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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
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2911 496 8
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LEHRBUCH
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DER
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ALLGEMEINEN THERAPIE
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FÜR
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THIERÄRZTE.
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VON.
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Dr. med. EUGEN FROHNER,
PROFESSOR AN DER K. THIERÄRZTLICHEN HOCHSCHULE ZU BERLIN.
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STUTTGART.
VERLAG VON FERDINAND ENKE.
1893.
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Druck der L'iiiou Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart.
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Vorwort.
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JNachdem ich in besonderen Lehrbüchern die Pharmakologie einscbliesslich der Pharmakognosie und pharmaceutischen Chemie, die Arzneiverordnungslehre und die Toxikologie bearbeitet habe, blieb noch als letztes Pensum aus meinem engeren Lehrgebiete die Allgemeine Therapie übrig. Das vorliegende Buch soll sich den erstgenannten Werken als Ergänzungs- und Schlussband anschliessen.
Die Darstellung der Grundzüge der Allgemeinen Therapie wird immer eine heikle Aufgabe bleiben. Kein Gegenstand der Medicin ist einem so häufigen AVechsel unterworfen, wie die therapeutischen Methoden und Anschauungen. Insbesondere in unseren Tagen, wo sich auf dem Gebiete der Allgemeinen Pathologie grosse Wandlungen vollziehen, wo die bisherige absolute Herrschaft der Cellularpathologie durch die Serumtherapie einigennassen erschüttert ist und die alte Humoralpathologie wieder auf dem Plan erscheint, kann von einem endgiltigen Systeme der Allgemeinen Therapie nicht die Rede sein. Die Darstellung muss sich vielmehr darauf beschränken, den gegenwärtigen Stand derselben möglichst objectiv zu präcisiren. Es gilt dies namentlich von den beiden modernen Tagesfragen der allgemeinen Therapie, der Desinfection und der Impfung; aber auch mehrere andere Fragen, wie beispielsweise die Frage der anti-pyretischen, diuretischen, expectorirenden, cholagogen, ableitenden Wirkung, können zur Zeit noch nicht für völlig spruchreif erklärt werden. In allen diesen Punkten den richtigen Mittelweg zu finden, ist für den Bearbeiter nicht leicht. Wenn irgendwo die Versuchung naheliegt, eine extreme optimistische oder pessimistische Auffassung zu vertreten, so ist dies bei der Allgemeinen Therapie der Fall. Immerliin dürfte es in einem für Studirende und angehende Thier-ärzte bestimmten Lehrbuche empfehlenswerth sein, in Zweifelsfällen eher den positiven als den negativen Standpunkt einzunehmen. Die studirende Jugend von vornherein mit nihilistischen Anschauungen über die Wirksamkeit dieser oder jener Heilmethode zu erfüllen, erscheint mir viel bedenklicher, als wenn man in gutem Glauben an irgend ein Heilsystem dasselbe vielleicht in etwas zu optimistischem Lichte darstellt. In der Praxis lässt sich ja später Alles prüfen und das Beste
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IVnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Vorwort.
dann behalten. Schliesst aber der Praktiker aus einem schon von der Schule mitgebrachten Vorurtheil die eine oder andere Curmethode von dieser Prüfung aus, so muss nothwendig eine Einseitigkeit im therapeutischen Handeln die Folge sein.
Eine zweite Schwierigkeit bei der Abfassung eines Lehrbuches der Allgemeinen Therapie bildet die Fülle des Materials. Man hat hier zu wählen zwischen breiter, voluminöser Ausführung und kurzer, compendiöser Darstellung. Die Vorzüge und Schattenseiten beider Arten der Bearbeitung sind mir wohl bekannt. Ich habe mich indessen für eine möglichst kurze Diction unter anderem auch aus dem Grunde entschieden, weil wir in unserer thierärztlichen Literatur ein gross angelegtes therapeutisches Lehrbuch (Ellenberger) bereits besitzen, in welchem namentlich der Naturhilfe und der Geschichte der Therapie ein breiter Raum gewährt worden ist. Ich habe mich für meinen Theil auf die Darstellung der eigentlichen Kunsthilfe beschränkt.
Es sind noch einige Bemerkungen über die Beziehungen der thierärztlichen Heilmethoden zu denjenigen der humanen Medicin anzufügen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass wir in der Thier-heilkunde sehr viele, wenn nicht die meisten therapeutischen Gesichtspunkte aus der Menschenmedicin übernommen haben. Es darf aber auch nicht verkannt werden, dass es mehrere specifische thierärztliche Heilmethoden gibt, so z. B. die Anwendung der scharfen Einreibungen, des Brenneisens, der Milchmittel, der Ruminatoria, und dass manche Methoden in der Thierheilkunde in viel umfassenderer Weise angewandt werden, so z. B. Impfung und Desinfection. Auch zeigen, wie bekannt, die projdiylaktischen Methoden namentlich in Beziehung auf die Bekämpfung der Seuchen (Seuchengesetz) zur Zeit ein wesentlich höheres Entwicklungsstadiura auf dem Gebiete der Thierheilkunde, wie auf dem der Menschenmedicin, wo man in unseren Tagen erst mit den entsprechenden Vorbereitungen zur Ausarbeitung eines Seuchengesetzes beginnt. Andererseits können verschiedene in der menschenärztlichen Therapie hochentwickelte Heilmethoden für die Thierheilkunde eine praktische Bedeutung niemals erlangen, z. B. die Pneumo-therapie, Balneotherapie, Klimatotherapie, Mechanotherapie, Suggestivtherapie u. s. w. Wer sich für diese Gegenstände interessirt, muss auf die medicinischen Lehrbücher der Allgemeinen Therapie von Ziemssen, A. Hoffmann u. A. verwiesen werden.
Schliesslich bemerke ich zur Rechtfertigung der in dem Buche verschiedentlich angebrachten etymologischen Fussnoten, dass mir bei. der Fremdartigkeit vieler therapeutischer Bezeichnungen eine kurze sprachliche Aufklärung im Interesse der Studirenden nothwendig erschienen ist.
Berlin den 1. October 1892.
E. Fröhner.
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Inhaltsverzeichniss.
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Seite
Einleitung........................nbsp; nbsp;VII
Fiebermittel. Antipyretic.!..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
Nervenmittel. Neurotica. Nervina................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(3
1.nbsp; Erregende Nervenmittel. Excitantien........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8
2.nbsp; Beruhigemle Nervenmittel. Sedativa ........nbsp; nbsp; nbsp; 12
Verdauungsmittel. Digestiva...................nbsp; nbsp; nbsp; 16
1.nbsp; Magenmittel. Stomaohica............nbsp; nbsp; nbsp; 16
2.nbsp; Brechmittel. Emetica..............nbsp; nbsp; nbsp;20
3.nbsp; Abführmittel. Laxantia.............nbsp; nbsp; nbsp; 23
4.nbsp; Verstopfende Mittel. Styptica...........nbsp; nbsp; nbsp; 30
5.nbsp; Blähungstreibonde Mittel. Carminativa .......nbsp; nbsp; nbsp; 32
6.nbsp; Galletreibende Mittel. Cholagoga..........nbsp; nbsp; nbsp;33
Mittel für den Circulationsapparat...............nbsp; nbsp; nbsp;35
1.nbsp; Herzmittel. Cardiaca..............nbsp; nbsp; nbsp; 35
2.nbsp; Blutbildende Mittel. Blutplastica..........nbsp; nbsp; nbsp;37
8. Blutstillende Mittel. Hämostatiea .........nbsp; nbsp; nbsp;39
4.nbsp; (refässverengernde Mittel.............nbsp; nbsp; nbsp; 41
5.nbsp; Grefässerweiternde Mittel.............nbsp; nbsp; nbsp;42
6.nbsp; Resorbirende Mittel...............nbsp; nbsp; nbsp;42
tungenmittel. Expectorantien..................nbsp; nbsp; nbsp;46
Mierenmittel. Nephrioa. Renalia................nbsp; nbsp; nbsp; 50
1.nbsp; Harntreibende Mittel. Uiuretica..........nbsp; nbsp; nbsp; 50
2.nbsp; Die Harnsecretion vermindernde Mittel. Anuretica ...nbsp; nbsp; nbsp;53 Sexualmittel. Genica....................nbsp; nbsp; nbsp; 55
1.nbsp; Wehentreibende Mittel. Abortiva..........nbsp; nbsp; nbsp;55
2.nbsp; Geschlechtstrieb steigernde Mittel. Aphrodisiaca ....nbsp; nbsp; nbsp;57 8. Geschlechtstrieb herabsetzende Mittel. Anaphrodisiaca . .nbsp; nbsp; nbsp;58
4.nbsp; Milchmittel. Laetica..............nbsp; nbsp; nbsp; 58
5.nbsp; Milchvertreibende Mittel.............nbsp; nbsp; nbsp;63
Schweiss- und speicheltreibende Mittel..............nbsp; nbsp; nbsp;64
1.nbsp; Schweisstreibende Mittel. Diaphoretica........nbsp; nbsp; nbsp;64
2.nbsp; Speicheltreibende Mittel. Sialagoga.........nbsp; nbsp; nbsp;66
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Seite
Augenmittel. Ophthalmicanbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6S
1. Mydriatica. Pupillenerweitemde Mittel .......68
2. Myotica. Pupillenverengernde Mittel........(59
Reiz- und Aetzmittel. Acria und Caustica...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7q
1.nbsp; Reizmittel.'Acria..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^q
2.nbsp; Aetzmittel. Caustica...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;74
Adstringirende Mittel. Adstringentia.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 78
Antiparasitica. Parasitentödtende Mittel........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 81
1.nbsp; Aeusserliclie Antiparasitica. Antepizoa........nbsp; nbsp; nbsp; 81
2.nbsp; nbsp;Wurmmittel. Anthelmintliica.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; g4
Desinfectionsmittel. Antiseptica...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;87
I. lieber Dosiiifection im Allgemeinen.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 87
II. Die Seuchendesinfection im Einzelnen........nbsp; nbsp; nbsp; 99
III.nbsp; nbsp;Die Desinfection am lebenden Thierkörper.......nbsp; nbsp; 104
IV.nbsp; nbsp;Die Conservirunji' thierischer Produetc . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;106
Gegengifte. Antidote.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;112
Impfung. Inoculatio..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.,.
Allgemeines über Immimitiit, Mitigation, Methoden und
Zwecke der Impfung..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2 90
I. Die Scliutzimpfnng..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;*qo
II. Die Heilimpfung............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -,.*
III. Die diagnostische Impfung.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j-q
Diätetische Mittel. Diätetica ......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 14
1.nbsp; nbsp;Plastische Mittel, l'lastiea..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I54
2.nbsp; nbsp;Genussmittel. Koborantien............nbsp; nbsp; jgg
y. Entfettungsmittel. Antiplastica ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I57
Indifferente Mittel. Mechanica...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1(j0
1.nbsp; nbsp;Einhöllende, deckende Mittel........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;160
2.nbsp; nbsp;Erweichende Mittel..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;igi
8. Reinigende Mittel........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1(.lt;,,
Das Wasser als Heilmittel. Hydrotherapie . quot;nbsp; nbsp; ilaquo;!
Die Massage....... ...........nbsp; nbsp; nbsp; ^
Die Elektricität als Heilmittel. Elektrotherapie '.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,77
Die Luft als Heilmittel....... 'nbsp; nbsp; 181
Ruhe und Bewegung als Heilmittel . ......nbsp; nbsp; ,0,
Der Aderlass....... ...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; *
Das Brennen ...............nbsp; nbsp; 187
.....................nbsp; nbsp; 190-
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Einleitung.
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Die allgemeine Therapie stellt im Gegensatze zur specieilen Therapie und Pharmakologie, welche sich in detaillirter Weise mit der Wirkung und Anwendung der einzelnen Arzneimittel bei den einzelnen Krankheiten beschäftigen, zusammenfassende Gresichtspunkte bezüglich der Behandlung der Krankheiten im Allgemeinen und der Wirkung der Heilmittel im Grossen und Ganzen auf. Sie construirt aus der Summe der Einzelbeobachtungen gewisse allgemeine Regeln und Gesetze, nach welchen die Anwendung und Gruppirung der Heilmittel systematisch erfolgt. Diese übersichtliche Betrachtung der Heilmittel führt mithin zur Aufstellung sogenannter Heilmethoden. Die allgemeine Therapie kann daher auch deünirt werden als die Lehre von den Heilmethoden.
Die Zahl der einzelnen Heilmethoden ist von jeher eine grosse gewesen. Vom ganz allgemeinen Standpunkte aus hat man herkömmlich als besondere Heilmethoden unterschieden die directe, indirecte und ableitende, die locale und allgemeine, die causale, radicale und symptomatische, die empirische, statistische, rationelle und physiologische, die prophylaktische, expec-tative, abortive, vitale u. s. w. üeber Begriff und Bedeutung der im Vorstehenden erwähnten Methoden ist kurz Folgendes zu erwähnen:
1. Die directe Heilmethode richtet ihre Behandlung auf geradem, unmittelbarem Wege gegen die Krankheit. Ein directes therapeutisches Verfahren wird beispielsweise eingeschlagen bei der Anwendung der Antiseptica, Antiparasitica und Antidote, indem die betreffenden Bacterien. Parasiten und Gifte direct durch die genannten
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VIIInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einleitung.
Arzneimittel beeinflusst werden. Dasselbe gilt für die Anwendung der Aetzmittel und für viele therapeutische Operationen (Exstirpation von Tumoren etc.).
2.nbsp; Die indirecte Heilmethode bekämpft die Krankbeiten nicbt direct, sondern auf Umwegen durch die Vermittlung der Circulation und des Nervensystems. Sie wird daher wohl auch als allgemeine Methode bezeichnet. Hierher gehören die diätetischen Arzneistotfe. welche die Krankheit durch Vermittlung der Ernährung und des Stoffwechsels beeinflussen, die resorbirenden und ableitenden, welche sich zu demselben Zwecke der Circulation bedienen, die Hautreize, welche reflectorisch durch Vermittlung des Nervensystems auf entfernte Krankheitsprocesse einwirken. Die ebenfalls hierher gehörende ableitende Methode ist wohl auch als eine selbständige Heilmethode aufgestellt worden. Die ableitende Wirkung kann erzielt werden durch Hautreize, Abführmittel, Diuretica, Diaphoretica u. s. w. Im üebrigen ist die Wirkung der Heilmittel bei der überwiegenden Mehrzahl aller Krankheiten naturgemäss eine indirecte, weil denselben nur vereinzelt auf directem therapeutischen Wege beizukommen ist.
3.nbsp; Die causale Methode bekämpft nicht die Krankheit selbst, sondern ihre Ursachen, also z. B. bei den Infectionskrankheiten die Bacterien, bei den Vergiftungen das eingedrungene Gift. Insofern stimmt sie mit der directen Heilmethode überein. Bezüglich ihrer Würdigung muss bemerkt werden, dass eine Entfernung der Krankheitsursachen nur bei einer Minderzahl von Krankheiten möglich ist (chirurgisches Verfahren, Antisepsis, Antiparasitica, Antidote). Dazu kommt, dass auch nach der Entfernung der Ursachen die Krankheit häufig nicht sistirt, z. B. die rheumatischen Krankheiten nach der Entfernung des Kältereizes, und dass endlich bei einer grossen Anzahl Krankheiten die Ursachen bezw. Erreger entweder nicht zugänglich (Distomatose, Finnen) oder noch gar nicht bekannt sind.
4.nbsp; Die radicale Methode besteht im Ausrotten der Krankheit von der Wurzel (radix) aus, nicht bloss im Beseitigen nebensächlicher Störungen. Wie die Definition zeigt, hat die Radicalkur Verwandtschaft theils mit der causalen, theils mit der directen (localen) Heilmethode. Krebs oder Kropf können indirect oder allgemein durch die Vermittlung der Blutbahn mittelst Arsenik oder Jod behandelt werden. Die Radicalkur besteht in der operativen Entfernung derselben. In ähnücher Weise werden Hernien, Darmsteine, Blasen-
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Einleitung.
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IX
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steine etc. radical d. h. operativ behandelt. Selbstverständlich gibt es auch hier nur eine kleine Anzahl von Krankheiten, bei welchen durch eine Radicalkur vollständige Wiederherstellung erzielt werden kann.
5.nbsp; Die symptomatische oder palliative Methode richtet sich weder gegen die Ursachen der Krankheit noch gegen die Krankheit selbst, sondern lediglich gegen die Krankheitssymptome. Sie behandelt also beispielsweise bei den Infectionskrankheiten das Fieber, bei Lungenentzündung den Husten, bei Magenkatarrhen das Erbrechen, bei Darmkatarrhen den Durchfall, bei Darmentzündungen die Colik, bei Gehirnkrankheiten die Krämpfe, hei Lahmheiten die Schmerzen (Neurotomie) u. s. w. Die praktische Erfahrung lehrt, dass sich die Therapie vielfach, ja in der überwiegenden Mehrzahl der Krankheitsfälle auf diese Methode beschränken muss.
6.nbsp; nbsp;Die rationelle oder physiologische Methode stützt sich .auf die wissenschaftlichen Beobachtungen und experimentellen Forschungen über die Ursachen, das Wesen und die Pathogenese der Krankheiten, sowie über die Wirkungen der Arzneimittel. Der Therapeut sucht sich bei derselben die Wirkung seiner Mittel auf Grund des jeweiligen Standes der Heilkunde wissenschaftlich zu erklären. Er behandelt also z.B. die Entzündung oder das Fieber, weil sie durch die Einwirkung von Mikroorganismen verursacht werden, mit antiseptischen Mitteln, die Krankheiten des Herzens mit Arzneimitteln, -deren physiologische bezw. pharmakologische Wirkung auf das Herz genau untersucht ist (Digitalis) u. s. w.
7.nbsp; Die empirische Heilmethode ist im Gegensatze zur rationellen lediglich auf die praktische Erfahrung begründet, ohne dass hierbei das Wesen der Krankheit in Verbindung mit der AVirkung #9632;des Arzneimittels gebracht wird. Hierher gehört z. B. die früher übliche Anwendung des Salpeters, Calomels, Aderlasses und anderer sogen. Antiphlogistica bei den Entzündungskrankheiten. Es unterliegt sicherlich keinem Zweifel, dass die wissenschaftliche Heilkunde bestrebt sein muss, die rationellen Methoden mehr und mehr zu pflegen und die empirischen zu unterdrücken. Die rationelle Methode ist ge-wissermassen etwas Selbstverständliches. Es darf aber auch nicht verschwiegen werden, dass unsere Kenntnisse über das Wesen der Krankheiten und die Wirkung der Arzneimittel noch nicht so vervollkommnet sind, dass wir der empirischen Methode ganz entbehren können.
8.nbsp; nbsp;Die statistische Heilmethode ist gewissermassen eine Unter-
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Einleitung'.
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abtheilung der empirischen-, sie stützt sich auf den zahlenmässigen Nachweis der AVirksamkeit eines Mittels bezw. einer Kur.
9.nbsp; nbsp;Die e x s p e c t a t i v e oder abwartende Methode überläset es der Heilkraft der Natur, der Krankheit Herr zu werden, und greift erst dann medicamentös ein, wenn die Selbstregulirung des Körpers nicht mehr functionirt. Sie fällt zum Theil mit der diätetischen Methode zusammen und wird in der neueren Zeit mit Recht mehr als früher geübt. Insbesondere bei den typisch verlaufenden Infections-krankheiten (Influenza, Brustseuche etc.) ist nach der gegenwärtigen Auffassung ein therapeutisches Eingreifen erst dann angezeigt, wenn gewisse nicht zum normalen Verlaufe gehörige Complicationen, z. B. sehr hohes Fieber. Herzschwäche, Durchfall etc. hinzutreten. Aehn-liches gilt für leichtere Fälle von Colik, Magenkatarrh, Darm-katarrb u. s. w.
10.nbsp; nbsp;Die prophylaktische Methode ist streng genommen keine Heilmethode, sondern nur ein Yorbauungs-Verfahren gegen das Auftreten und die Weiterverbreitung einer Krankheit bei vorerst nocli gesunden Thieren. Nichtsdestoweniger ist sie von der grössten Bedeutung. Sie besteht in der Anwendung der Hygieine. Diätetik, Desinfection, Impfung und polizeilichen Bekämpfung der Krankheiten.
11.nbsp; Die abortive Methode bekämpft (coupirtquot;) die im Entstehen begriffene Krankheit, nachdem der Körper nicht mehr gesund, sondern soeben erkrankt ist. Eine abortive Wirkung scheinen z. B. Brechmittel und Calomel bei gewissen Infectionskrankheiten (Hundestaupe, Schweinerothlauf) zu besitzen, indem sie die Infectionserreger von vornherein aus dem Körper wieder entfernen. Auch bei Vergiftungen kann in diesem Sinne von einer Abortivkur gesprochen werden. Dasselbe gilt vom Aderlass bei Hufrehe, Gehirn- und Lungencongestionen. Im Allgemeinen aber ist der Erfolg bei Anwendung dieser Methode kein sehr bedeutender.
12.nbsp; Die vitale Methode (Vitalkur, Indicatio vitalis) endlich hat die Erhaltung des im Verlaufe einer Krankheit plötzlich bedrohten Lebens zur Aufgabe, ist also eigentlich eine symptomatische Methode (Tracheotomie bei Pharyngitis, Function der Brusthöhle, Bauchhöhle, des Pansens, Darmes etc. bei lebensgefährlicher Ansammlung von Flüssigkeiten bezw. Gasen in denselben).
Wollte man den Versuch machen, der Bearbeitung des therapeutischen Materials die Eintheilung in obige Heilmethoden zu Grunde zu legen, so würde man eine äusserst complicirte Darstellung be-
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Kinleituno-.
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XI
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kommen. Auf der einen Seite wären directe, causale, radicale, locale Heilmethode, auf der andern indirecte, symptomatisclie, exspectative, a])leitende, allgemeine, vitale Methode vielfach übereinstimmend und in einander übergreifend, so dass zahlreiche Wiederholungen unvermeidlich wären. Es empfiehlt sich daher eine andere Ein-theilung des Stoffs der allgemeinen Therapie. Für die Praxis wie für das Studium ist es am vortheilhaftesten, die Heilmittel in grössere Gruppen mit gleicher oder ähnlicher quot;Wirkung einzutheilen und ihre allgemeine Wirkungsweise, die allgemeinen Indicationen ihrer Anwendung sowie etwaige Contraindicationen in übersichtlicher, zusammenfassender Weise darzulegen. Auf Grund dieser Erwägung ergibt sich für die Anordnung des Materials die nachfolgende Disposition :
1.nbsp; Fiebermittel.
2.nbsp; Nervenmittel.
3.nbsp; Magenmittel.
4.nbsp; Brechmittel.
5.nbsp; Abführmittel. 0. Styptica.
7.nbsp; Carminativa.
8.nbsp; Cholagoga.
9.nbsp; Cardiaca.
10.nbsp; Blutplastica.
11.nbsp; Hämostatica.
12.nbsp; Gefässverengernde und erweiternde Mittel.
13.nbsp; Resorbirende Mittel.
14.nbsp; Expectorantien.
15.nbsp; Diuretica.
16.nbsp; Abortiva.
17.nbsp; Aphrodisiaca und Anaphrodisiaca.
18.nbsp; Lactica und Alactica.
19.nbsp; Diaphoretica und Sialagoga.
20.nbsp; Mydriatrica und Myotica.
21.nbsp; Acria und Oaustica.
22.nbsp; Adstringentia (Desinfection).
23.nbsp; Antiparasitica.
24.nbsp; Antiseptica.
25.nbsp; Antidota. 2(3. Impfung.. 27. Diätetica.
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XII
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Einleitung.
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28.nbsp; Indifferente Mittel.
29.nbsp; Hydrotherapie.
30.nbsp; Massage.
31.nbsp; Elektrotherapie.
32.nbsp; Luft, Ruhe und Bewegunj
33.nbsp; Aderlass.
34.nbsp; Brennen.
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Fiebermittel. Antipyretica1).
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Synouyina: Antifebrilia2), Antithermica3), Febrifuga4), AntitypioaB), Anti-typosa, Antiperiodica6); fieberwidrige Mittel.
Wesen des Fiebers. Das Fieber stellt einen Symp to men-complex dar, welcher sich im Wesentlichen aus einer Steigerung der Körpertemperatur und des Pulses, aus Störungen seitens des Gehirns, Herzens und Yerdauungscanals, sowie aus einer Erhöbung des Stoffwechsels zusammensetzt. Die letztere äussert sich in einer vermehrten Ausscheidung des Harnstoffs, der Harnsäure, Phosphorsäure, Schwefelsäure etc. im Harn, sowie der Kohlensäure durch die Lunge. Das eigentüche Wesen des Fiebers ist zur Zeit noch nicht mit Sicherheit erkannt. Es ist aber wahrscheinlich, dass man es meist mit einer durch Aufnahme von Infectionsstoffen ins Blut bedingten Störung der Wärmecirculation zu thun hat, welcher eine krankhafte Erregung des im Gehirn gelegenen Wärmecentrums zu Grunde liegt.
Ueber den Sitz und die Function dieses Wärmecentrums (thermisches, calorigenes Centrum) haben neuere experimentelle Untersuchungen ergeben, dass dasselbe im Corpus striatum liegt und aus zwei Theilen besteht, einem hinteren, dem eigentlichen wärmeprodu-cirenden Theile, dessen Erregung eine Steigerung, dessen Hemmung ein Sinken der Körpertemperatur verursacht, sowie einem mit den vasomotorischen Nerven der Hautgefässe in Verbindung stehenden vorderen Theil, dessen Erregung eine Contraction der Hautgefässe mit verminderter Wärmeabgabe durch die Haut, und dessen Lähmung
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1)nbsp; nbsp;ftvT'!, gegen; icup Feuer, nüpss;?, Fieber, ku!)j33ugt;. Fiebern.
2)nbsp; ävt;, gegen; febris, Fieber.
3)nbsp; nbsp;avzi, gegen; fl-spixö?, heiss, 0-spji.ov, Hitze.
4)nbsp; febris, Fieber; fugare, vertreiben.
^ u. 6) icvxE, gegen; Typosen hiessen früher die typischquot; oder periodischquot; verlaufenden intermittirenden Fieber der Malaria.
Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
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Fiebermittel.
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umgekehrt eine Erweiterung der Hautgefässe und dadurch Steigerung der quot;Warmeahgahe durch die Haut zur Folge hat. Sticht man nach vorausgegangener Trepanation hei einem Hunde an der Vereinigungsstelle der Pfeil- und Kronennaht eine Nadel durch das Corpus striatum bis zur Schädelbasis, so steigt die Körpertemperatur schon nach einigen Minuten um 230 und bleibt mehrere Tage auf dieser Höhe (Wärmestich nach Aronsohn); gleichzeitig ist die Ausscheidung des Harnstoffs und der Harnsäure im Harn vermehrt. Durchschneidet man den Hirnstamm hinter dem Corpus striatum, so fällt sowohl die Innentemperatur als auch die Temperatur der äusseren Haut innerhalb weniger Stunden auf 2527quot;. quot;Werden einem gesunden Thiere jauchige Massen ins Blut gespritzt, so steigt unter allgemeinem Muskelzittern die Temperatur nach 12 Stunden um über einen Grad. Schneidet man aber den Himstamm hinter dem Corpus striatum quer durch, so erfolgt auf die Injection jauchiger Massen zwar Muskel-zittem, aber keine Temperatursteigerung, vielmehr ein starkes Sinken der Innentemperatur. Diese Ergehnisse der Experimentalphysiologie sind für das Verständniss der antipyretischen Wirkung von grosser Bedeutung.
Wirkungsweise der Fiebermittel. Die temperaturherabsetzende Wirkung der Fiebermittel kommt auf sehr mannigfaltige Art zu Stande. Die meisten Antipyretica wirken nicht einfach, sondern in sehr com-plicirter Weise auf das Fieber ein. Im Allgemeinen lassen nach der Art ihrer Wirkung sich die nachfolgenden Gruppen von Fiebermitteln unterscheiden.
1. Lähmend auf das im Fieber gereizte Wärmecentrum im Gehirn und dadurch temperaturherabsetzend scheinen vorwiegend die neueren Antipyretica zu wirken: Antipyrin, Antifebrin, Thallin, Phenacetin, Hydracetin, Kairin u. a. Darnach sind die neueren Fiebermittel als Narcotica für das Wärmecentrum aufzufassen. Mit dieser Eigenschaft stimmt die Thatsache üherein, dass Antijjyrin, Phenacetin u. s. w. auch auf andere nervöse Organe eine narkotisirende Wirkung ausüben und namentlich mit Erfolg gegen Neuralgien sowie zur localen Narkose angewandt werden. Die bei den obigen Mitteln im Gegensatze zu andern Antipyreticis ausserordentlich rasch, schon nach 1020 Minuten eintretende temperaturerniedrigende Wirkung lässt sich überhaupt nur durch die Annahme einer prompt functio-nirenden, wärmeregulirenden Centralstelle erklären. Bei der wesentlich anders wirkenden Digitalis vergehen bis zum Eintreten der Temperatur-abnahme 1824 Stunden. Die Einwirkung der neueren Fiebermittel
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Fiebermittel.
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auf das calorigene Centrum lässt sich auch experimentell darthun. Bei septisch inficil'ten hebernden Thieren setzt das Antipyrin das rieber sofort herab, solange das Wärmecentrum erhalten ist. Durchschneidet man jedoch den Himstamm hinter dem Corpus striatum, so zeigt es sich, dass das Antipyrin hierdurch seinen Einfluss auf die Körpertemperatur verloren hat.
2.nbsp; Durch Steigerung der Wärmeabgabe seitens der Haut wirken abkühlend auf den Körper diejenigen Fiebermittel, welche in Folge Erregung des Vaguscentrums den Blutdruck steigern und dann unter Regulirung der Blutvertheilung das Blut aus dem Centrum des Körpers in die Peripherie hinausschaffen, wo es seine Wärme besser an die umgebende Luft abgeben kann. Derselbe Effect wird durch solche Mittel erzielt, welche auf vasomotorischem Wege die Blutgefässe der Haut erweitern (Lähmung des vasomotorischen Centrums). Zu den blutdrucksteigernden Fiebermitteln gehört vor Allem die Digitalis, Strophanthus, Scilla, Sparte'in, Aconitin u. a. Durch Erweiterung der Blutgefässe der Haut wirken zum Theil auch fieberwidrig der Alkohol und die neueren Antipyretica, insofern dieselben den vorderen Theil des calorigenen Centrums (vasomotorische Ganglienzellen für die Hautgefässe) lähmen.
3.nbsp; Durch Beschränkung des Stoffwechsels und zwar theils durch Behinderung der Sauerstoffübertragung von den rothen Blutkörperchen an die Gewebe (innere Athmung), theils durch Herabsetzung der Oxydationsvorgänge in den Zellen der Gewebe selbst wirken antipyretisch die Blausäure, der Alkohol, das Chinin u. a. Auch die Säuren wirken dadurch fieberwidrig, dass sie die Alkales-cenz und damit die Oxydationsfähigkeit des Blutes herabsetzen.
4.nbsp; Durch Hemmung und Vernichtung der fiebererregenden Mikroorganismen wirken antipyretisch der Camjjher, die Salicylsäure, das Chinin, der Alkohol, der Arsenik und vielleicht auch ein Theil der neueren Fiebermittel (Thaliin, Antipyrin).
Als eine Eigenthümlichkeit fast aller Fiebermittel ist hervorzuheben, dass sie gewöhnlich nur die fieberhaft gesteigerte Temperatur kranker Thiere, nicht aber die normale Körperwärme gesunder Thiere herabsetzen. Bei den nach Art der Antiseptica wirkenden Antipyretica erklärt sich diese Erscheinung sehr leicht dadurch, dass im gesunden Organismus keine Mikroorganismen zu vernichten sind, die Fiebermittel mithin nicht in Thätigkeit treten können. Die nach Art der cerebralen Sedativa wirkenden neueren Fiebermittel üben ferner auf das durch das Fieber gereizte AVärmecentrum einen wesentlich
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Fiebermittel.
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stärkeren narkotischen Einfluss aus, als auf das intakte Wärmecentrum. Dass im Uebrigen auch bei nicht fiebernden Thieren die Temperatur durch stoffwechselherabsetzende Fiebermittel erniedrigt werden kann, zeigen die Versuche mit grösseren Dosen von Alkohol. In einzelnen Fällen hat man auch nach der Anwendung von T'nallin und anderen neueren Fiebermitteln ein Sinken der normalen Temperatur beobachtet.
Anwendung der Fiebermittel. Die moderne Fiebertherapie ist im Gegensatze zu der früheren Behandlungsweise des Fiebers eine ganz wesentlich andere geworden. quot;Während man früher im Besitze schwach und langsam wirkender Arzneimittel jede fieberhafte Temperatursteigerung von vornherein zu bekämpfen suchte und ein und dasselbe Fiebermittel gegen alle Arten von fieberhaften Krankheiten zur Anwendung brachte, gelten heutzutage folgende Hauptgrundsätze für die gesammte Antipyrese: 1. Das Fieber an und für sich soll in der Regel nicht bekämpft werden. Das Fieber stellt nämlich eine Schutzreaction des Körpers gegen die eingedrungenen Krankheitserreger dar, welche durch die erhöhte Körpertemperatur schliesslich unschädlich gemacht werden, wie dies namentlich beim quot;Wechselfieber zu beobachten ist. Fiebermittel mit reizender Nebenwirkung auf den Magen oder Darm etc. können sogar direct dadurch schädlich werden, dass sie die Verdauung stören oder den Gesammt-organismus auf andere Weise schwächen. Dazu kommt, dass sich die typisch verlaufenden Fieber mancher acuter Infectionskrankheiten durch Antipyretica häufig überhaupt nicht beeinflussen lassen. 2. Das Fieber soll nur dann bekämpft werden, wenn es durch seine Höhe oder durch seine lange Dauer Gefahren für wichtige Körperorgane, so namentlich für Gehirn und Herz, in Form von Zellendegeneration befürchten lässt. Dieser Satz ist besonders für die acuten Infectionskrankheiten von Belang. Das Fieber der Druse, Brustseuche, Staupe der Hunde etc. kann so lange un-behandelt bleiben, als es von seinem typischen Verlaufe nicht abweicht. Nur dann, wenn es zu Herzschwäche, schwerer Gehirndepression etc. führt, oder wenn excessive Temperaturgrade sowie anhaltende Tem-peraturmaxima vorliegen, muss medicamentös dagegen eingeschritten werden. 3. Man suche womöglich nach Specialmitteln für die einzelnen Fieber. In dieser Beziehung steht die Fiebertherapie zur Zeit allerdings noch sehr in den Anfängen. Immerhin besitzt dieselbe einige sehr werthvolle Specialmittel. Die wichtigsten sind der Campher und Alkohol gegen septisches und pyämisches
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Fiebermittel.
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Fieber, die Salicylsäure und ihre Präparate sowie das Antipyrin gegen rheumatische Fieber, das Chinin und der Arsenik gegen Wechselfieber.
Fiebermittel. 1. Antipyrin. Gebräuchlichstes und bestes neues Fiebermittel. Specificum gegen Muskel- und Gelenkrheumatismus. Dosis für Pferde und Rinder 1525,0, grosse Hunde 24,0, kleine Hunde 0,51,0, Katzen 0,20,5.
2.nbsp; Antifebrin. Billigstes und stärkstes neues Fiebermittel. Dosis für Pferde und Rinder 1020,0, für Hunde 0,251,0.
3.nbsp; Thaliin. Gutes neues Fiebermittel. Dosis = Antifebrin.
#9632;i. Phenaeetin. Sehr empfehlenswerthes neues Fiebermittel. Dosis = Antifebrin.
5.nbsp; Campher. Speeifisches Fiebermittel für septische und mit Herzschwäche verlaufende Fieber. Dosis für Pferde 515,0, Hunde 0,52,0.
6.nbsp; Digitalis. Vorzügliches Antipyreticum für schwere, mit Herzschwäche verlaufende Infectionsfieber (Brustseuche etc.). Einmalige Dosis für Pferd und Rind 1012,0, Hunde 0,20,5.
7.nbsp; Salicylsäure. Specificum gegen acuten Muskel- und Gelenkrheumatismus. Gutes Antipyreticum mit Ausnahme der septischen und pyämischen Fieber. Dosis der Salicylsäure und des salicylsauren Natriums: Pferde und Rinder 2575,0, Schweine 25,0, Hunde 0,252,0.
8.nbsp; Alkohol. Werthvolles Antipyreticum bei vielen Fiebern, namentlich auch bei septischen und pyämischen. Gleichzeitig Excitans für Gehirn und Herz, sowie Sparmittel. Dosis des Spiritus rectificatissimus für fiebernde Pferde und Rinder zweistündlich 100200,0, Schafe, Ziegen und Schweine 25100,0, Hunde 2550,0, Katzen 25,0. Dosis des Branntweins das Doppelte und Dreifache.
9.nbsp; nbsp;Chinin. Antipyreticum für septische und pyämische Fieber. Specificum gegen Wechselfieber. Bei Brustseuche, Influenza, Staupe der Hunde, Gelenkrheumatismus u. s. w. unzuverlässig. Dosis des salzsauren Chinins für Pferde und Rinder 1025,0, Hunde 0,251,0.
10.nbsp; nbsp;Blausäure. Seit Einführung der neuen Fiebermittel selten benützes Antipyreticum. Dosis des Bittermandelwassers für Pferde und Rinder 50,0, Hunde 0,53,0.
Von sonstigen die Fiebertemperatur herabsetzenden Mitteln sind zu nennen: Aconitin, Arsenik, Kälte in Form von kalten Bädern, Wicklungen, Berieselungen, kalten Infusionen in den Mastdarm,ableitende Mittel auf die Haut (Senföl), Abführmittel, besonders Calomel, Mittelsalze und Brechweinstein, sowie als früher benutztes Mittel der Aderlass.
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Nervenmittel. Neurotica1). Nervina-)
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Eintheilung. Die bei Nervenkrankheiten angewandten Arzneimittel, die Nervenmittel, lassen sich sowohl nach dem Ort, als nach der Art ihrer Wirkung eintheilen. Nach dem Ort der Wirkung unterscheidet man Gehirnmittel (Cerehralia, Encephalica), Rückenmarksmittel (Spinalia) und jjeriphere Nervenmittel (Nervina peri2)herica). Neben diesem anatomischen ist das physiologische Ein-theilungsprincip von besonderer praktischer Bedeutung für die Therapie; man unterscheidet nämlich nach der Art der Wirkung erregende (Excitantien) und beruhigende Nervenmittel (Seclativa). Endlich kann man auch eine Combination beider Eintheilungsmethoden vornehmen. Darnach hat man folgende Unterabtheilungen der Nervenmittel aufgestellt:
I. Cerehralia. Dieselben werden wieder eingetheilt in Mittel, welche auf das Grosshirn, auf die Medulla oblongata und auf die 12 Gehirnnerven wirken. Die Arzneimittel, welche zum Kleinhirn Beziehung haben, z. B. Alkohol, Extractum Filicis u. a., sind nach dieser Richtung ohne besondere praktische Bedeutung.
1. Die G r o s s h i rn-Mittel zerfallen je nach der genauem Localisirung und je nach der Art ihrer Wirkung in folgende Gruppen:
a)nbsp; Excitantien für die psychischen Centren: Alkohol, Aether, Coffein, Nicotin, Coca'in;
b)nbsp; Excitantien für die motorischen Centren: Atropin, Campher, Pikrotoxin, Bleisalze u. s. w.;
c)nbsp; Sedativa für beide Centren: Bromkalium, Chloralhydrat u. s. w.;
d)nbsp; Schlafmittel (Hypnotica): Morphium, Sulfonal u. s. w.;
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') vsupov, Sehne, Nerv. 2) nervus, Nerv.
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Nervenmittel.
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e) Narcotica und Anästhetica im engern Sinne: Chloroform, Aether u. s. w.;
2.nbsp; Für die Medulla oblongata kommen in Betracht:
a)nbsp; Exeitantien im Allgemeinen: Veratrin. Atropin,Hyoscin. Coffem, Strychnin, Nicotin, Campher, Ammonium salze, Akonit, Eserin, Muscarin, Colchicin, Saponin, Pyridin-basen u. s. w.;
b)nbsp; nbsp;Sedantien im Allgemeinen: Morphium, Bromkalium, Chloralhydrat u. s. \v.;
c)nbsp; Excitantien für das Athmungscentrum: Blausäure, Strychnin, Atropin;
d)nbsp; Excitantien für das vasomotorische Centrum: Seeale, Veratrin;
e)nbsp; Excitantien für das Vaguscen trum: Digitalis, Stroph-anthus u. s. w.;
f)nbsp; Excitantien für das B rech cent rum: Apomorpbin, Emetin u. s. w.
3.nbsp; Specifica für die Gehirnnerven sind:
a)nbsp; für den Olfactorius: Strychnin und Morphium;
b)nbsp; für den O p t i c u s: Strychnin, Santonin, Extractum Eilicis, Amylnitrit;
c)nbsp; für den Ocalomotorius: die Mydriatica Atrojiin,Hyoscin, Hyoscyamin, Duboisin; und die Myotica Eserin, Pilocarpin, Nicotin und Muscarin;
d)nbsp; für den Trigeminus: Strychnin, Aconitin, Cocain;
e)nbsp; für den Facialis: Strychnin, Digitalis, Eserin, Nicotin;
f)nbsp; für den Acusticus: Chinin, Salicylsäiire, Cannabis;
g)nbsp; für den Glossopharyngeus: Apomorphin, Atropin, Bromkalium, Coca'in;
h) für den Vagus: Atropin, Hyoscin, die Digitalisgruppe,
Strychnin, Veratrin; i) für den Hypoglossus: Strychnin. Ausserdem sind für den Sympathie us: Atropin, Seeale, Amylnitrit u. s. w., und für den Splanchnicus: Atropin und Morphin Specifica.
II. Spinalla. Dieselben werden je nach der Wirkung einge-theilt in:
a) Tetanica: Strychnin, Brucin, Thebain, Mkotin, Ammoniumsalze, Calabarin, Cornutin (Lendenmark);
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Excitantien.
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b) Sedativa: Blausäure, Morphin, Bromkalium, Chloral-hydrat, Zink-, Silber-, Antimon-, Arsensalze. III. Peripherica. Je nach der Function der peripheren Nerven theilt man sie ein in:
a)nbsp; Motorische Excitantien: Campher, Nicotin, Eserin, Pyridin, Guanidin;
b)nbsp; motorische Sedantien: Curare, Coniin, Trimethylam-monium;
c)nbsp; sensible Excitantien: Veratrin, Aconitin, hautreizende Mittel;
d)nbsp; sensible Sedantien: Morphium, Blausäure und die localen Anästhetica Cocain, Antipyrin, Menthol, Aether u. s. w.
Für die Zwecke der allgemeinen Therapie empfiehlt sich eine möglichst einfache Eintheilung der Nervenmittel in erregende und beruhigende. Die AVirkungsweise beider besteht in einer speci-fischen Veränderung des Nerveneiweisses, namentlich in der Bildung von Doppelverbindungen, so z. B. von Morphin-Albuminat, Strychnin-Albuminat, Brom-Albuminat, Silber-Albuminat. Die einen dieser Verbindungen sind schwerer erregbar (Morphium-Albuminat), die andern leichter (Strychnin-Albuminat), als das gewöhnliche Nerven-Albuminat. Zum Theile wirken wohl auch Veränderungen des Blutes und der Blutvertheilung mit.
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1. Erregende Nervenmittel. Excitantien1).
Synonyma: Analeptica2), Stimulantia3), Enphorica4), Exhilarantia5), Te-tanica6), Spasmodica'), Spinantia8), Hyperkinetica9), Epileptifaoientia10), Anti-paralyticau); excitirende, reizende, stärkende, belebende Mittel.
Anwendung. Die erregenden Nervenmittel dienen zur Behandlung der allerverschiedensten mit Schwäche oder Lähmung einhergehenden Krankeitszustände des Nerven- und Muskelsystems im
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') excitare, erregen, reizen.
-) ecvaXaußdvttv, wiederaufrichten.
*) stimulare, reizen, spornen.
4)nbsp; nbsp;sü'fopia, Wohlbefinden; sh, wohl, #9632;siptiv, führen, sich befinden.
5)nbsp; exhilarare, aufheitern.
c) Tstavo;, Spannung; tetanus, Starrkrampf.
') s-aGjAoc, Zuckung, Krampf.
s) spina, Dorn, Rückgrat, Rückenmark.
9) 'jx'zp, über; xCvest;, Bewegung; amp;it8piiiVEeis, vermehrte Leistung. 10) Epilepsie, Fallsucht; facere, erzeugen. 1') avTt, gegen; RapäXos:;, Lähmung, Aufhebung (Xuoj) des Xerveneinflusses.
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Excitantieii.
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Allgemeinen oder einzelner Theile desselben: des Gehirns, Rückenmarks, der peripheren Nerven und des Sympathicus; ferner der Skelet-musculatur, des Herzens, der Darmmusculatur etc. Die wichtigsten dieser Krankheiten sind:
1.nbsp; Psychische Depressionszustände im Verlaufe schwerer fieberhafter Krankheiten, so z. B. bei der Influenza und Brustseuche der Pferde, bei der Staupe der Hunde, beim Milzbrand des Rindes, bei der Rothlaufseuche der Schweine, beim Geflügeltyphoid, bei septischen und pyämischen Erkrankungen u. s. w.
2.nbsp; nbsp;Allgemeine Schwächezustände im Verlaufe acuter und chronischer Krankheiten, so z. B. beim paralytischen Kalbefieber (Gebärparese) des Rindes, bei Anämie, Leukämie, nach schweren Geburten, nacli Ueberanstrengungen, nach inneren und äusseren Blutverlusten, beim Sinken der Körpertemperatur u. s. w.
3.nbsp; nbsp;Herzschwäche im Verlaufe von Infectionskrankheiten, z. B. Brustseuche.
4.nbsp; nbsp;Gehirnkrankheiten im Stadium der Depression: passive Gehirnhyperämie, acute und subacute Gehirnentzündung, chronischer Hydrocephalus, Gehimanämie, Schwindel, Ohnmacht, Gehirnapoplexie, cerebrale Lähmungen.
5.nbsp; nbsp;Paresen und Paralysen der Gehirnnerven. Es kommen hier namentlich die beginnenden Lähmungszustände des Nervus opticus (Amblyopie und Amaurosis), des Recurrens (Kehlkopfpfeifen beim Pferd), des Facialis (Lähmung der Unterlippe), des Trige-minus (Lähmung der Kaumuskeln) und Hypoglossus (Lähmung der Zunge) in Betracht.
G. Spinale Lähmungen. Hierher gehören die verschiedenen Formen der Kreuzschwäche, Myelitis und Meningitis spinalis, Erschütterungen, Blutungen, traumatische Affectionen des Rückenmarks, Lähmungszustände der Hinterhand, Lähmung der Blase, des Mastdarms, des Penis, des Schweifes u. s. w. Von Infectionskrankheiten, welche sich ebenfalls mit spinalen Lähmungen compliciren können, sind zu nennen die Staupe der Hunde, die Brustseuche, die Beschälseuche, die Traberkrankheit.
7.nbsp; Muskellähmungen. Dieselben werden hauptsächlich beim Pferde im Verlaufe der rheumatischen Hämoglobinämie, hei Muskelrheumatismus sowie bei einigen Vergiftungen (Blei) beobachtet.
8.nbsp; Lähmungen peripherer Nerven. Von solchen sind zu nennen Lähmungen des Nervus radials, tibialis, ischiadicus^ cruralis und suprascapularis.
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I II
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Excitantien.
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9.nbsp; nbsp;Lähmungszustände im Bereiche des Sympathicus. Hierher gehören namentlich die Paresen der Muskelwandungen des Pansens bei den Wiederkäuern und des Darmcanals beim Pferde.
10.nbsp; nbsp;Vergiftungen. Bei den meisten Vergiftungen ist die Anwendung von Excitantien nothwendig, da sich in den späteren Stadien derselben gewöhnlich Lähmungserscheinungen einstellen, welche symptomatisch behandelt werden müssen. Es mögen hier besonders erwähnt werden die Vergiftungen mit Phosphor, Arsenik, Quecksilber, Blei, Zink, Kupfer, Antimon, Aetzmitteln, Carbolsäure, Alkohol. Chloroform, Colchicum, Ofüum und Morphium, Papaver Rhöas, Rade, Kichererbsen, Taxus, Digitalis, Aloe, Crotonöl, Lupinen, Equisetum, Canthariden, Pilzen, Ptomainen, Schlangenbissen u. s. w.
Arzneimittel. Die in der thierärztlichen Praxis am häufigsten gebrauchten Excitantien sind theils Alkaloide, und zwar sind dies immer die stärksten Erregungsmittel, theils alkoholische und ätherartige Mittel, theils ätherische Oele, theils anorganische Verbindungen. Die wichtigsten derselben sind in gradueller Ordnung folgende:
1.nbsp; Strychnin, Hauptmittel gegen spinale und cerebrale motorische Lähmungen, Paresen und Paralysen der Nachhand, Lähmung des Eeeurrens (Kehlkopfspfeifen), Lähmung der Blase und des Mastdarms, Amblyopie und Amaurose, Bleilähmung, Chloroform-, Chloralhy drat- und andere narkotische Vergiftungen. Die Dosis des Strychninum nitricum innerlich und subcutan (nicht intra-tracheal!) beträgt ein Zehntel Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, mithin für Pferde 0,050,1, Rinder 0,050,15, Schafe und Ziegen 0,005, Schweine 0,0020,005, Hunde 0,0010,003. Katzen 0,0050.001, Geflügel 0,00020,0005.
2.nbsp; Veratrin, Hauptmittel gegen Ermüdungs- und Lähmungs-zustände der quergestreiften und glatten Kör per muskulatur sowie sehr starkes Excitans für das gesammte Nervensystem. Hauptdomäne ist die Bujatrik, wo es namentlich gegen Gebärparese, Festliegen vor der Geburt, starke Erschöpfung nach Geburten, sowie gegen AtoniederPansenmuskulatur angewandt wird. Ausser-dem ist es ein viel benutztes Mittel gegen Herzschwäche und Co 11 aps-zustände, insbesondere im Verlaufe narkotischer Vergiftungen. Die subcutane Dosis des Veratrins (spirituöse Lösung!) beträgt für Pferde und Rinder 0,050,2, Schafe und Ziegen 0,010.02, Hunde 0,0010,005, Katzen 0,001.
Wegen ihrer langsameren Wirkung werden, mit Ausnahme der Pansen-atonie, die gleichwirkenden Präparate: RhizomaundTincturaVeratri seltener verabreicht (stomaehicale Dosis für Pferde 515,0, Rinder 1020,0).
3.nbsp; Atropin und Hyoscin. Dieselben gehören zu den stärksten Erregungsmitteln für das Nervensystem und sind Speeifica gegen Herzschwäche, drohende Athmungslähmun g, Morphin-, Es er in- und P i 1 o c a r p i n v e r g i ft u n g. Die Dosis des Atropinum sulfuricum (subcutan) beträgt für Pferde und Rinder 0,050,1, für Schafe und Ziegen
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Excitantien.
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0,010,05, für Schweine 0,010,03, für Hunde 0,0050,05, für Katzen 0,0020,005. Die Dosis des Hyoscinum hydrqjodicum (ebenfalls subcutan) ist 10 mal stärker; sie beträgt für Pferde und Rinder 0,01, für Hunde 0,005.
4.nbsp; Coffefn, Specificum gegen H e r zs ch w ä c he, beginnendes Lungenödem, spinale Lähmungen, Collapszustände, Gebärparese, Morphium-, Chloroform-, Alkohol- und Ptorna'inVergiftung. Die subcutane oder innere Dosis des Cofi'einum natrio-salieylicum beträgt für Pferde und Rinder 510,0, für grosse Hunde 0,52,0, für kleine Hunde 0,10,5.
Statt Coffel'n kann auch Kaffee oder Thee im Infus verabreicht werden.
5.nbsp; Eserin,Pilocarpin, Nicotin, Erregungsmittel für Erschlaffung und Lähmung der Magen- und Darmmuskulatur, namentlich beim Rind und Pferd, das Eserin ausserdem als Myoticum (Pupillenverengerung). Die Dosis des Eserinum sulfuricum beträgt (subcutan) für Pferde 0,1, für Rinder 0,10,2. Die des Pilocarpinum hydrochloricum beträgt für Pferde 0,5, für Rinder 0,20,5. Dosis der Folia Nicotanae für Rinder 2550,0, Pferde 1025,0.
6.nbsp; Campher, eines der wichtigsten Excitantien für Gehirn und Herz bei allen Zuständen von psychischer Depression, Betäubung, Collaps, Schwäche und Erschöpfung im Verlaufe fieberhafter Infectionskrankheiten, schwerer constitutioneller Leiden und narkotischer Vergiftungen. Die gewöhnliche Anwendung des Camphers bei allen Hausthieren ist die subcutane in Form des Campheröls oder Campherspiritus. Man gibt von beiden Pferden und Rindern mehrmalige Dosen von 525,0, Schafen, Ziegen und Schweinen von 510,0, Hunden von 2 bis 5,0, Katzen von 0,51,0.
Andere excitirende Aethereo-Oleosa sind das Terpentinöl, Radix Valerianae, Flor es Arnicae, Radix Angelicae u. s. w.
7.nbsp; Alkohol und Aether. Beide sind in kleinen Dosen stai'ke Erregungsmittel für das Gehirn und übrige Nervensystem, sowie für das Herz und die Verdauung. Man gibt sie subcutan und per os in allen Schwäche- und Collaps zu st an den im Ar erlaufe schwerer Infectionskrankheiten und Inanitionszuständen, bei starker Erschöpfung nach Geburten und Blutverlusten, bei narkotischen Vergiftungen sowie bei drohender Gehirn- und Herzlähmuns. Dosis des Alkohols für Pferde und
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Rinder
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-50,0, Schafe und Ziegen 1020,0, Schweine 510, Hunde 25,
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Katzen und Geflügel 12,0. Dosis des Aethers: die Hälfte.
Statt Alkohol und Aether können auch in entsprechender Dosis als Excitantien gegeben werden Spiritus dilutus, Branntwein, Cognac, Wein, Bier, Spiritus aethereus.
8.nbsp; nbsp;Ammonverbindungen. Dieselben sind sehr kräftige Excitantien für Gehirn, Herz und Darm in allen Schwächezuständen im Verlaufe von Infectionskrankheiten, Cachexien und narkotischen Vergiftungen und werden hauptsächlich beim Rind und den kleineren Wiederkäuern, sowie beim Hund angewandt. Ersteren gibt man den Liquor Ammonii caustici (mit viel kaltem Wasser verdünnt) in Dosen von 1030,0 für das Rind oder das Ammonium carbonicum (2050,0 für das Rind, 25,0 für Schafe und Ziegen), während dem Hunde der Liquor Ammonii anisatus tropfenweise gegeben wird.
9.nbsp; Kalisalze. Dieselben sind Excitantien für das Herz, Gehirn und die Muskulatur und werden am häufigsten beim Hund in Form des Fleisch extracts als Erregungmittel bei allen Schwächezuständen angewandt. Dosis: 210,0.
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Sedativa.
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Von sonstigen nervenerregenden Mitteln sind zu erwähnen: die liautreizenden Arzneimittel, die Kälte, die Elektricität und die Massage; vergl. die diesbezüglichen Kapitel.
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3. Beruhigende Nervenmittel. Sedativa.
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Synonyma: Sedantia1), Narcotica'2), Anästhetica3), Temperantia4), Ano-dyna5), Antalgica6), Analgiea7), Analgetica, Hypnotica8). Somnifera9), Soporiiera10), Soporifica, Ebriantiaquot;), Paralysantia12), Paregorica13), Antitetanica14), Anti-spasmodica 15), Anticonvulsiva10), Antiepileptica quot;), Antineuralgica 18), Anti-asthmatica19), Antodontalgica'20), beruhigende, betäubende, narkotisirende, anästhe-sirende, schmerzstillende, krampfstilleude Mittel, Schlafmittel.
Anwendung. Die sedativen Mittel dienen zur Beruhigung psychischer, sensibler und motorischer Erregungszustände in den verschiedenen Theilen des Nervensystems sowie als Unterstützungsmittel bei Operationen. Die Krankheitszustände, welche ihre Anwendung indiciren, sind im Allgemeinen folgende:
1.nbsp; Psychische Erregungszustände im Verlaufe von Gehirnkrankheiten und schweren fieberhaften Allgemeinleiden. Hierher gehören die acuto Gehirnhyperämie, die acute und subacute Gehirnentzündung im Stadium der Excitation, erethische Affectionen im Verlaufe des chronischen Hydrocephalus, die cerebrale Form der Hundestaupe, psychische Erregungserscheinungen im Verlaufe der Brustseuche, Druse, des bösartigen Katarrhalfiebers, der Tuberkulose, Drehkrankheit (Einwanderungsstadium), des Milzbrandes u. s. w.
2.nbsp; Gehirnkrämpfe in Form der Epilepsie, Eklampsie, Katalepsie, Chorea, epileptiformen Krämpfe und Zwangs-
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sedare, beruhigen.
vipy.v), Betäubung; violleicht zusammenhängend mit vmpos, todt.
a. privativum; atod'ijsc;, Gefühl.
temperare, massigen, mildern.
a. privativum; o8ovy), Schmerz.
ävT-!, gegen; oXyoj, Schmerz.
ä privatmun; ai^oc, Schmerz.
ötivö?. Schlaf; 6itv(uX'xd(, einschläfernd.
somnus. Schlaf; somnifer, schlafljringend.
sopor, Betäubung.
ebriare, berauschen.
-apäXucu, Lähmung.
Trcep-rjYoptv.o?, beschwichtigend, lindernd.
ävr:, gegen; tetanus, Starrkrampf.
laquo;vt:, gegen; z-xaz^bc, Spasmus, Krampf.
ävtt, gegen; convulsio. Zusammenkrümmen, Krampf.
ävxt, gegen; epileiisia, Fallsucht.
ävü, gegen; vsupaXYia, Nervenschmerz.
ävtt, gegen; Asthma, Athemnoth.
ävti, gegen ; oBovxoXy''laquo;, Zahnschmerz.
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Sedativa.
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bewegungen. Dieselben treten entweder selbständig, oder secundär im Verlaufe von Allgemeinkrankheiten, so bei Gehirnentzündung, Invasion von Parasiten ins Gehirn (Cönurus, Echinococcus, Bremsenlarven), Staupe, Cerebrospinal-Meningitis, Milzbrand, Druse, Brustseuche u. s. w. auf.
3.nbsp; Spinale Krämpfe. Als solche sind zu erwähnen der Starrkrampf (Tetanus) sowie Krampfanfälle im Verlaufe der Meningitis spinalis, Cerebrospinal-Meningitis und Traberkrankheit. Auch abnorme Schreckhaftigkeit ist ein Zeichen spinaler Erregung.
4.nbsp; Erregungszustände der peripheren Nerven. In sensibler Beziehung kommen in Betracht die verschiedenen schmerzhaften Zustände äusserer und innerer Organe, Colik, Husten, Hyperästhesien, Pruritus, Nymphomanie, Satyriasis u. s. wr.; in motorischer Beziehung periphere Muskelzuckungen, Krämpfe der Sphincteren. Drängen nach Vorfällen, Magen-, Darm-, Uteruskrämpfe, Herzklopfen u. s. w.
5.nbsp; Vergiftungen. Die wichtigsten mit Erregungserscheinungen verlaufenden und daher mit beruhigenden Mitteln zu bekämpfenden Intoxicationen sind die Vergiftungen mit Strychnin, Veratrin, Aco-nitin, Nicotin, Cocain, Apomorphin, Blei, Heringslake, Alkohol, Klatschrose, Extractum Filicis u. a.
6.nbsp; Endlich werden die Sedativa zur Vornahme von Operationen benützt.
Eintheilung. Je nach dem Zwecke, welchen man mit der Anwendung der Sedativa verfolgt, theilt man die beruhigenden Nervenmittel herkömmlicherweise in verschiedene Unterabtheilungen ein. Man unterscheidet:
1.nbsp; Sedativa im engeren Sinn. Hierher gehören Bromkalium, Chloralhydrat, Opium, Morphium, Blausäure, Pfeffermünz, Kamillen u. s. w.
2.nbsp; Schlafmittel (Hypnotica): Sulfonal, Paraldehyd, Urethan, Hypnon, Morphium, Codein u. s. w.
3.nbsp; Die eigentlichen Narcotica oder Anästhetica, welche wieder in allgemeine (generalia): Chloroform, Aether, Bromäthyl etc. und örtliche (localia, topica): Co cain, Antip yrin, Morp hin, A ether, Menthol, Kältemischungen u. s. w. eingetheilt werden. Einige der localen Anästhetica erzeugen zuerst starke locale Reizung (Carbol-säure, Erythrophloe'in) und werden daher Anaestbetica dolorosa benannt.
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14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sedativa.
4. Krampfstillende Mittel: Bromkaliuni, Chloralhydrat, Morphium, Silbersalze, Kupfersalze, Curare, Coniin, Belladonna, Blausäure.
In der Menschenheilkunde unterscheidet man ausserdem noch die Gruppe der Antodontalgica oder Zahnwehmittel (Chloroform, Cocain, verdünnte Carbolsäure, Alkohol, scharfe Einreibungen auf das Zahnfleisch, Aetzmittel für die Pulpa), der Antiasthmatica oder Asthmamittel (Chloroform, Morphium, Amylnitrit, Jodkalium, Atropin, Quebracho, Expectorantien und Antiseptica) und der Antineuralgica oder Neuralgiemittel (Morphium, Menthol, Antipyrin etc.).
Arzneimittel. 1. Morphium. Dasselbe ist das Haupt-Narcoti-cum in der operativen Chirurgie beim Hunde, ferner ein wirksames Sedativum bei allen psychischen Erregungszuständen, ein locales und allgemeines Anästheticum bei schmerzhaften Krank-heitszuständen, Colik, Husten u. s. w., ein specifisches krampfstillendes Mittel bei der Eklampsie der säugenden Hündinnen, sowie ein Gegengift gegen Atropin-, Hyoscin und Strychnin-Vergiftung. Die Dosis des Morphinum hydrochloricum beträgt subcutan bei der Kolik der Pferde 0,5, als Narcoticum beim Hunde 0,020,1.
Statt Morphium ist früher Opium gegeben worden. Neuerdings wird ein anderes Opiumalkaloid, das Code'in, als Hypnoticum und Sedativum bei schmerzhaften Zuständen des Unterleibs empfohlen.
2.nbsp; Bromkalium. Specificum gegen Epilepsie, epileptiforme Krämpfe, Starrkrampf, S t r y c h n i n v e r g i f t u n g und Eklampsie, Sedativum bei allen Erregungszuständen des Gehirns, Nymphomanie, Husten, Herzklopfen, Narcoticum bei Rachen- und Kehlkopfsoperationen. Einzeldosis für Pferde und Rinder 2050,0, Schafe und Schweine 510,0, Hunde 0,252,0, Katzen 0,250,5, Geflügel 0,10,2.
Statt Bromkalium kann auch Bromnatrium, oder beide zusammen verschrieben werden. Ein neueres Mittel ist femer der Bromcampher.
3.nbsp; Chloroform. Wichtigstes Narcoticum bei allen Operationen des Pferdes und Rindes, krampf stillen des Mittel bei Eklampsie, Tetanus, Strychnin Vergiftung, Uterus- und Mastdarmvorfällen, locales Anästheticum. Die Dosis beträgt beim Inhaliren für Pferde und Kinder 100200,0. Schafe, Ziegen und Schweine 1530,0, Hunde 1020,0.
Statt Chloroform wird neuerdings Bro mäthyl zur Inhalationsnarkose empfohlen. Dagegen sind nicht empfehlenswerth Amylnitrit, Methylen-bichlorid, Aethylenehlorid, Aethylidenchlorid, Aethyljodid, Bromoform, Di-methylacetal u. a.
4.nbsp; nbsp;Chloralhydrat. Hypnoticum und Sedativum in allen psychischen Erregungszuständen und schmerzhaften Leiden, Narcoticum für Operationen (in Verbindung mit Morphium), specifisches Antidot gegen Stryehnintetanus, krampfstillendes Mittel bei Starrkrampf, Eklampsie, Staupekrämpfen, Drängen nach Vorfällen. Einzeldosis für Pferde und Rinder 2550,0, Hunde 0,55,0, Schafe, Ziegen und Schweine 510,0, Katzen und Geflügel 0,25 bis 2,0.
Statt des Chloralhydrats wird neuerdings das Chloralfor m am id,
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Sodativa.
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Acetal und Öonmal (eine Verbindung von Chloral und Urethan) empfohlen. Andere neuere ähnliche Verbindungen sind Bromalhydrat und Butylchloral.
5. Aether. Derselbe ist in grossen Dosen ein Nareoticum für Operationen (meist mit Chloroform zusammen), ein krampfstillendes Mittel für Krampfkolik, sowie ein locales Anästheticum. Dosis für Pferde und Binder als Inhalationsnarcoticum 100200,0, als krampfstillendes Mittel (innerlich) 2550,0, für Hunde 20,050,0 resp. 2,05,0.
Der Alkohol wird in grossen Dosen als Sedativum bei üterus-und Mastdarmvorfällen angewandt (Pferd und Rind 'ja1 Liter Branntwein).
0. Sulfonal. Das zur Zeit beim Hund (wie beim Menschen) gebräuchlichste Hypnotieum. Die Dosis beträgt: für grosse Hunde 24,0, für kleine 0,52,0.
Gute Hypnotica für Thiere sind ferner Trional, Tetronal, Hyp-non, Urethan und Amylenhydrat. Dagegen sind nicht zu empfehlen Paraldehyd, Hyoscin, Methylal und die Cann abispräp arate.
7.nbsp; Cocain. Das wertlivollste locale Anästheticum, insbesondere in der Augenheilkunde. Ausserdem locales Narcoticum bei Operationen (subeutan). Anwendung in 5100;'oiger Lösung.
Nicht zu empfehlen ist wegen seiner ätzenden Wirkung das Ery-throphloe i n.
8.nbsp; Aetherische Oele. Viele derselben besitzen in grösseren Dosen k r a m p f s t i 11 e n d e Wirkung und werden deshalb namentlich bei K r a m p f-kolik zum Theil auch als locale Anästhetica angewandt. Die wichtigsten sind FloresChamomillae, Kadix Valerian ae. Folia Men-thae piperitae, Asa foetida, Terpentinöl u. s. w. Locales Anästheticum ist das Menthol. Die Dosis obiger ätherisch-öliger Pflanzenmittel beträgt für Binder 50100,0, für Pferde 2550,0 im Infus.
9.nbsp; Blausäure. Dieselbe wird heutzutage hauptsächlich als Sedati-v u m für diesensiblenKehlkopfsnerven (Husten) angewandt. Früher wurde sie auch als krampfstillendes Mittel gegeben. Die Dosis des Bittermandelwassers (einziges Blausäurepräparat) beträgt für Pferde und Rinder 50,0, für Hunde 0,53,0.
10.nbsp; Coniin und Curare. Zwei angebliche Specifica gegen Tetanus und andere Krämpfe, übrigens von sehr zweifelhafter Wirkung.
11.nbsp; Silber- und Zinksalze. Früher Specifica gegen Epilepsie. Dosis des Argentum nitricum für Pferde 0,5, für Hunde 0,010,05: Dosis des Zincum oxydatum für Pferde 510,0, für Hunde 0,10,2.
12.nbsp; Belladonna. Altes Mittel gegen Epilepsie und andere Krampfzustände.
13.nbsp; nbsp;Antipyrin. Locales Anästheticum in Form der sub-' cutanen Injection.
Von sonstigen beruhigenden Mitteln sind zu nennen Kälte, Ader-lass, Elektricität und ableitende Mittel.
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Verdauungsmittel. Digestiva.
Allgemeines. Der Häufigkeit und Wichtigkeit der Krankheiten des Digestionsapparates entsprechend verfügt die Therapie im Allgemeinen über eine grosse Anzahl einschlägiger Arzneimittel. Die Anwendung derselben ist je nach der Oertlichkeit des Krankheits-processes und der specifischen quot;Wirkung der einzelnen Mittel eine verschiedene. Man unterscheidet deshalb Magenmittel, Darmmittel. Lebermittel, Brechmittel, Abführmittel, stopfende Mittel, säuretilgende, blähungstreibende, gallentreibende, desinficirende, absorbirende, tetani-sirende Mittel, Drüsenmittel u. s. w. Bei der grossen Anzahl und Vielseitigkeit der auf den Verdauungstractus wirkenden Mittel empfiehlt sich die Aufstellung einiger Hauptgruppen. Als solche werden in der allgemeinen Therajäe herkömmlicher Weise unterschieden:
1.nbsp; Magenmittel (Stomachica).
2.nbsp; Brechmittel (Emetica),
3.nbsp; Abführmittel (Laxantia),
4.nbsp; verstopfende Mittel (Styptica),
5.nbsp; blähungstreibende Mittel (Carminativa),
6.nbsp; galletreibende Mittel (Cholagoga).
1. Magenmitte]. Stomachica1).
Synonyma: Digestiva2) im engeren Sinne, Peptica3), Ruminatoria4), Anti-dyspepticar'). Antemetioaquot;), Antacida7), Neutralisantia8), Absorbentia9), Supple-tiva1quot;); appetiterregende, verdauungsbessernde, säuretilgende, das Wiederkäuen befördernde Mittel.
Wirkung und Anwendung. Die Magenmittel bewirken eine Besserung des Appetits und der Magenverdauung. Da diese Körper-
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') stomachus, Magen.
2)nbsp; nbsp;digerere, verdauen.
3)nbsp; neittetv, kochen, verdauen.
4)nbsp; ruminare, wiederkäuen.
5)nbsp; ävti, gegen; Busnsnsia, Appetitlosigkeit. quot;) laquo;vt;, gegen; Spsoi£, Erbrechen.
7)nbsp; nbsp;ävtt, gegen; acidum, Säure.
8)nbsp; neutralisiren, chemischer Ausdruck für Sauretilgen, Säure abstumpfen.
9)nbsp; absorbere, aufsaugen (sc. die Säuren). 10) supplere, ersetzen (sc. den Magensaft).
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Maffenmittel.
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functionen fast bei allen inneren Krankheiten sowie insbesondere bei den ausserordentlich häufigen Erkrankungen des Magens gestört sind, so lassen sich die Stomachica so ziemlich bei jeder innerlichen Krankheit anwenden und gehören daher zu den wichtigsten Arzneimitteln der gesammten Therapie. Ihre quot;Wirkungsweise ist je nach der chemischen Natur der einzelnen Mittel und der Ursache der Magenstörung eine sehr verschiedene. Mangelhafte, fehlende oder umgekehrt übermässige Secretion des Magensaftes, anatomische Veränderungen der Magenschleimhaut (Hyperämie, Katarrh, Entzündung, Geschwürsbildung, Neubildungen, Parasiten etc.), Fäulniss, Grährung, Zersetzung, abnorme Ansammlung, Schwerverdaulichkeit oder Unverdaulichkeit des Mageninhaltes, Infectionsstoffe und Fremdkörper im Magen, Schwäche und Lähmungszustände der Magenmuskulatur, Verstimmung der Magennerven u. s. w. sind die verschiedenen Ursachen der Indigestion, welche entsprechend ihrer Vielseitigkeit auch eine verschiedenartige Behandlung indiciren. In dieser Beziehung unterscheidet man folgende Untergruppen der Magenmittel:
1.nbsp; Physiologische Stomachica, d. h. die im Magensafte selbst enthaltenen und bei Verminderung oder Fehlen künstlich zuzuführenden Mittel: Salzsäure und Pepsin. Beide können bei allen Magenkrankheiten sowie bei allen Verdaiumgsstörungen im Verlaufe fieberhafter und allgemeiner Krankheiten angewandt werden. Die einzige Ausnahme bildet das peptische Magengeschwür. Bei dieser Krankheit ist sowohl die Salzsäure als auch das Pepsin wegen der Beförderung des geschwürigen, peptischen Processes contraindicirt.
Die Dosis der Salzsäure beträgt für Rinder 1530,0, für Pferde 1020,0, für Kälber, Schafe, Ziegen und Schweine 25,0, für Hunde, Katzen und Geflügel 0,10,5; die des P e p s i n s für Pferde 510,0, für Hunde 0.11,0. Statt Salzsäure kann auch Phosphor säure genommen werden. Dagegen hat sich das als Ersatzmittel des Pepsins vorgeschlagene Pankreatin und Papayotin nicht bewährt.
2.nbsp; Bittere Stomachica (Amara). Dieselben wirken bei Störungen der Magenverdauung appetitbessernd, steigern die Secretion des Magensaftes, regen reflectorisch die Contraction der Magenwandung an und verhindern resp. hemmen G-ährungsprocesse. Die wichtigsten in der Thierheilkunde gebräuchlichen Amara sind: Aloe, Enzian, Radix Taraxaci, Absinth, Radix Colombo, Herba Centaurei, Folia Trifolii fibrini, Herba Cardui benedicti, Quassiaholz, Liehen islandicus, Achillea Millefolium, Cortex Condurango,
Fröliner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
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18nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Magenmittel.
Cortex Chinae und Strychnin. Regel ist, die Amara nur in kleinen Dosen zu verabreichen.
Die Dosis der Aloe als Stomaehicum beträgt für Kinder 510,0, für Pferde, Schafe und Ziegen 25,0, für Hunde 0,10,5. Die Dosis von Herba Absynthii, Radix Geutianae und den übrigen pflanzlichen Amara beträgt für Rinder 2550,0, für Pferde 1025,0, für Schafe und Ziegen 510; für Hunde werden gewöhnlich die entsprechenden Tincturen in Dosen von 510 Tropfen verschrieben. Das Strychnin wird zuweilen noch in der Form der Tinctura Strychni bei Hunden, Kälbern und Lämmern tropfenweise angewandt. Ganz obsolet und geradezu schädlich ist die Ochsengalle (Fei tauri) als Amarum (fällt das Pepsin aus). Cortex 0 o n d u r a n g o ist angeblich Specificum gegen Magenkrebs.
In der alten Therapie unterschied man als jetzt überflüssige ünter-abtheilungen der Bittermittel: Amara vera oder pura (Enzian), A. muci-laginosa (Liehen islandicus), A. aromatica (Absynth), A. salina (Bittersalz), A. adstringentia (Chinarinde), A. tetanica (Strychnin), A. cathartica (Aloe).
3.nbsp; Aromatische Stomachica. Dieselben regen die Thätigkeit der Verdauungsdrüsen, den Appetit und die Magenperistaltik an. Hierher gehören: Rhabarber, Calmus, Anis, Fenchel, Kümmel, Wach-holderbeeren, Senfsamen, Angelica, Baldrian, Cortex Au-rantii etc.
Dosis des Rhabarbers als Stomaehicum für Pferde und Rinder 10 bis 25,0, Dosis der übrigen Aethereo-Oleosa für Rinder 2550,0, Pferde 1025 A Schafe und Ziegen 510,0, Hunde 0,52,0. Hunden gibt man den Rhabarber in der Form der Tinctura Rhei vinosa thee- oder esslöffelweise.
4.nbsp; nbsp;Scharfreizende Stomachica. Die wichtigsten derselben sind die scharfen Gewürze: Piper nigrum, Pructus Capsici, Rhizoma Zingiberis, Fructus Cardamomi und Cubeben; ausserdem gehört hierher der Alkohol. Alle diese Mittel erzeugen Hyperämie der Magenschleimhaut, starke Secretion des Magensaftes sowie vermehrte Peristaltik. Sie sind jedoch bei schweren Magenerkrankungen contraindicirt.
Die Dosis obiger Pfeffer- und Gewürz arten beträgt für Pferde 510,0, für Rinder 1020,0, für Schweine 12,0, für Hunde 0,10,2. Die Dosis des Alkohols beträgt für Pferde und Rinder als Stomaehicum 2550,0, für Hunde 25,0.
5.nbsp; nbsp;Salinische Stomachica. Dieselben verdüssigen den auf der Schleimhaut angesammelten Schleim, regen die Absondex'ung der Salzsäure an und wirken gleichzeitig gährungswidrig. Die wichtigsten salinischen Magenmittel sind Kochsalz, Natrium bicarbonicum, Kalium bicarbonicum, Natrium sulfuricum, Karlsbadersalz, Ammonium chloratum. Dieselben eignen sich vor Allem zur Behandlung chronischer Magenkatarrhe.
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Magenmittel.
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Die Dosis des Kochsalzes, Natr. bicarb., Natr. sulfur, und Karlsbadersalzes als Stomachicum beträgt für Rinder 50100,0, für Pferde 25 bis 50,0, Schafe und Ziegen 1025,0, Hunde 12,0. Die Dosis des Salmiaks beträgt für Pferde 815,0, für Hunde 0,21,0.
0. Desinflcirende Stomachica. Dieselben werden bei Gährungs-und Zersetzungsprocessen des Mageninhaltes, sowie bei infectiösen Magenkatarrhen angewandt. Hierher gehören Creolin, Kreosot, Naphthalin, Bismuthum subnitricum, Borsäure, Argentum nitricum, Chinin, Jodtinktur, Lugol'sche Lösung.
Die für die Thierheilkunde wichtigsten desinficirenden Magenmittel sindOreolin und Salpeter saures Wismuth. Man gibt beide Pferden und Rindern in Dosen von 10,025,0, Schafen und Ziegen 5,010,0, Hunden 0,252,0, Geflügel 0,10,25.
7.nbsp; Narkotische Stomachica (Antemetica). Dieselben werden bei schmerzhaften Magenaffectionen sowie gegen anhaltendes Erbrechen angewandt. Diesbezügliche Mittel sind: Opium, Coca in, Menthol, Belladonna, Kohlensäure, Eis.
Das gewöhnlichste Mittel ist Opium. Dosis für Pferde und Rinder 525,0, für Hunde 0,10,5; Dosis der Opiumtinktur das Zehnfache.
8.nbsp; Säuretilgende Stomachica (Antacida, Neutralisantia, Absor-bentia). Dieselben dienen zur Bindung abnormer Säuren und Säuremengen im Magen, und zwar entweder zur Neutralisation überschüssiger Salzsäure und Milchsäure oder fremder Säuren (Fettsäuren, giftige Säuren). Hierher gehören: Seife, Kalkwasser, kohlensaurer Kalk, Soda, Pottasche, Natrium und Kalium bicar-bonicum, Magnesia usta und carbonica.
Seife ist namentlich ein wichtiges Absorbens für Carbolsäure (Bildung von ungiftigem Phenolnatrium), Kalkwasser für Oxalsäure und Schwefelsäure, die übrigen für Salzsäure, Milchsäure, Fettsäuren etc. Dosis beliebig mit Ausnahme von Soda, Pottasche, Magnesia usta und carbonica (Pferd und Rind 525,0, Schafe und Ziegen 510,0, Hunde 0,21,0).
9.nbsp; Ruminatoria. Die das quot;Wiederkäuen anregenden Mittel sind Brechmittel, Tetanica und starke Reizmittel für die Magenschleimhaut. Die gebräuchlichsten sind: Brech weinst ein, Nieswurz, Terpentinöl, Tabak, Weingeist, Eserin, Pilocarpin, Ammonium carbonicum und causticum.
Dosis. Von den für die Bujatrik ausserordentlich wichtigen Ruminatoria werden Brechweinstein, Nieswurz, Terpentinöl und Eserin am häufigsten angewandt. Man gibt den Brech Weinstein und die N i e s w u r z (Rhizom und Tinctur) Rindern zu 1020,0, Schafen und Ziegen zu 0,52,0; das
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20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Brechmittel.
Terpentinöl Bindern zu 2550,0, Schafen und Ziegen zu 510,0; das Eserin dem Rinde zu 0,10,2 (subcutan).
Auch bei den Fleischfressern wirkt nicht selten ein Brechmittel als gutes Stomachicum.
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2. Brechmittel. Emetita1).
Synonyma: Vomitiva2), Vomitoria, Nauseosa3), Nauseotica.
Wirkungsweise. Das Erbrechen besteht in einer krampfhaften Contraction der Bauchpresse und des Zwerchfells, wodurch eine passive Compression des Magens bedingt wird, welche bei gleichzeitiger Erschlaffung der Cardia und gleichzeitigem Yerschlusse des Pylorus eine Entleerung des Mageninhaltes nach vorne herbeiführt. Das Erbrechen wird vom Brechcentrum ausgelöst. Dieser in der Medulla oblongata in nächster Nähe des Athmungscentrums gelegene Centralapparat kann sowohl direct vom Blute aus, als auch indirect von peripher gelegenen Körperstellen, so besonders vom Magen aus, gereizt werden. Brechmittel, welche vom Blute aus, ohne überhaupt mit dem Magen in Berührung zu kommen, durch directe Reizung des Brechcentrums Erbrechen erzeugen, nennt man Emetica centralia oder generalia; zu ihnen gehört vor Allem das Apomorphin. Die durch Reizung der Magenschleimhaut reflectorisch Erbrechen bedingenden Brechmittel heissen im Gegensatze hierzu Emetica localia oder topica: Kupfervitriol, Zinkvitriol, Brechweinstein. Manche Brechmittel wirken auch auf beiderlei quot;Weise, z. B. das Emetin. Die Pathologie lehrt, dass das Erbrechen, abgesehen vom Magen, noch von zählreichen anderen peripheren Körperstellen reflectorisch ausgelöst werden kann, so von der Schleimhaut des Zungengrundes, der Rachenhöhle, des Schlundes, des Darmes, des Uterus, des Nierenbeckens, der Gallengänge, von den Endigungendes Ramus aimcularis,Nervivagi(OtoiThoe), durch elektrische Reizung des centralen durchschnittenen Vagusendes; auch centrales Erbrechen kommt bei verschiedenen Gehirnkrankheiten sowie bei ürämie vor. Endlich scheint die Erregung der dem Brechcentrum verwandten Centren leicht auf ersteres überzugehen. So beobachtet man neben der Wirkung der Blausäure auf das Athmungs-centrum auch eine solche auf das Brechcentrum; ähnliches findet bei den specifischen Erregungsmitteln des Vaguscentrums (Digitalis, Scilla,
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') Ejxäiu, speien, erbrechen.
2)nbsp; vomire, würgen, erbrechen.
3)nbsp; vaaoia, Seekrankheit; nausea, Ekel, Uebelkeit.
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Brechmittel.
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Strophanthin) statt. Letzterer Umstand hat zu der früheren Annahme geführt, dass das Brechcentrum mit dem Athmungs- oder Vagus-centrum identisch sei.
Die Folgewirkungen des Erbrechens auf den Magen und die übrigen Körperorgane sind mannigfaltiger Natur. Sie bestehen zunächst darin, dass der normale oder abnorme Inhalt des Magens, Schlundes, Schlundkopfes und zum Theil auch der Maulhöhle entleert wird. Sodann wird die Bewegung des Magens durch die Contraction der Magenmuskulatur gesteigert. Dasselbe gilt für die Darmperistaltik, deren Thätigkeit reflectorisch vom contrahirten Magen aus angeregt wird. Brechmittel, welche nach dieser Richtung eine besonders starke Darmwirkung zeigen, nennt man Emeto-cathartica. Eine weitere Wirkung des Erbrechens ist die reflec-torische Steigerung der Secretion des Magen- und Darmsaftes und der Galle. Die Contraction der Bauchpresse verursacht ferner eine Compression aller in der Bauchhöhle gelegenen Organe. In Eolge dessen wird der Abfluss der Galle und des Pankreassaftes beschleunigt; ausserdem wird eine gewisse Blutmenge aus den grossen Gefässen und Organen des Hinterleibs verdrängt und die letzteren dadurch anämisch, während benachbarte Organe hyperämisch werden. Während des Brechaktes ist die Pulsund Athmungsfrequenz beschleunigt und der Stoffwechsel gesteigert; gleichzeitig besteht vermehrte Secretion der Schweiss-und bronchialen Schleimdrüsen. Durch die während des Erbrechens eintretende gewaltsame Exspiration findet ausserdem eine Expectoration von Secreten aus den Bronchien und der Lunge statt. Das gesammte Nervensystem ist in Erregung; ob, wie früher angenommen wurde, die Erregbarkeit der Muskeln durch das Erbrechen vermindert wird, ist fraglich. Das dem Erbrechen vorhergehende Ekelgefühl hat endlich eine Umstimmung der Magen-nerven zur Folge; man nennt die Brechmittel, aveiche ein besonders starkes und lang anhaltendes Ekelgefühl hervorrufen, Emetica nauseosa (Apomorphin).
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Anwendung. Die vielseitige Wirkung der Brechmittel beweist, dass ihre Anwendung zu Unrecht in Misscredit gekommen ist. Wir können vielmehr speciell in der Thierheilkunde die Brechmittel in bestimmten Krankheitsfällen gar nicht entbehren, in anderen sind sie, wie die praktische Erfahrung in Uebereinstimmung mit der oben geschilderten Physiologie ihrer Wirkung lehrt, ganz entschieden von
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Brechmittel.
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Nut/en. Die wichtigsten Indicationen für die Anwendung der Brechmittel sind folgende:
1.nbsp; nbsp; Die Entfernung von über massigen Futtermengen, Fremdkörpern und Giften aus dem Magen und Schlünde.
2.nbsp; nbsp;Die Entleerung von zersetztem, gährendem Mageninhalt und angesammeltem Schleim bei Magenkatarrh.
3.nbsp; Lecksucht des Rindes und Wollefressen der Schafe lassen sich am sichersten und schnellsten durch Brechmittel heilen. Dasselbe gilt für andere perverse Geschmackszustände.
4.nbsp; Hepatogener Icterus mit Gallenstauung, Gallensteine und andere Leberkrankheiten.
5.nbsp; nbsp;Die Entfernung von Infectionsstoffen aus dem Magen bei Infectionskrankheiten. So ist z. B. im Anfangsstadium der Staupe der Hunde sowie der Rothlaufseuche der Schweine ein Brechmittel durchaus angezeigt. Hierzu kommt die umstimmende Wirkung der Brechmittel (sog. Coupiren der Krankheit).
6.nbsp; Ex 13ectoration katarrhalischer und croupöserEntzündungs-producte aus den Luftwegen, insbesondere bei jungen, staupekranken Hunden.
7.nbsp; nbsp;Blutstauungen in der Leber, im Darmcanal, in den Nieren und anderen Hinterleibsorganen.
Contraindicirt ist ehe Anwendung der Brechmittel bei sehr schwächlichen Thieren, bei Magengeschwüren, Magenentzündungen, bei hochträchtigen Thieren, bei Hernien, sowie bei gewissen Herz- und Gefässkrankheiten (Aneurysmen).
Arzneimittel. Die wichtigsten Brechmittel sind folgende:
1.nbsp; Apomorphin. Dasselbe wird zur Zeit beim Hunde als aus-schliessliches und bestes Brechmittel angewandt. Dosis des Apomorphinum hydrochloricum in Form der subeutanen Injection durchschnittlich 5 Milligramm pro Hund (0,0020,01). Als Speciticum gegen Lecksucht des Eludes und Wollefressen der Schafe wird es ebenfalls subeutan in Dosen von 0,10,2 angewandt. Katzen brauchen die 1020fache Dosis wie der Hund. Schweine erbrechen sich auf Apomorphin überhaupt nicht.
2.nbsp; Veratrin. Wichtigstes Brechmittel für das Schwein. Dosis 0,020,03 subeutan in spirituöser Lösung. Statt Veratrin kann auch Rhi-zomaVeratri albi per os oder rectal geafeben werden; Dosis für Schweine 0,52,0, für Hunde 0,050,2.
3.nbsp; Radix Ipecacuanhae. Brechmittel für Katzen, Hunde und Schweine: Dosis für die beiden letzteren 1,03,0, für Katzen 0,250,75. Auch Vinum Ipecacuanhae (Vinum emeticum) ist wegen seiner gleichzeitig excitirenden Wirkung ein empfehlenswerthes Brechmittel in der besseren Hundepraxis.
4.nbsp; Tartarus stibiatus. Ein Emetoeatharticum. daher für robustere
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Abführmittel.
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Thiere (Schweine, grosse Hunde) angezeigt. Dosis für Sehweine 12,0, für Hunde 0,10,3. Empfehlenswerth ist ferner Vinum stibiatum (Hunden thee- bis esslöffelweise gegeben).
5.nbsp; nbsp;Cuprum sulfuricum. Specifisches Brechmittel bei Phosphorvergiftung wegen gleichzeitiger Bildung des ungiftigen Phosphorkupfers. Dosis für Hunde 0,10.3.
6.nbsp; Z in cum sulfuricum. Aelteres Brechmittel. Dosis wie beim Cuprum sulfuricum.
Die früher benutzten volksthümlichen Brechmittel wie Senf pul ver, Kochsalz, Ammonium carbonicum werden zur Zeit nur ausnahmsweise in Nothfällen benutzt. Ueber Antemetica vergl. das Kapitel der Magenmittel.
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3. Abführmittel. Laxantica1).
Syuonyina: Purgantia2), Drastica3), Cathartica4), Leuitiva5), Eccoprotica0), Aperientia 7)) Aperitiva, Evacuantias), Peristaltioa 9), Osmotica 10).
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Eintheilung. Für die Zwecke der allgemeinen Therapie werden die Abführmittel am besten nach dem G-rade ihrer Wirkung ein-getheilt in schwache, mittelstarke und starke. Wenn auch bei manchen Abführmitteln diese verschiedenen Wirkungsgrade sich einfach durch verschieden hohe Dosirung erzielen lassen, und je nach der Thier-gattung einige Abführmittel stärker oder schwächer wirken, so empfiehlt sich doch aus Gründen der Praxis, die grosse Zahl der abführenden Arzneimittel behufs Gewinnung einer besseren üeber-sichtlichkeit in Gruppen einzutheilen. Gewöhnlich unterscheidet man folgende 3 Gruppen:
1.nbsp; nbsp;Drastica, sehr starkwirkende Abführmittel, welche beispielsweise beim Pferd schon in der Dosis von wenigen Grammen und darunter, beim Hund in Dosen von Decigrammen und Centigrammen wirken. Hierher gehören Crotonöl, Brech weinst ein. Calomel, Eserin, Pilocarpin, Podophyllin, Gutti, Jalapen, Colo-quinthen.
2.nbsp; nbsp;Purgantien, mittelstark wirkende Abführmittel, Laxantien im engeren Sinne. Hierher gehören die Aloe und die salinischen
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l) laxare, lockern, erweichen, erschlaffen. quot;) purgare, reinigen.
3)nbsp; nbsp;opaou, wirken, thätigsein.
4)nbsp; v.ad-aipia, reinigen; xo.fl-äpi;?, Reinigung, Durchfall.
5)nbsp; nbsp;lenire, mildern.
6)nbsp; nbsp;iv-, heraus ; v.o-fo;, Koth. ') aperire, öffnen.
s) evacuare, entleeren. 9) Die Peristaltik anregend. 10) Osmose, Flüssigkeitsströmung durch Scheidewände (Darmwand).
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Theorie der Abfühnvirkung.
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Abführmittel: Natrium suitquot; uric um, Kalium sulfuricum, Magnesium sulfuricum, Natrium nitricum, Kalium nitricum, Natrium phosphoricum, Kalium bitartaricum u. s. w. Endlich gehören hierher die Fructus Rbamni catharticae. Cortex Frangulae, Cascara Sagrada u. a.
3. Lenitiva, schwachwirkende Abführmittel, welche in sehr grossen Dosen gegeben werden müssen und von welchen die meisten beim Pferd und Rind unwirksam sind. Die einzelnen Mittel sind: Ricinusöl, Sennesblätter, Schwefel, Manna, Tamarinden, Syrup, Honig, Glycerin, fette Oele.
Theorien über das Zustandekommen der Abführwirkung.
Die Frage, auf welche Art und Weise das Laxiren nach der Verabreichung der Abführmittel zu Stande kommt, hat man von jeher in der allerverschiedensten Weise beantwortet. Eine Reihe von Theorien ist aufgestellt worden, als deren wichtigste Vertreter Liebig, Buchheim, Aubert, Voit, Hay, Brieger und Radziejewski zu nennen sind. Zum besseren Verständnisse des Ganzen mag von vornherein bemerkt werden, dass die Abführwirkung kein einfacher, sondern ein sehr complicirter Vorgang ist, zu dessen Zustandekommen gewöhnlich das Zusammenwirken mehrerer Factoren gehört. Es darf auch nicht verschwiegen werden, dass zur Zeit nicht alle Details des Vorgangs in wünschenswerther Weise aufgeklärt sind. Der gegenwärtige Standpunkt der Frage ist folgender:
1.nbsp; nbsp;Auf rein physikalische AVeise, nach den Gesetzen der Diosmose, wirken wahrscheinlich vorwiegend die Mittelsalze. Nach der Liebig'schen Theorie findet nämlich ein Uebergang von Wasser aus dem salzarmen Blute in den salzreichen Darminhalt statt. Die zwischen Darminhalt und Blut befindliche thierische Membranquot; ist die Darmschleimhaut. Bringt man in eine isolirte Dünndarmschlinge Glaubersalz- oder Bittersalzlösungen, so findet man dieselben nach einigen Stunden prall mit einer hellgelben, alkalischen Flüssigkeit gefüllt. Dabei zeigt die Schleimhaut anhaltend die normale blasse Farbe. Die in den Darmcanal aus dem Blute diffundirten Flüssigkeitsmengen wirken ihrerseits erregend auf die Peristaltik, so dass Diarrhöe auftritt.
2.nbsp; nbsp;Durch directe Reizung der Schleimhautnerven wird die Peristaltik reflectorisch erregt und beschleunigt Seitens der ineisten Abführmittel, namentlich auch Seitens der Mittelsalze. Die letzteren wirken also mindestens auf zweifache Weise. Der Beweis
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Theorie der AbführwirKmig.
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wird dadurch geliefert, dass auch sehr verdünnte Salzlösungen, welche einen osmotischen Strom nicht erzeugen können, im Darme Diarrhöe hervorrufen. Ausserdem hat Radziejewski die Einwirkung der Abführmittel auf die Peristaltik experimentell durch Anlegen von Darmfisteln bei Hunden studirt und gezeigt, dass die peristaltischen Bewegungen des Darmes und dementsprechend die Entleerung von Flüssigkeit aus der Fistel nach der Verabreichung von Laxantien ganz wesentlich beschleunigt werden. Die Darmperistaltik wird sogar durch einige Abführmittel schon vom Magen aus reflectorisch angeregt; so erzeugt z. B. das Crotonöl schon Durchfall, während es sich noch im Magen befindet. Die Beschleunigung der Peristaltik bedingt eine raschere Entleerung des Darminhaltes, welcher wegen der verhinderten Resorption der Darmsäfte dünnflüssig ist (unveränderter Dünndarminhalt).
3.nbsp; nbsp;Durch die Erschwerung oder Aufliebung der Aufsaugung von Darmflüssigkeit (Darmsäften) in Folge ihres geringen Diffusionsvermögens wirken ferner nach Buchheim die Mittelsalze abführend. Die am langsamsten und schwersten diffundirenden Salze: Natrium sulfuricum, Kalium sulfuricum, Magnesium sulfuricum, Natrium phosphoricum sollen deshalb im Gegensatze zu dem leicht und schnell diffundirenden Kochsalz abführende Wirkung besitzen. Wahrscheinlich lähmen auch noch andere Abführmittel, so vor Allem die Drastica, die Resorption.
4.nbsp; nbsp;Gesteigerte Secretion der Darmdrüsen mit consecutiver Vermehrung der Darmtiüssigkeit und Beschleunigung der Peristaltik. Der wichtigste Repräsentant dieser Gruppe ist das Pilocarpin, ein specifisches Drüsenmittel. Aber auch die Mittelsalze regen bekanntlich nach ihrer Resorption vom Blute aus die Drüsensecretion im Darmcanal an, so dass mithin ihre Gesammtwirkung eine vierfach combinirte ist. Ausserdem entsteht reflectorisch eine gesteigerte Secretion der Darmsäfte bei allen die Schleimhaut reizenden, also insbesondere bei den drastischen Abführmitteln.
Eine zu Diarrhöe führende Secretion der Darmdrüseu (Schleimdrüsen, Lieberkühn'sche, Brunner'sche Drüsen, Pankreas, Galle) entsteht indessen nur dann, wenn das Blut ausreichend wasserreich ist. Wie Hay gezeigt hat, bewirken die Mittelsalze bei Thieren, welche mehrere Tage lang kein Getränk, sondern nur trockene Nahrung erhalten, selbst in sehr grossen Dosen keine flüssigen Ausleerungen. Diese Thatsache stimmt mit der altbekannten thierärztlichen Erfahrung überein, dass man beim Laxiren eines Pferdes oder Rindes die Thiere
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Abführmittel.
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möglichst viel quot;Wasser aufnehmen lässt, um die Wirkung des Abfülir-mittels zu beschleunigen und zu verstärken.
5. Eine Transsudation resp. Exsudation von Blutserum als Ursache von Elüssigkeitsansammlung und vermehrter Peristaltik im Darm findet bei allen scharf reizenden Abführmitteln statt, welche die Darmschleimhaut in einen Zustand von Hyperämie, Katarrh und Entzündung versetzen. Hierher gehören namentlich Crotonöl. Breclnveinstein, Coloquinten, Jalapen und andere Drastica.
ß. Darmtetanus mit rascher Austreibung des Darminhaltes ist die Ursache der abführenden Wirkung des Eserins und Mcotins, zum Theil auch des Pilocarpins.
7.nbsp; Lähmung des Splanchnicus, des Hemmungsnerven für den Darm, hat eine Beschleunigung der Darmperistaltik zur Folge. Ein Mittel dieser Wirkungsart ist das Atropin.
8.nbsp; nbsp;Mechanisch durch Schlüpfrigmachen der Darmwandung und daher rascher Weiterbeförderung des Darminhaltes wirken die fetten Oele.
Endlich ist noch die reflectorische Erregung der Peristaltik durch Reizung der Mastdarmschleimhaut (Glycerin, Seifenkly-stiere, Rauchklystiere, Suppositorien) und der Bauchdecken (Prot-tiren, Massiren), sowie durch Bewegung zu erwähnen.
Folgen der Abführwirkung. Kaum eine andere Arzneiwirkung ist von so vielfachen localen und allgemeinen Folgen begleitet, wie die Abführwirkung. Um mit dem Zunächstliegenden zu beginnen, so findet erstens eine Entleerung des Darm canals statt; dieselbe betrifft den normalen Inhalt, gährende, zersetzte Futterstoffe, Steine und Concremente, Gifte, Entzündungsproducte, Parasiten und Infec-tionsstoffe. In zweiter Linie wird die Peristaltik und die Secretion der Darmdrüsen angeregt. Einzelne Abführmittel, wie z. B. Aloe, Rhabarber und Podophyllin vermehren namentlich auch die Gallen-secretion der Leber; sogen. Cathartica cholagoga. Die Wasserabgabe seitens des Blutes in den Darm hat eine Eindickung des Blutes zur Folge, weshalb das Blut behufs Ersatz des Wasserverlustes Flüssigkeit aus den Geweben des Körpers aufnimmt; wegen dieser Wirkung hat man gewisse Abführmittel als Cathartica hydra-gogabezeichnet. Die Blutmenge selbst wird dadurch vermindert, desgleichen der Blutdruck; auch die Zahl der weissen Blutkörperchen ist wesentlich herabgesetzt. Die Blutvertheilung wird erheblich geändert. Während die Darmschleimhaut und die übrigen Bauchorgane insbesondere nach der Anwendung der Drastica sehr blutreich sind, zeigen entferntere Körperorgane (Gehirn, Lunge, Haut etc.)
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Abführmittel.
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dementsprechend Blutaimuth, indem das Blut von ihnen nach dem Darm abgeleitet ist. Die Thätigkeit der Nieren wird von einigen Laxantien im Anfang angeregt; so haben z. B. die Mittelsalze einige Stunden nach der Einführung vermehrte Diurese zur Folge. Im Allgemeinen aber wird die secretorische Nierenthätigkeit durch die Abführmittel entlastet. Dasselbe gilt für die Schweissdrüsen. Die gesteigerte Secretion der Darmdrüsen bringt ferner eine Ausscheidung von Infectionsstoffen. Stoffwechselproducten und Giften aus dem Blute mit sich. Die Entleerung des Darmcanals ist weiterhin gleichbedeutend mit Nahrungsentziehung. Auch die im Darme sich abspielenden Vorgänge sind mehr oder weniger mit Appetit- und Verdauungsstörungen verbunden. Endlich kommt für die Drastica ähnlich wie bei den hautreizenden Mitteln eine allgemeine Einwirkung auf das Nervensystem, sowohl auf das vegetative, wie auf das animale, in Betracht. Hierbei spielt insbesondere das Princip des sogen. G-egenreizes eine Rolle.
Anwendung der Abführmittel. Entsprechend der mannigfaltigen quot;Wirkung der Abführmittel werden dieselben bei einer grossen Anzahl von Krankheiten angewendet.
1,nbsp; nbsp;Bei Verstopfung und unterdrückter Peristaltik im Verlaufe von Darmkatarrhen, bei der Kolik der Pferde, der Fäcal-stase der Hunde, bei hochgradigem, die Secretion der Dannsäfte sistirendem Fieber.
2.nbsp; Bei Ueberfütterung der Pflanzenfresser sowie zur Entfernung von Fremdkörpern, Griffen, Parasiten und Infectionsstoffen aus dem Darm.
8. Bei Diarrhöen und Magendarmkatarrhen, welche durch gährende Futtermassen oder infectiöse Stoffe im Darmcanal unterhalten werden. Hierher gehört vor Allem die Ruhr, die Staupe der Hunde, die Influenza der Pferde, die Rothlauf-seuche der Schweine, das Geflügeltyphoid. Hauptabführmittel hierbei ist wegen seiner gleichzeitig desinficirenden Wirkung Calomel.
4.nbsp; nbsp;Bei Leberkrankheiten, insbesondere beim hepatogenen Icterus.
5.nbsp; Bei Hyperämie und Entzündung der Lungen, der Pleura, des Gehirns, des Rückenmarks, der Haut (Urticaria) und Huflederhaut (rheumatische Huf entzündung), des Euters (Mastitis) u. s. w. als ableitendes und entzündungswidriges Mittel.
6.nbsp; Bei wassersüchtigen Zuständen sowie zur Beförderung der Resorption flüssiger und fester Exsudate im Körper.
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Abführmittel.
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7.nbsp; Bei acuten und chronischen Nierenentzündungen und IT ramie zur Compensation der Nierensecretion durch die Secretion der Darmdrüsen.
8.nbsp; Bei Gicht und anderen Stoffwechselkrankheiten zur Ausscheidung der abnormen Stoffwechselproducte (Harnsäure etc.) durch die Darmsäfte.
9.nbsp; nbsp;Bei Fettsucht und Vollblütigkeit, sowie bei gesteigertem Geschlechtstrieb als nahrungsentziehendes und schwächendes Mittel.
10.nbsp; Als Prophylacticum gegen die Gebärparese des Kindes und die rheumatische Hämoglobinämie der Pferde.
11.nbsp; Als Vorbereitungsmittel für Darmoperationen (Laparo-tomie).
Contraindicirt ist die Anwendung der Abführmittel bei schwerer, nicht infectiöserMagendarmentzündung, bei sehr schwächlichen, blutarmen Thieren, bei vorgeschrittener Trächtigkeit (Abortus nach Ese-rin), bei manchen Formen der Peritonitis (Verbreitung der Entzündung über das ganze Bauchfell durch die gesteigerte Peristaltik) sowie bei Mastdarmvorfällen. In allen diesen Fällen kann, wenn ein Abführmittel absolut nothwendig erscheint, am ehesten noch das Ricinusöl und Calomel angewandt werden. Bei Milchkühen sollten, wegen des Uebergangs der Abführmittel in die Milch, hauptsächlich Mittelsalze und andere indifferente Mittel gegeben werden.
Die einzelnen Abführmittel. 1. Aloe. Wichtiges Laxans für Pferd und Rind bei Verstopfungskoliken, chronischen Darmkatarrhen, Gehirnentzündung, Ehehe u. s. w.; gleichzeitig auch Cholagogum ; Nachtheil: langsame Wirkung (1836 Stunden nach dem Eingeben). Dosis für Pferde 2550,0, für Binder 4060,0; Dosis des Extractum die Hälfte.
2.nbsp; Die Mittelsalze: Natrium sulfuricum, Kalium sulfuri-cum, Magnesium sulfuricum, Karlsbadersalz, Salpeter, Weinstein u. s. w. Die mild und langsam wirkenden Purgantien werden für sich allein oder zur Unterstützung anderer Abführmittel (Aloe, Eserin) bei Verstopfung, Kolik, zur Ableitung auf den Darm etc. gegeben. Sie wirken gleichzeitig diuretiseh und galletreibend. Für das Rind sind sie im Allgemeinen etwas zu schwach ; auch beim Pferde tritt die Wirkung erst nach 12 Tagen ein. Für Hunde sind sie zu voluminös. Dosis des Glaubersalzes, Bittersalzes und Karlsbadersalzes für Pferde 250500,0, Binder 5001000,0, Schafe und Ziegen 50100,0, Schweine 2550,0, Hunde 1025,0, Katzen und Geflüarel 25,0. Dosis des Salpeters für Pferde 815,0, Binder 10 bis 25,0.
3.nbsp; nbsp;Calomel. Wichtigstes Laxans für Hunde und Schweine. Bestes Desinfectionsmittel für den Darm. Darf auch bei Entzündungszuständen und Geschwüren im Darm gegeben werden. Beim Rinde zu vermeiden. Vorsicht beim Pferde. Dosis für Pferde 28,0, für Schweine 14,0, für Hunde 0,030,1, Geflügel ebensoviel, Katzen 0,010,05.
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Abführmittel.
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4.nbsp; nbsp;Brechweinstein. Gutes Laxans für Pferde und Kinder, namentlich bei Kolik, Gebärparese und zur Ableitung auf den Darm bei Entzündungskrankheiten. Bei schwächeren Thiereu zu vermeiden. Dosis für Pferde 2-10,0, Rinder 1020,0, Schafe 0,52,0.
5.nbsp; Eserin. Schnellstes Laxans für das Pferd bei Kolik und Verstopfung. Wirkung innerhalb 'js Stunde. Empfehlenswerth ist die Combination von Eserin und Pilocarpin. Dagegen ist Eserin zu vermeiden bei starker Ausdehnung und Lähmung des Darmes, bei Magenüberfüllung, Tympanitis, Krampfkolik, trächtigen und dämpfigen Pferden. Dosis für das Pferd 0,1 subcutan.
6.nbsp; Ricinusöl. Mildes Laxans für alle Hausthiere, namentlich für Hunde. Kann auch bei Darmentzündung gegeben werden. Bei Phosphor-und Cantharidenvergiftung zu vermeiden. Dosis für Hunde 1560.0, Pferde 250500,0, Rinder 500-1000,0, Fohlen, Kälber, Schafe, Ziegen 50 bis 250,0, Schweine 50100,0. Katzen und Geflügel 1030,0.
7.nbsp; Crotonöl. Stärkstes Drasticum für das Pferd. Besser durch andere Mittel zu ersetzen. Jedenfalls contraindicirt bei Darmentzündung und schwächlichen sowie empfindlichen Thieren. Dosis für Pferde 10 bis 20 Tropfen, Rinder 1530 Tropfen, Hunde 12 Tropfen.
8.nbsp; nbsp;Rhabarber. Sehr schwaches Laxans für Hunde und Katzen mit nachfolgender Verstopfung. Gleichzeitig stomachicale und cholagoge Wirkung. Dosis für Hunde 515,0, Katzen und Geflügel 25,0, Dosis der Tinctura Rhei aquosa und vinosa als Abführmittel für Hunde 25 Esslöffel, für Katzen l/s2 Esslöffel.
Sennesblätter. Abführmittel für kleine Hausthiere, besonders Schweine. Dosis für Schweine 1025,0. Hunde 515,0, Katzen 2 5,0, Geflügel 12,0.
Gutti. Drasticum für Schweine und Hunde. Dosis 24,0. resp. 0,21,0.
Jalape. Drasticum. Cholagogum und Hydragogum für kleine Hausthiere. Dosis für Schweine 515,0, Hunde 0,54,0.
Podophyllin. Starkes Drasticum und Cholagogum. Vorsicht bei der Dosirung: Hunden 0,10,25,
Coloquinthen. Desgleichen. Dosis für Schweine 8,0, für Hunde und Katzen 0,5^2,0.
Svrupus Rhamni catharticae. Desgleichen. Dosis für Hunde 12 Esslöffel,
Schwefel. Als Laxans selten mehr benützt. Dosis für Schweine 1025,0.
Manna. Schwächstes Abführmittel. Dosis für Hunde 1050,0,
Glycerin. In Form des Klystiers angewendet. Unsicheres Laxans.
Regel bei allen Abführmitteln, namentlich beim Pferd und Rind ist, dass man die Thiere vorher durch Nahrungsentziehung und reichliehe Wasserzufuhr vorbereitet, während der Laxirwirkung vor Erkältung und Ueberanstrengung schützt, im Bedürfnissfall etwas bewegt und für gewöhnlich nur eine Dosis verabreicht. Dies gilt ganz besonders für die Aloe und das Crotonöl. Meist wird zur Erzielung einer Laxirwirkung nur ein Abführmittel, also z. B. Eserin, Calomel, Aloe. Ricinusöl verabreicht. In manchen Fällen werden indessen herkömmlich mehrere Mittel mit einander combinirt. So verordnet man bekanntlich Brechweinstein oder Aloe zusammen mit Glaubersalz, Crotonöl zusammen mit Ricinusöl. Im Gegensatz zu diesen mehr empmschen Combinationen hat Ellenberger auf Grund wissenschaftlicher Erwägungen über das Zustandekommen der Abführ-
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Verstopfende Mittel.
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Wirkung vorgeschlagen, das Es er in mit Piloearpin zu combiniren, um die tetanisirende Wirkung des erstereu durch die drüsenerregende des letzteren zu unterstützen. Diese Combination hat sich in der Praxis sehr bewährt. In ähnlicher Weise dürfte es sich empfehlen, das Eserin mit Mittelsalzen in der Weise zu combiniren, dass man beim Pferd 12 Stunden vor der Eserininjection eine Gabe ölanbersalz oder Bittersalz verabreicht.
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i. Yerstopfende Mittel. Styptica1).
Synonyma: Enterostyptica2), Autidiarrhoica3), übstruentia4), Antidysen-terioa5), Anticatharticaquot;), Anexosmotica;), Adstringentien8), Proteotiva9).
Wirkung und Anwendung. Die den Abführmitteln entgegengesetzt wirkenden verstopfenden Mittel haben theils die Aufgabe, bei bestehenden Diarrhöen die gesteigerte Empfindlichkeit der Darmschleimhaut direct oder indirect herabzusetzen, theils die vermehrte Darmperistaltik zu beruhigen, theils die hyperämische und geschwollene Darmschleimhaut zu contrahiren und auszutrocknen, theils endlich abnorme Gährungsprocesse als Ursache der Darmreizung im Darm-canal zu verhindern. Darnach unterscheidet man folgende Gruppen von enterostyptischen Mitteln:
1.nbsp; nbsp;Einhüllende Styptica (Proteotiva): Leinsamen, Althäa-wurzel, Gummi, Pulvis gummosus, Traganth, Salej), Malven, Emulsionen, schleimige Nahrungsmittel (Haferschleim, Gerstenschleim, Reiswasser). Der in diesen Mitteln enthaltene Pflanzenschleim wirkt auf die entzündlich gereizte und abnorm empfindliche Darmschleim-haut indirect deckend und einhüllend, so dass dieselbe mit dem reizenden Darminhalt nicht mehr direct in Berührung kommt. Diese erste Gruppe von styptischen Mitteln wirkt naturgemäss nur schwach stopfend und ist daher nur bei leichten Diarrhöen sowie im Anfang der Krankheit indicirt. Häufig werden sie mit einem der nachfolgenden Mittel combinirt.
2.nbsp; nbsp;Narkotische Sty2)tica: Opium, Morphium, Code'in. Dieselben bewirken eine Anästhesirung der Darmschleimhaut und ver-
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') zxü-fm, zusamnienzieheu, stopfen; -tu^tiv.ö? , zusammenziehend. In der Chirurgie versteht man unter einem Stypticumquot; ein blutstillendes Mittel.
2)nbsp; lytepov, (redärm, Eingeweide; ^tu'fou, zusammenziehen, stopfen.
3)nbsp; nbsp;am, gegen; Sia^etu, durchfliessen, Durchfall haben.
4)nbsp; nbsp;Obstruere, verstopfen.
5)nbsp; nbsp;ävti, gegen; Dysenterie, Ruhr (ouc, schlecht, krank; tfvrepov, Eingeweide). quot;) ävxi, gegen; xaiHipiu, reinigen; vwzö-apa'.;, Reinigung, Durchfall.
7) ä privativum; Exosmosis, Ditt'usion, Flüssigkeitsströmung.
s) Adstringere, zusammenziehen.
9) Protegere, bedecken, schützen; Protectivnm, Deckmittel, Schutzmittel.
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Verstopfende Mittel.
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hindern dadurch die retiectorischo Erregung der Peristaltik. Ausserdem wirken sie reizend auf den Nervus splanchnicus, den Hemmungsnerven des Darmes. Namentlich das Opium ist eines der werthvollsten Antidiarrhoica, welches in keinem schwereren Fall von Diarrhöe, Ruhr, Darmentzündung fehlen sollte. Häutig gibt man das Opium zusammen mit schleimigen Mitteln.
3.nbsp; Adstringirende Styptica: Tannin sowie die ganze Keihe der tanninhaltigen, sogen, pflanzlichen Adstringentien: Eichenrinde, Chinarinde, Rhabarber, Oalläpfel, Catechu, Ratan-hiawurzel, Tormentillwurzel, Salbeiblätter, Folia Uvae Ursi, Folia Juglandis, Kaffee, geröstete Eicheln etc.; ferner die sogen, metallischen Adstringentien: Alaun, Ferrum sulfuricum, Bleizucker, Argentum nitricum, Zinkoxyd, Bolus, Calcium carbonicum, Kalkwasser u. a. Diese adstringirenden Mittel wirken durch Contraction der Blutgefässe der hyperämischen und entzündeten Darmschleimhaut, durch Schrumpfung und Austrocknung derselben sowie durch die Bildung eines mehr oder weniger festen Tannin- resp. Metallalbuminatschorfes. Am stärksten wirken die metallischen Adstringentien stopfend, während die pflanzlichen, tanninhaltigen bei schwereren Durchfällen, namentlich beim Pferd und Rind auch in sehr grossen Dosen häutig im Stiche lassen.
4.nbsp; Antiseptische Styptica: Calomel, Creolin, Bismuthum subnitricum, Salicylsänre, Naphthalin, Theer, Kreosot u.a. Ihre Wirkung beruht in der Hemmung oder Vernichtung von Gährungs-erregern und Infectionsstoffen im Darmcanale, welche durch ihre Zer-setzungsproducte den Durchfall erzeugen und unterhalten. Insbesondere werden die Ruhr und andere infectiöse Durchfälle mit Creolin, Calomel etc. wirksam behandelt.
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Arzneimittel. 1. Opium. Ausgezeichnetes Stypticum für alle Haus-thiere bei Kuhr, Darmkatarrh und Darmentzündung. Dosis für Pferde 5 bis 20,0, Rinder 1025,0, Schafe, Ziegen, Fohlen, Kälber und Schweine 1 bis 3,0, Hunde 0,10,5, Katzen 0,050,2, Hühner 0,1, Tauben 0,05. Dosis der Opiunitinctur das Zehnfache.
2.nbsp; Tannin. Stypticuni für leichtere Diarrhöen my kotischen, toxischen und infectiösen Ursprungs. Dosis für Pferde 5 15,0 und darüber, Rinder 10-25,0, Schafe und Ziegen 25,0, Hunde 0,1-0,5, Geflügel 0,01-0,05. Dosis der tanninhalticren Pflanzenpulver (Eichenrinde etc.) für Pferde und Rinder 2550,0.
3.nbsp; Rhabarber. Werthvolles Antidiarrhoicum bei der Ruhr der Säuglinge, namentlich bei der weissen b'uhr der Kälber und Fohlen. Dosis für Pferde und Hinder 25-50,0, Kälber und Fohlen 510,0, Hunde 12,0, Lämmer, Geflügel und Katzen 0,51,0. Dosis der Tincturen für Hunde '/#9632; bis 1 Theelöffel.
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ßlähungstreibende Mittel.
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4.nbsp; nbsp;Alaun. Mildes Styptieum gegen Diarrhöe und Darmblutungen. Dosis für Pferde und Kinder 1025,0, für Hunde 0,52,0.
5.nbsp; F er rum sulfuricum. Stärkeres Styptieum namentlich für infectiöse Diarrhöen, Ruhr, Hühnercholera, Magen- und Darmblutungen. Dosis für Pferde und Rinder 1025,0, Hunde 0,10,5, Geflügel 0,050,2.
6.nbsp; nbsp;Kalkwasser. Gutes Styptieum gegen die Diarrhöe der Säuglinge, Ruhr und Darmgeschwüre. Dosis für Kälber v4^ 1, Hunden esslöffel-weise. Aehnlich wirkt der kohlensaure Kalk.
7.nbsp; nbsp;Bleizucker. Sehr starkes Styptieum bei hartnäckigen Durchfällen. Vorsicht beim Bind. Dosis für Pferde 212,0, Rinder 14,0, Schafe, Ziegen und Schweine 0,31,0, Hunde 0,050,3, Katzen und Geflügel 0,010,05.
8.nbsp; nbsp;Höllenstein. Stärkstes Styptieum, das in allen den Fällen angewendet wird, wenn andere Antidiarrhoica iifi Stiche lassen. Specificum gegen Darmgeschwüre. Dosis für Pferde und Rinder 0.52,0, Schafe, Ziegen und Schweine 0,10,5, Hunde 0,010,05, Geflügel und Katzen 0,01 bis 0,02.
9.nbsp; nbsp;Creolin. Specificum gegen Diarrhöen mj-kotischen und infectiösen Ursprungs, Kälberruhr, Diarrhöe der Ferkel u. s. w. Dosis für Pferde und Rinder 1025,0, Kälber, Schafe, Ziegen und Schweine 510,0, Hunde 0,52,0, Geflügel 0,10,25. In ähnlichen Dosen wird Naphthalin angewandt.
10.nbsp; nbsp;Calomel. Styptieum bei rühr artigen Durchfällen des Hundes (0,030,1); bei Rindern, Schafen und Ziegen zu vermeiden.
11.nbsp; nbsp;Bismuthum sub nitric um. Desinficirendes Styptieum für alle Hausthiere. Dosis für Pferde 5-15,0, Hunde 0,252,0.
Von diätetischen Stypticis sind geröstetes Mehl, Kaft'ee, Roth wein etc. zu erwähnen.
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5. Blähungstreibemle Mittel. Carniinativa1).
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Begriff. Mit dem Namen Carminativa bezeichnet man eine Grupj^e von Arzneimitteln, welche das gemein haben, dass sie Blähungen im Darmcanal beseitigen. Die aus abnormen Gährungen des Darminhaltes hervorgehenden Gase (Kohlenwasserstoffe, AVasserstoff, Schwefelwasserstoff, Kohlensäure) bedingen einerseits Flatulenz und Tympanitis, andererseits schmerzhafte Dehnungen und krampfhafte Contractionen der Darmwandung (Windkolik). Beim Pferd findet die Gasansammlung besonders im Dickdarm, bei den Wiederkäuern im Pansen, bei den kleinen Hausthieren im Dünn- und Dickdarm statt. Man unterscheidet drei Arten von Carminativa:
1. Krampfstillende Mittel; hierher gehören die ätherischen Oele: Kümmel, Fenchel, Anis, Kamillen, Pfefferminz,
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') Garminare, zupfen, Wolle krampen. Nach Anderen leitet sich das Wort von dem Hauptrepräsentanten der vorliegenden Gruppe, dem Kümmel: Carum Carvi, ab.
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Galletreibende Mittel.
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Melissen, Baldrian, Angelica, Knoblauch, Asa fötida, ausserdem Aether und Sjuritus äthereus.
2.nbsp; nbsp;Gras absorbirende Mittel: Pulvis Magnesiae cum Rheo, Magnesia usta, Kalkwasser, Salmiakgeist u. a.
3.nbsp; nbsp;Grährungswidrige Mittel: Creolin, Calomel, Naphthalin, Theerwasser ü. a.
Arzneimittel. 1. Aetliereo-OIeosa (Kümmel, Camillen, Pfefferminz etc.). Dieselben besitzen krampfstillende und gleichzeitig gährungs-widrige Wirkung und sind die gebräuchlichsten Carminativa. Dosis: Pferd 1025,0, Eind 2550,0, Hunde 0,5-2,0. Dosis der reinen ätherischen Oele : Pferden 15,0, Hunden tropfenweise).
2. Aether. Gutes Carminativum für Pferde und Hunde. Dosis für erstere 2550,0, für letztere 25,0 (innerlich).
8. Pulvis Magnesiae cum Rheo. Wichtiges Carminativum (Ab-sorbens) für Säuglinge (Hunden messerspitzenweise).
4.nbsp; Creolin. Pferden und Rindern 1025,0. Kälbern, Schafen und Ziegen 510,0.
Ausserdem sind die Abführmittel von blähungstreibender Wirkunar.
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(gt;. Galletreibende Mittel. Cholagoga'j.
Synonyma: Hepatica2), Hepatica Stimulantia 3), Lebermittel.
Wirkung und Anwendung. Die galletreibenden Mittel bewirken eine gesteigerte Secretion der Galle durch directe Einwirkung auf die Drüsenzellen der Leber; zum Theil erregen sie auch reflectorisch vom Magen und Darm aus die Grallenabsonderung. Sie werden daher bei allen Leberkrankheiten angewandt, bei welchen die Secretion der Gralle vermindert ist, so namentlich beim Icterus. Nach den Untersuchungen von Rutherford (British med. Journ. 1877) hat man zwischen solchen galletreibenclen Mitteln zu unterscheiden, welche ausschliesslich auf die Leber wirken, und solchen, welche gleichzeitig laxirende Wirkung besitzen.
1. Gralle treib endeLaxantiensind: Rhabarber, Aloe.Podo-phyllin, Jalappen, Coloquinten, G^utti, Colchicum. Evo-nymin, Leptandrin, Baptisin u. s. w.; ferner die Mittelsalze: Natrium sulfuricum, Kalium sulfuricum, Natrium phos-phoricum, Tartarus depuratus.
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') yoX-Jj, Galle; a-^iu, treiben, austreiben.
2)nbsp; nbsp;Hepar, Leber; Hepaticum, Lebermittel.
3)nbsp; nbsp;Hepaticum, Lebermittel; stimulare, reizen.
Frölmer, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.
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CteUetreibende Mittel.
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2. Einfache Cholagoga sind: Ipecacuanha, Natrium salicylicum und benzoicum, Ammonium phosphoricum, Salpetersäure, Salpeter-Salzsäure.
Die früher als galletreibende Lebermittel geltenden Arzneimittel: Calomel, Bittersalz, ßicinusöl und Crotonöl wirken im Gegentheil beschränkend auf die Secretion der Galle, indem sie die Darmdrüsen in besondei's starker Weise anregen. Sie können daher wohl auch als Anticholagogaquot; bezeichnet werden; eine ähnliche secretions-beschränkende Wirkung auf die Galle besitzt ausserdem noch der Bleizucker.
Arzneimittel. 1. Rhabarber, Aloe, Glaubersalz, Karlsbadersalz etc. Vergl. die Dosis bei den Laxantien. S. 28.
2. Ipecacuanha. Dosis für Schweine und Hunde 13,0.
8. Natrium salicylicum. Dosis für Pferde und Rinder 2575,0, Schweine 25,0, Hunde 0,252,0.
4. Salpetersäure. Dosis Hunden tropfenweise (verdünnt).
Ueber die galletreibende Wirkung der Brechmittel vergl. S. 21.
Ausserdem wird die Gallensecretion gesteigert dtirch reichliche Zufuhr von Wasser sowie durch Pleischfütterung.
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Mittel für den Circulationsapparat.
Allgemeines. Der Circulationsapparat wird durch eine grosse Anzahl von Arzneimitteln therapeutisch beeinfiusst. Man unterscheidet speciell Mittel für das Herz, für das Blut, für die Blutgefässe und Lymph-gefässe, sowie für die Resorption. Vom Nervensystem des Circulations-apparates haben besondere Beziehungen zu bestimmten Arzneimitteln der Nervus Vagus resp. das Vaguscentrum, das vasomotorische Centrum mit den Vasoconstrictoren und Vasodilatatoren und der Sym-pathicus. Für die Zwecke der Praxis theilt man die Mittel in folgende Untergruppen ein:
1.nbsp; Herzmittel. Cardiaca.
2.nbsp; Blutbildende Mittel. Blutplastica.
3.nbsp; Blutstillende Mittel. Haemostatica.
4.nbsp; Grefässverengende Mittel.
5.nbsp; Gefässerweiternde Mittel.
6.nbsp; Resorbirende Mittel.
1. Herzmittel. Cardiaca1).
Syiionyina : Polysphyn-mioa2), Bradysphygmica3); herzerregende, herz-kräftigende, herzberuhigende Mittel.
Eintheilung. Die Herzmittel werden je nach ihrer Wirkung ähnlich wie die Neurotica in erregende und beruhigende eingetheilt; ausserdem unterscheidet man noch sogen, tonisirende Cardiaca.
1. Die erregenden Herzmittel (Cardiaca excitantia s. Stimulantia) sind: Hyoscin, Atropin, Coffein, Veratrin, Kampher, Alkohol, Aether, Ammoniak, kohlensaures Ammonium, sowie manche ätherische Gele (Valeriana, Arnica etc). Dieselben
') xaoSilaquo;, Herz; xccpSuxxo$, zum Herzen gehörend.
-) icoXu;, viel, stark; ^xuyiio;, Puls.
;,) ßpaSoj, kurz, langsam ; cüpu-ffioc, Puls.
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3(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Herzmittel.
wirken theils durch Lahmung des Vagus (Hemmungsnerv) in seinem Centrum oder in den peripheren intracardialen Granglienzellen, theils durch Erregung des Sympathicus und des vasomotorischen Centrums, theils durch Eeizung des Myocardiums.
2.nbsp; Die tonisirenden Herzmittel (Cardiaca tonica) sind: Digitalis, Strophanthus. Scilla, Coffein, Spartein, Adonidin, Convallamarin. Dieselben wirken im Wesentlichen reizend auf das Vaguscentrum und die Vagusendigungen im Herzen.
3.nbsp; Die beruhigenden Herzmittel (Cardiaca sedativa s. tem-perantia) sind: Bromkalium, Chloralhydrat, Jodkalium, B rech we inst ein. Sie erzeugen theils Narkose in den cardialen Centren der Medulla oblongata, theils wirken sie lähmend auf die Muskulatur des Herzens.
Anwendung. Die erregenden Herzmittel werden in allen Fällen von Herzschwäche angewandt, wie sie im Verlaufe von Herzkrankheiten, heberhaften Infectionskrankheiten, Vergiftungen, anämischen und cachektischen Zuständen, bei Ohnmacht u. s. w. beobachtet werden. Die wichtigsten Erscheinungen der Herzschwäche, welche die Anwendung der Excitantien indiciren, sind: schwacher oder unftthlbarer, sehr frequenter oder seltener Puls, schwacher oder unfühlbarer Herzschlag, schwach hörbare Herztöne, Dyspnoe, Collaps.
Die t onisir enden Herzmittel sind Specifica für bestimmte Herzkrankheiten, vor allem für die Klappenfehler im Stadium der Insufficienz. Sie haben die Aufgabe, die Contractionen des Herzmuskels zu kräftigen, die Herzthätigkeit zu verlangsamen und zu reguliren, zwischen den einzelnen Herzactionen längere Erholungspausen zu schaften und den Blutdruck zu steigern. Sie sind angezeigt bei abnorm beschleunigtem, unregelmässigem, schwachen Pulse und gleichzeitiger tumultuarischer Herzthätigkeit. Dagegen sind sie durchaus contraindicirt im Stadium der Compensation der Klappenfehler, sowie bei Herzhypertrophie und Herzklopfen, mithin in allen Fällen, in welchen der Puls kräftig ist.
Die beruhigenden Herzmittel gibt man bei abnormen Er-regungszuständen des Herzens, welche nervösen Ursprungs sind, so vor allem beim Herzklopfen.
Arzneimittel. 1. Digitalis. Wichtigstes Cardiacum für nicht compensirte Klappenfehler. Dosis der Blätter für Pferde und Rinder 25,0, Hunde 0,10,3.
2. Coffein. Eines der besten Cardiaca bei Herzschwäche aller Art. Sehr rasche Wirkung bei subcutaner Anwendung. Ersatzmittel der Digitalis.
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Herzmittel.
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Specifisches Antidot bei Herzgiften. Dosis: Pferd und Eind 510,0, grosse Hunde 0,52,0, kleine Hunde 0,10,5.
3.nbsp; Strophanthus. Ersatzmittel für Digitalis. Stärkstes Excitans bei Herzschwäche im Verlaufe von Klappenfehlern. Dosis der Tinctur per os (nicht subeutan) für Pferde 1025 g, Hunde 1025 Tropfen.
4.nbsp; Hyoscin und Atropin. Sehr starke Erregungsmittel bei Herzschwäche im Verlaufe von Herzkrankheiten, Infectionskrankheiten und Vergiftungen. Sehr schnelle Wirkung bei subcutaner Anwendung. Dosis des Atropinum sulfuricum für Pferde und Rinder 0,050,1, für Hunde 0,010,05. Dosis des Hyoscinum hydrojodicum: den zehnten Theil.
5.nbsp; nbsp;Veratrin. Kräftiges Excitans bei fieberhafter Herzschwäche. Dosis für Pferde und Rinder (subeutan in spirituöser Lösung) 0,050,2, für Hunde 0,001-0,005.
6.nbsp; nbsp;Camp her. Vielbenütztes Excitans für alle Arten von Herzschwäche. Anwendung subeutan als Campherspiritus oder Campheröl. Dosis derselben für Pferde und Rinder 525,0, Hunde 25,0.
7.nbsp; nbsp;Alkohol. Vorzügliches Excitans bei allen Sehwächezuständen des Herzens. Dosis für Pferde und Rinder 2550,0 (50150,0 Branntwein), Schafe und Ziegen 1020,0, Hunde 25,0 (Wein esslöffelweise).
8.nbsp; Aether. Desgleichen. Dosis (subeutan) für Pferde und Rinder 1025,0, Hunde 0,52,0.
9.nbsp; nbsp;Ammonium carbonicum. Gutes und billiges Excitans bei Herzschwäche. Dosis für Rinder 2050,0, Pferde 1025,0, Schafe, Ziegen, Schweine 25,0.
10.nbsp; nbsp;Baldrian. Aelteres, aber gutes Excitans. Am besten in Form der Tinctura Valerianae aetherea anzuwenden. Dosis derselben für Pferde und Rinder 20-50,0, Schafe und Ziegen 510,0, Hunde 0,22,0, Katzen und Geflügel 0,1-0,5.
11.nbsp; Bromkalium und C h 1 o r a 1 h v d r a t. Sedativa bei Herzklopfen. Dosis für Pferd und Rind 20-50,0, Hunde 12,0.
12.nbsp; Jodkalium. Beruhigendes und den Blutdruck herabsetzendes Mittel bei Herzhypertrophie und Herzklopfen. Dosis für Pferde und Rinder 515,0, Hunde 0,251,0, Katzen 0,1-0,2.
Ausserdem wirken erregend auf die Herzthätigkeit Hautreize, beruhigend Kälte und Ader 1 ass.
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2. BIutMldende Mittel. Blutplastica1).
Synonyma: Haematica 2), Haematopoetica 3), Haematinica, Erythrotica4), Hyperinotica 5), Euplastioac).
Wirkung. Die blutbildenden Mittel können auf zweierlei Weise wirken:
1. Als directe Blutplastica bezeichnet man diejenigen Arzneimittel, welche Bestandtheile des Blutes bilden: Eiweiss, Pepton,
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') TÜM^m, nXäxTu), bilden, ernähren.
#9632;2) auia, Blut; alp.aTiKo;, zum Blute gehörig.
') aifiot, Blut; iroisiv, schaffen, bilden.
4) spoftpoc, roth; Erythroticum, rothmachend (rothe Blutkörperehen bildend).
') i'?, Faserstoff, Eiweiss; u-sp, über, mehr.
c) th, wohl, gut; -Xäslaquo;), -La-xw, bilden, ernähren.
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Blutbildende Mittel.
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Eisen. Kalisalze, Kochsalz, Phosphate, Schwefel, Fleisch-extract, Trefusia u. a. Diese Arzneimittel ersetzen direct die dem Blute bei Krankheiten fehlenden Stoffe.
2. Die indirecten Blutplastica sind als solche im normalen Blute nicht enthalten, sondern bewirken eine Aufbesserung der Zusammensetzung des Blutes mittelbar durch Steigerung des Stoffwechsels, der Assimilation und Ernährung. Das wichtigste indirecte Haemato-poeticum ist der Arsenik. Ausserdem gehören hierher der Alkohol, der Phosphor, die Alkalien und nach der herkömmlichen Anschauung das Chinin.
Anwendung. Die Blutplastica werden in erster Linie bei den verschiedenen constitutionellen Blutkrankheiten angewandt, insbesondere bei Anämie, Hydrämie, Leukämie, Chlorose und perni-ciöser Anämie. Ausserdem gibt man sie im ßeconvalescenzstadium nach schweren und langwierigen Krankheiten, sowie bei allen dys-krasischen und cachektischen Zuständen. Praktisch wichtig ist, dass man die Blutplastica wegen der meist vorhandenen Verdauungssclnväche in möglichst leicht resorbirbarer Form und in kleinen, wiederholten Gaben anwendet. Insbesondere die Eisensalze und der Arsenik sind sehr vorsichtig zu dosiren.
Arzneimittel. 1. Eisen. Hauptmittel bei Anämie, Chlorose, Hydrämie und Leukämie. Die gebräuchlichsten Eisenpräparate in der Thier-heilkunde sind: Ferrtun pulveratum, Ferrum sulfuricum und Tinctura Fern pomata. Dosis des gepulverten Eisens und des Eisenvitriols für Pferde und Binder 15,0, Hunde 0,020.2, Schafe 0,51,0; Dosis der Tinctura Ferri pomata für Hunde 1020 Tropfen.
2.nbsp; nbsp;F1 e i s c h e x t r a e t. Ideales Hämatopoeticum bezüglich Ersatz der Blutsalze (Kalisalze, Phosphate). Dosis für Hunde 210,0.
3.nbsp; Kalium bicarbonicum. Blutplasticum besonders bei Chlorose und Anämie. Dosis: Pferd und Rind 25100,0. Schaf 510,0, Hund 0,52.0.
U-Kochsalz. Blutplasticum bei chronischen Ernährungsstörungen. Dosis wie beim vorigen.
^. Schwefel. Blutplasticum bei den eigentlichen Blutkrankheiten. Dosis für Pferde und Rinder 25,0, Schafe 0,51,0, Hunde 0,05-0,2.
6.nbsp; Pepton. Allgemeines Diäteticum. Dosis für Hunde 1025,0.
7.nbsp; Arsenik. Werthvolles Blutplasticum bei allen Blutkrankheiten und chronischen Ernährungsstörungen. Dosis des Arseniks für Pferde und Rinder 0,10,5. Schafe 0,010,05, Hunde 0,0010,005; Dosis der Fow-ler'schen Lösung für Pferde und Rinder 1050,0, für Schafe 15,0, für Hunde 0,1-0.5 (2-10 Tropfen).
Endlich sind alle diätetischen Mittel auch Blutplastica. Das früher statt des Eisens anarewandte Mangan hat sich nicht bewährt.
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Blutstillende Mittel.
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3. Blutstillende Mittel. Haemostatica1).
Synonyma; Styptica2), Antihaemorrhan-iea3), Adstringentia*), Agglatina-r tiva5), Rophetica c).
Wirkung und Anwendung. Die blutstillenden Arzneimittel werden bei äusseren parenehymatösen. sowie bei inneren Blutungen angewandt. In allen Fällen von arteriellen oder venösen äusseren Blutungen sind die Haemostatica wirkungslos, es muss vielmehr das chirurgische Heilverfahren (Ligatur, Compression) eingeleitet werden.
Die quot;Wirkungsweise der Styptica ist eine verschiedene. Die einen bedingen in Folge directer Einwirkung auf die Muskelwandungen der Gefässe eine Gefässcontraction mit Verengung des Gefässlumens. So verengert beispielsweise der Höllenstein das Gefässlumen um die Hälfte. Die Verengerung bedingt eine Verminderung der Blutmenge. Verlangsamung und schliesslichen Stillstand der Circulation. Andere Stj'ptica wirken blutstillend durch Blutgerinnung, indem sie durch directe oder indirecte Einwirkung auf das Blut eine Coagulation desselben und einen Verschluss des Gefässlumens durch den entstandenen Thrombus herbeiführen. Auf diese AVeise wirkt z. B. Liquor Ferri. Manche Styptica wirken auch auf beiderlei Weise, so z. B. Tannin, Seeale, sowie die eben genannten Mittel. Weiter kann durch Verminderung des Blutdrucks die Blutgerinnung befördert werden (Säuren). Endlich wirken manche blutstillenden Mittel rein mechanisch durch Verklebung der blutenden Fläche (Styptica agglutinativa), so z. B. Gummi, oder durch Ansaugen des Blutes (Styptica rophetica s. spongiosa), so u. a. Schwamm.
Für die praktischen Zwecke der Therapie theilt man die Styptica in örtliche und allgemeine ein.
1. Die örtlichen Styptica (St. localia s. topica) dienen zur Blutstillung auf der Haut, auf zugänglichen Schleimhäuten, sowie in Form der Inhalation in der Lunge. Die wichtigsten derselben sind: Liquor Ferri sesquichlorati, Tannin, Argentum nitricuin, Zinc um chloratum. Plumbum aceticum, Alaun, Creolin, Kreosot, Terpentinöl, Eis, Glüheisen. Es gehören ferner hieher
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*) laquo;'.[ia, Blut; exam, stehen.
2)nbsp; nbsp;axüsiu, stopfen, zusammenziehen.
3)nbsp; nbsp;avx:, gegen; al|i,oppi|c;, Blutfluss, Blutung.
4)nbsp; nbsp;adstringere, zusammenziehen.
quot;) gluten, glutinum, Leim; agglutinare, zusammenleimen. r') (jo-üim. schlürfen, einsaugen, aufsaugen.
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Blutstillende Mittel.
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die Styptica agglutinative: Gummi arabicum, Traganth, Colo-phonium, Colloclium, Stärkmehl, Kreide, Gyps etc., sowie die Styptica rophetica: Schwamm, Baumwolle, Penawar-Djambi (Spreuhaare eines ostindischen Farrenbaums, in Oesterreicb officinell als Paleae haemostaticae) u. s. w.
2. Die allgemeinen Styptica (St. generalia) wirken innerlich vom Blute aus. Die wichtigsten sind Seeale cornutum, Hydrastis canadensis. Plumbum aceticum, Tannin und Alaun. Ausser-dem sollen Digitalis, Terpentinöl und andere ätherische Oele. Säuren, Kochsalz etc. innerlich blutstillend wirken. Man verabreicht die innerlichen Styptica bei Uterus-, Nieren-, Blasen-, Darm-, Magen-, Leber-, Milz-, Lungen-, Gehirn-Blutungen etc. Im Uebrigen ist die quot;Wirkung der meisten derselben bei Magen- und Darmblutungen streng genommen eine locale (Tannin, Bleizucker, Alaun, Eisenvitriol, Liquor Ferri etc.) Auch ist im Allgemeinen der Heilerfolg der innerlichen Styptica, die Wirkung von Seeale und Hydrastis auf Blutungen im Uterus und den übrigen Hinterleibsorganen ausgenommen, ein unsicherer.
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Arzneimittel. 1. Seeale cornutum. Specificum gegen Uterus-blutungen, bestes inneres Stypticum. Dosis für Kinder 2quot;gt;50,0, Pferde 1525,0, Schafe und Ziegen 510,0, Schweine 25,0, Hunde 0,52,0, Katzen 0,21,0. Dosis des Extractes für Pferde und Binder 510,0, Hunde 0,21,0.
2. Hydrastiswurzel. Modernes Specificum gegen Uterusblutungen sowie Blutungen der Bauclieingeweide. Dosis des Extractum Hydrastis für Hunde 2030 Tropfen.
8. Tannin. Stypticum bei Magen-, Darm- und Nierenblutungen; äusserliches Hämostaticum. Dosis Pferde und Rinder 525,0, Schafe und Ziegen 25,0, Hunde 0,10,5. Ebenso wirken Eichenrinde, Chinarinde, Radix Ratanhiae und Tormentillae, Polia üvae Ursi, Catechu, Gallae etc.
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4.nbsp; Plumbum aceticum. blutungen. Empirisch bei Lungen-Dosis für Pferde 212,0, Rinder 0,05-0,3.
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Gutes Haemostaticum bei Magendarm-
, Nieren-, Blasen- und üterusblutungen.
14,0, Schafe, Ziegen 0,31,0, Hunde
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5.nbsp; Alaun. Stypticum bei Darmblutungen.
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Dosis für Pferde und
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Rinder 1025,0, Hunde 0,5-2,0.
6.nbsp; Liquor Ferrisesquichlorati. Bestes äusserliches Stypticum, unverdünnt oder mit Collodium als Collodium stypticumquot; 1 : 10 auf Wunden, in 15 n/o wässeriger Lösung auf Schleimhäute, in '^ 0|o Lösung als Inhalation gegen Lungenblutung. Innerlich stark verdünnt gegen Magendarmblutungen.
7.nbsp; Creolin. Aeusserliches Stypticum bei Operationen in Form des 3 quot;/eigen Creolinwassers.
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(.TeiassvereiigoriKk' Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 41
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4. Gefassverengernde Mittel.
Synonyma: Angiosthenica '}, Vascularia atlstrino-entia 2).
Wirkung. Eine Verengerimg der Blutgefässe (Arterien, Capillaren, Venen) kann entweder durch Einwirkung auf die Nerven, oder auf die Grefässmuskulatur, oder auf das Blut zu Stande kommen. Von nervösen Organen kommen in Betracht das vasomotorische Centrum in der Medulla oblongata, ähnliche Centren im Bückenmarke und Gehirn, sowie die peripheren vasoconstrictorischen Nerven; alle diese Grefässnerven und Centren können sowohl direct als rehectorisch erregt werden. Die Folge der Gefässverengerung ist eine Verminderung der Blutmenge in den betreffenden Gewehen, sowie eine Steigerung des Blutdrucks. Andere gefassverengernde Mittel wirken durch Blutgerinnung oder Wasserentziehung. Man unterscheidet äusserliche und innerliche Angiosthenica. Die wichtigsten äusserlichen gefässverengernden Mittel sind: Höllenstein, Bleizucker, Kupfervitriol, Zinkvitriol, Chlorzink, Sublimat, Eisenvitriol, Alaun, Tannin, Alkohol, Kalk, schwache Hautreize etc.; die wichtigsten innerlichen: Seeale cornutum, Hydrastis, Digitalis, Coffein, Stro-phanthus, Helleborein, Convallamarin etc.
Anwendung. Die gefässverengernden Mittel dienen zur Blutstillung (vergl. das vorige Kapitel), zur Beseitigung von Hyperämie, Entzündung, Stauung und sonstigen Circulationsstörungen in äus-seren und inneren Organen, zur Bekämpfung von Sehweilungen, Exsudationen, Transsudationen, Katarrhen, Polyurie, Ptyalismus, Hyperidrose, zur Behandlung von Aneurysmen, Varicen und An-giomen, zur Steigerung des Blutdrucks und zur Behandlung der Herzschwäche. Vergl. auch die Kapitel über Adstringentien und Antiphlogistica.
Arzneimittel. Höllenstein. Stärkstes Adstringens bei Haut- und Schleimhautentzündungen, entzündungswidriges Mittel bei Geschwüren und Verbrennungen. Anwendung in 510 0|oigen wässerigen oder Spirituosen Lösungen, als Salbe 1 : 10, sowie als '/^2%iges Augenwasser.
2.nbsp; Zinkvitriol. Wichtigstes Adstringens in der Augenheilkunde in Form 0,52 0/oiger wässeriger Lösungen. Auf den übrigen Schleimhäuten wird es in 15 quot;/oigen Lösungen angewandt. CTegen Entzündung und Ekzembildung der Haut wird Zinksalbe benützt.
3.nbsp; Bleiwasser. Vielgebrauchtes Adstringens bei Hautentzündung, Verbrennung, Ekzemen, Schleimhautkatarrhen etc.
4.nbsp; Kupfervitriol. Adstringens in der Augenheilkunde, bei Klauenseuche etc.
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') ä-pfsiov, Grefäss; ofl-Jjv, Kraft.
2J vas, Gefäss; adstringere, zusammenziehen.
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Cxefässerweiteriide Mittel.
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Die übrigen gefässverengernclen Mittel vergleiche im vorigen Kapitel über blutstillende Mittel, sowie bei den Adstringentien und Antiphlogistica.
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5. Gefässerweitemde Mittel.
Synonyma: Angioasthenica 'j.
Wirkung und Anwendung. Die gefasserweiternden Mittel bewirken die Erweiterung der G-efässe durch eine Erschlaffung der Ge-fässwandung (Lähmung der Yasoconstrictoren. Erregung der Taso-dilatatoren). Sie haben alle vermehrte Blutansammlung, Verminderung des Blutdrucks. Verlangsamung der Blutcirculation, sowie bei längerer Dauer der Gefässerweiterung Blutstauung mit Transsudation von Blutserum zur Folge. Die wichtigsten gefasserweiternden Mittel sind: Amylnitrit. Natrium nitrosum, Nitroglycerin, Morphium, Chloroform. Chloralhydrat, Bromkalium, Alkohol, Aether, Antifebrin, Ivairin, Atropin, Chinin, Arsenik, einige ätherische Gele, Hitze, sowie starke Hautreize.
Die praktische Anwendung der gefasserweiternden Arzneimittel ist speciell in der Thierheilkunde eine sehr beschränkte. Man verabreicht sie beispielsweise bei Gehirnanämie (Ohnmacht), sowie bei einigen Gehirnkrankheiten, welche auf einen umschriebenen Gefäss-krampf im Gehirn zurückgeführt werden, so bei Eklampsie und Ejn-lepsie. In der Menschenheilkunde gibt man sie ferner gegen den als Angina pectoris bezeichneten Gefässkrampf der Coronalarterien des Herzens.
Arzneimittel. 1. Amylnitrit. Kann bei der Eklampsie der säugenden Hündinnen in Form der Inhalation versuchsweise angewandt werden. Dosis für Hunde tropfenweise.
2. Nitroglycerin. Desgleichen. Dosis in alkoholischer Lösung
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für Hunde
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-1 Milligramm.
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3. Natrium nitrosum. Desgleichen. Dosis für den Hund 0,5-Die übrigen Mittel vergleiche im Kapitel der Neurotica sedativa.
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-2.0.
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(5. Kesorbirende Mittel. Resorbentia2).
Synonyma: Hesolventia2), Diseutientia8), Autiplastica4), Alterantia5); auflösende, zertheilende, verflüssigende, die Aufsaugung befördernde Mittel.
Wirkung und Anwendung. Als resorbirende oder resolvirende Arzneimittel bezeichnet man solche, welche eine Aufsaugung, Auflösung,
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') äffstov, G-efass ä privat.; sä-rp, Kraft.
2)nbsp; resorbere, resolvere, aufsaugen, auflösen.
3)nbsp; discutere, zertrümmern, zertheilen. *) ävtt, gegen; TrXiCu), tthivao, bilden. #9632;r') alterare, verändern.
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#9632;#9632;#9632;#9632;#9632;
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Besorbirende Mittel.
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Verüüssigung. Zertheilung, Entfernung von Krankheitsproducten aus Geweben oder Körperhöhlen, durch Vermittlung hauptsächlich des Lymphgefässsystems herbeiführen. Alle chese Mittel besitzen jedoch keinen directen Einfiuss auf die Ahsorptionsvorgänge in den Lymphgelassen, sondern sie befördern indirect auf sehr verschiedene Weise die Aufsaugung der im Körper vorhandenen pathologischen Producte. Die einen wirken resorbirend durch Steigerung des allgemeinen Stoffwechsels (Alkalien), andere durch die Veranlassung einer Auswanderung der weis sen Blut kör perchen mit nachfolgender Phago-cytose (Jodtinctur), wieder andere durch Ertödtung der pathologischen Gewebszellen und Einleitung einer regressiven Metamorphose derselben (Jodkalium. Jodoform). Auch durch die Umwandlung fester Krankheitsproducte in flüssige, resorbirbare (Kochsalz), durch vermehrten arteriellen Blutzufluss(Massage, Acria). durch Ehulickung des Blutes mit consecutiver Flüssigkeitsaufsaugung aus den Geweben (Abführmittel, Diuretica). durch Erleichterung der Blutcirculation (feuchte Wärme, Bewegung) wirken manche resorbirende Mittel.
Die in Betracht kommenden Krankheitszustände sind: feste und flüssige Exsudate in den Körperhöhlen und Geweben, Transsudate, Blutextravasate, Eiter, entzündliche Schwellungen und Ver die klingen der Haut, der Subcutis. der Sehnen, Sehnenscheiden, Muskel, des Periosts, der Knochen, der Lymphdrüsen etc., Hyperplas ien der Schilddrüse (Kropf) und der Lymphdrüsen, Con-cremente und Sedimente, Gifte, Fettsucht. Dagegen lassen sich die eigentlichen geschwulstartigen Keubildungen, wie Carcinome, Sarcome, Lipome, Fibrome etc. durch die Anwendung von Resorbentien nicht beseitigen.
Die wichtigsten resorbirenden Arzneimittel sind folgende: 1. Die Jodpräparate (Jodkalium, Jodtinctur, Jodoform). Dieselben werden sowohl innerlich als äusserlich angewandt. Innerlich wirkt das Jod lähmend und ertödtend auf die pathologischen Zellanhäufungen, namentlich auf die Strumazellen, Lymphdrüsenzellen und weissen Blutkörperchen, so dass sie rascher fettig und körnig zerfallen und dann resorbirt und durch den Stoffwechsel verbraucht werden können. In dieser Weise wirkt Jod auch ganz specitisch bei den tertiären syphilitischen Neubildungen des Menschen. Bei chronischen Metallvergiftungen wirkt Jod innerlich dadurch resorbirend, dass es sich mit den schwer löslichen Metallen (Quecksilber, Blei) zu leicht löslichen und resorbirbaren Jodiden verbindet. Die äusserliche und resorbirende Wirkung der Jodtinctur beruht auf der Bildung einer roth-
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44nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Resorbirende Mittel.
laufartigen EntzünduBg mit Auswanderung weisser Blutkörperchen
(Phagocyten) und Aufnalnne der pathologischen Exsudatmassen durch dieselben.
2.nbsp; Die Alkalien (Chlomatriiun, Natrium bicarbonicum,Natrium sulfuricum, Karlsbadersalz, Ammonium chloratum etc.) lösen und verflüssigen die festen entzündlichen Producte, katarrhalischen Secrete und croupösen Exsudate auf den Schleimhäuten, serösen Häuten, in der Lunge, Leber u. s. w., steigern den Stoffwechsel und damit die Resorption, erhöhen die Diffusion durch die thieriscben Membranen, insbesondere durch die Grefässwandungen, regen die secretorische und excretorische Drüsenthätigkeit an und neutralisiren unter Auflösung Säuren, welche sich krankhafter quot;Weise im Körper angesammelt und niedergeschlagen haben (Harnsäure). Auch äusserlich wirken die Alkalien (Soda, Pottasche, Laugen, Seife) resorbirend durch Erweichung und Auflösung chronischer Entzündungsproducte der Haut.
3.nbsp; nbsp;Der Schwefel besitzt stoffwechselerregende und daher indirect resorbirende quot;Wirkung, indem er gleichzeitig die Secretion der Drüsen (Leber, Hautdrüsen, Schleimdrüsen) steigert. Er wird daher herkömmlicher Weise zur Resorption von chronischen Exsudaten, Lymphadeniten und bei chronischen Metallvergiftungen angewandt. In wie weit die Antimonsalze (Stibium sulfuratum nigrum und aurantiacum) resorbirende Wirkung besitzen, ist nicht mit Sicherheit bekannt.
4.nbsp; nbsp;Die Quecksilber salze galten früher als besonders wirksame Resorbentien (Antiplastica). Mit Sicherheit ist indessen nur eine specifische resolvirende Wirkung des Quecksilbers bei der secun-dären Syphilis des Menschen erwiesen. Die viel gerühmte resorbirende Wirkung der grauen Quecksilbersalbe dürfte im Wesentlichen auf der Wirkung der Massage und des Fettes beruhen. Die antiplastischen Eigenschaften des Calomel sind auf die laxirende Wirkung desselben zurückzuführen. Wissenschaftlich festgestellt ist nur, dass fortgesetzte minimale Gaben von Quecksilber (Sublimat) den Stoffwechsel steigern, wodurch sie wahrscheinlich auch die Resorption anregen. Aelmliches ist bezüglich des Arseniks bekannt.
5.nbsp; nbsp;Ausserdem wirken indirect die Resorption befördernd die Abführmittel, Diuretica, schweiss- und speicheltreibenden Mittel, die hautreizenden Mittel, die Massage, die feuchte Wärme, Bewegung, Hunger und Durst, Elektricität etc.
Arzneimittel. 1. Jodkalium. Specifieum gegen Kropf und Lym-phome, Kesorbens bei Blntextravasaten im Gehirn, bei entzündlichen Exsu-
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Resorbirende Mittel.
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daten auf den serösen Häuten, in der Lunge etc., sowie bei chronischen Metallvergiftungen. Dosis für Pferde und Rinder 515,0. Schafe. Ziegen und Sehweine 25,0, Hunde 0,251,0, Katzen und Geflügel 0,1-0,2.
2.nbsp; Jodoform. Innerliches Eesorbens bei Struma, Lymphdi'üsen-tumoren und Tuberkulose. Dosis: Pferde und Rinder 2 5,0. Hunde 0,05 bis 0,2.
3.nbsp; Jodtinctur. Ausschliesslich äusserliches Resorbens für chirnr-gische Affectionen: Exostosen, Periostiten, Tendiniten. Tendovaginiten etc.
4.nbsp; Natrium chloratum, Natrium bicarbonicum, Natrium sulfurieum, Karlsbader salz. Resorbirende Mittel zur Auflösung fester Exsudate im Körper, schleimlösende Mittel bei Katarrhen, Stoffwechsel-anregende Mittel bei Fettsucht etc. Dosis für Rinder 50100,0. Pferde 25-50,0, Schafe und Ziegen 10-25,0. Schweine 5-10,0. Hunde 1,02,0, Katzen und Geflügel 0,5 1,0.
5.nbsp; nbsp;A m m o n iu m c h 1 o r a t u m. Resorbens bei Bronchitis und croupöser Pneumonie, croupöser Pleuritis, Peritonitis etc. Dosis für Pferde 8 15,0, Rinder 1025,0, Hunde 0,21,0.
0. Schwefel. Stoffwechsel erregend bei chronischen Exsudaten, chronischer Druse der Pferde etc. Dosis für Pferd und Rind 25,0, Hunde 0,050,2.
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Lungenmittel. Expectorantien1).
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Synonyma: Auswurf befördernde Mittel, Brustmittel, schleimlösende Mittel, Hustenmittel, Pneiimatica 2), Bechica 3), Sternutatoria 4), Errhina 5), Ptarmiea 5).
Definition. Mit dem Sammelnamen Expectorantien bezeichnet man eine Gruppe von Arzneimitteln, welche die Eigenschaft besitzen, krankhafte Stoffe aus dem Respirationsapparate (ex pectore) herauszubefördern. Grewöhnlich handelt es sich um Schleim, katarrhalische und croupöse Exsudatmassen, Croupmembranen, Eiter, Blut, abgestorbenes Lungengewebe, Fremdkörper und Parasiten, welche theils aus der Lunge und den Bronchien, theils aus Trachea und Larynx entfernt werden sollen. Seltener findet eine Entleerung der Nasenhöhle durcli die sog. Schnupf- oder Niesmittel (Sternutatoria, Errhina, statt.
Wirkung. Zum besseren Verständnisse der Wirkung der Expectorantien hat man sich zunächst der Thatsache zu erinnern, dass der Köiper über gewisse Schutzvorrichtungen verfügt, welche es ermöglichen, in die Luftwege eingedrungene Fremdkörper ohne Beihilfe von Arzneimitteln aus dem liespirationsapparate zu entfernen. Diese sog. physiologischen Expectorantien sind der Husten und die nach aussen gerichtete F1 i m m e r b e w e g u n g des Schleimhautepithels, zum Theil auch das Niesen. Durch die katarrhalische Schwellung der Schleimhaut, sowie durch die Autlagerung dicker, zäher Schleim- und Exsudatmassen wird die Thätigkeit des Flimmerepithels herabgesetzt oder vernichtet; dasselbe ist der Fall, wenn das Flimmerepithel in Folge von starker katarrhalischer Desquamation, entzündlicher Tnfil-
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') ex, heraus; pectus, Brust.
2)nbsp; nbsp;nvsüfia, Athem ; nveöptov, Lunge.
3)nbsp; nbsp;fAfi, Husten.
4)nbsp; steruuere, niesen; sternutare, wiederholt niesen.
5)nbsp; nbsp;Iv, in, hinein; ^i;, pv/öq, die Nase. c) nxäpvujjiat, niesen.
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Kxpectorautien.
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trution oder gesclnvürigem Zerfall Detecte aufweist, oder wenn seine Bewegungen durch abnorme Zersetzungsproducte des angestauten Bronchialinhaltes (Fettsäuren) gelähmt worden. Der Husten, ebenfalls ein sehr wichtiges Naturheilmittel bei allen liespirationskrank-heiten, ist ferner zuweilen bei allgemeiner Korperschwäche oder bei Lähmungszuständen der sensiblen Schleimhautnerven unterdrückt und sistirt. In beiden Fällen kann künstlich der Husten und die Flimmerbewegung durch gewisse expectoriiende Arzneimittel angeregt werden. Dieser Vorgang beim therapeutischen Expectoriren ist jedoch nicht der einzige; es kommen vielmehr die nachfolgenden Wirkungsweisen der Brustmittel in Betracht:
1.nbsp; nbsp;Anregung des Flimmerepithels. Das Hauptmittel ist der Salmiak, sowie die übrigen Ammoniakalien: Ammonium car-bonicum. Liquor Ammonii caustici, Liquor Aminonii ani-satus. Ausserdem bewirken die meisten reizenden Expectorantien eine gesteigerte Thätigkeit des Flimmerepithels.
2.nbsp; nbsp;Hustenerregende, reizende Mittel. Dieselben erregen entweder die peripheren sensiblen Schleimhautuerven oder das Ath-mungscentrum. Hierher gehören: Theer, Kreosot, Terpentinöl, Campher, Benzoe, Perubalsam, Emetin, Ipecacuanha, Senega, Quillaja u. a.
3.nbsp; Durch Steigerung der Drüsensecretion wirken schleimlösend und daher die Expectoration unterstützend: Apomorphin, Pilocarpin, die Antimonsalze, der Seh wefel, die Alkalien, viele Aethereo-Oleosa u. a.
4.nbsp; Schleim verflüssigend auf chemische oder mechanische Weise wirken alle Alkalien und Ammoniakalien, ferner die süssen und schleimigen Mittel, sowie Wasser (Inhalation).
5.nbsp; Antiseptisch und antiparasitär wirken bei fauliger Zersetzung des Inhaltes der Bronchien und Bronchiektasien, sowie bei Anwesenheit von Infectionserregern und Parasiten (tuberkulöse Bron-chiten, Staupe, Druse, Strongylen, Syngamus trachealis etc.): Oreolin, Kreosot, Theer, Terpentinöl u. a.
(i. Narkotisirend (hustenmildernde Mittel, Bechica) bei abnormen Reizzuständen der Respirationsschleimhaut wirken: Morphium, Blausäure, Bromkalium, Atropin und andere Narcotica, ferner schleimige und süsse Mittel, sowie feuclitwarme Umschläge.
7. Endlich wirken auf rein mechanische Weise die Brechmittel expectorirend (vergl. S. 21).
Anwendung. Die Expectorantien sind die wichtigsten Arznei-
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Expeetorauticii.
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mittel )jei den verschiedenen Erkrankungen des Respirationsapparates. Man gibt sie bei Bronchitis. Tracheitis. Laryngitis, katarrhalischer und croupöser Pneumonie. Bronchiectasien, Lungencavernen, Lungengangrän, Kehlkopfs-. Luftrühren- und Bronchialcroup. myko-tischer und venuinöser Lungenentzündung, bei allen infectiösen Bronchial- und Lungenleiden, zur Entfernung von Blut. Eiter. Staub und andern Fremdkörpern aus den Luftwegen. In ähnlicher Weise verwendet man die Niesmittel (Sternutatoria) bei Krankheiten der Nasenhöhle, namentlich bei der Oestruslarvenkrankheit der Schafe. Bei trockenen Katarrhen, sowie bei zähen, klebrigen Entzündungs-producten (trockene Rasselgeräusche) verordnet man im Allgemeinen mehr die Drüsenmittel, sowie die schleimverflüssigenclen Expecto-rantien, dagegen werden bei reichlicher Ansammlung von flüssigen Krankheitsproducten in den Luftwegen (feuchte Rasselgeräusche) die hustenerregenden und das Flimmerepithel reizenden Brustmittel angewandt.
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Arzneimittel. 1. Ammonium chloraturn. Wichtigstes Expecto-rans in der Thierheilkunde bei den späteren Stadien von Bronchialkatarrh und katarrhalischer sowie croupöser Pneumonie, bei Staupe. Druse etc. Erregt die Plimmerbewegung, verflüssigt den Schleim und steigert die Drüsensecretion. Dosis für Rinder #9632; 1025.0. Pferde S15,0, Schafe, Ziegen und Schweine 25,0, Hunde 0,2 1.0, Katzen 0.1-0,3. Geflüsel 0,05 bis 0,2.
2.nbsp; A p o m o r p h i n. Vorzügliches neueres Expectorans zur Verflüssigung zäher Schleimmassen bei Bronchialkatarrh, katarrhalischer Pneumonie, Staupe etc. Dosis des Apomorphinum hydrochloricum innerlich für Hunde 13 Milligramm (bis zu 0,03 pro die), für Pferde 0,020,05.
3.nbsp; Radix Ipecacuanhae. Gutes Expectorans für kleine Thiere bei katarrhalischer Pneumonie, Bronchitis, Staupe etc. Dosis für Hunde 0,010,05. Dosis des Vinum Ipecacuanhae: tropfenweise.
4.nbsp; Radix Senegae und Quillajae. Reizendes Expectorans bei asthenischen Bronchiten und katarrhalischen Pneumonien. Dosis für Hunde im Infus 0,51,5, Schafe, Ziegen und Schweine 25,0, Katzen 0,20,5.
5.nbsp; Tartarus stibiatus. Expectorans für kräftige Thiere bei Bronchialkatarrh und Bronchopneumonie. Dosis für Rinder 25,0, Pferde0.5 bis 2,0. Schafe, Ziegen und Schweine 0,20,5, Hunde 0,010.05, Katzen 0,0050,01. Dosis des Brechweins für kleinere Thiere: tropfenweise.
0. Stibium sulfuratum aurantiacum und nigrum. Expec-torantien bei Bronchitis, Staupe. Druse etc. Dosis für Pferde und Rinder 10 bis 25,0, Schaf und Schwein 25,0, Hunde 0,050,5.
7.nbsp; Schwefel. Altes Expectorans bei chronischen Katarrhen. Dosis für Pferde 25,0.
8.nbsp; Natrium chlor atum, Natrium bicarbonicum, Natrium sulfuricum. Karlsbader Salz etc. Schleimlösende Alkalien bei Bronchialkatarrhen. Dosis für Rinder 50100,0. Pferde 25-50,0, Schafe und Ziegen 1025,0, Hunde 12,0.
9.nbsp; Anis, Fenchel, Kümmel, Wacholderbeeren u. a. Aethereo-
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Oleosa. Gute Expectorantien bei leichteren Bronehiten. Dosis für 'Rinder 2550,0, Pferde 1025,0. Dosis des Liquor Ammonii anisatus für Hunde und Katzen tropfenweise.
10.nbsp; Terpentinöl, The er, Kreosot, Creolin, Perubalsam, Benzoeharz, Copaivabalsam, Ammoniakharz, Camp her, Terpentin etc. Eeizende Expectorantien mit gleichzeitig desinficirender Wirkung bei chronischen Bronehiten, Bronchiectasien, Lungengangrän etc. Dosis für Pferde und Rinder 1025,0, Hunde 0,11,0.
11.nbsp; Eadix und Suceus Liquiritiae, Saccharum, Syrup, Gummi arabicum etc. Seh wache reizmildernde und lösende Expectorantien. Dosis beliebig.
12.nbsp; Morphium. Specifisches Bechicum (Hustenmittel) für Hunde. Dosis 0,010,05. Meist zusammen mit Blausäure (Aqua Amygdalarum amararum). Dosis des letzteren 0,53,0 für Hunde.
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Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.
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Nierenmittel. Nephrica. Renalia.
1. Harntreibende Mittel. Diuretica1).
Synonyma: Hydragoga -), Litholytica 3), Lithothryptica 4).
Wirkung. Die normale Hamabsonderong in den Nieren (physiologische Di u res e) kommt bekanntlich unter dem Zusammenwirken verschiedener Factoren zu Stande, von welchen die Secretionsthätig-keit des Nierenepithels, der Blutdruck, der Blutgehalt der Glomeruli. sowie die Diffusionsfähigkeit des Nierenparenchyms die wichtigsten sind. Im normalen Zustande befinden sich alle diese Verhältnisse so ziemlich auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit, weshalb durch diuretische Arzneimittel eine Steigerung der Harnsecretion bei gesunden Thieren entweder gar nicht oder nur in unerheblicher oder vorübergehender Weise stattfindet (Kr ahm er, Buchheim). Dagegen kann in Krankheiten bei verminderter Thätigkeit der Drüsenzellen, bei gesunkenem Blutdruck, bei Blutarmuth oder Blutstauung in den Nieren, sowie bei herabgesetzter Diffusionsfähigkeit des Nierengewebes die verringerte Harnsecretion durch zahlreiche Arzneimittel wieder gehoben werden. Die Wirkungsweise dieser Diuretica ist entsprechend dem complicirten Vorgange, welcher schon bei der physiologischen Diurese sich abspielt, eine sehr verschiedene. Darnach kann man die harntreibenden Mittel in folgende Gruppen eintheilen:
l. Specifische Erregungsmittel für das secernirende Nierenepithel: Coffein, Diuretin, Theobromin, Calomel, Salicylsäure, Milchzucker, Alkalien. Diese Diuretica wirken dementsprechend auch harntreibend bei stark herabgesetztem Blutdrucke, mithin unabhängig von der Herzthätigkeit.
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')nbsp; Sioopeouac, auf den Harn wirken.
2)nbsp; üoioo, Wasser; amp;(lt;raquo;, treiben.
3)nbsp; XiS-o?, Stein; hjui, lösen.
4)nbsp; nbsp;/.ifl-oc, Stein, ftpunTO), zerreiben, zerbröckeln.
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Diuretica.
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2.nbsp;Blutdruck steigernde Cardiaca: Digital! s,Strophantlius, Scilla, Spartein, Convallamarin. In Folge Steigerung des Blutdrucks in den Glomerulis der Nieren findet auf rein physikalische Weise eine vermehrte Filtration von Blutserum durch die Scheide-wandungen der Glomeruli in die abführenden Harncanäle statt. Am stärksten wirkt diese Gruppe von Diuretica bei Herzkrankheiten mit gesunkenem Blutdrucke. In ähnlicher Weise wirken einige gefäss-erweiternde Mittel, z. B. Amylnitrit.
3.nbsp; nbsp;Reizende Diuretica (Acria), welche eine active Nierenhyperämie und in Folge dessen gesteigerte Harnsecretion erzeugen. Hierher gehören eine Reihe ätherisch-öliger, harziger und balsamischer Mittel: Terpentinöl, Terpentin, Fructus, Succus und Oleum Juniperi, Sabinakraut, Perubalsam, Coijaivabalsam, Am monia-cum, Fructus Petroselini, Radix Ononidis und Levistici, Senf, Piper nigrum, Fructus Capsici, Cubeben, Colchicum, Cantha-riden, endlich der Alkohol.
4.nbsp; nbsp;Salinische Diuretica, welche ehe Diffusion in den Nieren erhöhen, den Wassergehalt des Blutes steigern und gleichzeitig das Nierenepithel leicht anregen. Hierher gehören: Natrium und Kalium nitricum, Kali chloricum, Natrium und Kalium aceticum, Kalium tartaricum und bitartaricum, Kalium nitricum, Natrium salicylicum, Natrium und Kalium bicarbonicum, Borax, Salmiak, Lithium carbonicum, Kochsalz u. a.
5.nbsp; Mechanische, durch Ausschwemmung der Harncanälchen die Harnabsonderung befördernde Diuretica sind: Wasser, Milch, sowie die bei ihrer Oxydation den Wassergehalt des Blutes vermehrenden organischen Säuren: Essigsäure, Citronensäure, Weinsäure etc.
Anwendung. Die Diuretica finden ähnlich wie die Laxantien eine sehr vielseitige therapeutische Anwendung. Die wichtigsten Indi-cationen und Zwecke, welchen sie dienen, sind folgende:
1.nbsp; nbsp; Die Resorption von Flüssigkeitsansammlungen im Körper bei allgemeiner Wassersucht. Ascites, Hydrothorax, Hydro-pericardium, Anasarka, Oedemen, Hydrämie, sowie bei fiüssigen Exsudaten entzündlichen Ursprungs im Verlaufe von Pleuritis, Peritonitis, Polyarthritis serosa, Pneumonie, Hydrocephalus acutus und chronicus, Hufrhehe etc. Man hat früher die hierbei angewandten harntreibenden Mittel, welche eine Verminderung der Gesammtfiüssigkeit des Körpers; namentlich des Blutes, und dadurch Wiederaufsaugung der flüssigen Transsudate und Exsudaten bedingen, Diuretica hydragoga genannt.
2.nbsp; nbsp;Die Ausspülung der Harncanälchen, des Nierenbeckens und
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Diuretica.
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der Blase bei Nephritis, Pyelitis und Cystitis. Im Verlaufe der parencliymatösen oder katarrhalischen Nierenentzündung tritt in Folge einer Verstopfung der abführenden geraden und gewundenen Harn-canälchen durch Harncylinder, desquamirtes Nierenepithel, fibrinöses Exsudat, Blut u. s. w. Oligurie und selbst Anurie ein, welche durch Ausschwemmung der Entzündungsproducte aus der Niere gehoben werden können. Ebenso können Ansammlungen von Eiter und Exsudatmassen im Nierenbecken und in der Blase auf diese quot;Weise aus dem uropoetischen Apparate entfernt werden.
3.nbsp; Die Ableitung des Blutes auf die Nieren bei Hyperämie und Entzündung entfernter Körperorgane, so z. B. des Gehirns, der Lunge, der Pleura, des Darms, der Leber, der Haut, bei Hyper-idrose der letzteren etc.
4.nbsp; nbsp;Die Lösung von Harnsäuresedimenten im Nierenbecken und in der Harnblase; hierzu werden namentlich die Alkalien benützt, welche die Harnsäure unter Bildung von harnsaurem Natrium, Kalium, Lithium u. s. w. neutralisiren und dadurch Avasserlöslich machen.
5.nbsp; DieEntfernungvonlufectionsstoffen. Giften und Stoff-wechselproducten (Harnsäure bei Gicht, Harnstoff bei Urämie) aus dem Körper.
6.nbsp; nbsp;Die Entlastung des Herzens bei Herzkrankheiten. Indem die Diuretica die Blutmenge in Folge vermehrter Abgabe von Blutwasser vennindem, erleichtern sie die Thätigkeit des Herzens (Oertel'sche Methode), weil sie dasselbe entlasten.
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Arzneimittel. 1. Coffein. Specifisches Diureticum bei allen wassersüchtigen Zuständen. Der Digitalis dann vorzuziehen, wenn es sich um Hydropsien unabhängig von Herzkrankheiten (Lebercirrhose, Schrumpfniere, Hydrämie) handelt, in welchen die Digitalis wirkungslos ist. Dosis des Coifeinum natrio-salicylicum subeutan für Pferde und Rinder 510,0, grosse Hunde 0,52,0, kleine Hunde 0,10,5. Keine cumulative Wirkung, daher lange Zeit hindurch zu verabreichen.
2.nbsp; Diuretin. Neuestes harntreibendes Mittel, eine Verbindung von Theobromin und salicylsaurem Natrium. quot;Wegen der nahen Verwandtschaft des Theobromins mit dem Coffein gleiche Wirkung und Anwendung. Tagesdosis für grosse Hunde bis zu 5 g.
3.nbsp; Calomel. Gutes Diureticum bei cardialer Wassersucht; in manchen Fällen der Digitalis vorzuziehen. Dosis für mittelgrosse Hunde 3mal täglich 0,1.
4.nbsp; nbsp;Salicylsäure und Natrium salicylicum. Diureticum namentlich bei Muskel- und Gelenkrheumatismus; ausserdem gleichzeitig Desinficiens für die Niere, das Nierenbecken und die Blase. Dosis für Pferde und Rinder täglich 25mal 5 10,0, Hunde 0,10,5 (kleine Dosen).
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Diuretica.
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5. Digitalis. Aeltestes und sehr schätzenswerthes Diureticum bei cardialer Wassersucht. Dosis für Pferde und Rinder 25,0, Hunde 0,1 bis 0,3.
6.nbsp; Strophanthus. Stärkstes Diureticum bei cardialer Wassersucht. Schnellere Wirkung, als bei Digitalis. Dosis der Tinctura Strophanthi. innerlich Pferden 1025,0, Hunden 10-25 Tropfen.
7.nbsp; Terpentinöl. Starkes und billiges Diureticum acre bei allen Arten von Wassersucht. Dosis für Pferde und Rinder 1025,0, Schafe und Ziegen 5,0, Hunde 0,2-0,5.
8.nbsp; Pructus Juniperi. Mildes, gutes Diureticum sowohl bei mechanischen als entzündlichen Wassersuchten. Dosis für Rinder 50 100,0, Pferde 25^50,0, Schafe, Ziegen, Schweine 510,0. Dosis des Succus Juniperi inspissatus, Hunden 15,0. Dosis des Oleum Juniperi = Terpentinöl.
9.nbsp; nbsp;Perubalsam. Gutes Diureticum und Nieren-, sowie Blasen-desinficiens. Dosis für Pferde und Rinder 1025,0, Schafe und Ziegen 25,0, Schweine 13,0, Hunde 0,11,0.
10.nbsp; Species diureticae. Harntreibender Thee (Ononis, Levisticum, Wacholderbeeren) bei Wasserslichten der Hunde und Katzen. Dosis im Infos 25,0:300,0 Esslöffelweise.
11.nbsp; nbsp;Senfsamen. Leichtes Diureticum. Dosis für Rinder 50100,0, Pferde 2050,0, Hunde 0,22,0.
12.nbsp; Fructus Capsici, Piper nigrum, Cubeben. Reizende Diuretica. Vorsicht. Bei Nierenentzündungen contraindicirt. Dosis für Rinder 10-25,0, Pferde 5-15,0, Schweine 12,0, Hunde 0,2-0,5.
13.nbsp; nbsp;S a 1 p e t e r. Gutes salinisches Diureticum bei Nieren- und Blasenleiden, sowie allgemeiner Wassersucht. Dosis für Rinder 1025,0, Pferde 815,0, Schweine 2-5,0, Hunde 0,20,5.
14.nbsp; nbsp;Kali chloricum. Desinficirendes Diureticum bei Blasenkatarrh. Dosis für Pferde und Rinder 510,0, Schafe und Ziegen 25,0, Hunde 0,1-1,0.
15.nbsp; Kalium und Natrium aceticum. Harnsäurelösende Diuretica. Dosis des Liquor Kalii acetici für Hunde 25,0.
16.nbsp; Natrium chloratum, Natrium bicarbonicum, Kalium bitartaricum etc. Leichte Diuretica, welche den Harn gleichzeitig alkalisch machen und so Säuren neutralisiren. Dosis für Pferde und Rinder 25100.0, Schafe und Ziegen 510,0. Schweine 25,0, Hunde 0,5 bis 2,0.
17.nbsp; Borax. Schwaches Diureticum, gleichzeitig Desinficiens für die Niere und Blase. Dosis: Pferd und Rind 1025,0, Hund 13,0.
18.nbsp; nbsp;Milchzucker. Modernes Diureticum bei cardialer Wassersucht. Dosis für Hunde täglich 25100,0.
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2. Die Harnsecretion vermindernde Mittel. Anuretica1).
Synonyma: Antidiuretica 2).
quot;Wirkung und Anwendung. Eine Vermehrung der Harnsecretion findet man bei verschiedenen pathologischen Zuständen der Niere, so-
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L) a. privativum; oupov, Harn.
*) ätvtt, gegen; Stoupsojj.laquo;'., aiif den Harn wirken.
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Auuretica.
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wie bei gewissen Allgeineinaffectionen. Von Nierenkrankheiten, welche mit Polyurie verlaufen, sind zu nennen die active Nierenhyperämie, wie man sie nach der Aufnahme reizender Stoffe und Griffe (z. B. beim sogen. Lauterstall der Pferde), sowie als Initialstadium der Nephritis beobachtet, sowie die chronische interstitielle Nierenentzündung (Schrumpfniere). Im beiden Fällen ist ein vermehrter Blutgehalt und Blutdruck in der Niere die Ursache der vermehrten Harnsecretion. Die Antidiurese muss also auf Herabsetzung des Blutgehaltes resp. Blutdrucks gerichtet sein. In dieser Beziehung werden die Adstringentien, namentlich Tannin, Cortex Chinae, Folia Uvae Ursi, Bleizucker etc. herkömmlich angewandt. Von Allgemeinleiden, welche Polyurie bedingen, sind namentlich der Diabetes insi-pidus und mellitus, ehe Harnruhr und Zuckerharnruhr hervorzuheben. Beide haben wahrscheinlich ihren Sitz im Centralnervensystem. Aus diesem Grunde werden auch von jeher Neurotica als Anuretica gegen sie angewandt, so Opium, Bromkalium, Valeriana, Asa foetida. Die anuretische Wirkung der letzteren würde demnach im Wesentlichen als eine sedative aufzufassen sein.
Arzneimittel. 1. Tannin. Anureticum bei Nierenhyperämie und Nierenentzündung. Dosis für Pferde und Rinder 525,0, Hunde 0,10,5.
2.nbsp; Folia üvae Ursi. Desinficirendes Anureticum bei Nieren- und Blasenkrankheiten. Dosis für Pferde und Rinder 2050,0, Hunde 25,0 im Decoct.
3.nbsp; Asa foetid a. Anureticum bei nervöser Polyurie (Diabetes insi-pidus). Dosis für Pferde 1025,0, Hunde 0,52,0.
Indirecte Anuretica sind die Laxantien, Diaphoretica, Sialoga etc. Ausserdem llisst sich die Harnmenge dm-cli Trocken diät vermindern.
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Sexualmittel1). Genica-).
Allgemeines. Als Sexualmittel oder Genien bezeichnet man solche Arzneimittel, welche die Functionen der Greschlechtsorgane, insbesondere den Geschlechtstrieb, den Uterus, die Geburtsvorgänge, die Milchsecretion, die Brunst u. s. w. beeinflussen. Sie sind vor Allem für die Bujatrik von grösstem Werthe. Alan unterscheidet die nachfolgenden Einzelgruppen:
1.nbsp; quot;Wellentreibende Mittel. Abortiva.
2.nbsp; Geschlechtstrieb steigernde Mittel. Aphrodisiaca.
3.nbsp; Geschlechtstrieb herabsetzende Mittel. Anaphro-disiaca.
4.nbsp; Milchmittel. Lactica.
5.nbsp; Milchvertreibende Mittel. Antigalactica.
1. Wehentreibende Mittel. Abortiva3).
Synonyma: Uterina4), Ecbolicas), Ectrotica6), Amblotica7), Pellentia 8), Üdiuegoga9), Parturefaciontia10), Eramenagoga n), Abortivmittel, abtreibeude, fruchtabtreibende Mittel.
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Wirkung und Anwendung. Die speeifisch auf den Uterus ein-wirkeuden Arzneimittel (Uterina) erzeugen entweder eine Contraction
') sexus, Greschlecht.
2)nbsp; nbsp;-(ivoq, (reschleclit.
3)nbsp; abortus, Frühgeburt.
4)nbsp; uterus, Gebärmutter.
5)nbsp; nbsp;exßägt;,).siv, herauswerfen, heraustreiben; iicßoX-i], Frühgeburt. e) l'xtpujfjLa, Fehlgeburt.
^ laquo;[a^Xcogk;, a(jLß).(u[j.a, Fehlgeburt. s) pellere, treiben, abtreiben.
9) (laquo;oic. Wehen, Geburtsschmerzen; a-(z:v, treiben, befördern. Irrthümlicher Weise von Manchen auf oouv/) (Schmerz) zugeführt und daher mit dem y (Odyne-goga) geschrieben.
10) Parturire, gebären; facere, machen, bewirken.
u) Tot EjxfiTjvia, die monatliche Reinigung, Menstruation; ctfsiv, treiben, befördern.
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Abortiva.
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oder eine Hyperämie der Gebärmutter. Das Resultat dieser quot;Wirkung auf den Uterus ist nach dem jeweiligen Zustande desselben ein verschiedenes. Ist der Uterus im Begriffe, den ausgetragenen Fötus durch die verschiedenen Arten der sog. Wehen, d. h. Uteruscontractionen, auszutreiben, ist mit anderen Worten die Trächtigkeit abgelaufen, und hat die Austreibung der Frucht, die Geburt, begonnen, so wirken die oben genannten Mittel durch Verstärkung der Muskelcontraction des Uterus wehentreibend. Diese quot;Wirkung der Uterina ist zur Zeit in der Thierheilkunde die einzige, welche therapeutisch verwerthet wird. Man verabreicht sie daher nicht vor, sondern 1. während des Geburtsvorgangs, nach Beginn der Eröffnungswehen, um die unzureichende quot;Wehenthätigkeit bei schweren Geburten, sowie bei Erschlaffung der üterusmuskulatur anzuregen, 2. nach erfolgter Geburt, um eine Contraction des erschlafften puerperalen Uterus und damit eine raschere Ausstossung der zurückgebliebenen Nachgeburt herbeizuführen.
Ist der Uterus trächtig, die normale Trächtigkeitsdauer jedoch noch nicht abgelaufen, so erzeugen die obigen Arzneimittel Abortus, sie wirken mithin als fruchtabtreibende Mittel. Die abortive quot;Wirkung kommt entweder durch Erregung von Uteruscontractionen oder durch eine starke Hyperämie des Uterus mit Blutungen in die Eihäute und die Uterusschleimhaut zu Stande. Da jedoch eine derartige abtreibende quot;Wirkung von Arzneimitteln immer gleichzeitig mit lebensgefährlichen anderweitigen Erscheinungen verbunden ist, so wird sie therapeutisch zur Herbeiführung eines Abortus nicht mehr verwerthet. Man benützt vielmehr zur Einleitung eines künstlichen Abortus oder einer künstlichen Frühgeburt ausschliesslich mechanische Mittel: gewaltsame Erweiterung des Cervix, Eihautstich, Einlegen eines elastischen Bougies zwischen Uterus und Eihäute, Injectionen zwischen Uterus und Fötus, heisse Uterusdouche, Tamponade der Scheide u. s. w.
Auf die leere Gebärmutter endlich wirken die Uterina contra-hirend und blutstillend bei M e t r i t i s und U t e r u s b 1 u t u n g e n. Auch Neubildungen des Uterus (Myome) lassen sich günstig beeinflussen. Die Beförderung der Menstruation durch die sog. Emmenagoga (Emmenia = Menstruatio) wird nur in der Menschenheilkunde praktisch verwerthet bei den verschiedenen Menstruations- Anomalien der Frauen.
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Arzneimittel. 1. Seeale cornutum. Wiehtigstes wehentreibendes Mittel im Verlaufe schwerer Geburten und beim Nichtabgehen der Eihäute nach der Gebm-t. Gleichzeitig Stypticum bei Uterusblutungen und speci-
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Aphrodisiaca.
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fisches Mittel gegen üterusmyome. Dosis für Rinder 2550,0, Pferde 1025,0, Schafe und Ziegen 510,0, Sehweine 25,0, Hunde 0,52,0, Katzen 0,21,0, Geflügel (Eiverhaltung) 0,20,5. Dosis des Extractes: Pferde und Rinder 510,0, Hunde 0,2-1,0.
2.nbsp; nbsp;Hydrastiswurzel. Neuestes Uterinum bei Uterusblutungen und Metritis. Dosis des Extractum für Hunde 2030 Tropfen.
3.nbsp; nbsp;S ab inakraut. Obsoletes Ecbolicuni in der Bujatrik. Dosis für Pferde und Rinder 2550,0.
Die übrigen Mittel: Radix Gossypii, Pilocarpin, Eserin, Strychnin, die Drastica und reizenden Dinretica sind theils unsicher, theils gefährlich.
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2. (Jeschlechtstriel) steigernde Mittel. Aphrodisiaca 1).
Synonyma: Erotica 2).
Wirkung und Anwendung. Eine künstliche Steigerung des Gesclileclitstriebs ist bei phlegmatischen, fetten oder sonst kranken Zuchtthieren männlichen und weiblichen Geschlechts geboten, wenn der Geschlechtstrieb abnorm vermindert ist. Erschlaffung und Schwächung der Körjjerconstitution durch unrationelle Fütterung und Haltung, vorausgegangene Krankheiten, Ueberanstrengung, zu frühzeitige Verwendung zur Zucht, zu häufiges Belegen, Onaniren, sowie die verschiedensten Krankheitszustände im Geschlechtsapparat sind die gewöhnlichen Ursachen.
Die Wirkung der Aphrodisiaca ist eine verschiedene. Rein diätetisch wirken kräftige, stickstofireiche Nahrung, sowie die Eisenpräparate (Aphrodisiaca diaetetica); bei fetten und phlegmatischen Thieren ist umgekehrt eine nahrungsentziehende, abführende, Stoffwechsel steigernde Kur geboten. Die eigentlichen specifischen Erotica wirken dadurch, dass sie eine Hyperämie, vermehrte Turgescenz und dadurch einen erhöhten Reiz zu stand der Ovarien und Hoden oder der Scheiden- resp. Harnröhrenschleimhaut hervorrufen. Auf diese Weise wirken die Canthariden, die scharfen Gewürze, der Alkohol, sowie die ätherisch-öligen, harzigen und balsamischen Mittel.
Arzneimittel. 1. Canthariden. Das beste Aphrodisiacum, namentlich bei Kühen mit abnorm schwacher Brunst. Vorsicht bei der Dosirung. Dosis der gepulverten Canthariden für Kühe 56,0 pro die, für Pferde 12,0. Dosis der Cantharidentinctur für Kühe 20,0, Pferde 10,0, Hunde tropfenweise.
2. Pfeffer, Fructus Capsici, Cubeben, Ingwer, Zitwer etc. Dosis für Rinder 1025,0, Pferde 5-15,0.
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') 'AtfpooiTYj, Göttin der Schönheit. 2) quot;Kfoc, Gott der Liebe.
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Anaphrodisiaea.
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8. Alkohol. In kleineren wiederholten Dosen: Pferd und Eind 20 bis 50,0 (= 50150,0 Branntwein oder ',;. 11 Wein).
Ausserdem gelten Wacholderbeeren, Kümmel, Calm us, Aloe, Damiana, Ginseng. Ophrys und eine Reihe anderer neuerer Mittel als Erotica ; ihre Wirkung ist aber unsicher.
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3. Geschlechtstrieb herabsetzende Mittel. Anaphrodisiaca1).
Syuonyina: Antaphrodisiaca2), Anterotica 3).
Wirkung und Anwendung. Ein übermässiger (ieschleclits-trieb (Nymphomanie, Satyriasis) kommt am häufigsten bei Kühen (Stiersucht) in Folge pathologischer Veränderungen an den Genitalorganen, namentlich an den Ovarien. vor. Bei Hengsten findet man den Geschlechtstrieb abnorm gesteigert bei Monorchiden und Kryptor-chiden. sowie bei Onanisten. Die Wirkung der Anterotica besteht in einer Beruhigung der Geschlechtsnerven. Es sind daher alle Neurotica sedativa Anaphrodisiaca, vor Allem Bromkalium, Chloralhydrat und Morphium. Der früher vielfach empfohlene Campher ist wahrscheinlich kein Narcoticum, sondern umgekehrt geradezu ein Excitans für den Geschlechtstrieb. Er erregt bekanntlich in kleinen Dosen alle Theile des Nervensystems und erzeugt auch in grossen Gaben keine Beruhigung oder Betäubung, sondern im Gegentheil Tetanus.
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Arzneimittel. 1, Bromkalium. Sehr gutes Anaphrodisiacum. namentlich bei der Stiersucht der Kühe. Dosis für Pferd und Eind 20 bis 50,0 (bis 7Ai 150,0 pro die), Hund 0,252,0 (bis zn 10,0 pro die), Katzen 0,250,5 (bis zu 2,0 pro die).
2.nbsp; Chloralhydrat. Desgleichen. Dosis = Bromkalium.
3.nbsp; Morphium. Nicht immer zuverlässig, namentlich nicht beim Eind. Combination mit Chloralhydrat empfehlenswerth. Dosis (subcutan) für Pferde 0,5, Hunde 0,020,1.
Ausserdem haben anterotische Wirkung schwache Laxantien, Aderlass. Hunger, Bewesrung. Das letzte Mittel ist die Castratio n.
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4. Milchmittel. Lactica4). Synonyma: Galactica7'), G-alaotagoga'); Milchseeretion steigernde Mittel.
Wirkung und Anwendung. Die sogen. Milchfehler, welche theils durch abnorme Fütterung, theils durch Magen-Darmkatarrhe
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') ö privat.; aphrodisiacum. (Geschlechtstrieb steigerndes Mittel.
*) u. 3) ätvtt, gegen.
4) lao, Müch.
') faka, Milch.
n) ylaquo;'-'-, Milch ; äfsiv, treiben, vermehren.
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Milchmittel. 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;59
und sonstige krankhafte Körperzustände, theils durch Euterkrankheiten und endlich durch verschiedenartige Einflüsse von aussen her verursacht werden, haben insbesondere in der Bujatrik grosse praktische Bedeutung. Die bekanntesten derselben sind die A galactic (Milch-mangel), die wässerige Milch, die zu fette Milch, die schlickerige (vorzeitig gerinnende) Milch, die nicht butternde Milch, die faulige und schleimige (zähe) Milch, die blaue, rothe und gelbe Milch.
Sieht man von den drei letzteren, durch Infection von aussen bedingten und daher durch desinficirende Arzneimittel zu bekämpfenden Milchfehlern ab, so hat man bezüglich der Wirkung der übrigen, eigentlichen Milchmittel zu unterscheiden zwischen der Wirkung der Milchmittel auf das Allgemeinbetinden und ihrer localen Einwirkung auf die Milchdrüse selbst. Mittel der ersteren Kategorie kann man indirecte, solche der letzteren directe Milchmittel nennen. Da ein grosser Theil der sogen. Milchfehler auf Verdauungsstörungen und allgemeinen Krankheitszuständen beruht, so kann durch eine Behandlung dieser indirect eine Besserung der Milchsecretion herbeigeführt werden. Zu diesen indirecten Milchmitteln gehören namentlich die Aethereo-Oleosa und Amara, sowie die Alkalien, welche vermöge ihrer stomachicalen Wirkung die Verdauung und damit die Bildung der Milchbestandtbeile fördern. Zu den indirecten Milchmitteln gehören auch die unmittelbar auf die Milchdrüse applicirten Hautreize, welche reflectorisch. .also indirect die Drüsensecretion anregen. Es ist bekannt, dass häufigeres Melken den Milchertrag in Folge Reizung der secretorischen Drüsennerven steigert. Dasselbe gilt für die Anwendung der Elektricität, wie dies namentlich experimentell durch Faradisation der Milchdrüsen nachgewiesen worden ist. Hierher gehört auch das in manchen Ländern übliche Einreiben der Euter mit Brennesseln (Ziegenhirten in Verona). Dagegen müssen die Antimonpräparate und der Schwefel, wie sich aus ihrer erregenden Wirkung auf die übrigen Drüsen des Körpers schliessen lässt. als directe Galactica bezeichnet werden. Die milchtreibende Wirkung dieser Mittel ist wahrscheinlich direct auf die secernirenden Drüsenzellen des Euters gerichtet. In wie weit andere Milchmittel durch Steigerung des Blutdrucks (vergl. unten die Versuche von Röhr ig) oder durch Einwirkung auf die secretorischen D rüse line rven die Milchabsonderung steigern, lässt sich zur Zeit mit Sicherheit nicht bestimmen. Es ist aber wahrscheinlich, dass, wie bei der Diärese und Diaphorese, diesen der Lactation verwandten Secretions-
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Mildhmittel,
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Vorgängen, ein mehrfiicher Modus bei der medicamentösen Steigerung der Milchdrüsenthätigkeit angenommen werden muss.
Experimentelle Untersuchungen über die Wirkung der Milchmittel. Lange nicht so vollständig wie die Untersuchungen über andere Secretionen, z. B. über Diurese, sind unsere Kenntnisse über die Beeinflussung der Milchsecretion durch Arzneimittel nach quantitativer und qualitativer Bichtung. Man hat hier zunächst ganz wesentlich zu unterscheiden zwischen den volksthümlichen, empirischen Anschauungen über die Wirkung gewisser Mittel auf die Milchabsonderung und zwischen exacten pharmakologischen diesbezüglichen Untersuchungen. In der Thierheilkunde haben von Alters her als sogen. Milchmittel (Lactica) gegolten verschiedene Aethereo-Oleosa, so namentlich Fenchel, Anis, Kümmel, Wacholderbeeren. Koriander, Dill, Wasserfenchel, Pimpinell, Calmus, die Bittermittel (Schafgarbe und Enzian), der Schwefel, die Mittelsalze, die Antimonpräparate (Goldschwefel, Spiess-glanz) und andere. Diese Mittel sind daher aucli die Hauptbestand-theile der jetzt noch im Gebrauche stehenden Milcbpulver. In der Menschenheilkunde gelten die Blätter von Polygala vulgaris, Galega officinalis, sowie diejenigen der Bicinusstaude als Galagoga, d. h. als Mittel, welche die Milchsecretion steigern, während als Antigalactica, d. h. als milch vertreibende Mittel, hauptsächlich das Jod, die Belladonna, das Chinin, der Alaun, sowie äusserliche Einreibungen von Opodeldok Anwendung finden. jSIach Niebuhr werden in manchen Gegenden Deutschlands beim Binde äussere Einreibungen von Rosmarinöl, einem Bestandtheil des Opodeldoks, mit Erfolg zum Vertreiben der Milch angewandt. Im Uebrigen sind die Ansichten der Experimentatoren über die Wirkung der einzelnen Galactica und Antigalactica sehr widersprechend.
Die wichtigsten diesbezüglichen Untersuchungen sind folgende.
Experimentelle Prüfungen über das Verhalten des Jods als milchvertreibendes Mittel sind von Labourdette (Gazette des Hopitaux, 185(5, S. 168 u. 223) angestellt worden. Er fand nach der Verabreichung von Jodkalium an Kühe, Ziegen und Eselinnen, dass die Michsecretion anfangs etwas steigt (^s 1jin), dann aber rapid sinkt, und dass unter der Wirkung des Jodkaliunis die Milch schliesslich nach Verlauf von 23 Monaten unter starker Abmagerung der Ver-suchsthiere ganz versiegt. Bei täglichen Gaben von 36 g Jodkalium enthielt die Milch pro Liter bis zu ^ g Jodkalium; dasselbe war noch 12 Tage nach der Verabreichung der letzten Dosis in der
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Milchmittel.
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Milch nachweisbar. Lewald (1. c.) beobachtete ebenfalls nach der Verabreichung von Jodkalium anfangs eine geringe Steigerung der Milchsecretion. Bouley (Bulletin de l'Acadamp;nie, 1859) berichtet über eine grössere Versuchsreihe mit Jodkalium, wobei die Milch quantitativ nicht verändert und auch sonst von guter Beschaffenheit war. dagegen beim Gerinnen eine kautschukähnliche Elasticität und Plasti-cität zeigte. Stumpf (1. c.) constatirte, dass Jodkalium in täglichen Dosen von 5 g bei Ziegen eine beträchtliche Verminderung der Milchsecretion in Folge einer Störung der Drüsenfunction bedingt. Alkohol (bis 100 ccm) und alkoholische Getränke (12 Liter Bier) veränderten bei Ziegen nach St. die Quantität der Milch nicht, dagegen vermehrten sie den relativen Fettgehalt der Milch. Morphium und Pilocarpin, sowie Bleisalze blieben ohne Einwirkung auf Quantität und Qualität der Milch. Salicylsäure schien die Milchmenge und den Zuckergehalt der Milch etwas zu vermehren. Auch nach den Versuchen von Röhrig (Experimentelle Untersuchungen über ehe Physiologie der Milchabsonderung, Virchow's Archiv, Bd. 07, S. 294) an Ziegen wurde die Milchsecretion selbst durch sehr hohe Gaben von Morphium (bis 1,2) nicht alterirt. Dagegen will R. nach der Anwendung der Jaborandiblätter (Pilocarpin) eine colossale Beschleunigung der Milchsecretion wahrgenommen haben, was jedoch von anderen Experimentatoren (Bartsch, Heidenhain) auf Grund ihrer negativen Versuche bestritten wird. Ausserdem fand Röhrig bei seinen Versuchen die Quantität der Milch vermehrt nach der Einverleibung von Mitteln, welche den Blutdruck steigern (Strychnin, Coffein, Digitalis), während dieselbe im Gegentheil durch die Anwendung von Arzneimitteln mit Blutdruck herabsetzender Wirkung (Brom kali um, Chloralhydrat etc.) vermindert wurde. Nach Feser (Jahresbericht der Münchener Thierarzneischule, 1885, S. 86; 1888, S. 127; 1890, S. 148) war bei gesunden Kühen, welchen Eserin und Pilocarpin injicirt wurde, die Milchsecretion etwas, wenn auch gering-gradig vermehrt; noch deutlicher fand er dies bei seinen Versuchen mit Eseridin. Fütterungsversuche, welche F. mit der Milch dieser Kühe bei Schweinen anstellte, ergaben, dass die Milch der mit Eserin behandelten Kühe ohne allen Nachtheil an Schweine verfüttert werden konnte. Hess, Schaffer und Bondzynsky (Ueber die Einwirkung der innerlich verabreichten Medicamente, Amara und Aromatica) auf die Milch, Landw. Jahrb. der Schweiz, 1888) untersuchten bei gesunden Kühen und Ziegen die Wirkung des Fenchels, Calraus, Anis, Kümmels, der Wacholderbeeren und der Enzianwurzel auf die Milch-
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Laetica.
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secretion und fanden, dass selbst sehr grosse Dosen dieser Mittel auf Qualität und Quantität der Milch keinen wesentlichen EinÜuss besitzen. Die genannten Mittel waren in der Milch weder durch den Geruch noch durch den Geschmack wahrnehmbar. Nur beim Fenchel liess sicli im Alkohol-Aether extract der Milch ein Geruch nach Fenchel nachweisen. Meine eigenen Versuche (Monatsschrift für praktische Thierheilkunde. 1891, S. 408), welche ich an (3 gesunden Kühen verschiedener Eassen, nämlich der Holländer-, Dithmarscher-, Simmenthaler-, Schwyzer-, Wilstermarscher- und Shorthorn-Rasse, soAvie an 2 gesunden Ziegen angestellt habe, betrafen Natrium bicarbonicum, Flores Sulfuris, Stibium sulfuratum aurantiacum, Fructus Juniperi, Atropin und Pilocarpin. Das Resultat der Versuche war ebenfalls ein durchaus negatives.
Die Erklärung dieser sich vielfach widersprechenden experimentellen Untersuchungen dürfte wohl in nachfolgender Betrachtung zu suchen sein. Es ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Versuche aller Experimentatoren an gesunden Thieren vorgenommen worden sind. Die sogen. Milchmittel werden aber in praxi nicht gesunden, sondern kranken Milchthieren verabreicht. Nun ist bekanntlich die Wirkung eines Arzneimittels auf gesunde Thiere eine wesentlich andere, als auf kranke. Das Ausbleiben der Wirkung eines Mittels bei gesunden Thieren beweist durchaus noch nicht seine Unwirksamkeit bei kranken Thieren. Diesen sehr wichtigen Satz hat man in der Therapie vielfach übersehen. Man hat z. B. auch den Bittermitteln ihre Bedeutung als Magenmittel abgesprochen, weil sie bei normaler Verdauung von indifferenter Wirkung sind. Die Empirie lehrt aber in Uebereinstimnmng mit den klinischen Versuchen, dass die Amara lediglich bei gestörter Verdauung eine vorzügliche stoma-chicale Wirkung besitzen. Ganz ebenso verhält es sich mit den Fiebermitteln, welche bekanntlich nur die gesteigerte, nicht aber die normale Körpertemperatur beeinflussen. Es ist deshalb nicht statthaft, auf Grund negativer Versuche an gesunden Milchthieren den Milchmitteln ihre Wirkung überhaupt, d. h. auch bei gestörter Lactation, abzusprechen. Hier entscheidet die klinische thierärztliche Praxis, welche erfahrungsgemäss von jeher mit den oben erwähnten Arzneimitteln, dem Atropin und Pilocarpin ausgenommen, die unterdrückte Milch-secretion erfolgreich behandelt hat.
Arzneimittel. 1. Stibium sulfuratum nigruni. Viel gebrauchtes Milchmittel bei Agalactie der Kühe und Ziegen. Dosis für Kühe 1020,0, Ziegen 25,0.
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Autigalactica. 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (jy
2.nbsp; Schwefel. Zusammen mit dem vorigen Eestandtheil der sogen. Milchpulver. Dosis für Kühe 25,0, Ziegen 0,5 1,0.
3.nbsp; Anis, Fenchel, Kümmel, Wacholderbeeren. Empirische Milchmittel bei den verschiedenen Milchfehlern. Dosis für Rinder 2550 0 Ziegen 510,0.
4.nbsp; Natrium ch] or atum und Natrium bicarbonicum. Milchmittel bei allen Milchfehlern, speciell letzteres bei schlickriger Milch. Meist zusammen mit den bisher genannten. Dosis für Rinder 501000 für Ziegen 1025,0.
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5. MIchvertreibende Mittel. Autigalactica 1).
Synonyma: Lactit'ug-a -), Alactica 3).
Wirkung und Anwendung. Im Gegensätze zur Agalactie kommt bei manchen Thieren, namentlich bei nicht trächtigen Hündinnen zur Zeit der Brunst, ungewohntes Milchgeben vor, gegen welches zuweilen therapeutisch eingeschritten werden muss. Ausserdem wird bei manchen Milchkühen aus rein ökonomischen Gründen ein Versiegen der Milch gewünscht, wenn sie z. B. zur Mast aufgestellt werden sollen. Endlich kann bei Stuten und Hündinnen eine künstliche Verminderung der Milchsecretion nothwendig werden, wenn nach Entfernung oder nach dem Absterben der Jungen die Lactation anhält. Als milchvertreibende Mittel können hier aussei' Laxantien versucht werden Jodkalium, Tannin und Alaun. Ausserdem wird local Einreiben von Rosmarinöl auf das Euter beim Bind empfohlen. Die Wirkung ist im ersteren Falle eine secretionsbeschränkende, im letzteren wahrscheinlich eine ableitende (vergl. im Uebrigen S. (51).
Arzneimittel. Jodkalium. Dosis für Pferde und Rinder 515,0, Ziegen 25,0, Hunde 0,250,5.
Indirect wirken antigalactisch die Abführmittel, die speichel-und schweisstreibenden Mittel sowie die Diuretica.
') avTt, gegen; -('xlä, Milch.
quot;} lac, Milch; fugare, vertreiben.
3) ä privat.; lac, Milch.
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Schweiss- und speicheltreibende Mittel.
1. Schweisstreibende Mittel. Diaphoretica1).
Synonyma: Hidrotica 2), Sudorifera3), Sudorifica 4), Diaj^noica6).
Wirkung. Die schweisstreibenclen Mittel erzeugen eine gesteigerte Verdunstung (Diapnoica). oder sichtbare, wässerige Schweiss-absonderung (Diaphoretica) theils durch Erregung der peripheren Schweissdrüsennerven oder des Schweisscentrums in der Medulla oblongata oder der secernirenden Drüsenzellen, theils durch Lähmung der Hemmungsnerven, theils durch Vermittlung einer Hyperämie der Haut mit Erweiterung und Erschlaffung der Gefässe. Die ersteren, auf die Nerven oder Zellen der Sclnveissdrüsen einwirkenden Hidrotica kann man wohl auch directe nennen; zu ihnen gehört namentlich das Pilocarpin und essigsaure Ammonium. Als indirecte, zunächst Hauthyperämie und erst secundär gesteigerte Diaphorese bedingenden Sudorifera sind zu erwähnen warmes Wasser innerlich, sowie feuchte quot;Wärme äusserlich. Endlich kommt Schweissausbruch reflectorisch bei der Anwendung der Brechmittel zu Stande.
Die Polgen der gesteigerten Schweisssecretion für den Organismus sind sehr mannigfaltig. Die wichtigste ist der Verlust des Körpers an Wasser. Derselbe bedingt, ähnlich wie bei den Diureticis und Laxantien, eine Eindickung des Blutes und im Anschluss hieran eine Resorption der in Körperhöhlen oder Geweben enthaltenen Flüssigkeiten. Gleichzeitig findet eine Ableitung des Blutes von inneren Organen nach der Haut, sowie vermehrte Wärmeabgabe auf
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^ SioL'fopsojxat, verdunsten; luttföptpii, Hautausdünstung.
2)nbsp; lopui;, Schweiss; lopiuT'.y.oc, schweisstreibend. Wird irrthümlicher Weise zuweilen von uotup, Wasser, abgeleitet und mit y (Hydrotit-a) geschrieben.
3)nbsp; suddr, Schweiss*, 9sp(i), treiben.
4)nbsp; sudor, Schweiss; facere. machen.
5)nbsp; oia-voT(, die unsichtbare (gasförmige) Hautausdünstung-; von ä'.ontvsoj, ausdünsten.
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Schweisstreibende Mittel.
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der letzteren, mithin ein Sinken der Innentemperatur statt (vergl. die sog. kritischen Schweisse bei fieberhaften Krankheiten). Die secretorische Thätigkeit der Nieren wird entlastet, die Excretion des Harnstoffs, der Harnsäure und anderer Stof'fwechselproducte gesteigert, das Körpergewicht herabgesetzt und in Folge Verminderung der Blutmenge die Herz thätigkeit erleichtert. Nach neueren Untersuchungen werden durch den Schweiss auch Bacterien (Mikro-kokken, Staphylokokken, Milzbrandbacterien) aus dem Blute ausgeschieden.
Anwendung. Die Diaphoretica sind, insbesondere seit der Einführung des Pilocarpins, auch in der Thierheilkunde, speciell in der Pferdepraxis, von grösster therapeutischer Bedeutung. Die wichtigsten Krankheiten, bei welchen ihre Anwendung indicirt ist, sind folgende:
1.nbsp; Wassersüchtige Zustände im Verlaufe von chronischen Herz-. Lungen-, Leber- und Nierenkrankheiten, namentlich Ascites, Hydrothorax und Hydropericardium, ferner pleuritische und peritonitische Exsudate, Hydrocephalus acutus, sowie ex-sudative Gelenksentzündungen.
2.nbsp; Rheumatische Hufentzündung, sowie andere rheumatische Atfectionen, namentlich rheumatische Kolik, acuter und chronischer Gelenk- und Muskelrheumatismus, rheumatische Meningitis etc.
3.nbsp; Acute und chronische Nierenkrankheiten, insbesondere die mit Oligurie, Anurie und Urämie verlaufenden Nephriten.
4.nbsp; nbsp;Chronische Vergiftungen (Quecksilber, Blei), sowie Blut-dyskrasien (Gicht).
5.nbsp; nbsp;Tetanus, Cerebrospinal-Meningitis, Gebärparese, Herzkrankheiten (Vorsicht!).
6.nbsp; Hartnäckige squamöse Ekzeme.
Arzneimittel. 1. Pilocarpin. Das wichtigste und stärkste Dia-phoreticum. Specificum gegen die rheumatische Hufentzündung des Pferdes sowie gegen Muskelrheumatismus. Vorzügliches Kesorbens bei allen Hydrop-sien, Transsudafcen und Exsudaten, namentlich auch beim acuten Hydrocephalus des Pferdes. Dosis des Pilocarpinum hydrochloricum (subcutan) für Pferde 0,50,8 (!). Die hidrotische Wirkung wird durch Frottiren und feuchtwarme Wicklungen (Essig) wesentlich unterstützt.
2.nbsp; Ammonium aceticum. Wegen der vorzüglichen Wirkung des Pilocarpins selten benützt. Dosis für Pferde und Rinder 1025,0.
3.nbsp; Heisse Aufgüsse der Aethereo-Oleosa: Flores Chamo-millae, Flores Tiliae, Floras Sambuci. Herba Menthae pipe-ritae, Folia Melissae etc. Diese aus der alten Therapie herstammenden Diaphoretica werden zuweilen noch z. B. bei der rheumatischen Kolik des Pferdes angewandt. Sie wirken hauptsächlich durch ihren Gehalt an
Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; g
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(5(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speicheltreibende Mittel.
warmem Wasser diaplioretisch und sind in der Mensclienheilkunde noch sehr gebräuchlich. Gegen wassersüchtige Zustände dürfen sie naturgemäss nicht gegeben werden.
1. Essigwaschungen der H a ut mit nach folgenden Pr iess-nitz'schen Umschlägen. Ein sehr gutes Unterstützungsmittel für das Pilocarpin.
Von sonstigen, wissenschaftlich wenig untersuchten, angeblich schweiss-treibenden Mitteln sind zu erwähnen: Salicylsäure, Antipyrin, Thallin, Veratrin, Brechweinstein, Goldschwefel, Schwefel, Ammonium carbonicum, Salmiak, Pfeffer, Senf, Campher, Arnica, Alkohol, Aether, Radix Bardanae u. s. w. Schliesslich wirken die hautreizenden Mittel überhaupt, sowie die Brechmittel diaphoretisch.
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2, Speicheltreibende Mittel. Sialagoga1).
Synonyma: Sialica, Ptyalagoga-), Masticativa3), Masticatoria4).
Wirkung und Anwendung. Eine specitische, hervorstechende Wirkung auf die Speicheldrüsen besitzt unter den zur Zeit bekannten Arzneimitteln eigentlich nur das Pilocarpin. Dasselbe reizt die peripheren Speicheldrüsennerven sowie das Speichelcentruin in der Medulla oblongata und vermehrt dadurch schon in kleinen Dosen die Speichelsecretion stark und anhaltend. Aehnlich, aber viel schwächer, wirken Eserin und Muskarin.
Die Folgen der speicheltreibenden Wirkung stimmen mit denjenigen der schweisstreibenden in Vielem überein. Von besonderer AVichtigkeit für die Therapie ist auch hier der Umstand, dass dein Körper eine grosse Menge Wasser entzogen, das Blut also eingedickt und die Resorption der im Körper verfügbaren Flüssigkeit befördert wird. Ein Pferd verliert beispielsweise in kurzer Zeit 4060 Pfund Wasser. Die Sialagoga sind daher Specifica bei allen Hydropsien, Transsudaten und tlüssigen Exsudaten. Ausserdem dienen sie als ableitende Mittel bei Nieren kr ankhei ten, sowie zur Elimination von Giften aus dem Körper.
Als Antisialica bezeichnet man umgekehrt Mittel, welche eine abnorm gesteigerte Speichelsecretion (Salivation) herabsetzen. Die wichtigsten Antisialica sind Atropin und Hyoscin. Dieselben sistiren gleichzeitig auch die abnorm gesteigerte Schweisssecretion und werden in Folge dessen auch als Antihidrotica bezeichnet. Zu den letzteren gehört ausserdem noch das Agaricin.
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') süxXov, Speichel; Srtiu, treiben.
2)nbsp; nbsp;^xuaXov, Speichel; afio, treiben.
3)nbsp; masticare, kauen, einspeicheln.
4)nbsp; masticatorhim, Eaumittel.
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Speicheltreibende Mittel.
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Arzneimittel. Pilocarpin. Einziges und speoitisuhes Sialagogmu bei wassersüchtigen Zuständen. Dosis = */raquo; derjenigen als Diaplioreticum: Pferden 0,10,2, Rindern 0,20,4, Schafen und Ziegen 0,02, Hunden 0,005 bis 0,02. Vorsicht bei Herzkrankheiten.
Eine nebensächliche, praktisch nicht verwerthbare sialagoge Wirkung besitzen ausserdem die Quecksilberpräparate. Den reflectorisch durch Reizung der Maulschleimhaut die Speichelsecretion anregenden Gewürzen, Bittermitteln und Acria kommt nach dieser Richtung eine ganz untergeordnete Bedeutunsr zu.
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Augenmittel. Ophthalmica1).
1. MjdriaticaL'). Pupillenerweiternde Mittel.
Wirkung und Anwendung. Die künstliche Erweiterung der Pupille durch Atropin, Hyoscin und Homatropin kommt in Folge einer Lähmung des Nervus oculomotorius, des Bewegungsnerven für den Sphincter Pupillae, zu Stande. Die Mydriasis ist in der Regel eine directe, locale, durch Einbringen der genannten Arzneimittel in den Lidsack hervorgerufene; die nach der innerlichen Verabreichung der Mydriatica auftretende Pupillenerweiterung wird praktisch nicht verwerthet.
Die Zwecke, welche man mit der Anwendung der mydriatischen Mittel verfolgt, sind sehr verschieden. In therapeutischer Beziehung benützt man sie bei Iritis, um Verwachsungen der Iris mit der Linsenkapsel zu lösen oder zu verhüten. Sie sind deshalb von grösster Bedeutung namentlich bei der Behandlung der Mondblindheit des Pferdes. Ausserdem benützt man sie als Vorbereitungs- und Unterstützungsmittel bei manchen Augenoperationen, so insbesondere bei der Staaroperation und Iridectomie. Nicht weniger wichtig sind sie in diagnostischer Richtung, wenn es sich darum handelt, durch eine künstliche Erweiterung der Pupille einen besseren ophthalmo-skojüschen Einblick in das Innere des Auges zu erhalten und auf diese Weise Trübungen des Glaskörpers und der Linse, Netzhautablösungen, Irissynechien und andere im Verlaufe der Mondblindheit und sonstiger innerer Augenkrankheiten auftretende Veränderungen besser zu erkennen und zu beurtheilen.
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') oaü-rxi^oi;, Auge.
2) fj-uSptaai?, ein durch Erweiterung der Pupille charakterisirtes Augenleiden, von Galen, Paulus von Aegina und anderen Aerzten des Alterthums so benannt nach jiüopo;, glühender Block.
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Mydriatiea und Myotica.
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Arzneimittel. 1. Atropinum sulfuricum. Gebräuchlichstes Mydria-ticum bei Mondblindheit, Iritis und Augenoperationen; Lösung 12 quot;jo ig. Zu Untersuchungszwecken bedient man sich schwächerer Lösungen (13on/ooig).
2.nbsp; Hyoscinum hydrobromicum. Noch stärkeres Mydriaticum, daher dann angewandt, wenn Atropin nicht genügt; Lösung 15 00|ooig.
3.nbsp; Homatropinum hydrobromicum. Mydriaticum speciell für üntersuchungszwecke; 1300|ooige Lösungen. Die Pupillenerweiterung verschwindet schneller, als bei Atropin und Hyoscin.
Hyoscyamin, Duboisin, Daturin, Cocain und andere Mydriatiea werden praktisch nicht verwerthet.
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2. Myotica l)laquo; Pupillenverengernde Mittel.
Wirkung und Anwendung. Die Myotica, von welchen als das wichtigste das Physostigmin zu nennen ist, bewii-ken eine Verengerung der Pupille durch Contraction des Sphincter Pupillae in Folge Reizung des Nervus oculomotorius. Man verwerthet diese Myose therapeutisch, um durch die zusammenziehende Bewegung der Iris Synechien der letzteren mit der Linsenkapsel zu lösen. So behandelt man z. B. Irisverwachsungen bei Mondblindheit alternirend mit Atropin (Mydriasis) und Eserin (Myosis). Ausserdem hat man Eserin zur Herabsetzung des inneren Augendrucks bei Glaucom angewandt.
Arzneimittel. Physostigminum sulfuricum. Gebräuchlichstes Myoticum bei Irissynechien, Mondblindheit, Iritis adhäsiva, Irisvorfall; '/s bis 1 quot;/oige Lösungen.
Die übrigen Myotica: Pilocarpin, Muscarin, Nicotin u. a. werden praktisch nicht verwerthet.
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') [xüuj, verschliessen, verengern; (jluwiic, Verengerung.
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Reiz- und Aetzmittel. Acria1) und Caustica2),
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1. Ueizmittel. Acria.
Synonyma: Irritantia3), Derivantia4), Epispastica5), Rubefacientia'), Vesi-cantia 6), Pustulantia s), Suppurativa 9}, Erethistica,0), Dermerethistica ''), scharfe, reizende, irritirende, ableitende Mittel.
Wirkung. Mit dem Namen Acria hat man im Allgemeinen solche Arzneimittel belegt, welche auf Haut und Schleimhäute, überhaupt auf alle nerven- und gefässhaltigen Körperorgane in der Weise reizend einwirken, dass Hyperästhesie und Schmerz, sowie Hyperämie und Entzündung entstehen. Im engeren Sinne bezeichnet man speciell die haut reiz enden Mittel als Acria. Das Wesen ihrer Wirkung stimmt mit den Vorgängen bei der Einwirkung anderer Entzttndungserreger auf die Haut, so z. B. traumatischer, thermischer oder infectiöser Reize vollkommen überein. Auch die chemischen Hautreize erzeugen zunächst eine Erweiterung der Gre-fässe und im Anschluss hieran den Austritt von Blutserum und die Auswanderung weisser Blutkörperchen. Diese Processe werden entweder reHectorisch durch Reizung der sensiblen Hautnerven oder durch eine directe Einwirkung auf die Wandungen der kleinsten Hautgefässe ausgelöst. Je nach der Stärke der chemischen Reiz-
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') accr, scharf.
2)nbsp; xaico, brennen ; causticum, Aetzmittel.
3)nbsp; irritare, reizen.
4)nbsp; nbsp;derivare, ableiten.
') iiz'.QTzäu), anziehen, ziehen; epispasticHm, Zugmittel.
quot;) rubefacere, rothmachen, röthen.
7) vesica. Blase; vesicare, Blasen ziehen. In der Zoologie verstellt man unter der Bezeichnung Vesicantia eine Gruppe cantharidinhaltiger und daher blasenziehender Käfer (Canthariden, Meloe, Mylabris, Cabalia, Cerocoma, Coryna, Epieauta, Lagorina, Lydus u. s. w.).
9) pustula, Eiterblase; pustulare, Blattern, Pocken erzeugen.
9) pus, Eiter.
10)nbsp; IpefKCüi, reizen.
11)nbsp; oipiiv., Haut; samp;siKJo), reizen.
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Acria.
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Wirkung entstehen dann genau ebenso, wie z. B. bei der Verbrennung, verschiedene Grade der Hautentzündung: Hyperämie, Blasen-, Eiterbildung etc. Ein anderer, wenn auch kleinerer Theil von hautreizenden Mitteln wirkt, ähnlich wie die Aetzmittel, durch Gerinnung oder Auflösung von Körpereiweiss (vergl. das folgende Kapitel über Caustica).
Bezüglich der Empfindlichkeit gegenüber den Acria verhalten sich Haut und Schleimhäute wesentlich verschieden. Der Grund hiervon ist in der Verschiedenheit des Deckepithels zu suchen. Während die verhornten, trockenen, abgestorbenen Epidermiszellen der Haut dieselbe bei der Einwirkung trockener, fester Beizmittel schützen, so dass beispielsweise Sublimat, Höllenstein, Arsenik, ja selbst Phosphor in trockenem Zustande mit der Haut zusammengebracht, sich als indifferent erweisen, bedingen die feuchten, weichen, mit Flüssigkeit bedeckten Schleimhautzellen sofort eine Lösung und damit ein Eindringen des Eeizmittels in die Schleimhaut. Umgekehrt ist die Haut manchen flüssigen und namentlich gleichzeitig flüchtigen Eeizmitteln gegenüber empfindlicher. So reizt z. B. Terpentinöl die Trachea!- oder Darm-schleimhaut nicht so stark, wie die äussere Haut, weil die genannten Schleimhäute mit einer schützenden Decke von flüssigem Schleim versehen sind, durch welche ätherische Oele, weil mit Wasser nicht mischbar, nicht ohne AVeiteres diffundiren können, während sie von den trockenen Epidermiszellen der Cutis rasch imbibirt werden und durch dieselben auch in gasförmigem Zustande schnell in die Haut eindringen können.
Eintheilung. Man theilt die hautreizenden Arzneimittel herkömmlicher Weise in die nachfolgenden vier Unterabtheilungen ein:
1.nbsp;Die hautröthendenMittel(Epispastica rubefacientia): Terpentinöl, Campher, Tinctura Arnicae und Capsici, Oleum Juniper! und Rosmarin!, Salmiakgeist, Jodtinctur, Priessnitz-sche Umschläge, Massage u. s. w.
2.nbsp; Die blasenziehenden Mittel (Epispastica vesicantia): Kantha-riden, Senföl.
3.nbsp; Die pusteltreibenden Mittel (Episjmstica pustulantia): Brechweinstein, Crotonöl, Euphorbium.
4.nbsp;Die eitererzeugenden Mittel (Epispastica suppurantia): Hydrargyrum bijodatum, Kali dichromicum u. a.
Früher unterschied man ferner mit Rücksicht auf die scharfen Mittel im Allgemeinen: Acria stomachica, emetica, cathartica, diu-retica, expectorantia, aphrodisiaca, anthelminthica u. s. w.
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Hautreizerule Mittel.
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Anwendung. Den hautreizenden Mitteln konnnt in der thier-ärztlichen Therapie eine -wesentlicli grössere praktische Bedeutung zu, als in der Menschenheilkunde. Sie werden sowohl in der Chirurgie, als auch in der internen Medicin nach sehr verschiedenen Richtungen hin mit Vortheil angewandt. Die wichtigsten Krankheiten sind folgende:
1.nbsp; nbsp;Suhacute und chronische Entzündungen sowie Con-tusionen der Haut, der Subcutis, der unter der betreuenden Hautstelle liegenden Sehnen, Sehnenscheiden, Grelenke, Muskel, Knochen u. s. w. Bei allen diesen chirurgischen Krankheiten wirken starke Hautreize, namentlich scharfe Einreibungen von Jodtinctur, Kantharidensalbe oder rother Quecksilberhijodatsalhe, dadurch heilend, dass sie die' chronische Entzündung durch Uehergreifen der künstlich erzeugten Hautentzündung auf die untergelegenen Theile in eine acute, schneller ablaufende Entzündung umwandeln, wodurch ähnlich wie beim Brennen eine raschere Resorption der Entzündungsproducte, oder bei schmerzhaften Gelenksentzündungen (Spat) eine raschere Verwachsung des Gelenks und damit Aufhören der schmerzhaften Lahmheit erzielt wird. Diese Wirkungsweise der Epispastica ist genauer bei der Jodtinctur untersucht worden. Dieselbe erzeugt nämlich beim Aufpinseln auf die Haut eine erysipelartige Entzündung, welche in die Tiefe greift und daselbst zur Auswanderung weisser Blutkörperchen, Durchfeuchtung, Erweichung und stärkeren Durchblutung der erki-ankten Gewebe sowie im Anschluss hieran zur Resorption der Entzündungsproducte führt.
2.nbsp; nbsp;Acute Entzündungen der Lunge, der Pleura, des Peritoneums etc. Die AVirkung der Hautreize ist hierbei eine ableitende. Applicirt man beispielsweise hei exsudativer Pleuritis (Brustseuche) eine kräftige Einreibung von Senföl auf die entsprechende Brustwandung, so entsteht eine so starke Anschwellung und Hyperämie der eingeriebenen Hautpartie, dass die darunter gelegene entzündete Pleura anämisch, und die benachbarten Exsudatmassen re-sorhirt werden. In ähnlicher Weise lässt sich das Blut von anderen inneren Organen, so z. B. vom Danncanal, vom Gehini, von den Nieren u. s. w. in die Haut ableiten.
3.nbsp; Erkältungskrankheiten, insbesondere rheumatische Kolik. Die Hautreize (Terpentinöl, Campherspiritus etc.) wirken hierbei ähnlich, wie die schweisstreibenden Mittel, indem sie die Hautausdünstung anregen und die gestörte Blutvertheilung (Hyperämie der Centralorgane, Anämie der Haut) reguliren.
4.nbsp; Erschlaffung und Lähmung der Magen- und Darm-
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Hautreizende Mittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 73
muskulatur. Die peristaltischen Bewegungen des Magens und Darmes lassen sich bekanntlich reflectorisch durch Reizung der sensiblen Hautnerven anregen. Die Epispastica sind daher sehr werthvolle Peristaltica bei Atonie und Parese der Magendarmwandung, so namentlich im Verlaufe der Verstopfungskolik, Tympanitis, bei chronischem Magen- und Darmkatarrh etc.
5.nbsp; nbsp;Spinale Lähmungen (Kreuzschwäche, Kreuzlähmung). Die stärkeren Hautreize wirken hier theils erregend auf das gelähmte Nervensystem, theils ableitend. In ähnlicher Weise können sie auch bei cerebralen und peripheren Lähmungen angewandt werden. In anderen Fällen wird nach dem Princip des Gegenreizes durch die Epispastica eine krankhaft gesteigerte Nerventhätig-keit (z. B. Hyperästhesie) herabgesetzt.
6.nbsp; Nierenkrankheiten. Vermöge der Fähigkeit der Haut, die Function der Niere comp ens a tori seh zu übernehmen, kann bei Anurie oder Urämie im Verlaufe von Nierenentzündungen durch Hautreize eine Entlastung der Nieren erfolgen.
Endlich wirken die starken Hautreize dadurch, dass sie eine grössere Blutmenge in die Haut hereinziehen und somit die Abkühlung des Blutes auf der Haut befördern, ähnlich wie die Digitalis fie her widrig. So wird z. B. durch die Application von Senfspiritus bei der Brustseuche nicht bloss eine ableitende Wirkung erzielt, sondern auch die Temperatur ganz wesentlich herabgesetzt. Gleichzeitig wird die Herzthätigkeit verlangsamt und der Blutdruck vermindert. Schwache Hautreize steigern umgekehrt den Stoffwechsel und erhöhen dadurch die Innentemperatur und die Pulsfrequenz.
Arzneimittel. 1. Terpentinöl. Viel benutztes Rubefaciens bei chronischem Muskelrheumatismns, Kolik, chronischen Gelenks- und Sehnenlahmheiten , ödematösen Hautschwellungen, Gelenkscontusionen. Schwäche-und Lähmungszuständen etc. Meist verdünnt, 1 : 1020 mit Spiritus. Campherspiritus, Oel u. s. w.
2.nbsp; Campherspiritus. Ebenso häufig, allein oder mit Terpentinöl zusammen benutztes Epispasticum. Von stärkerer Wirkung ist das Einreiben des Camphers in Substanz (Camphora trita).
3.nbsp; Arnicatinctur. Viel von Laien benutztes, reizendes und zer-theilendes Mittel bei Rheumatismus, Contusionen etc.
4.nbsp; Tinctura Capsici. Neben dem vorigen Bestandtheil mancher sogen. Restitutionsfluide.
5.nbsp; Salmiakgeist. Meist in Form des Linimentum ammoniatum (l: 4 Oel) benutztes, scharf wirkendes Epispasticum bei chronischen Ar-thriten, Sehnenentzündung, Muskelrheumatismus etc.
6.nbsp; Tinctura Jodi. Starkes zertheilendes Mittel speciell bei chronischen Periostiten. Arthriten und Periarthriten. ausserdem bei Tendiniten,
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Aetzmittel.
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Tendovaginiten. Steht wie der Salmiakgeist in der Mitte zwischen den hautröthenden und blasenziehenden Mitteln.
7.nbsp; nbsp;Cantharidensalbe. Eines der wichtigsten Vesicantien für Pferde und Binder bei chronischen Knochenauftreibungen (Spat, Schale, Ueberbeine), Gelenksentzündungen, Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen, chronischen rheumatischen Lahmheiten. Quetschungsgeschwülsten etc. Aehnlich wirkt das Cantharidenpflaster und Cantharidenöl; von schwächerer Wirkung sind Cantharidentinctur und Cantharidencollodium, welche in der Hundepraxis angewandt werden.
8.nbsp; Senf öl. Wichtigstes Derivans bei Pleuriten, Pneumonien, Peri-toniten und Meningiten. Man benützt bei Pferden eine 5100/oige, bei Rindern eine 10200/oige, bei Hunden eine 250/oige spirituöse Lösung. Auch der Sinapismus wird vielfach benützt.
9.nbsp; Brechweinstein. Derivans beim Rind und Schwein statt des vorigen in Form der officiellen Breehweinsteinsalbe (1:4).
10.nbsp; Euphorbium. Sehr scharfes Epispasticum bei chronischen, veralteten, chirurgischen Affectionen der Gelenke, Sehnen, Knochen etc. Anwendung bei kaltblütigen Pferden und Rindern, entweder allein 1: 1015 Fett, oder als Zusatz zur Cantharidensalbe (1 :1020); ausserdem Bestand-theil des Emplastrum acre.
11.nbsp; nbsp;Crotonöl. Ebenfalls sehr scharfes Reizmittel bei hartnäckigen chronischen Rheumatismen, Arthriten, Tendiniten, Paresen etc., ausserdem Derivans bei Entzündungen innerer Organe. Vorsicht bei der Anwendung. Die Concentration beträgt beim Pferde 1 : 30, beim Rinde 1: 510, beim Schwein 1 : 25, beim Hund 1 : 50100. Verdünnungsmittel sind Olivenöl, Terpentinöl, Cantharidensalbe etc.
12.nbsp; Hydrargyrum bijodatum. Schärfstes Epispasticum. Specifi-cum bei veralteten Gelenk-, Knochen- und Sehnenentztiudungen, namentlich Spat. Schale, Ueberbeinen, Gallen, Sehnen Verhärtung. Verdünnung beim Pferde 1 : 515 Fett oder Cantharidensalbe.
Aehnlich wirkt Kalium dichromicum (1 : 1020 für Pferde).
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2. Aetzmittel. Caustica1).
Synonyma: Corrosiva#9632;2), Cauteria, Escliarotica8), Cathaeretiea4).
Wirkung. Während die Acria unter Beibelialtung der Vitalität der Gewebe dieselben nur entzündlich alteriren. bedingen die Aetzmittel eine Ertödtuug des jungen lebenden Gewebes, mit welchem sie in Berührung kommen (ätzen, altdeutsch etzenquot;, leitet sich sprachlich von essenquot; = verzehren ab). Dabei kommt die ätzende Wirkung der einzelnen Mittel auf sehr verschiedene Weise zu Stande. Man unterscheidet nach dieser Richtung die nachstehenden Gruppen von Aetzmitteln.
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') xatiu, brennen.
2)nbsp; corrodere, zernagen, zerfressen, verätzen.
3)nbsp; nbsp;j-yaoöw, verschorfen; s-yapa, Brandschorf.
4)nbsp; nbsp;ytavoapio) vernichten, zerstören.
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Aetzmittel.
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1.nbsp; Aetzende Säuren (Caustica acida): Salpetersäure, Salzsäure, Salpetersalzsäure, Schwefelsäure, Essigsäure, Chloressigsäure, Milchsäure, Oxalsäure. Von diesen Säuren wirken die Mineralsäuren und die Milchsäure eiweisscoagulirend, indem sie mit dem Eiweiss unlösliche Säurealhuminate bilden und so eine Ausfällung und damit Ertödtung des gelösten, lebenden Eiweisses bedingen. Speciell die Salpetersäure erzeugt mit dem Organ-eiweiss ein gelbes Acidalbuminat, welches mit dem Namen Xantho-protei'nsäure belegt worden ist , dieselbe ist chemisch als Nitrover-bindung aufzufassen. Die organischen Säuren, namentlich Essigsäure, bilden mit dem Körpereiweiss ebenfalls Säurealhuminate, dieselben sind aber löslich und werden erst nach Neutralisation der Lösung ausgefallt. Die Schwefelsäure wirkt ferner durch Wasserentziehung ätzend; vermöge ihrer starken Affinität zum Wasser entzieht sie dasselbe den Geweben unter Verkoblung der letzteren. Die Chloressigsäure endlich und die Salpetersalzsäure wirken zum Theil auch durch die Abspaltung von Chlor in statu nascendi.
2.nbsp; Aetzalkalien (Caustica basica): Aetzkali. Aetznatron, Aetzkalk, quot;Wiener Aetzpaste. Dieselben lösen das Organ-eiweiss unter Wasserentziehung und Bildung von löslichen Alkali-albuminaten auf. Ihr Aetzschorf ist daher auch im Gegensatze zu dem trockenen umschriebenen und oberflächlichen Aetzschorf der Mineralsäuren feucht, tief und diffus in die Umgebung übergreifend.
3.nbsp; Metallische Aetzmittel (Caustica salina): Chlor zink, Sublimat, chromsauresKali, Chromsäure, Eisenchlorid, Eisenvitriol, Kupfervitriol, Zinkvitriol, Höllenstein, Antimonchlorid, Arsenik, Plumbum aceticum und nitricum, Quecksilberoxyd, Quecksilberbijodid, Cuprum aceticum, Goldchlorid, Kalium permanganicum u. a. Diese Metallverbindungen wirken durch Bildung eines unlöslichen Me tall a Ibu-minats unter gleichzeitigem activem Freiwerden der Säurecompo-nenten (Schwefelsäure, Salpetersäure, Chlor, Jod). Ein Theil derselben wirkt ferner durch Oxydation; hierher gehören die sauerstoffhaltigen Aetzmittel, wie Chromsäure und übermangansaures Kali, welche von ihrem Sauerstoff abgeben, sowie der Arsenik, welcher zuerst Sauerstoff anzieht und dann wieder abgibt. In ähnlicher Weise wirken auch die Halogene: Chlor, Brom, Jod, welche in neuerer Zeit in verschiedenen Combinationen (Jodtrichlorid. Chlorbrom etc.) als Aetzmittel Verwendung finden. Dieselben entziehen nämlich den Geweben
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Aetzmitte].
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AVasserstoff, wobei Sauerstoff in statu nascendi (neben AVasserstoff-siiure) frei wird.
Der Grad der Aetzwirkung ist je nach der chemischen Natur der einzelnen Mittel, sowie je nach der zur Anwendung kommenden Concentration ein verschiedener. Man unterscheidet zwischen ober-flächlicher Verschorfung und tiefer Aetzung. Oberflächlich wirken von den oben genannten Aetzmitteln die anorganischen Säuren, der Höllenstein, der Kupfervitriol, Zink vitriol, Eisenvitriol, das Plumbum nitricum etc., während besonders nach der Tiefe die Aetzalkalien, die Schwefelsäure, ehe Chromsäure, der Arsenik etc. ätzen. Die caustische Wirkung ist auf der Haut wegen der Schutzschicht verhornter Epidermiszellen eine viel schwächere, als auf Schleimhäuten. Die trockenen Aetzmittel, besonders die Metallsalze wirken daher auf der Haut überhaupt erst dann ätzend, wenn sie gleichzeitig mit Flüssigkeiten zusammenkommen. Die Farbe des Aetzschorfes ist sehr verschieden. Die Salpetersäure und Salpetersalzsäure erzeugen einen gelben, die Salzsäure einen grauen, die Schwefelsäure einen braunen oder schwarzgrauen, die Chromsäure einen gelben, braunen und zuletzt schwarzen, die Essigsäure einen weissen, der Höllenstein zuerst einen weissen, dann grauen und zuletzt braunen und schwarzen Aetzschorf.
Anwendung. Die Aetzmittel dienen zunächst zur Beseitigung von Neubildungen, sofern dieselben nicht oj^erativ entfernt werden können oder sollen. Im Allgemeinen ist der Gebrauch der Cauteria mit dem Fortschreiten der chirurgischen Technik sehr zurückgegangen. Immerhin gibt es in der Thierheilkunde noch verschiedene Neubildungen, bei welchen die Aetzmittel der Benützung des Messers vor-zuziehen sind. Solche sind z. B. der Strahlkrebs, gewisse Arten von Brustbeulen, Stollbeulen, Carcinomen, Sarkomen, Warzen etc. Sodann sind die Aetzmittel ganz unentbehrlich bei der Behandlung der Fisteln und Geschwüre, so namentlich der Hufknorpelhstel, Zahnfistel, Widerristfistel, Genickfistel, Aderlassfistel, Knochenfistel etc., ferner hei der Regulirung der Wund hei lung, so z. B. zur Beseitigung üpjjiger Granulationen. Die Zweckmässig-keit der früheren Behandlung der Hernien mit Aetzmitteln mag dahingestellt bleiben. Dagegen sind die Aetzmittel rationeller Weise indicirt bei inficirten und vergifteten Wunden, so namentlich bei Schlangenbissen, bei Bissen wüthender Thiere, bei Milzbrand-carbunkeln etc.
Form. Die Aetzmittel werden in sehr verschiedenen Formen, theils für sich allein, theils in Verbindung mit anderen Substanzen
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Aetzmittel.
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angewandt. In
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letzterer Beziehung sind zu erwähnen die Aetz-
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pasten, Aetzstifte
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Aetzp feile. Aetzschnüre,
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Aetz bougies
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Aetz-
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sonden. Aetzsaiten
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Aetzsteine
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und Aetz-
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pulver.
Arzneimittel. 1. Eauchende Salpetersäure. Das in der Thier-heilkunde am häufigsten angewandte und empfelilenswertheste flüssige Causti-cum, dient zur Behandlung des Strahlkrebses, sowie zur Entfernung von Warzen und kleineren Neubildungen.
2.nbsp; Schwefelsäure. Eines der stärksten Aetzmittel: Anwendung bei Stollbeulen, Strahlkrebs und sonstigen Neubildungen. Vorsicht!
3.nbsp; Trichloressigsäure. Vorzügliches, aber etwas theures Aetzmittel bei Strahlkrebs, Warzen, Granulationen.
4.nbsp; Wiener Aetzpaste. Besteht aus gleichen Theilen Aetzkalk und Aetzkali mit Wasser. Sehr kräftiges Causticum bei Strahlkrebs und Carcinomen.
5.nbsp; Chlorzink. Eines der stärksten Aetzmittel. Anwendung bei Geschwüren, Fisteln, Strahlkrebs, Carcinom in Form der Canquoin'schen Aetzpaste oder der Köbner'schen Aetzstifte.
6.nbsp; Sublimat. Stärkstes metallisches Aetzmittel gegen Stollbeulen, Piephaken , Hasenhaken, Brustbeulen, Ueberbeine , Gallen, Fisteln etc., in Stücken, gepulvert, als Paste (1:15 Mehl), als Salbe (1:110), in Lösung (1:310 Spiritus oder Collodium). als Bougie oder Aetzligatur. Aehnlich wirkt Quecksilberbijodid.
7.nbsp; nbsp;Chromsäure. Starkes, schmerzhaftes Aetzmittel gegen Strahlkrebs, Carcinom und andere Neubildungen in Form von Lösungen, Salben, Pasten (1:15) und Bougies. Specificum gegen Schlangenbiss.
8.nbsp; nbsp;Arsenik. Wichtiges Aetzmittel bei Brustbeulen, Stollbeulen, Strahlkrebs, Carcinomen, Hufknorpelfisteln etc. in Form von Stücken, Pasten, Salben und in Lösung (Babolnaer Krebstinctur).
9.nbsp; Höllenstein. Schwaches, oberflächliches Aetzmittel (Escharoticum) für Granulationen, Fisteln und Geschwüre, chronische Conjunctiviten, sehr kleine Warzen. Anwendung in Form des Stiftes.
10.nbsp; Cuprum sulfuricum. Aetzmittel in der Augenheilkunde bei granulösen und pannösen Wucherungen der Conjunctiva, sowie bei Fisteln und Geschwüren. Desgleichen Cuprum aluminatum (Kupferstift).
11.nbsp; Eisenvitriol. Mildes Causticum bei Geschwüren und Fisteln, Strahlkrebs, Klauenseuche und chronischen Schleimhautaffectionen. Form: Pulver oder concentrirte Lösungen.
12.nbsp; Plumbum aceticum. Leichtes Aetzmittel bei Strahlkrebs. Aehnlich wirkt Plumbum nitricum.
13.nbsp; Eisenchlorid. Aetzmittel für Strahlkrebs und kleine weiche Neubildungen.
14.nbsp; nbsp;Quecksilberoxyd. Leichtes Aetzmittel für Wunden und Geschwüre (1 :10), sowie Causticum in der Augenheilkunde (1:1525).
15.nbsp; Kalium permanganicum. Specifisches Causticum bei Schlangenbissen.
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Adstringirende Mittel. Adstringentia1).
Synoiiyinn: Exsicoantia'2), Coagulantia3), Tonica4); zusammenziehende,
austrocknende, gerbende, eiweissgerinnende, contrahirende, verdichtende, toni-sirende Mittel.
Wirkung und Anwendung. Mit dem Ausdruck Adstringentienquot; bezeichnet man Arzneimittel, welche auf Haut und Schleimhäute eine zusammenziehende, austrocknende, verdichtende Wirkung äussern. Sie werden am häutigsten angeAvandt bei Schleimhautkatarrhen mit reichlicher katarrhalischer Secretion oder starker Schwellung der Schleimhaut, so bei Katarrhen der Darmschleinihaut, der Maul-, Rachen-, Bronchial-, Conjunctival-, Blasen-, Uterus-, Scheiden-, Präjmtialschleimhaut, bei Scheiden-, Uterus- und Mastdarmvorfällen etc., ferner bei entzündlichen, ekzematösen, geschwürigen Processen auf der Haut, gegen Otorrhoe, zur Einspritzung in Fisteln und seröse Säcke, zur Stillung parenchymatöser Blutungen und endlich empirisch gegen Galactorrhoe, Polyurie und Nephritis. Sie bilden daher auch einen Theil der Styptica (vergl. S. 31 u. 39), der früher sogen. Anticatarrhalica und Anti-phlogistica (vergl. S. 79) sowie der Alactica (S. 53) und Anuretica (S. 63).
Ihre Wirkung ist eine verscliiedenartige. Die einen bedingen eine Contraction der Capillaren mit (jrefässVerengerung und consecutive!1 Anämie (Metallsalze), wodurch die entzündliche Hyperämie der Haut und Schleimhäute beseitigt und indirect auch die Secretion der letzteren vermindert wird. Andere bilden mit dem Eiweiss, Schleim oder der leimgebenden Substanz der Haut- und Schleimhaut-secrete einen festen Niedersclilag, eine Art von Schorf oder Schutz-
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') adstringere, zusammenschnüren, zusammenziehen. -) exsiccare, austrocknen.
3)nbsp; coagulum, Gerinnsel.
4)nbsp; tsivo), spannen; tonns, .Spannung, Contraction.
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Ailstringentieu.-
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decke, welche nach Analogie der Aetzmittel eine oberflächliche Verdichtung und Austrocknung des Gewebes zur Folge hat (Tannin). Eine dritte Gruppe wirkt durch Wasserentziehung und Schrumpfung (Alkohol), eine letzte Gruppe endlich rein mechanisch durch Compression (Collodium). Die meisten Adstringentien besitzen ausser-dem eine desinticirende, sowie bei starker Concentration eine ätzende AVirkung (vergl. das Kapitel der Aetzmittel S. 74).
Arzneimittel. 1. Die metallischen Adstringentien: Alaun, essigsaure und schwefelsaure Thonerde, Liquor Perri, Perrum sulfuricum, Bleiessig, Bleizucker, Bleinitrat, Argentum nitricum, Sublimat, Chlorzink, Zinkvitriol, Kupfervitriol, Bismuthum subnitricum, Zinkoxyd, Bolus, Calcium carboni-cum, Kalkwasser u. a.
2.nbsp; nbsp;Tannin und die tanninlialtigen, sogen, pflanzlichen Adstringentien: Eichenrinde, Chinarinde, Rhabarber, Galläpfel, Catechu, Ratanhiawurzel, Tormentillwurzel, Salbeiblätter, Polia Uvae Ursi, Polia Juglandis, Kaffee, geröstete Eicheln etc.
3.nbsp; Alkohol und alle alkoholischen Plüssigkeiten (Tinctura Aloes, Tinctura Myrrhae etc.).
4.nbsp; Jod, namentlich in Verbindung mit Alkohol (Jodtinctur).
5.nbsp; Theer, Creolin, Kreosot und andere verwandte Körper. (5. Aetherische Gele, Balsame und Harze (Terpentinöl,
Terpentin, Perubalsam etc.).
7.nbsp; nbsp;Glycerin und Kochsalz (Wasserentziehung).
8.nbsp; nbsp;Collodium (mechanische Compression) und andere Druckmittel.
9.nbsp; nbsp;Seeale cornutum, Hydrastis und (Jocaiu (letzteres verengert die Gefässe der Conjunctiva und Iris).
10.nbsp; Kälte in Porm von Eis oder kalten Umschlägen.
Antiphlogistica1). Als antiphlogistische oder entzündungswidrige Mittel (Refrigerantia #9632;2), Temperantias) bezeichnete die ältere Therapie eine Reihe von Medicamenten, welche herkömmlich gegen Entzündungszustände aller Art angewandt wurden. Hierher gehörten die Adstringentien, der Aderlass und andere (locale) Blutentziehungen, die Kälte, das Quecksilber, der Salpeter u. a. Mittel. Die moderne Wissenschaft, welche die Entzündung meist auf eine Infection zurückführt, behandelt die Entzündungen in erster Linie mit antiseptischen Mitteln (Carbolsäure, Jodoform, Campher, Borsäure, Salicylsäure, Calomel etc.); ausserdem werden Adstringentien mit
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') avtt, gegen; cpXtJ-fiC'quot;, brennen, entzündet sein.
-) refrigerare, abkühlen.
3) temperare, massigen, mihleni (so. ilie Hitze).
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Adstrinsentien.
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antiseptischer Wirkung angewandt (Argentum nitricum, Cuprum sulfuricum, Plumbum aceticum, Alaun, Tannin, Kälte etc.).
Arzneimittel mit einer der antiplilogistischen entgegengesetzten Wirkung wurden früher Calefacientia'), d. h. erwärmende Mittel benannt. Sie sind angezeigt bei abnormem Sinken der Körpertemperatur (Erfrierung, Blutverluste, letztes Stadium von Vergiftungen und Infections-krankheiten). Neben äusserer und innerer Wärmezufuhr (warme Einhüllungen, warme Getränke) ist besonders das Coffein als Calefaciens zu bezeichnen, indem es die Temperatur rasch um 0,51deg; C. steigert; ähnliche Wkkung besitzen kleine Dosen von Alkohol.
Anticatarrhalica. Als antikatarrhalischequot; Mittel bezeichnete man früher alle gegen Katarrhe angewandten Arzneimittel. Hierher gehörten namentlich die adstringirenden, expectorirenden, antiseptischen und resor-birenden Mittel (Alkalien).
Antidyscratica -). Mit dem Namen Antidyscratica (Alterantia3), Metasyncritica4) bezeichnete die ältere Therapie eine Reihe sogen, blutreinigender Mittel, welche gegen verschiedene Dyscrasien und Cachexieu empirischer Weise angewandt wurden. Im Speciellen unterschied man Anti-scrophulosa, Anticarcinomatosa, Antisyphilitica, Antiscorbu-tica, Antarthritica, Antirheumatica etc. Als Balterirendequot; Arzneimittel galten namentlich Arsenik, Quecksilber, Jod, Phosphor, Schwefel, Antimon, die Alkalien sowie die sogen. Holztränke beim Mensehen (Sarsaparille, Sassafras u. a.). Insofern diesen Mitteln thatsächlich eine Wirkung zukommt, ist sie theils eine specifisch antiseptische (Quecksilber, Jod), theils eine roborirende (Arsenik), theils eine diuretische bezw. diaphoretische (Alkalien, heisses Wasser).
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') calefacere, warm machen.
2)nbsp; nbsp;avf!, gegen; ouav.pa3'.a, sohlechte Mischung der Säfte.
3)nbsp; nbsp;alterare, ändern.
4)nbsp; nbsp;n'y/y.paz'.c, Mischung, jista, ändernd, wechselnd.
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Antiparasitica1). Parasitentödtende Mittel.
1. Aeusserliche Antiparasitica. Antepizoa2).
Synonyma: Antiscabiosa3), Antipsorica4), Antipediculosa5), Antiphthiricaquot;); Räudemittel, Mittel gegen Läuse, Flöhe etc.
Hautparasiten. Die zahlreichen Epizoen auf der Haut unserer Hausthiere, welche mit antiparasitären Mitteln hekämpft werden, lassen sich in zwei Gruppen eintheilen, in thierische und pflanzliche. Von den thierischen Hautparasiten sind im Einzelnen zu nennen: die Eäudemilben, und zwar die vier Gattungen: Sarcoptes, Dermato-dectes, Dermatophagus und Dermatoryktes. die Akarus-milben, die Flöhe, Läuse, Haarlinge und Federlinge, die Zecken, Lausfliegen, VogelmilbenundHerbstgrasmilben, die Oestruslarven, Bremsen, Fliegen und Mücken, sowie die verschiedenen Milben des Geflügels: Federbalgmilbe, Federspulmilbe, Federmilbe, Taubenmilbe etc. Von den pflanzlichen Hautparasiten sind die Avichtigsten: Trichophyton tonsurans (Herpes) und Achorion Schönleinii (Favus).
Wirkung der Antiparasitica. Die Vorgänge bei der Einwirkung der antiparasitären Arzneimittel auf die Hautschmarotzer sind wahrscheinlich verschiedenartige. Ein Theil Avirkt offenbar nach Art der specifischen Nervengifte betäubend und lähmend auf die genannten thierischen Parasiten ein; hierher gehören die ätherischen Oele, das Mcotin und Veratrin, die Carbolsäure, das Creolin und andere aromatische Körper der Benzolreihe, sowie der Schwefelwasserstoff. Andere wirken nach Art der Aetzmittel, so namentlich die Quecksilber-
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') amp;vtt, gegen; icapasl-coc, Schmarotzer.
2)nbsp; nbsp;avu, gegen; sntjcüov, Schmarotzer auf der Oherfläche des Körpers.
3)nbsp; nbsp;ivtt, gegen; scabies, Krätze, Räude.
4)nbsp; nbsp;kvxl, gegen; -iiüpa, Krätze, Räude. r') övti, gegen; pediculus, Laus.
c) ävit, gegen; 'fS-sip, Laus. Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ß
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Antiparasitica.
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und Arsenikpräparate. Untersucht man beispielsweise eine Laus, nach der Einreibung von grauer Quecksilbersalbe auf die Haut unter dem Mikroskope, so findet man bei ihr gewissermassen die Erscheinungen einer corrosiven Enteritis im Verdauungsschlauche, welche sich in Form eines blutigen, profusen Durchfalls äussern. Durch Auflösung der äusseren Chitin schichte wirken ferner auf die Räudemilben antiparasitär ein die Laugen: Natronlauge, Kalilauge, Aetzkalk, Seife. EndUch tödten einige Mittel die Parasiten auf rein mechanische Weise durch Verstopfung der Luftkanäle; dies ist z. B. der Fall bei der Anwendung von fetten Oelen gegen die Zecken.
Eintheilung. Man kann die äusserlichen Antiparasitica entweder eintheilen nach ihrer Bestimmung in Räudemittel, Mittel gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Bremsen etc., oder nach ihrer verschiedenen chemischen Zusammensetzung. Die letztere deckt sich im Wesentlichen mit der oben entwickelten verschiedenartigen Wirkungsweise. Darnach kann man als chemische Unterabtheilungen der Anti-epizoanennen: Antiparasitica aus der Gruppe der ätherischen Oele: Perubalsam, Styrax, Terpentinöl, Anisöl, Flores Pyrethri, Petersiliensamen u. s. w.; alkaloidische Antiparasitica: Nicotin, Veratrin, Staphisagrin, Benzolderivate: Creolin, Carbolsäure, Theer, Kreosot, Salicylsäure, Oleum animale foetidum etc.; metallische Mittel: Quecksilberpräparate, Arsenik, Schwefel; Alkalien: Seife, gebrannten Kalk, Soda, Pottasche, Aetzkali, Aetznatron. Für die curativen Zwecke der Praxis empfiehlt sich indessen mehr die erstgenannte Eintheilung. Damach unterscheidet man:
1.nbsp; Eäudemittel: Die wichtigsten derselben sind Creolin, Tabak, Arsenik, Sublimat, Perubalsam, Carbolsäure, Theer, Kreosot, Lysol, Schwefel, Seife, Soda, Pottasche, gebrannter Kalk.
2.nbsp; Mittel gegen Acarusmilhen: Perubalsam, Creolin, Sublimat, Schwefelleber, Cantharidensalbe.
3.nbsp; Mittel gegen Läuse: Graue Quecksilbersalbe, Creolin, Arsenik, Tabak, Sublimat, Insektenpulver, Stephanskörner, Sabadillsamen, Nieswurz, Anissamen. Dieselben Mittel werden auch gegen Haarlinge angewandt.
4.nbsp; Mittel gegen Flöhe: Persisches Insektenpulver.
5.nbsp; Mitteigegen Federlinge: Anisöl, Insektenpulver, Petersiliensamen, Perubalsam, Creolin. Gegen die übrigen Hautparasiten des Geflügels dienen dieselben Mittel.
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Antiparasitica.'
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6.nbsp; Mittel gegen Zecken: Olivenöl, Terpentinöl, Oarbolöl, C r e o 1 i n ö 1.
7.nbsp; Mittel gegen Lansfliegen: Creolin, Tabak, graue Quecksilbersalbe.
8.nbsp; Mitteigegen Oestrusfliegen: Theer, Creolin, Asa foetida, Petroleum.
9.nbsp; Mittel gegen Herpes und Favns: Salicylsäure, Creolin, Kreosot, Jodtinktur, Theer, graue und weisse Quecksilbersalbe, Sublimat, Carbolsäure.
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Arzneimittel. 1. Creolin. Das Creolin (Creolinum anglicum) ist zur Zeit das gebräuchlichste und beste Antiparasiticum. Gegen Schafräude wird es zunächst in Form eines 10quot;/oigen Linimentes: Creolinum anglicum und Schmierseife je 1 Theil, Spiritus 8 Theile (mehrtägige vorbereitende Schmierknr), und sodann als 2,/2 quot;(oiges Räudebad (nach 8 Tagen wiederholt) angewendet. Gegen Sarcoptes-Räude der Pferde und Hunde wird ebenfalls ein lO^oiges Liniment aus Creolin, Seife und Spiritus benützt. Gegen den Acarusausschlag gebraucht man 10500/oige spiri-tuöse Lösungen, gegen Läuse, Lausfliegen etc. Waschungen mit 30/oiger wässeriger Creolinlösung, gegen Herpes, Hühner räude, Zecken Creolin-salben, gegen Ungeziefer beim Geflügel Besprengen mit lquot;|oiger wässeriger Creolinlösung oder warme Bäder in '/a quot;/oiger wässeriger Creolinlösung mit nachherigem reinem quot;Wasserbade u. s. w. Aehnlich soll Lysol wirken.
2.nbsp; nbsp;Theer. Sehr gutes Mittel bei Pferderäude in Form des Wiener Theerliniments: Theer und Schwefel je 1 Theil, grüne Seife und Spiritus je 2 Theile. Ausserdem gegen Hunderäude, Herpes etc. als Salbe oder mit Spiritus (1 : 10).
3.nbsp; Kreosot. Gutes, aber stark giftiges Mittel gegen Räude der Hunde und Pferde in Form des Kreosotöls (1:10).
4.nbsp; nbsp;Carbolsäure. Mittel gegen Schafräude, meist in Verbindung mit Tabak.
5.nbsp; Tabak. Mittel gegen Räude der Schafe und Pferde. Das Tabaks-Räudebad für Schafe ist eine Abkochung von l1^ Kilo Landtabak in 250 1 Wasser, welchem je 1 kg reine Carbolsäure und Pottasche zugesetzt werden. Ausserdem werden 15 0|nige Tabaksdecocte und Tabakslaugen gegen Läuse, Flöhe u. s. w. angewandt.
6.nbsp; Arsenik. Stärkstes aber auch giftigstes Räudemittel für Schafe und Pferde. Das Arsenik-Räudebad für Schafe ist eine durchschnittlich l0/oige wässerige Lösung (zusammen mit Pottasche, Alaun, Eisenvitriol, Aloe etc.). Zu Waschungen bei Pferderäude wird meist der l0/oige Arsenikessig benützt.
7.nbsp; Sublimat. Sehr starkes, aber auch ausserordentlich giftiges Antiparasiticum gegen Räudemilben, Acarus, Herpes, Läuse etc.
8.nbsp; Graue Quecksilbersalbe. Gutes Mittel gegen Läuse. Früher auch gegen Schafräude benützt.
9.nbsp; Perubalsam. Gutes und mildes, aber theures Räudemittel für Hunde. Anwendung unverdünnt oder zusammen mit Spiritus (1 :110). Specificum gegen Acarusausschlag.
10.nbsp; nbsp; Schwefel. Specificum gegen Katzenräude in Form der
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Wurmmittel.
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Helmerich'sehen Schwefelsalbe (2 Theile Schwefel, 1 Theil Pottasche, 10 Theile Fett).
11.nbsp; Schwefelleber. Specificum gegen Acarusausschlag in Form 120/oiger Bäder.
12.nbsp; Insektenpulver. Gebräuchlichstes Mittel gegen Flöhe, Feder-linge, Vogelmilben.
13.nbsp; Anisöl. Hauptmittel gegen Ungeziefer bei Zimmervögeln (Besprengen mit l0/oiger spirituöser Lösung).
14.nbsp; Terpentinöl. Specificum gegen Zecken.
15.nbsp; nbsp;Salicylsäure. Specificum gegen Herpes in Form 5100|oiger spirituöser Lösung.
16.nbsp; Alkalien. Unterstützungsmittel für Raudebäder.
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2. Wurmmittel. Anthelmiuthica1).
Synonyma: Vermifuga2), Antentozoa 3), Antitaenica 4); wurmtreibende, wurmtödtende Mittel; Bandwurmmittel, Mittel gegen Spulwürmer etc.
Eingeweidewürmer. Mclit alle Entozoen lassen sich durch Arzneimittel a,us dem Körper vertreiben. Die Distomen und Echinokokken in der Leber und Lunge, die Cysticerken und Trichinen in den Muskeln, die Riesenpallisademvürmer im Nierenbecken, Strongylus armatus im Aneurysma der vorderen Gekrösarterie, die Cönuren im Gehirn und einige andere Eingeweidewürmer sind für Medikamente unzugänglich. Die meisten allerdings können durch Wurmmittel wirksam beseitigt werden. Die wichtigsten derselben im Digestionsapparate sind:
1.nbsp; Bandwürmer, und zwar Taenia cucumerina, serrata, mar-ginata, coenurus, Echinococcus, sowie Bothriocephalus latus beim Hunde; Taenia perfoliata, plicata und mamillana beim Pferde; Taenia expansa und ovilla beim Schafe; Taenia exjiansa, denticulata und alba beim Rinde; Taenia expansa bei der Ziege; Taenia crassicollis und elliptica bei der Katze, Taenia infundibulifox-mis etc. beim Geflügel.
2.nbsp; Spulwürmer, und zwar Ascaris megalocephala beim Pferd, Ascaris marginata beim Hund, Ascaris mystax bei der Katze, Ascaris lumbricoides beim Rind und Schwein, Heterakis inflexa etc. beim Geflügel.
3.nbsp; Pallisadenwürmer: Strongylus armatus und tetracanthus im Darmcanal des Pferdes; Strongylus contortus im Labmagen des
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') ävtt, gegen; rz-iitv;, Genitiv igt;,[uv8-o?, Eingeweidewurm.
2)nbsp; Verrais, Wurm; fugare, vertreiben, in die Flucht schlagen.
3)nbsp; avti, gegen; evtoCfiov, Schmarotzer im Innern des Körpers. *) avxi, gegen; taenia, Bandwurm.
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Wurmmittel.
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Schafes (Magenwurmseuche); Dochmius trigonocephalus im Darm des Hundes.
4.nbsp; Pfriemenschwänze: Oxyuris curvula, vivipara und masti-godes heim Pferd; Oxyuris vermicularis heim Hund.
5.nbsp; Rollschwänze: Spiroptera sanguinolenta im Magen des Hundes.
Von sonstigen Entozoen im Digestionsapparat sind die Gre-g a r i n e n, sowie die meist allen Wurmmitteln widerstehenden Gastrus-larven im Magen der Pferde zu nennen. Von Entoparasiten im Respirationsapparate sind, als einer Behandlung wenigstens theilweise zugänglich, zu erwähnen Oestrus ovis in der Nasen- und Stirnhöhle der Schafe; Strongylus filaria beim Schafe (Lungen-wurmseuche), Strongylus micrurus heim Kalhe, Strongylus paradoxus heim Schweine; Pentastomum taenioides in der Nasenhöhle des Hundes; Syngamustrachealis heim Geflügel. Ausserdem kommen in den Luftwegen pflanzliche Parasiten (Schimmelpilze, Strahlenpilze) vor.
Wirkung der Wurmmittel. Die Anthelminthica sind vorwiegend als specifische Nervengifte für die Eingeweidewürmer aufzufassen, welche die Entozoen entweder vorühergehend betäuben und lähmen, so dass sie ihre Anheftungsstellen auf der Darmschleimhaut verlassen und theils nach aussen entleert, theils verdaut werden, oder dieselben sofort tödten. Ihrer chemischen Beschaffenheit nach sind die Wurmmittel insbesondere ätherische Oele (Terpentinöl, Eilixöl, Oleum Tanaceti), Alkaloide (Arekanuss, Granatrinde), glykosidische Säuren (Santonin, Mallotoxin, Kosin, Pilixsäure), Benzolderivate (Creolin, Theer, Kreosot, Pikrinsäure, Naphthalin, Benzin, Thieröl) und Metalle (Arsenik, Brechweinstein, Kupferoxyd). Für therapeutische Zwecke empfiehlt sich am meisten die Eintheilung der Wurmmittel nach den einzelnen Wurmspecies. Darnach unterscheidet man:
1.nbsp; nbsp;Bandwunmnittel: Kamala, Filixextrakt und Filix-wurzel, Arekanuss, Koso, Granatrinde, Kupferoxyd, pikripsaures Kali.
2.nbsp; Spulwunnmittel: Santonin, Flores Cinae, Brechweinstein, Arsenik, Terpentinöl, stinkendes Thieröl, Herba Tanaceti.
3.nbsp; Mittel gegenLungenwürmer: Terpentinöl, Creolin, Theer, Kreosot.
4.nbsp; pttel gegen Oxynren: Knoblauch, Essig, Seife. Gegen Strongylus armatus und tetracanthus, sowie gegen Doch-
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Wurmmittel.
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mius, Spiroptera und andere Eingeweidewürmer verwendet man beim Pferd eines der genannten Spulwurmmittel, beim Hund ein Bandwurmmittel.
Arzneimittel. 1. K a mala. Gebräuchlichstes Band wurmmittel für Hunde; erspart wegen seiner gleichzeitigen drastischen Wirkung die Verabreichung eines Abführmittels. Auch gegen Spulwürmer wirksam. Dosis für grosse Hunde 515,0, für kleine 25,0, Katzen und Hühner 12,0, Tauben und Papageien 0,51,0.
2.nbsp; Extract,um Filicis. Sehr wirksames, aber auch sehr giftiges Antitänicum. Dosis für grosse Hunde 25,0, für kleine 0,51,0.
3.nbsp; Arecanuss. Sehr gutes Mittel gegen Bandwürmer und Eund-würmer. Dosis für Pferde 100200,0, Hunde 1020,0, Lämmer 510,0, Schweine 515,0, Hühner 2-3,0, Tauben 1,0.
4.nbsp; Brechweinstein. Wichtigstes Anthelminthicum gegen Spulwürmer und Bandwürmer des Pferdes. Dosis: 20,0 pro die.
5.nbsp; Terpentinöl. Sehr gutes Mittel gegen Spulwürmer beim Pferd. Dosis: 100,0.
6.nbsp; Arsenik. Desgleichen. Dosis für Pferde 23,0.
7.nbsp; Santonin. Specificum gegen Spulwürmer des Hundes. Dosis: 0,050,2. Statt dessen können auch Flores Cinae benützt werden; Dosis für Pferde und Binder 100250,0, Hunde 210,0.
Diese sieben Wurmmittel genügen für die thierärztliche Praxis vollständig. Ihrer Anwendung hat man zunächst eine sogen. Vorbereitungs-kur, bestehend in eintägigem Hungernlassen der wurmkranken Thiere, vorauszuschicken. Ausserdem ist, mit Ausnahme von Kamala und Brechweinstein, einige Stunden nach der Einverleibung der Anthelminthica ein Abführmittel nachzugeben. Als die Wurmkur unterstützende Mittel gelten bei den Fleischfressern stark gesalzenes Fleisch, bei den Pflanzenfressern mit Ausnahme Zuckerrüben, Mohrrüben und rohe Kartoffeln.
Sonstige Anthelminthica sind: Koso (Hunden 1025,0), Granatrinde (Hunden 550,0), Pelletierin (Hunden 0,2-0,4), Herba Tanaceti (Pferd und Rind 50100,0), Kupferoxyd (Pferden 215,0, Hunden 0,050,1, Schafen 0,51,0), Picrinsäure und picrinsaures Kali (Lämmern vom letzteren 0,5 1,0), Chloroform (Hunden 14,0), Myrtol, Thymol, Oleum animale foetidum. Oleum Chaberti, Spinola'sche Wurmkuchen, Asa foetida, Knoblauch, Creolin, Naphthalin, Theer, Kreosot, Benzin, Petroleum, Absinth, Enzian, Krähen äugen, Kürbiskerne u. s. w.
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Desinfectionsmittel. Antiseptica1).
Synonyma: Desinficientia2), Aseptica3), Colyseptioa4), Antizymotica6), Anti-fermentativa 6), Antiputrida7), Conservantias), Präservantia 9); faulnisswidrige, gälirungswidrige Mittel; Conservirung-smittel, Präservirungsmittel.
1. üeber Desinfectiou im Allgemeinen.
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Alte und neue Anschauungen. Die praktische Ausübung der Desinfection, d. h. der Vernichtung bezw. Abhaltung von Krankheitsund Päulnissbacterien, ist zwar eine sehr alte-, man vergleiche in dieser Hinsicht die bisher unerreichte Conservirungstechnik der alten Egypter beim Embalsamiren der Leichen. Die wissenschaftliche Begründung der Desinfectionslehre ist jedoch durchaus neueren Datums. Als Ausgangspunkt der neuen Aera kann das Jahr 1875 angesehen werden, in welchem L i s t e r zum ersten Male die quot;Wundheilung vom Standpunkte der Desinfection betrachtete und die Carbolsäure als Desinfectionsmittel einführte. Die weitere Entwicklung der Desinfectionslehre ist eng mit der Bacteriologie und ihren neueren Porschungsresultaten, vor Allem aber mit dem Namen B. Koch verknüpft, welcher die ersten grundlegenden Arbeiten im Jahre 1881 veröffentlicht hat (Ueber Desinfection, Mittheilungen aus dem Kaiserl. Gesundheitsamte 1881, Nr. 6). Von diesem Zeitpunkte ab ist die Desinfectionslehre mit der Bacteriologie so nah verbunden, dass sie gewissermassen einen Theil derselben bildet und in ihrer Fort-
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') ävtt, gegen; 3Yjn(u, faulen.
2)nbsp; inficere, anstecken; desinficere, die Ansteckung wieder aufheben; des-infectio, Entgiftung.
3)nbsp; ü privativum; OTjUiu, faulen.
4)nbsp; xmXüeiv, hindern; a-^rem faulen.
5)nbsp; ävct, gegen; |6|iv], Sauerteig.
c) ävzi, gegen; fermentum, Sauerteig, GrährungsstofT.
7)nbsp; amp;vu', gegen; pus, der Eiter.
8)nbsp; conservare, erhalten.
9)nbsp; praeservare, erhalten.
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Desinfectionsmittel.
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entwicklung von der Bacteriologie mehr oder weniger abhängig ist. Da nun aber bekanntlich der jeweilige Standpunkt der letzteren ein wechselnder und die bacteriologische Wissenschaft noch eine sehr unfertige ist, so müssen naturgemäss auch die jeweihgen Grundsätze der Desinfectionslehre einem gewissen AVandel unterworfen sein. Die ün-fertigkeit und Wandlungsfähigkeit unserer derzeitigen Kenntnisse und Anschauungen im Gebiete der Desinfection von vornherein hervorzuheben, ist eine der wichtigsten Aufgaben der allgemeinen Therapie. Es ergibt sich hieraus von selbst die Folgerung, dass ein abgerundetes und abgeschlossenes Bild der Desinfectionslehre zur Zeit nicht entworfen werden kann. Dies ist um so weniger angängig, als die Infectionsstoffe mancher wichtigen Seuchen, u. a. der Lungenseuche, der Pocken, der Maul-und Klauenseuche, der Beschälseuche noch gar nicht bacteriologisch entdeckt sind, so dass also die Desinfectionslehre bei diesen Krankheiten später wissenschaftlich ganz neu bearbeitet werden muss. Immerhin aber haben uns schon die bisherigen Untersuchungen eine Reihe wichtiger Gesichtspunkte über die Desinfection im Allgemeinen und im Speciellen erbracht, welche wohl als bleibende Errungenschaft betrachtet und als vorläufige Grundlage für eine rationelle und wissenschaftliche Desinfection bezeichnet werden dürfen. Diese Grundsätze der modernen Antisepsis und Desinfection müssen in erster Linie klargelegt werden. Sie beziehen sich auf die Verschiedenheit der Begriffe Aseptica und Antiseptica, auf die bacteriologischen Untersuchungsmethoden, auf die Verschiedenheit der einzelnen Bacterien und Desinfectionsmittel, auf den Unterschied zwischen Bacillus und Spore, auf die Wirkungsweise, Eorm, Concentration, Application, Beschaffung der einzelnen Mittel, auf das Verhalten des Thierkörpers bezw. der inficirten Gegenstände zu den Desinfectionsmitteln, auf die Mitwirkung gewisser Factoren (Temperatur, Licht), auf die Bedeutung der Reinigung und Vorbereitung, auf den Zeitpunkt und die Dauer der Desinfection.
Aseptica und Antiseptica. Ein krankheit- bezw. fäulnisserregender Mikroorganismus kann auf zweierlei Weise unschädlich gemacht werden. Derselbe wird entweder in seiner Lebensfähigkeit vernichtet oder in seiner Entwicklung gehemmt; im ersteren Falle spricht man von antiseptischer, im letzteren von aseptischer (kolyseptischer) Wirkung. Arzneimittel mit antiseptischen Eigenschaften sind natürlich werthvoller, als solche mit lediglich aseptischer Wirkung. Aus diesem Grunde verlangt man von einem
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Desinfection im Allgemeinen.
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guten Desinfectionsmittel in erster Linie ausreichende antiseptische Kraft; dasselbe soll die pathogenen Bacterien nicht bloss in der Entwicklung und Fortpflanzung hemmen, sondern ihre Existenz überhaupt vernichten. Im Allgemeinen gilt als Regel, dass die antiseptischen Mittel bei entsprechender Verdünnung aseptisch, also entwicklungshemmend wirken. Auf der anderen Seite aber gibt es zahlreiche Desinfectionsmittel, welche auch in der stärksten Concentration nur aseptische, dagegen keinerlei oder nur sehr schwache antiseptische quot;Wirkung entfalten.
Die Unterscheidung der Desinfectionsmittel in Antiseptica und Aseptica ist nur auf Grund bacteriologischer Experimente möglich. Um bei einem Körper das Vorhandensein aseptischer (koly-septischer) Eigenschaften festzustellen, bringt man entwicklungsfähige Bacterien auf die ihnen zusagenden Nährböden, nachdem die letzteren vorher mit dem zu untersuchenden Arzneimittel imprägnirt worden sind. Findet nun in dem betreffenden Nährboden (Grelatine, Bouillon etc.) eine Entwicklung des Pilzes in Form specifischer Colonien nicht statt, so ist hieraus zu ersehen, dass der Pilz durch die gleichzeitige Anwesenheit des Arzneimittels in seiner Entwicklung gehemmt wurde. Dagegen darf aus dem Experiment nicht geschlossen werden, wie dies anfänglich geschah, dass der Pilz in seiner Lebensfähigkeit vernichtet ist. Dieser weitere Schluss ist erst dann gestattet, wenn die Ueber-impfung eines auf die beschriebene Weise behandelten pathogenen Spaltpilzes bei den hierzu geeigneten Versuchsthieren keine Infection bezw. Erkrankung zur Folge hat. Erst im letzteren Falle darf einem Körper antiseptische Wirkung zugesprochen werden. Nicht pathogene Pilze werden in der Weise auf ihr Verhalten gegenüber antiseptischen Stoffen geprüft, dass man sie auf Seidenfäden eintrocknen lässt und mit diesen Fäden in die zu untersuchende Flüssigkeit resp. in Lösungen der zu untersuchenden Körper legt. Wascht man dann nach einiger Zeit das Arzneimittel mit Wasser ab und bringt die Fäden auf entsprechende Nährböden, so darf eine Entwicklung des Pilzes in den letzteren nicht stattfinden, wenn der Körper thatsächlich eine anti-septische Wirkung besitzt.
Bangordnung der Desinfectionsmittel. Im Anfang ging man bei der bacteriologischen Prüfung der einzelnen Desinticientien von dem Bestreben aus, ein Mittel ausfindig zu machen, welches womöglich alle bekannten Bacterien schon in stai'ker Verdünnung vernichten sollte. Ein solches Universaldesinfectionsmittel gibt es nicht. Man hat vielmehr, ähnlich wie bei den Fiebermitteln, die
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Desinfection im Alln-emeinen.
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Beobachtung gemacht, class die einzelnen Spaltpilzspecies zu ihrer Tödtung specifische Antiseptica brauchen. So ist z. B. der Sublimat dem Milzbrandvirus gegenüber das stärkste Desinfectionsmittel, während er dem Infectionserreger der Tuberkulose gegenüber nur sehr schwach wirksam ist. Bei der Carbolsäure verhält es sich umgekehrt. Es müssen sonach bei der Desinfection die einzelnen Mittel bezw. Spaltpilze gewissermassen individualisirend behandelt werden. Vom allgemeinen Standjnmkte kann nur hervorgehoben werden, dass bei denjenigen Mikroorganismen, welche zwei verschiedene Entwicklungsformen zeigen, nämlich eine sogen. Dauerform (Spore) und eine Vegetationsform (Bacillus), die Sporenform viel stärkerer Antiseptica bedarf, als die Bacillenform. Aber auch hierin zeigen die einzelnen Sporen- und Bacillenspecies noch ganz erhebliche Unterschiede in der Widerstandsfähigkeit einem und demselben Mittel gegenüber. Es ist deshalb schwierig, auch nur annähernd eine vergleichende Tabelle für die einzelnen Mittel aufzustellen. Kur ganz allgemein kann gesagt werden, dass man als starke Desinfectionsmittel, welche auch sporenhaltiges Pilzmaterial vernichten, bezeichnen darf den Sublimat, das Jodtrichlorid, Chlor, Brom und Jod, sowie das englische C r e o 1 i n nebst einigen neueren K r e s o 1-präparaten. Im Gegensatze hierzu sind scliAvächere Antiseptica, welche im AVesentlichen nur sporenfreie Bacterien tödten: Theer, Carbolsäure, Salicylsäure, Anilinfarbstoffe, Borsäure, Kalk, Laugen und Säuren. Fast gar keine antiseptische Wirkung besitzen die früher vielgeschätzten Desinfectionsmittel Eisenvitriol und schweflige Säure. Bringt man die genannten Mittel in eine Tabelle und nimmt Durchschnittszahlen aus verschiedenen bacterio-logischen Beobachtungen, so ergibt sich bezüglich einer allgemeinen Werthbeurtheilung etwa nachstehende schematische Reihenfolge, wobei die Zahlen die Verdünnung angeben, in welcher die einzelnen Mittel noch wirksam sind.
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Sporenfreies Material
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Sporenhaltiges Material
1:1000
?
1:100500
1:50
1:50
1:50
1:30
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Aseptische Wirkung
Sublimat ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1:1,000,000
Höllenstein. . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1:75,000
Jodtrichlorid . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1:3000
Chlor......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1:25,000
Jod.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1:5000
Brom......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1:3000
Engl. Creolin . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1:15,000
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Antiseptische Wirkung 1:100,000500,000 1:500050,000 1:1000 1:5000 1:1000 1 :1500 1:15000
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Desinfection im Allgemeinen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 91
Sporenfreies Material
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Sporenhaltiges Material
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Aseptischenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Antiseptisclie
Wirkung'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wirkung'
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Anilin Farbstoffe Salicylsäure . Carbolsäure Borsäure . . Kalk .... Eisenvitriol Schweflige Säure
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1:25,000nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1:15000nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0
1:1500nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1:300nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0
1:1000nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1: 50200nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0
1:800nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1:25100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0
1:1000nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1:510nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0
1:50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1:8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0
0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0
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Widerstandsfähigkeit der einzelnen Infectionserreger. Da
ein Theil derselben noch gar nicht genauer bekannt ist, so sind unsere Kenntnisse hierüber ziemlich lückenhaft. Die bisher bekannt gewordenen Einzelheiten sollen später ausführlicher aufgezählt werden. An dieser Stelle mag der allgemeine Hinweis genügen, dass es eine grosse Zahl von Infectionserregern gibt, welche sehr leicht durch Desinfectionsmittel zu zerstören sind. Hieraus resultirt, dass bei vielen Seuchen die Anwendung der schwächeren Mittel genügt (Theer, Kalk, Seife). Es hängt dies zum Theil damit zusammen, dass nur wenige Infectionsstoffe Sporen bilden. Von In-fectionsstoffen sind sehr leicht zu desinficiren die Milzbrandbacillen, die Bacillen des Stäbchenrothlaufs, die Bacterien der Schweineseuche und Schweinejiest sowie der Hühnercholera, ferner die bisher nicht genau bekannten Contagien der Maul- und Klauenseuche, des Bläschenausschlags, der Pocken und der Rinderpest. Dagegen gelten als schwer zerstörbar die Milzbrandsporen, die Tuberkelbacillen, die Rotzbacillen, die Rauschbrandbacillen, sowie die bisher unbekannten Infectionserreger der Lungenseuche, Rinderseuche und der Wutli. Man kann daher die wichtigsten Infectionskrankheiten für die Zwecke der Desinfectionspraxis in zwei grosse Gruppen eintheilen, nämlich in eine solche, welche ein leichtes, und in eine solche, welche ein strenges Desinfectionsverfahren erheischt. Man erhält dann folgende Grruppirung:
A) Starker Desinfectionsmittel bedürfen:
Milzbrandsporen,
Tuberkelbacillen,
Rotzbacillen,
Rauschbrandbacillen,
Lungenseuchecontagium,
Rinderseuchecontagium,
Wuthcontagium.
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Desinfection. im Allgemeinen.
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B) Schwacher Desinfectionsmittel bedürfen:
Milzbrandbacillen,
Rothlaufbacillen,
Schweineseuchebacterien,
Scbweinepestbacterien,
Hiihnercholerabacterien,
Maul- und Klauenseuche,
Pocken, Binderpest.
Bläschenausschlag und Beschälseuche. In der Mitte zwischen beiden stehen die Staphylokokken und Streptokokken; dieselben sind einestheils wesentlich leichter zu zerstören als die Sporen und sporenhaltigen Bacillen, anderntheils leisten sie den Desinfectionsmitteln wesenthch stärkeren quot;Widerstand als die sporenfreien Bacillen. Aus diesem Grunde ist auch bei antiseptischer und aseptischer Wundbehandlung die Anwendung stärkerer Mittel (Sublimat, Creolin etc.) nothwendig, um die Eiter- und Erysipelkokken (Staphylo-coccus pyogenes aureus und albus. Streptococcus erysipelatis) zu vernichten.
Wirkungsmodus der Desinfectionsmittel. Es ist schon ausgeführt worden, dass ein Infectionsstoff entweder durch Vernichtung seiner Lebensfähigkeit oder durch Störung seiner Entwicklung unwirksam gemacht werden kann. In beiden Fällen kann der Modus der antiseptischen bezw. aseptischen Thätigkeit ein sehr verschiedener sein. Im Allgemeinen dürfte die Desinfection auf den nachfolgenden Vorgängen beruhen:
1.nbsp; Durch Gerinnung des Bacterieneiweisses (Mykoprote'ins) wirken antiseptisch die Metallsalze, also namentlich der Sublimat und der Höllenstein (Bildung eines Niederschlags von Metallalbuminat). In ähnlicher Weise wirken auch manche Säuren, namentlich die Carbolsäure.
2.nbsp; Eine specifische giftige, gewissermassen narkotische Wirkung ist anzunehmen bei den Benzolderivaten, namentlich bei den Kresolen (Creolin, Lysol, Theer, Kreosot) und der Carbolsäure.
3.nbsp; Durch Oxydation wirken desinficirend das übermangansaure Kali KMnO.j, das chlorsaure Kali KC103, das Ozon 0:,, und andere Mittel.
4.nbsp; Durch Reduction (Wasserstoffentziehung) wirken das Chlor und viele Chlorverbindungen, so z. B. theilweise auch der Sublimat, das Chlorzink, das Eisenchlorid u. s. w. Das Chlor entzieht einestheils den Spaltpilzen Wasserstoff, indem es sich in Chlorwasserstoff
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Desinfection im Allgctneinen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 93
umwandelt, wodurch die Eiweissmolekule gelockert werden und zerfallen; anderntheils wird durch das Chlor das Wasser in der Weise zersetzt, dass nascirender Sauerstoff frei wird und stark oxydirend auf die Bacterien wirkt.
5.nbsp; Durch Aenderung der Reaction wirken die meisten Aseptica, insbesondere die Säuren und sauren Chloride, z. B. auch der sauer reagirende Sublimat, desiniicirend. Da die Spaltpilze auf schwach alkalisch oder neutral reagirende Nährböden angewiesen sind, so genügt der einfache Wechsel der Reaction, um ihre Entwicklung zu hemmen. Auch durch starke Steigerung der alkalischen Reaction (Alkalien) wird ihre Fortpflanzung beeinträchtigt.
6.nbsp; Durch Auflösung der Zellmembran wirken desinficirend die Alkalien, organischen Säuren (Essig) und Seifen.
8.nbsp; Durch Ausfällung (Präcipitation) der Bacterien aus den Flüssigkeiten, in welchen dieselben suspendirt sind, wirken der Sublimat und die übrigen Metallsalze.
9.nbsp; Durch Absorption wirkt antiseptisch und namentlich des-odorisirend (Gasabsorption) die frisch geglühte Kohle.
10.nbsp; Durch Wasser entziehung erzielen desinficirende Wirkung concentrirte Salzlösungen, z. B. Kochsalz, ferner Alkohol, Glycerin und andere Mittel. Endlich bedingen eine rein mechanische Eixirung die verschiedenen Anstriche (Oelfarbenanstrich, Theeranstrich).
Wie aus dem Bisherigen hervorgeht, kann die Wirkungsweise eines und desselben Desinficiens eine mehrfach complicirte sein. So bedingt z. B. der Sublimat gleichzeitig Eiweissgerinnung, saure Reaction, Präcipitation und Chloreinwirkimg.
Desinfectionsmittel und Desinfectionsobject. Die im bacterio-logischen Laboratorium experimentell gewonnenen Resultate sind nicht ohne Weiteres für die Desinfection in der Praxis zu verwerthen. Zwischen dem Vernichten von Spaltpilzen in künstlichen Culturen und dem Desinficiren eines lebenden Thierkörpers, einer Wunde, eines Stallraums, einer Jauchegrube u. s. w.. besteht vielmehr ein ganz erheblicher Unterschied. Es ist deshalb in der Praxis die Wechselwirkung zwischen Desinfectionsmittel und Desinfectionsobject wohl zu beachten; beide, das Mittel sowohl, wie das Object, können unter Umständen bei der gegenseitigen Einwirkung Veränderungen erleiden, durch welche der Zweck der Desinfection vollständig vereitelt wird.
Für den lebenden Thierkörper handelt es sich vor Allem um die Frage der Giftigkeit oder Nichtgiftigkeit eines Des-infectionsmittels. Streng genommen gibt es ein absolut ungiftiges und
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Desinfection im Allgemeinen.
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dabei stark wirkendes Antisepticum für den Thierkörper nicht. Es ist vielmehr Regel, dass mit der Stärke der antiseptischen Wirkung auch die Giftigkeit der Desinfectionsmittel zunimmt, wie dies namentlich beim Sublimat zu beobachten ist. Wenn man jedoch den Begriff Giftigkeit in der herkömmlichen Weise dahin definirt, dass man darunter eine schädliche Einwirkung des betreffenden Mittels schon in kleiner Dosis, bezw. bei starker Verdünnung und bei der gewöhnlichen, für die praktische Desinfection in Frage kommenden Anwendungsweise versteht, so kann man immerhin von ungiftigen Desinfections-mitteln reden. Als solche sind zu bezeichnen die Borsäure, Salicyl-säure, die essigsaure Thonerde, das Creolin u. a. Bezüglich der viel bestrittenen Ungiftigkeit des letztgenannten Mittels ist durch die neuesten Untersuchungen von Be bring in Uebereinstimmung mit den Erfahrungen der Praxis dargethan, dass eine Vergiftungsgefahr bei der Anwendung des Creolins als Desinfectionsmittel mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Als giftige Antiseptica sind zu nennen (he Carbolsäure, das Kreosot, die freien Kresole, das Jodtrichlorid, Chlor, Brom und Jod, der Sublimat u. a. Der Sublimat ist wohl als das giftigste Antisepticum zu bezeichnen; er übertrifft beispielsweise die Giftigkeit der Carbolsäure 40mal. Nach Behring lässt sich die Giftigkeit eines Desinfectionsmittels für den Thierkörper berechnen aus dem Verhalten des Mittels zu Milzbrandbacillen, welche in Blutserum suspendirt sind-, die meisten Mittel erweisen sich nämlich 57mal giftiger für den thierischen Organismus, als für die Milzbrandbacillen. Vergiftungen durch Antiseptica kommen vor bei der innerlichen, sub-cutanen und epidermatischen Anwendung derselben, so namentlich bei der Sublimatdesinfection des Uterus beim Rind und bei der Carbol-desinfection von Wunden bei Katzen. Für Mensch und Thier sehr gefährlich ist die Chlor- und Bromdesinfection. Dagegen sind bei der Desinfection der Stallungen mit Sublimat etc. Vergiftungen bisher nicht beobachtet worden.
Von sehr stark modificirender Einwirkung auf die Desinfections-wirkung vieler Antiseptica ist das Blut. Der Sublimat tödtet beispielsweise Milzbrandbacillen im Blute erst bei einer Concentration von 1:2000 und nach längerer Einwirkung, während er dieselben im Wasser schon bei einer Verdünnung wie 1:500,000 sofort sicher vernichtet. Die Ursache dieser auffallenden Thatsache ist darin zu suchen, dass das im Blute gelöste Eiweiss durch den Sublimat in Form von Quecksilberalbuminat ausgefällt wird, was das Eindringen des Sublimats in die tieferen Blutschichten verhindert. Aehnliches beobachtet
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Desinfection im Allgemeinen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;95
man beim Höllenstein, bei der Carbolsäure, beim Creolin und anderen Mitteln. Während das Creobn z. B. gegen Milzbrandbacillen in Bouillon schon in einer Verdünnung von 1:10,000 wirksam ist, bedarf es auf Blutserum einer Concentration von 1:200. Da man es bei der Desinfection von Wunden zum Theil auch mit einer Blutdesinfection zu thun hat, so sind bei der antiseptischen Wundbehandlung diese Verhältnisse wohl zu beachten.
Bei der Anwendung von Desinfectionsmitteln auf der Haut ist zu bedenken, class viele derselben in stärkeren Concentrationen ätzend wirken (Sublimat, Höllenstein, Carbolsäure, Säuren, Alkalien). Es kann sich ferner nur um eine Oberflächendesinfection handeln, da dieDesinficientien in der Begel nicht in die Tiefe wirken. Als bestes Antisepticum für eine solche Oberflächendesinfection am thierischen Körper und sowohl der Carbolsäure, wie dem Sublimate vorzuziehen, ist nach Be bring das englische Creolin. Eine eigen-thümliche Zersetzung erleidet auf der Haut das Jodoform, wenn es mit Eiter in Berührung kommt. Es zersetzt sich nämlich unter der Einwirkung des Eiters, indem sich freies Jod, die eigentliche Ursache der antiseptischen Wirkung des Jodoforms, abspaltet.
Beim Desinficiren von Stallungen treten mancherlei Zersetzungen, namentlich am Sublimat auf, wenn derselbe mit organischen oder eiweisshaltigen Körpern, mit Excrementen, Harn, Wasser u. s. w. in Berührung kommt. Von besonderer Schwierigkeit ist die Desinfection eingetrockneter Infectionsstofie 5 Genaueres hierüber vergl. die späteren Abschnitte.
Auch die wirksame Desinfection von Jauche ist deshalb sehr schwierig, weil manche Antiseptica, wie z. B. der Sublimat, durch die organischen Bestandtheile und die Jauchegase (SH,, NHS) zersetzt werden. Andere Desinficientien verheren rasch ihre Wirkung, weil sie unwirksame Verbindungen eingehen (Umwandlung von gebranntem Kalk in phosphorsauren, der Salicylsäure in salicylsaures Natrium).
Dauer der Einwirkung des Desinfectionsmittels. Von wesentlicher Bedeutung für die Brauchbarkeit eines Antisepticums ist die Schnelligkeit seiner desinficirenden Wirkung. Je kürzer die Einwirkung ist, um so stärker muss gewöhnlich die Concentration des Mittels sein. Es empfiehlt sich ferner in der Praxis, auch die schnell wirkenden Mittel bei der Desinfection möglichst lange auf die Objecte einwirken zu lassen. Beider
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9(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Desinfection im Allgemeinen.
Chlor- und Bromdesinfection ist beispielsweise eine 24stündige Einwirkung unerlässliche Bedingung für das Gelingen.
Im Allgemeinen soll ein gutes Desinficiens schon nach wenigen Minuten die betreffenden Spaltpilze vernichten. Dieser Massstab lässt sich allerdings nicht überall durchführen, namentlich nicht bei den sporenhaltigen Bacterien, welche immer viel längere Zeit zur Desinfection bedürfen, als die sporenfreien Bacillen. Während Carbolsäure, Creolin und Sublimat in entsprechenden Concentrationen die Milzbranzbacillen sofort oder längstens in einigen Secunden tödten, zeigen die Milzbrandsporen folgendes Verhalten: Sublimat (l00/oo) tödtet Milzbrandsporen nach 1 Tage, Creolin (30/o)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; . 2 Tagen,
Carbolsäure (50/o)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;n 20 n noch nicht.
Einfluss der Temperatur. Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass die desinficirende Kraft eines Mittels ganz wesentlich gesteigert werden kann durch die gleichzeitige Mitwirkung höherer Temperaturgrade. Es empfiehlt sich deshalb, die desinficirenden Flüssigkeiten möglichst warm anzuwenden. Milzbrand-bacillen werden z. B. durch Sublimat getödtet bei 30C. durch 1:25,000. bei 36deg; C. jedoch schon durch ein 4fach schwächere Verdünnung, nämlich 1:100,000. Milzbrandsporen, welche bei gewöhnlicher Temperatur durch eine 50/nige Carbollösung selbst nach 20 Tagen nicht sicher vernichtet werden, geben bereits nach 3 Stunden zu Grunde, wenn die Temperatur der Carbollösung 37deg; C. beträgt. Sie können sogar durch die bei gewöbnliclier Temperatur völlig unwirksame Soda getödtet werden, und zwar vernichtet die gewöhnliche, l1/laquo;0/copy; Soda enthaltende quot;Waschlauge die Milzbrandsporen
bei 8083quot; C. nachnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10 Minuten,
77quot;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 ri
7^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20
nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;70deg; ,, 3060 (Behring).
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Einfluss der Concentration. Je stärker die Concentration, um so wirksamer ist im Allgemeinen die desinficirende quot;Wirkung eines Antisepticums. Eine Ausnahme von dieser Regel macht das Creolin insofern, als dasselbe nur bei einer bestimmten Concentration die zur Entfaltung seiner antiseptischen quot;Wirkung günstigste Emulsion zeigt, nämhch bei einem Verhältniss 3:100; 10 oder 200/oige Creolinlösungen bilden relativ nicht so günstige Concentrationen dar. weil das Creolin in denselben zum grössten Theil nicht emulgirt und
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Desinfection im Allgemeinen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 97
daher auch nicht vollständig wirksam gemacht wird. Den Einfluss
der Concentration auf die Wirkung eines Antisepticums zeigen die
nachstehenden Ziffern:
Sublimat 1:100 tödtet Milzhrandsporen nach 80 Minuten. nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1:200 .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2 Stunden,
1:400 nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
1:1000 nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 24 (Behring).
Einfluss der Form des Desiufectionsmittels. Es besitzen zunächst die verschiedenen Aggregatzustände einen bestimmten Einfluss auf den Grad der antiseptischen Wirkung. Feste, unlösliche Körper besitzen keine desinficirende Wirkung, weil sie in die zu desinficirenden Massen nicht eindringen können. Am wirksamsten sind wässerige Lösungen der Desinfi-cientien. Lösungen in Oel sind dagegen, wie dies von Koch namentlich bezüglich des Carbolöls nachgewiesen wurde, unwirksam. Gasförmige Desinfectionsmittel sind sehr unzuverlässig. Von Koch ist zuerst die Unwirksamkeit der früher so hoch geschätzten schwefligen Säure dargethan worden. Neuerdings ist durch Behring auch der praktische Werth des Chlors und Broms in gasförmigem Zustande sehr in Zweifel gestellt worden; selbst der Chlorkalk wirkt in Gasform nur dann einigermassen desinficirend, wenn das Desinfectionsobject feucht ist und die Bacterien ganz oberflächlich liegen. Viele sonst vorzügliche Antiseptica sind für die Praxis unbrauchbar, weil sie in Wasser unlöslich sind; hierher gehören vor Allem die ätherischen Gele, welchen in alkoholischen Lösungen eine sehr hohe Desinfections-wirkung zukommt. Ein eigenartiges Verhalten zeigt das in festem Aggregatzustande angewandte Jodoform; dasselbe ist als solches unlöslich und daher ohne antiseptische Wirkung, es erhält dieselbe vielmehr erst nach stattgefundener Zersetzung und Abspaltung freien löslichen Jods.
Zeitpunkt der Desinfection. In einzelnen Fällen ist es von grosser Wichtigkeit, dass die Desinfection in einem ganz bestimmten Zeitpunkt vorgenommen wird. Es gilt dies vor Allem beim Milzbrand. Bei dieser Seuche ist die Desinfection möglichst frühzeitig nach erfolgter Constatirung vorzunehmen, um zu verhindern, dass sich aus den leicht zu vernichtenden Milzbrandbacillen die schwer zerstörbaren Milzbrandsporen entwickeln.
Vorbereitungsverfahren. Jeder Desinfection muss als uner-lässliche Vorbereitung eine gründliche Keinigung vorausgehen.
Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
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Desinfection im Allgemeinen.
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Durch dieselbe wird der Infectionsstoff dem Antisepticum leichter zugänglich gemacht, so dass oft verhältnissmässig einfache und schwache Desinfectionsmittel genügen, oder er wird unter Umständen ganz entfernt. Wasser und Seife genügen oft ganz allein zur Desinfection. Eine ausreichende Desinfection der Hände vor Operationen lässt sich beispielsAveise durch 8 Minuten langes Waschen, Spülen und Bürsten derselben mit einfacher Seife und lauwarmem sterilisirtem (gekochtem) Wasser erzielen. Auch Wände lassen sich bekanntlich durch einfache Brotabreibungen oder durch gründliches Abwaschen mit warmem Seifenwasser ausreichend desinficiren.
Kosten der Desinfection. Bei jeder Desinfection spielt der Kostenpunkt eine nicht unwesentliche Rolle. Im Interesse der Lancl-wirthschaft hat der Thierarzt für möglichste Billigkeit des Des-infectionsverfahrens zu sorgen. So muss z. B. die ausgiebige Anwendung des Jodoforms in der Wundbehandlung seitens der Thier-ärzte als Luxus bezeichnet werden. Der Gebrauch des Höllensteins als Desinficiens verbietet sich von selbst wegen seines hohen Preises. Aber auch die Carbolsäure muss als ein relativ theures Desinfectionsmittel bezeichnet werden. Die 50/oige Carbollösung ist 10mal theurer, als die viel stärker wirkende l0/ooige Sublimatlösung und 80/oige Creolinlösung. Sehr theuer ist auch eine rationell durchgeführte Chlor- und Bromdesinfection. Am billigsten und dabei leicht zu beschaffen und anzuwenden ist der gebrannte Kalk, Soda, Pottasche, Seife, Theer. Billige Desinfectionsmittel sind ferner Sublimat, Creolin, Lysol, Solveol, Solutol, Salicylsäure, Borsäure.
Endlich sind für den Erfolg der Desinfection noch einige Momente von Bedeutung. Hieher gehört u. a. die Güte und Reinheit des Desinfec-tionsmittels. Namentlich der Chlorkalk ist, wenn er länger liegt und dadurch in seinem Chlorgehalte abnimmt, ein ganz unbrauchbares Mittel. Dasselbe gilt für den gebrannten Kalk, welcher sich an der Luft allmählich in den unwirksamen kohlensauren Kalk umwandelt. Chlorkalk und gebrannter Kalk müssen daher in möglichst frischem Zustande angewandt werden. Bezüglich des Creolins ist durch Henle und Behring nachgewiesen, dass das deutsche Creolin im Gegensatze zudem englischen keine nennenswerthe Desinf ections-wirkung besitzt. Schliesslich ist bei jeder Desinfection Sorge zu tragen, dass dieselbe mit möglichst geringer Mühe und unter thunlichster Ver-meidunff einer erhebliehen Störung des Wirthschaftsbetriebs ausführbar ist.
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Seuchenclesinfection im Einzelnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9-9
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II. Die Seuchemlesinfection im Einzelnen.
Allgemeines. Die Desinfection bei den einzelnen Thierseuchen ist bekanntlich gesetzlich geregelt durch das Deutsche Eeichsvieh-seuchengesetz vom 23. Juni 1880 (Anlage A der Instruction vom 24. Februar 1881 zu den sect;sect; 1929 des Gesetzes), ferner durch die Vorschriften betreffend den Eisenbahnverkehr mit Vieh vom 20. Juni 1886 und durch das Rinderpestgesetz (7. April 1867). In diesen ö-esetzen sind genaue Angaben über die Einzelheiten der Desinfection bei Milzbrand, Wutb, Rotz, Maul- und Klauenseuche, Lungenseuche, Schafpocken, Räude und Rinderpest gegeben. Eine Desinfection wird im Gesetz nicht verlangt beim Bläschenausschlag und bei der Bescbäl-seuche. Bezüglich der übrigen Seuchen: Tuberkulose, Schweineroth-lauf, Öchweineseuche, Schweinepest, Rauchbrand, Influenza, Rinderseuche u. s. w. existiren gesetzliche Bestimmungen überhaupt noch nicht. Da sich seit Erlass des Deutschen Reichsviehseuchengesetzes (1880) auf dem Gebiete der Desinfection ein grosser wissenschaftlicher Umschwung vollzogen hat (die Anlage A enthält beispielsweise noch als Desinfectionsmittel die heute verlassenen unsicheren Mittel: schweflige Säure, Eisenvitriol, Kochsalz, Salpeter, Natronlauge, Kalilauge, übermangansaures Kali, Carbolöl, Chlorgas), so hat sich eine Neubearbeitung dieser Desinfectionsanlage längst als ein unabweisbares Be-dürfniss herausgestellt, welchem wohl auch durch die Herausgabe einer neuen Desinfectionsanweisung in Bälde entsprochen werden wird. Einer der wichtigsten Gesichtspunkte ist die schon früher aufgestellte Ein-theilung der Seuchen in leicht und schwer desinficirbare. Von Bedeutung ist ferner die Wahl der Reinigungs- und Desinfectionsmittel, sowie die Ausführung des Reinigungs- und Desinfectionsverfahrens.
A. Seuchen mit leicht zerstörbarem Ansteckungsstoff.
(Maul-und Klauenseuche, Schafpocken, Schweinerothlauf, Schweine-seuche, Schweinepest, Influenza, Brustseuche, Hühnercholera etc.)
Desinfectionsverfahren. Es genügt eine gründliche Reinigung mit nachfolgender Anwendung leichter Desinfectionsmittel (Kalkanstrich der Wände und Geräthschaften, Abschlämmen des Fasshodens mit Kalkmilch). Die Reinigung und Desinfection kann auf den Standort des Thieres mit Einschluss der nächsten
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Umgebung beschränkt werden. Die Reinigung beginnt mit der Entfernung des Düngers und der Streu, sowie der abnehmbai'en Krippenraufen, Sitzstangen etc.; zuerst werden Decke und Wände, dann Boden und Jaucherinnen, zuletzt die im Stalle vorhandenen Geräthschaften gereinigt. Die Reinigung muss eine sehr gründhehe sein und womöglich mit heissem quot;Wasser, eventuell auch mit strömenden Wasserdämpfen, oder mit heissem Seifenwasser bezw. heisser Lauge (20/oige Sodalösung) vorgenommen werden. Einen wenn auch unvollständigen Ersatz für heisses Wasser bildet kaltes, unter Druck (Spritzen) ausströmendes Wasser. Bei der Reinigung sind besonders auch alle Vertiefungen, Spalten, Ritzen u. s. w. wohl zu beachten.
Mit Auswurfstoffen durchfeuchteter Erdboden ist femer mindestens 10 cm tief auszuheben. Schlechtes Pflaster ist herauszunehmen und die darunter befindliche, durchfeuchtete Erde auszugraben. Bei gutem Pflaster genügt gründliches Scheuern und Spülen; von festgestampften Lehmböden ist die oberste Schichte abzunehmen und die durchfeuchteten Stellen sind zu entfernen. Bei Lehm wänden ist die obere Schichte abzustossen; bei Oelfarbenanstrichen genügt heisses Seifenwasser. Zerfetzte oder stark rissige Holztheile, namentlich Holzwände und Bretterverschläge, sind abzuhobeln. Eiserne Geräthschaften werden am besten ausgeglüht, eventuell gründlich gereinigt; hölzerne und lederne Geräthe werden mit heissem Seifenwasser gescheuert, abgerieben und abgespült; Decken, Halfter, Kleider etc. werden in heissem Seifenwasser ausgewaschen; AVoile, Haare etc. sind mehrere Tage zu lüften und öfters auszuklopfen.
Maul- und Klauenseuche. Von Wichtigkeit sind folgende Mass-nahmen: Dünger und Streu sind entweder mit durchseuchtem eigenem Rindvieh oder mit Pferden an Orte abzufahren, wohin gesunde Rinder nicht hingelangen. Alle Personen, welche mit den kranken Thieren in Berührung kommen, müssen gründlich gereinigt werden (Füsse, Hände, Schuhe, Kleider); auch die Höfe und Tummelplätze sind gut zu reinigen. Besonders gründliche Reinigung erfordern die Händlerställe und Bullenställe ; dieselben sind mit Kalk zu desinficiren (Kalkanstrich der Wände, Abschlämmen des Fussbodens mit Kalkmilch).
Schafpocken. Es genügt gründliche Reinigung und Auslüftung der Ställe, Entfernung des Düngers, Reinigung der mit dem Seuchenstall in Berührung kommenden Personen, sowie Kalkdesinfection des Stalles. Trotz seiner beträchtlichen Tenacität ist nämlich das Contagium leicht zerstörbar, so z. B. schon durch verdünnte Salzsäure, durch 1'Moige Carbolsäure-lösung, 5 raquo;/ige Chlorzink- oder Chininlösung, 10 quot;j'oige Lösung von über-mangansaurem Kali etc., sowie durch alle stärker wirkenden Antiseptica.
Räude. Die Desinfection muss gleichzeitig mit dem Heilverfahren beginnen. Sie besteht in Entfernung des Düngers (bezw. der oberen Schichten
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Seuchendesinfectiou im Einzelnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;101
desselben), gründlicher Reinigung des Stalles und nachfolgender Kalkdes-infection desselben. Bei Schmierkuren ist die letztere überflüssig. In Pferdeställen müssen ausserdem die vorhandenen Geräthschaften desinficirt werden.
Schweinerothlauf. Nach gründlicher Reinigung des Stalles mit heissem Seifenwasser oder Lauge, wobei dem Fussboden bezw. Pflaster und den Futtertrögen eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist, werden die Wände mit Kalk übertüncht und der Fussboden mit Kalkmilch abgeschwemmt. Die Excremente der kranken Thiere sind zu sammeln und entweder zu verbrennen oder tief zu vergraben, nachdem sie stark mit Kalkmilch versetzt sind. Die Cadaver der gefallenen Thiere sind entweder zu vergraben oder technisch unter Anwendung hoher Hitzegrade zu verarbeiten.
Hühnercholera. Reinigung und Desinfection sind ähnlich, wie beim Schweinerothlauf durchzuführen. Besondere Aufmerksamkeit erfordern die Excremente und Cadaver, welche zu vergraben, ferner der Boden und die Sitzstangen, welche gründlich zu desinflciren sind. Zur Desinfection gebraucht man Kalk oder Creolin (2 0/oig).
Influenza und Brnstseuche. Nach Evacuirung und gründlicher Reinigung der Stallungen findet am besten eine Desinfection mit 0,1l0/ooiger Sublimatlösung (Anwendung von Druckspritzen) statt. Nach der Desinfection sind die Stallräume mehrere Tage hindurch gut zu lüften und leer zu belassen.
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B. Seuchen mit schwer zerstörbarem Ansteckungsstoff.
(Milzbrand, Rotz, Wuth, Luiigenseuclie, Rauschbrand, Tuberkulose,
Rinderseuche.)
Desinfectionsverfahren. Aussei1 dem beschriebenen Reini-gungsverfabren sind die stärksten Desinfectionsmittel (Hitze, Sublimat) in Anwendung zu bringen. Bei sporadischem Auftreten der Seucbe wird (Einderpest ausgenommen) nur der Standort, bei seuchenartigem Auftreten dagegen die Stallabtbeilung bezw. der ganze Stall desinficirt. Eventuell hat sieb die Desinfection auch auf die Weidestellen, Brunnentröge, Lager- und Verscbarrungs-plätze u. s. w. zu erstrecken. Dünger und Streu sind zu verbrennen, zu vergraben oder unterzupflügen; auch inficirte Futter- und Streu-vorrätbe sind zu vernichten. Decken, Wände, Fussboden etc. sind mit dicker Cblorkalkmilcb oder einer ln/oeigen Sublimatlösung (bei Tuberkulose 30/oige Creolinlösung) zu desinflciren, nachdem eine gründliche Reinigung mit heissem Seifenwasser und naebberiges Abspülen mit reinem Wasser vorausgegangen ist. Eiserne, hölzerne und steinerne Gegenstände sind dem Feuer auszusetzen oder mit l0/ooiger Sublimatlösung bezw. Tbeer zu bestreichen. Oelfarben-anstriebe sind zu erneuern. Vor dem Einbringen frischer Streu und nach Abhebung des durchfeuchteten Erdbodens ist der Boden
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mit einer dünnen Schicht frisch gelöschten Kalks zu bestreuen. Lcdertheile sind mit Sublimat- oder Creolinlösung zu waschen. Leinene und wollene Gegenstände, Kleider etc. sind entweder 1 Stunde lang in heissem Wasser zu kochen oder in besonderen Desinfectionsapparaten ebensolang strömendem Wasserdampf von mindestens 100deg; auszusetzen. Cadaver sind entweder zu verbrennen, oder durch Anwendung hoher Hitzegrade technisch zu verarbeiten, oder an entfernten Orten tief und womöglich in Kalk, Asphalt, Gips oder Cement eingebettet zu vergraben. Dasselbe gilt für die gesammelten Excremente. Hände und Instrumente werden mit l0/ooigem Sublimatwasser desinficirt.
Milzbrand. Die Desinfection ist mögliehst frühzeitig auszuführen, um die Bildung von Sporen aus den Bacilleu zu verhindern. Sie erfordert die Anwendung von Sublimat in l0/ooiger Lösung nach vorausgegangener gründlichster Reinigung. Die Ausscheidungen, namentlich die blutigen, sind als besonders infectiös zu verbrennen, desgleichen alle damit verunreinigten geringwerthigen Gegenstände, insbesondere Streu, Dünger, Futter. Die ab-gestossene Erdschicht des Fussbodens ist ebenfalls zu verbrennen. Grössere Mengen von inficirter oder verdächtiger Streu und Dünger sind tief zu vergraben und dann mit einer dicken Schichte frischgelöschtem Kalk oder mit Chlorkalkbrei zu bedecken. Nicht verbrennbare Abfallstoffe, Jauche etc. werden mit gleichen Theilen Kalk- oder Chlorkalkmilch gemischt und vergraben. Die Hände und Füsse von Personen, welche mit dem Infections-stoff in Berührung gekommen sind, müssen nach gründlicher Eeinigung (warmes Seifenwasser) mit l0/ooigem Sublimatwasser desinficirt werden; auch Kleider und Schuhwerk sind zu reinigen und zu desinficiren.
lieber die Beziehungen der Milzbrandbacillen zu den verschiedenen Desinficientien ist folgendes bisher bekannt. Sie werden in ihrer Entwicklung gehemmt durch Sublimat (1: 300,0001.000.000), Senföl (1:33,000), arseniksaures Kali (1 : 10,000). Jod (1 : 5000). Brom (1: 1500), Salicylsäure (1:1500), Carbolsäure (1:1000), Borsäure (1 : 800). Chinin (1 : 600) etc. Getödtet werden sie durch Sublimat (1:30,000), Creolin (1:15,000), Carbolsäure (1 : 100200), Thymol und Salicylsäure (3 :1000), Übermangan-saures Kali (1 :1000), schweflige Säure, Alkohol u. s. w. Dagegen scheinen die Bacillen durch Jodoform weder ausserhalb noch innerhalb des Thier-körpers alterirt zu werden. Nach Forster gehen die Bacillen ferner durch Bestreuen mit Kochsalz schon nach 1824 Stunden zu Grunde; auch durch das Einsalzen der Milz, des Blutes etc. milzbrandkranker Thiere werden die Bacillen in weniger als 18 Stunden getödtet; Temperaturen über und unter 35deg; C. verlangsamen resp. beseitigen die Giftigkeit der Milzbrandbacillen. Bei -f 12quot; C. hört die Entwicklung vollständig auf; es sistirt deshalb auch die Entwicklung der Bacillen in einer gewissen Tiefe des Erdbodens regelmässig, weil die Bodentemperatur immer unter -f-12 0 C. beträgt. Ebenso wird die Entwicklung vollkommen unterbrochen bei -f- 45 0 C.: eine Ertödtung tritt aber erst nach längerem Einwirken einer Temperatur von -f- 55 0 C. ein. Endlich wird die Entwicklung der Bacillen gehindert durch eine zu grosse, über ein Verhältniss von 1: 20 hinausgehen de Wassermenge. So gehen die Bacillen in destillirtem Wasser und Lei-
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tungswasser bei Kellertemperatur schon nach 1 Tage sehr schnell, ferner bei Zimmer- und Brütschranktemperatur, endlich sogar in einem mit organischen Stoffen stark vermischten Wasser (Berliner Panke) bei Brunnenwassertemperatur in kurzer Zeit zu Grunde. Umgekehrt werden die Bacillen durch Austrocknen vernichtet. Letzteres tritt bei dünnen Gewebsund Blutschichten nach 1230 Stunden, bei dickeren nach 23 Wochen, bei den dicksten nach 45 Wochen ein.
Im Gegensatz hiezu sind die Mllzbrandsporen sehr viel widerstandsfähiger. So bleiben sie in Wasser ausserordentlich lange am Leben und sind eingetrocknet noch nach vielen Jahren wirksam, weder durch Siedehitze noch durch starke Kälte werden sie vernichtet, selbst eine 10 Minuten lange Einwirkung von -j- 1100 C. und eine stundenlange Abkühlung auf 110deg; C. tödtet sie nicht. Auch durch Fäulniss werden sie nur sehr spät zerstört. Von desinficirenden Mitteln sind nur Sublimat, Creolin, Jodtrichlorid, Chlor, Brom und Jod wirksam. So werden sie getödtet durch eine l0/ooige Sublimatlösung in 10 Minuten, (nach Be bring erst in einem Tage), durch eine 2 0/o ige Chlor-, Brom-, Jodlösung (wässerige) in einem Tage, durch eine 3 0|oige Creolinlösung in 48 Stunden (Eisenberg). Dagegen bleiben die Sporen virulent, nachdem sie 20 Tage in 5 0|oigem Ki-eosot, 19 Tage in 10 quot;/oigem Lysol und 12 Tage in 5 0/oiger Carbolsäure gelegen haben (Lignieres).
Rotz. Auch hier ist wegen der Möglichkeit der Sporenbildung die Desinfection frühzeitig vorzunehmen. Ihre Aiisführung ist im Allgemeinen dieselbe, wie beim Milzbrand. Besondere Aufmerksamkeit ist dem Nasen-ausfluss und denjenigen Gegenständen zuzuwenden, welche mit demselben in Berührung kommen konnten (Standort, Krippen, Eaufen, Eimer, Halfter u. s. w.). Die Desinfection hat sich auch auf die Beschlagbrücken, Wagendeichseln, Sättel, Decken etc. auszudehnen.
Nach den bisherigen Versuchen werden die Eotzbacillen getödtet durch eine 10 Minuten lange Erhitzung auf 55 0 C, eine 5 Minuten lange Erhitzung auf 80deg; C, eine 5 Minuten lange Einwirkung von 25 quot;joiger Carbolsäure- oder Creolinlösung, sowie eine 2 Minuten dauernde Einwirkung von Chlorwasser, von 1 quot;/oiger Kaliumpermanganatlösung, von einer Sublimatlösung 1: 510,000 etc. In der Praxis sind also zur Desinfection der Bacillen zu empfehlen eine l0/ooige Sublimat-, eine 50/o ige Creolin- oder Carb olsäur elö sun g, sowie siedendes Wasser.
Wuth. Hölzerne Hundehütten und Geräthe, Maulkörbe, Halsbänder, Leinen, Decken, Streu und alle Gegenstände, welche begeifert wurden, sind zu verbrennen. Der Standort ist gründlich zu reinigen. Das Verhalten des Wuthgiftes gegen verschiedene Agentien ist folgendes: Es wird getödtet durch 10|o Creolinlösung und durch Citronensaft nach 3 Minuten, durch Ceylonzimmt, 2 0|o Liquor Ferri, 5 0/o Salzsäure und Salicylsäure, sowie durch 50 0|o Höllensteinlösung nach 5 Minuten, durch Schwefelsäure und Salmiakgeist nach 10 Minuten, durch 4 0jo Borsäurelösung nach 15 Minuten, durch 1 0|o Kalium permanganicum-Lösung nach 20 Minuten, durch 5 quot;/'o Carbollösung nach 50 Minuten, durch eine 3 0/oige nach 60 und durch eine 2 quot;joige Carbollösung nach 120 Minuten. Darnach ist für das Wuthgift das Creolin das stärkste, die Carbolsäure dagegen das schwächste Desinficiens.
Nach älteren Versuchen erlischt die Virulenz des Wuthgiftes bei der Temperatur des heissen Wasserdampfes innerhalb einer '/a Stunde, bei 50600 C. innerhalb 1 Stunde, bei 45 0 C. innerhalb 24 Stunden, ferner in Sublimat (1:100,000), Kalium permanganicum (25 :100) und Alkohol
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Antiseptische Wundbehandlung.
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(5090 0|o) innerhalb 24 Stunden, in 25 quot;/igeni Alkohol innerhalb 5 Tagen, in 15 quot;/oigem innerhalb 7 Tagen. Die Emulsion von Gehirnsubstanz verliert sofort ihre Virulenz, wenn sie mit 12 Tropfen Essigsäure schwach angesäuert oder durch Soda schwach alkalisch gemacht wurde.
Lungenseuche. Standort resp. Stall sowie Geräthschaften sind gründlich zu reinigen und mit Sublimatwasser (1 0/ooig) zu desinfieiren. Der Stall ist hierauf möglichst lange zu lüften und leer zu lassen. Streu und Dünger sind mit Pferden aufs Feld zu schaffen und unterzupflügen. Personen, welche den Infectionsstoff verschleppen können, müssen Hände und Füsse gründlich reinigen und mit Sublimatwasser oder Carbol-, Creolin-, Lysolwasser desinfieiren.
Rauschbrand. Die gesetzlich nicht vorgeschriebene Desinfeetion erfolgt am besten wie beim Milzbrand.
Tuberkulose. Die gesetzlich nicht vorgeschriebene Desinfeetion erfolgt nach gründlicher Reinigung (heisses Seifenwasser, heisse Lauge) unter Vermeidung des gegen die Tuberkelbacillen wirkungslosen Sublimates am besten mit 3 quot;/o iger Creolin - oder 5 cjo iger Carbollösung mit nachfolgender längerer Lüftung des Stalles.
Rinderseuche. Die Desinfeetion wird ähnlich wie bei Lungenseuche ausgeführt.
Rinderpest. Obwohl der Ansteckungsstoff leicht zerstörbar ist (aussei-durch Austrocknen wird das Contagium vernichtet durch Erwärmen über 600 C, Abkühlen auf 150 C, durch Fäulniss und verschiedene Desin-ficientien: Chlor, schwefelige Säure, Carbolsäure etc.), liegt bei der Gefährlichkeit der Seuche doch die Anwendung des strengsten Desinfectionsver-fahrens im veterinärpolizeilichen Interesse. (Vergl. die Bestimmungen des Gesetzes vom 7. April 1869.)
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III. Die Desinfeetion am lebenden Thierkörper.
Aseptische und antiseptische Wundbehandlung. Seit der Einführung des antiseptischen Princips in der Wundbehandlung durch Lister haben sich zwar die Methoden vielfach geändert, das Princip ist aber dasselbe geblieben: frische Wunden vor der Infection zu schützen (Asepsis) und inficirte Wunden zu desinfieiren (Antisepsis). Im Anfang beherrschte der feuchte Lister'sche Carbolverband die chirurgische Therapie. An seine Stelle trat später der trockene Jodoformverband. Dieser wurde wiederum zum Theil ersetzt durch den Sublimat- und Creolinverband. Von sonstigen häufiger angewandten antiseptischen Wundmitteln sind zu nennen die essigsaure Thonerde, die Borsäure, das Chlorzink, Lysol, Solutol u. a. Bei der Auswahl der chirurgischen Antiseptica ist vor Allem darauf zu achten, dass dieselben in der angewandten Form und Concentration ungiftig sind, die Wunden nicht ätzen und reizen, die Granulation und Vemarbung befördern und die Ansiedlung von Mikroorganismen wirksam verhindern bezw. eingedrungene Infectionserreger
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Antiseptische Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;105
sicher vernichten. Im Allgemeinen empüehlt es sich, ein und dasselbe Antisepticum nicht allzulange auf eine Wunde einwirken zu lassen, sondern von Zeit zu Zeit, etwa jede Woche, mit dem Mittel zu wechseln, weil sonst die Granulation schlaff wird. (Ausführlicher ist die Antisepsis behandelt von Gr. Müller: Theorie und Praxis der thierärztl. Wundbehandlung 1892.)
Innerliche Antisepsis. Eine Reihe von Infectionskrankheiten lässt sich durch die innerliche Anwendung antiseptischer Mittel wirksam bekämpfen. Hierher gehören zunächst einige Specifica: Die Salicylsäure als Hauptmittel gegen acuten Gelenkrheumatismus, das Chinin als solches gegen Malaria und das Quecksilber bezw. Jod als specifische Mittel gegen Syphilis beim Menschen. Ausserdem werden empfohlen Kreosot als innerliches Mittel gegen Tuberkulose, Creolin gegen Milzbrand beim Rind und Pferd, Calomel als Darm-desinficiens bei Ruhr, Influenza, Hundestaupe, Schweinerothlauf, Geflügelcholera, mykotischen und infectiösen Darmentzündungen u. s. w., Theer und Terpentinöl gegen entzündliche Zustände im Respirationsapparat, Jod gegen Petechialfieber etc. Neuerdings sucht man die Infectionsstoffe im Blute ausserdem durch die sogen. Serum-therapie zu vernichten (vergl. das Kapitel über Schutzimpfung und Immunisirungsmethoden). Die meisten innerlichen Desinfectionsmittel scheinen nicht antiseptisch, sondern aseptisch, d. h. durch Hemmung der Entwicklung der pathogenen Mikroorganismen zu wirken. Mehr noch, als bei äusserlicher Antisepsis ist bei der innerlichen darauf zu achten, dass keine Allgemeinvergiftimg des Körpers zu Stande kommt.
A. Hoffmann-Leipzig (Vorlesungen über allgemeine Therapie 1892) empfiehlt zu therapeutischen Zwecken in der inneren Mediein nachstehende Desinfectionsmittel:
Für die Haut: Sublimat 1 :1000, Kaliseife, Chlorwasser, Terpentinöl, Carbolglycerin, Salicylspiritus, Essig, Creolin, Lysol, Naphthol.
Subcutan: Borsäure (4:0/o), Lugol'sche Lösung, Kalium perraan-ganicum (l0|oo).
Nase: Carbolsäure ('/üS'/s 0/o), Salicylsäure (l0,'oo), Alaun (l0/o), Borsäure in Substanz, Eisenvitriol (l0/o), Kai. permang. (30foo), Choralhydrat (l0|oo).
Mund und Rachen: Kai. permang., Kai. chloricum, Borax, Borsäure, Jodoform, Alaun, Tannin, Citronensäure, Essigsäure.
Urethra: Kai. permang. (0,20,40/o), Carbolsäure (l0tloo), Höllenstein (1 : 300U), Nat. salicyl. (50/o).
Blase: Borsäure (4quot;/o), Creolin (0,21deg;/,,), Salicylsäure (l0/oo), Kali chloricum (30|o).
Vagina: Tannin (l0/o), Höllenstein (0,20,50/o), Creolin und Lysol (15deg;/laquo;), Milchsäure (P/o).
Magen: Borsäure f40/o).
Darm: Tannin (10j;o), Argentum nitricum (0,10,250/o).
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Conservirungsmittel.
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IV. Die Conservinmg thierischer Producte.
Conservirungsmethoden. Die Conservirung organisch-thierischer Stoffe bezweckt, die nacli dem Absterben der tbieriscben Organe in der Eegel eintretenden Päulniss-, Verwesungs- und Gäbrungsprocesse dadurch zu verhindern, dass sie einerseits die an den betreffenden Stoffen haftenden fäulniss- und gäbrungserregenden Mikroorganismen vernichtet, andererseits den Zutritt und die Entwicklung neuer Spaltpilze hindert. In den meisten Fällen handelt es sich um die Conservirung von Fleisch und Milch; ausserdem kommen Cadaver- und Leichentheile in Betracht. Da sich die genannten Mikroorganismen nur bei einem gewissen Sauerstoffgehalt der Luft, bei einem bestimmten Feuchtigkeitsgehalt, innerhall) bekannter Temperaturgrenzen und auf einem geeigneten Nährboden vermehren können, so lassen sich zu ihrer Vernichtung aussei- der Anwendung eigentlicher Desinfections-mittel verschiedene quot;Wege einschlagen.
1. Die antiseptisch wirkenden Conservirungsmittel stimmen im Wesentlichen mit den Desinfectionsmitteln vollkommen überein. Gewöhnlich pflegt man indessen zur Erhöhung der conservirenden Wirkung mehrere Mittel zu gleicher Zeit anzuwenden. Man hat zu unterscheiden zwischen ungiftigen, zur Conservirung von Fleisch und Milch, sowie zwischen giftigen, zur Erhaltung von Cadavertheilen dienenden Mitteln. Ungiftige Fleisch- und Milchconservirungs-mittel sind: Kochsalz, Salpeter (Einsalzen, Pökeln) Natrium phos-phoricum, Natrium aceticum, Borax, Borsäure, Essig, Zucker, Glycerin, Salicylsäure (ungiftigquot;?). Räuchern. Die Mischungen der verschiedenen Conservirungsmittel haben besondere Benennungen erhalten. So sind beispielsweise die zur Zeit gebräuchlichsten Fleischconservirungsmittel unter folgenden Namen im Handel: Sözo lith (Natriumsulfat, Natriumoxyd, schweflige Säure); Berlinit a. (Borsäure, Natriumchlorid, Borax) und b. (Natriumchlorid, Kaliumnitrat, Borsäure); China-Erhaltungspulver (Borsäure, Natriumchlorid, Natriumsulfat, Natriumsulfit); Conservesalz Brockmann's (Natriumchlorid, Kalium-nitrat, Borax, Borsäure); Australian Salt (Borax, Natriumchlorid); Bannenit (Natriumchlorid, Borsäure); Magdeburger Salz (Kaliumoxyd, Natriumchlorid, Borax, Borsäure). Heydrick's Conservesalz (Natriumchlorid,Kaliumnitrat, Borsäure); dreifaches Conservesalz (BorSäureanhydrid); Australian meat preserve (Calciumoxyd, schweflige Säure, Schwefelsäure, Thonerde und Eisenoxyd). Giftige
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Oonservirungsmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1(J7
Conservirungsmittel für Cadävertheile etc. sind: Sublimat, Arsenik, Blausäure, Kreosot, Carbolsäure, Methylalkohol, Chloroform, Aether, Aceton, Chloral, Kupfervitriol, Zinkvitriol, Eisenvitriol, Chlorzink, Chlorkupfer, Chloraluminium, Eisenchlorid, Alaun, unterschweflig-saure Salze. Bekannt ist die quot;Wickersheimer'sche Conservi-rungsflüssigkeit für Cadaver (10,0 Arsenik, 25,0 Kochsalz, 12,0 Salpeter, 60,0 Pottasche, 1 Liter Methylalkohol, 4 Liter Glycerin, 10 Liter Wasser).
2. Ahschluss der Luft. Diese sehr einfache Conservirungs-methode wird meistens verbunden mit vorherigem starkem Erhitzen (Sterilisiren). Das einfache Abschliessen der Luft wird erzielt durch die verschiedenen Anstriche (Lackiren, Oelfarben-, Theeranstrich, Siegellack, Harz etc.) sowie durch Auftragen einer Fett-, Gel-, Zuckerschichte (Sardinen, Gänseleberpastete, süsse Conserven). Auch durch Wattepfropfen und Asbestpfropfen wird der Zutritt der in der Luft befindlichen Keime verhindert; man benützt diese Methode hauptsächlich in der bacteriologischen Technik. Endlich kann man die Luft durch Kohlensäure verdrängen (Büchsenfleisch).
o. Hohe und niedere Temperaturen wirken conservirend, wenn sie das für die Entwicklung der Mikroorganismen nöthige Temperaturoptimum von 445deg; C. erheblich überschreiten. Hohe Temperaturgrade in Form von Siedehitze (häufig mit gleichzeitigem oder nachherigem Ahschluss der Luft, sogen. Pasteurisiren), heisse Luft und strömende Wasserdämpfe sind wesentlich wirksamer, als niedere Temperaturen; sie werden namentlich zur Herstellung der Büchsen-conserven (Corned Beef) benützt. Niedere Temperaturen in Form von Gefrierenlassen oder Aufbewahrung in Kühlräumen, Eiskellern. Eisschränken sind deshalb weniger empfehlenswerth, weil die Sporen dadurch nicht vernichtet, sondern nur in der Entwicklung gehemmt und auch manche Bacterien nur vorübergehend in Kältestarrequot; versetzt werden. Derartig conservirte Stoffe zeigen daher sehr rasche Fäulniss, sobald die Abkühlung nachlässt, weil sich die darin befindlichen Mikroorganismen sofort wieder vermehren. Diese üble Erfahrung ist namentlich mit den künstlichen Kühlhallen der Schlachthäuser sowie mit den überseeischen Fleischtransporten gemacht worden.
4. Entziehung der Feuchtigkeit in Form von Eintrocknen wird entweder durch Benützung der Sonnenwärme (Stockfische) oder durch künstliche Wärme (Camepura, Fleischmehl) erzielt. Die Herstellung speciell des Fleischmehls erfolgt in der Weise, class man das von Fett und Knochen befreite Fleisch fein zerhackt und in einem
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Desinfectionsmittel im Einzelnen.
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Trockenofen bei 00deg; trocknet, worauf es fein gepulvert und in Blechbüchsen verschlossen wird. Die sogen, condensirte Milch wird ebenfalls durch quot;Wasserentziehung (Eindampfen auf ein Viertel) hergestellt; zur besseren Conservirung erhält sie ausserdem einen Zuckerzusatz.
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Die Desinfectionsmittel im Einzelnen. Die Zahl der zu Desinfections-zwecken empfohlenen Mittel ist eine ausserordentlich grosse. Es kann sich an dieser Stelle nicht darum handeln, jedes einzelne derselben anzuführen (schon im Jahre 1881 hat Koch nicht weniger als 80 verschiedene Mittel bactei-iologisch untersucht); vielmehr sollen im Nachfolgenden nur die für die thierärztliche Praxis wichtigsten Desinfectionsmittel in übersichtlicher Kürze zusammengestellt werden. Als beachtenswerthe neuere Ai-beiten über Desinfectionsmittel sind zu bezeichnen die Untersuchungen von Jäger (Arbeiten aus dem Kaiserl. Gesundheitsamt, 5. Bd.) und B eh ring (Zeitschrift für Hygieine 1890).
Sublimat. Stärkstes und schnellstes Desinficiens für alle, insbesondere auch sporenhaltige Mikroorganismen (Milzbrandsporen) mit Ausnahme der Tuberkelbacillen.
Milzbrandbacillen werden rasch getödtet bei einer Vei'dünnung 1 : 50,000 Milzbrandsporennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; raquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; raquo; raquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; raquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1:1000
Eotzbacillennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; , raquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; raquo; 1:5-10,000.
Dagegen werden die Tuberkelbacillen durch Sublimat 1 : 1000 erst nach einer mindestens eintägigen Einwirkung getödtet. Besonders stark ist die Desinfeetionskraft des Sublimats, wenn er bei höherer Temperatur einwirkt; bei Blutwärme werden die Milzbrandbacillen schon durch eine Verdünnung wie 1: 100,000 getödtet. In eiweisshaltigen Flüssigkeiten sind wegen der Ausfällung des Sublimats wesentlich stärkere Concentrationen nöthig; so werden die Milzbrandbacillen im Blutserum erst bei einer Concentration von 1: 1000 vernichtet, weil durch die Bildung des Niederschlags von Eiweiss-Sublimat das Eindringen des letzteren in die Blutflüssigkeit gehindert wird. Ein Zusatz von Kochsalz verhütet die Aus-iallung des Eiweisses. Das Kochsalz verhindert ausserdem die Zersetzung des Sublimats im gewöhnlichen Wasser. Im Uebrigen stört nach Behring die Bildung von Zersetzungsproducten (OxyChloriden, Queoksilberalbuminat) den Desinfectionswerth des Sublimats nicht im Mindesten, wofern dieselben nur in Lösung bleiben. Von Lister ist neuerdings sogar ein Quecksilber-albuminat für die antiseptische Wundbehandlung empfohlen worden.
Von verschiedenen Seiten ist die Giftigkeit des Sublimats hervorgehoben und von seiner Verwendung als Desinfectionsmittel abgerathen worden. Derartige Besorgnisse sind nicht begründet. Trotz der überaus grossen Anzahl bisher vorgenommener Sublimatdesinfectionen ist noch niemals ein Fall von schädlicher Einwirkung des Sublimats auf Menschen und Thiere constatirt worden. Im Gegentheil ist bezüglich des Menschen durch verschiedene Beobachter festgestellt, dass die Desinfection der Wohnungen mit einer Ipromilligen Sublimatlösung ohne alle nachtheilige Folge für die Bewohner vorgenommen werden kann (Flügge, Krupin u. A.). Auch bei den Hausthieren, insbesondere bei dem für das Quecksilber so sehr empfindlichen Eind, ist noch niemals ein Fall von Quecksilbervergiftung im Anschlüsse an die Desinfection des Stalles beobachtet worden; die bekannt gewordenen Fälle von Sublimatvergiftung beim Rind beziehen sich vielmehr sämmtlich auf Uterusausspülungen. Der Sublimat ist aber
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Desinfeotionsmittel im Einzelnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 109
speciell für Rinderstallungen ein ganz unentbehrliches Des-infectionsmittel, weil die Milzbrandsporen nur durch ihn mit Sicherheit und rasch zu vernichten sind. Seine Aufnahme in das Seuchengesetz ist deshalb eine durchaus berechtigte Forderung. Dazu kommt, dass eine Ipromillige Sublimatlösung sicherlich nicht giftiger ist, als die statt des Sublimats empfohlene 5 0/oige Carbollösung. Dass die leichte Zer-setzlichkeit des Sublimats kein Hinderniss für seine Anwendung bildet, ist schon oben berührt worden; ein einfacher Zusatz von Kochsalz genügt, um eine Zersetzung zu verhüten. Endlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Sublimat vor der Carbolsäure und anderen Mitteln die Geruchlosigkeit, die grössere Billigkeit, sowie die leichtere und bequemere Transportirbarkeit voraus hat.
Carbolsäure. Der antiseptisehe Werth der Carbolsäure ist früher stark überschätzt worden. Dieselbe gehört zu den schwächeren Desinfections-mitteln; sie ist speciell lOOmal schwächer als der Sublimat, weshalb sie in relativ starken Concentrationen angewandt werden muss. Gegen Milzbrandsporen ist sie nicht zu verwerthen, dagegen ist sie gegen Tuberkelbacillen dem Sublimat überlegen. Im Gegensatz zum Sublimat ist die Carbolsäure schwer zersetzlich, so dass ihre antiseptische Wirkung weder durch Eiweiss, noch durch Säuren. Alkalien, Salze etc. abgeschwächt wird. Ein Zusatz von Säuren (Salzsäure) steigert dieselbe sogar erheblich. Die Carbolsäure tödtet bei einer Concentration von 12 0/o Milzbrand-bacillen, Rotzbacillen, Streptokokken, Diphtherie- und Cholerabacillen, sowie das Pockencontagium im Verlaufe einer Minute. Sie darf jedoch nur in wässeriger Lösung angewandt werden; Carbolölistwirkungslos. Staphylokokken werden erst durch eine 23 0/oige Lösung getödtet. Tuberkelbacillen bedürfen zur Desinfection einer 50/oigen Lösung. Milzbrandsporen lassen sich durch eine 5 quot;joige Carbollösung selbst nach äOtägiger Einwirkung nicht mit Sicherheit tödten.
Die Schattenseiten der Carbolsäure sind neben ihrer Wirkungslosigkeit gegen Milzbrand in ihrem hohen Preise und in dem Umstände zu suchen, dass sich ihr Geruch den Gegenständen, namentlich dein Fleisch und der Milch, mittheilt, und dass hierdurch beim Menschen nach dem Genüsse derartiger Lebensmittel selbst leichte Carbolvergiftungen bedingt wurden.
Creolin. Das englische Creolin besitzt einen sehr hohen Desinfections-werth und darf als Specificum gegen den Tuberkelbacillus bezeichnet werden. Wie beim Sublimat sind in eiweisshaltigen Flüssigkeiten stärkere Concentrationen nöthig. Dagegen ist nach Behring das Creolin bei der Oberflächendesinfection am thierischen Körper, sowie als Desodorans der Carbolsäure und dem Sublimate überlegen. Milzbrandbacillen werden in ihrer Entwicklung gehemmt bei einer Verdünnung von 1 : 10,000, getödtet durch eine solche von 1 : 5000. Tuberkelbacillen werden durch einmaliges Eintauchen in 3quot;|oige Creolinlösung sofort getödtet. Milzbrandsporen sterben in einer 3n|(iigen Creolinlösung nach zwei Tagen ab, Staphylokokken sofort, desgleichen die Bacterien der Hühnercholera, des Schweinerotblaufs, des Rotzes u. s. w. Das Wuthgift wird durch eine 1 quot;.oige Creolinlösung nach drei Minuten vernichtet.
Ohne nennenswerthe Desiufectionskraft ist das deutsche Creolin. Neuere creolin-ähnliche Antiseptica sind das Lysol, Solveol und Solutol.
Theer. Holztheer ist ein besseres Desinfectionsmittel als Steinkohlen theer. Beide reichen indessen nicht aus, um Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen mit Sicherheit zu tödten. Sie wirken jedoch sicher vernichtend auf Milzbrandbacillen, Rotzbacillen, Rothlauf bacillen, sowie
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Desinfectionsniittel im Einzelnen,
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auf die Bacterien der Schweineseuclie und Scliweinepest. Der Theer eignet sich namentlicli gut zu desinficirenden Anstrichen, wobei er die pathogenen Mikroorganismen gleichzeitig fixirt.
Kalk. Der frisch gelöschte Kalk ist ein gutes, billiges und bequemes, leicht zu beschaffendes Desinfectionsniittel für sporenfreie Bacterien. Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen werden durch Kalk nicht getödtet. Man verwendet ihn als Pulver, dicke Kalkmilch (1 : 2) und dünne Kalkmilch (1 : 20), erstere zu Kalkanstrichen, letztere zum Abschwemmen des Fussbodens, sowie als Zusatz zur Jaucbe. Ein einmaliger dünner Kalkanstrich (1 : 20) tödtet die Bacterien der Hühnercholera, ein dreimaliger (1 : ~0) die Kotzbacillen; ein einmaliger dicker Kalkanstrich (1 : 2) tödtet die Eothlaufbacillen, die Bacterien der Schweine, die Milzbrandbacillen, Typhusbacillen etc. De r Kalk verliert seine desin fiel r ende Ei genschaft sofort, wenn er sich mit Säuren bindet; kohlensaurer, phosphorsaurer, schwefelsaurer, salpetersaurer Kalk ist unwirksam. Der Kalk muss ferner den zu desinficirenden Flüssigkeiten (Jauche) immer in grösseren Mengen bis zur stark alkalischen Reaction zugesetzt werden, weil er unter Umständen das Wachsthum der Mikroorganismen befördert. Wenn er nämlich die Reaction einer sauren Flüssigkeit neutral oder nur schwach alkalisch macht.
Chlorkalk. Derselbe wirkt stärker, als der einfache gebrannte Kalk; in einer Concentration wie 1 :3 tödtet er selbst Milzbrandsporen. Er empfiehlt sich daher statt des einfachen Kalkes zu Maueranstrichen, zum Abschlämmen des Bodens etc. bei Seuchen und schwer zu vernichtenden Ansteckungsstoffen, speciell beim Milzbrand. Dagegen ist er gegen Rotz und Tuberkulose unsicher. Eine 1 quot;joige wässerige Lösung tödtet die Bacterien der Hühnercholera, des Schweinerothlaufs, der Schweinepest, sowie die Milzbrandbacillen schon nach einer Minute.
Das früher viel angewandte Chlor gas ist zwar im Stande, bei genügender Luftfeuchtigkeit und starker Concentration (1 Volumprocent) innerhalb 24 Stunden alle im lufttrockenen Zustande befindlichen Mikroorganismen zu vernichten. Es besitzt aber für die praktische Desinfection keine Bedeutung, weil die genannte Concentration sehr schwer herzustellen und sehr kostspielig ist. Auch ist die Ausführung der Chlordesinfection sehr umständlich und gefährlich. Dasselbe gilt für das Brom.
Laugen. Ihre antiseptische Wirkung ist früher überschätzt worden; ihr Desinfectionswerth ist etwa der des Kalks. Natronlauge, Kalilauge, Soda, Pottasche sind im Allgemeinen gleichwerthig. Das Ammoniak wirkt dagegen 35mal schwächer. Concentrirte Lösungen der genannten Stoffe tödten die Bacterien der Hühnercholera, des Schweinerothlaufs, die Rotz- und Milzbrandbacillen; Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen bleiben dagegen intact. Ein üebelstand ist die ätzende Wirkung der erforderlichen starken Concentrationen.
Seifen. Ihr desinficirender Werth hängt von ihrem Alkaligehalte ab; am stärksten wirkt daher die gewöhnliche Schmierseife. Die Wirkung wird gesteigert durch Anwendung h e i s s e n Seifenwassers. Dasselbe tödtet die leicht zerstörbaren Infectionsstoffe sicher und wirkt gleichzeitig reinigend und dadurch die Wirkung der stärkeren Antiseptica unterstützend. 100/oige Lösungen der gewöhnlichen Schmierseife (oder die gewöhnliche Seifensieder-Waschlauge) tödten Milzbrandsporen innerhalb 10 Minuten, wenn sie auf 85deg; C. erhitzt werden.
Pyoktanin. Das unter diesem Namen empfohlene Methylviolett scheint für sporenfreies Material stark antiseptische Wirkung zu besitzen. Es tödtet
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Desinfectionsmittel im Einzelnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ill
Milzbrandbacillen schon bei einer Verdünnung wie 1:1 5000, Rotzbacillen aber erst bei einer solchen wie 1:150. Jedenfalls sind 12 0/oige Lösungen zur Desinfection zu benützen.
Noch stärker antiseptisch wirken Dahliablau, Cyanin und Malachitgrün; letzteres tödtet die Milzbrandbacillen schon bei einer Verdünnung von 1 : 25,000, die Rotzbacillen aber ebenfalls erst bei 1 :300.
Uebermangansaures Kali. Dasselbe ist mehr Desodorans als Desinficiens. Eine 5 quot;jöige Lösung tödtet nach einmaligem Eintauchen Rotzbacillen, Milzbrandbacillen, sowie die Bacterien der Hühnercholera und Schweineseuche; dieselbe ist aber wirkungslos gegen Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen. Die Wirkung gegen Rothlaufbacillen ist fraglich. Dagegen ist das Mittel ein specifisches Antisepticum gegen Schlangenbisse.
Jodtrichlorid. Tödtet in l0/oiger Lösung die Milzbrandsporen momentan, die leichter zerstöi'baren Bacterien sicher schon in einer Verdünnung von 1 : 500. Von B e h r i n g als ungefährliches Desinfectionsmittel empfohlen. Seiner praktischen Anwendung steht indessen die leichte Zersetzlichkeit der Lösungen und der hohe Preis entgegen.
Höhere Temperaturgrade. Wallend siedendes Wasser (100quot;C.) vernichtet alle Bacterien mit Ausnahme der Milzbrandsporen nach kurzer Zeit. Es empfiehlt sich indessen bei grösseren Gegenständen (Decken, Kleider, Wäsche etc.) ein mindestens einstündiges Kochen, da die Hitze nur langsam in dieselben eindringt. Am stärksten desinficirend wirken neben der Glühhitze, welche übrigens nur bei feuerfesten Gegenständen angewandt werden kann, strömende Wasser dämpfe von einer Temperatur = 100 0 C. (Dampfdesinfectionsapparate); dieselben vernichten eingetrocknete Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen schon nach 15 Minuten und sind daher, wenn anwendbar, dem Kochen wesentlich vorzuziehen. Wenig zuverlässig ist trockene Hitze (Backofen), weil höhere Temperaturen ohne Anwesenheit von Feuchtigkeit nur sehr schwer in die zu desinficirenden Gegenstände eindringen. Milzbrandsporen bedürfen zur Tödtung einer längeren Einwirkung von mindestens 140 0 C. trockener Hitze. Auch sehr niedere Temperaturen sind wenig wirksam in antiseptischer Hinsicht. Kältegrade von 100 0 C. vermögen z. B. Milzbrandsporen nicht zu tödten, selbst die leicht zerstörbaren Bacterien der Hühnercholera widerstehen einer Kälte von 4deg; C.
Wasser. Dasselbe wirkt schon in kaltem Zustande auf einige Bacterien ganz schwach desinficirend ein. Milzbrandbacillen sterben z. B. bei starker Verdünnung in Wasser ab. Stärker wirkt natürlich heisses Wasser. Gewöhnlich wird das Wasser übrigens nur zur Reinigung angewandt.
Luft. Dieselbe hat ebenfalls schon bei gewöhnlicher Temperatur leicht desinficirende Wirkung; an der Luft eingetrocknetes Pocken- und Wuthcontagium und einige andere leicht zerstörbare Bacterien verlieren ihre giftige Wirkung.
Licht. Dasselbe unterstützt die desinficirende Kraft der Antiseptica. Tuberkelbacillen sollen sogar allein schon durch Sonnenlicht getödtet werden.
Lack und Oelfarbe wh'ken mechanisch und indirect dadurch desinficirend, dass sie die Ansteckungsstoffe fixiren und an der Vermehrung hindern. Ebenfalls rein mechanisch wirken der Putzsand sowie Brot-abreibunsren.
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Gregengifte. Antidote1).
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Synonyma: Antitoxioa 2), Antagonistica3); Gegenmittel, Antagonisten.
Eintheilung. Als Gegengifte bezeichnet man diejenigen Arzneimittel, #9632;welche bei den einzelnen Yergiftungen angewandt werden. Dieselben können sehr verschiedener Natur sein und auf sehr verschiedene Weise ihre giftwidrige Wirkung ausüben. Man unterscheidet mehrere Einzelgruppen von Antidoten: 1. Die mechanischen oder physikalischen Gegenmittel; 2. die chemischen Antidote; 3. die physiologischen (dynamischen, organischen, constitutionellen, empirischen) Gegengifte oder Antagonisten; 4. die symptomatische Behandlungsmethode der Vergiftungen.
1. Die physikalischen oder mechanischen Gegenmittel wirken dadurch giftwidrig, dass sie die eingedrungenen Gifte entweder auf rein mechanischem Wege aus dem Körper entfernen: Brechmittel, Abführmittel, harntreibende, schweisstreibende, speicheltreibende Mittel, Magenausspülung, Aderlass, künstliche Athmung u. s. w., oder dieselben einhüllen und die Aufsaugung, resp. den Contact mit der Schleimhaut dadurch verhindern: einhüllende Gegenmittel (Eiweiss, Milch. Gel, schleimige Mittel).
Von besonderer practischer Bedeutung sind die Brechmittel, welche bei den dazu geeigneten Thieren (Hunden, Schweinen, Katzen) in allen frischen Vergiftungsfällen in erster Linie anzuwenden sind. Die wichtigsten Brechmittel sind das Apomorphin (Hunden zu 210 mg, Katzen zu 2050 mg subcutan injicirt), das Veratrin (Schweinen 0,020,03 subcutan), das Ehizoma Veratri albi
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') ävxi, gegen; StSlt;u|xai, geben.
2)nbsp; nbsp;avu:', gegen; tö'ov, Gift.
3)nbsp; nbsp;avxi, gegen; a-fstv. wirken.
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Gegengifte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;113
(Schweinen 1,02,0, Hunden 0,10,2 per os oder als Clysma), Radix Ipecacuanhae (Schweinen und Hunden 13,0, Katzen 0,25 bis 0,75), der Brechweinstein (Schweinen 12,0, Hunden 0,10,3, Katzen 0,050,2), der Kupfervitriol als specifisches Brechmittel bei Phosphorvergiftung (Schweinen 0,51,0, Hunden 0,10,5, Katzen 0,050,2), der Zinkvitriol (Schweinen 0,51,0, Hunden 0,10,3), endlich als Hausmittel das Kochsalz (Hunden 12 Theelöffel), das Senfmehl (Hunden 1 2 Theelöffel in einem Grlas warmem quot;Wasser), Schnupftabak (Hunden eine Prise in einem Esslötfel Wasser) u. s. w. Von Abführmitteln empfehlen sich besonders wegen ihrer raschen quot;Wirkung dieDrastica: Crotonül (Pferden 1020 Tropfen, Bindern 1530 Tropfen. Schafen und Ziegen 812 Tropfen, Schweinen 5 10 Tropfen, Hunden 25 Tropfen) in Verbindung mit dem gleichzeitig einhüllenden Eicinusöl (Pferden 250500,0, Rindern 500 bis 1000,0, Schafen und Ziegen 50250,0, Schweinen 50100,0, Hunden 1560,0, Katzen und Geflügel 1030,0), das Eserin (Pferden 0,1, Rindern 0,10,2 subcutan), Gutti (Schweinen 24,0, Hunden 0,2 bis 1,0, Katzen unnd Geflügel 0,020,1), Jalapenharz (Schweinen 0,51,0, Hunden 0,050,5, Katzen 0,020,05), Podophyllin (Hunden 0,10,2), Calomel (Pferden 28,0, Schweinen 14,0, Hunden 0,030,1, Katzen und Geflügel ebensoviel). Die harntreibenden, schweiss- und speicheltreibenden Mittel haben eine wesentlich schwächere evacuirende Wirkung, sie werden daher nur bei chronischen Vergiftungen angewandt. Die einhüllenden Gegenmittel werden hauptsächlich bei Vergiftungen durch Aetzmittel angewandt, um die Magendarmschleimhaut vor Anätzung zu schützen und gleichzeitig die Resorption zu hindern; am gebräuchlichsten ist die Verabreichung von Milch, Eiweiss (Eiweiss der Eier für sich oder mit quot;Wasser geschüttelt; sogen. Eiweisswasser), Schleim (Leinsamenschleim, Gerstenschleim, Haferschleim, Quittenschleim, Gummi arabi-cum, Abkochungen von Eibisch würz el, Malvenblättern, Salepschleim. Traganthschleim), Fette und Oele (Schweinefett, Butter, Olivenöl, Repsöl, Mohnöl, Mandelöl, Ricinusöl, Emulsionen u. s. w.). Die fetten Oele sind jedoch contraindicirt bei Phosphor- und Cantharidenvergif-tung, weil sie die Resorption der genannten Gifte befördern; dasselbe gilt für die Milch, welche ebenfalls Fett enthält.
2. Die chemischen Gegengifte wirken dadurch giftwidrig, dass sie die in den Körper eingedrungenen Gifte zersetzen oder in Verbindungen umwandeln, welche ungiftig oder weniger giftig sind. Das einfachste Beispiel chemischer Antidote bilden die ätzenden Alkalien
Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; g
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Gegengifte.
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und Säuren, welche sich gegenseitig unter Aufhebung ihrer Alkali-und Säurenatur zu nicht ätzenden Salzen neutralisiren (Kalilauge, Natronlauge, Aetzkalk, Ammoniak, kohlensaures und doppeltkohlensaures Natron und Kali, Seife einerseits; Schwefelsäure, Salzsäure,. Salpetersäure, Essigsäure, Oxalsäure etc. andererseits). quot;Weiter gehören hierher das Kochsalz als speciiisches Antidot des Höllensteins, welcher dadurch zu Chlorsilber zerlegt wird (bei Sublimatvergiftungen wirkt die Verabreichung von Kochsalz im Gegentheil schädlich, weil dasselbe die Resorption des Sublimats in Folge Bildung der leicht löslichen Kochsalz-Sublimatverbindung befördert), das Eisen als Gegengift gegen Arsenik (Bildung von schwer löslichem arsenigsaurem Eisen), Blausäure, Quecksilber- und Kupfersalze, das Ferrocyankalium als Antidot gegen Kupfervergiftungen (ungiftiges Ferrocyankupfer) und ätzende Eisensalze z. B. Eisenchlorid (Bildung von Berliner Blau), die Kupfer salze als wichtige Gegengifte gegen Phosphorvergiftung (Bildung von ungiftigem Phosphorkupfer), die gebrannte und kohlensaure Magnesia als Gegengift gegen Säuren (Bildung von Magnesiasalzen), Arsenik, Metallsalze (Zerlegung), das Jod und die Jodsalze als Gegengifte gegen die Alkaloide im Allgemeinen (Niederschlag), sowie gegen chronische Metallvergiftungen (Bildung löslicher und daher aus dem Körper eliminirbarer Metalljodide), das Bromkalium als Bindemittel für Jod und Jodoform (Bildung von Jod-kalium), der Schwefel und Schwefelwasserstoff als Antidot gegen Quecksilber-, Blei-, Kupfer-, Brechweinstein-, Arsenikvergiftung (Bildung unlöslicher Metallsulfide), die Schwefelsäure und schwefelsauren Salze als specifische Mittel gegen Bleivergiftung (Bildung von unlöslichem Bleisulfat), Carbolsäurevergiftung (ungiftiges phenolsulfonsaures Kali), Kalkvergiftung (Bildung von Gips) und Bariumvergiftung (schwefelsaurer Baryt), die Kalksalze (Kalkwasser, kohlensaurer Kalk, Kreide, Schneckenschalen, Auster schalen, Eierschalen, Marmor, Sepiasteine, Zuckerkalk) als specifisches Gegengift gegen Oxalsäurevergiftimg (der oxalsaure Kalk ist als unlösliche Verbindung ungiftig), das Tannin und die gerbsäurehaltigen Pflanzen (Eichenrinde, Weidenrinde, Salbeiblätter, Kaffee, Thee, Eicheln, Galläpfel, Tinte, Chinarinde, Catechu, Eatanhiawurzel, Tor-mentillwurzel, Nussbaumblätter etc.) als wichtigste Antidote gegen die Vergiftung mit Alkaloiden und Glykosiden (Bildung schwer löslicher oder unlöslicher gerbsaurer Salze), mit Metallsalzen, namentlich mit Brechweinstein, Bleizucker und Höllenstein, Eisenvitriol u. s. w. (Bildung von Metalltannaten), Ammoniak, Chlor und Übermangan-
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Gegengifte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 115
saures Kali als lokale Gegengifte bei Schlangenbissen und Insektenstichen, altes Terpentinöl und Ozonwasser als Antidot des Phosphors (Oxydation zu Phosphorsäure), Eiweiss als chemisches Gegengift gegen Metallsalze (Bildung von Metallalbuminaten), ätzende Säuren (Bildung von Säurealbuminaten), gegen Chlor-, Brom- und Jodvergiftung, Leim und Kleber gegen Metallvergiftungen (z. B. Sublimatvergiftung), Alaun- und Gerbsäurevergiftung (Bildung von Niederschlägen), fette Oele gegen Vergiftung durch Alkalien und Säuren (Verseifung), Stärkemehl als Antidot gegen Jod (Blaufärbung), die Thierkohle als Gegengift gegen Alkaloide, Metalle u. s. w.
3. Die physiologischen oder dynamischen Gegengifte sind nicht gegen das Gift selbst, sondern gegen dessen Wirkungen gerichtet (Antagonisten) und haben den Zweck, durch Erzeugung einer der Giftwirkung entgegengesetzten quot;Wirkung (Erregung Lähmung) die erstere aufzuheben. Man unterscheidet einen einseitigen (einfachen) und einen doppelseitigen (mutuellen) Antagonismus; einseitig ist derselbe, wenn nur das eine Gift die Wirkung des anderen aber nicht umgekehrt, aufhebt, doppelseitig, wenn eine wechselseitige Aufhebung stattfindet. Ausserdem spricht man von einem wahren (directen) und scheinbaren (indirecten) Antagonismus, je nachdem die beiden Gifte auf ein und dasselbe Organ (Nervensystem, Muskel, Drüsen) oder auf verschiedene Organe einwirken; so ist z. B. Curare nur ein indirecter Antagonist des Strychnins, weil es nicht wie dieses auf das Bückenmark, sondern auf die peripheren Muskelnerven einwirkt. Das Vorkommen eines wahren doppelseitigen Antagonismus ist nach neueren Untersuchungen fraglich; es kann zwar ein lähmendes Gegengift, wie z. B. das Atropin, die erregende Wirkung eines andern, z. B. des Eserins auf den Oculomotorius (Mydriasis, Myosis) aufheben, dagegen lässt sich eine vorhandene Atropinlähmung des Oculomotorius (Mydriasis) durch die erregende Wirkung des Eserins (Myoticum) nicht wieder beseitigen. Die wichtigsten physiologischen Gegengifte sind: a. Atropin als Gegengift gegen Morphin und umgekehrt. Der Antagonismus ist ein doppelseitiger, aber zum Theil indirecter. Das lähmende Morphin beseitigt die durch das Atropin hervorgerufene psychische Erregung durch directe antagonistische Einwirkung auf das Gehirn; dagegen wird durch das erregende Atropin die lähmende Wirkung des Morphins auf das Herz indirect in der Weise gehoben, dass das Atropin die nervösen Centren des Herzens erregt, während das Morphin den Herzmuskel selbst gelähmt hat. b) Atropin als Gegengift gegen Pilocarpin-, Eserin-,
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Gegrengifte.
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Muscarin- undNicotinvergiftuug. c) Bromkalium, Chloral-hydra t. Chloroform, Co nun, Curare als Gegengift gegen die Tetanica Strychnin und Pikrotoxin. d) Amylnitrit als Antagonist des gefässverengernden Mutterkorns. e) Coffein als Antidot gegen Morphin, Chloroform, Alkohol u. s. w.
4. Die symptomatischen Gegenmittel bestehen darin, class einzelne Hauptsymptome der Vergiftungen behandelt werden. So gibt man gegen Lähmungserscheinnngen Excitantien (Campher, Aether, Alkohol, Wein , Cotiein, Kaffee, Yeratrin, Strychnin. Hyoscin, Ammoniak, kohlensaures Ammonium), gegen schmerzhafte Koliken Morphium und andere Narcotica, gegen Durchfälle Styptica, gegen Verstopfung La-xantien. gegen starkes Erbrechen die Opiate, gegen hohes Fieber Antipyretica, gegen Krämpfe die Sedativa etc.
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Einzelantidote bei den Einzelvergiftungen. A con itin Vergiftung: Brechmittel, Tannin, Jod, Thierkohle, Atropin, künstliche Athmung, Excitantien.
Alaun Vergiftung: Eiweiss, Milch, Leimlösung, Kalkwasser, gebrannte Magnesia. Ammoniak, Abführmittel.
Alkalien, ätzende: Essig, verdünnte Säuren (Salzsäure. Schwefelsäure, Phosphorsäure, Citroneusäure), fette Oele, Milch, Emulsionen, schleimige Mittel, Eispillen ; Brechmittel contraindicirt.
Alkoholvergiftung: Kaffee, Coife'in, Ammoniak, kohlensaures Ammonium, Campher, Atropin, Hyoscin, kalte Begiessungen des Kopfes, Klystiere, Priessnit/.'sche Umschläge, warme Einhüllungen.
Aloevergiftung: Opium, Tannin, schleimige Mittel.
Ammoniak Vergiftung: Verdünnte Säuren, Fette, Oele, Milch, sehleimige Mittel; gegen die Krämpfe Morphium, Chloralhydrat, Bromkalium.
A n i 1 i n v e r g if t u n g: Brechmittel, Abführmittel, Excitantien, frische Luft, kalte Begiessungen.
Arsenik Vergiftung: Brechmittel, Eisenpräparate, Ferrum hydri-cum in aqua (= Antidotum Arsenici), Ferrum oxydatum saccharatum, Magnesia usta, Thierkohle, Schwefel, Schwefelleber, Schwefeleisen, Eiweiss, Milch, Schleim, Excitantien, Zu vermeiden sind Alkalien,
Atropin Vergiftung (Belladonna, Bilsenkraut, Stechapfel): Brechmittel, Gerbsäure, Morphium, Pilocarpin, Eserin, gegen die psychische Erregung Chloroform, Chloralhydrat, Sulfonal, Bromkalium.
BaryumVergiftung: Verdünnte Schwefelsäure, schwefelsaures Natrium und Kalium, schwefelsaure Magnesia, Brechmittel,
Bingelkrautvergiftung: Brechmittel, Eiweiss, Milch, Opium, Gerbsäure.
Blausäurevergiftung: Brechmittel, Eisenoxydhydrat, Atropin, Chlorwasser. Chlorkalklösung, künstliche Eespiration, Excitantien, kalte Begiessungen.
Bleivergiftung: Brechmittel, Abführmittel, verdünnte Schwefelsäure , Natrium sulfuricum, Kalium sulfuricum. Magnesium sulfuricum, Schwefel, Schwefelwasserstoff, Gerbsäure, Eiweiss, symptomatische Behandlung. Bei chronischer Bleivergiftung Jodkaüum.
Brechweinsteinvercfiftuncf: Gerbsäure, kohlensaures Natron,
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Gegengifte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 ] 7
verdünnte Säuren, Scliwefel, Schwefelleber, Opium, Eiweiss, Schleim, Ex-citantien.
C anth ariden Vergiftung: Schleimige Mittel, Opium, Excitantien ; keine fetten Oele!
Carbolvergiftung: Brechmittel, Magenausspülung, Sulfate, verdünnte Schwefelsäure, Seifenwasser, Zuckerkalk, Kalkwasser, Eiweiss, Milch, Oel, Excitantien (Aether, Campher, Coffein, Hyoscin).
Chlor Vergiftung: Einathmen von Schwefelwasserstoff und Ammoniak (verdünnt); innerlich Liquor Ammonii anisatus, Eiweiss, Schleim.
Chloroformvergiftung: Excitantien, namentlich Coffe'in, Atropin, Hyoscin, Strychnin, Veratrin, Ammoniak, kohlensaures Ammonium, Hautreize, kalte Begiessungen, künstliche Respiration, Transfusion.
Chromsäurevergiftung: Eiweiss, Magnesia usta, Excitantien.
Coea'inVergiftung: Tannin, Jod, Amylnitrit, Chloralhydrat.
Convallariavergiftung: Tannin, Excitantien, Campher, Aether.
CrotonölVergiftung: Schleim, Eiweiss, Opium, Excitantien.
Cytisusvergiftung: Brechmittel, Abführmittel, Excitantien.
Eib enb aum Vergiftung: Abführmittel, Excitantien, Atropin. Hyoscin, Coffein, Veratrin. Strychnin, Campher, Aether, Alkohol, Ammoniak, Salze.
Ec[uisetum Vergiftung: Abführmittel, Campher, Aether, Coffein, Atropin, Hyoscin, Veratrin, Hautreize.
Essigvergiftung: Seifenwasser, Sodawasser, Kreide, kohlensaurer Kalk, gebrannte Magnesia, Milch, Excitantien.
Fingerhutvergiftung: Brechmittel, Tannin, Campher, Aether, Atropin, Coffein, Liquor Ammonii anisatus, Wein, Hautreize.
Gerbsäur ever giftung: Eiweiss, Leim, Schleim, Abführmittel.
Glaubersalzvergiftung: Schleim, Opium, Campher, Aether, Ammonium carbonicum.
Grubengasvergiftung: Frische Luft, künstliche Respiration, Hautreize, kalte Begiessungen, Excitantien, Transfusion.
Grünspanvergiftung: Eiweiss, Ferrocyankalium, Eisenpulver, Magnesia usta.
Helleborusvergiftung: Gerbsäure, Opium, Excitantien, Campher.
Herbstzeitlosenvergiftung: Brechmittel, Tannin, Opium, Morphium, Schleim, feuchtwarme Wicklungen, Excitantien.
Höllenstein Vergiftung: Brechmittel, Eiweiss, Kochsalz, verdünnte Salzsäure.
Insectenstiche: Waschung mit Ammoniakwasser, Chlorwasser, Alkohol, Bleiwasser, Abführmittel.
Jod- und Jodoform Vergiftung: Stärkemehl, Mehlwasser, Bromkalium, Bromnatrium, Kalium bicarbonicum, Excitantien, Brechmittel, Abführmittel.
Kali chlorioumvergiftung: Brechmittel, Transfusion, Diuretica, schweisstreibende, speicheltreibende Mittel, Excitantien.
Kiehererbsenver gift ung: Tracheotomie, Coffe'in, Atropin, Strychnin, Veratrin, Hautreize, Abführmittel.
Kochsalz Vergiftung: Viel Wasser, Schleim, Oel, Aether, Campher, Atropin, Coffein, symptomatisch gegen Krämpfe Sedativa.
Kohlenoxydvergiftung: Frische Luft, Transfusion, Excitantien, künstliche Respiration, Hautreize, Mutterkorn.
Kreosotvergiftung: Brechmittel, Schleim, verdünnte Schwefelsäure, schwefelsaures Natrium, Bittersalz, Seife, Excitantien.
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Gegengifte.
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K o r n r a d e v e r g i f t u n g : Abführmittel, Tannin, Schleim, Excitantien,
Kupfer Vergiftung: Abführmittel, Brechmittel, Eiweiss, Ferro-cyankalmra, Eisenpulver, Magnesia usta, Thierkohle, Excitantien.
Laken Vergiftung: Viel Wasser, Schleim, Oel, Excitantien, Sedativa.
Leuchtgasvergiftung: Frische Luft, Hautreize, künstliche Ath-mung, Transfusion.
Lupinenvergiftung: Futterwechsel, Präparirang der giftigen Lupinen, verdünnte Säuren (keine Alkalien!), Eicinusöl, Crotonöl.
Muskarinvergiftung: Atropin, Hyoscin.
M u 11 e r k o r n v e r g i f t u n g: Brechmittel, Abführmittel, Chloralhydrat, Amylnitrit, Gerbsäure, symptomatische Behandlung.
Nieotinvergiftung: Abführmittel, Tannin, Jodlösung, Thierkohle, Excitantien. Pansenschnitt.
01 e a n d e r v e r g i f t u n g: Abführmittel, Schleim, Tannin, Excitantien.
0 p i u m v e r gi f t u n g: Atropin . Hyoscin, Coffei'n, Abführmittel, Excitantien.
Oxalsäurevergiftung: Kalkwasser, Zuckerkalk, Kreide, Magnesia usta, Excitantien, Diuretica.
Petroleumvergiftung: Brechmittel, Hautreize, Aether, Campher, Wein, Ammonium carbonicum, Coffein, künstliche Athmung.
Phosphor Vergiftung: Brechmittel, Abführmittel, altes Terpentinöl, Kupfervitriol, überhaupt Kupfersalze, Kalium permanganicum, Excitantien. Fette und fette Oele sind zu vermeiden.
Physostigminvergiftung: Atropin, Hyoscin, symptomatische Behandlung.
Pilocar pin Vergiftung: Atropin, Hyoscin, Agaricin, Excitantien.
Pilzvergiftung: Abführmittel, einhüllende Mittel, Excitantien, Hautreize.
Ptomainevergiftung: Brechmittel, Abführmittel. Tannin, Jodwasser, Thierkohle, Calomel, Aether, Campher, Coffein, Atropin. Wein, Ammoniak, symptomatische Behandlung.
Quecksilbervergiftung: Eiweiss, Milch, Eisenpulver, Schwefel, Seh wefeil eher, Schwefelwasserstoff, Magnesia usta, symptomatische Behandlung; bei chronischen Vergiftungen Jodkalium.
Ranunkelvergiftung: Brechmittel, Abführmittel, Tannin, Excitantien.
Sabinavergiftun g: Schleimige, einhüllende Mittel, Opium, Morphium.
Salpeter Vergiftung: Schleimige Mittel, Oel, Aether, Campher, Ammonium carbonicum, Hautreize.
Salpeter säur ever giftung: Verdünnte Alkalien, Eiweiss, Schleim, Oel, Opium.
Salzsäurevergiftung: Dasselbe.
Santoninvergiftung: Brechmittel, Abführmittel, Aether, Chloralhydrat, Campher, Wein, symptomatische Behandlung.
Schierlingvergiftung: Brechmittel, Abführmittel, Veratrin, Strychnin, Coffein, Atropin. Aether, Campher, kohlensaures Ammonium, Tannin.
Schlangengift: Local Chlorwasser, Chlorkalkwasser, Lösungen von übermangansaurem Kali, Ammoniakwasser, Carbolwasser, Creolinwasser; innerlich kleine Dosen Alkohol, Aether, Campher, Atropin, Coffein, Hyoscin.
Sehwammvergiftung: Brechmittel, Abführmittel, Excitantien, symptomatische Behandlung.
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Gegengifte.
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Schwefelsäurevergiftung: Verdünnte Alkalien, Kalkwasser, Kreide, Schleim, Oel, Eispillen, Excitantien.
Schwefelwasserstoff Vergiftung: Frische Luft, Aether, Campher, Einathmung von Chlorgas, Excitantien, Hautreize, Transfusion.
Solaninvergiftung: Tannin, Abführmittel, Excitantien.
Strychninvergiftung: Chloralhydrat, Chloroform, Paraldehyd, Hypnon, Aether, Sulfonal, Bromkalium, Curare, Coniin, Morphin, künstliche Athmung, Tannin, Jodwasser.
Taumellolchvergiftung: Abführmittel, Aether, Campher, Atropin, Coffeln, Hautreize.
Terpentinölvergiftung: Schleimige Mittel, Opium, Excitantien.
Veratrin vergiftung: Tannin, Opium, Sedativa, einhüllende Mittel.
Vergiftung mit wildem Mohn: Abführmittel, Tannin, Opium, Morphium, Chloralhydrat, Bromkalium, kalte Sturzbäder auf den Kopf, evacuirende Klystiere.
Wurmfarn Vergiftung: Abführmittel, Excitantien.
Zinkvergiftung: Eiweiss, Sehleim, Milch, Tannin, Opium, Natrium earbonicum und bicarbonicum, Schwefelleber. Gerbsäure. Excitantien.
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Impfung. Inoculatio1).
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Allgemeines über Imiminitiit, Mitigation, Methoden und Zwecke
der Impfung.
Allgemeines über Immunität. Schon seit lange hat man die Beobachtung gemacht, dass das Ueberstehen gewisser Infectionskrank-heiten den Thierkörper bezw. Menschenkörper vor neuen Infectionen schützt. Man nennt diesen Schutz gegen Ansteckung Immunität2) und bezeichnet ehe mit der Eigenschaft der Unempfänglichkeit ausgestatteten Thiere als immunquot; oder refraetärquot; 3) gegen bestimmte Seuchen. Man unterscheidet ferner verschiedene Arten von Immunität. Die Gattungsimmunität besteht darin, dass eine ganze Thiergattung von Natur aus gegen gewisse Infectiouskrank-heiten unempfänglich ist; so ist beispielsweise das Rind gegen Rotz, das Pferd gegen Lungenseuche und Rinderpest, der Hund und die Katze gegen Schweinerothlauf, der Mensch gegen Hühnercholera, das Kaninchen gegen Rauschbrand, das Meerschweinchen gegen Kaninchen-septikämie, alle Thiergattungen endlich gegen Syphilis, Cholera asiatica, Scharlach und Masern immun. Die Gattungsimmunität erstreckt sich sogar auf die Unterrassen einer Gattung; so ist abweichend von den übrigen Schafrassen die algerische Rasse angeb-lich immun gegen Milzbrand. Die deutschen Landschweine und die Yorkshire-Schweine sind gegen Rothlauf viel weniger empfindlich, als die übrigen Schweinerassen, Hausmäuse und weisse Mäuse sind im Vergleiche zu den Feldmäusen vollkommen immun gegen Tuberkulose und Rotz u. s. w. Im Gegensatz zu dieser in unbekannten Gattungs- bezw. Rasse - Eigenschaften gelegenen Disposition gegen
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') inoculare, ursprünglich neue Keime oder Augen (oculus) in einen Baum setzen (oculiren).
2)nbsp; immunitas, Freiheit, freibleiben.
3)nbsp; refrangere, unterbrechen, abschneiden.
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Impfung.
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bestimmte Infectionserreger spricht man von individueller Immunität, wenn einzelne Individuen einer und derselben Thiergattung abweichend von den übrigen gegen diese oder jene Seuche refractär sind. So beobachtet man z. B. nicht selten bei der Maul- und Klauenseuche des Rindes, dass ein gewisser Procentsatz der Tliiere eines Stalles frei von Ansteckung bleibt.
Beide bisher genannte Arten von Immunität, die Gattungs- und die individuelle Immunität fallen unter den Gesammtbegriff der natürlichen Immunität, welche wohl auch als angeborene bezeichnet wird. Hiervon streng auseinander zu halten ist die erworbene Immunität, welche nach dem einmaligen Ueberstehen gewisser Infec-tionskrankheiten für eine gewisse Zeit auftritt (Immunität nach Durchseuchung). Eine solche erworbene Immunität kommt z. B. vor bei den Pocken, beim Milzbrand, bei der Brustseuche, bei der Lungenseuche, Druse, Hundestaupe, beim Eauschbrand, sowie bei den Masern, beim Scharlach, beim Typhus, bei der Cholera und bei der Diphtherie des Menschen.
Die praktische Erfahrung, dass eine derartige erworbene Immunität vielfach existirt. hat schon frühzeitig zu Versuchen geführt, durch eine absichtlich herbeigeführte Ansteckung, also künstlich Schutz gegen eine später etwa erfolgende Infection herbeizuführen. Diese Art von Unempfänglichkeit wird als künstliche Immunität und das angewandte Verfahren als Impfung bezeichnet. Die erste Impfung zum Zweck der Herbeiführung einer künstlichen Immunität ist die Jenner'sche Kuhpockenimpfung beim Menschen (1796)1) gewesen. In der Thierheilkunde sind derartige Impfungen auch schon sehr früh vorgenommen worden (Schafpocken, Lungenseuche, Rinderpest, Maul- und Klauenseuche). In neuerer Zeit haben ausser diesen Seuchen der Milzbrand und Rauschbrand, die Wuth, der Schweinerothlauf, die Hühnercholera, die Brustseuche und der Starrkrampf bezüglich der Herbeiführung einer künstlichen Immunität durch Impfung ein hervorragendes wissenschaftliches und praktisches Interesse auf sich gezogen. Die Impfung ist zu einem werth-vollen Bekämpfungsmittel der genannten Infectionskrankheiten geworden und stellt gewissermassen eine Art innerer Seuchendesinfection und antidotarischer Behandluna; dar. Aus diesem Grunde muss
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') Die im Jahre 1798 in London erschienene berühmte Jenner'sche Denkschrift über Kuhpockenimpfung führt den Titel: An Inquiry into the causes and effects of the variolae vaccinae, a disease discovered in some of the western counties of England, particularly Glaucesterhire and Known by the name of the Cow-pox.
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Impfung.
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sie auch im Anschlüsse an die Desinfectionsmittel und Gegengifte besprochen werden.
Ursachen der Immunität. Die Erklärung des Zustandekommens der Immunität ist von jeher eines der schwierigsten therapeutischen Probleme gewesen. Erst in der neueren Zeit ist es gelungen, mit Hilfe der histologischen, bacteriologischen und chemischen Forschung wenigstens etwas Licht in das Dunkel der vielverworrenen Fragen zu bringen. Speciell die letzten Jahre haben überraschende neue Gesichtspunkte für die Theorie und Praxis der Impfung kennen gelehrt. Ja es ist sogar auf Grund verschiedener experimenteller Thatsachen eine zukünftige Heilung der bisher für unheilbar geltenden Infectionskrankheiten durch gewisse Methoden der Impfung in den Bereich der Wahrscheinlichkeit gerückt worden. Zur Zeit allerdings kann von einer abgeschlossenen Forschung ebensowenig die Rede sein, als von einer befriedigenden Erklärung der Ursachen und des Wesens der Immunität. Man muss sich vielmehr darauf beschränken, über die bisher aufgestellten Theorien und Hypothesen in chronologischer Reihenfolge objectiv zu referiren. Die wichtigsten dieser Theorien über die bei der Impfung und Immunität im Körper sich abspielenden Vorgänge sind folgende:
1.nbsp; nbsp;Die Erschöpfungstheorie (Pasteur). Der erste, von Pasteur aufgestellte Erklärungsversuch der Immunität ging von der beim Studium der Gährung beobachteten Erscheinung aus, wonach Gährungsfermente nach einer gewissen Zeit unwirksam werden, wenn sie nämlich ihrer Nährlösung eine gewisse Menge Nahrmaterial entzogen haben. Ebenso sollen die Infectionserreger dem verseuchten Körper gewisse zu ihrer Entwicklung unentbehrUche Nährstoffe entziehen, so dass derselbe gewissermassen erschöpft ist, und später eindringende pathogene Mikroorganismen keinen geeigneten Nährboden mehr vorfinden. Aehnliches beobachtet man bei der sogen. Bodenmüdigkeitquot; des Erdbodens nach längerer Anpflanzung gewisser Futterstoffe.
2.nbsp; Die Retentionstheorie (Chauveau). Nach dieser Theorie bleiben nach dem Ablaufe der betreffenden Infectionskrankheiten Stoffwechselproducte der Bacterien im Körper zurück, welche die Entwicklung neu eindringender Spaltpilze hemmen, indem sie Gegengifte für dieselbe bilden. Eine ganz ähnliche Anschauung hegt den neueren Erklärungsversuchen zu Grunde.
3.nbsp; Die Anpassungstheorie (Jäger). Dieselbe geht von dem Darwinschen Anpassungsgesetze aus und nimmt an, dass die Körperzellen im siegreichen Kampfe mit den infectionserregenden Pflanzen-
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Impfung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 128
Zeilen (Bacterien) sich eine derartige Uebung und Stärkung erworben haben, dass sie dieselben bei einem späteren wiederholten Eindringen mit Leichtigkeit und ohne sichtbare Mitleidenschaft des Körpers überwinden. Diese erhöhte Lebensenergie, welche sich die Zellen im Kampf ums Daseinquot; erworben haben, soll sich als sogen. Seuchen-festigkeit von einer Zelle auf die andere erblich übertragen.
4.nbsp; Die Phagocytentheorie (Metschnikoff). Die weissen Blutkörperchen (Leukocyten) besitzen bekanntlich unter anderem die Fähigkeit, fremde Gegenstände, wie Fettkügelchen, Eisenpartikelchen, Bacterien u. s. w. in sich aufzunehmen, gewissermassen zu fressen; auf Grund dieser Eigenschaft hat man sie auch Pliagocyten genannt. !Nach Metschnikoff sollen nun die weissen Blutkörperchen zu dem Zwecke die Gefässe verlassen und in Form von Eiterzellen auswandern, um die eindringenden krankheitserregenden Mikroorganismen an Ort und Stelle in sich aufzunehmen, zu fressen, und dadurch für den Körper unschädlich zu machen. Auch die Vermehrung der weissen Blutkörperchen im inficirten Blute (Leukocytose) während des Bestehens der Infectionskrankheiten wird in dem Sinne gedeutet, dass diese Leukocytose einen Naturheilungsvorgang darstellt, wobei die weissen Blutkörperchen in vermehrter Zahl das Blut von den fremden Eindringlingen zu säubern haben. Die M.'sche Theorie, im Wesentlichen eine Cellulartheorie, hat in neuerer Zeit wichtige Stützpunkte sowie entsprechende Modificationen erfahren (vergl. unten).
5.nbsp; nbsp; Die Chemotropismus-Theorie (Hertwig). Die Bewegungsrichtung (Tropismus) der Pflanzen, überhaupt der Zellen, zu welchen bekanntlich auch die weissen Blutkörperchen gehören, wird durch eine Reihe äusserer Einwirkungen bedingt. Die wichtigsten derselben sind die Schwere und das Licht. Man spricht deshalb in der Botanik von einem Geotropismus und Heliotropismus d. h. von Bewegungsrichtungen, welche durch die Schwere (Erde) bezw. das Licht (Sonne) veranlasst werden (ffj = Erde, tjX'.o? = Sonne, tpsrco = wenden, richten). Wenden sich die Pflanzen den betreffenden Faktoren, also z. B. dem Lichte zu, so bezeichnet man dies mit dem Ausdruck positiverquot;, im entgegengesetzten Falle mit dem Ausdruck negativerquot; Heliotropismus. Wie durch Schwere und Licht wird nun die Be-wegungsrichtung der Pflanzen auch durch chemische Substanzen entweder in der Richtung der Anziehung (positiv) oder der Abstossung (negativ) beeinflusst. Diese Einwirkung chemischer Stoffe auf Zellen hat man Chemotropismus oder Chemotaxis der Zellen genannt (Pfeffer). Es ist ferner nachgewiesen worden, dass die
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124nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Immtmitatstheorien,
Einwirkungsintensität der einzelnen chemischen Agentien auf die Zellen von ihrem Concentrationsgnxde abhängig ist. Ein gewisses Concentrationsminimuin wirkt eben noch als Reiz (Schwellenwerth), eine etwas stärkere Concentration wirkt als Reizoptimum, und zwar beide positiv chemotaktiscb. Uebersteigt jedoch die Concentration des chemischen Körpers einen gewissen Grad, so wirkt derselbe negativ chemotaktisch, d. h. er stösst die Zellen von sich ab. Der positive Chemotropismus nimmt also entsprechend der steigenden Concentration des chemischen Körpers erst zu, dann ab, geht weiterhin herab auf Null und wird schliesslich sogar negativ. Wichtig ist ferner das von Pfeffer gefundene Gesetz, dass von der chemotaktischen Substanz eine grössere Menge bezw. stärkere Concentration zur Anziehung der Zellen nöthig ist, wenn sie in der die Zellen umgebenden Flüssigkeit bereis vorher in geringer Menge enthalten war.
Leber hat gezeigt, dass sich die weissen Blutkörperchen in chemotaktischer Beziehung den eitererregenden chemischen Substanzen gegenüber genau so verhalten, wie die Pflanzenzellen. Die eitererregenden Substanzen sind chemische Körper, welche von den Eiterkokken secernirt werden (Phlogosin, Pentaniethylendiamin u. s. w.) und sich in grösseren Mengen in den Extracten künstlicher Culturen vorfinden. Füllt man feine Glasröhrchen mit kleinen Mengen eines Extractes von Staphylococcus pyogenes und bringt sie in den Lymphsack eines Frosches, so wandern die weissen Blutkörperchen massenhaft herbei. Die chemischen Producte des genannten Spaltpilzes besitzen demnach eine starke positive chemotaktische Wirkung auf die weissen Blutkörperchen. Umgekehrt sollen die in den Culturen der Tuberkel- und Rotzbacillen enthaltenen chemischen Körper (Tuberculin, Mallem) einen negativen Chemotropismus besitzen. Nach Her twig beruht die günstige Wirkung der Tuberculinimpfung gegen Tuber-culose darauf, dass das Blut Tuberculosekranker kleine Mengen Tuberculin enthält. Dadurch wird der ursprünglich negative Chemotropismus der eingeimpften Stoffwechselj)roducte der Tuberkelbacillen (Tuber-cubnum Kochii) nach den Pfeffer'schen Gesetzen zu einem positiven, so dass in alle tuberculinhaltigen Organe Leukocyten einwandern, welche daselbst eine demarkirende bezw. heilsame Entzündung hervorrufen.
Die Chemotropismustheorie bildet demnach die Fortentwicklung der Phagocytentheorie. Dadurch, dass die pathogenen Bac-terien bezw. ihre S toff wechselproducte positive chemotaktische Eigenschaften haben, locken sie die weissen
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Immunitatstheoiien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;125
Blutkörperchen heran, welche zum Schütze des Körpers herheieilen und die fremden Eindringlinge vernichten. Besitzt ein pathogener Mikroorganismus jedoch, wie z. B. der Tuherkel-hacillus, negativen Chemotropismus, so kann der Körper nur dadurch von ihm befreit werden, dass man ihm eine grössere Menge des Tu-herkelbacillensecretes (Tuberculin) zuführt, wodurch in Folge der nunmehr stärkeren Concentration des im Körper enthaltenen chemo-taktischen Körpers (Tuberculin) der letztere den weissen Blutkörperchen gegenüber positiven Chemotropismus und dadurch heilende bez w. immuni-sirende Wirkung erwirbt.
(3. Die Serum the rapie (Be bring). Im Gegensatz zu der cellularpathologischen Theorie von Metschnikoff vertritt Bell ring bei der Erklärung der Immunität den humoralpathologischen Standpunkt. Darnach ist die Ursache der Immunität in dem immuni-sirenden Einflüsse des zellenfreien Blutserums zu suchen. Die Körperzellen produciren im Contact mit den patbogenen Mikroorganismen chemische Stoffe mit desinficirender quot;Wirkung, welche auch nach Ablauf der betreffenden Infectionskrankheit gelöst im Blute (Blutserum) circuliren und den Körper gegen das Wiedereindringen der Krankheitserreger schützen. Man hat diese chemischen .Körper des Blutserums Antitoxine oder Alexine (aXs^siv = abwehren) benannt. Ihre Wirkung ist entweder gegen die patbogenen Bacterien selbst gerichtet, welche getödtet bezw. in ihrer Entwicklung gehemmt werden (Immunisirung im engeren Sinne), oder gegen die giftigen Stoffwechselproducte der Bacterien, die sogen. Toxine, gegen welche die Antitoxine chemische und physiologische Gegengifte darstellen (Giftfestigkeit).
Die antibacterielle bezw. antitoxische Eigenschaft des Blutserums künstlich immunisirter Thiere ist neuerdings experimentell mit Erfolg zur Immunisirung (Schutzimpfung) gesunder und sogar zurHeilung bereits inficirter Thiere (Heilimpfuug) verwerthet worden (Serumtherapie). Dadurch, dass man künstlich immun gemachten Versuchsthieren Blut bezw. Blutserum entzog und dieses Blutserum anderen Thieren sub-cutan injicirte, verschaffte man ihnen gewissermassen ein anderes, neues Blut und damit dieselben Eigenschaften und Fähigkeiten desjenigen immunen Thieres, von welchem das Blutserum gewonnen war. Bei den nachfolgenden Infectionskrankheiten ist bisher durch die Serumtherapie Immunität bezw. Heilung erzielt worden: beim Starrkrampf, bei der Diphtherie, beim Sehweinerothlauf, bei der Pneu-
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monie und bei der Cholera. Die betreffenden Untersuchungen und Entdeckungen sind von Behring, Kitasato, Emmerich, Buchner, Mastbaum, Klemperer, Schütz, Tizzoni, Catani, Vaillard, Foa,Parsini u. A. gemacht worden. Nach Ehrlich lässt sich das Blutserum von Thieren sogar gegen Pflanzengifte immunisiren und dann als Antitoxicum verwerthen. Durch methodisches Verfüttern von ßicin, dem Toxalbumin der Bicinussamen, d. h. durch langsame Steigerung der Dosen, können Mäuse so an das Eicin gewöhnt (ricinfest, ricinimmun) werden, class sie das 200fache der sonst tödtlichen Dosis vertragen. Ausserdem hebt das Blutserum derartig ricinfester Thiere andern Thieren eingeimjfft die G-iftwirkung des Bicins völlig auf (Anti-ricin) und vererbt diese Immunität auch auf die Jungen ricinfester Weibchen. Dasselbe beobachtet man bei Versuchen mit Abrin (Paternostererbsen).
Ehrlich hat auch gezeigt, dass die Uebertragung der Immunität von einem Thiere auf das andere nicht bloss durch das Blutserum, sondern auch durch die Verfütterung von Milch des immunisirten Thieres möglich ist. Es wurde dies experimentell beim Starrkrampf und beim Typhus nachgewiesen. Die in der Milch enthaltenen Antitoxine laquo;gelangen demnach unverändert durch den Verdauungscanal in die Blutbahn. Die immunisirende Kraft des Bhitserums ist dem Im-munitätsgrade der blutliefernden Thiere proportional, d. h. sie ist um so stärker, je höher das Stadium künstlicher Immunisirung bei den betreffenden Thieren war. Man hat den Immunitätsgrad des Blutserums neuerdings in Zahlen ausgedrückt. Wird z. B. eine 20 kg schwere Ziege durch die subcutane Injection von 50 g Blutserum einer künstlich tetanusimmun gemachten Ziege vor der Infection mit der tödtlichen Minimaldosis einer Starrkrampfbacillencultur geschützt, so beträgt der Immunisirungswerth des betreffenden Blutserums 400 (50:20000 = 1:400). Zur Heilung nach bereits stattgefundener Infection (postinfectionale Impfung) sind viel grössere Mengen Blutserum nöthig, als zur blossen Immunisirung (präinfectionale Impfung); im Allgemeinen sind um so höhere ImmunisirungSAverthe erforderlich, je später die Serumtherapie nach erfolgter Infection eingeleitet wird.
7. Die Antikörpertheorie (Brieger-Wassermann). Im Blute des gesunden Thierkörpers circuliren stets Enzyme, Leukomai'ne und andere stark giftige Körper, ohne eine Intoxication zu verursachen. Nach Wassermann ist dies darauf zurückzuführen, dass gewisse Zellen und Zellanhäufungen im Körper antitoxische Substanzen enthalten, welche jene giftigen Substanzen vernichten. Insbesondere
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Immunitätstheorien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;127
sollen diese antitoxische Function besitzen die weissen Blutkörperchen, die Lymphdrüsen, die Thymusdrüse, die Schilddrüse. Dringen patho-gene Bacterien ins Blut ein, so entsteht sofort unter dem Einflüsse der Bacterien-Toxine eine Leukocytose, die weissen Blutkörperchen zerfallen, ihre antitoxischen Substanzen werden frei und vernichten das Gift der Bacterien. Neben dieser Naturheilung läuft der davon ganz verschiedene Immunisir ungsprocess einher, welcher darin besteht, dassdieantitoxischenZerfallsproducteder weissen Blutkörperchen (Lymphdrüsen-, Thymusdrüsen-, Schilddrüsen-Zellen) sich ausserdem mit dem Protoplasma der Bacterien zu einem neuen Antikörperquot; oder Immun-p rote inquot; vereinigen, dessen An Wesenheit im Blute Immunität gegen eine erneute Invasion der betreffenden pa-thogenen Bacterien verschafft. Diese Theorie stützt sich auf die experimentell festgestellte Thatsache, dass der wässrige Auszug der Thymusdrüse des Kalbes in hohem Grade die Fähigkeit besitzt, die Toxine verschiedener pathogener Bacterien (Tetanus, Cholera, Typhus, Erysipel) ausserhalb und innerhalb des Thierkörpers zu vernichten bezw. bei Vermischung mit den Culturen der genannten Bac-teriensorten nach der Einimpfung Immunität zu erzeugen (vergl. unten). Die Abschwächung (Mitigation1), Attenuation2) des Infec-tionsstoffes. Bei jeder Schutz- oder Heilimpfung ist in erster Linie dafür Sorge zu tragen, dass der Infectionsstoff in abgeschwächter, gemilderter (mitigirter), verdünnter (attenuirter) Form zur Anwendung gelangt, da er bei ungeschwächter, unbehinderter Wirksamkeit naturgemäss eine schwere bezw. tödtliche Infection zur Folge hat. Die Mittel und Wege zur Abschwächung sind nun sehr verschieden. Die wichtigsten derselben sind, in historischer Reihenfolge, die nachstehenden.
1.nbsp; Die Einführung kleinster Mengen des Infectionsstoff es. Da die Wirkung eines pathogenen Spaltjulzes um so stärker ausfällt, je grosser die Menge der in den Körper eingedrungenen Bacterien ist, so hat man bei jeder Impfung dafür Sorge zu tragen, dass nur minimale Mengen des Infectionsstoffes übergeimpft werden, weil sonst die ursprüngliche Infectionskrankheit in ungeminderter Stärke zum Ausbruch kommt.
2.nbsp; nbsp;Die Wahl einer anderen Eintrittstelle des Infection sst off s. Unter gewöhnlichen Verhältnissen erfolgt bei den
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') mitigare, mildern, besänftigen.
-) tenuis, dünn: attenuatio, Verdünnung, Abschwächung.
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\2Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mitigation ties Infectionsstofts.
meisten Seuchen die Aufnahme des Contagiums durch die inneren Organe, namentlich durch den Respirations- und Digestionsapparat.
Es ist dies unter anderen nachgewiesen bei der Lungenseuche, Maul-und Klauenseuche, Rinderpest, Pockenseuche, Rothlaufseuche der Schweine und Geflügelcholera. Dadurch, dass man bei den genannten Krankheiten den Infectionsstoft' absichtlich von einer anderen Seite her, so z. B. von der Haut und Unterhaut aus, in den Körper eindringen lässt, wird derselbe in wesentlich andere Lebensverhältnisse gebracht und es wird ausserdem bewirkt, dass er nur sehr langsam und immer nur in sehr kleinen Quantitäten zur Aufnahme gelangt. Diese Art der Abschwächung ist in der Thierheilkunde bis vor Kurzem aus-schli esslich zur Anwendung gelangt und besitzt auch für die Gegenwart und Zukunft der Impfung bleibende Bedeutung. So impft man zur Zeit das Contagium der Pocken und Aphthenseuche behufs Milderung des Krankheitsverlaufes in die Haut bezw. Schleimhaut (cutan). das der Lungenseuche, Rothlaufseuche, Hühnercholera, Rinderpest u. s. w. in die Unterhaut (subcutan). Man wählt ferner mit Vorliebe Körperstellen aus, welche vom Herzen möglichst weit entfernt sind und sich durch eine sehr langsame Resorption auszeichnen (Schweifspitze, Flügelspitze, Ohren).
3.nbsp; nbsp;Die Einwirkung höherer Temperaturgrade. Jeder Spaltpilz besitzt sein Temperaturoptimum und Temperaturmaximum. Höhere Temperaturgrade schwächen seine Lebensenergie und vernichten dieselbe schliesslich. Man ist daher im Stande, die giftige Wirkung der einzelnen Infectionsstoffe durch Anwendung bestimmter höherer Temperaturgrade zu mildern. Die Herabsetzung der Virulenz durch 1015 Minuten langes Erwärmen auf 5055deg; C. ist zuerst beim Milzbrandbacillus nachgewiesen worden (Toussaint). Grosse praktische Bedeutung hat das Erwärmungsverfahren bei der Pasteur-schen Milzbrand-Schutzimpfung erlangt, bei welcher die Milz-brandbacillen zunächst 24 Tage lang einer constanten Temperatur von 4243deg; C. (Premier vaccin) und sodann nur 12 Tage hindurch ebenderselben Temperatur ausgesetzt werden (Second vaccin). Dadurch, dass die Thiere zuerst mit dem stark abgeschwächten Premier vaccin und 1014 Tage hernach mit dem weniger stark (nur 12 Tage lang) abgeschwächten Second vaccin subcutan geimpft werden, seuchen sie in ganz gelinder Form durch und erwerben sich Immunität. In ähnlicher Weise lassen sich die übrigen Infectionsstoffe (Rauschbrand, Pocken etc.) behandeln.
4.nbsp; Die Eintrocknung. Ebenso wie durch höhere Hitzegrade
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Mitigation des Impfstoffs.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;129
lässt sich die Virulenz mancher Contagien durch Eintrocknen (Wasserentziehung) herabsetzen. Diese Mitigationsmethode ist bei der Pasteur-schen Wuthimpfung sowie bei der Eauschbrandimpfung (Kitt), zum Theil auch bei der Kuhpockenimpfung (Vaccination) praktisch verwerthet worden. Das Pasteur'sche Verfahren besteht darin, dass das Rückenmark wuthkranker Kaninchen in kleinen Stücken in Flaschen aufgehängt und getrocknet wird; zur Beschleunigung des Austrocknens ist der Boden der Flaschen mit Aetzkalistttcken bedeckt, gleichzeitig wird die Temperatur der Flaschen constant auf 20deg; C. gehalten. Dadurch wird die Giftigkeit des Wuthcontagiums in der Weise herabgesetzt, dass es nach 12 Tagen Trocknung 7 Tage, nach 3 bis 5 Tagen 8 Tage, nach 6-9 Tagen 15 Tage u. s. w. braucht, bis es seine virulente Wirkung entfaltet. Indem nun anfangs schwächere und später successive immer virulentere Proben der eingetrockneten Impfstücke zur subcutanen Application gelangen, wird bei den Impfthieren (und beim Menschen) allmählich Immunität erreicht.
5. Die progressive Einimpfung stärkerer Impfstoffe. Dadurch, dass anfangs stark abgeschwächte, später weniger stark abgeschwächte Contagien eingeimpft werden, erfährt der Organismus eine allmähliche Angewöhnung an das Contagium. Das Verfahren wird bei der bereits geschilderten Pasteur'sclien Wuthimpfung, ferner bei der oben beschriebenen Pasteur'sclien Milzbrandimpfung, ausserdem neuerdings bei der Starrkrampfimpfung und andern Seuchen angewandt.
G. Die längere Fortzüchtung des Infectionsstoffs. Wie Pasteur zuerst gezeigt hat, nimmt die Giftigkeit eines pathogenen Spaltpilzes mit der Zeitdauer seiner Fortzüchtung in künstlichen Nährlösungen ab. Speciell der Milzbrandbacillus verliert bei länger andauernder Cultivirung fortgesetzt an Virulenz (vergl. das Pasteur'sche Impfverfahren) und büsst dieselbe schliesslich ganz ein. Aehnliche Beobachtungen hat man bei der Hühnercholera, Lungenseuche, Pockenseuche und andern Infectionskrankheiten gemacht.
7. Die Einwirkung von Desinfectionsmitteln. Ein Zusatz von antiseptischen Stoffen zu den Culturen der Infectionserreger setzt ebenfalls ihre Virulenz herab. Diesbezügliche Erfahrungen sind mit Carbolsäure, chromsaurem Kali (Toussaint), Jodtrichlorid (Behring), Sauerstoff (Chauveau und AVossnessenski) und anderen Desinficien-tien beim Milzbrand, Tetanus, bei der Pockenseuche, Diphtherie u.s. w. gemacht worden. Auch das Sonnenlicht (Arloing), sowie gewisse
Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
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130nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Impfmethoden.
physikalische Factoren (hoher Athmosphärenclruck) scheinen eine Mitigation der Contagien zu bedingen.
8.nbsp; nbsp;Die Durchführung des Infectionsstoffes durch den Körper anderer Thierspecies. Die Uebertragung einiger Infections-stoffe auf gewisse andere Thierspecies hat eine wesentliche Milderung ihrer Virulenz zur Folge. Am bekanntesten ist die Ueberimpfung des menschlichen Pockengiftes auf das Rind und die Rückimpfung des-dadurch bedeutend abgeschwächten Virus auf den Menschen (Kuhpockenimpfung Jenner's). Dasselbe gilt für das Wuthgift (Affen), die Milzbrandbacillen (Hammelblut, Frösche), die Lungenseuche und andere Krankheiten.
In manchen Fällen beobachtet man bei der Durchführung des Contagiums durch den Körper eines anderen Thieres umgekehrt eine Steigerung seiner Virulenz (Wuth Kaninchen und Meerschweinchen).
9.nbsp; Die Einimpfung fremder Bacterien. Nach Emmerich sollen abgeschwächte Erysipelculturen, nach Pawlowsky Pneumonic-coccen, Staphylococcus aureus und Bacillus prodigiosus die Giftigkeit der Milzbrandbacillen vermindern bezw. aufheben.
10.nbsp; nbsp;Einwirkung von Thymus-Extract. Nach Brieger,, Kitasato und Wassermann besitzt der wässerige Extract der Thymusdrüse, Schilddrüse und Lymphdrüsen bei Zusatz zu Culturen des Tetanusbacillus, Cholerabacillus, Diphtherie- und Typhusbacillus die Fähigkeit, diese Bacterien in ihrer Wirkung abzuschwächen und selbst zu vernichten (Thymus-Immunisirung).
Die verschiedenen Impfmethoden. Je nach der Körperstelle, von welcher aus man den Infectionsstoff einimpft, unterscheidet man verschiedene Methoden der Impfung. Die wichtigsten sind die cutane,. subcutane, interstitielle, intravenöse, intracranielle, intra-peritoneale, intrathorakale, intratracheale, intraoculare, corneale, galactifere und stomachikale Impfmethode.
1. Die cutane oder endermatische Impfung besteht in einer oberflächlichen Verletzung der Epidermis der Haut und Bloslegung der tieferen Schichten des Rete Malpighi. Keinesfalls darf die Subcutis erreicht werden. Die Impfung wird mit einer Impflancette oder Impfnadel womöglich so ausgeführt, dass keine Blutung stattfindet. Durch das hervorquellende Blut wird nämlich der Infectionsstoff wieder von der Haut abgehoben. Die cutane Impfung wird z. B. ausgeführt bei der Ovination der Schafe (Pockenseuche) und der Vaccination des Menschen (Kuhpocken). Der cutanen Methode entspricht die Schleimhautimpfung, wobei ebenfalls nur eine oberflächliche
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Impfmethoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 131
Verletzung des Epithels stattfindet und die Submucosa zu vermeiden ist; sie wird z. B. bei der Aphthenseuche des Rindes an der Maulschleimhaut sowie bei der ßotzkrankheit des Pferdes an der Nasenschleimhaut vorgenommen. Zur oberflächlichen Verwundung der Schleimhaut genügt meist starkes Reiben derselben.
2.nbsp; Die subcutane oder hypodermatische Impfung wird entweder mit einer Pravaz'schen Injectionsspritze (Milzbrandspritze nach Pasteur, Koch'sche Injectionsspritze, Löfl'ler'sche Spritze) oder mit einer gerinnten Impfnadel (Sticker'sche Impfnadel), oder durch Einschneiden der Haut mit einer Scheere und Bildung einer Hauttasche (Mäuse, Meerschweinchen, Kaninchen, Tauben, Hühner) ausgeführt. Man benützt diese Methode beim Milzbrand, Rauschbrand, bei der Lungenseuche, Rothlaufseuche, Hühnercholera, Rinderpest u. a. Seuchen. Die subcutane Impfung darf nur unter strengster Beachtung aller aseptischen Cautelen vorgenommen werden.
3.nbsp; Die interstitielle öder intermuskuläre Impfung besteht in dem Einspritzen des Impfstoffes in das interstitielle Gewebe der Muskeln. Sie ist also eine wesentlich tiefere Impfung, als die subcutane und wird beispielsweise zu diagnostischen Zwecken beim Rauschbrand und bei der Tuberkulose (Tuberkulin) verwerthet.
4.nbsp; Die intravenöse Impfung bezweckt das directe Einbringen des Infectionsstofi'es in die Blutbahn durch Anstechen einer Vene mittelst einer Pravaz'schen Spritze und Einspritzen des Impfstoffes in dieselbe nach Art der intravenösen Injection von Arzneien. Sie wurde früher beim Rauschbrand empfohlen, hat aber zur Zeit nur eine diagnostische Bedeutung (Ohrvene bei Kaninchen).
5.nbsp; Die intracranielle Impfung wird nur bei der Wuth zu diagnostischen Zwecken vorgenommen. Sie besteht in der Trepanation der Schädeldecke von Kaninchen (Pasteur'scher Trepan) und im Einbringen des Impfstoffes unter die Dura mittelst einer eigens hierzu construirten, abgebogenen Spritze.
6.nbsp; nbsp;Die intraperitoneale Impfung hat eine grosse Bedeutung erlangt für die Diagnose der Tuberkulose. Sie besteht in der Injection von infectiöser Milch etc. in die Bauchhöhle und wird am einfachsten mittelst einer gewöhnlichen Injectionsspritze ausgeführt. Complicirtere Apparate sind von Schmidt-Mülheim und Bang empfohlen worden.
Die intrathorakale Impfung, d. h. die Einspritzung des In-fectionsstoffes in die Brusthöhle, ist bisher ohne praktische Bedeutung geblieben.
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132nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Arten der Impfung.
Dasselbe gilt für die intratraclieale Impfung (Injection) und die Inhalationsimpfung (Einathmenlassen zerstäubten infectiösen Materials).
7.nbsp; Die intraoculare Impfung besteht in dem Einbringen des Infectionsstoifes mittelst einer feinen Spritze durch die coca'inisirte Cornea hindurch in die vordere Augenkammer. Sie wird als diagnostische Impfung bei der Wuth sowie zur Gewinnung von Rein-culturen der Tuberkelbacillen (Kaninchen) ausgeführt.
Weniger Bedeutung hat die corneale Impfung, d. h. das Einimpfen des Infectionsstoifes in die Hornhaut durch einen ganz oberflächlichen seitlichen Einstich in dieselbe (analog der cutanen Impfung).
8.nbsp; nbsp;Als galactifere Impfung bezeichnet man Injectionen ins Euter durch den Zitzencanal mittelst trokarartiger Spritzen oder Melkröhrchen (Mastitispilze).
9.nbsp; Die Fütterungsimpfung endlich besteht in der Verfütterimg infectiösen Materials an Versuchsthiere (Tuberkulose, Milzbrand, Hühnercholera etc.).
Zwecke der Impfung. Während man früher die Impfung fast ausschliesslich als sogen. Schutzimpfung bei gesunden Individuen zur Erzielung einer Immunität im Hinblick auf die Möglichkeit einer späterhin etwa stattfindenden Infection ausführte, hat man in neuerer Zeit mit der Impfung auch noch andere Zwecke verfolgt. In erster Linie muss die neuerdings in den Vordergrund des therapeutischen Interesses gerückte Heilimpfung hervorgehoben werden. Dieselbe bezweckt dem betr. Individuum Hilfe zu bringen, trotzdem die Infection bereits stattgefunden hat (postinfectionale Impfung), während die Schutzimpfung längere oder kürzere Zeit vor der Infection vorgenommen wird (praeinfectionale Impfung). Ausserdem ist .die Impfang in neuerer Zeit vielfach zum Dienst der Diagnosestellung herangezogen worden. Diese diagnostische Impfung bezweckt weder Schutz noch Heilung, sondern im Gegentheil den möglichst raschen und augenfälligen Ausbruch der betr. Infectionskrankheit bei Versuchsthieren oder auch die Entstehung von Fieber (Tuberkulin, Mallem) zum Zwecke der Feststellung des Vorhandenseins der Seuche. Man hat demnach folgende Arten der Impfung wohl zu unterscheiden :
1.nbsp; Die Schutzimpfung (praeinfectionale Impfung).
2.nbsp; nbsp;Die Heilimpfung (postinfectionale Impfung).
3.nbsp; nbsp;Die diagnostische Impfung.
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Schutzimpfmig.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;133
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I. Die Schutzimpfung.
Unterarten. Je nach dem Zeitpunkte, in welchem die Impfung vor dem Ausbruch einer Infectionskrankheit bei den noch gesunden Thieren vorgenommen wird, unterscheidet man drei Unterarten der Schutzimpfung: Die Schutzimpfung im engeren Sinne. die Vorbauungsimpfung und die Nothimpfung.
Schutzimpfung im engeren Sinne. Dieselbe wird in ganz gesunden Stallungen und Gegenden in seuchefreien Zeiten und bei sämmtlichen Individuen zu dem Zwecke vorgenommen, um den vorerst ganz ungefährdeten Thieren für alle Fälle Immunität gegen den etwaigen Ausbruch der betr. Seuche zu verschaffen. Ein gutes Beispiel einer derartigen Schutzimpfung im engeren Sinne bietet die Pockenimpfung beim Menschen (Vaccination). Auch in der Thierheil-kunde war früher die Schutzimpfung der Schafpocken gebräuchlich (Ovination), d. h. es wurden sämmtliche Schafe eines Landes geimpft, auch ohne dass die Pockenseuche irgendwo ausgebrochen war. Wegen der grossen Gefahr der Verschleppung, Ausbreitung und gewissermassen künstlichen Züchtung der Seuche hat man indessen die Schutzimpfung im engeren Sinne, die Vaccination ausgenommen, allenthalben verworfen.
Vorbauungsimpfung. Dieselbe hat wohl auch die Bezeichnung Praecautionsimpfung (Praeventivhnpfung) und wird in seuchenfreien Stallungen dann vorgenommen, Avenn der Viehbestand durch eine in der Nachbarschaft ausgebrochene Seuche bedroht wird und die Wahrscheinlichkeit vorliegt, dass derselbe in Bälde davon ergriffen wird. Die Vorhauungsimpfung ist besonders für solche Gegenden von Bedeutung, in welchen aus örtlichen oder wirthscliaftbchen Gründen eine Seuche stationär ist (Milzbrand, Bauschbrand, Lungenseuche, Binderpest, Schafpocken, Bothlaufseuche) und wo nach Lage der Verhältnisse von veterinärpolizeilichen Massregeln allein ein wirksamer Schutz gegen die Verbreitung der Seuche nicht zu erwarten ist.
Nothimpfung. Dieselbe wird bei den noch gesunden Thieren eines bereits verseuchten Stalles (Gehöftes, Herde) vorgenommen und am häufigsten bei der Maul- und Klauenseuche, ausserdem bei der Pockenseuche, Lungenseuche, Influenza der Pferde oft ausgeführt. Sie ist angezweigt 1. wenn die Ansteckung der noch gesunden Thiere
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134nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schutzimpfung:.
nicht verhütet werden kann; 2. wenn Garantie gegeben ist, dass die künstlich geimpften Thiere leichter durchseuchen; 3. wenn das möglichst rasche Durchseuchen des ganzen ' Stalles (Herde) im privaten oder allgemeinen wirthschaftlichen Interesse liegt (Abkürzung der Seuchendauer und damit der polizeilichen Sperrmassregeln und ökonomischen Nachtheile). quot;Wird die Nothimpfung gesetzlich angeordnet (Schafpocken), so wird dieselbe als Zwangsimpfung bezeichnet. Die Nothimpfung bildet für die Hausthiere unzweifelhaft die wichtigste Schutzimpfung. Es empfiehlt sich in jedem Falle wohl zu überlegen, ob nicht die wirthschaftlich tief einschneidende Mass-regel der Yorbauungsimpfung durch das mildere Verfahren der Noth-impfung ersetzt werden kann.
Die Schutzimpfung bei den einzelnen Thierseuchen. Die Frage der Schutzimpfung ist während der letzten zwei Decennien von Pasteur neu angeregt worden. Zahlreiche und wichtige Untersuchungen und praktische Erfahrungen sind für die Thierheilkunde während dieses Zeitraums angestellt und erworben worden. Kein Gebiet der Therapie, mit Ausnahme der Desinfection, hat in der letzten Zeit so viel Förderung erfahren, wie die Seuchenimpfung. Trotzdem aber sind wir von einer endgiltigen Lösung der Impffrage noch sehr weit entfernt. Es ist daher auch zur Zeit nicht möglich, eine abgeschlossene Darstellung der einzelnen Schutzimpfungen zu geben. quot;Wenn auf irgend einem Gebiet die Gewinnung eines sicheren ürtheils schwierig ist, so ist es vor allem das Gebiet der Impfung. Wie bei der Desinfection befindet sich hier alles noch im Fluss. Es sollen daher im Nachstehenden die bisherigen Resultate in möglichst kurzer und objective!- Weise referirt werden. Eine ausführlichere Darstellung der Schutzimpfungen hat Kitt (1886) geliefert.
Die Thierseuchen, für welche die Impfung zur Zeit praktische
Bedeutung hat, sind: der Milzbrand und Rauschbrand, die
Lungenseuche, die Wuth, die Maul- und Klauenseuche, die
Schafpocken, die Rinderpest, die Rothlaufseuche der Schweine
und die Geflügelcholera.
Milzbrand. 1. Impfteclinik. Die ersten Schutzimpfungen sind von Toussaint ausgegangen (1880). Derselbe erwärmte defibrinirtes Milzbrandblut 1015 Minuten lang auf 5055deg; C. und benützte es dann unmittelbar als Impfstoff. Pasteur wies (1881) nach, dass die Immunität durch eine Abschwächung der Bacillen hergestellt wird. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Virulenz der Milzbrandbacillen durch verschiedene Mittel abgeschwächt werden kann: durch Wärmeeinwirkung (Pasteur, Toussaint, Chauveau). durch comprimirten Sauerstoff (Chauveau und Wosnessenski), durch Antiseptica (Chamberland und Eoux), durch
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Milzbraiidiuipfung.
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#9632;Sonnenlicht (Arloing). Man kann sie auch dadurch abschwächen, dass man die Bacillen auf dem Blute geimpfter Hammel (Metscbnikoff) oder dem Körper von Fröschen züchtet (Lubarsch).
Pasteur erzeugt seinen Impfstoff (Vaeein) durch Züchtung der Bacillen bei 4243deg; C. unter Säuerst off zutritt und zwar einen ersten, schwächeren (premier Vac ein) durch eine 24 Tage, #9632;einen zweiten stärkeren (second Vaccin) durch eine 12 Tage lang fortgesetzte Züchtung bei genannter Temperatur. Zuerst werden die Thiere mit dem premier Vaccinquot; und dann 1014 Tage darnach mit dem second Vaccinquot; geimpft. Die Technik bei der Impfung nach der Pasteur sehen Methode ist folgende: die aus dem Pasteur'schen Laboratorium stammenden Gläser (zu beziehen durch Boutroux in Paris, Rue Vaucquelin 28 zu 2ö Pranken pro 50 Rinder oder 100 Schafe) müssen sofort und auf einmal zur Verwendung kommen ; dabei dürfen sie aber erst unmittelbar vor der Impfung geöffnet werden. Zur Impfung bedient man sich einer Grammspritze (ebenfalls bei Boutroux zu 35 Franken zu beziehen), welche in 8 Theile abgetheilt ist. Nachdem die Spritze vor jedem Gebrauche genau gereinigt und desinficirt worden ist, schüttelt man zunächst die Lymphtube, welche den premier Vaccin enthält, stark um, nimmt den Verschluss ab und füllt die Spritze direct aus der Tube. Ein Achtel des Inhalts wird dann dem betreffenden Schafe an der inneren Seite des rechten Hinterschenkels subeutan injicirt, worauf die Stichöffnung mit dem Daumen verschlossen wird. Nach 1214 Tagen wird die zweite Impfung mit dem second Vaccin in derselben Weise vorgenommen. Rindern spritzt man den vierten Theil des Spritzeninhaltes ein, die Impfstelle befindet sich hinter der rechten (I. Vaccin) und linken (II. Vaccin) Schulter: vor der Impfung sind die Haare abzuscheeren. Hochträchtige Kühe, Lämmer und Kälber sollen -nicht geimpft werden.
Chauveau hat neuerdings ein Schnellbereitungsverfahren für den Pasteur'schen Impfstoff eingeführt. Er erwärmt die Culturen 10 Stunden auf 43deg; C, dann 3 Stunden auf 47-49deg; C, hierauf nach Erneuerung des Nährbodens 2 Tage auf 3537 0 C. (zur Sporenbildung) und zuletzt auf 80deg; C.: er hat auch eine Abschwächung durch com-primirte Luft vorgeschlagen. Chamberland und Roux schwächen die Bacillen durch Arzneimittel ab, so durch 24tägige Einwirkung der Carbol-säure (1 ; 600), oder eine lOtägige von doppelchromsaurem Kali (1 : 2000 bis 5000). Gibier stellt seinen Impfstoff durch Abkühlung der Bacillen auf #9632;45deg; C. her. Kitt hat seine Abschwächung der Bacillen in der Weise #9632;erzielt, dass er sie durch den Körper von Tauben hindurchführte. Chauveau und Perroncito haben endlich einen besonderen Impfstoff für Rinder und für Schafe hergestellt und zwar statt der bisherigen zwei nur einen einzigen (Erwärmung der Bacillen auf 3738 0 C. 5 Tage hindurch). Die neueste Chauveau'sche Impfmethode besteht darin, dass die den Impfstoff enthaltenden, zugeschmolzenen Glasröhren an der Spitze abgebrochen werden, worauf der Vaccin mit einer Pravaz'schen Spritze subeutan an der oberen Fläche der Ohrmuschel eingespritzt wird, jedoch nur 1 Tropfen pro Thier.
2. Impfstatistik. In Frankreich, dem Mutterlande der Milzbrandimpfung, sind in den Jahren 18821886 nicht weniger als 1,150,000 Schafe und 110,000 Rinder geimpft worden. Bei den Schafen soll dadurch die Mortalitätsziffer des Milzbrandes von 10 0/o auf 10/o, bei den Rindern von 5 auf 0,5 0/o gesunken sein. Im Jahre 1887 wurden 6403 Rinder und 28,234 Schafe geimpft: die Impfverluste betrugen 0,15 resp. 0,52 0/o.
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In Oesterreich wurden in den Jahren 18821887 nach Pasteur 350,000 Schafe und 130,000 Rinder geimpft. Die Mortalitätsziffer soll dadurch von 1014 quot;/o auf 120/o gefallen sein.
In Ungarn betrug 1889 die Sterblichkeitsziffer von 3270 geimpften Rindern 0,27 0/o, während sie in früheren Jahren zwischen 612 quot;ja schwankte; von 22,767 Schafen starben 2,18 0/o, anstatt 100/o früherer Jahre. 1890 wurden 21,289 Rinder und 190,229 Schafe geimpft; von den ersteren starben 0,37 0/o und von den Schafen 2lgt;(o. Bei Vornahme der Impfung in verseuchten Herden soll der Seuchegang aufgehalten worden sein. Die Impfung wurde vorgenommen ohne das Alter, die Rasse oder das Geschlecht zu berücksichtigen. (H u t y r a, Jahresbericht über das Veterinär-Wesen in Ungarn 1891.)
In Russland wurden 1888 im Bezirke Cherson 20,000 Schafe geimpft (Skadowski); der Impfverlust betrug 0,50/o, von den geimpften Schafen gingen nachher an natürlichem Milzbrand zu Grunde 0,3 0/o, Ge-sammtverlust = 0,8 0|o, Unter den nicht geimpften Herden sollen die Verluste an Milzbrand 1033 0/o betragen haben. Die nach dem 8. Monate der Trächtigkeit geimpften Schafe erzeugten immune Lämmer. Die Impfverluste bei den Rindern (155 Stück) betrugen 0,750/o. Skadowski empfiehlt die Schutzimpfung gegen Milzbrand überall da, wo die Verluste bei natürlichem Milzbrand jährlich 2 n'o und darüber betragen. In der Krim wurden im Jahre 1888 4564 Schafe mit einem aus Odessa bezogenen Impfstoffe geimpft (Bardach). Davon starben (angeblich in Folge einer Verwechslung beider Impfstoffe, des 1. und 2.) 3478 Schafe = 800/o. Im Odessaer Kreise ergaben die Impfungen mit Pasteur'schem Impfstoffe ebenfalls ungünstige Resultate (Gamaleia). Nach Wysokowicz betrug im Chersoneser Bezirk der Impfverlust bei Pasteur'scher Methode anfangs fast 20io (1885); dagegen starben von den 18851888 schutzgeimpften 20,000 Schafen nur 170 = 0,87 n/o. Nach Woronzow fielen von 7000 im Jahre 1890 geimpften Schafen 1,25 0/o, von 200 Rindern dagegen keines; früher soll dagegen der jährliche Verlust 1012 0/o betragen haben.
In Italien hat sich neuerdings (1890) der frühere eifrige Impffreund Vicentini gegen die Impfung ausgesprochen. In der Provinz Belluno starben von 168 geimpften Thieren 18. Die übrigen an 3000 Rindern vorgenommenen Impfungen ergaben als Misserfolge: Milchnachlass, einige schwere Oedeme, einige Aborten und einige Todesfälle.
In Preussen sind namentlich auf der Domäne Pakisch von 1882 bis 1886 alljährlich Impfungen nach Pasteur von O e m 1 e r ausgeführt worden. Der Erfolg ist weder bei den geimpften Schafen, noch bei den geimpften Rindern ein befriedigender gewesen, indem von ersteren im Mittel 4,2 n/o, von letzteren 1,4 0/o an Milzbrand starben. Unter den an Milzbrand gefallenen befanden sich sogar wiederholt geimpfte Thiere. Im Jahre 1887 wurden 143 meist schon Imal oder öfters vorgeimpfte Rinder, 586 desgleichen Schafe und 185 Lämmer geimpft; davon starben 10 mehrmals vorgeimpfte Schafe, 1 Rind und 2 Lämmer an Milzbrand. Im Jahre 1888 wurden 209 öfters vorgeimpfte Rinder, 308 desgleichen Schafe und 126 Lämmer geimpft; es starben 2 Schafe und 2 Lämmer. Gegenüber den Controlthieren Hess sich eine wesentliche Schutz Wirkung der Impfung nicht constatiren.
3. Impfresultate. Für Schafe ist die Pasteur'sche Schutzimpfung im Allgemeinen nicht zu empfehlen. Sehr häufig erzeugt dieselbe nämlich bei Schafen gar keine oder nur eine sehr minimale Immunität, welche ausserdem im allergünstigsten Falle nur ein Jahr lang an-
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Lungenseucheimp fung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;137
hält, so dass also jährlich geimpft werden müsste. Dazu kommt, dass die Mortalität in Folge der Impfung häufig eine zu grosse ist und in einzelnen Fällen bei der zweiten Impfung bis zu 10-15 0|o betragen hat, dass ferner die Pasteur'schen Impfstoffe sehr inconstant sind, das eine Mal zu stark, das andere Mal zu schwach, je nachdem die Temperatur näher an 42 oder 43deg; C. stand. Nach Koch müssten daher die Pasteur'schen Vaccins vor ihrer Anwendung immer geprüft werden in der Weise, dass der I, Vaccin Mäuse, aber nicht Meerschweinchen tödten soll, der II. Vaccin Mäuse und Meerschweinchen, aber nicht Kaninchen. Koch hat auch gerathen, statt der flüssigen, feste Nährböden für den Impfstoff zu wählen und Kitt hat eine Beschreibung dieses Verfahrens zur Anwendung in der Praxis gegeben. Zuweilen zeigen die mitigirten Impfstoffe, insbesondere dann, wenn die Ab-schwächung rasch durch hohe Temperaturen herbeigeführt wurde, auch eine Rückkehr zur Virulenz, wie sie umgekehrt bei zu langem Stehen ihre Wirkung ganz verlieren können. Sodann ist jedenfalls für das Schaf ein besonderer Impfstoff nöthig, ja es sind selbst wieder einzelne Schafrassen sehr ungleich empfindlich gegen einen und denselben Impfstoff. Endlich kommen immerhin noch die nicht unbedeutenden Kosten des Impfverfahrens in Betracht (lOüO Schafe kosten mit Pasteur'schem Impfstoff geimpft 250 Mark). Nach den neuerdings in Prankreich und Ungarn erhaltenen günstigen Resultaten ist die Schutzimpfung bei Schafen unter Vorbehalt und unter der Voraussetzung eines guten Impfstoffes nur dann versuchsweise zu empfehlen, wenn es sich um stationär verseuchte Gegenden mit regelmässigen und erheblichen Verlusten (jedenfalls über 2 0('o) handelt.
Beim Rinde hat die Schutzimpfung eher praktischen Werth und kann für ausgesprochene Milzbranddistrikte empfohlen werden. Bezüglich der Immunität ist das Verhältniss bei den einzelnen Thieren zwar auch ein sehr verschiedenes und es dauert auch beim Rinde die Impfwirkung nicht länger als ein Jahr. Aber die Mortalität ist eine viel geringere als beim Schafe, so dass die Verluste fast gleich Null sind: gewöhnlich treten nur ein vorübergehendes Fieber und leichte Allgemeinerscheinungen nach der Impfung auf. Dagegen sind die Pasteur'schen Impfstoffe für das Rind viel zu schwach und es sind ihnen die stärkeren Impfstoffe von Chauveau und Perroncito vorzuziehen, welche zwar eine intensivere Allgemein Wirkung, aber auch bessere Erfolge erzielen: die letzteren besitzen vor dem Pasteur'schen Impfverfahren auch noch den Vorzug, dass bei ihnen das Impfverfahren in einen Act zusammengezogen ist. Namentlich dann, wenn einmal in späteren Zeiten die Impftechnik eine vollkommenere geworden ist, wird die Schutzimpfung beim Rinde als eine sehr werthvolle Ergänzung des seuchenpolizeilichen Apparates im Kampfe gegen den stationären Milzbrand zu bezeichnen sein. (Friedberger und F r ö h n e r, Pathologie.)
Lungensouche. 1. Impf me tho d en. Aeltere Methode nach Willems (1851). Behufs Gewinnung des Impfstoffes lässt man ein im ersten Krankheitsstadium befindliches Thier schlachten und schneidet aus der noch frischen Lunge die erkrankten Stellen aus: von diesen gewinnt man durch gelindes Pressen die Lymphe, welche man zunächst gerinnen lässt und dann durch reine Leinwand filtrirt. Andere benützen die aus Einschnitten in die Impfgeschwulst am Schweife gewonnene Flüssigkeit als Lymphe, welche angeblich milder wirken soll. Die Impfstelle selbst befindet sich am Schweifende und zwar impft man etwa 810 cm von der Schweifspitze entfernt auf der Rückenseite des Schweifes mit der Sticker'schen oder einer anderen gerinnten Impfnadel, indem man nach Abscheeren der
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138nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Lungenseucheimpfung.
Haare 12 von einander hinreichend entfernte Einstiche und zwar bis in die Subcutis macht (subeutane Impfung). Die Lymphe muss dabei klar, von weingelber Farbe und darf niemals nekrotischen Lungenherden entnommen sein, sondern nur solchen Stellen, die sich noch im Stadium der Hepatisation befinden. Durchschnittlich haftet die Impfung bei 7590 quot;/o der geimpften Thiere. Nach 14 Wochen entsteht an der Impfstelle eine entzündliche Anschwellung, welche bei normalem Verlaufe nicht über hühnerei-gross sein soll: daneben wird leichtes Fieber und eine geringe Athem-beschleunigung beobachtet. War die Lymphe jedoch nicht ganz rein, so entstehen ausgedehnte Anschwellungen des ganzen Schweifes mit Nekrose der Schweifspitze, sehr hohes Fieber^ sowie die Erscheinungen der Septikämie und Pyämie. Dasselbe beobachtet man auch bei Impfung am Triel und an der Schwanzwurzel, weshalb diese Stellen für die Impfung zu vermeiden sind. Treten dabei hochgradigere Entzündungszustände am Schweife ein, so muss durch ausgiebige Incisionen, durch antiseptische Behandlung und schliesslich durch Amputation der nekrotischen Schweifspitze einem ungünstigen Ausgange vorgebeugt werden. Immerhin betragen, wie schon erwähnt, die Todesfälle durchschnittlich 13 0/o, der Verlust an Schweif-endstückeu 5150/o. Zuweilen wird nach Verfluss von 68 Wochen eine zweite Impfung an einer oberhalb der ersten gelegenen Impfstelle vorgenommen. Martin impft in der Weise, dass er am Schwanzende, unmittelbar unter dem letzten Schwanzwirbel ein schmales, 3 mm breites, mit der Lymphe getränktes Haarseil zieht. Rutherford hat von dieser Methode günstige Eesultate gesehen; die Todesfälle betrugen 2 0(o; üble Zufälle sollen viel seltener auftreten: die Impfgeschwulst bildet sich am 9. bis 14. Tage und hält 79 Tage an, nach 1420 Tagen ist sie verschwunden.
Methode nach Pasteur. Man impft ein gesundes, 23 Monate altes Kalb mit gewöhnlicher, guter Lungenseuchelymphe subcutan am Triel oder hinter der Schulter. Aus der in der Umgebung der Impfstelle auftretenden umfangreichen Geschwulst wird nach dem Tode des Thieres durch eingebrachte sterilisirte Glasröhrchen die Lymphe ausgesogen, die Sammel-röhrchen zur Hälfte gefüllt und dann an beiden freien Enden mittelst einer Spiritusflamme rasch zugeschmolzen. Beim Ansaugen der Lymphe ist das abstehende Ende des Röhrchens zur Verhinderung von Luftzutritt mit einem Wattepfropf versehen. In diesen Röhrchen, welche beliebig überall hin versandt werden können, hält sich die Lymphe in mitigirter Form (i bis 8 Wochen. Einige Tropfen dieser Lymphe sollen für die Schutzimpfung eines erwachsenen Rindes genügen. Durch zeitweiliges Impfen eines Kalbes kann immer wieder neue Lymphe gewonnen werden.
Methode nach Schütz und Steffen. Die Lunge wird im Zusammenhange aus der Brusthöhle herausgenommen und an der erkrankten Stelle mittelst eines desinficirten Messers 1 cm tief eingeschnitten. Die Theile werden dann mit desinficirten Händen auseinandergerissen und die austretende Lymphe mit sterilisirten Spritzen aufgesogen. Die Impfstelle befindet sich an der hinteren Fläche des Schweifendes. Die Haare werden dicht über der Schweifquaste 10 cm breit abgeschoren, rasirt, mit Seifenwasser gewaschen und mit Sublimatlösung (l0/oo) oder Creolinlösung (50/o) benetzt. Die Canüle wird schräg nach ein- und abwärts bis zur Subcutis eingeführt, der Spritzeninhalt in letztere eingespritzt. Die Impfstiche werden mit Watte geschlossen, welche in Sublimatcollodium (l0|oo) eingetaucht war, und sodann die Watte mit einem 50 cm langen und 1 cm breiten Heft-pfiasterstreifen befestigt. Der hiernach auftretende örtliche Process ähnelt dem Rothlaufe. Zuweilen wird ein Schwanzstück oder der ganze Schwanz
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Luiigenseuclieimpfung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 139
brandig abgestossen. Die örtliche Reaction ist bei Verimpfung warmer Lymphe heftiger, als bei der Verimpfung kalter.
Neben der caudalen ist von Thiernesse, Defays, Bouley. Degive, Sanderson u. A. auch die intravenöse Impfung vorgenommen worden: dabei wurden 2 ccm der Lymphe direct in die Jugularis gebracht. Der Erfolg soll ein sehr guter, und sicherer sein, als bei der caudalen Impfung; in einem Falle gelang es angeblieh auch, eine Lungenentzündung mit Mar-morirung dadurch zu erzeugen.
2. Impfresultate, a) Die Vertheidiger der Impfung (Haubner, Pütz, Rueff, Bouley, Degive, sowie neuerdings Schütz und Steffens), gehen von der bekannten Thatsache aus, dass ein Rind nach einmaligem üeberstehen der Lungenseuche für das ganze Leben immun für die Seuche wird. Durch die Impfung soll ein localer specifischer Entzündungsprocess, dem in der Lunge bei Lungenseuche ganz analog, mit nachfolgender Immunität des ganzen Körpers erzeugt werden. Ausserdem soll die Impfung den Seuchenverlauf in einem Stalle abkürzen. Die Verluste nach caudaler Impfung werden als nur ganz unbedeutend angegeben. So berechnet sie Haubner auf 12 0/n Todesfälle, während etwa 5100/o Schweifendstücke verloren gehen. Die Mortalitätsziffer bei den Impfungen in Holland (unter 59,180 in den Jahren 187879 geimpften Rindern) betrug nur 0,66 0/o. Für den Nutzen der Impfung werden namentlich die in Holland (Spölingdistriete), in der Provinz Sachsen, im Herzog-thum Anhalt und in Australien gemachten günstigen Erfahrungen angeführt. Hierzu kommen die in neuerer Zeit von Schütz und Steffen erhaltenen positiven Resultate. Eine Weiterverschleppung der Seuche durch die Impfung wird geleugnet. Die Impfung wird ferner als das weitaus billigste Verfahren gegenüber der mit so grossen peeuniären Opfern verknüpften Keulung bezeichnet, ausserdem wird der Nutzen der Massregeln des Seuchengesetzes trotz deren Strenge bestritten. In statistischer Hinsicht werden folgende Daten hervorgehoben. Degive hat die Resultate der in den verschiedenen Ländern vom Jahre 1850 bis 1888 vorgenommenen Impfungen dahin berechnet, dass von 6705 geimpften Thieren nur 2,7 quot;/o, von 2453 nicht geimpften dagegen 26,9 n/n an Lungenseuche erkrankten, als sie den gleichen pathogenen Verhältnissen bezüglich der Ansteckung ausgesetzt wurden. Nach Pütz ging in Holland in Folge der Impfung die Zahl der lungenseuchekranken Thiere von 6079 im Jahre 1871 auf 2227 im Jahre 1875, 951 im Jahre 1877, 157 im Jahre 1879 und schliesslich 11 im Jahre 1882 herunter. In Hasselt, wo in der Zeit von 1850-1880 200,000 Stück Rindvieh mit gutem Erfolge geimpft worden sind, sollen ferner die Verluste regelmässig gestiegen sein, wenn die Impfung versäumt wurde. Nach Rochebrune sollen endlich von Alters her die Mauren in Senegambien ihre Rinderheerden mit Erfolg gegen die Lungenseuche impfen, indem sie nämlich mit der Spitze eines Messers in die Lunge eines geschlachteten Rindes einstechen und damit einen Einschnitt in die Haut der Nasengegend machen.
b) Die Gegner der Impfung (Roloff, Wehenkel, Lydtin, Oemler, Zündel, Kitt, Adam), weisen vor Allem daraufhin, dass ein sicherer Fall von Immunisirung durch die Impfung bis jetzt noch nicht nachweisbar ist. Selbst auf impffreundlicher Seite sei man nicht im Stande, die Dauer der Immunität genauer anzugeben, ob auf ^4 oder 1 oder 2 Jahre: andere Impffreunde sprechen nur von theil-weiser Wirkung und Immunisirung und impfen daher mehrmals. Die speeifische Natur der Impfgeschwulst wird bestritten, da eine ganz ähnliche
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Gescliwulst auch nach Verimpfang von Eiter oder Milch entstehe. Noch niemals sei es ferner gelungen, durch die Impfung eine Lungenseuche-pneumonie, das Hauptkriterium der Krankheit, zu erzeugen, während sich eine solche sogar in den Fällen ausbilde, in welchen die Krankheit intrauterin vom Mutterthier auf den Fötus übertragen wird. Die Impfresultate seien ausserdem sehr von der Impfmethode, von der Zeit der Impfung und der Qualität des Impfstoffes abhängig. Häufig werden auch bereits immune Thiere geimpft und so die früher erworbene Immunität als eine Wirkung der Impfung aufgefasst. Durch die Impfung werde die Krankheit sodann verschleppt und künstlich unterhalten. Die Verluste durch die Impfung seien unter Umständen ganz beträchtlich, indem die Mortalität häufig eine sehr grosse sei, so dass sie selbst die gewöhnlichen Verluste bei der Lungenseuche zuweilen überschreite. Auch in den Motiven zum deutschen Eeichsviehseucliengesetz waren die Impfverluste auf 240jo angesetzt; der Verlust an Schwanzendstücken betrug nach den Beobachtungen einer französischen Impfcommission 25 n/o, nach D e g i v e 10150/o. Dazu kommen die ökonomischen Nachtheile, welche in Form von Naehlass in der Milchsecretion, Abmagerung der geimpften Thiere etc. sieh äussern. Trotz der Impfung verbreite sich oft die Seuche, während sie in anderen Fällen auch obne Impfung von selbst erlösche; viele Thiere seuchen ferner unmerklich von selbst durch. Dazu komme, dass in den Ländern, in denen am meisten geimpft werde, die Krankheit doch nicht im Abnehmen begriffen sei, wie z. B. in England, wo der amtliche Bericht den fraglichen Werth der Lungenseucheimpfung besonders hervorhebt, in dem mit obligatorischer Impfung versehenen Frankreich und in Belgien. In anderen Ländern, z. B. in Holland, sei das Zurückgehen der Seuchenfälle nicht etwa Folge der Impfung, sondern der gleichzeitigen Anwendung von veterinärpolizeilichen Massregeln, namentlich der Keulung. So nahm z. B. nach 0emier in Belgien die Lungenseuche trotz der Impfung von 1481 Fällen im Jahre 1867 bis auf 2800 Fälle im Jahre 1878 zu, ging jedoch in Folge der Anwendung strenger veterinärpolizeilicher Massregeln von da ab rasch zurück, so im Jahre 1880 auf 1781, im Jahre 1883 auf 1187 Fälle. Nach einer Zusammenstellung von Kitt ging in England die Zahl der Seuchenfälle erst mit der Anwendung strengerer Schutzmassregeln im Jahre 1878 von 4590 Fällen auf 2144 im Jahre 1879 und auf 1200 im Jahre 1882 zurück. In Baiern hat sich die Lungenseuche seit Einführung des ßeichsviehseuchengesetzes von 846 Fällen im Jahre 1846 auf 281 Fälle im Jahre 1883 vermindert, in Baden, wo 187080 jährlich 0,2 quot;|oo des ganzen Rindviehstandes an Lungenseuche einging, kam 1885 kein einziger Fall mehr vor. (Friedberger u. Fröhner.)
Wuth. 1. Pasteur'sche Methode. Im Jahre 1884 hat Pasteur mitgetheilt, das Wuthgift lasse sich allmählich abschwächen durch Uebertragung vom Hund auf den Affen und fortgesetzte üeberimpfung von Affe auf Affe. Das auf diese Weise abgeschwächte Virus erzeuge unter die Haut gespritzt oder nach Trepanation der Schädelhöhle direct unter die harte Hirnhaut eingeführt beim Hunde keine offene Wuthkrankheit mehr, dagegen sei es im Stande, die Impfthiere gegen eine natürliche oder künstliche Infection immun zu machen. In neuerer Zeit hat Pasteur ein anderes Immunisirungsverfahren veröffentlicht, wobei er als Impfstoff das getrocknete Eückenmark eines wuthkranken Thieres verwendet. Das Eückenmark eines wuthkranken Kaninchens wird nämlich sammt seinen Häuten unter aseptischen Cautelen
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Wuthimpfung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;141
bis unterhalb des Kleinhirns herausgenommen, in 6 cm lange Stücke zerschnitten und an Fäden frei schwebend in Flaschen aufgehängt, deren Boden 1,5 cm hoch mit Aetzkalistückchen bedeckt und deren Oeffnungen mit Wattepfropfen verstopft sind. Die Temperatur wird constant auf 20 0 C. erhalten. Nach 34 Tagen sind diequot; Stücke zu bandartigen, leicht zerreibbaren Streifen eingetrocknet, deren Giftigkeit allmählich mit der Dauer der Austrocknung erlischt. Es erkranken z. B. Kaninchen nach 7 Tagen, wenn sie mit 2428 Stunden lang getrocknetem Materiale geimpft werden, nach 8 Tagen, wenn die Austrocknung 35 Tage, nach 15 Tagen, wenn sie 69 Tage gedauert hat. Die Thiere lassen sich nun immun gegen die Wuth dadurch machen, dass sie zuerst mit einem sehr abgeschwächten, dann mit einem weniger abgeschwächten und so fort, und zuletzt mit einem sehr starken Impfstoff prophylaktisch geimpft werden; selbst das allerstärkste Wuthgift soll dann für sie unschädlich sein. Bei diesen Impfungen mit abgeschwächtem Virus erkranken die Impfthiere zuweilen an einer vorübergehenden, partiellen Wuth. Hunde zeigen oft nach Babes 814 Tage nach dem Einimpfen Niedergeschlagenheit, Appetitmangel, Abmagerung, nervöse Symptome, Beisssucht, ja selbst Parese der hinteren Extremitäten, was jedoch bald wieder vorübergeht.
2.nbsp; Högyes verwendet verschiedene Concentrationen eines und desselben Impfmateriales. Aus dem Eückenmarke wuthkranker Kaninchen werden mit Salzwasser (l0|o(i) verschiedene Concentrationen (1 : 5000, 1: 2000, 1 : 500, 1 : 200, 1 : 100. 1 :10) hergestellt, welche mit den schwächsten Concentrationen beginnend, successive eingeimpft werden. Hunde Hessen sich so gegen Strassenwuthgift wie gegen fixes Virus immun machen. Nach H. lassen sich sowohl durch .präinfectionale' Impfung Thiere gegen eine spätere Infection immun machen, als durch postinfectionalequot; Impfung bei bereits gebissenen Thieren der Ausbruch der Wuth verhindern. That-säehlich scheint nach den H.'sehen Versuchen eine Immunisirung zu Stande zu kommen, wenn kurz vor oder nach der Infection wiederholte Impfungen mit verdünntem frischem Virus gemacht werden. In 13 Fällen gingen bei Hunden die bereits hervorgetretenen Erscheinungen der Tollwuth auf die postinfectionale Impfung wieder zurück und die Thiere genasen. Beim Menschen allerdings ist bis jetzt ein derartiger Fall von Heilung der einmal ausgebrochenen Wuth noch nicht con-statirt worden.
3.nbsp; Helmann und Ferran y Clua haben gezeigt, dass je grosser die eingespritzte Menge des Pasteur'schen Impfstoffes (Gehirnemulsion) ist, um so rascher und sicherer Immunität eintritt. Es wurden z. B. 3060 cem der Emulsion auf einmal subeutan injicirt. Im Körper ist die Unschädlichkeit so grosser Dosen davon abhängig, dass das Virus nur unter die Haut gespritzt wird; werden dabei andere Theile (Muskeln, Nerven) mit verletzt, so kann die Impfung den Ausbruch der Wuth zur Folge haben.
4.nbsp; Nach Babes genügt die Pasteursche Methode zwar zur Immunisirung nach dem Bisse tollwuthkranker Hunde, sie hat sich aber den Bissen wuthkranker Wölfe gegenüber nicht bewährt. Babes verwendet deshalb hiergegen Einspritzungen des Blutes immun gemachter Hunde in die Bauchgegend der gebissenen Personen (20 g pro Impfung). In 24 Fällen soll diese Blutimpfung sich bewährt haben.
5.nbsp; nbsp;Galtier hat nachgewiesen, dass durch intravenöse Injectionen des Wuthgiftes Herbivoren und Omnivoren nicht allein gegen die Folgen späterer, sondern auch schon empfangener Bisse immun gemacht werden können.
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6. Protopopoff hat virulente Rückenmarkstücke 30, 40, 60 Tage in Glycerinbouillon gelegt, wodurch das Mark seine Giftigkeit verlor, aber schon nach 12maliger intravenöser oder subcutaner Verimpfung Immunität gegen die Wuthinfection, sowie Heilung nach bereits stattgei'undener Infection herbeiführte. Von 19 schutzgeimpften Hunden blieben 10 nach der Infection mit dem stärksten Tollwuthgift, sogar nach der intracraniellen Application desselben, gesund. Es gelang Protopopoff sogar, nach der vorausgegangenen intracraniellen Infection durch seine Methode den Ausbruch der Wuth zu verhindern! Von sämmtlichen Methoden der antirabischen Schutz- und Heilimpfung scheint die von Protopopoff noch am meisten für die Zukunft zu versprechen.
Maul- und Klauenseuche. 1. Impfresultate. Schon im Anfange dieses Jahrhunderts (Buniva) und seither sehr häufig hat man die Impfung als Nothimpfung zum Zwecke der Abkürzung des Seuchenverlaufes in grösseren Viehbeständen und der Herbeiführung eines gleichmässigeren Durchseuchens mit Erfolg angewandt (Ercolani, Braueil, Renner, Hoffmann, Wirtz, Spinola, Hertwig, Lewes, Brandes u. A.). In der That ist die Nothimpfung eine durchaus empfehlenswerthe Massregel, weil sie nicht nur eine raschere Durchseuchung bedingt und so namentlich auch eine frühere Beseitigung der polizeilichen Schutzmassregeln zulässt, sondern auch vor Allem deshalb, weil die Impfkrankheit häufig milder und nur in Form der Maulseuche verläuft. Die in den letzten Jahren in fast allen Gegenden Deutschlands bei zahlreichen Beständen vorgenommenen Nothimpfungen sind meist von gutem Erfolg begleitet gewesen; am günstigsten war ihr Einfluss, wenn gleich beim ersten Auftreten der Seuche geimpft wurde. Von den geimpften Thieren erkranken durchschnittlich 5080 0|o; die übrigen erweisen sich als immun. Dagegen ist die Schutzimpfung durchaus nicht berechtigt, weil die Maul- und Klauenseuche nach einmaligem Ueberstehen der Krankheit keine Immunität hinterlässt; nach der Erfahrung können die Thiere mehrmals von der Seuche befallen werden. Aus diesem Grunde sind auch die in Italien 1883 vorgenommenen Schutzimpfungsversuche (Nosotti) mittelst subcutaner Infection eines möglichst reinen Virus resultatlos geblieben.
2. Die Technik der Impfung ist eine sehr einfache. Entweder streicht man dem Impfling den Speichel eines kranken Thieres ins Maul, nachdem die Schleimhaut vorher etwas gerieben wurde, oder man impft mit der Lanzette irgendwo in die Haut; auch kann man imprägnirte Fäden unter der Haut der Ohren oder des Schweifes hindurchziehen. Schweine werden auch mit der Impfnadel am Rüssel geimpft. 24 Stunden nach der Impfung tritt Fieber ein, am 8. Tage treten die Aphthen auf, welche am 6. Tage bersten und vom 10. Tage ab verheilen; der Krankheitsverlauf bei der Impfung ist im Allgemeinen ein milderer.
Schafpocken. 1. Impfresultat. Die in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts und noch bis in die 60er Jahre allgemein übliche und durch eigene Impfinstitute unterstützte Schutzimpfung gegen die Schafpocken (Ovination), wobei alljährlich ganze Schafherden geimpft wurden, auch ohne dass ein Seuchenausbruch drohte, hat sich als eine durchaus verwerfliche Massregel erwiesen. Durch die Schutzimpfung sind nicht nur permanente künstliche Seuchenherde geschaffen worden, in denen die Pocken stationär wurden, sondern es verbreitete sich auch von diesen Herden aus die Krankheit nachgewiesenermassen über die angrenzenden Gegenden, indem die Gefahr der Ansteckung gesunder Thiere durch die geimpften eine ganz ausserordentlich prrosse war. In verschiedenen Ländern, so z. B. in Preussen
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Pockenimpfung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 143
und Oesterreich, ging die Ausweitung der Schafpocken Hand in Hand mit der Schutzimpfung. Dagegen istdieNothimpfung sehr empfehlens-werth und daher auch in die Bestimmungen des Seuchengesetzes aufgenommen. Die Nothimpfung bezieht sich lediglich auf den Fall, wenn in einer Herde die Pocken bereits ausgebrochen sind. Sie bedingt nicht bloss einen rascheren Verlauf der Krankheit, ein schnelleres Durchseuchen in der Herde und damit die frühere Aufhebung der polizeilichen Schutzmassregeln, sondern die Krankheit selbst tritt in einer milderen Form und gewöhnlich nur local auf, so dass die Mortalitätsziffer häufig = 0 ist und gewöhnlich 20/o nicht übersteigt. Nur bei Ungunst aller äusseren Factoren kommen ausnahmsweise Verluste bis zu 10 quot;/o vor. Ausser der Nothimpfung ist ferner noch die Präcautions- oder Vorbauungsimpfung dann anzuwenden, wenn in der Nähe einer gesunden Schafherde die Pocken in grosser Ausdehnung herrschen und die Gefahr der Ansteckung nach Lage der Umstände eine sehr grosse ist.
2. Impftechnik. Der Impfstoff, die Ovinequot;, darf nur von solchen Schafen abgenommen werden, welche normal ausgebildete Pocken und einen gutartigen Krankheitsverlauf zeigen. Die Lymphe muss ferner ganz klar, wasserhell sein und darf nicht getrübt oder eiterig erscheinen; man nimmt sie daher gewöhnlich 1012 Tage nach der Impfung oder 68 Tage nach der Eruption von den Impfschafen ab. Es müssen weiter die Impflinge separirt werden und es dürfen die zu impfenden Schafe mit dem betreffenden pockenkranken Schafe, von welchem sie geimpft werden, nicht in directe Berührung kommen, weil sonst gleichzeitig eine spontane Ansteckung erfolgen könnte. Die Impfstelle befindet sich entweder an der Innenfläche des Ohres, 4 cm von der Spitze entfernt (wegen der Nähe der Augen ist diese Stelle nicht ganz ungefährlich), oder besser an der ünterfläche des Schweifes, 1012 cm vom After weg. Im letzteren Falle muss das Thier niedergelegt werden. Von Instrumenten benützt man entweder eine schmale und spitze Impfnadel mit löffelartiger Aushöhlung oder eine Impflanzette. Bei Impfung einer ganzen Herde ist es vortheilhaft, eine Vorimpfung oder Probeimpfung mit 612 Stücken vorangehen zulassen, wofern die Zeit nicht drängt. Die Erscheinungen bei den geimpften Schafen sind die eines ganz regulären Pockenexanthems mit localer Beschränkung des Processes auf die Impfstelle und ganz geringgradigen Allgemein erscheinungen. Die Reife der Pocken tritt am 10. Tage nach der Impfung ein. Ausnahmsweise stellen sich die Pocken nicht an der Impfstelle selbst, sondern in der Umgebung derselben ein (Nebenpocken); sehr selten beobachtet man nach der Impferuption eine allgemeine Pockeneruption (Nachpocken). Bezüglich der Nachbehandlung sind die Impflinge vor ungünstigen Witte-rungs- und Ernährungseinflüssen zu schützen. Man muss ferner nach 10 bis 12 Tagen eine Untersuchung der Herde vornehmen und dann diejenigen Thiere nachimpfen, bei welchen die Impfung etwa nicht angeschlagen hat.
In neuerer Zeit sind verschiedene Versuche mit der Absehwächung (Mitigation, Attenuation) des Impfstoffes gemacht worden. Peuch hat dieselbe durch Verdünnung der Lymphe mit Wasser 1 : 50 150, Nocard und Mollereau durch Verdünnen mit sauerstoffhaltigem Wasser, Semmer-Raupach durch Erwärmen auf 55deg; C., Toussaint und Flaut durch Züchtung in Nährlösungen zu erzielen versucht. Pourquier hat gefunden, dass die Impfung mit der Pustel, welche sich nach einer vorausgegangenen Impfung mit gewöhnlichem Pockengift in der Zeit vom 11. bis 12. Tag entwickelt hat, Immunität verleiht, ohne dass die geimpften
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J 44nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rauschbrandimpfung.
Schafe die Pocken bekommen; P. empfiehlt die Impfung am Ende des Schwanzes.
Rinderpest. 1. Impfresultate. Für gewisse Gegenden, so für die Steppenländer Russlands, ist die Impfung, welche seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts ausgeübt wird, unter Umständen als ein prophylaktisches Mittel zu betrachten, jedoch lediglich die Noth- resp. Präcautions-impfung, niemals die Schutzimpfung, weil die letztere eine zu grosse Gefahr bezüglich der Weiterverbreitung der Seuche mit sich bringt. Im IJebrigen ist man auch selbst in Russland, wo vier Impfinstitute bestanden (Charkow, Karlowka im Poltawa'schen. Bondarewka im Cherson'sehen und am Salmysch im Orenburgischen Gouvernement), von der Impfung mehr und mehr abgekommen. Für Deutschland und die übrigen europäischen Staaten, mit Ausnahme Russlands, ist nicht einmal die Nothimpfung zulässig, weil hier die veterinärpolizeilichen Massregeln, d. h. die Keulung, viel wirksamer und sicherer sind, und weil die Impfmortalitätsziflfer für das gewöhnliehe Rind eine viel zu hohe ist. Beim Steppenvieh beträgt die Mortalitätsziffer nach der Impfung nur circa 10%. bei den anderen Rassen dagegen 360/o. Am relativ häufigsten sind die günstigen Irapf-resultate gegen das Ende der Seuche.
2. Die Technik der Impfung ist eine einfache. Man bringt einen reinen Schwamm in ein Nasenloch, lässt ihn mit Nasenschleim vollsaugen und presst ihn dann in Gläschen aus, welche verschlossen werden. Ein Tropfen des Impfstoffes wird dann mittelst einer Sticker'schen Impfspritze unter die Haut am Halse gebracht.
Rauschbrand. Von Arloing, Cornevin und Thomas ist ein sehr wichtiges Verfahren der Schutzimpfung entdeckt worden. Bei ihren Versuchen über die Verschiedenheit der Wirkungsweise der einzelnen Impfmethoden fanden die genannten Forscher, dass die sübcutane und intra-musculäre Impfung mit Rauschbrandvirus stets den Tod der geimpften Thiere zur Folge hatte, während bei intravenöser Impfung nur eine ungefährliche Allgemein er krankung mit nach folgen der Immunität erzeugt wurde. Aehnlich waren die Resultate auch bei trachealer Impfung, dagegen misslangen alle Impf- resp. Fütterungsversuche vom Magen und Darm aus. Auf Grund dieser Beobachtungen impften sie im Jahre 1880 13 Thiere zu Chaumont in der Weisse, dass sie filtrirtes, in destillirtem Wasser gelöstes Rauschbrandvirus direct in die Jugularvene einspritzten. Die auf diese Weise schutzgeimpften Thiere erwiesen sich bei der ein halbes Jahr später mit Rauschbrandvirus vorgenommenen subcutanen Impfung ganz immun, während von 12 anderen, nicht schutzgeimpften Controlthieren 9 an Rauschbrand starben und 2 sehr heftig erkrankten. Mit gleich gutem Erfolge impften sie sodann im Jahre 1881 245 Thiere im Departement de la Haute-Marne. sowie 1882 78 Stücke im Departement des Ain. Da indess das Verfahren der intravenösen Impfung sich als ein sehr umständliches erwies, indem dabei jedesmal die Jugularis freigelegt und sehr genaue Vorsichtsmassregeln beim Ein- und Ausführen der In-jectionsspritze angewandt werden mussten, um ein Eindringen des Impfstoffes in das perivasculäre Bindegewebe etc. zu vermeiden, griffen sie zu einem anderen Verfahren. Sie wählten die Subcutis der Schweifspitze zur Impfung, weil sie gefunden hatten, dass das eingeführte Rauschbrandgift hier nur eine vorübergehende, ungefährliche Schwellung, jedoch ebenfalls später vollständige Immunität herbeiführe. Die geringe Reaction an der genannten Stelle erklärt sich nach ihnen durch die Dichtisfkeit des daselbst
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Rauschbrandimpfung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 145
befindlichen Bindegewebes und die dort vorhandene niedrige Temperatur, welche beide eine ausgedehntere Verbreitung der Rauschbrandbacillen in den Bindegewebsspalten verhindern. Ausserdem schwächten sie noch das Eauschbrandvirus vor der Impfung durch Einwirkung höherer Temperatur grade ab.
1.nbsp; nbsp;Die Darstellung des Impfstoffes und die Vornabme der Impfung ist nach diesem neueren Ar 1 oing'schen Verfahren folgende: 40 g (1 Theil) erkrankten Muskelfleisches werden bei 32 0 C. rasch getrocknet und mit 80 g (2 Theilen) Wassers gleichmässig gemischt. Das Gemenge wird in 12 Partien ä 10 g getheilt, jede Partie in einen eigenen flachen Teller gebracht und im Thermostaten 6 Stunden lang zum Eintrocknen eingestellt. Die eine Hälfte lässt man bei 1000 trocknen, um so einen schwächer wirkenden ersten, die andere bei 85 0, um den stärkeren zweiten Impfstoff zu erzeugen. Die Impfung selbst wird nämlich in 2 Abschnitten, zuerst mit einem schwächeren, dann mit einem stärkeren Impfstoff vorgenommen. Die in den Tellern eingetrocknete bräunliche Kruste wird zur Impfung verwandt und kann auch längere Zeit aufbewahrt werden.
Zum Zwecke der ersten Impfung werden 0,1 g der bei 100deg; getrockneten Kruste in einer desinficirten Reibschale mit 5 g Wasser, dem Inhalte einer ögrammigen Pravaz'sehen Spritze verrieben. Diese Spritze ist nach Cornevin's Angaben von dem Fabrikanten Lepine in Lyon con-struirt. Das Gemenge wird dann durch angefeuchtete reine Leinwand filtrirt und das Filtrat in die Spritze eingesogen, welche mittelst eines am Stempel befindlichen Läufers auf je einen halben Cubikcentimeter eingestellt werden kann. Die Quantität des Impfstoffes pro Thier beträgt nämlich 0,5 ccm, so dass also die Spritze für 10 Thiere reicht.
2.nbsp; Die Impfstelle für die erste Impfung befindet sich an der unteren Schweiffläche, drei Handbreit von der Sehweifspitze entfernt. Nachdem die Haare abgeschoren sind, wird zuerst mit dem der Spritze beigegebenen Trokart die Haut schief durchstochen und der Trokart aufwärts ca. 8 cm weit zwischen Haut und Knochen eingeführt. Nach seiner Entfernung bringt man durch dieselbe Wunde die Canüle der Spritze ein und spritzt dann die vorher in der Spritze umgeschüttelte und so gleichmässig vertheilte Impfflüssigkeit langsam ein. Zur Verhütung des Wiederauslaufens wird die Einstichstelle comprimirt, wenn die Canüle entfernt ist und hierauf die eingespritzte Flüssigkeit mit dem Daumen nach aufwärts weiter unter die Haut gepresst. Bei einer etwaigen Blutung wartet man die Stillung derselben ab, ehe man einspritzt, oder wählt eine andere Stelle. Auf die Ein-stichstelle wird schliesslich eine 2 cm breite Gummibinde gelegt, welche 4 Stunden liegen bleibt; dieselbe soll das Ausfliessen des Impfstoffs verhüten. Auf diese Weise können angeblich 2025 Thiere in einer Stunde geimpft werden. Die Thiere werden dabei von drei Gehilfen gehalten.
Nach der ersten Impfung folgt 10 Tage darauf die zweite mit dem stärkeren Impfstoffe. Dieselbe wird in gleicher Weise, jedoch näher der Schweifspitze, nur zwei Handbreit von derselben entfernt, ausgeführt. Die für die Vornahme der Impfung günstigste Zeit ist der Frühling oder Ausgang des Winters. Die Impfung verläuft an sich ohne Folgekrankheit.
Die in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern (Frankreich, Schweiz, Oesterreich, Deutschland) angestellten Impfversuche haben das unzweifelhafte Resultat gehabt, dass die Cornevin'sche Schutzimpfung die Mortalitätsziffer des Rauschbrandes ganz erheblich herabsetzt.
Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IQ
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146nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ßothlaufimpfung.
Rothlaufseuche. Im Jahre 1882 hat Pasteur zuerst Schutzimpfungengegen die Rothlaufseuche der Schweine vorgenommen. Im Jahre 1884 hat er sein Impfverfahren verbessert und liefert seit dieser Zeit einen Impfstoif, welcher mittelst Durchzüchten der Rothlaufbacillen durch den Körper von Kaninchen und späteres Weiterzüchten in Culturen gewonnen wird. Die geimpften Thiere werden nach Pasteur nur unerheblich krank, aber immun gegen Rothlauf. Die Impfung wird in der Weise vorgenommen, dass die Schweine im Alter von 916 Wochen zuerst mit einem schwächeren Impfstoff (premier Vaccin), dann mit einem stärkeren, und zwar 1012 Tage nachher (deuxieme Vaccin) ins Unterhautbindegewebe geimpft werden. Schutzimpfungen mit dem Pasteur'schen Impfstoff sind ausser in Frankreich, in Baden, Preussen, Ungarn und in der Schweiz, bei einer grösseren Anzahl von Schweinen vorgenommen worden.
Die Versuche in Baden (L yd tin) haben ergeben, dass die Pasteur'schamp; Schutzimpfung den geimpften Thieren zwar eine ziemliche Immunität verleiht, dass jedoch die Gefahren der Impfung nicht unbedeutende sind, indem vor allem die geimpften Thiere gesunde anstecken und so die Seuche weiter verbreiten können, und weil durch das Impfverfahren an sich die Thiere erheblich erkranken und selbst an den Folgen der Impfung zu Grunde gehen können; es starben nach den vorliegenden Gesammtversuchen 40/o aller Impflinge. Die allgemein eingeführte Schutzimpfung würde also nach den Erfahrungen in Baden einen Gesammtverlust von 40/o des gesammten Schweinebestandes herbeiführen, eine Ziffer, welche den durch die Rothlaufseuche bedingten Gesammtverlust weit übersteigt; in Baden z. B. belief sich die Zahl der rothlauf kranken Schweine überhaupt nur auf etwa 2 quot;ja des ganzen Schweinebestandes. Günstigere Erfolge sind in Ungarn (Hutyra) erzielt worden, wo die Mortalitätsziffer der geimpften Thiere im Jahre 1889 nur 20/oo, im Jahre 1890 dagegen 1,5 0/o betrug. Ein ähnlicher Procentsatz ergab sich bei den in Preussen angestellten Versuchen (Jakobi, Schütz). Ueble Erfahrungen sind mit dem Pasteur'schen Impfstoff auch in der Schweiz gemacht worden (Hess, Guillebeau). Offenbar ist die Impf fr age beim Schweinerot hlauf zur Zeit noch nicht ganz spruchreif.
Die Euhpockemmpfung beim Menschen (Vaccination). Seit dem Jahre 1796 (Jenner) benützt man zur Schutzimpfung gegen die Pockenseuche (Variola) beim Menschen die Lymphe der Kuhpocken (Vaccine).-Man unterscheidet zwischen originärer, humanisirter und animaler Vaccine. Als originärquot; bezeichnet man die anfangs zur Impfung benützte natürliche Kuhpocke, während die künstlich bei Kindern erzeugte Kuhpocke als humanisirtquot; und die auf Kälber übertragene Vaccine als ,animalquot; bezeichnet wird. In neuerer Zeit wird fast allgemein mit animaler Vaccine geimpft. Die Gewinnung der animalen Lymphe erfolgt in nachstehender Weise, 'j*'jt Jahr alte gesunde Kälber werden in besonderen Impfanstalten mit Vaccine geimpft (100200 Einstiche oder Kreuzschnitteauf der gereinigten und rasirten Bauchhaut). Am 5. Tage wird aus den entwickelten Pocken die Lymphe mittelst besonderer Vorrichtungen (Klemm-pincette, Capillarröhrchen, Lancette, Spatel, Glasplatten) abgenommen und sodann conservirt (Luftabschluss in Glasröhrchen, Glycerin, Thymol, Salicyl-säure, Eintrocknung).
Der wesentlichste Vorzug der animalen von der humanisirten Lymphe besteht in der sicheren Vermeidung einer Krankheitsübertragung von den geimpften Kindern auf die neuzuimpfenden (Syphilis, Tuberkulose, acute-
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Hühnercholeraimpfung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 147
Exantheme). Die Immunitätsdauer einer Vaccination beträgt ca. 10 Jahre; nach diesem Zeitraum muss revaccinirt werden.
Geflügelcholera. Im Jahre 1880 hat Pasteur als das wirksamste Mittel zur Bekämpfung des Geflügeltyphoids die Impfung der gesunden Thiere mit den durch Züchtung abgeschwächten Typhoidbacterien empfohlen. Er fand nämlich, dass bei der Impfung mit abgeschwächtem (mitigirtem) Impfstoff nur eine locale Anschwellung an der Impfstelle entstand, wobei die darunter befindlichen Muskelpartien die Brustmuskel abstarben, ohne Eiterung, lediglich auf dem Wege der Nekrose. Die geimpften Thiere wurden zwar krank, gingen aber nicht zu Grunde und erwiesen sich später als immun gegen die Seuche. Ausserdem fand Pasteur, dass manche Hühner einer 2Smaligen Impfung mit mitigirtem Impfstoff bedurften, um Immunität zu erlangen ; er führte daher eine zweifache Impfung in der Weise ein, dass er zuerst mit einem sehr abgeschwächten Impfstoff (premier Vaccin), später mit einem stärker wirkenden (deuxieme Vaccin) impfte. Die Absehwächung der Bacterien wurde in der Weise erzielt, dass die Culturen 310 Monate lang unter Luftzutritt stehen blieben, wobei sie nach Pasteur's Annahme durch den Sauerstoff der Luft abgeschwächt werden. Nach dieser Methode hat Cagny im Jahre 1885 die Schutzimpfung bei 63 Stück gesunden Geflügels in einem inficirten Geflügelhofe vorgenommen, indem er 12 Tage nach der ersten Impfung mit dem stärkeren Impfstoff nachimpfte. Nach der ersten Impfung erkrankten alle Thiere, mit Ausnahme der Enten, 9 starben. Nach der zweiten Impfung starben 8 Stück, von 63 geimpften Thieren also 17. Bei einem zweiten Versuche mit 36 Hühnern starben nach der ersten Impfung 8, nach der zweiten 2, von 36 geimpften Thieren also 10. Die Resultate dieser Impfungen sind sehr ungünstige. Cagny beschuldigt indess als Ursache derselben eine natürliche Ansteckung der Thiere von dem schon vorher inficirten Geflügelhofe aus.
Die von Hess im Jahre 1886 in der Schweiz angestellten Schutzimpfungsversuche bei 16 Hühnern eines verseuchten Geflügelhofes haben ergeben, dass nach Ausführung der ersten Impfung keinerlei krankhafte Erscheinungen beobachtet wurden. Dagegen wurden von der 12 Tage nachher vorgenommenen zweiten Impfung einige Thiere schwer afficirt.
Weiterhin hat Kitt nach der Pasteur'schen Methode Schutzimpfungen in einem vollständig gesunden Hühnerbestande vorgenommen. Der von Pasteur bezogene premier Vaccin tödtete kleine Vögel und Tauben, sowie Hühner, wenn sie in die Brustmuskel geimpft wurden. Dagegen blieben die Hühner am Leben, wenn sie an der äussersten, muskelarmen Spitze des Flügels geimpft wurden. Nach der Verimpfung des deuxieme Vaccin traten keine wesentlichen Krankheitserscheinungen auf, die Thiere magerten indess allmählich ab. Als nun aber Controlimpfungen gemacht wurden, gingen alle schutzgeimpften Thiere an Geflügeltyphoid zu Grunde. Kitt spricht daher der Schutzimpfung absolut jeden praktischen Werth ab und erklärt sie nicht bloss für überflüssig, sondern auch für gefährlich wegen der dadurch herbeigeführten Weiterverbreitung der Seuche.
II. Die Heilimpfnng.
Wesen. Während durch die Schutzimpfung eine gewisse Zeit vor dem Eintritte der Infection Immunität gegen dieselbe erzielt wird,
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148nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Heilimpfung.
bezweckt die Heilimpfung denselben Erfolg nach der bereits eingetretenen Infection. Die ersten Versuche, einen bereits inficirten Körper durch Impfung zu heilen, hat Pasteur bei der Wuth gemacht (1885). Es folgten die Experimente von Koch, Beb ring, Kitasato, Schütz, Klemperer u. A. bei der Tuberkulose, beim Tetanus, bei der Diphtherie, bei der Pneumonie, beim Milzbrand, bei der Cholera etc. Da die Frage der Heilimpfung sich noch in den ersten Anfängen befindet, muss man bezüglich ihrer Würdigung noch vorsichtiger sein, als bei der Schutzimpfung. Immerhin aber verdient nach den bisher vorliegenden Resultaten die neueste therapeutische Methode der Heilimpfung für die Zukunft die grösste Beachtung.
Heilimpfung bei Wuth. Nach den Angaben Pasteur's lassen sich gebissene, mit Wuth inficirte Menschen noch nachträglich durch Impfung immunisiren. wenn sie in systematischer Weise mit abgeschwächtem Virus geimpft werden. Ein 23 cm langes Stück des getrockneten Kaninchen-Rückenmarkes (vergl. S. 140) wird mit steriler Bouillon verrieben, wobei eine Emulsion entsteht, welche unmittelbar unter die Haut des Abdomens in einer Menge von Vjs/4 ccm injicirt wird. Anfangs wird ein sehr schwacher, mit jedem weiteren Tage sodann ein etwas stärkerer Impfstoff injicirt. Die Pasteur'schen Angaben sind bestätigt worden von Cantani, Metscbnikoff, Ulimann, Bujwid, Bardach u. A. Bei über 10000 in den Jahren 188(3 bis 1890 nach dieser Methode geimpften gebissenen Menschen soll die Mortalität von 160;o auf 120/o durch obiges Verfahren herabgesetzt worden sein. Im Gegensatz hierzu wird jedoch von anderen Exjjeri-mentatoren der Pasteur'schen Heilimpfung jeder Nutzen abgesprochen (v. Frisch, Högyes, de Renzi, Bordoni-üffreduzzi u. A.).
lieber das von Högyes und Protopopoff empfohlene neuere Heilimpfungsverfahren gegen Wuth ist S. 141 berichtet worden.
Heilimpfung bei Tuberkulose. Das von Koch als specifisches wirksames Heilimpfmittel gegen die Tuberkulose des Menschen empfohlene Tuberkulin hat sich in dieser Form nicht bewährt. In wie weit das von Klebs dargestellte Tuberkulocidin bessere Resultate liefert, bleibt abzuwarten.
Heilimpfung beim Starrkrampf. Behring und Kitasato haben experimentell festgestellt, dass sich bei entsprechender Behandlung der Tetanusbacillen mit Jodtrichlorid durch Injection der successive abgeschwächten Reinculturen sowohl Thiere gegen Tetanus immun machen, als auch inficirte, tetanisch erkrankte Thiere heilen lassen. Impfungen mit dem Blutserum derartig te-
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Heilimpfung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 149
tanus immuner Thiere schützen ferner andere Thiere sowohl gegen eine nachherige Infection mit Tetanusgift, als auch gegen eine solche mit lebenden Tetanusbacillen. Es ist weiter durch die Versuche constatirt worden, dass die Transfusion des Blutes tetanusimmuner Thiere einen bereits in der Entwicklung begriffenen Starrkrampf aufhalten und selbst unter Umständen heilen kann. Die genannten Versuche sind von Behring an kleineren Thieren (Kaninchen, Meerschweinchen und Mäusen) gemacht worden. Neuerdings hat nun Schütz nach dieser Methode zusammen mit Koch, Behring und Kitasato Im-munisirungsversuche bei Pferden und Schafen ausgeführt (Zeitschrift für Hygiene. 1892. S. G3). Die Versuchsthiere erhielten in öfterer Wiederholung subcutane Einspritzungen verschiedener Mengen von Tetanusbacillenculturen, welche mit Jodtrichlorid versetzt und dadurch abgeschwächt waren. Der Zusatz von Jodtrichlorid wurde anfangs stärker (0,5l0/laquo;), dann allmählich schwächer genommen (0,1250,25), so dass also anfangs weniger giftige, später dagegen an Giftigkeit zunehmende Culturen geimpft wurden. Diese Behandlung wurde mit mehrtägigen Pausen etwa einen Monat fortgesetzt. Sie hatte zur Folge, dass die Einspritzungen vollgiftiger Tetanusbacillenculturen jetzt keine Erkrankung mehr auslöste, während die mit denselben Culturen geimpften, aber nicht in derselben Weise vorbereiteten Con-trolthiere an Starrkrampf starben. Schütz kommt daher zu folgendem Schlüsse: Pferde und Rinder können durch das von Behring ermittelte Verfahren nicht nur gegen die Infection mit lebenden Tetanusbacillen, sondern auch gegen die schädlichen Wirkungen derjenigen giftigen Substanzen geschützt werden, welche von Tetanusbacillen in Culturen oder im Thierkörper gebildet werden. Die Widerstandsfähigkeit der immun gemachten Pferde und Schafe gegen lebende Tetanusbacillen und gegen das specifische Tetanusgift wächst bei fortgesetzten subcutanen Injectionen mit immer stärker wirkenden Culturen oder mit allmählich ansteigenden Mengen derselben. Das Blut dieser Thiere erwirbt immunisirende Eigenschaften, welche sich in dem Maasse steigern, wie die Widerstandsfähigkeit zunimmt.quot; Gleichzeitig hat Schütz bei seinen Versuchen gefunden, dass Pferde eine hohe, Schafe dagegen eine geringe Empfänglichkeit gegen Tetanus besitzen, und dass die Incubationsperiode des Tetanus bei Pferden 45 Tage, bei Schafen 24 Tage beträgt. Ueber die Heilwirkung des Blutes immun gemachter Thiere lassen sich nach Seh. aus dem Ergebnisse der Versuche Schlüsse vorerst nicht ableiten.
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150nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Diagnostische Impfungen.
Ueber die Heilimpfung beim Milzbrand, beim Wundrothlauf, Typhus, bei der Diphtherie, Pneumonic, Cholera u. s. \v. sind weitere Untersuchungen abzuwarten.
III. Die diagnostische Impfuug.
Zweck. Die diagnostische Impfung hat die Aufgabe, in solchen Fällen, in welchen der sichere Nachweis und die ausreichende Erkennung einer Seuche durch die gewöhnlichen klinischen Hilfsmittel nicht gelingt, experimentell Aufschluss über das Wesen der Krankheit zu verschaffen entweder dadurch, dass an gesunden Versuchsthieren durch künstliche Einimpfung inficirter Massen (Blut, Xasenausfluss, Milch, Faces etc.) ein typisches Krankheitsbild erzeugt ward (Impfung anderer Thiere), oder dadurch, dass an dem ursprünglich kranken Thiere gewisse Impfungen vorgenommen werden (Selbstimpfung, Autoinoculation). Zu dem letztgenannten Impf-modus gehört unter Anderem die T ub e r k u 1 i n- und Mallequot;in-impfung.
Impfung auf andere Thiere. Dieselben werden zu diagnostischen Zwecken ausgeführt bei Milzbrand, Rotz, Tuberkulose, Hülmer-cholera, Schweinerothlauf, Schweinepest, Sehweineseuche, Druse, Brustseuche, malignem Oedem, Wild- und Rinderseuche und kanadischer Pferdepocke.
1.nbsp; nbsp;Milzbrand. Im Gegensatz zur subeutanen Schutzimpfung wird die diagnostische Impfung beim Milzbrand cutan vorgenommen, damit keine Mischinfectionen auftreten. Die besten Impfobjecte sind Mäuse, Kaninchen und Meerschweinchen-, das beste Impfmaterial bilden Blut und Milzsaft. Mäuse impft man an der abgeschnittenen Ohrspitze, Kaninchen und Meerschweinchen bringt man leichte Ritzwunden an den Ohren bei; die Impf thiere sterben sodann, wenn Milzbrand vorliegt, sicher nach 12 Tagen; bei ihrer Section findet man im Blute massenhaft die charakteristischen Milzbrandbacillen.
2.nbsp; nbsp;Rotz. Man impft mit dem verdächtigen Material (Nasenschleim, Eiter u. s. w.) am besten gleichzeitig mehrere Meerschweinchen subeutan am Bauche, indem man eine Hautfalte mit einer kleinen Scheere einschneidet, eine Hauttasche bildet und in dieselbe das Material einstreicht. Nach 14 Tagen treten charakteristische Rotzsymptome auf: Die Impfstelle hat sich in ein Geschwür umgewandelt, in dessen Umgebung knotige, bis haselnussgrosse Anschwellungen zu fühlen sind, welche späterhin aufbrechen; bei der Section findet man
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Diagnostische Impfungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 151
#9632;dann allenthalbeu vereiterte Lymphdrüsen und Rotzabscesse, bei männlichen Thieren namentlich im Hoden, ausserdem Rotzknötchen in der Milz, Leber und Lunge. Ein negativer Impferfolg berechtigt indessen nicht zur Ausschliessung des Rotzes, vielmehr nur der positive zum sicheren Nachweise des Vorhandenseins desselben. Andere empfehlenswerthe Impfthiere sind Pferde und Esel, welche nach etwa 8 Tagen an acutem Rotz zu erkranken pflegen, sowie Katzen, welche ein ähnliches Krankheitsbild bei subcutaner (dorsaler) Impfung zeigen, wie die Meerschweinchen.
8. Tuberkulose. Am besten impft man Meerschweinchen subcutan (wie beim Rotz) oder intraperitoneal. Bei der subcutanen Impfung entsteht nach 14 Tagen an der Impfstelle ein eiteriges Ge--schwür, in dessen Umgebung sich später die Lymphdrüsen vergrössem. Tödtet man die Impfthiere nach 12 Monaten, so findet man Tuberkulose des Gekröses und Netzes, der Milz, Leber und Lungen.
4.nbsp; Hühnercholera. Man impft subcutan mit dem Blute der gestorbenen oder mit den Fäces der lebenden Thiere eine Taube, seltener macht man einen Fütterungsversuch. Gewöhnlich nimmt man einen Blutstropfen eines crepirten Thieres und sticht ihn mittelst einer Lancette einige Millimeter unter die Brusthaut einer Taube, worauf dieselbe nach 1248 Stunden stirbt und bei der Section das charakteristische Bild der Cholera (hämorrhagische Enteritis) und im Blute die specifischen Cholerabacterien zeigt.
5.nbsp; Schweinerothlauf. Die subcutane Impfung bei Mäusen (Hauttasche) oder Tauben (Brust) erzeugt bei ersteren nach 24 Stunden Traurigwerden, gesträubtes Haar, Dyspnoe sowie schleimigen Augenausfluss und Verklebung der Lider als sehr charakteristisches Krankheitsbild. Mäuse sterben nach 24, Tauben nach 34 Tagen. Im Blute der Impfthiere findet man die specifischen Bacillen.
6.nbsp; Schweineseuche. Die subcutane Impfung tödtet Mäuse in 23, Kaninchen in ^8 Tagen. Die Impfstellen sind dann ödematös entzündlich infiltrirt, in der Brust- und Bauchhöhle befinden sich Exsudate, die Leber ist verfettet, im Blute, in den Exsudaten und an der Impfstelle finden sich reichlich die specifischen Bacterien.
7.nbsp; Schweinepest. Bei subcutaner Impfung erkranken Kaninchen nach 34 Tagen und sterben nach 712 Tagen. Bei der Section findet man Vergrösserung der Milz, zahlreiche gelbliche nekrotische Herde in der Leber, Röthung und Ekchymosirung der Dünndarmschleimhaut, schleimige, zähe Massen im Darm. In den inneren Organen sind die charakteristischen Bacterien reichlich zu
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152nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Diagnostische Impfungen.
tinden, dagegen nur spärlich im Blute und an der Impfstelle (Gegensatz zur Schwein eseuche).
8.nbsp; Druse. Am besten eignen sich die dem Rotz gegenüber immunen weissen Mäuse zur Impfung (subcutan in der Kreuzgegend mit einem Tropfen Eiter oder Nasenausfluss geimpft). Meist crepiren sie dann nach 36 Tagen und bieten bei der Section das ausgesprochene Bild der Septikämie (Milztumor, trübe Schwellung der inneren Organe, Exsudate in den Körperhöhlen, blutige Infiltration der Impfstelle); im Blute tinden sich die specifischen Drusekokken. Seltener sterben die Thiere nach 1020 Tagen unter dem Bilde der Pyaemia metastatica. Feldmäuse eagiren im Gegensatzr zum Botze nur local auf eine Druseimpfung.
9.nbsp; nbsp;Brustseuche. Am besten eignen sich weisse Mäuse und Kaninchen zur Impfung. Subcutan geimpfte weisse Mäuse sterben meist nach 12 (37) Tagen. Die Section ergibt septikämische Veränderungen, zuweilen auch Pneumonic; in allen Organen sind die specifischen Bacterien zu finden. Kaninchen zeigen bei Impfung am Ohr starke erysipelatöse Schwellung desselben und sterben am 5. bis 10. Tag.
10.nbsp; Malignes Oedem. Nur subcutane Impfungen gelingen bei Mäusen und Meerschweinchen, cutane bleiben erfolglos (im Gegensatz zum Milzbrand). Die Impfthiere sterben nach 824 Stunden unter dem Bilde eines ausgedehnten subcutanen Oedems, in welchem die charakteristischen Bacillen leicht nachzuweisen sind.
11.nbsp; nbsp;Wild- und Binderseuche. Kaninchen und Mäuse sterben bei cutaner und subcutaner Impfung schon nach 6 Stunden, bei Fütterungs-Impfung nach 1224 Stunden; im Blute finden sich massenhaft die Bacterien der Septicaemia haemoi'rhagica, charakteristisch ist ferner bei Kaninchen eine hämorrhagische Tracheitis.
12.nbsp; Kanadische Pferdepocke. Die Impfung ist eine cutane und besteht in dem einfachen Einreiben der eingetrockneten Krusten auf die abgeschorene Haut desselben oder eines anderen Pferdes, worauf nach einigen Tagen die charakteristischen Pusteln entstehen. Dasselbe beobachtet man nach 47 Tagen bei Kaninchen.
Tuberkulinimpfung. Das Tuberkulin, ursprünglich von Koch als Heilimpfmittel gegen die Tuberkulose empfohlen, hat sich als ein sehr schätzbares diagnostisches Impfmittel zur Feststellung der Tuberkulose beim Bind herausgestellt. Die zweckmässigste Dosis beträgt 0,5.. Tuberkulose kann mit grösster WahrscheinUchkeit angenommen werden,, wenn etwa 15 Stunden nach der subcutanen Injection des Tuberkulins
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Diagnostische Impfungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 153
die Innentemperatur des geimpften Thieres mindestens um einen Grad steigt und die höchste Temperatur mindestens 400 C. beträgt (vereinzelt reagiren auf Tuberkulin auch Rinder mit Mastitis, Leber- und Lungenabscessen, traumatischer Pericarditis, Echinokokken und Acti-nomykose).
Malleinimpfung. Dieselbe bildet das Analogen zur Tuberkulin-impfung. Eotzverdächtige Pferde, welche etwa 10 Stunden nach der subeutanen Injection des Malleins Fiebererscheinungen zeigen, können mit ziemlicher Sicherheit als rotzkrank diagnosticirt werden.
Impfungen zu wissenschaftlichen Zwecken. Dieselben werden weder zu Schutz- noch zu Heil- oder diagnostischen Zwecken, sondern lediglich zur Lösung gewisser wissenschaftlicher Fragen angestellt. Hierher gehört z. B. die Fütterungsimpfung bei Tuberkulose, um die Contagiosität bezw. Gesundheitsschädlichkeit des Fleisches tuberkuloser Thiere festzustellen, ausserdem eine Eeihe von Impfungen, welche lediglich bacteriologisches Interesse haben und zur Reingewinnung der Bacterien, zur Bestimmung ihrer Virulenz u. s. w. dienen.
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Diätetische Mittel. Diätetica1).
1. Plastische Mittel. Plastiea2).
Synonyma: Nutrientia3), Euplastica4), Antatropliica5), Antidepertitoria6); Nahrungsmittel; Blutplastica, Knoclienplastica etc.
Begriff und Eintheilung. Als plastische Mittel bezeichnet man solche, welche heim Aufbau und bei der Zusammensetzung des Thierkörpers betheiligt sind. Je nach den einzelnen Organen kann man genauer Blutplasticfi (vergl. S. 37), Knoclienplastica, Muskel-plastica etc. unterscheiden. Ausserdem theilt man sie ein in Nahrungsmittel und medicinische Plastiea.
1.nbsp; Die Nahrungsmittel (diätetische Mittel im engeren Sinne) sind naturgemäss die wichtigsten Plastiea. Bei der Krankentherapie handelt es sich indessen weniger um die Nahrungsmittel als solche, sondern um die Aufgabe, die gewöhnlichen Nahrungsmittel in einer möglichst leicht verdaulichen Form zu verabreichen (Kranken-diät). So gibt man Pferden bei gewissen Krankheiten den Hafer gequetscht oder gerissen oder man füttert statt Hafer Brot, Fleischfressern gibt man das Fleisch fein geschabt, jugendhehen Thieren gibt man Eier, dextrinhaltige Mehlsorten (Kindermehlquot;), Legumi-nose etc., gegen Darmkatarrhe verabreicht man Schleimsuppen, geröstetes Mehl u. s. w. Vergl. die Lehrbücher der Diätetik.
2.nbsp; Die medicinischen Plastiea stimmen im Wesentlichen mit den sogen. Nährstoffen überein und bestehen daher aus Eiweiss, Fett, Kohlehydraten und Salzen. Die wichtigsten derselben sind
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1)nbsp; ola-.xa, Lebensweise; oia-.rYjTy.ö?, zur Lebensweise gehörig.
2)nbsp; nbsp;nXäxTU), bilden, anbilden, aufbauen.
3)nbsp; nutrire, ernähren.
*) eu, wohl, gut; TzKäzzM, bilden, aufbauen. quot;) avti, gegen; a privativum, tpitpeiv, ernähren. 6) iv-t, gegen; perdere, verlieren.
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Diäte tica.
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Fleischextract, Pejiton, Leberthran, Stärkemehl, Milchzucker, Molken, Eisensalze, Kalksalze, Phosjjhor, Phosphate, Schwefel, Kalisalze, Kochsalz und andere Salze. Eine besondere Unterabtheilung dieser niedicinischen Plastica bildeten früher die sogen. Plastica peptica, nämlich Pepsin und Salzsäure; dieselben sind im Kapitel der physiologischen Stomachica (S. 17) genauer besprochen.
Anwendung. Die plastischen Mittel dienen zur Aufbesserung der Ernährung in allen acuten oder chronischen Krankheiten, welche mit Abmagerung oder Grewebsreduction, namentlich mit Blutarmuth, eiuhergehen. Am häufigsten beobachtet man die letzteren Erscheinungen bei chronischen, constitutionellen Krankheiten, so namentlich bei Anämie, Leukämie, perniciöser Anämie, Rachitis, Osteo-malacie, Scorbut, Zuckerharnruhr u. s. w.; ausserdem bei vielen chronischen, stark consumirenden Krankheiten, so z. B. bei Tuberkulose, chronischen Magen- und Darmkatarrhen, Carcinoma tose etc.; und endlich bei hochfieberhaften acuten Krankheiten mit stark gesteigertem Stoffwechsel, insbesondere bei den acuten Infectionskrankheiten: Brustseuche, Hundestaupe, Aphthen-seuche u. s. w.
Eine Contraindication für die Anwendung plastischer Mittel liegt eigentlich nur bei einer einzigen Krankheit, nämlich der Fettsucht vor, welche umgekehrt mit sogen, antiplastischen Mitteln zu bekämpfen ist. Vergl. das Kapitel über Antiplastica S. 157.
Arzneimittel. 1. Fleischextrakt. In Folge seines Gehaltes an Blutsalzen (phosphorsaures Kali, Eisen) wichtiges Blutplasticum bei Anämie tind Leukämie sowie allgemeines Plasticum bei chronischen Ernährungsstörungen der Fleischfresser. Ohne Nährwerth, weil frei von Eiweiss, Kohlehydraten und Fetten. Dosis für Hunde 210,0.
2.nbsp; Pepton. Ersatz für Eiweiss. Leichter löslich und leichter verdaulich. Plasticum bei chronischen Ernährungsstörungen der Fleischfresser. Dosis für Hunde 1025,0, Katzen 510,0.
3.nbsp; Leberthran. Wegen seines Gehaltes an freien Fettsäuren leicht verdaubares Fett. Wichtiges Diäteticum bei Rachitis, Anämie, Tuberkulose, Carcinornatose, überhaupt nach erschöpfenden Krankheiten. Dosis für Pferde und Einder 100500,0, Schafe, Ziegen und Schweine 50100,0, Hunde 10-50,0, Katzen 510,0, Geflügel 2-5,0.
4.nbsp; Eisen. Specificum gegen Anämie und Leukämie. Anwendung in kleinen, öfters wiederholten Dosen in Form des Ferrum pulveratum, Ferrum sulfuricum, der Tinctura Ferri pomata und anderer Eisenpräparate (vergl. S. 38). In neuerer Zeit wird auch der Blutfarbstoff selbst als Hämoglobin oder Trefusia angewandt.
5.nbsp; Calcium phosphoricum. Specificum gegen Eachitis und Osteomalacie. Gewöhnlich Anwendung in Form des aufgeschlos-
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156nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Roborantien.
seneu Knochenmehls. Dosis für Binder 2550,0, Pferde 1025,0, Kälber, Fohlen, Schafe, Ziegen, Schweine 515,0, Hunde 0,55,0, Hühner 12,0. Früher wurden ausserdem Calcium carbonicum und Kalkwasser angewandt.
6.nbsp; nbsp;Phosphor. Specificum gegen Rachitis und Osteomalacie. Gleichzeitig Plasticum und Reizmittel für das Knochengewebe. Meist zusammen mit Leberthran. Dosis für Pferde und Rinder 0,010,05, Schafe und Sehweine 0,002-0,005. Hunde 0,00050,002, Katzen und Geflügel 0,00050,001.
7.nbsp; Schwefel. Allgemeines Plasticum (S-Gehalt des Körpereiweisses). Dosis für Pferde und Rinder 25,0, Hunde 0,05-0,2.
8.nbsp; Kalium bicarbonicum. Blutplasticum (Blutkörperchen). Specificum gegen Skorbut. Dosis: Rind 50100,0. Pferd 25-50,0, Schaf und Ziege 510,0, Schwein 25,0, Hund 0,5-2,0.
9.nbsp; Natrium chloratum. Gebräuchlichstes Plasticum in der Thier-zucht. Muskel-, Blut-, Drüsen - Plasticum (Blutplasma). Dosis = Kalium bicarbonicum.
10.nbsp; nbsp;Sal Carol in um factitium. In kleinen Dosen (wie Kochsalz) gutes Plasticum in Folge Steigerung des Stoffwechsels.
Ausserdem benützt man als Plastica Stärkmehl (für jugendliche Thiere), Milchzucker (desgleichen), Molken, fette Gele, Malzextrakt u. s. w.
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3. Ctenussmittel. Roborantien1).
Synonyma: Tonica -}, Confortativa'''), Conibrtantia: kräftigende, stärkende Mittel.
Begriff und Anwendung. Die Genussmittel unterscheiden sich von den Nahrungsmitteln dadurch, dass sie nicht Bestandtheile des Thierkörpers sind; sie stimmen mit jenen aber darin überein, dass sie die Störungen der Ernährung und des Stoffwechsels liehen, indem sie den Körper kräftigen und stärken. Zum Theil wirken sie auch als Ersatzmittel der eigentlichen Nahrungsmittel und dienen so als Sparmittel. Die Genussmittel bilden daher eine Gruppe von Arzneimitteln, welche in der Mitte zwischen den Plastica und den Excitantien stehen. Die frühere Bezeichnung Tonica ist zur Zeit fast allgemein aufgegeben, da die Genussmittel nicht sowohl die Spannung der Gewebe, namentlich der Muskeln, sondern den Stoffwechsel, die eigentliche Zellthätigkeit, und zwar in gleicher Weise in den Muskeln, wie in den Nerven und Drüsen anregen.
Die wichtigsten Roborantien in der Thierheilkunde sind der Alkohol, welcher einestheils in Folge seiner Oxydation zu Kohlen-
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') robur, Kraft, Stärke.
-) xsivu), strecken; tovo;, Sehne, Spannung; tonus, Muskelspannung.
3) fortis, stark; confortare, stärken.
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Entfettungsinittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 157
säure und Wasser als Sparmittel für Kohlehydrate und Fette dient, anderntheils die Thätigkeit und den Stoffwechsel der Köqierzellen, insbesondere des Gehirns, des Herzens, der Skelettmuskulatur und der Drüsen anregt. Wie Alkohol wirken Wein, Bier, Branntwein, Cognac und andere alkoholhaltige Flüssigkeiten. Sehr wichtige Grenussmittel sind ferner Kaffee und andere coffeinhaltige Stoffe (Thee, Cacao). Endlich ist der Arsenik als viel gebrauchtes Roborans zu nennen.
Die Krankheitszustände, gegen welchen die Grenussmittel Anwendung finden, sind im Wesentlichen Ernährungsstörungen und Schwächezustände im Verlaufe chronischer und acuter Krankheiten, nach schweren Geburten, starken Blutverlusten u. s. w.
Arzneimittel. 1. Alkohol. Bestes Eoborans in der Eeconvales-cenz nach schweren acuten oder ehronisclien Krankheiten, bei kachektischen Zuständen, nach schweren Geburten, Blutverlusten etc. Gleichzeitig Sparmittel und Excitans. Wiederholte kleine D o s e n : Pferd und Rind 2550,0, Hunde 25,0. Dosis des Branntweins und Cognacs das doppelte. Dosis des Weines und Bieres liter- resp. esslöffelweise.
2.nbsp; Kaffee. Vorwiegend Excitans für Schwäche- und Lähmungs-zustände des Gehirns, Rückenmarks, Herzens und der Körpermuskulatur.
3.nbsp; Arsenik. Roborans bei chronischen Ernährungsstörungen und Inanitionszuständen, insbesondere bei allgemeiner Carcinomatose, Leukämie, Anämie, Rachitis, Osteomalacie, chronischen Ekzemen. Dosis für Perd und Rind 0,1-0,5, Schaf und Schwein 0,010,05, Hunde 0,0010,005 (210 Tropfen der Fowler'schen Lösung).
3. Entfettuugsnüttel. Antiplsistica1).
Synonyma: Dysplastioa 2); Entfettungskurec, Abstinenzkureu, Hungerkuren.
Wirkung. Die antiplastischen Mittel dienen ausschliesslich zur Bekämpfung und Beseitigung der Fettsucht oder Fettleibigkeit, das heisst einer abnormen Ansammlung von Fett im Ünterhautbinde-gewebe, in der Leber, im Herzen, in den Körperhöhlen u. s, w. als Folgeerscheinung zu intensiver Fütterung bei mangelnder Bewegung und Arbeitsleistung. Man theilt die Entfettungsmittel herkömmlich in zwei Gruppen: in sogen, diätetische und medicinische.
Diätetische Entfettungsmittel. Dieselben bestehen in einer methodischen, rationellen Fütterung, in Regulirung der Diät resp. in der partiellen oder gänzlichen Entziehung bestimmter Nährstoffe und Nahrungsmittel. Die einfachste Entfettungsmethode, welche meist
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') Svtt, gegen: zkaziui, bilden, ansetzen. 2) oüc, wider: -)m--iu, bilden.
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158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entfettungsmethodeu.
bei den Thieren ausreicht, ist eine Hungerkur oder Abstinenz-k u r. Dieselbe besteht darin, dass man die zu fetten Thiere eine Zeit lang entweder gar nicht füttert oder ihnen die Futterstoffe mehr oder weniger reducirt. Gleichzeitig wirkt als Unterstützungsmittel Arbeit und Bewegung. Dieses Verfahren ist indessen nicht für alle Fälle durchführbar. Bei vorgeschrittener Fettsucht wird durch eine reine Enthaltungskur der an und für sich eiweissarme Körper noch mehr geschwächt. Andererseits lässt sich eine Hungerkur nicht immer durchführen (verwöhnte Hunde). Deshalb besitzen auch in der Thier-heilkunde, namentlich in der Hundej)raxis, die beim Menschen üblichen modernen diätetischen Entfettungsmethoden eine gewisse Bedeutung. Die wichtigsten sind folgende:
1.nbsp; nbsp;Die Bantingkur 1). Dieselbe besteht in einer reinen Ei-weissdiät; wobei nur fettfreies Fleisch als Nahrung zugelassen wird. Der Nahrung fehlen also Kohlehydrate und Fette vollständig; in Folge dessen wird zur Deckung des Kohlenstoffbedarfs des Körpers das in demselben aufgestapelte Fett angegriffen und oxydirt. Diese Methode erfordert grosse Vorsicht. Wird sie zu lange Zeit hindurch fortgesetzt, so wird nach dem Schwinden des Körperfettes auch das Körpereiweiss angegriffen, und der normale Eiweissbestand geht trotz der vermehrten Eiweisszufuhr zurück.
2.nbsp; Die Ebstein'sche-) Entfettungsmethode. Dieselbe schliesst aus der Nahrung nur die Kohlehydrate aus, lässt also neben Eiweiss noch Fett zu. Der Fettzusatz soll ein frühzeitiges Sättigungsgefühl und damit Verminderung der Futteraufnahme im Ganzen herbeiführen.
3.nbsp; nbsp;Die Oertel'sche3) Entfettungsmethode. Dieselbe beruht im Wesentlichen auf Wasserentziehung-, Eiweiss, Fett und Kohlehydrate sind alle drei zugelassen. Ausserdem wird vermehrte Arbeitsleistung angestrebt. Die Methode ist speciell zur Beseitigung der Herzverfettung bestimmt. In Folge der Wasserentziehung vermindert sich die Blutmenge und damit der dem Herzen entgegentretende Widerstand. Die gleichzeitige künstliche Steigerung der Herzthätigkeit wirkt auf den Herzmuskel entfettend und kräftigend.
Medicinische Entfettungsmittel. Dieselben sind gegenüber
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') W. Banting-, ein fettsüchtiger Engländer, wurde von seinem Arzte Dr. Harvey nach der in England schon früher bekannten Fleischmethodequot; mit Erfolg behandelt und veröffentlichte seine Erfahrungen 1863 in einem Buche: Letter on corpulence addressed to the public.
2)nbsp; Ebstein, Prof. der Medicin in Göttingen.
3)nbsp; nbsp;Oertel, Prof. der Medicin in München.
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Entfettungsmethoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;159
den diätetischen mit Recht in den Hintergrund getreten. Sie bestehen in der Anwendung von Abführmitteln, namentlich von Glaubersalz. Die häufig wiederholte, rasche Entleerung des Darminhaltes entzieht dem Körper eine Menge von Nährmaterial, so dass schliesslich das überflüssige Körperfett als Ersatz dienen muss. Gleichzeitig wird durch die specifische Wirkung der Alkalien der Stoffwechsel im Körper und damit die Oxydation des Fettes gesteigert. Am gebräuchlichsten ist die Anwendung des Glaubersalzes in Form des Karlsbader Salzes.
Die frühere übliche Anwendung des Jods als Antiplasticum ist bei der Fettsucht irrationell, weil das Jod eine Abmagerung nur mit Hilfe eines chronischen Jodismus herbeiführt. Diese Jodtherapie ist daher zur Zeit vollkommen verlassen. Das Jod ist als Antiplasticum speciell nur bei . Hyperplasien der Schilddrüse und der Lymphdrüsen indicirt. Die Anwendung von Brechweinstein, Calomel u. s. w. als Entfettungsmittel ist ebenfalls verwerflich.
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Indifferente Mittel1). Mechanica2).
Begriff. Mit der Benennung indifferentquot; oder mechanischquot; bezeichnet man in der Therapie eine Gruppe von Arzneimitteln, welche ohne besondere chemisch-pharmakologische Wirkung auf den Organismus hauptsächlich zu äusserlichen. rein mechanischen Zwecken angewendet werden. Hierher gehören die einhüllenden, erweichenden, reinigenden, einsaugenden, erweiternden und vereinigenden Mittel.
1. Einhüllende, (leckende Mittel. ProtectiTa8).
Synonyma: Obtegentia4), Involventiar'), Obvolventiaquot;). Lubricantia 7); Deckmittel, Schutzmittel, Verbandmittel, reizmiklernde Mittel.
Anwendung. Die einhüllenden Mittel dienen zur Bedeckung der Haut und Schleimhäute bei Verwundungen und Entzündungs-zuständen derselben bezw. als Schutzmittel zur Verhütung und Abwehr krank machender Einwirkungen. Auf der Haut sind es vor Allem die Wunden, welche mit chirurgischen Verbandmitteln behandelt werden; ausserdem erfordern die verschiedenen Arten der Ekzeme, Verätzungen und Verbrennungen, sowie der eigentlichen Hautentzündungen die Anwendung deckender Mittel in Salbenform. Die letzteren werden auf der Haut auch prophylactisch applicirt zum Schütze gegen abfliessende Secrete (Eiter) und ätzende Stoffe (Canthariden). Innerlich verabreicht man einhüllende Mittel bei den verschiedenen Ent-
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') indifferens, ohne Unterschied, ohne besondere Wirkung, gleichgültig'.
2)nbsp; Rein mechanisch wirkend.
3)nbsp; protegere, bedecken, schützen.
4)nbsp; nbsp;obtegere, zudecken. r') involvere, einhüllen.
G) obvolvere, aufwälzen, aufdecken. ') lubricare, schlüpfrig machen.
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Indifferente Mittel.
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zündungszustänclen der Schleimhaut desPharynx,Schlundes,Magensund Darmes sowie als mechanische Gegengifte bei Intoxicationen (vergl. S. 112); auch die Schleimhaut der Blase und des Mastdarmes ist für die Application derProtectiva zugängig. Endlich benützt man die deckenden Mittel zur Verhinderung der quot;Wärme- und Elüssigkeitsabgabe auf der Haut, zur Beförderung der Hautresorption bei der epidermatischen Arzneiapplication sowie zum Schlüpfrigmachen der Instrumente und Hände.
Arzneimittel. 1. Fette Oele: Schweinefett, Olivenöl. Leinöl, Mandelöl, Rüböl, Mohnöl, Leberthran, Oleum Cacao und Cocos, Sebum ovile, Cetaceum. Unguentum leniens, Sebum salicylatum etc.
2.nbsp; Schleimige Mittel: Leinsamen, Gummi arabicum. Althaea, Traganth, Salep, Malven. diätetische Mittel (Hafer-, Gerstenschleim, Honig).
3.nbsp; Paraffinsalbe, Lanolin, Wachssalbe.
4.nbsp; Pflaster und Linimente (Heftpflaster, Lund'sches Pflaster, Brandliniment).
5.nbsp; Höllenstein (Silberdecke bei Verbrennungen und anderen Hautaffectionen).
6.nbsp; nbsp;Gelatine, Collodium, Traumaticin, quot;Wasserglas.
7.nbsp; Amylum, Lycopodium, Zinkoxyd. Bolus, Talcum, Pulvis salicylicus cum Talco etc.
8.nbsp; nbsp;Baumwolle und andere Verbandmittel.
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2. Erweichende Mittel. Emollientia1).
Synonyma: Demulcentia-). Solventia3); lösende, verfliissisrende, zertheilende Mittel.
Wirkung und Anwendung. Die erweichenden Mittel wirken theils durch mechanische Diffusion und Imbibition (Wasser, Oel. Glycerin, Seife), theils durch Verhinderung der Wasser- und quot;Wärmeabgabe (Umschläge), theils durch chemische Auflösung (Laugen, Alkalien) einschmelzend und verflüssigend auf die verschiedenen krankhaften Verhärtungen der Haut, Unter haut, Sehnenscheiden, Sehnen, Muskeln etc. Soweit eine innerliche Erweichung und Lösung in Betracht kommt, sind die betr. Mittel bereits im Kapitel
') mollis, weich; emollire, erweichen. 2) demulceo, lindern, mildem, besänftigen. *) solvo, lösen. Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; jj
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1(52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Indifferente Mittel.
der Resorbentia (S. 44), Expectorantia (S. 47) und Diuretica (S. 52) besprochen worden. Die häufigsten äusserlichen Krankheitszustände, welche mit erweichenden Mitteln behandelt werden, sind Hautver-dickungen, Schwielen, Borken und Krusten auf der Haut, squamöse Ekzeme, Verdickungen der Subcutis, harte Anschwellungen in den Sehnen und Sehnenscheiden bei Tendinitis und Tendovaginitis, Drüsenverhärtungen, Milchknoten, rheumatische Verhärtungen in den Muskeln etc.
Arzneimittel. 1. Wasser und alle wasserhaltigen Mittel (Bäder. Kataplasmen, feuchte Umschläge).
2.nbsp; Feuchte Wärme, namentlich in Form von Priessnitz'sehen Umschlägen.
3.nbsp; Fette, Seifen, Glycerin, Laugen (Natronlauge, Kalilauge, Kalium sulfuratum).
3. Beinigende Mittel.
Bedeutung. Die gewöhnlichen Reinigungsmittel Wasser und Seife bewirken zunächst eine mechanische Entfernung von Schmutz, Borken, Eiter und sonstigen Krankheitsproducten, sowie namentlich auch von Infectionsstoffen. In letzterer Hinsicht sind mithin die Reinigungsmittel gleichzeitig auch Desinfectionsmittel. Dieser Gesichtspunkt ist von besonderer Wichtigkeit. Wie schon früher (S. 98) hervorgehoben worden ist, kommt in vielen Fällen eine gründliche Reinigung im Werthe einer Desinfection gleich. Für gewöhnlich genügen als Desinfectionsmittel die Reinigungsmittel: Wasser und Seife, wofern sie rationelle Anwendung finden. Die Voraussetzung hierbei ist vor Allem, dass das angewendete Wasser selbst rein, d. h. frei von Infectionsstoffen ist, dass es ferner in genügender Menge und womöglich warm bezw. heiss zur Anwendung gelangt, und dass die Seife den Anforderungen an ein gutes Präparat entspricht. Am besten ist in dieser Beziehung für die Reinigung der Haut eine durchaus neutrale Seife (Schmierseife reizt die Haut, wie dies namentlich häufig bei Hunden beobachtet werden kann). Dagegen ist für die Reinigung von fremden Gegenständen und Utensilien eine möglichst alkalisch reagirende, d. h. freie Lauge enthaltende Seife, mithin Schmierseife vorzuziehen, weil bei derselben ausserdem noch (he reinigende und desinficirende Wirkung der freien, durch Fettsäuren nicht neutralisirten Lauge hinzukommt.
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Indiflerente Mittel.
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lü:J
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Einsaugende Mittel (Imbibentia1). Rophetica-). Absorbentia3). Dieselben dienen zum Aufsaugen von Blut, Serum, Eiter und anderen Flüssigkeiten. Ihre Wirkung ist eine rein physikalische. Hierher gehören vor Allem die Verbandstoffe (Baumwolle, Holzwolle, Jute etc.) Die stärkste imbibirende Wirkung besitzt die Holzwolle. Ausserdem besitzt absor-birende Wirkung für Gase (SHj) und Gifte die frisch geglühte Kohle sowie für Jod das Stärkemehl.
Erweiternde Mittel (Dilatantia1). Eine mechanische Erweiterung durch Quellstifte (Laminaria, Tupelo) findet in der Chirurgie und Geburtshilfe statt.
Vereinigende Mittel (Contentiva''). Dieselben dienen zur Vereinigung bei Continuitätstrennungen (Wunden, Knochenbrüche). Die sogen. Contentiv-verbände bei Knochenbrüchen werden aus Gummi, Leim, Kautschuk, Wasserglas, Gips, Kleister, Tripolith u. s. w. hergestellt. Arzneiliche Vereinigungsmittel für Wunden sind Collodium, Traumatiein und Heftpflaster.
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') imbibere, eintrinken, einsaugen.
-) iotpsiu, schlürfen, saugen.
s) absorbere, einsclilürfen.
#9632;#9632;) dilatare, verbreitern, erweitern.
5) continere, zusammenhalten.
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quot;*quot;#9632;
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Das Wasser als Heilmittel. Hydrotherapie1).
Synonyma: Hydropathie2), Hydriatrik8), Balneotherajiie4), Priessnitz'sche Kur5), Wasserkur.
Allgemeines. Die Auwendimg des Wassers als Heilmittel ist uralt (olpiatov [xsv 'iowp, Pindar). Trotzdem ist man auch heute noch nicht im Stande, eine klare wissenschaftliche Analyse seiner Heilwirkung aufzustellen. Manche unzweifelhafte Erfolge der Hydrotherapie sind immer noch das Resultat einer reinen Empirie (Priessnitz), und lassen sich- zur Zeit wissenschaftlich gar nicht oder nur ungenügend erklären. Die Schwierigkeit einer rationellen Begründung der Wassertherapie ist vor Allem in dem Umstände zu suchen, dass die Wirkung des Wassers auf den Körper eine ausserordentlich complicirte ist. Es handelt sich offenbar bei der Wasserkur um das Zusammenwirken mehrerer verschiedenartiger Factoren. Mcht bloss das Wasser selbst, sondern vor Allem auch seine Temperatur, sowie gewisse mechanische Momente scheinen sich bei der Anwendung desselben in ihrer Wirkung zu verbinden; von wesentlicher Bedeutung ist ferner die Dauer der Anwendung, sowie ein etwaiger Wechsel von kaltem und warmem Wasser. Im Allgemeinen kommt unter den verschiedenen Eigenschaften des AVassers der hautreizenden Wirkung des kalten AVassers in der thierärztlichen Therapie die grösste Bedeutung zu. Die in der Menschenheilkunde übliche innerliche Anwendung des AVassers (Brunnenkuren) ist für die Thierheilkunde bedeutungslos. AVie bei den übrigen Hautreizen, so ist auch beim AVasser die Wirkung auf den Körper eine ausserordentlich vielseitige.
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') uocop, Wasser; iHpansuui, dienen, heilen.
2)nbsp; nbsp;uSujp, Wasser; ira9-o?, Leiden.
3)nbsp; nbsp;uStup, Wasser; tafpcwv), Heilkunde.
4)nbsp; balneum, Bad; {hparceuu), heilen.
5)nbsp; Vincenz Priessnitz, Landwirth in Gräfenberg (Österreich. Schlesien); lebte 17991851 und gründete 1826 die erste Wasserheilanstalt.
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Hydrotherapie.
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Die mannigfaltige Anwendung der Hydrotherapie bei den verschiedensten Krankheitszuständen ist daher ebenso erklärlich wie berechtigt.
Wirkung. 1. Auf der Haut wirkt das Wasser zunächst reinigend und dadurch in einem gewissen Sinne desinficirend. Es bedingt ausserdem bei längerer Einwirkung eine Aufquellung und Lockerung (Maceration) der Epidermiszellen mit vermehrter Des-quamation derselben. Da ferner die Wärmecapacität des kalten Wassers eine sehr hohe ist, so wirkt dasselbe bei localer wie bei allgemeiner Anwendung wärme entziehend, mithin bei abnorm hohen Temperaturverhältnissen fieb er widrig. Ausserdem wirkt das kalte Wasser als schwacher Hautreiz, welcher zunächst eine Contraction der Hautgefässe und glatten Hautmuskel mit Anämie, später jedoch als reactive Erscheinung eine starke Ausdehnung der Gefässe der Haut und der unter ihr gelegenen Theile mit starker Hyj^erämie derselben zur Eolge hat. Auf diese Weise erhält das kalte Wasser die Bedeutung eines Epispasticum rubefaciens, welches nicht nur die localen Circulationsverhältnisse der Haut sowie der unter derselben gelegenen Theile (Unterhaut, Sehnen, Sehnenscheiden, Muskeln, Gelenke, Knochen) beeinflusst und verändert, sondern auch bei ausgedehnter Anwendung die Blutvertheilung des ganzen Körpers in der Weise beeinflusst, dass das Blut aus dem Centrum des Körpers in die Peripherie strömt und die inneren Organe somit entlastet werden. Schon aus dieser ersten Wirkung auf die Haut ergeben sich zahlreiche Indicationen für die Behandlung localer Krankheiten der Haut, der Subcutis, der Muskulatur, der Sehnen, Knochen und Gelenke, wie allgemeiner fieberhafter und innerlicher Erkrankungen. Weiter wird durch die erzeugte Hauthyperämie die secre-to rise he Thätigkeit der Haut (Wasser, Harnstoff, Kohlensäure und andere Stoffwechselproducte) ganz wesentlich, zuweilen selbst bis zum Sehweissausbruch, angeregt. Da durch die genannte Function die Haut mit verschiedenen inneren Organen, namentlich mit den Nieren und mit der Lunge, in Connex steht, lassen sich mithin durch die Anwendung des Wassers auch nach dieser Richtung therapeutische Wirkungen erzielen. Das Wasser wirkt endlich je nach seiner Temperatur auf die Hautnerven erregend, oder bei abnormen Schmerzzuständen beruhigend ein.
Von grosser praktischer Bedeutung ist in allen diesen Fällen neben der Temperatur des Wassers die Dauer der Einwirkung sowie ein etwaiger AVechsel von Kalt und Warm. In Beziehung auf die Temperatur hat man zu unterscheiden zwischen kaltem (015ftC.),
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lauem (1530deg; C), warmem (3038deg; 0.) und heissem Wasser (380 und darüber). Nur das kalte und das heisse Wasser wirkt in der oben bescliriebenen Weise ausgesprochen als Hautreiz. Das warme, in seinen Temperaturgraden mit der Körperwärme übereinstimmende Wasser ist durchaus indifferent, die Wirkung des lauen Wassers ist eine nur sehr schwache. Je kälter und je wärmer im Vergleich zur Körperwärme der Thiere das angewandte Wasser ist. um so stärker ist seine Wirkung auf die Haut. Hinsichtlich der Einwirkungsdauer des kalten Wassers ist hervorzuheben, dass dieselbe zu Abkühlungszwecken natürlich möglicbst lang sein muss. Will man jedoch das Wasser als hautreizendes Mittel anwenden, so steht die therapeutische Wirkung im geraden Verhältnisse zur Kürze und Häufigkeit der einzelnen Applicationen. Ist auf die einmalige Anwendung des kalten Wassers die Eeaction der Haut in Form einer Aenderung der Circulationsverhältnisse (Hyperämie) erfolgt, so läuft dieselbe nach einem gewissen Zeitraum wieder ab, und es bedarf naturgemäss eines erneuten Hautreizes, um die gleiche Reaction mit ihren heilsamen Folgen für den Organismus wieder hervorzurufen. Eine noch so lang fortgesetzte continuirliche Anwendung des kalten Wassers bewirkt nur eine einmalige, im Beginne auftretende Reaction. Aus diesem Grunde sind häutige Applicationen angezeigt und deswegen findet auch z. B. bei den Priessnitz'schen Umschlägen ein öfterer Wechsel statt (durchschnittlich alle 3 Stunden). Der Vorgang hierbei ist dann der, dass beim ersten Anlegen des in kaltes Wasser getauchten Umschlags zunächst eine Anämie und Abkühlung der Haut eintritt, welcher allmählich eine Hyperämie folgt, die mehrere Stunden anhält und durch Ueberlegen eines warmen Umschlages befördert wird. Nach dieser Zeit gleichen sich die Circulationsverhältnisse wieder aus, es muss also, um eine neue Reaction zu erhalten, ein neuer Kältereiz, d. h. neuer kalter Umschlag gemacht werden.
Tritt bei einein Patienten auf die regelrechte Application des kalten Wassers keinerlei Reaction der Haut ein, so beweist dies eine grosse Schwäche des Nervensystems und bedingt eine ungünstige Prognose. In prophylactischer Beziehung empfiehlt sich zur Erleichterung des Eintritts der Reaction, sowie zur Uebung und Kräftigung der Haut die öftere Anwendung des kalten Wassers, bei gesunden Thieren (kalte Abreibungen bei Pferden und Rindern, Schwemmen etc.).
2. Der Circulationsapparat wird durch die Wassertherapie
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Hydrotherapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1(37
nach sehr verschiedenen Eichtungen hin heeinflusst. Wie schon bemerkt, bedingt das kalte Wasser zunächst eine Contraction der Haut-gefasse und Anämie der Haut, welche ihrerseits eine Verdrängung des Blutes nach innen, sowie Steigerung des Blutdrucks, der Herzthätig-keit und der Innentemperatur zur Folge hat. Mit dem Eintritt der Reaction auf der Haiit findet jedoch das Gegentheil statt. Die Blut-gefässe erweitern sich, das Blut strömt vom Centrum nach der Peripherie, Blutdruck, Herzthätigkeit, Pulsfrequenz und Innentemperatur sinken. Man ist somit im Stande, durch die Hydrotherapie auf sämmtliche Einzelfactoren der Circulation einzuwirken: auf das Lumen der Blutgefasse, auf ihren Spannungszustand, auf das Herz, auf den Blutdruck, auf die Blutvertheilung, auf die Blutwärme. Das Wasser ist daher bei allen Zuständen von Entzündung und Stauung, sowie bei fieberhafter Allgemeinerkrankung ein sehr werthvolles Heilmittel; es ist insbesondere auch vermöge seines regulirenden Einflusses auf die Blutvertheilung ein ableitendes Mittel, üeber die ableitende Wirkung des Wassers auf tiefer gelegene Organe sind interessante Untersuchungen von S chillier (Deutsches Archiv für klin. Medicin, Bd. 14) angestellt worden, welche für die Therapie, speciell der Gehirnentzündung, von grösster Bedeutung sind. Bei trepanirten Kaninchen zeigte sich nämlich nach dem Auflegen feuchtwarmer Compressen auf die Haut eine Verengerung der Piagefässe mit Zusammensinken des Grehirns, während die Anwendung kalter Hautumschläge oder ein kaltes Vollbad eine Erweiterung der Piagefässe zur Folge hatte. Derselbe Vorgang vollzieht sich offenbar auch im Rückenmark, in der Lunge und in den übrigen Eingeweiden. Aus dieser experimentell festgestellten Thatsache ergibt sich die wissenschaftüche Berechtigung der bisher rein empirisch betriebenen hydropathischen Ableitung, namentüch bei Gehirnentzündung, Lungenentzündung, Pleuritis, Peritonitis, Nephritis u. s. w. Da endlich das kalte Wasser auch den Stoffwechsel steigert, wie dies durch den Nachweis der Vermehrung der Kohlensäureausscheidung und der Sauerstoffaufnahme experimentell bei Thieren festgestellt ist (Röhrig und Zuntz), so sind in Verbindung mit der Anregung der Circulation die resorbirenden Wirkungen des äusserlich in Form von Umschlägen angewandten Wasser wohl verständlich.
3. Das Nervensystem wird zunächst je nach der Temperatur des Wassers in verschiedener Weise heeinflusst; kaltes und heisses Wasser reizt, warmes beruhigt im Gegentheil, es wirkt
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lindernd, herabsetzend auf die Nerventhätigkeit. Dabei kann man je nach der localen oder allgemeinen Anwendung des Wassers eine örtliche oder totale Umstimmung der Innervation sowohl nach der Richtung der Steigerung wie der Herabsetzung erzielen, was bei den übrigen Hautreizen nicht möglich ist. Bei den Hautnerven ist die Wirkung eine directe, während das übrige Nervensystem refiectorisch von der Haut aus beeinflusst wird (Gegenreiz). Durch die Anwendung kalten Wassers lässt sich ganz unabhängig von der Aen-derung der Circulation (Ableitung) ein geschwächtes Nervensystem erregen, wie umgekehrt durch warmes Wasser ein abnormer Er-regungszustand im Nervenapparat herabsetzen. Es gilt dies sowohl für Gehirn und Eückenmark, als auch für die Nerven der einzelnen Organe, so des Magens, Darmes, der Nieren, des Uterus, der Lunge, des Herzens etc. Bekannt ist in dieser Richtung beispielsweise die erregende Wirkung der kalten und die beruhigende, schmerzstillende Wirkung der warmen Wasserumschläge bei der Kolik der Pferde, die günstige Wirkung der Priessnitz'sehen Umschläge bei abnormer Empfindlichkeit des Kehlkopfes (Husten), Gehirns (Kopfweh), der Muskulatur (Rheumatismus), der Gelenke (Entzündung) u. s. w.
4.nbsp; Die Drüsen des Körpers (Leber, Niere, Pankreas, Magen-, Darm-, Hautdrüsen etc.) werden ebenfalls theils auf dem Wege der Circulation (Ableitung), theils auf dem des Nervensystems (Gegenreiz) durch Wasserumschläge in verschiedener Weise beeinflusst. Es lassen sich insbesondere die Secretionen der Leber und Niere je nach der Anwendung des kalten oder warmen Wassers befördern oder vermindern.
5.nbsp; Die Muskulatur hat bekanntlich besondere Beziehungen zur Haut; die sogen. Erkältungskrankheiten (Rheumatismus, rheumatische Hämoglobinämie) beweisen den Zusammenhang beider am deutlichsten. Man hat sich denselben in der Weise vorzustellen, dass die Erkältung als abnormer Hautreiz eine Störung der Circulation, Inner-vation und namentlich auch des Stoffwechsels in der Muskulatur bedingt. Aehnliche Einflüsse auf die kranke Muskulatur lassen sich nun durch die Anwendung der hydropathischen Umschläge erzielen, indem man die gestörte Circulation und Inner vation auf dem Wege der Ableitung und des Gegenreizes behandelt. Am meisten empfiehlt sich hierzu das warme Wasser, welches gleichzeitig auch schmerzstillend wirkt. Das kalte Wasser eignet sich mehr zur prophylactischen Abhärtung gegen die genannten Krankheiten. Die Erfahrung hat gelehrt, dass der Muskelrheumatismus sowohl, wie
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Hydrotherapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;] QQ
die rheumatische Hämoglohinämie wirksam dadurch verhütet werden können, dass man die Haut durch Gewöhnung an Kältereize gegen deren schädliche Folgen abhärtet. Vermeidung zu warmer Stallungen. Gewöhnung an Kälte, insbesondere aber häutige kalte Abreibungen bezw. kalte Bäder im Sommer, sind bei rationeller Anwendung bekanntlich das beste Präservativ gegen die genannten Krankheiten.
6. Die Respiration wird durch kaltes Wasser angeregt; kalte Umschläge werden daher auch als Reizmittel für das Athmungscentrum bei Schwäche- und Lähmungszuständen derselben (Ohnmacht, Vergiftung mit Chloroform etc.), sowie zur Stärkung der Exspiration bei Lungen- und Bronchialkrankbeiten angewandt. Umgekehrt wird die Thätigkeit der kranken Lunge erleichtert durch die Ableitung des Blutes von der Lunge in die Haut (Hautathmung) mittelst feuchtwarmer Umschläge. Die Hydropathie ist daher auch nach dieser Richtung bei der Behandlung der Lungenentzündung und anderer Respirationskrankheiten von grösster Bedeutung.
Anwendung. Der äusserliche Gebrauch des Wassers zu Heilzwecken deckt sich in vielen Fällen mit der Anwendung der hautreizenden Mittel (vergl. S. 72). Die Zahl der Indicationen ist indessen bei der Hydrotherapie eine wesentlich grössere, als bei den Acria. Dazu kommt, dass das Wasser wegen der Einfachheit seiner Application und der Billigkeit des hydro2)athischen Heilaj^arates vor den genannten Arzneimitteln vielfach den Vorzug verdient. Die wichtigsten mit Wasser zu behandelnden Krankheitszustände sind folgende:
1. Locale chirurgische Ati'ectionen der Haut, der Sub-cutis, der Sehnen, Sehnenscheiden. Muskel, Gelenke, Knochen, Lymphdrüsen etc. Bei activen Hyperämien und frischen, acuten Entzündungszuständen der genannten Theile ist die anhaltende Application des kalten Wassers angezeigt. Es wird durch dieselbe eine Contraction der erweiterten Gefässe, eine Abkühlung der entzündeten Gewebe mit Wärmeentziehung und eine antiseptische Beeinflussung der entzündungserregenden Mikroorganismen erzielt. Dagegen sind feuchtwarme Umschläge indicirt bei allen subacuten und chronischen Entzündungen, bei Stauungshyperämie und Extravasationen in den erwähnten Organen. Es gilt dies namentlich für flüssige und feste Exsudate, Verhärtungen, ältere Anschwellungen und Ver-
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dickungen der Haut, der Unterhaut, der Sehnen, Gelenke, Knochen und Muskel, sowie für eiterige Entzündungen und reifende Ahscesse. Die feuchte Wärme soll hierbei die Gefässe erweitern, die gestörte und gesunkene Circulation liehen, den Stoffwechsel und die Resorption fördern, harte Entzündungsproducte erweichen und die Auswanderung der weissen Blutkörperchen (Phagocyten, Eiterkörperchen) unterstützen.
2.nbsp; nbsp;Allgemeine fieberhafte Erkrankungszustände. Die fieberwidrige Wirkung des kalten Wassers in Form von kalten Umschlägen, kalten Berieselungen, kalten Douchen, kalten Bädern, kalten Waschungen, kalten Mastdarminfusionen etc. beruht einfach auf Wärmeentziehimg; dasselbe muss jedoch längere Zeit hindurch einwirken, weil die vorübergehende Application der Kälte zunächst eine Steigerung der Innentemperatur zur Folge hat. Aber auch durch feucht war me Umschläge lässt sich eine sehr wirksame Anti-pyrese insofern erzielen, als unter der Einwirkung derselben das Blut aus dem Centrum des Körpers nach der Peripherie geschafft und daselbst abgekühlt wird; ausserdem spielen hierbei gewisse Einflüsse auf die vasomotorischen und calorigenen Nervencentren mit.
3.nbsp; Entzündung der Lunge, des Brustfells und Bauchfells, des Gehirns und Bückenmarks, des Magens und Darmes, der Nieren und Leber, des Uterus u. s. w. Die hydropathische Wirkung der feuchtwarmen Umschläge besteht, wie dies bezüglich des Gehirns experimentell festgestellt ist (vergl. oben), in Verengerung der entzündlich erweiterten Gefässe der erkrankten Innenorgane und Ableitung des Blutes von denselben nach der Haut, somit Entlastung der kranken Theile.
4.nbsp; Lungenödem, Gehirnödem. Glottisödem. Die Wir-
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ist dieselbe.
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ü. Muskelrheumatismus. Die feuchtwarmen Umschläge wirken ableitend und beruhigend.
6.nbsp; Kolik und Husten. Die Wirkung ist dieselbe.
7.nbsp; Lähmungszustände im Gebiete des Nervensystems (cerebrale, spinale, periphere Lähmungen, Kreuzschwäche, Gebär-parese, Vergiftungen, Parese der Magen- und Darmmuskulatur etc.). Angezeigt hierbei ist das kalte oder heisse Wasser (Hautreiz, Gegenreiz).
8.nbsp; Erregungszustände im Gebiete des Nervensystems (Schmerzen, Krämpfe, Hyperästhesie, gesteigerte Reflexerregbarkeit etc.). Anwendung findet hierbei das warme, berubigende Wasser.
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Priessnitz'sche Umschläge.
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9.nbsp; nbsp;Exsudate (flüssige und feste) in den inneren Organen. Die feuchtwarmen Umschläge befördern die Circulation, den Stoft'-wechsel und die Resorption.
10.nbsp; nbsp;Nieren- und Leberkrankheiten (Anregung bezw. Sistirung der Secretion, Ableitung).
11.nbsp; nbsp;Katarrhe im Respirationsapparat (Inhalation von Wasserdämpfen).
12.nbsp; nbsp;Fettsucht (Äm-egung des Stoffwechsels).
Applicationsformon. 1. Priessnitz'sche Umschläge. Dieselben werden in der Weise ausgeführt, dass man die Haut zunächst mit leinenen oder baumwollenen, in kaltes Wasser getauchten Tüchern bezw. Binden bedeckt und auf diesen nasskalten Umschlag trockene wollene Decken bezw. Binden so anlegt, dass die Oberfläche des Verbandes durchaus trocken bleibt (feuehtwarme Umschläge). Nach etwa 13 Stunden hat sich unter dem Verbände eine reactive Hauthyperämie in der oben geschilderten Weise eingestellt, so dass der Verband nach dieser Zeit erneuert werden muss. Auch ist die Erneuerung angezeigt, wenn die innere Verbandschichte trocken geworden ist. Zu beachten ist, dass wegen der bald eintretenden Hautmaceration die Priessnitz'schen Umschläge nicht allzulauge fortgesetzt werden dürfen; um eine Entzündung der Haut zu vermeiden, empfiehlt es sich vielmehr, entweder über Nacht oder alle 23 Tage mit den Verbänden auszusetzen.
Zuweilen wird der Priessnitz'sche Umschlag auch zur Entziehung von Wärme angelegt. In diesem Falle wird er je nach der Oertlichkeit alle '14quot;/s Stunden erneuert.
2.nbsp; nbsp;Irrigationen. Man versteht darunter Berieselungen des Körpers oder von Körpertheilen mittelst kalten Wassers, welches in Gummischläuchen (Irrigatoren) zugeleitet wird. Dieselben dienen hauptsächlich zur allgemeinen und localen Wärmeentziehung beim Fieber und bei Entzündungen peripherer Theile (Hufe, Sehnen, Gelenke, Kopf).
3.nbsp; Douche. Dieselbe besteht in der Application eines kalten Wasserstrahls mit gleichzeitiger Einwirkung mechanischer Kraft (Druckspritzen, Druck der Wasserleitung, Irrigation aus der Höhe) und wirkt als kräftiges Erregungsmittel für das Nervensystem, insbesondere für Depressionszustände des Gehirns und Rückenmarkes.
4.nbsp; Bäder. Vollbäder kommen bei den Hausthieren zum Zwecke der Hydrotherapie im Allgemeinen selten zur Anwendung; dagegen werden kalte und warme Localbäder, namentlich Fussbäder bei Pferden, Rindern und Hunden, theils zum Zwecke der Abkühlung, theils der Erweichung und Reinigung etc. in verschiedenen Formen angewandt.
5.nbsp; Kalte Infusionen in den Mastdarm. Dieselben dienen theils zur Herabsetzung der fieberhaften Körpertemperatur, theils zur reflec-torischen Anregung der Darmthätigkeit und zur Evacuirung des Mastdarmes. Sie werden am häufigsten bei Pferden vorgenommen (Klystiere, Irrigationen).
6.nbsp; Lehmanstrich. Die älteste Form der Hydrotherapie in der Thierheilkunde. Derselbe wirkt durch das benützte kalte Wasser in Verbindung mit der entstehenden Verdunstungskälte wärmeentziehend und dadurch entzündungs- und fieberwidrig und wird namentlich zu chirur-
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gischen Zwecken (Entzündung der Sehnen, Gelenke, Muskel etc.) angewandt. Voraussetzung für seine abkühlende Wirkung ist das constante Feuchterhalten; ein trockener Lehmanstrich hat die entgegengesetzte Wirkung.
Von sonstigen hydropathischen Applicationsformen sind zu erwähnen die einfachen kalten und warmen Umschläge, die Eisumschläge, welche an die Stelle der früheren sogen. Kältemischungen (Schmucker'sche Formentationen) getreten sind, sowie die verschiedenen kalten und warmen Waschungen.
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Die Massage1).
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Wesen und Formen. Die Massage besteht in der Anwendung von Druck auf die Haut und die darunter gelegenen Theile. Die in der Thierheilkunde von Alters her in Form des JVottirens empirisch angewandte physikalische Heilmethode des Mas sir ens ist neuerdings seitens einiger menschenärztlicher Specialisten zu einem wissenschaftlichen Systeme von grosser praktischer Bedeutung ausgearbeitet worden. Darnach unterscheidet man die nachfolgenden Arten der Massage:
1.nbsp; Streichen (Effleurage2). Dasselbe besteht in einem oberflächlichen, sanften Ueberfahren der Haut mit den Fingerspitzen oder der flachen Hand.
2.nbsp; Reiben (Massage a Friction0). Bei dieser Art des Massirens wird die Haut unter stärkerem Drucke gerieben, frottirt.
3.nbsp; Kneten (Petrissage1). Der betreffende Körpertheil wird nach Art des Teigknetens mit den Fingerspitzen oder der Faust gedrückt bezw. gewalkt.
4.nbsp; Klopfen (Tapotement5). Dem kranken Glied werden mit kurzen Zwischenpausen Schläge oder Stösse applicirt (Kante der Hand, Faust, Stab).
Wirkung. Wie bei den Hautreizen und der Hydrotherapie ist auch die Wirkung der Massage auf den Körper eine sehr mannigfaltige. Es scheinen hierbei insbesondere nicht ausschliesslich mecha-
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') masser, franz. kneten, walken.
2)nbsp; effleurer, franz. ursprünglich der Blumen berauben; streifen, wischen, oberflächlich berühren.
3)nbsp; nbsp;friction, franz. Reibung.
4)nbsp; petrir, franz. bilden, kneten.
rgt;) tapoter, franz. klopfen, klapsen.
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nische, sondern zum Theil auch dynamische Factoren zur Geltung zu kommen.
1.nbsp; Die Circulation des Blutes und der Lymphe wird durch das Massiren in erster Linie beeinflusst. Die Vorgänge hierbei sind dieselben, wie sie während der Bewegung an den Gefässen der Extremitäten auftreten, wo durch die Contraction der Muskeln und die Spannung der Fascien Venenblut und Lymphe unter Mitwirkung des Klapjiensystems der betr. Gefässe centripetal nach dem Herzen gedrängt werden, ein Process, welcher wohl auch als natürliche oder physiologische Massage bezeichnet werden kann. Der auf den Körper bei der künstlichen Massage ausgeübte Druck hat zunächst eine Anämie der betreffenden Partie zur Folge, indem Blut und Lymphe aus den Venen und Lymphgefässen nach dem Herzen zu verdrängt werden. Mit dem Aufhören des Druckes strömt umgekehrt in die blutleer gemachte Stelle eine grössere Menge frischen Blutes ein, so dass dieselbe hyperämisch wird. Dadurch nun, dass Anämie und Hyperämie fortgesetzt mit einander abwechseln, wird die Circulation in dem massirten Theile angeregt und beschleunigt.
2.nbsp; Die Beförderung der Circulation bedingt ihrerseits eine Steigerung des Stoffwechsels, eine Begünstigung der Rück- und An-bildung, eine Beförderung der Resorption von Exsudaten sowie eine Besserung der Ernährung in den massirten Partien.
3.nbsp; nbsp;Feste fibrinöse Exsudate und Blutcoagula unter der Haut, in Sehnenscheiden und Gelenkhöhlen lassen sich durch Massage mechanisch zerdrücken und so für die Resorption vorbereiten. Ausser-dem werden Schwellungen der Haut, der Unterhaut, der Muskulatur, der Sehnen und Sehnenscheiden der Gelenke etc. in ihrem Volum verkleinert.
4.nbsp; nbsp; In der Muskulatur werden beim Beklopfen derselben Contractionen ausgelöst; das einfache Reiben und Streichen derselben hat Hyperämie mit vermehrter Ernährung und Blutbildung zur Folge, ausserdem wird, ähnlich wie beim Trainiren, die Arbeitsfähigkeit erhöht.
5.nbsp; Das Nervensystem wird durch Massage in derselben AVeise beeinflusst, wie durch Hautreize. Zunächst werden die Hautnerven durch Kneten und Klopfen gereizt, worauf sich die Erregung reflectorisch auf das Centralnervensystem verbreitet. Insbesondere lassen sich gelähmte periphere Nerven (motorische und sensible) durch
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Massago. 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;175
Massiren behandeln. Leichtes Massiren (Streichen) scheint die gesteigerte Erregbarkeit der Nerven herabzusetzen.
6. Von sonstigen Allgemein Wirkungen der Massage ist zu erwähnen die Steigerung der Herzthätigkeit, der Pulsfrequenz und Körpertemperatur, die reflectorische Anregung der Magen- und Darm-peristaltik, der Diurese und Diaphorese, die Aenderung der Blut-vertheilung im Körper (Entlastung der Centralorgane, ableitende Wirkung), sowie die Besserung des allgemeinen Ernährungszustandes und Kräftigung der Körperconstitution.
Anwendung. Die Massage wird hauptsächlich in der Chirurgie verwerthet, sie kann indessen auch in der inneren Medicin mit Vor-theil angewendet werden. Die wichtigsten Indicationen sind folgende:
1.nbsp; nbsp;Blutstauung, Lymphstauung, Oedeme der Haut und Unter haut.
2.nbsp; Quetschungen, Hämorrhagien, Lymphorrhagien an der Körperoberfläche.
3.nbsp; Acute einfache Entzündungen der Haut, der Unterhaut, der Sehnen, Sehnenscheiden, Grelenke, Drüsen. Knochen.
4.nbsp; nbsp;Chronische entzündliche Verdickungen und Verhärtungen derselben Organe, Ueberbeine, Gallen; Contracturen der Sehnen und Gelenke.
5.nbsp; nbsp;Muskelrheumatismus, Muskellähmung, Muskelatrophie und Muskelkrämpfe.
6.nbsp; Motorische und sensible periphere Nervenlähmung, spinale und cerebrale Lähmungszustände, gesteigerte Re-flexerregbarkeit.
7.nbsp; nbsp;Chronische Entzündung der Cornea (Leukome).
8.nbsp; nbsp;K o 1 i k, Ve r s t o p f u n g, Atonie der Magen- und Darmmuskulatur.
9.nbsp; nbsp;Fieberhafte Allgemeinerkrankung, Entzünduug innerer Organe.
10.nbsp; nbsp;Anämie (Weir-Mitschel'sche Methode). Contraindicationen. Da durch das Massiren die Producte der
Entzündung (Fibrin, Serum, Blut) zur Resorption gebracht werden, darf man die Massage nur bei einfachen, nichtseptischen Entzündungen anwenden. In allen Fällen, in welchen septische Stoffe, insbesondere die Bacterien der Septikämie und Pyämie, im Entzündungsherde vorhanden sind, muss das Massiren unterbleiben, weil sonst durch die Resorption derselben ins Blut eine Allgemeininfection des Körpers zu Stande kommt. Contraindicirt ist die Massage ganz speciell bei
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Phlegmonen, Abscessen, Erysipel, malignem Oedem, Rauscli-Lrand, sowie bei allen eitrigen, jauchigen und septischen Ent-zündungszuständen.
Besonders hat man sich auch bei Phlebiten, Lymphangiten und eitrigen Lymphadeniten vordem Massiren zu hüten, weil hier die Gefahr einer Blutinfection am grössten ist. Ausserdem sollen Aderlassfisteln und Venenthrombosen nicht massirt werden, weil in Folge Zertrümmerung des Thrombus Lungenembolie eintreten kann. Auch das Massiren von Arterienthromben (Thrombose der Beckenarterie beim Pferd) dürfte wegen der Gefahr peripherer Embolien nicht ohne quot;Weiteres zu empfehlen sein. Endlich verbietet bei den Thieren in vielen Fällen die locale Schmerzhaftigkeit das Massiren.
Technik der Massage. Das regelrechte Massiren erfordert einestheils gute Schulung und Uebung, anderntheils eine gewisse Veranlagung der Finger und Hand. Das Grundgesetz der Massage besteht darin, dass die streichenden, reibenden und knetenden Bewegungen centripetal, d.h. in der Eichtung von der Peripherie zum Herzen erfolgen. An den Beinen massirt man also beispielsweise von unten nach oben, dem Laufe des Venenblutes und der Lymphe folgend, am Halse dagegen von oben nach unten u. s. w. Gewöhnlieh massirt man mit der trockenen Hand (Fingerspitzen. Handfläche, Daumen); bei längerer Dauer des Massirens bestreicht man die Hand mit reinem Oel, Paraffinsalbe, Schweinefett oder mit einer medicinischen Salbe (Camphersalbe, Jodoformsalbe etc.). Die durchschnittliehe Dauer der Massage beträgt 1020 Minuten, täglich 12mal wiederholt. Beim Massiren von Gelenken kommen ausserdem beugende, streckende und drehende Bewegungen mit zur Anwendung. Sehr harte Verdickungen, Ueberbeine etc. können auch unter Zuhilfenahme von Stäben oder Platten massirt werden (Massirhölzer). Das Klopfen findet nur bei Lähmungszuständen Anwendung. Die Massage des Pansens und Darmes wird in der Weise vorgenommen, dass man in der Flankengegend mit beiden Fäusten gegen die betreffenden Organe drückt: indirect wirken auch allgemeine Frottirungen der Bauchwand. Das Massiren der Cornea besteht in einem sanften Reiben derselben mit demdarüber gezogenen Augenlid, nachdem vorher etwas Salbe (gelbe Präcipitatsalbe 1 : 25) zwischen die Lider eingerieben wurde. Am häufigsten werden Gelenke, Sehnen und Muskeln massirt. Genaueres über die Technik der Massage vergl. in den Werken von Reibmavr. Vogel u. A.
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Die Elektricität als Heilmittel. Elektrotherapie1).
Synonyma: Galvanotherapie2), Faradotherapie3), Fraiiklinotherapie 4).
Allgemeines. Die schon seit längerer Zeit zu Heilzwecken angewendete Elektricität ist erst seit etwa 40 Jahren beim Menschen in ihrer Wirkung auf den Körper wissenschaftlich genauer untersucht worden (Remak. Ziemssen, Erb). Im Uebrigen muss von vorne herein bemerkt werden, dass auch heutzutage ihre physiologische Wirkungsweise noch in manchen Stücken unaufgeklärt ist. Die Elektrotherapie ist daher immer noch zum Theil eine rein empirische Heilmethode. In der Thierheilkunde wird die Elektricität als Heilmittel viel seltener, und zwar meist nur bei Hunden, angewendet; für grössere Thiere sind A23parate und Application zu complicirt.
Je nach der Art der angewandten Elektricität und dem beabsichtigten Heilzwecke unterscheidet man verschiedene Formen der Elektrotherapie:
1.nbsp; Die Galvanotherapie besteht in der Anwendung des con-stauten (galvanischen), in galvanischen Batterien erzeugten Stromes.
2.nbsp; nbsp;Die Earadotherapie benützt den unterbrochenen (faradischen, inducirten), mittelst Inductionsapparates erzeugten Strom.
3.nbsp; nbsp;Die Franklinotherapie wird selten angewandt; man benützt hierbei statische oder Reibungselektricität etc.
4.nbsp; nbsp;Die Elektrolyse (Galvanolyse) besteht in der chemischen Zersetzung von Flüssigkeiten etc. durch den galvanischen Strom, wobei die Elektroden auf die Haut aufgesetzt wei'den.
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') vjtactpov, Bernstein (besitzt nach dem Reiben elektrische Eigenschaften); ^spaiceuu), heilen.
2)nbsp; Galvani, Professor der Anatomie in Bologna, entdeckte 1780 den Gal-vanismus.
3)nbsp; Faraday, englischer Physiker, entdeckte 1831 die magnetelektrische Induction.
4)nbsp; Franklin, nordamerikanischer Staatsmann (17061790), Entdecker deraquo; Blitzableiters.
Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 12
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Elektrotherapie.
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5. Die Elektropunktur (Galvanopunktur) bedient sich zu demselben Zwecke nadeiförmiger Elektroden, welche in die Gewebe eingestossen werden.
(5. Die Galvanocaustik benützt den galvanischen Strom zum Erhitzen von Platin-Brennapparaten.
Wirkung. Die Einwirkung der Elektricität auf den lebenden Thierkörper ist eine sehr complicirte und noch nicht in allen Theilen erforschte. In erster Linie wird das Nervensystem und die Muskulatur durch den elektrischen Strom beeinflusst; aber auch die Flüssigkeiten des Körpers namentlich das Blut, die Drüsen und andere Gewebe scheinen in gewisser Beziehung durch die Elektricität verändert zu werden. Im Allgemeinen unterscheidet man zur Zeit die nachfolgenden vier Wirkungen derselben:
1.nbsp; nbsp;Die reizende Wirkung kommt am stärksten dem inducirten (faradischen) Strome zu. Dieselbe äussert sich in Brennen der Haut (Hautreiz), Erregung der sensiblen und motorischen Nerven, Muskelzuckung, Erweiterung der Blutgefässe (Erregung der Vasodilatatoren), Steigerung der Drüsenthätigkeit und des Stoffwechsels. Die Elektricität wirkt darnach als Erregungsmittel für die meisten Körperorgane.
2.nbsp; Die elektrotonische Wirkung besteht in der Alteration des physiologischen Elektrotonus, d. h. in einer Aenderung der Erregbarkeit der Nerven (Anelektrotonus, Katelektrotonus). Hierauf beruhen wahrscheinlich zum grössten Theil die Heilerfolge der Elektrotherapie bei Nervenkrankheiten. Die elektrotonische Wirkung ist besonders beim constanten Strom eine beruhigende, die Erregbarkeit des Nerven herabsetzende.
3.nbsp; Eine chemische Wirkung des elektrischen Stromes ist namentlich in der Umgebung der Pole (Anode, Kathode) unzweifelhaft vorhanden. Dieselbe betrifft zunächst die Flüssigkeiten (Serum, Blut) und die in denselben enthaltenen Salze. Bekanntlich werden bei der Elektrolyse Salze und andere Körper, z. B. Wasser, in ihre positiven und negativen Elemente in der Weise chemisch zersetzt, dass sich die positiven bezw. alkalischen Spaltproducte der Kathode als dem negativen Pole zuwenden, während die negativen Elemente bezw. die Säuren dem positiven Pole, der Anode zustreben. Wahrscheinlich beruhen auch die elektrischen Ströme im Nerven und Muskel auf einer ähnlichen Bildung chemischer Gegensätze.
4.nbsp; Eine kataphorische Wirkung soll endlich durch die Elektricität in der Weise erzeugt werden, dass solche Stoffe, welche ge-
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Elektrotherapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17!gt;
wohnlich nicht durch die Gewebe des Körpers diffundiren können, unter Mitwirkung des elektrischen Stromes durch denselben hindurch-geleitet werden. Auf Grund experimenteller Versuche mit Jodkalium. Cocain etc. nimmt man ein solches Hindurchgleiten auch bezüglich pathologischer Producte an.
Die weitere sogen, katalytische (umstimmende) Wirkung des elektrischen Stromes scheint im Wesentlichen in einer Erregung vasomotorischer und trophischer Nerven zu bestehen, somit unter die erstgenannte Wirkung zu fallen.
Anwendung. Für die Thierheilkunde ist die Elektrotherapie bei den nachstehenden Krankheitszuständen der kleineren Hausthiere, namentlich der Hunde angezeigt:
1.nbsp; nbsp;Bei Paresen und Paralysen der Nachhand sowie bei Lähmung peripherer Nerven und Muskel (Facialislähmung, Radialislähmung, Zungenlähmung, Blasenlähmung, Amblyopie etc. als reizendes Mittel. Man verwendet hierbei den unterbrochenen faradischen (inducirten) Strom in ziemlicher Stärke, weil derselbe bei jeder einzelnen seiner zahlreichen Unterbrechungen das Nervensystem erregt.
2.nbsp; nbsp;Als Beruhigungsmittel bei Ueberreizung des Muskelsystems (Zuckungen nach der Staupe). Man verwendet die galvanische, constante Elektricität in möglichst schwachen Strömen.
3.nbsp; Als Diagnosticum und Prognosticum zum Nachweise des Erhaltenseins oder Verlustes der sensiblen und motorischen Erregbarkeit bei Lähmungszuständen des Rückenmarkes und Gehirns (Prüfung auf elektrische Erregbarkeit).
Von der chirurgischen Anwendung der Galvanocaustik und Elektropunktur zur Zerstörung von Neubildungen wird in der Thierheilkunde kein Gebrauch gemacht.
Technik. Zu thierärztlichen Zwecken benützt man am besten als Inductionsapparat den kleinen, handlichen Spamer'schen Apparat (Preis 30 Mark). Beschränkt man sich auf die elektrische Behandlung von Lähmungszuständen, so reicht dieser Apparat vollständig aus. Andernfalls kann man daneben noch einen kleinen galvanischen Apparat benützen. Die Benützungstechnik ist aus der diesen Apparaten beigegebenen Anweisung zu ersehen. Im Allgemeinen hat man sich zu merken, dass die Elektroden wegen der schlechten Leitung der behaarten Haut der Thiere vor dem Elektrisiren angefeuchtet werden müssen (am besten mit Salzwasser). Sodann ist zu beachten, dass im Gebiete der negativen Elektrode (Kathode) die elektrische Erregbarkeit erhöht ist, während sie im Gebiete der Anode sinkt. Von besonderer praktischer Bedeutung ist die schon hervorgehobene Thatsache, dass der schwache galvanische Strom die Nerven schont, beruhigt, während sie durch starke faradische Ströme erregt werden. Bei Anwendung des faradischen Stroms hat
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Elektrotherapie.
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Ulan langsam von schwächeren zu stärkeren Strömen so lange vorzugehen, bis man eben eine Reaction (Zuckung, Schmerzäusserung) erhält, in dieser Stärke lässt man dann den Strom, täglich 13mal, 1015 Minuten lang auf den gelähmten Theil einwirken. Sind später zur Auslösung der Zuckung schwächere Ströme nöthig, so bedeutet dies eine Besserung. Die angewandten Stromstärken lassen sich in den elektrischen Apparaten ganz genau dosiren. Die Anlegung der Elektroden ist verschieden; gewöhnlich wird eine Elektrode möglichst nahe an den gelähmten Nerven oder Muskel herangebracht, wiihrend die andere in der Umgebung applicirt wird. Bei spinaler Parese der Nachhand setzt man je eine Elektrode auf die angefeuchtete Sohle der beiden Hinterfüsse und lässt so den Strom durch das ganze Hintertheil hindurchgehen; bei einseitiger Lähmung eines Beines setzt man eine Elektrode auf der Sohlenfläche der Pfote, die andere in der Gegend des Lendenmarks auf. Bei localisirter Muskellähmung setzt man beide Elektroden möglichst nahe zusammen über dem gelähmten Muskel auf die Haut auf. Das Rückenmark wird entweder in der Weise der Länge nach elektrisirt, dass man die Anode auf den oberen (vorderen), die Kathode auf den unteren (hinteren) Theil ansetzt, oder der Quere nach durch Aufsetzen der Elektroden auf das Sternum (Anode) und die Wirbelsäule (Kathode); am besten wirkt der galvanische Strom mit möglichst grossen Elektroden. Das Gehirn elektrisirt man durch Ansetzen der Elektroden auf dem Genick und der Stirne mit möglichst schwachen galvanischen Strömen.
Ausführlicheres über Elektrotherapie ist in den Specialwerken von Erb, Pier so n-Sper ling, Rosenthal, Benedikt, Levandowski, Meyer, Gräupner u. A. zu finden.
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Die Luft als Heilmittel.
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Allgemeines. Während die Luft auf der einen Seite zum Erreger oder Vermittler der verschiedensten Erkrankungen wird, kann sie andererseits auch als wichtiges Heilmittel hei einer Reihe von Krankheiten dienen. Was zunächst die schädlichen Wirkungen der Luft betrifft, so können sich dieselben theils auf die Temperatur derselben, theils auf die Beimengung von Staub, Bacterien und Giften beziehen. Eine besonders häutige Quelle von Krankheiten aller Art ist die Stallluft. Dieselbe wirkt zunächst durch die anhaltend gleichmässige und meistens zu hohe Temperatur erschlaffend auf die allgemeine Körperconstitution, erzeugt mithin eine Prädisposition zur Erkrankung überhaupt. Die bekanntesten dieser durch die Temperatur der Stallluft mitbedingten sogen. Stallkrankheiten sind Rheumatismus, rheumatische Hämoglobinämie, Hufrehe. Katarrhe, Gehirn- und Lungenkrankheiten etc. In zweiter Linie wirkt die Stallluft pathogen durch die in ihr enthaltenen Bacterien, Gase und mechanischen Beimengungen. Sie begünstigt insbesondere die Entstehung der Tuberkulose, des Rotzes, der Brustseuche und anderer Infections-krankheiten. Durch ihren abnormen Gehalt an Kohlensäure, Ammoniak und anderen Gasen schädigt sie femer die Respiration. Aber auch die Luft im Freien kann nach verschiedenen Richtungen hin krankmachend wirken (heisse Luft, staubige Luft, Hüttenrauch, Bleidämpfe etc.). Durch eine sorgfältige Prophylaxe lassen sich alle diese Krankbeitszustände indirect beseitigen.
Im Weiteren ist die Luft auch ein sehr wichtiges directes Heilmittel. Ihre Heilwirkung wird zum Theil durch ihre Temperatur, zum Theil durch ihre Reinheit bedingt. In wie weit der Ozon-
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182nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die kuft als Heilmittel.
gehalt der Luft heilkräftige Wirkung besitzt, lässt sich zur Zeit wissenschaftlich nicht entscheiden.
Therapeutische quot;Wirkung der kalten Luft. Die kalte Luft wirkt zunächst, wie das kalte Wasser, als Hautreiz. Auf die anfangs in den Hautgefässen erzeugte Anämie folgt eine reactive Hyperämie der Haut. In Folge dessen wird die Circulation im ganzen Körper gehoben, wodurch das Blut aus den inneren Organen, namentlich aus der Lunge, aus dem Digestionsapparate und aus dem Gehirn nach der Peripherie geschafft, der Stoffwechsel gesteigert und die Constitution gekräftigt wird. Sodann wird vom Körper Wärme an die umgebende kalte Luft abgegeben, wofern dieselbe länger auf denselben einwirkt. Die kalte Luft wirkt mithin auch als Abkühlungs-mittel. Auf Grund dieser Wirkungen verwendet man die kalte Luft in Form von Ventilation der Stallungen, Bewegungen der Thiere in kalter Luft, Biwakiren, Aufstellen in kühlen Räumen und an schattigen Orten als Abhärtungsmittel im Allgemeinen, als Präservativmittel gegen Bheumatismus und andere Erkältungskrankheiten, sowie als Heilmittel bei allen fieberhaften Erkrankungen der inneren Organe, bei Lungen- und Gehirncongestionen etc.
Therapeutische Wirkung der reinen Luft. Die reine, an Sauerstoff reiche, an Kohlensäure arme, von Bacterien und sonstigen Verunreinigungen befreite Luft ist das beste Naturheilmittel bei allen katarrhalischen Erkrankungen des Respirationsapparates. Sie wird in der Weise angewandt, dass man die Luft der Stallungen durch gute Ventilation möglichst oft erneuert oder die Thiere geradezu in die freie Luft bringt (Weide, Biwak, Bewegung im Freien). Durch die Erneuerang der Luft in den Bronchien und Alveolen wird die Respiration befördert und die schädliche Luft aus denselben entfernt. Sodann werden durch die Zufuhr frischer Luft die vorhandenen In-fectionsstoffe verdünnt und entfernt, zum Theil auch durch den Sauerstoff derselben zerstört (desinficirende Wirkung der frischen Luft). Besonders gute Resultate hat man bei der Druse, Brustseuche, Tuberkulose und andern Infectionskrankheiten in dieser Richtung constatirt.
Klima. Dasselbe lässt sich in der Thierheilkunde nur ausnahmsweise zu Heilzwecken verwerthen im Gegensatze zu der sehr entwickelten Klimato-therapie beim Menschen. Die Bedeutung des Klimas in hygieinischer Beziehung ist allerdings auch bei den Hausthieren längst bekannt. So weiss man allgemein, dass die Gebirgsrassen auf Grund des kräftigeren Klimas widerstandsfähiger gegen Krankheiten aller Art sind, als die Niederungsrassen. Es ist ferner bekannt, dass importirte Thiere (Affen, Papageien etc.)
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Die Luft als Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;188
in Folge des Klimawechsels leicht erkranken und namentlich oft an Tuberkulose zu Grunde gehen. Aehnliches beobachtet man bei Pferden, Rindern und Schafen, wenn dieselben in eine fremde Gegend mit verändertem Klima versetzt werden. Ein Klimawechsel zu therapeutischen Zwecken lässt sich bei den Hausthieren indessen aus ökonomischen Gründen nur in den aller-seltensten Fällen durchführen (Verschicken auf hochgelegene Weiden, entfernte Güter), so sehr derselbe namentlich bei reconvaleseenten Thieren angezeigt wäre.
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Ruhe und Bewegung als Heilmittel.
Allgemeines. In den beiden Factoren Ruhe und Bewegung besitzt die Therapie zwei ausserordentlich wichtige Hilfsmittel, welche bei zahlreichen Krankheiten allein schon genügen, um Heilung herbeizuführen. Die Entscheidung der Frage allerdings, welches der beiden Mittel, Ruhe oder Bewegung, im concreten Falle angewandt werden soll, ist nicht immer leicht. Der alte, vielbewährte Lehrsatz Ruhe dem leidenden Theilequot; trifft nicht unter allen Umständen zu, es gibt im Gegentheil Krankheiten genug, welche nicht durch Ruhe, sondern durch Bewegung behandelt werden müssen. Die hierbei massgebenden Gesichtspunkte sollen im Folgenden kurz erörtert werden.
Wirkung und Anwendung der Ruhe. Von einer absoluten Ruhe des Körpers bezw. seiner einzelnen Organe kann nicht die Rede sein. Es handelt sich vielmehr um eine relative Ruhe, d. h. um eine Schonung in der Thätigkeit der Körpermuskulatur, des Herzens u. s. w. Die nächste Folge dieser Schonung ist eine verminderte Arbeitsleistung des betreffenden Organes. Da im Allgemeinen ein kranker Körpertheil weniger leistungsfähig ist, mithin die gewöhnlichen Anforderungen ihn in seinem kranken Zustande noch mehr schwächen müssen, so ist die sanitäre Wirkung der Schonung wohl verständlich. Weiterhin bedingt naturgemäss bei schmerzhaften Bewegungen das Unterlassen derselben eine Minderung der Schmerzen. Ausserdem werden in der Ruhe vermindert die Nerventhätigkeit, der Stoffwechsel, die Temperatur, die Herzaction, die gesammte Circulation, die Zahl der Athem-züge, die Sauerstoffaufnahme und Kohlensäureausscheidung, die Harn-secretion, die secretorische Function der Haut u. s. w.
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Ruhe und Bewegung als Heilmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 185
Auf Grund dieser Wirkung ist Ruhe bezw. Schonung im Allgemeinen angezeigt:
1.nbsp; nbsp;Bei sehr schmerzhaften Leiden und acuten Ent-zündungszuständen äusserer und innerer Organe; hierher gehören acute Entzündungen, Contusionen und Luxation der Gelenke, Knochen-hrüche, acute Sehnen- und Muskelentzündungen u. s. w. Ferner acute Entzündungen der Lunge, der Pleura, des Peritoneums, des Magens, Darmes, der Nieren etc.;
2.nbsp; bei allen fieberhaften Krankheitszuständen;
3.nbsp; bei Herzkrankheiten;
4.nbsp; bei Gehirn- und Rückenmarksleiden;
5.nbsp; bei allen mit Dyspnoe verlaufenden Lungenkrankheiten;
6.nbsp; nbsp;bei Anämie, Leukämie und allen Schwächezuständen;
7.nbsp; bei gewissen Formen der Kolik (Krampfkolik);
8.nbsp; bei acuten Magen- und Darmkatarrhen u. s. w.
Wirkung und Anwendung der Bewegung. Im Gegensatze zur Ruhe werden durch die Bewegung Circulation und Herzthätigkeit beschleunigt, der Stoffwechsel und die Körpertemperatur gesteigert, die In- und Exspiration, SauerstoÖ'aufnahme und Kohlensäureaus-Scheidung vermehrt, der Appetit, die Darmperistaltik, die Diurese und Diaphorese angeregt, die Blutbildung, ehe Assimilation und Resorption befördert und die Körperconstitution gekräftigt. Bewegung ist daher angezeigt:
1.nbsp; als Prophylactic um gegen rheumatische Hämoglobinämie, Stallrehe, Gebärparese etc.;
2.nbsp; bei chronischen Entzündungszuständen des Bewegungsapparates: chronischem Muskelrheumatismus, chronischen Arthriten, chronischen Sehnenaffectionen (Contracturen), Muskelatrophie, Muskel- und Nervenlähmung;
3.nbsp; nbsp;bei chronischen Lungenkatarrhen;
4.nbsp; nbsp;bei Blutstauung im Gebiete der Pfortader;
5.nbsp; nbsp;bei Verstopfung, chronischen Magen- und Darmkatarrhen, Aufblähung, sowie bei gewissen Formen der Kolik (Verstopfungskolik);
6.nbsp; bei Fettsucht, Diabetes mellitus, Anomalien des Geschlechtstriebes;
7.nbsp; nbsp;zur Beförderung der Resorption chronischer Exsudate und Transsudate u. s. w.
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Ruhe und Bewegung als Heilmittel.
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Ein welch wichtiger Factor bei der Behandlung kranker Thiere die Bewegung ist, beweist der Umstand, dass manche Patienten bei anhaltender Stallruhe sich schwere Erkrankungszustände, ältere Pferde namentlich hypostatische Pneumonien in Folge zunehmender Schwäche des Herzens zuziehen. Es ist ferner bekannt, dass bei wassersüchtigen Zustanden, welche auf Stauung beruhen (cardialer Hydrops), die Transsudation in die Körperhöhlen häufig rasch zunimmt, wenn die Thiere, beispielsweise Ziehhunde, in Kliniken eingeliefert werden, wo sie plötzlich wenig oder gar keine körperliche Bewegung erhalten.
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Der Aderlass.
Synonyma: Venaesectio '), Phlebotomia 2).
Allgemeines. Der Aderlass, ein Hauptmittel der alten Therapie, ist mit Recht seit einigen Jahrzehnten aus der Mode gekommen. Die kritische Prüfung seiner Indicationen hat ergeben, dass er weitaus in den meisten Fällen seiner früheren Anwendung zum mindesten überflüssig, bei einer grossen Zahl derselben sogar direct schädlich gewesen ist. Es bezieht sich dies namentlich auf seine ehemals übliche Anwendung bei allen fieberhaften und entzündlichen Krankheiten. Immerhin können wir speciell in der Thierheilkunde den Aderlass auch heutzutage noch nicht gänzlich entbehren. Es gibt vielmehr einige ganz bestimmte Krankheiten, namentlich des Pferdes undüindes. in welchen die Vornahme eines Aderlasses unter Umständen von lebensrettender Wirkung ist.
Wirkung. Die durch den Aderlass bedingte Verminderung der Gresammtmenge des Blutes (510 Liter beim Pferd und Rind) verursacht als wichtigste Folge für den Körper eine starke Wasserentziehung. In dieser Wirkung stimmt der Aderlass mit den schweisstreibenden. speicheltreibenden, harntreibenden und laxirenden Arzneimitteln, vor Allem mit dem Pilocarpin, vollkommen überein. Im Anschlüsse an diese Wasserentziehung sucht das Blut durch Aufnahme der im Kölner zur Verfügung stehenden Flüssigkeiten (Lymphe, flüssige Exsudate) wenigstens sein früheres Volum möglichst rasch wieder zu ergänzen (vorübergehende Hydrämie). Auf diesem Vorgange beruht eine der bedeutungsvollsten Wirkungen des Aderlasses. Eine weitere wichtige Folge ist die Ableitung des Blutes von
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') vena, Vene; secare, schneiden. 2) 'f/.fi, Ader: tojitj, Schnitt.
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188nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Aderlass.
inneren Organen; dieselbe tritt um so rascher und prompter ein. je grosser die Austlussgeschwindigkeit des Aderlassblutes ist. Die übrigen quot;Wirkungen des Aderlasses auf den Körper sind ohne praktische Bedeutung. Es mag nur noch erwähnt werden, class der Aderlass den Eiweissstoffwechsel steigert, während er den des Fettes und der Kohlehydrate herabsetzt (Steigerung der Hamstoffausscheidung, Verminderung der Kohlensäureausscheidung und Sauerstoffaufnahme nach Bauer).
Anwendung. Die Vornahme eines Aderlasses ist auch heutzutage noch inclicirt:
1.nbsp; nbsp;bei der rheumatischen Hufentzündung des Pferdes (Hufrehe). Die Erfahrung hat gelehrt, dass ein reichlicher Aderlass möglichst frühzeitig im Beginne des Leidens angewandt neben dem Pilocarpin das beste Mittel gegen dasselbe ist;
2.nbsp; im ersten Stadium der Gehirnentzündung (Hydrocephalus acutus) des Pferdes, so lange noch die Erscheinungen der Gehirn-congestion bestehen (starke Injection der Kopfschleimhäute, vermehrte Temperatur des Schädels, starkes Pulsiren der Kopfarterien, psychische Erregungserscheinungen);
3.nbsp; bei Lungencongestionen mit drohendem Lungenödem;
4.nbsp; nbsp;bei Blutvergiftungen (Kohlenoxyd, Urämie). Ausserdem wird der Aderlass von verschiedenen Seiten empfohlen
bei der rheumatischen Hämoglobinämie der Pferde sowie als Präservativmittel gegen das paralytische Kalbefieber (Gebär-parese des Rindes). In manchen Gegenden wird er ausserdem empirisch beim Beginn der Mästung angewandt. Dagegen muss seine Berechtigung bei Lungenentzündungen, Gehirn- und Lungenblutungen, Bleichsucht (er soll angeblich die Blutbildung bei der als seröse Plethora aufzufassenden Chlorose des Menschen befördern) u. s. w. zum mindesten bezweifelt werden.
Transfusion')#9632; Der Nutzen dieser in der Thierheilkunde entbehrlichen Heiloperation wird in der Menschenheilkunde neuerdings stark bestritten. Sie besteht im Einbringen von defibrinirtem Blute derselben Species in die Venen des erkrankten Individuums. Man hat die Transfusion besonders bei starken Blutverlusten und bei Blutvergiftungen (Kohlenoxyd) empfohlen.
Infusion-). Man versteht darunter das Einbringen von Arzneilösungen direct durch eine Vene in die Blutbahn. In der Menschenheilkunde hat man insbesondere Kochsalzinfusionen an Stelle der Transfusion bei
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') transfundere, übergiessen. -) inlundere, eingiessen.
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Aderlass. 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;189
Vergiftungen, Cholera etc. empfohlen. Der Werth auch der Infusion ist indessen fraglich.
Scarification1). Dieselbe besteht im oberflächlichen Einschneiden der geschwollenen Haut und Schleimhaut mit dem Messer zum Zweck der Aufhebung der Blutstauung und der Entleerung des angehäuften Blutes, Transsudats und Exsudats. Scarification ist also ein localer Aderlass. Die demselben Zwecke dienenden Blutegel und Schröpfköpfe werden in der Thierheilkunde nicht angewandt. Tiefere Einschnitte nennt man Ineisionen.
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') 3-/.ao:'i05, Griffel; sxamp;pc(p£agt;, scarifico, mit dem Griftel ritzen.
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Das Brennen. Canterisatio1).
Allgemeines. Das Brennen ist eine der ältesten und zwar specifiscli thierärztlichen Heilmethoden, welche auch heutzutage trotz der grossen Anzahl ähnlich wirkender chemischer Mittel (Aetzmittel. Cauteria) nicht entbehrt werden kann. Sie gehört im Gegentheil zu den werthvollsten chirurgischen Hilfsmitteln. In der ßegel benützt man zum Brennen das aus Schmiedeeisen in verschiedener Form (Messer-, Beil-, Knopf-, Kegelform etc.) hergestellte Brenneisen oder Glüheisen, neben welchem neuerdings in Kliniken und bei kleineren Hausthieren auch der aus Platin bestehende Brennapparat von Paquelin benützt wird.
Wirkung. Die Wirkung des Brennens ist eine ausserordent-lich vielseitige.
1.nbsp; Die nächste Folge des Brennens ist eine locale Zerstörung des Gewebes. Durch die Hitze wird das Körpereiweiss zunächst coagulirt und sodann verschorft und verkohlt. Damit in Zammen-hang steht die desiuficirende und blutstillende Wirkung des Glüheisens.
2.nbsp; In der nächsten Umgebung der gebrannten Stelle entwickelt sich Hyperämie und reactive Entzündung. Die Blutcircu-lation und Resorption ist in Folge dessen gesteigert, auch findet ähnlich wie nach der Einreibung von Jodtinctur eine reichliche Auswanderung weisser Blutkörperchen statt.
3.nbsp; Die starke Reizung der Hautnerven setzt sich reflectorisch auf das Nervensystem fort; das Brennen wirkt somit auch als starker Hautreiz (Princip des Reizes und Gegenreizes).
4.nbsp; Der nach dem Brennen auftretende Brandschorf übt einen mechanischen Druck auf die unter ihm liegenden Theile und unter-
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') xatco, brennen.
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Brennen. 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;191
stützt so nach Art der Massage die Resorption pathologischer Produkte.
Anwendung. 1. Die wichtigste Indication für die Anwendung des Brenneisens bilden chronische Entzündungszu stände der Knochen, G-elenke, Sehnen und Sehnenscheiden: Spat, Schale, Rehbein, Hasenhacke, Ueberbeine am Schienbein, chronische Arthriten, Tendiniten, Tendovaginiten, Gelenksgallen u. s. w. Während bei den chronischen entzündlichen Affectionen der Sehnen und Sehnenscheiden die Anwendung des Brenneisens erst dann erfolgen soll, wenn eine vorausgegangene Behandlung mit hydropathischen Umschlägen, Massage und scharfen Einreibungen erfolglos geblieben ist, kann bei den genannten Knochen- und deformirenden Gelenksentzündungen, insbesondere bei Spat, Schale und Ueberbeinen das Brennen von vornherein als erstes Mittel zur Anwendung gelangen. Die Wirkung des Brennens bei den oben erwähnten Krankheitsprocessen besteht wesentlich darin, dass die chronische Entzündung in eine acute, rascher verlaufende umgewandelt wird. Die durch das Brennen in den betreffenden Knochen, Sehnen und Gelenken hervorgerufene reactive acute Entzündung bringt entweder eine raschere Resorption der Entzündungsproducte oder eine Beförderung des Processes der entzündlichen Wucherung, in Gelenken also z. B. eine raschere Verwachsung der Gelenkenden und in Folge dessen Nach-lass des Schmerzes und Lahmgehens mit sich (Spat, Schale).
2.nbsp; Zu operativen Zwecken benützt man das Brenneisen bei der Behandlung von Fisteln, Neubildungen, Geschwüren, als blutstillendes Mittel bei der Amputation des Schweifes etc., zur Des-infection inficirter Wunden (Wuth, Milzbrand, Rotz, Schlangenbisse) u. s. w.
3.nbsp; nbsp;Als erregendes Mittel bei Lähmungszuständen des Rückenmarks und peripherer Nervenstämme wird das Brennen, wenn auch seltener, angewandt (Gebärparese, spinale Lähmung, Lähmung des Radialis, Suprascapularis, Tibialis etc.).
Technik des Brennens. Zur Zerstörung von Neubildungen benützt man das weissglüh ende (1000deg; C), zum Brennen gegen Spat etc. das rothglühende Eisen (7800deg; C). Das sogen, kaltequot; Brennen wird mit dem nicht mehr glühenden Eisen (200500deg; C.) ausgeführt. Die in Deutschland verbreiteste Methode des Brennens ist von jeher diejenige mittelst des rothglühenden Eisens gewesen. Dasselbe wird gewöhnlich unmittelbar auf die Haut in Form von Strichen, Punkten oder Durchbrennen der Haut applicirt. Striche brennt man bei grösserer, flächen-hafter Ausdehnung des krankhaften Processes (Sehnen- und Sehnenscheiden-
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192nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Brennen.
entzündungen. grosse Gelenksgallen), Punkte bei umschriebenen Affectionen (Spat, Schale, üeberbeine, kleine Gallen). Das Brennen wird so lange fortgesetzt, bis an der gebrannten Stelle eine strohgelbe Flüssigkeit ausschwitzt und der Brandschorf braungelb wird; bei feiner Haut genügt eine 46malige, je einige Secunden dauernde Berührung der Haut mit dem Brenneisen. Zwischen den einzelnen Berührungen sollen möglichst lange Pausen eingeschoben werden, damit die Wirkung des Feuers auf Gefässe und Nerven möglicht intensiv zur Geltung kommt. Vor dem Durchbrennen der Haut, welches nur ausnahmsweise bei localen Exostosen indicirt ist (Brennstifte), hat man sich sehr zu hüten ; in der Regel soll nur etwa der dritte Theil der Haut durchgebrannt werden.
Das Brennen erfolgt gewöhnlich im Stehen; sehr empfindliche Thiere sind indessen vorher niederzulegen. Nach dem Brennen hat eine möglichst lange Ruhe einzutreten. Womöglich sind die Pferde 12 Monate hindurch im Stalle zu behalten.
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k.
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A.
Abführmittel 23. Ableitende Mittel 76. Abortiva 55. Absolrwäolmng 127. Absorbentia 16. 163. Abstinenzkuren 157. Abtreibende Mittel 55. Acria 70.
Adstringentien 30. 39. 78. Aetzmittel 70. Agglutinativa 39. Alactica 63. Alexine 125. Alterantia 80. Araara 17. Amblotica 55. Anästhetica 12. Analeptica 8. Analgetica 12. Analgica 12. Anaphrodisiaca 56. Anatrophica 154. Anexosmotica 30. Angiosthenica 41. Anodyna 12. Anpassungstheorie 122. Antacida 16. Antagonistica 112. Antalgica 12. Antaphrodisiaoa 58. Antarthritica 80. Antemetica 16. Antentozoa 84. Antepizoa 81. Anterotica 58. Anthelminthica 84. Antiasthmatica 12. Antiearoinomatosa 80. Anticatarrhalica 80. Anticathartica 30.
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Anticouvulsiva 12. Antidepertitoria 154. Antidiarrhoica 30. Antidiuretica 53. Antidote 112. Antidyscratica 80. Antidysenterica 30. Antidyspeptica 16. Antiepileptica 12. Antifebrilia 1. Antifermentativa 87. Antigalactica 63. Antihiimorrhagica 39. Antihidrotioa 66. Antikörper 126. Antineuralgiea 12. Antiparalytica 8. Antiparasitica 81. Antipediculosa 81. Antiperiodica 1. Antiphlogistioa 79. Antiphthisica 81. Antiplastica 42. 157. Antipsorica 82. Antiputrida 87. Antipyretica 1. Antirheumatica 80. Antiscabiosa 81. Antiscorbutica 80. Antiscrophulosa 80. Antiseptica 87. Antisialica 66. Antispasmodica 12. Antisypbilitica 80. Antitänica 84. Antitetanica 12. Antithermica 1. Antitoxica 112. Antitoxine 125. Antitypica 1. Antityposa 1. Autizymotica 87.
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Antodontalgica 12. Anuretica 53. Aperientia 23. Aphrodisiaca 57. Appetiterregende Mittel 18.-Aseptica 87. Attenuation 127. Auflösende Mittel 42. Aufsaugung befördernde
Mittel 42. Aussenmittel 68. Austrocknende Mittel 78. Auswurf bcförderndeMittel
46.
V.
Balneotherapie 164. Bandwurmmittel 84. Bantingkur 158. Beclüca 46. Belebende Mittel 8. Beruhigende Mittel 12. Betäubende Mittel 12. Bewegung 184. Blähungstreibende Mittel 32.
Blutbildende Mittel 37. Blutplastica 37. Blutstillende Mittel 39. Bradysphygmioa 35. Brechmittel 20. Brennen 190. Brustmittel 46.
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c.
Cardiaca 35. Carminativa 32. Cathäretica 74. ' Cathartica 23. 13
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Fröhner, Lehrbuch der Allgemeinen Therapie.
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Register.
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Caustica 70. Cauteria 74. Cauterisation 190. Cerebralia 6. Chemotaxis 123. Chemotropismus 123. Cholagoga 88. Coagulantien 78. Colyseptica 87. Confortantien 156. Confortativa 156. Conservantia 87. Conservirungsmittel 106. Contentiva 163. Contrahirende Mittel 78. Corrosiva 74.
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Epispastica 70. Erethistica 70. Erotica 57. Erregende Mittel 8. Errhina 46.
Erschöpfungstheorie 122. Erweichende Mittel 161. Erweiternde Mittel 163. Erythrotica 57. Escharotica 74. Euphorica 8. Euplastica 37. 154. Evaouantia 23. Excifantien 8. Exhilarantien 8. Expectorantieu 46. Exsicoantien 78.
F.
Fäulnisswidrige Mittel 87.
Faradisation 177. ] Fiebermittel 1. ! Frnchtabtreibende Mittel
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Hungerkuren 157. Hustenmittel 46. Hydragoga 50. Hydriatik 164. Hydropathie 164. Hydrotherapie 164. Hydrotioa s. Hidrotica.. Hyperinotica 87. Hyperkinetica 8. Hypnotica 12.
I.
Imbibentia 163. Immunität 120. Impfmethoden 130. Impfung 120. Indifferente Mittel 160. Inductionsstrom 177. Inoculatio 120. Involventia 160. Irrigatien 171. Irritantien 70.
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J).
Deckende Mittel 160. Demulcentia 161. Derivantia 70. Dermerethistica 70. Desinfectionsmittel 87. Desinfioientia 87. Diätetica 154. Diagnostische Impfung ISO. Diaphoretica 64. Diapnoica 64. Digestiva 16. Dilatantia 163. Discutientia 42. Diuretica 50. Douche 171. Drastica 28. Dysplastica 157.
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G.
Gährungswidrige Mittel 87.
Galactagoga 58. . Galactica 58.
Galletreibende Mittel 33. . G-alvanisiren 177. '] G-efässerweiterndeMittel43.
Gefässverengemde Mittel 41. ; Gegengifte 112. j Gegeninittel 112. 1 Genica 55.
Genussmittel 156.
Gerbende Mittel 78.
Geschlechtstrieb steigernde Mittel 57.
Geschlechtstrieb vermindernde Mittel 58.
H.
Hämatica 87. Hämatinica 87. Hämatopoetica 37. Hämostatica 37. Harntreibende Mittel 50. Harnvermindernde Mittel
53. Heilimpfung 125. 147. Hepatica 33. Herzmittel 35. Hidrotica 64.
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Klima 182. Klojjfen 173. Kneten 173. Krampfstillende Mittel 12:.
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Lactica 58. Lactifuga 63. Laxantien 23. Lebermittel 33. Lehmanstrich 171.. Lenitiva 23. Litholytica 50. Lithothryptica 50. Lösende Mittel 161. Lubricantien 160. Luft 181. Lungenmittel 46. Lungenseucheimpfung 137.
M.
Magenmittel 16. Massage 173. Masticativa 66. Masticatoria 66. Mechanica 160. Metasyncritica 80. Milchmittel 58. Milchvertreibende Mittel 63.
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E.
Ebriantia 12. Ebstein'sche Kur 158. Ecbolica 55. Eccoprotica 23. Ectrotica 55. Effleurage 173. Einhüllende Mittel 160. Einsaugende Mittel 163. Eiweissgerinnende Mittel
178. Elektrotherapie 177. Emetica 20. Emmenagoga 55. Emollientia 161. Enterostyptica 80. Entfettungsmethoden 157. Entzündungswidrige Mittel
79. Epileptifacientia 8.
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Register.
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Milzbrandimjjfung 134. Mitigation 120. Mydriatica 68. Myotica 69.
N.
Nahrungsmittel 154. Narcotica 12. Nauseosa 20. Nauseotica 20. Nervenmittel 0. Xervina 6. Neurotica 6. Neutralisantia 16. Niesmittel 46. Nothimpfung 133. Nutrientia 154.
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Pupillenerweiternde Mittel
68. Pupillenverengerude Mittel
69. Purgantia 23. Pustulantia 70.
R.
Räudemittel 82. Rausohbrandimpfung- 144. Refractär 121. Refrigerantia 79. Reiben 173. Reinigende Mittel 162. Reizmildernde Mittel 160. Reizmittel 70. Resolventia 42. Resorbirende Mittel 42. Retentionstheorie 122. Rinderpestimpfung 144. Roborantien 156. Rophetica 39. 163. Rubefacientia 70. Ruhe 184. Ruminatoria 16.
s.
Säuretilgcnde Mittel 16. Scharfe Mittel 70. Schlafmittel 12. Schleimlösende Mittel 46. Schmerzstillende Mittel 13. Schutzimpfung 125. 182. Schutzmittel 160. Schweisstreibende Mittel
64. Sedantia 12. Sedati va 12. Serumtherapie 125. Seuchendesinfection 99. Sexualmittel 55. Sialagog-a 66. Sialica 66. Somnifera 12. Soporifera 12. Soporifica 12. Spasmodica 8. Speicheltreibende Mittel 66. Spinalia 7. Spinantia 8. Stärkende Mittel 8. Sternutatoria 46. Stimulantia 8.
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Stomachica IG. Streichen 173. Styptica 23. 39. Sudorifera 64. Sudorifica 64. Suppletiva 16. Suppurativa 70.
T.
Tapotement 173. Temperantia 12. 79. Tetanioa 8. Tonica 78. 156. Transfusion 188.
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0.
Obtegentia 160. Obvolventia 160. Odinegoga 55. Oertel'sche Kur 158. Ophthalmica 68. Üsmotica 23. Ovination 142.
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Uterina 55.
V.
Vaccination 146. Vascularia 42. Venäsectio 187. Verdauungsmittel 16. Verdichtende Mittel 78. Vereinigende Mittel 163. Verflüssigende Mittel 42.-
161. Verstopfende Mittel 30. Vesicantia 70. Vomitiva 20. Vomitoria 20. Vorbauungsimpfung 133.
W.
Wasserheilmethode 164.
Wehentreibende Mittel 55.
Weir-Mitchel'sche Methode 175.
Wiederkäuen befördernde Mittel 16.
Wurmmittel 84.
Wurmtreibende Mittel 84.
Wuthimpfung 140.
Z.
Zertheilende Mittel 42.461. Zusammenziehende Mittel
78. Zwangsimpfling 134.
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P.
Paralysantia 12. Parasitentödtende Mittel
81. Paregorica 12. Parturefacientia 55. Pellentia 55. Peptica 16. Peripherica 8. Peristaltica 23. Petrissage 173. Phagocytentheorie 123. Phlebotomie 184. Plastica 154. Pneumatica 46. Pockenimpfung 142. Polysphygmica 35. Präcautionsimpfung 133. Präservantia 87. Präservativimpfung 133. Präventivimpfung 133. Protectiva 30. 160. Ptarmica 46. Ptyalagoga 66.
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Berichtigungen.
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Seite
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