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Die
Staupe der Hunde
deren Wesen und Bekämpfung
mit besonderer Berücksichtigung der am häufigsten vorkommenden
Hundekrankheiten.
Nach den
neuesten Forschungen und praktischen Erfahrungen
bearbeitet von
Martin Reuter
Distrikts-Thierarzt in Gemünden am Main.
Preis 1,50 Mk.
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Osterwieck/Harz.
Druck und Verlag von A. W. Zickfcddt. 1889.
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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
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Die
Staupe der Hunde
deren Wesen und Bekämpfung
mit besonderer Berücksichtigung der an häufigsten vorkommenden
Hundekrankheiten.
Nach den
neuesten Forschungen und praktischen Erfahrungen
bearbeitet von
Martin Reuter
Distrikts-Thierarzt in Gemünden am Main.
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Osterwieck/Harz.
Druck und Verlag von A. W. Zickfeldt.
1888.
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Vorwort.
Das häufige Vorkommen der Hundestaupe, sowie die Unzahl von zum Theil oft recht abenteuerlichen Mitteln, welche vom Laienpublikum gegen dieselbe ins Feld geführt werden und in den meisten Fällen mehr schaden als nützen, haben mich veranlasst, diese Brochure niederzuschreiben. Ich hatte bei deren Verabfassung einen doppelten Zweck im Auge: in erster Linie wollte ich den Thierbesitzer mit dem Wesen dieser Hundekrankheit und in zweiter Linie mit deren Heilung ver­traut machen.
Ferner finden ausser der Staupe noch mehrere Hunde­krankheiten, welche mit jener in mehr oder weniger innigem Zusammenhange stehen, ihre Erwähnung und Beschreibung.
Hundekrankheiten und speziell Staupe sind nun allerdings schon mehrfach abgehandelt worden, allein alle die darüber vorhandenen Werke sind entweder zu umfassend oder zu sehr fachwissenschaftlich, im andern Falle auch wieder zu klein oder zu wenig wissenschaftlich abgefasst, weshalb ich diese Dar­stellung, die einen Ersatz für jene bilden und daher sowohl zum Gebrauche für den Laien als für den Fachmann dienen soll, wählte.
Sollte es mir gelungen sein, der gestellten Aufgabe auch nur im Wesentlichsten gerecht geworden zu sein, so hätte ich mehr erreicht als ich zu hoffen wagte.
Gemünden am Main, im November 1888.
Der Verfasser.
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Inhalt.
Seite
Einleitung......................nbsp; nbsp; nbsp; 1
I. Die Ei-seheinungen der Staupe.............nbsp; nbsp; nbsp;5
II. Die Ursachen der Staupe...............nbsp; nbsp; 12
III.nbsp; Das Wesen der Staupe................nbsp; nbsp; 17
IV.nbsp; Die Vorhersage hinsichtlich des Verlaufs der Staupe.....nbsp; nbsp; 24
V. Die Behandlung der Staupe..............nbsp; nbsp; 26
Die am häufigsten vorkommenden Hundekrankheiten:
1.nbsp; Die Erkrankungen der drüsigen Organe........nbsp; nbsp; 55
2.nbsp; Die Erkrankungen der nach Aussen sichtbaren Körperöffnungennbsp; nbsp;56
3.nbsp; Die Krankheiten des Nervensystems.........nbsp; nbsp; 69
4.nbsp; Die Krankheiten der Seimen, Muskeln und Knochen ....nbsp; nbsp; 71
5.nbsp; Die Krankheiten der äusseren Haut und der Haare ....nbsp; nbsp; 86 VI. Die Vorbeuge gegen die Staupe.............nbsp; 104
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Einleitung.
Die Hundezucht hat in neuerer Zeit in allen Culturstaaten einen erfreulichen Aufschwung genommen, und hat man namentlich im deutschen Reiche das Bestreben durch Ver­anstaltungen von Hundeausstellungen, Prämiirungen, Sporte etc. energisch zur Züchtung reinerer Hunderacen anzuregen, die Bastardzucht soviel als möglich zu verdrängen und dadurch die Hundezucht rentabler zu machen.
Es ist einleuchtend, dass die Hundezucht zwar niemals die Bedeutung wie die Zuchten der übrigen nutzbaren Haus-thiere als Pferde, Rinder und dgl. erlangen kann, weil der Hund eben nicht einen bestimmten absoluten, sondern nur einen relativen, aber gleichwohl schätzbaren (Affections-) Werth re-präsentirt, der unter Umständen sogar sehr hoch angeschlagen werden kann und muss. Allein trotzdem muss der Hund als ein unentbehrliches Hausthier betrachtet werden, das dem Menschen sehr gute Dienste zu leisten vermag und das in Folge dessen, wenn es gesund und leistungsfähig bleiben soll, die gleichen Gesundheitsbedingungen bei seiner Haltung be­anspruchen muss wie die übrigen der Botmässigkeit des Menschen unterworfenen Hausthiere. Gerade in der Erfüllung alles dessen, was zu einer möglichst naturgemässen Zucht, Pflege und Wartung gehört, liegt ein Hauptfaktor zur Hebung und Förderung der Hundezucht, und wer nicht in der Lage ist diesem Punkte gerecht zu werden, sollte schon aus Humanitäts­rücksichten das Halten von Hunden unterlassen.
Wie alle Thiere, so ist auch der Hund im Kampfe ums Dasein gar mancherlei Krankheiten unterworfen, und deren
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häufigeres oder selteneres Auftreten an gewisse Verhältnisse wie Haltung-, Lebensweise, Behandlung- (Dressur), Beschäftigung, Raceeigenthüralichkeit, Geschlecht, Alter, Constitution etc. je nach der jedem Geschöpfe von Natur aus eigenen geringeren oder grösseren Widerstandsfähigkeit gebunden.
Der Eintritt von Krankheiten ist bei unseren Hausthieren im Allgemeinen meist ein plötzlicher und nicht leicht wahr­nehmbarer; in Folge dessen wird der Anfang von Krankheiten sehr häufig übersehen und die Behandlung wesentlich erschwert, weil man nicht immer Gelegenheit hat die Thiere unausgesetzt beobachten zu können, und andererseits oft keine besonders ausgesprochenen Grenzen gezogen sind zwischen dem Über­gänge von Gesundheit zur Krankheit. Nur beim Hunde, dem dem Menschen am nächsten stehenden Hausthiere, sind in dieser Hinsicht die Verhältnisse anders und weit günstiger als bei allen übrigen Hausthieren gelagert. Hier können ein­getretene Störungen im Allgemeinbefinden sofort wahrgenommen werden, ein aufmerksamer und auf sein Thier bedachter Züchter wird solche auch stets im ersten Beginne erkennen.
Die am ersten eintretenden Störungen und Anzeigen einer Krankheit sind Veränderungen im Benehmen des Hundes, wie geringere Munterkeit, geringere Aufmerksamkeit, Bekunden weniger Theilnahme, matter, glanzloser, stierer Blick, Hängen­lassen des Schwanzes, Traurigkeit, bei Gebrauchshunden wie Jagdhunden Lässigkeit im Dienste, Abgespanntheit oder aber Widersetzlichkeit, erhöhte Empfindlichkeit, Hörenlassen der Stimme zur Unzeit, Unfolgsamkeit u. a. m., späterhin wirkliche Krankheitszeichen wie Fiebererscheinungen, warme, trockene Nase, ungleichmässige Vertheilung der Körpertemperatur, Zittern, vermehrtes und angestrengteres Athmen im Zustande der Ruhe, Störungen in der Verdauung, wie Mangel an Fress­lust und Durstgefühl, wohl auch gesteigertes Durstgefühl, Aufsuchen unverdaulicher und ungewohnter Nahrung.
Sobald derartige Symptome bei den Hunden sich be­merkbar machen, soll der Hundebesitzsr seinem Thiere, sofern ihm an demselben gelegen ist, eine erhöhtere Aufmerksamkeit zuwenden, seinen Zustand genau beobachten, um womöglich noch rechtzeitig dem Ausbruche einer Krankheit vorzubeugen
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oder eine bereits eingetretene gleich im Beginne, wo dies in der Regel am leichtesten bewerkstelligt werden kann, zu be­kämpfen.
Hunde erkranken vermöge ihrer eigenartigen Lebens­weise ohnehin leichter und auch häufiger als alle übrigen Hausthiere; doch ist der Verlauf der einzelnen Krankheitsformen denen der Hund ausgesetzt ist, ein keineswegs gleichmässiger, sondern vielmehr ein sehr verschiedener.
Bei dem hochentwickelten Instinkte des Hundes, wofür der gesammte anatomische Bau des Nervensystems spricht, ist die Behandlung von Krankheiten mit weniger Schwierigkeiten ver­knüpft, als bei den übrigen Hausthieren; auch sind Hunde leicht zu bändigen und fest zu legen, um dieselben eingehend untersuchen und behandeln zu können. Doch gehört wie zu Allem, so auch zu der Krankenpflege des Hundes Sachkennt-niss, Geschick und Gewandheit. Man bemühe sich bei jeder Krankenbehandlung auf irgend eine Weise dem Thiere ver­ständlich zu machen, dass man es heilen und pflegen und nicht quälen und schinden will. Dies kann auf verschiedene Art je nach der Charaktereigenthiimlichkeit des betreffenden Individiums beigebracht werden; sehr häufig gelingt es durch liebevolles Anreden, gute Worte, durch einschmeichelndes Benehmen, Liebkosungen, durch beliebte Spielereien, Vorhalten von besonderem Lieblingsfutter u. dgl. Ungestümes, rohes Benehmen soll vermieden werden, da es stets mehr schadet als nützt: In gleicher Weise sollen Personen, die notorisch un­geschickt, unbeholfen oder gar furchtsam und dem Thiere fremd sind, für die Behandlung nicht beigezogen werden.
Alle diese Verhältnisse sind bei der Behandlung zu be­rücksichtigen und Versehen dieser rächen sich gar häufig oft noch beim Wiedereintritt der Gesundheit; es soll daher der Herr des Hundes bei Erkrankungsfällen die nöthige Auf­merksamkeit demselben schenken und nichts unversucht lassen, sofern das Thier für ihn Werth hat, was seinem treuen Thiere zur Rettung dienen kann.
Von allen Krankheiten des Hundes ist in allen Ländern und Klimaten und unter allen Hunderacen ohne Unterschied die am meisten vorkommende, die sogenannte Staupe, auch Sucht, Laune, Hunderotz, Katarr halfiebcr, Hunde-
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seuche, Ilunderothlauf, sowie Hundekrankheit überhaupt genannt; dieselbe hat wegen ihrer geradezu seuchenartigen Verbreitung eine Vervollkommnung der Hundezucht wesentlich beeinträchtigt, indem derselben gar oft schon die besten und schönsten Exemplare von Hunden zum Opfer fielen, weshalb die Bekämpfung dieses Schreckgespenstes mit mehr Nachdruck und auf rationellere Weise als es bisher vielfach geschah, vollführt werden sollte.
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I. Die Erscheinungen der Staupe.
Die Krankheitserscheinungen der Staupe sind wie nicht leicht bei einem anderen Leiden äusserst verschiedene und mannigfache.
Ehe die Krankheit zum eigentlichen Ausbruche kommt, stellen sich bei den Thieren gewisse Vorboten ein. Die Krank­heit beginnt nie plötzlich, sondern entwickelt sich st^ts erst allmählich. Ziemlich constante Vorboten, von denen oft nur einige wenige einen Verdacht auf Staupe rechtfertigen, sind: Geringere Fresslust und Munterkeit, Abmagern der Thiere bei normalem Appetit, übermässiges Durstgefühl, mürrisches Be­nehmen, trüber, niedergeschlagener Blick, Trägheit, Aufsuchen stiller Winkel, Verkriechen unter Zimmerutensilien oder im Stalle in die Streu, Sträuben der Haare, verzögerte Koth­und Urinentleerungen, warme, trockene Nase, Thränen des Auges, Schleimausfluss aus den Augen und der Nase. Diese Erscheinungen können sich unter Umständen in einigen Tagen wieder verlieren. Ist dies nicht der Fall, so stellen sich nach 8—10 Tagen bedeutende Fiebererscheinungen ein, die Körper­temperatur fängt an zu wechseln, die normale, innere Tem­peratur, die im Durchschnitte 38,7—39,2deg; Cels. beträgt, wird um 1—20 erhöht, selbst noch darüber, gleichzeitig sind auch Puls und Athmung beschleunigt.
Man zählt 90 — 110 Pulsschläge und 40—50 Athemzüge in der Minute im Zustande der Ruhe; aus der Nase fliesst ein dünnflüssiger, wässriger, bald mehr consistent werdender gelb­licher Schleim ab, der an den Nasenrändern zu braunen, später­hin mehr grünlichen Borken eintrocknet, wobei die Hunde öfter niessen und husten. Die Schleimhaut der Augen sondert gleichfalls viel Schleim ab, so dass öfter die Augenlider zu­sammenkleben, die Schleimhaut selbst erscheint dabei höher geröthet und aufgelockert, ebenso auch die Nasen- und Maul-
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Schleimhaut. In manchen Fällen sind diese Schleimhäute auch mit kleinen, etwa hirsekorngrossen Geschwürchen besetzt. Die abgesetzten Darmexcremente sind trocken, (brandig) und hart, oft förmlich versteinert, verbreiten einen penetranten Fäulniss­geruch, der Urin ist dünn, braungelb und riecht nach Ammoniak, stellenweise kann derselbe auch mit Blut vermischt sein. Ferner bemerkt man bei den Thieren ein eigenthümliches Rülpsen, Würgen, Brechneigung oder wirkliches Erbrechen.
Auch diese Erscheinungen können allmählich wieder ab­nehmen, indem die Fiebersymptome geringer werden, die Ab­sonderung auf den Schleimhäuten der Athmungsorgane, sowie der Augen nachlässt, so class innerhalb einiger Wochen völlige Genesung zu erwarten ist.
In den meisten Fällen jedoch nehmen die Krankheits­symptome an Intensität zu, die Thiere werden unruhiger, von einem trockenen schmerzhaften Husten gequält, die Athmung wird äusserst beschwerlich, krächzend, rasselnd oder kurz und stöhnend, der Gang der Thiere wird matt und schwankend, der Hinterleib fällt namentlich an den Flanken immer mehr ein und erscheint förmlich aufgeschürzt.
Die Krankheitserscheinungen stellen das Bild eines ausgesprochenen Bronchial- oder Luftröhrenkatarr.ies der Hauptsache nach dar, dessen Entzündungsprozess sich bis in die feinsten Verzweigungen der Luftröhre und selbst in die Lungenbläschen erstreckt. In solchen Fällen vernimmt man bei der Untersuchung der Brusthöhle durch die Auscultation rasselnde und zischende Geräusche, auch wohl schnurrende und knallähnliche, weil beim Athmen Schleimpfröpfe nach vorne getrieben werden, Schleimmassen den grösseren Theil der Bronchien ausfüllen oder von den feinsten Verzweigungen der Bronchien losgerissen werden. Je lebhafter diese Geräusche gehört werden, desto mehr zeigt sich die Athmung verändert. Das Schnurren oder Schlottern deutet auf beträchtliche Schwellung der Bronchialschleimhaut und Ansammeln von zähem Schleim (Rhonchus, daher die Bezeichnung Röcheln) hin; dasselbe geht in Pfeifen über, wenn der Schleim den Bronchus bis auf eine enge Spalte ausfüllt, durch welche die Luft gewaltsam hindurchstreicht. Das Durchstreichen der Luft durch das mehr dünnflüssige katarrhalische Produkt erzeugt
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in den grösseren Bronchien zerplatzende Luftblasen, sogenanntes grossblasiges Rasseln, zum Unterschiede des in den feineren Bronchien entstehenden feinblasigen Rasseins.
Die Perkussion der Brusthöhle ergiebt keinen abnormen Schall; erst, wenn sich grössere Bronchien mit Schleim- oder Croupmassen anfüllen, dämpft sich der Percussionsschall, er geht dann sogar in den leeren sogenannten Schenkelton über, namentlich wenn sich die Lunge mit eitrigen und wässrigen Exsudaten infiltrirt hat. Es ist alsdann eine partielle oder selbst eine allgemeine Lungenentzündung vorhanden, bei welcher hernach die Athemnoth immer mehr zunimmt und die Ab­sonderung von Schleim an den peripherischen Schleimhäuten mehr oder weniger aufgehoben ist.
Die Schleimhäute in den Schlingwerkzeugen und in dem Vcrdauungskanale überhaupt entzünden sich leicht mit, und es bildet sich in der Mehrzahl der Fälle gleichzeitig ein Magen-und Darmkatarrh aus, welcher sich durch folgende Symp­tome zu erkennen giebt:
Schlingbeschwerden, mehr oder weniger häufiges Er­brechen , völlige Appetitlosigkeit, dunkelrothe Färbung der sichtbaren Schleimhäute, brennender Durst, Stöhnen oder Heulen in Folge des Leibschmerzes, bisweilen schleimiger und selbst blutiger Durchfall, Schwäche und Abmagerung. Aufgetriebene, schmerzhafte Lebergegend und gelbliche Färbung der sicht­baren Schleimhäute weisen auf eine Miterkrankung der Leber hin, welche in Folge Stauung der Galle entstanden ist. Schmerzhafte Entleerung eines mehr oder weniger rothge­färbten Urins lassen auf ein Blasen- oder Nierenleiden schliessen.
Ein nicht seltener Begleiter der Staupe ist ein Bläschen­ausschlag an der unteren Seite der Brust und des Bauches, sowie an der innern Fläche der Schenkel. Dieser Hautaus­schlag beginnt mit flohstichähnlichen Flecken, über welchen sich nach Verlaut von etwasTagen die Oberhaut mit trüber, eitriger Flüssigkeit gefüllten Bläschen erhebt, welche platzen und ihren zu einer dünnen Kruste vertrockneten Inhalt entleeren, nach deren Abtall ein glatter, blassröthlicher Fleck zurückbleibt. Bisweilen schuppt sich an den genannten Stellen auch nur die Oberhaut flechtenartig ab. Das Vorhandensein eines stark ausgebreiteten Ausschlages pflegt meist einen widerlichen fauligen Geruch der Thiere zu verbreiten.
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Dieser Ausschlag soll ansteckender Natur sein und sich auf Menschen übertragen; die Infektion mit demselben soll beim Menschen einen heftig juckenden Ausschlag hervorzurufen vermögen.
Der bei der Staupe fast stets mit zugegene Catarrh der Augenschleimhaut verbindet sich sehr häufig mit einer Entzündung der Hornhaut des Auges. Die Hornhaut trübt sich, öfters erhebt sich auf derselben ein Geschwür, das nach und nach mehr in die Tiefe greift, wohl auch die Hornhaut durchbricht, worauf der Augapfel berstet und in Folge dessen völlige Erblindung eintritt. Schrumpfung des Augapfels, die gleichfalls den allmähligen Verlust des Sehvermögens zur Folge hat, wurde auch schon beobachtet.
In vielen Fällen treten und zwar gewöhnlich erst, wenn die catarrhalischen Affcctionen einige Tage hindurch gedauert haben, nervöse Erscheinungen - Gehirn- und Rücken-m arksaffectionen — und zwar in der Form von Zuckungen ein­zelner Muskeln verschiedener Körpertheile, der Ohren, Nase, Lippen, der Gliedmassen oder in der Form fallsuchtartiger Krämpfe, Anfällen von Tobsucht und Raserei; die Thiere sind bei den letzteren Erscheinungen ohne Bewusstsein, gehen im Kreise herum, winseln, lallen um; nach den Anfällen zeigen sich die Thiere sehr matt und angegriffen und erholen sich sehr langsam. Bei längerer Andauer der Krämpfe breitet sich das Rückenmarksleiden immer mehr aus, der Gang wird un­sicher, schwankend; es kommt zur völligen Paralyse der Hinter­schenkel und des Hintertheils überhaupt, so dass die Thiere die llinterlüsse nur unvollkommen bewegen können, schliesslich aber mit dem llintertheil gar nicht mehr aufzukommen ver­mögen.
Es erfolgen Lähmungen einzelner Körpertheile, meistens eines Hinterfusses oder des ganzen Hintertheiles, welche häufig^ nachdem die Thiere von der Staupe bereits genesen sind, als selbständige Störungen fortbestehen und dann Ursache einer andauernden Verunreinigung der Thiere durch ihre Excremente oder des brandigen Aufliegens werden können.
Die nervösen Krankheitserscheinungen der Staupe halten in der Regel vier bis fünf Tage, in seltenen Fällen einige Wochen an und führen nach dieser Zeit meist zu allgemeiner Erschöpfung und Auflösung; die Mattigkeit, Schwäche und
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Abmagerung wird wie überhaupt in allen Fällen, wo nicht oft'enbare Besserung eintritt, immer grosser, der Puls wird immer kleiner, schwächer und unregelmässiger, der Herzschlag pochender, es stellen sich Erscheinungen allgemeiner Phtysis ein, wie copiöser, eitriger, übelriechender (brandiger) oder miss­farbiger Nasen-,' Augen- und Ohrenausfluss und wässriger Durchfall, denen bald der Tod in Folge Herz- oder Lungen­lähmung folgt; eitrige Lungenentzündung ist häufig hiebei zu­gegen, die Hunde hüsteln alsdann unkräftig, athmen sehr kurz und angestrengt und magern bis zum Skelet ab.
Aus dem bisher Erwähnten geht zur Genüge hervor, dass die sogenannte Staupe einen sehr verschiedenartigen Verlauf nehmen kann, dass dieselbe eigentlich einen Symptomencomplex von verschiedenen, in pathologischer Hinsicht jedoch auf gleicher Grundlage beruhenden Krankheiten dar­stellt, indem bald die Athmungsorgane, bald die Verdauungs­organe bald die Sehorgane, sowie Gehirn und Rücken­mark, das Nervensystem überhaupt, endlich auch die äussere Haut Sitz des Leidens sein können, ähnlich wie dies bei der sogenannten Schweineseuche oder Rothlaufseuche (cf. die Schweineseuche und deren wirksame Bekämpfung von Martin Reuter 1887, erschienen bei Cäsar Fritsch in München) der Fall ist. In seltenen Fällen --- doch kann dies auch vor­kommen — ist nur eine Organabtheilung erkrankt, meistens sind gleichzeitig mehrere, ja es können sogar die sämmtlichen Gruppen zusammen an der Erkrankung theilnehmen.
Aus dem eigenthümlichen Verlaufe, den die Staupe nehmen kann, lässt es sich auch erklären, warum diese Krankheit im Volksmunde, je nachdem das eine oder das andere Symptom vorwaltend ist, mit so verschiedenen Namen belegt wird, die unter Umständen alle ihre Berechtigung, haben können.
Das Wort „Staupequot;, wohl die am meisten gebräuchliche und eingewurzelte Bezeichnung, stammt seinem sprachlichen Inhalte nach aus dem Altdeutschen und bedeutet dort nichts weiter als Seuche; dasselbe kann dem wissenschaftlichen Brauche gemäss für diese speeifische Hundekrankheit am ehesten gewählt werden, weil dieselbe in grösserer Verbreitung aufzutreten vermag und auf der Entwicklung beziehungsweise Einwirkung eines Ansteckungsstoffes, eines thierischen Giftes — contagium — beruht, welches sich auf andere Thiere zu über-
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tragen vermag; in gleicher Weise ist die im Mittelhochdeutschen hierfür gebräuchliche Bezeichnung „Hundeseuchequot; ebenfalls gerechtfertigt.
Die Bezeichnung „Suchtquot;, die namentlich in Siiddeutsch-land sehr gang und gebe ist, rührt von dem schleichenden, chronischem Verlaufe der Krankheit und dem oft ausge­sprochenen „süchtigenquot; Charakter derselben her.
Der Ausdruck „Launequot;, welcher mehr im Königreich Sachsen, sowie in Oesterreich an der Tagesordnung für die Krankheit ist, dürfte wohl in Zusammenhang stehen mit dem eigenartigen, launigen, oft mürrischem Benehmen, das die er­krankten Thiere vielfach bekunden. Die Bezeichnung „Hunde­rotzquot; wegen des characteristischen Nasenausflusses von grün­lich gelber Farbe und zäher klebriger Beschaffenheit, wie der­selbe bei dem Rotze der Pferde vorkommt, gewählt wurde seinerzeit von Fachautoritäten vorgeschlagen und diese Krank­heit mit dem Pferderotz zu identificiren versucht, welch' letzterer jedoch auf ganz anderen Voraussetzungen beruht, stets tötlich verläuft und ausser diesem Symptom fast gar keine Aehnlichkeit mit der Staupe hat.
In gleicher Weise suchte man die Bezeichnung „ Catar rhal -fieberquot;, herrührend von der catarrhalischen Affection der Schleimhäute und der dadurch bedingten Folgeerkrankungen als Collektivbegriff vom wissenschaftlichen Standpunkte aus zu statuiren, um diese Erkrankung der Hunde mit einer ana-losen, nämlich dem Catarrhalfieber des Rindes und Pferdes in Einklang zu bringen, weil letztere Erkrankungen mit dieser sehr viele Aehnlichkeit haben und gleichfalls auf der Ein­wirkung eines thierischen Giftes beruhen, wiewohl deren Ver­lauf ein wesentlich anderer ist.
Der jedoch sehr selten gebräuchliche Ausdruck „Hunde-rothlaufquot; verdankt seine Anwendung dem bei der Staupe bisweilen mit auftretenden Hautausschlag.
Die Bezeichnung „Hundekrankheitquot; überhaupt, welche wohl die dem Laien geläufigste sein dürfte, rührt daher, dass die Staupe die am allerhäufigsten vorkommende Hundekrankheit ist, der Laie die feineren Unterschiede zwischen den einzelnen und oft nicht leicht namentlich ohne Sachkenntniss erkennbaren Krankheitsformen nicht macht und somit dieselbe gewisser-rriassen als Repräsentantin aller internen Hundekrankheiten hin-
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gestellt wird; in früherer Zeit, namentlich als es noch keine wissenschaftliche Thierheilkunde gab, kannte man überhaupt fast keine andere Hundekrankheit als die Staupe, weshalb es denn auch kam, dass man alle sonstigen Hundekrankheiten lediglich als Abarten, Formen dieser ansah und behandelte.
Bevor ich auf das Wesen der Krankheit selbst näher ein­gehe, wird es zum besseren Verständnisse dienen, wenn ich erst die dieselbe hervorrufenden Krankheitsursachen vor Augen führe und aus diesen hernach den Krankheitscharakter ableite.
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II. Die Ursachen der Staupe.
Die Krankheit kommt ausser bei Hunden auch bei den Katzen vor; auch bei den Pferden kommt eine Krankheit vor, die fast auf den gleichen Voraussetzungen wie die Hundestaupe beruht, auf die Hunde überzugehen vermag und die Bezeichnung „Pferdestaupequot; führt.
Unter den Hunden entsteht die Staupe am häufigsten bei den zarteren, im Zimmer gehaltenen Racen; alle jungen Thiere haben vermöge ihrer geringeren Widerstandskraft gegen Krank­heiten eine starke Disposition zur Staupe, und zwar ist solche derart, dass, wie man allgemein annimmt, die Staupe als noth-wendige constitutionelle Krankheit in der Entwicklungsperiode des Hundes in mehr oder weniger gelinder Form auftreten müsse. Nun ist es allerdings Thatsache, dass die weitaus überwiegende Anzahl der Hunde im ersten Lebensjahre von der Staupe heimgesucht wird; dagegen bleiben namentlich bei zweckentsprechender Haltung und Fütterung gar viele Hunde von der Staupe verschont, wie es andererseits keineswegs zu den Seltenheiten gehört, dass Hunde in späteren Lebensjahren mit 3 bis 6, ja selbst bis 9 Jahren noch von derselben, in der Regel jedoch weniger hochgradig, befallen werden. Recon-valescenten können, und dies ist sehr häufig der Fall, gleich­falls von Neuem wieder erkranken; ferner sind auch alle Hunde, welche die Staupe bereits einmal überstanden haben, keines­wegs ausser Gefahr, derselben abermals anheimzufallen. Eine solch wiederholte Erkrankung beruht vielfach auf der Ein­wirkung des von der erstmaligen Erkrankung im Thierkörper noch vorhandenen Krankheitsgiftes, welches durch irgend eine äussere Gelegenheitsursache zu seiner ursprünglichen vollen Wirksamkeit wieder wach gerufen wird.
Die Disposition der jungen Hunde zur Staupe wird durch Verbastardirung, Verzärtelung (Stuben- und Schooshündchen),
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Kurzhaarigkeit des Felles — langhaarige Hunde erkranken meistens in gelinderer Form als kurzhaarige — ferner durch Ueberanstrengung der jungen Thiere, übermässige Dressur, ganz wesentlich erhöht. Am häufigsten entsteht die Krank­heit bei jenen jungen Hunden, welche naturwidrig gefüttert werden, wenig Fleisch, dagegen viel Pflanzenkost und in der Regel nicht die beste, meist in Gährung, Fäulniss übergegangene oder sonst wie verdorbene Nahrung erhalten. Der Hund ist als Fleischfresser ganz besonders auf entsprechende Fleisch-und Knochennahrung angewiesen, namentlich ist dies bei dem jungen der Milch erst entwöhnten Hunde der Fall. Die Milch und speziell die Hundemilch besitzt eine ganz eigenartige chemische Zusammensetzung und enthält alle Stoffe, die der Thierkörper zu seinem Aufbau braucht. Es muss daher die auf die Muttermich folgende Nahrung in ihrer Zusammensetzung in Bezug auf Nährstoffe der Muttermilch möglichst nahe kommen; ist dies nicht der Fall, sind namentlich besonders fin­den Autbau des Körpers und dessen Erhaltung unentbehrliche Stoffe, wie phosphorsaure Salze, Kochsalz, Eiweiss etc. nicht in der physiologisch nothwendigen Menge in der Nahrung ver­treten, so hat diese ungenügende, fehlerhafte Ernährung die verschiedensten Störungen und Krankheiten — wie besonders das Entstehen der Staupe — im Organismus der Thiere zur Folge. Da die Hundemilch einen ganz ausserordentlich hohen Gehalt an Phosphorsäure, sowie an Kali besitzt, welcher selbst in der besten Pflanzenkost dem Hunde, das heisst: in assimilir-barer, verdaulicher, zum Aufbau des Körpers verwendbarer Form, nicht gewährt werden könnte, so ist ausschliessliche Pflanzenkost für jeden Hund, jedoch ganz besonders für den jungen Hund absolut zu verwerfen; im Gegentheil, „der junge Hund soll naturgemäss ausschliesslich mit Fleisch, Knochen etc. weil jene Futtermittel in ihrer chemischen Zusammensetzung dem Gehalte der Muttermilch am nächsten kommen, ernährt werden. Es ist daher die so merkwürdig stark verbreitete Ansicht, „die Fleisch- und Milchkost rufe bei den jungen Hunden die Staupe hervorquot;, eine ganz irrthümliche und unberechtigte, ja dieselbe ist geradezu die Ursache, warum die Staupe so häufig auftritt und eine so starke Verbreitung hat; ganz ab­gesehen davon, dass die Fleischnahrung dem körperlichen Gedeihen nur förderlich und für den Hund leichter verdaulich
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ist, so befähigt sie denselben überdies durch ihren hohen Nähr­gehalt zum besseren und leichteren Ueberstehen dieser Jugend­krankheit, wofür ich Belege aus meiner Praxis in reichlichster Menge beibringen könnte.
Unter den Nutzungs- und Gebrauchshunden erkranken am häufigsten die Jagdhunde und zwar hauptsächlich die Dachs­und Hühnerhunde, weniger die Sau- und Schweisshunde; ver-hältnissmässig wenig erkranken auch die Schafhunde, sowie die I lirtenhunde überhaupt, am meisten stets die Luxushunde.
Die bisher erwähnten Ursachen sind mehr im Innern des Organismus gelegen und in einer eigenthümlichen verminderten Widerstandsfähigkeit der Thiere gegen die Staupe begründet; aussei-diesen giebt es noch eine ganze Reihe von äusseren Schädlich­keiten, die von Aussen her auf den Organismus einwirken und dessen Widerstandskraft brechen können, es sind dies die so­genannten Gelegenheitsursachen. Dieselben können sehr verschiedener Art sein; zunächst kann jeder örtliche, auf mannig­fache Weise zu Stande kommende, die Schleimhäute der Athmungs- oder Verdauungsorgane berührende, mehr oder weniger hochgradige Reiz die Erkrankung der Thiere hervor­rufen. Diese ursprüngliche catarrhalische Reizung kann erzeugt werden durch das Eindringen fremder, pulverförmiger Körper, Sand, Steine, Staub, Unrath, — sei es in die Lungen oder in den Magen, — ferner durch Einathmung scharfer Dünste und Gasarten, insbesondere ist dies der Eall von mit Fäulnisspro­dukten, organischen Zersetzungs- und Gährungsstoffen ge­schwängerten Ausdünstungen; athmosphäre Einflüsse wie kalte, namentlich nasskalte oder aber feuchtwarme, seltener sehr heisse Luft, plötzlicher Temperaturwechsel begünstigen den Eintritt der Erkrankung ganz wesentlich, weshalb die Staupe gerne im Frühlinge und Herbste zur Zeit feuchtkalter oder feuchtwarmer Witterung vorkommt und dann in manchen Jahr­gängen eine geradezu seuchenartige Verbreitung erlangen kann. Plötzliche oder anhaltende Erkältungen und Verkühlungen der Kürperfläche, zugige, schlecht gezimmerte oder unrein ge­haltene, feuchte Stallungen, namentlich solche mit durchlässigem (hölzernen) schlecht gediehltem Fussboden, in welchem die Excremenle versickern und mit der Zeit, namentlich bei schwüler, heisser Luft, Fäulnissprodukte, miasmatische Aus­dünstungen erzeugen, in gleicher Weise auch Stallungen die
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schlecht ventilirt sind oder solche, die in unmittelbarer Nahe von Dungstätten, Jauchegruppen, Abtritten oder an Aus-dünstungßStellen von Fabriken sich befinden, aus welchen dann die schädlichen Gase einströmen und die Luft vergiften, geben am häufigsten Ausbruch zur Staupe. Verweichlichte in dumpfen, warmen Ställen oder viel im Zimmer gehaltene Hunde, die wenig Bewegung haben, können in Folge jäher Abkühlung des vorher erhitzten Körpers wie z. B. beim Baden, plötzlichen Regen schon erkranken, was einem normal an­gelegten Hunde eher zuträglich als schädlich wäre; in gleicher Weise kann bei solch naturwidrig gehaltenen Thieren Zugluit einseitige Körperabkühlung, kaltes Getränke, zu heisse Speise Erkrankung hervorrufen.
Schlecht genährte oder in Folge anderer Leiden herab­gekommene Thiere lallen der Staupe eher zum Opfer als ge­sunde. Jagdhunde, welche sich stark echauffiren, namentlich wenn solche längere Zeit vorher oder unter anderen athmos-phären Einflüssen in Verwendung waren, feuchte Wälder und Felder durchstreifen, ins Wasser gehen, ferner Hunde, welche mit erschlaffenden, heissen Futterarten, namentlich mit ver­dorbenem, fauligem, schimmligem, Pilzsporen enthaltendem Futter gefüttert werden, welches eine Reizung auf die Magen-und Darmwandung ausübt und von da aus vermöge seiner zersetzenden Eigenschaft ins Blut übergeht und in Folge dessen eine Allgemeinerkrankung des Organismus hervorzurufen ver­mag, erkranken am häufigsten und stets in hartnäckigstem und meist tödtlichem Grade.
Selbst das Eingeben von scharten reizenden Medicamenten, namentlich wenn Theile von denselben längere Zeit im Maule zurückgehalten werden oder in den Kehlkopf und in die Luft­röhre gelangen, kann in dieser Hinsicht nachtheilig wirken.
Eine weitere Ursache, die von den Hunbebesitzern noch viel zu wenig beachtet zu werden pflegt, bildet die Ueber-tragbarkeit derselben vom kranken Thiere aus direkt auf gesunde und zwar findet diese Ansteckung, wie bei katarrhalischen Krankheiten überhaupt, durch die von den kranken Thieren ausgeathmete Luft oder durch Uebertragung des Sekretes der Schleimhäute auf andere Thiere, ferner durch Belecken der Thiere, endlich indirekt durch Zwischenträger, als welche alle Gegenstände, selbst Personen angesehen werden
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können, die mit den kranken Thieren beziehungsweise mit dem Ansteckungsstoffe irgendwie in Berührung gekommen sind, wie z. B. Decken, Stallutensilien, Maulkörbe, dann Streu­material, Futtergeräthe, sowie die Pfleger und Wärter dieser Thiere, sofern dieselben sich nicht entsprechend vorgesehen haben bei dem Umgange mit den erkrankten Hunden.
Das Krankheitsgift d. i. der die Uebertragung der Staupe übermittelnde Faktor ist vorzugsweise an den Nasen- und Augenschleim, wie an alle übrigen Se- und Excrete der Krankheit als Ausfluss aus den Ohren, an Koth und Urin, Hautausschlag, sowie an das Blut und alle Gewebssäfte des Organismus gebunden, weshalb auch die Tödtung (Sektion) solcher Hunde, sofern es an der nöthigen Vorsicht in Bezug auf Fernhalten anderer gesunder Hunde oder in Bezug auf tiefes Verscharren der Thiere, damit die Cadaver von gesunden Thieren, nicht aufgesucht oder gar wieder herausgewühlt werden können, gebricht, Veranlassung zum Ausbruche und Weiter­verbreitung der Staupe werden kann. Dieser Umstand der gemeinhin noch viel zu wenig ins Auge gefasst wird und selbst aus sanitätspolizeilichen Gründen weit mehr als es geschieht, überwacht werden sollte, ist jedenfalls sehr häufig auch Ursache der seuchenartigen Verbreitung der Hundestaupe.
Das der Hundestaupe eigene specifische Krankheitsgift hat man früher Kyonin, herrührend vom griechischen Wort Kvmv Hund, genannt.
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III. Das Wesen der Staupe.
Aus dem Krankheitsbilde, wie sich dasselbe vom Beginn bis zum Ende des Leidens darstellt, geht hervor, dass die Staupe zunächst als eine Erkrankung (Affection) der Schleim­häute aufzufassen ist, welche hernach andere entzündliche Vor­gänge secundär zur Folge hat, beziehungsweise haben kann, je nach der Intensität der einwirkenden Schädlichkeit. Diese Erkrankung der Schleimhäute, welche man gemeinhin als Catarrh bezeichnet, ist jedoch von spezifischer Art, indem die die Erkrankung hervorrufende Schädlichkeit äusserst bösartiger, contagiöser Natur ist, das Leben der Thiere in hohem Grade gefährdet und eine Allgemeinerkrankung des thierischen Organis­mus — eine Art Blutvergiftung septicämie mit infectiösem, ansteckendem Charakter — hervorzurufen vermag. Wohl in d^n seltensten Fällen bleibt es bei der Staupe bei dem ein­fachen Catarrh beruhen und ist dann der gelinde Verlauf da­durch zu erklären, dass das Krankheitsgift von weniger inten­siver Wirkung war oder aber dass das betreffende Thier ver­möge seiner Constitution, Haltung, Pflege — wie dies auch bei analogen Krankheiten dem ihren Naturzustande überlassenen wilden Thieren, z. B. Wildschweinen, der Fall ist — dem Infectionsstoffe Widerstand zu leisten vermochte.
Bei der Sektion der an Staupe zu Grunde gegangenen Thiere findet man stets die Cadaver abgemagert, blutarm, das Blut selbst ist in seinen Formbestandtheilen verändert, zersetzt, der Gehalt an Wasser ist in demselben ein abnorm hoher, die farblosen Blutkörperchen sind sehr vermehrt, daher das Blut eine blassrothe Farbe und eine wässrige dünnflüssige Beschaffen­heit hat und nicht zu gerinnen vermag. Bei der mikroskopischen Untersuchung solchen Blutes findet man eigenthümliche niedere pflanzliche Organismen, Pilze, die theils an dem Blut­serum — der Blutflüssigkeit — theils an den Blutkörperchen — den festen Bestandtheilen des Blutes — haften, in verschiedener Form wie Kugelbakterien, dann Stäbchen bakterien vor,
's die Träger des AnsteckungsstofTes ansehen kann, als w .„
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Diese Gebilde finden sich ferner in grosser Menge in den Krankheitsprodukten wie im Nasen- und Augenschleim, im Harn und den Excrementen, sowie in den Gewebssäften vor.
Da also bei der Staupe das Blut, die Ernährungsflüssigkeit des Körpers, in solch cigenthümlicher Weise verändert und zersetzt ist und je nach der Art und dem Grade dieser Ver­änderung nicht oder wenigstens nicht in genügendem Masse zur Ernährung des Körpers verwendet werden kann, so ist die Staupe als eine Blutkrankheit, entstanden in Folge gestörter Ernährung des Blutes, aufzufassen. Durch die in Folge der mangelhaften Bluternährung eingetretenen Störungen der Blut-circulation entstehen die verschiedenen anderweitigen patho­logischen Veränderungen (Stauungen) in der Ernährung lebens­wichtiger Organe, des Nervensystems, weshalb bald eine Er­krankung der Verdauungsorgane — gastrische Staupe —, bald eine solche der Athmungsorgane, — catarr haiische Staupe —, bald eine von Gehirn und Rückenmark ausgehend — nervöse Staupe — und endlich eine solche der äusseren Haut — exanthematische Staupe — bald ein gleichzeitiges Erkranken mehrerer und selbst sämmtlicher genannter Organ­gruppen gegeben sein kann. Allen diesen Erkrankungen, die je nach der Heftigkeit des Krankheitsstoffes in mehr oder weniger hohem Grade ausgebildet sein können, liegt stets das Gemeinsame zu Grunde, dass das Blut als solches in seiner chemischen und physikalischen Beschaffenheit verändert, ferner die Blutzufuhr zu den einzelnen Organen und in Folge dessen auch deren Ernährung alterirt und selbst aufgehoben ist und endlich, dass die­selben contagiöser Natur sind. Sie besitzen die Fähigkeit, den Krankheitsstoff — das thierische Gift, contagium, --der die Erkrankung hervorgerufen hat und von Aussen her in den Organismus gelangt ist, also miasmatischen oder mias­matisch-contagiösen Ursprungs ist, im Thierkörper zu ver­mehren, mit demselben neue Stoffwechselprodukte zu liefern und denselben wie dessen Derivaten auf andere Thiere zu übertragen. Das Krankheitsgift besitzt eine solche Tenacität, dass es mit der Krankheit, die dasselbe hervorgerufen hat, nicht zu Grunde geht, sondern sich noch lange wirksam zu erhalten vermag, ja sogar unter Einwirkung atmosphärer Ein­flüsse zu einer neuen Ouelle für Infectionen werden kann.
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Diese Eigenschaften des Staupegiftes lassen es erklären, dass die Staupe eine seuchenartige Verbreitung annehmen kann, und dass auch Hunde in Folge Ansteckung selbst bei sonst naturgemässer Lebensweise derselben anheimfallen können.
Im Allgemeinen kann man nach den Krankheitserscheinungen und dem Sektionsbilde feststellen, dass sich die sogenannte Hundekrankheit, Staupe, aus folgenden Erkrankungen be­ziehungsweise KranUheitsäusserungen zusammensetzt:
i) Fieber. Symptome: erhöhte Körpertemperatur, un-gleichmässige Vertheilung der äusseren Haut­temperatur, trockene, warme Nase, Schüttel­frost, Muskelzittern etc.
2)nbsp; Mehr oder weniger stark ausgebildeter Catarrh der Athmungs-, Verdauungs- und Sehorgane, öfters auch der Harnorgane.
Symptome: Nasenausfluss, Appetitlosigkeit, Diarrhöe oder Verstopfung mit schleimigen oder blutigen Aus­leerungen; Schwellung und Röthung der sicht­baren Schleimhäute, namentlich der Augen­schleimhäute mit schleimiger Absonderung, ver­mehrtes und angestrengtes Athmen, Husten; blutig rother oder bräunlicher Urin von üblem Gerüche, welcher unter Schmerzensäusscrungen abgesetzt wird.
3)nbsp; Entzündung der Lungen, des Magen und Darmes, ferner der Leber, Nieren und Harnblase.
Hauptsächlichste Merkmale: Eitrige Infiltration der Lunge, milzartige Beschaffenheit derselben, Ausfluss von eitrigem Schleim aus den Verzweigungen der Luftröhre; Magen- und Darmschleimhaut verdickt, mit vielem zähen Schleim und Ge­schwüren besetzt oder blutig infiltrirt; in gleicher Weise können auch Leber, Niere, Milz und Harnblase afficirt, geschwellt, blutig, eitrig in­filtrirt sein.
4)nbsp; Gehirn- und Rückenmarksstörungen. Symptome: Gehirnerweichung, Rückenmarksschwund; im
Leben nervöse Zuckungen, grosso Aufregung, Lähmung, Krämpfe,
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5) Rothlaufartige oder knötchenartige Erkrankung der äusseren Haut.
S3rmptome: PustulöserHautausschlag, verbunden mit heftigem Juckreiz; bisweilen flechtenartiger ohne Knötchen-bildung.
Eine besondere Spezialität der nervösen Staupe ist die sogenannte irrita t i v-nervöse Staupe, bei welcher die katar­rhalischen Symptome beinahe gänzlich fehlen, welche grosse Aehnlichkeit mit der Wuth hat und in den allermeisten Fällen tödtlich verläuft. Diese Form ist durch eine plötzlich nervöse Störung, ohne dass derselben merkbare Vorboten vorausgingen, durch eine plötzliche Aenderung im Benehmen der Hunde gekennzeichnet. Die Thiere werden bald sehr freundlich, schüchtern und ängstlich, bald wiederum launisch, mürrisch und böse, sie können dabei nicht blos fremde Leute, sondern auch ihre eigenen Herren anfallen und beissen. Es findet alles dieses jedoch nur dann statt, wenn die Thiere angerührt oder irgend­wie gereizt werden. Ueberhaupt hat die Beisssucht hier selten einen echt aggressiven Charakter. Das Aeussere solcher Hunde sieht höchst verdächtig aus. Die Augen funkeln, sind weit geöffnet, der Blick ist entweder irrend oder stier auf einen Punkt gerichtet. Die Thiere verbergen sich, sind scheu, lassen sich nicht anfassen, knurren, als ob sie nicht im Stande wären, bekannte Personen zu erkennen. Die Pupillen sind meist er­weitert, bisweilen auch verengert, die äussere Körpertemperatur namentlich am Kopfe, erhöht, Puls und Athmung beschleunigt; die innere Körpertemperatur ist anfangs wenig erhöht (39,5 bis 39,9deg; C.) erreicht jedoch während der Anfälle der Gereiztheit und der Krämpfe ihren Höhepunkt (41,5-42deg; C). Mit dem Eintritt der Auflösung (Paralyse) erfolgt das Sinken der Tem­peratur, welches oft auffallend schnell vor sich geht und bis 32deg; C. erreicht.
Unsicherer Gang und Krämpfe einzelner Körperpartien und Muskelgruppen können schon beim Krankheitsbeginne zum Vorscheine kommen. Im Verlaufe der Krankheit nehmen die Symptome der Reizbarkeit und nervösen Anfälle an Kraft zu, dauern aber nicht fortwährend, sondern kehren in bestimmten Zeitintervallen wieder. Im Anfange des Anfalls werden die Thiere unruhig, ängstlich, sehen sich beständig um, wechseln oft ihren Platz, oder sie sind nervös, springen von ihrem Lager
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auf, bemühen sich zu fliehen, zerren an ihrer Matratze, nagen mit Ingrimm an allem, was ihnen in den Weg kommt. Bald darauf folgen krampfhafte Kaubewegungen, Ausfluss von schaum­reichem Schleim aus dem Maule und den Nasenlöchern, wobei der Geifer nach allen Seiten hinspritzt. Die Anfälle dauern anfangs 20—60 Secunden, später werden sie häufiger und dauern länger. Nach den Krampfanfällen erholen sich die Thiere und sind scheinbar ganz gesund. Die Thiere trinken oft und viel, während der Appetit gänzlich fehlt. Die Thiere verenden still ohne Krämpfe, im schlafsüchtigen Zustande.
Vergleicht man das Bild der irritativ-nerv Ösen Staupe mit jenem der Wuth, so findet man ja einen unverkennbaren Unterschied, aber trotzdem auch viel Gemeinsames, und diesem Umstände dürfte es zuzuschreiben sein, dass man oft reizbar­kranke und nervöse Hunde für wüthig gehalten und die von denselben gebissenen Menschen nach der Methode Pasteurs curirt hat. Darauf stützten sich hernach die angeblichen Er­folge von geheilter Tollwuth. Bei der mikroscopischen Unter­suchung des Gehirns von Hunden, welche an der irritativ-nervösen Form der Staupe verendeten, fand man eine Ueber-füllung der Blutgefässe mit rothen Blutkörperchen, die kleinsten Venen und Arterien gespannt, die Blutkörperchen selbst in einzelnen Klümpchen zusammenfliessend und das Lumen der Gefässe verstopfend; in manchen Fällen wurde selbst Zer-reissung der Gefässwandung in Folge des starken Blutdruckes beobachtet. Ferner wurde Trübe-Körnigwerden der Nerven­zellen, namentlich wenn Gehirnödem vorhanden war, beob­achtet. Bei der Untersuchung des Rückenmarkes wurden die gleichen Veränderungen wahrgenommen wie beim Gehirne, woraus sich ergiebt, dass das der Staupe zu Grunde liegende Contagium, welches seine Wirkungen in der Hauptsache in catarrhalischen Affectionen äussert, secundär vielleicht durch ein von ihm erzeugtes besonderes Ferment oder ein Stofif-wechselprodukt desselben besondere Beziehungen zum Central-nervensystem unterhält, welche auch bei vielen anderen Infections-krankheiten beobachtet werden können, und in den geschilderten nervösen Anfällen sich äussern.
Es dürfte vielleicht angezeigt sein, hier zu erwähnen, dass man früher die Staupe lediglich für eine Ernährungsstörung — natriuminanition — d. i. eine in Folge ungenügender Auf-
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nähme von Natriumsalzen hervorgerufene Ernährungsstörung — beruhend auf einer ungenügenden Zufuhr von Kochsalz, ange­sehen hat und zwar suchte man diese Ansicht damit zu recht­fertigen, dass die Hunde meistens im ersten Jahre nach der Abgewöhnung von der Muttermilch an derselben erkranken, dass Hunde ein sehr starkes Bedürfniss nach Kochsalz haben sollen, was sich in Folge des sehr hohen Kaligehaltes der Muttermilch physiologisch als Natriumhunger dokumentire und was in Folge zu wenig nahrhafter, namentlich zu wenig salz­haltiger Kost nicht befriedigt werde, ferner dass Hunde, die naturgemäss als Fleischfresser und unter Verabreichung von Salzgaben aufgezogen werden, die Krankheit gar nicht be­kämen oder solche nur in geringem Grade.
Dieser sonderbaren Ansicht gegenüber, die auch bald wieder über Bord geworfen wurde, aber doch das Gute hatte, dass durch sie die Aufmerksamkeit auf eine naturgemässere Fütterung der jungen Hunde gelenkt wurde, genügt der Hin­weis auf das der Staupe eigene Krankheitsbild mit seinem contagiösen Character und seinen specifischen septi-cämischen Krankheitserscheinungen, der bei einer einfachen Natriuminanition, also einer constitutionellen Verdauungsstörung, unmöglich gegeben sein kann, ferner auf die der Staupe eigene Erkrankung im Gebiete des Centralnervensystems mit den specifischen Krämpfen und Lähmungen, endlich auf den Um­stand, dass auch ältere Hunds der Staupe anheimfallen und junge Hunde, die gerade einen Widerwillen gegen das Koch­salz haben, auch bei naturgemässer (salzhaltigster) Nahrung von der Krankheit — man denke nur an allgemein und intensiv wirkende Schädlichkeiten bei seuchenartiger Verbreitung der Staupe — betroffen werden können.
Auch jene Ansicht, dass die Staupe eine (für das spätere Gedeihen der Thiere) nothwendige constitutionelle Krank­heit ist, in die jeder Hund in mehr oder weniger ausgesprochener Form verfallen müsse, entbehrt der thatsächlichen Grundlage, indem in Theorie und Praxis — gar mancher rationelle Hunde­züchter wird hierfür Zeugniss ablegen können — festgestellt ist, dass bei Weitem nicht alle Hunde von derselben ergriffen werden, im Gegentheil sehr viele von derselben verschont bleiben und dass die Massenerkrankung auf einer in der Regel nachweisbaren oder doch wissenschaftlich zu erklärenden Schäd-
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lichkeit beruht, welche in der Atmosphäre, in dem Getränke oder dem Futter begründet ist und unter Einwirkung der Witterung einen besonders gefährlichen Charakter anzunehmen vermag. Der Umstand, dass hauptsächlich die jüngeren Hunde der Krankheit zum Opfer fallen, beruht in der jenen Thieren eigenen geringeren Widerstandskraft gegen Krankheiten über­haupt und speziell der in Folge dessen ihnen innewohnenden Empfänglichkeit für Aufnahme und Ansteckung des Krankheits­giftes. Dieser letztere Umstand wird noch hauptsächlich da­durch an Bedeutung gewinnen, wenn man bedenkt, dass der Gesundheitspflege der jungen Hunde — einmal wegen ihres an sich variablen Werthes, dann aber auch wegen der Zweifel-haftigkeit, ob dieselben überhaupt aufgezogen werden können — vielfach nicht die Aufmerksamkeit gewidmet wird, die dieselben beanspruchen und in Folge dessen dem die Thiere so leicht treffenden Krankheitserreger, wenn auch unbewusst, Eingang verschafft wird.
Es verhält sich hier ebenso wie beim Menschen mit Er­krankungen der Kinder an Masern, Scharlach, Diphtheritis, Croup, liir welche Krankheiten eben das jugendliche Alter mehr disponirt und allgemeinwirkende Schädlichkeiten wie Verderb-niss der Luft, anhaltend nasskalte Witterung etc. Ursache zur grösseren Verbreitung derselben sind.
Auch bei Pferden, Rindern und Schweinen treten im jugendlichen Alter gewisse Krankheiten, wie die sogenannte Kälber- und Fohlenlähme, die Rothlaufseuche der Schweine, häufiger und in gefährlicherer Form auf als in späterem Alter, womit jedoch keineswegs begründet ist, dass die jungen Thiere absolut von diesen Krankheiten befallen werden müssen; im Gegentheil kann solchen Erkrankungen bei entsprechender Zucht und Haltung so wirksam vorgebeugt werden, dass die­selben auf manchen Wirthschaften gar nicht bekannt sind; bei naturgemässer Pflege wird es also gelingen, die dem jugend­lichen Alter eigenen Krankheiten in den meisten Fällen hintan­zuhalten oder doch deren gefahrdrohenden Charakter wesent­lich abzuschwächen, beim Menschen sowohl wie bei den Thieren.
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IV. Die Vorhersage bei der Staupe.
Die Prognose, wie die Krankheit verlaufen wird, ist theils günstig, theils ungünstig, wegen der verschiedenartigen Krank­heitsformen aber, die zu dem Begriflfe „Staupequot; gehören und einen mehr oder weniger gefährlichen Charakter besitzen, in allen Fällen mit grosser Vorsicht zu stellen.
Wie bereits erwähnt, kann die Krankheit in Heilung über­gehen schon nach einigen Tagen, ohne dass es ausser den Erscheinungen eines einfachen (Nasen- oder Augen-) Catarrhes, die sich bald wieder verlieren, zu weiteren krankhaften Ver­änderungen kommt; in solchen Fällen, die aber genau erkannt sein wollen, ist selbstverständlich die Prognose günstig zu stellen.
Steigern sich die Krankheitssymptome nicht bis zur Er­krankung der Lungen, so genesen die Thiere in der Regel nach acht bis zehn Tagen; tritt eine ausgesprochene (catarrhalische, croupöse) Lungenentzündung hinzu, so ist im günstigsten Falle erst nach einigen (drei bis vier) Wochen Genesung, in vielen Fällen aber ein tödtlicher Ausgang zu erwarten. Bei Wieder­genesung bleiben Schwäche, Abmagerung, Schwerathmigkeit, Abstumpfung des Bewusstseins und Gedächtnisses etc. oft noch lange zurück und verlieren sich erst mit der Zeit. Sind die Reconvalescenten Erkältungen ausgesetzt; so entwickelt sich gerne ein chronischer Catarrh, sie können alsdann noch in der Folge an allgemeiner Lebensschwäche zu Grunde gehen. Bei den complicirteren Formen der Staupe, namentlich bei hoch­gradiger Erkrankung der Verdauungsorgane (Magen- und Darm-catarrh, Entzündung), dann bei den nervösen Zufällen erfolgt häufig ein tödtlicher Ausgang, als dessen Anzeichen grosse Schwäche und Hinfälligkeit, kleiner, schwacher Puls, Unvermögen, die in Folge eines meist gleichzeitig mit vorhandenen Bronchial-catarrhes angesammelten Schleimmassen durch Husten zu ent­leeren, häufiger stinkender oder blutiger Durchfall, übler Geruch
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der HautausdünstLing und der ausgeathmeten Luft, häufige Wiederkehr der epileptischen Anfälle anzusehen sind.
Man kann annehmen, dass 33—5o0/o( unter Umständen, d. h. bei besonders intensiven und allgemein verbreiteten schädlichen Einwirkungen, die auf Witterungseinflüssen beruhen, sogar 70% der erkrankten Thiere sterben; gerade das gleiche Ver-hältniss wie bei der analogen Krankheitsform der Pferde, der Pferdestaupe. Kleinere Hunde überstehen die Krankheit leichter als grosse, in gleicher Weise auch ältere eher wie jüngere. Ferner will man die Beobachtung gemacht haben, dass ver-hältnissmässig, gleichviel ob Gebrauchs- oder Nutzungshunde, Thiere reiner und edlerer Ra^e leichter und nachhaltiger ge­sunden als Bastardthiere. Dass von Jugend auf naturgemäss gehaltene Thiere die Krankheit leichter zu überstehen vermögen als schlecht genährte oder verzogene, ist selbstverständlich. Ferner sollen im Frühjahre geworfene Hunde die Krankheit leichter überstehen als im Herbst geworfene. In allen Fällen von Genesung erholen sich, wie nicht leicht bei einer anderen Krankheit als bei der Staupe — ein Beweis für die äusserst tief in den Organismus einschneidende Wirkung des Staupe­giftes — die Thiere nur langsam und allmählich; verschiedene Störungen namentlich in den Funktionen des Nervensystems bei sonst normalem Allgemeinbefinden und regem kräftigem Appetit bleiben oft noch lange zurück, verlieren sich oft wohl nie mehr und machen die Abstellung der Thiere, da sie zu einer Dienstleistung sich nicht mehr eignen, nothwendig.
Es sei ferner erwähnt, dass Hunde, welche die Staupe überstanden haben, späterhin eine grosse Geneigtheit zu ander­weitigen Erkrankungen — inneren wie äusseren — zeigen, oder dass an und für sich mit der Staupe in gar keinem Zu­sammenhange stehende Erkrankungen bei solchen Thieren vielfach einen weit gefährlicheren Charakter annehmen, als man dies unter normalen Verhältnissen erwartet hätte. Die hieher gehörigen, hauptsächlichsten Erkrankungen sollen im nächsten Kapitel ihre Erledigung finden.
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V. Die Behandlung der Staupe.
Jede Krankenbehandlung kann nichts Anderes bezwecken, als die Krankheitsursache und deren Einwirkung' zu entfernen, oder wenn solches nicht möglich ist, dieselbe abzuschwächen und in ihrer Wirkung zu mildern.
Zu jeder richtigen und vernünftigen Krankenbehandlung gehört zunächst eine genaue Kenntniss des Wesens der Krank­heit und deren Ursachen. In Vorhergehendem wurde nach­gewiesen, wie die Krankheit entsteht, worin dieselbe beruht und wie ihr Verlauf ist. Es hat sich hiebei ergeben, dass bei aller Verschiedenartigkeit des Krankheitsverlaufes, bei aller Mannigfaltigkeit der Krankheitserscheinungen und Ursachen, wobei Constitution, Lebensweise, Alter der Thiere eine Rolle mitspielen, stets das Eine mit vorwaltend ist, dass das Blut in seiner chemischen und physicalischen Beschaffenheit, alterirt, krankhaft verändert ist, dass das Leiden somit eine Blutkrank-heit, entstanden in Folge gestörter Ernährung, darstellt. Es muss daher der Schwerpunkt bei der Behandlung in allen Fällen zunächst auf das Blut — dem eigentlichen Sitze des Leidens und der ursprünglichen Krankheitsursache, die dort schon lange vor dem wirklichen, wahrnehmbaren Ausbruche der Krankheit im sogenannten verborgenen Stadium ihre Wirkungen äussert, — gerichtet werden, es muss auf dasselbe kräftigend, reinigend und stoffersetzend eingewirkt werden. Diese drei Punkte stellen in der Hauptsache das ganze gegen das Wesen der Staupe gerichtete Curverfahren dar.
Die Behandlung selbst wird vollführt auf zweierlei Weise, und zwar in erster Linie durch ein geeignetes diätetisches Verhalten der Thiere (curatio diaetetica), in zweiter Linie durch die Verabreichung gewisser-Arzneien (curatio medica-mentosa), welch' letzteres Verfahren jedoch von weit mehr untergeordneter Bedeutung ist und stets nutzlos ist, wenn das
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erstere, das oft allein schon zur Heilung der Thiere führen kann, nicht auch in entsprechender Weise eingeschlagen wird.
Die diätetische Behandlung der Staupe hat vor Allem darin zu bestehen, dass die erkrankten Thiere sauber und reinlich gehalten werden, ein warmes, behagliches, vor Zug geschütztes Lager erhalten und frische, reine unverdorbene Luft einzuathmen bekommen. Dieselben dürfen unter keinen Umständen in einem Stalle verbleiben, der mit Koth oder Urin angehäuft ist oder in Folge Zersetzung von Futterstoffen, Ex-crementen etc. unter Einwirkung der Temperatur verpestete, schwüle Luft in sich birgt, dadurch der Krankheit fortwährend neue Nahrung gibt und allenfalls hiegegen angewandte Arzneien sofort wirkungslos machen würde. In gleicher Weise wie die schwülen, dumpfen Ställe sind auch die zugigen, mangelhaft gefügten oder gegen die Wetterseite zu gerichteten zu ver­meiden.
Wegen zu befürchtender Ansteckung sind kranke Hunde von gesunden zu trennen und abzusondern. Selbst die Des-infection der Ställe, wie Ausschwemmen mit kochender Lauge, Räucherungen von Chlorkalk und Salzsäure oder Besprengung des Bodens, der Wände und Utensilien mit Sublimatlösung (im Verhältniss von i Theil Quecksilbersublimat auf 1000 Theile Wasser gemischt) sind zu empfehlen.
Den an der Staupe erkrankten Thieren muss dann stets frisches, gutes (am besten Quell-) Wasser, das frei sein soll von allen gesundheitsschädlichen Beimengungen, in reichlichster Menge zur Verfügung stehen. Auch eine gelinde Ansäurung des Wassers mit einigen Tropfen Salz- oder Schwefelsäure, oder einem Esslöffel Kochsalz, ist zu empfehlen.
Ferner soll den Thieren, die sehr olt nur äusserst geringe oder fast gar keine Fresslust zeigen, wenn auch nur versuchs­weise, leicht verdauliches, aber doch kräftiges, nahrhaftes Futter angeboten werden, wie ungerahmte, jedoch stets abgekochte Milch, Milch mit Fleischbrühe oder selbst mit Honig vermischt, Bratensauce, rohes oder gekochtes und gut zerkleinertes Fleisch, am besten gebratenes Kalbfleisch und Kalbsknochen; Kartoffel und Rüben, wie Pflanzenkost überhaupt, sollen bei den an Staupe erkrankten Thieren gänzlich gemieden werden.
Bei sehr hoher Körpertemperatur, Eingenommenheit des Kopfes oder bei der nervösen Form der Staupe, die sich in
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Krämpfen und Lähmung zu erkennen gibt, sind kalte Waschungen und Befeuchtungen des Kopfes und Rückens, sowie der ge­lähmten Theile, noch besser Betuschungen und Begiessungen in Form von förmlichen Sturzbädern, weil dadurch am besten die Thätigkeit der Nerven angeregt wird, mit nachfolgendem Frottiren und Trockenreiben sehr am Platze.
Bei sehr grosser Athemnoth, quälendem Husten sind die sogenannten priesnitzschen (feuchtwarmen Überschläge über die beiden Rippenwandungen (an den Lungen) sehr zweck­dienlich, um einer Entzündung vorzubeugen oder eine bereits vorhandene zu bekämpfen und in dem weiteren Umsichgreifen zu hindern. Man nimmt zu dem Zwecke ein in kaltes Wasser eingetauchtes und hierauf leicht ausgewundenes leinenes (nicht zu dickes) Handtuch oder je nach der Grosse des Thieres einen leinenen Fleck, wickelt solche um die beiden seitlichen Rippen­wandungen, so dass solche längs der Lungenlage vollständig davon bedeckt werden, legt darüber entsprechende Menge von Watte, Wolle oder Werg und über diese eine wollene Decke oder besser einen Guttaperchaverband. Sind diese Materialien gut angelegt, dass namentlich der ganze seitliche Brustkorb von dem Umschlage bedeckt ist, so werden dieselben noch mit Binden, Bändern oder Schnüren gehörig befestigt, damit dieselben einen luftdichten Verband darstellen und sich, wie dies beim Liegen der Thiere so gerne zu geschehen pflegt, nicht verschieben können. In drei bis vierstündigen Zwischen­räumen wird der Umschlag abgenommen, wobei die Thiere in Folge erhöhter Transpiration förmlich dampfen, und insolange erneuert, bis die Athmung leichter geworden ist.
Bei stark ausgebildeter, eitriger Lungenentzündung werden anstatt lt;ier priesnitz'schen Ueberschläge von Senfteig über die Rippenwandungen applicirt. Man nimmt zu dem Zwecke Senf­pulver, das mit heissem Essig zu einem dünnen Brei angerührt wird, streicht solches auf den leinenen Fleck oder auf das Hand­tuch auf und verfährt wie bei den priesnitz'schen Umschlägen. Der Senfteigüberschlag jedoch wird nur einmal gemacht und bleibt je nach der dünnern oder dickeren Hautbeschafifenheit des Thieres 2—4 und selbst bis 6 Stunden liegen. Wurde derselbe in richtiger Weise angelegt, so ist bei der Abnahme die Haut an den aufgelegten Stellen geschwollen, hart, die Haare liegen fest an und die Thiere bekunden beim Befühlen derselben Schmerzens-
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äusserungen; ausserdem tritt wesentliche Erleichterung in der Athmung ein.
Bei sehr zähem, dicklichen Nasenausfluss ist zur leichteren Lösung des Schleimes angezeigt, die Thiere täglich 2—3 Mal ätherische, salzhaltige oder schleimige Dämpfe einathmen zu lassen; der an den Nasenlöchern wie an den Augen haftende Schleim soll mittels lauwarmem Camillenwasser oder warmer Milch entfernt werden.
Bei Verstopfung, unregelmässiger oder schmerzhafter Ent­leerung der Darmexcremente sollen schleimige Klystiere von lauwarmem Seifenwasser, Leinwasser oder Leinöl täglich 2 bis 3 Mal vom Mastdarm aus verabreicht werden. Dieselben sollen auch bei Darmentzündungen mit blutig, schleimigen Ab­schürfungen in öfteren Zwischenpausen verabreicht werden, um den Darmkanal von den angesammelten Krankheitsprodukten zu entleeren und einer Verbreitung der entzündeten Darm­schleimhaut vorzubeugen.
Vollständig werthlos, bei grosser Schwäche der Thiere selbst gefahrvoll, ist die Anwendung des Aderlasses, der bis­weilen noch angewendet wird und dem von thörichten Leuten bei dieser Krankheit eine sehr heilsame, ja selbst lebensrettende Wirkung zugeschrieben wird; bezweckt wird mit demselben aber eher das gerade Gegentheil. Nur dem Umstände, dass derselbe meistens in Form von Schlitzen der Ohren, Ver­letzungen am Schwänze vorgenommen wird und hierbei nur geringe Mengen Blutes verloren gehen, ist es zuzuschreiben, dass nicht mehr Unheil, als thatsächlich der Fall, durch den­selben angerichtet wird. Im Grossen und Ganzen kann der­selbe als unnöthige Thierquälerei bezeichnet werden.
Bei jeder Art von Staupe, selbst bei den gefahrvollsten Erkrankungen, ist es noch für die Behandlung von Vortheil, wenn die Thiere bei schöner, warmer, sonniger Witterung — wenn auch nur ganz kurze Zeit — im Freien bewegt werden oder im Sommer an einem schattigen, bei rauherer Witterung an einem sonnigen Platze zeitweise im Freien untergebracht werden.
Da die diätetische Behandlung so enge mit der medica-mentösen verknüpft ist und die letztere ohne die erstere gar nicht denkbar ist, so soll auch bei der medicamentösen Be-
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Handlung der einzelnen Krankheitsformen die diätetische noch mit Erwähnung finden.
Die medicamentöse Behandlung, welche lediglich die diätetische zu unterstützen hat, kann in verschiedener Weise zur Anwendung gebracht werden. Dieselbe ist keineswegs so einfach, als man gemeinhin anzunehmen pflegt, wiewohl sich im Laufe der Zeit eine ganz ungeheure Anzahl von oft recht eigenthümlichen Mitteln, die zum Theil eher das Gegentheil von dem bewirken, was bei der Behandlung erreicht werden soll, bei den Hundezüchtern selbst auch als förmliche Geheim­mittel Eingang verschafft haben.
Unter allen Arzneien, die gegen die Staupe angewendet werden können, verdienen wenigstens im Beginne des Leidens stets nur jene Berücksichtigung, die eine antiseptische blut­reinigende, fieberwidrige Wirkung besitzen. Erst wenn diese Wirkung mit Erfolg erzielt worden ist, muss mit anderweitigen — sei es mit kühlenden, stopfenden oder selbst abführenden — Mitteln, worunter sich der Laie den Inbegriff des gesammten Cur-verfahrens überhaupt vorstellt, eingewirkt und dementsprechend die Behandlung mehr symptomatisch d. h. unter Berück­sichtigung der Bekämpfung der einzelnen verschiedenen Krank­heitssymptome unternommen werden.
Bei Verordnung von Medicamenten gegen die Staupe wird und zwar hauptsächlich bei Beginn der Krankheit vielfach das übersehen, worauf es anzukommen hat, hingegen wird das Nebensächliche wieder zu sehr berücksichtigt, eine Thatsache, welche es erklären lässt, warum gegen die Staupe, namentlich in früherer Zeit, gerade die in der Wirkung einander entgegen­gesetzten Mittel unter Umständen in der einen und derselben Receptur angewendet worden sind.
Man hat sich weniger um das Wesen der Krankheit und deren Ursachen gekümmert, als ganz besonders um deren Symptome und da dieselben sehr verschiedenartig, die Anzeigen verschiedener Krankheiten sein können, so hatte man stets auch eine grosse Reihe von Arzneikörpern, die unter Umständen, wenn zufällig die entsprechende diätetische Behandlung viel­leicht unbewusster Weise getroffen wurde, mit Erfolg gegen die Krankheit in's Feld geführt .wurden und dadurch zu einem Renomme gelangten, welches dieselben eigentlich nicht ver­dienten.
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Von den Mitteln, die gegen die Staupe am häufigsten angewendet werden, sind vorzugsweise zu erwähnen: die verschiedenen mineralischen wie pflanzlichen Säuren Salz-, Schwefel-, Essig-, Carbol- und Salicylsäure, der Eisenvitriol Schwefel, Arsenik, Antimon, Goldschwefel, die Pottasche, das Natrium bicarbonicum, das Salmiaksalz, der Salmiakgeist, das Doppel-, Bitter-, Glaubersalz, der Salpeter, der Brechweinstein, das unterschweflichsaure Natron, der untersalpetersaure Wish-mut, die Ipecasuanhawurzel, die weisse Niesswurzel, die Rha­barberwurzel, die Chinawurzel, das Chinin, Chinoidin und Cin-gonin, das salicylsäure Natrium, das Morphium, Apomorphin, Antipyrin, benzoesaure Natron, das Tannin, Opium, Strychnin, das Bromkalium u. a. mehr, ja selbst das sympathische Cur-verfahren, das in Form von Umspannen einer frischabgeschälten Weiderinde um den Hals des Thieres angewandt wird, sowie anderweitige Manipulationen, auch das homöopathische Heil­verfahren sind vielfach versucht worden.
Als Mittel, die bessernd auf die Blutbeschaflfenheit, ent­zündungswidrig wirken und die Körpertemperatur herab­zusetzen vermögen, sind zu nennen:
Die verschiedenen mineralischen und pflanzlichen Säuren, das Chinin, Antipyrin, salicylsäure Natron, das benzoesaure Natron, das Morphium etc.
Das geeignetste und wirksamste, auch leicht handhabliche Mittel ist in dieser Hinsicht für Anwendung bei Hunden das Chinin (essig- wie salzsaure), sowie das Morphium und das salicylsäure Natron, weil diese Präparate schon in sehr geringer Dosis ihre Wirkung äussern, daher den Thieren leichter bei­zubringen sind, während die Säuren, namentlich die mineralischen, meist in sehr grosser und daher den Thieren nur schwer zu verabfolgender Menge gegeben werden müssten, um die be­absichtigte Wirkung zu erhalten.
Als anticatarrhalische Mittel sind bei Hunden ange­zeigt : der Grauspiessglanz, Goldschwefel, Ammoniaksalz, Salmiakgeist, untersalpetersaures Wishmut, der Arsenik (als arsensaures Kali).
Gegen Magen- und Darmcatarrh empfehlen sich adstringirende Mittel, wie Eichen-, Weidenrindenpulver, Tannin, Alaun, Opiumtinktur und in den hartnäckigsten Fällen bei hochgradiger Diarrhöe selbst argcntum nitricum; gelind
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abführend und zugleich die Verdauung belebend wirken: weinige Rhabarbertinktur, Wermuth, Ricinusöl, Glauber­und Bittersalz in geringerer Menge, einige Tropfen Salzsäure im Getränke. Heftig abführende Mittel sind: Unterschweflich-saures Natron in grösserer Gabe, Sennesblätter, Aloe, Brech­weinstein und Crotonöl.
Mittel, die beruhigend auf das Nervensystem wirken, sind Morphium, Bilsenkraut, bei Rückenmarkserscheinungen Strychnyn und Bromkalium, sowie Urethan, Hypnon, Hyoscin und Paraldehyd.
Brechenerregende Mittel sind: Ipecacuanhawurzel, weisse Niesswurzel, Brechweinstein und Apomorphin.
Gegen Hautausschlag, namentlich wie solcher bei der Staupe vorkommt, empfehlen sich: Grüne Schmierseife, Carbol-säure, Sublimat, peruvianischer Balsam, Creolin und Kresolin.
Das Eingeben von Arzneien ist wie bei allen Thieren, so auch beim Hunde mit mancherlei Schwierigkeiten verknüpft; alle Thiere besitzen von Natur aus gegen derartige Eingriffe ein gewisses Widerstreben. Bei keinem anderen Hausthiere jedoch ist solches leichter zu überwinden als bei dem dem Menschen zunächst stehenden und in Bezug auf Begriffs vermögen am höchsten entwickelten Hunde. Doch ist auch beim Hunde eine gewisse Uebung und Kenntniss nothwendig, wie mit dem Thiere umzugehen ist. Es soll daher das Eingeben nur von solchen Personen bethätigt werden, die dem Thiere zugethan und gut bekannt sind; stets vermeide man solche, die dem Thiere fremd oder gar feind sind und kein Talent besitzen das Thier zu behandeln. Bei dressirten und Gebrauchshunden, die an steten Umgang mit Menschen gewöhnt sind, ist das Eingeben wesentlich leichter als bei solchen, die in Bezug auf intellectuelle Fähigkeiten weniger ausgebildet sind; bei von Natur aus wider­spenstigen, ferner bei verzogenen oder notorisch bissigen Hunden ist das Beibringen der Arzneien ungleich schwieriger. Man muss hier ungemein behutsam zu Werke gehen und eine förm­liche Geduldprobe bestehen; ausserdem gibt es der Mittel gar viele, um das Thier zu bändigen und für verschiedene Zwecke vollkommen im Zaume zu halten. Aber auch in letzterem Punkte ist ein ungestümes, zu gewaltsames Verfahren, soviel wie nur möglich zu vermeiden, weil in Folge dessen die Hunde oft noch widerspenstiger, bösartiger oder furchtsamer und ver-
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schlagener, ja selbst hinterlistiger werden, welche Eigenschaften sich gar oft späterhin nach der Genesung nicht mehr verlieren und selbst bei der besten Behandlungsweise nicht mehr gehoben werden können.
Man gibt die verschiedenen Arzneien — feste, flüssige, gasförmige — auf verschiedenfache Weise:
i. Die festen Arzneien werden, solange das Thier noch Speise und Getränke zu sich nimmt, sowie wenn die Mittel geruchlos sind, keinen zu widerlichen Geschmack haben, wohl gar mit Zucker versetzt sind, einfach unter die Nahrung ge­mischt, in Fleisch eingehüllt oder im Getränke gelöst; auch als Lecke mit Zucker oder Honig gemischt, werden solche ge­nommen. Nehmen die Thiere keine oder nur ganz wenige Nahrung zu sich, so können die festen, pulverförmigen Mittel entweder in Pillen- und Latwergenform vorsichtig eingegeben oder aber mit Fett oder Butter auf der Zunge abgestrichen werden, von wo aus dieselben leicht abgeschluckt werden. Auch ist die direkte Beibringung ganz kleiner Pulver von der Grosse einer Messerspitze ohne jedes weitere Vehikel sehr leicht zu bewerkstelligen.
Sind die bisherigen Manipulationen der Verabreichung fester Arzneien nicht auszuführen, so können solche in schlei­migen, öligen oder wässrigen Klystieren vom Mastdarme aus beigebracht werden. Endlich können viele Medicamente in gut gelöstem Zustande subcutan, unter die Haut, eingespritzt werden, bei welcher Art sie am raschesten und sichersten ihre Wirkung äussern.
2. Die flüssigen Arzneien werden entweder einfach mit dem Getränke, Wasser, Fleischbrühe oder Milch, welches die Hunde noch am liebsten zu sich nehmen, vermischt oder aber durch direktes Einschütten den Thieren beizubringen gesucht. Das Einschütten wird stets dann versucht, wenn die Thiere das Getränke verschmähen oder wenn die Arzneien einen üblen Geschmack oder Geruch besitzen, daher nicht von selbst ge­nommen werden. Beim Einschütten der Arzneien, wohl der schwierigsten Art um die Mittel beizubringen, muss die grösste Vorsicht beobachtet werden; es darf nur ganz behutsam unter recht häufigem Absetzen und Beobachtung, ob die Thiere auch wirklich Schlingbewegungen machen und stets nur in kleineren Quantitäten eingeschüttet werden. Hierzu sollen nur ganz be-
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m
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.sonders befälligte Personen verwendet werden, und das Ein­schütten überhaupt nur dann gehandhabt werden, wenn die Thiere noch gut zu schlingen vermögen, keine zu grossen Athmungsbeschwerden zeigen und noch nicht im Zustande der Apathie sich befinden. Bei Lähmungen des Unterkiefers ist solches selbstverständlich zu verwerfen. Durch das Einschütten, gegen welches die Hunde sich am meisten sträuben, wird gar häufig mehr verschlimmert als gut gemacht und soll solches daher lieber ganz vermieden werden. Durch zu grelles, rasches Einschütten, oder wenn die Thiere hochgradige Schling­beschwerden haben, ohne dass solche immer wahrgenommen werden, wird in der Regel fehl geschüttet, d. h. die Arznei gelangt statt durch den Schlund in den Magen durch die Luft­rühre in die Lungen; die Folge davon ist das Auftreten einer hochgradigen Lungenentzündung, entstanden in Folge Ein­dringens fremder Körper, die sehr schwer zu bekämpfen ist und fast regelmässig den Tod des Thieres zur Folge hat.
Ausserdem können die flüssigen wie auch die festen Arz­neien in Form von Klystieren oder auch als Einspritzungen unter die Haut verabfolet werden.
3.nbsp; Die gasförmigen (dampfförmigen) Mittel werden stets in Form von Inhalationen oder Einathmung entweder vermittels eines eigenen Inhalationsapparates durch eine Kautschukröhre oder durch einfaches unmittelbares Einathmenlassen der aus einem Behälter aufsteigenden Dämpfe, wobei eine wollene Decke oder ein festes Tuch über den Kopf des Thieres gelegt wird, damit die Dämpfe nicht zu sehr sich verflüchtigen.
4.nbsp; Endlich ist noch einer Arzneianwendung bei der Staupe Erwähnung zu thun, nämlich jener mittels Electricität, die in gewissen Fällen ganz überraschende Dienste zu leisten vermag.
Bei der Verordnung von Medicamenten gegen die Staupe hat man zu unterscheiden solche, die gegen das eigentliche Wesen, den Krankheitscharakter als solchen, die krank­hafte Veränderung des Blutes und dadurch entstandene höhere Körpertemperatur, dann solche, die gegen die in Folge dessen hervortretenden anderweitigen und äusserst ver­schiedenen Krankheitsäusserungen und Krankheits­formen wie gastrische Staupe, catarrhalische Staupe, ner­vöse Staupe und exanthematische Staupe gerichtet sind.
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i. Arzneimittel gegen das Wesen der Staupe.
Ist das bereits erwähnte diätetische Verhalten der Thiere beobachtet und sind die geschilderten Anzeichen für den Aus­bruch der Staupe gegeben, so haben nachfolgende Mittel in der Receptanwendung die meiste Berechtigung, weil solche sowohl die diätetische Behandlung, die allein nicht zum Ziele führte, ganz wesentlich unterstützen, als auch, weil sie die Krankheit bei der Wurzel zu fassen vermögen, so dass es zu der eigentlichen Staupe, wie sich solche in verschiedenen Formen und mit mehr oder weniger langwierigem Verlaufe darstellt, in vielen Fällen gar nicht kommt.
i. Rp. Chinin sulfuric. i.s 0 . r . /~, • #9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,/ /-.
r ,. . . J Schwetelsaures Chininnbsp; nbsp;i1/laquo; Cr.
JNatr. carbonic. 20,0 ^ , , raquo;Tnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,-
Kohlensaures JNatronnbsp; nbsp; nbsp; 20 Cr.
M. f. p.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal für kleine und mittelgrosse Hunde je
eine Messerspitze voll zu geben; grossen bis zu einem
Kaffeelöffel.
Nimm:
,-, r r TN- • 1/ lt; ^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fingerhutaufguss (im Verhältquot;
2.nbsp; nbsp;Kp. Inius.Uigitalli :40) löo.onbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;?nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^1 1 n 1
r „, ?. . Tnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; niss von 1 i heil Pulver zu 40
lart. stibiat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,10 _,. ., ,,, , o r-
„ T . . ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 heile Wasser) 180 Cr.
oyrup. Liquirrh.nbsp; nbsp; 30,0 o 1 • . • •-gt; •
^ rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^ örechweinstein 10 Decigr.
yinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Süssholzsaftnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 30 Gr.
Mische und bezeichne es:
D. S. Kleinen Hunden alle zwei Stunden je einen Kaffeelöffel,
grossen je einen Esslöffel voll zu geben.
3.nbsp; nbsp;Rp. Chinoid.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3,0 Nimm: Chinoidinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3 Gr.
Ferr. sulfuric.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eisenvitriolnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 Gr.
Sacchar. alb.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;30,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Weissen Zucker 30 Gr.
M. f. p. D. S. Täglich 2 Mal je einen Kaffeelöffel bis zu einem Ess­löffel zu geben.
T, .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .. ..nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm:
4.nbsp; nbsp;Kp. JNatr. salicviic.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,0 lt;-,,.,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; raquo;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; n ^
. . ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;baiicvlsaures Natron 0 Cr.
Aq. destillat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 200,0 „ ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,.,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;~
„ T . . , ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; iJestillirtes Wasser 200 dr.
oucc. JLiquirrh. dep. 40,0 „ , . .. . . , ,~
bussholzsait(gereinigten)40 (jr.
M.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je einen Kaffeelöffel bis zu einem Ess­löffel zu geben.
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5.nbsp; nbsp;Rp. Antipyrin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3,0 Nimm: Antipyrinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3 Gr.
Sachar. alb.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Weissen Zucker 20 Gr.
M. f. p.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je einennbsp; Kaffeelöffel voll zu geben (bei sehr hohem Fieber).
6.nbsp; nbsp;Rp. Gort. Ghin. fuse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nimm: Braune Ghinarinde
Fruct. Anisi vulg.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Reis
Ferr. oxydat. sacch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eisenzucker, von jedem
solub. äääa,o- 4,0—5,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2 Gr. bis zu 5 Gr.
M. f. p.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Von jedem je nach der Grosse des Thieres 2—4 5 Gr. zweistündlich je eine starke Messerspitze bis zu einem Kaffeelöffel voll zu geben.
7.nbsp; nbsp;Rp.
Tinct.
Chin. comp. 12,0
Nimm:
Tinct.
Digital. 5,0
Chinatinktur
12 Gr.
Tinct.
menth. piperit.
Digitalistinktur
5 Gr.
10,0
Pfefferminztinktur
10 Gr.
M.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je nach der Grosse des Thieres 15 bis 30 Tropfen zu geben.
8. Rp. Morph. acetic. 0,5—1,0 T, .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .. ' .' ,, „
. j .,, ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; hssie-sauresMorphium 1/2 —iGr.
Aq. de-stillat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 50,0 ,-..„. mtnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;r~
Destilhrtes Wassernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 50Gr.
M.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal, je nach der Grosse des Thieres 10 bis
15 bis 20 Tropfen zu geben (bei grosser Aufregung,
Herzklopfen).
Die Wirkung dieser Arzneien kann noch wesentlich unter­stützt werden durch Verabreichung kräftigender Substanzen, alkoholische Getränke, wie Rothwein, Tockayer, Cognac etc. in massigen Gaben; selbst Rhabarberwein, der in der Dosis von 1 Kaffeelöffel bis zu einem Esslöffel täglich 2—3 Mal gegeben werden kann, vermag die beabsichtigte Wirkung wesentlich mit zu unterstützen.
Gegen den meist im Beginne der Staupe schon vor­handenen Catarrh der Augenschleimhäute, der schliesslich zu einer Entzündung der Hornhäute führen kann, sind lauwarme Waschungen der Augen mit Kamillenthee, die öfters des Tags über wiederholt werden müssen, angezeigt; bei hochgradiger
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Entzündung und sehr starker Schleimabsonderung ist öftere Betuschung der Augen mit Goulard'schem Wasser oder einer Lösung von i Theil Zinkvitriol auf 100 Theile destillirten Wassers, ferner einer gesättigten Tanninlösung und selbst Ein­streuen von Calomel in die Augen oder Einpinselungen von '^ — i 0/o iger Höllensteinlösung angezeigt.
2. Arzneimittel gegen die einzelnen Formen der Staupe.
Waren die gegen das Wesen der Krankheit gerichteten Mittel nicht im Stande dieselbe zu bekämpfen, so hat das Krankheitsgift, das sich im Thierkörper immer wieder zu ver­mehren und zu erneuern vermag, bereits eine mehr oder weniger intensive Allgemeinerkrankung des Organismus, die auf eine grössere Ausbreitung und tiefere Einwirkung des Staupegiftes zurückzuführen ist, hervorgerufen, welche sich nun in den verschiedensten der Staupe eigenen Krank­heitsformen äussern kann.
a. Arzneimittel gegen die gastrische Form der Staupe.
Sobald mehr oder weniger heftigere Verdauungsstörungen eintreten, sind von allen Mitteln die Erbrechen erregenden am meisten angezeigt, weil solche die weitere Einwirkung des Krankheitsgiftes auf die Verdauungsorgane, namentlich in Be­zug auf Anätzung und Entzündung der Magen- und Darm­wandungen noch am ehesten verhüten können; ausserdem müssen die Thiere möglichst diät gehalten werden.
Als besonders wirksame Brechmittel können nach­folgende Receptformeln angewendet werden:
T-, t-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;•, •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; laquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm:
o. Rp. 1 art. stibiat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,08 o u • .. •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;o r- t-
* rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Brechweinsteinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8 Centigr.
„ ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Stärke und weissen Zucker
baccnar. alb. aa o,qnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; • ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^ •
0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; von jedem 3 Uecigr.
M. f. p.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
D. S. Auf zwei Mal innerhalb 15 Minuten zu geben.
10. Rp. Rad. Ipecacuanh. 1,0 d unbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1-
r _, r., .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;' Brechwurzelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 Gr.
1 art. stibiat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,00 u unbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; . #9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^ r- ..•
Brechweinsteinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6 Centigr.
M.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
D. S. Auf einmal einzuareben.
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n a unbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^ Nimm:
ii. Kp. Apomorph.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; o.oo A , • cnbsp; r* ^
• .r , r.,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Apomorphin 6nbsp; Centigr.
Aq. ciestulat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10,0 t-. ..,,. . ,t7nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^
Mnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;' üestillirtes Wassernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10 Gr.
M. f. s.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Löse es und bezeichne:
D. S. Unter die Haut den Thieren auf ein oder zweimal je
nach der Grosse des Hundes einzuspritzen.
„ ,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm:
12.nbsp; nbsp;Kp. Veratr. aib.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; o,s wj • m-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i i r^
r 1VTnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; , ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'J WeisseJNiesswurzelpulver^Gr.
JNatr. chlorat. 20,0 tt 1 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;r*
Kochsalznbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20 Gr.
M, f. p.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne:
D. S. Innerhalb einer Stunde auf zweimal zu geben.
Auch recht starker, schwarzer Kaffee, sowie concentrirte Kochsalzlösung oder Senfpulver können beim Hunde, der sich überhaupt sehr leicht zu erbrechen vermag, in Gaben von 1 - 3 Kaffeelöffeln Erbrechen hervorrufen.
Bei grosser Verdauungsschwäche, Appetitlosigkeit, Leibschmerzen, sind nachfolgende Mittel am Platze:
13.nbsp; nbsp;Rp. Acid, muriatic. 5—10,0 Nimm: Salzsäure 5-10 Gr.
Aq. font. 100,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ouellwasser 100 Gr.
M. f. s.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Löse und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je einennbsp; nbsp;Kaffee- bis Esslöffel ins Ge­tränk zu geben.
Nimm : Salmiaksalz 15 Gr.
14.nbsp; nbsp;Rp. Ammon. chlorat. 15,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Enzianextract 5 Gr.
Extract. Gent.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5,0 Löse es in I50 Gr gewöhn|
Solve inaq.comm. 150,0. Wasser und bezeichne es:
D. S. Alle 2 Stunden je einen Kaffeelöffel bis zu einem Ess­löffel zu geben.
15.nbsp; nbsp;Rp. Tinct. menth. piperit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nimm:
50,0nbsp; nbsp; nbsp;Pfefferminztinkturnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;50 Gr.
Tinct. Opiinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4,0nbsp; nbsp; nbsp;Opiumtinkturnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4 Gr.
M.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
D. S. Alle 2 Stunden je einennbsp; Kaffeelöffel voll zu geben.
16.nbsp; nbsp;Rp. Tinct. Rhei vinos 35,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nimm:
Acid, muriatic. gutt.XX Rhabarberweinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 35 Gr.
M. f. s.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Salzsäurenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20 Tropfen.
D. S. Je einen Kaffeelöffel voll mit der gleichen Menge
starken Rothwein oder Cognac vermischt, täglich
2—3 Mal zu geben.
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I?. Rp. Calomel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,5 Nimm: Calomelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ilk Gr.
Chlor, natr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kochsalznbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15 Gr.
M. f. p.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je eine starke Messerspitze voll zu geben.
Leiden die Thiere an Verstopfung und hiermit verbundener Auftreibung des Leibes, so müssen gelind abführende oder blähungswidrige Mittel verabreicht werden, diätetisch soll die Wirkung mit Darreichen von angesäuertem Wasser, saurer Milch, Molken oder mit Wasser verdünnter Milch unter­stützt werden.
Nachfolgende Receptformeln sind in dieser Hinsicht nament­lich als Abführmittel am Platze:
Nimm:
18.nbsp; nbsp;Rp. Natr. subsulfuros. 80,0 Unterschwefligsaures Natron
Tinct. Aloesnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;80 Gr.
M snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Aloetinkturnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3 Gr.
Mische und bezeichne es: D. S. Täglich 2—3 Mal je einen Kaffeelöffel, grösseren Hunden sogar einen Esslöffel voll zu verabreichen.
Nimm:
19.nbsp; nbsp;Rp. Calomel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2,0 Calomelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2 Gr.
Rad. Gent. p. 15,0 Enzianwurzelpulver 15 Gr. Syrup. comm. q. s. ut Gewöhnl. Syrup, soviel als f. elect.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nöthig, dass daraus eine La-
twerge wird und bezeichne : D. S. Auf 3 Mal in einem Tage zu geben.
,, „ . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm:
20.nbsp; nbsp;Kp. Lalomelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i,S /- 1 inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1; /-
K R . T .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '0 Calomelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i1/laquo; Gr.
„ ,' ,, '^nbsp; nbsp; nbsp; lalappawurzelpulvernbsp; nbsp; nbsp;21/2 Gr.
bachar. alb. 2,0nbsp; nbsp; nbsp;„r .'r /nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;_
., .,. .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Weissen Zuckernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2 (jr.
M. s. p. Div. in äq. part.nbsp; nbsp; nbsp;,,. , t, •, •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;, • ,
tttnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische, theile es innbsp; 3 gleiche
Theile und bezeichne es:
D. S. Alle 2—3 Stunden je ein Pulver zu geben.
21.nbsp; nbsp;Rp. Ol. Ricin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 50,0 Nimm: Ricinusölnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;50 Gr.
01. Crotonnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,01nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Crotonöl 1 Centigr.
M. f. s.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
Täglich 3 Mal je einen halben Kaffeelöffel voll zu geben, bei hochgradigster Verstopfung einen ganzen.
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- 4deg; -
Die abführende beziehungsweise Koth entleerende Wirkung kann ausserdem noch durch Verabreichung von Klystieren, die vom Mastdarm aus vermittels kalten Wassers oder schlei­migen Abkochungen, denen unter Umständen noch Medicamente wie ein Absud von Sennesblättern, Wermuth etc. beigemengt werden kann, unterstützt werden.
Als blähungswidrige und zugleich die Verdauung belebende Mittel leisten Salmiakgeist, Salmiaksalz, weisse Niesswurz, Magnesia, doppelkohlensaurer Kalk, chlorsaures Kali, gute Dienste; selbstverständlich muss diätetisch bei den Thieren alles Futter oder Getränke, was Gährung oder Blähung hervorrufen könnte, wie verdorbene Pflanzenkost, verunreinigtes Getränke etc. gemieden werden. Man giebt diese Mittel am vortheilhaftesten in nachfolgenden Zusammen­setzungen :
_, T .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nimm:
22. Kp. Liq. ammon. c.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;c- i • i • ^
r „. ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Salmiak
vamp;i
ist
Tinct. Veratr. ab.
Weisse Niesswurztinktur, von
aa 10 - 15,0 Aq. font.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ic
M.
jedemnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10 i^ Gr.
^ „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^
(Juellwassernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;100 ur.
Mische und bezeichne es:
D. S. Alle 2 Stunden je 2 Kaffeelöffel bis zu 2 Esslöifel als
Klysliere oder in der doppelten Menge kalten Wassers
vorsichtig und unter öfterem Absetzen einzugeben.
23.nbsp; Rp. Tinct. Veratr. alb. 20,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nimm:
Tinct. menth. pi-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Weisse Niesswurztinktur 2oGr.
peritnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15,0 Pfefferminztinkturnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15 Gr.
Spir. vin. dil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10,0 Weingeistnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10 Gr.
M.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je einen Kaffeelöffel in der doppelten
Menge Wein oder Cognac zu geben.
r-, ,*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;. .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm:
24.nbsp; nbsp;Rp. Magnes. carbonic. 2,0 „ . ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -n/rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; r*
^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,-, ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kohlensaure Magnesia 2 Gr.
Sacchar. alb.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20,0 ,,,. .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „
Mnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Weissen Zuckernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20 Gr.
quot;'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je eine starke Messerspitze voll zu geben.
Ist die gastrische Staupe vorzugsweise als Diarrhöe
mit sehr dünnflüssigen, meist nach Fäulniss riechenden oder
mit Blut vermischten Excrementen vorhanden, so sind gerb-
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- 4i -
säurehaltige, adstringirende Mittel von nachfolgender Zusammen­setzung zu verabreichen:
25.nbsp; nbsp;Rp. Acid, tannic. 10- 15,0 Nimm: Tanninnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10—15 Gr.
Spir. vin. dil. 100,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Weingeistnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;100 Gr.
M. f. s.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Löse es und bezeichne:
D. S. Täglich 3 Mal je 1—2 Esslöffel in der doppelten Menge schleimiger Abkochung einzugeben oder in schleimigen Klystieren zu verabreichen.
26.nbsp; nbsp;Rp. Alum. crud.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15,0 Nimm: Rohen Alaun 15 Gr.
Sacchar. alb. 40,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;WeissenZucker 40 Gr.
M. f. p.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je einen Kaffeelöffel im Getränke zu geben.
27.nbsp; nbsp;Rp. P. rad. Cortic. 15,0 i-- , #9632; j 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;/-lt;
' ' „ ,,. . J Lichenrmdenpulvernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1=;nbsp; Gr.
r err. sulmnc. 2,0 „. . . ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;nbsp; nbsp;_
„ . ,, Eisenvitriolnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2nbsp; Gr.
bacchar. alb.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;30,0 ,,t •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^ 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,~
Weissen Zuckernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;30nbsp; Gr.
^'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je einen Kaffeelöffel voll zu geben.
„ ^ -r^. ^ ••nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nimm: Opiumtinktur iVz Gr.
28.nbsp; nbsp;Rp. iinct. Opunbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; V, • ,
rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bezeichne:
D. S. Täglich 3 Mai je 5—10 Tropfen mit einem Kaffeelöffel voll Rothwein vermischt vorsichtig einzugeben.
Bei sehr hartnäckigen Diarrhöen empfiehlt es sich noch ausserdem Klystieren von heftig adstringirender Wirkung wie concentrirte Lösungen von Alaun, Eisenvitriol, Eisenchlorid in schleimigen Vehikeln vom Mastdarme aus zu appliciren.
Diese gegen den Durchfall angeführten Mittel können in gleicher Weise und mit gleichem Erfolge auch Anwendung finden, wenn die Thiere sich unverhältnissmässig oft erbrechen, dabei heftige Schmerzen äussern und sich darauf schwach und hinfällig fühlen.
b. Arzneimittel gegen die catarrhalische Form der
Staupe. Diese Form, welche man gemeinhin auch als Bronchial-catarrh, Lungencatarrh, Lungenentzündung und selbst Lungenbrand bezeichnen kann, ist wohl die am häufigsten vorkommende vermöge der grossen Reizbarkeit der Schleim-
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m
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häute der Athmungsorgane, sowie der leichten Eindringung und damit zusammenhängenden Weiterverbreitung der Krank-heits- und Infektionsstoffe zu denselben.
Die Krankheitss3nTiptome dieser Form haben sich bereits aus der Darstellung des allgemeinen Krankheitsbildes von der Staupe ergeben; sie bestehen, wie auseinandergesetzt wurde, vorzugsweise in schleimigem Ausflüsse von verschiedenartiger Beschaffenheit aus der Nase in mehr oder weniger hochgradigen Athmungsbeschwerden, welche sich durch Husten, Schnaufen,
Keuchen, Röcheln,
zu erkennen
geben.
Erstickungsanfälle
Neben diesen
Zufällen sind
meist auch
gastrische
Störungen zugegen, wie denn überhaupt alle Formen der Staupe gerne in einander übergehen und die catarrhaiische Form häufig mit der gastrischen gepaart ist.
Im Anfange der catarr haiischen Affection, die diätetisch durch warmes Verhalten der Thiere, Anlegen von feuchtwarmen Umschlägen über den Brustkorb, Vorsetzen von leicht verdaulichem, aber nährstoffreichem Futter (abgekochter Vollmilch, rohem Fleisch, Fleischbrühe etc.) zu bekämpfen gesucht wird, sind folgende Receptformeln angezeigt:
Nimm:
29. Rp.
Schwefelspiessglanznbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 Gr.
Weissen Zuckernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2 Gr.
Es werden 10 solche Pulver verabreicht und bezeichnet: Grossen Hunden täglich 4 Mal je ein Pulver zu geben, kleineren täglich 2—3 Mal je ein Pulver.
D. S.
30. Rp. Sulf. aurat.
Acid, benzoic. Sacchar. alb.
0,2
0,3 0,4
Nimm: Goldschwetel 2 Decigr. Benzoesäure 3 Decigr. Weiss. Zucker 4 Decigr.
M. Dispensentur tal. dos. N. X. D. S
Mische es; es werden 10 solche Pulver verabfolgt u. bezeichnet: je nach der Grosse des Thieres
zu geben.
31-
Rp. Morph. acetic. Aq. destillat. M. f. s.
0,2
20,0
Nimm: EssigsauresMorphium 2 Decigr. Destillirtes Wasser 20 Gr.
Löse und bezeichne es: je 4—6 Tropfen zu geben. (Gegen
D. S. Täglich 3 Mal Hustenreiz.)
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- 43 -
32.nbsp; Rp. Ammon. chloral. 4,0 Nimm: Salmiaksalz 4 Gramm.
Solve in aq. Foenicul.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Löse es in 90 Gr. Fenchcl-
90,0 wasser. Füge hinzuSCentigr. Morph. acetic. 0,08nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; essigsaures Morphium.
M. f. s.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bezeichne es:
D. S. Täglich 3 — 4 Mal je einen Esslöffel voll zu geben, gegen quälenden, schmerzhaften Husten.
33.nbsp; Rp. Kai. chloricinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sraquo;0 ,~i 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;tr i-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^ ^ , • V Chlorsaures Kali =; Gr.
Morphin, mur.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,06 „ .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,„ . . ^ ^ •
„ ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;balzsaures Morphium 6 Centier.
bacchar. alb.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i^.o .,r .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-, ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ßZ
....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;W eissen Zuckernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1=5 Gr.
Aq. Amsinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 100,0 . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;r, ^
,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Aniswassernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;100 Gr.
M
Mische und bezeichne es :
D. S. s—6 Mal täglich je einen Esslöffel voll zu geben.
Ausserdem kann die Wirkung der Arzneien, namentlich um exspectorirend, Schleim lösend einzuwirken, durch Einathmung von aromatischen Dämpfen, wie Camillen, Terpentinöl, Kreosot, Carbolsäure, welche Substanzen dem siedend heissen Wasser zugesetzt werden, noch unterstützt werden. Auch kann man das Dampfen des Wassers dadurch unterhalten, dass man in dasselbe glühendes Eisen oder recht heiss gemachte Backsteine bringt.
Bei hochgradiger Athemnoth, ausgeprägter Lungenentzündung, Lungenbrand sind die bereits früher erwähnten Senfteigüberschläge, welche in der angegebenen Weise gemacht werden müssen, sehr am Platze. Dieselben stellen ein scharfes Pflaster vor, welches durch Erzeugungquot; einer localen äusseren Entzündung als Ableitung für die tiefer­liegende innere wirken soll. Ausser den Senfkataplasmen müssen noch nachfolgende Receptformeln in Anwendung ge­bracht werden:
40. Rp. Infus. Digital.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;180nbsp; nbsp; nbsp;Nimm:Fingerhutaufgussi8oGr.
Tart. stibiat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,2 Brechweinstein2DecigT.
Syrup. Liquirr.nbsp; nbsp; nbsp;30,0 Süssholzsaft 30 Gr. M. Mische und bezeichne es:
D. S. Kleinen Hunden täglich zwei Mal je einen Kaffeelöffel voll, grösseren täglich 2—3 Mal je einen Esslöffel voll zu geben.
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35- Rp- Tinct. Chin. comp. 12,0 Tinct. Digital.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5,0
Tinct. Cinnam. 10,0
M.
Nimm: Chinatinkturnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12 Gr.
Digitalistinktur 5 Gr. Zimmttinktur 10 Gr. Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je 15 — 20 Tropfen für kleinere und 20—30 Tropfen für grössere Hunde zu geben.
36. Rp. Sol. Fowlerinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5,0
Tinct. menth. piperit. 10,0 M. f. s.
Nimm:
Fowler's Tinkturnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5 Gr.
Pfeflferminztinkturnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10 Gr.
Mische und bezeichne es:
D. S. Kleineren Hunden täglich zwei Mal je 2—3 Tropfen, grösseren täglich zwei bis drei Mal je 4 - 5 Tropfen zu
geben.
37. Rp. Plumb, acetic. Pulv. Myrrhä Cort. Cinnam. Sacchar. alb.
1.5
6,0
Nimm: Bleizuckernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11/2 Gr.
Myrrhenpuiver 6 Gr. Zimmtrindenpulver Weissen Zucker
von jedem 3 Gr.
Mische es und theile es in 15
o-leicheTheile und bezeichne es:
M. f.
div.
in äq. p.
aä 3,0 N. XV.
D. S.
Täglich 3 Pulver für kleinere Hunde und 4— 5 Pulver für grössere Hunde zu geben (neben sehr kräftiger Nahrung).
c. Arzneimittel gegen die nervöse Form der Staupe.
Die nervöse Form der Staupe, die in einer Erkrankung des Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) besteht und sich vorzugsweise durch Störungen im Bewusstsein der Thiere, Eingenommenheit des Kopfes, Krämpfen, epileptischen Anfällen, Lähmungszuständen zu erkennen giebt, muss diätetisch be­handelt werden durch Gewähren frischer, reiner Luft, öftere Bewegung der Thiere, dann durch Anwendung kalter Ueber-schläge über Kopf, Genick und Rückgrad, selbst Begiessungen, Betuschungen, Sturzbäder, welch letztere vorzüglich auf die Belebung der Nerven einzuwirken vermögen, sind angezeigt; ausserdem wird medicamentös die diätetische Behandlung durch Anwendung folgender Receptfofmeln unterstützt:
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38. Rp. Tinct. Ferr. pomat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm: Apfelsaure Eisentinktur
Syr. Cort. Aurant.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; und Orangensyrup, von
ää 12,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; jedem 12 Gramm.
M.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S Mehrmals täglich 10 -20 Tropfen in einem Esslöffel voll Rothwein einzugeben.
39. Rp. Strychn. nitric. P. rad. Althää Aq. des. q. s. f. pill. Nro. XXV.
0,03 50gt;0
Nimm: Salpetersaures Strych-
nin3Centigr., Eibischwurzel-
pulver 50 Gr., Destillirtes Wasser soviel als nöthig.
Bereite25 Pillen und bezeichne: D. S. Täglich 3—5 Pillen zu geben; kleinen Hunden 2-3.
40. Rp. Kai. bromat. 2,0nbsp; nbsp; Nimm: Bromsaures Kali 2 Gr.
Tinct. Rhei aquos. 40,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rhabarbertinktur 40 Gr.
M. f. s.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Löse und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je einennbsp; Kaffeelöffel voll zu geben.
Bei sehr hochgradigen Krämpfanfällen, sowie in jenen Fällen, wo partielle und vollständige Lähmung einzelner Körpertheile wie von Gliedmassen, des Unterkiefers, des Hintertheiles gegeben ist, die Thiere das Hintertheil förm­lich nachschleppen, leistet auch die Massage sowie häufiges Frottiren gute Dienste; auch sind zeitweise flüchtige Ein­reibungen von Opodeldok, Kampfer-, Senf-, Ameisen- und Seifenspiritus im Genick, Rückgrat, sowie am Hintertheile an­gezeigt. In dieser Hinsicht hat sich auch folgende Receptur vielfach schon bewährt:
41. Rp. Aeth. petrol. Liq. amm. c. Spir. saponat.
M. f. s.
50,0 Nimm: Petroleumäther 50 Gr. Salmiakgeist u. Seifen­spiritus , von jedem ää 25,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25 Gramm.
Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 2—3 Mal einzureiben.
Auch die Anwendung von Eiterbänden und Haar­seilen, die früher vielfach beliebt wurde und den Zweck hat, durch Erzeugung einer künstlichen, localen Entzündung auf das Nervensystem ableitend einzuwirken, kann unter Umständen am Platze sein; man zieht solche Eiterbände hauptsächlich gegen Lähme des Unterkiefers, sowie des Hintertheils und zwar
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an den betreffenden afficirten Körpertlieilen, seltener im Ge­nick, am Halse oder an den Rippen.
Ausser den erwähnten Arzneien haben sich in neuester Zeit eine Reihe von narkotischen Mitteln gegen die nervöse Form — d. i. der nach der catarrhalischen am häufigsten vor­kommenden und am schwierigsten zu heilenden — auf Grund von wissenschaftlichen Versuchen, wie solche an der thier-ärztlichen Hochschule in Berlin von Prof. Fröhner unternommen wurden, ein Renomme erworben; es sind dies besonders das Urethan, Hypnon, Hyoscin und Paraldehyd. Es dürfte angezeigt sein, einige hierhergehörige Fälle aus dem pharmakologischen Institute bezeichneter Hochschule anzuführen:
a) Hund mit nervöser Staupe. Soll seit 8 Tagen ausge­breitete Muskelzuckungen neben anderen Erscheinungen der Staupe gezeigt haben. Bei der Untersuchung ergab sich: Innere Körpertemperatur von 39,2 0 C, ausgebreitete Muskel­zuckungen über den ganzen Körper, allgemeine Apathie, grosse Schwäche, unterdrückte Futteraufnahme, Stöhnen. Behandlung: Der Hund erhält 5 Gr. Urethan in 40 Gr. Wein gelöst auf zweimal in zweistündiger Pause. 10 Minuten nach der erst­maligen Verabreichung des Mittels ist der Hund fest einge­schlafen, die Zuckungen und das Stöhnen haben aufgehört, die Temperatur ist nach 4 Stunden auf 37,9 quot; C. gefallen; am folgenden Tage ist das Allgemeinbefinden ein wesentlich besseres, Zuckungen werden nicht mehr beobachtet, Temperatur 38,8deg;.
Am 3
Tage der gleiche Zustand, ohne weitere Behandlung;
am
4-
Tage
zeigen sich wieder Zuckunsfen, worauf abermals
5 Gr. Urethan mit dem gleich günstigen Erfolge wie am 1. Tage gegeben wurden. Weitere Zuckungen sind von hier ab nicht mehr beobachtet worden.
b)nbsp; Hund mit nervöser Staupe, welcher seit 5 Wochen damit behaftet war, erhielt 3 Tage hintereinander je 5 Gr. Urethan und zeigte schon nach der ersten Gabe eine ganz ausgesprochene Besserung; in gleicher Weise wurde selbst ein mit Epilepsie behafteter Hund durch Gaben von je 2 Gr., welche längere Zeit fortgesetzt wurden, vollständig geheilt.
c)nbsp; nbsp;Ein einjähriger Hund mit über den ganzen Körper verbreiteten Krämpfen, welche so heftig waren, dass der Hund zusammenstürzte, erhielt vier Tage hintereinander je zwei Pillen von 0,5 Gr. Hypnon verabreicht. Durchschnittlich zwei
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Stunden nach Verabreichung einer Pille schlief das Thier lest ein und wachte erst nach 5-6 Stunden wieder auf. Die Krämpfe zeigten schon nach der ersten Pille einen deutlichen Nachlass und waren am 5. Tage der Behandlung vollständig verschwunden.
d)nbsp; nbsp;Ein zweijähriger mit nervöser Staupe in Form von über den ganzen Körper verbreiteten epileptiformen Krämpfen behafteter Hund erhält 0,002 Gr. Hyoscinum hydrojodic. Nach wenigen Minuten war der vorher ganz kleine und kaum fühl­bare Puls stärker und die Herzthätigkeit stärker.
e)nbsp; nbsp;Bei Hunden, welche an nervöser Staupe in Form von Erregungs- und Krampfzuständen litten, erwies sich das Par-aldehyd in Gaben von 10—25 Gr. je nach der Grosse des Thieres sehr wirksam; die Tbiere verfielen nach etwa 5 Minuten in einen mehrstündigen tiefen Schlaf, während dessen die Krämpfe vollständig sistirten. Das Paraldehyd übertraf in dieser Hinsicht sowohl das Urethan als das Hypnon; gleichwohl empfiehlt sich dessen Anwendeng nicht immer, weil es unange­nehme Nebenwirkungen, bestehend in Auflösung und Zersetzung des Blutes, haben kann.
In verzweifelten Fällen lässt man mit Bunsen's elektro­magnetischem Induktionsapparat in die gelähmten Theile Electricität einströmen, welche Behandlung bei der nervösen Form der Staupe sowohl sowie bei Lähmungen aller Art, mögen dieselben rheumatischen oder traumatischen Ur­sprunges sein, als am meisten wirksam und Erfolg versprechend zu erachten ist und daher für spezielle Fälle nicht dringend genug empfohlen werden kann.
d. Arzneimittel gegen die exanthematische Form der
Staupe.
Es ist dies jene Form, die in einer Erkrankung der Haut, eines pustulösen oder knötchenartigen, bisweilen auch flechtenartigen Ausschlages besteht und weniger häufig als die übrigen Formen der Staupe vorzukommen pflegt.
Neben der diätetischen Pflege, welche in peinlichster Reinhaltung der Thiere (kämmen, bürsten, striegeln, waschen) und ihrer Lagerstätten (fleissigem Ausreinigen des Stalles und Entfernen der Excremente, häufigem Erneuern der Streu mit
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gutem unverdorbenen Material) zu bestehen hat, empfehlen sich hauptsächlich nachfolgende Receptformeln:
„ ... ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm:
42. Kp. Acid, carbolic, pur. ^.onbsp; nbsp; nbsp;....-,, ..nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^
r ,. . r ogt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Reine Larbolsaurenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3 Ur.
Vasel. pur. 100,0nbsp; nbsp; nbsp;/- • • . at i-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; /-
,, „ rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Gereinigtes Vaselinnbsp; nbsp; nbsp; 100 Ur. Ivl 1 n
Mische und bezeichne es:
D. S. Nach Abbaden mit lauwarmem Camillenwasser die ent­zündeten Stellen täglich 2—3 Mal einzureiben.
u ttnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -7-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; iunbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nimm:
43.nbsp; nbsp;Kp. Ungt. Zinc. alb. 20,0nbsp; nbsp; nbsp;„,. . -t^- , ,gt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; r-
. r, ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Weisse Zinksalbenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20 Gr.
Acid, carbolic, pur. 2,0nbsp; nbsp; nbsp;,-, #9632; • , ,- . 1 ..nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;/-
,r ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;c nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gereimete Larbolsaure 2 Gr.
Vasel. pur.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;80,0nbsp; nbsp; nbsp;,-, . .deg; ,, ,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; o r-
M fnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Gereinigtes Vaselin 00 Gr.
Mische und bezeichne es:
D. S. In gleicher Weise wienbsp; nbsp;das vorhergehende Recept an­zuwenden.
T-i tt 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i-iinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nimm:
44.nbsp; Kp. Hydrarg. bichlorat. cor-nbsp; nbsp; nbsp;„ , .,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
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rosivnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,0nbsp; nbsp; nbsp;{T j., t „r #9632;
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sfewohnliches Wasser
jenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;200 Gr.
Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich mehrerenbsp; Male die entzündete Stelle zu waschen und baden.
D u ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm:
4S. Kp. bals. peruv.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^0,0 r, • #9632; #9632; r. 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;r*
r „ . r. ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Peruvianischen Balsam 50 Gr.
Spir. vin. dil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;100,0 ,, ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,,T #9632; • ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;/-
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Löse es und bezeichne:
Gr.
D. S. Täglich 2 Mal einzureiben.
Ferner sind gegen den Hautausschlag der Staupe an­gezeigt : Waschungen mit grüner Schmierseife, ferner mit adstrin-girenden Mitteln wie Eichen- oder Weidenrinden-Abkochungen, Alaunlösungen etc., bei sehr starkem Juckreize müssen unter Umständen auch innerlich beruhigende Mittel wie Morphium, Opium, Bilsenkraut oder gelind abführende Mittel verabfolgt werden. Nachfolgende Receptur verdient in dieser Hinsicht Berücksichtigung:
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46. Rp. Extr. Hyosc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,30 „•,,.. ^ tnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;t^ ,-
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Ammon. chlorat.nbsp; nbsp; nbsp;4,0 o , • , ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .S
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Weissen Zuckernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;40 Gr.
quot;'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 3 Mal je einen Kaffeelöffel voll zu geben.
Ausserdem können hier die bereits früher gegen heftigen Hustenreiz erwähnten Recepte, in welchen das Morphium ent­halten ist, auch gegen den Juckreiz analoge Anwendung finden.
Die homöopathische Behandlung, welche wie bei allen Krankheiten der Hausthiere, so auch bei der Staupe, nur einen sehr zweifelhaften Werth besitzt, weil eben die Arzneimittel in einer so minimalen Quantität d, i. der sogenannten homöo­pathischen Verdünnung gegeben werden, dass sie chemisch gar nicht mehr nachweisbar, daher auch wirkungslos sind, hat auch gegen diese Krankheit ihre Mittel und zwar giebt man bei der catarrhalischen Form mit Vorliebe Khus Toxicoden-dron abwechselnd mit Kali carbonicum, bei der gastrischen Form Nux vomica, wenn die Fresslust mangelt und Plumbum metallicum bei gleichzeitiger Verstopfung; gegen die nervöse Form (Krämpfe) wird Coculus angewendet und wenn hoch­gradige Schwäche und Lähmung vorhanden ist, werden 2—3 Gaben von China verabreicht; gegen die exanthematische Form wird Arsenicum angewendet.
Schliesslich sei mehr der Curiosität wegen einer höchst eigenthümlichen Manipulation in Bezug- auf Heilung der Staupe erwähnt, die bei einer grossen Anzahl von Hundezüchtern in hohem Ansehen steht und „vermittels welcher man alle staupe­kranken Hunde heilen könne.quot; (!) Dieselbe hätte darin zu be­stehen, dass durch kräftiges und anhaltendes Streifen und Kneten, das mit den beiden Händen längs des Rückens beziehungs­weise der ganzen Körperlänge bis zum After vollführt werden soll, der Darminhalt zu entleeren gesucht wird. Werde die Manipulation, welche die gleiche ist wie die bei Entleerung der gefüllten Urinblase bei einem erlegten Feldhasen, richtig aus­geführt, so spritze „der Eiterquot;, das Krankheitsgift, (scheint. demnach gegen die gastrische Form der Staupe gerichtet zu sein), zum Mastdarme hinaus und das Thier sei von der Stunde an geheilt. Auf diese Art wollen seltsamer Weise renommirte Hundezüchter alle ihre staupekranken Hunde geheilt haben.
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Nach dem Dargelegten ergiebt sich das Unhaltbare einer derartigen Ansicht, die nur auf totaler Unkenntniss des Krank-heitsbildcs beruht, von selbst, und habe ich daher nicht Ursache dieselbe weiters zu widerlegen.
Es dürfte vielleicht behufs leichterer Orientirung, wie man bei der Behandlung der Staupe mit Rücksicht auf deren ver­schiedenartigen Verlauf zu verfahren hat, angezeigt sein, wenn ich einen praktischen Fall vorführe und zwar einen mir am nächsten stehenden, nämlich die seinerzeitige Erkrankung meines eigenen Hundes:
Fraglicher Hund, „dänische Bastarddogge, männlichen Ge­schlechtes, von grauer Farbe, 3/4 Jahre alt, 68 cm hochquot;, wurde von meinem Hauswirth (Metzger) aufgezogen und fast aus-schliesslich mit Fleisch (rohem wie gekochtem), Knochen, Milch und Brod gefüttert. Derselbe hatte hinlänglich Bewegung, wurde Nachts über im Zimmer gehalten und war von vor--züglichem Nahrzustande.
Am 15. Oktober 1884 wurde mir gemeldet, dass der sig-nalisirte Hund seit einigen Tagen schlechter fresse, sein Lieb­lingsfutter, weisses Kafifeebrod, gänzlich verschmähe, nicht mehr so munter sei und bei dem am 12. Oktober vorgenommenen Bade entgegen seiner sonstigen Gewohnheit ganz fürchterlich gezittert habe. Der Hund wurde alle 4—6 Wochen mit lau­warmem Seifenwasser gebaden.
Bei der hierauf vorgenommenen Untersuchung konnte ich krankhafte Veränderungen nicht constatiren, namentlich war Nase kalt und feucht, Kothabsatz normal etc. Ich ordnete Ver­abreichen von ungerahmter Milch, Fleischbrühe und frischem Wasser, dem Kochsalz beigesetzt wurde, an; medicamentös wurde weinige Rhabarbertinktur mit einigen Tropfen Salzsäure versetzt angewendet.
Daraufhin wurde die Fresslust bei dem Thiere wieder reger, doch kehrte die frühere Munterkeit nicht wieder und schlief der Hund viel.
Am 20. Oktober brach das Thier nach Aussage meiner Hausleute plötzlich zusammen, vermochte sich nur schwer wieder zu erheben, zitterte sehr stark, thränte aus den Augen und versagte darauf jede Nahrung.
Die nach einigen Stunden von mir vorgenommene Unter­suchung ergab: Allgemeinbefinden gestört, Blick matt und
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glanzlos, Nase trocken und warm, die sichtbaren Schleimhäute höher geröthet, Puls betrug 120 Schläge pro Minute, Herz-schlag- war pochend, die Athmung war unregelmässig und an­gestrengt, die Mastdarmtemperatur betrug 41,5deg; Cels. Ausfluss aus den Augen war vorhanden, dagegen jener der Nase nicht gegeben. Koth- und ürinabgang waren noch normal. Bei der Auscultation der Brusthöhle ergab sich vermehrtes Athmen, das stellenweise mit Rasselgeräuschen begleitet war, die auf eine catarrhalische Affection der Lungen schliessen Hess.
Die Untersuchung der Bauchhöhle Hess eine Störung in der Verdauung erkennen, die Peristaltik war linkerseits voll­kommen und rechterseits theilweise unterdrückt; bei nur massigem Drucke auf den Hinterleib, der förmlich aufgeschürzt war, ver­spürte das Thier heftigen Schmerz.
Behandlung: Allgemeines diätetisches Verfahren wie an­gegeben; probeweises Anbieten leicht verdaulicher Nahrung­neben frischem Wasser, Anlegen prisnitz'scher Umschläge über Brust- und Bauchwandung. Medicamentös wurde natrum sali-cylicum angewandt; ausserdem erhielt das Thier einen viertel Schoppen alten Zwetschkenschnaps (vom Jahre 1868) vorsichtig eingeschüttet. Trotzdem das Thier, das sich immer zu ver­kriechen suchte, sich nur schwer auf den Beinen zu halten ver­mochte, wurde es doch einige Minuten im Freien bewegt.
Am folgenden Tage verschlimmerte sich der Zustand ganz wesentlich; die Augen wurden ganz trübe, Futter konnte dem Thiere gar nicht mehr beigebracht werden. Urinabsatz war noch normal, Kothabsatz aufgehoben.
Medicamentös wurden jetzt abführende Mittel und zwar natr. subsulfuros. mit tinct. Aloes angewendet. Die Augen wurden mit i0/oiger Zinklösung behandelt und rein gehalten. Die diätetische Behandlung blieb noch die gleiche.
Am 22. Oktober wieder die gleichen Erscheinungen. Be­handlung wie Tags zuvor, nur wurde Abends Chinin verab­reicht und die Anwendung der priesnitz'schen Umschläge aus­gesetzt.
Am 23. Oktober war der Zustand des Thieres derart, dass es die Medicamente nicht mehr zu schlucken vermochte. Das Thier reagirte auf Nichts mehr, kannte seine Umgebung nicht mehr. Die medicamentöse Behandlung wurde ausgesetzt.
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Diätetisch wurde das Thier warm gehalten und ihm stets frisches Wasser vorgesetzt.
Am 24. Oktober der gleiche hoffnungslose Zustand; am Abend jedoch wurde eine dünnschleimige, gelbliche Masse, welche stark nach Fäulniss roch, durch den Mastdarm entleert. Darauf wurde dem Thiere mit grosser Mühe ein Morphium­pulver in der Gabe von 0,01 beigebracht.
Am 25. Oktober wurden die Darmentleerungen häufiger und reichlicher, stellenweise gingen blutige, brandige Fetzen mit ab, waren aber stets ziemlich dünnflüssig und mit Schleim vermischt; eingestecktes, gekochtes Fleisch vermochte das Thier zu schlucken. Vorgesetzte Haferschleimsuppe wurde verschmäht. Die Peristaltik war an der linken Seite jetzt wieder hörbar, desgleichen theilweise an der rechten. Dagegen traten jetzt die Erscheinungen eines Bronchialcatarrhes auf, aus der Nase floss anfänglich zäher grünlicher, späterhin mehr gelblicher Schleim, Husten wurde immer häufiger und schmerzhafter.
Medicamentös wurde jetzt Goldschwefel mit Chinawurzel­pulver verabfolgt.
Am 26. Oktober stellte sich bessere Fresslust ein; Fleisch, sowie frisches Wasser, desgleichen auch Haferschleimsuppe wurden von dem Thiere genommen; die Ausleerungen wurden fester und normaler. Die Afifectionen der Athmungsorgane waren jedoch noch die gleichen.
Am 27. Oktober bestanden lediglich noch die vermehrten Athmungsbeschwerden mit dem trockenen, heiseren Husten, dem schleimigen Nasenausfluss und einer geringen Affection, während Appetit ziemlich rege wieder war. Medicamente wurden jetzt nicht mehr verabreicht; kräftige Nahrung von rohem Fleische, Haferschleimsuppe wurde angeordnet. Wegen der trotz sonstigem guten Befinden noch zugegenen Athmungs­beschwerden wurde ein halbseitiger Senfteigüberschlag und zwar an jener Seite, die am meisten afficirt war, gemacht, welcher den Erfolg hatte, dass von da ab die Athmung ruhiger wurde.
Ausfluss aus der Nase, sowie aus den Augen dauerten noch lange Zeit neben den Athmungsbeschwerden an und ver­loren sich erst nach 6 Wochen gänzlich.
Da ich um jene Jahreszeit, die meteorologisch durch auf­fallend grellen Temperatur Wechsel, feuchtwarme Witterung,
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ausgezeichnet war, noch mehrere Hunde in Behandlung hatte die merkwürdiger Weise ganz die gleichen Erscheinungen zeigten, so scheint die Erkrankung meines Hundes in Folge allgemein verbreiteter Schädlichkeiten entstanden zu sein. Zwei derselben, ein junger Va Jahre alter und ein älterer 9 Jahre alter Hühnerhund, die fast ganz auf die gleiche Weise und unter Aufbietung aller Sorgfalt von Seite der Besitzer behandelt wurden, verendeten. Die Sektion ergab neben den charak­teristischen Erscheinungen der Staupe bei beiden Thieren das Vorhandensein von ei gen artigen, klein erendiphteritischen Geschwüren, die im ganzen Darmkanale zugegen waren, weshalb anzunehmen ist, dass bei allgemein wirkenden inten­siven Schädlichkeiten die seuchenartige Verbreitung demdiph-teritischen Charakter, den die Staupe anzunehmen vermag, zuzuschreiben ist.
Es sei auch bemerkt, dass die beiden verendeten Thiere durch Ansteckung in die Staupe verfielen und zwar hatte der jüngere den älteren inficirt; auch waren die Krankheitserscheinungen, als ich zu Hilfe gerufen wurde, schon derartig weit vorgeschritten, dass gleich von Anfang meiner Behandlung an ich an einen Erfolg nicht dachte. Auch mein eigener Hund hatte seine Wiederherstellung allein nur dem Umstände zu danken, dass die Erkrankung rechtzeitig d. h. ehe das Staupegift sich zu weit im Körper verbreitet hatte, erkannt und dementsprechend auch eingeschritten wurde.
Aus der Darstellung dieses praktischen Falles ist zu ent­nehmen, dass das Thier anfänglich an gastrischer Staupe litt, wiewohl auch gleichzeitig, wenn auch geringfügige Erscheinungen der catarrhalischen Staupe mit zugegen waren, dass die gastrische Staupe zu einer heftigen, hämorrhagischen, möglicherweise auch diphtheritischen Magen- und Darmentzündung, wofür der Ab­gang der brandigen oder blutigen Krankheitsprodukte spricht, sich ausbildete und dass erst nach deren Heilung die Symptome der catarrhalischen Staupe mehr hervortraten. Die Behandlung war daher, wie geschehen, zunächst gegen das Wesen der Krankheit, hernach gegen die gastrische und catarrhalische Form derselben zu richten.
Aus der medicamentösen Behandlung der Staupe und deren verschiedenen Formen geht hervor, dass gegen diese Krankheit ein grosser Schatz von Arzneikörpern vorgesehen
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ist und dass alle die angeführten Medicamente gute Dienste zu leisten vermögen, dass aber ein für alle Fälle und Formen gleichmässig passendes oder überall anwendbares Recept sich nicht statuiren lässt. Es ist daher bei der medicamentösen Behandlung der Staupe die grösste Vorsicht in der Auswahl der Heilmittel geboten.
Da hiezu sowohl wie zur Erkennung und Beurtheilung der einzelnen Krankheitsformen besondere Sachkenntniss gehört, wie der von mir angeführte Fall zur Evidenz beweist, dürfte es im Interesse jeden Hundebesitzers gelegen sein, wenn der­selbe, soferne es nur irgend möglich ist, sachkundigen Beistand erholt; denn nur durch einen solchen kann er sicheren Aufschluss über die Krankheit beziehungsweise deren Eigenschaften sowohl wie über die Art der einzuschlagenden Behandlung erhalten.
Dass die unter verschiedenen Namen, wie Hundepulver, Staupepulver etc., als förmliche Geheimmittel gegen die Staupe in den Handel kommenden Arzneimittel, welche in der Regel das drei oder vierfache mehr kosten als die Ingredienzen zu stehen kommen und mehr eine Speculation auf die Leicht­gläubigkeit und den Geldbeutel der Hundebesitzer sein sollen, eine Beachtung nicht verdienen, weil dieselben meist indifferente Stoffe enthalten, überdies gegen jede Art von Hundekrankheit empfohlen werden, geht schon aus der Betrachtung der ge-sammten Behandlung der Staupe hervor; im Gegentheil werden solche Mittel, deren Zusammensetzung der Laie in der Regel gar nicht kennt, weit mehr schaden als nützen, indem sie unter Umständen Bestandteile enthalten können, welche gegen die eine oder andere Form gerade gegenangezeigt sind.
Da die Staupe eine Krankheit vorstellt, welche so tief in den Organismus der Thiere einschneidet und mehr oder weniger last die sämmtlichen Organe in Mitleidenschaft zieht, so ist es nicht zu verwundern, dass gar manche Thiere, welche seiner­zeit einmal von dem Staupegift inficirt waren, auch nach voll­kommener Wiederherstellung späterhin eine grosse Ge­neigtheit zu Erkrankungen besitzen. Manche solcher Krankheiten, innere wie äussere, können noch auf einer Nach­wirkung des Staupegiftes beruhen, selbst wenn dieselben nur
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geringfügiger Natur sind, im andern Falle disponiren die Thiere wieder zu Erkrankungen, die zwar an sich in einem causalen Zusammenhange mit der Staupe nicht stehen, aber gleichwohl auf Conto der in Folge der Staupe geschwächten oder ver­minderten Widerstandsfähigkeit geschrieben werden müssen und in Folge dessen einen mehr oder weniger gefährlichen Charakter annehmen können.
In dieser Hinsicht sind unter Anderem hierher zu zählen: i. Die Geneigtheit zu Erkrankungen der drüsigen Organe.
2.nbsp; Jene der nach Aussen sichtbaren Körper­öffnungen.
3.nbsp; Erkrankungen im Gebiete des sensiblen und motorischen Nervensystems.
4.nbsp; Erkrankungen der Sehnen, Mus kein und Knochen.
5.nbsp; Erkrankungen der äusseren Haut und der Haare.
1. Die Erkrankung der drüsigen Organe.
Hierher gehören die verschiedenen Entzündungen der Drüsen namentlich der Ohrspeichel-, Kehlgangs- sowie der Halsdrüsen.
Dieselben treten häufig auf bei jungen Thieren, beruhen in der Mehrzahl der Fälle auf einer erblichen Anlage, oder sind Folge von rheumatischen Einwirkungen und vorausge­gangenen catarrhalischen Fiebern. Auch äussere Verletzungen, Quetschungen können eine Entzündung der Drüsen hervorrufen.
Die Behandlung der Drüsenerkrankung hat die Zertheilung der Anschwellung zu bezwecken. Dies geschieht durch Warm­halten mit wollenen Lappen, einem Stück Schaffell, Anwendung von feuchtwarmen Umschlägen, Einreibungen von warmem Fett; bei hochgradiger Entzündung und Neigung zur Eiter­bildung bestreicht man die Geschwulst mit grauer Quecksilber­oder Jodsalbe, späterhin mit Lorbeer- oder Cantharidensalbe, verhüte aber, dass die Hunde die Arzneien, die heftige Gifte enthalten, weglecken. Hat sich an der Drüse ein Abscess gebildet, so soll er nicht zu früh geöflfnet werden, sondern man warte lieber bis er von selbst aufbricht; wenn aber der Eiter tief liegt und der Abscess nach 8 Tagen noch nicht aufge­brochen ist, so kann man ihn mit einem Einschnitt in der Längenrichtung öffnen, hernach geht man mit dem kleinen
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Finger ein, um etwa noch vorhandene einzelne Scheidewände zu durchtrennen. Nach dem Oeffnen setzt man die Behandlung noch einige Tage so fort, wie vorher, verhütet namentlich ein zu frühes Verheilen der Wunde, so lange noch Eiter zugegen ist.
In ungünstigsten Fällen können sich auch Fisteln bilden; diese werden an ihrer Oeffnung etwas aufgespalten und dann mit Höllenstein bestrichen oder es wird eine Auflösung dieses Mittels (i Theil zu 6 Theilen destillirten Wassers) eingespritzt.
Die Anschwellung der Vorsteherdrüse ist stets eine Begleit­erscheinung des sogenannten Hundetrippers, welche eine eigene Behandlung nicht verlangt und mit der Heilung des Trippers von selbst verschwindet.
Kälteanwendungen oder Bleisalben sollen bei Behandlung von Drüsenleiden stets vermieden werden, weil hiervon leicht Verhärtungen entstehen, die oft für immer zurückbleiben.
2. Erkrankungen an den sichtbaren Körperöffnungen.
Eine sehr häufig vorkommende Erkrankung ist die Fnt-zündung des äusseren wie inneren Gehörganges und der Ohr­muschel, die man gemeinhin als inneren und äusseren Ohrwurm bezeichnet.
Die Entzündung des äusseren Gehörganges (Otitis) oder der sogenannte innere Ohrwurm ist eine bei Hunden jeder Rasse und jeden Alters, am meisten aber bei den mit langen hängenden Ohrmuscheln vorkommende krankhafte Erscheinung der den äusseren Gehörgang aus­kleidenden Haut. Das Uebel ergreift aber zuweilen auch die unter derselben liegenden Knorpel und äussert sich auf folgende Weise: Die Hunde tragen den Kopf häufig etwas schief und zwar gewöhnlich so, dass das leidende Ohr nach abwärts ge­halten wird; sie schütteln auch oft mit dem Kopfe, rutschen mit dem leidenden Ohr zuweilen auf dem Boden hin oder kratzen dasselbe mit den Pfoten. Hierbei äussern die Thiere zuweilen durch Winseln oder durch kurzes Schreien eine schmerzhafte Entzündung; dasselbe thun sie auch, wenn man das leidende Ohr nahe am Kopfe gelind zusammendrückt und zugleich suchen sie sich dieser Berührung zu entziehen. Das Ohr findet man an der Basis vermehrt warm und die Haut im äusseren Gehörgange etwas geschwollen und dunkler geröthet. Im Anfange, d. h. in den ersten 3-6 Tagen, ist der äussere
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Gehörgang trocken, nach dieser Zeit aber schwitzt aus seiner Haut eine gelbliche, klebrige Flüssigkeit, welche man deutlich sieht. Diese Feuchtigkeit trocknet am Rande des Gehörganges zu gelblichen Borken ein, welche zuweilen denselben ganz ver­kleben. Im weiteren Verlaufe wird die Flüssigkeit zuweilen dem Fiter ähnlich, in den meisten Fällen aber zu einer röth-lichen, sehr stinkenden Jauche umgewandelt und in der Haut des Gehörganges bilden sich Geschwüre, Yerdickungen und zuweilen auch warzenähnliche Auswüchse.
In vielen Fällen verbreitet sich die Entzündung des äusseren Gehörganges auf den inneren Gehörgang aus, erzeugt dort eine sehr intensive Entzündung, welche ausser hoch­gradigem Ohrenausfluss gänzlichen oder theilweisen Verlust des Gehörs zur Folge hat.
Der Verlauf des inneren Ohrwurmes ist stets, wenn nicht die erste Entzündung unterdrückt wird, sehr langwierig oft auf viele Monate, selbst Jahre ausgedehnt; ist von der Ent­zündung auch der innere Gehörgang ergriffen, so gelingt es selten, eine vollständige Heilung des Uebels zu erzielen. Aber auch bei guter Ausheilung vermag das Uebel nach kürzerer oder längerer Zeit wiederzukehren.
Als Ursachen betrachtet man eine eigenthümliche Dis­position der langohrigen Hunde zu dieser Entzündung, bedingt durch die Abhaltung der Luft von dem äusseren Gehörgange, das Eindringen fremder Körper in denselben, Erkältungen, krankhafte Einwirkungen, die auf überstandene Blutkrankheiten, Flechten und Räude, selbst auf die Gegenwart eines niederen pflanzlichen Parasiten (Aspergillus glaucus), zurückzuführen sind; auch ist das Uebel vielfach angeboren.
Die Behandlung hat auch hier in der Entfernung der Ur­sachen der Erkrankung zu beruhen. Um das Kratzen, Reiben zu vermeiden, bindet man die langen Ohrmuscheln nach dem Genicke zusammen oder man hält sie in dieser Lage durch eine Bandage von einem Netz, um die Luft freier auf den Gehörgang einwirken zu lassen und die Anhäufung von Wärme zu verhindern.
Bei Beginn des Leidens empfehlen sich gelinde Abführ­mittel, welche auch später von Zeit zu Zeit wiederholt werden können; die Thiere sollen dabei möglichst diät und nicht bei zu kräftiger Kost gehalten werden. In den Gehörgang bringt
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man, wenn das Uebel frisch entstanden ist, täglich 3—4 Mal eine schwache Auflösung von Bleiessig (0,15—0,4 zu 30,0 Wasser) und setzt derselben, wenn sehr grosse Empfindlichkeit besteht, ein narkotisches Extract zu, z. B. auf 30,0 Flüssigkeit 0,2 Bilsen-krautextract oder Belladonnaextract; auch Glycerin, ver­dünnter Weingeist oder süsse Milch sind in dieser Hinsicht gut verwendbar.
Wenn die bezeichnete klebrige Absonderung in dem Gehörgange eingetreten ist, können die erwähnten Mittel noch tortgebraucht werden, aber zugleich muss der Gehörgang täg­lich wenigstens einmal mit lauwarmem Seifen- oder Camillen-wasser gereinigt werden. Bei stärkerer Absonderung müssen austrocknende und desinficirende Mittel angewendet werden, z. B. Zinkvitriol, Kupfervitriol und selbst Höllenstein in Lösungen von i Theil zu 100 Theilen destillirten Wassers, bei hoch­gradigem Ausflusse selbst blos bis zu 40 oder 30 Theilen. Auch Einspritzungen von 50/0iger Carbol- und namentlich Borsäurelösung, sowie von dem Liquor Villati sind sehr ange­zeigt. 1st der innere Gehörgang mit entzündet, so ist Carbol-säurelösung im Verhältniss von 2 zu 50 destillirten Wassers, dem 1 Gramm Zinkvitriol zugesetzt wird, das wirksamste Mittel. Um den üblen Geruch zu vermeiden, kann man eine Lösung von Kali hypermanganicum (1 Theil zu 50 Theilen Wasser) anwenden. In hartnäckigen Fällen und besonders da, wo das Leiden immer wiederzukehren pflegt, kann man scharfe Einreibungen im Genick und selbst die Application eines Eiter­bandes vornehmen.
Die Entzündung der Ohrmuscheln oder der äussere Ohrwurm kommt gleichfalls sehr häufig und zwar meistens nur bei langohrigen Hunden vor und besteht in einer Ent­zündung der Haut und der Knorpel der Ohrmuschel. Dieselbe äussert sich dadurch, dass die Thiere oft mit dem Kopfe schütteln und mit den Pfoten an dem leidenden Ohr kratzen und dabei zuweilen klagend winseln. Bei der Untersuchung findet sich das Ohr stellenweise heiss, etwas geschwollen und beim Drucke mit den Fingern vermehrt empfindlich; wo die Haut von Natur weiss oder röthlich ist, findet sie sich jetzt dunkler geröthet und ihre Adern treten mehr hervor. Wenn diese Entzündung einige Wochen gedauert hat, wird die Haut von den vorherrschend leidenden Theilen spröde und platzt
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in kleinen Rissen auseinander, was besonders an den Rändern und gegen die Spitze hin geschieht. Die geborstenen Stellen fangen an eine serös-eitrige Flüssigkeit auszusickern und bilden sich in Geschwüre um, welche den Knorpel mit ergreifen und selbst zu Caries führen können. Da dieselben einen fressenden, zerstörenden Charakter besitzen, so entstehen auf diese Weise eine oder mehrere Lücken am Rande oder an der Spitze der Ohrmuschel von verschiedener Tiefe und Breite.
Die inneren Ursachen dieses Uebels scheinen einmal in Disposition und leichterer Empfindlichkeit der Haut der Ohr­muschel gegen äussere Einflüsse überhaupt, dann aber haupt­sächlich in dem Umstände zu beruhen, dass in den langen, hängenden Ohren die Gelasse mit Blut auf passive Weise über­füllt werden, dass Stockungen in ihnen entstehen und so leicht Anlass zu Entzündungen gegeben wird. Dieses Letztere wird hernach hauptsächlich bewerkstelligt durch das heftige Schütteln mit dem Kopfe, wobei die Ohren an denselben anschlagen und gequetscht werden.
Auch ist die Uebertragung des inneren Ohrwurms, d. h. die Anätzung der Ohrmuschel durch das Krankheitssecret schon vielfach Anlass zum Entstehen des äusseren Ohrwurms ge­worden, wie denn auch beide Formen thatsächlich sehr häufig gleichzeitig vorkommen können und in Folge dessen die An­nahme gerechtfertigt erscheint, dass die Uebertragung durch den bei den Krankheitsformen eigenen niederen pflanzlichen Parasiten bewerkstelligt wird.
Eine Heilung des äusseren Ohrwurmes gelingt sehr häufig schon dadurch, dass man die Ohren vermittels einer mit Taschen für dieselben versehenen Binde oder vermittels eines Netzes nach dem Genicke zu in die Höhe bindet und dadurch die passive Anhäufung des Blutes in dem leidenden Theile, sowie neue Reizungen beim Schütteln mit dem Kopfe, beim Kratzen mit der Pfote verhütet. Medicamentös empfiehlt es sich, die erkrankten Theile häufig mit Goulard'schem Wasser zu be­tupfen, oder die öftere Bestreichung der äusseren und inneren Fläche der Ohrmuschel mit Bleisalbe oder auch mit io0/oigem Jodoform-Collodium, welches eine dicke Kruste darüber zieht und in Folge dessen Blutungen zu verhüten vermag, vorzu­nehmen. Da jedoch das Uebel, namentlich wenn Geschwüre sich bilden und Berstungen der Haut eintreten, sehr langwierig
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werden kann, so müssen intensiv wirkende adstringirende Salben wie Kupfervitriol 1 Theil auf 20 Theile Vaselin gemischt oder Tannin 1 Theil zu 30 Theilen Pix liquida oder Theer, selbst Höllensteinlösung, aqua phagedaenica und selbst das Glüheisen unter Umständen in Anwendung gebracht werden. Die einmal in der Ohrmuschel entstandenen Lücken sind nicht wieder zu beseitigen. Unter Umständen müssen die erkrankten Theile sogar auf operativem Wege entfernt werden. In manchen Fällen wurde auch durch Befestigung der Ohren mittels Anleimens derselben am Hinterkiefer Heilung erzielt.
Nicht zu verwechseln mit den Formen des Ohrwurmes ist das sogenannte Blutohr, welches in Folge von Zerrung oder Quetschung der Ohrmuschel entsteht und eine An­schwellung dieses Theiles vorstellt, welcher elastisch weich, an manchen Stellen der Haut bläulich oder röthlich gefärbt, etwas vermehrt warm und schmerzhaft ist. Die Thiere tragen dabei den Kopf schief nach der leidenden Seite herunter ge­bogen, kratzen sich zuweilen mit den Pfoten oder sie schütteln öfters mit dem Kopfe und oft steht das Ohr sackförmig aus­gedehnt und mehr oder weniger steif vom Kopfe ab. Diesem Zustande liegt stets eine Zerreissung einzelner kleinerer Ge-fässe zwischen der Haut und dem Muschelknorpel und ein hier­durch erzeugtes Blutextravasat zu Grunde. Dieser Blutaustritt, welcher sich zwischen der inneren Fläche des Knorpels und der Haut der Ohrmuschel; seltener zwischen der Haut und dem Knorpel an der äusseren Fläche, bisweilen auch auf beiden Seiten befindet, kann sehr lange bestehen bleiben und wenn nicht Hülfe geleistet wird, unter Umständen sich nie verlieren.
Die Behandlung des Blutohres kann im Anfange mit Waschungen von verdünntem Fssig oder Goulard'schem Wasser schon zum Ziele führen; besteht aber das Leiden schon in sehr hohem Grade, so muss die Haut an derjenigen Fläche, an welcher das Blutextravasat besteht, in der Länge von 1 bis i1/2 Zoll durchschnitten nnd das Blut entleert werden. Be­findet sich der Bluterguss an beiden Seiten des Ohrenknorpels, so müssen auf beiden Flächen des Ohres solche Schnitte in die Haut gemacht werden ; doch vermeide man in jedem Falle das Durchschneiden des Knorpels selbst, weil die Verletzungen dieses Theiles sehr schwer heilen. Hierauf spritzt man die Höhle zunächst einige Male mit kaltem Wasser aus und streicht
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oder spritzt dann eine Auflösung von Höllenstein (i: T20 aq. dest.) oder die Jodtinktur in die Höhle, um einer weiteren Entzündung vorzubeugen. Nach der Anwendung dieser Mittel muss das Ohr mittels einer Bandage nach dem Genicke zu in die Höhe gehalten werden, wie bei dem äusseren Ohrwurm. Statt des Aufspaltens der Haut bei dem Bluterguss kann man auch mittels einer Wundnadel einen Faden, wie ein kleines Eiterband, durch sie hindurchziehen, ihn während [o —14 Tagen liegen lassen.
Der sogenannte Ohrencatarrh der Hunde ist lediglich eine schlimmere Form des inneren Ohrwurms und wird wie dieser behandelt.
Der Catarrh der Augen und Nasenschleimhäute wurde bereits erwähnt.
Die natürlichen Körperöffnungen der Geschlechtsorgane — Harnröhrenmündung und Scheide — sind wohl am häufigsten der Sitz von Erkrankungen bei den Hunden.
Die Entzündung der Harnröhre auch Hundetripper genannt, jene der Scheide beim weiblichen Hunde, die jedoch weit seltener vorkommt, aber auf den gleichen Bedingungen basirt ist, entsteht vorzugsweise durch Infection mit Krankheits­stoffen, oder in Folge mechanischer, äusserer Einwirkung oder Erkältung, Verletzungen oder Verengerung der Vorhautmündung.
Die äusserliche Entzündung der Harnröhre in der Regel Folge von mechanischen Einflüssen zeigt sich durch An­schwellung der ganzen Vorhaut, durch Schmerz, vermehrte Wärme und zuweilen auch durch etwas gespannten Gang an den Hinterfüssen. Bei der inneren Entzündung ist gewöhnlich die Anschwellung nur unbedeutend, aber es ist vermehrte Wärme und etw7as Schmerz bei der Berührung wahrnehmbar; manche Thiere uriniren seltener als sonst und sie strecken dabei das männliche Glied nur mit Mühe unvollständig oder gar nicht hervor. Nach 2—3 Tagen findet sich Ausfluss von einer schleimigen, weissen oder gelblichen selbst grünlichgelben Flüssigkeit, ein förmlicher Schleimfluss, der sehr lange Zeit anhält. Im weiteren Verlaufe können in der Harnröhre Ge­schwüre auftreten, sowie Verdickungen, Zusammenschnürungen an verschiedenen Stellen der inneren Fläche der Vorhaut, wobei dann Ausfluss von Eiter oder Jauche mit Blut besteht. Hier­durch wird bei Stubenhunden gewöhnlich der Fussboden an allen Stellen, an welchen die Thiere liegen, besudelt und zu-
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weilen werden erst hierdurch die Eigenthümer auf das wichtige Leiden aufmerksam. Bei diesem Grade des Uebels pflanzt sich die Entzündung von der Vorhaut zuweilen auf das männliche Glied und auf das Zellengewebe in der Vorhaut fort; ersteres wird mehr oder weniger zerstört, die Vorhaut wird verdickt und bisweilen bilden sich Fisteln in derselben. Die Thiere zeigen bei diesem höheren Grade des Uebels oft schon beim Stillstehen ihren Schmerz dadurch, dass sie den Rücken in die Höhe biegen oder durch Auseinanderstellen der Füsse, beim Uriniren strengen sie sich sehr an und stöhnen, sie liegen viel, verlieren den Appetit, magern ab und in den meisten Fällen wird der Zustand fieberhaft.
Die Entzündungen der Vorhaut, wie Harnröhre überhaupt, pflegen in den meisten Fällen günstig zu verlaufen, nur die chronisch gewordenen Entzündungen, sowie jene, die das männ­liche Glied mit ergriffen haben, in Folge dessen zu andauernder Einschnürung oder auch zu Brand führen können, sind weniger günstig zu beurtheilen.
Man wendet im Beginne des Leidens Einspritzungen von iü/oiger Zinkvitriollösung des Tags über 3—4 Mal an, auch Lösungen von Kali Hypermanganicum sind angezeigt. Besteht Einschnürung des männlichen Gliedes durch die über dasselbe zurückgestreifte Vorhaut, so kühlt man die letztere und das Glied etwa durch 8—jo Minuten lang mit eiskaltem Wasser, drückt dann das Glied mit den Fingerspitzen etwas zusammen und zieht die Vorhaut kräftig über dasselbe hervor. Gelingt dies bei wiederholten Versuchen nicht, so sucht man die Spitze einer Hohlsonde entweder auf dem Rücken des Gliedes oder an dessen unterer Seite zwischen das Letztere und die Haut zu schieben und spaltet dann mit einem Messer auf der Sonde die Vorhaut 2—4 Linien tief ein, worauf die Zurückbringung des Gliedes leicht geschehen kann. Ist die Entzündung und die schleimigeitrige Absonderung bereits chronisch geworden, so macht man Einspritzungen in die Vorhaut von 40/oiger Carbol- oder Borsäurelösung, von Kupfervitriol (1 Theil zu 120 Th. Wasser) und selbst Höllenstein (0,08 zu 20—30 Theilen destillirtcn Wassers). Auch Bepinselungen von 40/oigem Carbol-öle oder blos Leinöle sind anzurathen.
Neben der örtlichen Behandlung ist es in vielen Fällen auch nöthig, innerliche Mittel, dem verschiedenen Zustande
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entsprechend anzuwenden und zwar verabreicht man bei heftiger Entzündung kühlende Salze, wie Salpeter, Glaubersalz, Doppel­salz in massigen Gaben im Getränke, bei chronischer Ent­zündung, um ableitend zu wirken, von Zeit zu Zeit wiederholte Abführmittel, bei catarrhalischen Zuständen, ferner da, wo saure Nahrungsmittel vorausgegangen sind, Brechmittel und endlich bei vorhandener allgemeiner Schwäche und Cachexie bittere und aromatische Mittel wie Rhabarber, Wermuth, ferner Eisenzucker.
Eine weitere, jedoch weniger häufig auftretende Krank­heitserscheinung ist der Vorfall der Mutterscheide und der Gebärmutter. Dieselben sind in den meisten Fällen Folge schwerer Geburten; der Vorfall der Scheide allein kann auch angeboren sein, in Schwäche der Scheidenhäute, der Mutterbänder oder des ganzen Körpers beruhen.
Die Behandlung hat die Zurückbringung des vorgefallenen Theiles zu bezwecken; man legt zu dem Zwecke das Thier mit dem Hintertheile höher als mit dem Vordertheile durch Unterlagen von Stroh oder Teppichen, reinigt den vorgefallenen Theil mittels lauwarmem Wasser oder einer schleimigen Flüssigkeit und dann bewirkt man die Zurückbringung mit den Händen in der Weise, class der Theil, welcher zuletzt hervor­getreten ist, zuerst zurückgebracht wird. Da die Thiere meist heftig drängen und in Folge dessen die zurückgebrachten Theile wieder hervortreten können, kann selbst das Vernähen der Scheide mittels feinen Drahtes oder eines feinen Bindfadens, wodurch das Hervortreten völlig vermieden wird, nothwendig werden. In geringgradigen Fällen des Scheidenvorfalles ge­lingt es häufig mittels Waschungen von heftig adstringirenden Flüssigkeiten wie Alaunlösungen, Eichenrindenabkochungen, ferner durch Eisüberschläge denselben zu bekämpfen.
Wie die Oeffnung der Geschlechtstheile häufig Sitz von Krankheiten ist, so ist auch die Darmmündung, der After, viel­fach Erkrankungen ausgesetzt.
Der Mastdarmvorfall, welcher bei Hunden hauptsäch­lich in Folge von Erschlaffung, Schwächung des Darmes, nament­lich in Folge von Krankheiten wie Durchfall, Ruhr, starker Autblähung, Anhäufung von verhärtetem Koth oder Würmern, vorzukommen pflegt, ist in gleicher Weise wie der Scheiden­oder Gebärmuttervorfall zu behandeln. Nur das Vernähen des Afters muss wegen des sonst gehinderten Abganges der
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Excremente unterbleiben. Als Ersatz hierfür kann das Anlegen von einer Bandage, die, soweit die Oeffnung des Darmes sich erstreckt, ausgeschnitten sein muss und das Hervordrängen des Mastdarmes zu verhüten vermag.
Entzündungen der Mastdarmschleimhaut können durch verschiedene Ursachen entstehen; überhaupt Alles, was einen Reiz auf die üarmschleimhaut auszuüben vermag, kann dieselbe verletzen. So können z. B. Verletzungen der Mast­darmschleimhaut durch verschluckte Knochensplitter, Nadeln und andern Gegenständen, welche den Darmkanal durchwandern und dann bei dem Drängen des Thieres in die Schleimhaut des Darms eindringen, ferner auch durch ungeschicktes Vor­gehen bei Untersuchungen des Mastdarmes mit den Händen, bei der Anwendung von Klystiren, bei dem gewaltsamen Aus­räumen des Kothes, endlich auch durch Würmer entstehen.
Die geringeren Verletzungen der Mastdarmschleimhaut können leicht geheilt werden. Man giebt den Thieren leicht verdauliches Futter (Knochen müssen vermieden werden) schleimiges Getränke, gelind abführende Mittel wie Ricinusöl, ausserdem sind schleimige Klystiere, späterhin adstringirende, denen ein antiseptisches Mittel wie Carbolsäure in 20/oigef Lösung beigesetzt wird, anzuwenden.
Sind die Verletzungen in Folge Auftretens von Würmern, die ja bei Hunden sehr häufig vorzukommen pflegen, entstanden, so müssen erst diese beseitigt werden. Dies geschieht dadurch, dass man die Thiere auf magere Kost setzt, dieselben öfters hungern lässt und nachfolgende Recepturen verwendet: Rp. Santonininbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,3 Nimm: Santonin 3 Decigr.
Natr. chlorat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,6nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kochsalz 6 Decigr.
M. f. p.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und theile es in fünf
Div. in part. acp. N. V.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theile; bezeichne es:
D. S. Jeden Morgen 1 Pulver und zwar auf Butterbrod
in Fett oder fettem Fleisch zu geben; am 3. und 6. Tage wird
darauf folgendes Abführmittel gegeben:
Rp. Hydrarg chlorat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,0 Nimm: Calomelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 Gr.
Radic. jalapp.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;jalappawurzel 2 Gr.
Sacchar. alb.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Weissen Zucker 1 Gr.
M. f. p.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und theile es in drei
Div. in part. No. III.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Theile und bezeichne es:
D. S. Alle 2 —3 Stunden je ein Pulver bis zur Wirkung zu geben.
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Rp. Extr. Filic. aeth. Pulv. Rhiz. Filic
Mische es.
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Nimm: Aetherisches Wurm-farrnextract
6,0
Wurmfarrnpulver
von jedem 6 Gr.
Mische und bezeichne es: D. S. In einer Stunde Vormittags zu verbrauchen, nachdem Abends vorher kein Futter gegeben wurde.
3 Stunden nach dem Eingeben wird das vorhergehende Abführmittel verabreicht. (Für einen grossen Hund berechnet.) Vorzügliches Band Wurmmittel. Rp. Cort. granat. conc. 60,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm:
Aq. frigid.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;500,0 Geschnittene Granitrinde 60 Gr.
Macera per XII. hör. ad Macerire sie mit 500Gr. Wasser
Colat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 250,0 während 12 Stunden und gebe
Addenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;zu Colatur von 250 Gramm.
Syrupi Zingiberis 35,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ingwersyrup 35 Gramm.
M.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
D. S. Innerhalb einer Stunde einzugeben.
Bandwurmmittel wie das vorhergehende, jedoch mehr für einen mittelgrossen Hund berechnet.
Nimm: Rp. Flor. Kossonbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15,0 Kossoblüthennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15 Gr.
Sem. foenic. grace. 10,0 Bockshornsam en pulver 10 Gr.
Mellis crudiq. s.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rohen Honig, soviel als noting,
Fiat elect, mollenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;dass es eine Latwerge wird
und bezeiche es: D S. Auf dreimal einzugeben. Rp. Kamal.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15,0 Nimm: Kamalanbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15 Gr.
Adip. suillinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schweinefett 5 Gr.
M.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
D. S. Wie das vorige zu geben.
Ausserdem hat sich gegen Würmer bei Hunden die Arecanuss bewährt, welche je nach der Grosse des Thieres am besten mit Zucker vermengt oder in Fleisch eingehüllt in Gaben von8 - 20 Gramm Pulver täglich verabfolgt werden kann.
Sehr heftige und tief in die Schleimhaut eindringende Ver­letzungen können zu den sog. Mastdarmfisteln führen, die bei Hunden sehr häufig auftreten. Die Mastdarmfisteln be­stehen in einem Fistelgeschwür, welches in den Mastdarm mündet, jedoch am andern Ende ohne Oeffnung entweder in
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dem Zellgewebe neben dem Mastdarm liegt oder sich nach Aussen durch die Haut erstreckt und bald seitlich neben dem After, bald mehr niedrig im Mittelfleisch eine OefTnung bildet, aus welcher Eiter oder Jauche, zuweilen mit Koththeilen gemengt, fliesst, besonders aber dann, wenn das Thier Koth oder Urin entleert. Die Afterfisteln können ferner in einem Fistelgeschwür in dem lockern Zellgewebe neben dem After und Mastdarm bestehen, ohne mit dem letzteren selbst eine Verbindung zu haben; sie erstrecken sich mehr oder weniger tief in das Zell­gewebe und bald in der Richtung nach dem Mastdarm, bald mehr nach Aussen zwischen die Beckenmuskeln und zuweilen bis auf die Beckenknochen.
Die Erkennung der Mastdarmfisteln ist theils aus den an­gegebenen Erscheinungen und aus der fortdauernden Ver­unreinigung des Schweifes und der Hinterschenkel mit Eiter, theils durch Untersuchen mit der Sonde zu erlangen.
Die äussere Fistelöffnung sieht man immer deutlich und kann mit einer eingeführten Sonde (am besten von Blei) ihre Länge und Richtung leicht erforschen; steht sie mit einer innern Oeffnung in Verbindung, so dringt die Sonde bis in den Mastdarm ein und man kann sie hier mit den Fingern fühlen. Oft schwellen auch die neben dem After befindlichen Afterbeutel an und entleeren eitrige Flüssigkeit.
Die Behandlung der Mastdarmfisteln ist nicht immer leicht zu vollführen; sehr oft können die Fisteln nie zur Heilung ge­bracht werden. Die äussere Fistelmündung wird zunächst erweitert und in dieselbe ein mit Aetzmitteln getränkter Tampon eingeführt, welcher 24 Stunden liegen bleibt. In gleicher Weise kann man ein der Fistel entsprechend dickes und ge­bogenes Brenneisen in dieselbe appliciren. Fruchten diese Mittel nichts, oder ist die Masse zwischen beiden Fistelöffnungen nicht zu lang und zu übermässig dick, so kann man auch die­selbe mit dem Messer durchschneiden oder mittels einer Draht-ligalur allmählig durchbinden und zwar bringt man, um die Fistel zu durchschnüren, einen gut ausgeglühten Messingdraht oder einen Bleidraht durch die äussere Oeffnung in die Fistel, schiebt ihn bis zur Oeffnung in dem Darme, beugt ihn hier nach dem After hinein und führt ihn durch den letzteren wieder heraus. Man dreht nun die beiden Enden mit einander so stark zusammen, dass der Draht auf die zwischen ihm liegende Masse
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einschneidend wirkt und wiederholt dann dieses Drehen täglich so lange, bis die Durchschneidung vollständig geschehen ist. In der Regel wächst unmittelbar hinter dem Draht die durch­schnittene Stelle wieder zusammen und es erfolgt so die Heilung; oft bleibt aber auch für immer eine offene Lücke. Bei den nur mit einer inneren Oeffnung versehenen Fisteln muss man zuerst versuchen, eine äussere Oeffnung auf diese Weise zu bilden, dass man eine stark gekrümmte Sonde in der angegebenen Weise bis auf den Grund der Fistel einführt und dann in der durch die Richtung der Sonde äusserlich etwas hervorgedrängten Stelle die Haut und das Zellgewebe durch­schneidet, bis die Sonde zum Vorschein kommt. Man kann dann sogleich mittels der Sonde ein Band in die Fistel ziehen und hierdurch den Ausfluss des Eiters befördern, die Fistelhaut durch Aetzmittel umstimmen und hierdurch die Heilung vermitteln.
Entzündungen und Verletzungen am Schwänze, namentlich am Schwanzende kommen sehr häufig vor bei Hunden, welche ein langes Behänge haben und sehr empfind­lich sind gegen mechanische Einwirkungen. Anlass zu solchen Entzündungen ist das Anschlagen mit dem Schwänze an festen Gegenständen, die Geneigtheit zu Blutungen und die Ver­unreinigung der Wunde mittels ätzenden oder fauligen Sub­stanzen. Dieser letztere Umstand ist auch der Grund, warum derartige Uebel oft so hartnäckig sind und so schwer heilen.
Die Behandlung hat zunächst die Einwirkung der Krank­heitsursache zu hindern; zu dem Zwecke muss der Schwanz vermittels einer Bandage über den Rücken gebunden werden, damit die Thiere denselben nicht anschlagen können. Ausser-dem wird die entzündete Stelle mit Bleiwasser behandelt, bei hochgradiger, eitriger Sekretion mit adstringirenden Mitteln. In dieser Hinsicht sind am Platze Einreibungen von ig—200oiger Tannin- oder Zink- und selbst Kupfervitriolsalbe, ferner Be­tupfungen der wunden Stelle mit aqua phagadänica, ferner mit liquor Villati und reiner Carbolsäure zu gleichen Theilen gemengt. Auch die Anwendung des Glüheisens kann unter Umständen angezeigt sein. In besonders hartnäckigen Fällen werden ein oder mehrere Schweifwirbel jedoch vorsichtig und in der Weise, dass die Wirbelknochen nicht zerschlagen werden, sondern lediglich im Wirbelansatz von einander getrennt werden, ab­genommen ; um eine stärkere Blutung zu vermeiden, bindet
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man den Schwanz unmittelbar an der Stelle, von welcher an losgetrennt wird, mit einem starken Bindfaden ab und bestreicht die wunde Stelle nach der Abtrennung mit Eisenchloridlosung'.
An sämmtlichen natürlichen Körperöffnungen treten sehr häufig auch Neubildungen der verschiedensten Art, wie Warzen, Polypen und Gebilde in den verschiedensten Formen auf, die entweder auf einer erblichen Anlage, auf einer krankhaften Säfte- und Blutbildung beruhen oder aber durch gewisse Gelegenheitsursachen wie Verletzungen, öfters wiederholte Reizung durch Druck, Stoss, leichte Verwundung, entstehen können; in den meisten Fällen ist oft das Entstehen nicht zu erklären.
Sobald- derartige Neubildungen auftreten, soll sofort gegen dieselben eingeschritten werden, weil bei hochgradiger Ent­wicklung derselben die Behandlung entweder erfolglos ist öder gar nicht mehr ausführbar sein kann. Die Behandlung hat mit Rücksicht darauf, dass derartige Gebilde die Funktion lebens­wichtiger Organe beeinträchtigen und selbst aufheben können, stets in einer Radikalkur, d. i. in der operativen Entfernung der Neubildungen zu bestehen. Dieses geschieht entweder durch Abbinden mit der Ligatur, Abquetschen derselben ver­mittels des Ecraseurs, oder durch Exstirpation mit dem Messer, vorsichtiges Ausschälen der Geschwulst; letzteres hauptsäch­lich bei leichten BindegewebsgeschWülsten, je nach der bei den Neubildungen zu verfahrenden Behandlungsweise theilt man dieselben ein in gutartige und bösartige Neubildungen; eine strenge Grenze zwischen gut- und bösartigen Neubildungen giebt es jedoch nicht, indem jede im Anfange vielleicht als gutartig beurtheilte Geschwulst durch den kleinsten Anstoss ihren Charakter ändern und bösartig werden kann.
Unter gutartigen Neubildungen versteht man solche, welche, lokalen Ursachen entsprungen, auch nur lokale Störungen ver­ursachen und einmal entfernt, nicht wiederkehren; bösartige Geschwülst1 bedingen eine allgemeine Infection des Thier-körpers (infektiöse Geschwüre), kehren nach ihrer operativen Entfernung wieder entweder an derselben Stelle oder auch an einem anderen Körpertheile und enden meist mit dem Tode. Zu den bösartigen Neubildungen gehören unter Anderem das Sarkom oder die Fleischgeschwulst, die Krebsgeschwulst oder das Carcinom und die Tuberkeln.
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Gutartige Neubildungen sind unter Anderem die Warzen, Polypen und Halggeschwülste, doch können auch diese in bös­artiger, d, h. immer wiederkehrender Weise auftreten.
3. Erkrankungen im Gebiete des sensiblen und motorischen
Nervensystems.
Hierher gehören die verschiedenen Congestivzustände nach Gehirn, dem Herzen und den Lungen, sowie dem Rückenmarke, welche in einer Reizung der Nerven bestehen. Derartige krankhafte Zustände können sich auf verschiedene Weise bemerk­bar machen, wie als erhöhte Erregbarkeit, lästige Empfindungen, Schmerzen, dann verminderte Empfindlichkeit, Lähmung.
Bei vollkommen gesunden Hunden treten derartige Störungen gerne auf im Hochsommer, sowie nach übergrosser Anstrengung, namentlich wenn die Thiere längere Zeit hin­durch Hunger oder Durst gelitten haben, auch wohl, wenn überrhässiger Geschlechtstrieb vorhanden ist und solcher nicht befriedigt wird. Die Erscheinungen solch' nervöser Zustände äussern sich sehr häufig in der Weise, class die Thiere plötz­lich auffallende Athmungsbeschwerden neben vermehrter Wärme am Kopfe zeigen, die Augen verdrehen, förmlich stieren, trockene und heisse Nase haben und selbst zu ersticken drohen.
Hiegegen müssen sofort Betuschungen mit kaltem Wasser über Kopf und Rücken angewendet werden; ferner muss den Thieren Getränke von kaltem Wasser, Molken oder saurer Milch angeboten werden; auch das Eingeben von kühlenden Salzen, gelinden Abführmitteln ist zu empfehlen. In der Regel wird der Zustand schon nach einigen Stunden beseitigt, nament­lich wenn die Thiere an einem kühlen, schattigen Platze unter­gebracht sind. Allenfalls aus der Nase mit auftretende Blutungen, welche auf einem Platzen der Capillargefässe beruhen, bedürfen keinerlei Behandlung, hören vielmehr von selbst bald wieder auf.
Zu den Störungen im Gebiete des motorischen Nerven­systems gehören unter Anderem die so häufig vorkommende Schulter- oder Buglähme, sowie die Hüftlähme, Zustände, welche ohne jede nachweisbare Verletzung in Eolge rheumatischer Einwirkung auf einem Reize der motorischen Nerven beruhen.
Die Schulter- oder Buglähme, welcher an den hinteren Füssen die Hüftlähme analog ist, ist dadurch gekennzeichnet, dass die Thiere in der Ruhe den kranken Fuss vorstellen, bei
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jedesmaligem Auftreten mit dem kranken Fusse nickende Be­wegungen des Kopfes machen, mit dem leidenden Fusse kürzer treten und stark hinken. Bei längerem Bestehen kann Ent­artung der Schultennuskeln und dauerndes Lahmgehen ent­stehen.
Bei beginnender Schulterlähme sollen über die ganze Schulter einschliesslich des Buges Lehm-Anstriche, die fleissig befeuchtet werden müssen oder besser Eisumschläge gemacht werden. Nach einigen Tagen müssen, sofern die Lahmheit nicht gehoben wurde, flüchtige Einreibungen über Schulter und Bug applicirt werden, wie z. B. mit Kampferliniment, Terpentinöl, kalten Tuschen mit nachherigem Trockenreiben; in sehr hart­näckigen Fällen haben sogar Scharfsalben, wie Cantharidensalbe, in Anwendung zu kommen. Selbstverständlich ist, dass die Thiere während der ganzen Behandlung warm, d. h. vor Zug­luft geschützt gehalten werden müssen und damit die Heilung nicht gestört wird, auch nicht bewegt werden dürfen.
In gleicher Weise wie die Schulterlähme ist auch die Hüftlähme zu behandeln. Auch in Folge mechanischer Ein­wirkungen wie Quetschung der Gelenk-Enden des Schulter­blattes oder der Hüfte, Verstauchung des Gelenkes, Zerrung der Gelenkbänder können diese Lahmheiten entstehen, doch ist dann auch vermehrte Wärme und Empfindlichkeit, bisweilen auch Anschwellung an den betreffenden Stellen vorhanden; die Behandlung ist auch hier die gleiche wie bei der Lähme in Folge rheumatischer Einwirkung.
Alle Arten von Lahmgehen (nicht zu verwechseln mit Lähmung) entstehen durch Reizung der Nerven und sind in Folge dessen mit heftigen Schmerzen begleitet, welche eine freie Bewegung des Gliedes hindern oder dieselbe ganz auf­heben. Dadurch wird das Aufsetzen, Vor- und Niedersetzen des Fusses unregelmässig ausgeführt, seine Beugung und Streckung geschieht mit grosser Vorsicht. Der kranke Fuss wird weniger fest auf den Boden gesetzt und verweilt auch kürzere Zeit auf demselben als der gesunde, fest auftretende Fuss. Nach der Untersuchung des Thieres während der Be­wegung vergleicht man den leidenden Fuss mit dem gesunden, um etwa sichtbare Veränderungen hinsichtlich Stellung und Richtung zu ermitteln. Auf diese folgt die Untersuchung mit der Hand hinsichtlich des Wärmegrades und der Schmerzen.
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Wenn man gleich im Beginne von Lahmheiten gegen die­selben einschreitet, so gelingt es leicht, dieselben zur Heilung zu bringen, während veraltete nur schwer oder je nach der Art des Gelenkes gar nie heilen.
Die Behandlung von Lahmheiten hat in Anwendung von Kälte (Eis, Schnee, Lehm-Umschlägen) Bleiwasser im entzünd­lichen Stadium zu bestehen; nach gehobener Entzündung sind am Platze: spirituöse Einreibungen, Bäder von aromatischen oder adstringirenden Abkochungen, Bandagiren des Gelenkes mit Rollbinden, unbedingte Ruhe und längeres Schonen des Thieres.
Folgende Receptverordnung ist in dieser Hinsicht sehr zu empfehlen:
r, x ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;•#9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nimm: Holzessignbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;100 Gr.
Rp. Acet. pyrohquos. 100,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ r . rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
c #9632; #9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Senfspiritus und
Spir. sinap.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ r . ...
/-ki t- . .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;__nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lerpentinol,
Ul. 1 erepintnnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; aa 40,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;. ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,-.
M f snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; von jedem 40 Gr.
Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 2 Mal an der erkrankten Stelle einzureiben.
4 Erkrankung der Sehnen und Muskeln, sowie des Knochengewebes.
Die Entzündung der Sehnen, der Gelenkbänder und Sehnenscheiden sind häufige und meistens sehr schmerzhafte Leiden, sehr häufig auch die Ursache von Lahmheiten, indem die entzündeten Sehnenfasern sich verdicken und verkürzen. Sie entstehen oft traumatisch in Folge von Verletzungen, häufiger aber auch durch Erkältungen und tragen im letzteren Falle meist den Charakter einer dj^skrasischen Krankheit, nämlich den rheumatischen Krankheitscharakter an sieji. Die Ausgänge dieser Entzündungen sind: Zertheilung, Exsudat von Blut oder Faserstoff, Verdickung des Gewebes, knorpelartige Verhärtung, bisweilen Eiterung und Brand; überdies neigen sie auch gerne zu Rückfällen.
Die Entzündung des Muskelgewebes hat ihren Sitz in den feinsten Blutgefässen des die rothe Muskelfaser umkleiden­den Bindegewebes, äussert sich besonders durch grössere Derb­heit, Dicke, Verkürzung und durch bald mehr, bald weniger Unbeweglichkeit der Muskeln und entsteht durch traumatische, chemische und physikalische Einwirkungen. Sie trägt daher auch
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zuweilen den rheumatischen Charakter an sich. Im ersteren Stadium lässt sie sich zertheilen; im zweiten Stadium, wo um die Muskelfasern Ausschwitzung- und selbst Eiterung besteht, gelingt die Zertheilung nur unvollständig und später entsteht häufig Verjauchung oder selbst Brand.
Diese Entzündungen, welche äusserlich durch vermehrte Wärme, Schmerz und — wenn an den Extremitäten — Lahm­gehen sich äussern, verlangen die aufmerksamste Pflege und Behandlung, weil, wie aus der Beschreibung hervorgeht, im Ealle der Vernachlässigung dieselbe zu unheilbaren Zuständen, Deformitäten, Sehnenverkürzung, Sehnenverwachsung etc. führen können.
Die Behandlung derartiger Entzündungen hat im Anfange in entzündungswidrigen, kühlenden Mitteln zu bestehen; es sollen an den betreffenden Stellen kalte (Eis-) Umschläge ge­macht werden, die Thiere müssen festgelegt und dürfen nicht bewegt werden. Später müssen zertheilende Mittel wie graue Quecksilbersalbe, Jodsalbe und Bleisalbe angewendet werden; auch flüchtige Einreibungen von Terpentinöl, Petroleumäther, Ameisenspiritus können gute Dienste leisten.
Die Entzündung der Streck- und Beugesehnen der Gliedmassen ist die bei Hunden am häufigsten vor­kommende Sehnenerkrankung, obgleich im Allgemeinen das fast gefässlose Sehnengewebe wenig zu Entzündungen disponirt ist. Die Krankheit entsteht hier gewöhnlich in Folge von zu starker und plötzlicher Ausdehnung der Sehnen, namentlich beim heftigen Springen, bei übermässiger Anstrengung, dann in Folge von Rheumatismus oder als Nachzügler dyskrasischer Krankheiten, wie z. B. der Staupe.
Wenn die Krankheit durch mechanische Einwirkung, wie Verletzungen durch Biss, Schlag oder Stoss entstanden ist, so entwickeln sich ihre Symptome in der Regel sehr allmählich und bleiben fast immer auf einen Fuss beschränkt, wenn aber das üebel auf die zuletzt erwähnte Weise, also in Folge einer vorhergegangenen Bluterkrankung, erzeugt wird, so tritt es immer plötzlich ein, ergreift oft mehr als einen Fuss oder wechselt auch eben so oft von einem Fuss auf den andern. Die Erscheinungen dieser Krankheitszustände sind im Wesent­lichen folgende: Das Thier tritt beim Stillstehen nicht gehörig im Fesselgelenk durch, sondern es hält den Fessel bald mehr
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bald weniger steil und eben so beim Gehen, dabei schwellen die betreffenden Sehnen, bald nur eine, bald mehrere, an irgend einer Stelle zwischen den Ballen, dem Knie- oder Sprunggelenk an, die Wärme an der bezüglichen Stelle ist im Anfange nur unbedeutend vermehrt, aber beim Drücken mit den Fingern auf die Sehne zucken die Thiere und zeigen Schmerz. Im weiteren Verlaufe nehmen die Zufälle an Heftigkeit zu, so dass die Hunde namentlich bei längerer Bewegung stark lahmen und die Geschwulst im Verlaufe der Sehnen, ebenso die ver­mehrte Wärme und der Schmerz einen hohen Grad erreichen. Bisweilen stellt sich auch ein Reizfieber dazu ein.
Die Sehnenentzündung der Gliedmassen hat stets eine Neigung zum chronischen Verlauf und es bilden sich dabei leicht Ausschwitzungen, Verdickungen, selbst knorpelartige Verhärtungen und in seltenen Fällen auch Verknöcherungen. Die Verdickungen erstrecken sich bald nur auf kleine Strecken der Sehnenscheide oder der Sehnen, so dass sie stellenweise oder ganz eine zusammenhängende dicke Masse darstellen; Eiterung und Brand können als Ausgänge dieser Entzündungen, wenn auch selten, sich vorfinden. Wenn die Entzündung längere Zeit hindurch gedauert hat und besonders wenn die eben an­gedeuteten Veränderungen dabei eingetreten sind, verkürzen sich gewöhnlich die Sehnen und das bezeichnete unvollständige Durchtreten im Fessel- oder Kniegelenk, sowie die zu steile Stellung des Fesseis werden dauernd. Man bezeichnet dann das Leiden in Bezug auf die verkürzten Sehnen als Contractur der Sehnen, und in Hinsicht auf. die fehlerhafte Stellung des Fesseis mit dem Namen Sehnenstelzfuss.
Die in Folge dyskrasischer Krankheiten, allgemeiner Blut-verunreinigung entstandene Sehnenentzündung ist schwerer zu beseitigen als die durch mechanische Ursachen erzeugte und führt nicht selten die Verkrüppelung der Hunde durch Ver­kürzung oder Verwachsung herbei.
Die Beurtheilung der Sehnenentzündungen ist abhängig einestheils von dem minderen oder höheren Grade des Uebels, von der Dauer desselben und den etwa schon bemerkbaren organischen Veränderungen der leidenden Theile andererseits von der Handhabung des einzuschlagenden Curverfahrens; je nachdem letzteres geübt wird, ist auch ein mehr oder weniger durchschlagender Frfolg zu erwarten.
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Die Behandlung hat bei solchen Sehnenentzündungen, welche durch mechanische Einwirkungen entstanden und noch frisch sind, einfach antiphlogistisch zu geschehen; man giebt den Thieren Ruhe, macht unausgesetzt Umschläge oder Fuss-bäder von kaltem Wasser, von Bleiwasser (Goulard'schem Wasser), von Eis oder Schnee oder man legt auf den leidenden Theil einen Lehmbrei und hält denselben recht kalt. Bei sehr heftiger Entzündung kann man innerlich kühlende gelind ab­führende Mittel, wie solche schon öfters erwähnt worden sind, verabreichen. Dabei ist mageres Futter durchaus nöthig; die Thiere sollen auf halbe Kost gesetzt werden und keineswegs fette, salzige oder zu nahrhafte Substanzen erhalten, weil solche die Bekämpfung der Entzündung ganz wesentlich erschweren. Ist auf diese Weise in 6 Tagen die Entzündung nicht beseitigt worden, so müssen täglich 2 - 3 Mal an den entzündeten Glied­massen lauwarme Fussbäder von Heusamenbrühe, Camillen-blüthe, Aschenlauge gemacht werden; nach gründlichem Ab­trocknen der Gliedmassen sind flüchtige Einreibungen von Ameisenspiritus, Petroleumäther oder Kampferspiritus täglich einmal anzuwenden. In höheren Graden muss auf die ent­zündete Stelle der Sehne beziehungsweise der Sehnenscheide folgende Receptur Anwendung finden:
Nimm: Rp. Ungt. Mercurial.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10,0 Mercurialsalbenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10 Gr.
Sap. virid.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;100,0 Grüne Schmiersalbe 100 Gr.
M. f.n.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich ein Mal Abends nach dem Baden einzureiben
oder
Rp. Kai. jodat.
1,0
Jod. pur.
2,0
Sap. virid.
40,0
M. f. n.
Nimm:
Jodkaliumnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 Gr.
Reines Jodnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2 Gr.
Grüne Schmierseife 40 Gr.
Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 2 Mal haselnussgross einzureiben.
Da beide Recepturen giftige Bestandtheile enthalten, so verhüte man, dass die Hunde die aufgetragenen Arzneien weg­lecken. Dies wird entweder durch Anlegung eines festver­schlossenen Maulkorbes oder durch Anlegen von Binden, welche mit Theer oder Stinköl bestrichen sind, verhindert. Wird die Entzündung chronisch, oder sind bereits Verdickungen, Ver-
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härtungen, Verwachsungen, Verkürzungen der Sehnen ent­standen, so ist nur entweder die von Zeit zu Zeit wiederholte Anwendung scharfer Salben wie der Cantharidensalbe oder der 50/oigen Kalibichromicumsalbe (d. h. 5 Theile Kali bichromicum mit 100 Theilen Vaselin gemischt) oder selbst die Application von Feuer mittels Glüheisen oder Glühdraht (Platin) in Strichen oder Punkten über die kranken Sehnen noch im Stande Hilfe zu bringen; doch ist bei Anwendung dieser Mittel die grösste Vorsicht nothwendig.
Bei der in Folge von allgemeiner Erkrankung des Körpers entstandenen Sehnenentzündung muss die Anwendung von Kälte in Form von Ueberschlägen etc. unterbleiben und mit zer-theilenden Mitteln wie Althäasalbe, Leinöl, lauwarmen Ueber­schlägen, warmen Breiumschlägen vorgegangen werden. Inner­lich können auch hier, sofern das Thier nicht zu sehr entkräftigt ist, kühlende und gelind abführende Mittel verabreicht werden. Oertlich kann man, wenn die Sehnenentzündung in einem ge­linden Grade besteht, die graue Quecksilbersalbe mit Zusatz von Jodkali (20 Theile Quecksilbersalbe auf 1 Theil Jodkali) anwenden; in hartnäckigen Fällen stets die Canthariden- und Chromsalbe wie vorhin.
Die Entzündung der Beinhaut und der Knochen kommt bei Hunden eben so häufig vor wie jene der Weich­gebilde. Die Veranlassungen hierzu sind dieselben, welche bei den Entzündungen überhaupt als Ursachen beschuldigt werden können, als mechanische Verletzungen jeder Art, welche bis auf die Knochen durch Druck, Erschütterung oder Verwundung einwirken, chemische Substanzen, welche die Beinhaut zer­stören oder auch welche nach dem Verluste der Beinhaut an einer Stelle die Knochensubstanz selbst berühren. Zu diesen, auf die Knochensubstanz schädlich einwirkenden Einflüssen gehören auch ungünstige atmosphäre Verhältnisse, ranzige Fette, faulender Eiter oder scharfe Jauche; ebenso Erkältungen und allgemeine Blutkrankheiten (Dyskrasien). Oft besteht eine besondere Anlage zu Knochenentzündungen, welche angeerbt oder auch erworben sein kann, wie z. B. durch saufe Nahrung oder zu wenig Knochenbestandtheile enthaltendes Futter etc.
Die Entzündung kann entweder blos die Beinhaut oder die Knochensubstanz in verschiedenen Schichten, oder auch
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beide Gebilde zusammen ergreifen; ebenso können an den Ge. lenken die Bänder, die Synovialhaut und die Knorpel, und in den Röhrenknochen die Markhaut mitleiden und oft sind auch die zunächst liegenden anderen Theile, wie Bindegewebe, Sehnen etc., von der Entzündung ergriffen.
Die Symptome dieser Entzündungen in der Beinhaut oder dem Periost und in der Knochensubstanz sind dieselben, welche jede Entzündung überhaupt charakterisiren; dieselben sind: vermehrte Wärme, Röthe, Schwellung und Schmerzgefühl (calor, rubor, tumor und dolor), wozu sich noch Störungen der Funktion gesellen. Die Knochenentzündungen entwickeln sich jedoch weit langsamer als die übrigen Arten von Entzündungen und treten auch, weil die Knochen durch Weichgebilde be­deckt sind, die Erscheinungen der Entzündung in den meisten Eällen, namentlich beim Beginnen des Leidens, nicht recht deutlich hervor, so class es in dieser Zeit schwer wird, das­selbe sicher und richtig zu constatiren. Der andauernde Schmerz ist gewöhnlich das auffallendste Symptom. Man kann deshalb auf das Vorhandensein einer Knochenentzündung schliessen, wenn bei dem Bestehen von vermehrter Wärme die Weichgebilde an der leidenden Stelle wenig oder gar nicht angeschwollen sind, sich über dem Knochen verschieben lassen, und wenn beim Druck auf den letzteren oder an den Gelenken bei Bewegungen der Schmerz deutlich hervortritt. Die Ge­schwulst entwickelt sich, wenn die Knochensubstanz leidet, wegen der Härte derselben nur sehr langsam und wenig und wenn blos die inneren Schichten ergriffen sind, wird sie oft gar nicht bemerkbar; dagegen kann man an nahe unter der Haut liegenden Knochen, wenn die Beinhaut hauptsächlich mit­leidet und wenn schon Krankheitsprodukte vorhanden sind, zu­weilen die Anschwellung des kranken Knochens fühlen. Im weiteren Verlaufe der Knochenentzündungen finden sich solche Anschwellungen nicht blos in der Beinhaut, sondern auch häufig an der Knochensubstanz selbst. Ausser diesen localen Er­scheinungen sieht man in den meisten Fällen auch die Be­wegung des mit Knochenentzündung behafteten Thieres er­schwert, daher bei Entzündungen in den Knochen der Glied­massen die Hunde mehr oder weniger heftig lahmen. Oft be­steht auch Fieber. Ist ein entzündeter Knochen blosliegend, wie z. B. bei Wunden und Geschwüren, so sieht man denselben
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und ebenso die Beinhaut, dunkel geröthet und die letztere durch Exsudate verdickt und mit Gefässen reichlich versehen.
Die Beinhaut- und Knochenentzündungen nehmen in der Regel einen sehr langwierigen Verlauf, welche sehr häufig gar nicht zu beseitigen sind und die Abstellung des Hundes nothig machen. In günstigen Fällen zertheilen sie sich wieder, in weniger günstigen haben sie heftige Ausschwitzung und Bildung neuer Knochensubstanz, in ungünstigen Eiterung, Beinfrass (Caries) und Absterbung (Brand) zur Folge.
Die Zertheilung erfolgt sehr oft in jenen Fällen, wo die Entzündung noch neu ist und nicht in einem zu hohen Grade besteht; dagegen nehmen sehr heftige Knochenentzündungen, insbesondere überall da, wo die erste günstige Zeit zur Zer­theilung nicht benutzt worden ist, oder wo die Beinhaut zer­stört und der Knochen entblösst ist oder wo öfters wiederholte neue Reizungen auf den schon entzündeten Knochen einwirken, gerne einen andern Ausgang. In gleicher Weise sind Knochen­entzündungen, welche mit grossen Quetschungen der Weich­gebilde, mit Zerreissung der Sehnen oder Gelenkbänder, oder mit Brand der Weichgebilde complicirt sind, in den meisten Fällen nur schwer zur Zertheilung zu führen.
Die sogenannten plastischen Ausschwitzungen bei Knochen­entzündungen führen zu Knochenauflagerungen, Knochenaus­wüchsen, Ueberbeinen etc.; dieselben entstehen dadurch, dass die in Folge der Knochenentzündung ausgeschwitzte Flüssig­keit unter oder auf der Beinhaut sich ansammelt, sich verdickt, gallertartig wird und schliesslich in wirkliche Beinsubstanz übergeht, indem in ihr nach und nach immer mehr Knochen-körperchen entstehen und diese sich mit einander vereinigen.
Eiterung entsteht bei Knochenentzündungen weit seltener als die Ausschwitzung und meistentheils findet sie sich nur an blosgelegten und verletzten Knochen.
Der Beinfrass, Caries, auch Knochenfrass genannt, kommt häufig bei beziehungsweise nach solchen Entzündungen vor, wo das Gewebe der Beinhaut oder des Knochens selbst auf mechanische oder chemische Weise zerstört, der Knochen der Luft oder anderen Schädlichkeiten ausgesetzt, oder wo eine krankhafte Ernährung oder Säftebildung zugegen ist. Den Beinfrass erkennt man daran, dass ein Geschwür besteht, in
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welchem man mit der Sonde den Knochen rauh fühlt und wo eine scharfe, stinkende, bräunliche oder schwärzliche Jauche abgesondert wird, welche silberne Gegenstände schwärzlich färbt und in der Regel eine Menge kleiner Körpertheilchen enthält. Der Knochen selbst wird dabei allmählich mehr und mehr aufgelöst und zerstört, was man beim späteren Einführen der Sonde an dem Tieferwerden der rauhen, unebenen, porösen Fläche des Geschwürs erkennt. Nicht selten ist die kranke Stelle des Knochens mit üppiger Granulation bedeckt oder um­geben und oft besteht neben dem Beinfrass zugleich an anderen Punkten des leidenden Knochen Eiterung und gute Granulation. Durch eine verbesserte Thätigkeit in dem Geschwür kann der cariöse Zustand in ein gutartiges eiterndes Geschwür umge­wandelt werden. Hierbei muss aber immer der vom Beinfrass ergriffene Theil des Knochens durch die gute Granulation von dem übrigen Knochen abgestossen und entfernt werden, was als die Abblätterung oder als der Abblätterungsprozess be­zeichnet wird.
Der Brand in den Knochen (Necrosis, Osteogangraena) besteht in dem Absterben eines Knochenstückes oder auch eines ganzen Knochens in Folge aufgehobener Ernährung an den betreffenden Stellen. Dieser Zustand bildet sich in der Weise aus, dass die Beinhaut sich von einem Knochen ganz oder theil-weise lostrennt oder auf andere Art zerstört wird; hernach kann die Beinhaut entweder erhalten und bildungsthätig bleiben, indem solche eine neue Knochenschichte über den abgetrennten und absterbenden Theil des Knochens bildet, so dass derselbe von der neuen Masse, wie von einer Kapsel oder einer Scheide umgeben wird oder es erfolgt die trockene Absterbung eines Knochens namentlich in den schwammigen Knochenenden ohne dass sich eine Scheide über ihn bildet.
Eine eigenthümliche krankhafte Bildung in Folge von Knochenentzündung ist auch der sogenannte Knochen wurm. Derselbe besteht in einer Auftreibung des Knochens mit sehr lockerer, grob poröser Neubildung, in der eine Menge kleiner blasenartiger Höhlen und Löcher bestehen, in welchen Granula­tionen, Eiter und Jauche enthalten sind. Die Oberfläche des aufgetriebenen Knochens ist rauh, selbst mit Spitzen und anderen Auswüchsen versehen und im Innern finden sich ausser den Zellen Fistelgänge und selbst grössere Höhlen; zuweilen ist
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auch an einer oder der anderen Stelle die Substanz knorpel­artig erweicht oder auch von Caries oder Brand ergriffen. Die Behandlung der Knochenentzündungen ist in gleicher Weise wie jene der Entzündungen überhaupt zu vollführen; doch muss hier noch mehr wie bei der Entzündung der Weichgebilde örtlich die Kälte bei Beginn des Leidens fleissig und nach­haltig angewendet werden, wobei auch innerlich durch um­stimmende Mittel auf den Ernährungsprocess des Hundes und somit ableitend auf die äussere Entzündung eingewirkt werden muss. Man giebt demgemäss innerlich abführende Mittel, namentlich Calomel, in der bereits früher angegebenen Receptur, ferner wendet man äusserlich Umschläge, Waschungen oder Fussbäder von eiskaltem Wasser, Schnee oder zerklopftem Eis an. Liegen die entzündeten Knochen nahe unter der Haut, so kann man bei sehr heftiger Entzündung einige Blutegel auf die Haut daselbst ansetzen oder bei fortdauernd sehr heftigen Schmerzen auch in die Beinhaut der leidenden Stelle subcutan einen Einschnitt machen. Dabei muss ruhiges Verhalten und magere Diät beobachtet werden. Mindert sich die Intensität der Entzündung, so kann man Einreibungen von der grauen Quecksilbersalbe täglich 2 — 3 Mal, oder von der Jodsalbe ebenso oft machen. Dauert die Entzündung bei solcher Behandlung über acht Tage fort, so müssen die schärfsten Reizmittel, wie Cantharidensalbe, Salbe von Kali bichromicum und schliesslich das Glüheisen in Anwendung gebracht werden; letzteres wird in Form von Strichen oder zahlreichen Punkten auf die Haut der ganzen Umgebung der entzündeten Stellen applicirt.
Bei dem sogenannten Knochenwurme müssen ausserdem in die Fistelgänge Einspritzungen von Höllensteinlösung (1 : 10) von harzigen Tinkturen oder Terpentinöl gemacht werden.
Die Ueberbeine, welche, wie bereits erwähnt wurde, Folgeerscheinungen von Knochenentzündung sein können, stellen abnorme Hervorragungen auf der Oberfläche eines Knochens dar, welche mit der Beinhaut desselben bedeckt sind. Die­selben kommen an allen Knochen bei Hunden vor und erlangen eine verschiedene Grosse und Form. Durch Druck auf die umgebenden Theile vermögen die Ueberbeine Reizung, Schmerz, Entzündung und in Folge dessen Störung in der Funktion des betreffenden Theiles erzeugen; diese Zufälle sind jedoch ge­wöhnlich in der ersten Zeit des Bestehens eines Ueberbeins
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(während der Entzündung) grosser als nach einiger Dauer des­selben. Obgleich die Ueberbeine an allen Knochen entstehen können, so sind sie doch am Unterkiefer und an den Glied­massen am meisten bemerkbar.
Am Unterkiefer finden sich die Ueberbeine oder Exostosen gewöhnlich am hinteren Rande in der ganzen Gegend der Wurzeln der Schneide- und der letzten Backzähne. Hier sind sie auch am unschädlichsten, da sie keine Störungen erzeugen. Die Behandlung dieser Ueberbeine ist auch sehr einfach, die­selbe kann entweder auf Resorption der ausgeschwitzten Knochenmaterie gerichtet sein oder auch in der operativen Entfernung derselben bestehen. Ersteres geschieht durch recht scharfe Einreibungen von Kalibichromicumsalbe in 50/oigerh Verhältniss zu Vaselin; dieselbe darf jedoch nur einen über den andern Tag eingerieben werden, während dazwischen Fett nachgewiesen werden muss; wenn Krusten oder Grinde auftreten, soll die Einreibung mit Salbe unterbleiben. Die zweite oder operative Behandlungsart des Ueberbeins geschieht in der Weise, dass man dicht am Rande des Kinnbackens die Haut und die Beinhaut rund um das Ueberbein durchschneidet, dann dasselbe mit einer feinen Säge absägt oder man setzt einen scharfen Meissel an und treibt denselben, nachdem die Haut rings um das Ueberbein abpräparirt ist, mit kurzen Schlägen mit einem Hammer durch das Ueberbein hindurch. Sollte die Trennung der Haut, namentlich wenn das Ueberbein nicht gestielt ist, sondern eine breite Basis hat, in grösserem Umfange vorgenommen worden sein, so muss solche mit ein Paar Heften möglichst genau wieder vereinigt werden.
Die Ueberbeine an den GJiedmassen finden sich sehr häufig an der inneren Seite der Schienenbeine, oft bestehen auch zwei Ueberbeine gleichzeitig an einer Gliedmasse. Ihre Form und Grosse ist verschieden , sie sind bald länglich, bald rundlich, knopfförmig, häufig mit einer oder auch mit mehreren Spitzen versehen.
Die Erkennung der Ueberbeine an den Gliedmassen ist, wenn dieselben bereits ausgebildet sind, ziemlich leicht; selbst bei recht kleinen Ueberbeinen kann man deren Vorhandensein durch das Befühlen am besten bemerken; die frisch entstandenen Ueberbeine, welche noch mit Entzündung begleitet sind, ver­anlassen beim Drucke mit den Fingern dem Hunde Schmerz.
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Viele Ueberbeine haben zur Zeit ihrer Entwicklung und in der ersten Zeit ihres Bestehens manche auch in späterer Zeit noch öfters wiederholt Lahmheiten zur Folge.
Die meisten Ueberbeine an den Schienbeinen sind als blosse Schönheitsfehler zu betrachten und bedürfen in Folge dessen keiner weiteren Behandlung; anders verhält es sich mit jenen, welche in unmittelbarer Nähe von Gelenken sich be­finden, wohl gar mit solchen communiciren, in gleicher Weise auch mit jenen nahe den Sehnen liegenden, rauhen, spitzen und noch mit Entzündung begleiteten Ueberbeinen. Dieselben haben stets Lahmheit zur Folge, doch verliert sich auch diese mit der Zeit wieder, vermag aber wiederzukehren, namentlich wenn die Hunde sich an dieselben stossen.
Hinsichtlich der Heilung dieser Ueberbeine steht fest, class frisch entstandene kleine Ueberbeine, namentlich bei jungen Hunden, gänzlich zu beseitigen, alle aber durch geeignete Mittel zu verkleinern sind, und dass die meisten sich mit der Zeit von selbst vermindern.
Die Behandlung der Ueberbeine ist je nach den Verhält­nissen in den einzelnen Fällen eine verschiedene. So lange das entzündliche Stadium noch besteht, wendet man anhaltend kalte Fussbäder oder Umschläge von Wasser oder einen Brei von Lehm und Essig an. Sind die Schmerzen etwas gemindert, dann kann man die Zertheilung der Ueberbeine zu befördern suchen und zwar durch Einreibungen mit grauer Qecksilber-salbe, Jodsalbe, Cantharidensalbe oder der bereits erwähnten Chromsalbe. Man bestreicht die Haut auf dem Ueberbeine, nachdem lange Haare an der betreffenden Stelle vorher abge­schoren sind, mit Quecksilber- oder Jodsalbe täglich 1—2 Mal, mit Canthariden- und Chromsalbe einen über den andern Tag und reibt dazwischen Fett ein und zwar so lange, bis Borken, Krusten oder Grinde entstehen. Das Brenneisen kann auch Anwendung finden, indem man jede Stelle so oft wiederholt in Form von Strichen oder Punkten, je nach der Grosse des Ueber-beines, bis Ausschwitzung an den berührten Stellen entstanden ist. Ist das Ueberbein wenig oder gar nicht schmerzhaft, so kann man auch durch täglich wiederholte Reibungen desselben mit einem harten, aber glatten Körper, wie besonders einem Geldstücke, oder durch festes Autbinden desselben die Zer­theilung des Auswuchses zu befördern suchen.
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Sehr grosse und gestielte Ueberbeine kann man an den Gliedmassen in gleicher Weise wie am Unterkiefer auf operativem Wege entfernen; doch geschieht dies äusserst selten, weil man zuweilen weit üblere Folgen als dort, namentlich verjauchende Eiterung, langwierige oder sich nie mehr verlierende Lahmheit davon sieht; insbesondere ist Letzteres der Fall bei der Ent­fernung jener Ueberbeine, welche mit Sehnen oder Gelenken in inniger Verbindung stehen und bei welchen durch operatives Eingreifen eine Verletzung, Entzündung der Sehnen beziehungs­weise der Gelenke bewirkt werden kann.
Die bei den Hunden am häufigsten auftretenden Er­krankungen der Knochen sind jene in Folge von Knochen­brüchen, weil eben die Hunde vermöge ihrer eigenartigen Lebensweise mehr wie alle andern Hausthiere den Gelegenheits­ursachen hierzu ausgesetzt sind.
Die Knochenbrüche (Fracturen) bestehen in der Trennung des Zusammenhanges eines oder mehrerer Knochen durch plötzliche und übermässige Dehnung oder Erschütterung des Knochengewebes. Die Trennung kann an jeder Stelle des Knochens vollständig durchgehend oder nur an einzelnen La­mellen, in verschiedenen Richtungen, ohne oder mit bedeutenden Neben Verletzungen bestehen, frisch oder veraltet sein. Dem­nach unterscheidet man vollständige und unvollständige Brüche, Ouerbrüche, schiefe Brüche, einfache Brüche, wo der Knochen in zwei Brüche gebrochen ist und Splitterbrüche.
Die Ursachen der Knochenbrüche bestehen in gewalt­samen mechanischen Einwirkungen von Aussen, wie in Stössen oder Schlägen mit harten Gegenständen, im heftigen Gegen­laufen an dieselben, im Niederstürzen, Herabfallen aus beträcht­licher Höhe, Fallen und Ausgleiten etc.
Die Symptome der Knochenbrüche sind verschieden nach der Art der Ursachen, der Dauer, dem Orte und der Art der Brüche. Bald nach der Trennung des Knochens entsteht theils durch die eingewirkte Gewalt, theils durch den heftigen Reiz der rauhen und scharfen Bruchenden, indem sich dieselben durch die Zusammenziehung der um den Knochen liegenden Muskeln verschieben, heftiger Schmerz bei der Bewegung und Lahm­heit. Oft ist eine Wunde gleich mit Entstehung des Bruches verbunden, in anderen Fällen wird dieselbe erst dadurch erzeugt, dass die scharfen Bruchenden die weichen Theile von innen
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durchstechen. Es entsteht bald mehr, bald weniger Geschwulst an der Bruchstelle, theils durch Blutaustritt, theils durch die sich entwickelnde Entzündung, theils plötzlich durch die Ver­schiebung der zerbrochenen Bruchenden über und neben einander.
Die Erkennung der Knochenbrüche ist beim Hunde im Allgemeinen leicht, namentlich an den Gliedmassen, wo die­selben fast ausschliesslieh vorkommen, nur da, wo die hinzu­getretene Geschwulst sehr gross und derb ist und wo mehrere Knochen zur Unterstützung- eines Gliedes neben einander liegen, ferner bei unvollständigen Brüchen, oder wenn der Bruch sehr nahe am Gelenk, oder selbst mit Verenkung verbunden ist, ist die Erkennung der Brüche mit Schwierigkeiten verknüpft.
Die Brüche, namentlich die Beinbrüche, sind durch folgende Punkte charakterisirt:
i. durch die veränderte Gestalt und Lage und Richtung des Gliedes;
2.nbsp; durch die Verkürzung desselben (beide Zustände werden durch die über und neben einander erfolgende Verschiebung der Bruchenden erzeugt);
3.nbsp; durch die ungewöhnliche Beweglichkeit des Gliedes nach mehreren Richtungen und an einer Stelle, wo dieselbe naturgemäss nicht stattfinden sollte;
4.nbsp; durch ein eigenthümliches, bei der Bewegung des Gliedes oder der Bruchenden entstehendes reibendes oder knarrendes Geräusch (Krepitationsgeräusch) an der Bruchstelle welches durch das Aneinanderreihen der rauhen Bruchenden entsteht;
5.nbsp; durch das Gefühl bei der Untersuchung, wo man die scharfen, hervorstehenden Enden oft sehr deutlich, besonders bei oberflächlich liegenden Knochen be­merkt; durch die gestörte oder völlig aufgehobene Verrichtung des Gliedes; die Hunde treten mit dem betreffenden Fusse nicht mehr auf.
Die Heilung der Knochenbrüche wird bewerkstelligt da­durch, dass die Bruchenden sich nach einiger Zeit vermittels einer neu entstandenen Knochensubstanz, welche man die Beinschwiele oder den Callus nennt, mit einander vereinigen und zwar kann diese Vereinigung direkt durch Bildung eines verbindenden Knochengewebes oder erst durch Eiterung und darauffolgende Knochengranulation erfolgen.
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Hinsichtlich der Heilbarkeit bei den Knochenbrüchen der Hunde lässt sich Folg-endes statuiren:
i. Querbrüche heilen verhältnissmässig am schnellsten und besten; schiefe Brüche heilen zwar auch im Allgemeinen leicht, brauchen dazu aber längere Zeit als Querbrüche.
2.nbsp; Einfache Brüche an den Knochen der Brust, nament­lich den Rippen, heilen wegen der grösseren Ruhe und geringeren Muskelthätigkeit leichter als Brüche der Gliedmassen.
3.nbsp; Beinbrüche nahe am Gelenke heilen wegen der schwammigen Knochensubstanz der Gelenkenden und wegen der Beweglichkeit schlecht.
4.nbsp; Einfache Brüche an den Extremitäten ohne üble Zu­fälle sind bei Hunden in der Regel leicht zur Heilung zu bringen; dagegen sind Brüche mit Wunden und Substanzverlust, starker Quetschung, Splitterung, Zerreissung der Blutgefässe stets sehr übel zu heilen und es verlohnt sich in vielen Fällen, sofern der Hund nicht ganz besonders hohen (Zucht-) Werth hat, eine Behandlung überhaupt nicht.
5.nbsp; Brüche heilen in kühler Jahreszeit im Winter und Herbst leichter und rascher als im Sommer.
6.nbsp; In gleicher Weise heilen Brüche stets leichter bei gesunden, kleinen und jungen Hunden als bei herab-
. gekommenen, grossen oder alten Hunden.
7.nbsp; nbsp;Dass endlich frisch entstandene Brüche leichter und regelmässiger zur Heilung kommen als veraltete, bei denen bereits die erste Entzündung und die Callus-bildung vorüber ist, ist selbstverständlich.
Die Behandlung der Knochenbrüche hat in erster Linie die Wiedereinrichtung des Bruches zu bewerkstelligen, d. h. die Bruchenden in ihre normale Lage zu bringen, wenn sie aus derselben verschoben oder verrückt sind, in zweiter Linie dieselben in dieser Lage während der Heilung zu erhalten, den Heilungsprocess selbst zu leiten und dabei etwaige Nach- oder Folgekrankheiten durch geeignete Mittel zu beseitigen.
Da es häufig vorkommt, dass die Hunde sich Knochen­brüche zuziehen, wenn sie entfernt vom Wohnorte oder Wohn­hause des Besitzers sind, so ist für eine entsprechende Trans-
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portiruhg, damit der Zustand nicht noch mehr verschlimmert wird, Sorge zu tragen. Grosse mit Knochenbrüchen behaftete Hunde transportirt man auf einer Schubkarre oder auf einem breiten Brett, kleinere trägt man in einem entsprechend grossen Korbe in die Behausung.
Die Einrichtung des Bruches bewirkt man je nach dem Orte und der Art des Bruches auf verschiedene Weise. An den Gliedmassen bestellt sie darin, dass zuerst durch Aus­dehnung und Gegenausdehnung die contrahirten Muskeln und Sehnen bis zu dem Grade ausgedehnt werden, dass die bisher verschobenen Bruchenden einander gegenüber zu stehen kommen und dass man dann dieselben durch Drücken mit den Händen auf die betreffenden Stellen in ihre richtige Lage und in gegen­seitige und gleichmässige Berührung bringt. Die Ausdehnung und Gegenausdehnung geschieht durch zwei Geholten, welche die Gliedmasse unter- und oberhalb der Gelenke des gebrochenen Knochens entweder mit den blossen Händen oder an umge­bundenen Gurten ergreifen und an denselben in einander ent­gegengesetzter Richtung massig stark und ganz gleichmässig so lange ziehen, bis die Bruchenden sich einander gerade gegen­über befinden. Die Einrichtung der Knochenbrüche ist mit be­deutendem Schmerze verbunden, in Folge dessen benehmen sich die Hunde hierbei und beim Anlegen des Verbandes äusserst unruhig und widersetzlich. Es ist deshalb von Vortheil, wenn man das Gefühl und selbst das Bewusstsein der Thiere für die Dauer dieser Geschäfte vermindert und zwar geschieht dies durch Anwendung von Chloral, Chloroform und Aether bis zur Betäubung. Sind-völlig lose und verschobene Knochensplitter beim Bruche zugegen und besteht keine Wunde, so sucht man sie ordentlich in ihre Lage zurückzudrücken; geht dies nicht und stechen sie in die Weichtheile, so müssen dieselben vor der Einrichtung möglichst entfernt werden, besonders wo eine offene Wunde mit dem Bruche verbunden ist. Die vollkommen gelungene Einrichtung eines Bruches erkennt man bei dem Befühlen der Bruchstelle, sowie auch aus der richtigen, mit dem andern Gliede, beziehungsweise mit der anderen Körper­seite übereinstimmenden Form, Länge und Richtung oder Stellung des verletzten Theiles.
Nach gemachter Einrichtung hängt der glückliche Erfolg hauptsächlich von der unverrückten Erhaltung der eingerichteten
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Knochentheile in ihrer normalen Lage ab. Diesen Zweck sucht man zu erreichen durch einen der Form des Gliedes und der Stärke der Muskeln und Sehnen entsprechenden Verband und durch eine schickliche Lage und Stellung, sowohl des ganzen Thieres, als besonders des verletzten Gliedes. Man hat zu dem Zwecke Schienenverbände, Kleister-, Leim-, Pech- Gyps-bindenverbände, Wasserglasverbände und den sogenannten Gypsguss. Jeder Verband soll das Glied andauernd in der normalen Richtung und Länge erhalten, somit Verschiebungen verhüten, dabei die Thiere nicht mehr als nöthig ist, schmerz­haft belästigen und nicht die Circulation des Blutes in dem Theile unterdrücken. Man wendet bei grossen Hunden in der Regel den Schienen- und Gypsbindenverband an, bei kleinern den Kleister-, Leim- und Pechverband. Man lässt den Verband zwölf bis zwanzig Tage anliegen und bringt den Hund nach dem Anlegen auf ein weiches mit reichlicher Streu versehenes Lager; damit der Verband nicht abgebissen wird, soll er mit Theer oder Carbolöl bestrichen werden. Während der Heilung muss man sorgfältig jede Störung, welche durch Anstossen, Fallen, Niederstürzen etc. herbeigeführt werden könnte, zu ver­hüten suchen.
5. Die Erkrankungen der äusseren Haut und der Haare.
Da die Haut in beständiger Berührung mit der Aussen-welt steht, so sind die Erkrankungen derselben ungemein häufig, umsomehr als die Haut bei allen chronischen Leiden der Ver-dauungs- und der Respirationsorgane, sowie bei vielen In­fektionskrankheiten, wie besonders der Staupe, stets in Mit­leidenschaft gezogen wird. Auch Feistigkeit führt mit der Zeit in Folge der gestörten Blutcirculation öfter zu hartnäckigen Hautausschlägen.
Thiere mit zarter Haut (Pferd, Schaf und Hund) sind den Hautkrankheiten viel häufiger unterworfen als die Pachydermen (Rind und Schwein) aus diesem Grunde auch junge Thiere mehr als alte.
Die bei Hunden am häufigsten vorkommenden Hautkrank­heiten und Hautausschläge sollen nachfolgend erörtert werden.
Die Hyperämie der Haut oder dieHautröthe (Erythem) besteht in vermehrtem Blutzufluss zur Haut, in Folge dessen die Capillaren und kleinen Gefässe erschlaffen
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und sich mit Blut überfüllen; darauf stellt sich eine diffuse, gleichmässige oder eine disseminirte, in Form kleiner Punkte oder Flecke auftretende Röthung der Haut ein. In der Regel verschwindet das Erythem schon nach wenigen Tagen; ist das nicht der Fall, so führt die Hautröthe zu den sogenannten Hautausschlägen, Exanthem mit Knötchenbildungen. In Folge dessen kann Hautverdickung, Abscessbildung, geschwürige Zerstörung der Haut und selbst Brand auftreten.
Das Erythem ist in allen Fällen auf Hautreize zurück­zuführen, wie Verletzungen, Reibung, Insektenstiche, Haut­parasiten, Aetzmittel, wie scharfe Darmexcremente bei Durch­fällen und Ruhr, Einwirkung von Schmutz und Nässe, Hinder­nisse in der Blutcirculation durch Geschwülste; oft ist auch das Erythem Begleiterscheinung einer tiefer sitzenden Ent­zündung.
Gegen die Hautröthe ist die Kälte in allen möglichen Formen anwendbar, als Waschungen mit kaltem Wasser, Kühlen mit Eis, Bleiwasser; in hartnäckigeren Fällen müssen gelind adstringirende und austrocknende Mittel, wie Lösungen von Tannin, Alaun, Zink- und Kupfervitriol angewendet werden.
Hautblutungen erfolgen bei Hunden, theils in Folge verletzter Hautgefässe, wie nach Reibungen, Quetschungen, Gefässzerreissungen bei gehemmter Blutcirculation, theils auch bei unverletzten und erschlafften Gefässwandungen, sofern das Blut zur Zersetzung hinneigt oder einen grossen Reichthum an wässrigen Bestandtheilen und weissen Blutkörperchen be­sitzt wie dies bei septicämischen und infectiösen Krankheiten der Fall ist. Oefters bilden die Blutungen in das Hautgewebe grössere bläulich-rothe oder schwärzliche Flecke oder kleine, runde Flecke (Petechien). Da die Thiere hierbei starkes Juck­gefühl haben, so werden nicht selten die aufgetriebenen Haut­gefässe von den Thieren aufgerieben und selbst aufgebissen.
Die Behandlung hat bei vollblütigen Thieren in Ruhe, knapper Diät, Verabreichung von Abführmitteln, örtlich in kalten Hautabwaschungen zu bestehen. Bei mageren in Folge von Krankheit herabgekommenen Hunden hingegen muss in gegentheiliger Weise verfahren werden, nämlich mit Vorsetzen kräftiger Kost und, weil das Blut wässrig ist, mit innerlicher Verabreichung von das Blut verdichtenden, kräftigenden Medica­menten, wie solche bereits früher erwähnt worden sind.
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Das Hautödem und die Hautwassersucht stellt an den am tiefsten gelegenen Körperstellen (Schenkel, Brust, Unterbauch, Schlauch, Kehlgang) eine teigige Anschwellung dar, welche Fingereindrücke längere Zeit zurückbehält und aus welcher nach gemachten Einschnitten Blutflüssigkeit ab-fliesst. Auf den Einstichstellen sieht man das Bindegewebe sulzig und gallertartig infiltrirt. Weit ausgedehnte Anschwellungen machen den Theil unförmlich, besonders wenn sie zur Ver­dickung der Haut, des Unterhautbindegewebes, Entzündung der Lymphgefässe, der Sehnen geführt haben. Erstreckt sich das Hautödem, das oft schnell wieder zu verschwinden, aber ebenso schnell auch wiederzukehren vermag, auf den ganzen Körper, so ist eine allgemeine Haut- und Bindegewebs-wassersucht vorhanden, bei welcher die Thiere aufgedunsen, scheinbar fett erscheinen, die Schleimhäute eine blasse, wässrige Färbung annehmen, die Bewegungen schwerfällig und matt werden, die Thiere endlich unter allgemeiner Entkräftung und Colliquationen (Durchfall) zu Grunde gehen.
Das Entstehen dieser Krankheiten ist auf organische (an­geborene) Störungen zurückzuführen, wie schlechte Verdauung, träger Blutlauf, Unthätigkeit im Lymphgefässsysteme, schlaffe Organisation und Schwäche nach überstandenen Krankheiten.
Die Behandlung der allgemeinen Hautwassersucht lohnt wegen der Zweifelhaftigkeit des Erfolges beim Hunde nicht der Mühe. Die Hautanschwellung oder das Hautödem wird am einfachsten durch kräftige Ernährung, angemessene Be­wegung der Thiere, medicamentös durch flüchtige Einreibungen wie mit linimentum volatile, d. i. i Theil Salmiakgeist mit 7 Theilen Leinöl gemischt, ferner mit Kampfergeist, Lorbeeröl etc. beseitigt. Auch warme Umwicklungen der Haut, sowie Bäder mit adstringirenden Flüssigkeiten und darauffolgendes Frottiren sind zu empfehlen.
Die chronische Hautentzündung oder die Hart-häutigkeit besteht in Verdickung der Haut, Austrocknung der Hautdrüsen, hartem und festem Anliegen der Haut; an den untern Theilen der Füsse treten hierbei öfters Schwielen, warzige Auswüchse, kailöse Narben auf zwischen denen sich nässende, eiternde Stellen vorfinden und die Haare spärlich sitzen oder ganz ausfallen. Bisweilen ist die Haut auch mit vielen und dicken Epidermisschuppen bedeckt.
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Die Ursachen dieser Hautkrankheit sind einestheils mangel­hafte Fütterung, vernachlässigte Hautpflege anderntheils inner­liche organische Fehler, Verdauungs- und Ernährungsstörungen.
Nur in geringgradigen Fällen verlohnt es sich, die Thiere einer Behandlung zu unterstellen; dieselbe hat neben kräftiger Nahrung (Fleisch, Knochen, Milch) in Säubern und Reinhalten der Haut in Einreibung mit flüchtigen, weingeisthaltigen und fettigen Mitteln zu bestehen.
Das Ausfallen der Haare ist eine bei Hunden sehr häufig auftretende Erscheinung; dasselbe beruht auf einem Schwunde der Haarfollikel und auf einer Pigmenteinlagerung in den oberen Schichten der Lederhaut. Am häufigsten fallen die Haare auf dem Rücken, dem Schwänze, an den Seitentheilen der Schenkel aus. Nicht selten fallen die Haare in Folge von allgemeiner Schwäche, besonders in Folge einer Erschlaffung der Haut und des Halses des Haarbalgs aus, namentlich nach der Reconvalescenz von schweren Krankheiten; ausserdem können alle Umstände, welche die Hautfunctionen beschränken, wie unreine, schmutzige, mit Borken, Schuppen, Bläschen, Un­geziefer und Pilzen besetzte Haut, welch letztere sogar in die Haarzwiebel einwandern und das Haar zerstören, zum Aus­fallen der Haare führen.
Die Behandlung solcher Zustände ist nicht immer von Erfolg begleitet; kahlen Hautstellen ihren Haarwuchs wieder zurückzugeben, ist stets mit Schwierigkeiten verknüpft, unmög­lich ist es, sobald die Haarfollikel mit dem Haarkeime zerstört sind.
Man sucht den Organismus durch kräftige Kost zu festigen und die Hautthätigkeit durch Einreibung spirituöser Mittel und durch Waschungen mit aromatischen oder adstringirenden Flüssigkeiten zu beleben. In dieser Hinsicht ist zu empfehlen eine Lösung von peruvianischem Balsam im Verhältniss von i Theil zu 5 — 10 Theile Spiritus, sehr verdünnte Canthariden-tinktur, sowie die sog. Klettenwurzeltinktur. Bei sonst gesunden Hunden vermögen gelind reizende Mittel den Haarwuchs zu befördern, wovon der Grund in dem vermehrten Blutzufluss zu den Haarbälgen zu suchen ist. Als dergleichen Reizmittel können benutzt werden: Grüne Schmierseife, Seifenspiritus, Senfspiritus, Lorbeeröl und Euphorbiumspiritus.
Gegen Hautparasiten, die das Ausfallen der Haare ver­anlassen, haben besondere Mittel in Anwendung zu kommen.
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Der Rothlauf, Erj^sipelas, ist eine gleichfalls sehr häufig auftretende Hauterkrankung. Derselbe ist dadurch aus­gezeichnet, dass die Haut an begrenzten Stellen des Körpers hochgradig warm, dunkel geröthet erscheint, ihrer ganzen Dicke nach schmerzhaft und geschwellt ist. Oefter ist die Haut in Folge der Schwellung gespannt, wodurch die Röthe einen be­sonderen Glanz erhält, bisweilen wird die diffuse bläuliche Röthe von dunkleren Flecken und Punkten unterbrochen, welche Blutungen in die obere Hautschichte ihren Ursprung verdanken. In Folge dieser blutigen Unterlaufungen ist die Umgebung des Erysipels, namentlich die Lymphdrüsen, geschwollen; dabei haben die Thiere mehr oder weniger hohes Fieber. Der Roth­lauf kann an den verschiedensten Hautstellen vorkommen; die am häufigsten davon befallenen Körperpartieen sind der Kopf, die Schenke], namentlich die unteren Schenkeltheile.
Die Ursachen des Rothlaufes sind äussere und innere Er­kältungen, athmosphäre Einflüsse, ferner können viele Er­krankungen wie Brustfellentzündung, Magenleiden etc. Roth­lauf zur Folge haben. Am häufigsten ist der sogenannte Wund­rothlauf, welcher bei Wunden sich gerne einzustellen pflegt.
Die Behandlung besteht in der Anwendung von anti­septischen, entzündungswidrigen Mitteln wie Carbolsäure, Salicylsäure, Borsäure in Form von 2—40/oigen Lösungen oder dergleichen Salben und Linimenten nebst einem Zusätze von Zink- oder Bleisalbe. Dabei müssen die Thiere warm gehalten und vor Zugluft oder Erkältung geschützt werden.
Der Knötchenausschlag oder das Hautjucken, Pruritus, ist eine bei Hunden sehr häufig vorkommende Haut­erkrankung, welche sich in der Weise äussert, dass die Haut in fortschreitender Weise an ausgebreiteten Stellen mit mehr oder weniger dicht stehenden, sieht- und fühlbaren Knötchen sich bedeckt, auf deren Vorhandensein man durch das Jucken, Reiben oder Beissen in die Haut aufmerksam gemacht wird, ohne dass das Allgemeinbefinden der Hunde wesentlich ver­ändert wäre. Erst das nachhaltige Reiben der Haut führt zu weiteren Hautdegenerationen, sowie zu Störungen in der Er­nährung, selbst zu beschleunigter Blutcirculation und Athmung. Als Hautdegenerationen in Folge heftigen Schauerns sind an­zuführen: Verletzung der Oberhaut, Schorfbildung, blutige Unterlaufungen der Haut, Abscessbildung, eitriger Zerfall der
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Talgdrüsen. In letzteren Fällen kann der Knötchenausschlag mehrere Wochen und selbst Monate zu seiner Heilung bedürfen; ohne Hautdegeneration ist der Knötchenausschlag von keiner Bedeutung.
Man behandelt diese Hautkrankheit mit Waschungen von Kalk- oder Seifenwasser, ferner mit Einreibungen von Carbolöl, d. i. eine Lösung von 3 Theilen reiner Carbolsäure in 100 Theilen Olivenöl, auch kann die Carbolsäure subcutan (0,25—0,30 Carbol­säure auf 30,0 Wasser, jedes Mal 0,007—0,01 Carbolsäure) an­gewendet werden. In hartnäckigen Fällen sind Bepinselungen der entzündeten Stellen mit Höllenstein, Sublimat (1 : i2oSpiritus) angezeigt. Zur Beseitigung des lästigen Juckens können be­ruhigende Mittel wie Morphium etc. innerlich in der gleichen Weise wie gegen den Hustenreiz bei der Staupe angewendet werden. Lauwarme Bäder, schleimige und narkotische Bähungen massigen ebenfalls den Juckreiz. Bei wund geriebenen nässenden und eiternden Hautstellen bewähren sich ausser den genannten Aetzmitteln noch Aloetinktur, Streupulver von rothem Queck-silberpräcipitat, gewöhnliche Holzkohle oder Chinarinde.
In gleicher Weise ist auch das sogenannte Fiecken-fieber, das unter ähnlichen Erscheinungen auftritt, zu be­handeln. Da dasselbe jedoch auf der Einwirkung eines Pilzes beruht und ansteckend ist, so müssen die kranken Hunde von den gesunden getrennt werden, ferner ist auf Reinigung und Desinfektion der Ställe und Utensilien Gewicht zu legen.
Das Nesselfieber oder der Nesselausschlag, Urti­caria, hat gleichfalls mit Pruritus viele Aehnlichkeit; nur sind hier die umschriebenen Anschwellungen auf der Haut statt rundlich, mehr verflacht und breit, man nennt sie Quaddeln. Dieselben können die Grosse eines Hirsekornes bis zu einer Wallnuss haben, fühlen sich hart an und verursachen Jucken und Brennen. Die Krankheit kommt nur im Frühjahr und Sommer vor und verläuft stets gutartig; bedarf keiner Behandlung.
Die Kleienflechte, Pityriasis, sogenannt wegen der Ablagerung kleien- oder mehlartiger Epidermisschüppchen auf der Haut in Folge Wucherung der Epidermiszellen. Diese Wucherung wird hervorgerufen durch einen niederen pflanz­lichen Organismus, einen Pilz, Microsporon furfur, welcher in der Hornschichte der Oberhaut wuchert und wobei er die Zellenlage auseinander drängt und zu vermehrter Absonderung
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bringt. Unreinigkeiten auf der Haut, vernachlässigte Haut­pflege geben den günstigsten Boden für die Entwicklung des Pilzes ab. Einmal vorhanden, stellt der Pilz einen Ansteckungs­stoff dar, der auf andere Thiere überzugehen vermag. Der Ausschlag kommt nur an einzelnen Körperstellen namentlich in der Nähe der Knochen gerne vor und gewinnt selbst nach Wochen und Monaten keine sonderliche Ausbreitung.
Das Entstehen dieser Hautkrankheit wird durch gute Hautpflege und Reinhaltung der Hunde verhindert. Die Krank­heit selbst wird durch Baden mit Lauge oder Seifenwasser, durch Waschungen mit verdünnter Carbolsäure- oder Sublimat­lösung bekämpft.
Die Schuppenflechte, Psoriasis, welche der Kleien­flechte sehr ähnlich ist, nur dass dieselbe nicht ansteckend ist, weil ihr kein Pilz zu Grunde liegt, wird ganz auf die gleiche Weise wie jene verhütet und bekämpft.
Das Eczera oder die Bläschenflechte ist ein in Bläschenbildung auf der Haut beruhender Ausschlag; auf kleinen, begrenzten, hyperämisch gerötheten Hautpartieen brechen viele Bläschen unter Schmerz und Juckreiz hervor, die Haare sträuben sich hier, fallen zum Theile mit der Zeit aus, die Oberfläche überzieht sich mit einem serösen, übel­riechenden Eiter oder mit dünnen Schorfen, welche später ab­trocknen und abfallen, worauf sich die Epidermis abschuppt und regenerirt, so dass die Heilung nach 15—30 Tagen erfolgt sein kann. In dem abgesonderten Eiter sind verschiedenartige Bakterien enthalten. Das Eczem junger Hunde hat seinen Sitz im Gesicht, am Hals, am Bauche, in den Flanken und an den Schenkeln; es verbindet sich zuweilen mit Ohren- und Harn­röhrenkatarrh, sowie mit Augenentzündung. Das Eczem (eczema rubrum), gewöhnlich Fetträude genannt, wie solches mehr bei älteren Hunden vorkommt, beginnt mit erythematösen zusammen-fliessenden, hellrothen Flecken auf den feineren Hautstellen, nach deren Ausbruch 5-6 Tage hindurch Jucken und Fieber vorhanden ist. Hierauf kommen Bläschen zum Vorschein, die sich nach dem Platzen mit kaum bemerkbaren Schorfen be­decken. Durch das Reiben bilden sich kahle Stellen und Excoriationen, nach weiteren 8—16 Tagen trocknet die Epi­dermis ein, die Haut legt sich in Falten, es erscheinen auf ihr Knötchen, nach dem Reiben Pusteln. Das Exanthem geht auf
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grössere Hautdistrikte über, es kann schliesslich den grössten Theil des Körpers einnehmen und Jahre andauern. Im Sommer verschwindet der Ausschlag, um im Winter bei feuchtem Wetter wiederzukehren.
Die Ursachen des Eczems sind verschiedener Art; mechanische oder chemische Reize, welche auf die Haut ein­wirken, veranlassen dasselbe, so z. B. Hitze, vegetabilische oder mineralische Schärfen, Kratzen, Parasiten etc. und zwar um so leichter, je zarter die Haut ist, je mehr dieselbe nach vielem Laufen und Schwitzen, sowie unter dem Einflüsse von Feuchtigkeit und Schmutz aufweicht oder bei beständigem Auf­enthalt in einer ammoniakalischen Stallluft, wie solche bei An­häufung der Excremente erzeugt wird, erschlafft und gereizt wird. Aeltere und fette Hunde leiden häufig an chronischem Eczem, vorzüglich wenn sie mit fetten, salzigen, gewürzten Speisen genährt werden. Junge Hunde in einem Alter bis zu 15 Monaten verfallen öfter während des Verlaufs oder bald nach dem Ueberstehen der Staupe — die exanthematöse Staupe ist ein eczemartiger Ausschlag, hervorgerufen durch das Staupe­gift — in die Bläschenflechte, sie verschwindet aber wieder nach vollendetem Wachsthum. Ein chronisches Eczem bleibt auch bisweilen nach überstandener Räude zurück, weshalb das­selbe vielfach schon mit Räude verwechselt wurde; doch ist bei der Räude, ganz abgesehen von der Anwesenheit der Räudemilben, das Juckgefühl und Reiben, sowie die Borken­bildung viel stärker, sie schreitet schneller auf weitere Distrikte vor als das Eczem, steckt auch schnell andere Thiere an, was bei dem Eczem nicht der Fall ist.
Die Behandlung in richtiger Weise vollführt, ist trotz der Hartnäckigkeit des Leidens in der Regel von Erfolg begleitet. Bei Beginn der Bläschenflechte wendet man gegen den erythe-matösen Hautausschlag und die grössere Schmerzhaftigkeit Aufschläge von kaltem Wasser und Bleiessig, Regendouche täglich 2—3 mal durch 10 — 15 Minuten, lauwarme aromatische oder narkotische Bähungen und Einreibungen von Zink- oder Bleisalbe an. Nach Beseitigung der Entzündung sind die aus­trocknenden, gelindätzenden Substanzen, wie solche bereits früher erwähnt wurden, am Platze; ausserdem leistet auch die Hebrasalbe (bestehend aus Ol. olivar. 150,0, Lithargyri 40,0, coque 1. a. ad ungt. molle; adde ol. Lavendul. 2,5), sowie
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Dyachylonpflaster und Leinöl zu gleichen Theilen gemischt, ferner Carbol- und Borsäurelösung in der bereits früher er­wähnten Zusammensetzung gute Dienste. Auch Waschungen von 6 —io0/oigem Creolin - Liniment, welche 10 —i2mal in je zweitägigen Zwischenräumen wiederholt werden, können mit Erfolg gegen das Eczem angewendet werden. Besonders ist in dieser Hinsicht nachfolgende Receptur zu empfehlen: Rp. Creolinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10,0 Nimm: Creolinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10 Gr.
Ol. Lini.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 100,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Leinölnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 100 Gr.
sive Lanolin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;80,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;oder Wollfett 80 Gr.
M. fl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mische und bezeichne es:
D. S. Täglich 2 — 3 Mal einzureiben.
Ausserdem muss der Fütterung der Thiere ein erhöhtes Augenmerk gewidmet werden; dieselbe muss unterUmständen voll­ständig geändertwerden. Rohes Fleisch, weniger fetteSpeisen und Suppen neben Umstimmung des Organismus durch Abführ­mittel, blutreinigende Eisenpräparate Antimon und Arsenik ent­haltende Mittel, wie solche bei der Behandlung der Staupe angegeben worden sind, sind sehr zu empfehlen und vermögen die Krankheitsdauer ganz wesentlich abzukürzen.
Das grindartige Eczem oder der Grind entwickelt sich ganz auf dieselbe Weise wie das Bläscheneczem, jedoch mit dem Unterschiede, dass statt der Schuppen- und Schorf­bildung sich mehr oder weniger grosse Krusten auf der Haut einstellen, indem eine eiweissartige, syrupdicke Flüssigkeit ab­gesondert wird, welche die Epithelzellen zu einer grindartigen Masse eintrocknet.
Die Ursachen sind die gleichen wie bei dem Bläschen­eczem, gewöhnlich steigern sie sich nur unter dem Einflüsse einer nasskalten Witterung, ungenügender Hautpflege, feuchtem Stallaufenthalte zu hochgradigeren Schädlichkeiten.
Da die Krankheit auf der Einwirkung eines Pilzes beruht, so muss dieselbe durch pilztödtende Mittel bekämpft werden. Dies wird erreicht dadurch, class man die Haut rein hält, putzt, kämmt, striegelt, die Borken und Krusten mittels Oel, Fett, Glycerin erweicht und mit lauwarmem Kamillen- oder Seifen­wasser abbadet, vorsichtig mit der Hand abhebt oder die ver­filzten Haarwülste mit der Scheere wegnimmt, um den Heil­mitteln freien Zutritt zur Haut und den Pilzwucherungen zu verschaffen. Erst nachdem dies geschehen ist, werden auf die
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betreffenden Stellen die als pilztödtend bekannten Mittel wie Carbolsäure am besten in Form von Carbolöl, Sublimat (im Verhältniss von i Theil zu 100 Theilen Spiritus und Wasser), Jodoform, Bleisalbe mit Erfolg angewendet.
Der Erbgrind, Favus, zeigt sich in ähnlicher Weise wie das grindartige Eczem am Kopfe, an dem Grunde der Ohren sowie am Nasenrücken. Derselbe beruht auf der Ein­wirkung eines Pilzes, welcher die Epidermis durchsetzt und sich auf andere Thiere und auf den Menschen überzutragen vermag. Dieser Favuspilz hat auch ein Ausfallen der Haare zur Folge, weil er nach Durchsetzung der Epidermis in den Follikeln und in den Haarscheiden sich festsetzt und dadurch das Haar zerstört wird; auch geringfügige Blutungen der Haut treten auf, die Haut in der Umgebung wird röther, kleine Knötchen treten auf, welche sich schnell mit kreis- oder länglich­runden Grinden bedecken. Der Verlauf des Erbgrindes ist beim Hunde ein sehr langwieriger, kann Jahre lang bestehen; bei Kunsthülfe ist stets Heilung zu erzielen. Bei gutgenährten, kräftigen Hunden vermag er auch von selbst zu heilen.
Die Behandlung soll in der gleichen Weise wie jene des grindartigen Eczeras vollführt werden. Wegen des ansteckenden Charakters müssen die kranken Hunde von den gesunden isolirt werden, die Ställe, Lagerplätze und Utensilien mit verdünnter Carbolsäure oder Sublimatlösung desinficirt werden.
Die kahlmachende und Ringflechte, Herpes ton-surans et circinatus, ist in gleicher Weise wie der Favus-grind durch die Ansiedlung eines Pilzes, des Trichophyton tonsurans, in der Haut bedingt, indem er durch seine Wucherung Reizung und Entzündung, Abschuppung der Epidermis, Bläschen-und Borkenbildung veranlasst. Der Pilz befällt den Kopf, Hals, Rücken, Bauch, die Rippenwandungen und die Schenkel. Auf den von ihm ergriffenen, eng umschriebenen, runden'Hautstellen erscheinen zunächst hyperämisch geröthete oder blaurothe Flecken, auch schilfert sich auf ihnen die Epidermis ab, bald fallen diese Stellen durch Kahlwerden mehr in die Augen, man bemerkt auf ihnen nunmehr Schorfe oder Krusten, öfter ist die kahle Haut nur mit grauweissen Schuppen bedeckt. Durch Jucken verursachtes Reiben und Kratzen nimmt der Ausschlag einen mehr entzündlichen Charakter an.
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Die Ringflechte, welche auch auf andere Thiere wie Rind, Pferd, Ziege, Schweine und Katzen, mit Vorliebe aber auf den Menschen namentlich Kinder übergeht und dort in gleicher Weise verläuft, vermag nach 6-12 Wochen von selbst zu heilen, weil das Haar in dieser Zeit zerstört worden ist und der Boden, aus welchem der Pilz seine Nahrung zieht, sich er­schöpft hat.
Die Behandlung hat in der gleichen Weise und mit den gleichen Mitteln zu geschehen wie bei dem grindartigem Eczem; da aber der Pilz der Ringflechte tief unten in den Schichten der Epidermis sich einnistet, in Folge dessen schwer zu er­reichen ist, so ist der Ausschlag gegen Heilmittel sehr resistent. Die Behandlung kann daher nur dann von Erfolg sein, wenn erst die Borken, Krusten etc. peinlich genau entfernt sind und auf die in solcher W'eise vorbereiteten Hautstellen die parasiten-tödtenden Mittel aufgetragen werden.
Die Räude oder Schabe, Scabies, ist wohl die am häufigsten auftretende Hautkrankheit der Hunde. Dieselbe ent­steht nur durch Ansteckung und zwar kann solche erfolgen durch räudige Jhiere selbst, dann mittelbar durch Dinge, an welchen die Räudemilbe, Sarcoptes et Acarus scabiei, die Ur­sache der Räude haftet, z. B. Räudeborken, Stallwände, Streu, Decken, Kleider oder Hände des Menschen, Gesträuch und Lagerplätze.
Es giebt verschiedene Milbenarten; die bei Hunden am häufigsten vorkommende ist die Sarcorptesmilbe. Mit gewöhn­lichem unbewaffnetem Auge ist solche kaum sichtbar, am leich­testen bei schwacher etwa 50 —75facher Vergrösserung.
Jucken und Reiben der Thiere ist das erste Zeichen, welches von der Thätigkeit der Milbe Zeugniss ablegt; ver­möge ihrer scheerenartigen Fresswerkzeuge und ihrer Raub­taster stechen die Milben die Haut an und bohren sich in ihnen Gänge oder sie leben auf der Haut, wo sie die Epidermis an­nagen. Der Milbenstich bewirkt, so klein er ist, immerhin in der nächsten Umgebung eine wenn auch geringfügige Ent­zündung, beruhend in Hyperämie und Austreten von Flüssig­keiten. Bei Beginn des Räudeausschlages bemerkt man zu­nächst auf dünnbehaarter Haut kleine, rothe Pünktchen und stärkere Blutdurchsaftung des Hautgewebes bei starker Ab-
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schuppung der Epidermis. Die rothen Pünktchen wandeln sich bald in Hautknötchen oder Bläschen um, eine eiweissartige Flüssigkeit ergiesst sich auf die Oberfläche der Haut und trocknet hier zu dünnen, gelben Schorfen ein, welche durch Wiederholung dieser Vorgänge zu dickeren dunkler gefärbten Borken werden. Gleichen Schritt mit ihnen hält das Ausfallen der Haare und die Hautverdickung, weil die Haare durch Trans-sudation in den Haarscheiden gelockert werden. Das Bohren und Laufen der Milben verursacht das lästige Hautjucken. Diese Erscheinungen beschränken sich im Anfange nur auf ganz kleine Hautstellen, erst allmählich verbreiten sich dieselben auf die Umgebung aus.
Die Hunderäude beginnt in der Regel am Kopf, Hals, an der Schulter oder Schweifwurzel, um sich unter der Haut von vorn nach hinten, oder umgekehrt und seitwärts über den ganzen Körper auszudehnen.
Die Fesstellung der Räude ohne mikroscopische Unter­suchung ist nicht immer leicht, da dieselbe, wie bereits er­wähnt, auch mit anderen Hautkrankheiten grosse Aehnlichkeit hat. Den sichersten Aufschluss über das Vorhandensein liefert stets die mikroscopische Untersuchung und ohne Milbe giebt es keine Räude. Doch gehört zu dieser Untersuchung namentlich zum Auffinden der Milben, wenn solche tief in der Epidermis eingenistet sind, besondere Sachkenntniss. Oft ge­lingt es wieder sehr leicht die Milben zu finden z. B. wenn sie in grossen Mengen auf der Haut gehäuft sind und förmliche Knäuel bilden. Man entnimmt den verdächtigen Stellen Haare und Schuppen und legt sie auf schwarzes Papier in die Sonne oder in die Wärme, so kann man die Thierchen mit der Lupe und selbst mit blossem Auge sich bewegen sehen.
Die die Hunderäude bedingende Milbe, Sarcoptes squa-miferus, schuppentragende Grabmilbe, ist charakterisirt durch einen Schildkröten form igen Körper mit stumpf kegelförmigem Kopfe, 8 fünfgliedrige, kurze Beine, die 2 vorderen Paare am Leibesrande, die hintern 2 unter dem Bauche eingelenkt. An den Enden der Füsse finden sich neben scharfen, leinen Krallen beim Männchen am 1., 2. und 4. Fusspaar, beim Weibchen am 1. und 2. Haftscheiben auf ungegliederten Stielen; an den übrigen lange Borsten. Die Haut ist mit feinen Rillen versehen, mit
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Borsten, Haaren und auf dem Rücken mit verschieden ge­stalteten Schuppen und Dornen besetzt. Die Chitinstützen für die Beine des ersten Fusspaares sind verschmolzen. Das Männchen ist stets kleiner. Eier oval. Die Larven besitzen nur 6 Beine.
Sarcoptes sqaamifeius, sclmppentragende Grabmilbe-Weibdien, von der Bauchseite gesehen. Vergrössertmg 1 : 75.
Das Bild der Sarcoptesmilben ist ein sehr charak­teristisches und das einmalige Einprägen genügt, um sie leicht wieder zu erkennen und von anderen Milbenarten zu unter­scheiden.
Da die Milben beim Beginne der Räude nur äusserst spärlich vorkommen und sehr tief sitzen, so führt die Unter­suchung mittels Loupe oder mit dem blossen Auge hier nie zum Ziele. Deshalb empfiehlt es sich in solchen Fällen, wie überhaupt überall da, wo Verdacht auf Räude besteht und bei der ersterwähnten Untersuchung ein negatives Resultat sich ergeben hat, mit einem scharfen Messer die Haut an den stärkst ergriffenen Stellen blutrünstig zu schaben und alles auf dem Messer Bleibende zu untersuchen. Man legt die ergriffene Haut in feine Falten und trägt kleine (i—i,b Ctm.)Iange Stückchen der Epidermis und der oberflächlichen Cutislagen mittels einer gebogenen Scheere oder eines scharfen Messers ab. In den ausgebreiteten, mit Kalilauge behandelten Präparaten findet man leicht (durchschnittlich im 5.-6. Präparate) die Milben, oft in ihren Gängen liegend, am besten bei einer Vergrösserung von 50 — 70.
Die Hunderäude verläuft stets fieberlos und chronisch, es kann Jahre dauern, bis Abzehrung und in Folge Entkräftung, Zehrfieber und der Tod eintritt.
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Eine Selbstüeilung der Räude giebt es nicht; dieselbe kann nur durch die Kunst des Menschen zur Heilung gebracht werden.
Heilmittel für die Räude ist Alles, was die Milbe tödtet. Sobald die Milben beseitigt sind, schwindet auch der Haut­ausschlag. Da die Sarcoptesmilben, wie bereits auseinander­
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esetzt wurde, in ihren Hautgängen schwer zu erreichen sind,
so erweiche man ca. 24 Stunden vor der Anwendung der Räudemittel die Borken mittels fetten, öligen Flüssigkeiten, lauwarmem Seifenwasser, schabe, kratze oder bürste sie ge­hörig ab und reibe nachher die Mittel tüchtig ein.
Als Räudemittel, welche in grosser Menge im Arznei­schatze vorgesehen sind, sind stets diejenigen Mittel zur An­wendung zu empfehlen, welche nach entsprechender Vorbereitung der erkrankten Thiere sicher die Milben tödten, ohne dass die Anwendung Störungen im Allgemeinbefinden der Thiere, Er­krankungen etc. hervorrufen, wie solches bei Arsenik, Queck­silberpräparaten, Petroleum etc. häufig der Fall ist. Auch dürfen die Hunde durch die Anwendung nicht den Geruchsinn verlieren. Da jedoch diese Mittel in den hartnäckigen Fällen kaum zu entbehren sind, so ist bei deren nachhaltiger An­wendung darauf Bedacht zu nehmen, dass sie keine krankhaften Erscheinungen verursachen und wenn dies der Fall ist, sofort ausgesetzt werden müssen.
Bei Hunden ist als bestes und unschädlichstes Mittel der peruvianische Balsam zu empfehlen, welcher entweder nament­lich bei hochgradiger Räude allein oder in mehr oder weniger starker spirituöser Lösung auf die in der angegebenen Weise blosgelegten Stellen aufgetragen wird und zwar täglich ein Mal. Bei stark ausgebreiteter Räude wird jeden Tag nur ein Theil eingestrichen, so dass etwa in 3—4 Tagen das ganze Thier von der Arznei bestrichen ist. In gleicher Weise wie peruvianischer Balsam können auch 2—3'/oige Carbolsäure-lösungen, Sublimatlösungen (1 : 200) in Form von Salben oder Linimenten oder wässrigen Lösungen als Waschungen mit Er­folg angewendet werden. Selbst Bäder, die Carbolsäure, grüne Kaliseife und_Tabaksabkochung enthalten, leisten namentlich in inveterirten Fällen vorzügliche Dienste. Nach dem Baden, das öfters widerholt wird, etwa 4—5 mal in Zwischenräumen von 3—6 Tagen können noch dazwischen Räudemilben tödtende
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Mittel in Form von Salben angewendet werden, wie z. B. Blei­salbe, Zinksalbe, Carbolsalbe. Bei der Behandlung ist auch darauf Bedacht zu nehmen, dass der Hund nicht während der Cur sich von Neuem wieder inficirt, z. B. dureh Decken, Stall­utensilien, welche zu dem Zwecke mit Lauge und Kalk zu reinigen sind, sowie ferner durch Wärter oder andere mit Räude behafteten Thiere.
In neuerer Zeit hat man auch ein aus Tabak hergestelltes chemisches Präparat, welches in Wasser gelöst wird, Nicotina genannt, mit Erfolg gegen die Hunderäude angewendet.
Die Nicotina enthält alle diejenigen Bestandtheile des Tabaks, welche bei der Tilgung thierischer Haut-Schmarotzer in Betracht kommen. Man wendet dieselbe an in Form von Bädern (3 Liter Nicotina auf 200 Liter Wasser) oder in Form von Linimenten, jedesmal aber nach entsprechender Zubereitung der Haut, so dass das Mittel freien Zutritt zu den Milben findet.
Ein probates Mittel gegen die Hunderäude, wie die meisten Hautausschläge der Hunde, ist auch Styrax in Verbindung mit Spiritus vin. und Ol. Petrae; man wendet am besten eine Mischung von 3 Theilen Styrax liquid. 01. Petrae italic, und Spirit, vin. je 2 Theilen in der Weise an, dass dieselbe, nach­dem am Abend mit grüner Schmierseife die betreffenden Haut­stellen eingerieben und am nächsten Morgen dann mit lau­warmem Wasser gewaschen worden sind, kräftig eingerieben wird und nach Umfluss von drei Tagen Waschung und Ein­reibung ein zweites Mal und wenn, was übrigens selten der Fall ist, nach weiteren drei Tagen noch ein drittes Mal geübt wird.
Sehr gerühmt wird auch der Erfolg bei Behandlung der Räude mit Creolin. Dasselbe kann in Form von Waschungen angewendet werden; man benutzt hiezu eine Mischung von 2 bis 4 Theilen Creolin zu 100 Theilen Wasser. Die Waschungen müssen alle 2 Tage hindurch solange geübt werden, bis die Hunde völlig rein sind. Vortheilhafter ist die Anwendung des Creolins in Form von Linimenten und zwar am besten in nach­folgender Zusammensetzung: Creolin 1 Theil, Sap. virid. 2Theile und Spirit, vin. soviel als nöthig ist zu einem Liniment. Hiermit wird successive am Körper stellenweise eingerieben, so dass nach etwa 3 Tagen der ganze Hund damit eingerieben ist; am vierten Tage wird dann der ganze Körper mit lauwarmem Seifenwasser abgewaschen und auf die gleiche Weise wird er
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mit dem Creolinliniment eingerieben. Nach einer 3—4maligen Einreibung ist je nach der Intensität des Ausschlages ein be­friedigender Erfolg zu erzielen.
Der Haarsackmilbenausschlag, welcher auf der An­siedelung der Haarsackmilbe, Acarus folliculorum beruht, indem fragliche Milbe in den Haarfollikeln, den Talg- und Schweiss-drüsen sich einnistet, kommt gleichfalls sehr häufig bei Hunden vor. Diese Milbe gehört zur Familie der Balgmilben. Der Sitz des Ausschlages ist sehr verschieden; entweder lokal um die Augenlider herum, im Gesicht oder an verschiedenen be­grenzten Stellen des Körpers oder allgemein und dann am Kopf mit Ausnahme der Ohren, am Hals, Unterbauch, an der Innenfläche der Schenkel, schliesslich die gesammte Oberfläche ergreifend. Die Symptome sind je nach der Empfindlichkeit der Haut verschieden. Juckgefühl besteht stets. Oft ein ein­faches Ausgehen der Haare besonders an den Augen und zwar ungleichmässig, so dass der Haarwuchs blos dünner erscheint; eine Entzündung, ein Ausschlag der Haut kann unter Umständen ganz fehlen und so leben auch die Hunde jahrelang mit dem Parasiten. In der Mehrzahl der Fälle entstehen jedoch kleine Eiterbläschen, welche an Grosse zunehmen, in der Tiefe sitzen und von oft bläulich gerötheter, glänzender Haut überzogen werden. Bei ihrer Eröffnung entquillt ein blutiger Eiter. Mit zunehmender Ausbreitung entsteht allgemeine Kahlheit, Faltig­werden der Haut und Auftreten von Geschwüren.
Die Nachweisung dieser Milben kann nur durch das Mikroscop, am besten mit 25ofacher, wiewohl auch schon mit 50 —7ofacher Vergrösserung geschehen. Sind Pusteln bei diesem Ausschlage vorhanden, so entleert man den Inhalt durch Druck mit den Fingernägeln, oder Anstechen mit dem Messer, bringt ihn ohne oder mit Zusatz von Wasser auf den Object-träger, bringt darauf das Deckgläschen und untersucht in der angegebenen Vergrösserung. Sind Pusteln nicht vorhanden, so führt man über die kahl gewordenen Hautstellen ein Messer mit dem Rücken stark aufdrückend und schabend hinweg und untersucht die auf dem Messer sitzenbleibenden Massen; nur ausnahmsweise muss man stärker aufdrückend bis zum Blut­rünstigwerden kratzen.
Die Haarsackmilbe ist durch ihre stummeiförmigen Füsse so charakteristisch, dass man sie sehr leicht im ersten mikro-
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scopischen Präparat findet, obgleich Haarsplitter zuweilen ihre lauggestreckte Form nachtäuschen. Sie hat einen wurmförmigen Körper, dessen Kopfende stumpf, dessen hinteres Ende all­mählich zugespitzt erscheint. Am Kopfe 2 seitliche, zweigliedrige Taster, ein röhriger Rüssel und ein dreieckiges Kauorgan. 4 Fuss-paare am vordem Körperdrittel, jedes dreigliedrig, kurz kegel­förmig, am letzten Gliedc mit 2 Krallen. Hinterleib am Rande gezähnelt, verschieden lang. Eier wetzsteinförmig, Larven anfangs sechsbeinig mit kurzem Hinterleibe.
Acarus folliculorum, Haarsackmilbe: a) Vergrösserung von 1:200, b) 1 : 75, c) Eier in verschiedenen Entwieklungsstadien.
Der Haarsackmilbenausschlag ist in der Regel nur in den Anfangsstadien heilbar, aber auch nach der scheinbaren Heilung-steilen sich wieder Rückfälle ein. Immer erfordert die Heilung-Ausdauer und Gründlichkeit, indem der Milbe ihres versteckten Sitzes wegen schwer beizukommen ist. Die Mittel, die ange­wendet werden, sind ganz die gleichen, wie bei der Sarcoptes-räude; nur müssen dieselben längere Zeit hindurch angewendet werden; immer aber sind die Mittel sorgfältig einzureiben, nachdem die Pusteln gründlich ausgedrückt sind. Scheeren der Haare, vorheriges Baden und Waschen mit grüner Schmier­seife ist von Vortheil für die Applikation der Arzneien.
Zur Verhütung der Ansteckung sind auch hier die kranken Thiere zu isoliren, die Lagerplätze etc. zu reinigen.
Hautungeziefer aller Art, wie Läuse, Flöhe, Wanzen, Czecken, Holzböcke, Filzläuse etc., wie solches auf der Haut
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und in den Haaren der Hunde vorzukommen pflegt, wird am einfachsten durch eine sorgfältige Haut- und Haarpflege, durch öfteres Baden und Waschen der Thiere mit Kaliseife, dann durch Einreibungen von einem Liniment, das aus Benzin und Leinöl zu gleichen Theilen oder im Verhältniss von i : 2 be­steht, sowie durch die verschiedenen Insektenpulver ferngehalten und vertrieben. Auch Brockmanns' Parasitentinctur, sowie Waschungen mit 2—sprocentiger Creolinlösung sind zur Ver­treibung von Hautungeziefer bei Hunden ganz vorzüglich geeignet.
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VI. Die Vorbeuge gegen die Staupe.
Der unumstössliche Grundsatz, dass Krankheit verhüten leichter ist, als Krankheiten zu heilen, kommt auch in Bezug auf die Staupe der Hunde zu seiner Geltung.
Es ist als feststehende Thatsache zu betrachten, dass die Hundestaupe in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle im jugendlichen Alter der Thiere bald nach dem Abgewöhnen von der Muttermilch entsteht und in dieser Periode auch ihre meisten Opfer fordert, ferner dass Erkrankungen bei mehr vor­geschrittenen Jahren zu den Seltenheiten gehören, oder in der Regel dann leichter zu bekämpfen sind.
In gleicher Weise hat sich aus der Darstellung ergeben, dass die Staupe das Produkt eines Infectionsstofifes, eines niederen pflanzlichen Organismus von ganz spezifischen Eigen­schaften, die aus ihren Wirkungen erkannt werden, ist, welcher in den Thierkörper, sei es mit der Nahrung und dem Getränke, sei es mit der Atmosphäre durch die Athmung eindringt und sich dort weiterzuverbreiten bestrebt ist.
Die Prophylaxe, dass die Staupe verhütet wird, hat dem­nach in erster Linie darin zu bestehen, zu verhüten, dass der Infectionsstoff in den Organismus gelangt, in zweiter Linie, da die Verhinderung in allen Verhältnissen wie allge­mein verbreiteten (atmosphären, miasmatischen wie contagiösen) Schädlichkeiten nicht möglich ist, dafür zu sorgen, beziehungs­weise den Organismus des Thieres derartig zu kräftigen und in Stand zu setzen, dass er dem Eindringen des Giftstoffes ein widerstandsfähiger Boden ist, auf dem er sich nicht zu ver­mehren und zu verbreiten vermag.
Das erstere Verfahren, die Eindringung des Krankheits­giftes zu verhüten, muss zunächst in allen jenen Fällen beobachtet werden, wo Hunde bereits an der Staupe erkrankt sind, daher für gesunde Hunde die Gefahr zur Ansteckung gegeben ist.
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Es müssen unter solchen Verhältnissen sowohl wegen der Ge­legenheit der Ansteckung als wegen der Tenacität des Staupe­giftes die gesunden Hunde von den staupekranken vollständig getrennt werden, Excremente, Streumaterial der erkrankten Hunde müssen sorgfältig bei Seite geschafft und an Orte ver­bracht werden, wo dieselben von anderen Hunden nicht leicht aufgesucht werden, Geräthschaften, Futtertröge, Trinkgefässe, Decken, Maulkörbe, Halsbänder etc., welche von staupekranken Hunden benutzt wurden, müssen vor ihrer Verwendung für gesunde Hunde mit der peinlichsten Sorgfalt gereinigt und mit kochender Aschenlauge, Kalkwasser, verdünnter roher Carbol-säure gründlich desinficirt werden; in gleicher Weise sollen Ställe, Standorte, am besten durch Ausräucherungen mit Chlor­kalk und Salzsäure oder mit schweflicher Säure gereinigt werden.
Fernerhin gehört es sich, dass staupekranke Hunde ihre eigenen Geräthschaften für die Dauer der Krankheit haben sollen und dass von solchen Hunden verschmähtes (möglicher Weise begeifertes, belecktes) Futter und Getränke gesunden Hunden nicht vorgesetzt wird.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
Für Hunde soll ferner vermieden werden alles verdorbene Futter, wie schimmliches, dumpfiges, multriges, vermodertes und fauliges Futter, namentlich versauerte, ranzige und durch Zersetzung giftige Futterstoffe, Lake, wie Salz- oder Härings-!ake, verdorbene Pökelbrühe. Ist aus ökonomischen Gründen die Verwendung dieser Futterstoffe lür Hunde nicht gänzlich zu umgehen, so sollen solche nur mit der grössten Vorsicht mit . anderem guten Futter vermischt nur in ganz kleinen Quantitäten oder nachdem auf thermischen oder chemischen Wegen wie durch Rösten, Kochen etc. die schädlichen Eigen­schaften beseitigt worden sind, verfüttert werden. Alle diese genannten Futterarten sind in Folge Fennentwirkung durch Auftreten von Pilzkeimen zersetzt; die Zersetzungsprodukte vermögen dann je nach ihrer Intensität und der Constitution des Organismus in den Thierkörper einzudringen und ihre schäd­lichen Wirkungen durch Sprossung, Vermehrung und deren Folgen zu äussern. Futter, welches von nachgewiesen sehr giftiger Beschaffenheit ist, soll daher unter allen Umständen für Hunde (namentlich junge Hunde) ausgeschlossen werden.
In gleicher Weise, wie mit dem Futter, verhält es sich auch mit dem Getränke. Wasser, das aus Pumpbrunnen oder
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Cysternen stammt, welche sich in unmittelbarer Nähe von Dunggruben, Jauchebehältern oder Abtritten befinden, aus welchen dann die organischen Zersetzungs- und Fäulnissstoffe dem Wasser sich durch allmähliche Einsickerung mittheilen können, soll nie zur Tränke für Hunde verwendet werden. Auch soll man verhüten, dass Hunde aus Mistpfützen oder sonst verunreinigtem Wasser saufen; namentlich kann in dieser Hinsicht gefährlich wirken Wasser von Sümpfen und Miasmen, sogenannten Faulstellen, in welchen organische Stoffe verwest sind und aus welchen die Hunde, namentlich die Schaf- und Hirtenhunde bei der Sommerhitze ihren quälenden Durst zu stillen pflegen.
Alle diese Verhältnisse, die gewöhnlich deswegen nicht beachtet werden, weil man an eine Erkrankung in Folge dieser Schädlichkeiten nicht glaubt und zwar aus dem Grunde, weil die Staupe unter solchen Umständen nie sogleich, sondern erst allmählich nach Monaten auftritt, bis die von Aussen in den Thierkörper eingedrungenen Schädlichkeiten sich zu einem Contagium, einem wirklichen thierischen Gifte entwickelt und in dem Grade im Organismus verbreitet haben, dass ihre Wirkung offenbar wird; in vielen Fällen kann auch die Giitig-keit der als Krankheitserreger geltenden Schädlichkeiten viel­leicht sogar zufälliger Weise durch entsprechende Nahrung (Salze, Würzen, Säuren) abgeschwächt oder gar aufgehoben worden sein, so dass die Thiere dann gar nicht oder in kaum merklichem Grade erkranken.
Da man den Hund nicht wie die andern nutzbaren Haus­siere Pferd, Rind etc. in steter Gewalt uud Aufsicht haben kann, vermöge seiner zum körperlichen Gedeihen nothwendigen, mehr freieren und ungebundeneren Lebensweise, welche der Hund naturgemässer Weise verlangt — man denke nur an die Periode des Läufigwerdens etc. und welche Gefahren man der Nichtbefriedigung des Geschlechtstriebes zuschreibt —, so ist es nicht immer leicht und möglich, den Hund in dieser Hin­sicht vor Aufnahme des die Staupe erzeugenden Infections-stoffes zu schützen, wiewohl diese Art Schutz, sofern sie mit Sicherheit gehandhabt werden kann, die meiste Garantie dafür, dass die Staupe hintangehalten wird, zu bieten vermag.
Anders verhält es sich mit der zweiten Art der Prophylaxe, d. i. jener Art, die den thierischen Organismus von Natur aus
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dazu befähigen soll, dem Staupegifte Widerstand zu leisten, beziehungsweise sich desselben, sobald es den Organismus ergriffen hat, vermöge seiner Constitutionskraft, wieder zu ent­ledigen, ohne dass das Thier im Kampfe um das Dasein dabei zu Grunde geht.
Diese Form der Prophylaxe begreift nichts anderes in sich als eine möglichst naturgemässe und rationelle, genau den Regeln der Gesundheitspflege entsprechende Haltung und Auf­zucht des Hundes, namentlich in Bezug auf jene Lebensperioden, in welcher schon physiologisch die Widerstandskraft und Seuchen­festigkeit eine geringere ist. Jeder lebende Thierkörper besitzt nämlich von Natur aus durch seine Organe und deren Thätig-keit das Vermögen, sich gegen die Einwirkungen der äusseren Einflüsse bis zu einem gewissen Grade zu erhalten, er besitzt einen gewissen Grad von Widerstandskraft gegen Krankheiten, d. h. er vermag sich gegen dieselben in gewisser Hinsicht zu schützen, und dieselben unter Umständen zu überstehen.
Diese Widerstandskraft gegen Krankheiten, die man gemeinhin auch als Naturheilung bezeichnen kann, wird eine um so grössere sein, je kräftiger entwickelt, je abgehärteter, je wüchsigerer Rasse und gesunder von Natur aus der Hund ist und umgekehrt, desto geringer, je schwächlicher das Thier ist. So ist bekannt, dass z. B. das Auftreten der Rinder­pest, der gefährlichsten aller Thierseuchen, welche in den Steppen Südrusslands, sowie in Ungarn sozusagen einheimisch ist, bei unserer eingebürgerten Viehrasse, abgesehen davon, dass nach den gesetzlichen Bestimmungen deren Umsich­greifen sofort energisch vorgebeugt würde, einen Verlust von 90—95 0/o des Viehbestandes zur Folge hat, während die An­steckungsgefahr bei dem mehr abgehärteten, rauhen und an die Schädlichkeiten eher gewöhnten und naturgemäss gehaltenen Steppenvieh eine weit geringere ist und der Verlust bei dem­selben oft kaum 30 0/u, ja sogar schon unter 10 0/o betragen hat, was offenbar in der jener Viehrasse eigenen Widerstandskraft gegen die Seuche begründet ist. Genau diese Verhältnisse treffen auch hinsichtlich des mehr oder weniger gefährlichen Auftretens der Hundestaupe, wenn auch unter anderen Bedingungen, zu.
Der Umstand, dass die Staupe der Hunde fast ausschliesslich im ersten Lebensalter und in der Regel unmittelbr oder bald nach der Abgewöhnung von der Muttermilch eintritt, sowie die
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Erfahrung, dass naturgemäss als Fleischfresser aufgezogene Thiere viel leichter die Krankheit überstehen, als verzärtelte mit vegetabilischen Nahrungsmitteln gefütterte Stubenhunde, ißt für jeden Hundezüchter ein Fingerzeig dahin, dass die Auf­zucht des jungen Hundes nach der Milchentwöhnung, welche Periode im Leben jeden Thieres einen bedeutungsvollen Ab­schnitt bildet, auf das Sorgfältigste, selbst mit den gewähltesten Nahrungsmitteln bewerkstelligt werden muss, um einen möglichst resistenten, massiven Körperaufbau zu erzielen und ein Abfallen oder Zurückgehen in der körperlichen Entwicklung hintanzuhalten. Es ist für jene Lebensperiode daher nur eine solche Nahrung dem Thiere am zuträglichsten und entsprechendsten, die in ihrer Zusammensetzung dem Gehalte der Muttermilch soviel wie möglich gleichkommt.
Um eine solche Ernährung einschlagen zu können, ist es von Interesse die chemische Zusammensetzung der Muttermilch, insoweit solche in Bezug auf körperliche Entwicklung mrssquot; gebend ist, näher ins Auge zu fassen.
Nach vorgenommenen chemischen Analysen besitzt die Hundemilch im Vergleich zu der Milch der Pflanzenfresser wie zu dem Gehalte der Pflanzen überhaupt eine ganz eigen-thümliche Nahrstoffvertheilung; insbesondere ist in der Milch des Fleischfressers, die ja als solche ein gelöstes Organ vor­stellt und alle Stoffe enthält, aus denen der Körper besteht, der Gehalt an Kalisalzen ein bedeutend höherer im Vergleich zu dem an Natriumsalzen, während bei den Pflanzenfressern, sowie bei der Pflanzenkost überhaupt ein wesentlich anderes Verhältniss besteht.
So kommen auf 1000 Gewichtstheile des Nahrungsmittels in der:
Hundemilchnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5— 6 Kali auf 2—3 Natrium,
Pflanzenfressermilch 9—17 „ „ 1 —10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „
im Roggennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;S-V-6-1 .i ,.0,07-0,45
in den Kartoffeln 20—27 ,, „0,32 — 0,58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
Auf 100 Gewichtstheile Eiweis kommen in der Hundemilchnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,5—1,7 Kali auf 0,66 —0,84 Natrium,
Pflanzenfressermilch 4,4—4,7 „ „ 0,56 —2,80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,,
im Roggennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3,6-4,2 „ „ 0,04 -0,32
in den Erbsennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4,4—4,5 „ ,, 0,058—0,066 „
in den Kartoffelnnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 42 „ „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,60nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
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Bei den Rübenarten namentlich den Kohlrüben ist das Verhältniss fast das Gleiche wie bei den Kartoffeln.
Der hohe Gehalt an Kalisalzen in der Muttermilch, welcher ein Bedürfniss nach Natriumsalzen in den Nahrungsmitteln geltend macht, darf daher nicht noch gesteigert werden durch Darbieten viel Kali enthaltender Nahrung, im Gegentheil muss eher auszugleichen gesucht werden, wenn nicht ein patholo­gischer Zustand sich heranbilden soll oder die Thiere die dar­gebotene Nahrung geradezu verschmähen.
Es muss deshalb z. B. ein junger, von der Muttermilch abzugewöhnender Hund, der, wie es in der Regel der Fall ist, ein ungesalzenes Nahrungsgemisch, bestehend aus entrahmter Kuhmilch, Brod, Kartoffeln oder Rübengemüse, erhält, um das zu seiner Ernährung nöthige Quantum Eiweiss anzusetzen, eine Kalimenge diffundiren lassen, welche jene seiner Normal­nahrung vielleicht um das Zwanzigfache übertrifft.
Bei solcher Nahrung kann man auch häufig beobachten, dass junge Hunde, welchen solch ein Stoff in ihrem Futter nicht in der physiologisch nothwendigen Menge gegeben wird, häufig an harten Gegenständen, namentlich an Kalk nagen und lecken, dass die Thiere oft einen förmlich unlöschbaren Durst haben, weil das Wasser wegen seines fast regelmässigen Koch­salz- und Kalkgehaltes instinktiv gewissermassen als Heilmittel aufgesucht wird, denn ausser dem Bedürfniss nach Natrium­salzen fühlen dieselben auch ein grosses Verlangen nach phos­phorsauren Salzen, da der hohe Gehalt der Hundemilch an phosphorsauren Salzen durch kein Surrogat völlig ersetzt werden kann.
Während die Hundemilch entsprechend der schnellen Ent­wicklung des Jungen in 100 Gewichtstheilen Aschenbestand-theile, 34,44 Kalk und 37,49 Phosphorsäure enthält, hat beispiels­weise in der gleichen Menge die Kuhmilch nur 20,05 Kalk und 24,75 Phosphorsäure.
Die bereits erwähnte Nagesucht junger Hunde, welche nicht zu verwechseln ist mit jener vor dem Zahnwechsel aus dem natürlichen Grunde des Kitzels auftretenden, findet in diesem Unterschiede der Nährwerthe ihre physiologische Erklärung.
Die Hauptsache bei der Fütterung und Aufzucht junger Hunde gipfelt also darin, dass sie — und dies ist besonders beim Uebergange von der Muttermilch zur anderen Nahrung
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zu beherzigen — in ihrem Futter die richtige Menge von Eiweiss, Phosphaten, Natron und Fett bekommen. Die richtige Zusammensetzung in Bezug auf diese erwähnten Nahrbestand-theile findet sich mit allen sonst noch nothwendigen Substanzen in einer für den thierischen Organismus am leichtesten assimilir-baren Form nur im Fleisch, in den Knochen, sowie in der ungerahmten Kuhmilch vor.
Hunde, welche genügend mit Fleisch und Knochen ernährt werden und noch, was sonst es im Hause von Abfällen giebt, erhalten, bekommen, soferne nicht andere Schädlichkeiten ein­wirken, die Staupe wenig oder gar nicht, während Hunde, welche mit vegetabilischer Kost, Brod, Gemüse und Suppe, gefüttert werden, daran mit ziemlicher Sicherheit erkranken, weil der Mangel an Eiweiss, Natron, Phosphaten, gegenüber dem Ueberschusse an Kali dem Körper nicht die Kraft verleiht, um dem Eindringen des Infectionsstoffes Widerstand zu leisten.
Daraus erklärt sich noch, warum z. B. Hühnerhunde, die, um das künftige Anfressen des Wildes zu umgehen, gewöhn­lich nur mit vegetabilischer Nahrung gross gezogen werden, gegenüber den Fleischerhunden ein viel grösseres Sterblich-keitsverhältniss besitzen bei der Staupe und warum Katzen, die hinsichtlich der Nahrungssuche sich weniger an die Haus­regeln kehren, nur sehr selten von der Staupe ergriffen werden.
Es können demnach Fleisch, und zwar rohes sowohl wie gekochtes, namentlich das Kalbfleisch und die Kalbsknochen neben ungerahmter Milch und gutem, frischen, nicht ver­unreinigtem Quellwasser, dem man zeitweise auch einige Tropfen Salz- oder Schwefelsäure, selbst auch geringe Mengen von Kochsalz beisetzen kann, sowie Reinhalten der Ställe und Standorte, in denen Streu (am besten Holzwolle oder Stroh, Decken) nicht gespart werden darf, daher stets durch frisches Material wieder ersetzt werden muss, endlich häufige, jedoch nicht übermässige Bewegung im Freien — für die Gesundheit nachtheilig ist beständiges Liegen im Zimmer, am warmen Ofen — als die vorzüglichsten Mittel zur Verhütung und Be­kämpfung der Staupe empfohlen werden.
Bezüglich der Verabreichung der Milch ist zu bemerken, dass dieselbe nur in gutem, unverdorbenem Zustande gegeben werden und demnach frei sein soll von allen fremdartigen, den jungen Hunden nachtheiligen Beimengungen. Nun ist aber
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bekannt, dass die Milch, die wie das Blut ein gelöstes Organ vorstellt, demnach auch mit Krankheitskeimen aller Art je nach der Constitution des Mutterthieres imprägnirt sein kann, ferner dass überdies die Milch, namentlich bei längerem Stehen, un-zweckmässiger Aufbewahrung, unter Einfluss atmosphärer Ein­flüsse, durch beitretende Verunreinigungen etc. die verschieden­sten Zersetzungen und Veränderungen eingehen kann und dass alle diese Zustände einen mehr oder weniger nachtheiligen Einfluss auf den Organismus der jungen Hunde, namentlich durch Uebertragung von Krankheitskeimen und Infectionsstoflfen bei dem Genüsse ausüben können. Um in dieser Hinsicht die Hunde vor Gefahren zu schützen, ist es das Vortheilhafteste, die Milch nur nach vorheriger Abkochung zu ver­abreichen, weil durch die Siedehitze Infectionsstoffe und Krank­heitserreger zerstört werden; ferner soll die Milch nicht in zu grossen Portionen den Hunden vorgesetzt und das betreffende Milchgefäss nicht zu lange offen bei denselben stehen gelassen werden, weil in Folge dessen auch die abgekochte Milch durch fremdartige Beimischungen zersetzt und verdorben werden kann und sobald der Hund gesättigt erscheint, beziehungsweise keine Lust zum Tränken mehr zeigt, soll auch aus den ange­gebenen Gründen die Milch aus seinem Bereiche genommen werden. Die Nichtbeachtung dieses letzteren Umstandes ist einestheils die Veranlassung zum so häufigen Entstehen der Staupe bei an sich rationell gefütterten Hunden, anderntheils auch der Grund, warum es mit den staupekranken Hunden, für welche der Milchgenuss doch stets nur zu empfehlen ist, trotz aller angewendeten Mittel bei der Behandlung nicht von Statten gehen will und oft auffallender Weise in Fällen, wo man dieses gar nicht erwarten sollte, Verschlimmerung des Zustandes eintritt. Es ist die Regel, dass staupekranke Hunde nicht mit der gewohnten Begierde ihr Futter verzehren und im weiteren Verlaufe fast gar nichts mehr zu sich nehmen; nun bemüht man sich, denselben die ihnen meist noch am ehesten behagende Milchnahrung, so gut es geht, beizubringen. Hierbei kommt es vor, dass die Hunde von der Milch nur ganz geringe Quantitäten nehmen, dass in Folge dessen das Milch­geschirr mit seinem Inhalte längere Zeit, vielleicht Tage lang, im Freien stehen bleibt, durch Koth etc. verunreinigt wird und so in Folge von Pilzbildung die Milch einen ganz gefährlichen
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Charakter annimmt, welcher die Staupe erst recht zum Aus­bruche bringen kann. Letzteres wird dann um so mehr der Fall sein, wenn die Milch von Natur aus schon verdorben, zer­setzt oder gar von einem kranken Thier sein sollte. Es ist daher in allen Fällen bei der Aufzucht gesunder Hunde sowohl wie bei der Behandlung von staupekranken die Gewährung der Milch in reinem, unverdorbenem Zustande, wie solcher nur bei entsprechender Zubereitung wie durch Kochen, Sieden und häufige Erneuerung der Milch in den Geschirren, die nicht von zersetzenden Metallen sein dürfen und peinlichst genau gereinigt werden müssen, Cardinalbedingung.
Zum guten Gedeihen des Hundes gehört ausserdem noch, namentlich bei langhaarigen Thieren eine rationell gehandhabte Pflege der Haut. Die Haut steht als äussere Körperhülle im engsten Verkehre mit den inneren Organen, ist das Absonderungs­organ für die Ausdünstungsstoffe und der Grund und Boden, in dem die Haare eingewurzelt sind und aus welchen sie ihre Nahrung erhalten. Um das Wachsthum derselben zu befördern, das Ungeziefer fern zu halten, sollen die Hunde in öfteren Zwischenräumen gewaschen, gestriegelt, gekämmt und selbst gebürstet werden; Hunde mit langen Haaren sollen im Sommer ganz oder theilweise geschoren werden. Bei warmem Wetter ist von Vortheil, die Hunde jedoch nicht zu lange in fliessendes Wasser zu lassen.
Die Vernachlässigung der Hautpflege hat, wie im vorher­gehenden Kapitel nachgewiesen wurde, die verschiedenartigsten Hautkrankheiten zur Folge; das häufige Auftreten derselben ist auch lediglich dem Umstände zuzuschreiben, dass die Haut­pflege beim Hunde vielfach gar nicht berücksichtigt wird, ja oft gar nicht bekannt ist.
Die als Vorbeugemittel gegen die Staupe dienenden Arznei­pulver, wie Schwefelblumen, Schiesspulver etc., die sehr stark im Gebrauche sind und mit Vorliebe vielleicht auch als förm­liche Geheimmittel angewendet werden, sind vollkommen zu verwerfen. Denn ganz abgesehen davon, dass sie nichts nützen können, vermögen dieselben bei anhaltendem Gebrauche den thierischen Organismus, namentlich dieVerdauung, zu schwächen und selbst krank zu machen. Dass dies nicht häufiger, als man erwarten sollte, der Fall ist, rührt daher, dass die Mittel stets nur in sehr geringer Menge verabreicht werden, in welcher
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sie eine arzneiliche Wirkung überhaupt nicht äussern können, welche nur wie z. B. bei den Schwefelblumen in grösseren und den Thieren glücklicher Weise nicht leicht beizubringenden Quantitäten erreicht werden könnte.
Auch das bekannte Volksmittel, jungen Hunden ein hasel-nussgrosses Knäuel blauer Wolle mit Butter beschmiert, wodurch in der Regel Erbrechen bewirkt wird, oder auch ebenso zu­bereitete, kleingeschnittene Pferdehaare oder Schweinsborsten, zu geben, weil hierdurch oft bei den Hunden belästigende und selbst Krämpfe erregende Eingeweidewürmer entfernt werden, wird in den meisten Fällen nicht zum Ziele führen, wenn gleich­wohl durch den hervorgerufenen Reiz der Infectionsstofif entfernt beziehungsweise dessen Wirkung gemildert werden könnte.
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