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ÜBEK DIE
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BÄC1LLÄRE PSEUDOTUBERKULOSE
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BEI NAGETHIKKEN.
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Dh A. PFEIFFER,
KÖNUil.IOTIKM KliKlS-rilYSIKU.S ZU WIKSIIADEN.
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MIT SECHS MIKEOPHOTOÖRAMMEN.
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LEirZIG
VERLAG VON GEOUG THIEME,
1889.
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c
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1 00/
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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
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Ulli
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III
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2911 070 1
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tBEB DIE
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BACILLÄRE PSEUDOTUBERKÜLOSE
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BE] NAGBTHIEBEN,
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VON
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Dlaquo; A. PFEIFFER,
KiiNlLMcnKM KHKIS-I'llVSKTS ZÜ WIKSMAl'KN.
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MIT SKCIIS MIKEOPIIOTOGEAMMEN.
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.-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632;
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LEIPZIG.
VEULAQ VON GEORG THIEME.
1880.
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V i/o #9632;
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N laquo;
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linu'k von Flsohor amp; Wlttlg in Leipzig,
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INHALTS-VERZE1CHNISS
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Seitlaquo;
1.nbsp; Einleitung ......................nbsp; nbsp; nbsp; 1
2.nbsp; Herkunft des Vorsuehs-Materials..............nbsp; nbsp; nbsp; li
3.nbsp; nbsp;Isollrung und Zliohtung des Bacillus Pseudotuberkulosls sowie Beschreibung seiner biologischen Eigenschaften............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ii
4.nbsp; nbsp;Pnthologlsch-Anatomische Beobachtungen...........nbsp; nbsp; nbsp;2;gt;
5.nbsp; nbsp;Thlerversuche.....................nbsp; nbsp; nbsp;quot;üraquo;
6.nbsp; nbsp;Mikroskopischer Nachweis dos Bacillus der Pseudotuberkulose und seine PHrbung.......................nbsp; nbsp; nbsp;40
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I. Einleitung mul Llteratm*.
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Es sind bekaiiutlioli von C. J. Ebertli in Halle mit clem Nameu Pseudotaberkulose pathologiscli anatomische Verändenuigeu der dvltsigen Organe von Meersoliweinchen mihI Kaninoben beleg! worden, vvelcbe in iiircm makroskopisobeu Anl'trctcn eine iinverkeiui-bare AehnllobkoU mit dem tuberkulöseu ErkraukuugsproKess dieser Organe zeigen. Eutvviokluiig von Knötchen in Milz, Leber, Nieren und Lungen der befallenen Tbiere mit ;\\U'\\ degenerative!] Ver-äudenuigsvorgängeu, wie sic^ bei den Infektionsgeaobwlllsten in der Auswanderung der .Hintzellen zur Bildung von ls.niit(dien, in der Coagulatiousnekrose des ueugebildeten Gewebes, in dem fettig käsigen Zerfall der geronnenen Gewebstheile bekannt sind: Entzündung, markige Sobwelliing, und scbliesslicb VerkJlsung des Lympbdrttsen-apparates, Entzündung, [nfiltration und Arrosion der Lymphfollikel des Darms bilden aucli hier das Programm, naob welchem sich die Krankheil abzuspielen pflegt. Bevor man jedoch mit Hülfe der bakteriologischen üutersuchungsmethoden den wahren Unterschied der einzelnen [nfektionsgesobwülste, (ahgcsolien von der Syphilis) in der Verschiedenheit ihres veranlassenden Mikroorganismus festzustellen in der Lage sieh befand, war es den Beobachtern schon aufgefallen, dass auch die sogenannte l'seudotnherkulose. älmlieh wie Lepra, Kot/, und echte Tuberkulose ihren Lieblingssitz habe und mit Vorliebe von den Organen des Unterleibs ausgehe, erst in zweiter Linie die Lungen befallend, während bei der echten Tuberkulose der Gang der natürlichen Infektion ein umgekehrter ist.
Ich werde im Verlauf der Arbeit noch öfters auf diese l'nähn-lichkeit zurückzukommen haben.
Man hat sich bisher anscheinend wenig mit dieser eigenthiim-lichon Erkrankung der Pseudotuberkulosequot; befasst, trotz-
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dem sic hucliiiitcrcssMiitr Eigeusoliafteu besitzt; wenigstens ist die Literatur sehr epftrlioli, uad soweit loh dieselbe iiberselieu kuuu, liegen als einzige Arbeiten die vonMalassez, Vignal und Eberth vor. Die Abhaudiung der beiden erstgenaunten Forscher, welche im ..Arebives ile Physiologie uormaie et patiiologiquequot; 1883 84 erschien, war mir leider im Original nicht zugftnglioh.
Eberth geht jedoch in seiner Arbeit über Pseudotuberkulose in ..V ire ho \vs Archiv Bd. 100 S. IT) nml Bd. 103 S. 488, sowie i,, [Fortschritte der Medic inquot; Bd. 3 1886 No, 22. so mis-fllhriicb auf die üntersiichmigsresultate Maiassez' und Vigual's ein, dass es mir gelingend erscheint, das dort niedergelegte Material zu
berücksichtigen.
Die Arbeiten dieser Autoren über Tuberkulose zooglöique et baeiilaire stammen aus dem Anfang der achtziger Jahre, kurz nach Kntdeckung des Tuberkulosebaoilius, und gingen von der Impfung eines käsigen Knotens ans der Snbkufis eines an .Meningitis tuberkulosa verstorbenen Kindes auf Meerschweineben aus. In dem käsigen Knoten waren keine Tuberkulosebacillen nachweisbar. Die mit demselben geimpften Meerschweinchen starben viel schneller als erwartet, hei den Vfeiterini|ifungcu häulig schon am fünften Tage. Ks (auden sich nach derAugabe von Maiassez und Vignal in den Organen, resp. den Knötchen in denselben, folgende Bakterieuformen (vgl. Eberth Fortschritte der Med. Bd. 3, S. 719):
1. Längliche Mikrokokken.
gt;. Kurze Ketten aus :i 5 Mikrokokken, die bei sehwacher Ver-grösserung Baoillen gleichen, und theils isolirt, theils in Haufen
liegen. 3. Versollieden lange, Schleifen und Ringe bildende. Kokken-
kellen.
1. Kleine aus einer oder mehreren Ketten zusammengesetzte Zooglöen.
5.nbsp; nbsp;Etwas grössere Zooglöen, deren Kette eine mehr homogene
Masse bilden.
6.nbsp; nbsp; Baoillen, welche einegrosse Aehnliobkeil mit dem Koch'sohen Bacillus haben. Diese letzteren Organismen, welche gelegentlich bei der Tuberkulose ZOOglÖique erseheinen, betrachten die Verfasser als üebergangsfonn zu Zoogiöa. Sie enthalten Kokken (V Verf.) welche etwas grosser sind, als die der Koch'sohen Baoillen, und färben sieb nicht mit den
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FarbflUsslgkeiten, welche raquo;lie Baoilleu der eohteu Tuberkulose tiaglveu,
Aus diesen verworreiicn Angaben einen Seiiluss ciarauf nnielien zu wolleUj was Malassez iimi Vigual eigentliob gesehen baben, scheint mir geradezu uumOglioh. Eberth, welcher laquo;lie [Juvoll-stftudigkelt der Schilderung ebenfalls heiworhebt, meint, dass die beiden Autoren einer Täuschung unterlegen seien, indem sie die dielit gedränjiton, ungleieh gefürbten Bneillenmassen l'iir Hokken-haufen angesehen hätten, derauaoli nur ein Bacillus in ihren Kuötoheu vorgelegen habe.
Heber Kulturversuohe oder Resultate solcher ist iiiohts angegeben.
Ebertlt beschreibt l. o, drei Fälle von Pseudotuberkulose, und zwar einen beim Meerschweinchen, welcher durch Mikrokokken erzeugt sein soll, und zwei auf baciliärer Basis entstandene Fiille, l)ei je einem Meerschweinchen und einem Kaninchen,
Ks ist erforderlich, auf diese Befunde etwas näher einzugehen.
In der eisten Arbeit: ..Zwei Mykosen des Meerschweinchensquot; (Virch. Arch. Bd. 100, S. I ä ff.) tiieilt Ebertli zuerst einen Fall von chronischer, dureb Microkokken erzeugter Eiterung, als einen Beitrag zur Kenntniss der pseudotuberkulösen Erkrankungen des Meerschweinchens mit, bei welchen hauptsächlich in den Organen der liauchhöhle Kniitchen aufgetreten waren, von welchen diejenigen in der Leber in ihrer Mitte nnregelmässige Haufen einer feinkörnigen Substanz zeigten, welche sich nach (Irani ziemlich gut, besser aber mit Methylenblau färbte, und von Eberth als aus feinen Mikrokokken bestellend angesprochen wurde.
In Ausstrichpräparateu von Leber fiirbten sich die Kokken gut mit Methylviolet, desgleichen in Lungensollnitten.
Es gelang nicht mehr, weder in der Milz, noch in den verkästen Drüsen, noch in den käsigen Knoten des Darmes diese Mikroorganismen nachzuweisen.
Audi Versuche, die besprochenen Kokken zu cultiviren und zu Übertragen, waren leider noch nicht so weit vorgerückt, dass Eberth schon jetzt (1885) über positive Resultate hätte berichten können, auch über später etwa erlangte Kulturen konnte von mir Nichts in Erfahrung gebracht werden.
Als zweiten Fall beschreibt Eberth eine bacilläre Nekrose der Leber, bei welcher die Lacillen sämmtlich frei in den Geweben lagen. Auch wo sie in grösserer Menge vorhanden waren, fehlte
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jede Zwisobeusubstanz. Die Grosse der emzelneu [ndividueu war eine sehr weobselnde; nebeu ganz kurzen eifbrmigen Stftboben fanden sidi Iftngere vor, deren Länge dns seobs l)is zebnfaobe ihrer Breite betrug, An dem libide waren alle Stftboben leiobt abgerundet. Sie färbten sich gut mit Methylviolet und naob Gram.
Nicht seilen waren auch fruktifloirende Stäbchen vorbanden, die, entweder eudstilndig oder raittelstftndig, Sporen trugen.
Mit diesen Bacilleu, resp. baoillenbalteuden Leberstttokoben wurden mehrere [mpfversuohe an der Conjunktiva und Flornhaut angestellt, auch kleine Partikeloheu davon in das ünterhautgewebe des Nackens und des Bauches verbracht. l)ies(^ Versuche, welche an Kaninchen vorgenommen wurden, hatten bei der Impfung der Augen ein durchaus negatives Resultat und um die in das Ünterhautgewebe eiugebraohten Stücke bildeten sich Anfangs kleine derbe käsige lieerde, welche aber milder Zeil immer mehr einschrumpften.
Auch in diesem Falle hat Khert h Über eventuelle Kultur his Jetzt (1889) noch kein definitives Ergebniss mitgetbeilt.
Die Beschreibung eines dritten Falles von Pseudo t u b e r k ulos e linden wir ebenfalls in \ irchow's Archiv Bd. 103 S. 488 (1886). Hier theilt Eberth mit, dass er diese bacillftre Pseudotuberkulose bei einem ziemlich abgemagerten Kaiduchen zufällig gefunden habe.
In den Knötcheu der .Mil/., der lieber, des Darms und des Gekröses landen sieh Mikroorganismen vor, meist uuregelmässige eckige Haufen bildend, welche im Allgemeinen den Kindruck von Mikrokokkenhaufen machten. Au günstiger Stelle konnte sich Kherth jedoch davon überzeugen, dass diese scheinbare Kokkenmasse nichts Anderes war. als dicht gelagerte liacillen, welche häufig zu zwei-und mehrgliedrigen Ketten vereinigt waren. Die Eiuzelindividuen reprflsentirten sich als an den Enden abgerundete Stäbchen, ungefähr zweimal so lang als breit, und ungefähr dreimal so breit als Tuber-kulosebacilleu.
Auch ein Vorstadium der Sporeubilduug glaubt Kherth bei diesen Bacilleu bemerkt zu haben.
Gegen Farbstoffe verhielten sieh diese liacillen so, dass weder die Gram'sobe, noch die Tuberkelbacillenfftrbung, ebensowenig auch alkoholische Methylvioletlösung oder wftssrige oder alkoholische Bis-marckbrauulösung ein brauchbares Resultat ergaben.
Alkoholische Methylenblaulösung in Wasser getropft, gab nur verwaschene Bilder.
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Dagegen färbte die sogenannte Löfflev'sohe stark alkaltaohe Methylenblaulösung In der Zeit von (172 Stunden die Organismen
recht gut, wenn midi nicht so schaii wie andere Bakterien.
Knlturversncho fehlen bei diesem Falle vollkommen.
Wir seilen also, dass Ins jetzt unsere! Kenntnisse über raquo;lie Krankheitserreger des pseudotuberkulöseuProoesses,nioht nur hei Kaninchen und Meersohweinobeu, sondern llberbaupt, durchaus liicUenhal'te und ungenaue sind.
Etwas besser kennen wir die pathologisch anatomischen Veränderungen, obgleich auch hier die Seltenheit des .Materials, die his-her mangelnde Kenutniss der biologischen Eigenschaften der oder des Krankheitserregers, namentlich aber das Fehlen von üeber-tragungsversuohen auf andere Thiere, sowie von Impfungen mit dem kultivirten Material es erschwerten, in die Einzelheiten der Überaus interessanten Krankheitsvorgänge einzudringen. Nachstehend werde loh versuchen, zur Kenutniss der pseudotuberkulöseu Prozesse und ihres Erregers einige, wie ich glaube nicht uninteressante Beiträge zu gehen.
Bezüglich des letzteren bin ich der Ansicht, dass es für die lufektiousgeschwülste der Nagethiere, welche wir mit dem Namen der Psoudotuberkulose belegen, nur einen gemeinsamen Erreger, und zwar den von mir isolirten und cultivirleu Bacillus Pseudo-tuberkulosisa gibt, und dass ich die mikroskopischen Befunde von Mikrokokken bei diesen [nfektionsgeschwlllsten so lange als auf Täuschung beruhend ansehen muss, ins ein solcher Mikrokokkus nach den Forderungen der heutigen Untersuchungsmothoden zweifellos als der Erreger einer ähnlichen [nfektionsgeschwulst hinlänglich gekennzeicbnel sein wird. Wer sich mehrfach mit der Färbung meines Bacillus, namentlich in Schnitten, heschäftigl hat, wird mir zugehen müssen, dass die mikroskopische Untersuchung der Gewebe zur Feststellung und Form desselben, in vielen Fällen allein nicht Ausschlag gehend sein darf, da seihst ein nicht ungeübter Beobachter in Zweifel gerathen kann, um welche Form von Bakterien es sich in dem Präparate handle, dass also nur die Kultivirung zur Eilt-scheiduiur der Frage ob Kokkus, ob Bacillus führen kann.
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II. Herkunft des Yersnclis-Materials.
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Am 16. Novembov voi'igeii Jahres erhielt idi duroh gütige Vermittlung des Herrn Dr. Sobmidt-Mttlhelin Material von einem auf der Zeobe Conoordia l)('i Oberhausen wegen ttotZTerdaohts getödteten Pferd, und /war Lunge mit alten Knoten, Milz mit etwas frisoliereu Knoten. Lymphdrüse, und einem 'l'heil der Naseusoheidewand, /.um Zweck der Züchtung des Rotabaolllus, weichen näher zu studiren versohledene Umstände mir vvttnsolieuswerth erscheinen Hessen.
Da das .Material schon mehrere Tage dem Thier entnommen war. so hielt ich es für das beste, nicht erst den Versuch zu machen hiermit direkt Kulturen zu gewinnen, sondern schlug den mir sicherer scheinenden Weg der Tliierimpfimg ein, da ich so uicht riskirte, das Rotzmaterial, welches in hiesiger Gegend so gut wie garnioht zu haben ist, eiuzubllsseu.
Zu diesem Zwecke impfte ich daher am 16. November 1888 zwei grosse Meerschweinchen auf der rechten üuterbauohseite, indem [oh bei dem einen ein kleines Stück eines Lungenknotens, bei dem anderen einen Theil der Lymphdrüse in eine Hauttasche verbrachte, und diese mit der Nath verschloss.
Um Wiederholungen und Weitläufigkeiten zu sparen, bemerke ich hier ein für allemal, dass bei sämmtlichen Impfungen. Züchtungen etc. etc. die hei bakteriologischen Untersuchungen unuingflug-lichen Vorsichtsmassregeln selbstverständlich auf das Strengst!! beobachtet wurden, auch bemerke Ich, dass, wenn ich im Nachstehenden das Wort Reinkultur vormeide, und überall nur einfach von Kulturen spreche, es geschieht, weil hei wissenschaftlichen Ar-beiten jene Sorgfalt vorangesetzl werden muss, welche den Zusatz rein mindestens für überflüssig erscheinen h'isst.
Die von mir am 16. November 1S8S geimpften Thiere starben unerwartet früh, nachdem vorher die Impfstelle sich in ein eiterndes Geschwür verwandelt, und die Leistendrüsen eine deutliche Anschwellung gezeigt hatten.
Der Tod der Thiere erfolgte am 21. und 25. November, also am 8. und lt. Tage nach der Impfung, während Rotz bekanntlich längere Zeit zur Entfaltung seiner tödtenden Eigenschaften bei Meerschweinen bedarf.
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Die Section ergab makroskopisol] das Bild des exquisitesten [mpfrotzes:
Starke Soiiwellung der liiguiualei] Lymphdrüsen, mit Einlagerung von KuOtoheu in iIjis umgebende Bindegewebe; Verdiokung der Netzfalte zwisohen Magen und Milz, welche mit Knötcheu durchsetzt war, deren reichliche Eruption sich auch in der Milz und Leber vorfand.
Ans der Leber wurden Kulturen angelegt uaoh der Methode, die mir bei der Anlage von Tuberkulosebaoillen-Kulturen die besten. Resultate ergeben hatte, und deren Beschreibung weiter nuten folgt.
Entgegen den Angaben Löffler's, wouaoh das Wachsthum der Etotzbacilleu erst am 3.Tage nach der Impfung deutlicb laquo;Is wosser-lielle gelldicli duvelisclieinende Tröpfchen siidi erkennen liisst, (Arbeiten ans dem Kaiserlichen Gesundheitsamt isss Bd. I. S. 149) war auf den von mir geimpften Senimlh'ielien bereits am folgenden Tilge, also nach circa 18'20 Stunden in den bei 37,7deg; C. gehaltenen Kulturen, ein sehr deutliches Wachsthum sichtbar, ebenfalls aus kleinen Tropfen bestehend, welche Jedoch nicht ganz so wasserliell erschienen als die Rotzkulturtröpfchen, sondern schwach opalcseirten.
Präparate aus diesen Kulturtröpfchen, mit fuchsin oder alkalischer Methylenblaulösuug gefärbt, ergaben einen plumpen Bacillus, auf dessen Beschreibung ich in Folgendem zurückkommen werde, welcher mit dem llotzbacillus nur ganz geringe Achnlichkeit hatte. Jedenfalls war es nicht der Löffler'sche Rotzbacillus.
Aber was war es wohl, was in meinen Kulturen gewachsen war?
Gegen eine Verunreinigung bei der Impfung sprach die völlig gleichmässige Beschaffenheit sämmtlioher geimpfter Böhrchen. Eine zufallige Verunreinigung des ursprünglichen Materiales war trotz der Vorsicht, mit der die Impfung ausgeführt worden war, nicht unmöglich, aber nicht sehr wahrscheinlich, da beide Thiere in gleicher Weise erkrankt waren. Stammte das Impfmaterial am Ende gar nicht von einem rotzkranken Thiere her? Dagegen sprach das charakteristische Aussehen der Veränderungen in den von mir zur Impfung benutzten Organe, sowie der im Allgemeinen für Rotz sprechende ganz zuverlässige Sektionsbet'und, welcher mir im Original vorgelegen hat.*)
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*) Sektionsprotokoll, Oborhausou, don 14. Novombor 1888. Pferd Lona. Ä. AcQsserec Befund. ITliegenschiinmel, Stiitu, 7 Jahre ult, Nährznstand gut, Maare glatt, linke Kehlgangdrüse wallnussgross, hart mnl festsitzend, wtlssriger Ausfluss uns den
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Uio letzte Frage Messe sich vielleicht iUicli jetzt noeli dureli
eine aaohträgliolie gvttndliolie Duvohfoi'Bolximg lies ursprüug-liohen Impftnaterials uaob Rotz- oder anderen Baoilleu feststellen, da die Organstüoke (legt; Pferdes sofort uaoli der Impfling behufs Härtung in absoluten Alkohol eingelegt worden waren. Diese Unter-suohungeu ha heu, so sorgfilltig sie vorgenommen wurden, bisher leider nur ein vollkommen negatives Resultat gehabt; es war mir nicht möglich, irgend einen Mikroorganismus in den Oi'ganen des Pferdes nachzuweisen.
Alle Fragen, die ich mir stellte, deren Beantwortung mir in dieser Hinsicht Über den Ursprung, Über die Herkunft des Mikroorganismus Auskunft geben sollten, welcher dem Rotz so täuschend ähnliche pathologische Verflndoruugen bewirkt hatte, waren hierzu nicht im Stande.
Auch die im Verlauf der weiteren Untersuchung vorgenommenen Impfungen zweier Pferde mittelst Organstücken von Meerschweinchen, welche mit den Kulturen des neuen Bacillus geimpfH waren, unter die Haut, oder mittelst intravenöser Injektion einer Aufschwemmung des Bacillus, blieben resultatlos.
Ich musste deshalb darauf verzichten, die directe Herkunfl des Organismus klar zu legen, aber er war da, und hatte so interessante iMgenschaften, class ich nicht umbin konnte ihn einer weiteren Untersuchung zu unterziehen.
Wenn demnach in meiner Arbeit, soweit ich den Ausgang von dem rotzigen Pferdematerial berücksichtige, leider eine Lücke, welche sich vorUtufig nicht ausfllllen lilsst. vorhanden ist, so bat dies gerade
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Xiiscnlorlicni. NaseDschlciinhaut stark gcröthct, An beiden Schultern uffene Druck-geschwillstc, von welchen sich knotige, stmngfömüge Verdickungen über die Schultern ausbreiten. Eiltet stark geschwollen, am rechten Hintorschenkcl uin knotiges, mit Eiter verklebtes Gcschwili', und in der linken Flanke zwei derartige Geschwüre, 15. Innere Besichtigung; Kopfhöhle. I. Gehirn unit seine Häute unverändert, 'i. Nasen-Schleimhaut der Scheidewand linkerseits mit 3 erbsougrossen, rothbraunen, flachen speckigen Geschwliren von der Grosso eines 60-Ffennigst(ickes besetzt. Schleimhaut der Nasenmnscheln und Stimhöhlen vordickt, gelblich gefÄrbl und toth punkürt. In den übrigen Mohleu des Kopfes keine X'eriindeningen. Hrnstliiilil e. ',i. l-migen blassroth in der Mitte der linken, unter verdickter golbgrau gefArbter l'lenni. wallnuss-grosse Knoten mit gallertartigem Inhalt, aussertlem zerstrent kleine gelbe weiche Knötohen unter der Pleura, I. ßrouchlaidrUse vergrössert snlzig. h. Herz normal, liitncli-höhle, 8. Magen, Darmkanal und Leber frei von VerSndernngcn. 8. Milz am breiten Ende braunrothe, blaukohllihnliche Knoten von Haselnnssgrilsse und mehrere kleine erbsengrosse. Diagnose: Kotz.
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liier mil so weuigoi1 zu bedouteu, ills meiuo sptlteren Eli'fabi'uiigeii midi liclclirtcii, diiss dor liacilliis der Pgeudotubei'kulose, um welohöii es sich zweifellos haudelto, auch aussevhalb des thieiÜBohen Körpers seine Mxistenz fortzusetzen vennag, iob deshalb zugeben kann iiud
nuiss, (Inss bei der Impftuxg der ersten .Meerscliwcinehen eine den neuen Bacillus führende Suhstan/, in die [mpfstelle gerathell ist, und der echte Rotz, welclier wohl ursprUngllob in den Pferde-organeu vorhanden war, dein tippigen VVaohsthUHl seines, wie ich glaube nahen Verwandten unterlag, [nimerhiu ist es ein eigonthttm-liclier Zufall, dass ich von /.weilellos echtem Kotz ausgehend, einen Organismus fand, der in vieler Beziehung eine so frappaute Aehn-lichkeil mit dem Rotzbaoillus besitzt, dass ich lauge Zeit ihn niohl besser als mit l'seudu-llolzbacillns bezeiidmen zu können glaubte. Wenn ich jetzt trotzdem hier die von diesem Organismus erzeugte Krankheit nicht l'seudorotz nenne, so geschieht dies, weil sich die Kberth'sche Hezeiclmiing Pseudotuberkuloso, um die es sicli, wie später gezeigt werden wird, doch wohl bei meinen Versuchsthieren handelt, als bequemer Ausdruck für diese Infektionskrankheit bereits allgemein eiuaobürgerl bat.
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Hl.
[solirnng lind Züchtimg des neuen Bacillus, sowie Beschreibung seiner biologischen Eigenschaften.
Bekauntlioh hat Koch in seineu Arbeiten über Tuberkulose zum Beweis, dass ein bestimmter Organismus für das aetiologische Mo-meut der Erkrankung, in deren Begleitung er erscheint, angesehen werden darf, die Forderung aufgestellt, dass es gelingt, denselben aus den erkrankten Orgauen mit Hülfe der bakteriologischen Lfuter-suchungsiuethodeu zu isolireu, zu kultiviren, ihn fortzuzlichten und mit dem durch mehrere Generationen auf dem ktiustlichen Nährboden erhaltenen, und so von allen Beimengungen der ursprünglichen Krankheitsprodukte befreiten Mikroorganismus durch Impfung dieselbe Krankheit wieder zu erzeugen, und aus Produkten derselben den ursprünglich verimpften Spaltpilz wiederum zu isolireu.
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Da diese Forderungen Ihre vollkorameue Berechtigung habeu, raussteu sie tlenmaoh auob in dein Programm, wcichos zur Bearbeitung laquo;les von mir bei den Meersohweinoheu gefundenen Baoillus auf/ustclicu war, cifülit werden.
Als den Ausgangspunkt meiner in Folgendem niedergelegten Untersuchungeu llber den Bacillus der Pseudotuberkulose, betrachte ich jetzt, uaohdem es mir, wie sohon vorstellend ausgeführt wurde, nicht mehr geglüokt war, den Ursprung des gewonneneu [rapftna-terials mit Sicherheit iiaohzinveisen, ein Meerschweinchen, welches von mir am i. Februar d. J. subkutan mit einem Leberknötohen geimpft wurde, das icii der Leiche eines Meerschweines entnahm, welches am 20. Januar d. J. mittelst der dritten Generation meines Bacillus subkutan geimpft, und am 1. Februar mittelst Chloroforms getödtet worden war. Die Sektion dieses Thieres ergab Überall die später genau geschilderten Verftnderungeu, in Organsohnitten befand sieh mein Bacillus in reichlicher Menge vor,
Das am 1. Febniar inlicirle .Meerschwein, welches ich in meiner Versuchsreihe mit No. 1 bezeiohnet habe, verendete am 10. Februar, nachdem es schon bald nach der [mpfung eine induration au der Impfstelle gezeigt halte, welche sich sehr schnell in ein Geschwür mit gewulsteten harten Rftudera verwandelte, unter dessen schwarzem Schorl' ein käsiger bröcklicher Eiter angetroffen wurde. Auob die Leisteudrttsen waren beiderseits als etwa Laselnussgrosse Knoten, schon am sechsten Tage nach der Impfung, dnrchzuluhlen.
Die Sektion dieses Thieres, welche sehr bald nach dem Tode vorgenommen wurde, ergab folgenden Befund:
Weibliches grosses Meerschwein ist stark abgemagert. Die Gelenke der Extremitäten nicht geschwollen, an der Impfstelle das schon (dien beschriebene Geschwür. Die Leistendrüsen als hasel-nussgrosse Knoten durch die Haut der Inguinalgegend leicht dureh-zulühlen.
In der Bauchhöhle helindet sich eine reichliche Menge einer wasserklaren gelhlieh gefärbten Flüssigkeit.
Die Mesenterialdrüsen sind zu einem grossen Packet von einzelnen Drüsenhaufen verschmolzen. Das Gewicht der Gesehwulst ergab später die im Verhältniss zum Organismus gesviss bedeutende Schwere von 10 Gramm.
Das Netz war lebhaft injieirt und in seinen grossen (iefüssver-
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Am Coeoum fandeu sieh unter dor Sörosa zwei linsöngvosse weiss geförbte Kuütclicn.
In der Leber, welclie aiiscIieineiKl durcli Htase etwas vevgl'össert wiir, zeigten sicli zalilveiohe miliiire und suliiniliiire Knötclieii, welche gegeutiber clev dunkelbraunrothen Lebei'substauz fast weiss von Favbe ersclileueu.
In der ziemlioli bedeutend vevgrössei'teii Milz sasseu eine grosso /alii ohensoielior Knötchen, ferner ani untereu Raiicl derselben ein etwa, erbsengrosser weisser, mit einem rothen Getiissuotz iimsäuinter Knoten, dessen luliall sieii später als ein käsiger llrei erwiess, vollkommen älmlicli demjenigen wie man ihn /.. 15. in dem rotzig verkästen iioden eines Meersoliweins findet.
Die Leistendrüsen waren stark, wie sobon angegeben, bis zu Haseluussgrösse, angesobwoileu, das Bindegewebe in der Umgebung der Drüsen mit derselben Flüssigkeit, weiche sich aus der Bauchhöhle entleert hatte, durchtränkt, und mit zahlreichen submiliareu Knötchen, in oft perlsohnurartiger Anordnung (Rotz), durchsetzt. In der Brusthöhle fanden sich makroskopisch keine pathologischen Veränderungen vor.
Die Nasenscheidewand war frei von Geschwüren und Knötchen.
Trotzdem nun der Tod dieses Thieres in Folge; der VerimpfllUg eines Organstüekciieus eingetreten war, dessen Erkrankung wiederum die Folge derVerimpfung einer bereits in dritter Generation befindlichen Kultur meines Bacillus gewesen war, betrachte ich, wie schon gesagt, dieses am II). Februar verendete Thier doch als das erste meiner Versuchsreihe, es rausste deshalb, nach dem oben aufgestellten Programm, aus den Üj-ganen dieses Thieres der Krankheitserreger isolirt werden, in welchem, da es sieh zweifellos um eine Infektionskrankheit handelte, nur ein pathogener Spaltpilz vermuthet werden konnte.
Dem Vorgehen bei der Züchtung der Tuberkulose- und Rotz-baoillen, welche beide nur bei Bruttemperatur wachsen, folgend, begann ich die Kulturversnelio mit Impfling von Organtheilchen auf erstarrtes Blutserum, und zwar benutzte ich dazu Hammelserum, weil auf diesem Nährboden erfahrungsgemäss der Rotzbacillus, mit welchem der neue Bacillus bezüglich der makroskopischen Veränderungen, die er im Thierkörper hervorbringt, eine grosso Aehn-lichkcit bosass, am besten gedeiht.
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Das Vevfahreu bei ineiueu [Cultuvvevsiiohen wav folgendes!
Mittelst eiuev spitzen Pincette entnahm ich ;uis iIlt Leber, und zwar n'oii der Unterseite eines der Lappen, wo also eine Verunreinigung aus der Luft bei der [ih'Oifuung des Tlueres \vlt;dd auszu-seldiesseu war, eines der kleinen KnOtoheu von Hirsegi'Osse, ver-braolite es zwisoheu zwei sterile Objektträger, und Impfte nun mit der durch einen leichten Druck zerquetschteu Masse das schräg-erstarrte llaimnelserum. Die geimpfteu Röhrcheu, '20 an der Zahl, wurden, wie bei Tuberkelbacillen-Kulturen, so verschlossen, dass der ursprüngliche Wattepfropf mich der Impfung soweit in das Reagenzglas biuoiiigeschoben wurde, dass noch ein zweiter Wattepfropf darauf gesetzt werden konnte; dann wurde das Gläschen dort, wo die Watte sitzt, so lange in der Flamme des liunsen-Premiers unter beständigem Umdrehen erhitzt, bis sich die Watte überall bräunte, und naclt dem Erkalten das Röhrohen mit einer Gummikappe verschlossen und in den Thermostaten eingestellt,*)
Schon am nächsten Tage war in allen Röhrcheu ein deutliches Wachsthum sichtbar, nnd zwar waren isolirte, fast wasserhelle Tröpfchen, welche einen leicht opalescirenden Schimmer batten, überall zerstreut auf der schrägen Serumfläche entstanden, soweit das [rapfmaterial ausgestrichen war.
Im Laute der folgenden Tage vergrösserten sich die Tröpfchen, und änderten hierbei allmählich ihr Aussehen derartig, dass mit der zunehmenden Dicke der Kolonie diese an Durchsichtigkeit verlor, und ihre Farbe eine mehr grauweisse wurde. Ein Ineinanderwaolisen der Kolonie auf dem Blutserum habe ich, wenigstens bei directen Organimpfungon nur selten beobachtet; im Gegentheil stand das Wachsthum stille, wenn es eine gewisse Grenze der Umgebung einer benachbarten Kolonie erreicht hatte, indem offenbar in einem bestimmten Umkreis einer jeden Kolonie der Nährboden sich allmählich erschöpfl hatte, und das weitere Appositionsw achsthnni der einzelnen Kolonien, somit auch das Zusammenwachsen derselben unmöglich machte. Nachdem diese Kulturen fünf Tage gewachsen waren, impfte
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*) Üiescr Thormostal (von Dr. Rohrbeck in Berlin) zeigte filob mil', seit jetzt l'iisst zwei Jahren, Überaus ienvcrlftssig.
Seine Schwankungen vollziehen sieh, je nach dem Barometorstancl, bewegen sieh alier immer nur in 'm-'I'lieilen eines Grades, so ilnss bei tamp;gliclicr ointnallger Beobachtung eine annähernd dauernd constanto Temperatur von ;iquot;.quot; quot; (,'. in item ünit-nunn leicht erhalten weiden kann.
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ich von ilmcii wiodcniin cino Anzahl Röhi'ohen mit sohrflg erstarrtem llanimclsonim, und setzte diese UmzUohtung bis zur 5, Generation fort,
Ehe loh die aussohlnggebenden Versuohe der Impfung mit der Kultur vornehmen konnte, benutzte loh die mir während dessen zu Gebote stellende Zeit, um micii über die biologischenEigeusohaften des Mikroorganismus, welcher so ausgedehnte pathologische Veränderungen im Thierkörper hervorzubringen vermag, möglichst eingehend zu informireu, Näohstliegend war, denselben in den Organen des Meerschweins Nr. 1 mikroskopisch nachzuweisen, ein Unternehmen, welches auf nicht geringe Schwierigkeiten stiess, da mein Bacillus ebenso wie der Üotzbacillus die unangenehme Eigenschaft besitzt, bei etwas protrahirtem Verlauf der Erkrankung bis auf wenige einzelne Individuen baldigst aus den Organen zu verschwinden, oder, was bei der erhaltenen Virulenz der Theile dieser näher liegt, sein Aufnahmevermögeu für Anilinfarben, welches überhaupt nur ein beschränktes ist, gänzlich ZU verlieren.
Nichts destoweniger gelang es mir in den Organen, d. Ii, Leber und Milz, Spaltpilze nachzuweisen, welche, die Eigenschaft hatten, die Fiirbeliiissigkeit (Löll'ler'scbe Lösung) entweder nur unvollkoininen anzunehmen, oder bei der Entfärbung und Entwässerung der Schnitte leicht wieder fahren zu lassen.
Ks liel mir schon hier auf, class die Bacillen, denn um solche handelt es sich, grosse Neigung zeigten, in kleinen Gruppen sieh aneinander ZU legen, ein Befund, welcher sich später, nachdem Ich in der Hausmaus ein für die l'seudotuberkulosc weit empfänglicheres Thier als es das Meerschwein ist, gefunden hatte, vollauf bestätigen Hess.
Präparate ans den Kulturen ergaben denselben plumpen Bacillus von sehr wechselnder Länge, gewöhnlich etwa '#9632;'gt; bis 6 mal so lang als breit. Er hat abgerundete Luden.
Aus den Kulturen färbte er sieb zum Unterschied von den Schnitten, leichter und lebhafter mit Fuchsin, besser noch mit alkäischer Methylenblaulösung, während Hismarckbraun nur ganz unvollkommene Resultate ergab.*)
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*) Bemerkt musa Iiut werden, dass man sieh daran /.u gewöhnen luvt, je nach der l'iiiimruöunsnietlicide. der mehr oder weniger starken Härtung der Organe, oder Krhii/.ung der Deokglasprftparate, bei den Bacillen oft betrilohtliobo Unterschiede In der lireite zu linden. Audi der Niihrlioden hat hierauf einen nlclit üu verkennenden
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Die (inuu'sclic Fövbuug iiMlimou die Baoilleu Dicht an.
Mit Methyl- und Geutiouaviolet färbten sie sloh dentIich, Jedoch nicht so gut wie mit Lütl'ler'sciier Lösimgj welche Überall die hosten Resultate gab,
Heber die Fftrbemethode der Sohnittpräparate wird weiter unten
kurz das Nöthige initgetheilt werden.
Es scheint mir gleich hier die Feststellung am Platze zu sein, dass, wie aus den 1. c. von Eherth gemachten Angaben hervorgeht, kaum ein Zweifel darüber bestehen kann, dass Eberth in den Orgauen des von ihm untersuchten Kaninchens dieselben Baoilleu gesehen hat, welche ich bei meinen (Jutersuohuugeu llbor die Pseudo-tuberkulose isolirt, geztlchtet und sohliesslioh mit Erfolg auf verschiedene Thierarten rerimpfl habe. Mit absoluter Sicherheit lässt sich Jedoch aus dem mikroskopischen Befund allein nicht deduoiren, dass der Eberth'sohe und mein Pseudotuberkulose-Bacillus identisch sind, da Kherth gerade bei demjenigen Kauiuchen, bei welchem sein Befund die grösste Aehulichkeit mit dem meiiugen zeigt, keinerlei Versuche unternommen hat. den in den Organen gefundenen Bacillus zu isolireu, und weiter bakteriologisch und experimentell zu behandeln.
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Es lag natürlich in dem Gang meiner weiteren Untersuchungen Über die biologischen Verhältnisse des Pseudotuberkulose-Bacillus, noch möglichst viele andere Nährböden in Betracht zu ziehen, um zu sehen, wie weit derselbe die Fähigkeit besitzt, sich solchen wie es mir Anfangs schien, durchaus unbewohnten Lebensbedingungen anzupassen. Zunächst immer noch von der Idee ausgehend, die Pseudo-Tuber-kulose gedeihe nur bei Blutwärme, wählte ich als nächsten Nährhoden 20/0 Fleisohwasser-Peptoiiagar, auf welchem der Bacillus auch tippig gedieh, und schon am /.weiten Tage ein energisches Waohs-thum erkennen Hess,
Die bei direkten Organimpfungen auf Agar entstehenden Kolonien sind am /.weiten Tage entschieden breiter, auch nicht so durohsiohtig
Kinllnss. Ferner findet mau In Kulturen regolmäasig neben den Badllen der oben angegebenen Qrössc Hut' Menge offenbar junger Formen, welche von Kokken nicht m untersohcldon sind.
Man kann sich durch ilus Plattenverfiihren von der Reinheit der Kultur trete dieser scheinbaren Beimengung anderer Können, die eben nur Wuohaformeri desselben Orgnnismas vorstellen, leicht Überzeugen.
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wie die Aussaat auf Rammolserutn, sondem zoigoii eine ausgesproohoM gvaiiwelsso Farbe.
Uei ümzüolitungei) auf Agar entwickelt sieh längs des linpt-striehes bald ein dppiges Waobsthum, wobei die Kultur sieb langsam seitlich verbreitert, dabei aber auoli dicker und saftiger wird, und spater eine schleimige l'aden/.ieliende Konsistenz erlangt (Rotz).
ilit wenig Hoffnung auf Erfolg versuchte ich auch der Vollständigkeit halber t'mziiclitnngen auf 10% Fleisehwasser-l'epton-gelatine, und war überrascht, als auch auf diesem Nährboden mein Bacillus bei Zimmertemperatur ein recht üppiges Waobsthum zeigte. Gerade er erleichtert seiner einlachen Herstellung wegen die Untersuchung der AVachsthninseigenthiiinlichkeiten eines Mikroorganismus ungemein, und gestattet vor Allem die Anwendung des Plattenverfabreus.
Schon nach 24 Stunden war in den Gelatine-Stiobkultureu ein deutliches Waobsthum zu erkennen. Um diese Zeit hatte sich längs des Implstiches ein grauweisser Sehleier entwickelt, welcher bei mikroskopischer Betrachtung aus liberauskleinen kugelrunden Kolonien bestand. Später verdickte sich das Slichwachsthum, liess aber am Bande noch immer einzelne runde Kolonien, jetzt auch mit unbewaffnetem Auge, erkennen.
Namentlich am Knde des Stichkanals, wo das Impfmaterial nur noch spärlich, der Bacillus nur noch in einzelnen Exemplaren hingelangt ist, sieht man häutig ganz isolirte Kolonien, welche sich im Laufe einiger Wochen leicht bräunlich färben, während die Farbe des zusammenhängenden Impfstiches, sowie der auf der Oberfläche der Gelatine entwickelten Scheibe, mehr eine grauweisse ist. Das Oberflftchenwachstbum, meist deutlich boneen-trisohe centrifugale Schiebung zeigend, tritt erst ziemlich spät am fünften oder sechsten Tage, häufig noch später, bei gewöhnlicher Temperatur auf, entwickelt sich aber allmählicb zu einer dicken Scheibe, deren Ränder beträchtlich llber die Mittelfläche hervorragen und deren Durchmesser reichlich :Vi lt;,ln beträgt.
Niemals tritt eine Verflüssigung derGelatine ein.
In der Platte, welche meistens schon am nächsten Tage deutliches Wachsthum erkennen lässt, sehen die in der Tiefe liegenden Kolonien zu dieser Zeil fast wasserbell aus; gegen die Umgebung sind sie ungewöhnlich scharf abgegrenzt.
Die auf die Oberfläche der Gelatine irerathenen Baoillen
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eutwiokolu sich in der Platte auseheineutl sohuoUer In dor relohliohen Berührung mit lt;llt;'i- Luft, nls bei tiefer gelegenen, und iüilieu am zweiten Tage gewöhnllob ein grauweisses Aussehen, sind aber ebenfalls sehr soharf kontourivt; später verlieren sie aber ihre kreisrunde Gestalt, indem sie sich mehrfaob an verschiedenen Stellen durch einseitig vordringendes Waohsthum ausbuchten, und so eine unregelmftssige Begrenzung erhalten.
Die in der 'Tiefe der Gelatine liegenden Kolonien haben sieh jiiii dritten Tage insofern verändert, als sieh ansoheinend um diis etwas dunkler gewordene und eine feine Granulation zeigende Centrum, welches der Grosse der Kolonie vom zweiten Tage entprioht, ein vollständig kouoentrischer Ring berumgelagert hat, welcher ebenfalls sehr scharf kontourirt ist. und dasselbe helle Aussehen zeigt, wie es die tiefliegenden Kolonien am /.weiten Tage besitzen ^Fig. 1),
Diese Wiichsthuinsverhältnisse gelten aher nur bei den Platten, in welchen eine etwas reichliche Zahl von Kolonien vorhanden ist. wie man sie gewöhnlich bei der sogenannten zweiten Verdiinnung erhalt. In der Platte der dritten Verdünnung, in welcher viel weniger einzelne Kolonien zur Kntwickelung gelangen, ist das Waohsthum ein entschieden üppigeres als auf den zu stark besäten Platten, in welchen offenbar eine Kolonie die andere am Waohsthum hindert.
Schon am zweiten Tage sind in solchen dünn besäten Platten die Kolonien bedeutend grosser*) als ich sie vorher beschrieben, sie hüben auch ihre helle Farbe eingebüsst. und erscheinen leicht gelhlichhraun gefärbt, sind deutlich, aber sehr fein grannlirt, und haben häutig nicht mehr die kreisrunde Form, sondern sind bald birn-, bald oitronenförmig, erinnern in diesen: Stadtium lebhaft an Typhusbacillen-Kolonieen. Dies gilt jedoch nur für die vollkonnuen in Gelatine eingebetteten Kulturen. Diejenigen, welche auf die Oberfläche gelangt sind, zeigen ein ganz anderes Waohsthum. Nachdem am zweiten Tag die kleine Kolonie, ziemlich stark gelbbraun gefärbt, auf der Oberfläche der Gelatine als kleine Erhabenheit sichtbar geworden ist. tritt um dieses Wachstbiiiusceutriim schon am zweiten Tage eine recht lebhafte Kntwickelung der Kolonie auf, die am dritten Tage schon reichlich die zehnfache Ausdehnung gegenüber der (irösse derselben Kolonie vom zweiten Tage erreicht hat.
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;':) Bei to Beschreibung des Plattenwachsthnms ist überall eine ciicu 1)0 lache VcrffTosscruniz /.u Qrutide gelefft.
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Dieslaquo; sitzt, illmlirli wie hei den sogenauntei) Miiiinnakdldiiieii, als dunklerer Punkt im Centrum, oder mehr nach einer Seite, und ragt (leutlieli wie eine Papilie über die umgebende Waohsthums-Boheibe hervor. Diese selbst zeigt eine ganz elgentbtlmliobe Struktur. Blassgelb gefärbt, lässt sie eine sonderbare Zeielmun^ erkennen, die keinerlei Aehnliohkeit mit Gehirnwindungen, oder der Sti'iobelung der Typbuskolonien hat, sondern an eine Marmorirung erinnert, wie man sie häufig jetzt auf Bieohwaaren sieht, deren Zinn-Überzug duroh Eiuwii'kung einer Säure eine kristallinisohe eis-blumenähnliolie Zeiohuung aiigenommen hat (Fig. 2). Fast regel-mässig beobachtet man um die Kolonien einen Kranz feiner Kristailaiisoheidiingen ans der Geiatiue, welcher mit dem Waohs-thuni der Colonie zmiimmt, und schliesslicli einen förmlichen Hof um dieselbe bilden kann (Mg. I).
Diese, wie mir scheint, auf einer chemischen Einwirkung der Stoffweohselprodukte der Kolonie auf die Salze der Nährgelatine beruhende Ersoheiuuug, ist überaus auffallend, und von mir bis jetzt bei keiner der zahlreich, sehr verschiedenartigen Bakterienkolonien in Platten, welche ich im Liitife der Zeit gesehen habe, beobachtet worden, und bringt mich auf die Vennuthung, dass der Bacillus ein ganz besonderes Stoffweohselproduot bildet, womit möglicherweise auch der später zu erwähnende schnelle Eintritt der Coagulations-Nekrose in den Knötchen im Zusammenhang steht.
Auffallenderweise tritt diese Erscheinung der Kristallausscheidung bei den Geiatine-Stichkulturen nicht auf, wohl aber in Bonillonkulturen, in welchen man beim Scluitteln die feinen glänzenden Kristalle leicht erkennt. Die Vermuthung, dass diese biochemische Kigen-thttmlichkeit nicht auch für die, gegenüber anderen Infektions-(jeschwulsterregeni, Tuberkulose, Syphilis, Lepra, Rotz, libemus frühzeitig auftretende, Knötchenbildnng verantwortlich zu machen sein dürfte, deren vollkommene anatomische Entwicklung schon von mir am folgenden Tage nach der Impfung in die Ohrvene des Kaninchens mehrmals beobachtet worden ist, kann wie mir scheint nicht eben a priori von der Hand gewiesen werden.
Von festen Nährböden sei noch einer erwähnt, welcher meines Wissens bisher keine Anwendung gefunden hat, welcher aber entschiedene Beachtung verdient.
Schon vor mehreren Jahren war ich auf den Gedanken gekommen, ob es nicht vortheilhafter sei, statt des Blutserums, welches
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doch iiimcrliin mir einen Theil des lebeudou (Jewebstotl'es repräseiitil't, dem ciuo Zald wiolitiger eliemisclier Hestamltlieilc dureli die (le-rlnnuug des Blutes entzogen worden sind, das volle Blut, gerade wie es ans der Aller des Thieres entleert wird, zu einem Nährboden für Bakterien umzugestalten. Aensserer Umstände halber musste ich damals die Sache fallen lassen, griff aber die Versuche jetzt wieder auf, und babe, meiner Ansicht nach, gute Resultate zu ver/eichnen.
Das Blut wird unter den gewöhnlichen Vorsicbtsmassregelu bei dem Schlachten des Thieres aufgefangen, und umgehend nach dem Laboratorium gebracht, wo es mit Hülfe eines Trichters mit Hahn (Scheidetriehter) alsbald in vorher sterilisirte lieagenzröhrcheu eingelullt, und sofort zum Krstarren gebracht wird. Es ist hierbei zu beachten, dass die Erwftrmung in dem Ei'starnuigskasten nicht zu rasch erfolgt, da sonst das Blut schneller fest wird, als die Hlut-gase entweichen können und hierdurch leicht lilasen in der Hlut-masse zurückbleiben. Diese erstarrt übrigens ebenso so schnell wie das Blutserum.
Nach dem Krstarren bildet das Blut eine chokoladenbmune, uatürlioh vollkommen undurchsichtige Masse mit glänzender, glatter Oberfläche.
Früher legte man auf die möglichste Klarheit und Durchsichtigkeit der Nährböden einen grossen quot;W'erlh, den ich dieser Eigenschaft im Allgemeinen nicht absprecheil will. Für manche Waclistbumsverhältnisse der Bakterien, resp. für deren Studium, ist aber die grosse Transparenz der Nährböden häufig ein ganz unangenehmes Beobachtungshinderniss, indem der durchsichtige Nährboden gewisse Einzelheiten in der Struktur der Wachstbumsentwicklimg nur schwierig erkennen lässt. Auf dem schön dunklen Untergrund, wie ihn das erstarrte Blut abgiebl, heben sich dagegen die Kulturen so deutlich, so plastisch ab, wie auf keinem anderen Nährboden.
Aber noch einen zweiten Vortheil bietet das Blut, gegenüber dem Blutserum, dadurch, dass es nicht so leicht austrocknet.
Anfangs, unmittelbar nach dem Festmachen, befindet sich ebenso wie beim Serum eine Kondensationswasserschiclit im Fundim des Röhrchens. Doch schon nach 2 bis 3 Tagen ist dieselbe verschwunden, trotzdem die Böhrchen mit gut schliessendeii Gummikappen versehen sind. Verdunstet kann das C'ondensationswasser nicht sein, sondern
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nur wieder dorthin KUi'ilokgegaugen, von wo es kam, tins IJlut bat es aufgesogen wie ein Sohwamro. Diese fast gleiobmässige Duroh-h'äukung des Blutes mit Feuolitigkeit betordert aber das Waobstbum der aufgelmpfteji Bakterien ansoheiuend ganz besonders.
Wiiln-eiul Tuberkulosekulturen bei Fortzüohtungen erst atn sechsten l)is achten Tage ein deutlich erkennbares Waohsthuin zeigen, iässt sicli hei den Blutkultureu ein solches meist sohon am vierten oder fünften Tage deutliob beobachten.
Auf diesem X;ihrbodeii wachsen auch die Pseudotuberkulose-Baoillen sehr üppig, auch bei gewöhnlicher Zimmertemperatur, indem sicli eine schnelle Verbreitung der Impt'strielie schon vom
andern Tage au bemerklich macht.
Von sonstigen testen Nährböden wurden ferner nocli Kartotlein als Scheibe und in Form von Brei verwandt, doch der Bacillus wächst hier schwierig, namentlich dauert es immer mehrere Tage, bis er sich an den neuen Nährstoff gewöhnt zu haben scheint, und zur Vermehrung schreiten kann. Bringt man, wie das ja bei bakteriologischen Arbeiten sein soll, nur eine Spur des Impfmaterials auf die Kartoffelscheibe, so bleibt hiuitig das Wachsthum ganz aus, oder es tritt nach verhältnissmässig lauger Zeit eine kümmerliche Vegetation auf,
Erst wenn mau z. 1! mit der l'latinöse eine grösscre Menge Kulturinaterial, ohne es auf der Kartoffelfläohe zu zerreiben, deponirt, so dass es im Zusammenhang bleibt, wie es aus der Cultur ent-nomnien wurde, kommt sowohl bei Brut- wie bei Zimmertemperatur allmählich ein deutliches Wachsthum zu .Stande.
Nach längerer Zeit tritt hierbei eine auffallende Körnung in der Kultur und Verbreitung des Wachsthums über die ganze Ober-tläche der KartolVelscbeibe auf.
Direkte Impl'ungen von Organen auf Kartoffeln, die ja z. B. heim Milzbrand vorzügliche Resultate ergeben, sind mir meistens ohne Erfolg gehlieben. Ks dürfte demnach die Kartoffel in jeglicher Gestalt als Scheibe oder Brei als ein für den Bacillus der Pseudo-tuberkulose wenig geeigneter Nährboden zu betrachten sein. Bessere Resultate habe ich in letzter Zeit mit alkalischen Kartoffeln erzielt.
Als weiteren festen Nährboden benutzte ich Fleischscheiben, welche, wie auf meiner bakteriologischen Abtheilung durch Bookhart festgestellt wurde, für maicheMikroorganismen vorzügliche Ernährungsund Fortptlanznngsbedingungen bieten.
Auf diesen Fleischstücken wächst auch der Bacillus der l'sendo-
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tuberkulöse recht üppig, iucletn er einen grauen solunlevigeu Boiag bildet, welcher sidi langsam llber die Oberfläche des Fleieohes verbreitet.
Auf erstarrtem UiiKlerbliifseruni geht das Waohsthum nicht so präzis und lippig vor sich, wie auf Hammelserum; ebenso verhält sich menschliclies Herum aus Ascites-Fliissigkeit gewomieii.
Auch eine Reihe pflanzlicher Nährboden, aussei- der Kartoffel, musste ich, aus besonderen, später zu erwähueiHleu (iriiiideii, in den üahmeu meiner üiitersiiohungen ziehen, so /,. B. Rübenbrei, Kleister, neutralen Brodbrei; alle diese erwiesen sich aber als nicht besonders geeignet, zur Ernährung und Vermehrung des l'seudotuberkulose-Baeillus beizutx'ageu.
\o\i den flüssigen Nährböden zog ich nur die alkalische Bouillon und die Milch in Betracht,
Das Waohsthum in der alkalischeu Bouillon ist im Allgemeinen wenig energisch, tritt bei Bruttemperatur am zweiten Tage nicht gieiohmässig durch die ganze Flüssigkeitsinenge auf, sondern zeigt sich zuerst als feine Schlieren meistens an der Wand des Itölirchens. Bleibt das Röhroheu ruhig stehen, so senken sich die Wolken allmählich zu Boden, dort einen recht beträchtlichen Satz bildend, über welchem sich die Bouillon rasch klärt. Schüttelt man jedoch jetzt oder früher das Röhrohen auf, so bildet sich gewöhnlich bis zum folgenden Tage eine dünne Decke auf der Oberfläche der Bouillon, welche aber bald wieder zerbricht, und zu Boden fällt.
Dieses Experiment kann man zwei- bis dreimal bei demselben Bouillonröhrcheu wiederholen. Es scheint mir, abgesehen von der directen mikroskopischen Untersuchung der Bacillen im hängenden Tropfen, worauf ich sofort zurückkommen werde, die makroskopische Beobachtung des Waohsthums in der Bouillon ein sicherer Beweis für die (Jnbeweglichkeit meines Bacillus zu sein, da er, der eigenen Schwere folgend, bald zu Boden sinkt, und unbeweglich wie er ist auch nicht die Nährstoffe der Bouillon, wie dies z. B. der Kommalaquo; bacillus thut, auszunutzen vermag. Dies geht daraus hervor, dass er beim Durchschntteln der einzelnen Bouillonschichten Immer eine neue Wachsthumsperiode beginnt, sobald ihm hierdurch noch nicht verbrauchte Nährstoffe wieder zugeführt werden, die zu erreichen, er vermöge seiner Unbeweglichkeit nicht im Stande war.
Im sogenannten hängenden Tropfen in Bouillon beobachtet, zeigt sich die Unbeweglichkeit sehr bald bei den Ketten, die mein Bacillus, bei geeigneten AVachstliumsbedingnngen, mit Vorliebe bildet.
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Die einzelnen Inclividueu im Tropfen werden in Folge der Molekularbewegung in lebhafte Soliwingungen versetzt, obue jedoch bedeutende. Ortsyeräudernugeu verzuneimieu.
Nach 24 Stunden bei 37,7 quot;O. ist der ursprüngliob kaum sichtbare [napffleck in dem BouilloutrOpfcbeu etwa zu Hirsekonigrösse angewachsen, lt;iie Bouillon in der Umgebung aber ganz klar geblieben, im Gegensatz z. B. zu den mit Kommabaoillen beschickten Tropfen, welche idle gleiobmftsslg geti'Ubt ersobeinen, da die überaus beweglichen Cholerabacillen die ganze Flüssigkeitssohioht durohschwärmen.
Die Ketten des Bacillus sind gewöhnlich jetzt seiion deutlich ausgebildet, und in relchlicber Menge vorhanden, liegen alter, wenn nicht durch Strömungen dann und wann hin- und herbewegt, vollkommen ruhig da, und ohne jemals die Lage der einzelnen Glieder der Kette gegen einander zu (Indern.
His zum dritten Tage hat der Impffleck sieli noch etwas ver-grössert, bleibt aber dann stationär immer mit einer Zone absolut klarer Bouillou umgeben, in welcher Übrigens ebenfalls häufig eine reichliche Eristallaussobeiduug beobachtet wird.
Aus dem angegebenen Verhalten im hängenden Tropfen lässt sieh mit Bestimmtheit behaupten, dass mein Bacillus der Pseudo-tuberkulose vollkommen unbeweglich ist.
In der Milch wächst der Bacillus bei jeder Temperatur vorzüglich, ohne dieselbe im geringsten in ihrer Farbe, ihrer Reaktion oder ihren sonstigen physikalischen Eigenschaften zu verändern.
Bei keinem der verschiedenen Nährböden zeigte sieh jemals Sporenbildung, wie sie Ebertb für den bei den Kaninchen ge-t'iindenen liacillus anzunehmen geneigt scheint (Virohow's Archiv 1kl. 103 S. 11)2) und bei dem Bacillus der Pseudotuberkulose des Meerschweins thatsäohlioh beobachtet haben laquo;ill (Virohow's Archiv Bd. 100 S. 26).
Auch bei den verschiedensten Temperatureinwirkungeu konnte von mir keine Erscheinung bemerkt werden, weder in den lebenden, noch in den gefärbten Objekten, welche als Sporulation des Bacillus gedeutet werden könnte.
Was wohl am meisten dazu verleitet hat, bei dem Bacillus der Pseudotuberkulose eine Sporenbildung anzunehmen oder zu ver-muthen, ist sein eigenthlimliches Verhalten gegen Anilinfarben und zwar namentlich im Gewebe, weniger in der Kultur. Dieses Verhalten besteht darin, dass der liacillus oder vielmehr sein Plasma
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die Auiliufavbeu im höchsten (Jrmlc versohiedeu iuit'niimiit. So erlaquo; scliciiit l)iil(l eine Stelle in dem Stftbohen lebhaft blau geftlrbt, während daneben ein Theil desselben Inst ungefärbt geblieben ist. lliiulif;- auch färben sich nur die beiden Pole, elue ungefärbte Zone zwischen sich lassend. So kommt es, diiss einmal der ungefärbte Theil des Bacillus, ein andermal die gefärbten Polendeu t'tir Sporen-büdung angesprochen wurden.
Eberth 1. o. äussert sich darttber wie folgt;
Die Sporenblldnng beginnt mit dor Anhäufung einer feinkörulgont sich stark tingironeten Substanz, ilie In Gestalt eines dunkeln Korns das Sliihehen leiclit
ausbuchtet (Spindel-, Wetzstein-, Nagelfortn).
Diese Anschwellung l)ililt!t sieii dann grösstentholls wieder /.nriiek, wamp;hrend das dunkle Korn sieli in einen centralen lichten Fleck und eine sohniula liaml/nne (tift'erenzirt, die mit dem weiteren Wachsthum des erstcren IjIs auf einige Körnoheu
schwindet.
Die fertige Spore erscheint jetzt als ein gltluzendcs Dingliches Gebilde In frischen, als ein helles Kenn in Tinctionspräparaten, Diese Bacillon, welche reife Sporen einschliessen, sind in der Kegel etwas breiter und plumper wie die sterilen, auch {Urbon sie sich schwächer. Sie machen den Eindruck, als seien sie in Quellnng und Auflösung begriifen. Nirgends im Gewehe habe Ich zweifellos freie Sporen nachzuweisen vermocht.quot;
In seiner zweiten Mltthellung (Vlrchow's Arohiv, Bd. 103 S. -lü'i), bei welcher es sich augenscheinlich um denselben Bacillus handelt, spricht sich Eberth entschieden reservirter ans, indem er sagt: wenn diese riasinaanlmnfnngen an den Enden der Bacillen wirklich mit der Sporeubildimg in Beziehung stehen, so scheinen sie doch nicht Über das Vorstadinm (? Verf.) derselben hinauszukommen,
Mit Hälfe der neuenapochromattachen Immersionssysteme erkennt man unschwer, diiss es sich bei dem Vorgange der ungleichmässigen Farbeaufnahme um eine Verschiebung des Plasmas und nicht um eine Sporenbildung handelt. Audi an ungefärbten Präparaten in hängenden Tropfen sieht mau Könmngeu und Häufungen des Protoplasmas, die aber mit der Sporenbildung gar nichts gemein haben.
Niemals habe ich freie Sporen gesehen.
Was die Widerstandsfähigkeit meines Bacillus gegen abnorm niedrige und sehr hohe Temperatur betrifft, so ist er gegen extreme Kältegrade wie sie in unserem Klima verhältuissmässig selten vorkommen, absolut unempflndlioh.
Kino vorher auf ihre Virulenz geprüfte Gelatinekultur wurde in eine Kältemischung gebracht, deren tiefste Temperatur während zwei Stunden 16deg; ('. betrug; hierin verblieb die Kultur, die Gelatine war zu einer testen steinharten Eismasse erstarrt, hei einer ungefähren Temperatur von 9deg; ('. sieben .Stunden lang, ohne im .Mindesten an ihrer Virulenz und Wachsthumsfähiffkeit einznhiissen.
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Die mit ihr uuinittolbar uaoli dein Aufthaueti vorgenorameneu Inapftiugeu von Hausmäusen, hatten zur Folge, laquo;lass die Thieve sämmtlloh nach 3 l)is l Tagen unter den der Pseudotuherkulose elgenthumlioheu Kvaukheitsevsoheinungen starben,
Aus ihren Orgauen konnte der Baolllus leieht wieder isolirt werden, und zeigte sieh ebenso wie in den Abiinpl'ungeii von der gefroren gewesenen Gelatinekulturvollkommen im Besitze der gewohuten Virulenz und seiner sonstigen Eigenschaften. Gegen hohe Temperaturen veriiieltcn sieli die Bapilleu etwas anders. In einer Versuchsreihe gelangte Gerlaeli auf meiner bakteriologischen Abtheilung zu dem Resultate, dass eine Temperatur von 60 Grrad gonligt, dem Bacillus nach eihstündigem Verweilen darin seine Virulenz zu nehmen. Keine der mit solchen Kulturen geimpften Mäuse starb oder zeigte bei der .Sektion irgend eine pathologische, als'Wirkung des Bacillus aufzufassende Veränderung. Das Waohsthumsvennögen war ebenfalls bedenklich alterirt, nach 2 stündlger Erwärmung auf 60deg; C. hörte in der Gelatine jede Entwicklung auf.
Die von Ger lach ebenfalls ausgeführten Versuche über das Verhalten der Bueillen gegen Eintrocknung führte zu dem Resultate, dass dieselben nach 2x21 Stunden an Seidenladen augetrocknet und im Exsiccator aufbewahrt ihre Entwicklungsfähigkeit vollständig verloren hatten.
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IV.
Fatholodscli-anatomlsclie Beobachtungen.
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Mittlerweile hatten die (Jmzilchtungen auf tlammelserum die
fünfte Generation des Maeillus erreicht, so dass nun zur künstlieheu Erzeugung der Krankheit bei Thieren geschritten werden konnte, ohne den Einwurf als berechtigt erscheinen zu lassen, dass, wenn eine Erkrankung der Versuohsthiere eintrat, diese noch auf einen in der ursprünglichen Kultur, welche ja mit Organstüokcheu angelegt
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war, voi'liaiuloiuMi KraiiklicitsstotiT zurtlokgeftlUrt wenlon könne oder iiillssc.
Ks ist niclit aiiziiucliincii, class ein soldier KraiikheitsstoHquot; iiiicli fllllf Umzüohtungeu, die einer ganz iinbereelienharen VerdttUüUUg des Materials der ersten Kultur eutprielit, noeli vvll'kuugBfählg vorhanden sein könnte.
Mit diesen Kulturen impfte ich am 26. Tage nacli ihrer Anlage, zwei Meerseliweinelien in eine llauttaselie, an der rechten Unter-bauchseite. Beide Thiere vwstarben ziemlich gleichzeitig, das eine am 1. März, das andere am 5., so dass circa 20 Tage nach der Impfling der Tod eintrat.
Die Sektion ergab mit geringen Abweichungen in der Intensität der Erkrankung bei beiden Thiereu fast dieselben pathologischen Veränderungen:
Starke Schwellung und beginnende Verkftsung der Leistendrüsen (Bllbonen) fielen zuerst beim Zurlioksohlagen des Fells in die Augen.
An den Impfstellen fanden sieh zahlreiche verkäste Knötehen in strangförmiger Anordnung. Aus der Bauchhöhle entleerte sieh eine reichliche Menge blutig seröser Flüssigkeit.
Im Netz waren zahlreiche Knötoheu sichtbar.
Die Leber war, namentlich unter dem Zwerchfell, mit einem tibrinösen Belage reichlich bedeckt, in derselben fanden sich, ebenso wie in der Milz, steckuadelkopf- bis erbsengrosse Knötehen in verkästem Zustande, und namentlich zeichnete sich die Milz des zuerst gestorbenen Tbicres dadurch aus, dass sie fast ganz in eine höckrige Geschwulstmasse umgeändert war. Die Drüsen am Leber-hvlus waren stark vergrössert und verkäst, die lietroperitonäaldrllsen massig vergrössert und markig inliltrirl.
In der Bauchliöhlc fand sich ein bedeutender wässriger Krguss. Die Lungen waren umfangreiche Verklebungen durch eine weisse käsige Masse mit der Pleura oostalis eingegangen, in welcher Masse sich mit Blutwasser gefüllte Höhlen vorfanden.
DieLungensubstanz selbst zeigte auf den Durchschnitten verhältniss-mässig grosse, Rotzgevvächseu ähnliche Herde, welche sich im Zustand der vollkommenen Nekrose befanden.
Die Lymphdrüsen auf der Innenseite des Sternums, sowie die liionchialdriisen waren bedeutend vergrössert und verkäst.
Trachea, Kehlkopf und Nase waren frei von krankhaften Veränderungen.
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Vergleicht mau mm dou Sektionsbefuucl von Meerschwein I mit denjeuigeu dor aa den Impfungeu mit der fünften Geuevatiou des Baoiilus gestorbenen zweiMeerscliweinen, so lässt siidi diegrosseAehn-liobkeit, die stelieuweise fast vollkommene (Jebereiustimmuug der l)iitli()l(igis('lieii Veräuderungeii in den Leichen der drei Thiere nicht Aorkciiueii, liier muss derselbe Kraukheitsprooess seinen Vei'lauf genommen haben, Erwägt man aber ferner, dass aus den Organen des Meerschweins I ein liisher in den Kulturen unbekannter lgt;iiciliiis Isolirt, und in den Organen mikroskopisch nachgewiesen wurde, diiss mit dessen Kulturen in fllnfter Generation, welche eine Beimischung des ursprllnglioheu Kraukheitsstoffes der Organe des Meerschweins I vollkommen iiusschliesst, zwei und später weitere zahlreiche Thiere geimpft wurden, die alle, soweit sie überhaupt empfänglich waren, unter den gleichen krankhafte]) Veränderungen ihrer Organe starben, wie sie bei Meerschwein 1 gefunden wurden, erwägt man weiter, dass aus diesen erkrankten Organen der Meerschweine 11 und 111 derselbe Oi'gauismus wieder isolirt, weiter gezüchtet, und in den Organen mikroskopisch nachgewiesen werden konnte, so ist den Forderungen, die ich oben aufgestellt hahe, nach allen Seiten genügt, und der Hchluss gerechtfertigt, diesen Mikroorganismus als die Ursache der Erkrankung der mit ihm inticirten Thiere, und dem-naeh als den Erreger einer bisher wenig beachteten specilischen Thiererkrankung zu betrachten, welche man ohne bislang ihre Ursache zu kennen mit dem Namen der Pseudotuberkulose belegt hat.
Dem Erreger dieser Krankheit gebührt demnach der Name: Bacillus PseudotuI) erkulosis.
Im Laufe der Arbeit habe ich denselben sowohl aus der Leber, als aus der Milz, aus den Nieren und dem Darmkanal, aus dem Blute und den verkästen Lymphdrüsen, kurz aus allen durch ihn krankhaft veränderten Organen in stets sich gleichbleibender Be-schalfenheit zu isoliren vermocht.
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Die Benennung der pathologischen Veränderungen als Pseudotuberkulose, die wie schon oben gesagt wurde, nicht ganz passend ist, aber deshalb beibehalten wurde, da sie sich schon einigermassen eingebürgert hat, wurde von Kberth offenbar deshalb gewählt, weil diese Krankheit recht bedeutende Aehiilichkeiten bezüglich
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der ErsolieinungeB im (Jro^sen und Ganzen mit der Impftuber-kulosc hat.
Bei nälieror Betraohtuug jedoch tritt die Aehuliobkeit mit der Tuberkulose eutsohiedeu mehr zurQok, Indem mauobe für Tuberkulose obarakterlstisobe Evsobelnungen einerseits ganz venuisst werden, andrerseits sich Eigensobaften ergaben, welobe die Erkrankung mit ihrem Erreger entsehieden als mehr zum l{otz gehörig ciiarakterisiren. Diese Aebnliobkeiten und Versobiedenbeiten sind sowohl in patbo-logisob-anatomischer Beziehung rorhaudeu, als in dem bakteriologischen üntersucbungsresultat begründet.
Wir haben es zweifellos bei der Pseudotuberkulose mit einer Art Infektlonsgescbwulst zu thun, unter welcher Bezeichnung wir nach dem Vorgänge von Klehs diejenigen im Organismus sich vollziehenden Processe verstehen, bei welchen es sich um Neubildung von Knötchen im Gebiete des Lyniphsysteuis handelt, als deren Ursache die Invasion eines .Mikroorganismus zu betrachten ist.
Colin heim sagt in seiner Allgemeinen Pathologie über die Inf'ektionsgeschwnlste (Bd. I, S. 713):
Zu der Gleichartigkeit in der Aetiologie der Infektions-geschwülste kommt ihre Aehnlicbkeit in der anatomischen Struktur und Geschichte hinzu. Die /.eiligen Elemente, aus denen sie zusammengesetzt sind, haben, so lange die Neubildungen noch frischen Datums sind, eine so vollkommene Aehnlicbkeit mit farblosen Blutkörperchen, dass der zweite, von Klebs vorgeschlagene Name derLeukocytose ebenso zutreffend erscheint, wie vom aetiologischen Gesichtspunkte aus der der lufektiousgesobwUlste.
Ausser diesen lymphoiden Zellen giebt es in ihnen stets eine freilich wechselnde Zahl grösserer epithelioidei* Zellen, und gewöhnlich etliche Hiesenzellen,jede mit vielen meist wandstiiudigen Kernen. Besonders charakteristisch ist dabei für manche von den In-fektionsgesobWülsten die Kombination dieser verschiedenen Elemente zu kleinen Knötchen. Die Struktur der Letzteren ist die, dass in der Rege] im Centrum oder mehr exeeutrisch eine, selten zwei oder drei, liiesenzellen sitzen, die zunächst von epithelioideu Zellen umgeben sind, während die ganze übrige Ilasso des Knötcheus aus Ivmphkörperartigeu Zellen besteht, die sieh allmählich in das normale Gewebe verlieren. Am typischsten ist diese Anordnung bei der Tuberkulose, die ja eben davon ihren Namen erbalten hat.quot;
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Wenn iiucli diese Scliildeniug der patbologisol) aiiatoraisohen Veräudemugoi] Im Gvosseu und (ianzen auf die uns besohäftigonde lufektiousgesohwulst, die Psoudotuberkulose, passt, so ergiebt doob die miki'oskopisobe üntersuobung einige wichtige üutevsoblode.
Niemals konnte lob, selbst in den IVisehesten Fällen, oder nncii Injektion von Kidturinaterial in die Uhrvcue, wobei die Thieve meist sehr schuell zu öruude gehen, in den Kuötoben Itieseuzellen linden, auob die epltbelloldeu Zellen treten durchaus nicht iu den Vordev-gnind. Das Knötchen besteht in seinen friihesteii Anlangen, die mau namentlich auf dem Peritoiiänm am besten stinliren kann, ans einer Auhänl'iuig lymphoider Zellen, welche einige der Bacillen anschoinend ohne jeden engeren Zusammeiiliaug mit denselben umgeben.
In grössereu aber immer noch snbmiliaren Knötchen hatten die Zclleuanswanderungen ebenso wie die Vermehrung der Bacillen gleichen Schritt gehalten, häutig seinen sogar die Uaeilleuwueherung in den Vordergrund getreten, was einem Umstand zuzuschreiben sein durfte, auf welchen ich gleich zu sprechen komme.
Es tritt nämlich bei der Pseudotuberkulose der Tod des alto-rirten Gewebes unter dem Bild der Coagnlationsnekrose ungleich frllher auf, als bei den übrigen Inl'ektionsgesehwlllsten, anscheinend in Folge einer besonders gesteigerten ehemischen Thätigkeit der Bacillen, welche die Zellen frühzeitig zerstört oder rasch für die Aufnahme von Anilinfarbstolfen unfähig niaeht.
Hierdurch wird schon früh das mikroskopische Hild der klein-zelligeu [nfiltration in der Umgebung der Bacllleuhaufeu verwischt, so dass diese jetzt anseheinend, gegenüber der Zelleneinwanderung, in den Vordergrund gedrängt erseheinen.
Dieses Absterben des Gewebes, von Weigert mit dem Namen des Coagnlationsnekrose belegt, steht nach Cohnheim mit der höchst mangelhaften Kruährung der Infektionsgescliwülste einerseits, andererseits damit im Zusammenhang, dass man zur Erklärung des Zustandekommens der Coagnlationsnekrose in erster Linie auf die Einwirkung desselben Virus zurückgreifen muss, welchem die be-treli'enden infektiösen Neubildungen selbst ihre Entstehung verdanken. (Cohnheim I. c. TM.)
Auch Ebertb (Vlrobows Arohiv, Bd. 100, S. 23, 1885) hat diesen nckrotischen Process bei den beiden von ihm beobachteten Fällen von baclllärer Pseudotuberkulose eingehend beschrieben, und
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nameutlloh auf ein eigeutbttmliobeB lierdweises Auftreten der Ne-kmse in der Leber hingewiesen, wie lob sie zwar bei meiuen zahl-reiclien Sektionen \roii an Pseudotuberkulose verstorbenen Tliiereu mir einmal, wohl aber mehrmals bei Impfperlsuobt an der Meer-sobweinleber beobaobtet habe.
Im üebrigen bat Kberth ebenfalls niemals Riesenzellen gesellen, und sobildert auch den Eintritt des nekrotisohen Prozesses gegenüber den anderen Infeotionsgescbwülsten als sehr frühzeitig beginnend.
AVie oben sobou mehrfach angedeutet, bin leb der Ansieht, dass dieses Überaus trübe Auftreten der Knötcheubildung bei der Pseudotuberkulose, der rasche Zerfall der neugebildotcu Gewebsprodukte, die scharfe Abgreuziuig und Einkapselmig der nekrotisohen Partbien, endlich tlas scbnelle Verschwinden der Baoilleu aus dem nekro-tiseheu oder verkästen Gewebe, zum Theil auf dem energischen Wacbsthum des Baoillos, zum Theil aber auf einer intensiven Produktion einer chemischen Substanz beruht, welche schneller als es die Stoffwecbselprodukte der Mikroorganismen in den übrigen In-fectionsgesehwülsteu zu Wege bringen, eine Zerstörung aiisgedehnter Gewebstbeile, und damit oder dureb Ptomalnwirkung also Intoxication, den Tod der Thiere frühzeitiger herbeifllbrt. Namentlich auffallend ist der scbnelle Verlauf gegenüber demjenigen der Impftuberkulose, während der Impfrotz der Pseudotuberkulose in Beziehung der schnellen Organdestruktion /.weifellos näher steht.
An die Lösung dieser chemischen Frage heran zu treten muss ich jedoch anderen Forschem überlassen.
Das mikroskopisobe Bild der Tuberkulose in rein pathologisch anatomischem Sinn bleibt also, ganz abgesehen von dem Feblen der lliesenzellen und dein nur seltenen Auftreten der cpitbelioiden Zellen, bei der Pseudotuberkulose entschieden kürzer besteben, der Zerfall des neugebildeteu Gewebes tritt ungleich früher, und niemals unter dem Bild der vollkommen trockenen Verkäsung auf. Ehe es zur Resorption der Flüssigkeit kommt, sind die Thiere der Infektion erlegen, und so findet man bei der Pseudotuberkulose ähnlich wie beim Rotz, im Centrum des Knötchens eine flüssige rahmige oder eitrige Masse, um welche ein etwas trockenerer Käsebrei, und dann das kürzlich uekrotisirte Gewebe in Form eines festen Hinges sich anlegt und dem Knölehen oft eine solche Resistenz verleiht, dass es nur mit Anwendung einiger Gewalt zwischen Objektträgern
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zeniuotsclit werden kann oder dem Kindriiigeu der Iiiipi'iiadel einen ganz erheblichen Widerstand entgegensetzt.
Auch diese feste Kapsel, in welelier loh übrigens niemals Verkalkungen fand, wird bei den Tuherknloscknötchen wohl nie zu Stande kommen.
Das Gewehe in der Umgehung der aekrotischen Herde sowohl als auch der irischen EuOtohen, befindet sitdi meist im Zustande der trüben Schwellung.
AVas nun den Bacillenbefund im Inneren des Knötoheus betrifft. so kommt es ganz auf die Dauer der Erkrankung an, sowie auf die Versuchstliiere, mit denen man arbeitet.
In den käsigen, noeli nicht verflüssigten l'arthien, wie man sie in den noch frischen Knoten, namentlieli in der Leber von Meerschweinen und Kaninchen findet, sind die Bacilleu meist nicht mein-, oder doch nur in einzelnen Exemplaren aufzufinden, trotzdem das Material noch seine vollkommene Virulenz besitzt. In dem flüssigen Inhalt der Knötelien, dem Eiterquot;, linden sieh manchesmal sehr zahlreiche, manchesmal gar keine Bacilleu, ein Befund, wie er bei Rotz ebenfalls vorliegt, so dass es den Eindruck macht, als käme hier und da eine seeundäre Vermehrung der Bacillen in dem flüssigen Inhalt der Knoten zu Stande.
Je frühzeitiger ein Tbier stirbt, um so reicher sind die Organe resp. die Knötchen an Bacillen. Ks eignen sieh deshalb zum Studium ihres (id est der Bacillen) Verhaltens am besten Hausmäuse, sowohl graue als weisse, Hamster und Kaninchen, welch' Letzteren man eine Kulturaufscliwemmung in die Ohrvene applioirt hat.
Hier sind die kympfbalmen häufig vollkommen mit den Bacillen ausgestopft und das Gewebe in einem Grade damit durchsetzt, dass es zu gar keiner Abgrenzung von Knötelien mehr kommt, da die Thiere allzu früh zu Grunde gehen, oder vielmehr die Entwicklung der Bacillen eine allzu rapide ist.
Auf ähnliehe Weise durch eine üehersohwemmung des Organismus mit Bacillen erkläre ich nur auch die herdweisc Nekrose Eberth's, in welcher ebenfalls einzelne Knötchen nicht zu erkennen sind, auch nicht mikroskopisch.
In gefärbten Schnitten dieser Fälle hat man die cigenthnm-lielisten Bilder, und man erstaunt über die unberechenbare Zahl der Einzelindividuen.
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Thiei'versiiche.
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Da es ein notliweudigos Erfordennss ist, einen bis dahin uioht bearbeiteten pathogeuen Mikroorgauismus auf mögliolist versoliiedeuo Thierspeoies zu llbertrageu, so versuchte ich zuerst Impfuageu bei dein gebräuchlichsten Versuchsobjekt, der grauen Hausmaus, von welcher ich die ersten Exemplare mittelst einer von dem am 10, Februar d. J. gestorbenen Meerschwein gezüchteten Kultur auf Bammelserum in eine lliiuttnsclie am Schwanz impfte. Eines der Thiere zeigte schon am anderen Tage auffillligo Erscheinungen an den hinteren Extremitäten. Dieselben waren fest an den Unterleib gezogen, und konnten ansclieinend nur mit Millie gestreckt werden, so dass dor ganze ilintertheil des Thieres heim Fortbewegen mit den Vorderbeinen wie gelähmt iiaohgesohleift wird, Dieses auffällige Symptom habe ich bei den /.ahlreichen Mftuseimpfungen nur noch einmal beobachtet, und mich auch in dem zweiten Falle davon überzeugt, dass die Lähmung nicht etwa durch einen Schlag der Mausefalle hervorgebracht war.
Ich bin geneigt, sie vielmehr auf ein besonders heftiges Auftreten der im Verlaufe der Impfuug mit meinem Pseudotuberku-losebacillus bei Mäusen regelmässig entstellenden kolossalen Hubonen zu schieben.
Am vierten Tage sass das besagte Thier immer noch mit den beschriebenen Läbinungsersclieinungen behaftet, mit gekrümmtem Etlcken, ähnlich wie bei der Koch'schen Mäiisebaeillenseptikäinie, auf dem in dem Glase sich befindenden Hafer, beim Anstossen wie betäubt hin und her wankend, die Augen mit einem weissliohen Sekret fest verklebt.
Die Athmung war sichtbar erschwert, langsam, aussetzend.
Am lO.Februar, also am sechsten Tage nach der Impfung, erfolgte der Tod, wobei das Thier in seiner hockenden Stellung versehieden war. Dies ist nicht die gewöhnliche Position, in welehcr der Tod die Thiere ereilt, meist werden sie nach dem Tode auf der Seite liegend in ihren Cläsern angetroffen.
Die Sektion ergab starke Abmagerung. Meide Leistendrüsen, bis zur Qrösse einer Linse gesohwollen, verkäst mit starken strotzend gefüllten Gefässsträngen umgeben. Desgleichen rechts die Achsel-
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drUse. Die Milz war his auf Ihr 45faolies Volumen vevgvössert mit zahllosen Bubmiliareu grauwelssen Knötohen durchsetzt, dunkel-braunroth gefftrht.
Auch die Leber sohlen rergrössert, sie war ebenfalls mit gleich-besohaffeneu Kuötclion ttbersät.
Die Nieren zeigten ausser einer duukelrothen Päi'bung keine mit nnliewnllnetem Auge sichtbare Veränderung in ihrer Struktur.
Die Lungen hochgradig ödematös, Hessen hier und da ein kleines Knötohen erkennen, welches hell durobsoheiuend wie aufgequollen aussah, deutlich liber die Pleura pulmonalls hervorragte und von einem stark entzündeten Hof umgeben war.
Zwei zu beiden .Seiten der Wirbelsäule am unteren Ende der JVoasmuskein gelegene kleine Drüsen, ich will sie (obgleich ieli nicht weiss ob ich damit nicht einen Verstoss gegen die Mäuse-anatomle begehe) LumbaldrUsen nennen, waren normal kaum sichtbar, etwa zur (irosse eines kleinen Hanfkoms angeschwollen, und ehenlalls verkäst.
An der [mpfstelle befand sicli eine dem Gewebe fest anhaftende, mit demselben verfilzte graugelbe Exsudatmasse, von wo nach einem etwa '/#9632;.! ('m davon entfernten Glutäalabsoess ein.graugelb verfärbter Lymphstrang verlief.
Solche Abseesse in der Umgebung der Impfstellen wurden relativ häufig beobachtet. Im grossen Ganzen glichen sämmtliche Sektions-befuude bei den im Verlauf der Arbeit von mir geimpften zahlreichen weissen und grauen Hausmäusen diesem deshalb ausführlich wiedergegebeneu Bild, wobei noch einige pathologische Veränderungen hier Erwähnung finden müssen, die ich bei zahlreichen, aber nicht allen, Sektionen der Mäuse antraf, nämlich ein relativ seltenes Auftreten von Kniitclienbildung in der Nierensubstanz, obgleich dieselbe immer von den Hacillen durchsetzt ist und ein etwas häufigerer Befund von meist miliaren Knötcheu auf der Serosa des Dttuudarms und Dickdarms, welche von lebhaft entzündetem Hofe umgeben sind.
Auch das Meseuterium, soweit es zu dem mit Knötohen besetzten '{quot;heile des Darms gehört, zeigt in solchem Falle eine radiär angeordnete Gefässinjektion, und auf schwarzem Untergründe eine deutliche Ablagerung feinster, eben noch mit unbewaflhetem Auge sichtbarer Knötohen, auf deren genauere Beschreibung ich später noch einmal zurückzukommen habe.
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Ferner findet mim bei Mäusen selten eine Sclnvolhmg oder Verkiisung der Mesenterialdrüsen, wie dies beim Meerschwein fast regelmässlg roi'kommt,
Aucii im Blut der Hausmäuse konnte lob liäutig-, aber nicht in allen Fällen, die Baollleu nachweisen, nus demselben kultiviren und mit Erfolg Mäuse und Meerschweinchen durch subeutane Impfung mit bacillenhaltigem Blute (S. Fig. 3.) infloiren,
Eine nicht selten vorgefundene Vei'klehung beider Nasenlöcher scheint mit dem Infektionsprozess nicht zusammenzuhängen, da niemals eine charakteristische Veränderung auf der Schleimhaut der Naseusoheidewand beobachtet werden konnte, es sich demnach wohl um Absonderung eines einfachen katarrhalischen Dekrets handelte.
Nicht eben häufig wurde eine Verkftsung der Lymphdrüsen in der Pleura costalis meist linksseitig bemerkt, welche oft zu Hanf-korngrösse angeschwollen waren.
Hier und da kam auch eine Verkäsung der Mediastinaldrttsen zur Beobachtung.
Die meisten der Mäuse starben übrigens nicht so schnell wie die zuerst von mir geimpften, sondern gewöhnlich zwischen dem 15. bis 20. Tage nach der [mpfung. Selbst Todesfälle über einen Monat nach der Infektion habe ich gesehen, und ist es mir aufgefallen, dass gerade bei diesen Thicren die Darmerscheinungen am häufigsten zu beobachten waren.
Auch früher eintretende Todesfälle ereigneten sich, wobei jedoch der früheste Termin der dritte Tag nach der Impfung war.
Bei der weis sen Hausmaus, welche übrigens anscheinend noch empfänglicher für den Krankheitskeim ist, war der Verlauf der Erkrankung etwas abgekürzt, im übrigen das Sektionsergebniss genau dasselbe.
Der Hausmaus an Empfänglichkeit gleich steht der Hamster, welcher sich in diesem Jahre besonders häufig auf unseren Fluren zeigte. Bei der Wildheit dieses Thieres ist es nicht eben leicht, lebende Exemplare zu erhalten, und auch diese setzen der Impfung tlmtsächlich ernstliche Schwierigkeiten entgegen. Ich beschränkte daber meine Versuche an dieser Thiergattuug auf eine ziemlich kleine Zahl, was Jeder entschuldigen wird, der einmal versucht hat, mit diesen Thiereu zu experimentiren.
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Sic stavbeu sftnimtliol] regelraflsslg uaob Ablauf von 3x24 Stunden, und zeigtou bei Biibkutauer [mpfuug mit eiuer Kulturauf-scliwennmuig gauz bedeideudo patliologisobe Veräudoruugeu^
/ülilreiclic. Kiiötclicn und Knoten in Leber und Milz, käsige Ver-äuderuugeu, zum Tbeil noob markige Solivvelluug der Lymphdrüseu. Aucli in der Lunge faudeu siob einzelne Knötchen.
Uoberall kolossale Mengen vou ßaoilien in den Organen.
^\ io bei allen in den Bereiob der Versuehe bineingezogouen geimpften Tlxieren, wurde auch aus den Organen des Banisters mein Baolllus kultivirt, und zu Weiterimpfungen verwandt, wobei ich absichtlich bftuflg einen VVeobsel in der Thierspeoies eintreten liess.
Das Kaninchen erwies sich ans(dieinend bei der subkutanen [mpfung ndt OrganstUokcben und Kulturen nicht se empfftugliob wie die Mäuse, Meersebweinchen und Hamster, da mehrere auf diese Weise iufizirte Tbiere bei der späteren Tödtung und Obduktion keinerlei pathologische Veränderungen zeigten.
I!ci den Tbieren aber, welche der [mpfung erlagen, waren die patbologisoheu Produkte sehr bedeutend in der Extensität, in der Erscbeinung an si(di von den bisherigen Sektionsberiobten bei Meerschweinen nicht verschieden,
Meistens trat der Ted nach quot;21) bis 25 Tagen ein.
Namentlich heftig wirkte die Einspritzung einer Kulturauf-schwemmuug in die Ohrvene, welcher die Thiere gewöhnlich schon am anderen Tage, spätestens aber am 7. Tage erlagen. Bei den sehr bald gestorbenen Tbieren war die makroskopische Erkrankungserscheinung bei weitem nicht so auffallend, wie bei den einem längeren Kranksein unterworfenen, von welchen ich hier den Sektionsbefund kurz schildern will.
Die Kadaver sind meist sehr abgemagert. In der Bauchhöhle findet sich eine reichliche Menge einer farblosen, schwach opales-zirenden Flüssigkeit. Die Leber ist sehr gross, die Acini deutlich abgegrenzt, im Gewebe zahllose Kniitcben, über die Schnittfläche ergiesst sich eine grosse Menge blutig seröser Flüssigkeit.
Die Milz ist vergrössert, sehr dunkel, und mit unzähligen Knötchen besetzt.
Die Mieren zeigen nur selten Knötohenbildung, sind sehr dunkel gefärbt, und blutreich.
Die Lymphdrüsen der Bauchhöhle ohne sichtbare Veränderungen.
Die Lungen waren meist in ihren unteren Abschnitten ödematös
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und mit ziihlmclien steokuadelkopf- Itis erbseugroBseu KnOtoheii duvolisotzt, An der Iniptstcllc am Ohre traten liiiuüp ebenfalls einige Kuütclicii im Bindegewebe auf.
Erwäbut seien hier luieli zwei [mpfuiigen in die vordere Kammer von albiuotisobeaKaniuoben, die eine mit Kultur und der Pravaz'soheu
raquo;Spritze, die andere mittelst des Comealsohnitts und Einseiiieben eines Kniitcliens in einem kleinen Lebevstiiek in die vordere Kammer.
Die erste [mpfllUg mit der Kultur hatte eine überaus stilrmisehe Entvriokeluug des Impfmaterials, und denigcmäss eine heftige Reaktion des Bulbus zur ['olge.
Seiion am anderen Tage zeigten sich reiobliobe wolkige Nieder-sollläge in der vorderen Kammer. Nach der Impfstelle, in welcher offenbar etwas Impfmaterial allgestreift war, zog auf der Conjuilktiva ein grosses GefftssbUndel, auob zeigte hier die Cornea eine kleines Trübung in Gestalt eines Hornhautfleokes.
Am dritten Tage zeigten sich Knötchen in der ilornhant und auf der Iris, ganz enorme Füllung der Konjunktivalgefiisse, namentlich um die Cornea, am vierten Tage war eine vollständige Pauo-phthalmitis aufgetreten, und durch totale Trübung der Hornhaut jeder Einblick in das Augeuinuere verschlossen.
Dreizehn Tage nach der Impfung wurde das Tliier getödtet. Es fand sich der Bulbus im Innern vollständig mit feuchtem Käse ausgefüllt, von der Iris war keine Spur mehr vorhanden I Baoilleu fanden sich nur spärlich, doeb war der Käse virulent geblieben.
lob Hess die zweite Impfung mit einem Leberknötchcn sieb nicht so lange entwickeln, sondern tödtete das Thier bereits am anderen Tage, nachdem schon hochgradige Veränderungen im Auge aufgetreten waren. An dem unerötlheten Bulbus bestand nur leichte Trübung der Cornea, so dass der ungehinderte Einblick in die vordere Kammer dort erkennen Hess, dass das Leberstdckoben, welches auf der Iris ungefähr in der Mitte zwischen lloruhautscbnitt und Pupille sass, gelbweiss verfärbt war. Iris und Pupillen waren mit einer Pseudomembran vollkommen bedeckt. Nachdem die Hornhaut mit einer feinen Scheere ringsum abgeschnitten war, zeigte es sieh, dass diese (dipbtberitiscbe) Membran sich mit Ausnahme der Stelle, an welcher das Lebei'knötchen sass, leicht abziehen liess. In ihr hatten auch die Knötchen gesessen, während die darunter liegende Iris anscheinend frei von Knötchen war. Das KeberstücUchen hatte eine sehr feste Verklehuilg mit der Iris und der Membran herbeigeführt. Schnitte
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licsscii ubemll im Gewebe der Iris wie In tier Membran zablreiohe liiu'illeu ei'keuneu, Kuötohenbilcliuig wm- nloht meliv zu ermitteln, soudcm allgemeine Nekrose eingetreten, in deren Produkt nur nooli spftrllobe Zelleukerue siobtbar waren.
Ein sehr empfftugliobes TUier sobeint der wilde Feldhase zu sein. Ein von mir mit der Milz einer Maus subkutan geimpftes junges Häschen starb am vierten Tage uaoh der Impfung und zeigte in allen drüsigen Organen zahllose Knötehen, auch in der Lunge, nur der Darm war frei. Bei der Schwierigkeit, diese Thierspeoies lebend zu erhalten, musste ich mich auf diesen einzigen Versuch beschränken, ohgieich es interessant wäre, zu heohachteu, ob die wilde Species LepilS eniptanglicher für die subkutane impfung ist als die zahme.
So sehr ich nun die Reihe der Versuchsthiere erweitert habe und aussei- den benutzten einpfänglichen Thieren, nämlich 70 grauen und weissen tlausmäusen, M Meersohweinohen, lö Kaninchen, 4Hamstern und einem Feldhasen, noch 2 Pferde, auch eine Ziege, mehrere Hunde, Katzen, Igel, Hatten, eine Fledermaus, mehrere Wühlmäuse, Hühner, 'rauben, sowie zahlreiche Feldmäuse impfte, es zeigte keines der Tliiere irgend eine Empfänglichkeit zur Allgemeinerkrankung
Auch diese Figenthümlichkeit des Bacillus, seine pathogene Wirkung nur auf eine ganz bestimmte Gattung von Thieren und bei dieser, den Nagethiereii, auch nicht auf alle Species derselben auszuüben, unterscheidet die Pseudotuberkulose wesentlich von der Kocli'schen.
Während dieser Infektionskrankheit nicht mir die allerver-sohiedensten Thiergattungeu aus der Klasse der Säugethiere, den Menschen nicht ausgenommen, zum Opfer fallen, sondern auch die Vögel unterworfen sind, von welchen eine ganze Reihe überaus empfänglich ist, erscheint die Pseudotuberkulose ungleich harmloser.
Wenn auch in der nächsten Zeit gewiss noch eine oder die andere Thierspeoies ausfindig gemacht werden wird, die der Infektion durch die Blutbahn oder durch den Yerdauungskanal unterliegt, diese weitgreifeude Pathogenität, wie sie der echten Tuberkulose zukommt, hat lt;lic Pseudotuberkulose sicher nicht, was auch schon ihr verhältnissinässig seltenes Auftreten beweist.
Hierin scheint sie mir eine weitaus grösserc Aehnlichkeit mit dem Rotz zu besitzen, welcher, wenn auch nicht so beschränkt wie
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dioPseiidotiiberkulose,clooli niclit im eutfenitesten einen soloheaThier-kreis beherrscht wie die echte Tuberkulose,
Interessant ist das Verhalten der Pseudotuherkulose zum Rotz in Bezug auf Hausmaus und Feldmaus, Löffler ist es bekamitliolj idoht gelungen, bei Hausmäusen eine Allgemeiuinfektion y.n erzieieu*), Wi'ilireud die Feldmaus dem Rotz in verMltnissmttssig kurzer Zeit imterliegt. Umgekehrt war es mir nicht möglich, Feldmäuse mit Pseudotuherkulose zu infiziren, sie zeigten höobstens Buboueu, ohne dass es aneii üaob langer Zeit zur Allgemeininfektion gekommen
wäre, während die llansmaus ein so idienms einpftlngliches VersucllS-thier für Pseudotuherkulose ist.
Bei den Pferden, an welchen verschiedene Infektiousversuobe gemacht wurden, kam es höchstens /u einer ganz geringen örtlichen Reizung, einer unbedeutenden Eiterung, aber alle Prozesse heilten nach ganz kurzer Zeit ab.
Nur bei der intravenösen Injekiion einer grossen Menge von Bacillen, zeigte das eine Pferd vorttbergehond eine ziemlich bedeutende Temperatursteigeruug und grossen Krftftoverfall, erholte sich aher mud: einiger Zeil wieder. Bei der Sektion Hessen beide nicht die geringste mit der Impfung in /usanimenhanic zu brinirende pathologische Veränderung erkennen. Bei den Hunden, Katzen, Tauben, Hühnern etc, etc., traten nur vorübergehende örtliche liei-zungen auf.
Bei der Ziege entwickelte sich ein grosser fluktuirender Abscess, in welchem sich noch nach der ,quot;raquo; bis ö Wochen später erfolgten Tödtung, wobei alle Organe vollkommen frei gefunden wurden, virulente Bacillen in dem rahmig eitrigen Inhalt fanden, welcher auf Mäuse verimpft, diese unter den bekannten Erscheinungen tödtete.
Bisher war die Infektion der Thiere immer, entweder durch einfaches Einbringen des [mpfmaterials in das linterhautzellgewebe,
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*) LölVIcr (M-wiilint Arli. aus lt;!, kniser), Gesnndhoits-Amt, I. IM. S. 177), ilass er bei finer mit Rotlaquo; gelmprtcn Hausmaus eine rot'/.igo Milz gefnnden habe, ohne ila-^s die übrigen Organe c-ino lirkrankung üoigten. teil selbst hnbe bei zwei [lansmänsen, welche mit echtem tiutz geimpft waren, bei der einen einen verkästen I5u1h) ohne weitere Organerkrankungen boubachtet, bei der anderen ßini; von dem Bnbo ein Rotx-sträng noch der Millaquo;, welche mil Knoten dnrchsetist wnr, \'lt;iii der Milz gint: ein weiterer Strang nach der Brusthöhle, an welchem auch in der linken Lnngo ausgedehnte Rotzgewächse sieh entwickelt halten. In beiden Fällen fanden sieh die LiilVleisehen Rotzbacillen in reichlicher Menge in den vertlnderten Organen bezw. Bnbonen vor.
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oder (lurch intravenöse oder lutvaperitonänle Injektiou oder durch [mpfUng in die vordere Kammer herbeigefllhrl worden, als mich ein imvorlxergesekenes Ereigniss eiueu anderen Weg der [ufektiou kennen lehrte, au dessen Möglichkeit loh* bislier nicht gedaoht hatte. Ks war mir zwar aufgefalleu, oder doch mindestens nicht eut-gangeu, dass einzelne der Versuohsthiere, wie ich schon erwähnt babe solche, welche längere Zeit nach der [mpfung gestorben waren, liier und da in Dame und Mesenteriuiu Kniilciicn gezeigt hatlen, welche in der Darraschleimhaut sitzend in ihrem Centrum einen gesohwürigeu Zerfall erlitten hatten, allein ich glaubte diese Erscheinung auf das Eiudriugen der Baoilleu in die Darmwand auf dem Wege der l.yniphbahnen erklären zu können, als mich der Tod einiger Meerschweinchen, welche nicht iufleirt waren, eines Besseren belehrte.
Es starben in dem Stall, in welchem sich der Vorrath von noch nicht geimpften Meerschweinen befand, in kurzer Zeit, innerhalb 8 bis 10 Tageil neun dieser Thiere, deren Sektion nicht nur die charakteristischen Erscheinungen der Pseudotuberkulose ergaben, sondern aus deren Organen auch mein Macillus leicht isolii't und fortgezllohtet werden konnte. Auch die mikroskopische (Jntersucluuig Hess den Bacillus in reichlicher Menge erkennen. Bei diesen spontan gestorbeuen Thieren waren nun gerade die Darmerscheinungen besonders auffallend, und dem weiter unten angegebenen Sektions-bei'und der bei Fütterungsversuohen eingegangenen Thiere nahezu entsprechend.
liier konnte, da die Lungen in diesen Fäden stets frei von Kuötcheu und Baoilleu gefunden wurden, der Eintritt des Virus nur auf dem Wege des Verdauungskanals erfolgt sein.
Aber wie war das Infektionsmaterial in diesen Stall gelangt?
Endlieh fiel mir ein, dass bei der Impfung der Ziege mit Pseudotuberkulose, welche ebenfalls in diesem Stalle aus Mangel an anderem Platz eingestellt war, mir dadurch ein wenig beachtetes Unglück passirt war, dass bei der subeutanen Impfung derselben, zuerst die Nadel der Kaniile, ohne dass es von mir vor dem Entleeren der Spritze bemerkt worden war, durch die feine Cutis am anderen Ende der llautfalte durchgedrungen war, so dass sieb beim Niederdrücken des Stempels der gesummte Inhalt der Spritze, bestellend aus einer stark baoillenhaltigen Aufschwemmung, in die Streu des Stalles entleerte.
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Der missglUokteu Impfimg folgte BOgleloh omc zweite Injektion, ohne (Imss ieii nur im Kiitt'enitesten daran dachte, wciclio Folgen die unterlassene Desinl'ektion der Streu haben würde.
Am Ui. Februar war die Ziege geimpft, am 23. März, also fünf Woohen später starb in dem Stalle das erste Meerseiiwein.
Nachdem sieh die Todesfälle vermehrt hatten, liess loh eine
sorgfältige Desinfektion des Stalles mit Sublimat vornehmen, worauf keine weitere spontane Erkrankung mehr erfolgte.
Auf diesen deutliehen Fingerzeig hin schritt ich natürlich als-bald zu Ftitterungsversuchen.
Als Versuohsthiere wählte ich Mäuse, Kaninchen und Meerschweinchen. Die Mäuse erhielten Hafer, die Kaninchen und Meerschweine kleinzersehnittenc Mohrrüben und Hafer zu gleichen Tlieilen; dem Futter wurde jedesmal das Impfmaterial in Form von Bouillou-kultur beigemischt, und von den Thieren ohne Anstand angenommen. Die Mäuse starben nach drei bis vier Tagen, die Meerschweine und Kaninchen meistens nach sieben bis acht Tagen.
Die ersten Krankheitserscheinungeu traten schon nach kaum zwei Tagen auf, indem die Thierc die Fresslust verloren, traurig mit gesträubtem Haar dasassen, und sämmtlich eine starke Verlangsamung der Athmungsfrequenz bemerken Hessen.
Namentlich auffallend war dies bei den Mäusen und Kaninehen, nur einige der Thierc blieben von der Infektion verschont.
Die Sektion ergab mit geringen Abweichungen folgenden Uefund:
Der Unterleib ist deutlich aufgetrieben, es entleert sieb bei seiner Eröffnung eine reichliche Menge seröser Flüssigkeit. Der Darmkanal ist in seiner ganzen Ausdehnung, besonders aber reichlich der Dünn- und Blinddarm mit zahllosen Knötchen besetzt. Die Serosa, unter welcher die Knötchen durchschimmern, ist lebhaft injizirt, desgleichen das Peritonäum. Man sieht die grossen Drüsen-häufen der Darmschleimhaut ebenfalls mit Knötchen besetzt, als starre Platten über das Niveau der Umgebung, sogar nach Aussei! hervorragen. Die Milz enthält meistens keine Knoten, dagegen zeigt die Leber reichliche Einlagerung von hirse- bis erbseugrossen Knoten.
Die (iekrösdriisen sind geschwollen, die Lungen frei, ebenso die Nieren.
Aus den Knötchen der Leber Hess sich mein Bacillus leicht direkt isoliren, aus dem Darminhalt mit Hülfe der Plattenkultur.
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Tblerimpfimgeu mit den gewonnenen Kulturen ergaben wiederum PseadotuberkuloBe.
Audi der mikroskopische Nachweis der Haeillen gelang In allen von der Kranklieit ei'grlffenen Organen.
Bei dem gegenüber der direkten Einverleibung in die Lymph-halm überaus scliuellen, und unter weit schwereren Darmersoheinungen erfolgten Tod der Versuclistliiere, dürfte der Sohluss gerechtfertigt erscheinen, doss der uatüriiehe Wog der Infektion der für Pseudo-tuberkulose empfänglichen Thiere die Verdaunngsorgane sind.
Hierfür spricht die von mir bestätigte Beobachtung früherer Forscher über das auffallende Beschränktbleiben der pseudotuberkulösen Kranlieitserscbeimiiigen auf die Organe der Bauchhöhle, und das häufige, bei Fütterungsversuchen fast regeimässige Fehlen der Knötcben in den Lungen, welche auch bei den spontan verendeten Thieren meist vermisst wurden, wodurch die Aufnahme des Infektionsstoffes durch die Luftwege ausgeschlossen erscheint,
Gerade das umgekehrte Bild wie bei der spontanen Tuberkulose, bei welcher die Lungen in erster Linie erkranken, und die schwersten und ausgedehntesten pathologischen Veränderungen zeigen.
Aber auch die biologischen Eigenschaften meines Pseudotuber-kulose- Bacillus, sprechen keineswegs gegen meine Annahme, dass dieser Infektionsvorgang der gewöhnliche sei. Der Bacillus gedeiht auf allerlei möglichen, namentlich auf pflanzlichen Nährböden, bei gewöhnlicher Temperatur ganz gut, höhere Temperatur bis zu HOquot; ('., beeinträchtigen sein Wachsthum ebensowenig wie Kälte. Gegen längerdauernde künstliche Austrockmmg zeigt er sich allerdings sehr empfindlich, doch kann hieraus auf die natürlichen Verhältnisse kein Schiuss gezogen werden.
So dürfte er der Verbreitung und Einimpfung durch Aufnahme von Futterstoffen, welche mit ihm imprägnirt sind, wie ja aus den spontanen Todesfällen und aus meinen Futterungsversuchen zur Evidenz hervorgellt, keine in seinen Lebensbedingungen liegende Schwierigkeiten bereiten.
Vielleicht gelingt es auch, ihn einmal ausserhalb des Thier-körpers ohne direkte' Beziehung zu etwa vorangegangenen Erkrankungen als einen Saproplivten mit fakultativer l'athogenität festzustellen.
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VI.
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Mlltroskoplscher Nachweis dos Bacillus dor Psendotnberlaüose und seine FUrbnnff.
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Es erübrigt uunmelu' uooL, llber ilas mikroskopisoUe Verlialteu der Baoilleu in den Organen uucl ihre beste l^ärbungsmethode einige Mittbeilungen zu maoben.
Am ungünstigsten zum Naobweis der Baoillen sind diejenigen I'Tille, in weiehen. wie bei den Kanineiien und Meerseliweiiielien, von der subkutanen [mpfung bis zum Tode eine geraume Zeit verstiioben ist, liier gebl es wie bei den llotzbacilien.
In dem verflüssigten nekrotiseben iubalt der grössereu Kuötoben trilVt man die Baoillen niebt sieber, bald garniobt, bald überaus spftrliob, dann auf einmal wieder in sebr grosser Menge.
Aueli in der Umgebung der Knöteheii sind dieselben selten zu linden, weil diese meistens mit einer so festen Kapsel umgeben sind, dass eine sekundäre Verbreitung durch den Sohmelzungsprozess (wie z. B. bei Tuberkulose) wohl auszusobliesseu ist.
Am besten trifft man sie bei Kanineiien und Meerscliweinelien, wenn diese Thiere, intravenös oder intraperitouäal geimpft, nach vier bis fünf Tagen verstorben sind. Dann bat eine förmlicbe Ueber-sobwemmung stattgefunden, dann sind aueli die Lungen, wenigstens bei der intravenösen [mpfung, mit Bacillenbaufen reioblich durobsetzt.
Ebenso sebön land ich sie bei den siibentan geimpften llamstcni, und den in Folge der Fiittenm^sversneho eingegangenen Thieren.
Ausnahmslos gutes bezw, vorzügliches Sohnittmaterial erhält man in den Organen der Hausmäuse.
Ms ist geradezu unbegreiflich, wie solche Baoillenmengen, die man in einem Orgauschnitt dieser Thiere siebt, in der verbiiltniss-mässig kurzen Zeit der Erkrankung entstehen können, zumal wenn man aus dem Befund in einem dünnsten mikroskopischen Sobnitt auf die Gesammtbacillenmenge ties Körpers zu scbliesseu versucht.
In den Organen folgen sie meisl der Lymph-, sieher aber auch bei Mäusen der Blutbabn, da man sie bei diesen Thieren, wenn auch nicht regelmftssig, doch hfluflg liier und da in ganz enormer Menge im Herzblut lindel.
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hi der Leber solxeinl es fast ausohliessliol] die Lymphbahn zu
sein, der sie folgen, ebenso in den Luugeu.
In den quot;Nieren trifft nian sie meist in den Glomemlia und den ilarnkiuiiiielien an, in der Mil/, sind sie ganz orduungslos zerstrenl.
Meist liegen sie in iniregelinäsig begrenzten Hänfen, oft ancli förmliche Ausgüsse (Fig. 5.) der Lyrapbgefftsse bildend, von welchen dann häufig in Reih und Glied, zu zwei angeordnet, die Baoilleu wie aussobwärmende Truppen sieli in die feinen Verzweigungen der Lymphgftllge verbreiten.
Selir seliöne, ioli möohte sagen, nntiirlielie Bilder, erliält man wenn man naeh einer srlidii friilier von mir angegebenen Metliode*) ein Stück des Mesenteriums über ein Deckglas ausspannt, antrocknet, und dann färbt wie ein Ausstrichpräparat.
Bei genügender Vergrösserung sielit man dann zwischen den (iefässmaselien die Knötelienbildnng in allen Stadien.
Hier haben sich um ein Häufcheu von drei bis vier Baoilleu vierzig bis fünfzig Lymphzellen gruppirt, dort hat ein stattlicher Bacillenbaufen schon eine grössere Menge Blutzellen zum Auswandern gebracht, und schickt durch diesen noch nicht ganz fest gesohlosseneu King schon wieder einen Theil seiner Bacilleu /.u weiterer Zerstörung ans (Fig. 6).
Irgend ein Zusammenhang mit dem Blutgefflsssystem, wie dies bei Tuberkulose des Mesenteriums regelmässig der fall ist, wo die Baeilleninvasion den perivaskuliiren Lymphräumen am liebsten folgt, liisst sich bei der Pseudotllberkulose nicht erkennen.
Auch hier im Mesenterium habe ich vergebens nach Riesen-/.ellen gesucht.
Ganz enorme Mengen von Bacilleu lindet man in noch nicht verkästen, erst markig geschwollenen Lymphdrüsen, und in den Knötchen des Darms.
Was die Färbung anbelangt, so habe ich schon diejenigen Anilinfarhstoffe bezeichnet, welche nur schlechte Resultate ergeben. Die schönsten Bilder erhält man in Schnitten und Deckglaspräpai'aten mit der Löffier'scheu starken alkalischen Methyleiiblaulösung.
Schnitte bleiben nur zwei bis drei .Minuten in der l'urbe, und werden dann mit einer drei-bis vierprozentigeu Salzsäurelosung schnell Von einem Theil der Farbe befreit, nnd nach genügender, aber nicht
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*) Mltthoilungen aus der amtl, Lebensmitteluntorsnohungs-Anstftlt zu Wiesbaden 1883/84 s. 200, S. auch Ilüppe, Methodik 1. Auil.
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zu weit getriebener Eutfflvbuug, da sie später im Alkohol noch Farbe abgeben (durob üebllllg trifft man leicht den richtigen Zeitpunkt) in möglichst viel Wasser gul nnsgewaschen, um jeden Sänrercst, der die Präparate sicher verdirbt, ZU entfernen. Dann kommen sie nicht ZU lange in absoluten Alkohol, welcher namentlieh fllr die üacillen-t'ärbnng getahrlieh ist und werden nach beliebiger Aufhellung, Nelkenöl ist ausgeschlossen, in Üalsam eingebettet.
Gleiob s(diöne Präparate erhält man, wenn man auf dieselbe Methode, nach welcher die Lölflersche Methvlenblanlösimg angefertigt wird, eine Fuohsinlösung zubereitet, und die Schnitte weiter behandelt, wie oben angegeben. Man hat nur zu beachten, dass diese Lössung sich nicht lange halt, sondern am besten jedesmal in kleiner Menge frisch angefertigt, und vor dem Gebrauche liltrirt wird, Deokgläsohenprftparate können etwas länger mit beiden Kiirbtliissig-keitcii in Heriilirnng bleiben, und werden nachher nur mit Wasser oder tio quot;-Alkohol abgespült, vorsichtig getrocknet, und in Canada-balsam eingelegt.
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Ich bin mir bewusst, das meine vorliegende kleine Arbeit keine den Stoff erschöpfende sein kann, holte jedoch mit meiner Mittheilung für den Erreger einer bisher wenig beachteten Art der infektions-gesehwülste das Interesse anderer Forscher anzuregen, womit mein nächstliegender Zweck erreicht wäre.
Den Herren Dr. ('. Schmitt, Dr. Seh midt-Miilheim und Dr. Gerlaoh hier, spreche ich für freundliche opferwillige Unterstützung bei dieser Arbeit meinen Dank aus.
Wiesbaden im August 1889.
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Auf die mir erst nach Druck meiner Arbeit bekannt gewordenen Baoillenbefnnde bei psondutuberkulöa erkrankten Thieren, von Cliarrin und Roger, sowie Dor (Compt. rend. 1888) konnte loh leider nicht, eingohen. Aus den ganz obei'flftchlichen Arbeiten der genannten Autoren lassen sich keinerlei Sclilüsse zlelien, ob dieselben meinen, oder einen anderen Baciilns unter den Hunden gehabt Indien.
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Erklärunff dor Photogramme,
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Fij,'. 1. Tief Hegende Kolonie In der Qelatineplatte, aufgenommen mit Seiberth Apoohvoraat 16mm. y-rigt die konoentrlsohe Schichtung der Kolonie sowie don Kranz von Kristallen.
Fig. II. Auf der Oberfläche der Qelatineplatte liegende Kolonie, aufgenommen mit Seiberth Apoohroraat 16 mm. Zeigt die elgenthllmliche Figurenbildung in der Kolonie sowie den Nabel fast im (Jentrum derselben.
Fig. III. PseudotuberkuloBe-Bacillen im Mttuseblut, aufgenommen mit Seiberth Apochromat 4 mm, goftlrbt mit alkalischer PuchsinlUsung.
Fig. IV. Kulturprilparat aus Gelatine, aufgenommen mit Seiberth Apochromat. linniersions-System 2 mm. (iefärbt mit wässriger Fuchsinlösung.
Fig. V. Schnittprilparat ans der Leber eines Hamsters, aufgenommen mit Seiberth Apochromat 8 mm. Zeigt mit Bacillenmassen ausgestopfte Lyraphgefässo und Bacillenhaufen, gefärbt mit alkalischer Methylen-blauütsung.
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Fig. VI. Auf das Deckglas ausgespanntes Mesenterinm einer Maus. Aufgenommen mit .Seiberth Apochromat 4 mm. Oefiirbt mit alkalischer Fuelisinlosung. Zeigt, ein Knötelien, in dessen Mitte ein Bacillenhaufen liegt, welcher am unteren Rande den Zellenring durchbrochen hat und von hier ans die Bacillen weiter in das Gewebe schickt.
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