können gegeben sein in dem Vorhandensein von in Zersetzung begriffenen Massen, in der Gegenwart organischer Säuren, Bacterien, Mikrokokken u. s. w. Die Diar­rhöen können auch bedingt sein durch zu lebhafte Secretion der Darmdrüsen, durch einen katarrhalischen Zustand der Darmschleimhaut, durch die anderweit erhöhte Irritabilität der Darmnerven, durch eine gewisse Atonie in der Darmschleimhaut resp. den Gefässen derselben, seltener wohl auch durch Leiden der Centralorgane.
Mittel (Med. obstruentia). Je nach der Natur der Krankheits­ursachen muss unter den zu nennenden die Auswahl getroffen werden.
1.nbsp; nbsp;Milde Abführmittel und Klystiere zur Entfernung der die Diarrhöe veranlassenden und unterhaltenden Substanzen, z. ß. ver­härteter Fäcalmassen, angehäufter Säuren etc.
2.nbsp; nbsp;Säurewidrige Mittel zur Neutralisation reizender Säuren.
3.nbsp; nbsp;Einhüllende und deckende Mittel um die reizenden Stoffe durch Umhüllung unschädlich und die Darmschloimhaut durch Bedecken weniger leicht angreifbar zu macheu.
4.nbsp; nbsp;Mittel, welche die Darmsecretioneu beschränken und aufsaugend wirken und alle Medic, tonica (bittere Mittel, Eisen etc.). Diese wirken besonders günstig bei den chronischen auf Atonie der Darmschleimhaut beruhenden Durchfällen.
5.nbsp; nbsp;Mittel, welche die Irritabilität herabsetzen und die Peristaltik beschränken (Narcotica).
6; Mittel, welche die Resorption erhöhen (Diaplioretica, Diuretica etc.). Die Diaplioretica sind auch deshalb indicirt. weil der Durchfall häufig eine Folge von Erkältung ist.
7.nbsp; nbsp;Warme Bedeckung, warme Bauchbinden, aromatische Um­schläge, reizende Einreibungen in die Darmwand.
8.nbsp; nbsp; Gährungswidrige Mittel.
Als einzelne antidiarrhoisclie Mittel seien im Speoiellen genannt: Natrum bicarbonicum, Althäa-, Leinsamenschleim, Gersten- und Hafergrütze, Schwefel,
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Mittel.
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Eisenvitnol, gerösteter Hafer (beim Durchfall der Pferde und Wiederkäuer), ge­rostete Gerste, Kreide, Kalk, Gummi, Morphium, Höllenstein, kohlensaurer Kalk Kalkwasser, Co torin de, Cotoin, Paracotoü, Cotointinctur, Gotowurzel, Alaun rBTeizucker, Zmkoxyd, Tormentillwürzet, Eichen- und Weidenrinde, Tannin (Acid' tann Met Opii ana 15,0, Tinct. nuc. vom. 30,0, 2stündl. 1 Esslöffel voll beim Durchfall der Kalber), Ipecacuanha, Opiumtinctur, Wismuth, Enzian, Kalmus, Rha­barber, Nux vomica, Salicylsäure, Oarbolsäuro u. s. w. Neben Anwendung dieser Mittel ist auf zweckentsprechende Diät zu achten.
Allgemeine Therapie der Störungen der Verdauung und der Krankheiten der Verdauungsorgane.
I. Die Störungen der VerdaUMg können sowohl durch Erkrankungen der
Verdauungsorgane, als auch durch anderweite Krankheiten hervorgerufen werden. 1 #9632; Die Aufnahme der Nahrungsmltfel kann krankhaft vermehrt oder vermindert oder qualitativ verändert sein. Unter gewissen Verhältnissen werden auch mit oder anstatt der Nahrung unnütze und schädliche Dinge aufgenommen. Bei erhöhter oder verminderter Aufnahme muss die Therapie wesentlich causaler Natur sein (c auch die Meth. stomachica). Die appetitmindernde Methode kommt nur selten mAnwendung (z.B. beimHeisshunger) und besteht in der Entfernung der Ur­sachen des krankhaft gesteigerten Appetits (der Magenreizung, des übermässigen Stoffwechsels, ubermass.ger Se- und Excretionen u. s. w.). Die Aufgabe zur Ver­dauungshemmung liegt nur ausnahmsweise vor. Verdauungshemmend sollen wirken: Natnmnsulfuricum und bioarbon, Morphin, Veratrin, Digital.; geringer hemmend: Kalium und Natr. chloricum, Natr. und Kai. nitr., Ammon. düor. Z nitM noch weniger Acid, sulfur. - Strychnin und Narcotin regen in kleinen Dosen
nb .lu TJf Wf.611,? Sie dieSelbe in gr0SSen Dosen heminen- In^riich ver­abreichte Galle hebt die Magenverdauung auf, während sie, direct in den Darm gebracht, die Darmverdauung steigert. Eine Beeinflussung des Durstgefühls ist
wlhnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;r rTi' ATgnng deSSeIben quot;^ duro11 Kochsalz Md alle Mittel,
welche em Gefühl von Trockenheit der Maulschleimhaut hervorrufen. Auch bei be­steuerter Harnsecretion, bei Diarrhöen und gesteigerter Diaphorese stellt sich Durst e.n Eine Minderung des zu heftigen Durstgefühls kann erreicht werden durch Baldrian und Salpeter, eine Milderung des Unangenehmen desselben (Durstlöschen) durch verdünnte organische Säuren (Essig, Citronensaft, Obst etc.). Eis, Narco-
ind?;Pcb ^ aS? quot;f^1- ^ ^quot;^ schädlicher Substanzen sind Brech-oder Abfuhr- oder solche Mittel zu geben, welche die betr. Stoffe zer-setzen, einhüllen u. s. w.
2. Anomalien .ler Speichelsecretion sind nur selten zu beobachten und meist causal zu behandeln Es giebt aber auch Mittel und Maassnahmen, welche diese Function erhöhen und mindern. laquo;) Anregend auf die Speichelsecretion (Meth lalagoga s. ptyalagoga) wirken: 1) Quecksilber-, 2) Jodpräparate, 3) einige
Seff pS 1 * ttel(Janb0ra,ndi' Pil0Carpin' MuSCarin' Pgt;-reth-m' P-Pinella, Senf, Pfeffer, Jherrettig, Canthariden, alle bitteren Mittel etc.). Von diesen Mitteln
wirken Pilocarpm und Muscarin speoifisch, während die anderen wohl nur durch
ihren re.zenden Einfluss auf die Mundschleimhaut und den dadurch eingeleiteten
Ellenberger, Allgemeiue TheraDie.
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,
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684nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Therapie der Störungen der Verdauung.
secretorisohon Reflex wirken; 4) das Kauen süsser Mittel, 5) alle Emetioa und Nauseosa, G) mechanische Reizung der Mundschleimhaut, Reizung durch Kiefer­bewegungen (also auch Mittel, welche Krämpfe der Masseteren veranlassen) u. s.w. Diejenigen Mittel, welche durch Reizung der Mundschleimhaut wirken, heissen Sialagoga directa s. masticatoria; diejenigen, welche erst nach der Resorption ihren Einfluss (central oder peripher) entfalten, Sialagoga indirecta. ß) Hemmend auf die Speichelsecretion (Sialostyptica) wirken Atropin, Säuren, Adstringention. y) Als Ersatzmittel für fehlenden Speichel ist Diastase und Ptyalin am Platze; die verabreichte Nahrung muss in diesem Falle flüssig sein.
An dieser Stelle muss gleich betont werden, dass oft ein und dasselbe Mittel auf sämmtlicbe Drüsen der Verdauungsorgane in gleichem Sinne wirkt, d. h. die Secretion aller Verdauungssäfte steigert oder mindert.
3.nbsp; nbsp; Die niagcnvertlaiiung ist häufig gestört. Abgesehen von organischen Magenkrankheiten ist die Ursache dieser Störungen, die in ungenügender oder zu reichlicher, zu langsamer oder zu rascher Verdauung, in dem Auftreten von Gäh-rung und Fäulniss im Magen, in krampfhaften Contractionen desselben etc. bestehen, gegeben in quantitativ oder qualitativ abgeänderter Magensaftsecretion und abnor­men Magenbewegungen.
Die Therapie hat die Magensaftsecretion anzuregen oder zu beschränken, die Gährungsproducte zu entfernen oder zu neutralisiren, die gereizten Magennerven in ihrer Reizbarkeit herabzusetzen, Magenschmerzen zu beseitigen (Opium, Natr. bicarbon.), paretische Nerven und Muskeln, bei zu geringen Magenbewegungen, anzuregen (Medic, peristaltica), krankhaft gesteigerte Bewegungen durch beruhi­gende Mittel (Obstruentia, Antemetica, Sedativa) zu beseitigen, fehlenden Magensaft durch künstlich zugeführten zu ersetzen, mangelhaft beschaffenen Magensaft durch entsprechende Zufuhr (von Salzsäure etc.) zu verbessern u. s. w. Die wesentlichen der bei den functionellen Störungen des Magens in Betracht kommenden Methoden sind bereits besprochen worden (Meth. stomachica, antaoida, carminativa, emetica, purgans, antemetica, obstruens). Bei fehlenden Magenbewegungen sind direct applicirte heftige Reizmittel, die Electricität und kräftige Hautreize, bei zu stür­mischen dagegen beruhigende Nervenmittel, schleimig einhüllende Mittel, der con-stante Strom und Hautreize am Platze.
4.nbsp; nbsp;Die Darnirenlauung erleidet Störungen durch Anomalien der Secretionen und der Darmbewegungen. Beide Arten von Störungen können durch verschiedene Ursachen bedingt sein und danach richtet sich die Therapie derselben. Diese be­zweckt eine Anregung oder Beruhigung der Muskulatur und der Bewegungsnerven oder eine Vermehrung oder Minderung der Secretionen oder Ersatz für die fehlenden Secrete.
Die Darmbewegung kann gesteigert werden durch die drastisch wirkenden Mittel, die Electricität, Hautreize, scharfe und anregende Medicamente etc.; sie kann gemindert werden durch Narcotica, Aetherea-oleosa, die Medic, obstruentia etc. — Die Empfindlichkeit der Darmschleimhaut kann durch Narcotica, schleimige und ölige Mittel, Hautreize u. s. w. herabgesetzt und durch tonische Mittel erhöht werden.
Die Darmsaftsecretion wird gesteigert durch eine grosse Anzahl von Mitteln, die bei Schilderung der Meth. purgans aufgeführt wurden; als speciell diese Wirkung ausübende Mittel sind zu nennen: Podophyllin, Colchicin, Rheum,
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Therapie der Störungen der Verdauung.
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Aloe, Coloquinthen, Jalape, Natr. sulfur, et phosphor., Tart, natron., Sublimat. Die Darmsecretion wird gemindert und beschränkt durch die Mittel der Meth. obstruens, namentlich durch Adstringentien. Als Regel gilt, dass die die Speichel-quot; secretion beeinflussenden Mittel in gleichem Sinne auf die Darmsaftsecretion ein­wirken. Diese Regel gilt auch für die
5.nbsp; nbsp;Pankreassecretion. Experimentell ist die Beeinflussung dieser Secretion noch wenig studirt worden. Es steht aber z. B. fest, dass Pilocarpin und Muscarin die Thätigkeit des Pankreas ganz entschieden anregen. Auch das Calomel soll diese Wirkung haben. Suppletiv wirken die Pankreasfleischklystiere.
6.nbsp; nbsp; Die Gallensccrctioii kann durch Medicamente gesteigert oder verringert werden.
a) Die Indioationen für die Anwendung von Mitteln, welche die Gallensecre-tion steigern (Meth. cholagoga), sind gegeben in dem Bestehen von Leber-schwellungen, icterischen Erscheinungen, Abgang gallenarmer Faces, in hart­näckigen Verdauungsbesohwerden, abdomineller Vollblütigkeit, zu reichlicher Ernährung bei starken Fressern, im Dummkoller, Gehirnreizung, Wassersuchten, Oedemen u. s. w.
Nach Rutherford, Vignal, Röhrig, Fräser, Handfield-Jones u. A. giebt es viele cholagoge Mittel, sowohl pflanzlicher als mineralischer Natur. Ein­mal wirken fast alle die Darmperistaltik und Darmsecretion anregenden und die emetischen Mittel cholagog. Diese Mittel wirken indirect, indem sie zuerst die Darmwand reizen und damit auch das benachbarte Pfortadergebiet. Ausser-dem giebt es aber auch Mittel, welche die Leberthätigkeit direct anregen (Medic, hepatica Stimulantia, Rutherford), ohne zuerst Darmreizung hervorzurufen. Es sind dies die echten Cholagoga. Zu ihnen gehören Natr. benzoic, salioyl., Ammon. phosphoric, Ipecacuanha (in kleinen Gaben wiederholt), Acid, nitric. Acid, chloro-nitrosum.
Dagegen sind als indirecte Cholagoga zu nennen: Evonymin, Podophyllin, Coloquinthen, Sanguinarin, Manganchlorür, Golchicin, Iridin, Leptandrin, Jalape, Aloe, Rheum, Natr. phosphor., bicarbon. et sulfur., Kalium sulfur., Sublimat, Tart, natron., Salpeter mit Salzsäure (3:4:25 Aq.), Senna u. s. w. Gewisse Mittel, die früher als Cholagoga galten (Chlorammonium, Calomel, Bittersalz, Crotonöl, Taraxacum u. s. w.), sind dies nicht. Tolyulendiamin bewirkt erst flottere Se­cretion und später Eindickung der Galle. Die besseren Cholagoga sind: Aloe, Rheum, Iridin und Podophyllin. — Bei geschwollener Dünndarmschleimhaut wirken auch Adstringentien cholagog. Man muss überhaupt scharf zwischen Gallensecretion und Gallenabfuhr scheiden. Die letztere, die oft durch Schleimpfröpfo und Schwel­lung der Duodenalschleimhaut veranlasst wird, kann durch Medic, peristaltica, emetica und adstringentia günstig beeinllusst werden. Auch die Anwendung der Electricität erweist sich beim Stauungsicterus oft sehr heilsam (Siedamgrotzky). Von den genannten Cholagoga verwendet man bei grossen Hausthieren Aloe in Ver­bindung mit Glaubersalz und bei den kleinen Tart, natron, (oder depur.) mit Ipecacuanha, Natr. salicyl. und Phosphor. Beim Menschen kommen als cholagoge Maassnahmen noch in Betracht: tiefes Athmen, Gymnastik, Wassertrinken, Auf­nahme fetter Substanzen.
ß) Die Med. anticholagoga sind bei krankhafter Steigerung der Leber-function, namentlich bei acuten Darmkatarrhen und galligem Erbrechen (der Hunde)
44laquo;
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686nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Therapie der Störungen der Verdauung.
indioirt. Als solche Mittel sind zu nennen: Magnes. sulfur., Calomel, Salmiak, Plumb, acet., 01. Ricini, Gummi Gutti.
;') Als Suppletiva für die fehlende Galle kann Rindergalle verwendet werden. Sie wäre aber direct dem Darmoanale einzuverleiben, weil sie sonst die Magenverdauung stört.
Inwieweit die anderen Leberfunctionen beeinllusst werden können, ist zweifel­haft. Man nennt als Lebermittel noch: viele Metallsalze, Alkohol, Phosphor, Ipecacuanha (hebt die Zuckerbildung auf), tctrogen (der Lupinen) u. s. w.
7. Die Resorption im Darmoanale wird gestört: durch Minderung der Diffusibilität des abnormbesohalTenenDarminhaltes, durch Erkrankungen der resorbirendenFlächen und der llesorpüonsorgane und durch eine Steigerung oder Minderung der Peristaltik und damit der zur Resorption erforderlichen Zeit. Die Behandlung besteht in Stei­gerung oder Minderung der Diffusibilität des Darminhalts (cf. Meth. purgans), in Beruhigung der stürmischen (Meth. obstruens), Anregung der zu trägen Peristaltik (Meth. purgans), Behandlung des Darmkatarrhs etc.
Die Excretion resp. Defäcation kann verzögert oder beschleunigt sein oder in unrechter Weise (z. B. durch Erbrechen) erfolgen. Die Behandlung regt die Peristaltik und damit die Excretion an (Meth. purgans), oder beruhigt sie (Meth. obstruens), oder beseitigt Unregelmässigkeiten (Meth. antemetica), oder macht den Darminhalt feucht und schlüpfrig (Medic, laxantia lenitiva, lubricantia, mucilagi-nosa etc.) u. s. w.
II. Die anatomischen Erkrankungen der Verdauungsorgane sind nach allgemein therapeutischen Regeln nach verschiedenen Methoden zu behandeln. Die hierbei in Anwendung kommenden Heilmittel werden per es oder per rectum direct auf die Verdauungsorgane oder subeutan (welche Methode von Dieckerhoff mit grossem Nutzen für das Physostigmin zuerst verwendet worden ist) applicirt. Ausserdem wird auch die hautreizende und überhaupt die epidermatische Applica-tionsmetliode vielfach benutzt und kommen, namentlich bei Reizzuständen, Ge-sclnvüren imMagen undDarm etc. die diätetischenCuren (Entziehung, Verabreichung reizloser, reizender, deckender, erschlaffender etc. Nahrungsmittel) sehr in Betracht. Die per os verwendeten Medicamente erleiden im Magen vielfache Veränderungen (cf. S. 282) und wirken auf die Magenschleimhaut, die Magendrüsen, die Secretion, Zusammensetzung und Reaction des Magensaftes, die Gährungsvorgänge im Magen, die Schleimbildung, die Reizbarkeit der Magennerven, die Bewegungen der Magen-musculatur u. s. w. ein. Im Darm erleiden sie unter Umständen wieder Verände­rungen und entfalten örtliche und reflectorische Wirkungen auf die Darmschleim­haut, die Darmmusculatur, die Darmdrüsen u. s. w.
1. Die Krankheiten der Munil- iiikI Rnehcnhöiile werden wesentlich örtlich behandelt. Bei den einfacheren Erkrankungen ist die Exspectativmethode, bei welcher auf die Abhaltung von Schädlichkeiten zu achten ist, am Platze. ImUebrigen kommen äusserlich zur Anwendung: Blutentziehungen (b. M. Blutegel etc.), Kata-plasmen, Salben, Jodtinctur, spirituöse Einreibungen und Vesicatore. Innerlich (d. h. in die Höhlen und auf die erkrankten Stellen) verwendet man 1) Kaumittel. Sie werden gebraucht, um die örtliche Wirkung bestimmter Heilmittel zu erreichen ; um zu reizen, zu beruhigen u. s. w. Ausserdem wirken sie günstig bei Erkrankungen der Kaumuskeln; auch regen sie die Speichelsecretion an, ein Vorgang, der bei manchen Erkrankungen der Mundschleimhaut günstig wirkt. Masticatoria sind:
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Therapie der anatomischen Erkrankungen.
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Pfeffer, Senf, Gewürznelken, Tahak etc. 2) Kratzende Mittel (Expectorantia). Sie reizen den Schlnndkopf, die Rachenhöhle und vermehren die Schleimsecretion und verflüssigen zähen Schleim. Sie sind indicirt bei chronischen Katarrhen mit 'schlaffen Schleimhäuten, bei festem, zähen Schleim u. s. \v. 3) Narcotica (Bella­donna, Stramonium). Sie beschränken die Secretion der Schleimhaut und der Mundhöhlendrüsen und mindern die Empfindlichkeit der Mund- und Rachenschleim­haut. 4) Die Zungennervenmittel. Sie wirken erfrischend bei Trockenheit der Mundschleimhaut, oder erregen Ekel und Secretionssteigerung u. s. w. (Veratrum, Golchicum, Aconit, Palsatilla etc.) 5) Durststillungsmittel (Eis, verdünnte Säuren, Wasser). Sie sind bei entzündlichen Erkrankungen mit Trockenheitsgefühl indicirt. Bei Erkrankungen der Mundhöhle muss den Thieren stets frisches Wasser vorstehen. 6) Skarificationen. Sie sind anzuwenden bei starken Schwellungen, Hyperämien, Oedemen etc. 7) Maulwässer. Sie sind bei Geschwüren in der Mundhöhle und sonstigen Erkrankungen derselben mit Vortheil zu verwenden. Sie werden mit einer Spritze in die Mundhöhle eingespritzt. 8) Pinselsäfte, Flüssig­keiten zum Bepinseln, Pulver zum Bestreuen und Einblasen, Aetzstifte. (Borax mit Honig, ohlorsaures Kali, Jodkaliurn, Sublimat, Adstringentien, Aetzmittel, Rcsol-ventien, Deckmittel). Die Natur der vorliegenden Erkrankung entscheidet über die Auswahl unter diesen Maassnahmen (cf. besonders Meth. antiphlogistica). 9) In­halationen von Dämpfen, Gasen und zerstäubten Flüssigkeiten. Diese Maass­nahmen sind namentlich bei Erkrankungen der Rachenhöhle am Platze. — Beim Menschen kommen noch in Betracht: Gurgelmittel (Gargarismata), Einziehen von Flüssigkeiten durch die Nase, Nasendouchen, Anwendung des directen Spray auf die Rachenhöhlenwand, Rachenbäder und Anwendung der Kälte auf die Rachenhöhlen­schleimhaut. — Eine Allgemeinbehandlung ist bei diesen Krankheiten ausser der Anordnung der entsprechenden diätetischen Maassnahmen selten nothwendig. Immerhin muss man in gewissen Fällen zu den Antiphlogistica und Antifebrilia und beim Menschen noch zu den Antisyphilitica greifen.
Bei Erkrankungen der Speicheldrüsen ist wesentlich causal zu ver­fahren. Im üebrigen werden (bei der Parotitis) Einreibungen von Fetten und Oelen, Cataplasmen, Hautreize, locale Blutentziehungen verwendet.
2.nbsp; nbsp; nbsp;Bei Oesophflgiiskrnnkheiten ist die Therapie eine wesentlich locale. In erster Linie ist eine zweckentsprechende Aenderung in Bezug auf Menge und Form der Nahrungsmittel vorzunehmen; meist ist eine flüssige oder halbflüssige, bei Beiz­zuständen auch eine schleimige, gummihaltige, ölige Nahrung am Platze; manchmal ist auch absolute Nahrungsentziehung resp. künstliche Ernährung geboten. Neben diesen diätetischen Maassnahmen gelangen äusserlich örtliche Blutentziehungen, die Kälte und Hautreize, innerlich Emollientien, schleimige Decocte, Oelemnlsiouen mit Morphium bei leichten Entzündungen; Adstringentien bei chronischen Katarrhen und Ulcerationen; Antiseptica bei Retentionen von Schleim und Speichel (in Diver-tikeln etc.) zur Verwendung. Bei Hyperästhesien und Krampferscheinungen sind neben den schleimig-öligen Mitteln auch Vesicatore, Bromkalium und der constante Strom; bei Lähmungen der faradische Strom und nervenreizende Mittel am Platze. Bei Verengerungen verwendet man Schlundsonden, Schwämme und Dilatatoren, bei Vorhandensein fremder Körper Schlundsonden, Zangen etc. Bei diesen Erkrankungen kann auch die chirurgische Behandlung indicirt sein.
3.nbsp; nbsp; Bei Magenkrankheiten ist die Wahl der richtigen Diät ausserordentlich wichtig (cf. S. 520). Ruhehaltung dieses Organes ist bei allen entzündlichen, ge-
ocr page 710
688nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Therapie der anatomischen Erkrankungen.
schwürigen und erethischen Erkrankungen desselben nothwendig. Daneben ist der causalen Cur volle Beachtung zu schenken. Gegen frisch entzündliche Krank­heiten geht man antiphlogistisoh, gegen Paresen antiparalytisoh (Tart. stibiatus, Nux vom., scharfe ätherische Oele, scharfe Einreibungen, Frottiren etc.), gegen Krämpfe antispasmodisch (ätherisch-ölige Mittel, Natr. bioarbon., Narcotica, Haut­reize, warme Umschläge) vor. Dyspepsien werden in der vorn besprochenen Art und Weise behandelt (Meth. stomaohica); bei Hyperästhesien wirken innerlich Morphin und die Kohlensäure (Natr. bicarbon.), äusserlich warme oder kalte Um­schläge, reizende und scharfe Einreibungen, Priessnitz'sche Umschläge günstig. Auf chronische Magenkatarrhe wirken die Stomaohica, dann die kohlensauren Alkalien, die Adstringentien (Alaun, Tannin, Höllenstein), Nux vomica, Ammon. muriat., unter Umständen Apomorphin und Morphin heilsam ein. — Bei Magen-blutungen sind Ruhe, Hautreize, kaltes Wasser, Eis und Ergotin, vielleicht auch die Adstringentien (Tinct. Ferri sesquichlor. etc.) innerlich indicirt. Bei fremden Körpern, gewissen Neurosen, starken Schleimansammlungen empfehlen sich die Brechmittel.
4.nbsp; nbsp; Ueber die Behandlung der Darnikrankheiten ist allgemein therapeutisch wenig zu sagen. Darmkatarrhe, Darmparesen und Darmkrämpfe sind ähnlich wie die gleichen Magenkrankheiten zu behandeln. Bei Stenosen versucht man es mit Abführmitteln; bei Koliken gebraucht man neben den Causalia (Purganzen, Aetherea-oleosa etc.) noch Karcotica (subcutan oder innerlich); Diarrhöen und Verstopfungen werden wie besprochen (Meth. purgans und enterostyptica), Darmschmarotzer nach der Meth. antiparasitica, Lageveränderungen (In-tussusceptio, Volvulus etc.) mit innerlich verabreichtem metallischem Quecksilber oder Purganzen oder operativ behandelt. Bei der acuten Enteritis ist eine ener­gische Antiphlogose am Platze; innerlich gebe man sehr grosse Mengen Schleim, äusserlich verwende man ausgebreitete und anhaltende Hautreize u. s. w.
5.nbsp; nbsp;Bei Pankreaskraiiklieiteu leistet die Therapie wenig oder nichts und dies namentlich deshalb, weil dieselben am lebenden Thiere in der Regel nicht zu dia-gnosticiren sind. Wenn man das Vorhandensein eines Pancreasleidens vermuthet, dann sind Calomel, Pilocarpin, Muscarin, Laxantien, Alkalien, Hautreize und bei Schmerzen die Narcotica zu versuchen. Gegen den Functionsausfall kann man beim Menschen und wohl auch bei Hunden Pancreasfleischklystiere, das Einführen von künstlichem Pancreassaft in den Darmcanal durch eine Troicarthülse und ähnliche Maassnahmen versuchen.
6.nbsp; nbsp;Auch die Lebcrkraukheiten werden bei unseren Hausthieren selten dia-gnosticirt. Ihre Therapie ist natürlich nach der Natur der Krankheiten verschieden. Wesentlich verwendet werden die vorn bereits aufgeführten Lebermittel, die Chola-goga und Anticholagoga; ausserdem gelangen die antiphlogistisohe, antifebrile, die Resorption befördernden und die epidermatischen Methoden vielfach zur Verwendung.
Die Krankheiten der Gallenwego sind schwer zu diagnosticiren. Man kann allenfalls aus gewissen Erscheinungen auf einen Katarrh derselben, wohl auch auf das Vorkommen von Gallensteinen sohliessen. Beide Erkrankungen werden mit Alkalien, cholagogen und laxirenden Mitteln behandelt.
7.nbsp; nbsp;Die Krankheiten der Milz (cf. S. 628) entziehen sich meistens ebenfalls der Diagnose. Hat man jedoch Anlass, auf eine Milzerkrankung, namentlich auf einen Milztumor, zu schliessen, dann sind neben der Behandlung mit Hautreizen und der Application kalter Umschläge, kalter Bespritzungen auf die Milzgegend,
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Methoden, welche die Geschlechtsorgane und ihre Functionen heeinflussen. 689
noch besondere Mittel und Maassnahmen in Anwendung zu bringen. Sicher die Milz beeinflussende Mittel sind das Chinin und die Tinct. Eucalypti globuli. Beide haben bei Milztumoren einen günstigen Einfluss. Auch Arsenik, Jod, Brom, Queck­silber, Ammoniak und namentlich Bromkalium und die Eisenpräparate sollen Milztumoren verkleinern und bei Milzerkrankungen günstig wirken. In der Menschen­heilkunde hat man auch Injectionen von verdünnter Carbolsäure, die Faradisation der Haut in der Milzgegend und auch anderweite Application des elektrischen Stromes und endlich die Milzexstirpation versucht.
8. Bei Erkrankungen des Perituneums, speoiell bei der Peritonitis, muss zu­nächst die causale Therapie Platz greifen. Sodann ist das Augenmerk auf Be­kämpfung der Intensität und der Weiterverbreitung der Entzündung, Stillung der Schmerzen, Beseitigung der Verstopfung und event, des Erbrechens; später auf Anregung der Resorption oder auf anderweite Entfernung des Exsudates zu richten. Athemnoth, Collapsanfälle, septische Infectionen sind besonders zu behandeln. — Vom antiphlogistisohen Heilapparate bringe man hauptsächlich die örtlich applicirte Kälte und epispastische Mittel in Anwendung; gegen die Schmerzen giebt man Opium und wendet Hautreize an; die Vers topf ung heilt man durch Klystiere, Wasserinfusionen und ganz milde Laxanzen (Calomel etc.), gegen Auf­blähen ist in entsprechender Weise, namentlich durch warme Umhüllungen des Bauches vorzugehen. — Ausserdem ist absolute Ruhe und Abstinenz von Nahrung geboten. Die Exsudate werden in entsprechender Weise mit dem resolutorisohen Heilapparate bekämpft. Bei Anhäufungen grosser Exsudate muss man zur chirur­gischen Behandlung schreiten.
H. Methoden, welche die (Geschlechtsorgane und ihre Fnnctionen
beeinflussen.
Allgemeine Therapie der Geschlechtsorgane, wie an allen Apparaten,
sind auch hier anatomische und sogen, functionelle Störungen zu trennen. Die anatomischen Veränderungen sind nach allgemeinen Regeln und den besproche­nen Methoden (der antiphlogistischen, antifebrileu, adstringirenden etc.) zu be­handeln. Die anzuwendenden Medicamente können direct auf die erkrankten Stellen oder auf die äussere Haut, oder in den Mastdarm applicirt, oder innerlich verab­reicht werden. Bei Reizungszuständen, Entzündungen der weiblichen Genitalien etc. sind Blutentleemngen, Abführmittel, Ableitungsmittel (Sinapismen und scharfe Salben), Anwendung der Kälte auf den Bauch, kalte Klystiere, kalte und reiz­mildernde Scheiden- und üterusinfusionen u. s. w. am Platze; bei Blutungen aus dem Uterus sind Injectionen kalter und adstringirender Flüssigkeiten in die Ge­schlechtsorgane, die innerliche Anwendung von Ergotin, die Anwendung von Kälte auf den Bauch und dergl. Maassnahmen angezeigt u. s. w. Bei Erkrankungen der männlichen Genitalien ist in gleicher Weise nach allgemeinen Regeln vorzugehen. Entzündungen der Hoden und Nebenhoden sind örtlich (durch Umschläge auf das Scrotum, Hochbinden desselben etc.) und allgemein antiphlogistisch zu behandeln ; bei Erkrankungen der Urethra sind Injectionen am Platze u. s. w.
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f)90 Methoden, welche die Geschleohtsovgane und ihre Fimctionen heeinflussen.
Die functionellen Störungen beziehen sich auf die Bereitung von Samen und Ei, auf Brunst und Begattung, Befruchtung und Entwickelung, Geburt und Milchsecretion.
Die therapeutische Einwirkung auf die Bereitung der Gesohlechtsproducte, auf den Eintritt der Brunst, die Neigung zur Begattung und die Ausführung derselben fasst man in zwei Methoden zusammen, eine Methode, welche den Geschlechtstrieb steigert und eine, welche ihn herabsetzt (Meth. aphrodisiaca und anaphrodisiaca). Ausserdem kommen beim Menschen noch Mittel und Maassnahmen in Betracht, welche die Menstruation beeinflussen, dieselbe einleiten oder steigern, oder dieselbe mindern oder aufheben (Meth. emmenagoga et antihaemorrhagica).
Der Befruehtiiiigsvurgang kann wohl nur indirect therapeutisch beeinflusst werden. Bestehen z. B. Hindernisse, welche die Berührung der Samenfäden mit dem Ei hindern, dann können diese beseitigt werden (z. B. obturirende Schleimpfröpfe im Orificium); sind Säuren in den weiblichen Genitalien zugegen (z. B. bei Fluor albus), dann sind neben der causalen Methode, die sich auf Beseitigung der betr. Krankheit bezieht, welche die saure Reaction des Genitalsohleimes bedingt, wohl auch Neutralisantia (alkalische Lösungen) kurz vor dem Coitus in die weiblichen Geschlechtstheile zu injiciren. Bei Schwäche der Samenfäden wirken bekanntlich schwach alkalische Lösungen günstig, während Säuren und starke Alkalien und Ammoniakalien, Aether, Alkohol, Kreosot etc. die Bewegungen derselben aufheben. Ist das Auspressen des beim Coitus in die Vagina ergossenen Samens (wie dies bei erethischen Thieren der Fall ist) zu befürchten, dann verhindere man dies dadurch, dass man die Aufmerksamkeit des weiblichen Thieres vom Genitalreiz ablenkt, in­dem man die Thiere bewegt und irgendwie beschäftigt. Unter Umständen kann es auch nothwendig werden, einen Aderlass vor dem Coitus zu machen. Dieser er­weist sich bei hochgradig erethischen Thieren oft sehr nützlich.
Auf die Entwickelung des Jungen kann man nur durch sachgemässe Diät und Vermeidung aller störenden Einflüsse einwirken.
Die die Ausstossung der Frucht bedingenden Aotionen können angeregt und gestärkt oder vermindert und geschwächt werden. Sie sind indicirt, wenn die Wehen zu stark oder zu schwach sind oder zu unrechter Zeit eintreten. Gegen zu starkeWehen wirkt man durchAnästhetica(Chloroform, Chloralhydrat [R. Ritz]), durch Klopfen auf den Rücken, durch Begiessen mit kaltem Wasser, durch Beseiti­gung der Ursachen, durch Aufhebung der Reizung des Uterus etc. Am besten setzt Atropin die Erregbarkeit des Uterus herab, weniger Opium und Morphium. — Gegen zu schwache Wehen geht man mit den Mitteln und Maassnahmen der Meth. abortiva vor.
Die Ulilchsecretioraquo; kann gesteigert und gemindert werden. Es geschieht dies durchMittel und Maassnahmen der Meth. galactica und antigalactica. Die Qualität der Milch wird durch sehr viele Arznei- und Heilmittel beeinflusst, selbstverständ­lich durch alle Mittel, wrelche durch die Milch ausgeschieden werden. (Alkalien, Chlor, Brom, Jod, Borax, Eisen, Blei, Arsen, Quecksilber, Zink etc.) Besonders bemerkenswerth ist, dass bei leicht säuernder Milch innerlich verabreichte Alkalien oft sehr gut wirken. Bei Milchanomalien in dieser Richtung wende man sein Augen merk auf den Verdauungsschlauch. Es liegt in der Regel ein Magendarmkatarrh vor. Dieser muss beseitigt werden, damit die Milch wieder ihre normale Beschaffen­heit erhält.
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Die die Geschlechtsorgane heeinflussenden Methoden.
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Nachstehend sollen die die Geschlechtsorgane beeinflussenden Methoden kurz besprochen werden.
1. Methodus aphrodisiaca. Diese Methode bezweckt eine Steigerung des Geschlechtstriebes, eine Anregung der Geschlechtslust, ein Hervor­rufen der Neigung zur Begattung. Ihr Endzweck ist demnach die Herbeiführung des Begattungsactes.
Intlicationen. Die Anwendung dieser Methode ist bei denjenigen zur Zucht bestimmten Thieren indicirt, die gar keinen oder einen zu geringen Geschlechtstrieb erkennen lassen.
Mittel. Die Medicamenta aphrodisiaca rufen den Eintritt der Brunst und die Neigung zur Begattung hervor und zwar entweder dadurch, dass sie anregend auf die Bildung der Geschlechtsproducte wirken oder dadurch, dass sie blos die Genitalschleimhaut reizen, bei männ­lichen Thieren Erectionen, bei weiblichen einen Begattungsreiz hervor­rufen und dergl.
Ueber Mittel, welche bei männlichen Thieren auf die Hoden und ihre Function (die Samenbereitung) und bei weiblichen auf die Ovarien und die Eibereitung speciell wirken, ist uns wenig bekannt. Im Allge­meinen nimmt man an, dass durch reichliche Blutzufuhr zu den ge­nannten Organen (die durch Reizung derselben, durch Reizmittel, Waschungen etc. erzielt werden kann), durch die Anwendung gewisser Excitantien, durch psychische Erregungen und durch gute und reich­liche Ernährung die Bereitung der Geschlechtsproducte gesteigert werden kann. Gegen die Azoospermie scheint es keine Heilmittel zu geben.
Den Zwecken der Meth. aphrodisiaca dienen auf directem oder indirectem Wege alle diejenigen Mittel, welche die Ernährung und den allgemeinen Tonus heben, die Blutzufuhr zu den Hoden und Eierstöcken und zu den Geschlechtstheilen überhaupt steigern, welche den Uro­genitalapparat reizen und endlich, namentlich beim Menschen, solche Mittel, welche die psychische Stimmung in geschlechtlicher Beziehung bessern. Im Speciellen seien folgende Remedia aphrodisiaca kurz genannt: 1) Stark nährende, leicht assimilirbare Nahrung. 2) Flüchtig erregende und alle centralen Reizmittel, z. B. Alkohol. 3) Gewürze (Pfeffer, Vanille, Sellerie). Sie wirken durch Förderung der Assimi­lation und Reizung der ürogenitalorgano. 4) Mittel, welche die sen­siblen Nerven der Harnwege (z. B. bei ihrer Excretion) reizen. Da­durch kommt rcflcctorisch eine Reizung der Genitalnerven und wie es scheint, namentlich der Vasodilatatoren des Penis zu Stande (Cantha-riden, Meloe raajalis, Ameisen, Harze, Balsame). 5) Tonica: Eisen, Chinin, kaltes Wasser. 6) Electricität. Sie steigert den Blutzufluss, hebt die Ernährung etc. 7) Stramonium und Belladonna in grossen Gaben (empirisch). 8) Psychische Erregung durch Vorführen von brünstigen Thieren und dergl. 9) Directe Reizung der äusseren Ge­nitalien.
Ausser der Anwendung dieser Mittel ist der causalen Methode die Aufmerksamkeit zuzuwenden; Onanie, Spermatorrhöe, Prostatiten sind zu bekämpfen u. s. w.
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692nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die die Geschlechtsorgane beeialhissenden Methoden.
2.nbsp; Methodus antiaphrodisiaca (anaphrodisiaca). Sie bezweckt eine Minderung des abnorm gesteigerten oder des normalen Ge­schlechtstriebes bis zur Aufhebung desselben. Letzteres ist der Fall, wenn der Geschlechtstrieb keine Befriedigung in der Begattung finden kann oder wenn ökonomische Gründe vorliegen, welche eine Minderung oder Beseitigung der Geschlechtslust wünschenswerth er­scheinen lassen.
Als Mittel, welche den Geschlechtstrieb herabsetzen, sind zu nennen: 1) schlechte, knappe, reizlose, ungenügende Nahrung; 2) anstrengende, ermüdende Thätigkcit; 3) Abführmittel, Diaphoretica und Zehrmittel;
4)nbsp; nbsp;Kampher und Hanfsamen gelten empirisch als Anaphrodisiaca;
5)nbsp; nbsp;Bromkalium (und ßromnatrium) wirkt wohl dadurch, dass es die Sensibilität der im Reizzustande befindlichen Schleimhaut der Urethra durch periphere oder centrale Wirkung herabsetzt; 6) alle Narcotica (Morphin, Chloral), wirken ähnlich wie Bromkalium; 7) Schleim, setzt die gesteigerte Empfindlichkeit der Urethra herab; 8) Umschläge auf die im Reizzustande befindlichen Genitalien; 9) Exstirpation der Hoden resp. Ovarieu.
Gegen Spermatorrhöe, die bei unseren Thieren selten beobachtet wird, ist zu empfehlen: allgemeine tonische Behandlung, Anwendung von Atropin, ßromkalium, Kampher, von kalten Waschungen, Adstrin-gentien und von der Electricilät (constanter Strom).
3.nbsp; nbsp;Meth. emmenagoga s. hämorrhagipara. Sie ist indicirt bei fehlender
Menstruation, wenn keine Schwangerschaft und keine schweren Erkrankungen vor­liegen, welche das Fehlen der Menstruation genügend erklären, ferner hei sehr schmerzhaften Menses, bei verspätetem Eintritt oder plötzlicher Unterdrückung der­selben durch zufällige Ursachen. Als Mittel dieser Methode (hämorrhagoga) dienen solche, welche starke Hyperämie der Organe des Beckens hervorrufen (Medic, irri-tantia und tonica), nämlich ätherisch-ölige und drastische Mittel (Sabina, Safran, Ruta, Galbanum, Aloe, Helleborus niger) und auch Mittel, welche Contractionen des Uterus hervorrufen (Pellentia: Canthariden, Sabina, Ruta, Chinin sulf., Seoale cor-nutum). Bei den Drastica kommt vielleicht auch die gesteigerte Peristaltik in Be­tracht, die sich auf den Uterus, die Harnblase etc. fortsetzt, sodass diese Mittel auch zu Pellentia werden. — Die genannten Mittel rufen bei schwangeren Indivi­duen leicht Abortus hervor und heissen deshalb auch Medicamenta abortiva, parturefacientia. Als fernere Mittel und Maassnahmen, welche die Menstruation erregen, sind zu nennen: Reiben, Bürsten und Klopfen auf die Fusssohlen, reizende Fuss- und Sitzbäder, reizende Bähungen, reizende Fussbekleidung, Gymnastik, Be­wegungen mit den Füssen und der Lende, Trinken von warmem Wasser und Thee, salziges Wasser, narcotische Mittel (Paregorica), Borax, Millefolium etc.
Die Reschrfnikung der zu heftigen Menstruation erreicht man durch die blut­stillende und durch die tonische Methode. Wirksam sind namentlich diejenigen Mittel, welche Contractionen des Uterus und seiner Gefässe hervorrufen, sodass demnach ein und dasselbe Mittel Blutungen hervorrufen und mindern kann. Speciell zu nennen sind: Verabreichung von Seeale cornutum, Anwendung von Pfeffer, Ein­spritzung von kaltem Wasser und Ä.dstringentien, Verabreichung von Adstringentien, Einspritzungen von Essig und heissem Wasser (370 C.), kalte Umschläge auf den
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Die die Gescliechtsorgane beeinflussenden Methoden.
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Bauch, reizende und scharfe Einreibungen desselben, Anwendung von Blutent­leerungen (Blutegel, Schröpfköpfe) etc. Da die Menstruationsleiden meist nur Theil-crscheinungen anderer Krankheiten sind, so müssen neben Vorstehendem auch andere t)urmethoden in Anwendung gelangen.
4.nbsp; Meth. abortiva (ecbolica, amblotica). Sie ist indieirt bei fehlen­den oder zu schwachen Wehen. Die Mittel dieser Methode (cf. auch Meth. emmenagoga) sind: 1) Calabar (Physostigmin) und Ergotin (Ac. sclerotin.). Diese Mittel rufen Uteruscontractioneu, wenn auch langsam, hervor. Da sie die Centra nicht leicht lähmen, sind sie gut zu gebrauchen. 2) Ammoniakpräparate, Strychnin, ßrucin. Diese Mittel haben die üble Nebenwirkung, das ganze Rückenmark zu sehr zu reizen und leicht Tetanus zu erzeugen. 3) Coffein, Nicotin, Carbolsäure, sind unsicher wirkende Mittel. 4) Aetherisch-ölige und alkoholische, überhaupt anregende und tonisirende Mittel (Zimmt, Zimmttinctur, Ingwer mit Warmbier u. s. w.). 5) Aloe, Coloquinthen und überhaupt alle Medic, drastica; sie wirken reflecto-risch vom Darmcanale aus und rufen oft heftige Uteruscontractioneu hervor. 6) Hautreize (Sinapismen, electrische Reize) regen die Wehen an. 7) Terpone, Juniperusarten (Sabina und Thuja, Sabina mit Kalium carbonicum bei zurückgebliebener Nachgeburt). Sie reizen die Schleimhaut der Verdauungs- und Harn- und reflectorisch die Nerven der Geschlechtsorgane; die Wirkung ist aber unsicher. 8) Plötzliche und heftige Reizung der Sinnesorgane und plötzliche psychische Erre­gung (Schreck?). 9) Warme Utcrusausspülungen. 10) Wärme, von aussen angewendet (warme Umschläge auf den Bauch etc.). 11) Mechanische directe Reizung der Vaginal-oder Uterusschleira-haut; wirkt reflectorisch auf die Uterusmuskulatur. 12) Bei kräftigen Thieren ruft das Anstechen der Eihäute und Entleeren des Frucht­wassers Abortus hervor. Theoretisch ist auch die Anwendung der Kohlensäure indieirt, da sie das Centrum der Uterusbewegungen nach­weislich reizt.
5.nbsp; nbsp; a) Die auf die fflilchsecretion mindernd einwirkende Methode (Meth. antigalactica S. lactifuga) ist z. B. indieirt bei Thieren (Pferden, Hunden, Schweinen), denen man die Jungen kurz nach der Geburt weg­genommen hat oder deren Junge gestorben sind, ferner bei Thieren, welche durch die Milchsecretion zu sehr geschwächt werden u. s. w. Sie umfasst folgende Mittel und Maassnahmen: 1) Anregung anderer Drüsen-secrclionen durch Anwendung von diuretisch, diaphoretisch und diarrhoisch wirkenden Mitteln. 2) Ermüdende Bewegungen. 3) Behinderung der Darmresorption (Mittelsalze). 4) Anwendung von Essig, Lindenblüthen und Münzearten, von Jodkalium und Belladonna, Atropin, Chloral-hydrat, Bromkalium und von Adstringentien (Tannin und Höllenstein). 5) Entziehung (resp. Minderung) von Nahrung und Getränk. 6) An­wendung von Comprcssivverbänden.
b) Die die Milchsecretion steigernde Methode (Meth. lactica, ga-lactica, iaetägoga). Sie ist indieirt bei zu geringer Milchsecretion und
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Methoden, welche auf die Athmungsorgane etc. einwirken.
bezweckt eine Steigerung dieser Function. Der Zweck kann erreicht werden durch Mittel, welche die Secretionsnerven in erhöhte Erregung versetzen, oder solche, welche den Blutdruck steigern, oder solche, welche die glatte Muskulatur der Milchgänge in gesteigerte Erregung versetzen und endlich durch alle Mittel, welche das Wohlbefinden des Organismus heben, den Nährzustand bessern, die Menge des circu-lirenden Eiweisses etc. steigern und dergl. Speciell sind zu nennen:
1.nbsp; nbsp;Reichliche, gute und gewürzhafte Ernährung, gutes reichliches Getränk. Aus den Lehrbüchern der Diätetik ersieht man, welche Nahrungsmittel speciell die Milchsecretion steigern.
2.nbsp; nbsp;Mechanische Reizung der Milchdrüse. Dass diese Maass-nahmen wirken, lehrt am besten die Erfahrung, dass man durch die­selben bei jungfräulichen Thieren Milchsecretion hervorrufen kann (Eberhardt u. A.). Beim Menschen erwiesen sich Armbewegungen wirksam.
3.nbsp; nbsp;Massige Körperbewegungen (H. Munk).
4.nbsp; nbsp;Alle Mittel, welche die Eiweisszersetzung fördern. Sie erhöhen den Fett- und Zuckergehalt des Blutes oder eines von beiden, z. B. Alkohol.
5.nbsp; nbsp;Empirisch gelten als Galactica: Fenchel, Anis, Kümmel, Ingwer (in Biersuppen), Ditana digitifolia, Galega officinalis, die Blätter von Ricinus, Strychnin, Jaborandi, Salicylsäure u. s. w. Experimentell erwiesen sich Morphium, Blei, Alkohol, Pilocarpin wirkungslos.
6.nbsp; nbsp;Bei unterdrückter Milchsecretion kann zweifellos die Faradi­sation der Milchdrüse mit Nutzen verwendet werden.
7.nbsp; nbsp;Bei Mangel an Knochensalzen im Körper wirkt Zufuhr derselben günstig auf die Milchsecretion.
J. Methoden, welche auf die Athmungsorgane und ihre Functionen eimvirken (cf. auch S. 285—300).
1. Die expectorirende, die Schleimsecretion steigernde und Schleim lösende Methode (Meth. expectorans).
Der allgemeine Zweck der Methode ist, aus dem Respirations­apparate auf natürlichem Wege Materien zu entfernen, welche daselbst stagniren, aber zum Auswurfe bestimmt sind und durch längeres Ver­bleiben daselbst schaden. Als solche herauszubefördernde Materien sind zu nennen: zäher Schleim, Blut, Eiter, Croupmassen, Gewebs-trümmer, Exsudate, Parasiten, eingedrungene fremde Körper u. dergl. Bleiben diese Dinge, z. B. Schleim- und Eitermassen, in den Lungen
.
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Indicationen.
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liegen, dann veranlassen sie schwere Erkrankungen, die unter Umständen zum Tode führen. Gerade in dem Zurückbleiben der Krankheits-producte in den Respirationsorganen liegt bei Erkrankungen dieser Or­gane eine sehr grosso Gefahr. Die Entfernung dieser Stoffe (Expecto­ration) geschieht durch Husten, Räuspern, Niesen, Würgen, Erbrechen und zum Theil auch durch die Flimmerbevvegung. Sie ist aber nur möglich oder erfolgt wenigstens leichter und gefahrloser, wenn die zu expectorirenden Massen locker, wasserreich, oder flüssig und überhaupt leicht transportabel und wenn die Luftwege schlüpfrig und recht feucht sind. Zähe, klebrige und festsitzende Massen müssen demnach erst gelockert und verflüssigt, trockene Luftwege feucht und schlüpfrig ge­macht werden. Dies geschieht durch lösende und schlüpfrig machende und solche Mittel, welche die Wasserabsonderung in den Respirations­organen anregen und die Production dünnflüssigen Schleimes steigern. Dadurch wird das Husten begünstigt und erfolgreich gemacht. Dies geschieht auch durch Anregung der Flimmerbewegung. Diese schafft die Schleimmassen nach oben, sodass sie leicht ausgehustet werden können.
Unter normalen Verhältnissen athmen die Thiere mit der Luft eine Menge von Stoffen ein, welche den Athmungsorganen resp. dem Gesammtorganismus nachtheilig werden würden, wenn sie im Respirationsapparat blieben und in das Gewebe des­selben und die Säftemasse des Körpers gelangten. Der Athmungsapparat ist nun derartig eingerichtet, dass er die gewöhnlich mit der Athmungsluft aufgenommenen fremden Dinge, als Staubtheilchen, Baoterien u. s, w. am Eindringen in das Ge­webe, Anhäufen, Ansiedeln etc. hindert, indem er die Stoffe entfernt. Die Kespi-rationsschleimhaut ist nämlich mit einem Flimmerepithel bekleidet, welches nach aussen flimmert und dabei eine sehr bedeutende mechanische Arbeit leistet und alles Fremdartige entfernt. Bemerkenswerth ist hierzu noch, dass das Flimmer­epithel und die Schleimhaut durch schleimige, alkalische Flüssigkeiten, die gleich­zeitig auch die Flimmerzellen zur Thätigkeit anregen, geschützt wird. So lange das Flimmerepithel intact ist, schaden die aufgenommenen Dinge nichts. Ist aber ein Theil der Schleimhaut von Epithel entblösst, dann ist dieselbe allen Unbilden ausgesetzt; sonst unschädliche Substanzen wirken reizend und entzündungserregend, dringen in die Schleimhaut ein u. s. w. Vor Allem sind die ungeschützten Stellen ein Eingangsthor für Ansteckungsstoffe, Tuberkelbacillen u. dergl. Während diese Stoffe, wenn sie in gesunde Athmungsorgane gelangen, rasch expectorirt und da­durch unschädlich gemacht werden, dringen sie in diese kranken Organe ein und erregen Krankheiten. In solchen Fällen muss die Kunst das Saturheilbestreben unterstützen. — In anderer Art können aber auch Störungen in der Expectoration eintreten durch mangelhafte Thätigkeit der Flimmerhaare. Bei Reizzuständen, Katarrhen etc. sind die Flimmerzellen mehr oder weniger gelähmt; häufig reagiren die Schleimhäute resp. ihre Secrete sauer, wodurch die Flimmerhaare unthätig werden. Die Folge hiervon ist die Ansammlung von Schleimmassen in den Bron­chien etc. Diese geben Anlass zu Reizungen, Entzündungen, brandigen Pneu-
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696nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die expectorirende Methode.
monien etc., indem sie Zersetzungen verfallen u. s. w. Es kommt aber auch vor, dass die durch Katarrhe gebildeten Schleimmassen so zähe, trocken und klebrig sind, dass sie trotz intaoter Flimmerhaare nicht entfernt werden u. s. w. In allen diesen und vielen anderen Fällen (Ansammlungen von anderen Krankheitsproducten etc.) muss die Kunst helfend eingreifen.
Indicationen. Die Indicationen der expectorirenden Methode sind aus den vorstehenden Bemerkungen leicht zu ersehen. Die Methode bezweckt, die zu expectorirenden Massen expectorirbar und die Luft­wege schlüpfrig zu machen und die die Expectoration erzielenden Muskel-und sonstigen Bewegungen hervorzurufen. Besonders hervorzuheben ist, dass die Methode sich nicht nur mit der Anregung und Beförderung der eigentlichen Expectoration, die sich dem Worte nach nur mit der Entfernung von Steifen aus den in der Brusthöhle liegenden Lungen zu befassen hätte, beschäftigt, sondern dass sie auch die Entfernung der oben gedachten Materien aus der Trachea, dem Kehlkopf und der Rachen- und Nasenhöhle anstrebt. Die Methode ist bei folgenden Krankheiten angezeigt:
1.nbsp; nbsp; Bei katarrhalischen Erkrankungen der Luftwege, bei denen Schleiraansammlungen in Folge von Schlaffheit und Reiz­losigkeit der Schleimhaut und in Folge fehlenden Hustens eintreten. Die Methode ist überhaupt bei allen Ansammlungen zähen, festen, klebrigen Schleimes in den Luftwegen am Piatze. Bei frischen Ent­zündungen sind dagegen einhüllende, reizmiidernde und lösende, aber keine expectorirenden Mittel zu gebrauchen.
2.nbsp; nbsp;Bei Lungenentzündungen im Stadium der Lösung, beim Vorhandensein von Exsudaten, Gewebstrümmern, Blutbestandtheilen und dergl. Stoffen im Lungengewebe, wie sie bei der Lungenentzündung sich ansammeln. Was nicht zur Resorption gelangt, muss expectorirt werden. — Namentlich bei Ansammlungen von Eiter, Jauche u. dergl. Stoffen, bei ülcerationen, Cavernenbildungen und ähnlichen Vorgän­gen und Zuständen, die als Folgeerscheinungen der Lungenentzün­dungen und bei der Tuberculose auftreten, hat die expectorirende Me­thode wichtige Aufgaben.
3.nbsp; nbsp; Bei Blutansammlungen in den Luftwegen, in Folge von Blutungen, die in dieselben statthatten. Bleibt das Blut zurück, dann verfällt es leicht Fäulnissprocessen und bedingt dadurch den Eintritt schwerer Erkrankungen.
4.nbsp; nbsp;Beim Vorhandensein croupöser und diphtheritischer Auf­lagerungen und Pseudomembranen.
5.nbsp; nbsp;Bei Parasiten in den Luftwegen. Ein Theil derselben kann
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Mittel.
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durch Husten entfernt werden, sodass wenigstens eine Linderung des Leidens eintreten kann.
6. Beim Vorhandensein anderer fremder Körper im Respirations­apparate, wenn dieselben nicht spitz sind.
Mittel. Die expeotorirenden Mittel befördern die in den Bronchien etc. angehäuften Secretraassen und andere Materien nach aussen; sie erregen die sensiblen Nerven von Rachenhöhle und Kehlkopf, wecken Husten, Niesen und Räuspern, vermehren die Absonderung der Schleim­häute, erweichen die Auswurfstoffe und bringen sie zum Zerfliessen und Lösen, wandeln zellarme, zähe Secrete in lockere, zell- und wasserreiche um und erleichtern die Abstossung derselben. Die Verflüssigung zähen Schleimes wird durch Wasserzufuhr von aussen oder durch reichlichere Transsudation aus dem Blute bewirkt; oder auch dadurch, dass eine verbesserte Circulation in der Schleimhaut, damit eine bessere Ernäh­rung derselben und dadurch bessere und reichlichere Secretion veran-lasst wird. Die Expectorantien bewirken auch eine Anregung der Flimmerepithelien zur Thätigkeit und zwar durch directe Reizung der Flimmerzellen oder durch Mittel, welche durch das Blut zu denselben geführt werden u. s. w.
Von Alters her werden sehr viele Mittel als Expectorantien auf­geführt. Von der Wirksamkeit der meisten dieser Mittel sind Aerzte und Laien überzeugt. Trotzdem haben exaete neuere Untersuchungen von Rossbach festgestellt, dass eine grosso Anzahl derselben nicht expectorirend wirkt und dass es von Anderen wenigstens sehr zweifel­haft und unerwiesen ist, ob sie eine derartige Wirkung haben. Als that-sächliche Expectorationsmittel sind mit Sicherheit anzusehen: Pilocarpin, Muscarin, Aporaorphin, Emetin, Zuführung von Feuchtigkeit in die Re­spirationsorgane zur Lösung (Inhalation von feuchten Dämpfen), Husten-, Niesen-, Räuspern- und Brechen-erregende, überhaupt alle durch Muskel-actionen wirkende Mittel. Bei der nachstehenden Besprechung sollen aber aus geschichtlichen Gründen auch diejenigen empirisch als Expecto­rantien verwendeten Mittel aufgeführt werden, von denen es nicht er­wiesen ist, dass sie eine expectorirende, die Schleimsecretion anregende und Schleim verflüssigende Wirkung haben.
1. Pilocarpin und Muscarin. Diese beiden Mittel erhöhen die Wasserabsonderung der Schleimhaut des Respirationsapparates resp. die Schleimsecretion mit Sicherheit. Bei gesunden Pferden, Rindern, Schafen kann man beobachten, dass nach Anwendung dieser Mittel aus der Nase sich tropfenweise Flüssigkeit ergiesst und dass es unter Umständen zum Lungenödem kommt. Die Speicheln erregende und schwächende Wirkung dieser Mittel macht aber ihre Anwendung nicht beliebt.
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698nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die expectorirende Methode.
2.nbsp; nbsp; Apomorpliin (Hd. 0,001—0,008 innerlich) und Emotin machen den Schleim dünnflüssiger, regen die Secretion eines wässe­rigen Schleimes an und erleichtern die Expectoration und den Husten (Rossbach). Nach Beobachtungen, die ich an mir selbst an­stellte, wirkt das Mittel sehr gut. Man verwendet es für sich allein oder bei schmerzhaften Katarrhen mit Morphium (für einen Menschen: Apomorphinum hydrochlor. 0,03—0,05, Acid, bydrochlor. dil. 0,5, Aq. dest. 150, dazu event. Morphinura hydrochlor. 0,03, '2stündl. 1 Ess­löffel voll).
3.nbsp; nbsp;Hustenwcckmittel und Mittel, welche die Bewegungen der Musku­latur der Bronchial- und Trachealschleimhaut anregen. Zu diesen Mitteln gehören einmal alle Mittel, die bei inhalatorischer Anwendung reizend und anregend wirken, z. ß. Dämpfe von Terpentinöl, Harz, Ammonium causticum, ferner ompyreumatische, schwefligsaure, Sal­miak-, Chlor-, Joddärapfe, ßenzoe- und andere Säuren. — Aber auch viele innerlich verabreichte Mittel wirken hustenerregend, so z. B. Rad. Senegae, Yerba santa. Eucalyptus globulus, Polygala, Scilla, Terpentin, Inulin, Pimpinella, Pyretbrum, Levisticum, Senf, Meerrettig, Ingwer, Zittwer, Bernsteinsäure, Benzoesäure u. s. w. Diese Mittel sind indicirt bei reizlosen chronischen Zuständen. — Mittel, wie Fenchel, Anis, Wachholder, balsamische und bittere Mittel, Asa fötida, Gummi ammoniacum, Theer, Myrrhe, Calmus, Phellandrium, Liehen islandicus sollen die Muskulatur der Luftwege stärken und anregen und die Flimmerbewegung steigern.
Das Husten hat ausser der expectorirenden auch noch andere Wirkungen. Es befreit und befördert die Circulation, regt verschiedene Secretionen an, befördert den Abfluss von Secreten, erweckt unter Umständen das Athmen wieder u. s. \v. Deshalb werden die Hustenweckmittel nicht nur zu Expectorationszwecken ange­wendet, sondern auch bei Betäubung mit Athmungsstillsland, bei Stauungen im kleinen Kreislauf u. s. w. Ein Gleiches gilt auch von den Niesmitteln.
4.nbsp; nbsp; Inhalationen von lösenden und cmollirenden Mitteln cf. S. 295 ff. Diese Mittel machen den Schleim und die Exsudatmassen locker und zur Expectoration geeignet; am besten wirken Warm wasser­dämpfe und Dämpfe von Kochsalzlösungen. Es werden aber auch Wasserstaub, zerstäubte Medicamente, Lösungen von schlüpfrig machen­den, von süssen und zuckerhaltigen Mitteln, Dämpfe von aromatischen Infusen u. dergl. benutzt.
5.nbsp; nbsp; Niessmittel (Sternutatoria, Errhina, Ptannica). Sie sind indicirt bei chronischen Katarrhen der Nasen- und der angrenzenden Höhlen zur Entfernung stauender, übelriechender, faulender Secrete. Als derartige Mittel sind im Gebrauche: Veratrum album, Tabak, Rad. Pyrethri, Staphysagrin, Asarum, Bctonica, Pfeffer und alle scharf aromatischen Mittel, Pulsatilla, Aconit, Euphorbium, Majoranbutter, u. s. w., dann gewisse Riechmittel: brenzliche, aromatische (ätherisch­ölige) und flüchtige Ammoniumpräparate, Aetherarten; dann mecha­nische Reizmittel u. s. w.
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Mittel.
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Die Nies- und Riechmittel werden auch zu anderen Zwecken benutzt, so als Weckmittel bei Ohnmacliten (z. B. mit Acidum .acetic, aroraat.), als Abieitungsmittel bei Augenkrankheiten, als Um-stimraungsmittel bei Kopfweh und dergl. — Die Mittel, welche die Secretion der Nasenschleimhaut anregen, befördern in der Regel auch die Secretion der Thräncndrüse (Jod, Pilocarpin u. s. \v.). Jede er­höhte Thränensecretion hat eine Verflüssigung des Schleimes der Nasen­höhle und eine leichtere Entfernung desselben zur Folge.
6.nbsp; nbsp;Gurgelmittel und Mittel, welche das Rcäuspern anregen und ein kratzendes Gefühl im Rachen hervorrufen, sind nur beim Men­schen gebräuchlich. Die Husten, Niesen und Räuspern anregenden Mittel gehören zu den scharfen und reizenden Expectorantien.
7.nbsp; nbsp; nbsp;Brechmittel. Dass durch den Brechakt Schleimmassen, Croupmembranen etc. aus dem Respirationsapparate entfernt werden können, haben wir bei der brechenerregenden Methode kennen gelernt. Die Brechmittel sind namentlich indicirt bei sufFocatorischen Anfällen, die dadurch eintreten, dass viele Bronchialäste mit Schleim verlegt sind oder bei sehr herabgesetztem Tonus der Bronchialmuskeln, bei drohen­dem Lungenödem u. s. w.
8.nbsp; nbsp; Nauseosa. Die ekelerregenden Mittel haben einen lösenden
Einfluss auf stagnirende Schleimmassen, feste Exsudate die Wasserabsonderung der Schleimhäute steigern und bewegungen hervorrufen (Ipecacuanha in kleinen Dosen
etc., indem sie auch Muskel-Goldschwefel,
Sie erschlaffen die Muskulatur und
Kermes, Antimonialien)
bringen
venöse Hyperämie hervor.
9.nbsp; nbsp;Inhalationen von reizenden und erregenden Mitteln (cf. S. 298) (Fix li-quida, 01. Terebinth., die Balsame, Ammon. caustic, etc.). Sie sind indicirt bei chronischen Katarrhen mit grosser Schlaffheit und Reizlosigkeit der Schleimhäute. Es ist sehr zweifelhaft, ob diese Mittel den Indioationen der fraglichen Methode entsprechend wirken. Dass sie bei den betreffenden Katarrhen einen günstigen Ein­fluss ausüben können, steht zweifellos fest. Die Wirkung dürfte aber eine andere sein, als die bei der fraglichen Methode beabsichtigte.
10.nbsp; nbsp;Warme aromatische Infusa innerlich. Diese Mittel sollen nach An­sicht einiger Autoren eine Zunahme der Schleimsecretion hervorrufen und den Schleim dünnflüssiger machen; auch sollen sie die Bronchialmusculatur anregen und Ilustenstosse verstärken. Diese Wirkung sollen alle ätherisch-öligen, namentlich die schärferen derselben (Kampher, Pimpinelle, Inula, Anis, Sinapis etc.) haben. Die Anregung der Schleimsecretion soll in Folge der Wirkung der ätherischen Gele auf das Herz, in Folge der beschleunigten Circulation und des erhöhten Blutdrucks eintreten.
Andere Autoren behaupten, dass die genannten Mittel die Schleimsecretion vermindern und durch ihre diaphoretische Wirkung einen günstigen Einfluss auf den Ablauf der Katarrhe ausüben.
11.nbsp; nbsp; Präparate der Alkalien und Ammoniakalien (Salmiak, Salmiakgeist, Ammonium carbon, et chlor., Kalium chlor., Natr. bicarb., Mixtura solvens, Liqu. Ammon. anis.). Man schrieb diesen Mitteln eine verflüssigende Einwirkung auf den Schleim (durch Lösung des Mucins) und eine anregende Wirkung auf die Flimraer-zellen zu.
Ellen berger, Allgemeine Therapie.
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Methoden, welche auf die Athmungsorgane etc. einwirken.
Nach Rossbach haben sie diese 'Wirkung aber nicht. Sie heben vielmehr bei innerer Anwendung die Schleimsecretion auf oder mindern sie. — Bei örtlicher Einwirkung (auf dem Wege der Inhalation oder Traohealinjection) soll Ammonium caust. sol. die Schleimsecretion erhöhen. Salmiak erfreut sich eines ganz besonderen Rufs als ein gutes Expectorans und wird namentlich bei acuten Katarrhen im Stadium des Fieberabfalls bei trocknem Husten und spärlicher Secretion eines zähen Schleims angewendet.
12.nbsp; nbsp; Essig. Bei örtlicher Anwendung regt dieses Mittel die Schleimsecretion an. Ob es auch bei innerlicher Verabreichung diese Wirkung hat, ist zweifelhaft.
13.nbsp; nbsp;Tannin, Alaun, Höllenstein scheinen die Schleimsecretion der Rachen-und Halsschleimhaut bei örtlicher Anwendung zu vermehren, die der anderen Theile der Respirationsschleimhaut dagegen zu mindern.
14.nbsp; nbsp;Jod- und Brompräparate. Diese Mittel steigern die Secretion der Kasenschleimhaut und der Thränendrüsen. Ob sie auch auf die anderen respirato-rlschen Theile wirken, ist unbekannt.
15.nbsp; nbsp; nbsp;Schwefel-, zuckerhaltige und Antimonmittel (Flor. Sulfnris, Sacchar. alb., Rad. et Succ. Liquirit., Mel crud., Syrup. comm., Tart. stib., Kermes, Stibium etc.). Die Art und Weise der quot;Wirkung dieser Mittel ist uns ganz unbe­kannt. Sie gelten aber von Alters her als gute Expectorantien, resp. milde Lösungs­mittel der zähen Schleimmassen.
IG. Viele soharfeMittel sollen eine Steigerung der Schleimsecretion bewirken.
17. Die schleimigen und schloimhaltigen Mittel (Rad. Althaeae, Gummi arabicum, lib. Malvae, Arrowroot, Sympus gummosus etc.) werden auch als Expectorantien aufgeführt. Durch ihren erschlaffenden Einfhiss auf die Schleim­häute sollen sie eine erhöhte Transsudation auf und in dieselben hervorrufen.
Die Maassnahmen, welche fremde Körper auf mechanischem Wege aus den Luftwegen entfernen, gehören herkömmlicher Weise nicht in das Gebiet dieser Me­thode. Dagegen sind noch gewisse diätetische Maassnahmen hierherzuzählen: Fütterung mit Grünfutter, Rüben, Gerste, Malz, Molken, Verabreichung von warmem Getränk, feuchtwarme Stallluft u. s. w.
Contraindicationen. Diese richten sich gegen die Mittel; bei Ilernien, Trächtigkeit, Gehirncongestionen etc. sind z. B. die Husten- und Niesmittel, bei Darmkatarrhen Tart. stib. und die scharfen Mittel contraindicirt. Die schleimigen Mittel dürfen nicht zu lange angewendet werden, sonst entstehen Blennorrhöen; sie sind auch contraindicirt bei geschwächten Verdauungsorganen u. s. w.
2. Die schleimlösende und hustenlindernde Methode (Meth. bechica).
Indicationen. Der Zweck dieser Methode ist, den bestehenden Husten zu beschwichtigen, die Hustenqualen zu lindern, das Husten zu erleichtern, den Hustenreiz und Hustenkitzel zu heben und zu lindern, den häufigen und lästigen Hastenanfällen vorzubeugen, deren Stärke und Dauer abzuschwächen und die Häufigkeit der Wiederkehr zu mindern. Man hat wohl die Hustenweckmittel als Bechica bezeichnet
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Die schleimlösende und Imstenmindernde Methode.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;701
und dann auch von Antibochica gesprochen. Das ist aber falsch. Die Hustenweckmittel sind „Expectorantiaquot; zu benennen.
Die Meth. bechica ist indicirt bei heftigem Hustenreiz, häufigen Hustenanfällen und überhaupt stets dann, wenn das Husten nachtheilig ist, wenn es den localen Krankheitsprocess steigert, wenn es Anlass zum Erbrechen, zu Gehirncongestionen giebt, wenn Apoplexien zu be­fürchten, Hernien, Vorfälle vorhanden sind, wenn Ruhe des Körpers indicirt ist (z. B. nach Operationen, bei der Trächtigkeit), bei Em­physem, Keuchhusten, Stimmritzenkrampf u. s. w.
Mittel. Die hustenlindernde Wirkung wird erzielt durch besänfti­gende, schleimlösende und solche Mittel, welche die Luftwege schlüpfrig machen, die Massen lockern, erweichen, schmelzen. Die Lenientia und Demulcentia lindern das Gefühl von Trockenheit, Rauhigkeit, Kratzen und Kitzeln im Kehlkopf, massigen den Hustenreiz und hindern die rasche Wiederkehr der Hustenanfälle. Die lösenden Mittel vermehren den Wassergehalt der Schleimhaut und des sie bedeckenden Schleimes durch Wasserzufuhr von aussen oder durch Vermehrung der Wasserab­sonderung der Schleimhaut. Auf diese Weise werden die Schleimmassen zum Aufquellen gebracht, verflüssigen sich, lösen sich ab und können fortbewegt werden. Da nun gleichzeitig die Schleimhaut schlüpfrig geworden ist, so wird die Fortbewegung der Massen durch die Flimmer­haare unterstützt. Durch die Vermehrung des Flüssigkeitsgehaltes wird das Gefühl von Trockenheit und Rauhigkeit und der Hustenkitzel ge­mildert. Demnach werden die Hustcnanfälle und die Athemnoth, letztere durch das Fortschaffen der stagnirenden Schleimmassen, gelindert.
Die Meth. bechica fällt zum Tlieil mit der expectorirenden Methode zusammen; sie soll den Husten nicht anregen, wohl aber erleichtern, dies thun z. B. Apomorphin, Emetin, Pilocarpin, Salmiak, Terpentinöl u. s. w., d. h. Expectorantien.
a)nbsp; Zucker und süss schmeckende Mittel,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
b)nbsp; nbsp;Alkalische Mittel (schleimlösend),nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;j
c)nbsp; nbsp;Schwefel- und Antimonmittel,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I siehe die
d)nbsp; nbsp;Schleimige und gummihaltige Mittel,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I expecto-
e)nbsp; nbsp;Ekelmittel,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; / rirende
f)nbsp; nbsp;Inhalation von Wasserdämpfen und dergl.nbsp; nbsp; nbsp;Beim i Methode. Menschen kommen auch noch die Gurgelwasser 1
in Betracht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '
Alle diese Mittel sollen schleimlösend, einhüllend, schlüpfrig-raachend, reizmildernd wirken. Bei einigen kommt auch noch eine deckende Wirkung in ßetraclit.
45*
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702nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die schleimlösende und hustenmindernde Methode.
g) Die Narcotica (Bromkalium, Blausäure, Aq. Amygdal. amar., Chloroform, Arsenik, Morphium, Opium, Belladonna, Hyoscyamus, Atropin). Diese Mittel wirken beruhigend und krampfslillend. Sie setzen die Erregbarkeit der Nerv7cn, welche den Hustenakt auslösen, und die der reilectorischen Centra herab und massigen auf diese Weise die Hustcnanfalle. Man verabreicht sie in Verbindung mit schleimigen Mitteln und fetten Oelen. — Ergotin kann subeutan zur Linderung des Hustens und Minderung der Secretion benutzt werden. Ebenso die QuebrachoRinde zur Erleichterung der Expectoration und Hustenlinde­rung. Apomorphin wirkt in gleicher Weise. — Auch narkotische Gase (CO;, etc.) sind als hustenlindernde Mittel empfohlen worden.
h) Oelige und fette Mittel (01. et Emuls. Amygdal., Eigelb, Milch u. s. w.).
i) Von ätherisch-öligen Mitteln sind Anis und Fenchel zu nennen.
k) Erwähnenswerth ist auch, dass Colchicum oxalicum als Husten­linderungsmittel empfohlen wird.
1) Lauwarmes Wasser innerlich verabreicht.
m) Priessnitzumschläge und Kataplasmen um den Hals, wenn der Hustenreiz in Kehlkopf und Rachenhöhle seinen Sitz hat.
n) Scharfe Einreibungen am Halse. Sie mindern durch Gegenreiz den Hustenkitzel und die bestehende Entzündung (cf. hautreizende Methode).
o) Brechmittel (cf. Meth. expectorans).
p) Diätetische Maassnah men. Man sorge für einen warmen Stall, warme feuchte Stallhift, Ruhe, Vermeidung von Zugluft u. s. w.
Contraindicatlonen. Da Husten ein Naturhoilmittel ist, kann seine Unter­drückung auch Gefahren und Nachthoile im Gefolge haben und ist in ünempünd-lichkeit gegen den Hustenkitzel nicht selten die Gefahr der Krankheit (Erstickung durch Ansammlung von Schleim- und Exsudatmassen etc.) zu suchen. Man muss demnach mit Anwendung der Meth. bechica vorsichtig sein und das Pro und Contra wohl erwägen.
Allgemeine Therapie der Athmungsorgane und der Athmung. Die
functionellen Störungen der Respiration bestehen wesentlich in krankhaft ge­steigerter und beschwerter oder verlangsamter oder fehlender Respiration, in krampfhaftem Husten, Niesen, Schluchzen etc. bei Abwesenheit anatomischer Veränderungen an den Athmungsorgnnen. Sie sind, abgesehen von den durch Blut-und Herzkrankheiten, Geschwülsten benachbarter Organe bedingten Störungen, meist nervöser Natur und gehen von den Centralorganen des Nervensystems oder den peripheren Nerven der Athmungsorgane aus oder sie sind reflectorischer Natur oder sie beruhen in Circulationsstörungen. — Sie werden neben der Beachtung der causalen Indicationen wesentlich nach den Regeln der Neurotherapie behandelt. Die sedirendo Methode verlangsamt, die excitirende beschleunigt die Athmung; ein plötzlich einwirkender heftiger Hautreiz ruft eine starke Inspiration hervor und kann so die stillstehende Athmung wieder erwecken; Kohlensäure steigert, Sauerstol! be­ruhigt die Athmung; Ammoniak, vorsichtig inhalirt, beruhigt die Dyspnoe; Ein-athmungen von Salpeterdämpfen (entstehen bei Verbrennung von mit Kalium nitric, getränktem Papier oder von Feuerschwamm), von Amylaitrit etc. beruhigen die
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Allgemeine Therapie der Athmungsorgane und der Athmung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;703
Athraung, Arsenik macht die Athmung frei und beseitigt gewisse Formen der Dyspnoe u. s. w.
Die anatomischen Erkrankungen der Respirationsorgane können direct und indirect behandelt werden. Direct wirken z. B. dielnhalationsmethode, dieTracheal-injection u. s. w. Bei Besprechung der Inhalationsmethoden ist ein sehr bedeuten­der Theil der Respirationstlierapie bereits abgehandelt worden. Die innerlich und subcutan angewendeten Mittel wirken zum Theil auch local, indem sie durch die Schleimhaut der Respirationsorgane eliminirt werden und hierbei einen reizenden, beruhigenden, adstringirenden etc. Einfluss entfalten. Andere wirken durch Beoin-llussung des Herzens, durch Muskelbewegungen (Brechmittel), rellectorisch (Schlund-, Hautreizung etc.), durch Wirkung aufs Nervensystem, durch Ableitung u. s. w.
Die Krankheiten der Nasen-, Rachen- und Kehlkopfshöhle sind, soweit irgend thunlich, örtlich zu behandeln. Leider ist diese Methode in der Thierheilkunde wenig ausführbar. In der Menschenheilkunde wird sie mit grossem Nutzen ausge­dehnt angewendet. Man gebraucht: Das Bestreichen und Betupfen der kranken Stellen mit festen Arzneimitteln (Alaun, Borax, Höllenstein und sonstige Adstrin-gentien und Aetzmittel); das Bepudorn mit und das Einblasen von pulveri-sirten Mitteln; das Aufpinseln \rnd Einspritzen flüssiger Arzneimittel; das Inhaliren von zerstäubton Flüssigkeiten, Adstringentien(Alaun, Tannin, Liquor Ferri sesquichlor., Argent, nitric, etc.), von Resolventien (Natr. chlor., carbon, und bicarbon., Ammon. hydrochlor., Kai. brom.), von Narcoticis, Alterantien und Des-infloientien; das Inhaliren von gasförmigen Körpern (Brom, Jodete); sub-mueöse Injectionen (Sol. Kalii jod., Jodglycerin, Tinct. Jodi, Morphium etc.); die äusserliche und innerliche Anwendung derKälte undWärme; den constanten und faradischen Strom; die Electrocauterisation.
Bei Krankheiten der Trachea und der Bronchien beschränkt sich die ört­liche Behandlung auf die Trachealinjection und die Inhalation. Daneben werden je nach der Natur des Leidens innerlich die Medicam. expectorantia oder becchica angewendet. Die unterdrückte Sohleimsecretion ist anzuregen und zu vermehren, Krampf und Entzündung durch Anwendung erschlaffender Mittel zu beseitigen, an­gehäufter Schleim zu entfernen und die fernere abnorme Erzeugung desselben zu bekämpfen. Letzteres geschieht durch die die Secretionen mindernde Me­thode, die in der Anwendung von Adstringentien (Tannin, Alaun, Höllenstein), Balsamen und Harzen, von Atropin und anderen Narcoticis und nach neuerer Indication auch von Alkalien (innerlich und inhalatorisch) besteht. Sie ist bei über-mässigen Secretionen, schlaffen Schleimhäuten, passiven Hyperämien u. s. w. indi-cirt. Bei diesen Erkrankungen entfalten auch die Roborantien und Tonica, gute Ernährung, Einathnmng reiner, kühler, sauerstoffreicher Luft und ähnliche Maass-nahmen eine günstige AVirkung. Auch von der Pneumatotherapio kann unter Umständen Gebrauch gemacht werden. In vielen Fällen werden die ableitenden und hautreizenden Methoden mit Nutzen gebraucht, so die Meth. diaphoretica bei frischenBronchitidon, dieMeth. diuretica und purgansbeiExsudatansammlungen, Blutstauungen etc. zur Anregung der Resorption und Befreiung der Circulation; die Meth. epispaslica zur Schmcrzlindcrung und Blutableitung. Bei fieberhaften Entzündungen sind die antifebrilen und antiphlogistischen Mittel und Maassnahmen, bei starken Schmerzen die beruhigenden Nervenmittel am Platze. — Stenosen sind mechanisch und pneumotherapeutisch zu behandeln. Fremde Körper können operativ entfernt werden u. s. w. Dass neben der Anwendung aller
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704nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Therapie der Athmungsorgane und der Athmung.
dieser Mittel der causalen Methode das grösste Gewicht zukommt, ist selbstverständ­lich; die durch Fettsucht veranlasste Dyspnoe ist anders zu behandeln, als eine durch Struma bedingte etc. Als antikatarrhalische Mittel sind besonders zu nennen Apomorphin, kohlensaures Alkali, Morphin, Adstringentien.
Die Erkrankungen der Lungen sind der localen Behandlung (durch In­halationen und Trachealinjectionen [cf. daselbst]) nur wenig zugänglich. Dieselben werden deshalb wesentlich indirect behandelt. Bei acut fieberhaften entzündlichen Krankheiten kommen die antiphlogistische, die antifebrile, die epispastische und unter Umständen auch die bechische Methode in Anwendung und ist namentlich jedes Zeichen von Herzschwäche zu bekämpfen, das Herz zu stärken und gegen schädigende Einflüsse zu schützen; Schmerzen sind zu lindern, Collapszufälle zu beseitigen u. s.w. In späteren Stadien dieser Krankheiten sind resorptionsanregende und expectorirende Methoden zu gebrauchen. Bei septischen Lungenerkrankungen sind antiseptische und desinficirende Inhalationen und Trachealinjectionen und inner­lich verabreichte Antiseptica und Antifebrilia indicirt. Bei Hyperämien sind ab­leitende Mittel (Purganzen, Diaphoretica, Diuretica), Expectorantien und unter Umständen Blutentleerungen, Epispastica und andere Mittel zu gebrauchen. Hä-morrhagien behandele man nach den Regeln der Moth, antihämorrhagica. — Die Behandlung emphysematischer Zustände ist je nach den Ursachen eine sehr viel­fältige (Pneumotherapie, Cardiotherapie, Expectorantien, Nervina etc.).
Bei Erkrankungen der Pleura gelangt die örtliche Behandlung (die Punction und Einführung von Medicamenten in die Pleurahöhle) nur ganz aus­nahmsweise zur Anwendung. Bei der Pleuritis ist eine streng antiphlogistische Behandlung am Platze. Hautreize (Sinapismen) erweisen sich bei dieser Erkran­kung sehr nützlich, ebenso Purganzen, Chinin etc. Symptomatisch sind bei starken Schmerzen, Hustenreiz und Dyspnoe Narcotica anzuwenden. Sobald das Fieber ver­schwunden ist, muss die resorplionsbefördernde Methode (insbesondere diuretische und diaphoretische Mittel) in Anwendung gezogen worden. Bei Hydro-, Hämo- und Pneumothorax sind neben den Causalcuren chirunnsche Heilmethoden indicirt.
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Register.
In dem Register sind nur die gebräaohlioheren Arzneimittel und von diesen nur
die wichtigsten Anwendungsarten genannt. Andere Medicamente sind nach den im
Register enthaltenen Angaben über den Ort der Abhandlung der Arzneimittelgruppcn
und der Methoden leicht aufzufinden.
A.
Abdorainalschwangerschaften 141. Abflusswege, künstliche 117. Abführmittel 670. Abhängigkeitsvorhältnisso im Thierkörper
25. Abhärtung 40, 569. Abkapselung 85. Abkühlung 44, 469, 574, 631. Abkühlungscuren 469, 570. Abkühlungscoefficicnt, Erhöhung des 575. Ableitung, Heilung durch 269, 313. —
durch Schwitzen 631. Abmagerung 526. Aboirtivcur 172, 391. Abstumpfung, antagonistische 27, 39. Abwartungscur 222. Acclimatisation 40. Accomodation 40. Acologia 238. Aconit 579. Aorimonium. 351.
Actio, der Heilmittel 243. — topica 245. Acupunktur 309. Adaptabilität 37. Aderlass 271, 518, 586, 587, 592. — als
Prophylacticum 593. — Nachtheile 593.
— Technik 593. — Uämostatioum 596. Adstringentien 495ff. — bei Inhalationen
299. Aether, als Injectionsmittel 344. — An-
tidot 461. — als Fiebermittel 578;
s. a. Alkohole. Aetherzerstäubungen, bei Entzündungen
606. Aetzmittel 320 ff. — als Adstringentien
496. — bei Hautkrankheiten 639. —
bei Entzündungen 60S. Aetzalkalien 322. Aetzkalk 323. Aetzung 320. Agonie 237. Akinose 549. Alaun, Aetzmittel 324. — bei Durchfall
683. — Expectorans 700. Albuminate , als Injectionsmittel 344. Albuminurie 492, 527, 647, 651. Alkalien, zum Desinficiren 421. — Anti-
parasitica 446, 625. — Antidota 457.
—nbsp; als Stomachica 654. — als Neutra-lisantia 657. — bei Ilautkrankheiten 639. — Diuretioa 646. - Antifebrilia 579. — Expeotorantien 699. — Bechica 701.
Alkalihunger 657. Alkalivergiftung 455 ff., 461 ff. Alkaloide, Wirkungsweise 548. — Seda-
tiva 554. — Irritantia 551. — bei
Hautkrankheiten 639. Alkaloidvergiftungen 456, 457, 461 ff. Alkohol, Wirkungsweise 548. — Exci-
tans 550. — Sedans 556, 558. —
Herzmittel 617. — Gefässmittel 620.
—nbsp; nbsp;Diaphoreticum 634, 636. — als Adstringens 499. — Antidot 461. — Antizymoticum 441. — Aphrodisiacum
691.nbsp; nbsp;— Fiebermittel 578. — Galac-ticum 694. — Injectionsmittel 344. — Verdauung besserndes Mittel 654, 656.
Allöopathie 269, 367.
AloS, Abführmittel 671, 674, 679, 680.
—nbsp; Cholagogura 685. — Emmcnagogura
692.nbsp; — Abortivum 693.
.
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706
Register.
Alloiuretica 650.
Alteration, der Heilmittel 247. — im
Sinne der Alten did. Ammoniak 308, 551, 5G4. Ammoniakalien, als Gegengifte 457. —
Solventien 625. — Expectorantien 699.
—nbsp; Bechica 701. — Abortiva 693. — Diaphoretica 635, 636.
Amylnitrit 344. — Antidot 461. — Fie­bermittel 578. Anämie 108, 530, 592, 619, 621. Anamnese 185ff. — semiologisohe 187.
—nbsp; symptomatische 187. — ätiologische 187 u. s. w.
Anaphrodisie 544.
Anästhesie 484, 549, 562. — der Haut
637. Anatripsologie 326, 329. Anelectrotonus 480. Aneurysmen 146, 494, 618. Angelica 550. Angiotherapie 618. Animismus 13, 355. Anis 447, 694, 699, 702. Anorexie 544. Anpassung 17, 36. Anpassungstheorie 399. Antagonismus 26, 75. — Ucilung durch
269. Antagonislen, pharmakologisohe 460. —
symptomatische 461. Antagonistische Mittel 614. Anthelminthioa specifica 448. Anticontagiosa-Inhalation 292. — Tra-
chealinjeotion 288. Antidota 450; s. Gegengifte. Antidotische Curmethode 449. Antihydropica 627. Antimon, Bechicum 701. — Diaphoreti-
cum 636. — Expectorans 700. Antimonpräparate 625, 626. 663, Antipathie 266. Antiparasitioa 445. — bei Entzündungen
609. Antiphlogistische Behandlung 316, 602. Antiphlogistica 60S. — als llämostatica
595. Antisepsis 425. — bei Entzündungen 609.
—nbsp; nbsp; Inhalation 292, 297. — durch Trachealinjection 288. — durch che­mische 432.
Antiseptische Massnahmen 431. Antizymose 438. — bei Entzündungen
609. Antizymoticum 441, 442. Apepsia 349. — gastrica 653. Aporaorphinum 341,663.— Bechicum 701.
—nbsp; Expectorans 698. Apostasis 349. Appetitlosigkeit 36, 653, 661.
Application der Heilmittel, s. Heilmittel-application.
Aqua Amygdal. amar. 702.
Aquapunktur 329.
Araehniden 449.
Arckanuss 448.
Araentum nitricum 323, 510, 683, 700.
Aromatische Infuse, als Expectorantien 699.
Aromatische Mittel, Inhalation 292.
Aromatische Säuren und Verbindungen, als Antipyretica 577. — Antiparasitioa 447.
Arsen 324, 440, 445, 558, 639, 654, 702. — Antizymoticum 440. — Anti-parasiticum 445. — Solvens 626. — Sedans 558. — hei Hautkrankheiten 639. — Stomachicura 654. — Bechi­cum 702.
Arsenvergiftung 456 IT.
Arterienobliterationen 488.
Arznei, Dispensation 158.
Arzneiapplioation, epidermatische 326. — percutane 326. — endermatische 330.
—nbsp; nbsp; intracutano 330. — hypoderma-tische, subeutane 332 ff. — indirect, durch Mutterthiere 345; s. a. Heilmittel.
Asoites 646
Asphyxie 549.
Asthcnie 352. — directo 353. — indirecte
353. — wahre 526. Aesthesiometer 337. Asthma spastica 554. Athmung, Therapie 702. Athmungsorgane, Selbstheilung 128.
—nbsp; Methoden 694. — allgem. Therapie 702.
Aetiologio 55, 157.
Atonie glatter Muskulatur 485.
Atropinum 342. — Antigallacticum 693.
—nbsp; Antidot 461. — Kncephalicum 547.
—nbsp; secretionsminderudes Mittel 684, — Gefässwirkung 620.
Atrophie 88.
Aufblähen, chronisches 657.
Augenentzündungen 508.
Auscultation 193.
Ausflüsse 509.
Aussackung, durch Aetzmittel behandelt,
326. xVuto-Uistotherapie 81. Autotransfusion 600.
B.
Baotericn etc. 65.
Badecuren 540.
Bäder, kalte 472, 473. — warme 478,
504. Bähungen 478, 569. Baldrian, s. Radix Valerianae.
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Register.
707
Balsame 619, 699. Bantingcur 533. — Nachtheile 537. Bauchhöhle, Untersuchung 201. Baunscheidtismus 309. Beheerin 577. 'Bedeckungen, warme 477. 569. Befruchtung, Therapie 690. Befundaufnahrae 184. Behandlung 207 ff. — Ausführung der 233.
—nbsp; der Ausgänge 234ff. — diätetische 233. — mechanische 233. — pharma-ceutische 233.
Belladonna 342, 556, 558.-----Aphro-
disiaoum 691. — Bechicum 702. — bei Hautkrankheiten 639.
Benzin, Antiparasitioum 447.
Benzoesäure, Antisepticum 437. — Anti-zymoticum 441. — Fiebermittel 517.
Benzolabkömmlinge 436.
Berieselungen 473, 474.
Beruhigungsmittel 554, 559. — bei Ent­zündungen 608. — als Ilaemostatica 596.
Beruhigungscuren 545, 552 ff. — Indi-cationen 553.
Bewegung 467. 477, 489, 501, 518, 522, 569, 637, 678.
Bewegungseuren 532, 537.
Bewegungsorgane, Selbsthcilung 141.
—nbsp; allgemeine Therapie ders. 565. Bewegungsstörungen, Therapie 565. Bewusstlosigkeit 549. Bismuthum nitrieum 559.
Blausäure 547, 702. — Vergiftung 462. Blase, Erkrankungen 644. — Krampf 651.
—nbsp; Lähmungen 485, 651. — s. a. Harn­blase.
Blei, als Deckmittel 510. — s a. Plum­bum.
Bleivergiftung 455—457, 461, 462.
Blennorhoe 492.
Blut, Regulation 45. — Selbstheilung 118, 121. — Methoden auf dass. 586
—nbsp; allgemeine Therapie dess. 609. Blutableitung 270. Blutbeschaffenheit 48.
Blutbildung, Anregung durch den Ador-lass 589.
Blutdruck, Erhöhung durch Transfusion 598. — Verminderung 620, 616.
Blutentziehung, allgemeine 586. #9632;— Fiebermittel 586. — Folgen 587. — Wirkung auf's Blut 587ff. — auf Stoff Wechsel und Temperatur 590. #9632;—#9632; ört­liche 593, 594. — bei Conjunctivitis 594. — bei Entzündungen 594, 607.
—nbsp; bei Rehe 594. Blutgefässanomalicn 102 IT., 618. Blutinfusion, peritonealc 601. Blutkörperchen, Beeinflussung 611.
Blutkrankheiten 118, 494, 501, 610. — Aenderung der Function der Körper­chen 611. — des Wassergehalts 611.
—nbsp; des Salzgehalts 611.— des Eiweiss-gehalts 611. — der Blutmenge 118 ff., 611. — der chemischen Zusammen­setzung 612. — der physikalischen Eigenschaften 612.
Blutmangel 619.
Blutstauungen 616. — Beseitigung durch
den Aderlass 588. — beim Aderlässen
590. Blutstillung 112, 323, 595. Blutübertüllung 619. — des Hinterleibes
662. Blutungen 111, 324, 471, 492, 554, 594,
618, 620. — bei Injectionen 335. —
in den Luftwegen 69G. Blutverbesserung 631. Blutvergiftungen, Aderlass bei 592. Bodenverhältnisse 59. Borsäure, Antisepticum 435. Brand 145, 429, 476. Brechmittel 453, 662. Brechwoinstein, s. Tartarus stibialus. Brechweinsteinsalbe 311. Breohweinsteinvergiftung 456, 461 ff. Breiumschläge 279, 478, 504. Brenneisen, als Aetzmittel 322. Brenner, galvanooaustischer 322. Brennmittel 321. Brenzkatechin 577. Brom 420, 625, 700. Bromkalium, Anaphrodisiaeum 692. —
Antidot 461. — Antidiuroticum 648.
—nbsp; Antigalacticum G93. — Beehicum 702. — Fiebermittel 579. — Milzmittel 689. — Sedans 554, 558.
Bronchialkatarrh 661, 703.
Broussais' Heilsystem 587.
Brownianismus 351, 552.
Brucin, Abortivum 693.
Bruch 127, 146.
Bruckmüller's kultivirter Impfstoff 393.
Brusthöhle, Untersuchung 201.
Calabarextraot 342.
Calomel, s. Hydrargyr. chlorat. mitr.
Calearia usta 323, 683.
Campher 344, 437, 550, 564, 578 etc.
— s. Kampher. Canthariden, Aphrodisiacum 691. — Diu-
reticum 647. — Emmenagogura 692. Canlharidensalbo 309. Cantharidenlinctur, Hautreiz 309. Cantharidcnvergiftung 456, 461. Carbolsäure, s. Phenol.
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Register.
Carbolsäurevergiftung 455 ff., 461, 462. Gardanus 596. Castration 692. Cathartin 671, 674. Causa eiterna 66. — interna 66. Causalour 226, 390, 391, 392. — speci-fische, antiparasitäre, autiscptisehe 391.
—nbsp; der Infectionskrankheiten 438. Caustica, Inhalation 299, 321. Cauteria 321 ff. — aotualia 321. — po-
tentialia 322.
Cauterisation 320.
Cellularpathologie 73, 382.
Ccllulartherapie 382.
Centralorgane, nervöse, Erkrankungen 549.
Chinin, als Antiphlogisticum 609. — Antizymoticum 441. — Beruhigungs­mittel 559. — Erregungsmittel 551. — Injectionsmittel 343. — Milzmittel 689.
Chinidin 577.
Chinoidin, als Injectionsmittel 343. — Fiebermittel 577.
Chinolin 577.
Chinolinmethylhydrür 577.
Chirurgische Krankheiten, Selbst­heilung 142.
Chlor, Inhalation 293. — Antidot 457.
—nbsp; Antisepticum 435. — Desinficiens 418.
Chloralhydrat, Antidot 461. — Beruhi­gungsmittel 556 ff. — Fiebermittel 578.
—nbsp; Hautreiz 310 ff. — Injectionsmittel 344. — Nervenmittel 547.
Chlormetalle 323.
Chlornatrium, Abführmittel 678. — s. Kochsalz.
Chlorose, Aderlass bei 592. — Diät 528, 530.
Chloroform, Antidot 461. — Fiebermittel 578. — Injectionsmittel 344.
Chloroformnarkose, die Injection unter­stützend 341.
Chlorzink, Aetzmittel 323. — Antisepti­cum 434. — Desinficiens 418.
Chromsäure, Aetzmittel 324.
Chromidrcsis 637.
Chrysarobin 309.
Chylurie 136.
Cinchonin 577.
Circulation, Regulator 29. — Selbst­schutz 45. — Selbstheilung 97 ff., 127.
—nbsp; Methoden auf dieselbe 586. — all­gemeine Therapie ders. 613. — Unter­suchung 198.
Circulationsstörungen 669. Cocain 554, 558, 559. Coclio 349. Codein 341.
Coffein 617. — Diureticum 646. — Abor-tivum 693.
Coindicans 212. — Coindicatio 219.
Colchicum 647. — oxalicum 702.
Collaps 344, 549, 564, 616.
Collegialität 163.
Coloquinthen 685.
Colocynthin 671, 676.
Coma 549.
Commutator 481.
Compensationsstörungeu 616.
Compensation 28, 270.
Conception, Beförderung durch Aderlass
393. Consensus 26, 75. Consultation 162. Concremente 623, 650.
Congestionen 314, 470,
620.
Coniin 626. Consentiens 212. Constitution 56. Contagion 64, 177, 326.
indi-
Contrastimulantia, directa 353.
recta 353. Contraindieationen 220. Convolvulin 674.
Correlation im Thierkörper 15, 23, 25 ff. Corrosiva 322. Cortex Chinae 576, 654. Cotorinde 683. Crasis 347.
Crotonöl, Hautreiz 311. Crotonölsäure 674. Cubebae 647. Culturen 393. Cumulation der Wirkung der Heilmittel
258. Cuprum, Aetzmittel 323. Cura conservatoria 229. Cur 208. — s. Kur Curare 342. Cyanose 620. Cyanverbindungen 554, 558.
D.
Dammanisiren 575. Dampfbäder 637. Darmlageveränderungen 688. Darmentzündung 668. Darmfistel 539. Darminfusionen, kalte 575. Darmkrankheiten 684. Darmparasiten 688. Darmsteiue 667. Darmstenosen 658, 688. Darmverdauung, Therapie 684. Daturin 342. Debilitas vera 526. Deeocte 278. Decuraus morbi 355.
.
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Register.
709
Defacation, gestörte 686.
Degeneration, fettige 87.
Depletion 272. — natürliche 349. — künstliche 349.
Depressionen, motorische 549. — sensi­tive 649.
Depressionszuslände 563.
Derivation 269, 313, 316, 607.
Desinfection 409. — Indicationen 410.
Desinfectionsmittel, Wirkungsweise 410.
—nbsp; Werth ders. 412, 416. Destruction 247.
Dextrin 655.
Diabetes, insipidus 492. — mellitus 492.
Diagnose 157, 202ff.
Diapnoica 634.
Diarrhoea 318, 493, 657, 682.
Diaphorese 630.
Diastase 655.
Diathesen 643, 645, 657, 669.
Diät, bei Operationen 521. — bei acuten Fiebern 585. — bei längeren Fiebern 585. — bei chronischen Fiebern 585.
—nbsp; bei der Fettsucht 530. Diätetische Methode bei Blutkrankbciten
610.
Diätwechsel bei Entfettungscuren 533, 537.
Digitalin 343.
Digitalis, Herzmittel 617. — Sedans 559. — Antifebrile 578, 580. — Auti-phlogisticum 609. — Diureticum 646, 647. — verdauungshemmend 683.
Dienstpersonal 165.
Diphtheritis 696.
Dislocationen 63.
Disposition, physiologische 55.
Dispensation der Arzneien 158.
Diurese, vermehrte 640, 641.
Doppler's Lehre der Flächenwirkung 370.
Douchen 473, 475.
Diagnose 202. — Verfahren 203. — topische 203. — essentielle 203. — per Subsumtion 203. — per Exclusion 203. — der Individualität 204.
Druck, als Krankheitsursache 60. — durch neugebildetes Bindegewebe 623. — Hae-mostaticum 595. — als Resorption be­förderndes Mittel 624. — bei Entzün­dungen 606.
Druckdifferenz im Gefässsystem 613.
Drüsenfunctionen 31. — Entzündungen 488.
Driisenfunction, Regulation ders. 31.
Drüsensecretionen, verminderte 503.
Duboisin 342.
Dunstbäder 504.
Durchfall, s. Diarrhöe.
Durst 36, 683.
Dynamisationslehre 365.
Dyscrasis 347, 348, 643, 669. Dyspepsie 655, 668. Dyspnoe 131, 702.
Eolampsie 341, 553.
Ei, Anomalien bei Ausbildung dess. 140.
Eigenwärme 567, 633.
Einflüsse, äussere 507.
Eis 472, 575.
Eisbeutel 606.
Eispillen 681.
Eisen, Antidot 457. — ülutmittel 611.
—nbsp; Milzmittel 689.
Eisenvitriol, Dcsinfloions 418. — Aetz-mittel 683.
Eisenmangel 527, 528.
Eiterung 79, 84, 117, 476, 493, 503, 628.
Eiweiss, Antidot 455. — bei der Fett­sucht 532. — bei Fieber 583. — Nah­rungsmittel 513.
Elaterium 671, 674, 676, 679, 680.
Eleotricität 312. — Physikalisches 476 ff. — als Hautreiz 308, 312. — als Tonicum 496. — als Coagulans
502.nbsp; — Allgemeines 478, 482. — als Resolvens 625. — bei Respirations­leiden 702. — bei Entzündungen 607.
—nbsp; als Diaphoroticum 637. — als Erre­gungsmittel 551.
leetrisohe Apparate 481, 482. Electrische Erregbarkeit 481. Electrischer Strom, constanter 479. —
galvanischer 479. — Anwendung 482. Electrolyse 479, 485. Electropunktur 485. Electrotherapie 478, 561. Elimination der Heilmittel 247. Emetin 343, 701. Embolien 109.
Emollientia, Inhalation 295, 627. Empirik 210.
Emplastrum acre anglic. 309. Emulsion 279. Energie, speeifische 542. Entartungsreaction 482. Enteralgie 554.
Entfettungscur 530, 531, 535. Enteritis 592, 688. Enterophyten 448. Enterostomie 539. Entziehungsdiät 517, 521 ff., 531, 610,
627. — der Biweisskörper 524. Entzündung 68, 76, 114, 115, 145,
268, 314, 316, 470, 471, 476, 494,
503,nbsp; nbsp;519, 590, 603, 604, 607, 620, 667.
Enzian 683.
.
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710
Register.
Epilepsie 553.
Epiphyten 448.
Epispastioa 305, 308. — rubefaoientia
308. — vesicantia 309. — pustulantia
310. — suppurantia 312. Equine 409.
Erbrechen COS, G57, 659. Erethismus 553, 564. Ergotin 343, 609, 693. Erfrierungstod 567. Ergüsse in Höhlen und Gewebe 623. Erhaltungseur 229. Erkältungskrankheiten 182, 568, 632,
662. Erkranken 19. Ermüdung 38, 99. Ernährung, künstliche 513, 53S. — durch
Klystiere 538. — von der äusseron
Kaut 539. — von der Subcutis 539.
—nbsp; von der Bauchhöhle 539. — durch Einspritzungen in das Blut 539. — mangelhafte 544. — bei Fieber 584
—nbsp; der Blutgcfässe 620. — gute 627.
—nbsp; schlechte 627. Emährungsgefühle 36. Ernährungsstörungen, allgemeine 530 Erregbarkeit, nach Brown 351. Erregungsmittel 519 ff. Errogungstheorie 353. Erschöpfungstheorie 398. Erschütterungen 59.
Erweichung 87.
Erweichungsmittcl bei Entzündungen 60S.
Erweiterung, der Gefasse 620. — directe 620. — durch Centralwirkung 620. — reflectorisoh 620. — d. Aetzraittel be­handelt 326.
Erwärmungsouren 567.
Erythrolytica 611.
Erythrotica 611.
Eserin 342, 462, 617, 635, 671, 677.
Essig, Inhalation 293. — Espectorans 700. #9632;— als Carminativum 058.
Essigsäure, als Hautreiz 308. — Diapho-reticum 636.
Eucalyptol 578.
Euphorbiumhaiz 311.
Euthanasie 213.
Evaouirende Methode, bei Blutkrankheiten 610.
Evonymin 676, 685.
Exanthem 509.
Exoerptenbuch 155.
Exeitantia 298, 549 etc.
Excoriationen 494, 508.
Excretion 41, 200.
Excrete, ccpiöse 501, 619, 628.
Exsiccantia 502, 619.
Eispeetativcur 223, 355.
Exsudationen 492, 519, 523, 643. Extravasat, Schicksal dess. 113. Extravasationen und ihre Heilung 112.
Faraday'scher Pinsel 308. Faradisation des Euters 594. Faserstoffexsudate 85, 425, 426, 494,
623. Fäulnisskeime, Entfernung 431. Fenchel 694, 698, 702. Ferrieyankalium, Antidot 457. Ferrum candens 322, 510. — Hämosta-
ticum 595. Ferrum, Aetzmittel 323 — Antidot 457.
—nbsp; nbsp;Blutmittel 611 ff. — Desinfioiens 418. — Milzmittel 689. - Obstruens 683. — subeutan 345.
Fettablagerung 514.
Fettansatz, nach dem Aderlass 590. —
bei Chlorose 590. — bei intcreurren-
tem Hunger 590. Fettarmuth, Diät bei 528. Fettbildung, bei Blutstauungen 534, 535.
—nbsp; physiologische 514, 531.
Fette, als Emollientia 505. — beim Fieber 533, 583. — als Nährstoffe 514 — als Obtegentia 510, 638.
Fettentziehung 524.
Fettherz 531, 535 ff.
Fettleibigkeit 519.
Fettsucht 522, 530 ff. — einfache 531 ff.
—nbsp;mit Circulationsstörungen 531, 53511'., 633, 643, 668.
Feuer, als Hautreiz 313. Fibrolytica 612. Fibrosthenica 612.
Fieber 68, 137, 571. — Gefahren 572. — essentielle 575, 576. — septische 575.
—nbsp; nbsp; symptomatische 575. — Trans­fusions- 598. — Aderlass bei 590.
Fieberconsumption 572. — Bekämpfung
581. — Wirkung auf den Organismus
584, 573 (nerv. Erschein.). Fieberdiät 519, 521, 581. Fieberfermente 576. Fieberhitze 572. — Bekämpfung 573. Fiebermittel 576 — bei Entzündungen 609. Firnissen 504, 580. Flitnmerbewegung 566, 695. Fleisch-Pankreasklystioro 538. FUores Charaomillae 636. — Sambuci 634.
636. — Tiliae 634, 636. Folia Ricini 694. — Sonnae 676, 679,
680. Fontanell, als Hautreiz 312. Fremdkörper 61, 78. — Wanderungen
ders. 78. — Unschädlichmachung 79,
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Register.
711
— im Athmungsapparat 133, 697. —
im Verdauungsapparat 667. Frottiren, Abführmittel 678. — Diapho-
reticum 637. #9632;Pructus Colooynthidis G76, 679, 680. —
Fructus Juniperi 647, 654, 698.
laquo;.
Gälirungen 471, 494. — im Darm 680.
Galaotorrhoe 492.
Gallen 494.
Gallensecretion 685.
Gallenstauungen 661.
Galvanokaustik 485. — als Ilämostaticum 595.
Gargarisma 687, 699.
Gasansammlung im Magen G58.
Gasterostoraie 539.
Gebäraot, Therapie 690.
Getässmittel 619.
Gegendruck 509.
Gegengifte 450. — generelle 450. — uni­verselle 451. — mechanische 453. — chemische 454. — organischer Natur 455. — anorganischer Natur 457. — functionelle 458. — Tabelle 4G3 ff.
Gcgergifttheorie 65, 398.
Gegenreiz 270.
Gegenroizung, indirecte 353. — directe 353.
Gegenwirkung 36.
Gehirn, Erkrankungen 484, 544.
Gehirncongestion, Aderlass bei 591.
Gehirnnervon, Beeinflussung durch Arznei­mittel 547.
Gelenkentzündungen 477, 488.
Gclenkhöhlen, Eröffnung 144.
Gelenkwunden, durch Hautreize behan-handelt 314. — durch Aetzmittel be-delt 325.
Gelsemin 343.
Gelüste 528.
Genesung 69.
Genesungsvorgängo 80.
Genitalapparat, Selbstschutz 55. — Selbst­heilung 140. — Untersuchung 200. — Methoden 691. — allgemeine Therapie 689. — Erkrankungen etc. 140, 644. — Liihmung 642.
Genius morbi 217.
Gorlach's Räudebad 446.
Geschlechtsorgane, Untersuchung 200. — Therapie 689. — s. a. Genitalapparat,
Geschwülste 93, 146. — s. a. Tumoren.
Geschwüre 145, 429, 476. — durch Aetz­mittel behandelt 325, 326. — durch Hautreize behandelt 314. —Resorptions­vermögen 331.
Gesohwürsbildung 84.
Getränk, schleimiges 510. — warmes 569.
637. — kühlendes 571. Gelränkaufnahme bei der Fettsucht 537. Gewebe, Absterben dess. 83 ff. — sonstige
Anomalien 95. — abgestorbenes 623. Gewebsregulationen überhaupt 94 ff. Gewebsschlaffheit 471, 501. Gewöhnung 37, 75. Gewürze 654, 656, 658. — Aphrodisiaca
691. Gicht 511, 633, 643, 651. — Diät 519,
521, 523. Gifte 241, 377. — Tabelle 463 ff. — irriti-
rende, neurotische und septische 452. —
in Wunden 622. — im Verdauungstract
622. — Schutz gegen dies. 63. — mit
Aetzraitteln behandelt 326. Giftwidrige Curmethode 449, 453 ff. Glaubersalz 579. — Entdeckung und Ein-
fluss auf die Humoralpathologie 351. Glüheisen, als Hautreiz 312. — als Hae-
mostaticum 595. Glyoeride, als Injectionsmitel 344. Granatwurzelrinde 448. Granulationen 493, 628. Grundheilmethoden 231. Grünfutter 677, 679. Gummi arabicum, Expeotorans 700. —
Beohioum 701. Gummi Gutti 676, 679, 680. Gurgelmittel 687, 699. Gutwill's Therapie 370.
H.
Haarseil, als Hautreiz 312.
llahnemann's Homöopathie 359.
Hahnentritt 341, 559.
Haematopathologie 350.
Haematopoetica 611.
Haematothorax 704.
Hacmaturie 651.
Hämoglobinurie 651.
Hämorrhoidcn 618.
Hanfsamen 692. — Semen Gannabis.
Harnablluss 136.
Harnapparat, s. Harnorganc.
Harnblase, Regulation bei Abnormilälen
136. — Erweiterung 651. — s.a. Blase. Harngries 643, 645. Uarnkrise 642. Harnorgane, Selbstschutz 54. — Selbst-
hoilung 135. — Methoden auf dies. 640.
—nbsp; nbsp;allgemeine Therapie ders. 649. — Untersuchung 200. — Concremonte 650.
—nbsp; Krankheiten 649. — Lähmung 642.
—nbsp; Localtherapie 649. Harnsecretion, unterdrückte 642.
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712
Register.
Harnsteine 643.
Harnstoffausfuhr, nach dem Aderlass 590.
—nbsp; nach Transfusionen 598. Harvey's Entfettungscur 533. Harze 691. — Adstringentien 499. Haut, äossere, Applicationsorgan 303. —
physiologische Bedeutung 305 ff., 628, 631. — Resorptionsvormögen 326. — Untersuchung 198. — Methoden auf dies. 303, 628. — allgemeine Therapie ders. 637.
Hautfriction 308.
Hautkrankheiten 313, 314, 487, 511, 592, 633, 637, 639.
Hautpflege 639,
Hautreize 304, 305, 309. — als Aborti-vum 693. — Antitherraioum 579. — Bechicum 702. —#9632; Diaphoreticum 637 ff.
—nbsp; Diarrhoicum 678. — Hämostatioum 596. — Rosorbens 624.
Hefe 677.
Heilgymnastik 489.
Heilkraft des Organismus 19, 356.
Heilkunst 72. — erfahrungsgemässe 357.
—nbsp; physiologische 357. Heilmethode, s. Methode. Heilmittelwirkung, allgemeine 255. —
antipathisohe 266. — Arten derselben 255. — cumulative 258. — derivato-risohe 269. — Differenzen ders. 263. — entfernte 245. — Erforschung 260. — functionclle 244. — Gesammtwirkung
254.nbsp; — Hautwirkung 256. — indireote
245,nbsp; nbsp;246. — mit Resorption 247. — multiple 378. — Nachwirkung 257. — primäre 255. — seoundäre 255. — physiologische 255. — therapeutische
255.nbsp; nbsp;— constante 257. — Nebenwir­kung 256. — ohne Resorption 245. — örtliche 245. — Reaction auf 245. — directe, indirecte 245. — reflectorische
246.nbsp; — speeiflsche 258, 378. — Wir­kungsweise 242.
Heilmittel 237 ff. — Ablagerung in den Geweben 251. — Abstammung 240. — Alteration 247. — Application 280 ff. (per es 281. — per rectum 284. — auf Mund-, Schlund- und Respirations­schleimhaut 285. — auf seröse und synoviale Häute 301. — endermatische 330. — epidermatisohe 303, 304, 326. — intracutane 322 — intravenöse 302. — percutane 326. — subeutane 332.) — Auflösungen 276, 278. — Aufenthalt in den thierischen Säften 250. — Aus­scheidung 248 ff. — Beschaffenheit 273.
—nbsp; nbsp; Destruction 247. — Eintheilung 238. — palliative 238. — causale, pro­phylaktische, directe, indirecte, speei­flsche 239: — psychische, somatische,
physische 240; — chemische, diäte­tische, pharmaoeutische 241. — Form 274. — Resorption 248. — Verände­rungen im Verdauungstract 282. — Wirkungsarten 255. — Zubereitung 274. — asthenische 352. — eiweiss-treibende 651. — erweiternde 505. — gefässverengernde 619. — harnalkali-sirende 650. — harnaromatisirende 650.
—nbsp; nbsp; harnfärbende 651. — harnsäure­treibende 651. — haiustoffvermehrende 651. — Resorption befördernde 624. — Resorption mindernde 622. — Stoff­wechsel ändernde 540. — sthenische 352. — wasservermehrende 651. — s. a. Medicamenta.
Heilsystem, Rademacher's 378 ff.
Heilung 69. — dcpletorische 272 — durch Blutableitung 271. — durch Ermüdung 123. — durch Gegenreiz 270. — durch künstliche ICrankheitsproeesse 272. — Reflexe 271 — vicariirende Functionen 270. — Endzweck der Behandlung 208.
—nbsp; homöopathische 272. Heilungsvorgänge 69.
Heilverfahren, direotes 224, 373. — in-directes 225. — technokratisches 224.
Heisshunger 683.
Hefe, Abführmitlei 677.
Heisswasserdämpfe, Desinficiens 416.
Hemiplegie 484.
Uerba, Absinthii 654, 656, 658. — Conii 558. — Gratiolae 676, 680. — Malvae, Expectorans 700, Bechicum 701.
Uernien, Regulation bei 127, 141, 326, 494, 554, 668.
Herz, Beeinflussung 615. — Erregung 615.
Herzfehler, durch Hautreize behandelt 317.
Herzgifte 616.
Herzhypertrophien 100 ff.
Herzkrankheiten, Regulation ders. 98.
Herzleiden, Aderlass bei 592.
Herzmittel 616 ff.
Herzmuskelgymnastik 537.
Herzschwäche 615, 617. — Bekämpfung 580. — bei Fettsucht 535. — bei Fieber 573. — bei Inanition 580. — bei Infcctionskrankheiten 580. — bei Säfteverlusten 580.
Hirn, s. Gehirn.
Hitze, Aetzmittel 331. — Hitzschlag 571.
—nbsp; Hämostaticum 595. Höllenstein, s. Argentum nitricum. Homöopathie 272, 359 ff. — der Neuzeit
368. Homöopathische Diätetik 372. Huraoralpathologie 350, 348. Humorcs 347.
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Register.
713
Hubncrcholera, 394, 408. Hundswuth, Impfung 407. [Iimger 36. Husten 701. -Hustenmittel 698. Hustenreiz 341, 681. Hydrämie, Aderlass bei 592. — Diät hei
528. — nach dem Aderlass 589. Hydrargyrum chlorat. mite, Antiphlo-
gisticum 609. —#9632; Antithermicum 579.
— Dinrrhoicum 67G, 679. Hydrargyrum, Alterans 512. — Antipara-
siticum 445. — Antisepticum 434. —
Antizymotieum 440. — Fiebermittel
579, 625, 626. — bei Hautkrankheiten
638, 639. Hydroeephalus 561. Uydrochioon 577. Hydropathie 357, 468. Hydropsien 519, 523, 643. — der Gelenke
624. IJy-drotica 634. Hydrotherapie 468. Ilydrothorax 704. Hyoscyamus, Bechicum 702. — Sedans
556 ff. — subcutan 342. Hyperämie 68, 315, 494, 619. — active
105. — passive 106. Hyperästhesien 315, 508,509,549,553,637. Uypercatharsis 682. Hyperidrosis 493, 637. Hyperkinesen 553. Hypersthenie 354. Hypertrophie 68, 75, 88 ff, 623. Hypnotica 612. Hypnotismus 375, 552,561. Hy-podrosis 637. Hypokinese 549. Hypostbcnie 549.
I. J.
Jaborandi 694.
Jahreszeiten 58.
Jalape 685.
Jalapin 674.
Jamatologia 238.
Icterus 661, 668.
Idiopathisches Heilverfahren 373.
Idiosynkrasie 263.
Ignipunktur 322.
Immediatwirkung der Heilmittel 243.
Immunität 65, 263, 397—399. — Wesen
der 398. Impfkrankheit 398. Impfstelle 400. Impfstoff, von verwandten Krankheiten
stammend 396. — Wahl des 399. Impfung, 392. — zu diagnostischen
Zwecken 392. — Noth- 392, 401. 402,
—nbsp; nbsp;prophylaktische 393 ff., 401. — Schutz- 393, 402. — Verfahren 399.
—nbsp; Art der 400, — diätetische Maass-nahmcn bei der 400. — bei den ein­zelnen Krankheiten 403—408.
Impfverfahren 399. Implantation 331 — subcutane 332. Indicantia 213. Indicata 237.
Indicationen, Begriff etc. 167, 212 ff. — individuelle 215. — ökonomische 215.
—nbsp; polizeiliche 216. — ätiologische 216.
—nbsp; nbsp;radicals 219. — Zwecke 219. — Werth 219. — Eintheilung 219.
Individualisiren 204, 264.
Inductionsstrom 478 ff., 551.
Infectionen 439.
Infeotionskrankheiten 590, 602.
Infeotionsstoffe (Koch) 73 ff.
Influenza, Injectionen bei ders. 344.
Infusionen, in's Rectum 284. — intravenöse 302. — von Blutserum 602. — von Milch 602. — von Pepton 602. — bei Blutkrankheiten 610.
Infusum 278.
Ingluvin 681.
Inhalationsmethoden 289 ff. — Zweck 289.
—nbsp; Inhalirbares 290. — Methodik 291.
—nbsp; Dauer 293. — Wirkungsweise 293.
—nbsp; Mittel 294ff. — Anwendungsweise 294ff., 556, 698, 700.
Initialfieber 573.
Injection 287, 302. — trockene 331. — subcutane 332. — Wirkung ders. 334 ff.
—nbsp; intravenöse 335. Injeotionsmittel 343.
Innervation, des Herzens 614. — der Blutgefässe 614.
Innervationsstörung, durch Hautreize be­handelt 317.
Inoculation, medicamentöse 331.
Insecten 448.
Insectenpulver 446.
Inspection 191.
Instinct 26, 33 ff. — kranker Thiere 95, 96.
Intussusceptionen 668.
Ipecacuanha 685.
Jod, Inhalation 293. — als Injections-mittel 345. — Desinficiens 421. — An­tizymotieum 440. — Antidotum 457. —quot; als Gegengift 462. — Alterans 512.
—nbsp; nbsp; hei Fieber 579. — bei Entzün­dungen 609. — bei Hautkrankheiten 639. — als Sialagogum 625, 626, 683,
—nbsp; Expeotorans 700.
Jodoform, als Injectionsmittel 344. — Antisepticum 435. — als Fiebermittel 578.
Jodvergiftung 455 ff., 461 ff.
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714
Register.
rridin G85.
Irradiation 27.
Irrigationen 473, 474, GOO.
Irritanlia, Inhalation 298.
Judicatio 348.
Isopathie 372.
Juniperus, Expectorans 098 — s. a, Pructus.
K.
Kaffee 551, 681. — Antidot 462.
Kairin 577.
Kairinchloral 577.
Kalilauge, als Hautreiz 308.
Kalium carbonicum 617. — chromioum (Hautreiz) 311. — nitrioum G4G. — per-mangan. (Antiseptioum) 418, 434. — sulfuricum 675, G79.
Kaliumpräparate 551.
Kalk 683.
Kalkmangcl 527.
Kalkpräparate, Antidote 458.
Kalkwasser 658.
Kalmus 683.
Kälte 496, 501, 551. — therapeutische Anwendung 468 ff. — Wirkung nach Dauer der Einwirkung 469. — als Anti­septioum 432. — als blutstillendes Mittel 595. — bei Entzündungen 605, 606. — Inhalation kühlender Mittel 298.
Kältemischungen 472, 575, 60G.
Kaltwasserbegiessungen 658. — bei Ver­giftungen 462.
Kalte Umschläge 474. — und Waschungen 606.
Kamala 448.
Kamillen 558, G3G.
Kampf um's Dasein 15, IG.
Kampfer, Analepticum 550, 558, 578. — Anaphrodisiacum 692. #9632;—#9632; Antidot 4G2. — Diaphoreticum 634, G35, 636. — Diu-retieum 648. — Expectorans 699. — als Fiebermittel 578, — als Cardiacum G17. — Sedans 550. — Antiseptioum 578.
Kampferspiritus, Hautreize 309.
Kardinalsäfte 347.
Katalepsie 484.
Katalyse 613.
Katarrhe 632. — trockene 477. — der Schleimhäute 492.
Kateleotrotonus 480.
Kehlkopf, Erkrankungen 703
Klappenfehler 616.
Klauenseuche 406.
Kleber, Antidot 456.
Kleicnfutter 677, 679.
Klima 58.
KlimatischeKuren 540.
Klimatotherapie 490.
Klystiere 284, 678.
Kochsalz, Antidot 457. — Desinficiens 418. — Emeticum 663. — 654 (Ver­dauung besserndes Mittel).
Kochsalzinfusion 601. — bei Cachexien 601. — bei aeuten Anämien 601. — bei CO-Vergiftungen 601. — bei Cho­lera 601.
Kohle, Antidot 457. — Kohlehydrate 514.
—nbsp; bei der Fettsucht 533. — bei Fieber 584. — als Injectionsmittel 344.
Kohlehydratentziehung 524.
Kohlensäure, Abführmittel 679. — Ana­lepticum 552. — Anteraeticura 681. — Gefässwirkung 620. — Sedans 559.
Kolik, durch Hautreize behandelt 318. — durch Injection behandelt 341, 342. — durch Narcotica behandelt 688.
Koppen 658.
Körperoberfläohe, Untersuchung 198.
Körpertemperatur 42, 5G7, 633.
Kousso 448.
Knochenbrüche 143.
Knochenbrüchigkeit, Diät 528, 529.
Knochenerkrankungen 488.
Knochensystem, Untersuchung 199.
Krämpfe 315, 484, 553, 562, 564, 633.
Krampfhusten 554, 702.
Krampfkolik 658.
Krankondiät 514. — Zweck 514. — Aus­führung 515.
Krankenstall 158.
Krankheit 19, 23. — Ausgänge 69, 217, 234, 236. — Begriff 66. — Bestimmung 201. — Charakter 217. — Entstehung 66 ff. — Erforschung 183. — Erkennt-niss 183. — Genius 218. — Processe, 69. — Stadien 217. — Unterscheidung 201. — Ursachen 55 — 66. — Ursachen im Sinne der Griechen 350. — Zweok-mässigkeit 69.
Krankheiten, asthenische 352. — fieber­hafte 642. — sthenische 352.
Kreislauf, Entdeckung und Einfluss auf die Medicin 350.
Kreislaufsstörung 102. — örtliche 104. — Regulation ders. 102 ff.
Kreosot, Antiparasiticum 447. — bei Haut­krankheiten 638.
Krcsotinsäure 577 (als Fiebermittel).
Krisenlehre 350.
Krisis 139. — der Alten 348.
Kropf, durch Injection behandelt 345.
Kunsthülfe 72, 147 ff. — Aufgaben 208.
—nbsp; nbsp;Grenze 209.
Kupfer, Alterans 512. — Antidot 457. Kupfermittel 663. Kupfervergiftung 457, 458, 461 ff. Kur, klimatische 540. — physikratische 222. — passive 222. — durch Abwarten
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Register.
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222. — symptomatische 213, 228. —
causale, rüdicalo 213. Kuriren 208.
Kurmethoden 8, 9, 10, 11. — s. Me-, thoden. Kurobjecte 213. Kurplan 221, 232. Kurzweeke 213, 222.
H.
Magen, Erkrankungen 125, G87 ff.
Magenblutungen 688.
Magenfistel 539.
Magenkatarrh 655 IT., 661, 688.
Magenschmerzen 684.
Magenverdauung 684, 688.
Magnesia 458, 675, 679, 686.
Magnetismus 374, 49ß.
Manna 677, 679.
Massage 467, 486. — Technik 486. —
Wirkung 487. — Anwendung 487, 552,
60G, 624. Mästung, Aderlass bei 593. Materia peccans 351. Maturatio 349.
Maulhöhle, Erkrankungen 686. Maul- und Klauenseuche, Impfung 406. Maulwässer 687. Medicamenta absorhentia 658, 692, 693,
—nbsp; acria 446, 636, 644, 645, 646. 654.
—nbsp; adstringentia 495, 595, 639, 648. 684, 687. — agrypnotica 546, 550. — alterantia 511, 512, 625. — amara 554, 653, 677, 682, 683. — anaesthe-tica 546. — analeptioa 546, 548, 549, 617. — anaphrodisiaca 692. — ant-aeida 654, 681. — antemetica 681, 684, — antidiarrhoica 682. — antidota
554.nbsp; nbsp; nbsp;— antigalaotica 693. — anti-hypnotica 546. — antinarcotioa 550.
—nbsp; nbsp; nbsp;antiparasitica 445. #9632;— antipara-lytica 550, 651. #9632;— antiperiodica 576.
—nbsp; nbsp; antiphlogistica 554, 675. — anti-pyrotica 612. — antispasmodica s. anti-spastica 564, 648, 651, 658. — anti-typica 576. — antizymotica G57, 658.
—nbsp; apbrodisiaca 691. — aetherea-oleosa 437, 447, 550, 554, 558, 647, 677. — aromatica 554, 654, 674, 676. — aro-matica acria 658. — aromatioo-amara 654. — balsamica 654. — bechioa 701. — calefacienlia 569, 570, 612.
—nbsp; nbsp; nbsp; ealida 644. — cardiaca 501, 646. — carminativa 654, 681, 682.
—nbsp; nbsp;catbartioa 670 ff., 679. — caustica 322. — chromuretica 651. — coagu-lantia 495, 502, 510. — consolidantia metallica 512 — contrastimulantia
555.nbsp; — delirantia 550. — demuloentia 701. — diaphoretioa 682. — diarrhoioa G82. — digestiva 657, 658. — dila-tantia 506. — diuretica 644, 682. — diurelica frigida 644. — drastica 670ff., 679. — eecoprotica 679. — emetica 512, 655, 657, 658. 681, 684, 699, 702.
—nbsp; nbsp; emetico-cathartica 680. — emol-
46
Lahmheiten 32G, 337, 341.
Lähmungen 484, 563.
Latwergen 275.
Laxität, der Muskulatur 494.
Lehcnsalter 56.
Lehensgefahr 540 11'.
Lehcnsour 229.
Lehererkrankungen 128, 668, 688.
Lecksuoht 527, 528, 657.
Lehmanstrich 475. 606.
Leim, als Fieberdiät 584. — als Antidot 456.
Leiter'laquo; Küblapparat 474, 606.
Lethargus 549.
Licht, als Krankheitsursache 56. — Dcs-infectionsmittel 414.
Lichtentziehung 490, 510,
Linderungsour 230.
Liniment 279.
Liquor Aluminis acetici, Antisepticum 434.
Liquor Villati 323.
Lister's Wundbehandlung 428.
Lithiasis 643.
Lithium carbonioura 646.
Lncaltherapie (Virchow) 73. — der Haut­krankheiten 638.
Localwirkung der Heilmittel 255, 377.
Luft, als Desinfeclionsraittel 413. — als Antipyreticum 575.
Luftdruck 59.
Lufthunger 31, 36.
Luftmangel 59.
Luftwege, Katarrh, Croup 696.
Lungenblutungen 592, 704.
Lungen, Therapie 704.
Lungenciiculation, Störung derselben 132.
Lungencongeslion, Adeiiass bei 592.
Lungenentzündung 134, 592, 696.
Lungenscuehoimpfung 405.
Lupinosc 522.
Luxationen, durch Hautreize behandelt 318.
Lymphangitis 429, 487, 508.
Lymphbewegung 120, 628.
Lymphdrüsen 122, 628.
Lymphstrom 120.
Lysis 139.
E II e n b e rge r. Allgemeine Therapie.
i
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Register.
lientia 503 ff. — errhina 698. — cvacu-antia 554, 657, 658. — excitantia 501. 654. #9632;— exbilaiantia 550. — expecto-rantia 687, 697. — expergefacientia
550.nbsp; — exsiceantia G39. — gastrotonica G53. — glutinantia 510. — haemorrha-gica 692. — hepatica 685. — hydra-goga 645. — hyperaeslhetica 546, 549.
—nbsp; nbsp;hyperkinctica 546, 549. — hypno-tioa 546. — hypokinotica 546, 549. — inebriantia 546, 550. — irritantia 692.
—nbsp; nbsp;lactagoga 693. — laxantia 679. — lenientia 701. — lenitiva 679. — lithare-tioa 651. — lubrioantia 509, 510. — mastioatoria 686, 687. — mucilagi-nosa 653. — narcotioa 681, 682,
—nbsp; nbsp;nervina metallica 512, — nervina, alphabetische Zusammenstellung 55711,
—nbsp; nbsp; r.auseosa 512, 684, 699, 701. — neutralisantia 657. — noosthenica 550.
—nbsp; nbsp;obstruentia G82. G84. — obtegentia 510. — osmotioa 679. — palliatica 238. — paregorica 547, 692, — par-ture/acientia 692. — peristaltica 679.
—nbsp; nbsp; ptarmica 698. — purgantia 655, 657, 658, 670, 675,' 679. — resinosa 647. — resolventia 625. — revulsiva
551,nbsp; nbsp; nbsp;555. — ruminatoria 658. — salinia 672, 675ff. — sedativa 547, 596, 648, 684. — sialostyptioa 684.
—nbsp; nbsp; solventia 506, 512. — soporifica 546. — sternutatoria 698. — Stimu­lantia 685. — stomaohica 501. — styptica 595. — sudorifica speoiflca 635. — tetanica 550. — tonica 500, 647, 682. — vomitoria 658, 662.
Medication, innerliche 281.
Mechanika, Inhalation 294.
Melliturie 522, 651.
Meningitis, Aderlass bei 591,
Mensuration 193.
Mentha 550, 634, 636.
Mesmerismus 374.
Metallotherapie 485. 555. — als Adstrin-
517ff, — erregende 543ff., 549 ff. — erschlaffende 502 ff. — Harnsecretion beeinflussend 648, — auf die Haut wirkend G2S, — hypertrophische 540,
—nbsp; hypotrophische 540. — auf den Kreis­lauf wirkend 586. — lockernde 502. — mechanisohe467. — neutralisirendeöl 1. physikal sehe 46711'. — physikratische 356. — regulirende 629. — reinigende 511. — auf die Resorption wirkend 621, 622, 623. — schwächende 517, 518. — auf den Stoffwechsel wirkend 540, — specielle 385, 542. — techno­kratische 356. #9632;— trennende 507. — trophische 5,40. — überziehende 507.
—nbsp; nbsp; auf die Verdauung wirkend 651 ff'.
—nbsp; nbsp; verdichtende 491. — vereinigende 491, 502, — verengernde 467, 491,
501.nbsp; nbsp; — vergrßssernde 502. — ver­kleinernde 491. — zehrende 532. — zuführende 511, 517, 525ff.
Methodus abortiva 690, G93. — abstinens
517.nbsp; nbsp;— adstringens 467, 491, 648. — alterans 349, 511, 612, 613. — am-blotioa G93. — analeptica 549, G1^. — anaesthetica 555, 556, — anaphro-disiaca 692. — angioasthenica 618. — angiosthenica 618. — anodyna 564. —#9632; antaeida 656, 684, — antemetioa 545, 659, 680, 634. — antiaphrodisiaoa 692.
—nbsp; nbsp; antieholagoga 685, — antidiapho-retica 630, — antidiarrhoica 545, 682.
—nbsp; nbsp;antibacillaris 438. — antidota 449.
—nbsp; nbsp; antidyscratica 494. — antifebrilis 571. — antigalaotica 693. — antihac-morrhagioa 595, — antiparasitica 442.
—nbsp; antiphlogistica 602. — antiplastica 612. — antipyretica 574, — antiseptica 425, 494. — antispasraodica 564. — antithormica 571, 574. — antizymotica 438. — aphrodisiaca 691. — bechica 700. — bradysphygmica 618. — car-diaca 615. — carminatica 657, 684. — causalis 386. — caustica 320, 491, 502.
—nbsp; cholagoga 629, 685. — ooagulans 491, 501, — contrastimulans 617. — depilatoria 639. — depletoria 348. — depressoria 617. — derivatoria 5G0. — dermatotonica 639. — dermocosmetica
639.nbsp; nbsp;— desinficiens causalis 438. — diactetica 512, 545. — diaphoretica
518,nbsp; nbsp;629, 630, 648. — diarrhoica 518, 648, 664. — digestiva 652. — dilatans 505. — diluens 611. — diuretica 518,
640.nbsp; — dysplastica 612. — eebolica 693.
—nbsp; emetica 659, 684. — emolliens 467,
502.nbsp; nbsp; — enterostyptioa 682. — ema-cians 532. — emmenagoga 692. — emplaslro-ondermatica 331. — epider-matica 330. — epilatoria 639. — epi-
gentien 498.
Aetzmittel
Desinflcientia 416. — Gefassvcrengerer 619. — Nervenmittel 549.
Metallvergiftung, chronische 455 — 457, 461 ff., 643.
Metamorphose, fettige 623. — granuläre 623.
Methode, s. Methodus. — Begriff 8—11, 230. — allgemeine 385, 386, 467 ff. — gegen Allgoraeinstörungen 385. — appe-titraindernde 683. — atrophische 540. — auflösende 467. -- beruhigende 629. — chemische 467. — deckende 467, 507. — einhüllende 467, 507. — entleerende 511. — entziehende 511,
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Register.
717
spastica 304. #9632;— euplastica 612. — exoitans 545, 549, 615. — expectorans 694. — exsiccans 492, 496, 502. — fuiidamculalis 231. — galaotica 693.
—nbsp; nbsp;haemorrhagica 692. — haemostatioa 595. — hyperinotica 611. — hypinotica 611. — hypnotica 555, 556. — jatro-leptioa 326, 329. — inspissans 611. — intracutanea 330. — involvens 507. — katalytica 613. — laotagoga 629, 693.
—nbsp; nbsp; laotica 693. — lactifuga 693. — Iouoeu-s555. — litholIytica650. — lithon-tryptica 050. — melasyncritioa 511,613. #9632;— myxagoga 629. — narcotica 555, 556.
—nbsp; nbsp; nauseosa 664. — nauseotica 064.
—nbsp; nbsp;nervina 542. — ncurotica 542 — nutriens 525, 012. — obstruens 684.
—nbsp; nbsp;obtegens 493, 507, 500. — obvol-vens 507. — paradiaphoretica 629. — paradiuretica 629. — peptica 652. — peptagoga 629. — plastica 612. — plastilytica 611. — polysphygmica 015.
—nbsp; nbsp;prophylaotica 3SG. — ptyalagoga 085. — purgans 664, 684. — reconsti-tuens 517, 529, 653. — renitens 492.
—nbsp; nbsp; restaurans 525, 529. — roborans 500, 525. — ruminatoria 655. — sedans 552, 555. — sialagoga 029, 683. —
—nbsp; nbsp;solvens 506. — soporiiioa 555, 556.
—nbsp; specialis 231. — stimulaTis 629. — stomachica 652, 659, 084. — stupcfa-ciens 555. — slyptica 545, 595, 659.
—nbsp; nbsp;substitutiva 511.— suppletiva 029.
—nbsp; nbsp;temperans 618. — tonica 500, 525, 545, 612. — triohagoga 039. — vomi-toria 659.
Miasmen 64, 180. — Vorbauung 180.
Milch, Antidot 456. — Bedvcum 702.
Milcbfehler 657.
Milchcuren 540.
Milchsccretion, Therapie 690.
Milchzucker 677, 679.
Milz 122. — Therapie 628, 088
Milzbrandbacillen 394, 412.
Milzbrandimpfung 403—405.
Milzmittel 089.
Mineralsäureri, Desinfioientia 422. — Anti-
septiea 435. — Vergiftungen 455 ff..
40! IT. Mitbewegung 27. Mitempfindung 27. Mitigation 393. — durch Fortimpfung
393. — durch künstliche Züchtung 393.
—nbsp; nbsp; durch hohen Sanerstoffdruck 394.
—nbsp; nbsp;durch hohen Temperatargrad 394. 395. — durch Verdünnung mit Wasser 395. — durch üeherimpfung auf andere Species 395. — durch veränderte Im­pfung nach Menge und Art 397.
Mittelsalzc 675ff.
Mixtur 278.
Molken 677.
Morphium, Anaphrodisiacum 692. — Ant-emeticum 681. #9632;— Bechicum 702. — Fiebermittel 580. — Injectionsmittel 340.
Moxen 312, 313.
Mumifioation 85.
Mundschleimhaut, Krankheitsregulation 124. — Therapie 686.
Muscarin, Expectorans 697. — Abführ­mittel 671, 677.
Muskelbewegungen 41.
Muskelerkrankungen 487, 488.
Muskolmittel 565, 566.
Muskelreize, als Verdiehtungsmittel 496.
Muskelrheumalismus 485.
Muskelsystem, Untersuchung 199.
Mnskelzerreissung 143.
Mydriasis 547.
Myosis 547,
sr.
Xachcur 236.
Nachgeburt, zurückbleibende 141.
Nahrklystiere 538.
Nahrung 513.
Nährstoffe, als Injectionsmittel 344 — stickstofffreie 514. — stickstoffhaltige 513. — Wahl bei Fieber 583.
Nahrungsmittel 514. — Aufnahme ders.
683.nbsp; nbsp; — Auswahl bei der Fettsucht 532.
Nahrungszufuhr, Wirkung auf Fiobortom-peratur 581.
Narbenbildung 93, 495.
NaroeYn 341.
Narcotin 341.
Narkose 546, 550.
Narcotica, Inhalation 292, 295. — Tra-chealinjection 288. — örtliche Wirkung 337. — Antidot 402. — als Emollien-tien 505. — Allgemeines 551. — Fiebermittel 578, — Stomachica 655. — Abführmittel 679.
Nase, Erkrankungen 703.
Natrium bonzoieum 685. — biboracioum 646. — bicarbonicum 679, 681. 683,
684.nbsp; — carbonicum 617. — salieylicum, Beruhigungsmittel 559. — salieylicum. Antizyraoticum 442. — salieylicum, Diaphoretioum 635, 646, 085. — sub-sulfurosum 435, 440, 657, 658, 681. — sulfuricum 675, 679, 683, 685. — sul-furosum 435.
Natur 350, 355. Naturheilbestreben 15.
46*
I
ocr page 740
718
Register.
Natarheilkraft 355.
Naturheilprocesse, Allgemeines 73. —
Uebersicht ders. 74 ff. Naturheilung 6, 12, 71. — ätiologische
7G, 77, 123. — bei fremden Körpern 78.
—nbsp; nbsp; bei Nekiosc 88ff. — bei Hyper­trophie 89. — bei Narbenbildung 93.
—nbsp; nbsp;bei Geschwülsten 93. — zur Kunst heilung 356. — bei Gewebserkrankun-gen 81 IT.
Nauseosa G3G.
Nekrobiose 83.
Nekrose S3.
Nervus sympatliicus 544, 548.
Nerven 51.
Nerven und Nervencentra 24,
Nervenmittel 545. — Eintheilang 546. — Nebenwirkungen 547. — Wirkungsweise 548.
Neivendegenerationen 561.
Nervenkrankheiten 122, 544 — Therapie der 561.
Neivenleitung, Unterbrechung 495.
Nervenreize, als Verdichtungsmittel 496.
Nervenschwäche, bei Fieber 580.
Nervensystem , Regulator 23. — Selbst­schutz 51. — Selbstheilungen 122. — Curmethodcn auf dasselbe 542. — all­gemeine Therapie dess. 561. — Unter­suchung 200.
Neubildungen 325, 493, 623.
Neuralgien 344, 484, 488, 508, 511, 555, 562.
Neurotica 546. — peripherioa 546. — spinalia 546. — eneephalica 546, 547.
—nbsp; nbsp;organioa 546, 547. — sympathiea 546.
Neurosen 484, 642. Neurosiasmus, der Gelasse 554 Neurotherapie 702. Neurotomie 560. Nicotin 547, 622.
Nierenleiden 135, 633. 644, 649. 650. Niesmitlei 698. Nolatenbuch 153. Nothimpfung 401. Nutritive Störungen 82. Nux vomica, Antidiarrhoicura 551, 654. 656, 683.
Uleum animalo foetidum 550. — Grotonis 676, 679. — Kucalypti 684. — Eicini 676, 679. — Terebinth. 293, 308, 437, 447, 457, 647, 658, 699, 701.
Oligamie 119.
Oligocythämie, nach dem Aderlass 589.
Oligurie 136.
Onanie 691.
Operationen 467, 553. — als Antiphlo-gistiea 609.
Opium, Antemetioum 6SI. — Antidiarrhoi-cum 683ff. — Injectionsmittel 340. — Nierenthätiglieit mindernd 648. — Se­dans 556, 558, 559.
Organdecursoren 253.
Organdepositorien 253.
Organkrankheiten Radomacher's 379.
Organschwäche, nach dem Aderlass 590, 591.
Oesophagus, Therapie 687.
Osteomalacic, Vorbauung 182.
P.
Palliativour 230.
Palpation 192.
Pankreaskrankhciten 128, 688.
Pankreasseoretion 685.
Papaverin 341
Papayin 655.
Papayotin 655.
Paquclin'soher Apparat 478.
Paraplegic 484.
Paralysen 549, 562.
Parasiten 64, 442. — Bekämpfung ders. 444, 448. — durch Entfernung 444. — durch drastische Abfuhr-, Niess-, Hustenmittel, Hautpflege, gute Ernäh­rung 444. — durch Tödtung 445. — der Haut 448. — des Darms 449. — der Luftwege 449. — der Leber 44 9, 495. — der Lunge 696.
Parese 315. 326, 549.
Paridrosis 637.
Parotitis 687.
Peohpflasler 309.
Pepsin 349, 655, 657.
Percussion 193.
Perforation, der Brustwand 117.
Peristaltik, mangelhafte 658.
Peritonitis 689.
Perspiratio insensibilis 629. — sensibilis 629.
Perubalsam 447. 639.
Petroleum 447, 658.
Pefroselinum 647.
Pfeffer 577, 683, 698.
O.
Obductionen 153. Occlusivvcrbände 431. Oedeme 632, 643. Oekonomisohe Verhältnisse 214. Oele. ätherische 620. — milde 456. 677, 679.
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Register.
719
Pflaster 279, 510.
Pflanzeusäure 646.
Pflüger's Zackaugsgesetz 480.
Fharmaeie quot;242.
I'harmacoflynamik 242.
Pharmakologie 242.
Pharmacopoe 242.
Phellandrium 647.
Phenol, Antisepticum 436. — Antizyrao-ticum 441. — Antiparasitioum 447. — Aetzmittel 324. — Beruhigungsmittel 559. — Desinfloieiis 424. — Fieber­mittel 577. — bei Hautkrankheiten 638. •— Inhalation 293. #9632;— Injeotions-mittel 344.
Phosphorsaaremangel 527.
Phosphor 579, 620.
Phosphorsäure 617.
Phosphorvergiftung 456, 457.
Photophobie 553.
Phthisis 530.
Physikalische Einflüsse 57.
Phvsostigmin, s. Eserin.
Physiatrik 361, 672.
Physiokraten 13.
Physis 350, 356.
Pikrinsäure, als Fiebermittel 577.
Pilocarpin, Diaphoreticum 635. — Siala-gogum 683. — subeutan 342. — Bxpeo-torans 697. — bei der Fettsucht 536. — Bechioum 701. — Abführmittel 671, 677.
Pillen 274.
Pix liquida 647, 699. — s. a. Theer.
Plethora 519, 590, 643.
Pleuritis 704.
PiUmbum 510.
Pneumotherapie 490, 703.
Pneumotüe, Aderlass bei 592.
Pneumothorax 704.
Podophyllin 676, 679, 685.
Polarität, Heilung durch 269.
Polyämie 118.
Polyurie 492.
Polwirkung 480.
Potenziertheorie 365
Präcaution 165.
Präcautionsirapfung 401.
Präoipitat, rother 324.
Prädisposition 56.
Präservativcur 165.
Ptavaz'sohc Spritze 332.
Priessniizumschläge 471, 474IT., 504. 637, 702.
Prognose 205 ff.
Progressivvorgänge 88. 95.
Prohibens 220.
Prolapse 127, 341, 494, 554, 66S.
Prophylaxis 7, 20, 21, 77, 165 ff.
Psoralehre 367.
Ptyalin 655.
Ptyalismus 493.
Pulpa Tamarindorum 676, 679.
Pulver 274.
Pulverisator 286.
Pustulantia 305, 310.
Quecksilber, s. Hydrargyrum. Quetschungsentzündungen 143, 487.
K.
Rachenhöhle, Erkrankungen 686, 703.
Raderaaeher's System 378.
Radicalour 226.
Radix Althaeae, Kxpectorans 700; Beohi-cum 701. — Calami 654, 656. — Gen-tianae 654, 65G. — Ipecacuanhae 663. — Rhci 676, 679, 680. — Senegae G47, 698. — Tormentillae 683. — Valerianae 550, 588.
Reinfarrn 448.
Räudebad, Gerlach's 446.
Rauschbrandimpfung 405.
Rationelles Vorfahren 211.
Reactio direeta et indiroeta der Heilmittel 244, 245.
Reactionswirkung, durch Aetzmittel 321.
Receptirkunst 242.
Reconvalescenz 71, 234. — Behandlung ders. 234. — Diät 529.
Reotalinfusion 284.
Reflexe 26, 41. — motorische 27. — seerc-torische 27. — trophisohe 27. — Hem-mungsrefloxe 28.
Reflexheilung 271.
Reformation, Einfluss auf die Medioin 350.
Regeneration, homologe 90. — nicht ho­mologe 93.
Regrossivvorgänge 83 IT., 95.
Regulation, Allgemeines 23—33 --nutri­tive 123. — durch Aendcrnng der Athmung 129. — durch Blutcirculation
29,nbsp; 97. — durch's Nervensystem 23. — durch d. Säftostrom 30. — durch Sauer­stoffverbrauch 129. — durch Stellver­tretung 32. — durch Stoftaufnahmc und -Ausgabe 31. — durch Stoffwechsel
30.nbsp; nbsp;— durch Ueberlragung 32. — der Blutbeschaffenheit48,118.— der Circula­tion 45. 97 IT. — dos Gcnilalapparates 55, 140. — der Harnorgane54,135. —der Innentcmpcratur 42,137ff. — des Nerven­systems 51,122. — der Respiration 48.— des Stoffwechsels 50. — der Verdanungs-organe 52, 124. — bei Abweichung der Innenwärme 137. — bei Anomalien der
Blutgelasse 102.
— der Gallen-
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720
Register.
sccretiün 128. — — der Plarnseoretion 135 — bei chirurgischen Krankheiten 142. — bei Fieber 138. — fremden Kör­pern im Athmungsat,'parate 133. — bei Erkrankung der Organe 122. — bei Krankheiten der Athmungsorgane 128.
—nbsp; nbsp; — der Bewegungsorgane 141. —
—nbsp; nbsp;der Blutmenge 118. — — der Blut­mischung llS. — — der Circulation 97. — — des Herzens 98. — — des Integumentum commune 141. — — der Leber 128. — — im Lymphgefäss-system 119. — — des Magens 125. —
—nbsp; nbsp; nbsp;der Mundschleimhaut und ihrer Drüsen 124. — — des Pankreas 128.
—nbsp; nbsp;— der Respiralionsmuskeln 133. — bei Wassersucht 120.
Regulatorisehe Vorgänge 23. — Zustande­kommen ders. 23.
Regulatoria 615.
Rehe, Aderlass bei ders. 592.
Reibungselectricität 479.
Rückbildung 39, 90.
Rückenmarkskrankheiten 484.
Ruhe, entzündeter Theilo 41, G03. —
Haemostaiieum 596. Ruhr 668.
Sabadillsamen 446.
Sabina 647, 692. — Abortivum 693.
Säftestrom 30, 1 19.
Säfteverluste 491.
Salbe 279.
Salicin 577.
Salicylsäure 437, 577, 681.
Salmiak 701.
Salmiakgeist 308, 658.
Salpeter, bei Entzündungen 579, 609. — als Herzmittel 580.
Salpetrige Säure, Desintieiens 424.
Salze, sohwefligsaure, Antidota 458. — Antizymotica 440.
Salzsäure 655, 656, 657. — Antisepticum 435. — Desintieiens 423.
Säuglinge, Arznoiapplication 345.
Säuren 625, 683, 684. — als Adslrin-gentien 499. — als Aelzmittel 324. — als Hautreize 308. — Antidota 458, 462. — Diuretiea 646. — bei Fieber 579. — aromatische 437. — Erregungs­mittel 552.
Säuerungen, im Darm 680. — im Magen 656.
Schafpoekenimpfung 407.
Sohallentziehung 490.
Schärfen, im Sinne Boerhave's 351.
Seheincur 223.
Schilddrüse, Therapie der 628.
Schlaf, 41, 75.
Schlempemauke, Vorbauung 182, 522.
Schleim 683. — Abführmittel 677, 679. — Antidot 456. — Inhalation 292.
Schmerzen 553. — bei Injection 335. — durch Spannung 503. — durch In­jection behandelt 341.
Sohroth'sche Cur 523.
Schrumpfung 85.
Schultcrlahmheit 475.
Schule, empirische 356. — naturhisto-rische 14. — rationelle 356. — .skep­tisch-therapeutische 358.
Schüttelraixtur 278.
Sohutzkraft, des Organismus 18.
Sohulzimpfung 402.
Schwäche, allgemeine 549.
Schwächezusländo 500, 526, 544.
Schwefel 625 ff., 683. — Abführmittel 677, 679. — Antidot 458. — Anti-
Reizbarkeit, erhöhte 553 477.
Reizmittel 353. — bei
— der Organe Entzündunsen
608.
Remedia 237ff. — s, Medicamenta
Repugnans 220.
Resina Pini 647.
Resolvirende Methode 613.
329.
Resorbirbarkeit, einiger Medicamente
Resorcin 577 (als Fiebermittel).
Resorption 84, 621, 623. — im Darm, Therapie 686. — im Dickdarm 539. — der Heilmittel 248, 336.
Resorptionsvermögen, der Haut 326. — von Wunden und Geschwüren 331.
Resorptionswirkung, der Heilmittel 247.
Respiration 48. — künstliche 462.
Respirationsrauskcln, Regulation b. Leiden ders. 133.
Rfspiration.ssclileimhaut. Resorptionsfähig­keit ders. 28G, 289.
Respirationstherapie 285.
Restauration, indireetc 527, 528.
Restitution 86. — mechanische 123.
Restitutionsfähigkeit 356.
Revulsion 313. — von Entzündungen 607.
Rhabarber 683, 685.
529.
Bhachitis, Vorbauuii_
Rhamnus cathartica, Frangula 676, 679,
680. Rheumatische Leiden 632. Rheumatismus 485, 623. Rhizoma Filicis maris 448. Ricinusölsäure 674. Rinderpest, Impfung 403. Rubcfacientia 305, 308.
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Register.
721
parasiticura 44G. — Diaphoreticum 636. — bei Hautkrankheiten 639.
Schweflige Säure, Antisepticum 435. #9632;— Desinfioiens 423.
Sohwefelkalium 658.
Sohwefelmittel, Expectorantien 700. — Beohica 701.
Schwefelsäure, Antidot 4öS. — Desinfi-ciens 423. — Antisepticum 435.
Schwellungen 493.
Schwoninger's Curmelhode 537.
Sohwcinetyphus, Impfung 405.
Schweissbildung, Minderung 630. — Ad-stringentien 630. — Kräftigung der Haut 630. — Diuretica und Wasser­entziehung 630. — kräftige Ernährung 630.
Sehwcisse, Unterdrückung 633.
Schweisstreibende Mittel 634.
Schwitzen, als Antipyreticum 576. — krankhaftes 644.
Sclerotinsäure 343.
Scilla 646, 647.
Seborrhoea 647.
Secalo cornutum 499, 579, 619, 692.
Secrete, copiöse 628.
Secretion 41 , 200. — gesteigerte 619, 633. — profuse 501. — sympathische 624, 648. — veränderte 629. — ver­minderte 619.
Sodativa 615. — bei Fieber 580.
Sehnen, Zerreissung dors. 143.
Sehnenerkrankungen 487, 488.
Sehnenscheidenerkrankungen 488.
Sehnenscheidenwunden, Aetzung 325.
Seife 638. — Abführmittel 678.
Selbsterhaltungstrieb 19, 20.
Sclbstheilung 13, 20, 66, 69, 72.
Sclbsthülfe 6, 12, 20.
Selbstinfeotion, Verhütung 628.
Selbstschutz 7, 21. — Svmptome dess. 33 ff.
Selbststeuerung, des Herzens 40. — der Athmung 50.
Selterswasser 681.
Semen Cannabis 692.
Semiotischc Untersuchung 187, 195.
Senega 647, 698.
Senföl 308, 577. — Antizvmotieum 441.
Sepsis 430, 643.
Septicämie 426 ff.
Sinapismus 309, 310, 579.
Sinnesapparate 24, 52, 200.
Sinnesfunetionon, Störung 563.
Sinnesschwächc 544.
Skarificationon, bei Entzündungen 607.
Skepticismus 358.
Skrophuloso 523.
Solventia, Inhalation 296.
Sonnenstich 571.
Sopor 509.
Spaltungsfett 531 ff.
Spasmus, durch Injection behandelt 342.
Spat 477.
Speoialheilmethodcn 231.
Specialzufuhr 527.
Specifiker 364, 372.
Specificität, der Heilmittelwirkung 258.
Speciflsehe Fiebermittel 576.
Speoifisehe Heilmittel 239.
Speicholsecretion, Anomalien 683.
Spermatorrhoe 492, G92.
Starrkrampf, durch Injection behandelt 344. — s. a. Tetanus.
Status praesens 189.
Staupe, Impfung 407ff.
Stellvertretung, der Organe 25, 31, 32.
Stenosen, der Trachea 703. — des Darms 668.
Sthenie 352, 354.
Stimulantien 580, 615.
Stoffaufnahme und -Abgabe 31.
Stoffumsatz, im Thierkörper 513.
Stoffwechsel 30, 50, 509.
Sloffwechselcuren 540.
Strychnin 343, 693, 546.
Stryohninvergiftung 342.
Stv'ptica, Inhalation 299, 595.
Styrax 447, 639.
Suboutanapplioation 332. — Instrumente 332. — Methodik 333. — Wirkungen 334.
Subeutis, Absorptionsfähigkeit der 333.
Sublimat, Hautreiz 309, 310. — Desinfi­oiens 417. — s. a. Hydrargyrum.
Subluxationen, durch Hautreize behandelt 318.
Substitutivo Methode, bei Entzündungen 608.
Sudorifioa 634.
Sulfate 458, 675.
Sulfocarbolsäure, Aetzmittel 324.
Suppurantia 305, 312.
Sympathie 26.
Symptomatische Behandlung, der Entzün­dungen 604.
Symptomatisches Verfahren, der Homöo­pathie 364.
Symptome, nach Hahnemann 361.
Svnoviaausflüsse 492.
Syphilis 511, 519, 523.
System, contrastimulistisches 353.
T.
Tabak, Antiparasiticum 446. — Stoma-chicura 656. — Abführmittel 679. — Niesemittel 698.
Tabes dorsalis 484.
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72-2
Register.
Tagebuch 153.
Tannate, als Adstrhigenticn 498. — Ant-emetica 681. — Antidota 45G. — Kx-pcctoranlia 700. — Obstruentia 683. — gefässverengornde Wirkung 619. — Aetzmittel 324.
Tartar, depur. G76, G79.
Tartarus stibiatus 579. — Herzmittel 580.
—nbsp; nbsp;Antiparasiticum 446. — Diaphore-tioum 635, 636. — als Catarth. und Emetooath. 676, 680. — Stomaohieum 656. — Carminativura 658—663.
Teohnokratie 13, 224.
Teleologie 18.
Temperatur, Regulation 42—137. — Me­thoden ders. 566. — hohe, als Haut­reiz 312. — Untersuchung 200.
Temperaturgleichgcwioht 576, 578.
Teraporaturgrade, Desinfectionsmittel 415.
Temperatursteigerungen, allgemeine 571.
—nbsp; nbsp;örtliehc 571. Temperaturweohsel, als Krankheitsursache
56. Terpentin 647. Terpentinpllaster 309. Terpentinöl 308. — Antiparasiticum 447.
—nbsp; nbsp; Antiseptioura 437. — [nhalalion 293. — Hautreiz 308. — Antidot 457.
—nbsp; nbsp; Diuretioum 647. — Carminativum 658.
Tetanus 341, 342, 484, 553.
Thaliin 577.
Thebain 341.
Theer, Inhalation 293. — Antiparasiticum 447. — bei Hautkrankheiten 638. — Expectorans 698. — s. a. Pix.
Therapeutik 242.
Theorie, pathologisch-anatomisehe 383. — ätiologische 383. — nihilistische 359.
Therapie Iff., 147, 157. — Geschichte 347. — der Neuzeit 350. — der Alten 3-17. — locale 380. — moderne 382.
—nbsp; nbsp;der Nervenkrankheiten 561. — des Blutes 602. — der Circulation 603. — der Verdauungsorgane 683. — der Harnorgane 649. — der Geschlechts­organe 689. — der Athmungsorgane 702.
Thermische Mittel, bei Entzündungen 605.
Thermooauter 322, 510.
Thermomotrie 194.
Thcrmotherapie 566.
Thierarzt, Nothwendigkeit dess. 147. — Aufgabe dess. 149. Verhalten in der Praxis 151, 156, 159, 163ff. — Fort­bildung dess. 151. — Verhalten bei kranken Thieren 182.
Thränensecretion, erhöhte 699.
Thromben 109. — Operation ders. 111.
Thymol, Antizymoticum 441. — als Fie­bermittel 577.
Tinctur 279.
Tinctura Eucalypti, Milzmittel 689. — Ferri acetici 656.
Tonica, bei Entzündungen 608.
Tod G9, 237. — allgemeiner 69.
Torpor 546.
Toxicolögie 242.
Trachea, Therapie 703.
Trachealinjection 286. — Vortheilo 287.
—nbsp; nbsp; Ausführung 287 ff. — Nachtheile 288. — Indicationen 288, 703.
Trägheit 35.
Transfusion 528. — direote und indireote 596, 597. — Technik 596, 597. — in Arterien 597 (nach Hüter). — nach Affanassiew 597. — Wirkungen der, bei gleichartigem Blute 597. — fremd­artigen Blutes 598. — von Laminblut beim Menschen 599. — Indicationen
599.nbsp; nbsp; nbsp;— bei acuter Anämie 599.
—nbsp; nbsp; nbsp;bei fehlerhaften Blutmischlingen
600.nbsp; nbsp; — Selbstintoxioationen 600. — Verbrennungen 600. — Inanition 600.
—nbsp; nbsp; Pyämie und Septicämie G00. — bei Vergiftungen 462, 600. — Er­satzmethoden 600. — bei IHutkrank-heiten G10.
Transplantation 332.
Transsudationen 108, 492, 618, 643.
Traubeneuren 540.
Traumen 63.
Trismus, durch Injection behandelt 341,
553. Trockencur 522. — örtliche 523. Troiquart 301.
Tubera Jalapac 676, 679, 680. Typhus GG8. — der Schweine. Impfung
405.
ü.
Uebcranstrengung 66.
Ueberdehnung, durch Hautreize behandelt 318.
Ueberfütterung 661.
Uebung 38.
Umprägungstheorie 399.
Umstimtnungen 270.
Umwiekelungen 510.
Universalkrankheitcn, Rademachor's 379.
Untersuchung 18411. — unmittelbare ob­jective 189. — mikroskopische 194. — chemische 195. — Ordnung und Gang 195. — semiologische 196. — semiolo-gische bei äusseren Leiden 196. — semiologische bei inneren Leiden 197.
—nbsp; nbsp; totale 197. — indirecte 197. — direote 198 ff.
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Reeister.
723
Urämie 592, 650. Urticaria 668. Urtication 308. Uterusausspulungen 693. Uteruserkrankungen 317, 341. Uterusvorfall 141.
Verstauchung 144.
Verstopfung 318, 667.
Verweichlichung 41, 175.
Vesicantia 305, 309.
Veterinärtherapie 2.
Vicariirende Heilung 270.
Viehzucht 157.
Vis vitalis 355.
Vis naturae medicatrix 355.
Vitalismus 13.
Vlemingkx'sche Lösung 446.
Volta's Alternative 481.
Vollblütigkeit 519.
Vorbauung, im weiteren Sinne 165. — im engeren Sinne 167. — diätetische 169. — therapeutische 170. — thera­peutische bei Gesunden 170. — thera­peutische bei Kranken 171. — polizei­liche 171. — Objecte 172. — oausale 174. — gegen innere Ursachen 174. — gegen äussere Ursachen 177. — gegen Contagien 177. — gegen Miasmen 180. — gegen Erkältung 182. — gegen Parasiten 443.
Vorbauungscur 236.
Vorbauungsimpfung 401.
Vorbericht 185 ff.
Vorfall 127, 146. — des Uterus 141.
Vorhersage 205.
Vorsichtsmaassregeln, bei der Krankendiät 517.
V.
Vaccination 408, 409. Vagina, Vorfallreposition 141. Varicen 146, 494, 618. Vegetarierdiät 524. Venendruck, Minderung des 023. Veratrin, als Fiebermittel 579. — Herz­mittel 580. — Erregungsmittel 551.
—nbsp; nbsp;Hautreiz 309. — suboutan 343. —
—nbsp; verdauungshemmend 683. — Brech­mittel 663. — Expectorans 698. — Diaphoreticum 635.
Verbrennungen 509.
Verdauung, bei Krankheiton 516, 517. —
Aufgaben 652. — mangelhafte 653. —
bei Eeconvelesoenten 653. Verdauungsapparat, s. Verdauungsorgane. Verdauungsmittei 627. Verdauungsorgane, Selbstschutz 52.
—nbsp; Selbstheilung 124. — Methoden 651.
—nbsp; nbsp;allgemeine Therapie 683. — Unter­suchung 198. — Fremdkörper 683.
Verdauungsschwäche, bei der Fettsucht
537. Verdauungsstörungen, Therapie bei 683.
—nbsp; nbsp;Diät 519, 520. Verdauungsverraögen, bei Fieber 582. Verdickungen 477, 503, 623. Verdünnung, des Blutes durch den Ader-
lass 588. — der Arzneien 365, 366.
Verdunsturgskälte 475.
Verengerung der Gefasse 619. — durch Kälte 619. — durch Wasserentziehung 619. — durch Alkohol 619. — durch Seoale cornutura 719. — durch Bal­same 619. — directe 619. — durch centrale Reizung 619. — durch Reflexe 619.
Vererbung 17, 56.
Vergiftungen 344, 452, 453, 455, 457, 461, 462, 495, 533, 549, 657, 661, 667, 680.
Verhärtungen 477, 503.
Verjauchungen 628.
Verkalkung 85, 87.
Vermehrung, der Blutmenge, der rothen Blutkörperchen, des Fibrins durch die Transfusion 598.
Verrenkung 144.
TUT.
Wachsthum 42.
Walz'sche Lauge 446.
Wärme, Abgabe 42, 574. — Anwendung 468ff. — Aufspeicherung 42. — Be­ruhigungsmittel 561. — Bildung von 45, 56C, 574. — Coagulans 502. — Diaphoreticum 636. — bei Entzündun­gen 606. — feuchte 503. — Regulation 566 ff., 629. — Resorptionsraittel 627.
—nbsp; nbsp;Zuführung von 569. Waschungen, kalte 474.
Wasser, Abgabe 533ff. — als Abführ­mittel 677. — als Antisepticum 432.
—nbsp; nbsp;Aufnahme von 533 ff., 648. — Des-infectionsmittel 414, 626. —Diureticum 645. — Entziehung 496, 502, 522, 626. — Fiebermittel 575, 579. — heisses 308, 313, 478. — Inhalation 292, 701. — Injectionsmittel 345. — kaltes 472 ff — Zufuhr 626.
Wassersüchtige Zustände 120, 669. Wehen, zu starke 690. Wehenschwäche 485.
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724
Register.
Winde, Krankheitsursache 58.
Wirkung, kataphorisehe 483.
Wismuthsalze 681.
Wunden, Antisepsis 427. — Aetzung 325. — Behandlung 314, 47G. — Infection 145, 622. — Naturheilung 142. — Ee-sorptionsvermögen 331.
Wundkrankheiten 427.
Wundrothlauf 429.
Würmer, im Darracanale 667.
Wurmsamen 448.
X.
Xylotherapie 485, 551, 561.
X.
Zehrmittel 518.
Zellgewebsentzündungen 487.
Zersetzungen, im Verdauungscanale 429.quot; — im Eespirationsapparate 430. — im Gcnitalapparate 430. — im Harn­apparate 430
Zertheilung 117.
Zimmt, Abortivum 693. — Verdauung bessernd 654.
Zinksalze 323, 434, 663.
Zucker 324, 677, 679, 700.
Züchtung, von Mikroorganismen 394.
Zuführung, allgemeine 525.
Gedruckt bei L. Schiimncher in Berlin.
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