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a. J. H. w. BRANDT.

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ihrc Esilwickelong nnd gescliichtliche Bedeatang.

UTRECHT,

C. J. G. IIEPELTUS,

■\'tinu.i J. dk Kuuipf -- Korte Nicir.vstraat.)

1889.

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DIE MANDAISCHE RELIGION,

ihre Entwiekelung und psehiehtliGhe Bedeutung,

ERFORSCHT, DARGESTELLT ÜND BELEUCITET.

PROEFSCHRIFT

ter verkrijging van den graad

DOCTOR IN EE WELEEREHEID,

AAN DE RIJKS-UNIVERSITEIT TE UTRECHT

na bekomen- machtiging vax den hector magnificus

Mr. J. Baron d\'Aulnis de Bouroüill,

Hoogleeraar in de Faculteit der Rechtsgeleerdheid,

EN MET TOESTEMMING VAN DEN SENAAT DER UNIVERSITEIT

tegen de bedenkingen van de faculteit der godgeleerdheid

TE VERDEDIGEN op VRIJDAG 7 JUNI 1889, des namiddags te unr,

DOOP.

UUST JOHAM HEIN RICH WIL UK IJl BRANDT,

Predikant te Zierikzee,

geboren te Amsterdam.

UTRECHT,

C. J. G. KEPELIUS,

(firma J. de Kruyff — Korte Nieuwstraat.)

1889.

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RIJKSUNIVERSITEIT UTRECHT

I

0465 6652

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STELLINGEN

I.

De oorsprong aller religie ligt in den samenhang van \'s menschen wezen met liet bovennatuurlijke of eeuwige.

II.

Men heeft geen recht om den godsdienst te bepalen als het door indrukken van eene voorgestelde bovenzinnelijke macht in beweging gebracht zedelijk bewustzijn.

III.

Beginsel van den christelijken godsdienst is het geloof aan de verschijning van het Eeuwige Goed in de gestalte van Christus.

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6

IY.

Als historisch verschijnsel is het Christendom uitgegaan van het geloof aan Jezus\' lichamelijke opstanding.

Y.

De bewering van Aug. Wiinsche (Neue Beitrage, bl. 42 vlg.), dat volgens den Midrash op het Hooglied „geradezu ein neues Gresetzquot; wordt verwacht, is even ongegrond als die, dat volgens Pirke Abót de offers en feestdagen in de toekomstige eeuw zouden worden opgeheven.

YI.

De proselytendoop komt in de Mishna (Pesachim YIII. 8) nog niet voor.

YII.

Het denkbeeld , dat de Messias in het wereldgericht als rechter zal optreden, is van christelijken oorsprong.

YIII.

Men leze Job XLI vers 1 en 2 na vers 25 , en schrappe vers 3.

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IX.

Het paulinisch karakter van 1 Cor. XIII is niet boven bedenking verheven.

X.

Do doop van Jezus in den Jordaan behoort tot de alleroudste christelijke traditie.

XI.

Het woord Matth. XVI, 4 doelt op Johannes den Dooper.

XII.

Het bestaan eener school of gemeente van Johannes den Dooper is onwaarschijnlijk.

XIII.

Ten onrechte beweert J. Lehmann (Die clemcnti-nischen Schriften, bl. 457) dat de Esseners in hot eerste boek der Recognitiones ontbreken „ohne Zweifel weil sich der ebionitische Autor des Zusammenhano-es

o

seiner Partei mit den Essaern wohl bewusst war.quot;

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8

XIV.

In de pseudoclementijnsclie Homilieën is de Doopformule ingelascht.

XY.

Alleen in de katholieke Christenheid heeft men „Nazareërsquot; voor de benaming eener Joodsehgeziude seete gehouden.

XVI.

Ten onrechte hebben de christelijke haereseologen de hemerobaptisten als eene afzonderlijke joodschè secte beschouwd.

XVII.

De Masboteërs waren baptisten.

XVIII.

Het geweten de stem Gods in den mensch te noemen verdient besliste afkeuring.

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9

XIX.

Eisch der zedelijkheid is, dat in het monogamisch huwelijk mau en vrouw beschouwd worden als hebbende gelijke rechten.

XX.

De zwarigheid bij het behandelen der vraag naaide vrijheid van den menschelijken wil is daarin gelegen, dat hier de rechtstreeksche samenhang van \'s menschen wezen met het bovenzinnelijke zich doet gelden.

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PROEIPSOHJRXIP T.

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^rau Bertha Branbt,

u Briefen unb (5cbanfeii ol^ne Slufljoren ift, licbc ïïïutter, beiue

geborene IDtd;etn,

in ^lmjicrbam.

Cfyeilnafyne über bas IPaffer 311 mir qefommen, nnb roie felir Ijat fie mid] bei ber einfamen 2(rbeit erquicft, getroftet unb

erfrent! £ag mid) beun jcfet bas fertige Biid^ DjiJ sueignen. 5ieb! cs rebct bic 5prad]e, bic bii fclbft mid] budiftabircn mib fd^ircibeii gelelirt. Sonft ift\'s irofil ciu faltcs, Iicrslofcs Bud], Hid)t bag bu es Icjen modjteft ift balicr niein iDunfd}. I^alt es nur cincit 2higcnblicf in ben trcuen fjanbcn, unb gieb ibm bann eincn pla^ in beiner rtalie; als aidren es bie 5ivgt;ei ïgt;on meinen beften Cebensjaliren, bie bariu fdiier aufge= gangen finb.

^ierifsee, ben 21Iai \\889-

Dein Sobn.

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Vorrede.

Mehr als ein Zeitalter der Geschicbte ist filr das geistige Lebeu der Menscliheit besonders wichtig gewesen: keins aber hat an tief eiu-greifender Bedeutung und allseitiger Tragweite noch die Periode üher-troifen, in welcher Morgen- nnd Abendland einander begegnet sind und die im Orient erblühte Pbantasie mit dem in Hellas erworbenen Gedankenreichthum verbunden sovvohl hier wie dort ueue Gebilde erzeugt hat.

Oertlich und zeitlich mitten in diese Bewegung fallt der ürsprung der christlichen Religion, in ihren weiteren Verlauf die Entstehung der katholischen Kirche. üm das Christenthum herum gruppiren sich grosse und kleine heidnische, jüdische, gnostische Mischreligionen und Secten, aus deren Mitte es immer machtiger heranwachst.

Wer die religionsgeschichtliche Karte dieser Zeit studirt hat, muss audi auf gewissen Zügen gegen den östlichen Rand die Spur verloren haben, wie mitunter auf Landkarten Wege und Höheuzüge sich in ein Grenzgebiet verlaufen, dessen zuverlassige Vermessung noch aus-steht: in dein sehr weiss erscheinenden Winkel bricht die orographische Schraffirung plötzlich ab, Strassen- und Flussverbindungen sind nur sparlich angedeutet, bin und wieder stösst ein Fragezeichen auf.

Das unerforschte, filr die angrenzenden Territorien aber keines-wegs gleicbgültige Land schien mir ein paar mal die Heimath der viel genannten, von der Wissbegierde europilischer Reisender umworbenen und trotzdem noch immer riltbselhaften „Johanneschristen oder Zabierquot; zu sein. Heutige Lehrer der Kirchengeschichte wollen in ihnen die „durch gnostische Einflüsse hindurchgegangenen Epigonenquot; der Johannesjünger (Apg. 18, 24 ff.) und Hemerobaptisten erkennen, welche „gar leicht den Grundstamm filr die elkesaitische Sectenbildung abgegebenquot; haben könnten (J. H. Kurtz), in einem Wort: ein Petrefact gnostischen Johannesthums (K. Hase). Der gelehrte Chwolsohn batte ihre Identitilt mit den Elchasilern, den Mughtasila und den Sabiern des Qoran verfochten. Von den neuesten Forschern wiederum (Nöldeke, Kessler) wurde nicht nur diese Identitilt, sondern auch jeder Zusammen-hang mit Johannes dem Tilufer entscbieden in Abrede gestellt. Wie

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Vorrede.

sehr überhaupt die hertömmliche Aufstellung sich in blossen Ver-mutbungen erging, war scbon daraus ersicbtlich, dass weder die Existenz der Jobannesgemeinde, nocb die der Hemerobaptisten als einer be-sonderen jüdiscben Secte die gescbicbtlicbe Wabrscbeinliclikeit für sicb bat. ^ Der Grund dieses unsicbern Tappens und Irrens war eben der, aus welcbem icb meinestbeils das unbekanute Gebiet zuerst am liebsten umgangen biitte: die fremdartige Scbrift und Spracbe der mandaiscben Urkunden, sowie das augenscbeiulicbe Wirrsal ibres Inbalts. Wer die 000 Qaartseiten einförmiger Cursivscbrift der Petermann\'scben Copie des Genza, obne Hervorbebung der Eigennamen oder irgendwelcbe Satzabtbeilung zum ersten Male nnter die Augen bekommt, kann sicb eines abscbreckenden Eindruckes kaum erwebren. Wer aber obne sich im Genza orientirt zu baben Euting\'s Absebrift des Qolasta zu lesen anfangt, findet sicb unfeblbar mit Dr. Krebl „immer wieder ausser Stande, den Zusammenbang zu verfolgeii11 und wird zuletzt aucb dem Eingestandniss desselben beipflicbten müssen: „Katlilos irrt man da umber und liisst ermüdet den Mutb sinken.quot;1)

Indessen scbien mir docb das Auftreten sowobl des grossen Buss-predigers am Jordan als anderer Taufer in und an den Grenzen des Judentbums eine bessere Kenntniss von den Badern am Eupbrat dringend zu erbeiscben, besonders aber über den Tauf- und Abendmablsbraucb in der cbristlicben Kircbe war meines Eraobtens ein sicberes Urtbeil nur zu gewinnen, nacbdem die offenbar bedeutende Rolle, welcbe der-selbe bei diesem merkwürdigen Vülkcben von jeber gespielt bat, genau ermittelt sein würde.2) Mit der westlicben Nacbbarscliaft\' und den gracisirten Verwandten desselben durcb eigenes Studium der jüdiscben und cbristlicben Quellen ziemlicb vertraut, fasste icb daber vor etwa zwei Jabren den Entscbluss, nicbt langer mit der unverlasslicben Nor-bergquot; scben Ausgabe des grossen Codex der Mandiler fürlieb zu nebmen, also zu einer selbstiindigen Erforscbung ibrer Scbriften. Dass diese kritisch zergliedert werden mussten, war mir seit der ersten Durchsicht von Norberg\'s Latein klar; dass aber diese Kritik noch gar nicbt in Angrlff genommen war, konnte ein Ueberblick über die bisberigen Bemübungen um den Stoff micb lebren. Habe icb also dnrchaus meine eigene Bahn brechen mussen, so lag eben in diesem Umstand ein machtiger Reiz, obne den icb die lange und anstrengende Arbeit vielleicht nicht zu Ende gefiibrt biitte.

VI

1

In des Leipziger Professors Anzeige von Eutings Edition des Qolasta, ZDMG. 18CS, S. 559.

2

S) Auch hierüber gelegentlich Niihercs.

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VoiTede.

Den Kniluel dieser Literatur ,voll des grüssten Widersinnsquot;, wie Nöldeke sie noch in der Einleitung seiner Mandiüsclien Graramatik kennzeichnet, glaube icli grossen Theils glücklich entwirrt zu baben. Dabei war eine wenigstens in den Hauptsacben mügliobst vollstilndige Entfaltung des Stoffes dnrcb die Unbekanntbeit desselben geboten. Dass icb immer vorzugsweise die ürkunden wörtlicb augezogen babe, wird man mir danken; für die sorgfilltige Auswabl der Belegstellen und deren gewissenbafte üebersetzung erboffe icb von befngter Seite einige Anerkennung. Zum gebörigen Verstiindniss der mandüiscben Texte gebort vor Allem Belesenbeit im Sidra Rabba. Ein blosses Durcblesen der Grammatik reicbt dazn nicbt ans: die Missgriffe eincs Dr. Kessler beweisen das. Herrn Prof. Nöldeke in Strassbnrg gebübrt meiu bester Dank für die Belebrung, die er mir in drei ausfübrlicben Briefen über linguistiscbe Scbwierigkeiten bat zn Tbeil werden lassen.

Im G. Capitel babe icb ancb das Verbilltniss zn andern religions-gescbicbtlicben Erscbeinungen zu bestimmen versucbt. In Ansebnng der babyloniscb-assyriscben und persiscbeu Forscbung konnte icb nicht selbstiindig vorgehn, sondorn nur den Meistern der Wissenschaft folgen, ihre Meinungen vergieicben und die Beweisgründe prttfen. Wo solche Meimingen mitgetbeilt sind, olme dass icb sie mir ausdrücklich an-eignete, babe icb ibnen eine entschcidende Bedeutung nicbt beigèmessen. Blindlings gefolgt bin icb meines Wissens nie. Nur muss icb befürcbten, dass hier vor Allem meine Entfernung von den Sitzen der Gelehrsamkeit und ibren Bücberscbatzen dem Werk gescbadet haben wird. Bei aller Gefiilligkeit der Bibliotbekare, des bereits verewigten Dr. P. A. Tiele in Utrecht, des Dr. W. N. du Kien in Leyden, der Herren A. Bleeker und M. Koest, Beamten der taufgesinnten Gemeinde und der Biblio-theca Rosentbaliana in Amsterdam, die icb hier dankbar anerkenne, ging es doch nicbt an, in jedem einzelnen Falie gleich das beste ein-schlagige Buch mir zuscbicken zu lassen. Ein solches aber an Ort und Stelle zu Rathe zu ziehn, daran war angesichts der von meinein Wohnort aus jedesmal mindestens drei Tage in Anspruch nebmenden Ueisen nicht zu deuken. Vielleicht hiltte auch die Wabl der benutzten Werke manchmal zweckmilssiger getroffen werden konnen. War icb doch in der soeben angedeuteten isolirten Lage von den ersten Vor-studien bis zur letzten Revision der Aushiingebogen lediglich auf die eigenen unvollkommenen Krilfte angewiesen.

Im Ganzen bin icb bestrebt gewesen, mich kurz zu fassen, und Wiederholungen soviel wie nur möglicb aus dem Wege gegangen. Dabei bat wabrscheinlich die Leichtigkeit des Lesens, boffentlich aber nicht die Verstandlichkeit meiner Schrift gelitten. Auf die erforder-liche Genauigkeit im Ausdruck babe icb die grösste Sorgfalt ver-wendet. Mit welchem Erfolg, muss freilich von Andern beurtheilt

VIT

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Vorrede.

werden. Indessen möchte ich docli betonen, dass durchweg an jeder Stelle der Inhalt alles Vorherigen vorausgesetzt ist: ich bitte also, das Buch von Anfang an zu lesen, und die Berichtigungen vorher einzutragen. Wo andere religionsgeschichtliche Erscheinungen in Betracht gezogen werden, habe ich auf sachkundige Leser gerechnet. Umgekehrt wolle der Leser anch mir einige Kenntniss zutrauen von gewissen Dingen, die noch in Frage stehen, bei denen ich mich aber ohne Dmstiinde an die mir wahrscheinliche Lösung gehalten habe. Dafür, dass ich nicht selten ihm etwas zu denken übrig gelassen, branche ich mich nicht zu entschuldigen.

Der Druck hat sich durch zehn Monate hingezogen. Daraus er-klaren sich etliche Berichtigungen (vgl. das Verzeiclmiss). Auch der Druckfehler habe ich in den ersten Bogen, des Corrigirens noch un-gewohnt, mehr als in den spateren stehen lassen. Die gemischte Vocalisation des Syrischen rührt daber, dass ich im Manuscript nur die griechiscben Zeichen verwendet batte, die Punkte aber da, wo es besonders wünschenswerth erschien, erst in den Druck hinein-corrigirt habe.

Uebrigens moge das Buch für sich selber reden. Da sich fragt, ob ich jemals wieder eine Arbeit wie diese, die mir lieb geworden, werde nnternehmen konnen, schicke ich es nicht ganz leichten Herzens in die Welt hinaus. Was ich in den letzten beiden Jabren an freier Zeit aufzutreiben und meinem pastoralen Gewissen abzuringen vermocht habe, ist darin verkörpert.

VIU

Endiich der hochwürdigen theologischen Facultat der Universitat Utrecht für ihr Wohlwollen, besonders aber Herrn Prof. Lamers für das inir erwiesene Zutrauen, als ich mit der Herausgabe dieses Werks die theologische Doctorwürde zu erwerben wünschte, meinen ehrfurchts-vollen Dank!

Zierikzee, im Mai 1889.

Brandt,

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Inlialtsverzeicliniss.

Vorbemerkung üLer die mandaische Sprache und ihre Umsclirift.

Einleitung. Bisherige Forschungen.

§§ 1. Ignatius a Jesu. — 2. Karte bei M. Thévenot — 3. Abraham Ec-chellensis. — 4. Vergebliches. — 5. Norberg. — 0. Petermann. — 7. Siouffi. — 8. Edirte Urkunden. Grammatik. — 9. Interpretation. — 10. Mandaische Gelehr-samkeit. — 11. Bearbeitungen.

Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

§ 12. Vorbemerkungen.

I. Polytheistischer Stoff.

A. Theogonie. §§ 13. Der 6. Tractat. — 14, Der S. und der 17. ïractat. — 15. Der 28. Tractat. — 16. Erklarung der Differenzen.

B. Schöpfung. §§ 17. Die Welt- und Menschenschöpfung im G. Tractat. — 18. Polytheismus.

II. Die Lichtkönigslehre.

§§ 19. Einleitendes. — 20. Die Lichtwelt. — 21. Die Welt der Finsterniss. — 22. Die Schöpfung. — 23. Verhaltniss zum Polytheismus.

III. Die Verwirrung in der inandaischen Theologie.

, §§ 24. Ueberarbeitung und Compilation. — 25. Verschiedene Phasen der SchÖpfungslehre. — 20. Moderne Ansichten.

IV. Ergebnisse.

§§ 27. Letzte Periode des Polytheismus. — 28. Fusion der Meinungen im

Genza.

29. Zeitbestimmungen.

Zweites Capitel. Kosmologie und Anthropologie.

I. Mandaische Weltansicht.

§§ 3(i. Die geschaöene Sphilre. — 31. Die Planeten. — 32. Oberwelt und ünterwelt. — 33. Naturbetrachtung.

II. Das Wasser und der Norden.

§§ 34. Das Wasser auf der Tibil. —^ 35. Jordan und Taufbrauch. — 3G. Ge-

37. Der Norden und der üzean. — 38. Er-

meinschaft mit der Götterwelt. gebnisse.

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Inh alts verz eichniss.

111. Die Seele und ilir Schicksal nach dem Tode. §§ 39. Verhaltniss zum irdischen Leibe. — 40. Purgatorien. — 41. End-gericht. — 42. Todtenklage mid Masiqta.

Drittes Capitel. Das religiose Leben.

§ 43. Einleitendes.

I. Moralische Grundsatze.

§§ 44. Bürgertugend. — 45. Familienleben. — 46. Der ethische Charakter.

II. Religiose Verpflichtungen.

§§ 47. üntersagtes und Gebotenes. — 48. Abtrünnige und Proselyten.

III. Religiose Sitte.

§§ 49. Sonn- und Feiertage. — 50. Kleidung. — 51. Tagliche Gebete. — 52. Fasten. — 53. Speisegesetz. — 54. Eeinigkeit. Ablutionen.

IV. Cultushandlungeu. Q

§§ 55. Uebersicht. Cultusstatte. — 56. Bedingung und ïragweite der Taufe.

— 57. Terminologie der Taufe. — 5S. Selbsttaufe. Taufe durch den Priester. Kindertaufe. — 59. Das Zeichen und die Salbung, — 60. Taufformel. — 61,Pehta und Mambuha. — 62. Die zweite Gestalt. — 63. Kusta und Laufa. — 64. Einzel-heiten der Taufceremonie.

V. Religiose Gebrauche verschiedener Art.

§§ 65. Das Nennen mysteriöser oder heiliger Namen. — 66. Magie und Horoskopie. — 67. Angebliohe Verehrung des Kreuzes und Opfer.

VI. Die Geistlichkeit.

§ 68. Ordnung und Einfluss des Klems.

Viertes Capitel. Das mandaische Gesehiehtsbild.

I. Der mandilisclie Staudpunkt.

A. Die Uroffenbarung. §§ 09. Manda d\'Hajè. — 70. Hibil, èitil und Enos.

B. Die falschen Religionen. §§ 71. Verhaltniss der Uroffenbarung u denselben. — 72. Urheber derselben. — 73. Die Wiege der falschen Religion.

— 74. Vorchristliche Bekanntschaft mit dem Judenthum.

II. Christliclier Einfluss.

A. Neue Vorstellungen. §§ 75. „ümsturz der Grottheit des Hauses.quot; — 76. Satornilisclie Gnosis. — 77. Johannes der Taufer.

B. Befreundung und Verfeindung mit dem Chris tenthum. §§ 78. Ansatz zu einem Johanneschristenthum. — 79. Katholische Missionare. — SO. Der Mandaismus in Gefahr.

III. Das Gesehiehtsbild der Lichtköuigslehre. §§ 81. Entwurf. — 82. Absicht.

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Inhaltsverzeiclmiss.

IV. Erfolg der Liclitkünigslohre. Auos-Utra.

§§ 83. Universale Mission des Anos. — 84. Die Wolke des Auós-Utra, — Msunê kustii. — 85. Anös-TJtra in Jerusalem. Keine Incarnationen.

V. Letzte Zusatze und Wandlungen.

§§ 86. Aus der evangelischen Geschiclite. — 87. Eschatologie. — 8S. Ver-folgungen. — 89. Jahja-Jöhana. Isu.

Pünftes Capitel. Das religiose Bewusstsein.

Charakter der mandaischen Religion.

§§ 9u. Gnosis. — 91. Gnostische Anschauungen. Erlösung. — 92. Heils-offenbarung. — 93. Praxis. — 94. Glauben und Gute Werke. — 95. Gesetzlicher Standpunkt. Schuldbewusstsein und Sündenvergebung. — 96. Energie des reli-giösen Bewusstseins bei den Mandaern.

Seehstes Capitel. Die Ursprünge der mandaischen Religion.

§ 97. Einleitung.

1. Semitische Naturreligion.

§§ 98. Gottersitz und Flusstaufe. — 99. Mughtasila. — 100. Sebuaer, Mas-butaei\', Sampsaer. — 101. Naturwüchsige Sacramente.

II. Die chaldiiisclie Philosophie.

A. Mythologie. § 1Ü2. Altbabylonischer Stott\'.

B. Mandaische Auffassung des mythol. Stoffes. §§ 103. Himmels-ozean und Himmelsjordan. — 104. Speculative Vertiefung.

C. quot;Verwandtschaft mit dem Gnostioismus. §§ 105. Theogonie. — 106. Schöpfungslehre.

D. Wesen und ürsprung des Mandaismus. §§ 107. Morgenlandische Gnosis. — lü8. Der griechische Impuls.

III. Parsisclie Vorstelluugeu.

§§ 109. Anfang und ümfang des parsischen Einflusses. — 110. Das Schick-sal nach dem Tode. — Hl. Der Lebensbaum.

IV. Jüdisches.

§ 112. Vermittelter Einfluss.

V. VerMltniss zum Manicliaismus.

§ 113. Verschiedenheit unci Uebereinstimmung.

VI. Die Cultusweisheit.

§§ 114. Sympathisches und Symbolisches. — 115. Altbabylonisches und Gnostisches. — 116. Das parsisclie Vorbild. — 117. Das erzeugende Vermogen des Wassers. /

Beilagen.

A. Das Genza und seine Bestandtheile.

B. Eingangs- und Schlussformeln.

XI

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Inhaltsyerzeichniss.

C. Ueber den Gebrauch des Worts Alaha.

D. Der 8. Tractat des rechten Genza. Höllenfahrten des Hibil-Ziwa.

E. Hibil-Ziwa im Verhilltniss zu Manda d\'Hajê u. A.

F. Die Gemeinde von Süq es-Siuch und Siouffi\'s Gewahrsmann.

G. Der Tractat von Joh ana\'s Ausgang.

H. Die Taufceremonie.

I. Taufformel nacb Siouffl.

K. Bibliscber Erzahlungsstoff im Genza.

L. Der Elchasaismus. Verhaltniss desselben zur ebionaischen Gnosis. M. Dr. Kessler über die Mandaer.

N. Berichte aus dem XVII. Jahrhundert. Composition der Narratio.

Zusatze und Berichtigungen (S. 234—236)

Etliche Abkürzungen.

Blosse Ziffern hinter dem Namen eines Autors beziehen sich auf die Seiten, resp. Biinde und Seiten, der gehörigen ürts namhaft gemachten Werke derselben. Den Titel der Études von Siouffi findet der Leser vollstlindig auf S. 10. Mit Nöldeke, M.Gr. oder blossNöld. wirdnach der S. 13 besprochenen Mandilischen Grammatik verwiesen.

PRE1 und PRE3 = Keal-Encyklopadie fiir protestantische Theologie und Kirche, von J. J. Herzog u. s. w., erste bezw. zweite Auflage. Wo ich keinen andern Band angebe, ist in beiden Auflagen der neunte gemoint. — EB = Encyclopaedia Britannica. Die Bedeutung von GGA, ZDMG, Winer\'s RWB etc. ist allgemein bekannt. — KB. — das mandaische Königsbuch (61. Tractat im rechten Genza).

XII

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Vorbemerkmig.

In der mandaischen Mundart, welche Petennann noch als einen „syrischen Jargonquot; bezeichnete, hat Nüldeke eine dem Idiom des Talmud babli verwandte Spraohe erkannt. Sofern dieses t\'ilr die Sprache des obern, kann das Mandaische für die des untern Babyloniens geiten, d. h. abgesehn von dem allmalichen Einfluss persischer, arabischer, jüdischev, syrischer Nachbarschaft oder Literatur, und etwaigen Folgen der religiösen Besonderling.

Nach Nöldeke\'s Vorgang habe ioh die mand. Schriftzeichen durch die hebraischen, vermehrt mit ^ und r, ersetzt. Letzteres stebt lediglich als Suffix der 3. Pers. sing, (in den Mss. oft nicht von s zu unterscheiden). Ersteres stellt das Relativum dar und ist nach Siouffi in etlichen Verbindungen ecl, in undem als blosses cl zu sprechen, so sr-zs-- s-s-j = Mara Eddarbuta, aber s-:n-: = Manda d\'Hajê. Einen Versuch die mand. Lettern der Imprimerie Nationale geliehen zu bekommen, habe ich nicht gemacht, weil es mir. für die Sache unnöthig und für den Leser kaum wünschenswerth érschien.

Die lateinische Transscription der Eigennamen und einzelner Benennungen anlangend, bin ich von dem Grundsatz ansgegangen, dass der Leser niemals über die Orthographie des Originals in Zweifel sein darf. Aus diesem Grund habe ich dasselbe nicht durch irgendwelche Andeutung des swil mobile, der Consonantenverdoppelung oder der Aspiration bereichern mogen, für keinen mand. Buchstaben jemals mehr als einen lateinischen, und auch niemals den-selben lateinischen Buchstaben für mehr als ein bestimmtes mand. Schriftzeichen verwendet. Daher z. B. keine Bezeichnung des weichen - durch hh, welches ausschliesslich mand. nz, wie in N-—rz darstellen soli, auch nicht durch w, welches für i steht. Es hiltte das auch sonst noch seine Bedenken. Einmal kennen wir ja von vielen Namen die mand. Aussprache gar nicht, sodann aber ist bei den übrigen immer noch fraglich, ob die von Siouffi oder Petermann bezeugte auch die der alten Mandaer gewesen, und sogar ob sic unter den lieutigen die allgemein übliche sei. Schreibt doch Petermann: Hibil, Libat, Ganzibra, Abatur, wo Siouffi jedesmal die Aussprache mit ro (frz. v) constatirt. Ein wenig anders stellt sich die Sache mit t, wofür sowohl p als f disponibel waren. Ich habe beide Zeichen benutzt, und zwar für gewöhnlich in der Mitte eines Worts f, im Anfang p, eine Regel, welche den Trans-scriptionen Siouffi\'s zu entnehmen ist.

Besonders zu mei-ken sind nur nachstehende consonantische Zeichen als unveranderliche Stellvertreter; - d, t d\', i w, t z, -j t, 3 k, 3 s, e f und p, - 5, p q, - s, r t. n kommt bei der Umschreibung blosser Nomina nicht vor. f ist nie Consonant, und vor 1, wie in Vquot;quot; und quot;y, nur Spiritus lenis.

Brandt, Mandaische Religion. 1

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Vorbemerkung.

Noch grössere Unsicherheit waltet in Anseliung der Selbstlauter, welche das Mandaisclie nur mit s, 1 oder » (promiscue), und ■ (im Anlaut quot;y) zur Dai\'stellung bringt. Sionffl bezeugt ausdrücklich, dass z. B. jene zwei Namen „Hivelquot;, „Avatherquot; zu sprechen sind, also i und u im Auslaut ihre Farbe verloren baben, — Petermann weiss davon Nicbts. S. lasst s-.r-ï s-:n und KTrj französiscli „Annocb Othroquot;, „Ghenzoquot;1) lauten, — P. schrieb oline Weiteres „Anuscli Uthraquot;, „Ginsaquot;. Ferner nacli S. „Mchouniquot; (das M ,,sans ac

cent ou mouvementquot;, Études 163), nacli P. „Meschünnequot; (Reisen II, 452). Ebenso ungewiss ist man in Ansehung des vocalischen Vorschlags, mit welchem Siouffi a. O. die Aussprache von -s::, a--», als „Enbotquot;, „Achdoumquot;, „Eprochquot;

constatirt. Jede Einzeichnung eines solchen flüclitigen Vocals würde doch nur den muthmasslichen Lant desselben darstellen. Somit ist gewiss besser, die Abstinenz der mand. Sehreibweise innezuhalten. Die Wiedergabe der mand. Vocale gescbahe wolil am sicliersten so, dass für s immer einfaches o, fur oder s ebenso i, und für • oder nur u gesetzt würde. Indess liabe icb, wo unzweifelhaft a zu sprechen ist, das Tonzeichen gewöhnlich beigegeben, auch sonst wolil ein ê oder e dem i und ein ó dem u vorgezogen, — der Leser behalt doch die Gewissbeit, dass das Original für a und a immer s, für i und e i oder y, für o und u stets i und im Anlaut quot;• bat.2) Auslautendes n- (Plural-endung) ist der Aussprache gemiiss mit 6 wiedergegeben. In den defectiv ge-schriebenen Wörtern n--, -a liabe icli bei der lateinischen Umschreibung das a wieder hergestellt.

Bei den ücbersetzungen bin ich bemüht gewesen, die mand. Synonyme auch im Deutschen auseinanderzuhalten, auch Homonyme durch gleichartige Ausdrücke wiederzugeben. Bcispielsweise habe ich die von welches sowobl „gerechtquot; als „wahrquot; bedeutet, gebildeten Wörter durchgangig mit „gerade\' „Geradheitquot; übersetzt, dagegen „gerechtquot; für die Wurzel quot;t und „wahrquot; für 1—r reservirt. Wo sich\'s nicht ahnlich machen liess, ist das mand. Wort öfters in Klammern beigefügt.

Die Citate mit r. und 1. vor den Ziffern beziehen sich auf den rechten und den linken Theil des Genza nach der Ausgabe von Prof. Petermann. r. 3, 3—5 heisst z. B.; „rechter Theil des Genza, Seite 3, Zeile 3—5quot;; •— 1. Tr. r.: „erster Tractat des rechten Genzaquot;. Ebenso gilt 1. für den linken Theil des Genza. Als „Tractatequot; bezeichne ich sammtliche 61 Bestandtheile des rechten, und die ersten vier des linken Genza.

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1

So Études p. 22; nach p. 166 aber „ghinzoquot;, was natürlich französiscli zu lesen ist.

2

Nach Siouffi 161, und vielen Beispielen in seinen Schriftproben, ge-brauchen die M. auch ^ für a-Laut und ■ für e. In den Hss schwankt bei ge. wissen Wörtern die Sehreibweise zwischen ^ und s oder quot;. ürsprünglich muss hier doch wohl, wie Nöldeke vermuthete (M. Gr. 13), der Laut zwischen i einer- unci a oder u andrerseits die Mitte gehalten haben. Seitdem nun das Mandaische zur blossen Kirchensprache geworden, wird sich die Aussprache allmalich im Sinne der einen oder der andern Vocalisation gescharft haben. Man fing an Ganza und Ginza und Sêslam zu lesen anstatt etwa Genza und Süslam, und musste nun angesichts der variirenden Sehreibweise schon lehren, dass i bisweilen für a und für e stehe oder umgekehrt. Die voli mir an-genommene Sehreibweise Genza beruht z. Th. auf dieser Erwagung, z. Th. auf Siouffi\'s Transscription.

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Einleitimg.

Bisherige Bemühuugen zur Erforsehung der luaudaischeii Religion.

§ 1. Die altesten Naclirichten über die MaacUler siiid darch die i. J. 1652 zu Rom gedrackte Narratio des Ignatius a Jesu, vou der Congregatio de prop, fide, in Europa verbreitet worden. ^ Die Benennung anlangeud, meldet der Bericht p. 12: Arabes et Persae vocant ipsos Sabbi. Ipsi inter se et etiam in suis libris vocantur Mendai, necnon aliquando Mendai Jahia: id est discipulus (p. 14 se-quax) sen seetator Joannis Baptistae. Daran ist irrthümlicli, dass „Mendaiquot; discipulus bedeute, und falsch, dass es aucli\'mit dem Zusatz „Jabiaquot; vorkomme. Es witre dies eine der mand. Spraclie ganz unmüglicbe Combination. -) Ferner wird hier mitgetheilt, dass die M. ihre Eeligion (libros, ritus et quidquid habent) auf Johannes den Taufer znrilckführen. Endlich rechtfertigt der Verf. p. 11 den „apud nosquot;, d. b. anf der Missionsstation in Basra, gebrauchlichen Namen „Christiani S. Joannisquot; damit, dass im Orient „Jemanden znm Christen machen\'; oder „ibn taufenquot; einerlei sei.

Weil sie wie Johannes der Taufer nur in irgend einem Flusse taufen, und mancherlei Fabelu über denselben erziihlen, glaubt Ign. in den M. Nachkommen von den im Jordan getauften Schaaren zu erkennen, die nachmals vor mohammedanischer Verfolgung vou dort

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Einleitung.

entwichen seien. Aus ihrem eigenen Muud will er wissen, dass zwar Mohammed ibnen einen Schutzbrief verliehen, seine Nachfolger den-selben aber nicht respectirt haben (p. 17 s.).

Die Anzahl der Joliannescliristenquot; gibt Igu. p. 21 auf 20— 25000 Familien an, darunter Etliche Kanüente, die Meisten aber Goldschmiede, Zimmerleute oder Schlosser seien. Niederlassnngen derselben gebe es nicht nnr im Gebiet von Basra, sowie in den per-sischen und türldschen Grenzdistrikten, sondern anch in Maskat, Goa und Ceylon. In diesen christlichen Territorien sollen „non panciquot; derselben sich aufhalten. Ignatius betreibt die Uebersiedelung inan-daischer Familien dorthin: sie erhalten daselbst Wohnorte angewiesen gegen das Versprechen, katholisch zu werden (p. 20 s.).

Ignatius luit die Anzahl der Mandaer gewiss ilberschatzt. Es hangt dies wahrscheinlich damit zusammen, dass er die Mandaer, wenn schon für Jünger des Johannes, docli zugleich für scliismatische Christen hiilt. Sie sollen ehedem mit den chaldaischen Christen in Babylonien „non solum moribus sed etiam fidequot; übereingestimmt, und erst seit etwa 170 Jahren sich der Autoritat des babylonischen Patriarchen entzogen und zugleich den Christennamen aufgegeben haben (p. 11 s.). Den Glaaben, dass Christus zum Heil der Menschen ge-storben, schreibt er ihnen p. 147 zu. Das hat I. gewiss nicht, wie \'Anderes allerdings, im Diwan geleseu.\') lm Uebrigen bringt er mehrere ganz zu treffende Nachrichten, z. B. über den Ritus der Trauung und der Taufe, vielleicbt nach Mittheilungen mandiiischer Gemeindeglieder. Aber der von ihm lingirte Dialog, worin er einen „Schech Bahrainquot; von seinen Irrthümern überzeugt, setzt bei dem-selben solche Meinungen voraus, dass zu bezweifeln steht, ob Ignatius jemals mit einem Priester verhandelt habe. Jedenfalls bat er die M. nicht genau genug gekannt, um sie und gewisse christliche Secten auseinander zu halten.1)

§ 2. Zuverlassigeres über die damalige Starke der Geuossenschaft erfahrt man aus einer Karte des von den M. bewohnten Gebiets, welche inden von Melchisedech Thévenot gesammelten „Eelations

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1

Nacli Nöldeke, G6A. ISG\'J S, 4S2, ziihlte Ign. die indischen Thomas-christen zu den M. Vielleicht sind die „Johanneschristenquot; in Indien, von denen I. wissen wollte, Thomaschristen gewesen. Uebrigens hiilt er diese doch nicht für identisch. Es ist von Letzteren nur einmal, p. 14 s., die Rede, und zwar um die Benennung „Johanneschristen-\' für „von Johannes Getauftequot; mit einem Beispiel zu belegen. Auch triigt der Abzug von ..non pauci-1 zu wenig aus.

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Aelteste Nachrichten.

de divers voyages curieusquot; das 15te Stück der Ausgabe von 1663 (Ie Partie, Paris, gross 4°) ausmacht.\') Der Titel lautet: Vera Delineatio Civitatis Bassorae. Nee non fluviorura insularum oppidorum pagorum et terrarum ei adiacentium in quibus passim habitant familiae Sabaeorum sive Mandaiorum qui vulgo vocantur Christiani Sti Joanuis. ünten am Rand die lateinische Transscription der Ortscbaften bat zu 31 Namen die Zabl der Familien, zu vieren eine punktirte Linie, zu mebreren andern nur einen Stricb, Hervortreten Howeiza mit 2000, Basra mit 400, Tina mit 500, Qoban mit 50, Qurna und Naber Auter mit je 30, die üebrigen mit 2—20 Familien. Die Summe der überhaupt verzeicbneten Familien belauft sicb anf 3279.

§ 3. Indessen batte scbon ein paar Jabre früber der Maronite Abraham Ecchellensis sein „Eutychius patriareba Alexandrinus vindicatusquot; erscheinen lassen, woven der zweite Theil „De origine no-minis Papaequot; i. J. 1660 bei der Congr. de prop, fide zu Rom gedruckt war. Hier ist p. 310—336 von den „Sabaeiquot; gehandelt. E. ist mit den M. in persönlicber Berübrung gewesen „quibuscum familiarissime conversati sumus ac saepissime disputavimusquot; (p. 325). Auch er be-zeugt, dass sie sicb Johanneschristen nennen, aber nur auf arabisch: „Nasariier des Jahjaquot; (p. 328). Er berichtet p. 325, sie haben, ais es darauf ankam, zu einer von den im Qoran geduldeten lieligioneii zu geboren, dem Namen der Christen den Vorzug gegeben, weil diese in dem Taufen und der Sonntagsfeier mit ibnen übereinstimmten. Thatsachlich aber batten sie ausser einigen Benennuugen Nicbts mit dem Cbristenthum geniein (p. 334). Demnach dürfen wir kaum bezweifeln, dass die M. in jener Zeit sicb den Christennamen, den man ibnen gegeben batte, gefallen liessen, wohl weil sie sich Vortheil davon versprachen.

Ferner beschreibt E. drei mand. Bücher, das Genza, Drasê d\'Jahja und Sfar malwasê. Ueber dem erstgenannten habe er „chaldaicequot; den Titel gt;c?p i?rr gefunden,1) den er mit „Ordo Adanioquot; wiedergibt, „quia

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1

Kaum zweifelhaft. Auch „Dïwanquot; scheint nicht die mandaische Be-nennung des unter diesem Namen bekannten Buchs zu sein, s. die betr. Anm zu § 31.

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Einleitung.

autumant non esse Adami, sed Adamo a Deo traditum, quo se poste-rosque instrueret ad bene beateque vivendumquot; (p. 329), was auf die zweite Hitlfte des eisten Tractats im Genza allerdings amvendbar ware. Indessen nennt er das Buch weiterhin doch .,liber Adamiquot;. In zweiter Stelle von den Drasê d\'Jahja handelnd \' , bezeiclinet Ecchellensis schon die Meinung des Ignatius, dass die Mandaer von dem Anliang des Taufers lierstammeu als omnino improbabile (p. 334). Das seien Juden gewesen, wahrend die M. ja die Beschneidnng verabscbeuen. Auch betont er „nee S. Joannem Baptismi faciunt auctorem sed restanra-toremquot;, — beherzigenswerthe quot;Winke, denen spatere Gelebrte nielir Beachtnng hiitten schenken sollen.

§ 4. Die für die Mission wie für die gelebrte Forschung gleicb-massig interessante Erscbeinnng der „Jobannesjüngerquot; erregte, wie aus dem Bisberigen scbon ersichtlicli, nicht geringes Interesse. Mis-sionare nnd andere Keisende1) haben sich immer wieder um dieselbe bemüht. Exemplare von den Schriften der M. waren schon gleich in die enropaischen Bibliotheken gelangt. Dennoch blieb man reebt im 1\'uk laren über den wahren Charakter der „Sectequot;, indem die Mandaer sich über ihre Eeligionslehre mit der Zeit weniger mittheilsam er-wiesen, nnd die Mannscripte auch denen, die sich mit den fremden Schriftzeichen vertraut gemacht hatten, kaum verstandlich erschienen.2) Darum konnte auch die sehr alte Yerwechslung dieses Volks mit Sabiern nnd Sabaern aller Art fortwahren, bis i. J. 1S56 Chwolsohn der-selben ein Ziel setzte.3)

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1

Mehrere Namen in Kessler\'s Artikel ,Mandaerquot; PEE2 IX, 200. Das hier namhaft gemachte „Voyage au Levantquot; von Jean Thévenot (Paris, 1C64) enthalt jedoch Nichts von den M. Die AVerke von Pietro della Valle (1662), Kampfer (1712) und Chardin (16S6) habe ich nicht gesehn. Als Carsten Niebuhr

1. J. 17C5 Basra beslichte, wunderte er sich, hier nur wenig „Sabierquot;, und zwar lauter geringe Leute anzutreft\'en. \\on einem Schmied, der für den hesten Schreiber unter ihnen galt, liess er sich das Alphabet aufschreiben, s. im

2. Band der holl. Uebers. (Amst. 1780) S. 209 und Tafel 1IF zu S. 20.

2

Ecchellensis 1. 1. p. 323 vom „Liber Adamiquot;: „ad perfectam eius libri intelligentiamquot; miisse zuvor von einem in der syrischen sowohl als in der mand. Sprache Bewanderten ein Lexicon hergestellt sein. Jenem Fragment in seinen „Relationsquot; hatte M. Thévenot eine Uebersetzung beigeben -wollen, musste aber im „Avisquot; das Fehlen derselben entschuldigen „a cause que la personne qui y a travaillé nquot;a encore pü s\'éclairir de quelques doutesquot;.

3

4! Naheres über die Yerhandlungen der europ. Gelehrten auch in Betreft\' der Mandaer findet man in dem eisten Band S. 32—90 und S. 100 ft\', des bekannten Werks von D. Chwolsohn: Die Ssabier uud der Ssabismus, 2 Bde.

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Norberg\'s falsche Fahrte.

§ 5. Zu Anfang unseres Jahrhuuderts veröffentlichte der schwe-clische Gelehrte Matth. Norberg mehrere Abliaudlungen (s. Cliwol-sohn, Ssabier I, 56 ff.) über Religion und Sprache der Mandaer, wobei er besonderu Werth legte auf eine Mittheilmig, die ihm (in Konstanti-nopel) der maronitische Vicar Germano Conti gemaclit hatte liber „Nasaraerquot;, die Jobanuesjimgor sein wollten und sich seit dem 17. Jahrhunde\'rt in der Gegend von Merkab ini Libanon nieder-gelassen batten. Norberg bielt diese ftir einen Zweig der Mandaer, die nrspriinglich mit den Xasaraem, welcbe Epiplianius (baer. XVIII) als eine jüdiscbe Secte auffübrt und bescbreibt, identisch und dem-uach in Galaïtis und Basanitis wobnhaft gewesen sein sollten. Die Spracbe der mand. Bücher scbien ibm diese Ansicht zu bestatigen: Materia quidem linguae Nasaraeae Hebraea. Eiusque forma Syriacae tanto similior quanto Galilaea Syriae propior est. Die Mandaer sollen aber dennoch „reliquiae tenuesquot; der von Johannes getauften Schaaren sein (vgl. Vorwort zu Norberg\'s „Codex Nasaraeusquot;).

Jener Bericht des Conti wurde schon gleich u. A. von C. Nie-buhr angezweifelt, und hat sich audi immer mehr als unglaub-würdig herausgestellt; indess gab Norberg denselben nicht auf, sondern liess ihn in der 16. Anm. des Vorworts zum Cod. Nas. wieder abdrucken, ohne der erhobenen Bedenken nur zu envahnen. Es ist ein Curiosum, das aber in den Vorstellungen\' über die „Johannesjiingerquot; lange nachgewirkt hat, und darum noch besonders lesenswerth

§ 6. Um die Mitte imsres Jahrhunderts machte Prof. H. Peter-mann seine berühmte Orientreise, auf ■svelcher er drei Monate, von Ende Januar bis Anfang Mai 1854, bei den Mandaern in Suq es Siuch

Petersburg 1850. Eigentlicher Gegenstand desselben sind die neuplatonisclien Harranier, syrische Heiden, die sicli den Namen „Sabierquot; beilegten um von der im Qoran den Tragern desselben gewahrten Toleranz mit zu profitiren.

1) Petermann liat der Saolie nachgeforsclit, Reisen II, 4G5: „Ich darf jedooli nicht unbemerkt lassen, dass mein maronitischer Diener, welcher i. J. 1853 einen russisohen Bischof auf seiner Reise in den Libanon begleitet batte, von dem Geistlichen in der Kireho unter den Cedern gehort zu haben ver-sioherte, dass auf dem Berge oberlialb desselben an deren Nordseite ungefahr 40 Manner wohnten, deren Glauben man nicht kenne, die ihn sehr geheim liielten, die sich aber Talamid Jahja „Sehüler des Johannesquot; nennenquot;. P. denkt denn auch noch an Mandaer, die ,,vor den Verfolgungen ihrer Bedrilcker sich in diese unzuganglichen Gebirge geflüchtet und dort noch in schwachen Resten erhalten habenquot;. Indessen beruht der Bericht des Conti auf einer vagen Kunde von den Nossairiern, einer mohammed. Secte im nördl. Libanon, deren Stifter sich auch für Johannes den Taufer ausgab. Nach Aussage eines Dragoman in Beirut (bei Peterm. a. O.) haben die Nosairi vier Feste, und stellen

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Einleitung.

zubrachte. Der ansehuliche Marktfleoken liegt südlicli von Wasit am rechten IJfer des Eufrat und gehört einem Beduinenschech, dessen Bedrttekung und Erpressungen im Vorjahre 200 Manner mit ihren Familien zur üebersiedelung nach Ammara (am Tigris, unter tür-kisclier Verwaltung) veranlasst hatte. ^ Die mand. Colonie wohnt eigentlicli nicht in Süq, sondem in einer Art Vorstadt am linken üfer, die nach ihneu Subbnje heisst. Sie ist ein Hauptsitz der Ge-nossenschaft.1) Die Auzahl der Manditer bezifferte Petermann, Reisen II, 455 f.. nach „Familienquot; oder „Manuernquot; wie folgt: in und um Suster 34 mit 1 Oberpriester; in und um Disful 80 mit 3 Priestern; um Huvreize 25; in Ammara 300 (incl. jener 200) mit 2 Ober- und 2 andern Priestern; in und um Qurna 60; in Muhammara 4, bei welchen zeitweilig 1 Priester; in Süq 60 mit 1 Priester: zusam-men „etwa 560 Mannerquot; oder im Ganzen etwa „1500 Seelenquot; mit 10 Priestern. Huweize sei wegen Austrocknung des Flusses, Basra wegen des Elima\'s von den M. verlassen. — Indessen bat Siouffi noch elf andere Niederlassungen namhaft gemacht, 6 auf tttrkischem, 5 anf persischem Gebiete, und die Gesammtzahl auf 4000 Seelen veranschlagt {Etudes i). 15Ss.). —- Merkwürdigerweise bringt aber derselbe p. 31 note 1 audi die Seelenzahl 1500, jedoch mit der Einschrankuug: „hommes et gar^-ous, non compris les femmes et les fillesquot;. Schon das Zusammentreffen in der Zahl legt die Yermuthung nahe, dass P: dieselbe nicht berechnet, sondern von dem mand. Priester an-gegeben erhalten und dabei überhört oder missverstanden habe, dass nur mannliche Seelen gemeint seien. Auf 560 Familienbiiupter ware 1500 Seelen beiderlei Gescblechts übrigens auch viel zu niedrig gegriffen; ebensoviele Manner und Knaben ist sogar noch mitssig gerechnet.

P. fand den Priester der Mandaer in Süq, Namens Jahja, von an-genehmem Aeussern, in seinem Gesicht ..Gutmüthigkeit gepaart mit Schlauheitquot;. Tor letzterer gewarnt — der Priester hatte ehedem zwei wissbegierigen Englandern viel Geld entlockt und ihnen doch so gut wie Nichts von seinem Glauben und Cultus mitgetheilt — schützte Prof. P. ein lediglich philologisches Interesse vor, und liess sich von

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1

Vgl. Siouffi, Études p. 29, 31. Auf der § 2 besprochenen Karte fehlt jedoch Süq; Ammara erscheint wenigstens punktirt.

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Petermann\'s Reise.

dera Prieser im Lesen unterrichteu, um nebenbei soviel als moglich von seiner Eeligion in Erfahrung zu bringen. Darüber sowie über den ganzen Anfenthalt bei den Mandilern berichtet das 7. Capitel im 2. Band der „Eeisen im Orient von H. Petermamiquot;, Lpz. 1860, 61 {II, S3—137, vgl. Anm. 46, S. 447—465). Der Priester mnsste, da die Schriften siimmtlicb religiöser Beziehung sind, sich natiirlich bin uud bieder über die Religionslebre aussern, hat indess wenig genug „verrathenquot;, mid versicherte ohnehiu, sein Vater sei der Letzte geweseu. der eine gründliche Kenntniss von Sprache, Lehren und Gebriluchen der Mandaer gehabt habe (a. 0. 88, 90). Doch ward P. durch jene Lektilre in Stand gesetzt, das Bild von ihrem „Religionssystemquot; zu entwerfen, welches durch den Artikel „Mendilerquot; in Herzogs PRE (IX Bd. 1858) weiteste Verbreitung gefunden hat.1) Durchaus nicht geheimthuerisch war der Priester mit dem Cultus. Namentlich an dem grossen fünftagigen Tauffest duldete er nicht nur den Deutschen als Zuschauer, sondern machte es ihm dabei noch möglichst bequem.

Durch Prof. P. ist endgültig festgestellt, dass die M. sich selbst keineswegs als „Johamiesjüngerquot;, sondern nntereinander nur als „Mandaja\'squot; bezeiclmen. Mit „Nasórajaquot; betiteln sie heutigen Tags nur „die im Wissen und Wandel gleich AusgezeiclmetenVim Genza siud die beiden Benennungen gleichwerthig. Gegen Andersglaubige nennen sie sich arab. Subha, ein sog. innerer Plural, = Taufer. Die Sabier des Qoran wollen sie nicht sein (Keisen II, 99), was die von Chwolsohn nachgewiesene Wahrscheinlichkeit, dass eben sie im Qoran gemeint seien, freilich nicht beeintrachtigt.

Petermann besorgte eine lithographische Vervielfaltigung des Genza, hat aber sein Vorhaben, eine Uebersetzung folgen zu lassen, nicht ausgeführt.

§ 7. Was Petermann nur auf einem Umwege zu erstreben wagte, Eroffnungen über die mand. Religionslehren aus priester!ichem Munde, das ist ein Vierteljahrhundert spater dem Franzosen Siouffi, wahrend seines Yiceconsulats in Bagdad, in überraschendster Weise zu Theil geworden.

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Siouffi war im November 1873 in Bagdad angekommen. Er berichtet p. IX, dass er mehr als 15 Monate nach seinem Eintreffen, also im Frilhjahr von 1875, den 25jahrigeu Sohn eines mandaischen Priesters kennen lernte, der auch selbst das zum geistlichen Amt

1

Um Manches ausfiilu-licher; Reisen II, Anm.46. Die ersten Mittheilungen Petermann\'s erliielt die Deutsche Zeitschr. f. chrl. Wissensch. u. chii. Leben 1854 und 1856.

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Einleitung.

erforderliclie Studium durchgemacht, sich aber vor Kurzem zur An-naluue des katliolischeu Cliristenthums entscliieden hatte. Derselbe zeigte sich bereit, jeden nur gewünschten Aufschluss über die Religion seiner Vater zu gebeu. Den p. 67 s. mitgetbeilten Kegeln gemass hatte der jungeMann indiesem Alter dieStufe eines Skanda („diacrequot;) bereits im Ettckeu haben mussen. Xacli p. SI, n. 1 hatte er es frei-lich nicht zum Tarmida gebracht. Dem Franzosen stand zur Ver-standigung mit seinem „professeurquot; nur die arabische Sprache zu Gebote, wahrend dieser ne possédait de cette langue que ce quest nécessaire aux gens de la campagne. Das Verfahren welches Siouffi nun eiuschlug um sich zu unterrichten war, seiner eigenen Aussage gemass, folgendes (p. X s.\\ Zuerst habe er die Sprache der Subba studiren Avollen um ihre Bilcher „textuellementquot; zu übersetzen. Im Hinblick jedoch auf die vielleicht uur kurze Dauer seines Aufenthalts in Bagdad, erklart der Verf.: je dus renoncer a ce projet dont l\'exé-cution demandait des anuées, pour me contenter decrire, sous la dictée d\'Adam, les réponses qui m\'étaient données par lui aux diffé-rentes questions que je lui adressais. Da es dem Adam bisweilen schwer liel den arabischen Ausdruck zu finden, — je m\'eflbr§ais de lui faciliter cette tache en lui soufflant les mots qu\'il me semblait chercher, et en lui en donuant l\'explication, afin de m\'assurer si c\'était bien réellement ce qu\'il voulait dire. Man mag einwendeu, dass diese Methode eigenthümliche Gefahren mit sich brachte, wird aber doch anerkennen müssen, dass sie unter den obwaltenden Umstanden die bestmögliche war.

Den Ertrag seiner Forschung bat Siouffi zusammengestellt in dem Buch: Etudes sur la religion des Soubbas ou Sabéens,leurs dogmes, leurs moeurs, parM.N. Siouffi, vice-consul de France aMoussoul. Paris. Imprimerie Nationale (Ernest Leroux éditeur) 1SS0. Das Vor-wort ist vom Dezember 1875 aus Bagdad datirt. Mandaische Namen, quot;SVörter und Formelu erscheinen hier, mit sehr mangelhafter Ortho-graphie, in Drucklettern, welche eigens für diese Publication gegossen sein müssen. Nicht unwichtig für den luhalt ist, dass der Verfasser vor Antritt seines Posteus von der Religion, für welche er sich so lebhaft interessirt, kaum je gehört hatte. Ton dem, was Chwolsohn und Petermann darüber veröffentlicht haben, weiss er Nichts. Nicht einmal die Norberg\'sche Ausgabe des Grossen Buches bat er gekannt. Von den mand. Schriften sind ibm an Ort und Stelle allerdings Einige unter die Augen gekommen. So das Asfar malwasê, suu livre que j\'ai vuquot; (p. 144). Aus .différents manuscritsa liest S. die p. 38 ss. aufgeführten Namen von Himmelswesen zusaminen (vgl. auch p. XI). Und auf die Frage nach dem dereinstigen Schicksal derjenigen, die nicht die wahre Religion bekennen, wird ibm eine Antwort des Jawar

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Siouffi\'s Forschung.

Ziwa vou seiuem jungen Lehrer vorgelesen aus einem Buch, dessen Titel Siouffi zwar consequent SITEKT! scbreibt unci Dravchod

Yahio transscribirt, das aber nacb der Uebersetzung „les paroles sublimes de Yahioquot; you den bekannten Drasê d\'Jabja nicht ver-schieden war (p. 3, 87). Ausserdein ist p. 22 das „Ghenzo rabboquot; als ein Gesetzbuch der Subba namhaft gemacbt. Die Verfügung über hand-schriftliches Material ist indessen ohne Einfluss auf Siouffi\'s Uar-stellung geblieben. Er erlernte die Schrift und ihre Aussprache, um Namen und Formeln im Urtext bringen zu kouuen, — mehr nicht (p. XI).

Der W er tb dieses fast ohne eigne Zuthat War geschriebenenWerks liegt darin, dass es uns authentische Nacliricht giebt über die jetzige Verfassung der mandaischen Religion in Lehre, Sitte und Cultus.

Namentlich für unsre Kenntniss der religiösen Gebriiuche und Feste liefert es schatzenswerthe Beitrilge. Petermann\'s Augaben werden hier vielfacb ergiinzt, in Einzelnem audi berichtigt. Wo Genza und Qolasta Abweicbendes bieten, liisst sicb bei der lioheu Competenz des Gewahrsmannes kaum anders als auf einen Unterschied zwischen heutigein und ehemaligem Brauch erkennen.

Die theologische Lehre wird hier sehr eiufach vorgestelit, wenig-stens in Betreft\' der Hauptsache, des Monotheismus. Ausserdein wird der mandaischc Mythus von der Weltscböpfung und von den Schick-salen des Menschengeschlechts, besonders die legendarische Gescbichte des Mandaervolks und Johannes des Taufers, in ziemlich ausführlicher Fassung mitgetheilt1).

§ 8. So werthvoll nun die Ergebnisse der Reise eiues Petermann und der Forschung Siouffi\'s sind, versteht sicb doch von selbst, dass eine üntersuchung, der es um den Mandaismus als religionsgeschicht-

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1

Der eiste Aufsatz ist von Abd-el-Kader (p 172—177). Per berübmte Emir verbreitet sicb im Tone eines unfehlbaren Lebrers über drei Zweige der „Sabeïtenquot;. AVas cr darüber vorbringt, stammt zumeist von Nachriebten über die barraniscben Pseudosabier. Auf die Mandaer beziebt sicb gar Nichts.

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Einleitung.

liclie Erscheiuung und nicht nur mu den hentigen Stand der Secte zu thun ist, sicli audi in die alten imd lieiligquot; gelialtenen Schriften der-selben vertiefen muss. Dazn steliu jetzt ganz vorzügliche Hülfsmittel zu Gebote.

Die erste Vervielfaltigung eiues ganzen Manuscripts ist von Nor-berg veranstaltet worden und betrifft die von Petermann mit B be-zeichnete pariser Handschrift des Genza oder Sidra raba der Mandaer. Es erschien unter dem Titel:

Codex Nasaraeus, Liber Adami appellatus, syriace transscriptus, loco vocalium ubi vicem literarum gutturalium praestiterint his snb-stitutis, latineque redditus a Matth. Norberg; III Thle. mit resp. 330, 320 ïi. 325 Seiten, von denen die ungleichen jedesmal die Ueber-setzung des auf der linken ahgedruckten Textes enthalten; Hafniae ap. Friderich Brummer. Dazn: Lexidion C\'odicis Nas. cui Liber Adami nomen, ebendas. 274 S. Ferner: Onomasticon cod. X. etc. ed. Matth. Norberg, Londini Gothorum 1S17, 164 S. ^

Was Norberg von der Sprache hielt ist oben mitgetheilt worden. In der Umschreibung bemühte er sich die reinere Urform des von ihm für verderbt gehaltenen Dialekts herznstellen; das hat seine Ans-gabe für vrissenschaftliche Forschung uubrauchbar gemacht, nicht die Benutzung der syrischén Lettern. Dennoch ist Norbergs Leistung eine hervorragende. Seine Uebersetzung ist noch heute die einzige ünd daher, obgleich man sich niemals auf sie verlassen kann, zum Aufsuchen und Nachschlagen unentbehrlich.

5. Das letzte Stuck (p. 198—204) ist aus dem Reisewerk des friesisohen, jetzt in Cannes residirenden Edelmanns Lj^cklama: Voj-age en Russie, au Caucase et en Perse, dans la Mésopotamie, le Kurdistan, la Syrië, la Palestine et la Turquie par T. M. Chevalier Lycklama 1S65—68 (T. III, liv. III, chap. IV). Derselbe macht keine Quelle nanihaft, muss aber einen verhaltnissmassig gut unterrichteten Gewahrsmann gehabt haben, demi wir finden hier eine Reihe interessanter Angahen über mandaische Gebrauche, deren Hauptzüge auch von Petermann und Siouffi bezeugt sind, Ein selbstandiger Werth ist denselben allerdings nicht beizumessen. Der irrthümlichen Aussage (bei Siouffi p. 198 unten) „ils croient ... aussi a la transmigration des amesquot; tritt schon die andere (das. 202 s.) entgegen, dass die Seele nach dem Tod vierzig Tage branche „peur pouvoir paraitre devant Dieu afin d\'y étre jugéequot;. Glaubwürdiger als was Lycklama über die Beerdigung der Todten, oder vielmehr der Sterbenden, berichtet (das. p. 202), sind Siouffi\'s darauf bezügliche Angaben (p. 123 s.). Die Be-hauptung, dass die Subba ihre Priester Mollah nennen (p. 199), und die andere; „ils croient, disent-ils, en Dieu et en son prophete Yahioquot; lassen auf einen mohammedanischen Berichtgeber vermuthen.

1) Die vier ersten Theile ohne Jahreszahl; auch die Tor- und Nachworte sind nicht datirt. Den Titel „Liber Adamiquot; gab Norberg wohl nach Abraham Ecchellensis, vgl. die betr. Stelle in der 1. Anm. zu seinem Torwort.

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J] anclaiscbe Bücher. Die Sprache.

Dera Bedürfniss einer genauen Reproduktion der mand. Texte ist in Ansehung der beiden wichtigsten Sammlungen durch nachstehende Editionen Genüge geleistet.

Thesaurus s. Liber Magnus vulgo „Liber Adamiquot; appellatus, opus Mandaeorum summi ponderis descripsit et ed. H. Petermann, T. I textum continens, Pars I s. dextra, Pars II s. sinistra. — T. II lectiones codd., additamenta et corrigenda continens. Metallo excudit Eud. Tietz, Lipsiae T. O. Weigel 1S67. — Es ist dies das Genza (NTJia „Schatz1\') oder Sidra raba, wovou Petermann vier Handschr. verglich. Das in 4° autographirte Werk zilhlt, genau dem cod. A entsprechend, im rechten Theil 395, im linken 138 Seiten Text, und ist uur in 100 Exemplaren abgezogen worden. Weiteres in der kurzen Praefatio (p. 2—6}, und über die Bestandtheile in unseren Beilagen A und B. üebrigens sei bemerkt, dass die europaischen Bibliotheken, ausser den von Petermann benutzteu 4 vollstiindigen, noch Hss. von eiiizelnen Tractaten und Stücken des Genza besitzen, dass jedoch nnsre ganze Textüberliefernng auf eine Hs. zurückgeht, welche „schon stark entstelltquot; schwerlich „auch nur in die Mitte des 15. Jahrh.quot; hinaufreicht (so Xüldeke, M. Gr. XXIII;.

Qolasta oder Gesange und Lehren von der Taufe und dem Ausgang der Seele, als mand. Text mit sammtl..Varianten nach pariser u. londoner Mss., mit ünterstützung der D. Morgenl. Ges. in Leipzig autographirt u. herausg. von Br. J. Euting . . . 1S67 .. . Autogr. Druck v. Friedr. Schepperlen, Stuttgart. — Eine Pracht-ausgabe in zweimal 74 Folioseiten, deren rechte jedesmal die Varianten enthillt. Der Haupttext, der die Gesange und Gebete enthiilt, ia grösserer Schrift als die Gebrauchsamveisungen u. s. w., welche jiingern Ursprungs sind.

Ueber die beiden vorerwahnten Ausgaben und anlasslich derselben schrieb Th. Nöldeke eiuen dankenswerthen Artikel in den Göttingi-schen gelehrten Anzeigen, 13. Stuck vom 31. Miirz 1S69, S. 4S1—501. Hatte dieser Gelehrte schon i. J. 1S62 eine Abhandlung „Ueber die Mundart der Mandaerquot; erscheinen lassen (M. Gr. VII f.), dreizehn Jahre spater erhielt die Wissenschaft aus seiner Hand den sorgfaltig aus-gearbeiteten Schlüssel zu dem Schatz der mand. Literatur. Es ist die

Mandaische Grammatik von Theodor Nöldeke. Halle, Verlag d. Bnchh. d. Waisenhauses, 1S75 (X u. 486 S.j. Der Verf. hat die-selbe in ihrem ganzen ümfang aus den Schriften der Mandaer zu Tage gefördert, indem er besonders die alteren: Genza, Sidnï oder Drasê d\'Jahja (auch Drasê d\'malkê), Qolasta und das .Hochzeits-formularquot; zu Grimde legte. Durch diese Arbeit ist das sprachliche Verstandniss, correcten Text nnd hinreichende Wortkenntniss voraus-gesetzt, sichergestellt.

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Eiiileitunn

In der Einleitung \') S. XXI—XXV ist aucli der Yerfall der Sprache in den klein geschriebenen Stiicken des Qolasta, im Diwim und im Asfar Mahvasê (Buch der Zodiakalzeichen) konstatirt, wodurch diese Theile der mand. Literatur sich als Erzeugnisse einer spilteren Periode ausweisen.

§ 9. Ungeachtet dieser ausgezeichneten Hülfsmittel ist das Studium der mand. Eeligionslehre nicht ebeu leicht. Nöldeke selbst schrieb in jener Anzeige 1869 (S. 500): .Tcli habe micli seit Jaliren mit dem Mandaischen beschaftigt; ich liabe die beiden neu lierausgegebenen Bücher sorgfiiltig zweimal und einzclne Theile derselben viel öfter durchgelesen; mir kamen dabei meine lexicalischen Sammlungen, die Frucht einer ziemlich ausgedehnten syrischen Lecture zu statten; auch sachlich habe ich mir durch Beschiiftigung mit den gnostischen und andern Systemen das Eindringen in diese Literatur zu erleichtern geslicht, und doch ist es inir nicht gelungen ein irgend genügendes Verstandniss zu erwerben. Manche Stellen glaube ich zu verstellen, aber au andern hilufen sich die Schwierigkeiten zu sehr, und nicht selten ist die wahre Bedeutung ganz gewöhnlicher, zum Theil dem Wortsinn nach leicht verstandlicher, Wörter höchst unsicherquot;. In der Einleitung zur Mand. Grammatik, vom J. 1S75, gibt Nöldeke zu verstellen, dass die Nebel sich noch keineswegs verzogen habeu, in-dem er (das. XX) die Wichtigkeit einer sorgfilltigen üntersuchung ,des leider zmn grossen Theil iiusserst schwer zu ermittelnden In-halts der mand. Schriftenquot; für die Religionsgeschichte betont.

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i

Die in Obigem angedeutete Schwierigkeit, die theologische Bedeutung manclier Wörter zn bestimmen, ist nicht die einzige, welche der Ergründung der mand. Religion im Wege steht. Eine andere liegt in dem buntscheckigen Inhalt der Tractate, die nicht selten avis heterogenen Bestandttheilen zusammengestoppelt sind. Mit Recht mag man da vor Allem eimnal fragen, was demi die M. selbst von diesen Dingen halten. „Waren die Mandaer ausgestorbenquot;, schrieb Nöldeke GGA a. O. 500 f., „so müssten wir uns freilich so gut wie möglich selbst zu helfen suchen...: aber da es noch eine lebendige Tradition gibt, so sind wir zuerst an diese gewiesenquot;.

1) Zu der kurzen allgemeinen Einleitung S. XIX f. erlaube ich mir nach-stehende Bemerkungen: „Sie nennen sich Nasórajê, d. i. „Nazarenerquot;, „Christenquot; und halten doch Jesus für ein böses Wesen, den heiligen Geist . .. für ein arges Teufelsweibquot;, — die Ausdrücke Kristiana und Kristianuta gebrauchen die M. ausschliesslich von den Anhangern des Isu-Msiha und der Ruha. Ferner: „Und dennoch sind sie wirklich eine Art Christen: keinen Gedanken betonen sie so sehr wie die echtchristliche Idee der Erlösung-\', — vgl. dagegen unser Capitel „Charakter der mand. Religionquot;.

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Traditionello Interpretation ?

Wirklicli liatte aucli Prof. Petennanu in der Praefatio zu seiuer Ausgabe des Genza p. 5 s. auf jene Schwierigkeiten liiugewieseu: ut in omnibus fere Mandaeoiuni libris ita in hoe raulta reperiri quae, nisi quis Mandaeo eoque docto viro duce usus fuerit, iutelligi ne-queant; zugleich aber deren Wegraumung angekündigt: Mihi vero tam felici esse contigit, ut unum istum virum qui liodienum accurata superstitionis illins cognitione pollet, invenirem miliique conciliarem, qui suam mecum scientiam communicavit, ita ut etiam nolente eo et invito Mandaeorum religionis indolem et rectius de iis indicium acquirerem. Demnach liatte Xöldeke ein Recht zu meiuen, Petermann allein habe den Schlüssel zum Yerstandniss der mand. Schriften, und in der Yorrede zur Mand. Gramm. auf\'s Dringendste den Wunsch zu wiederholen, „dass der hochverdiente Gelehrte endlich seiue Auf-zeichnungen über die traditionelle Interpretation der mand. Bücher herausgilbequot;.

Indessen hat Petermann weder die verheissene Uebersetzung noch das von Köldelce verlangte Material jemals gegebeu. 1st er etwa uachtraglich an der exegetischen Weisheit seines Lehrers irre geworden ?

Was die Zeitschrift der Deutschen Morgenlandisehen Gesellschaft im Jahre 1S70 (XXIV, S.461 ff.) „Aus einem Briefe des Dr. Socinquot; (au Th. Nüldeke) über die Erfahrungen dieses Reisenden mit dem-selben Priester Jahja mitgetheilt hat, liisst kaum einem Zweifel Raum. Socin fand denselben, seit zwei Jahren durch die Regierung in Snq-es-Siuch internirt, als einen alten Mann mit ehrwürdigem Bart, „hat aber in seinein Gesicht etwas ungemein Listiges und Miss-trauischesquot;. Es hatte derselbe einige Jahre vorher wieder einmal mit einem Englauder accordirt (auf 1000 qran, d. i. etwa ebensoviele francs, monatlich!), um ihn zu unterrichten; der Britte hatte aber uur drei-viertel Monat dabei ausgehalten. Xun steilte der Priester dem deutschen Gelehrten gleichfalls die unverschamtesten Forderungen, nur um ihn leseu und etwa Vokabeln zn lehren. Die Ausreden, mit denen er es ablehnte, den ünterricht auch auf den Inhalt der Schriften auszudehnen, verdeckten doch kaum ein Bewusstsein der Unfiilngkeit. Socin verliess den Ort unverrichteter Sache.

Betrachten wir das, was Petermann in seinem Reisewerk und fast mit denselben Worten in Herzog\'s Realencyclopiidie von der Lehre der Mandiier dargelegt hat, so finden wir Xichts, was nicht jeder der Sprache Kundige aus den Schriften zusammenlesen könnte, mit Aus-nahme etwa der Behauptung, dass Mana raba sich nach der Emanation des „Ersten Lebensquot; in die tiefste Verborgenheit zurückgezogen habe, sichtbar — ausser filr einige der höchsten „Emanationenquot; — nur auf ein einziges Mal ftlr die abgeschiedenen Seelen der frömmsten

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Einleitung.

Mandaer. Daruin werde nicht er, der „tiber alle Verehrnng erhabenquot;, sondern das Erste Leben bei allen Gebeten zuerst angerufeu (PEE1 IX, 319). So mag freilicli der Priester erkliirt baben, die Angaben, welohe Souffi über die Abgescblossenbeit nnd Unnabbar-keit Gottes erbielt, treffen damit zusammen, — aber es ist nicbt „scliriftgemiissquot;.\')

Socin war in Bagdad von allen Seiten an den Lebrer Peter-mann\'s gewiesen worden, „der sei Oberhaupt nnd babe fast allein noch Kenntnissequot;. „Schillerquot;, schrieb Socin dann aus eigner Beob-achtung, „hat der Schech (jener Jahja) gar nicht; einer seiner Söhne, ein junger netter Mensch von etwa 12—14 Jahren,2) kann ihre Sprache lesen, aber versteht wenig. Es existirt noch ein Schech in Snq, aber der war anf der Keise. In Persien soil es keine Scheche geben, aber dort mnss noch ein mandaisches Kauderwelsch existiren .. (S. 463).

§ 10. Möchte man schon anf Grund dieser Angaben von Seiten der heutigen Mandaer gar kein Licht mehr erwarten, — so muss die gesunkene Hoftnimg doch wieder aufleben, wenn man Souffi\'s Etudes zuerst unter die Augen bekommt.

Da scheint nun dennoch eine andere Ader der „lebendigen Traditionquot; zu fliessen! Ein abtrünniger Priestersohn, ehedem wohlunter-richteter Candidat des Priesteramts, stellt, nicht lauge nachdem er die Religion seiner Vilter verlassen, seine Kenntnisse einem wissbe-gierigen Franzosen zur Verfügung. Siouffi verrath nicht, woher sein Gewahrsmann stammte oder wo dessen Vater ansilssig, nur dass er im Jabr 1875 nahezu fünfandzwanzig Jahre alt war, also 6—8 Jahro alter als jener „nette Menschquot; des Dr. Socin. Wahrscheinlich war er überhaupt kein Schiller des Priesters von Süq. Wo und bei was für einem Lehrer mag er daim seinen Unterricht erhalten haben ? Es sei dem wie ihm wolle, genug; die sonstigen Umstande ver-sprechen nicht wenig. Olmc Zurückhaltnug gibt der junge Mann über Alles Auskunft. Manuscripte werden beschafft. Der eiuzige, freilicli nicht zu unterschatzende, schwache Punkt liegt in der Sprache. Der Consul versteht kein Mandaisch, dem Ex-Mandaer macht es Mühe seine Religionslehre anf arabisch zu verdolmetschen. Aber der intelligente Enropaer nimmt ihn sorgfaltig in\'s Verhör und

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Die besagte Lehre ist nicht nur im Genza gar niclit enthalten, sondern es widerspricht auch derselben z. t!. die Vorstellung der Tractate 6. und 8. r, wo Mana raba, resp. Mana. und sein Abbild, von dem Ersten Leben und von Manda d\'Hajê, resp. dessen Sohn Hibil Ziwa, verehrt und angebetet wird, und in Rede und Handlung mit donselben verkehrt.

2

.,Der altera Sohnquot; war i. J. 1854 zwölf Jahre alt und zum dereinstigen Amtsnachfolger seines Vaters ausersehn. Peterm. Keisen II, 97, 463.

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Die „lebenclige Traditionquot;.

theilt die Ergebnisse dieses Verliors in einem Buche mit, dessen grosses Verdieust bei überaus klarer Darstellung nocli darin bestelit, dass, von etwaigen Missverstandnissen abgesehn, nichts Eignes bei-gemischt, sondern lediglicli das Erhobene dargeboten wird. An eine solche Quelle tritt man mit berechtigter Erwartung lieran, und in der That erhiilt man hier über den heutigen Mandaismus höchst interessanto und zuverlassige Auskunft.

Wer jedoch über die dunkeln Dinge des Genza Aufklarung sucbt, findet sich schmerzlich enttauscht.

Die Gotterlehre ist augenscheinlich auf ein dem praktischen Be-dürfniss anbequemtes System reducirt. Der einzig wirkliche Gott soil Alalia genamit sein; übrigens wird auch Xquot;quot;quot; als eine Bezeichnimg desselben gedeutet und mit „le vivantquot;\' übersetzt, obgleich S. es richtig als Pluralform „haïyquot; umschreibt. Es kommen aber im Genza Stellen vor. wo „das Lebenquot;, dies ist die Bedeutung von XtTi, den Mana raba anbetet, ja anfleht, andere, wo es den Mana r. und dessen Ebenbild neben sicli hat, u. s. w.

Mit dem Namen Alalia hat es eine andere Bewandtniss. Das Wort ist in Genza uud Qolasta rar. Es kommt nur in einer kleinen Anzahl von Tractaten vor, und wieder nur in ganz wenigen ohne Weiteres als Bezeichnung des wahren Gottes. In andean als Ap-pellativum, z. B. r. 3, 3—5 ..Alaha über Alle, .. . erhaben und stark über alle Alahasquot;; in etlichen wieder schlechthin als Eigenname in der Form Alaha oder Alahuta („Gottheitquot;), aber nicht für den wahren, sondern für einen falschen Gott, s. Beilage C.

Nicht weniger bedenklich ist, dass die überlieferten Mythen in der von Siouffi selbst erbrachten Gestalt gegen die bei ihm verkün-digten theologischen Anscbauungen verstossen. Es beisst p. 34 s. von dem höchsten Gott „Alaliaquot;; II est éternel, impenetrable et imma-tériel, et nul ne peut parvenir jusqu\'a lui. Cette idéé qu\'ils out du souverain être fait que, quand ils entendent dire par les Chretiens, les Musulmans on les Israelites que Dieu a parlé dans le temps a certains personnages, tels qu\' Abraham et Moïse, ils ne nient pas le fait, mais ils assurent que o\'est la voix du soleil qui s\'est fait entendre a ces derniers, et non celle d\'Alaha, qui ne parle point, attendu qu\'il est un pur esprit, et que nul ne peut l\'atteindre. — Unge-acbtet der von mir unterstrichenen Assertion liest man p. 57 in dem Mythus der Weltschöpfung: Cette prière achevée, la voix d\'Alaha se fit entendre pour tranquilliser Hivel-Zivo. Elle lui annon9a que le voyage serait terminé avant que la femme fut accouchée . . .

Ein Anderes, was die Tradition erlautern sollte, ist die Theogonie. Wie deuten die Mandaer selber die Namen der ürwesen Pira, Ajar, Mana, Nitufta? Was halten sie von den drei Leben? Wie erklaren

Brandt, Mandaisohe Religion. 2

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Einleitung.

sie, dass Mauda d\'Hajê in einem und deraselben Tractat fast um und urn nun einmal dem Mana raba, dann wieder dem „Lebenquot; oder „den Grossenquot; sein Dasein verdanken soil?1) Gilt vielleiclit die Kegel, dass der spater Gekommene alle illteren Wesen „Vaterquot; nennt? 1st etwa bei der Hervorrufung eines neuen ein Zusammenwirken der zu einander lialtenden höheren Wesen anzunehmen? Eine derartige Auf-losung einzeluer Widersprüche liesse sicli denken, wenn man aucli eine Vereinbarnng der offenbar aus ganz verscbiedenen Gesichtspunkten entworfenen Partieen weder erwarten noch dankbar entgegennehmen dürfte. Allein dieses ganze Thema wird überhaupt nicht erwahnt. Ebensoweuig ein „Zweitesquot; und ..Drittcs Lebenquot;. Die Theologie an-langend wird nur versichert: Après Alalia vieiment 360 personnages celestes — das Personal der Mythologie, die aber nicht Götter seien, sondern: des espèces d\'anges et de souverains en meme temps, all-wissend und mit Herrschaften verscbiedenen Ranges in der Lichtwelt betraut u. s. w. In offenbarem Widerstreit mit dem Genza liegt wieder die Behauptung, diese Wesen seien nicht wie andre erschaffen worden: Alaha n\'a fait que prononcer leurs noms et chacnn entrait de lui-même eu existence, aussitot qu\'il s\'entendait nommer. Der Ausdruck jop „rief hervorquot;, auf welchem diese Angabe doch wohl heruht, ist im Genza ebensowohl mit Bezug auf die Welt und auf irdische Geschöpfe angewandt.

Yon jenen 360 Himmelswesen soil der Oberste SJtairn sein, wilhrend im Genza dieses rHerr der Grossequot; zwar bisweilen für das „Erste Lebenquot;\' steht (so r. 234 ff.), sonst aber auch ein Epitheton des Allerhöchsten ist (so im 1. Tr. r.). Als diesem untergeordnet werden dann — noch dazu keineswegs in erster Stelle! — genannt: Mana raba kabira, Mana udmuta, und als ein Brtlderpaar: Ajar raba und Ajar dakia. Das ist aus dem grossen starkeu Manaquot;, aus „Mana und seinem Ebenbildquot;, aus dem „grossenquot;, dem „reineir Ajar bei den heutigen mandaischen ..Gelehrtenquot; geworden!

Die Legenden endlich bringt Siouffi\'s Buch in je einer Eassung, als ob die Ueberlieferuug gar nicht schwankte. Dass der Stoff in den alten Schriften verschiedentlich behandelt sei, wird nicht einmal angedeutet. Eine Hauptquelle der bei Siouffi mitgetheilten Keceiision vermuthe ich in dem (nur handschriftlich vorhandenen

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lm 6. Tr. r. ruft 70 uit. Mana r., nachdem das Erste Leben bereits in\'s Dasein getreten, den M. d\'H. hervor; demgemass spricht dieser 72, 22 „Mana. von dem icli gepflanzt binquot;, aber sclion 75, 2U „das Leben, mein Vater\'\' (-srsrsrs s—r: eig. „meine Vaterquot; wegen der Pluralform von N—n), und 78, 15 f.

n-;--quot;, wobei man doch kaum sicher weiss, ob „die Grossenquot; bier, wie sonst, das „Erste Lebenquot; bezeichne. E 126, 4 ruft das „Erste Lebenquot; den M. d\'H. hervor.

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Gelehrsauikeit der mand. Priester.

imd mir unzugangliclieii) Sidra d\'Jalija (Drasê d\'raalkê). Dieselbe stiramt nirgends ganz mit einer der Darstellungeu des Genza übereiu. Auch neue Züge (wie die Gattin des Juhana: Anhar, p. 10 s.) treten zu Tage.

Dennoch möchte man wenigstens da, wo Siouffi eine fortiaufende Parallele zu einem bestimintea Tractat des Genza bietet, noch einige Hoffnung hegen. So iilsst sich namentlich die den 11. Tractat rechts ausfüllende Legende von der Heimsuchung des Juhana masbana durch Manda d\'Hajê in ihrem ganzen Verlauf mit der Relation bei Siouffi p. 11—15 vergleichen. Nun ist in jener Einiges, wozu sachtundige Erlanterung sehr willkommen ware. So die Anrufung der Himmels-wesen, der drei „Lebenquot;. des Jöfin Jofafin, Sam Maaa s;nira u. s. w. in den Gebeten des M. d\'H. und des J. (r. 189 u. 195); ferner die „Raderquot; des Tags und der Nacht in dem des M. d\'H.; weiterhin die Auskunft, welche J. 192, 17 f. über den Namen, auf den er taufe, ertheilt. Alleiu vergeblich suchen wir bei Siouffi auch mir ein erklilrendes Wort ! Für jene Gehete heisst\'s nur kurzhin „il s\'adressa a Alahaquot; (p. 12); nnd anstatt der bezeichneten Aussage des J. wird demselben eine andere in den Mund gelegt, die an die Textworte des Genza nicht einmal anklingt (s. Beil. G). Summa: die Steine des Anstosses werden jedesmal umgangen.

Dies Verhiiltniss ist nun für die TJeberlieferung der Mythen bei den heutigen Mandaern (d. h. bei Siouffi) überhaupt charakteristisch. Dieselbe zeigt sich vom Genza fast ganz unabhangig. Die wiederholte Berufung des Priestersohns auf die hl. Schriften seines Volks (p. 19 u. ö.) wird vom Genza jedesmal Lügen gestraft. Wie es um die Belesenheit der mand. Priester steht, mag aus der Amnerkung, welche Siouffi mit Bezug auf den Berg, auf dem die Arche des Nu gelandet sei, bringt, hervorgehn (p. 131); „Mon professeur m\'a dit que le nom de cette montagne était inconnn anx Soubbasquot;, wo doch derselbe im Königsbuch (r. 3S1, 5) mit dem Namen \'p-nspi XT.-J bezeichnet ist, wie in den targumischen und syrischen Versionen von genes. VIII; 4. Dennoch lassen die Angaben über so manches Detail der religiösen Gebrauche nicht daran zweifeln, dass Siouffi\'s Gewahrsmann den ordentlichen Unterricht eines Priesterlehrlings erhalten habe. Er weiss und theilt mit was alleiu ein mand. Priester wissen und mit-theilen kann. Wenn aber dessennngeachtet der Ertrag dieser Quelle für unser Verstandniss des im Genza abgelagerten mythologischen Stoffs, sowie für die Erklarung der etymologisch dunklen oder sonder-baren Namen nicht sparlicher hiltte ausfallen können, so gelangen wir zu dem Erkeniitniss, dass für Beides von dieser Seite überhaupt Nichts mehr zu erwarten sei.

Jedwede noch auf die „lebeadige Traditionquot; gesetzte Hoffnung

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Einleitung.

ist jetzt wohl gründlich zerstört. War Nöldeke\'s Meinung schon 1869 (GGA 501) „gewiss nicht .. ., dass die mand. Priester das Ver-

standniss der heil. Bücher......völlig ungetrübt bewahrt habenquot;

■würden, so wissen vrir jetzt, dass diese Priester das Studium des illtesten derselben auch im besten Falie nur oberflachlich betreiben, mit dem Text der Legenden es gar nicht genau nehnien, uud namentlich in der Theologie allen schwierigen Fragen mit dem allgemeinen Satze ausweichen: Alaha (Gott) sei doch nur Finer.

§11. Die Frforschung der alten mandiüschen Keligionslehre bleibt also auf die schriftlichen Urkunden angewiesen. Von Untersuchungen auf diesem Gebiet sind mir nach dem, was Norberg und Petermann darin geleistet, nur die Artikel „Mandaerquot; iu der zweiten Auflage der PEE (1SS2) und „Mandaeansquot; in der Encyclopaedia Britannica (1883) bekannt geworden, ersterer von K. Kessler, letzterer wohl von derselben Hand, mit wörtlichen Entlehnungen ans jenem, „K. K.quot; unterzeichnet.\')

Natürlich ist in encyclopadischen Artikeln nicht Alles, was zur rechten Beurtheilung der einzelnen Momente noting, enthalten. Ueber-dies aber entgeht bei Vergleichung der Quellen keine der bisherigen Bearbeitungen dem Vorwurf der Kritiklosigkeit. Norberg, schon in der Auffassung des Textes sehr willkürlich, legt eine Eeihe von Daten daraus nach eigenem Gutdünken zu einem System zurecht (s. Vorwort und Onomasticon zum cod. Nas.). Petermann, der das Obwalten von Widersprüchen und „verschiedenen Eelationenquot; ge-bührendermassen betont, lebt des Glaubens, dass hier nur „verschie-dene Modifikationenquot; eines ausserst venvickelten Eeligionssystems vorliegen, und unternimmt die Eeproductiou desselben mit einem dem Norberg\'s ganz ahnlichen Eklekticismus. Jener Glaube ist aber Nichts als eine petitio principii, wenngleich in manchen Fallen die Be-merkung Petermann s, dass (PEE1 IX, 319) „dieselben Gottheiten oder Engel oft unter ganz verschiedenen Namen wieder vorkommen, und umgekehrt mit demselben Namen bald dieses, bald jenes Wesen bezeichnet wirdquot;, Eecht behiilt.

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Dr. Kessler\'s neue und erweiterte Ausgabe des Petermann\'schen Artikels bat diesen und andern Mangein desselben nicht abgeholfen, sogar neue Irrthümer eingeführt. Den ausführlichen Nachweis dieses ürtheils enthillt Beilage M.

1

Einschlagiges auch schon in dem 18S1 zu Berlin gehaltenen Vortrag des gen. Gelehrten „Ueber Gnosis und altbabylonische Religionquot;, s. Ver-handlnngen des 5. internationalen Orientalistencongresses, II Thl. Abhandlungen u. Vortrage, Erste Halfte (Berlin 1882) S. 28S—305.

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Eearbeitungen.

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Eine streng an die Quellen gehaltene Darstellung der mand. Leliren lasst sich also noch vermissen. Eine solche ist die Aufgabe an die wir herantreten. Die Erklarung der mand. Vorstellungen liegt zunachst niclit iu nnsrer Absiclit, sondern nur eine Darlegung des vorhandenen Stoffs. Auf etliche liervortretende Grössen imd Beuennnngen, die der mand. Religion eigenthümlich sind, ist indessen vorlier aufinerksam zu machen, zugleicb auf die in Vorschlag ge-brachten Deutungen.

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Erstes Capitel.

Manclaisclie Theologie.

Vorbemerkungen.

§ 12. Die mand. Metaphysik operirt mit einer Anzahl von Aus-clrücken, die audi Gemeinwörter des taglichen Lebens sind, denen sie aber eine besondere technische Bedeutung\' beigelegt hat. Diese Be-deutung ist zmveilen ohne Weiteres aus dein Zusammenhang zu erkennen. So bedeutet ior\'quot; „Keichthumquot;, „Schatzquot;, solche Wesen, die wir Engelquot; zu nennen pflegen. Unsicher wird man aber schon, wo von zahllosen „Weitenquot; (iOttbs), „Wohnsitzenquot; „Früchtenquot;

s. nnten!), .,Thürenquot; im Krcis der höchsten Wesen

die Eede ist. Nur misstrauisch mag man die Erklarung der jetzigen Mandaer, die Himmelswesen betreffend, zu Kathe ziehen, Siouffi p. 35: qu\'ils ont chacnn, dans 01 mi Danhouro, un royaume plus ou moins haut placé, et dont le gouvernement lui est confié. Wie passt dazu, dass Hibil Znvti nach r. 138, 13 ,Weiten des Lichtsquot;, nach r. 140, 12 „Weiten imd Utra\'s nnd Wohnsitzequot; in der Unterwelt mit sich gehabt haben will? — ünter den höchsten Himmelswesen begegnen wir einer Nitubta oder Nitufta (Sioufü „Nitoftoquot;). Es heisst eigentlich „Tropfeuquot;, und nach r. 152 unten (s. Beil. D) scheint das mit dem Namen angedeutete göttliche Wesen in der That eine Personification der Tropfen des „lebenden (Tauf-)Wassersquot; zu sein. Anderwarts ist ein Wesen tiKiS au die Spitze mehrerer Keihen von Himmelswesen gestellt: das aus diesen Eadikalen bestehende Zeitwort bedeutet ,her-vorkommenquot;. — Ajar, in den Theogonien vollstandig Xll sliT ist das vermittelst des Syrischen eingebürgerte at\'^Q, eigtl. „Luftquot;. Als Gattungsname findet sich\'s z. B. r. 283 N\'xno und quot;iSON vom Nordwind, ferner r. 116 med. R 304, 12; 360, 19 f. ist mit NpiX „Erdequot; cd. „Land des Ajarquot; die obere Welt „welche Jawar haute und fertig steiltequot; bezeichnet. Nöldeke und Kessler übersetzen den Ausdruck der Theogonieen, wie schon Petermann, mit „Aetherquot;. In andern Tractaten ist aber von „Ajar dem Weinstockquot;

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Mand. Theologie. Vorbemerkungen.

Rede, so 1. 37, 19 f. und r. 376, 3: „belehre mich über den Ajar gufna nnd über die Rede des Lichts, die von ihra eraatiirte (OXnS)quot;.

Links 8, 15 gehort (wieder anders!) „Ajar Ziwa, Sohn des grossen Lebensquot; zu denen die von dem grossen Weinstock im Hans des Lebens essen. Bei den Ergebnissen nnsrer üntersuchnng wird sicb indessen das jüngere Alter dieser Stttcke beransstellen.

Zwei Hauptwörter der mand. Theologie haben zu besondern etymo-logischen Erklarungen herausgefordert, nl. und Da diese

Erklürungen in dem Zusaramenhang der betr. mand. Texte ihre Probe zu besteheu haben, so schicke ich sie hier voraus; der Leser kann dann selber urtheilen. welche, oder ob überhaupt eine der vorgeschla-genen Deutungen ihn befriedige.

Ara ehesten dürfte dies der Fall sein mit dem Aasdruck als Gattungsuame „Gefössquot;, „Instrumentquot; (das lat. vas), auch „Kleidquot; (z. B. r. 116, 19). Das theologische „manaquot; scheint jedoch ein anderes Wort zu sein. Xach Noldeke (M. Gr. XXXIIj ist es „allem Anschein nach ein iranisches Worf\', und „die Abkunft von der Wurzel man und der Zusaramenhang mit dem pazendischen manulhan, manisn, und mit mainju (für nun ju, sodass die jüngere Form eigentl. mani lauten müsste) .... kaum zweifelhaftquot;. Xöldeke übersetzt es mit „Geistquot;, und bemerkt dazu: ,,oder wohl noch besser mit Intelligenzquot;. Am Ende ist es aber einfach eine raaudaische Bilduug von nach der ira arab. erkenntlichen Gnmdbedeutung. Dann ware zu vergleichen die spiltere schiitische Bezeichnung für den Sinn oder das innere Wesen, im Gegensatz zu den Erscheinungsformen, (ü-mand); bei den Nosairi: das allein anbetungswürdige Wesen in der Gottheit, besonders zu unterscheiden von demXaraen. Vgl. Silvestre de Sacy, Exposé de la Religion des Druzes (Paris 1838) I, 47; 11, 579 ss.

Pira — wo die Theogonieen des Grossen Pira Erwilhnung thun bildet dies Wesen iraraer das erste, uranfangliche —wurde von Nor-berg als „Vogelquot; vom Phoenix erklart (Onomasticon 124 s.), wofür er sich darauf hiitte berufen können, dass in manchen Formen des raand. Zeitworts „üiegenquot; der Guttural in der Schrift umgesetzt und in der Aussprache wahrscheinlich ganz nnterdrückt wurde (z. B.

„er fliegtquot;, vgl. Nüld. 67). Allein jene Deutung ist doch un-wahrscheinlich. Petermann hielt sich an die Bedeutung des gar nicht seltenen mand. Geraeinworts („Fruchtquot;, z. B. r. 12, 18;

388, 6 u. oft), und dachte dabei an „den orphischen Mythus von dem grossen Weltei, woriu deranach alles Andere schon ira Keim vor-handen warquot; (PRE1 IX, 319). — K. Kessler behauptete in seinem Vortrag 297: „Pira rabba, d. i. gewiss „grosser Schmuck, Pracht, Glanzquot;, pira die dera hebr. ixe entsprechende aram. Form, wie 3XT und saquot;1-, l-.J „Wolfquot;, cf. nnsEP, X. eiuer kabbalistischen Sephirothquot;.

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Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

In PRE1 IX, 20S fügt K. hiuzu: „auf keinen Tall Frucht, liebr. inB,quot; — als ob das mand. Gemeinwort gar nicht existirte! —

„■weil dies als Bezeiclmung des ürgrands alles Werdeus so wider-sinnig wie nur möglich warequot;. In der Encyclop. Britannica (XV, 4G8) erklilrt liingegen K. K. zu Pérd rahbd: „the great abyssquot; (either Persian Pi\'r „oldquot;, or from IST „to splitquot; comp. the gnostic flvamp;og). — Nöl-deke übersetzt es mit „Fruchtquot;, und das wilrde auch ich, schon wegen der Frequenz des Gemeinworts, empfehlen, wenn ich nicht einst-weilen noch vorzöge einfach Pira zu transscribiren. Bei den zahllosen Pira\'s, die von dera ersten Pira entstanden, und den zahllosen weiteren Pira\'s, die wieder in jedem einzeluen dieser Pira\'s waren, driingt sich mir übrigens der Gedanke auf an die Philosoph. VIII, 8 sq. (Cruice p. 398 sq.) mitgetheilte doketische Lehre: 6sdv slvai rov jtqujtov olovel ojctniia ovxFjs xamp;e. — Personificirt erscheint das grosse Pira meines Wissens nur r. 72, 19 f. (als Auftraggeber des Manda d\'HajQ). Als Eaumlichkeit r. 70 penult.: „Mana raba NTSnquot;, und öfter.\')

I. Polytheistisclier Stoff.

A. Theogonie.

§ 13. Es folgen hier zunachst die Stellen, in denen die eigen-thümlichst mandaischen Speculationen fiber den Ursprung der hüchsten Wesen enthalten sind. Voran stehn, als Hauptstelleu, drei des 6. ïractats des rechten Genza, die sich wie verschiedene Eeproductionen eines alten Systems ausnehmen.

a) R. 68, 21—69, 16: „Als da war (xin ~o) das Pira in (isa, auch instrumental „durcliquot;, Nüld. 361) dem Pira, und als da war das Ajar in dem Ajar, und als da war der grosse Mana der Herr-lichkeit (69, 18 hingg. Jura), von welchem grossmachtige grosse (d) Mana\'s entstanden2), deren Ziwa\'s (Glanzhüllen?) viele

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1

Im Folgenden habe ich das Zeitwort s-.n, wo es mit zusammenstebt und oft\'enbar ein genetisches Verhaltniss andeutet, mit „entstehenquot; übersetzt. quot;Wo ich „existiren\' biete, hat der mand. Text r-quot;. Die Pluralformen s--, s-\'alii und s\'jsaiii, deren erstere Beiden oft in Parallele stehen, sind mit „grossquot;, „grossmachtigquot; und „Magnatenquot; wiedergegeben, um ohne Weiteres das Wort des mand. Textes erkennen zu lassen, was nicht immer gleichgültig ist. Aus

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I. Polytheistischer Stoff.

mid deren Lichter gross (d), vor denen Niemand war in dem grossen Pira (\'1 \'ed), welcher ausgedelint nnd oline Ende ist, dessen Glanz zu ausgedelint fiir die liede des Mundes und dessen Licht zu gross (s) für\'s Erzahlen mit den Lippen, welches war in jenem Pira, [da] entstauden von ihm (69, 4 pn)

1000 mal 1000 Pira s ohne Ende mid 10,000 mal 10,000 Wohnsitze (Kfixrif) ohne Zahl; wahrend in jedein einzelnen Pira 1000 mal 1000 Pira\'s ohne Ende und 10,000 mal 10,000 Wohnsitze ohne Zahl waren; welche standen und priesen jenen grossen Mana der Herrlichkeit, der im grossen Ajar des Lehens wohnt (69, 9 xm wmh), welches im Innern des Jordans der

weissen Wasser existirt (Z. 10 Niix-in iOET sinsii niyi), welche von dem grossen Mana entstanden, deren Duft lieblich, durch welchen alle die Wurzeln des Lichts und grossen ersten Glanzes (Ziwa r. qadmaja) duften. Es war der grosse Jordan ohne Ende und Zahl, an welchem standen Pflanzen und sich freuten und frohlockten, welche alle mit Lohpreis erfüllt waren nnd standen von einem Ende bis zum andern. End von dem grossen Jordan entstanden Jordane ohue Ende und ohne Zahl. [Unmittelbar hierauf folgt:]

b) r. 69, 17—70, 5. Als da war das Pira in dem Pira nnd als da war das Ajar in dem Ajar und als da war der grosse Glanz (N-ili, ohne Varianten), dessen Glanz (fpin) und Licht ausgedelint und gross (d), vor welchem Niemand war, von welchem entstand der grosse Jordan der lebenden Wasser, von welchem selber das Leben entstand (\'pn nb11quot;! iO-rn).\') Und sie ergossen sich (wurden ausgegossen) in das Land des Ajar, in welchem das Leben sich Wohnung machte (Z. 21: nsisï xpixb quot;niNBËX: ■JX-Ü? nnï). Und es steilte das Leben sich auf, ahnlich dem grossen Mana von welchem es entstauden war (Z. 22 f. ■pn \'i \'12 lan und bat eine

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Bitte für sich. Auf die erste Bitte entstaud (sin) der Utra Mkaima (der aufstellende Utra, der Demiurg), den „das Lebenquot; Zweites Leben nannte. [S. 70] Und auch entstanden Utras ohne Ende und Zahl. Der Jordan, welcher von „dem Lebenquot; entstand, ergoss sich (wurde ausgegossen) wie der erste Jordan in die Welt des Lichts, nnd darin wurde das Zweite Leben auf-gestellt (od. es steilte sich auf nn^SOSprw, 70, 3). Und dieses

(lemselben Grunde ist mit 5 vermerkt, wo das Wort Tass, welches ebenfalls gross bedeutet, verwendet worden. Endlich ist »quot;£: zu Singularformen mit !,ausgedehntquot; übersetzt, wo nl. „vielquot; in unserer Sprache nicht recht passt. 1) Der Nachsatz zu dem dreimaligen s-.n fehlt.

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Erstes Capitel. Mandaisclie Theologie.

Zweite Lebeu rief Utras hervor und richtete Wohnsitze auf und rief eiuen Jordan hervor (den dritten: 78, 2 ioxr^n immer noch „alter als die verzelirenden Wasser des finstern Ortsquot;), in welchem ütra\'s anfgestellt wardenquot;.

Der Tractat berichtet dann weiter, dass drei Utra\'s des Zweiten Lebens diesem „ihrem Vaterquot; (70, 9 \'J) vorschlagen, eine Welt zu schaffen. „Gib unsquot; sprechen sie Z. 15 ff. „von deinem Glanz und von deinem Licht und von [Allem] was in dir (Tsai K52 pi), dass wir gelui und binabfahren unter die Wasser-bilche (55^13 NipiBxn Ninins nin5gt;:quot;l, 70, 16) und dir Wohnsitze hervorrufen und dir eine Welt schaffen; und die Welt soil uns geboren und dir; und wir wollen uns in ihr aufstellen und in ihr sitzen und Utra\'s in ihr schaffen; uns und dir sollen sie geboren; den Namen des „Lebensquot; wollen wir [nicht] nennen.1) — ünd es gefiel ibm und er spracb, dass es ibnen gerathen solie. Als er aber so sprach gefiel es dem Grossen (sim d. i. dem Ersten Leben) nicht und dem „Lebenquot; war es nicht recht (gewöhnl. Parall.), und es bat eine Bitte zu ibm und pries den grossen Mana der in dem grossen Pira wobnt (70, 23 xm tf-PM iOlffin). ünd da stand Mana r. in seinem Glanz und seinem Licht und seiner Herrlich-keit auf und rief hervor den grossen Kbar nxn: „der Grossequot;, „Langequot; oder „Starkequot;, auch Flussname: Ez. I, 3; u. ö.), dessen [S. 71] Name Kbar Ziwa, Nbat Jawar bar Jófin JOfafin, Sam der wohlbewabrte Mana (Sam Mana Smira) ist, der Weinstock der ganz Leben ist (od. „alles Lebensquot;, Nöld. 325) . .. und sprachen zu ibm: Du, sei gross gemacbt (nXTiSiny) über die Utras, und sieb was die Utras machen und worüber sie denken und sagen: Wir wollen eine Welt hervorrufen und Wohnsitze schaffen, wie die Gross-Utras (ïOSXnn «\'nm»), die Söbne des Lichts. Du, Manda d\'HajG, gefiel es dir? .... quot;

Auf seine Frage, worauf er bei dieser Sendung sein Ver-trauen (SiXïïiTl) setzen dürfe, spricht Mana r. (72, 8): „Du wirst

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1

r. 70, 20 vgl. Nöld. M. Gr. 215 f. Die gewöhnliche, für 3. ps. sing, und 1. plur. gleichlautende Form des Imperf. Afel ist iscns:, wofür auch

gesagt werden kann. Für die 3. ps. sing, ist aber auch das aus dem Talmud bekannte Prafix h im Genza noch vereinzelt nachzuweisen. Die 3. ps. sing, passfc aber an unserer Stelle durchaus nicht. Nöldeke rechnet nun diesen Fall zu einigen Andern, in denen unnachdenkliche Abschreiber auch für die erste Person plural das ! ruit dem ^ als gleichgültig verwechselt haben. Da jedoch soti schlechthin immer das Grosse oder Erste Leben bedeutet, lasst m. E. der Zusammenhang vielmehr eine Corruption aus iss-!s:tlt;V oder vermuthen. Dieses „Lebenquot; wollen jene Geister gerade nicht nennen.

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I. Polytheistischer Stoft\'.

nicht von uns getrenat werden, und wir, bei dir [bleiben] wir; Alles was du spricbst ist vor uus aufgericbtet (fnn \'Tlpb) ...quot; Auch werden ihm „sanfte und aufstellende ütra\'squot; \'2?

Xi\'QiNpül) als Genossen zugesagt. Daim beisst\'s (Z. 19ff.): ,Aiif Geheiss des grossen Pira der Herrlichkeit nahm icb Kusta von ibnen (geht auf Z. 18 zurück; über den Ansdruck n^D^: saCID

s. d. 4. Abscbn. unsres 3. Cap.), begab micb [und] ging zum Hans des Lebens.quot; Das ..Lebenquot; bestatigt ibm den Abfall der Utras und redet fort bis 73, 18. Hier nininit der Bearbeiter augenscheinlicb eine andere Vorlage in Angriff: „Und es sprach „das Lebenquot; zu dem rtlstigen und rustenden Utra (od. .burtigen und antreibenden Ü.quot; snXTEl XT-\'\'!? quot;J, bier zuerst; dann auch 75, 23 unmittelbar vor der dritten Theogonie): War deine Pllan-zung nicht gepllanzt be vor die Utra\'s waren? Bevor die Utra\'s waren, haben die Grossen (ton), die dich hervorriefen und be-auftragten, die Grossen dich gerüstet und beauftragt und gesandt und dir Gewalt gegeben über alles Ding. Sie haben dich beauftragt über die Wohnsitze und die grossmachtigen Thtlren (Z. 22 X\'TT ohne Varr.) des verborgenen Orts quot;^xrxi), dir Macht gegeben über die verborgenen Utra\'s, welche stehn und die Grossmachtigen preisen, dir Macht gegeben über den Jordan* der Grossmachtigen und über das lebende und prangende „froh-lockendequot;) Wasser. Wie die Grossmachtigen befohlen, [so] ist es geschehn. Sie haben dir Utra\'s gepllanzt u. s. w.quot;

Nachdem dann M. d\'H. die resp. „das grosse Lebenquot;

(einerlei) gepriesen, und den Ort der Finsterniss erblickt und be-trachtet hat (S. 74 f.), befragt er „das Lebenquot; fiber den Ursprung dieser ganzen bösen Welt und ibrer Bewohner. Anstatt der er-betenen Auskunft erhillt er nachstehende Belebrung: c) r. 75, 23—76,8 „Bevor alle Weiten waren, da war das grosse Pira. Als da war das grosse Pira in dem grossen Pira, [da] war der grosse „grosse Lichtkönigquot; der Herrlichkeit (jwbxa XTi snspyn sn san). [76] Und von dem „grossen Licht

könig4\' der Herrlichkeit entstand Ajar Ziwa raba, und von dem grossen Ajar Ziwa entstand das lebende Feuer, und von dem lebenden Feuer entstand das Licht, durch die Kraft des lebenden Licht-konigs. Und das grosse Pira war, es war das grosse Pira. Und es war in demselben ({inxini) der Jordan, und es war der grosse Jordan, und es war das lebende Wasser, und es war das glanzende (iOii?) und prangende Wasser. Und von dem lebenden Wasser entstand ich (\'px quot;p^NTi „entstanden wirquot;, nl. SOTt pl. t.) „das Leben\', es entstand ich „das Lebenquot;, und darauf entstanden alle die Utra\'squot;. — Ueber den Ursprung des Bösen erfahrt

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Erstes Capitel. Mandiiisclie Theologie.

M. d\'H. zunachst von „dem Lebeuquot; (76, 13 f.) und weiterhin von den (S. 77 f.) uur, dass die Finsterniss und die ihr ange-hörigeu Machte (das „fressende Feuerquot; u. s. w.) jünger als die Lichtwelt seien nnd auch dereinst vergehen werden.

Es liegt am Tag, dass in Obigem verschiedene Relationen zu-sauimengeliocliten sind. Parallelen, wo die Eine „das Lebenquot;, die Andre „die Grossenquot; bot, hat der Eedactor aneinandergereiht, die alte ïheogonie in drei abweichenden Eecensionen verwendet. In der dritten ist das AVort durch den Ausdruck xan SDbSB

ersetzt, die für eiue jüngere mand. Theologie charakteristische Be-zeichnung des waliren Gottes. Restituiren wir so tritt der

Widerspruch zu Tage, dass hier Ajar erst in Mana seinen U sprung haben soli, wiihrend in den zwei anderen Eelationen Mana gegen Pira und Ajar besonders dadurcli als secundilres Wesen erscheint, dass von ihm nicht gesagt ist sixï: 151 Indessen ist das 15a

in dieser Ausdrucksweise nicht instrumental zu verstehn (was sonst allerdings vorkommt, Nöld. 361), gemiiss der Norberg\'schen Auf-fassung von r. 68, 21 (Onomast. 90 s.): „fuit per se Ferho ut et fuit per se Ajar, sed exstitit Mano.quot; Der regelrechte Ausdruck für „perse fuitquot; ist mandaisch nt1 en: quot;jr NIH. Daraus, dass gerade von Mana ausgesagt wird, er wohne im Pira, im Ajar, und Nichts von einem Wohnen des Pira oder Ajar in etwas Anderem, gelit hervor, dass 153 local zu fassen ist, etwa wie Kessler erklilrt: Pira, resp. Ajar „der Alles umfasst, nur von sicli selbst begriinztquot;. Weiter lasst sich nun constatiren, dass in diesen alten Fragmenten Pira und Ajar eine Eaumlichkeit, Mana das darin existirende höchste persönliche quot;Wesen bedeuten. Die jüngere mand. Schule bat das wohl verstanden, wie jene Verwechslung eben des Mana mit dem „grossen Lichtkönigquot; beweist.\') Eine „Triasquot; nacb Art derjenigen von Aim, Bil und Êa im altbabylonischen Göttersystem bilden Pira, Ajar und Mana also nicht.2)

In dem Vorstellungskreis der Theogonieen des 6. Tr. bewegen sich die beiden nachstehenden Stücke:

d) 48. Tr. r. 358, 22 „In dem Land (xpiN) des Lichts war das Leben, das Leben war im Lande des Lichts, und von dem Leben entstand das Wasser, und von dem Wasser entstand der Glanz (XliT), und von dem Glanz entstand das Licht, und von dem

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1

Das vereinzelte „auf Befehl des grossen Pira d. Herrl.quot; 72, 19 erklart sicb naoh dem ahnlichen Sprachgebrauch mit „Himmelquot; oder „Pfortequot; bei Jaden, Moslemin u. A.

2

Die zuversicbtlichen Behauptungen Kessler\'s in „Vortragquot; 29quot;, PRE2 und EB von einer solchen Trias im mand. System könnten nur auf den er-brachten Texten beruhen, und werden somit durch dieselben gerichtet.

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I. Polytheistischer Stoft\'.

Licht entstanden die ütra\'s . . . — eine sehr nachUlssige Composition.

e) Im 30. Tr. r. 303 f. theilt Hibil Z. mit, er sei beauftragt worden, den Menschen zu sagen u. A. von dem Lande des Ajar (5?piN nxiNl), von dem obern grossen Pira \'1 \'B), und „von dem grossen ersten Mana und von dem grossen Jordan, in welchem er getauft wurdequot; (sauïy \'1 nNquot;1 \'ixp \'i xrsï by, 304, 19 f.).

§ 14. In anderu Theogonieen und mythologisch en Darstellungen ist von dem grossen Pira und dem grossen Ajar Ziwa als Urwesen nicht mehr Kede. Es treten uns aber in etlicben Tractaten neue, dem 6. r. fremde Grossen entgegen. So, neben Mana, im S. und im 17. Tr. rechts.

f) 8. Tr. r. 133—173, vgl. Beil. D. Hier figuriren als höchste Wesen Mana und sein Ebenbild, diese beiden iiniïJTi NZNï: immer ge-paart, und dauebeu als dazugehorig r. 134, 5. 7 „das Lebenquot;. Zusammen sind dies die „Grossmachtigen der Herrlichkeitquot; (X\'ZTi NlXpyï), mit gemeinschaftlicher Wohnung und Rede. S. 140,19f. heisst das göttliche Consortium „der verborgene Mana und sein Ebenbild nnd die grosse verborgene erste Nituftaquot;, und S. 152 lasst sich kaum bezweifeln, dass mit und dasselbe Wesen gemeint sei. Manda d\'Hajê hat hier einen Sohn, den Hibil Ziwa, und dieser tritt in einer Rolle auf, welche der 6. Tr. dem M. d\'H. beimisst. Hibil. Z. nennt nicht nur ihn, sondern auch Mana und sein Ebenbild, das Leben und die Nitufta seinen Vater.

g) 17. Tr. r. 234 ff. „Dies ist das Mysterium und Buch des Glanzes, welcher brannte in Mana, von welchem entstanden Strahlen (iOa\'O/CXTiJ) des Glanzes. ünd von ihm {sic] entstanden die innern Jordane \'i). ünd von ihnen (sic) und von jenen Jordanen entstand der Jordan, der Meister aller Jordane (2X1 ^

■pnblD). Von jenem Jordan emauirte und ging aus (rsCTE

]) 1:3 Tps^T sn-ci m I\'Tsn. Den gleichen Eingang hat

der 18. Tr. r. 238, 2, jedoch mit srn-s anstatt sis-;. Weiterhin heisst\'s (Z. 6); „es ging Glanz aus von dem Pehta, und wohnte Licht aul\' dem P.quot; Damit ist die locale Bedeutung von 153 auch für die Parall. erwiesen. lm 18. Tr. ist nur zu Anfang einmal „der erste Manaquot; erwahnt, als im Licht lebend, als Gegenstand des Glaubons, und Sarhabiêl genannt lm 19. r. 250, 1 ist dies ein Name des Anos. Das „Lebenquot; ist laut 238, 25 „von sich selber entstandenquot;. Die ersten Seiten des 18. Tr., enthaltend eine spate Rosumtion der Schöpfung, zeichnen sich durch besondere Vorliebe für die sacramentalen Handlungen aus, deren Ursprung vor Grundlegung der Welt zurückverlegt, und deren Sanction als die allererste That des „Lebensquot;, noch bevor es andere Wesen in\'s Dasein vuft, dargestellt wird.

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Erstes Capitel. Mandilische Theologie.

rsps^il) Nitubta (= „Tropfenquot;), die grosse verborgene erste, von welcher Mara d\'Rabnta („der Herr der Grössequot; Z. 20), der Herr aller Utra\'s, der Vater aller Kundigen (sjinnXD), von welchem entstand der grosse gerechte Lhudaja („der Einzigequot; ^, von welchem entstanden die hervorragenden (xiiiWns, Nöld. XXIXi Sölme des Ersten Lebens, welclie stehend in Lobeserhebung jenen grossen Mana raba (XTOXS \'n \'ü) anbeten nnd preisen. ünd er sprach zn ihnen: Auf! geht aus nach Pêriawis Jardna (vgl. die betr. Anm. zu § 36) und zn den Wasserwellen, nnd denkt nnd ruft liervor einen Sohn . . . den Utra\'s, den Söhnen des Lichts, gleichquot;. Dieser Sohn wird dann „Rabja Talja („der Jungequot;) Lehdaja, der gerechte Meisterquot; (235, 21), genannt und erhalt am Ende des Tr. von Mana r. selber den Auftrag, zu gehn und den „in der Welt der Finsterniss und des Schwarzen Wassers belassenen Nasöraernquot; zu verkünden. dass sie nur durch Tugend in\'s Haus des Lebens gelangen werden. Im Lanfe des Tr. tritt noch ,.Parvvanqa,1) dess Name Adakas Malala,quot; auf in der Rolle eines Schutzengels des Talja L., ihn geleitend und bei dem grossen Mana für ihn ver-antwortlich. Manda d\'Hajê wird nicht genannt. Für Mana r. k. steht 236 uit. „Lichtkönigquot;, das „Mara d\'Rabntaquot; von 234, 20 kehrt nicht wieder, sondern dafür oder \'n. Die

beiden nur einmal vorkommenden Bezeichnungen gehören der bereits erw. jüngern Theologie an und könnten spater eingedrungen sein. Es ist jedoch zu bemerken, dass eiue Mission wie die des Talja L. sich in dem altera Mandaismus sonst nicht nachweisen lasst. Für eine Urkunde desselben darf der 17. Tr. rechts nach alledem wohl nicht geiten.

§ 15. Wieder ein anderes Bild entrollt der h) 28. Tr. r. 291 med. „Dies ist das Mysterium und Buch des grossen Nbat, der hervorkam (ONS:! Nlquot;i üSIS) uud aufleuchtete und aufblühte (xiB, s. § 57) und gross wurde. ünd es kamen hervor Utra\'s vor ihn hin. Mit dem ersten Ruf (xrrnp) sprach er und rief [hervor] 800 Utra\'s mit Einein Ruf. Es kamen hervor und stiegen empor zwei Utra\'s. Es wurde [hervor-Jgemfen Jawar, der Vorherbestimmte, von welchem .... (Lücke im Text: nS\'Xquot;2xniny, der Name des zweiten U. fehlt). Mit dem andern

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1

Persisoli = „Betequot;, auch rait dem mandaischen spiss „Befreierquot; vev-■wechselt. ist etymologisch = sVpas, die zweite Silbe also kurz.

2

Die Schreibart variii-t in A mit s-s-rri und s\'s-rni; jenes ist in CD, dieses in B die gewöhnliche. Verg-l. das syrisclie 71.Dieser Talja, L. ist r. 235, 6 und 10 mit s\'.- \'■ \'i \'i •j-a2: sipquot;:sT sz- \'V bezeiehnet.

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I. Polytheistisclier Stoff.

Ruf kamen hervor und stiegeu empor JOsamin und Sar Ziwa. Mit dem 3. Ruf kamen hervor mid stiegen empor die geliebten erprobten, sanften imd rnhigen Utra\'s, deren Namen Sar und Smir („der Wohlbewalirtequot;). Es ■\\vurden ihre Namen aufgestellt zu Zweien in Einer Wohnung ...quot; Weiterhin ist der Text nicht mehr rein. Der grosse Nbat kommt 293, 12 noch einmal vor: „Nbat goss Glanz auf das Wasser, und das Wasser kam hervor und sprang dem Glanz entgegen und da vermischten sich die zwei mit einander, sie blühten auf (iOlXS) und nahraen zu und ihre Gestalt erglanzte nach Art Eines Glanzes, und das Wasser glich dem Glanz und der Glanz glich dem Wasser, das Land jenes Jordan glich ...quot; Mit smas-n das. Z. 21 und 22 meint der Verf. kein an-

deres Wesen als eben den Nbat, und beide sind ibm nur andere Namen für oder \'n. „Das Lebenquot; wird von Jawar

„dem ■wohlbewahrten Manaquot; als sein Vater bezeichnet (r. 291 f.j, derselbe auch „Leben Sohn des Lebensquot; geheissen (294, 16). Es setzt ihm die Krone der Reiuheit auf und belebrt ihn von seinem Wissen, und nennt ihn „Unser Kleidquot;, „ünsere Redequot; daher er „Wort des Lebensquot; heisst (292, 8 \'jSTöiab, txbsbNtt, Nbxbxia). Weiterhin ist ihm noch der Name „Sam smir ziwaquot; beigelegt und -vvird er mit dem Tawriêl identificirt, der (295, 11 ff.) der Welt „des Zweitenquot; ihre Grenze setzen soil, die „Wasserbachequot; (iOïï Sop\'EXn), wodurch sie als die Untere von derjenigen, welche ..das Lebenquot; als „meine eignequot; bezeichnet, abgeschlossen wird. Dieser „Zweitequot; im Singular, eine Umgestaltung des

„zweiten Lebensquot;, vgl. unten § 17) ist Josamin, dessen Sohnes-verhaltniss zu „dem Lebenquot; zwar anerkannt (295, 1), aber durch die Anrede „O Josamin, quot;Q!quot; doch als ein ent-

fernteres bezeichnet ist (294, 4). Der Jordan des lebenden Wassers ist nach 292, 3 gleich vorhanden; nach 292, 21 jedoch „pflanzte [das L.] 360 Jordaue vor sich hin; über jeden J. steilte es 2 Wachter an; die Utra\'s die angestellt waren über den Ersten Jordan, deren Namen sind Adatan und Jadatan. Im Namen (tfülïCQ) jener Utra\'s wurden hervorgerufen S00,000 X 10,000 Utra\'squot;, nl. aus dem grossen Jordan, und in demselben getauft. Spater noch mehr, so 294, 1 ,,im Namenquot; des Jawar noch 900,000 x 10,000. Jene Wachter verwehren dem „Zweitenquot;, aus dem Ersten Jordan Geschüpfe hervorzurufen. Er wendet sich dann zur „Quelle des untern Jordan, unter dem ersten Jordanquot; und ruft hier drei „Erstgeborenequot; in\'s Dasein (darunter einen psra S-iniy 297, 12 f.), die aber als Demiurgen nur Vergiingliches und kein „Land des Glanzes, wie das Land des Ajarquot; (297, 10) zu schaffen vermogen.

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Erstes Capitel. Mandaisclie Theologie.

Der Verfasser dieses Tractats hat gewiss mehrere Vorlagen be-nutzt. Darunter eine, welclic die Himmelswesen zu Paaren von dem grossen Nbat ansgehen liess. Im Uebrigen nimmt „Der Zweitequot;, genannt Jusamin, sich wie eine Umbildung des schwierigern „zweiten Lebensquot; aus. Die Schilderung der Arqa d\'Ajar als einer, deren Bewohner Ni in wohnen, leuchten und glilnzen, „da kein Scbwert

und kein Anschlag des Vaters der Utra\'s ist; und der Glanz des Jösamin wird dort nicht erwahnt und nicht gefeiert; und bei den Utra\'s sind dort keine Magnaten, sondern Einer ist dort demüthig Tor dem Andern, und ruhig und sanft ist ihr Herz, und der Hen-der Grösse freut sich der Utra\'s seiner Söhne, und diese freuen sich ihres Vaters, des Herrn d. Gr. u. s. w.quot; (293, 17 ff.), mahnt zu sehr an das Bild der Lichtwelt, welches eine jüngere mand. Theologie uns noch vormalen wird, um in jenem xnaxnT ülSJü nicht die Spur von einer solcheu Vorlage zu wittern. Was den Namen „Jawar1-betrifft, dieser persische Name (= „Freundquot;, „Helferquot;) steht in inehreren Tractaten anstatt Manda d\'Hajö, vereinzelt auch mit diesem verbunden (r. 373, 7). Schon im G. Tr. r. fanden wir Nbat Jawar als eine Benennung des 11. d\'H. vermeldet. Die auschliessliche Verwendung Eines dieser Namen bedarf vielleicht der Erklarung, — welcher, steht dahin.

§ 16. Die erbrachten Stellen lassen zur Genüge erkennen, dass ein bestimmtes System, welches man „das mand. Keligionssystemquot; nennen kömite, gar nicht existirt. Die drei Theogonieen a, b und c sind allerdings Versuche um mit den gleichen, oder doch fast gleichen Daten ein solches herzustellen. Die andern theogonischen Partieen operiren aber nicht nur mit verschiedenen Elementen, sondem auch auf ganz andere Weise. „Pira, Ajar und Manaquot; sind andere Urwesen als „Nitufta, Mana und sein Ebenbildquot;. „Nbat rabaquot; gibt einen andern Ausgangspunkt ab als Pira, Mana oder Hajê qadmajê in den erhaltenen Documenten. Das Hervorkommen, Aufleuchten, Aufblühen und gross Werden dieses Urwesens, dem das Hervorkommen und Emporsteigen der in\'s Dasein tretenden Geister entspricht, dieses „Emanirenquot; be-kundet eine Auffassung, au welche das „Von sich selber entstandenquot; oder „Hervorgerufenquot; der Himmelswesen in den übrigen Tractaten gar nicht denken lasst. Kann andrerseits das haufige „Von diesem entstandquot;, „Von welchem entstandquot; im 6. Tractat r. ein solches Emaniren bedeuten, so ist wieder die Verschiedenheit der Grossen in den beiderseitigen Emanationsreihen und der Gruppirung derartig, dass man einsieht, auch der Emanationslehren gebe es bei den Mandilern mehr als Eine. Wenn Petermann meinte, die verschiedenen theolo-gischen Darstellungen im Genza seien aus einem einzigen System»

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I. Polytheistischer Stoft\'.

nur „ausserst verwickelt uud verworrenquot;, hervorgegangeu, so liatte er entweder ob derjenigen des 6. Tr. alle andern vergessen, oder sich einer durchaus willkürlichen Voraussetzung ergeben.\') Mit derselben milsste man schon annehmen, dass die Urheber der Theogonieen oder der Tractate aus den Trümmern eines Alten Auswahl getroffen, und dabei dieser das Pira, jener das Ebenbild und die Nitufta, wieder ein Anderer sowolil Pira als Mana imd Dmnta und Nitufta bei Seite gelassen, und das von allen Vorigen vernachliissigte Nbat und dessen Kreis erfasst habe. Welcli ein Conglomerat einander ausscliliessender Bestandtheile ware jenes „Systemquot; gewesen!

Der einfache Sacliverlialt ist aber, dass liier eine Auzahl, zum Theil von einander ganz unabhangiger systematisclier Versuche vor-liegt, deren Einer allerdings der Erste gewesen sein wird, wobei sicb von selbst verstelit, dass die von von ihm angeregten Nachfolger sich die Hauptziige desselben zum Muster nehmen, ebensowohl aber ganz neue Bahnen einscblagen konnten.

Das alteste und einflussreichste System dürfte immerhin das den drei Theogonieen r. 6S ff. zu Grunde liegende gewesen sein. Die Vor-stellung von dem „Ersten Lebenquot;, welclie die vou einem „Zweitenquot; voraussetzt, bat demselbcn gewiss nicht gefehlt, da sie in den vcr-schiedenartigsten Combinationen Aufuahnie gefunden hat.\' Von dem „Dritten Lebenquot; lasst sich das nicht behaupten. Es koinmt gerade in den theogonischen Partieen nirgends vor, und in andern auch nur als Figurant neben dem „Erstenquot; und dem „Zweiten Lebenquot; bei In-vocationen und in jilngern Formelu. E. 284 ist dies „Dritte L.quot; mit Abatur identificirt, anderwarts jedoch diese Vereinerleimig entschieden ausgeschlossen. Tn der aitern Schrift r. 188 ff. betet Manda d\'Haje z. B. zu dem „Erstenquot;, dem „Zweitenquot;, und dem „Dritten Lebenquot;, Abatur dagegen steigt vor M. d\'H. ehrfurchtsvoll von seinem Thron, um ihm eine Bitte vorzutragen (r. 195).

Als diese Legende geschrieben wurde, war freilich der Sinn der alten Theogonieen schon zum Riithsel geworden. Hat doch laut derselben sogar JOhana der Tauter die Kenntniss von den Urdingen schmerzlich vermisst. Mit welcher lubrunst bittet er r. 193, 1 ff. den

M. d\'H. „Trenne mich nicht von dir,......sei mir freundlich und

gib mir Offenbarung fiber die Geheimnisse der Könige und fiber das grosse Pira des Lichts u. s. w.quot; s. Beil. G.

Aus einer solchen Stelle ist zugleich ersichtlich, dass in den Tagen des Verfassers das Vertrauen auf den eignen Scharfsinn zur Ergrttn-

1) Das Gleiche gilt von Kessler, wenn es bei ihm nicht bloss Petermann nachgesprochen ist, „Vortragquot; 296: „lm mand. System, dessen Verworrenbeit sehr gross istquot;.

Brandt, Mandaisclie Religion. 3

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Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

dung des Weltgeheimnisses, zum Ausbau der alten sowohl als für den Aufbau neuer Systeme den Mandaern abhanden gekommen war. Man verziclitete sogar auf das Studium der überlieferten. Wie konnte sonst unter den von Manda d\'Hajê angerufenen Wesen das einer solchen Verehrung allwiirts unwürdige „Zweite Lebenquot; genannt werden!

B. Die Weltschöpfung.

§ 17. Ebensoweit wie in der Lehre von den Ur- und Himmels-weseu gelui die Schriften des Genza in der Darstellung der Welt-schöpfung auseinauder.

Der grosse sechste Tractat r. ist aucli in dieser Hinsicht besonders inhaltsreich. Auf die oben im Anschluss an die Theogonie noch erwiihnte Belehrung über die Endlichkeit des Büsen, folgt r. 79 die Ausrüstung (mit Kleid, Stab, Krone, Gürtel) des Manda d\'H., und darauf 8üff. seine Höllenfahrt. Es gilt die Bezwingung der rebellischen Machte der Finsterniss (XDIOni Killl, aucli der Kuha qadista

oder kadabta (81, 2 f. „die heilige\', „die betrügerische Euhaquot;), die audi Dliax: heisst (S. 8G u. ö.), des Ur (-|15gt;, zuerst 83,15, als Name des 82f. erwahnten „Heldenquot; snxaxs), der 80, 10 als XDIon quot;pbü 11» naher bezeichnet ist1). Wir heben hier uur, als für die mand. An-schauung besonders charakteristisch hervor, dass der Sieger den ge-kerkerten Ur zur Labung seines Durstes doch nicht nur auf das Schwarze Wasser, darin er wohne, amveist (r. 8G, 1G), sondern ihm auch zusagt, dass „vou dem Staub, der aus Siniawis zu dir aufsteigt, [Etliches] durch eiuen Kan alquot; in das lebende Feuer gelangen und dort „von lebendcm Wasser angefüllt werden\' solle, — „von dom Guss dieses Wassers sei, wenn dich dürstet, dein Getrankquot; (87, 14 f.). Weiterhin (89, 19): „von der Speise, die das fressende Feuer frisst, davon sei deine Speisequot;. — Mit dieser Anredc, deren Schluss 90 oben, ist stück-weise ein Programm der Weltschöpfung verflochten. Manda d\'Hajê schliigt vor, das „Lebenquot; ordnet au, wie es zu machen sei. „Gabriêl der Gesandtequot; (xmbü soli mit der Ausführung betraut werden.

34

Der endgültige Auftrag des „Lehensquot; erfolgt r. 92, 18 an M d\'H.:

1

Eine ganz andere Höllenfahrt mit viel zahlroicherem Personal bietet die erste Hillfte des 8. Tractats r.. s. Boil. D., welcher dann in erneuten Fahrten die Geschichte des Ur und seiner Mutter, der Ru lui, angehangt ist. Bemerkt sei, dass als redende Person und zugleicli als Bezwinger der Holle im 8. Tr. Hibil Ziwa auf\'tritt, und zwar als ein Sohn des Manda d\'Hajê, den dieser her-vorrief, im C. hingegen M. d\'H. selbst. Naheres über das Verb, dieser Namens-trilger in Beil. E. Der „König der Finstemissquot;, der r. 8G, 10 Ur heisst, wird im Königsbucb Lwiatan genannt, vgl. r. 393, 21 mit r. 279, 19.

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I. Polytheistischer Stoft\'.

„Zielie den Zag anscheinend = „Kanalquot;) und lass es eiutretea

zu jener Welt. .

Mit S. 93 tritt danu „der Zweitequot; hervor, hier (und sciion 79, 20) unz weifel haft ein Substitut für „das zweite Leben\':. Wir gelangen zunachst wieder in das Geleise der Theogonie: 93, 5 „Und der Zweite gab [seinen Utra\'s] von seinem Glanz und von seinem Licht, und von

[Allem] was „das Lebenquot; ihm gegeben.....ünd die Sölme des

Zweiten stiegen hiuab zum finstern Ort, riefen hervor den Ptahil-XJtraquot;. Weiter treffen wir Z. 11 auf den der niimlichen Sippe angehörigen Bhaq (s. § 15), der sich für den „Vater der Utra\'squot; erkUlrt, wozu doch „die Grossenquot; 92, 14 den Manda d\'Hajê ernannt haben.

35

Der gute Schöpfungsplan wird mit dem bösen unn dahin com-binirt, dass Ptahil (uur 93,21 noch Gabriel) nach dem Willen und mit Hülfe der höchsten Machte das Werk unternimmt. Zunachst ist er freilich nur von jenem Bhaq dazu bethört worden (93, 19 f.), und hat hingegen „der Vater der Utra\'s in seiner Grosse ihm nicht gesagt von dem Widerstand (smaswyxn), ihn nicht gegürtet und ihn nicht belehrtquot;. Demzufolge will gleich die erste Aufgabe, die Verdichtung des Trtlben Wassers zu einer festen Erde, ihm gar nicht gerathen (94f.). Aber schon in diesem Zusammenhang erscheint Ptahil als ein Ver-treter des Manda d\'Hajê. Die wiederholten Stockungen des Unternehinens erregen bei der Ruha die Hoffnung, sich der Herrschaft auf der Ober-flache des Schwarzen Wassers zu bemachtigen. Dreimal fordert sie zu diesem Behuf den gefesselten „Bösenquot; (der hier jedoch nicht Ur, sondern Qarabtana „Kriegerquot;, auch einmal sna genannt wird) auf: der Glanz des fremden Mannes (= des M. d\'11.) sei im Abnehmen (94, 12 f.), sie habe gehort, das Hans — die inzwischen einigermassen verdichtete Erdllüche — sei verlassen (95, 6 f.), er solle bei ihr schlafeu, so werde seine Kraft sich verdoppeln, er werde seine Fesseln sprengen und der ganzen Welt Herr werden. In dreimaligem Beischlaf erzeugt das Paar erst sieben1), darauf zwölf und daim noch fiinf Söhne, deren Gestalten die Ervvartung der Ruha jedesmal bitter enttauschen. — Ptahil aber hat sich zuletzt von dem „Lebenquot; das „Kleid lebenden Feuersquot; geholt. Sobald er damit in das Trübe Wasser zurückkehrt, steigt „durch den Duftquot; desselben Staub von Siniawis empor und fallt als Verdichtungsmittel auf das Wasser (97 Mitte). Nachdem dann auch das Firmament aufgespannt ist, erscheinen S. 9S die Söhne der Ruha mit dieser selbst vor Ptahil und bieten ihm ihre Dienste für die Weltregierung an. Er geht darauf ein uuter der Bedingung, dass sie sich gut aufführen (98, 16 Nrrostn xrx-pni? •pmin ly). Hier folgt aus ders. Vorlage: 99, 17 „Als so Ptahil gesprochen, wurde das

1

Für diese der besondere Ausdr. x-ns-i-s, etwa „die Siebenlingequot;.

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Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

Haus (Knisa, die geschaffene Welt als Gebaude) von ihrn genommen, das Haus wurde von ihm genommen, und die Fallenden (oder „Ge-sunkenenquot;, NibËN:) erhielteu Gewalt darüber, wie bevor das Firmament ausgespannt und die Erde festgemacht war durcb die VerdicMungquot;. Die weitere Darstellung entspricht dem nicht; Ptahil bleibt Werkmeister.

Die Sieben schaffen, von Ptahil dazu aufgefordert, den Leib des Adam, den sie aber nicht aufrecht zu stellen vermogen. Dazu verlangen sie von jenem: „Lass uns von dem Geist (xnil) in ihn werfen, den du aus dem Haus deines Vaters mit dir gebracht hastquot;\'. Ptahil begiebt sich 101, 16 zum „Lichtortquot;, zu dem „Vater der Utra\'squot;, auch seinem Vater,1) der für ihn zum „verborgenen Ortequot; geht, und ihm das grosse Kleid (? \'51 Nm iiao^D), welches alle Dinge er-

leuchtet, verschafft. Nun ruft aber audi das [Erste] Leben die „Helferquot; (X\'niX\'ns, s. Nöld. 418) in\'s Dasein: Hibil, Sitil und Anös, und beauftragt sie mit der Fürsorge für die Seelen (102 obeu). Niemand soil wissen, namentlich Ptahil nicht, wie die Seele in den Körper falie, sodass dieser lebendig wird. Adakas Mana wird hier zuerst genannt (102,6); er stellt in Folgendem den „Utraquot; dar, 102, 10: „Es flog der Utra und ging, und es gingen mit ihm die Helfer, die Manner die über die Seele beauftragt sind. Als sie auf der Tibil und bei der körperlichen Saule angelangt waren, als er (sing. nl. Ptahil) suchte zu werfen [die Seele] in die Saule, nahm Ich (M d\'H., ursprünglich vielleicht Adakas2) sie aus seinen Armen.

36

1

Dies kann nur Mandü d\'H. sein. Der „Vaterquot; im vorigen Satz hin-gegen ist, wie die in der nachsten Anm. erbr. Stelle r. 244, 9 beweist, Abatur (= Bbaq?).

2

Ueber Adakas vgl. im 18. Tr. r. (wo 241, 17 ff. leider ganz verderbt ist) S. 243, 8: „Adakas mana, der vom verborgenen Orte kam, und in Adam und dessen Gattin fiel und dies. auf ihre Füsse steilte und ihre Augen öfi\'nete zum Sehen . . — kurz; ibnen die Lebenskraft verlieh. Dann 244, 5 „Und es wohnte Manda d\'Hajê im Schatz des Herzens des Adam und in Adakas Mana, der kam und in ihn fiel. Und Adakas M. sprach zu den Sieben und allen Weiten: Als ich nicht gekommen, und gefallen war in Adam und seine Gattin, hatten eure Mysterien dies. nicht aufgerichtet durch den Geist, deu Ptahil in ihn warf, den sein Vater Abatur ihm gegeben . . .quot; Der Mensch habe noch kein Lebenszeichen von sich gegeben, „und bei seiner Gattin Hawa lag er nicht, und es wurden keine Menschensöhne erweckt, bis dass ich Adakas Mana vom verborgenen Orte kam, und von mir wurden die Geschlechter auf der Tibil ausgebreitet. Ich war es, der den Samen in die Gebarmutter der Weiber satequot;. Dann vindicirt Adakas sich als den Bildner der verschiedenen Theile des Kopfes, und als den der Hei-zen mit ihren Trieben Z. 19), den guten und den bösen. Alle Gebilde im Mutterleib seien von seiner Hand, und ohne sein Zuthun verlasse kein Knabe seiner Mutter Leib (245 oben). — lm 17. Tr. r. 235 uit. war (oben S. 30) Adakas Malala Beiname des Parwanqa.

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I. Polytheistischer Stoff.

Bevor Ptahil den Adam nahm, riclitete ich seine Knochen auf, bevor er seine Hand auf ihn legte, hauchte ich ihn an mit dem Odem der Grossen (nl. des „Lebensquot; ünxrm i«K, Z. 16). Der

Korper ward schwanger, Herrlichkeit und Glanz des Lebens redete darin. Als der Glanz des Lebens darin redete, öffneten sich die Augen in der korperlicben Silule. Als der Glanz des Lebens darin redete stieg Adakas ziwa auf zu seinem Ort, icb liess ihn aufsteigen zu seinem Ort, zu dem Haus der Grossen, der Stelle da die Grossen sitzen, und überlieferte ihn (!ïn£ibK©) den Ganzibra\'s („Schatzmeisternquot;, pers.; Titel der mand. Bischöfe) und den ütra\'s, die die Jordane des

Lebens „nehmenquot; dar. in unserra 3. Cap.).....quot; — Nun

folgt der Auftrag von dem „Lebenquot; au Manda d\'Hajê, um der Seele „eine wundersame Stimmequot; zu rufen, d. h. ihr die wahre Eeligion zu verkündigen; derselbe evscbeint zunachst in seinem „reinen Kleidquot; und dem „ausgedebnten Glanzquot;, den das „Lebenquot; ihm verliehen, dem Ptahil und der Ruha und den Ihrigen.

Wiihrend dann weiter die Euba und die Sieben darauf sinnen, den Adam zu verderben, bereitet M. d\'H. mit seinen 3 „Brüdernquot; (so 105, 13 ff.) Hibil, Sitil und Anös, demselben die Hocbzeit, und geben ihm die Hawa zur Gattin. Darauf kommen die Sieben wieder heran und bringen dem Menschenpaar Kleider, Gold, Brod, Wein und Früchte; die andern Damonen auch allerlei Luxus, der sie zur Sünde verfübren kann, was Manda d\'Hajê und die drei Utras gleichwohl verhüten.

Hier findet sich die einzige Stelle, welche den Sündenfall des ersten Menschen vorauszusetzen scheint (107, 14): „Wir waren die Ebre (inxp») des Adam, bis die Hawa [es?] verdarbquot;. Sein Striiuben gegen den ïod (siebc § 41) wird nicht als Sündenfall ■ betrachtet.

Nach einem Segenswunscb fiir das Meuschengeschlecht („das Ge-soblecht des Lebensquot;), worin seine Bestimmung, sich auszubreiten und die Welt zu beleben, zum Ausdruck gelangt, hebt dann 107, 22 an: „An der Spitze (oder im An fang) des ersten Geschlechts war Adakas Ziwa und war Anana d\'Nhura (d. h. Welke des Lichts)quot;. Aus der Letzteren werden zuerst Hibil und Anat Hajê geboren, — weiterhin ist der Text verderbt. Es stehen hier Namen wie Anhar Ziwa, Dmüt Hajê, Bar Hajê mit Hawa, Adam, Hibil, Sitil und Anós durcheinander; man vergleiche dazu z. B. den Stammbaum des Anos Utra, der r. 249 u. 272 vorkommt; „Anos raba bar Sitil raba bar Adam raba, des Solmes der grossmilebtigen ütra\'s (resp. „Konige vom Hausquot;) der Herrlichkeit ...quot; Vielleicht ist hier die von Siouffi (Études p. is., 61 s.) bezeugte Ansicht der jetzigen Mandaer von einer Idealwelt, die eben-falls ihr erstes Menschenpaar gehabt habe, mit dem „verborgenen

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Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

Adamquot; zu vergleichen \'), und diirfen wir an eine ira Genza nicht nachweisliche Speculation von einem urbildlichen Menschengeschlecht denken.

Die Rulia und ilire Söhne berathsclilagen auf dem Berge K arm el (sbittlXD ITJ 110, 3), wie sie „den fremden Mannquot; tüdten und sein Geschlecht an sich bringen mügen. Durcb Zauberkunst (XDSa, durch Magie) bringen sie allerlei Verderben in die Schöpfung, in die Früchte, in den Wein (sittxn), in das Wasser, in das Gold u. s. w., endlich Himmel und Erde in gewaltige Erschütterung. Dein dadurch aus einem Schlaf aufgeschreckten Adam erscbeint M. d\'H., in seinem Kleid lebenden Feuers und beruhigt ilm.

Wiederum einen Nachhall verschollener Lehre glauben wir zu horen, wenn nun weiterhin von einem Sohne des Adam li CSquot;!X OiHX (115 uit.) die Kede ist. Derselbe lasst sich von der llubil und ihren Sieben bethören, was eine neue Erscheinung des Mamla d\'Hajê veranlasst, der in die Mitte der bosen Geister tritt und sie bestraft (118 f.). Gleichwohl behalten sie noch ihren verderblichen Einfluss. Dor Redactor schreibt den Sieben die Stiftung der Mschen Religionen zu, die Thierkreisgestirne (Malwase) liisst er die Zeitalter der Welt unter sich vertheilen, und ein jedcs derselben eine Kategorie von schadlichen Dingen in\'s Dasein rufen: gefilhrliche Bestien, giftige Schlangen, Leidenschaften. Daranf folgt endlich der Schluss: M. d\'H. mid die Utra\'s ermahnen den Adam und seine Nachkommen zur Frömmigkeit.

§ 18. Alle bisher betrachteten Stücke enthalten eine reichhaltige Himmelsmythologie. Monotheismus ist hier nicht zu erkennen. Auch heisst es nirgends dass z. B. Mana r. der einzige oder wahre Gott sei. Er ist es thatsachlich ebensowenig wie etwa Kronos in der griechischen Mythologie. Petermann fand, das „Erste Lebenquot; sei „als der geoffenbarte und schaffende Gott dargestelltquot;, nach Kessler (PRE1)

38

1

Im Genza habe ich den Ausdruck r. 29,18 und 302,18 angetrolfen, wo sich beide Male die ursprüngliche Bedeutung „die gerechten Entrücktenquot; festhalten liisst: Anös setzt sich, resp. steigt empor zu denselben, d. h. in die Lichtwelt. Ausserdem r.339,2. Die St. gehören zu den jüngern Bestandtheilen des Genza, und Jene ideale Welt ist am Ende nur eine missverstandene Vorstellung von dem Erdenlelien, wie es sein sollte. Mehr als auf diese ist indessen auf die Namen

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II. Die Lichtkönigslehie.

ware dies gar „der eigentliche Gott der Maudaerquot;. Das küunte doch uur gelten, wenn der 6. Tr. des rechten Genzfi für den ganzen Man-daismus massgehlich ware. Aber auch hier bekundet die stets plurale Form aller auf dieses bezüglichen Redetheile, auch der Für- und Zeitwörter, ein gar nicht monotheistisches Bewusstsein. Der Ausgang dieses Tr. stellt auch den Menschen eine Mehrzahl hoherer Wesen zur Verehrung bin: „Anbetet und preiset die Grossen (= das „Lebenquot;) und das grosse Licht, darait es sich hierher begebe (XDb XiJONH). Anbetet und preist die ütra s, clamit sie each zum Heifer seien, Helfer und Stütze vom Ort der Finsterniss zum Ort des Lichtsquot;.

Möchte wirklich Jemand meinen, dieser Mandaismus könnte den-noch, wie ja die Lehre der heutigen Priester es will, Einen aller Dar-stellung entrückten Gott geglaubt haben, von dem nur in den Schriften nichts enthalten sei, so wird diese Meinung uicht nur vor der Frage, was deun bei dem Inhalt dieser Schriften jeuem Gott zu sein, zu thun oder von den Menschen zu verlangen übrig bleibe, zur Absurditiit, sondern es ist dagegen auch die Verwendung des mand. Worts für „Gottquot;, xnióx, anzufiihren. Demselben begegnet man in den sammt-lichen ïractaten dieser Klasse überhaupt nur ein einziges Mal, ul. r. 144, 1. Es ist in der Höllenfahrt, wenn dem Urteufel Krün das Verschlingen des Hibil Ziwa so übel bekommen ist, dass er vor diesem und dessen Begleitern hekennt: „Ihr seid Helden und wir Schwach-linge, ihr Götter und wir Menschen, ihr Grosse und wir

Geringequot;. Wozu noch kommt, dass in den jüngeren Tractaten, welche allerdings einen wahren Alaha kennen, der Ausdruck „Gott der Naso-raerquot; abgewiesen, und Alaha schlechthin mit ganz seltenen Ausnahmen voa einem Gott der Juden, Christen, oder überhaupt der ünglaubigen, verstanden wird (Nachweis in Beil. C).

II. Die Lichtkönigslelire.

§ 19. lm Gegeusatz zu jenem Polytheismus lilsst sich lm Genza eine, nur weniger umfangreiche, Gruppe von Tractaten aussondern, welche von allen Theogonieen absehn, die in denselben obenanstehenden Grossen und Himmelswesen unerwahnt lassen, und dafür dem ent

des in jener Welt gedachten ersten Menschenpaars zu geben. Sie lauten nach Siouffi (p. 2 vgl. 61 s.) ns-is „der verborgene Adamquot; und Als Name

der Mutter einer Menschheit ware Letzteres von dem ■p: herzuleiten, welches r. 14, 3 vorkommt: \'jsjssnyi s-ni s. die betr. Anm. zu § 45, und vgl. den

mand. Ausdruck sriiwsrsï ttsss „Stamm der Seelenquot;.

39

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Ei\'stes Capitel. Mandaische Theologie.

sclüedeusten Monotheismus iu der Person eines Gottes huldigen, der statt jeglichen Namens bloss den Titel „der grosse, resp. erliabene Lichtkönigquot; führt (N~rn:i xm NDbsy, resp. \'3Ï NïNi quot;n). üeberhanpt werden nnr ganz wenige Hiuiuielswesen mit Namen genannt. Be-sonders auffallend ist das Fehlen des der mandaischen Geineinde, man sollte meinen nneutiiusserlichen, Namens „Manda d\'Hajêquot;. Statt dessen treffen wir auf die Bezeichnungen „der reine Gesandtequot;

r. 13, 15; 25, 5; 32, 17), „der crste Gesandtequot; (NiKiaiXp \'Ü r. 29, 1; 46, 20; 52, 16), „der Gesandte des Lebensquot; (iOirn \'ü r. 16, 5; 27, 6; 65, 11; 1. 12, 15), „der Gesandte des Lichtsquot; (r. 64, 10. 20. 23), „der rechtschaffene Gesandtequot; (N\'SUlölS r. 64, 21; 65,5), „der recht-schaffene Gesandte des Lebensquot; (MSUCIS \'O r. 65, 11). (Mehr-

zalü von Gesandten des Lebens nebst Engelu des Lichts: r. 19, 19.) Der Autor des 2. Tr. liisst r. 57, 16 diesen Gesandten von sich crzilhlen, was die (illtere) Legende r. 188 ft\', von Manda d\'Hajê berichtet. IJass der Name des Letzteren in den Schlussformeln r. 30, r. 61 und r. 66 erscheint, beweist nnr, dass dieselben ursprünglich nicht verhanden waren. Eine weitere Eigënthümlichkeit dieser Klasse von Schriften ist die Bezeichnung des göttlichen Wessens mit „Herrquot;

schlechthin.

Die theologische Verwendung der Ausdrttclvc xrsü, XT\'E, ist hier ganz vermieden, die Existenz der damit angedenteten obern Machte oder ürwesen einfach ignorirt. Dagegen ist in summarischer Weise von den „Lichtweltenquot; die Kede, in denen zahllose „Jordanequot; und „Wohnsitze-1 verhanden, und viele „Königequot;, Utra\'s u. s. w. sich aufhalten. Die Mana\'s und Pira\'s lassen sich wieder vermissen. Ein „Ersterquot;, „Zweiterquot;, „Dritter Jordanquot; werden nicht gezahlt. Das ,,Lebenquot; kommt in der Regel nnr in Verbindungen vor, welche es als unpersönliches Element auffassen lassen, so „Hans des Lebensquot; (r.23,11; 18, 16), „Weg des Lebensquot; (r. 24, 12), „Zeichen des Lebensquot; (r. 17 uit.), „Gesandter des Lebensquot;, „Weinstock des Lebensquot; (r. 65, 21). In der alten Bedeutung von einem gottahnlichen Wesen neben dem erh. Lichtkönig kommt es nnr ein einziges Mal vor (r. 5, 3, s. S. 42 oben). Der Ausdruck „Erstes Lebenquot; lindet sich nur an einer Stelle des mit fremden Bestandtheilen versetzten zwei ten Tractats.\') lm ersten steht anstatt dessen einmal (r. 18, 12) „der Erstequot;.

40

Wir haben hier offenbar zn thun mit einer besondern Lehrweise des Mandaismus, welche die mythologischen Grössen sehr wohl kennt, dieselben jedoch, allem Mythologem abgeneigt, lediglich zur Aus-

1) R. 54, 3 ,,der auf den Namen des Ersten Lebens getauft isfcquot;. Uebrigens ein paar Mal „lebende Taufequot;, r. 17, 20; 57,3. ,,Taufe des Lebensquot; finde icli nicht.

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IT. Die Lichtkönigslehre.

staffirung der Lichtwelfc verwendet, die der grosse Lichtköiiig als der Eiue und allein wahre Gott bewohnt. Die Tractate 1.—5., 14., 22.—26., 54. des rechten Geuza gehören zu den Vertretern dieser Kichtung.

A. Die quot;Welt des Lichts.

§ 20. Lehrreich ist vor AHem der erste Tractat rechts durch seine ausführliche theolcgische Darstellung. Ich lasse daraus (das Ganze ist zu langathmig) einige charakteristische Satze folgen (r. 1, 20 ff., nacli den Invocationen des Abschreibers und der Ein-gangsformel); „Gcpriesen bist du niein Herr, Herr aller Weiten! .. . und gesegnet und gepriesen und hochgefeiert und verhcrrlicht und bestandig ist der Gott der Wahrheit, dessen Kraft ausgedehnt ist und keiu Ende hat . .. Barmherzig (aoiOxn) und erbittlich vgl.

Levy i. v.), mid versöhnlich (r. 1 uit. von Niyn; falsch

Kessler PRE1 208 „ein geistiges Wesenquot;) und ein Erbarmer (S5i4anNquot;rt3) und Erloser (Kplixs) aller Glaubigen, und eiu Aufrichter aller Guten ... (2, 3quot;) Herr aller Lichtwelten, der obern, der mittleren und der untern, die grosse Person der Herrlichkeit (snspyn \'i tfSimXD). . . der grosse Herr aller Künige, da nicht war, da er nicht war, und nix-ht ist (oder „sein wirdquot; Nöld. 376), da er nicht ist .. . Es leuchtet sein Licht und klar ist sein Glanz über allen Weiten und Königen, die vor ihra stehn . . ., Schöpfer 2 uit.) aller Gestalten, Urheber aller

schonen Dinge, der bewahrt ist in seiner Weisheit und nicht geoü\'en-bart . . . . [S. 3] Leben über dein Leben, Glanz über dem Glanz, Licht über dein Licht, an dem weder Mangel noch Fehl, Lebender in dem kein Tod, Guter in dem kein Böses, Sanftmüthiger u. s. w., der da sitzt im hohen Norden (Z. 11 iOaTSa),.. . Vater aller Utra\'s,

der alle Weiten segnet und wohnt über allen Salmanas {réXeioi), Gerechten und Glaubigen, dess Name in ihrem Mund aufgerichtet ist!

König der Stadt des Lebens MW2quot;»).....Herr der Grosse

(Z. 19 snias-n snsa), Herr aller Lehrer (xrsmn Nöld. 184)!... [4] Alle Utra\'s und Künige und Weiten stehn mit Bitte und Lobpreis und preisen ihn, den erhabenen Lichtkünig. Und es gehn von ihm aus fünf grosse Enden. Das erste \') ist das Licht, das über ihnen auf-geht; das 2. der liebliche Duft der über ihnen weht; das 3. die Süssigkeit der Stimme, mit der sie frohlocken; das 4. das Wort seines Mundes, dadurch pflanzt und bekeunt er sie; das 5. die Schönheit seiner Gestalt, wodurch sie zunehmen wie Früchte in der Sonne ...

41

1

Kessler\'s Uebersctzung PRE- IX, 208 f. ist im höchsten Grade ungenau.

2

Mit Norberg lese ich sistsisp s\'ssb anst. \'si \'i \'o.

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Erstos Capitel. Mandaische Theologie.

Die Segnung [5] und Güte und Grösse des erhabenen Liclitkömgs spriessen hervor, gelin aus und haben kein Ende; Keiner ist der sie weiss und versteht ausser dem „Lebenquot;, das bei dir (Z. 2 f. p 1X35 und den Utra\'s und den Gesandten, die vor dir stebn. ^ Alle Weiten sind deines Namens unkundig. Und es sprecben die Lichtkonige zu einander; Was ist der Name des grossen Licbts? Und sie sagen: Es existirt Nicbts (Z. 5, cod. D: „kein Namequot;) wie sein Name. Und Keiner ist, der ibn bei seinem Namen rufe, und Keiner, der sicb auf seinen Namen stelle1) .. . Einer ist er, der Liobtkönig in seinem Reicb . . . (6, 11) in der Stadt, welcbe grosse diamantene Mauern umringen ... Er liat keinen Vater, der alter ware als er, und keinen Erstgebornen (nl. zum Bruder), der vor ihm ware, und keinen Bruder, der ibm seiu Tbeil vertheilte . . . (Z. 17) Nicbt scblachtet man Scblachtopfer vor ibm ... [7] Grosser deine Eigenmacht als [die der] Könige des Lichtorts ... Dn existirst vom ersten Tage an und bestehst bis in alle Ewigkeit ...quot;

Dann, von r. 7, 23 an, werden die Glanzengel (XT\'Tl iODKbiW) eingefilbrt und als herrlicb, glückselig, obne Hunger, Durst, Kalte, Alter, Leid und Streit, „und nicht sündigen sie an einanderquot; (8, 9), bescbrieben. Bald aucb ihr Aufenthaltsort (ibre Arqa, 8 uit.): ein Paradies ohne reissendes oder schadlicbes Getbier, mit ewig blühenden und Frucht tragenden Baumen .. . „Ibre Meere sind still und rahig (9, 7) und es gibt darin keine [See-]Riluber. Die Jordane der Licht-welten sind weisse Wasser, voll, weisser als Milcb, kalt uud schmack-baft, und ihr Duft starker als viele Weinstöcke und Wohlgerüche; Und die Utra\'s und Könige, die davon trinken, schmecken den Ge-schmack des Todes nicht, und es gibt für sie keinen bösen Tag .... Und (10, 8) die Utra\'s und Künige und Gesandten und Personen (NifilïlXE) und Gestalten, Lander (xrxnxpiN) und Wohnsitze und Firmamente (? corrupt.) und Hiiuser und Jordane und Baume,

und der Glanz, der auf ihnen lagert, sind von dem Lichtkönig entstanden; die Utra\'s und Könige sind hervorgerufen, und von der Arqa Jordane uud Baume gepflanzt; und von Glanz und von Licht sind die Kleider und Gewilnder und Kronen gemacht („gebundenquot;), und ist darunter keins an dem Mangel und Felil ware. Dieser Ort ist der Ort des Lebens, der Gerechtigkeit u. s. w.quot;

42

1

R. 5, 6 hv oipST, vgl. fl, 1 „Nicht wird sein Name mit unserm Munde begrenzt und nicht seine Benennung zwischen unsern Lippenquot;.

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II. Die Lichtkönigslehre.

B. Die Welt der Finsterniss.

§21. Ein Seitenstiick zu dieser Uranologie ist die Darstellung der finstern Welt im 25. Tr. r. 278, 7: „Dann sage ich euch von den VVelten der Finsterniss und von dem, was darinnen; welclie hilsslich sind und fiirchterlich und ihre Gestalt ist nicht tauglich. Von der Arqa des Lichts rückwiirts, von der Aroa der Tibil südlich ist jene Arqa der Finsterniss . . . und die Finsterniss ist in böser Naturquot;. Der Lichtkonig warnt: „Neigt euch nicht zu dem Bösen und dem Feind (xaxrnb\'O) der Welt, der von Hause aus (niö£S5 lü) sündhaft, und seine Natur (KïiOa) ist bose von Anbeginn und bis in alle Ewigkeit. —

Und die Weiten der Finsterniss sind viele imd grenzenlos.....Ihr

Land (NpIN) ist das Schwarze Wasser Xquot;^1)) und ihre Hühc

finstre Finsterniss. Yon dem Schwarzen Wasser ist gebildet und aus-gegangen der Konig der Finsterniss in böser Natur, der ausgedêhnt und gross. [279] Und er nahm zu und rief hervor und breitete aus 1000 x 1000 hose Geschlechter ohne Ende, und 10,000 X 10,000 hassliche Creaturen (xrsOTp) ohne Zahl. Und die Finsterniss nahm zu und ward zahlreich an Diimonen und üajwa\'s,2) deren aller Gestalten hilsslich und finster .... quot; Es folgt die Beschreibung: nach Art und Geschlecht verschieden, sind sie wild, thöricht, stinkend, grausam, betrilgerisch, wahrsagerisch. Am scheusslichsten ist der König der Finsterniss rait Löwenkopf, Schlangenleib, Adlerklauen. Mit Bezug auf die Diimonen ist er allwissend und allmachtig (280, 5 ff.). Er hat milnnliches und weibliches Glied (Z. 14). „Seine Gestalt (Z. 18) ist hasslich, sein Leib stinkend, sein Antlitz verdreht, die Dicke der Lippen seines Mundes 144,000 Parasangen. In dem Hauch seines Mundes kocht das Eisen, und in seinem Athera wird die Welle ver-brannt. Hebt er seine Augen so erzittern die Berge, und durch das Fliistern seiner Lippen erbeben die Flilchenquot;.

Der König der Finsterniss hat einmal den Plan gefasst das Land des Lichts zu erobern und „König der Hühe und der Tiefequot; (281, 15)

43

1

Nach Potermann zu sprechcn majt sidwè (Reiscn II, 450). s-s isfc l)o-fectivschreibung für siisa, wobei das erste i nocli ein doppeltes darstellt, also eigtl. majjê. Siouffi transscribirt ma\'iyo; es ist jedooh ein plurals tantum. Das dem Pcrsischen entlehnte kommt nur in dieser Verbindung in den

mand. Schriften vor. Die Bedeutung ist r. 284, 4 ausdriicklich angegeben:

2

R. 279, 4 werden noch 17 andere Wesen dieser Art aufgezahlt. Darunter twfl „Geisterquot;, io-ain „Amuletequot;, vgl. Nöld. 76, weibliche „Lilit\'squot;, ,Altarequot;, N-:—E (? s. Nöld. 14), N—i-rE (von mittelpers. patkar, Nöld. 27), uQXOvzst;, N-isi\'s „Engelquot;, und s-is-sc „Satanequot;.

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Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

44

zu werden. An der Grenze seines Reichs findet er jedoch keine Pforte, keinen Weg, keinen Aufstieg zur Himraelshöhe Er stösst daim eiu so furchtbares Wuthgebrttll aus, dass der erhabene Lichtkünig zur Bemhigung der Lichtwelten eine Stimme ausgeben lassen nmss: „Alle Anscbliige des Dajwa werden zuniebte, und seine Werke baben keinen Bestandquot;.

C. Die Weltsehöpfung in der Lichtkönigslehre.

§ 22. Die beiden ersten Tractate des reebten Genza, berichten über die Weltscböpfung in nacbstebender Parallele:

1. ïractat.

12, 3 Und es ward gerufen und gesandt cin ütra ven [der Gegend] vor dem Herrn der G rösse her, dess Name Hibil Ziwa, und Gabriel der Gesand te ist er genannt.

Als der erhabcneLichtkönig wolltc, riet er mich (sic) von dem Glanz und Licht, darin er steht, von jenem Wohnsitz, zu dessen Rechten er, dei-Grosse, wohnte, und sprach zu ihm (sic):

2. Tractat.

32, 17 Ich bin der reine Gesandte, den mich der Lichtkünig mit meinem Namen Hibil Ziwa rief (oder nannte, oder in\'s Daaein rief, ■jN-p).

Als der erhabencLichtkönig wollte, rief er mich von dem Wohnsitz des Glanzes, von jenem Wohnsitz, zu dessen Rechten er, der Grosse wohnte, ... und sprach:


12, S; 32, 20 Geh zur Welt der Finsterniss, die voll von aller Schlechtig-keit .... und fressendem Feuer .... in der keine Festigkeit ist u. s. w.; und sprach [12 -|- zu ihm]: Geh, unterwirf die Finsterniss und die Mysterien (32 s^s-s-i „Wohnortequot;), die davon gebildet sind, [12 verdichte die Arqa] und spanne das Firmament, nnd binde darin die Sterne, [32 und ruf hervor Feuerengel und] gib Glanz der Sonne [32 die Einer davon sei] und Klarheit dem Mond und

Strahlen (snnsusu) allen Sternen, gib Süssigkeit dem Wasser und Schein dem Feuer, ruf hervor Früchte, Straucher und Baume, Thiers, Viehe, Fische, Vogel, Federvieh, jedes Geschlecht ein Mannchen und ein Weibchon, die dem Adam botmassig sein sollen und all seinem Geschlecht.

Schcin (ststrs) den Sternen, und lass sie aufsteigenzurllimmelssphare \'xi-ses und cs entstehe die Arqa-Tibil und Früchte undStraucher undBüume, die da prangen in der Welt, und ent-stehen Thier, Vieh und Fische im Meer, Vögel, Federvieh, von jedem Geschlecht e. Mannchen und e. Weibchen.


12, 21; 33, 7 Es sollen entstehn ein Mann und ein Weib und ihre Namen sein Adam und Hawa, und von den Engeln des Feuers sollen [Etliche] vor Adam sich unterwcrlen (Eschtafel von ms). Jeder der deinc Rede übertritt wird niedergerissen in das Feuer welches brennt. Es sollen drei Engel [12 von Glanz und Licht und Schein] entstehn, Gesellschal\'t dem Adam sollen sie sein. ITerabsteigen soil das lebende Wasser und sich vermischen mit dem trüben Wasser. Durch den Glanz des lebenden Wassers soil die ganze Welt prangen (oder „sich freunquot;).

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II. Die Lichtkönigslehre.

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13, 3 Essollen 4Winde desHauses geschaffen werden, und das Ajar, das über (oder auf) dieselben weht. Ent-stelin soli das Feuer, es breite sicli aus in der ganzen Welt.

Z. 5. Jene Welt soil leuchten durch deine eigene Hand (-[SiV-n quot;s-rys isriii;).

Es sprach der Lichtkonig, durch dessen Wort alles Ding entstand, mit s. Wort (siaia). Und es kam Gabriel der Gesandte und evliohte den Him-mel und spannte ihn aus, und ver-dichtete die Arqu-Tibil und steilte sie fertig (ftspsni Z. S) und die ganze Welt durch die Kraft des erhabenen Lichtkönigs.

Z. 9. Und gebildet wurden Adam der Mann und Hawa seine Gattin, und die Seele fiel in den Körper. Und als die Seele in den Körper gefallen war,

wussten und verstanden sie alles Ding. I)

Es kamen die Feuerengel, vor Adam unterwarfen sie sich; sie kamen und beteten vor ihm an, und anderten nicht an seinem Wort (tt-vn).

Z. 13. Einer war der Bose (s\'ir:), von welchem die Schlechtigkeit (seme:) gebildet wurde der abwich

vonquot; der Rede seines Herrn (rs;:-.a p riisa), und der Herr fesselte ihn mit einer Fessel.

33, 12 Es sollen entstehn 4 Winde, die auf der Welt wehen, entstehn soli das Feuer und sich ausbreiten in alien

Körpern und Friichten.....es soil

Speise fressen in der Welt.....Alle

Samereien u. s. w. und alles Ding, das gutundschön, soil demAdam bot-miissig sein und all seinem Ge-schlecht.

Z. 19 f. Jene Welt soli leuchten durch die Hand des Ptahil (-wa \'

Es sprach der Licktkönig mit s. Wort, und alles Ding entstand durch sein Wort. Und es kam Ptahil und^ erhöhte den Wasserhimmel \'o),

und spannte das Firmament, und rie hervor die Feuerengel und gab Glanz der Sonne u. s. w. (nach dem Programm von 83 oben).

34, 5 So (•prsi!-:, auf nichts Vor-heriges bezüglich!) wurden Adam und Hawa gebildet durch die Kraft des erhabenen Lichtkönigs. Die Seele fiel in Adam und Hawa. Als die Seele in sie gefallen war, waren sie in einem Baumgarten. Als sie in dem Baum-garten waren, wussten und verstanden sie Nichts.\')

Es sprach der Lichtkönig: Von den Feuerengeln sollen [Etliche] sich vor Adam unterwerfen (NB. Wieder-holung von 33, 8), sie sollen kommen und vor ihm anbeten und nicht iln-dern an seinem Wort.

Z. 10. Einer war der Böse, von dem die Schlechtigkeit sich bildet. Er wich \'ab von der Rede seines Herrn, und bestand nicht auf der Rede seines Herrn; als er nicht bestand auf der Rede seines Herrn, wurde er auf seinem Wagen (^rusc-saa) mit der Fessel Gottes (snsVsï siioisa) ge-fesselt.


1) Der 2. Tr. hat hier geiindert. Die Vorlage wollte sagen: Mit der Seele bekam der Mensch Verstand; der Redactor des 2. Tr. dachte an die Kenntniss der wahren Religion, über die der „reine Gesandtequot; erst in der Folge die Menschen belehrt.

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Erstes Oapitel. Mandaische Theologie.

Keine von beiden Relatiouen ist iutact. In der ersten ist jenes „rief micliquot; (12, 6) ein üeberbleibsel der alteren Fassung, welche die zweite bewahrt bat. „Ich der reine Gesandtequot; bat den Auftrag der Weltschöpfung erbalten. Dass demselben scbon im Ursprünglicben der Name Hibil Zivva beigelegt war, ist vielleicbt anzunelimen, vgl. r. 29, 1 ff. und 52, 16, wo „der Erste Gesandtequot; aucb so heisst.\') Ohue Zweifel eingeschwilrzt ist das Auftreten des PtaMl 33, 21, mn nn-gestürt all dasjenige auszufüliren, wonüt gerade vorher ein Anderer beauftragt worden. Scbon 33, 19 ist behufs seiner Einführung der Grundtext 13, 5 verandert. — Ganz anders verliillt sicb\'s mit „Gabriêl dein Gesandtenquot;. Durcb das soinem Namen uie feblende Epitheton hangt er mit der Lichtkönigslehre um so mehr zusaramen, als der . Ansdrnck xmbil\' der Terminologie des polytheistischen Stoffs überhaupt fremd ist.1)

Constatirt werden muss, dass die Schöpfnng in der Lichtkönigslehre nach Plan und Ausführung durchaus den Einen wabren Gott zuin Urheber hat. Sie ist in jeder Hinsicht nach Seinem Wort und Willen vollzogen, und zwar durch einen uur von Ibm beauftragten und bevollmacbtigten reinen Gesandten, wie Ptabil keiner war. Die Schlechtigkeit ist erst spater durch den Einfluss des Bösen in die Welt gekommen.

§ 23. Vergleicht man das entrollte Bild der Lichtkönigslehre mit dem des polytheistischen Maudaismus, so ist das secundilre Verbilltniss dieser monotheistischen Anschauung zu jenem gar nicht zu verkennen.

Diese Lichtwelt bat keine Geschichte. Die Theogonie fehlt. ünter den Himmelswesen, die noch darin Platz gefunden bahen, feblen die für alles Geschehen uiientbebrlicben Gegensiltze. Rube und Friede ist die Losung. Ein gegenseitiges Verhaltniss geht ihnen überhaupt ah. Nicht individuell mit Namen, sondern nach Kategorieen werden sie aufgezilblt. Allesammt haben sie nur das Ei no Verhaltniss zu Gott ihrem Herrn, den sie unausgesetzt anbeten und preisen. Freilich, vveun es die Welt zu schaffen gilt, tritt Einer hervor; aber der gehort eben zu einer Kategorie, die der Polytbeismus nicht kennt: zu den „Gesandtenquot;, die nur mit ihrem Sender zu schaffen und keinen andern als seinen Willen haben. Der Gesandte mag es hinausführen, — der

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1

lm G. Tr. r. kommt srrtï; zweimal vor, ohne je doch eine Holle zu spielen (s. oben S. 34 f.), demnach mit dem nilchsten Zusammenhang) schon aus dor Lichtkönigslehre eingoschaltet.

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II. Die Lichtkönigslehre.

Liclitkönig bleibt dennoch sell)er „Schöpfer aller Gestaltenquot; (r. 2 uit.). Alle ausser Ihtn dienen eigentlich bloss zur Ausstaffirung der Licht-welt. Ebenso zwecklos ersclieint die Unterscheidung von „Wohnsitzen, Landern, Firmamentenquot; in derselben.

Gerade die müssige Existenz jener ütra\'s, Könige n. s. w. setzt eine illtere Anschauung voraus, in welcher jede Kategorie einen be-sondern Zweck ihres Daseins gebabt. Tn der mouotheistiscben wnrden diese Zwecke hinfallig. In dem eintünigen Chor dieser Lichtwelt sind die beweglichen Gestalten des grossen Ajar ziwa gleichsam beigesetzt.

Nur die obersten Geister, die der Monarchie Abbruch thun, und die Urwesen, die einen Schatten anf die Eigenmacht des grossen Gottes werfen würden, sind von der Bildfliichc verschwunden. E in mal taucht als ein persönliches Wesen neben ihm „das Lebenquot; auf (r. 5, 3), — eine vereinzelte Eeminiscenz, vielleicht fremcïe Zutbat.

Das Wort xiTi bezeichnct sonst überall lediglich das Abstractum „Lebenquot;, niemals den erhabenen Lichtkönig. Für diesen gelangt die Bezeichnung Alalia „Gottquot; zur Geltung. Er wird aber auch noch „erbaben und stark über alle Göttei\'quot; pradicirt (5 uit.); sodass Alalia schlechthin der ursprünglichen Form dieser Lehre noch fremd gewesen sein dürfte \')•

Dieselbe stellt übrigens einen Eingriff in die Idecmvelt der alten Mandaer dar, der einer neuen Religionsstiftung gleichgekoinmen ware, wenn nicht dieses Volk schon damals auf Glaubenssatze unendlich viel weniger gegeben biitte als auf die herkömmlichen Gebrauche. Ware die Neuerung auch diesen zu nahc getreten1), man wiirde, das lasst sich getrost behaupten, die ürkunden der Lichtkönigslehre niemals zusammen mit den zablreichen Eesten des altesten Mandaismus als Bestandtbeile eines und desselben „Schatzesquot; vor-gefunden haben.

Wie die Dinge lagen, gab es noch leein festes System, sondern nur einzelne Vorstellungen, die Alle kannten: eine obere Welt, in welcher die Seligkeit winkte, eine untere Welt, in welcher das Ver-derben lauerte, und Manda d\'Hajê, als Begrüuder und Bürgen der Religionsübung, (lurch welche man zu jener gelangte. Die Schriften

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1

Wie wenig dies der Fall war, Ijewoist die Accommodation im Ausdruck. Es heisst im 1. Tr. r. „lebende Taufequot;, „mit dem Zeichen des Leliens bez.quot; (17 uit.), obschon statt des gewohnten iss-is» noi» gesagt ist: s-s-a

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Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

der neuen Lehre, die vielleiclit nur von eiuem kleinen Kreis man-daischer Lelirer ausgingen, erregten keinen Sturm, und wurden bald gar nicht melir von den andern unterschieden. Dass aber, als nach-mals die darin zuerst angestrebte monotbéistische Anscbauung bei den Mandilern zur Herrschaft gelangt war, dieser Bestandtheil ibrer Lite-ratur das grösste Verdienst daran batte, leucbtet obne Weiteres ein.

III. Die VerwiiTimg der mandaisclicn Theologie.

§ 24. Die Schriften der Licbtkönigslehre traten also den altern zur Seite. Die Folge da von war keineswegs, dass man mit der Zeit zwischen Beiden die Wahl getroffen luitte. Erstere wurden benutzt, oft obne das in den Andern wurzelnde polytbeistische Bewusstsein nur aufzustören. Dieses war des selbstiindigen Grübelns freilich milde (§16 Scblnss), aber die Lebrer mochten sich der ererbten Literatur nicht entaussern, und in der Gcmeinde bafteten die gelanfigsten Namen der alten Anscbauung. Beides liisst sich aus der weiteren Gestaltung des Mandaismus mit Sicherheit schliessen.

■ Die mand. Schriften müssen auf wenig dauerhaftem Papier ge-schrieben und mancbmal abgenutzt gewesen sein. So erklilrt sich am besten die öftere Recension dcrselben ïexte und die bestandige Er-scheinung von Compilationen. Verscbiedene alte Handschriften wurden in einer neuen aueinaudergereiht. So stellt sich der 1. Tr. r. aus einer Beschreibung der Licbtwelt, einem Schopfungsbericht (der 12, 1 noch die Eingangsformel bat: „Gesegnet und gepriesen bist du, mein Herr, erbabener Lichtkönig!quot;), einem Moralcodex und einer Geschicbts-betrachtung zusammen. Soldi Compiliren brachte die Glattung von ünebenheiten und die Verwischnng etwaiger Inconsistenzen durch Aenderung oder Identificirung der Namen (das hilufige liiaiü —ï!) und üeberarbeitung mit sich. Ausserdem legte man sich auf die Verarheitung mehrerer alterer Stücke zu einem Neuen. Dieselben wurden meistens recht ungeschickt in einander verflochten, oder es vvurde (wie im (5. Tr. r.) eine Hauptvorlage mit zahlreichen fremden Bestandtheilen versetzt. Endlich wagte man sich auch an ganz neue Aufsatze, wodurch man gewisse alte, nicht losgelassene Ideen mit den eingeschlichenen neuen zn vereinbaren gedachte. Man rührte die beiderseitigen Elemente so gut es angiug durcbeinander, oder steilte zwischen der einen und der andern Ansicht eine mittlere auf.

Auf diese Weise entstand die Verworrenheit im Mandaismus, das Labyrinth des Genza und zum guten Theil auch die trostlose

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Ill, Die Verwirrung der mandaischen Theologie.

Verfassung seines Textes. Unvermischte Docuuiente besitzen wir aus der Blüthezeit des alten Mandaismus gar keine; aus der Zeit des Verfalls vor der Liclitkönigslehre w enigs tens einen Tractat, in sehr schadhafter Form. ^ Besser ist es mit deuen der Liclitkönigslehre bestellt. Die Tractate I., 25., 26., zumal die drei litnrgischen Stücke* S. 61—6S, n. A.m. im rechten Genza sind naliezu ganzlich unberührt. Diesem Umstande ist es zu verdanken, dass die in dem Gewirr des Genza verscblungenen Hauptftiden sich doch noch erspahen lassen.

Von den zahlreichen Beispielen der Verquicknng verschiedener Ele-niente sei nur an die Verar derung des Wortes „Manaquot; in der dritten Theogonie des G. Tr. r. erinnert, wo dafür N-rr::1: xn- bobs\'a gesetzt worden. Aehnlich bietet der 7. Tr. r., wo er den S. excerpirt, regelmassig den „Lichtkönigquot; anstatt „Mana und sein Ebenbildquot;. Die Namen der Theogonieen haben sich in der mand. Lehrüberlieferung nicht erhalten. Von „Erstemquot;, „Zweitemquot; und „Drittem Lebenquot; behauptete sich nur Eines, dieses jedoch der Lichtkönigslehre zam Trotz als persönliches Wesen. Gewöhnlich wird es „das Grosse Lebenquot;, immer seltener „das Erste Lebenquot;, und immer mehr „das Lebenquot; schlechthin genannt, in etlichen Tractaten auch mit dem Priidicat des Licht-

königs, bezeichnet. Vor Aliem bleibt der Name „Manda d\'Hajêquot; in Ehren. Gebraucht man dafür auch „Jawar Zivvaquot;2), — die generellen Benennungen „der reine Gesandtequot;, „Gesandte des Lich\'tsquot;, „Erste Gesandtequot; n. s. w. bürgern sich nicht ein.

§ 25. Viele Mühe bereitete den mand. Epigonen die Schöpfungs-lehre. Hier batte der Monotheismus unbekümmert urn die gangbare Speculation Stellung genommen, und standen nun zwei Anschauungen einander diametral gegenüber. Was war davon zu halten? Von wem rührte die Schöpfung her? Von den argen Geistern niedern Kanges, oder von dem höchsten Wesen? War das Böse schon im ürsprung der Welt mit enthalten, oder erst spater eingedrungen? Hatte ein Wesen finstrer Herkunft. oder ein reiner Gesandte den Plan aus-geführt? Die Entscheidung war im Allgemeinen dadurch bedingt, dass der ziemlich verwickelten alten Ansicht die einfacli bestimmten, keine Missdeutung ertragenden Siitze der Lichtkönigslehre gegenüber standen. Wie aber mit jener sich abzulinden?

Nichts ist für die Schriftstellerei dieser Periode charakteristischer

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1

Es ist dies der 9. Tr. r. 173 ff\'. (Ueberarbeitung einer nicht mandaischen Grundlage).

2

Gewiss ein althergebrachfer Name: die heutigen Mandaer scheinen Manda d\'Hajè so kaum zu nennen, aber auf dem goldenen (vergoldeten) Ring ihrer Priester steht noch eingegraben s-.-t -s-n- a-,o (Siouffi 123, Petermann Reisen II, 460).

Brandt, Mandaische Religion. 4

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Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

als die Wandlungen, welclie dev alte Mythus in derselbeu dureh-gemacht bat, bis man endlich weit genug von dem Ansgangspuukt entfernt war, um nur noch den Namen „Ptahilquot; übrig zu behalten mul diesen der Figur des Gesandten aufzuheften. Wir lassen bier eine Keihe von Texten, alle ans dem rechten Genza, folgen, in welcher der Charakter des Ptahil allgemach sicb vom Bösen zum Guten wendet. Die voranstehenden hahen, wenigstens in etlichên Bestand-tbeilen, die Lichtkönigslehre noch vor sich, sind aher der Uehersicht halber hier an die Spitze gestellt. Man bat nun alle Phasen dei-mand. Scbüpfungslehre beisammen. \')

a} Wie der 28. Tr. die Entstehung der vergiingiicben AVelt erkliirt, ist bereits § 15 mitgetheilt worden. Im Weitern ist ein Widerspruch. R. 297, 8 gehn die Erstgebornen des Josamin und schaffen die-selbe; scbon Z. 13 ff. heisst\'s aber, Bbaq (pNna) habe es ausser Beisein seiner zwei Brüder gethan. Ptahil beisst „ein Sohn des Vaters der ütra\'squot;, Z. 19. Mit Letzterem ist nach Z. 17 jener Bhaq gemeint, jedenfalls ein arges Wesen (293, 19; in der Welt des Lichts giebt\'s keine „Anschlilge des Vaters der ütra\'squot;). P selbst wird 298, 12 mit „allen bösen Engelnquot; coordinirt. Seine einzige That ist nach 297, 22 ff.: „Er ging und steilte sich au das gemischte Wasser und an das gemischte Feuer, darin lebendes .Feuer ist und fressendes Feuer, und das [an] Wasser der Arqa, darin trübes Wasser und lebendes Wasser ist. Er gedachte her-vorzurufen und sprach: ich will Utnï\'s hervorrufen und vor mich binstellen, wie mein Vater mich für sich hervorrief. Mit seinem ersten Wort (-xr\'r) sprach er und rief und es kamen hervor (t:N3D) und stiegen herauf ibm entgegen die sieben Sieben1) . .. quot; Kein zweites „Wortquot; folgt.

b) Den 6. Tr. vgl. § 17. Ptahil ist von „den Sohnen des Zweitenquot; hervorgerufen, und zwar im Ort der Einsterniss. Die Verdichtung des Trüben Wassers unteruimmt er nach deren Wunsch. Sie gerath ihm jedoch erst nachdem er gesprochen (97, 4): ,Ich will mich zu dem „Lebenquot; stellen und anbeten und mich den Grossen unterwerfen . . , dass ich nehme von dem Kleid lebenden Feuers und es schleudere in das trübe Wasserquot;. Nachher nimmt er die Ruha und ibre Söhne in seinen Dienst, und sie schaffen auf sein Geheiss, durcb Zauberkunst, den Eumpf des Adam. Unklar ist bier die Bedeutung des Spruchs, dass das Hans „von ihm ge-

50

1

Vgl. 1. 30, 14 V-rsri s-p2; srsisu-t sr-sasü.

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III. Die Verwirrung der mandaischen Theologie.

nommerr sei (oben S. 35 f.). Indessen begegnen wir demselben im Genza noch einmal, und zwar

c) K. 339, 17 ff. Aucb hier tragen die Euba und die Sieben dem Ptahil ihre Dienste an: „Wir sind gekommen, dir Rabiyar zu sein und dir zu gehorcben von A bis Z (Wnn ci und er-balten zur Autwort: .,\\veun ilir gute Werke thuu wollt, will icb euch zu meinem Trnpp nehmen,.... sollt ibr meine Sohue in dieser Welt genannt werden und die Werke. über die meiu Vater micb augestellt bat, regieren (■jTnNCn 340, 3). Als Ptahil so gesprocben, ward das Haus von ibm genoramen und in eine grosse Fessel setzten sie ihn; sie fesselten ibn mit einer Fessel bis dass die Tibil vergeht, weil er die Rede seiner Vater (sic!) verrdckte und die Eede seiner Vater nicbt respeetirte\') .. . Den Bau nabmen sie von ibm und in eine grosse Fessel setzten sie ihn. Sie beauftragten den Hibil Z. diese Welt fertig zu stellen (nipXt^ti1)), urn fertig zu stellen die Werke, die Ptahil hervor-gerufen und nicbt zu Ende gefiihrt batte . . . . quot;

Dieses Stück bildet den fremden Schluss des 41. Tr., in wel-chem Ptahil sonst in erster Person redet. Die Pluralformen beziehen sich ohne Zweifel auf „das Lebenquot;, welches im ursprgl. Zusammenhang Auftraggeber des P. gewesen sein muss. Der-selbe ware somit wegen Ueberschreitung seiner Befugniss in Bande geschlagen worden. In mehreren Tractaten des Genza (z. B. 11. r.; 4.1.) fmdet man demgemiiss Ptahil in einer der Ma-tarta\'s, worüber spater. Am Ende der Welt wird er daraus erlöst.

d) In den nachsten Tractaten ist Ptahil ein Sobn des Abatur. „Abaturquot; (Siouffi 161 „Avatlier et non Avathourquot;) ist eigentlich kein Eigenname, nl. status absol. zu inrry, also „Vater des ütraquot;. Der Titel „Vater der Ut ra\'squot; X2K) bat mit Abatur nichts zu schaffen, und bezieht sich überall anf andere Wesen. So im 6. ïr., wo Abatur nur r. 84 erwahnt ist, indem das „Lebenquot; seine Hervorrufung zugleich mit der des Gabriel genehmigt (vgl. oben S. 35).

Im 8. Tr. ist Abatur ein Sohn des Josamin (168, 1), Ptahil aus dem Spiegelbild des Abatur in dem Scbwarzen Wasser

51

4*

1

\'jpr bedeutet „fostmachenquot;. „ordnenquot;, „putzenquot;, vgl. y.oaiitlv. Man-diiisch Sïpip ist wohl durch die Vorstellung des Formfesten (s. § 33 am Ende) als eines Abgerundeten, Geglatteten, zu der Bedeutung „Klarheitquot; (speciell des Mondes, r. 12, 17; 289, 16 u. ö.) gekommen. In den \'Kosmogonieen lasstdas Zeitwort demgemass an das Glatten der Formen und Feststellen der Ordnung denken. Vgl. unter g) das •j\'rnisics.

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Ei-stes Capitel. Mandaisohe Theologie.

entstandeu. Von diesem seinem Vater hat er „siebon Kleider des Glauzes und Lichts uud der Hcrrlichlieitquot; erhalteu, wovon er [etliche] auf das Schwarze Wasser wirft. Sogleich ver-dichtet sich eiue Strecke von 12,000 Parasangen zuin Festland (NplX). Hibil, oder Jawar, Ziwa stellt dasselbe durch 7 Eing-mauern sicher (169). Dann tritt die liulia auf, sucht erst den Ptahil einzuschüchtern, und beredet dann ihren Solin, der ge-fesselt darniederliegt (d. h. nach diesem Tr. den Ur), mit dem Ergebniss, dass er erst 7 und dann noch 12 Söhne bei ihr erzeugt. Ptahil gerilth in Angst, ivird aber von Jawar-Hibil beruhigt. Dieser setzt nun die Sieben auf Wagen und bekleidet sie „mit wandersamem Kleid und Glanz um diese Welt zu erleuchtenquot; (171 f.). Sie selber wahlen sich den Samis (Siouffi: Chomach, Sonne) zum König, uud die Libat \'riOquot;1\':, S.: Licet, Venus) zur ..Königin der Weltquot;. Die Andern heissen \'jio (Mond), quot;jXT\'D (Saturn), bin (Jupiter), 12: (S.; Enbou, Mercur) und (S.: Niragh, Mars). Jawar veranlasst diese Sieben noch den Körper des Adam zu bilden, worauf er selbst „aus dem Schatz des Grossen Lebens, der verborgen ist im Hans der grossen Ni-tuftaquot; die Seele holt und dem Körper einsetzt (172).

Per Character des Ptahil ist auf diesen Seiten des 8. Tr. gunstiger gezeichnet als sein ürsprung erwarten liess.\') Ueber den Ausgang desselben lindet sich Nichts.

e Der 41. Tr. ist bis 339, 17 eine Offenbarung des Ptahil über sich selbst. Schon dieser Umstand ist bezeichnend.2) „Aus dem Bom vielen Glanzes entstand ichquot;, lautet der Eingang (336, 22 rquot;1\'quot; XT1 Tl xrx). Sein Vater Abatur habe ihn daraus

hervorgerufen, ihm u. A. ein „Kleid des Glanzesquot; und den Auf-trag gegeben, die Arqa-Tibil zu verdichten, sowie alle lebenden Wesen, auch den körperlichen Adam (jounet cn~x) zu schaffen. Er habe sich bis an die Kniee, bis an den After, bis an den Mund in\'s Schwarze Wasser gestellt, den „Namen des Lebens und des M. d:H.quot; darüber genannt, sein siebenfaches Kleid hinein-geworfen, — vergebens. Abatur muss von dem „Lebenquot; das Ver-

52

1

Josamin wird ausser r. 168, 1 nur ganz flüclitig nocli r. 158, 19 erwahnt; hier als Urheber des Schöpfungsplans, dort als der „drei Söhne hervorrief, von denen Einer den Besitz seiner Vilter {sic) bewacht, und einer bei seinem Vater {sic) wohnt, und Einer, der Abatur, zu jener Welt ging, in der du [Hibil] warst, und sein Antlitz im Schwarzen Wasser sah, und sein Bild und sein Sohn wurde ihm aus dem Schwarzen Wasser gebildet.quot;

2

Die fictiven Autoren sind immer unbestritten Wesen der Lichtwelt, s. Beil, A. Der menschliche Autor hat wohl damit, dass er den Demiurgen selber zeugen liess, aller Unsiclierheit ein Ziel setzen wollen.

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III. Die Verwirrung der inandaisolien Theologie.

dichtungsmittel (smo^) erbitten, welches dieses durch Hibil Z. für ihn holen lasst. Dann gerilth\'s. P. erzilhlt 338, 22 if.; „An den Grenzen der Arqa-Tibil kam ich an; die Verdichtung (xr\'ioïi, die mein Vater mir gegeben. warf ich in das Wasser, nnd das Wasser verdichtete sich \') .. . [339, 51 Durch meinen ersten Kuf (sbsp) verdichtete ich die Erde nnd spannte („zog1 JVOT) das Firmament von einem Ende bis zum anderu; durch meinen 2. liuf vertheilte ich in ihr die Jordane nnd die Rinnsalequot;, durch den 3. entstanden Fische und Vögel, durch den 4. „alle Ranken nnd Samereienquot;. „Durch meinen 5. Rufquot; — hier geht P. eigenmachtig weiter als ihm 337, 6ft\', gebeten — „entstanden alle büsen Reptile; durch meinen 6. Rnf, davon entstand alles Gebilde der Finsterniss; durch den 7. Ruf entstanden die Ruha und ihre 7 Söhne, es entstand die Ruha mul ihre 7 Söhne, und sie kamen vor mich hin. Ich stand anf als ich sie sah, und mein Herz fiel von seinem Rnhe-punkt. Ich redete zu den Sieben: Woher seid ihr Sieben, da euer Name im Vaterhans nicht war? Woher seid ihr Siebeu, da ich euch nicht hervorrief?quot; So 339, 17. Der oben unter c) ausgelassene Passus 340,7—10 ergiinzt hier, in der dritten Person, die un-vollendete Offenbarung: „Er hatte gethan was sein Vater (N113N, sing.) ihm nicht aufgetragen, und ein Vorhang fiel ^wischen ihu und seinen Vater Abatur. Die Stimme von einander hörten sie, aber das Antlitz von einander sahen sie nicht.quot;

Neu ist hier, dass Abatur „das Lebenquot; znm Vater hat (338, 15}, und Ptahil also in jeder Hinsicht der Lichtwelt angehört, bis er infolge seines eigenmachtigen Vorgehens von derselben getrennt wird. Von Jósamin oder „Zweitem Lebenquot; im 41. Tr. Nichts.

Ganz unerwartete Ehre stellt dem Ptahil der f) Schluss des 31. Tr., r. 311 in Aussicht. R. 309,12 heisst\'s noch „die Schlechtigkeit, die von Ptahil-ütra entstand, der aus dem Schwarzen Wasser aufstieg, von dem (nl. P. nricn) alle hiisslichen und ver-derblichen AVerke aufstiegen . . . 310, 12 wird noch vor seinem Beispiel gewarnt „der das Zeichen aus dem Jordan nicht annahm (xmxi 1)2 schliesslich aber doch gesagt, dass er im

53

jüngsten Gericht mit Josamin und Abatur freikommen und die Taufe erlangen werde. Diesem Schluss ist daim noch Folgendes

1

hang. Wortlaut: „Die erste Verdichtung [war] 12,000 Parasangen; und Flügel wie [839] eine Wolke warden ihr gebildet, Flügel wurden ihr gebildet wie eine Wolke, und sie schwebte und wirbelte in der Welt. Sie wird genannt Msunê-Kusta („die geraden Entrücktenquot;), in welcher Erprobte der Gerechtig-keit sich vermehren, und aufsteigend sehn sie den Ort des Lichts. Die zweite Verdichtung [war] 12,000 Parasangen, wel eb e die Arqa-Tibil genannt wird.quot;

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Erstes Capitel. Mandaisclie Theologie.

augeliiingt: 311,4 „Darauf nehmen sie den Ptahil-Utra aus den Wolken, in der Fesselung darin er sitzt, im Jordan des grossen „Ersten Lebensquot; wird er getauft. In diesem Jordan wird seine Fesselung ihm abgestreift. Er wird das „Erste Lebenquot; umarmen (\'p \'ra und erzühlen von Eussblock nnd Fessel, die

er trug in der Welt, wird erzühlen von der Trübsal, die ihm von seinem Vater wiederfuhr, König der Utra s wird er genannt werden und fiber den ganzen Stamin der Seelen Macht erhalten, König genannt werden der NasOraja\'s, und Bitte nnd Lobpreis werden zu ihm aufsteigenquot;. Hier ist P. gewiss als ein ganz schuldloses Wesen aufgefasst, dem für seine Bande die reichste Entschadigung gebührt.

g) So verhalt sich\'s wirklich in den ïrr. 43. und 44., r. 342 ff., 345 ff., wo Jösamin, Abatur und Ptahil als drei Herrscher in der Sphare der geschaffenen Welt dargestellt sind. Da fehlt es Letz-terem nnr (im 43.) an Vertrauen auf die Güte und den Beistand des Grossen Lebens; Jósamin will ihn dann umbringen, aher das ..Lebenquot; schreibt und scbickt dem P. einen Brief, woraus dieser die Güte desselben ersieht (r. 345, 2 ff.). Oder es fehlt ihm (im 44.) der Muth, seines Amts zu warten, und Jösamin schlagt ihn in Bande; aber das grossmachtige „Lebenquot; verfügt seine Freilassung, und 351, 5 verkündet gar Hibil Z.; „Wer dem Ptahil flucht, über dem wird grosser Zorn sein, wer ihn von seinem Throne stösst, dem wird das ürtheil gesproclien. Ich band (iTnxos) und be-wahrte seine Werke und machte darin weder Mangel noch Fehl, und setzte das Herz des Ptahil auf seinen Ruhepunkt, sodass in seinen Gedanken (nisOTQj weder Mangel noch Fehl war.quot;

Das ünglück des Ptahil wird hier in Kurzem gewendet; die Dauer bis zum jüngsten Tag ist aufgegeben, ebenso derZusaminen-hang mit der Weltschopfung, von der hier gar keine Eede. Es ist überhaupt so schlecht motivirt, dass man wohl annehmen darf: diese Phantasieen sind lediglich eine Combination der überlieferten Yorstellung von „den Banden des Ptahilquot; mit der neuen An-schauung von dessen Charakter. Nachher hat man jene fahren lassen.

h) Der 7. ïr. r. 125 ff. ist. abgeselm von der mittleren Partie (Taufen des Manda d\'Hajé und des Hibil Z. und seiner Brüder und Genossen in der Lichtwelt), ein so skizzenhafter Auszug aus dem 8., dass er nnr durch Vergleichung mit diesem verstandlich wird, also eine spitte Composition. Darin heisst\'s 127, 3: „und [Hibil Ziwa] ringt um ihn |den Ur] sieben eiserne Mauern, und [zwar] bis dass Ptahil kommt und die Arqa kunstvoll (nnx:ixi) ver-dichtet und das Firmament spannt nnd das Haus bant und

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III. Die VerwiiTung der mandaischen Theologie.

|.er?| alle Bösen vernichtet, die Buses liberie genquot;. So hocb ware Ptaliil gar gestiegeu!

Dem Ausrotter aller Bösen könnte dann auch die Erschaffmig der Menschen ohne Vorbehalt betrelfs Hirer Beseelung zugeschrie-ben werden. So findet sich\'s in dem

1) Konigsbuch, 61. r. 378ff. (gesclir.ca.TOOn.Chr.), gleicli Eingangs: „Am ersten Tag nnd am ersten Ort und im ersten Jahr. a,Is da *gekommen war Abatur nnd Ptaliil, und er den Himmel gespannt batte und die Erde quot;verdichtet und das Firmament gespannt und die Meere gespalten und die Berge geschnitten, und *gemacht Fische im Meer, und Vogel und Landthiere jeder Art, und *geraacbt Frucbt und Traube und Bauni zur Speise des Adam und zum Trank des Adam und der Hawa und seines ganzen Gescblecbts, und geschaffen Duftpfianzen, Silmereien, Blumen und Blatter

und Kriiuter, da tlberlegte Abatur und Ptaliil und er *salie sich selbst und *sahe seine Gestalt und scbuf den Mann Adam und scliuf die Hawa seine Gattin, von denen das Geschleclit ausgebreitet ist in der Weltquot;. Die Worte „Abatur undquot; sind fur interpolirt zu halten.1) Eierauf folgt eine Uebersicht der Weltgeschichte, an deren Schluss (r. 393 f.) Ptaliil nocli als Inbaber des ïhrons I der ïibil] gedacht wird: wenu der Sterngeist Bêl sich desselben bemachtigt hat, wird die Arqa-Tibil von dem losgelassenen Lwiatan verschlungen.

k) Der 2. Tr. r. 30 ff. stimmt (vgl. § 22) in Ansehung der Schöpfung genau mit dem KB. überein; dass er xmbE tilgt und

durch bTNrS ersetzt, beweist wie wenig jener Name in Auf-nahme gekommen war.

1 Erst in der Beschwörung r. 284ff. kommt Gabriêl Sliha wieder ver. Der Verlasser (oder ein Interpolator?] hat sich den Namen gemerkt, als er, ein Schriftgelehrter, wahrscheinlich das Stück r. 12 f. vor sich, ihm in der Bolle begegnete, die seines Dafilr-haltens dem Ptahil zukaui. Die Folge zeigt sich in dem abge-rissenen Satztheil r. 2S6, lü: „Und Ptahil der Gesandte, dess Name Gabrielquot;, vgl. Z. 12: „durch die Kraft Ptahils des Ge-sandtenquot;.2) Gleicb darauf ist das Schöpfungswerk in einigen, dem I. Tr. entlehnten Zügen skizzirt.

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1

Darauf weist erstlich die Singularform der Zeitwörter, von deiien die mit * bezeichneten alle \'\'V sind, bei welcher Klasse der Plural nicht gleich-lautet; sodann r. 394, 7 s-p i-ts- Abatur kommt im KB. sonst nicht vor.

2

Ebenso hat derselbe Autor den „Ersten fiesandtenquot; mit Manda d\'Hajê identificirt; siehe r. 290, 4: \'-sp sn-vj ■,nï; \'rv; s-rsi. vgl. Z. 11.

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Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

§ 26. Zusatz. Die Ansichten über den Weltschöpfev haben nachmals noch geschwankt und sich wieder geandert. 1) Ignatius a lesu, der die relig. Meinungen der M. aus dem Üiwan schöpfte (Narratio p. 41), fand dass Gott den Erzengel Gabriel ans dem Licht erzeugt, und nebst 330,0Ü0 Gehülfen mit der Ausgrabung des Erdprofils beauftragt habe. Der habe dann die Welt geschaffen und die Menschen saen, pflanzen, überhaupt alle Arbeit zum Lebens-unterhalt gelehrt. Nachlier tröstete ihn Gott über die Bosheit der Menschen damit, dass die „Johannesjüngerquot; entstehn und deren Keiner verloren gehn würde (p. 44—50). 2) Abr. Ecohellensis, der es aus dem Mund yieler be-freundeter Mandaer, non ex ipsorum libris, zu haben versichert, berichtet (Eutych. II, 325), dass sie zwei Wesen an der Weltschöpfung betheiligt glauben, beide jedoch abhangig von einem obersten: „Unum [principium] voeatur illis Ahthahil, id est Pater lucis, et est Angelus bonorum omnium creator; Alterum Hesciucha, nempe tenehrae, et est omnium malorum conditor.quot; Also „die Finster-uiss\' und Ptahil. Letzterem sei der Sonntag heilig, weil er an demselben ent-standen sei. 3) Siouf\'fi p. 48; Sein Gewahrsmann sei verlegen geworden, als er ihn nach der Schöpfungslehre gef\'ragt, und habe erklart, dies sei das Tvichtigste Geheimniss der Mandaer, welches Keiner, man möchte ihn gleich viertheilen, verrathen würde, „mais comme je tiens a vous faire plaisir . . . quot; Und dann folgt die zwar sehr umstandliche, aber gar nicht compromettirende Relation, nach weloher Mara d\'Rabuta, im Einvernehmen mit Alaha, das ganze Werk dem Hibil Ziwa auftragt, der es auch selbst vollzieht (p. 60 s.). Ptahil ist nicht daran betheiligt. Von Gabriel kein Wort. Für jenen gibt es aber eine beson-dere „Welt des Ptahilquot; s-aVs, S. behandelt „Welt\'1 immer als plur. t.),

und aus dieser sollen die ersten Bewohner von su\'ci: srrrca, der AVelt der Se-ligen, genommen worden sein: so glaubt man wohl, den alten Tractaten gerecht zu werden! Nachdem H. Z. ohne Ptahil\'s Mitwirkung sowohl die Welt der Seligen als unsre Erde bevölkert hat, wird Letzterem die Herrschaft über die sieben Matarta\'s aufgetragen, von woher er gelegentlich, und im Einvernehmen mit H. Z., zur Strafe der Menschen seine Kinder: Pest, Cholera und andere Uebel unter sie schickt. — Jene Verlegenheit des Priestersohns beweist ja, dass er über diese Dinge besonders Verschwiegenheit hatte geloben mussen; dafür aber gab es bei deuen, die ihn so verpflichteten, schwerlich einen andern Grund als das Bewusstsein von der Divergenz der heiligen Schriften, die in diesem Punkt gar zu deutlich hervortritt, wozu noch kommt, dass die hier vor-getragene Ansicht mit nicht einem Abschnitt des Genza belegt werden kann.

IV. Ergebnisse.

§ 27. Die § 25 iu letzter Stelle genaunte Beschwörung ist einer der jüngsten Bestaudtheile des Genza, und bekundet doch noch ein polytlieistisches Bewusstsein. Man erwilge nur den Wortlaut der Ein-gangsformel: „lm Namen und in der Kraft des grossen, fremdeu, reiclien „Lebensquot;, das über alle Geschöpfe erhaben, und im Namen des ..Zweiten Lebensquot;, des reinen Jósamin, und im Namen des „Dritten

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IV. Evgebnisse.

Lebensquot;, dess Name Abatur, der alte, erhabene, verborgeno und be-wahrte. Und im Namen und in der Kraft des Manda d\'Hajê .. . ünd im Namen des Silmaj und Nidbaj, die Ge walt liaben ilber den Jordan des Lebens und die reine Licbttaufe, und Zeugniss, Namen und Zeichen geben den Seelen. Und im Namen des Hibil, Sitil und Anus, der drei Söhne des lebenden Gescblechts, des glünzenden. scbeinenden, leuehtenden und prangenden.quot; Ebenso die letzten Eedactoren des 6. und des 8. Tractats r., welclie die polytheistisclien ürkunden oline jeg-liche Verwabrung gegen deren Inhalt neu berausgaben, kunnen nicht monotbeistiscben Bekenntnisses gewesen sein. Der Polytheismus bat also noch geraume Zeit nach dem Aufkommen der Lichtkönigslehre seine Vertreter gefunden. Zuzugeben ist immerbin, dass die Verwen-dung des Ausdrucks „Lcbenquot;, so wie der himinlischen Gestalten in der-selben oberflilchliche Leser tauschen konnte.

Andrerseits aber zeugen anch einige Tractate dieser Periode da-von, dass der Monotheismus, wenn auch nicht die Noraenclatnr der Lichtkönigslehre, sich Balm gebrochen hat. In dem Königsbnch sind „Alahaquot; und „Erstes Leben\'1 die einzigen Bezeichnungen für, an-scheinend den gleichen, Gegenstand der religiösen Verehrung. Endlich in dem Tr. über die Stadt üraslam (39. r. 328 ff.) stehn als solche, ohne Zweifel auf ein einziges Wesen bezüglich, „das Leben\'- und „Alahaquot;.

Zuerst niimlich erzahlt AnOs, wie die Kuha und die Sterngeister die Gründung Jerusalems mit dem Vorsatz planen: ...Jeder der in dieser Stadt wohnen wird, soil den Namen Gottes xnxix s*© 329, 18) nicht nennenquot;; dann, wie sie denselben auch ausführen: quot;isrnsb \'X QITi,quot; (331, 8). Im Gegensatz dazu werden die Jünger des Anös, die den-noch in der Stadt auttreten, als „die den Namen des Lebens nennenquot; bezeichuet («i-CS-! SJïïViS2!). Zwiscbendurch heisst es einmal

abrupt: „Selig der, dem Alalia Heifer istquot; (331, 14). Ausserdem kommt als Auftraggeber des Anus im Eingang ein paar mal iOin, und im Lauf der Darstellung zweimal vor (330, 22; 332, 11). Die

letzte Stelle ist noch darum besonders bemerkenswerth, weil hier das „Grosse Lebenquot; von Anös mit HX, und nicht wie sonst in ahnlichen Fallen mit dem pluralischen bezeichnet wird. Das heisst:

ist znm blossen Schal! geworden und vertritt irgend einen andern Namen singularer Form. Es vertritt jenes ..Alabilquot;. und bedeutet nicht mehr als etwa ,,der Lebendequot;.

§ 28. Die Mandaer sind jetzt seit Menscbengedenken Monotheisten. Ihre Gotteslehre ist nach Sionffi (oben S. 17) genau diejenige, zu welcher die ebengenannten Genzascbriften gelangt waren. Dabei haben sie aber das Personal aller übrigen Tractate zn einer von Mara d\'Kabuta an-

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Erstes Capitel. Mandaische Theologie.

geführteu Schaar untergeordueter Himmelswesen aufgestellt, nnd die alten Mythen in sehr freier Behandlung reproducirt. Zu eiuer kriti-schen Prüfung kommt es bei ihnen nicht.

Der Ursprung dieses Systems, oder Verfahrens, liegt auf der Hand: es ist das einzige Mittel um zugleich Monotheïst und ein giiiublger Verehrer des Genza sein zu können.

Eine andere Frage ist, ■\\vie die so offenbar mit einander im Wider-spruch liegenden Schriftstiicke dieses „Schatzesquot; zu einem heilig ge-haltenen „Grossen Buchquot; vereinigt werden konnten. Hier muss zunachst bemerkt werden, dass die Heilighaltung nicht etwa von einem Act ofticieller Sanction herrührt: davon ist gar keine Kede. Alle alten Eeligionsschriften werden in Ehren gehalten. Die Sammlung aber ist auf rein literarischem Wege zu Stande gekommen. Die Notizen der Ab-schreiber am Schluss und ihre luvocationen an der Spitze vrm mehreren Stlicken des Genza bezeugen, dass dieselben ehedem für sich stehende Handschriften gebildet haben. Und die Einzelhandschriften steilten wiederum kleinere Sammlungen dar. Ganz zuletzt ist freilich eine letzte Hand über Alles gegangen. Das beweisen die überall ganz, oder doch fast ganz gleichlautenden Eingangs- und Schlussformelu der ein-zelnen Tractate. Bisweilen stehen vor diesen und nach jenen andere, woraus dann ersichtlich, dass diese die dem betr. ïractat ursprünglich eigenen Formeln sind. Die meisten davon gehören derLichtkonigslehre an.

Jetzt fragt sich, wie demi die mand. Literatur den polytheistischen Stoff ohne ünterschied recepiren konnte: das jetzt angenommene System ist doch nur ein Nothbehelf infolge der buntscheckigen Zu-sammenstellung. Darauf liegt die Antwort in den Verhaltnissen des mand. Gelehrtenstandes.

Erstlich bat derselbe von jeher nur ein kleines Collegium, zugleich das der Priester, gebildet. Dessen Mitglieder lebten zwar zerstreut genug, um das Aufkommen einer besondern Schule zu ermöglichen. ünter jenen Tractaten und Tractatengruppen, die sich in den Handschriften des Genza. noch heute als Separatsammlungen darbieten, gehören mehrere ausschliesslich der Lichtkönigslehre an, so gleich die beiden ersten des rechten Theils (der 1., und Nr. 2—5). Die Ent-fernungen waren indessen nicht so gross, dass man nicht fortwahrende Verbindung hiltte unterhalten können; besonders aber batte die kleine Genossenscbaft unter den wechselnden Zeitlilufeu oft nur zu triftigen Grand, um sich durch Entzweiung nicht noch mehr zu schwiichen. Darum haben wohl zuerst die im vor. § nachgewiesenen Eichtungen bei einander ausgehalten. Und dann kam das Ersterben des geistigen Lebens, die Zeit, da es für verdienstlich zu geiten anting, nicht die Gegenstiiude des Nachsiimens von Neuem durchzunehmen, sondern Bücher abzuschreiben und die Copisten zu bonoriren. Da wurde jeder

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IV. Ergebnisse.

Bogen, der die maud. Schriftzüge aufvvies, mitgeuommen, und alles Gescliriebene Heilige Schrift. Vielleicht hat noch dieser oder jener nuter der Hand Anstössiges ausgemerzt oder gar berichtigt. Aber der unversehrte Zustand, in welchera so manche poljtheistische Stelle erhalten blieb, beweist dass man iu der Kegel aucli die ver-dachtigste Ladung „im Namen des Grossen Lebensquot; passiren liess.

§ 29. Die Zeit anlangend. in welcher die Entwickeluug der mand. Keligionslehre vor sich ging, bietet das Genzfi nur wenige Anhaltspunkte, die erst im Verlauf unsrer vreitern Darstellung nüher zur Sprache kommen. Indessen lilsst sich so viel schon olme Weiteres angeben: In die letzte Phase derselben gehort das Königsbuch, worin (r. 387 iF.) das Ende der Welt 150 Jahre nach dem Anfang der arabischen Königsmacht, der ca. 640 u. Chr. zu setzen ist, erwartet wird. Da es ferner dieser Herrschaft nur eine Dauer von 71 Jahren zuspricht, wird es wohl in den ersten Jahren des 8. Jahrhunderts verfasst worden sein. Es ist aber gewiss nicht die jüngste der Genzaschriften. Im 29. Tr. r. 302, 14 offenbart Anus: „Von der Erbauung üraslam\'s bis zum Zeitalter des Mahamat arbaja war ich zwischen meinen Scluilern. Ich ervvahlte und liess aufsteigen von ihnen zum Lichtort. Von dem Zeitalter des Mah. arb. und bis die Zerstöruug sein wird, bin ich aus der Mitte meiner Schuier geschieden, gegangen und aufgefahren zu Msunê kustaquot;. Den Enkeln oder Urenkeln der Zeitgenossen „des Arabers Mohammedquot; konnte man doch noch nicht sagen, ihre Grosseltern hiitten den AnOs in ihrer Mitte gehabt. Aelter ist der (angehangte) Schluss des 1. Tr. r. 29 f., der die Zeit, in welcher durch den Einfluss des Ahmat bar Bizbat Schlechtigkeit in die Welt und Verderben in den Stamm der Seelen komme, „das letzte Zeitalterquot; nennt, und sich an diejenigeu wendet, so darin „übrig gebliebenquot; sind. Bemerkt man ferner, dass derselbe ïractat in seiner letzten Abtheilung ganz deut-lich Kenntnisse von der evangelischen Geschichte verrath, so erhalt man, mit Berücksichtigung der christlichen Missionsthatigkeit in Vorderasien, für die gute Zeit der Lichtköuigslehre Spielrauni von etwa 300—600 nach Chr.

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Zweites Capitel.

Kosmologie mul Anthropologie. I. MandSilsclie Weltansicht.

g 30. L)er Gesichtskreis des Mandilervolks, das sich selber für den Kern der Menschheit halt, ist sehr bescheidenen Umfangs. lui linken Genza stehn einmal (17, 2), wo allen Vólkern nnd Liindern der Untergang prophezeit wird, nachstehende beisammen: Babel, Bursif(?), das Hans der Perser, der Römer n^a), der Sind \'D),

der Inder \'n), der Samariter und ïyrer (SO^-ilTO

und der Eisenberg Xiro, die pontischen Chalyber?

Norb.). Schon die Beschaffenbeit dieses Verzeichnisses beweist, dass der Bliek der Mandiler tbatsachlich auf die unmittelbaren Nachbar-lander beschrankt war.

Dein engen Gesichtskreis entspricht die mandaische Kosmologie. Die Erde (b^rpn, Siouffi: Tirel) besteht aus einer verdichteten Strecke des Sclnvarzen Wassers imaje sidwê, s. S. 43). Der znr Verdichtnng gelangende Theil, oder dessen Obertiache, wird aucli als das Trübe Wasser bezeichnet (iO\'OflNr Die Weite dieser Strecke, also

der Erdtlache, betragt freilich 12,000 Parasangen, d. i. 9000 geogr. Meilen. •)

ünter der Erde liegt Ur auf dein Schwarzen Wasser. Wohl eine Umwandlung der Vorstellung von den sieben Mauern, die ihn von der obern Welt abscbliessen, und von dem Drucke, wodurch Hibil Ziwa seinem Wachsthum Einhalt that (s. Beil. D;, ist die Ansicht, dass die Erde in sieben metallenen Schichten oder „Ambosenquot; auf dem Bauch des Ur oder auf dessen Kopfe rnhe (vgl. Ign. a Tesn 52, Peterm. Reisen II, 451 lf., Siouffi 52, 59 s.).

Eine Welt der Glückseligen ist nach Peter-

mann a. 0. jenseit des nördlichen Randgebirges, aber noch mit auf

1) Vgl. zu obigen Angaben die Quellenauszüge im ersten Capitel.

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I. Mar.cliiische Weltansiclit.

dem Bauche des ür gelegen. In den wenigen und spaten Genzastellen, die derselben Erwilhaung tliun, waltet die Vorstellung, dass sie oben in den Wolken schwebe.\')

Ueber der Erde ist das Firmament (Nrrp-i) ausgespaunt, in der Lichtkönigslehre auch „Himinelquot; genannt (r. 3 f. „[der LichtkOnig] er-liaben über Allen, wie der Himmel — Nittlü — über den Bergenquot;), einmal „der Himmel des Wassersquot;, r. 33, 21. Erst jenseit desselben sind die Lichtwelten: r. 2S4, 13 fF. „die nicht auf der Tibil existiren mid nicht am Firmamente sind, denn, wenn sie am Firmamente waren, wo ware dann, wann Himmel und Erde vergehen, ihr Aufenthalt?quot;

In den Tractaten, welche die Keise einer Seele uach der Lichtwelt beschreiben, kommen der Erde zunachst die Matarta\'s („Wachen1*, von it::). Weder die alten Theogonieeu noch die Lichtkönigslehre tragen diesen Oertlichkeiten liechnung. Jenen Tractaten gemass liegen sie auf dem Weg zur Lichtwelt oder au den Grenzen des Erdkreises, z. li. r. 184, 15 die Matarta des Msiha auf hohcm Meeresufer. Es sind Straforte, oder Purgatorieu, deren Anzahl und Eeihenfolge sehr ver-schieden genommen werden.2)

§ 31. Die Zodiakalzeichen und die Planeten sind den Mandaern bekannt gewesen. \' Wie ungenau die Scribenten des Genza uuter-richtet waren, ist leicht zu erkennen. Zahlteu die Alten sieben Planeten, oder ausser Sonne uud Mond deren fiinf, — schon im 6. ïr. r. lassen sie als Kinder der Euha die Fünf ueben den Sieben figuriren, obgleich es für jene eine selbstandige Eolle nicht giebt. Nicht einmal die Namen (siehe dieselbeu oben S. 52; waren ihnen gelaulig, vgl. r. 223, 12: „Eiwan, Euha, Msiha uud die Siebenquot;. — Die Himmels-lichter sind um der Menschen willen da. E. 210, 3 spricht Ptahil: „Ich gab den Mond zur Eechnung für die Welt, und gab die Sonne, den Menschen zu dienenquot;.

Wie es sich übrigeus mit den Planeten verhalte, ist Genza r. 171 f. (vgl. oben S. 52) angedeutet: Jawar-Hibil bat bei der Welt-

Gl

1

Die betreffeuden Stellen, sowie die Beschreibung nach Siouf\'fi, siud oben in den Anmerkungen zu S. 38 und 53 mitgetheilt worden, vgl. S. 59 und § 84.

2

Niiheres enthalt § 40. — Petermann nimint die Matarta\'s für die hinter einander belegenen „Stationenquot; der sieben Planeten, von wo aus diese ihren Lauf nelimen, und wohin sie jedesmal zurückkehren. So findet sieli\'s jedoch im Genza nirgends. Und die damit zusammenhangende Vertlieilung der Planeten unter sieben Himmel, wobei die Sonne in dem vierten oder mittelsten ihre Laufbahn babe (PRE1 IX, 321), geliort dem jüngern Parsismus der Sasa-nidenzeit an, vgl. Spiegel PRE2 XI, 237. Thatsachlich hat Petermann dieselbe bei den schiitisclien Moslem in Süq gefunden (Reisen II, 130); seine betr. Angaben in der PRE beruhen demnacli auf einer Verwirrung.

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Zweites Capitel. Kosmologie und Anthropologie.

scliöpfung- die sieben Kinder der Rulia „mit wundersamem Kleid und Glanzquot; ausgestattet und sie anf Wagen \')) gesetzt, auf denen

sie ilire Balmen ziehn. Diesc Ansicht waltet indessen nicht überall ob. Nach r. 269 f. sind z. B. die Euha und ..die Engel dieser Weltquot; in „dem fressenden F ener, aus welchetn sie hervorgerufenquot; belassen und hat nur Einer Ton ihnen (die Sonne) „den Schein des Ptahilquot; behalten dürfen, damit die Welt nicht ganz in Finsterniss vergehe. E. 312, 1 hat aber der Mond seinen eigenen Schein, da er spricht; „Einen Tag im Monat verberge ich mich, und wird mein Strahl verhüllt1).quot;

Im Dlwan sind, nach Ignatius undRenan2), Sonne und Mond als S ch iff e dargestellt. Beim Aufgang werde darin von Engeln ein Kreuz aufgerichtet (Renan; „comme un matquot;); die beigegebenen Abbildungen zeigen es, laut Ignaz, voller Schellen („crux plena tintinnabulisquot;). Davon strable das Licht dieser Gestirne, und „wenn das Kreuz in den Barken nicht wiire, würden Sonne und Mond aus Mangel an Licht Schifi\'bruch leidenquot;. Ein drittes Schiff bezeichnet Ignaz p. 53 als das des Bahram, den Gott zu jenen Beiden schicke, um sie zu beaufsichtigen. Aehnlich schreibt Petermann (Reisen II, 452, vgl. PRE\' 321) den M. die Ansicht zu: die Firmamente der 7 Himmel „bestehn aus dem reinsten, weissen, dünnen und durchsicbtigen Wasser, welches aber zugleich so fest ist, dass kein Diamant es durchschneiden kann . . . Auf Schiffen fahren . . . die Sterne, als böse Damonen an sich dunkel, aber erleuchtet durch Bril-lantkreuze von Engeln getragen, umher . . . Unter diesen auch die Sonne, dei-Mond und die 5 Planetenquot;.3) Bei Sioulfi p. CO haben sie wieder von Hibil

62

1

\'p-srra s-Vquot; ^saas-ni. Das Particip zeigt, dass sczs-- hier im Singular steht. -p-rn-!; kann auch „eingeschnürt werdenquot; bedeuten. Sc verstanden mag aus einer verfehlten Combination dieser Stelle mit andern Vorstellungen die Erkliirung der Verfinsterungen hervorgegangen sein, welche Siouffi p. 149 mittheilt: Mara d\'Rabuta habe der Sonne und dem Mond je zwei Engel zugesellt, die das Gestirn, sobald es einen bösen Plan hege, an der Aus-führung behindern, indem sie „entortillent le corps de l\'astre de son enveloppe lumineuse, qui est le char sur lequel il est traïnéquot;. Sie thun das so lange bis es seinen schlechten Gedanken eingestehe, wodurch derselbe unausführbar wird. „Les agents relachent alors l\'enveloppe qui, en se dégageant de leurs étreintes, reprend sa forme et sa splendeur habituellesquot;. Unvereinbar sind mit dieser Ansicht die falschen Religionsstiftungen, welche das Genza von den Sieben ausgehn lasst.

2

Ignat. Narratio p. 39 s. und 53. Renan: Journal Asiatique 1853, II, p. 469 (Bemerkung zur Apocalypse d\'Adam).

3

Woher hat Petermann diese Vorstellungquot;? Laut PRE4 319 wusste sein Lehrer Jahja gar nicht von der Existenz des „Diwanquot;, das Meiste aber von dem, was Ignatius als darin enthalten angebe, finde sich auch im Sidra raba. Dies ist durchaus falsch. Es wird nur über dieselben Dinge — aber wie ver-schieden! — gehandelt. Wahrscheinlicher als Petermann\'s Ueberzeugung, dass das Diwan „nichts anders als das Sidra rabba mit bildlichen Darstellungenquot; sei, ist, dass er in Süq dasselbe in einer nicht illustrirten Handschrift gelesen

4

Dieselben sind nach r. 175, 13 mit Radern, nach r. 331, 1. 5 mit Flügeln versehen.

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I. Mandaische Weltansicht.

Ziwa Licht erhalten und Wagen, auf deuen sie fahren. ¥.s sei das Licht dieser „chars, sur lesquek elles sont montéesquot;, was man auf Erden selie; ihr eigenes Licht sei auf solche Entfernung nicht sichtbar.

Die Vorstellung von den leuchtenden Kreuzen riihrt -wohl lediglich von der doppelten Bedeutung des Plurals s-r:s-- her. Dieses persische Wort, welches ursprünglich „Fahnenquot; (militarische Feldzeichen) bedeutet, heisst im Mandaischen erstlich „Stralilquot;, „Strahlenquot;\'), sodann aber bezeichnet es das mandaische Kreuz, woröber S 67 Naheres. Der Stelle r. 222, 4 (s. dieselbe unten § 51) liegt vielleicht jene Vorstellung zu Grunde.

§ 32. Die Vorstelluugen vou deu höhern Welten sind den in) I. Capitel erbrachten Auszügen zu entnehmen. Erinuert sei nur an den Grossen Jordan, an den Zweiten, nnd an die unzahligen weitern Jordane, die alle sich in das Land des Ajar ergiessen, aus deneu Sdas Lebenquot; entstand nnd ferner alle Himmelswesen in\'s Dasein ge-rufen warden. In der Lichtwelt der Lichtkönigslehre sind die Jordane nicht vergessen, nnr ist ihnen hier nicht mehr Bedeutung beigemessen, als den Meeren, Gebiluden und sonstiger Staffage der Hiinmelsland-schaft. In etlichen Stücken erscheiut anch, als Weinstock, der mandaischen Lebensbaum, z. B. 1. 8, 12 im „Schatzhausquot; der obern Welt „der Weinstock, dessen Inneres Glanz, dessen ^ussen-jSeite Licht, dessen Wurzel Wasser, dessen Laub Utra\'s und dessen Kanken Licht-strahlen und dessen Same der grosse Stamm (x:xd) der

Seelen istquot;. Aehnlich Qolasta 26, 6: „ich anbetete und pries jenen ersten Hauptweinstock (\'quot;Np xrBIS), dessen Inneres Wasser, dessen

Laub Utra\'s und dessen Ranken Lichtstrahlen sind, in dessen Schatten Utra\'s sitzen...quot;2) Zu dieser Vorstellung vergleiche man die Be-zeichnung des Manda d\'Hajê als „Weinstock des Lebensquot; (im 4., 6. und 9. Tr. r.).

Die Un ter welt ist das Gegenbild der Lichtwelt. Die Finster-niss, welche „böser Naturquot; ist (r. 278, 13), hat ihre Jordane, so gut wie die Lichtwelt. Wenigstens werden nach r. 315, 23 die schlechten Nasóraja\'s „in den Jordanen der Sieben brennenquot;, wovon .die sieden-den Kessel- und „das brennende Feuerquot; (r. 320, 6), oder „das grosse Meer des Endesquot; ix. 226, 17) nicht zu unterscheiden sind. Es sind „die Adern der Arqa-Sinjawisquot;, in welchen das Schwarze Wasser wallt

und es damals für einen Bestandtheil des Genza gehalten habe. Man bedenke, dass P. letzteres erst spater edirt hat. Der Priester kannte nur den Namen nicht, mit dem es sich also iihnlich verhalten dürfte wie mit jenem für das Genza. Im spateren Mand. ist nl. ■jsw Gattungsname für „Buchquot;.

1) Beispiele, für den Singular: r. 312, 1, oben citirt; für den Plural: die Stelle der Drasë d\'malkê bei Nöld. M. Gr. 3S9.

2) Eine ahnliche St. des 4. Tr. links, § 40. — R. 189, 14 f. heisst\'s: „Der Weinstock der lauter Leben und der Baum der lanter Heilmittel (plur.) istquot;.

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Zweites Capitel. Kosmologie unrt Anthropologie.

imd siedet (r. 74. 18 f.) üud wie „das Lebeuquot; aus deu Jordauen der obern Welt, so ist „aus dem Scliwarzen Wasser gebildet und aus-gegangen der Künig der Finsternissquot; (r. 278, 23). Diesem schwarzen Wasser der ünterwelt steht das ..lebende\'- der Licbtwelt als „weissesquot; gegeuüber, so schou in dem alten Fragment r. 09, 10, in dem Holleu-fahrtsmythus r. 153,6, und noch in der Lichtkönigslehre r. 9,8f., vgl. Z. 15.

§ 33. Die geschaffeue Welt, die irdisclie Heimath der Men-scben, im Genza auch wie bei uns scblecbtlün „die Weltquot; genannt, gilt für eine dem Iciblichen Menscben zntriiglicbe Scböpfuug, in welcbe erst die Ruba und ibre Sippe allerlei Soblecbtes, zur Sünde reizendes, gestiftet und gemiscbt baben: alles Gift, Reptil, reissend Getbier, wie aucli „das Mysteriuin der Wollust und Begierdequot;, „das Mysterium der Trunkenbeitquot;, „Gold und Silber, wodurcb die Leute berauscbt werdenquot; u. s. w., das heisst r. lil. 13: „sie verdrebten die Güte, das, was der Herr der Welt gescbaffen (quot;Sax); sie verdrebten die ricbtigen Mysterieu iOTin), das, was der Erste gescbafien\' *), sogar in

das Wasser „warfen sie die Verkebrtbeitquot; Z. 21), — aber

obue dass dadurcb *\' die Diiigc überhaupt, wie z. IJ. der Wein, zu scbadlicber oder verbotener Waare geworden waren.

Ein Dualismus ist nur in dem Gegensatz von Leib und Seelp; sowie in dem anderu von „lebendemquot; und „trübemquot; Wasser zu con-statiren. Das Scbwarze Wasser, Welches auch im Gegensatz zu dem Lebenden stebt, ist auf dem bewobnten Erdkreis nicbt vorbanden. Umgekebrt kommt von den zwei entgegengesetzten Arten von Feuer nur das „trossendequot; oder „brennendequot; auf Erden vor, „lebendes Feuerquot; gibt es nur bei den böbern Wesen. -) Der auf dem Gescblecbts-unterscbied berubende Dualismus, wie en-Ne dim eiuen solcben den Mugbtasila zuscbreibt (Chwolsobn II, 543 f.) ist bestimmt ausge-scblossen durcb die Stelle r. 248, wo ausdrücklicb die ïbiere beiderlei Gescblecbts den Menscben zur Speise angewiesen werden (s. § 53).

Die einzige Spur dualistiscber Naturbetracbtung, der iob im Genza begegnet bin, findet sicb ubne jede weitere JBerücksicbtigung in dem

1) Der (j. Tractat liringt hier ein Stück Lichtkönigslehre.

2) Von den Utra\'s des Zweiten Lehens kann daher gesagt werden, r. 73, 7; „sie verliessen den Jordan des lebenden Wassers und gingen zu dem trülien Wasser, zum trüben Wasser gingen sie. Sie gingen zu dem brennenden Feuer (s-ps^ siquot;), verliessen das lebende Feuer (srrxr: spsbs), und gingen [und] liebten das fressende Feuer (srV,,:y spk-ï) . . Von abtrünnigen Nasöraja\'s hingegen nur (r. 28S, 17): ,die den Jordan des lebenden Wassers verlassen und das trübe Wasser liebhabenquot;.

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II. Das Wasser unci der Norden.

Schopfungsljefelil des Lichtkönigs r. 33, 15: „ünd das Formfeste (X:p1tquot;i), das im Wasser existirt, soil den Seelen zugezahlt, der Guss der Speise (Sï-fciDSn das Formlose) den Körpern zugezahlt werden

(irsarro by).quot;

11. Das Wasser imd der Nor den.

§ 34. Wie das W asser auf der Tibil seine gute Beschaffenheit erhalten, und ancli lebendes Wasser (X-,,n sci», vgl. Nöld. 309, Aiun.) dahin gelangt sei, erklilren nachstehende zwei Stellen:

1) r. S9, 22 „Es kommen zwei Utra\'s und an die Quelle des Wassers begeben sie sich (pies: iOa liierher füliren sie (pJTiM BCD) das Wasser und pflanzen einen Jordan in der Welt, und lassen darauf Schmuck (xniss \') vgl. Ntins) nieder, Pflanzen pflanzen sie, die tauglich (Ni-iirnDi); sie (die Pflanzen oder jene Utra\'s?) werden erfüllt mit Glauben und Weisheit und Kenntniss (Xm-a^D), und rufen eine wundersame Stimme, eine wundersame Stimme rufen sie; und lassen Schmuck nieder in dem Hausequot;.

2) r. 269, 1 „BieErde (XpnX) war oben, und das Schwarze Wasser war unten. Die ganze Erde machte Ptahil, und das Wasser war nicht süss Manda d\'Hajè weiss das und richtet desshalb eine Bitte an das Grosse Leben, worauf (Z. S) „das Grosse Leben zu Manda d\'H. spricht: Auf du! An die Quelle des Wassers geh (biT» I2r~a), und ziehe den Zug des Lebenden Wassers (nur diese Worte ganz wie 92, 18, s. § 17), des feinen und es soli gehn und fallen in das Trübe Wasser, und das Wasser wird süss sein, und die Menschensöhne werden [es] trinken und sein wie das Grosse Leben (Sim sun nxirs \'prwi Z. 11, vgl. gen. Ill, 5). Es sprach zu Tawriêl-ütra1); Er that\'s, zog den Zug des feinen Wassers, und es fiel auf die Tibil in das uichtsüsse Wasser, und das Wasser der Tibil ward süss, dass die Menschensöhne trinken und darob früh-lich werden sollten Cpnijmby quot;jTao^m)quot;.

Damit stimmt der Hauptsache nach Siouffi p. 60: Hibil Ziwa (der Weltschüpfer) habe durch dienstbare Erdgeister vier grosse Flüsse graben lassen, den tf-pT ÏÏJSIB (Eufrat), Nquot;-,T rxb:«Nquot;i (Tigris), -xrrsn

05

1

Nach r. 295, 11 ist dies ein Beiname des Jawar oder Manda d\'Hajè, und betrifft das Geschaft des Tawriêl die „Wasserbachequot;, vgl. S. 31.

Brandt, Mandaische Religion. 5

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(Jfj Zweites Capitel. Kosmologie und Anthropologie.

jn: uud wozu die Anm. p. 61: „Au commeucement

toutes les eaux étaient amères. Celles de ces quatre fleuves ne pri-rent leur douceur que paree que Hivel-Zivo j laissa une partie de l\'eau de la viequot;.

§ 35. Ohne das Lebende Wasser liesse sicli überhaupt keiu Leben fristen. Sogar Ur iu seiuein Kerker belcommt wenigsteus ein Gemisch davou (r. 87, 14 f., s. § 17).

Im Cultus vermittelt der „Jordanquot; durch Tauclibad und Trunk den Seelen die zur Seligkeit erforderliche Keinheit und Sündenver-gebung.

Uie Mandaer „nennen alles fliessende Wasser Jordanquot;, bezeugte Petermann PRE1 319. Und so lieisst es z. B. naoh Siouffi p. 113, wenn der Schlachter sich über die blutigen Hande Wasser giessen lilsst, in der Formel dazu uiiabanderlich, de quelque fleuve que vienne l\'eau: „Ich liabe micli mit Jordanwasser gewaschenquot;. Das seraitische Hauptwort quot;~-p ist demnach in der mand. Sprache als Gattungsname (neben xinx:. und etwa xaxi „Fluthquot;) erhalten geblieben.2)

Bloss körperliche Wirkungen — das Leben ist eine Eigenschaft der Seele (vgl. oben S. 36) — werdeu dem lebenden Wasser im Genza nirgends zugeschrieben. Für die Erzeugung einer Leibesfrucht enthalt zwar die § 32 erwahnte Vorstelluug vou dem Weinstock des Lebens „dessen Wurzel Wasserquot; und „dessen Same der ganze Stamm des Lebens istquot;, die erforderliche Grundlage. Es lindet sich jedoch veder davon. noch von einer Gesundung3) durch Trunk oder Taufe ein Beispiel.

1

Den lelzteren Beiden Lin ich im Genza nicht begegnet. Eufrat und Tigris zusammen r. 38G uit., 1. 10, \'20.

2

Siouffi bemerkt p. 90: „Quant au titre de Jourdain, ce nom du fleuve par excellence est douné a tous les fleuves, comme un titre d\'honneur.quot; Das mag die Meinung der heutigen Mandaer sein. Das Wort ist aber schon den alten Theogonieen gelauflg, und diese datiren aus früherer Zeit als die Ein-bürgerung der Johanneslegende. Von letzterer abgesehn bot aber eine blosse Bekanntschaft mit der Wasserader im Ghör, sei\'s auch aus dem Alten Testament, keinen Anlass, den Namen derselben so boch zu verebren. Jedenfalls ist das alttestam. pquot;»n niebts anders als ein Gattungsname mit dem Artikel. Als solcber stebt es nocb job XL, 23 parallel zu ^quot;5, von einem Fluss in welchem Nilpferde hausen, vgl. Hirzel-Olsbausen zu d. St. und die Lexica. Der Tbatsacbe, dass es in der bebr. Prosa immer den palastinensiscben Fluss bedeutet, biilt die andere, dass aucli niemals der Artikel feblt, die Wage.

3

Noch in dem Tractat über die Stadt Uraslam wird, r. 332 oben, die Heilung der Mirjaj von ihrer Taufe gesondert und vor dieser berichtet. Letztere bedeutet dem Zusammenhang gemass nur ihren Uebergang zur An6s-6emeinde, s. unten i; 85.

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11. Das Wasser und der Norden.

Nach Siouffi p. 4, GO und 137 sind Joh. d. Taufer, die 7 Planeten und Jesus ohne Zuthun eines Mannes durch einen Trunk „lebenden Wassersquot;, worüber Manda d\'Hajê oder, i;n letzten Fall, „der König dieser Weltquot; auf Be-tehl des Mara, d\'Rabuta eine Zauberformel gesprochen, bei ihren Müttern (der Inaswaj, der Ruha und der Mirjam) erzeugt worden. Nach Ignatius a lesu hat zwar den Erstgenannten Zacharias per solum amplexum bei seinem Weibe erzeugt, dem Taufer selbst aber Gott seine vier Söhne aus dem Jordan hervor-gezogen (p. 74 s.), und von der Mutter Jesu heisst es p. 72: ipsam coneepisse ex aqua quam bibit ex aliqua fonte, ex quo iusserat illi Deus ut biberet. Vgl. die pseudoclementinische Lehre von dem Wasser als dem wesentlichen Bestandtheil in allem zeugungskraftigen Samen. Recogn. VIII, 2ti, cf. III, 75.

§ 36. Jordaue und Taufbrauch, stellen die Gemeinschaft der Tibil-Erde mit der hüliern Welt dar.

Die „sieben grossen innern Jordauequot;, die „Niemand siehtquot;, in welchen die Nitufta den Hibil Z. bei seiner Rückkehr aus den Weiten der Finsterniss tauft, „existiren unter ihrem (der Nitufta) Thronquot; r. 152, 20; — so ist in Ansehung des lebenden Wassers auf der ïibil r. 283, 22 bezeugt, dass dasselbe „unter dem Thron Gottes her-kommequot; (s. Beil. D u. S. 69). Alle Menscben, die zur Lichtwelt ge-hören wollen, mussen getauft werden; — so werden alle die erhabenen Wesen der Lichtwelt getauft. Namentlich der 7. Tr. rechts verbreitet sich darüber, indem r. 129 f. nach einander Manda d\'Hajê, Hibil Ziwa und dessen Brilder oder Söhne in dem Grossen Jordan getauft werden (vgl. r. 127, 17; 131, 20 ff.).

Als ganz gleichwerthig findet man hier beisammen die lie-zeichnungen: „Jordanquot; (129,7), „der grosse Jordanquot; (Z. 9), „das lebende Wasserquot; (Z. 12), „der grosse Jordan des Lebensquot; oder „der Jordan, Meister des Lebensquot; (Z. 16 ff. iOirn sm \'i; r. 131, 23 „der grosse Jordan des Lebens und 360 Jordaue, in denen Hibil Ziwa getauft wurdoquot;), endlich: „Jordan des lebenden Wassersquot; (129, 21).

Wie der Mandaer nach der Heimkehr von einer Keise der Taufe bedarf, so wird Hibil Z. nach seiner Rückkehr aus den Weiten der Finsterniss getauft (Bell. D). — Wie der irdische Jordan beim Anblick des M. d\'H. zur tick weicht (s. d. Johanneslegende Beil. G), so heisst\'s r. 129, 12; „Darauf, als das lebendo Wasser den Glanz und das Licht des Hibil Ziwa sah, und den Glanz und das Licht und die Herrlich-keit des M. d\'H. und das Margna . . . (Z. 14), verdunkelte es sich und blieb nicht gradeaus und sprang auf und wandte sich zurück\').

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Zweites Capitel. Kosmologie und Anthropologie.

Wie die Wellen in Sinderiawis \') [war] der grosse Jordan des Lebens*. Aber Mara d\'Eabutix spricht zu dem Jordan (Z. 18): ,.Du grosser Jordan des Lebens, sei ruhig und bleib gradeaus anf deinem Weg, damit Hibil Z. in dir getanft werde,quot; — worauf der Jordan seinen geraden Lanf fortsetzt (Z. 21 \'i \'jsd).

Indem das „lebende Wasserquot; ein Element der Lichtwelt anf unsrer Erde ist, stellt der frei dahinstrümende Fluss gleichsain eine Ader des göttlichen Lebens anf derselben dar, ans welcher der Glanbige „Reinlieit nimmt.quot;1)

Es ist denn auch die alte mand. Meinung, dass die Quelle der Flüsse auf den holien, die Tibil im Norden abschliessenden Bergen mit der Lichtwelt in Verbindung stehe, eine Verbindung, die man sich ■vvobl durch jenen „Zug des lebenden Wassersquot; vermittelt denken darf. welchen M. d\'H. bei der Schöpfung zu ziehen beauftragt ward

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1

L. 116, 17 „der Jordan des lebenden Wassers, aus dem ich Reinheit genommen babequot;. — Qol. 54, 20 „der Jordan des lebenden Wassers ist nicht rein vor dir, o M. d\'Hajê!quot; ist nicht zu strenge zu nehmen. Kein Wunder nach dem Allen, wenn die grossen Strüme bei den M. mit Ehrfurcht betrachtet, sogar angebetet werden und keinerlei Verunreinigung ertragen. Indessen ist eine solche Verehrung nur für die jetzigen M nachzuweisen, nl. Siouffi p. 90. Das. n. 2: „Les Soubbas ont les grands cours d\'eau en veneration. II est dé-fendu chez eux de se livrer dans un fieuve a aucune evacuation fécale ou uri-naire. II ne leur est pas même permis d\'y cracher.quot; Ebd. Text: „Quand le Soubba se trouve devant un fieuve ou une rivière il doit, dès qu\'il le voit, dire cctte prière: sirisB ■pmss s- quot;[sV-rr: smsti smos s-ai s—r2: ssvc: squot;1- si- srr-s- d. b. „Im Namen des Grossen Lebens! Heil und Sieg (oder Reinheit) sei dir, o Vater ihres Vaters, König Pêriawis, grosser Jordan lebenden Wassers!quot; — Vgl. dazu die Anm.: der Ausdruck i-n-as be-sage, dass der Strom dem Urvater der Menscbheit die hauptsacblicbste Nahrung gegeben babe, bedeute also: Vater des Adam(?). Ferner: „tout fieuve est con-sidéré comme étant le souverain . . . des contrées qu\'il traversequot;; — zu Pêriawis vgl. die vorige Anm.

2

d--s—quot;-:-o vgl. r. 131, 20. Es scheint ganz identiscli zu sein mit

r. 74, 19; r. 134, 0 „die untere Welt der Finsternissquot;. R. 134, 6 hat cod. B fïïr „Sinjawisquot; die Variante „Sinderiawisquot;. — Einen Gegensatz dazu bildet : (Siouffi: Périovis) welches sich r. 234 uit. (siehe oben S. 30) als ein Ortsname ausweist. Nach Siouffi p. 90 n. 2 wird jeder Fluss als c-squot;—: srVsa bezeicbnet, indem er der König seines Stromgebiets sei. Nilhere Auskunft über diese Benennung konnte der Priestersobn nicht geben. In derselben bat aber Pêriawis seine locale Bedeutung bereits eingebüsst. „König von P.quot; müsste entweder \'t -ijo oder \'t- lauten. Im Genza erseheint es 1.17,19

\'-\'t -s-s) und im Qolasta öfters (z. B. 7, S Ws—£■ si-t e-is—e

s;s;sb) personificirt.

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II. Das AVasser unci der Norden.

(r. 92, 18; 269. 9). Eiue andere Vorstelluug-, namlich die eines Grenz-gewassers zwischeu der letzten Mafcarta und den Lichtwelten, bilden die „Wasserbachequot; (sir xipisxn, spr. ImjiqT: majê).\')

§ 37. Von besonderer Wichtigkeit fttr den Urspning dieser Werth-schatzung des Flusswassers und des Taufeults bei den Mandaern er-scheint nun eine Darlegung der mand. Ansichten vou dern Nor den und von dem Ozean. wie der 26. ïractat des rechten Genza sie uns bietet (r. 282—284). Die Tibil ist laut diesem Tractat zwischen der obern Welt des Lichts und der untern der Finsterniss gelegen: jene im Norden, diese im Süden. „Das grosse Meer des Ozeans (ten Nrx-* Nni2quot;n) umkreist die ganze Tibil, ausgenommen die Pforte des Nordens, sodass Niemand das lebende Wasser von dem Lichtort abschneiden kann (283, 19 ff.).quot;1)

Auch nachr. 3, 11 „sitztquot; der erhabene Lichtkönig „im hohen Nordenquot; (xquot;,quot;,xbgt;\' iOi-pra airsi). Dieser niirdliche Himmelsstrich ^) wird nun r. 283 als derjenige dargestellt, von welchem alles Gute ausgeht. Von hier kommt der „Ajarwindquot;, durch den alle Wesen leben und athmen. Wenn der einen Tag zu wehen aufhörte, würden alle Seelen auf der Tibil erlöschen. Kommt bisweilen aucli Hagel und Verderben mit diesem Wind, so liegt es daran, dass derselbe die hohen mit ewigern Schnee bedeckten JJerge gestreift hat; an sich ist er nur heilsam. Auch alles Licht kommt dorther. Die Gestirne „kreisen nicht durch die Pforte des Nordensquot;, weil hier Nichts der Erleuchtung be-dürfe. Die Lichtwelt dort hinterm Firmament sendet den Gestimen ihren Schein, wie ein König, der seine Macht in weit entfernte Gegen-den aussendet. „Und alle Weiten zeugen, dass das lebende Wasser von [der Gegend] unter dem Thron Gottes herkommequot; (XTTX IB xnxbxT aioTD, Z. 22).

Von dem Süden gilt das gerade Gegentheil. Von hier kommen (284) heisse, mit dem gltthenden Dampf des Ozeans gesattigte Winde. Im Süden ist das Tiefland, wie im Norden das Hochland. Tief unten im

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1

Damit im Widerspruch Peterm. Reisen II. 452: Aus den Lichtwelten fliesst durch dieses grosse Weltmeer, ohne sich mit dessen Wasser zu ver-mischen, der Jordan in die Meschünne kuschta, und durch das Türkisgebirge auf unsere Erde, wo er sich in 4 grosse Ströme vertheiltquot;.

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Zwcites Capitel. Kosmologie und Anthropologie.

Süden ist die Welt der Finsterniss. Wer in der obern Gegend wolmt ist von glanzender Gestalt; die Bewohner des ïieflands „sind schwarz, und hilsslicli ihre Gestalten wie Diimonenquot;. Kurz, mit Worten des 25. Tr. r. 278, 9. 13: „von der Tibil-Erde südlicli ist jene Erde der Finsterniss, — und die Finsterniss ist in böser Naturquot;.

Der Ozean dort im Süden wird als brennend heiss vorgestellt „desswegen, weil der Ozean den Weiten der Finsterniss nalie istquot; (\'b Nmxpr 284, 3). Seine schwarzen Wasser willzen sich um, sieden und kochen. Jedem, der davon trinkt, sich darauf begiebt, oder nur den Geruch (S!Tn) derselben riecht, bringen sie den Tod (284, 6 fl\'.). — Completiren wir die Charakteristik mit ein paar Zügen aus der im Königsbuch geschilderten Endzeit. Da sollen r. 392, tl „die Sterne vom Himmel losgebunden werden und in den Ozean fallen, und in sieben Meeren , NB. srax-n

heissen auch die Fiscbe in den Flüssen) wird rothes Wasser zunehmen, und das Weib, das von diesem Wasser trinkt, wird nicht schwangerquot;. Ferner, nach 393, 7, „wird das lebende Wasser ab-geschnitten und es kommt nicht und steigt nicht empor (Jsopbxcsb). Es kommt [aber] grünes Wasser aus dem Ozean. Die Seelen, die den Geruch dieses Wassers [ein-]nehmen, gehn aus ibren Körpernquot;.

Die ursprüngliche, in den erhaltenen Darstellungen nachwirkende Anschauung kann nur die Identitat des Schwarzen Wassers mit dem grossen Ozean, der die Tibil fasst ganz umschliesst, gewesen sein. Diese passtganz gut zu der in den Kosmogonieen vorgetragenen Ansicht, dass die Erde nur eine auf der Oberflache des Schwarzen Wassers verdichtete Strecke sei, wonach sie ja auch von demselben umwogt sein muss. Es ist dabei kauni eine Unebenheit, dass die Erde im Norden mit der Lichtwelt zusaramenhangen soil, und auch die Be-schriinkung der Welt der Finsterniss auf den Süden lasst sich dahin verstellen, dass die Erde im nördlichsten Umkreis jenes Wassers gelegen sei.

70

Auf den Göttersitz im Norden weist noch jetzt bei den Mandaern der fromme Branch hin. Die Qibla der M. ist nach dieser Eich-tung. Das Gotteshaus bat den Eingang auf der Südseite, damit der Eintretende sogleich das Antlitz gen Norden gerichtet habe. Die ïodten werden mit den Füssen nordwarts begraben, sodass auch sie nach dieser Himmelsgegend schauen. Nicht etwa, wie Siouffi p. 118 und 124 meint, des Polarsternes wegen, sondern well hier die Gottheit zu suchen ist.\') Diese Gebrauche müssen uralt sein, obgleich ich sie

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II. Das Wasser und der Norden.

im Genza nicht nachweisen kann.Die zu Grimde liogende An-schauung ist die altheidniKche, auch der Hairanier. Um so auftallen-der ist der ümstand, dass auch die nördliche Lage des Göttersitzes in den Documenten des altesten Mandaismus, z. B. den Theogonieen, weder erwahnt wird, noch vorausgesetzt zu werden scheint. Wenn das nicht dennoch zufallig sein sollte, so dürfte der alte Glaube von der Yorstellung der allwarts erhabenen Ajarwelt zeitweilig verdunkelt ge-wesen sein. Die Lichtkönigslehre hat ihn dann wieder zur Geltnng gebracht. Was noch besonders für sein holies Alter spricht, ist der Zusammenhang mit dem Taufcult. Die grossen Wasserlaufe komuK-u ja von Norden her in die Heimath der Mandaer. Durch diesen Urn-stand ist auch die Vorsehrift, dass die M. (nach Siouffi p. 82) die religiösen Untertauchungen das Gesicht gegen den Strom vomehmen sollen, mit der sonstigen Qibla zu vermitteln.

§ 38. In Ansehung des üzeans lasst sich den dargelegten An-schauungen entnehmen, dass die Mandaer von dem Euphrat und Tigris aufnehmenden Persischen Golf, und zumal von dem Arabischen Meer, nur ganz vage Notionen hatten. Hiltten sie jemals Schiffahrt ge trieben, so würden sie ihn nicht als kochend heiss und schon durch die blosse Ausdünstung tüdtlich, noch seine Anwohner als Diimonen vorgestellt

beten die M. . . . nacli Norden gewandtquot;; falsch S. 212: „[Der Polarstern] ist die Centralsoune . . . daher der Ort, nach w-elcliem sich die M. beim Gebete wendenquot;. In letzterem Sinne auch Petermann PRE\' 321.

1) lm Qolasta haben wir zu dem Act der „Bezeichnungquot; der Tauflinge die Vorsehrift (Enting fol. 10, (i): „Und ihr (eine Hs. „deinquot;] Angesicht soil sein sr-;- sisiV\'. Auch etliche Genzastellen über das Verrichten der Gebete scbeinen auf die nördliche Himmelspforte Bezug zu nehmen, vgl. § 51.

Uebrigens ware vielleicht die bei Chwolsobn II, 3T8 aus Silvestre de Sacy: Notices et Extraits (Paris 1810) VIII, 179 reproducirte Stelle des Mas\'Cidi (geschr. 943 n. Chr.) zu vergleichen: „Les Chaldéens ou Babyloniens, dont il existe encore aujourd\'hui des restes dans les terres marécageuses entreWasith et Bassrah, ou ils habitent quelques villages; ils se tournent en priant vers le signe du capricornequot;. Der gelehrte Autor bescbreibt mit diesen Worten eine der verscbiedenen Arten von Sabiern. Chwolsobn hielt für gewiss, dass damit die Mandaer gemeint seien (1, 207). Allein Mas\'üdi nahm, wie viele seiner mohammed. Zeitgenossen, „Sabier\' scbon für „Gestirnverehrerquot;. Und

die „Sumpfdistrictequot; sind nicht nur die unmittelbaren Stromufer, an denen die Mandaer hausen. —Bei etlichen illtern arab. Scbriftstellem sind freilich mit dem Namen Sabier m. E. gewiss die Mandaer aufgeführt, s. Chwolsohn I, 186 ff. Darunter giebt der aus Basra gebürtige el-\'Hasan (gest. 728 n. Ch.) an, dass sie „zur Qibla betenquot;, und der i. J. 786 in Basra verstorbene el-Chalil, dass sie bei ihren Gebeten sich nach dem Süden wenden. Diese Gelebrten wussten also doch schon, dass die Mandaer eine Gebetsrichtung batten.

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Zweites Capitel. Kosmologie und Anthropologie.

habeu. Die Schilderung von dem sich ümwalzen, Sieden und Kochen des Schwarzen Wasser beweist aber, dass wohl hin und wieder eiu Mandüer das Brausen des Meers gehort, und das Schaumen und Spritzen einer Brandung angesehn hatte. Das „Aufspringenquot; uud „Umkehrenquot; oder #Fliehenquot; des Jordans aus Farcht vor dem Er-habenen, welches einige mal dargestellt ist, schreibt sich iin 9. Tr. r. (s. § 76) aus dem 114ten Psalm des Alten Testaments her. Uebrigeas dürften zur Entstehuug solcher Redensarten die Personificirung des Flusses und die Beobachtuug eines Sturms auf dem breiten Buphrat-spiegel schon hingereicht haben.

Wichtigeres lassen die Meinungen von der entgegengesetzten Seite des Erdkreises vermuthen. Galt den Mandaern der ilusserste Norden, wo das Hochland hinansteigt, fiïr den Sitz der Götter, — so ist doch wahrscheinlich, dass wenigstens ihre Vorfahren die hiinmel-an strebenden Bergwiinde vor Augen gehabt, und den Eindruck davon ihren Nachkommen vererbt haben. Sind aber die ürvater des Man-dilervolks aus einem nördlichen Stammland den Euphrat herabgezogen, so wird ihre Vorliebe für das stromende Gewasser vollends begreiflich. Dann ist ihnen dasselbe nicht uur immerfort als eiu Abfluss von (der Gegend unter) dem Thron der Götter erschienen, soudern in den ersten Zeiten der Ansiedelung im Niederlande noch dazu als eiu Bote aus der Heimath. Auch jenes Grauen vor dem stidlichen Ozean und seinen Landern führt auf die Vermuthung, dass die M. nicht von jeher demselben so nahe gewohnt haben.

Allerdings müsste die Niederlassung in vorhistorischer Zeit statt-gefunden haben, denn die mandaische Sprache ist, wie schon Chwol-sohn für wahrscheinlich hielt (Ssabier I, 22) und Nöldeke über jeden Zweifel erhoben hat, keine andere als die, welche von Alters in dem untern Babylonien gesprochen wurde.

III. Die Seele uud ihr Schicksal uacli dem Todc.

§ 39. Die Seele des Menschen stammt aus der Lichtwelt („vom Hans des Grossen Lebensquot; 1. 74, 19), sein Leib von der Erde. Diesen konnten die Gestirugeister darstellen, aber das Leben vermochten sie dem Adam nicht zu geben. Die umstandliche Yor-stellung r. 101 f. und die einfache r. 172 von der üeberführung der Seele in den Korper desselbeu, haben wir S. 36 f. uud 52 erbracht. — Die Menschenseelen, wenigstens die der Glaubigeu, sind

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III. Die Seele unci ihr Schicksal nach dem Tode.

bisweileu als Utra\'s bezeichnet, so r. 220, 15, wo Manda d\'Hajê spricht: „Wenu ich Utra\'s hervorzurufen wünsche, nife ich [sie] von dem grossen weissen Lebensjordan. Es rief Manda d\'Hajê den Utra\'s nnd Tarraida\'s und spracb zu ibnen; Eucli rufe icb, Söhne, die ich wacbsen liess (oder „anferzogquot;, euch rufe icb, Pflanzen, die

ich pflanzte, aus der Mitte der Volker, Grenzen und Spracben. Meine Söhne, seid gegilrtet mit meiner Rede, damit ihr nicbt eingescblossen werdet in beulende Finsterniss! Denn ich gilrte und mache euch standbaft in dieser Welt, weil ich in meinen Gedanken (quot;\'Nisiyz \')) weiss, dass je mehr das Gescblecht (Zeitalter, snN~) abnimmt, desto grosser wird die Schlecbtigkeit über euch. Ihr, steht aufrecht vor mir, damit ich euch befreie von der Verfolguug der sieben Siebenquot;. Im linken Theil nennt die eraporsteigende Seele sich gerne ein „Mana vom Grossen Leb enquot;.

Das Befinden der Seele im Körper ist nicht nur ein milbseliges, allerhand Beschwerden und Anfeindungen ausgesetzt (vgl. die Klage-nnd Trostlieder 1. 38—74), sondern auch in sittlicher Hinsicht un-giinstig. K. 19, 10 wird den Eecbtglaubigeu vorgebalten: „So lange ihr in der Welt existirt sind eure Silnden vielquot;. Dem entspricht ganz, dass nach Siouffi sowohl der mand. Priester, als jeder, derden Titel eines S alm Ti na (= zaZsiog) erworben, für der Welt ab-gestorben gilt (considéré comme mort pour le monde, p. 69quot;, 99). Znr Priesterweihe wird dein Candidaten das Todtenamt gefeiert.

Die mand. Vorstellung vom Sterben konunt besonders in dem linken (nach Petermann „für die Todtenquot; beslimmten) Theil des Genza zum Ausdruck. Als Adam nicht iilter werden sollte, 1. 2, 2: „da rief, beauftragte, gürtete und sandte das grosse „Erste Lebenquot; Sawriêl1) den Befreier (Siquot;nx®) und Qmamir Ziwa, der befreit und binüberftthrt die Geister und Seelen NTTn, zusammengebörig)

aus dem Körper; und Tod wird er genannt in der Welt und Gerad-beit (suiaia) wird er genannt bei den Wissenden, die um ihn wissen Onb^-iiOT b»)quot;; Z. 8: „Und Bestechung nimmt er nicht und

kein Geschenk (srxaTip) an, und verwechselt nicht Einen mit dem Andernquot;. In andern Stellen beisst der Todesengel Parwanqa, was persisch „Botequot; bedeutet, im Genza jedoch mit „Loserquot;, „Be-

freierquot; abwechselt, als wilre es gleich xp\'iiNE (so SplNinxS r. 15, 16; bingegen xpnxfi r. 2, 1), vgl. § 41 Zusatz.

73

1

W\'niss, vgl. § 15 und 34. Siouffi transscribirt p. 14,32 s., (iS Savriel, dagg. p. 40 Taouriel. Dem Alphabet und Syllabar p. 159, 164 gemilss entspricht das w dem englischen double u.

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Zweites Capitel. Kosmologie und Anthropologie.

Die Seele „steigt auf aus der Weltquot;, warm ihr Mass ihr vollendet ist; dalier der gelilufige Ausdruck xrbsn „mein Mass

in der Welt ist mir vollendetquot;, r. ISO, 4 u. ö.\')

§ 40. Im 13. Tr. r. 119 heisst es, gleich nachdem gesagt worden, dass ,der Tod über die Welt verhangt wnrdequot;, Z. 21, dass „die Seelen der geraden und gliinbigen Manner und der vollendeten = xtXtiai) Weiber aufsteigend den Licbtort sehn; die Seelen der Sieben werden in ihren Matarta\'s gefesselt, gefesselt in ihren Matarta\'s bis ihre Geister vollendet (gestorben) sind ...quot; Scbon der Zusaramen-hang lebrt, dass die Seelen der Menschen, die sicb den Sieben ergeben haben, gemeint seien. Gleich darauf werden auch die Religionsparteien der Planeten einzeln aufgeführt. Dies Stück gebört aber nicht zu den altesten Bestandtheilen des ïractats.

In den Kosmogonieen werden die Matarta\'s nicht berücksichtigt, was kaum zufallig sein kann. Sie kommen aber vor in der Johannes-legende, und zwar hier r. 194 f. nur eine Matarta des Ptahil und eine des Abatur. E. 180 ff. und 1. 26 ff. passirt die Seele je acht Matarta\'s, die aber, abgesehn von je einer des Msiha und der Kuha d\'Qudsa, ganz verschieden bestimmt werden. Nur der Abschnitt des linken Genza bat darunter jene des Ptahil und des Abatur.1) Die Achtzahl könnte von der Puha und den Sieben herrühren. So ist in dem Stttck r. 360 ff., wo die Auffahrt eines SCXiiT2 13 üxa: dargestellt wird, erst von der Matra der Kuha, dann 363, 17 von einem „fallen in die Matarta\'s der sieben Sterne* die Rede. Links 30 und 89 haben aber die Letzteren wieder nur Eine gemeinschaftlich, und nirgends sind die Matarta\'s unter alle Sieben einzeln vertheilt.

Die falschen lieligionsstifter beherrschen jeder eine Matarta; auch ein r. 232 f. vorkommendes Gesprach des .Arabers Abdalaquot; ist in einer M desselben zu denken (§ 88). Ausfübrlich ist r. 184 ff. die M. des Messias der Christen geschildert (ein Bruchstück davon in Beil. C).

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1

Hier ausserdem eine M. ,des Nbu, des Schriftkundigen und Weisenquot;. R. 18U tf. sind die Matarta\'s der Reihe nach 1) „der frechen verführerischen Hunde, deren Auge blind und sie sehen nicht, deren Ohr u. s. w. Ich nannte den Namen des Lebens und sie standen nicht auf, . . . den Namen des Todes, und sie standen nicht auf\', 2) der Jungfrau, Tochter ihres Vaters, mit 67 nackten Madchen, 3) Zan Hazazban „König des Zornsquot;, 4) Jür und Jahftr und Arhüm, 5) Pilfln Pifin, G) Isu Msiha, 7) Jórba, S) Ruha d\'Qudsa „die auf dem Munde des Karafjun Sarufa sitztquot;.

2

Vgl. die Seelenlehre der Es sen er nach dem allerdings grieehiscli ge-farbten Bericht des Fl. Josephus, Bell. lud. II, 8, 11; besonders den Passus: oriiTc/j\'xfaÜccL /Av [ra? tpijèg] waneQ HQXxaïq volg awfiaatv. . . \'ETrsióav ós dvcamp;cüai tlt;jjV y.axa aayxu óea/iójv, oiov fit/ uaxnaq Sovlfiuq dnrj/J.ayixévaq to\'ts yaiQtiv xal /xstsviyovg (pÓQtaamp;ai.

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III. Die Seele unci ihr Schicksal nach clem Tode.

Von Durst gequiilt bitten sie ihren Gebieter, 186, 1: „Msiha unser Herr! wirf uns auf drei Tage wieder in unsern Korper, — Alles was unser ist wollen wir verkaufen und binabsteigen zura Jordan und uns taufen (oder „taufen lassenquot; xn-Jf:) auf diesen Namen des Mannes, der an dir vorübergingquot;. Der Messias er ld art das für unmöglich und bekennt, dass er .der nichtige Messiasquot; sie eben dessbalb bethört habe: „weil ihr mir Gesellscbaft (stTiXï) sein solltet in der Finster-niss, an diesem Ort, an welcbem ich stebequot;.

Jener „Mannquot;, den die Seelen meinen, ist ein „Erprobter der Gerecbtigkeitquot;, wahrschein ich ein Priester.1) In jeder Matarta fragt ihn der Herrscber derselben, 10. r. 180 ff. (par. 4.1. 26ff.): „Gieb deinen Namen und dein Zeicben (par. -|- und deinen Segen und deineTaufe) an, die du von den Wellen des Wassers und von den Schiitzen des Glanzes und von der grossen Licbttaufe genommen bast (par. anst. des letzten Gliedes: und von dem grossen obern Untergang — \'t sliiKTa —

und von den grossen Sprudeln — — des Lichts und von

dem grossen und obern Leben gen. bast)quot;. Nennt der Ankömmling den rechten Namen, so lasst man ihn ehrfnrchtsvoll passiren. Getrost kann er (in beiden Tr.) immer wieder zu sich selber sagen; .Angst, Furcht und Schrecken werden nicht vor mir seinquot;.

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Der Tractat des rechten Theils bat keine Matarta\'s des Ptahil oder Abatur. Im dem des linken ist die siebente Matarta die des Ptahil: in dieser halten sich die Tyrannen, ünterdrücker, kauflichen Eichter, falschen Zeugen auf. Die Seele ziebt getrosten Muths weiter und gelangt an die achte Matarta, die des Abatur „des alten, er-habenen, verborgenen und woblbewahrten, vor dem (wie sie von den sie begleiteuden Utra\'s erfahrt, 1. 37, 8) die Wage aufgerichtet istquot;. Da werden die Werke und die Vergeltungen abgewogen. Da werden der Geist und die Seele zusammen gewogen, und wer vollwichtig er-funden wird „den lasst er aufsteigen, man erhebt ihn in\'s Lebenquot; (iCIDttOii X^^na); hingegen „wen er wiegt und nicht vollwichtig findet, dem spricht man darnach das ürtheilquot; (ïinjin li-ix© =xr p, wört-lich: „dem lösen sie von dort seinen Handelquot;). Auf die Frage, wei-es denn seien, die in dieser Matarta verbleiben müssen, ist die Aus-kunft: „Nasoraja\'s, die nicht Nasöraja\'s warenquot;, die weder ihre reli-giösen Pfiichten noch Werke der Barmherzigkeit verricbtet haben „und

1

Auf die Bovölkerung der Matarta\'s macht die verklarte (jestalt des-selben den Eindruck, ev gleiche (r. ISO, 13 ff.) einem Mann von 120 Jahren, der mit Stecken und Klapper (sra^s:) hinter der Heerde ging, und auf ein-mal mit Pracht bekleidet, gekrönt und lioch zu Koss zum König in den Stadten gemacht worden. Oder Einem, der in weiter dürrer Ebne den Gerucli des Lebens gerochen u. s. w. Zu sp-quot;T vri: (oder s-jr-: \'=) vgl. Nöld. 311, Anm. 1.

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Zweitcs Capitel. Kosmologie unci Anthropologic.

sich [dennoch] für Nasoraja\'s ausgebeir.\') Sogleich erblickt jetzt die from me Seele „cleu Ajar Gufna bar Pêriawis, den Weinstock, dessen Fnss (nnpy) Wasser und dessen Wurzel der Stamm der Seelen, dessen Laub ütra\'s und dessen Zwei ge Lichtstralüen sindquot;. Ein Blatt davon aufs Ange gelegt, und sie erblickt auch ,den ausseren Ajarquot; und gelangt in die Gegenwart des „Lebensquot;.

Wieder anders stellt die Keise durch die Matarta\'s das Lied 1. 89 f. dar. Uasselbe besteht aus sechs Strophen, die bis auf den Namen der Wache (hier Matra) gleichlauten: „Wie sebr freue icli mich. wie sebr freut sich mein Herz, wie sehr freue ich mich am ïage, da mir das ürtheil gesprochen wird und zum Orte des Lebens mein Gang. Ich flieg und geh; bis zur Matra des Samis bin ich gelangt. Ich rufe ein Kufen: An der Wache des Samis wer führt mich vorbei? — Dein Lolm und deine Werke und deine Gerechtigkeit und deine Tugend führen an der Wache des Samis dicli vorbei!quot; Die folgenden Strophen haben der Keihe nach; die Wache des Mondes, des Feuers, der Sieben (Nn\',,üi), der Euha. Die 6te nimmt 1. 90, 6 eine andere Wendung: „ich tlieg und geh, bis au die Wasserbache (iTïï «quot;\'pisxn) bin ich gelangt. Als ich an die Wasserbache gelangt, da ist der Strahl des Glanzes (\'T quot;pTX Nöld. 150) ausgegangen mir entgegen, hat mich genommen bei der rechten Hand und mich geführt ttber die Wasserbache . . . quot;

Die Lichtkönigslehre hat diese Vorstellung von den Mafarta\'s nicht aufgenommen. Nur einmal komrnt die Benennung vor (r. 19, 20 s. unten § 42, vielleicht auch sonst noch vereinzelt). Der Strafort wird verschiedentlich bezeichnet: „brennendes Feuerquot;. .Finsterniss\'1, ,Meer des Endesquot;, cx:inquot;!5 (das jüdische Gêhinnam, s. § 45), und der Uebelthater filllt in denselben. So r. 17,4: ,Jeder der Gold, Silber und Besitzthum der Welt liebt, und desshalb einen Todschlag begeht, fallt in\'s brennende und glühende Feuerquot;; r. 18, 18; „ihr werd et fallen in die Finsterniss, darein die Bösen fallen and nicht anfsteigenquot;; r. 18, 20: -die Guten, die hören und glauben steigen in Reinheit empor, sie sehn den Lichtort; die Bösen, die hören und nicht glauben, richten ihr Angesicht auf das grosse Meer des Endesquot;. Das „Fallenquot; passt nicht zu jener Anschauung, nach welcher die Straf-orte aiif dem Weg zur Lichtwelt passirt werden, z. B. die Wache des Messias auf hohem Meeresufer. Wo also von einem „Fallen in

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1

Wenn Petermann (Reisen II, 459) behauptet, es werde „in dem 2. Theil des Grossen Buohes ausdrücklich versichertquot;, dass „die Frommen unter [den Christen] bis zu Abathur gelangenquot;, so muss ihm diese Stelle, aber unvoll-stilndig und dazu missverstanden, vorgeschwebt haben. Denn es sind auch nicht fromme Christen, die „den Armen nicht Almosen gaben und die Thür den Armen nicht öft\'netenquot;.

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III. Die Seele mid ihr Schicksal nach dem Tode.

die Matarta\'squot; Rede ist, wie r. 229, 5\') und 363, 17, bat die urspillng-liche Vorstel lung den Einfluss der Lichtkönigslehre erlitten, welche ihrerseits auf der persischen Anschauung (dem Fallen von der Brücke Tschinvad) beruhen dürfte. Uebrigens lilsst sich audi in Documenten der letzteren einmal die Kachwirkimg jeuer verspüren, nl. r. 17 ult.: „Jeder, der mit dem Zeichen des Lebens bezeicbnet, und tiber dem der Name des Licbtkönigs genannt ist, und der fest steht und be-standig in seiner Masbuta, und gute und sclione Werke thut, den wird Niemand auf sein em Weg aufhalten (nirNDirsb — cii»)quot;.

§ 41. Das End schicksal. Sowobl in der Lichtkönigslehre als in mehreren andern Schriften, die sich mit dem Schicksal der Seele nacli dem Tod befassen, ist ein Endgericht vorgesehen. quot;VVie es im 4. Tr. links immer wieder heisst: „bis zu dem Tag, dem Tag des Gerichts, und bis zu der Stunde, den Stunden {sic) der Entscheidungquot;, so heisst es r. 14, 10: „Wer den Satan anbetet fallt in\'s brennende Feuer bis zum Tag u. s. w., bis (so lange als) der erhabene Lichtkönig will, der alle Menschen richtet. Er richtet die Seelen, einen Jeg-

lichen nach den Werken seiner Handequot;.

In andern Stücken ist jedoch das endliche Schicksal der in den Matarta\'s befindlichen Seelen, dass sie den zweiten Tod sterben (XiiOlTi sniH oder dass sie darin bleiben, „bis ihre Geister

vollendet — d. h. gestorben — sindquot; (119, 24 xabx» NabN).

Zwar ist r. 187, 10 erzahlt, wie in der Matarta der Ruha „die Seelen den zweiten Tod in der Welt der Finsterniss verlangen (iObiKE „fragenquot;), und er kommt nicht über siequot;. Allein das wird doch schliesslich ihr Ende sein; r. 225, 22 ist ja gerade von den Anhangern der Ruha und des Msiha verkündigt: „sie sterben den zweiten Todquot;\'. Rücksicht auf diesen Ausgang hat vielleicht die Eiuschiebung der Negation in die Stelle r. 229, 4 veranlasst, die den abtrünnigen MsOraja\'s „Schlag auf Schlag olme Endequot; in Aussicht steilte.1) Endlos ist doch auch die Strafe, die nur mit dem (zweiten) Tod endet.

Für die simdhaften Mandagliiubigen ist der jüngste Tag (XTaiquot;2qiD1! r. 223, 22 u. ö.) das Ende ihrer Strafzeit, r. 53, 17: „Wir werden nicht geoffenbart in der Welt, bis die Zeit kommt und erfüllt ist das Mass der Welt. Dann, auf das Ende der WTelten, kommen wir zu den

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1

Der Text bildet jetzt (in allen Mss.) einen Vermerk, dass die Strafe nicht endlos sein werde (ssyi), -welcher so obne Weiteres dem Gedankengang gar nicht entspricht. Auch Nöldeke, 433 Anm., vermuthet die Corruption.

2

R. 229, 5, in dem „Umsturz der sieben Sternequot;, ist der Gegensatz: „fallen in die Matarta (cod. A „die Matarta\'squot;, plnr.) der sieben Siebenquot; und „in\'s Haus des Abatur gelangenquot;.

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III. Die Seele und ihr Schicksal nach clem Tode.

Genza\') ausgesprochen. Aber audi uur Mer; und da eben dieser Tractat auch sonst unmassgcblichcn Charakters ist, lasst sich aunehiuen. dass es eine fremde Idee sei, die nur der eine Antor sich ange-eigaet habe.

Zusatz. Anzumerken ist, dass die ersten drei Tractate des linken Genza den Ausgang der ersten Menschen zum Gegenstand haben. In dem ersten sagt Adam dem Todesengel, er wolle noch weitere tausend Jahre leben, er moge seinen aelitjilhrigen jüngsten Sohn Sitil statt seiner nelimen. Sitil lasst sich mitnehmen, und richtet dann eine Ritte an das Erste, Zweite, Dritte „Lebenquot;, Jofln Jofafin u. s. w. (fast ganz wie M. d\'H. und Jöliana r. 189 und 196), dass sein Vater „die Welt zu der ich mich begebe selien mogequot;, eine Bitte, die „das grosse Erste Lebenquot; erhört Schliesslich aussert Sitil nocb eine andere, 1.8, 20: „Dieser Weg und Scliritt und Aufstieg (wp-osa), wodurcli icli aufgestiegen bin, mogen dadurch aufsteigen und gehn die geraden Manner, die glaubig und scliön und vollkommen (sfssftis-a), wenn sie aus ihren Körpern gehnquot;. — Dieser Tractat diirfte alter sein als die beiden folgenden. Jene An-rufung, sowie die letzte Bitte des Sitil finden sich auch in der J u hannes legende. Der Todesengel, hier Sawriêl und Qmamir Ziwa genannt, heisst im zweiten Parwanqa (s. § 39). Er wird so genannt, weil er den Mensehen aus seineiu Körper und aus „der Welt des Ptahilquot; befreit. In dem 2. Tr. 1. 9—19 straubt

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Zweites Capitel. Kosmologie und Antliropologie.

Adam sich immer noch. Wer werde fürWeib, Kinder und den Acker Borgen? Der Erlöser antwortet mit einem Hinweis auf die Vergangliohkeit dieser Welt. Dann fragt Adam, wer seinen znrückbleibenden Leib vor Wind und Wetter und Raubvögeln ^sclmtzen werde. Panvanqa antwortet 12.12: „Was trauerst du und lamentirst, Adam, über den faulen Körper in dem du warst? Giebt\'s aucli Körper [im Hause, r-n ausgefallen!] des Lebens? ein Körper steigt zum Haus des Lebens nicht aufquot;. — Jetzt will Adam Weib und Kinder mitnehmen. Er soil jedocli mebr als auf diese auf „das Lebenquot; vertrauen. Endlicb weint e^ schon aufsteigend, über seinen „schonenquot; Leib, der „Staub und Wurm im Haus der Dunkelheit\') gewordenquot;. Sein Begleiter lenkt seinen Bliek auf eine Lichtwolke mit den Lichtkleidern, die „vier Sohne des Lichtsquot; ihm entgegen-führen, u. s. w. — In dem dritten Tr. 1. 19—26, der den Ausgang der Hawa beschreibt, ist Hibil Ziwa derjenige, der sie aus dem Körper aufsteigen lasst, 1. 24, 19. Ihre Sünden sind ihr vergeben, „weil die Sieben dich bethört habenquot;, 1. 22, 1.

§ 42. Auf zwei Pimkte, die am besten gieich hier betrachtet werden, hat das ebeu Bemerkte vorbereitet.

I. Das Verbot der ïodtenklage. Das Haus des Lebens ist ein Ort der Freude; r. 18, 14: „Weun ihr, meine Erw., [auf] was ich euch sage hört, wenn ibr was ich euch befehle thut, so gebe ich euch von meinem ausgedehnten Glanz imd von meinem endlosen Licht. Ihr werdet euch frenen im Haus des Lebens, wie die Licht-ütra\'s, die sich freuen am Orte des Lichtsquot;. Ansserdem ist ja der Tod eine Erlösung. Darum ware es unvernünftig, die abgeschiedenen Frommen zu beklagen. Die Todtenklage ist jedoch überhaupt unter-sagt.1) Dadurch setze man die abgeschiedenen Seelen den Anschliigen der Dilmonen aus. Vielmehr solle man ihnen gottesdienstliche üebungen nachschicken.

Die betreffende Anweisung r. 19,4—20: „Jeder, der aus seinem Körper geht, über den weinet nicht und Trauern und Todtenklage nehmt ob seiner nicht an, und Brod der Graber (s-:-;2;) esst ob seiner nicht. Jeden, der ob eines Todten weint, wird man in Wasserfluthen (s-rs s\'zsusn) stollen wenn sie voll sind (r. 37, 19 „den sclineiden Meere und Fluthen, abquot;). Wer

sein Kleid am Halse zerreisst, dem wird ein Makel an seiner Stola sein. Wer das Haar ob seiner abscheert (u-ua-:), den wird man binden auf dem Berg

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1

Petermann erzahlt, Reisen II, 119 Anm. „Ich wohnte dem Leichen-begangniss eines 84jahrigen Greises bei. Als die Leiche aus der Hütte ge-tragen wurde, fingen die weiblichen Angehörigen an zu weinen, was ihnen der Priester mit Unwillen streng untersagte. Der erwachsene Sohn ging mit auf den Begrabnissplatz — aber keine Frauen oder Miidchen waren dabei — setzte sich dort in den Kreis, rauchte, plauderte und scherzte mit den Andern, wiihrend der Priester die Gebate las und das Grab gegraben wurde.quot;

2

D. h. im Grab. Die Bestattung des Leichnams wird als selbstver-standlich vorausgesetzt. Hierdurch unterscheidet sich der Tractat von der Johanneslegende. Durch das s—nwi ohne ~ (1. 17, 3) von dem Königs-buch.

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III. Die Seele unci ihr Schicksal nach clem Tode.

„Berg der Finsternissquot;. Gtht, Elende Ri.\'ine unci Verfolgte! fiber cuch

selber weint, weil so lange ihr in der Welt seid em-e Simden viel sincl. Wenr; euch traurig ist um Seelen, die aus eurer Mifcte gingen, so entfernt Grimm und Traurigkeit aus eurem Herzen und vertreibt Trauern unci Todtenklage aus euren Thoren. Denn von Trauer und Todtenklage werclen Damonen und Dajwa\'s gebildet, und sie geliu den Seelen voraus auf dem Weg, und angstigen dieselben- am Ort der Zollner (s-cin-; n^a). Wenn ihr sie [die Seelenj sucht unci Hebt, betet ihrethalben Gebet sonst: „Liebequot;, „Erbarmenquot;)

und Bitte und Lobpreis, unci haltet Vortrilge und lest Reihen b-i—i

•jiipi) und thut Masicita\'s, class der Meister mit Erbavmen fiber sie erffillt werde (Z. 17 smartsquot; ss-t srspcx-: i-asi). Und es

wird Glanz vor ihnen hergeLen und Lieht wird hinter ihnen herziehen, und Gesandte des Lebens zu ihrer Rechten und Lichtengel zu ihrer Linken, und sie werclen erlöst werden (sp-sin-:) von den Matarta\'s, und von den sieden-den Kesselnquot;.

11. Das Masiqta (Sioufli; Massahhto). Der Ausdruck bedeutet in deu Gebeten des Johana r. 196, 7 und des Sitil 1. 8, 2J, mit „Wegquot; und „Schrittquot; im tropischen Sinn coordinirt, Bdas Aufsteigenquot; (s. oben S. 79).\') An der eben angez. Stelle r. 19, 17 „thut Masiqta s, dass der Herr mit Erbarmen über sie (die Seelen der Verstorbenen) erfüllt werdequot; ist es irgend eine Verrichtnng, die man vornimmt um der Seele eines Freundes oder Verwandten die unbebelligte Autt\'ahrt, oder die baldige Erlösung aus den Matarta\'s zu erwerben. So vamp;rsteht sich, dass es r. 223,9 unter dem doppelten Namen xixnr\'-l xnpioxr „M. und Angedenkenquot; ersclieint.

Wei teres fiber das Masiqta erhellt aus einer merkwürdigen Stelle in der Hollenfabrt des Hibil-Ziwa. Bei einer Rtlckkehr desselben aus der Unterwelt empfangt ibn -das Lebenquot; (,meine Vaterquot;) mit der Frage nacli seinen Verrichtungen in derselben und versichert dabei u. A. r. 157, 6: „jeden Tag haben wir dein gedacht und dein Bild und deine Gestaltung (TXr\'Nï) und deine Ferson vor uns geinalt (xnss), und dein quot;Vater (f\'nN, Manda d\'Hajê) hat jeden Tag Masiqta iïir dich gelesen (Z. 7 Da kann nur ein mand.

Branch, der unter den Menschen Sinn hat, auf die Götterwelt über-tragen sein: Manda d\'Hajê liest Masiqta (quot;np steht überhaupt für das jThunquot; dieser Ceremonie, vgl. oben r. 19, 17), offenbar damit H.-Z. mit heiler Haut aus der Unterwelt zurückkehreii niüge. Ein litur-gisches Stilck dieser Art kann das bereits erbrachte Lied 1. 89 f. sein.

Im Qolasta beziehen sich die Gesange und Vortrilge fol. 22—43 und 65—69 auf das Masiqta. Diese Texte nebst den angehilngten Gebrauchsanweisungen entsprechen einer Ceremonie, welche man be-

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Zweites Capitel. Kosmologie und Antbropologie.

stellt und vornimmt um sowolil sich als dea Seinigeu, verstorbenen und noch lebenden, zur Seligkeit zu verhelfen (f. 41, 4 f.; 48, 4 ff.). Die Leitung bat der Friester, der im Ornat auftritt, Salbung und Communion ertheilt, ilbnlicli wie bei der Taufe (vgl. § r)9; 61 ff.). Von den Gesivngen wird das sogeuannte Xinsoai SOD\'nn des Sum

bar Nuquot; auf beide Ceremonieeu angewandt; vgl. Qolasta 18, 22 ff. nut 41, 1 ff.

Siouffi berichfcet in seinem Capitel übei\' das Masaqta (p. 95 ss.) zunüchst, dasselbe bestebe gewöhnlicli in einer siebentagigen Gebetfeier zum Besten der Seele eines Verstorbenen. Die Ceremonie lange 3 Tage nacb clem Tode an und koste 100—000 Franken. — Die Mandaer baben aber heutzutage auch ein Sacrament der Sterbenden, worüber Siouffi p. 120 ss. Nilheres mittheilt. Sie giessen dem Patienten (in sitzender Haltung) erst beisses, dann kaltes Wasser über den Kopf, und dabei muss erselbst, oder ein Skanda statt seiner, bestimmte Gebate hersagen; dann legen sie ihm das Rasta (sros-. die Kleidung der Verstorbenen und der Priester) an, worin er bernach auch begraben wird. Ohne jene Ablutionen und diesen Anzug zu sterben bringt die Seele bis zumjüngsten Tag in die Matarta\'s, und nun hat wobl Furcht vor dieser Eventualitat das von Siouffi beschriebene Masaqta der Lebenden aufkommen lassen; eine achttagige Ceremonie, welche der Seele freien Durcbzug durch die Matarta\'s (wobei sie noch (10 andere Seelen erlösen kann) gewilhrleistet, und dem M., der hinfort gleichsam gestorben, der Welt abgestorben, ist, wahrend seines fernern Erden-lebens Enthaltung von geschlechtlicber Genieinschaft auflegt. Dafür tragt sie ibm den Titel sssï und priesterlichen Rang ein. All dieses deutet

auf\' eiije Phase der mand. Religion, die im Genzfi uur erst angebahnt ist.

Von der Nothwendigkeit des Sacraments der Todten bildet mindestens eine Ausnahnie der r. 16, 10 envühnte Fall: „Jeder der in der Liebe seines Herrn seinen Leib dem Todtschlilger bingiebt, wird dadurch makellos (s-tirs;

seinquot;. Im Diwan hat, laut Ign. Narr. 40 s., Gott dem Engel Gabriêl versprochen, dass für alle Sünder unter den Mandaern .,in die ludicii dicetur Missa, et remittentur eorum peccata et sic omnes erunt amici mei et salva-bunturquot;.

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Drittes Capitel.

Das religiose Leben.

§ 43. In den altesten pol3rtheistischeu Bestandtheilen des Genza ist weder Cultus- noch Sitteiilelire vorgetragen. Das Einzige, was sicli denselben entnehmen lasst, ist, dass die Menschheit dem höchsteu Leben zu eigen gehörcn soil. Gewisse Züge in der Darstellung (vgl. oben S. 26 f., 37, 81) bereclitigen ferner zu dem Schluss, dass die Taufe, das XtoOIS, das Nennen des Namens des Lebens, — kurz die sacramentalen Institute der mandaischen Heligion A\'on jelier zu den religiösen Handlungen geliörten.

Sonst ist dem Genza fast allenthalben Einsclililgiges zu ent-nehmen. Differeuzpunlvte, wie die religiösen Vorstellungen deren so übermassig viele enthalten, kommen hier fast gar keine vor. Nur eine mehr oder weniger reine Auffassung lilsst sich gelegentlich be-obachten.

Sitten und Cultuspflichten sind nicht unterschieden. In den par-iinetischen Partieen weohseln die betreffenden Vorschriften ohne irgend welche Gruppirung einander ab. Das religiose Verhiiltniss erstrecl\'t sich nach mandilischem Grundsatze über das ganze Leben. Mit lie-ziehung auf dieses wird r. 26, 1 ermahnt: „Gleicht nicht sclilechten Pfianzen, die Wasser trinken uud ihrem Herrn keine Früchte gebenquot;. Und r. 17, 15 heisst es nachdrücklich: „Euch sage ich Allen, die [auf] den Namen Gottes horen (NnxbXT XEW — Bei eurem Stehn

und bei eurem Sitzen und bei eurem Gehn,. . . Kommen, . . . Essen,. . . Trinken,. . . Ruhen,. . . Liegen, und bei all euern Werken nennt und preist den Namen des erhabenen Lichtkonigs!quot; (vgl. r. 179, 2 ff.). Nach diesein an die christliche Regel (col. Ill, 17; l.cor. X, 31) gemahnenden Ausspruch bildet die sittliche Lebensfiih-rung die allgemeiaste Bethatigung, die cultische Praxis nur einen hesondern Theil der Gottesverehrung. Vom Allgemeinen zum Spe-ciellen vorschreitend handeln wir demnach in diesem Capitel erstens über die nicht in nothwendigem Zusammenhang mit der mandaischen

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^ Drittes Capitel. Das religiose Leben,

Religion stelieude Moral; sodann über die Verpflichtungen, welehe sich unmittelbar anf die religiöse Verfassung beziehen: an dritter Stelle über die religiöse Sitte im engern Sinn; viertens über die Cultus-handlungen; fünftens über etlielie niclit znm eigentlichen Cultus gehorige religiöse Gebrauche, wahrend schliesslich die Einrichtung und der Einfluss des Priesterstandes zur Sprache gebracht werden sollen.

I. Moralische Crnmdsatze.

§ 44. Die reiehhaltigsten Quellen sind natürlich die paranetischen Partieen des Grossen Buchs, imter denen die dem Jahja zugeschrie-bene Gnomologie r. 213 ff., und der Sittencodex r. 14, 1—26, 7 hervorragen.1) Letzterer, laut der TJnterschrift r. 26, 6 „Die erste Lehre (\'-!Np Stil©), welche Adam, demHaupt des lebenden Geschlechts, ge-o-eben istquot;, liegt der nachstehenden üebersicht zu Grande. Eine voll-standige Parallele dazu, jedoch im Verhaltniss der Abhangigkeit, bietet

der zweite Tractat r. 34 uit. 48.

Die Grundsatze der socialen Sittlichlceit sind die allgemein semitischen. An die biblischen Analogieen ist im Folgenden gelegent-

lich erinnert. x., v ui -j.

Ehebruch, Diebstahl, Todschlag sind verboten; 14,4; Ehrlichkeit

und Treue auf Handschlag Pflicht; 20,1 „Kaubt nicht von dem

Genossen und steht nicht in Arglist mit eurera Freund. Wer von semem

Nachsten (Sinxn) und Genossen (ssxr-r) raubt, dess Auge wirddas

Licht nicht sehn. Keicht einander eure Rechte und falscht eure Ge-

radheit nichtquot;; — 19 uit.: „Bewandelt gerade Wege («attJIDl

und der Lohn des Tagelöhners übernachte bei euch nichtquot; (niniiSS,

vo-l. lev. XIX, 13); — 14, 14: „Zengt kein Zeugniss der Lüge. Wenn

ilu- richtet, haltet aufrecht und verdreht nicht das Gericht. Als Zeugen

sollen ehrliche Manner zeugen. Jeden der das

Gericht verdreht, wird das brennende Feuer fressenquot;. Kurz21,3.

„Alles, was ihr für euch selber hasst, thut nicht an euren Nachsten.

Beispièlsweise soli man auch über mit Körperfehlern (Niassn

Behaftete nicht lachen (23, 4). ^ , w i

Eine Haupttugend ist Wohlthun: 19,23 ,Gebt Brod, Wasser und Herberge persisch, Nöld. 51) den el enden und verfolgteu

Menschensöhnen, an welche Verfolgung gelangt istquot;; r. 214, 5 „Prmzip deiner Gerechtigkeit (^p-PT und Güte [sei]: Gieb Almosen

1

Beides DocuDiente der Liehtkünigslelire.

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I. Movalische Grundsiltze.

(XpT\'Tj mid Wasser den Hungernden mid Dürstendeu; *) — r. 15 f. „Seht ihr einen Hungrigen so speist ihn, seht ihr eineu Durstigeu so trankt ihu,... einen Nackten so legt an seinen Hals Kleid mid Anzug, denn jeder der giebt nimmt, und jeder der leiht dem wird\'s vergolten, jeder der Alinosen giebt, dem wird das grosse Almosen Heifer sein (eigtl. „Handlialterquot;, xnS? quot;insn \'1 xp-^) ... Wer einen Ge-

fangenen 13) löst, dem geht der Gesandte des Lebens ent-

gegenquot;. — 15, 8 „Seht ihr einen Gefangenen der glaubig und gerad, gebt das Losegeld und lost ihn; mid nicht mit blossein G-old und Silber sollt ihr seine Seele lösen, sondern mit Geradheit und Glauben und dem reinen Wort des Mundes sollt ihr seine Seele lösen von der rinsterniss zum Licht, und vom Irrthum zur Wahrheit ...quot;

§ 45. Im Familienleben ist Gattenpflicht: IS, 8 ,Liebt und versorgt (quot;ISOTS, von 120) einander\'1. — Kinderpflicht: 14, 18 „Ehrt (quot;iSplX) Vater und Mutter, und die alten Brüder wie den Vater. Der Sohn, der Vater und Mutter verachtet, wird am Gerichtstag schuldig erfunden werdenquot;. — Elternpflicht: 22, 15 „Wenn ihr Kinder habt... lehrt sie Weisheit der Wahrheit und lasst sie gerade Wege bewandeln. Wenn ihr es ihnen nicht zeigt und sie nicht belehrt, werdet ihr des Gerichtshofes schuldig; wenn ihr sie belehrt und sie nicht lernen, werden sie wegen ihrer eigenen Simden befragt werdénquot;.

Zum Schutz der Familie wird 20, 13 eingeschilrft: „Brecht nicht die Ehe und hurt nicht und singt (oder „spieltquot;) nicht und tanzt nicht, so werden eure Herzen nicht weggenommen werden durch den Gesang des Satanquot;. Die Dilmonen werden ofter als tanzend und musicirend vorgestellt. Es hangt dies gewöhnlich rait Warnungen vor denFreuden-madchen (Xr.ünsrKT, ambubaiae) zusammen.

Besonders hervorzuheben sind das Gebot der Ehe und das Verbot der Sklaverei.

Ersteres gleich im Eingang: 14,3 „Nelunt ein Weib und bildet euch zu einem Stamm,2) damit die Welt von euch vermehrt (oder

85

1

Nach Norberg\'s Uebersetzung wilre r. 20, 9 und 214, 6. 14 untersagt Zinsen zu nehmen. R. 214 verbietet aber beide Male aucli der Context zo: \'is sniai = usuram (sn\'\'=i) sumere ab aliquo (\'e p) zu verstellen.

2

isassry, vgl. syrisch kannen „einen Stamm bildenquot;; R. 114, 15 heisst es freilich „sei ruhigquot;. Bemerkt sei, dass die Voraussetzung der das eheliclie Leben betreftenden Gebote Monogamie ist. Es heisst niemals: „Nehmt Weiberquot;, immer nur: „Nelimt ein Weibquot;. Man hat kein Recht, mit Petermann die gegenwartig vorkommende Bigamie als eine Einschrankung zu bezeichnen, wobei Kessler noch auf „die jetzigen Vermögensverhaltnissequot; der Mandaer hin-weist, und Vielweiberei als das Ideal des Genza darzustellen. Die Aufforderung sich zu vermehren reicht dazu wirklich nicht hin. Hatte P. nicht ausdrücklich bezeugt, die Polygamie sei „sehr allgemein, doch versicherte mir der Priester,

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

.belebtquot; werdequot;. Der 5. Tractat r. 66 f. ist hauptsachlich

Ermahnung zur Verehelichnng, und weist auf das Beispiel der Fische

und Vögel hin: „zu zweien gelm sie ihm Wasser,.....zu zweien

liiegen sie im Himmelquot;(!), und befiehlt 67, 16: ,Macht Hochzeit euren mannlichen Söhnen und aucli euren weiblicben (snsapis, für: „mann-barquot;) Töchternquot;, das. Z. 20: „so lange ihr verfolgt werdet von diesen Ehelosen und Jungfrauen (Nnxbinsi scbins), Mannern die nicht Weiber, nnd Weibern die nicht Manner verlangen, — wenn ihr euch ihnen zugesellt, werdet ihr in die Hülle (CSliniS) fallenquot;.

Der Sklaverei ist gesteuert durch nachstehende Bestinnnungeu: 22, 7 „Nehmt keine Magd, die nicht freigelassen nnd werft enre Kinder nicht in\'s Hans des Herren (nl. des Sklaven-besitzers). Des Tages, da der Sklav thöricht ist und das Herz seines Herrn ihm zürnt, werden die Vergehen, die der Sklav beging, auf das Haupt seines Taters kommenquot;; — 14, 17 „Liefert tngendhafte ixi-pirD) Sklaven nicht aus in die Hand ihrer schlechten Herren, und unterstellt nicht einen Schwachen einem Starkenquot;; — 1. 103, 7 (Betheuerung einer Seele) „Nicht hab ich den Sklaven in die Hand seines Herrn, noch die Magd in die Hand ihrer Herrin ausgeliefertquot;. — Es bezieht sich das allgemeine Verbot jedoch nur darauf, dass die Mandaer nicht Sklaven sein sollen: r. 387, 14 ist von dein ümsturz aller Verhaltnisse unter den arabischen Königen ausgesagt: „der Vater hat über seinen Sohn und die Mutter über ihre Tochter keine Ge-walt, und der Herr hat über seinen Sklaven keine Gewaltquot;, — auch letzteres ist also nicht wie es sein soil.

§ 46. Das Weisheitselement gelangt besonders in der 6no-mologie zur Geltnng, doch tritt es auch r. 25, 18 schon zu ïage: „Sagt nichts was ihr nicht wisst und was euch nicht offenbar istquot;. Weisheit an sich wird jedoch nicht überschiltzt: 20 uit. „Wenu ihr einen Bösen seht, der weise ist znm Bösen, haltet euch fern von ihm, und werdet nicht weise von seiner Weisheit...quot;

Worauf es ankommt, auch bei guten Werken, ist der rechte Glaube 21, 6 „Seht mit euren Angen und sprecht mit

eurem Mund und hort mit euren Ohren und glaubt mit euren Herzen

er habe nie gesehen oder gehort, dass Einer seiner Glaubensgenossen mehr als zwei Frauen gehabt habequot; (PRE1 324), so diirfte man nach dem einschliigigen Capitel Siouffi\'s (p. 105 ss.) an Derartiges gar nicht denken. Laut Ign. Narr. 37 bezweckt die Polygamie der M. nur, dass alle Manner Kinder und alle Frauen Manner bekommen. Nach „Eeisenquot; II, 116 darf jeder Mandaer 4, ein Priester aber 7 Frauen heirathen. Siouffi hingegen bezeugt p. 73 für Priester sowohl als Laien: ils peuvent contractei\' jusqu\'a un troisième mariage, si la première et la seconde femme viennent de mourir.

86

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I. Moralische Grundsatze.

und thut mit euren Handen Gerechtigkeit und Gutthat, nnd thut den Willen enres Herrn. und den Willen des Satan thut nicht!quot; Gottver-trauen und dein entsprechende Standhaftigkeit werden eingepragt. Jene Mahnrede betont r. 67, 17: srsi xrbs\'ï nmrïsixn

XTinn! Andrerseits: 17, G „Habt kern Vertrauen (NrSïfTn) auf die Künige, Gewalthaber und Kebellen dieser Welt. Nicht auf Macht, Schwert, Streit. . . Gold, Silber u. s. w.- — 14, 22 „üurch den Willen eures Herrn ist jedes Ding nach seiner Gnade (nrinsün) geschrieben und euch gegeben. Wenn Büses an euch gelangt, ertragt, uud seid test in eurem Glaubenquot;; — 20, 17 -Lasst euch Gegürtete nennen in der Welt. Seid fest . . . und ertragt die Verfolgung der Welt, bis ener Mass euch erfiillt istquot;; — IS, 19 „Selig wer da hört uud glaubt!quot;

Ebenso wird auch, bei allem Hinweis auf Lohn und Strafe, die Gesinnung in\'s Auge gefasst, und darauf hingewirkt: 14, 20 „Seht nicht an und begehrt und wttnscht nicht et was, das nicht euer istquot;; — 14, 5 „Salmanas und Glilubige! kehrt nicht urn von eurer Rede und habt Lttge und Falschheit nicht lieb. Habt nicht lieb Gold und Silber und Besitzthum dieser Welt, denn die Welt schwindet und und geht zu Grunde, und ihr Besitzthum und ilire Werke fahren dahinquot;. Und um irdischen Lohn soli es wenigstens nicht zu thun sein: 15, 17 ,.Wenn ihr mit eurer Rechten gebt, so sagt es nicht eurer Linken . . . Jeder, der Almosen giebt und es b\'ezeugt, von dem wird es abgelaugnet und ihm nicht gedacht (angerechnet) werdenquot;.

Wie der Geist, den diese Sittenlehre athmet, so ist auch die ver-langte Gesinnung eine sanfte: 20. 5 „Seid sanft und demüthig, und lasst euch Erprobte, Gerade und Gliiubige nennen. Habt einander lieb in Aufrichtigkeit (x-JOira) ...quot; Es ist von jeher kein streitbares Volk gewesen, sondern eins, das am liebsten ruhig seinem Tagewerk nach-geht, welchem die Regel galt: 25, 20 „Riistet euch mit der Waffe, die nicht von Eisen ist. Eure Waffe sei das Nasaraertlmin (xmiSïN:, cod. BD. ; ebenso 48, 9) und die geraden Reden des Lichtorts.quot; — Gleichmuth ist die gewünschte Stimmung: r. 1G, 17 ..Hass, Eifersucht und Zweifel sei nicht in euren Herzenquot;.

Erinnern wir noch eimnal an die Umspannung dieser ganzen Sittenlehre durch das religiüse Verhiiltniss, so wird man beistimmen, dass die mandaische Moral den Vergleich mit der besten in der Welt nicht zu schenen braucht, und nur bedauern, dass Socin den heutigen Mandaern kein besseres Zeugniss ausstellen konnte, als dass sie „Diebe und Lügnerquot; und eines Meuchelmordes sehr wohl fiihig seien (ZDMG. XXIV, 463). — Militiirdienste thun sie nicht (Pet. Reisen II, 121).

87

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

II. Religiose Yerpflichtungen.

§ 47. Unter deu Vorschriften, welclie das religiose Verhültaiss besonders zum Ausdruck bringen. begegnen uns in erster Stelle die Verbote des Götzendieustes, der Zauberei und Wahrsagerei, sowie die Warnung vor Meineid: 14, 8 „Anbetet nicht den Satan und die Fatikra\'s (s. S. 43, Anm. 2) und die Bilder und die Irrth(luier und das Wirrsal (XIBJ1\'©) dieser Welt. . . Lernt nicht die Zaubereieu des Satanquot; (Z. 14 iocnxrO; — 20, 10 „Geht nicht zu deu

Wahrsagern und Kaldilern der Lüge, die in

Finsterniss wohnen.\') Schwürt nicht Eide der Lüge und verdreht eure Eide nichtquot;.

Jedem Mandaer, der zu den Jahren des Verstilndnisses gelangt ist, liegt die regelmiissige Theilnahme an dom sonntaglichen Gottesdienst ob. Darauf bezieht sich namentlich die grosse Be-schwörung r. 2S4 it\'., wo diese Verpflichtung folgendermassen spe-cialisirt ist; 285 f. „Alle wassergetauften (si» Mandaer und

Mandaerinnen und Glaubige beiderlei Geschlechts und ihre Söhne und ihre Tucht er, die sich ihrer selbst bewusst sind (iWNffiEN: soitf\'n), die ihren Herrn lieben und dem grossen Ersten Leben Zeugniss geben,... die im Jordan getauft und mit dem Zeichen des Lebens bezeichnet sind, die zum Tempel gehn, und im Antlitz des Tages und am Sonn-tag in schoner Ordnung stehn uud Anbetung verrichten und hinter meinen Friestern (quot;\'irpmxr stehn, und nehmen und sutsid

ausstrecken und SB1S3 von (oder „mitquot;, ia) einander nehmen,\'2) uud ihre Sohne und ïochter taufen und sie das Zeichen des Lebens nehmen lassen, und den Glauben des grossen Erstens Lebens in ihre Herzen niederlassen,3) der Bedürftigen sich erbarmen, und Mitleid haben, und die ihre Frauen und Söhne und Töchter im Antlitz des Tages zum Tempel schicken, und Dienste verrichten, und das Al-mosen4) in ihren Hausern nicht ungethan lassen und [es] zum Tempel bringenquot;.

88

1

sraisss von — Kaldaer: über babylonische Astrologie zur Zeit der Sasaniden vergl. Nöldeke\'s Uebersetzung und Erlauterung des Tabari (Leyden 1879) S. 412 f\'.

2

Ueber alle Einzelheiten unten Nilheres.

3

Die Verantwortlichkeit der Vilter für die Simden ihrer Kinder •wahrt nach r. 301, 9 ff. auch in Ansehung der Religionspflichten bis zu deren fünf-zehntem Lebensjahr. Also wie bei den Moslem, und ehedem bei den Parsi.

4

Der Betrag des sp-rr ist ein bestimmter: r. 220 uit. „Wer nicht daa gunze Almosen geben kann, soli die Hiilfte (od. „einen Theilquot; s;;ss) des AI-mosens gebenquot;.

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II. Religiose Verpflichtungen.

Ferner kommt hier die der Priesterscliaft gebiihrende Ehrerbietung iu Betracht: r. 20, S „Seid demüthig bei (nsib) den rechten Lehreru die euch die Weisheit der Wahrheit lehreu. Erhebt euch uicht iiber sie, so nehmt ihr keinen Makel auf eure Seelenquot;.

§ 48. Abtrüunigen soil man audi im Wiederholungsfall Lang-muth erweisen: 22, 20 „Weicht Jemand einraal ab (©i;y x:2,7;

parall. 43, 22 ein Böser ans eurer Mitte nnd von dem Wort seines Herru), richtet ihn wieder auf und unterstützt ihn! Weicht eiue Seele (par. „ein Weinstockquot;) zweimal ab, richtet u. s. w. Weicht eiue Seele dreimal ab, richtet u. s. w.; uud lasst sie horen Schriften und

Worte und Bitte und Lobpreis eures Herrn. Aber stiltzt ihr ihn und er lüsst sich nicht stützen, |so] rottet den schlechten Weinstock aus und bringt einen guten [und] pflanzt [den] an seine Stelle. Denn man rief in seine Ohren und er hörte nicht, man zeigte seinen Augen und er sahe nicht...quot;\') Die Mandiler appliciren diese Stelle heu-tigen Tags auf die Beichte, vgl. Siouffi 91 s.

Auf eine Verbreitung der eigenen Religion unter der übrigen Menschheit haben die Mandiler grundsiitzlich verzichtet\' (Siouffi 76: „aucun étrauger ne pouvant Gtre admis dans la religion des Soubbasquot;). Audi im Genza herrscht die Neigung,. eine besoudere, in sich abgeschlossene Gemeinde zu bilden, vor. Indessen wird fur einen besonderen Fall der Bekehrungsversuch empfohlen: r. 15, 2 „Von jedem, der die Bösen und Patikra\'s und Bilder anbetet,

haltet euch fern; seid nicht seine Freunde. Wenu ihr ihn [aber| sucht und liebt, [so] lasst ihn horen Schriften und Worte und Lobpreis, die euer Herr euch gegeben hat. Wenn er hurt und glaubt und dem erhabenen Lichtkönig — dem Gott der von sich selber entstand — Zeugniss giebt, so liebt ihn und lasst ihn sich euch nahern, und Alles was euer ist lasst ihm zu gute kommen. Wenn er nicht hort und nicht Zeugniss giebt und nicht glaubt, wird er wegen seiner eigenen Silnden I post mortem] befragt werdenquot;. An Missionsreisen ist bei dieser Vor-schrift keineswegs gedacht. Die Redensart „wenn ihr .. . sucht und liebtquot; steht r. 19, 15 audi in Beziehung auf Verstorbene, deneu man etwas zu liebe thun müchte. Also nur für den Fall, dass man mit einem Andersglaubigen freundscbaftlichen Verkehr zu unterhalten wünscht, soil man den Versuch machen, ihn zu bekehren. R. 2SS, 4 ff.

89

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QO Drittes Capitel. Das religiose Leben.

ist dies dem uiandaischen Theil in gemiscliter Ehe ausdrücklicli zur Pflicht gemacht. Die SinïSb sind namlich unreiu, vgl. § 54.

Schliesslich ist hier uur noch an die oben S. 85 erbrachte Er-mahnung zum Loskauf der Seelen zu erinnern.

III. Religiose Sitte.

§ 49. Sonn- und Feiertage. Im 2. Tr. r. 56, 12 heisst es vou den Christen: SOTuX: snxcnxnn „Und ihr Fest beobachten

sie am Sonntagquot;, wie wenn das nicht auch mandaischer Branch ware. Als soldier ist die Sonntagsfeier erst in den jüngsten Bestandtheilen des Genza bezengt. So in der § 47 angezogenen Stelle, ahnlich 1, 37, 14 nnd noch einige mal in der Beschwörung, wo r. 288, 9 als eiu Artikel des mand, Bekenntnisses statuirt wird, dass der Sonntag „alterquot; sei als der jttdischc Sabbat (snssffl); ferner 1. 101, 4: „Da dei-Sabbat (noch immer heisst der 7te Wochentag xnSNü, Sionffi 143) ausging am Abend, da der Sonntag zum Guten eintrat, nahm ich Almosen in meine Arme und begab mich zur Pforte des Tempels (K\'DÜSïï)quot;, und vielleicht sonst noch vereinzelt in dieser Gegend des Grossen Buches.

Der Sonntag, den die Mandaer also im Gegensatz zu dem Sabbat des Judenthums in Ehren halten, führt den Namen xnsitasn, was nnr eine Zusammenziehung aus ^ (matth. XXVII1, 1) sein

kann. „Wochequot; heisst bei ihnen, wie bei den Persern, xrsxn (Sionffi, p. 142). Der erste Wochentag wird durch Enthaltung von aller Arbeit (nach Petermann, Reisen II, 459, von den Laien in diesem Punkte nicht streng) und durch den Gottesdienst, wobei die Priester aus den heiligen Schriften vorlesen, gefeiert. — Dem Hibil-Ziwa ist der Donners-tag geweiht, jedoch ohne irgendwelche Feier. So Sionffi 143, Petermann a. O. 459.

Andere Feiertage oder Festzeiten sind in den Tractaten des Genza nicht erwahnt. Nur wird r. 228, 6 gedroht; „Jeder nasoraische Mann, der am ersten Tag des neuen Jahrs S5n~i\',TSquot;i) Wasser aus

einem Jordan schöpft und davon tnnkt und sein Antlitz salbt, wird ein Antheil der Enha und Antheil des Msiha sein, und von den Sieben in ihrem Antheil gefunden werdenquot;.\') ■

1) Nach Peterm. Reisen II, 460 dürfen die Mandaer am Neujahrstag nicht aus dem Hause und namentlich nicht an das Wasser gehn, weil an diesem Tag die dasselbe behütenden, wie überhaupt alle Engel in die Lichtwelt auf-

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III. Religiose Sitte.

Einstimmig bezeugen Petermann (Reisen II, 460 f.) unci Sioufll (p. 100 ss.) niiclistehencle Teste:

1) Das Neujahrsfest, sn* n--s: (Pet. Newrus rabba, Nawruz ist persisch „Neujahrstagquot;); Dauer: seclis, odev wenn man den Altjahrstag, der nach Siouffl ein Fest für sicli bildet, mitzahlt: sieben Tage. Das mand. Neujahr fiel 1875 auf den 20. August.1) Die Mandaer rechnen 12 Monate zu je 30 Tagen; zwischen den S. und den 0. Monat werden filnf Schalttage intercalirt.

2) Feier der Rückkehr des Hibil-Ziwa aus der Unterwelt (so Siouf\'fi: n--quot; srari; Peterm. weiss nur den Namen „Tinnaquot;). Dauer: 5 Tage; Anfang am 18. des 4. Monats.

3) Das Tauffest an den 5 Schalttagen, also i. J. 1876 vom 16.—20. April. Der Name ist nacb Siouf\'fi kbise oder s-jis-j, nach Peterm,: Pantscha oder Farvanajja. Nach Ign. Narr. p. 16 wflrde es zum Gedachtniss der Taufe des Johannes begangcn. Der erste Tag ist nach Siouf\'fi dem Anös-Utra geweiht.2)

4) Ein viertes Fest am 1. Tag des 11. Monats, bei Siouffi sistp-genannt. Ein mandaisches Himmelswesen dieses Namens Dei mono (Siouffi 103) giebt es nicht. Demana (= nmana) ware persisch „Hausquot;, „Wohnungquot;.

5) Siouffi allein nennt noch ein eintagiges Fest am 1. Tag des 5. Monats: k:squot;-s*: geheissen. Eine Art Todtenf\'est, auch zum Gedachtniss an die im Rothen Meer ertrunkenen Genossen des Pharao (vgl. darüber § 89 und Beil. K).

§ 50. Kleidung. Die Mandaer sollen sich ganz weiss tragen: 25, 12 „Bekleidet euch mit Weissem und bedeclit euch mit Weissem, iilmlich (I13quot;ia) den Ivleidem des Glanzes und den Gewandern des Lichts, und setzt weisse Burzinqa\'s (Nöld.2ü) auf, iilmlich den prangenden Kronen (Nijiba), und bindet Gürtel des lebenden Wassers

uiu, welche die Utra\'s inn ihre Lenden binden, und zieht gespaltene(?) Stiefel (Nipi-o S^SOü) an, und nehrnt Margna\'s (Priesterstabe3)) in eure Hilnde, gleich den Margna\'s des lebenden Wassers, welche die Utra\'s nehmen am Ort des Lichts.quot; Die Drohungen gegen jeden, der „weisse Kleider fiirbtquot; und sich selbst oder seiner Gattin dieselben

91

1

Sc Siouffi 141. Petermann\'s abweichende Kalenderrechnung ist schon desshalb verwerfiich, weil bei derselben das Tauft\'est Bnde August fiillt, welchem er doch selber in dem Zeitraum von Endo Januar bis Antang Mai 1854 an-gewohnt hat.

2

Der 2. dem \'i ssVjj\'b, der 3. dem -ssïs:-, der 4. dem s:- asa:, der 5. dem san osinsa.

3

ist nach Nöld. 173 auch Plural zu Nrv-rwst: = na^yccQUtj?. Stiinde es hier etwa in dieser Bedeutung, so ware an die ,,Rosenkranzequot; zu erinnern, die Peterm. Reisen II, 120 bei vielen Angehörigen der mand. Gemeinde in Süq bemerkte. Für die Aufi\'assung als „Priesterstabequot; spricht indessen hier der ümstand, dass das Margna den Todten links auf\' das Rasta bef\'estigt wird, s. Siouf\'fi 123.

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

auzieht, sogar gegen jedeu ,,der auf gefarbtem .Zeug sitzt, oder den Kopf darauf legtquot; lauten auf ewige Verdammniss. „Nach LGötzeu-| bildern und gefarbtem Zeug (iOï-Qiï) dieser Weltquot; zu gelüsteu, ist gleichmassig sündliaft (r. 229, 1—8).

Heutzutage, da die Moslem die weisse Kleidung sich allein vorbehalten liaben, tragen die M. sich nicht mehr weiss, sondern die Kutten meist von brauner Farbe. höchstens noch (aber nicht immer) weiss gestreift. dazu ein farbiges Kopftnch mit darumgebundenem Strick, ganz wie die Beduinen und Fellahs jener Gegenden (Peterm. Reisen 11, 120). Weiss ist aber noch das Easta (Nrcsi): die priester-liche Kleidung , worin audi die Laien znm Tauffest, zur ïrauungs-ceremonie (Sioufli 107), zum Masiqta (ebd. 97) erscheinen, und worin endlich jeder Mandaer bestattet wird. Die Priester milssen das Haar wachsen lassen und tragen es geflochten (vgl. Stellen wie r. 178, 10). Zu allen gottesdienstlichen Handlungen erscheinen sie barfuss (Peter-mann a. O. 127, PRE1 323).

S 51. Tiigliche Gehete. K. 14, 1: „Lehre sie Bitte (8ÏT1S) und Lobpreis, dass sie aufstehn und den Herrn aller Weiten preisen drei-mal am Tag und zweimal in der Nacht.quot; Dagegen r. 300, 2: „Belehre die Nas. u.s.w. und sage ihnen über Bitte und Lobpreis ... und nicht sollen sie es beten in Nacht und Finsterniss und zu der Zeit, da er die Gehete verbirgtquot;.\') Die Folge der Nichtachtung dieser Vorschrift würde Aufenthalt (der Gehete?) im Haus des Abatur sein, bis dass die grosse Pforte des Abatur, resp. die Pforte des iOquot;n geöffnet vverde; dann erst (Z. 9) „steigt Bitte und Lobpreis empor zu seinem Ort, u. wird verborgen an dem Ort, woher es gekommenquot;. Endlich r. 222,1: „Wenn ihr aufsteht von eurem Schlaf und betet (tOIPr Nöld.

397 f.) das Gebet (x^nsi): wann ein Schimmer (ansibs) des Glanzes sichtbar ist betet! (quot;in ist hier ausgefallen). — Ferner betet Cpa) zu den sieben Stunden (221 uit. „das Gebet der sieben Stundenquot;). — Ferner, wenn ihr betet das Gebet von abends: bis dass die Strahlen stehn betet! Der Mann. der die Strahlen verbirgt, nimint eure Gehete in Empfang und bewahrt sie im Schatzhaus des Lebensquot;.2)

92

1

N-D2-: s:s-y. Die Lesarten von BCD etc.) befürworten, s-ss-: refiexiv zu nehmen (mit assimil. p), woraus jedoch eine Inconsequenz zu dem pluralischen x-ans- entsteht. Es ist vielmehr ein Subject „erquot; zu sup-poniren, nl. jener „Mannquot; den die nachste Stelle (r. 222, 4) erwabnt. Bei Z. 9 sei daran erinnert, dass nach mand. Auffassung Bitten, Lobpreis u. s. w. aus der Lichtwelt stammen, vgl. z. B. r. 15, 4; 108, 17 ff. (oben S. 81, 89).

2

Z. 4 s-anst-i und ■pi-oss1: Hier liegt vielleicht die § 31 mitgetheilte Ansicht von den Strahlenkreuzen zu Grunde. — Für „Gebetquot; und „Gebetequot; bat der mand. Text in obigen Stellen jedesmal scarsquot;.

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HI. Religiose Sitte.

Die von Peternmiin (Reisen II, 459) luitgetheilte Meinung, class man von Adam bis auf Abraham jene fünf Gebete gehalten habe, tlann bis auf Joh. d. Tilufer noch die drei ïagesgebete, seitdem aber nur Morgen- und Abendgebet, ist wahrscheinlieh ein Fund mandaischer Hannonistik zu obigen Stellen. Schliesslich bezeugt P., auoh die letzten zwei Gebete seien heutzutage fast gf.nz auf den Sonntag beschrankt. Siouffi 86 weiss nur von den Tagesgebeten. Zum Morgengebet sollen, nach r. 301, 10, die Viiter ihre Söhne unter 15 Jahren „aus ihrem Schlaf aufrüttelnquot;.

§ 52. Fasten, li. 16, 12: „Fastet das grosse Fasten, das nicbt vom Essen und ïrinien der Welt ist. Fastet eure Augen vom Blinzeln und seht keine Schleclitigkeit [an]; fastet eure Ohren vom Lauschen an Pforteu, die uiclit euer sind; fastet euren Mund . . . . eure Haude . . . eure Leiber.... Kniee .... Füsse .... und lasst niclit ab, bis ihr aus euren Leibern ausgehtquot;. gt;) Dazu vergleiche man die Polemik gegeu die Fasten der Christen (unten § 79), z. B. 1. 35, wo die Matarta der liuba d\'Qudsa bevölkert ist mit den Fasten-den beiderlei Geschlechts „die ein Fasten des Frevels fasten und Verneigungen der Lüge verrichten, diese die hungern nach Brod u. nicht essen, und nach Wasser dürsten u. nicht trinken, u. in ïrauer und Klage sitzen und den Kopf hilngen lassen ■piNC\'n) und

keinen Gruss gebenquot;. 1)

Diesen Texten gemass berichtet Petermann a. 0. 459, dass die M. das Fasten ganz verwerfen, und nur aus Furcht vor den Moslem sich den Schei n geben, ein zehntagiges zu halten. Anders Siouffi, der darüber p. 103 ss. ganz ausführlich referirt. Zwar bestatigt auch er: „le jeüne naturel est défendu chez les Soubbasquot;. Dafür aber haben sie Tage, welche \'-sus:2; (pron. Mhottol, part, pael von i. d. Bed. „einstellenquot;) genannt werden. An diesen diirfen die Priester nicht schlachten, und wenigstens an Einigen derselben ist auch der Fleischgenuss verboten (p. 104 s.). Im Ganzen nennt Siouffi sechs solcher „Feiern\' von je einem Tag, zwei von zwei, und je eine von 3, 4, 5 und 14 Tagen alljahrlich.

§ 53. Speisegesetz. E. 18, 3: „Esst nicbt das Blut der ïhiere, kein ïodtes u. kein Triichtiges u. kein Erschlagenes u. kein Stehendes (?, die Par. 38, 19 filgt hinzu xbamp;swnsbl), uud Eeins, das ein Kaub-thier überfallen hat. Sondern was mit Eisen geschlachtet ist, und spiilt ab, u. wascht u. reinigt (quot;ipxr STSI bibxm) u. kocht u. esst [es]. Esst u. trinkt nicht vom Haus der zwölf Pforten (d. h. was Anders-glaubige zubereitet haben; zu dieser Bed. von iKCnn vgi.

r. 288,4 if.), [die] sind alle voll des Unreinen u. Hiisslichenquot;. Dazu r. 248,1:

93

1

Dies trübselige Dasein ist nicht etwa die Strafe, welche erst Z. 11 an-gegeben wird.

2

Vollstandig bei Peterm. a. 0. 549 in ziemlich freier Uebersetzung.

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

„Alle Früchte u. Werke, die Ptahil gemacht, hat er für Adam ge-schaffem Xquot;a), und Prucht u. Traube u. Baum u. Gevögel u. Landgethier ii. Meeresfisclie, — esst davon und gebt Almosenquot;. Weiter heisst\'s hier. dass Adam erst nach Empfang des Gesetzes Ncrri: zu essen anling; dann Z. 10: „Es soli ihm leein Schaden erwachsen eigtl.

„es soli ihn nicht stechenquot;) in dieser Welt n. all seinen Nachkümm-lingen wegen der Prüchte, Trauben u. Baume u. Arögel u. Fische im Meer u. des Landgethiers, des mannlichen und des weiblichen (SIDST die Ptahil für ihn gemacht bat (nbilSiE\'quot;.

Nach Petermann (a. O. 121) und Siouf\'fi 111 s. halten die M. gegenwürtig von vierfüssigen ïhieren uur mannliche Lilmmer (8.; überhaupt Widder) für erlaubt, ausserdem Hühner und gewisse (P. alle) Arten von Fischen u. Vögeln (S.: keine Kaubvögel, auch nicht die sicb von Geschmeiss nilhren, wie Storcli u. Nachtigal). Siouffi theilt noch mit, dass auch Messer und Gabel verboten seien (p. 74, n. 1).

Das Schlachten (o::) bildet einen religiösen Act, den ansser den Priestern nur bestimmte, von diesen zugelassene Schlachter vollzieben dürfen.\')

Von Fremden zubereitete Speise ist unrein: r. 307, 12 „Anf-steigen werden die Seelen der NasOraja\'s, die die Speise der Erden-söhne (b^r nicht gegessen, sich nicht mit Unreinem

verunreinigt, und Sclüefheit u. ünreines nicht |zu sichl genommen haben . . . quot;; — r. 300, \'20 „Wer Wein tri niet in der Bude, den wird man mit Sagen der Finsterniss zersiigen.quot; — Nach Siouffi 115 darf der M. nicht mit Premden zusammen speiseu, und auch auf Reisen des fremden Land es Brod und Butter nicht essen, — Fleisch aber nur, wenn er das Thier im Beisein eines Glaubensgenossen selber geschlachtet hat.

Alles Geschlachtete bedarf noch vor der Zubereitung einer sorg-faltigen Ahwaschung: r. 18. 5 (s. oben); 68,3 ..Ich belehre euch üher die Thiere u. s. \\v.; diese schlachtet u. wascht u. reinigt u. spült ah, u. Icocht u. „fragtquot; darob (\'by b^^NC. nl. um Gottes Segen1)) u. esst, so wird euch darob keine „Pragequot; seinquot; (d. h. so werdet ihr darüber nicht zurVerantw. gerufen werden). — Alle ge kan f te Esswaare ranss abgespült werden: r. \'22-1, 20 „ . • • alles Ding, das ihr [heim-]bringt von Markten u. Strassen, spült mit Wasser ab und esst! Denn wer

II1

1

Den Wortlaut des jetzigen Tiscbgebets bringt Siouffi p. 86. Es lautet: „Der Name des Lebens und der Name des M. d\'H. ist genannt über dir, o Wohlthat des Jawar Ziwa und der s—rt ps\':-:!quot;

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III. Religiose Sitte.

nicht abspült, und isst, wird auf die Instrumente der Kalte gehaueu werden.quot;\')

§ 54. Ileinigkeit. Die Hauptpunkte sind in der Stelle r. 234,10 f. enthalten: „Von (der Andersgiiiubigen) Speise sollt ihr nicht essen, und eure Hiinde sollen nicht durch Blut verunreinigt werden , xcxbquot;1:), und den Mund der Ungetauften sollt ihr nicht küssenquot;.

Ablutionen. Keinigkeitsbad und Taufsacrament lassen sich nach den vorliegenden Berichten nicht unterscheiden; ebenso wenig giebt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Selbstlustration und Taufe durch den Priester. Nach Siouffi S3 hat der Mandaer erstere vorzunehmen: tous les jours de dimanche et de fête, lorscju\'il désire évityr de se faire donner le baptême.

Indeni wir das Ritual dem nachsten Abschnitt vorbehalten, mögen hier die Gebote, welche dasselbe überhaupt nicht berühren, folgen.

Genza r. 14, 3; „Wenn ihr euren Gattinnen beigewohnt habt, so wascht euch mit Wasser ■po) und reinigt euch (pDiNüSW quot;p^XTi)quot;; — r. 300, 22: „Wer bei seiner Gattin schliift u. sich nicht mit Wasser wascht, wird im Bauch des Lwiatan gefunden werden. Jede Frau, die sich nicht mit Wasser wascht, wird Schlag auf Schlag geschlagen werden; der Wachter des Lichts wird sie schlagen uud 1301] sie wird vom Lichtort abgeschnitten werden. Sie (fem. pl.) fluchen dem reinen Namen und der Ader ohne Ende. Jeder der, wiihrend seine Gattin sich von der Unreinigkeit und Menstruation wascht, an jenem ersten Tag bei ihr schliift, dess Name wird vom Hause des Grossen Lebens abgeschnitten werden ...11

Diese den alttestam. (lev. XV, 18f.) aualugenVorschrif\'ten sind die einzigen, deren das Genza speciell Erwahnung thut. Viel zahlreieher sind die von Sioufli p. 70 s., S3 s. und 116 aufgezahlten Fitlle, in denen die Taufe, liezw. Selbsttaufe oder Vollbad, bei den heutigon Mandaern für obligatoriscli gilt. Einiger-inassen geordnet, sind die sammtlichen Fiille in nachstehenden Punkten zu-sammenget\'asst; 1) an Sonn- und Pesttagen, gewöbnlich auch Tags vorher (z. B. am Altjabrstag u. am 17. des 4. Monats); 2) zu den priesterlichen Weihen, zur Trauung und zu allerlei religiösen Handlungen; 3) nach der Berübrung eines Religionsgenossen, der sicb im Zustand der Unreinigkeit befindet2), eines noch ungetauften Mandaerkindes, des Leichnams eines Religionsgenossen; 4) nach der Berührung eines (lebenden) Fremdlings; 5) nach dem Genuss unreiner Speise, d. h. des Pleisches von nicht ordnungsmassig geschlachteten Thieren

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1

ti\'-s;1; s-is\'s Nach Siouffi p. 128 zu urtheilen wird dieses sss\'s von der jetzigen mand. Interpretation in der Bedeutung „Kleidquot; genommen („habillement de glacéquot;).

2

Weiter ausgedehnt bei Lycklama: Hat man ein Haus betreten, in wel-chem desselben Tags eine Frau niedergekommen ist, so muss man vor der Heimkehr in\'s eigene Haus sich baden.

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

und jeder Esswaare, die von Fremden envorben und ungewaschen geblieben ist; ö) -wenn solche Berührungen und Genüsse als wahrscheinlich vorausgesetzt werden müssen, also bei der Heimkehr von einer Reise, von einem Gang durch den Bazar, aus dem Gefangniss; 7) nach dein Biss eines wilden Thiers; S) nacli jeglichem Blutverlust; 9) nach jedweder Ausscheidung von Excrementen, ürin, Samenerguss; 10) nach jedem Arzneigenuss, so wie nach überstandener Krank-heit; 11) nach Anwandlungen von Furcht oder Schauder; 12) wenn man anders als durch rituelles Schlachten ein Thier getödtet hat. Dazu kommen 13) die Kindertaufe, und 14) eine ïauf\'e der Sterbenden, denen, in sitzender Haltung, erst warmes, dann kaltes Wasser über den Kopf gegossen wird (Siouffi p. 121). Aus Petermann\'s R. 11,117 ist hinzuzufiigen 15) eine Taufe der Wöchnerin 40 Tage nach der Niederkunft,\') was auch Lycklama (bei Siouffi p. 200) bezeugt. Die von Sioulfi erwiihnte Taufe nach Ablauf der ersten Woche des ehelichen Zusammenlebens filllt mit der sonntiiglichen zusammen. Wilhrend jener Woche gilt das junge Paar für unrein (p. 110).

IV. Cultiishandlimgen.

§ 55. Ein besonderes Wort für die Cultusliandlimgen im engeru Sinn hat die mandaische Sprache nicht. Das r. 226, 5 vorlcorainende N bedeutet überfiaupt „Werkequot;, und steht auch für die Sacra-

inente fremder, falscher Eeligionen. Ausschliesslich den letzteren gilt die Bezeichnung „Heiligthümerquot;.

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ünter den Ceremonieen der mand. Religion kann die Selbsttaufe, trotz der umstandlichen Anordnung der verschiedenen dazugeiiörigen Abwaschungen, ziemlich einfach absolvirt werden. Das ..sich mit Wasser Waschenquot; der dnrch geschlechtliche ümstande Unreinen, wovon beispielsweise Siouffi einmal (p. 116) aussagt: „après avoir consommé l\'acte conjugal, le mari emmène sa femme, et ils vont ensemble, pendant la nuit, se baigner au fleuvequot;, ist schwerlich in aller Umstilnd-lichkeit oder nirgends anders als an der gemeinschaftlichen Cultus-statte zu denken. Wenn also derselbe andern Orts erklart, die Taufe werde durch jegliche ünterbrechung, wie durch irgend einen nattir-lichen Zufall, durch jeden Verstoss gegen das Ritual, ja durch das geringfügigste Versaumniss ungültig, so dürfte diese Regel wohl nur dann mehr oder weniger streng genommen werden, wenn, wie bei der sonntiiglichen und der Kindertaufe, die Handlung üffentlich und durch den Priester vollzogen wird. Nur von einer solchen Taufe ist nach r. 285 f. anzunehmen, dass sie gerade an der Cultusstatte stattfinden müsse. Ja, auch dazu ist die Niihe des Tempels wenigstens nicht

1) Also wie lev. XII im Falie der Geburt eines Knaben anordnet.

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IV. Cultushandlungen.

durch die Umstande geboteii. da die Ingredienzen der heiligen Speise imd Salbung in den Wohnungen der Priester aufbewalirt werden. Indessen lassen die Genzastellen r. 2S5 f. nnd r. 44, 3 erkennen, dass ehedem der sonntagliche Gottesdienst, die Predigt oder Vorlesuug sowohl als die Cultushandlung, in allen Gemeinden stets vor dein Tempel stattfand.

Der mand. Tempel, „Wolmungquot;, ist nur fiir die Priester

und ihre Gehülfen bestimmt, nnd darf wilhrend des Gottesdienstes von keinem Laien betreten werden. Petermann bescbreibt (Reisen II, 116) den Tempel von Süq als im höclisten Grade kunstles. Aus Kohrbündeln, mit einer Lebmscbicbt überzogen, dargestellt, war der-selbe bei Mannsböbe nur S Scbritt lang und 5 Fuss breit, au der südlicben Liingsseite der enge, tbürlose Eingang. Im Innern Nicbts, als nur in den Ecken Bretter um etwas darauf zu stellen. Sioufli giebt die Grundflilche auf nahezu 5x4 Meter au, erwabnt eine stets geöffnete Thür nebst zwei Fenstern, und constatirt, dass ein Tempel alljahrlicb vor dem Tauffest der erneuten Weihe bedürfe (p. 118 ss.). Durch einen Kanal wird Wasser vom Fluss hergeleitet, und zwar, uach Sioufli, in ein zur Seite des Tempels ausgegrabenes Bassin, welches immer voll sein muss. Die Taufe tindet jedoch nicht in dem-selben, sondern in dem Wasserlauf statt (Peterm. a. O. 463 „Flussquot;). Wichtig ist noch Petermann\'s Angabe: „Wilhrend alle alulern Gebiiude platte Dacher haben, so batte dieser [Tempel] gleich den Kirchen des Orients ein Giebeldach\'1.

Die Meinung P.\'s, dass der Tempel in Süq derzeit der einzige der mand. Genossenschaft gewesen sei, ist wohl irrig. Der einfache Zweck, die geringe Bedeutung und die leichte Construction gestatten und ermöglichen jedem Priester und jeder Gemeinde, sich nach Be-dürfniss einen „Tempelquot; zu errichten. Die Weihe anlaugend, wird sich unten herausstellen, dass dieselbe einfach darin besteht, dass ein Vorrath des höhern Pehta darin zubereitet und deponirt wird.

Die übrigen Cultushandlungen schliessen sich grösstentheils an die Taufe an und sind mit derselben in eine Ceremonie combinirt.

„Mit der Taufe ist jederzeit zugleich das Abendmahl verbunden-. So Petermann PRE1 323, wo nur an die vom Priester ministrirte zu denken ist, und die Kindertaufe selbstverstilndlich eine Ausnahme macht. Im Genza erscheinen die Elemente der Communion r. 17, 20 mit der Taufe verbunden, nl. Pehta (das Brod) und Mambuha (der Trunk). Mit diesen Zweien, die r. 224, I alleiu zusammenstehn, werden noch andere Dinge in einem Athem genannt. Zunilchst r. 37, 14 das Misa (Oei), andern Orts das Kusta (r. 289, 19; 362, 2). Der Be-schwörung gemass besteht die Sonntagspflicht der Mandaer aus fol-genden Stücken: hinter den Priestern stehn. Gehete und Anbetungen

Brandt, Mandaische Religion. 7

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

verrichten, ferner x-bpxir xrrPE, und p XBINb

X^-X-n (r. 285, 15. 24; 2S7, 24).

Die Trauung lassen wir. weil das Hochzeitsformular uns nicht zu Gebote steht und die edirten ürkunden darüber schweigen, un-erwahnt. Aus letzterem Grund auch die Priesterweihe und das Leichenbegangniss. Zu den beiden Erstgeuannten gehören wiederholte Taufen.\') üeber das Masiqta ist § 42 das Nöthige gesagt worden.

§ 5(). „Euer Zeichen ist das Zeichen des lebenden Wassers, durch welches [Zeichen] ihr aufsteigt zum Lichtortquot;. In diesem Wort (r. 18, 13) sind zugleich der Ch arak ter, die ïragweite und die Grund-bedingung des Taufsacraments angegeben.

Die Taufe ist das Wahrzeichen der Zugehörigkeit zu dem „Ge-schlecht des Lebensquot; (r. 3:33, 17), welches auf Erden die mandaische Gemeinde bildet und ara Orte des Lichts sich wieder zusaramenfindet. Dein GEubigen ist sie das Unterpfand seiner künftigen Seligkeit. Noch nicht getaufte Kinder gelten nicht für Mandaer.1) Abtrünnige sind die „welche sich vom Jordan abwendenquot;.

Eine richtige Taufe, eine srvassï! (Siouffi: masouatta), ist nur die, welche in „lebendein Wasserquot; stattfindet. Der Mandaer ist ent-rüstet ob des christlichen Branches, „mit abgeschnittenem Wasserquot; zu taufen (r. 57, 1 ITpiCS 50533). Soldi Taufwasser ist einem Jordan gestohlen und verunreinigt. Nicht ein einziges Mal entschlüpft den Autoreu des Genza für die damit vollzogene christliche Taufe der Ausdruck „inasbutaquot; oder das Zeitwort N3S. Dafür verwenden sie immer nur die Ausdrücke der syrischen Kirche. So r. 226, 5: „Sie verdrehen die Werke des fremden Mannes (= Manda d\'Hajê) und graben ein Wasserbecken in die Erde:r) und stehlen Wasser vom Jordan und kochen es mit Feuer und giessen es in das Wasserbecken und lassen Manner und Frauen hinabsteigen. Wie Gesandte (ïorpbffi ID, — .Apostelquot;) und mit Wasser „taufenquot; sie sie (\'pnbi-iittiCE). Und von diesem

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1

Sogar die Eltern dürfen solche nicht kussen, und im Todesfall werden sie nicht religiös bestattet. Hire Seelen fahren sogleich in den Rachen des ür (Peterm. a. O. 116 f.). Fromme Nictt-Mandaer entrinnen höchstens der Ver-dammniss, Glückseligkeit erlangen sie nacli dem Tode keinenfalls; so Siouffi p. 86 f., angeblich nach Drasê d\'Jahja.

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IV. Cultushandlungen.

Wasser lassen sie sie trinken und nermen den Namen des Todes i xriïïT Xülü) über ihnen . •. „tanfenquot; sie, und nennen über ihaen den Namen des Msihaquot;. Es ist dies die ^ der Scliande

(xirni r. ;362, i, s. § 72).-

Denen, die schon zur mand. Gemeinde geboren, bewirkt die Taufe im Verein mit den andern Sacramenten, ausser der Bestandigimg in dieser Zugebörigkeit, die Vergebung ihrer Sünden, r. 17 f.: „Tauft eucb u. s. w., damit ibr einen Vcrgeber der Sünden und Schulden habt (quot;jIDbilxn iCaiSfTi NiiN\'KXn p-oxt\'n}. Jeden, der mit dem Zeichen des Lebens bezeichnet und über dem der Name des Lichtkönigs genannt ist, u. der fest ist u. bestiindig in seiner Taufe u. gute u. schüne Werke thut, wird niemand auf seinem Weg (nl. zur Licht-welt) auf li altenquot;.1)

§ 57. Die grundlegende Genzastelle r. 17, 20—23 bat folgenden Wortlaut: „smxi \'j\'nxs und tauft eucb, und tauft eure Seelen (■jlDMiCWS ■j-ns\' pa-jï»!) mit der lebenden Taufe, die ich eucb brachte von den Lichtwelten, mit welcber (nquot;X5n) alle Salmanas {tü.elol) und Glaubigen sich getauft baben Und danksagt

ob des Pehta (srniE \'~\'J und esst, und preist ob des Mambuba

(Xfnattsa bj? N2NC51) und trinkt, damit u. s. w.quot; Die Parallele lasst r. 37, 15 auf „trinktquot; folgen: „und danksagt ob des Oeles (by quot;ïtui NCa) und gebt vorüber (li-si)quot;.

In dieser Stelle ist das erste wobl reflexiv, nicht passiv auf-

zufassen, wegen des folgenden „und tauft eure Seelenquot;; das zweite snïïï\' ist jenem gleicli, nur dass das eine nach den Formen von quot;quot;ó, das letztere als Verbum tert. gutt. gebildet ist. Das by zu quot;pm und xaxü ist nach der Analogie des \'bi? b^su von r. 68, 5, welches § 53 angezogen worden, nicht Objectszeicben, sondern Praposition.

Schwieriger ist der Ausdruck XiTir p-iNE.2) Das Stammwort ist nach r. 190, 17, wo der Imperat. singular \'i xnxs lautet, tert. gutt. Die Conjugation als Verbum \'^b bat es mit andern Verben dieser

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1

Nach Siouffi p. 7() evwirken die Taufen nicht völligen Sündenerlass, sondern nur Milderung der Strafen in uen Matarta\'s. Dem Genza gemiiss liesse sich besser hehaupten: Durch Verstösse gegen die Gebote des M. d\'H. verwirkt man den Gnadenstand. Die erneute Taufe macht desselben wieder theilhaftig, sodass der M. seine Fehltritte noch abbüssen kann.

2

Petermann hat a. O. 459, im Anschluss an die vorhergehenden Sitten-regeln, auch diese beiden Worte noch übersetzt. Er bietet dafür: „Eilet zur Taufequot;, also wie Norberg: „ad Jord. baptizandi contendite\', rasp. ,Pergite recta ad Jord.quot; Gesetzt es gabe ein Pael „eilenquot; (vgl. das westaram.

so bedürfte sits- doch noch der Praposition i.

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Di-ittes Capitel. Das religiose Leben.

Klasse, wie wir soeben au X2X salien, gemeiu. Es vertritt also das syrische und dabei liegt gewiss am nachsten, es gleich diesem und dem entsprechenden ms der liebraischen Sprache für „spriessen-, ,knospen-, „aufbltthenquot; zu nehmen. Davon ein Pael mit SiTiSquot;1 wflrde etwa bedeuten: „Briugt den Jordan zum Aufblühenquot;. Somit dürfte es Bezug nehmen auf die mand. Vorstellung, nach welclier die Getauften und Angehörigen der wahren Religionsgemeinschaft wie Pllanzen am Jordan des Lebens stelm (vgl. r. 89 t. in § 34). Dieselbon entspriessen glcichsam dem Jordan, jener Ader des Lebens ans der Licht welt. — Dabei kann jenes immerbin, obgleicli r. 190

nicht ïCiSE gelesen wird. in die Hedeutung des \'i; Jiebr. ms) „frucht-bar seinquot;, resp. „machenquot; hinilberspielen (vgl. r. 293. 18 ITiSB nnd Die Glaubigen wilren demgemilss die Leibesfrucht des Jordan, aus seinem Wasser verinittelst der „lebenden Taufequot; zum wahren Leben geboren. Vgl. oben S. 73 die Stelle r. 220, 15.

Setzen wir für die Bedentung des Pael mit sinXquot;\': „dem Jordan Pflanzen spriessen. bezw. Prüchte gedeihen lassenquot;, so liann das eben-sowohl denen gelten, die selber sich als Pflanzen oder Früchte darstellen sollen (wie r. 17 und 37), wie dem die ïaufe ministrirenden Priester. Von letzterem steht cs in der Johanneslegende r. 190. Es kann endlich auch noch von dem göttlichen Wesen, welches dem Jordan die hehre Kraft verliehen oder das Institut der laufe ein-gesetzt hat, gesagt werden, es lasse den Jordan blühen, es mache ihn fruchtbar. Wirklich iindet sich auch davon ein Beispiel. indem Hibil-Ziwa r. 152, 16 (Höllenfahrtsmythus) den Manda d\'Hajê mit 3X XiSBH smN\'\' „mein Vater, der den Jordan aufblühen machtquot; be-zeichnet.\')

Ein ahnlicher Ansdruck ist t:S5b sz-nxr Wir begegneten dem-selben schon r. 102 (oben S. 37); „ütra\'s, welche die Jordane des Lebens So heisst es nun r. 189, 1 von Johana dem Taufer:

„Als er u. die lebende Taufe taufte u. den

Namen des Lebens nanntequot;; und r. 190, 20 wird demselben in den Mnnd gelegt: „Zweiundvierzig Jabre [lang] sinns?quot;\' ...quot; Das

Zeitwort heisst gewöhnlich „nehmen\'S „greifen-\'. Am treffendsten ware. m. E., der Sinn dieses „Nehmensquot; folgendermassen zu um-schreiben: „Soviel Jahre lang nahm ich schon den Jordanquot;, das heisst: „so lange schon habe ich mit dem zur ïaufe allein geeigneten Fluss inich befasst, den Segen, welchen derselbe immerfort darbietet und

]) Zu dieser Stelle sei übrigens erwahnt, dass (Afel!) \'/.uweilen in

der Bed. „sprudeln machenquot; vorkommt,^ z. B. in der Vita des Simeon Stylites (Act. Mart. 11, 354): ^^s|. Ich verdanke dieses Citat Herrn

Prof. Nöldeke.

lüO

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IV. Cultushandlungen.

in der ïaufe selber vertritt, angeuomiiien. ihn nicht dahinfiiessen iind verrinnen lassen, sondern ergriffenquot;. Kurz; „den Jordan nehmenquot; ist: das lebende Wasser als Heilsmittel sich aneignen, es benutzen. etwa wie man sagt „einen Arzt nehmenquot;.1)

§ 5S.2) Die mandaische Tanfe besteht in vollstandiger ünter-tauchung.

I. Wie streng dies genommen wird. lilsst die lieschreibung der Selbsttaufe bei Sioufti p. 82 s. erkennen. Im gewöhnlichen Fall wascht der Subba, nachdem er sich ontkleidet hat, zumichst sein Hanpthaar (aber mir die Manner tragen os meist lang, wie die Priester, und trotz dem vielen Taufen war der Schopt\' desjenigen in Suq im höchsten Grade unrein, Peterin. Eeisen II, 121, 127). Dann begiebt er sich bis an den Nabel in den Strom, demselben entgegen gewandt, und taucht dreimal unter. Sowohl über als unter Wasser sind Gebets-formeln zu sprechen. Bevor er das Flussbett verlasst, giesst er Wasser über den Abstieg. Beini Hinaufsteigen wascht er sein Gesicht, reibt dreimal die Stiru mit Wasser, steekt dreimal die benetzten Finger in Ohren- und Nasenlöcher, spült sich dreimal den Mund, wirft sich dreimal Wasser über Ivniee und lieiue. taucht dreimal die Füsse in den Strom, und treibt dreimal die Hande durch denselben.3) Dann wascht er noch seine Kleider, und zieht andere reine an. — Frauen verrichten die ganze Lustration in den Kleidern, ziehen aber zum Schluss ebenfalls reine trockene an. Auch mussen sie das Bad schon vor Tagesanbruch nehmen. — Der Priester muss in den ersten (30 Tagen nach seiner Weihetaufe tagiich dreimal die Selbsttaufe vor-nehmen in seiner Kleidung, und diese noch wahrend der darauf fol-genden Gebete anbehalten.

Alle jene Einzelheiten bekunden das Bestreben, die gesammte Körperflache in all ihren Höhlungen und allen Faiten der Haut, z. B. zwischen Zehen und Fingern, in gehorige Berührung mit dein Wasser zu bringen.

II. Die Taufe durch den Priester hat in der Johanneslegende des Genza ihr Vorbild. Es heisst dort r. 191 mit den Worten des

1

An ein E inricht en, oder auch nur eiue Weihe der Flüsse zum Cultuszweck ist nicht zu denken, üeberall, sowohl in den Urkunden, als in den Berichten eines Ignaz, eines Petermann, eines Siouf\'fi, erscheint gerade der frei dahinströmende Fluss als das rechte Taufwasser. Das Heranleiten desselben zum Tempel kann nur Nothbehelf sein.

2

Vgl. zu diesem und den folgenden Paragraphen Beil. H, wo die Taut-riten nach Qolasta, Ignatius a lesu, Petermann und Sioufti besonders mit-getheilt sind.

3

Diese Abwaschungon verrichtete genau so der Priester von Süq, bevor er die Tauflinge zu sich in\'s Wasser treten liess, Peterm. a. O. 462.

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

ïaufers selbst: „Icli setze die Menschen in den Jordan, wie Schafe vor den Hirten, und uiit meinem Stab lasse ich Wasser auf sie herab-fUessen, und den Namen des Lebens nenne ich über ihnenquot; (s. Beil. G). Aus einer andern Stelle desselben Schriftstücks geht hervor, dass der Taufer mit in\'s Wasser tritt.

Am Tauffest der heutigen Mandaer iindet immer noch die 13e-sprengung statt. Es ist jedoch niissverstandlich, wenn Siouffi (p. 81 s.) dieselbe erwahnt, als bilde sie einen von der gewöhnlichen Taufe ge-trennten Act.1) Petermann, der Augenzeuge der Ceremonie war, theilt darüber mit, dass der Taufling mit dem Priester, erst hinter, daim Tor demselben, im Wasser stehe. und in beiden Stellungen je dreimal den Kopf untertauche. Die drei ersten üntertauchungen begleiten die dreimalige Besprengung mit Wasser.

Vermittelst des Stabes iindet letztere nicht statt. Schon nach der Anweisung im Qolasta ist das nicht der Fall. Der betreffende Passus (fel. 10) lautet: „Sie sollen hinabsteigen binter dir und tauchen drei üntertauchungen, und dein Margna sei zn deiner Linken. Taufe sie mit deiner Rechten; und nimm sie . . . und setze sie zvvischen dich und dein Margna und tauche sie drei üntertauchungen ...quot;

Diese ïaufe wird einer beliebigen Anzahl Personen zugleich ertheilt.

TTT Die Kindertaufe. Das Kind soil grundsatzlich sobald es die Prozednr vertragen kann getauft werden, oder eigentlich am sie-benten Tag nach der Geburt. Wegen der Lebensgefahr, welcher es dabei ausgesetzt ist, litsst man es jedoch ein Jahr, nach Petermann a. O. 117 aber nur 1—2 Monate, alt werden, und wartet gewöhnlich auch noch den Somnier ab (Sionfti 114; 76 s.).

Ignatius a lesu beschreibt, wohl als Augenzeuge, den aussern Hergang p. 24—26 seiner Narratio. Wenn die Verwandten mit dem Kind und in Begleitung des Priesters am Finss angelangt sind, tritt der Trager (oder die Tragerin) des Kleinen bis an die Kniee in\'s Wasser. Der Priester liest neben ihm im Wasser stehend die Liturgie, und besprengt dann dreimal das Kind mit Wasser, jedesmal die gleiche Formel dazu sprechend. Dann folgt wieder ein Stück Liturgie, und der Trager des Kindes taucht dasselbe unter Wasser, zieht es aber sogleich wieder heraus, verlilsst den Finss und tragt es heim. -)

Nach Siouffi\'s Darstellnng findet kein üntertauchen der Kinder statt. Sie werden laut derselben von einem Skanda (Priestergehülfen) getragen, und dieser tritt, gleich dem Tarmida (dem Priester, der die

102

1

Der Name der Besprengungstaufe sei snsaurs quot;-n. „Diese Seelenquot;, — eine Benennung, die auf jede Taufe einer Mehrzahl von Personen anwendbar ist, vgl. Qol. 10, 31 ff.

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IV. Cultushandlungen.

Taufe ertheilt), bis au die Kniee in\'s Wasser. Zu dem eigentiichea Taufacte legte letzterer die Hande so an einander, dass sie eine Schaufel bilden, und treibt sie derart durch das Wasser, dass dieses emporschnellt und Kind und Skanda in diclitein Regen überstrürat; und so dreimal, wodurch der Tiiufling ganzlich durchnilsst wird (p. 78 s.).

Iin Hinblick auf diese Differenz ist zu bedenken, dass sowolil iiach Petermann a. O. 116, wie nach Siouffi p. 77 die Taufe für die jungen Kinder und für Erwachsene „auf dieselbe Weisequot; stattfinden soil, „les détails . . . sont les inémesquot;, abgeseben allein von den durch das zarte Alter der ersteren bedingten Modificationen. Danach dürfte dieses Mal Ignatius gegen Siouffi im Rechte sein, wenn nicht etwa anzunehmen ist, dass im Laufe der letzteu Jahrhunderte die Unter-tauchung der Kleinen in ünbrauch gekommen, und dafiir die Be-sprengung zu einer üeberströmung umgestaltet worden sei.

§ 59. Einen iutegrirenden Bestandtheil der Taufe bildet ausser den üntertauchangen die Bezeichnung der Stirn. Unmittelbar nachdem die Tauflinge zwischen dem Priester und dem Margna zum zweiten Mal die drei Untertauchungen vollbracht haben, soli derselbe sie mit seiuer Rechten dreimal „zeichnenquot;. Dieser Vorschrift des Qolasta entspricht bei Petermann zunachst der Satztheil: „der Priester streicht ihm dreimal Wasser über die Stirnquot;;\') Dann folgt aber hier sogleich noch ein Weiteres: „Nachdem dies gescheheu, geht der Tiiufling aus dem Wasser und kauert vor dem Rauchfass. Der Priester. . . stellt sich hinter ihn oder sie. Er nimmt Sesam . . . knetet denselben mit Wasser, und bestreicht damit der Reihe nach die Stirn der Getauften, und zwar, wie oben, dreimalquot;. Bei der Kind-taufe folgt, laut Siouffi, auf die dreimalige üeberströmung erst eine Beraucherung (dafür kauern die Erwachsenen vor dem Rauchfass), und darnach die Salbung mit Oei.1) Gesalbt werden die Stirne von einer Schlilfe zur andern. Hals, Magengegend und HLinde des Kindes. Zu den drei Üeberstrümungen hat der Priester ein „Du bist

getauftquot; gesprochen. Zu der Salbung der Stirne spricht er: „Dn bist

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1

Zu zwei Theilen aus Sesam, zu einem aus Datteln vorher zubereitet. Der Priester führe es im s:-:sp bei sich. Bei Petermann muss der Priester das Sesam noch kneten, und zwar „in einer kleinen messingenen Schalequot;.

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

bezeiclmet mit dem Zeichen des Lebensquot;; bei den weiteren Salbungen: „Der Name des Lebens und der Name des M. d\'H. ist genannt über dirquot;. Demnach würde der nach dem eigentlichen Taufact mit Oei über die Stirn gezogene Strich das im Genza oft genannte sbiüti N^rn darstellen. Allein das Qolasta belehrt uns eiaes Andern. Das-selbe bezeugt eine Tauflbrmel, in welclier das niins und das rr^ün und aucli das fNb» jener beiden Namen combinirt sind.

Und diese Formel kommt fol. 10 nocli bevor der ïiuifling das Wasser verlassen bat, nachdem zweimal drei Untertanclinngen, und eine drei-malige Bezeichnung mit der Eechten des Priesters nach den letzten dreien, verzeicbnet sind. Nachdem die Tauflinge das Wasser verlassen baben. werden dann f. 14 anch drei Zeichen des Oeles an-geordnet, und dabei soil nun die bereits im Jordan gesprochene Formel wiederholt werden.\') Die ersten drei Zeichen sind also von dem unterschieden, werden aber auch schon als x-^rn XttlTSn betrachtet. Diese allein bilden den ursprünglichen Branch. Im Genza ist das xirrt: durch den 2G. Tr. r. empfohlen1) und r. 37, 15 in dritter Stelle neben snirps und xninttStt, den Elementen der Communion, genannt. Die uitere Parallele bat es nicht. Die alten ürkunden machen auch gar keinen Unterschied zwischen und

Wo beide zusanimen genannt werden, steht gewöhnlich jenes voran. So in der Formel des Qolasta und r. 196, 8 (vgl. § 60). Man darf bei -Zeichen des Lebensquot; getrost an die eigentliche Taufhandlung denken: dièselbe wird in dem zu ihr gehörigen Zeichen symholisirt und mit demselben besiegelt.

Wir schliessen: In der Periode des Genza stellt die Bezeichnung mit Wasser das dar (r. 18, 13 iTttn \'n); im Qolasta

erscheint es in doppelter Gestalt, nl. zweitens als Ne\'e. Die bei Siouffi bemerklicbe ausschliessliche Beziehung des „Zeichensquot; auf dieses ist wahrscheinlich eben so recenten Datums wie die neue Formel, welche hier zu dem eigentlichen Taufact geboten wird.

§ (30. Die mand. Taufformel. „Alle geraden und glaubigen Mannerquot; beisst es r. 19(3, 8 „die mit dem Zeichen des Lebens gezeich-net und mit der reinen Taufe getauft sind (srnsXE), und über denen

104

1

Junger Tractat! R. 321, 11—15: Durch das reine Oei (s-is- swaa) werde man nach dem Tode aufsteigen; ohne dasselbe bei den Matarta\'s des Ptahil aufgehalten werden.

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IV. Cultushancllungen.

der Name des grosseu Ersten Lebens genannt istquot;. — In der Jo-hanneslegende spricht der Tiiufer r. 191, wo er über seine Art „die Menschenquot; zu taufen Auskunft giebt; ..und den Namen des Lebens nenne ich über ihnenquot;. Dann r. 192, 15 zn Manda d\'Hajè: „Du bist der Mann, anf (b^) dessen Namen ich die lebende Taufe tante\'. Fragt ihn derselbe wiedernm: „Auf wessen Namen ai© bs)

taufest du?:\' so lautet des Jöhana weitere Erklarung (Z. 17): ..Anf den Namen dessen, der sicb mir geoffenbart hat. und auf den Namen des Hereitstehenden, der bereit ist zu kommen ...quot; — So heisst\'s ferner 1. 116, lö: „Manda d\'Hajè auf dessen Namen ich zum Jordan ge-gangen binquot;. Aehnlich r. 54, 3; „die auf den Namen des Ersten Lebens getauft sindquot;. Die Lichtkünigslehre will (r. 17 f.) den Namen des Lichtkönigs über den mit dem Zeichen des Lebens Bezeich-neten genannt haben.

Vergleicht man diese Stellen des Genza sowohl unter einander als mit der im Qolasta f. 10, 7 ff. und 14, 29 ff. verordneten Formel: „N. N., Sohn der N. N.! Du bist bezeichnet mit dem Zeichen des Lebens. Der Name des Lebens und der Name des Manda d\'Hajè ist genannt über dir. Du bist getauft mit der Taufe des grossen Behram, des Sohns der x-QTn! Deine Taufe behüte dich, und werde zu Ende geführt. Der Name des Lebens und der Name des M. d\'H. ist genannt über dirlquot;

so resultirt als sehr wahrscheinlich, dass die am Scliluss derselben wiederholten Worte \') schon von dem mand. Bearbeiter der Johannes-legende als Taufformel vorausgesetzt werden. Dass der erste Tractat rechts dafür den Namen des Lichtkönigs hat, spricht sogar für die Frioritiit derselben vor der Lichtkünigslehre. da diese die beiden darin enthaltenen Namen grundsatzlich vermied. Indessen gilt dies genau genommen nur für eben diese Namen, die bei der Taufe genannt wurden. Der Satz mit „ist genannt über dirquot;, woniit der andere ,.Du bist bezeichnet u. s.w.quot; eng verblinden ist, also die Form der Assertion, 1) kann spateren ürsprungs sein.

Spiltern ürsprungs ist gewiss die Erwalmung des grossen Behram,2) einer im Genza fast nnbekannten Grosse, und noch jünger der

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1

iss-tss, nicbt „sei genanntquot;; dafür würde das Imperfectum, oder (wie •jol. 10, 12 si-csry und as-spry) der Imperativ mit fiV» stebn.

2

Bei Siouffi ns-ns:, im Genza und Qolasta ost.-s.

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

auch iin Qolasta nicht bezeugte dreigliedrige, auf Alaha, Manda d\'Hajê und Jahja-Juhana lautende Passus, dem bei Siouffi gerade der alteste Theil der Formel hat weichen müssen.\')

Ignatius a lesu lasst den Priester bei der Taufe die Worte der im Genza noch seltenen allerlangsten Eingangsformel uiaudaischer Schriften sprechen. Dabei ist Qol. 31 f. in Betracht zu ziehn: „Ich bin getauft im Namen des fremden Lebens, des reichen, das über allen Werkenquot;. Die Meinung dieser Stelle ist wohl nicht, die Formel, Avelche zu der Taufe gesprochen worden, anzudeuten: dann müsste nach sonstigem Branch zu BIB nicht die Praposition 2, sondern by stehen; sondern uur eiue Betheuerung, dass die Handluug unter den Auspiciën des „fremden Lebensquot; stattgefunden habe.2) Vielleicht bat Ignatius eine ahnliche Stelle missverstanden.

Uebrigens liisst schon die Erweiterung der alten Formel im Qolasta, und, wenu auf Siouffi auch in diesem Fall Verlass ist, noch

1) Die ausführliche Auseinanilersetzung entliiilt Beilago I. Die alte Formel ist bei Siouffi auf die Salbuugen vertheilt. Zu beachten ist übrigens, dass laut Qolasta f. 10 die Formel nach der Bezeichnung der Stirn im Wasser gesprochen wird, und nach fol. 20, 28 ft\', nach dem Misa, ausserhalb des Wassers wiederholt wird.

2) Der Ausdruck hat im Genza, und so viel ich finde auch im Qolasta, immer diese Bedeutung; wie wir sagen: im Namen Gottes eine Sache unternelimen, vollenden. So in den Eingangsformeln; auch in der ursprüng-lichen der Beschwörung (r. 284 f.); ferner r. 293 t\'. (s. oben S. 31) und r. 141, 15, s. § 05. Ausserdem findet er sich r. 176,2. 24; r. 29, 16 (wo aber die Praposition : von den Zeitwörtern si-i- und --c regiert wird) und in den weiter unten zur Sprache kommenden Fallen.

Die Namen, welche zu einer Cultushandlung gesprochen sein sollen, stehu mit D-3 Und wo bloss die religiose Beziehung einer solchen angegeben werden soil, geschielit dies wie im Talmud mit arai, wofür auch wieder oi® quot; stehen kann (Nöld. 353 f.). Beispiele: r. 1841\'., vgl. Beil. C, von Werken der Barmherzigkeit; von dem „Ürdnenquot; (quot;O, s. v. w. Schreiben) und Vollenden eines Buchs: Qol. 73, 13 ft\'. s-:k)3 D-.oi

w-;s-; 1. 116, 15: „Erprobter der Gerechtigkeit, zu dessen Namen (Sttis Vy1:) ich Almosen gegeben habequot;. Vgl. r. 29, 14 f.: Juden des erh. Lichtkönigs

bekehren.

Findet sich in einem der beiden letztgenannten Fiille dennoch a\'.z\'z, so gilt es einen fremden Brauch. Besonders fühlbar ist das Qol. 13, 16 ff.: „das Uel, mit welchem ich salbe, welches ichgebe, nicht im Namen (aisas;) des Alaha, u. nicht im Namen der Ruha,... des Msiha,... der Istra. .., sondern das Oei, mit welchem ich salbe, welches ich gebe zu meinem Namen u. zu meinem Zeichen (■ («wii -saraV), u. zum Namen und Zeichen des lebenden, glanzen-den u. s. w. Geschlechtsquot;. So auch die Taufformel der Christen r. 57, 2 (nach der Peschito). Freilich kommt mit Bezug auf die Werke falscher Religionen auch tj\'c; vor. So r. 184 f., s. Beilage G; und 254, 9: sn-\'Boi sni-i aiai (cod. D \'3 ;s) in den Jordan hinabsteigen. Umgekehrt aber, nies l\'ür mandaischen Brauch, würde Qol. 31 f. olme Beispiel sein.

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IV. Cultushandlungen.

mehr ihre ümanderuug in spaterer Zeit erkennen, dass die Mandaer auf den Wortlaut derselben nicht entfernt den Werth gelegt haben, welchen die Ohristenheit ihrem „Ego de baptizoquot; beimisst. Nach Petermann (Reisen II, 121) wird die Taufformel von dem Priester den Laien vorgesagt. Leider lasst sich seiner Berichterstattung von den Taufen am Pansa weder der Wortlaut der Formel, noch Gewisses über den Gebranch derselbeu entnehmen (vgl. Beil. H).

§ 61. Pehta und Mambuha. Ans Genza r. 17 (§ 57) gebt hervor, dass jenes eine Speise, dieses ein Trunk sei, und Beides in religiöser Absicht bei der Taufe genossen werde.

Zu xrïTE ist also die syrische Bezeichnung der Hostie C-i-s zu vergleichen, welche ihrerseits eine Unnvandlung von darstellt. Die ursprüngliche Bedeutung des Worts ist schon den Autoren des Genza unbekannt gewesen. Wo das Pehta der Lichtwelt zur Bede koinmt, zeigt sich, in welchem, für uus hier gleichgttltigen, Sinne sie es verstanden haben.1) xrrnrxr ist das aramilische r~

„Quellequot;, von yn:: Nüldeke übersetzt „Sprudelquot;.

I. üeber die Zubereitnng jenes Brodes ist den alten Urkundeu nichts zu entneliinen. Die Spendnng ist vor Jahrhunderten nicht anders gewesen als heute. Qol. 14 uit. folgt auf die Oelung: „Und dann sollen sie sich vor dich hinstellen, und ruf Pehta und Mambuha (fol. 19, 16: „and ruf (od. „liesquot;) die 8 Bitten des Pehta\' zu dem Pehta and die zwei Bitten des Mambuha zu dem Mamb.quot;). Und gieb ihnen P., dass sie essen und Mamb. dass sie trinkenquot;. Petermann berichtet als Augenzeuge: Nach der Salbung „gehn die Tauflinge wieder an das Wasser, waschen ihre rechte Hand, und halten sie, wieder vor dem Kauchfass hinkauernd, in die Höhe. Der Priester bricht nun ein Stück von dem im Tempel bereiteten heiligen Brode . . . ab,2) und giebt es

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1

Derselbe entspricht irgendwie der y ~rz, von der sie es lierleiten. Vergleicht man r. 18\'J, 16 in Beilage G und r. 23S in der S. 29 angemerkten Stelle, so gewinnt man etwa die Vorstellung von einem verschlossenen Glanz-und Liohtschatz, den höhere Wesen für die Seelen der Frommen offnen.

gt; A X .

Vgl. 1.8, S: „sie erhoben [den Sitil bar Adam] zu der Wache Silmaj\'s, des Schatzmeisters ssiass), der die Enden des Glanzes in den Handen halt

und die Schlüssel der Geradheit (s-jb-.s^) auf beiden Armen, sie öffneten ikm das Schatzhausquot;. Das Pehta in der Ceremonie ertheilt wohl den Anspruch darauf. — Die Bedeutung des zu Grunde liegenden — vgl. Levy i. v. (\\VB.

II, 307) und hebr. rs von nns — ist „Broekenquot;, „Laibquot;, vom Brode.

2

Dagegen a. O. 461 ,.An jedem dleser Tage . . . bereitet [der Priester] noch für die Gemeinde besonderes heiliges Brod in kleinen runden Stückenquot;. So auch Siouffi, s. § 62. Die alte Narratio, für eine öffentliche Cultus-liandlung gewiss stimmberechtigt, erkliirt p 27: „ex quo pane Sacerdos sumit aliquam partem, et id quod remanet distribuitur inter circumstantesquot;.

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

mit den Worten „iss Jeine Peclitaquot; dein Taufling in die Hand, dei-es sicli selbst in den Mund steektquot;.1) Letzterer „nimmtquot; (bp©) das Pehtii. — Bemerk ens werth ist noch Qol. 19, 17 die Anweisnng für den Priester: „Und tauche (X2-\']:) dein Pehta in das Mambuhaquot;.

II. Den Trunk anlangend beweist schon der Name, dass hier nur an „lehendes Wasserquot; zn denken sei, was mit der Grundansicht des Mandaismus von demselben übereinstimmt.

Im Qolasta kommt bei der Taufe zweierlei Trunk vor. ün-mittelbar nach dem t\'inb pxc^r der ersten Formel, also nach Vollzug des eigentlichen Taufacts, heisst es fol. 10, 11: „Und gieb ihnen zu trinken (Afel von ipc) drei Handvoll Wasser und sprich zu ihnen: Trink und sei geheilt (sing.) und sei bestandigt. Der Name des Lebens und der Name des M. d\'H. ist genannt über dirquot;. Dann folgen hier der Eeihe nach: das Aufsetzen der Krone, die Bandauflegung und In-vocationen, das schwierige ■jX-Wr Nïffiir ülffiB, und darauf, Z. 28: „Sie sollen vor dich hin [auf das Ufer] steigen (nl. die Tiluflinge volden Priester). Sodann tauche (Nlï) deiue Schale (siiINp) und fülle sie mit Wasser,2) und gieb sie einem Jedeu, der am üfer stehtquot;. — Der feierliche Segen nach jenen drei Handvoll Wasser beweist die Wichtig-keit dieses alten Trunks der mand. Religion. Bei dem zweiten ist die Darreichung in der Schale einfach durch den ümstand geboten, dass die Tiluflinge bereits am Ufer stehn. Freilich verwendet der Text in keinem von beiden Pallen die Bezeichnung SïTaENE, sondern diese alléin für den Trunk bei der Communion, welche erst nachher erfolgt.

Petermann\'s Augenzeugniss lasst das Trinken i m Fluss vermissen. Erst nachdem das Oei ertheilt und das Pehta gereicht worden, folgt ein Trunk: „Dann giesst der Priester aus einem Flaschchen Wasser in eine kleine messingene Schale, die er dem Taufling mit den Worten „trink deine Mambuchaquot; ttberreicht. Dieser trinkt es aus, geht dann an den Fluss, schöpft zweimal Wasser, trinkt das zuerst geschöpfte. und giesst das zweite hinter sich. Darauf kauert er wieder hin.quot; Man sieht: der erste Trunk ersetzt hier ungefiihr den zweiten von

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1

Man beachte, class die Leute eigens zum Anfassen des Pehta sich die Hand haben waschen mussen. Petermann hat sich also nicht etwa durch eine ceremonielle Handbewegung tiiuschen lassen. Nach Siouffl 93 legt ihnen dei-Priester diese Hostie gewöhnlich mit seinen Fingern in den Mund, weil „si les ouailles la touchent eux-mêmes, elle perd aussitót ses qualités sanctifiantes et devient un pain ordinairequot;. Wie aber dann bloss „ordinairementquot;? Vermuth-lich pflichtet nur ein Theil der Priester diesem neuen Grundsatz, dass die Laien das Brod überhaupt nicht berühren dürfen, bei. In Süq galt dann die Meinung: „nur nicht mit ungewaschener Handquot;.

2

Qol. 20, 26: „und nimm Wasser vom Jordan in das ohne wei-tern Context. Bei Siouffi 80 soli s-rxp der Flacon für das Salböl sein. Es ist aber die von Peterm. sesehene messincrene Schale. vsl. Nöld. 125.

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IV. Cultushandlungen.

Qolasta f. 10, und den, welcher hier der zweite ist, müssen die Tiiuf-linge sich holen.

üebrigens: Wasser aus einem Fliischchen — Sioutïi redet vou einer „eau bénitequot; — wo das von Gottes ïhron direct hertiiessende uur zu schöpfeu ist! — Wir fiuden also im Maudaismus sowolil Zeicheu als Mambuha einmal ruit Wasser und einraal mit praparirteu Ingre-dienzen. Das Doppelte ist nicht ursprünglich, und noch weniger das Priiparirte. Welchen Grund konnte es geben. den kirchlich erkünstelten Handlungen die unscheinbaren mit blossem Wasser beizuordnen? üm-gekehrt. bilden letztere den alten Branch, den der Klems zunftgeinass gestaltete, so begreift sich, dass derselbe neben der raffinirteren die herkömmliche Praxis fortbestehen liess, indeiu er sie abzuschaffen nicht wagte oder audi gar nicht wünschte.

§ 62. Zusatz: Pehta. und Mambuha in zweifacher Gestuit.

I. Pehta. Siouffi 92 ss. hezeugt zweierlei Pehta. Die gewöhnliehe Art werde aus reinem Weizen bereitet, den Priester im Fluss waschen, trocknen, mahlen, ohne Salz oder Hefe, nur mit Wasser in dunnen Scheiben aushreiten, auf Holzkohlen backen, rund schneiden, segnen, und in Flaschen fullen, welche sie in weissen Siicken bei sich zu Hause unter dem Boden aufhangen. Sie sei durch die Segnung zu einem himmlischen Brod, wie die Bewohner der Licht-welt essen, geworden und werde zur Vermehrung des Glaubens und der Seelen-reinheit gespendet.

Das andere heisst srw-ï „hohes Pehtaquot; (oder f-hy --o, naeh einem

bezügl. Formular). Es ist nur ausnahmsweise frommen Laien vergönnt, sonst aber den Priestern vorbehalten. Für gewöhnlichen Bedarf wird es nur einmal im Jahr bereitet; gebackenes Weizenmehl, das mit Wasser zu Scheiben von dem Umfang eines Fünffrancsstücks geknetet worden. Auf jede Seite der Scheibchen werden, nach der Abkühlung, vier Tropt\'en Sesamöl und eben so viele von dem Blut einer frischgeschlachteten Taube „en forme de croixquot; ge-tröpfelt.\') Es geschieht dies an den Vormittagen des Tauttests, jeden Tag 60 Stück, und dieses Pehta wird im Tempel aufbewahrt.1) In demselben

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1

Seltsamer Weise würde nach Sioufli\'s Darstellung p. 11S ss. die ganze Tempelweihe, die alljahrlich zu erneuern sei, lediglich in der Bereitung des hohen Pehta und etwa in dem Verscharren der Taube bestehen. Nun wird aber nach p. 97 s. genau dasselbe Pehta (in 7 oder 8 mal 60 Ex., die jedoch nicht bewahrt bleiben, sondern was nicht zum Verbrauch gelangt wird, wie die Taube, im Tempel vergraben!) bei dem achttagigen Masiqta der Lebenden bereitet. Erwagt man dazu, dass jene Anfertigung gerade den Bedarf eines Jahres deckt, dass die Verscharrung der Taube sowie die Vergrabung des Ueberschusses beim Masiqta i m Tempel sich daraus erklart, dass das Geheiligte drinnen bleiben soil; endlich, dass die „Weihequot; des Gotteshauses erst dann für

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Drittes Oapitel. Das religiose Leben.

vergraben auch die Priester, deren vier sich an der Zubereitung betheiligen sollen, am Mittag des 5. Tags den Leichnam der ïaube.\')

II. Mam bnha. Darüber ist Siouffi oftenbar sehr schlecht,1) um so besser aber Petermann nnterrichtet gewesen. Letzterer theilt, gewiss ans bester Quelle, mit, das Mambuha bestehe für den Priester in Wein2), den er jeden Sonntag ver der öffentlichen Handlang im Tempel geniesse. Ausserdem werde nur den Brautleuten bei der Trauung, nnd Solchen, die auf besonderes Verlangen zur Entlastung des Gewissens Taufe und Communion erhalten, Wein als Mambuba verabreicht.3) Der zulctzt genannte Fall ist wie das hohe Pehta auf das Ma-siqta zu bezieben. Für die zu dieser Ceremonie gehorige Communion (oben S. 81) verlangt auch das Qolasta eine besondere Mischung des Teiges, sowie „das Wasser des Gebetsquot; (sr-:- s-a) mit Wein zu mischen (Gebrauchsanweis. 32, 27 ff.; 33, 17 f ).

So werden denn „hohes Pehtaquot; und Wein, wie gewöhnKches Pehta und Wasser zusammengehören, nur bei der Trauung wird gewöhnliches Pehta mit Wein gespendet. Ich halte das Wein-mambuha für Nachahmung eines fremden Brauchs, als des vornehmeren, wenigstens für besondere Gelegenheiten und Personen. Allerdings passte der Wein schon zu der Vorstellung von dem grossen Weinstock des Lebens und der Bezeichnung des Manda d Hajê als Allein Mamhuha\'s, „Quellenquot; oder „Sprudelquot;, des Weins kennt die mand. Vorstellung doch nicht. Mambuha\'s des Lichts kommen vor.4)

Nach Ignatius bereiten die mand. Priester den Wein aus in Wasser geweichten Eosinen, cum quo vino componunt etiam panem Consecrationis (p. 27). Rechten Wein zu trinken wagen sie nicht wegen der Moslem (p^ 118 sq.).

§ G3. Kusta und Laufa.

T. In den Gebrauchsanweisungen des Qolasta wird fast nach jedem einzelnen Act der Taufceremonie dem Priester vorgeschrieben; ülliïS KBiaiD, resp. nrr. d. b. Strecke aus (oder „reichequot;) Kusta mit ibnen (den „Seelenquot; oder Tiluflingen), resp. mit ibm. Im Genza ist r. 285 uit. auch den Laien geboten, dass sie des Sonntags xutBID SOüCXS. Sonst findet sich hier das Nomen in dem gegenseitigen

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1

Études 4. 7\'J: sfrsasa sei die Flasche, worin die eau bénite enthalten sei, welches der Priester den Tauflingen, nach 79 n. 1 aber nur Neavermahlten, beim Heraussteigen aus dem Fluss, zu trinken gebe. Sonst hat Siouffi darüber gar nichts, auch nicht in dem ausführlichen Capitel über die Trauung.

2

Eine Ausnahme constatirt P. selbst, indem er gegen den Schluss der Taufceremonie den Priester „zuletzt selbst Brod und Wasserquot; nehmen liisst.

3

Reisen II, 118 vgl. 461. Ganz unverantwortlioh Kessler PRE2 215 „die Eucharistie, Brot und Weinquot;, und ebenso EB XV, 470 „bread and winequot; ohne Weiteres! Nur Ignatius hat das gleiche behauptet.

4

Vgl 1. 27, 1; 2S, 15. 20 s-;— resp. Q. 8, 25 etc.

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IV. Cultushandlungen.

Verhaltniss der Himinelswesen verwendet. So „nimmtquot; Manda d\'Hajê r. 72, 20 (s. S. 27) N122513 vou ..den Grossenquot;, ünd r. 20, 3 heisst es: .Reicht einander die Rechte und fillscht euer NUÜ13 nicht, denn die Utra\'s und die Lichtkönige geben einander XE\'Nbquot;.

„Reicht einander die Rechtequot; lautet in Obigem; quot;Olffis

■jïï. Das Verbum ist für den Act des Handgebens überhaupt ttblich. So r. 223, 14 von den falschen Propheten; Xiy

■jltaü^rsb! Die Hand geben und reichen sind parallele, mit-

unter gleichwerthige Ausdrücke. Besouders deutlich ist das 1. 8, 23: „Darauf reichten Kusfa (quot;JXiSE \'d) das Leben und die Utra\'s und die Könige der Arqa des Lichts und der glanzenden Wohnung, ninxnyi XïiBlST S-J? dem Sitil bar Adamquot;. Nach alledem ist darüber kein Zweifel möglich, dass der von Petermann bezeugte Ausgang der Tauf-ceremonie: „|Der Priester] giebt dem Tüutiing die Hand und lasst ilm aufstehnquot; dem Süüia uiöB entspricht.\')

Der Priester tlmt das, nachdem er selbst Brod und Wasser, wie die Laien, genossen hat. Hier kommt uns eiue Stelle aus „der etsten Lehrequot; in den Sinn, r. 18, 10: „Denn Fleischesbrüder N\'nx)

vergehn, aber Kusta-Bn\'lder NTiN sind bestilndig. Ihr seid

Kusta-Brüder, die ihr vollendet eure Gebete, damit der Name des Ersten euch aufgerichtet sei auf euren Hilupternquot;. Und noch die An-gabe Petermann\'s a. 0.463: „Durch blossen Handschlag — auf welchen sie überhaupt eine grosse Wichtigkeit legen — und durch Nachsprechen einiger von dem Priester vorgesagten Worte wird der Mandaer bei der Taufe zum Schganda geweihtquot;. Aus dieseu Stellen, nebeu einander gehalten, geht klar hervor, dass der Handschlag das Zeichen der Aufnahme in eine Gemeinschaft ist. Bringt man dazu die Wortbedeutung von „Geradheitquot;, „Wahrheitquot;, „Ehrlichkeitquot;

in Anschlag, so ist in dem Ausdruck der Cultussprache auch das treue Zusammenhalten, das^solidilre Verhaltniss vertreten.1)

Daher ist das höchste Gut, welches der Mensch erlangen kann, dass er dereinst wie Sitil bar Adam von den Himmelsbewohnern den Handschlag des HWO erhalt.2) Auf Erden schon streckt er seine

Ill

1

Bei den Parsi wird die Ehe durch die Handgebung zum unauflöslichen Vertrag. — Vgl. griech. ófSiév und ótcictq dióóiai, Xa/ipavtLV u. s. w.

2

Oder auch, dass sie ihm ihre Hand — s-jsis3; st-!y srsisBs2! — auflegen; vgl. r 192, 19; Qol. 1,30.

3

Anschluss an die zuletzt etbrachte Stelle vom Mambuba: „Dara.uf kauert er wieder hin; der Priester hinter ihm stehend legt betend seine rechte Hand auf den Kopf des Tüuflings, welcher dann ebenfalls aufsteht, aber wieder liinkauert, der Priester neben ibm. Sie strecken ihre rechten Hilnde gegen den Fluss, und der Priester nimmt zuletzt selbst Brod und Wasser, giebt dem Tilufling die Hand, und lasst ihn aufstehen, womit die ganze Ceremonie zu Ende istquot;.

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

Hand darnach aus, bei der Taufe- Wir salien bereits bei Peter-mann, wie der Tüufiing sich hiultauernd die Hand emporstreckt, in welche er dann das Himinelsbrod empfangt, — schon Etwas von der verlangteu Gemeinschaft, gleichsam eine Abschlagszahlung auf den dereiustigen völligeu Besitz.

Nacliher kauern einmal Priester und Laien neb en einander und strecken zusanmien die rechten Hiinde gegen den Fluss (s. d. letzte Anm.). Auf diese Geste beziehen sich einige Genzastellen, z. B. r. 179, 15: . die sich abfallig machen liessen und ihre Hand wurde nicht vor mich hingestreckt (\'Ipb -jiüs^scb)quot;, und r. 237, 10 ff., wo die Ausdrücke vorkommeu: nCESï: p Nuimsn imd usiffis

\') In der Stelle r. 220 f.: „Wer nicht das ganze Almosen geben kann, wird die Halfte des A. geben und seine Hand xcoisa vor mich hinstreckenquot;, ist der Sinn, dass wer nach Yermögen gegeben hahe, mit gutein Gewissen als Einer, der dem M. d\'H, die Treue gehalten, seiue Hand zu ihm erheben dürfe. So stellt dies endlich noch eine Betheuerung der liechtschaffenheit (SI3©1D) dar.

11. üeber Laufa ist nicht viel zu sagen. Eine besondere ritnelle Bedeutung hat es nicht. Wo als religiose Handlung xsixb „geben11 oder „nehmenquot; zur Pflicht gemacht wird, steht es mit SüOID zu-sammen. So r. 20,4 und in der Beschwörung. An ersterer Stelle (s. oben) ist es von diesem gar nicht zu unterscheideu, und in den Stellen der Letzteren (vgl. § 47; deutet s-oos: X-ninin Nfiisb auch uur die andere Seite des iOECNE XufD an. Ebenso Qol. 18, 31. Die Handgebung ist ebeu der einzige gegenseitige Act im sonntiiglicben Cultus. — Andere Stellen beweiseu, dass das Stammwort qib, wovon xsisb gebildet ist, von dem aramaischen rjfib, quot;\'öb, -al. „anfügenquot; u.s.w. nicht verschieden ist. Die gemeinsame yrb bedeutet: sich an etwas anfügen, damit verbinden (ipb11 „lernenquot;: sich mit etwas vertraut machen).2) Also XSINb, ausser „Lelirequot; :I), noch „Verbindmigquot; oder „Gemeinschaftquot;. Nach dem oben Vorgebrachten bedarf dieser mand. Begrifl\' keiner Erlauterung mehr. Beispiele aus dem Genza (mit mehr-fachen Paralleleu im Qolasta); r. 257, 21 Siquot;1\'1?! rrob quot;biinquot;1: Nöixb, vgl. S. 78 unten: r. 238, 10: „Gemeinschaft ohne Trennungquot; (SSISb spscs nbnibn); die Segenswünsche 1. 38, 5; 74,3: „Die Gemeinschaft und Erquickung des Lebens (Siirn xnxni ssixb) und ein Sünden-vergeber werden meiner Seele zu ïheill\'\'

112

1

Es steht da; „.leder nasóraische Mann, der K. von sich ausstreckt, gleicliwie der starke Mana r., der seine Hand von seiner eigenen Taute ans-streckte ...quot; Uebrigens ist liier am Sohluss des 17. Tr. r. der Text verwirrt, sodass auf den Zusammenliang nichts zu geben ist.

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IV. Cultushandlungen.

§ {gt;4. Die eigent\'iche Taufceremonie vciiiiuft Qol. 10 in folgen-den Acteu, deren mehrere der Priester mit bestimmten Gesaugeu üder Vertragen einleiten und begleiten soil:

1) Drei üntertauchungen hinter dein Priester, Taufe durcli dea-selben.

2) Drei üntertauchungen an der linken Seite des Priesters, zwi-schen ihm und seinem Margna.

3) Bezeichnung (mit Wasser); Tauffonnel.

4) Drei Handvoll Wasser, lt;las ursprüngliche Mambubii; Sagen dazu.

5) Aufrichtung der Kronen. Handauflegung; Invocationen.

6) Kusta. Die Tüiittiuge verlassen das Wasser.

7) Darreichung des Qanina mit Wasser. Der Priester verlasst, nach Gesang, das Wasser (vgl. 20, 27).

üeber den fünften Punkt ist Einiges nachzutragen.

„Richte [die Kronen] aul\' auf ihren IfiUiptern, und indem du deine Hand auf ihre Haupter legst, sprich diese geheimen Namenquot;, so lautet der betreffende Passus. Petermann bat, wie gezeigt, nach dem Mam-buha ans der Schale einen Wassertrunlc, don zu sehöpfen die Tauf-linge sich auf\'s Neue au den Pluss begeben. Nach der Rückkehr legt der Priester jedem Einzelnen betend die Hand auf\'s Haupt, der sicb dann einen Augenblick aus der kauernden Stellung aufrichtet. Von „Kronenquot; oder einem Ersatz dafür keine Rede. ,— Siouffi hin-gegen hat bei der Kindertaufe gleicb nach dem Aufstieg aus dem Wasser, vor der Beraucherung und der Salbung, den Vermerk: „le prêtre tire du doigt de 1\'enfant ranneau de myrte pour le lui placer sur la têtequot;. Und ganz zum Schluss der Ceremonie heisst es: Le prêtre prend alors le SJXr (,Kronequot; oder „Diademquot;, aus einem Stück Leinwand) qu\'il porte sur la tête, et la baise soixante fois. Darauf nelmie der Sganda den Ring von dem Kopf des Kindes, drilcke ihm den auf die Lippen und auf die Stirn, zum Zeichen der Verehrung, und werfe denselben dann in den Fluss. Petermann bat von dem Allen nur die Angabe, dass die Tauflinge kein Taga tragen; der Priester aber, der seinen vergoldeten Siegelring tragt, stecke jedem Taufiing vorher, noch am Ufer, „einen aus einem blatterlosen im Wasser geweihten Myrthenzweige geflochtenen Ringquot; an den kleinen Finger der rechten Hand.

118

Höchst seltsam ist was Siouffi unmittelbar vor der angez. Stelle bringt: le prêtre s\'incline vers le sol qu\'il consulte secrèteraent. Siouffi\'s Gewahrsmann konnte darüber keinen Aufschluss geben: es sei dies ein Geheimniss, das erst bei der Ordination den Priestern von dem Bischof eröffnet werde. In unsern ürkunden ist der Act durcli Nichts auch uur angedeutet.

S

Brandt, Mandaisclie Religion

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Drittes Caiiitel. Das religiose Leben.

Y. Religiose Oetorauclie yerscliiedener Art.

§ 65. Das Nennen mysteriöser oder heiliger Namen.

Für die Invocationen bei deu verschiedenen religiöseu Handluugen ist der constante Ausdruck — ï N\'aiB oder — mie.

Das Afel, eigtl. „in Erinnerung bringenquot;, also „erwahnenquot;, glaube ich am passendsten mit dem blossen „nennenquot; wiederzugeben.

Dein Nennen gewisser Namen wird eine magische Wirkung zu-getraut.\') Die Namen üben eine geheimnissvolle Kraft, und nur wer sie kennt vermag den Zauber zu lösen. Daher heissen sie SO\'OUö „verborgenequot; oder „geheime Namenquot;. Lehrreich ist darüber der 8. Tractat rechts.

Daselbst r. 141, 15 nimmt Hibil-Ziwa soznsagen alle guten Geister zu seinem Sclmtz in Anspruch, wenn er spricht: „In deinem Namen Raza raba („das grosse Geheimnissquot;, Name seines vornehmsten Be-gleiters und Berathers auf der Höllenfahrt), und dem Namen des ver-borgenen Ersten Lebens..., und dem Namen des Mana und seines Ebeu-bilds, und dem Namen meines Vaters M. d\'H., und dieser Lehre der Utra\'s . . . will ich mit Sdom, dem kriegerischen König der Weiten der Pinsterniss reden.quot; Das ist noch etwas Anderes, vgl. S. 106, Aum. Sodann al)er bat (144, G) der illteste der Fürsten der Pinsterniss, Krfm „der grosse Fleischbergquot; einen „Hing, der verborgen war im Schatzhause, auf welchem geschrieben und und abgebildet war der grosse Name der Pinsterniss, der verborgen war, den niemand sail von dem Tag, dass er geplianzt worden, anquot;, und es ist Hibil-Ziwa\'s Triumph, dass er in deu Besitz desselbeu gelangt. Seinersoits verschliesst er auf der Eückkehr zu den obern Weiten die Thore der verschiedenen Hullen mit je drei den Machten der Pinsterniss verborgenen Namen (s. Beil. D). — Auch die gewiss althergebrachte Inschrift des priesterlichen Siegelrings Nquot;T m® ist hier zu ver-

gleichen (nach Siouffi 7G heisst dieser Eing gradezu ,/e Chauvdavar\').

Den Namen „des Lebensquot;, „des Manda d\'Hajêquot;, „des Lichtkönigsquot; (r. 17 f.), „Gottesquot; (39. Tr. r.), Nennen heisst gewöhnlich einfach sich zu diesen, den wahren Machten, bekennen; vgl. noch r. 220, 11.23.

Der Ausdruck „Name des Lebensquot; scheint zuweilen auch für den

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V. Religiose Gebriluclie verschiedenor Art.

Namen des M. d\'H. oder Jawar zu geiten. Man vergleiche die S. 105 erbrachten Stellen der Jolianneslegeude. Aelmlicli findet sicli\'s r. 363, 12: „die den Namen des Jawar nicht nennenquot;, vgl. Z. 18: „den Namen des Lebens verlaugnenquot;. Moclite man darum „des Lebensquot; hier wie in so mancben Ausdrücken der Lichtkünigslelire (oben S. 40) als Qualitatsbestimmung auffassen: so spricbt doch dagegen, dass die Lichtkönigslebre gerade die sen Ausdruck niclit 1)estat!gt hat.1)

Endlich gedenken wir der Aussagen ilber den Namen des Licht-königs, oben S. 42: derselbe sei unaussprechlich gross und niemand bekannt. Berücksichtigt man hierzu Pseudoclemens, Hom. XVI, 18: das bloss conventionelle und bekannte Seuq sei nur der Vorliiufer des ajtoQQijTov oroiia, des fit) Zsyó/isvotnmd/i/jjico iyrcoo/avop: so wuadert man sich, bei den Mandaern nicht von einem grossen Namen des Lichts, dem grossen der FinSterniss entsprechend, zu lesen. den man mit „Name des Lebensquot; u. s. w. einstweilen nur anzudenten vermöge, der aber, wenn einmal geoffenbart, alle Rathsel lösen und aller Noth ein Ende machen werde.

§ 6(). Magie und Horoskopie.

Vor Zauberei (Ni«n»n) wird lm Genza eindringlich gewarnt. Der Msiha (Christus) befasst sich damit. Er und die Ruha (der Heilige Geist der Libel) senden weibliche und niilnnliche Zauber-damonen in die Welt (r 51,14 siT\'Xn xnsiirxiNn sriob-ó).

ilit Zaubermitteln gegen leibliche Uebelstilnde soli man sich nicht abgeben: r. 21 f. „O Miinner, die ihr Weiber nehint, und o Weiber, die ibr Mannern angehört! . . . Zengt (x\'rrxa Pael denorn. von und bekommt [Kinder]! Wenn ihr nicht zengt, und bekommt Krank-heit im Bett (xcma), ertragt\'s! Demi über die hasslichen Werke, die sie (fem.) thun, belehre ich euch, über jede Fran die Ehebruch, und über jede Frau die Diebstahl begeht, und über die Frau, die Zauberei treibt und ihre Seele in ihrem Körper quiilt, dass es bei (b?) Gott nicht angenehm und bei den Menschen nicht schün sei: deun es gleicht den bösen Schmerzen, für die es nicht Heilung giebtquot;. Bei der Ermahnung dieses Autors, Leid und Leiden zu erdulden (blDD 22, 1), möchte man doch wissen, ob wohl schon in seinen Tagen Branch gewesen sei, dass Kinderlose und Miitter, deren Kinder jung sterben, sich, wie Siouffi p. 144 hezeugt, um geeignete Amulete an den Priester wenden. Petermann\'s Lehrer folgte einem Mann zu seiner angeblich vom Teufel besessenen Frau. Es war eine Wöchnerin, der die Milch nach dem Kopf gestiegen war. Der Priester liess sie zin-Ader und beschwichtigte den Teufel durch Gehete (a. O. 122). —

1) In der S. S3 angez. Paralleie hat dor altera !). Tr. r. 179, 5 s—r: dis! Vgl, auch in deins. )75, (i die Anrede s^r: ps-\'swi-, unten S. 185.

S*

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Drittes Capitel. Das veligiöse Lieben.

Eine Besehwiirungsformel-gegen böse Geister ist ilas von Siouffi p. 88 s. mitgetheilte Abendgebet; ebenso Qol. 8, 29 ff., zugleich Herbeirnfung der gaten zum Schutz über den ïauflingen. Der von uns „Be-schwürungquot; genannte 27. Tractat des rechten Genzfi nimmt alle guteu Geister zn Zeugen über die treuen Mandiler, dass II. d\'H. sie von allem Uebel erlösen müge, nnd über die trenlosen, dass ibnen kein Sündenvergeber zn ïheil werde.

Wahrsagerei ist im Genza verpönt (r. 20, 10; 38, 10 siehe § 47); und dein entsprechend betbenert die abgeschiedene Seele: „Kein Kal-diler war ich, nnd kein Wahrsager nnd kein Prophetquot; (1. 131,8). Mandïiische Propheten fiuden sich freilich in jungen Stücken, wie r. 25, 7 (SCffilDl Xinm) und r. 287, 12 (gt;1^221 XTPb»). Diese sind aber nur Prediger: das Wort hat sich allmahlich eingebürgert.

Mit Astrologie haben die Mandaer, obgleich erbarmliche Astronomen, sich dennoch viel beschiiftigt. Schon die „Rilderquot; (Ps^ssBiy) des Tags und der Naclit und damit Zusammenhangendes (r. 189 f.) in der Johanneslegende dürften das bekunden. K. 312 wird die Zeit des Neu-monds als verhangnissvoll beschrieben. Ansserdera fin de ich im Genza keine Spur davon. In dem viel jüngern Sfar malwasê ist mandaische Nativitiitsstellung, und überhaupt Horoskopie, mn so reichlicher beur-kundet.\') Die heutigen M. sind der Sterndeuterei sehr ergeben. Nach der Geburt wird dem Kind, am Neujahrstag dem Jahre der Horoskop gestellt. Zum Antritt einer Keise, zmn Anfang eines Unter-nehmens, wie eines Hausbaues, wird der Tag astrologisch bestimmt; dessgleichen der Name der Kinder (Siouffi 144 s.; 148). Petennann versichert a. 0.99, dass sie „im Widerspruch mit ihren eigenen sonstigen Ansichten den Planeten und Zodiakalbildern zuweilen auch offenbar gute Einflüsse auf die Schicksale der Menschen zuschreibenquot;. — Viel-leicht dürfen wir annehmen, dass in den ersten Jahrhunderten nach dem Auf kommen der Lichtkönigslehre, und wohl unter dem Einfluss derselben, die astrologischen Neigungen zurückgetreten waren.

1) Abrah. Kcchellensis schreibt davon (1.1. 335): In 24 signa . . . dividituv sphaera, 12 miinnliche und 12 weibliche. Hinc natormn diligontissime horoscopes observant, et fausta vel intausta illis praenuntiant. Jedes Kind erhalte den Namen des Zeiehens, unter welchem es geboren, oder, wenn das Geschlecht nicht übereinstimme, proximioris signi, mit Hinzufügung des Namens der Mutter (e. g. „Bahrain fiUus Modallalahquot;). Der so bestimmte Name sei jedoch nur in rebus sacris gebriluchlich. So bezeugt auch Petennann a. O. 116 f., dass die M. ausserdem einen bürgerlichen Namen führen, der meist mohammedanisch anklinge, aber nioht^bei der Taufe gegeben werde. — lm Genza jedoch (vgl. oben S. 37 f., z. B. Adam bai Adam), und in den genealogisch en Notizen der Abschreiber werden die Namen der Vilt er genannt, die der Mutter ziihlen für den Stammbaum gar nicht mit. — Nach Siouffi 144 sind im „Asfor Mal-vachoquot; die Formeln der Amulete enthalten.

116

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V. Religiose Gcbraucho verschiedener Art.

§ 67. AngeMiche Verehrung des Kreuzes unci Opfer.

I. „Crucem surumopere veneranturquot; erzahlt Ignatius p. 38 von den „Johanneschristenquot;. Aus Furcht vor den Mohammedanern setzen sic es jedoch nur fur die Dauer der Ceremonie und ganz leieht zusammen, um es im Ueberraschungsfalle gesehwind wieder ausein-ander nehmen zu können. Bei der „Messequot;, d. h. bei der Darreiclrang des Pehta, müsse es vorhanden sein. Ausserdem tragen die Priester als Abzeichen ihrer Würde auf ihrem üutcrkleide oder Hemde ein kleines gesticktes Kreuz (in subucula . . acu depictam), „welches Etlicho von ihnenquot;, sagt Ignatius, „mir wiederholentlicb zeigten und küssten, um mir ihre Ebrerbietung und Hochachtung vor dem Kreuze zu beweisenquot;.

Zur Erlüuterung der bier bezeugten Dinge können nacbstebende Angaben Siouffi\'s beitragen. Erstlicb p. 82: ein Ganzibra in Function bei der Taufe oder Training „doit avoir, en plus que le Tarmido, a coté de lui, le «quot;Pn X\'ffiSXni, qu\'il embrasse soixante fois de suite.quot; Es seien das zwei Kobrstangen (baguettes de jonc), jede an zwei Meter lang; et disposées en forme de croix. Die gleicbe Verebrung erweist tlbrigens nacb p. 81 (S. 113) und nach Qol. 21, 10; 46,28 (TX^r quot;iXplN der gemeine Priester dem Taga, seiner „Kronequot;. — Zweitens p. 123: bei heiligen Handlungen mussen Biscböfe und Priester das Margna mit sich tragen, einen Biscbofsstab (crosse) von Manneslauge aus Olivenbolz. Dasselbe werde den verstorbenen Mandaern sogleicb ■nacb dom Verscheiden links auf das Todtenkleid (§ 50) genaht. Petermann, der es gesehen bat, bezeichnet das Margna nur als einen langen Oliven-stab (Reisen II, 119. 462; PRE1 323).

Im Genza sind die zwei eben genannten Gegenstande r. 289, 8 zusammen erwabnt. Es werden bier, in der mebr genannten Be-schwörung, mit einander zu Zeugen genommen: Gebete und Vor-trage und Reihen und Reden XTn Die

beiden Dinge werden bier als zwei gleicbartige zusammengefasst. Wir dürfen daraufhin das eine wie das andre für Abzeichen priesterlicher Würde halten, üeber die Form verlautet nichts.

117

Nun ist zu beacbten, dass beide Benennungen Fremdwörter sind, welche von Hause aus nicht „Kreuzquot; bedeuten. Das persiscbe Draf sa heisst „Fahnequot;: schon in der Armee des Xerxes gab es Drafsa\'s, „auf welchen Wappenthiere und sonstige heraldische Gegenstande gemalt und gestickt warenquot;.1) Das griechische fidgayva hat auch im syrischen und targumiscben Gebrauch (1. reg. XII, 11. 14 ,p5na) die Bedeutung „Peitschequot; bebalten. Dazu kommt noch, dass die Abbildung der Barken der Sonne und des Mondes die Drafsê (nach Siouffi ist „Kreuzquot; plurale tantum) als „Crux

1

F. Justi, Geschichte des alten Persiens, Berlin, 1879, S. 119.

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

plena tintinnabulisquot; erscheinen lasst, und dass das bischöfliche Kreuz dieses Namens aus zwei gleich langen Staben ziisammengesetzt, oder wohl eher gleich einera Multiplicationszeichen (X) aufgestellt wird. Da darf man doch billig fragen, ob das denn das christliche Kreuz sei.

.,Drafsaquot;, das persische „Fahnequot;, wird mandaisch für die Strahlen der Gestirne gesagt, deren einfachste Darstelliing gewiss zwei Strahlen ftber Kreuz bilden. Da der Schein derselben „nicht ihr eignerquot; sein soli, giebt solch ein Strahlenkrenz anch ein Symbol des Glanzes der Lichtwelt ah, da für ist die passendste Bezeichnung,

und darans liisst sich die demselben gezollte Verehrung erklftren. Ware mit dieser eine Hnldigung des Kreuzes Christi gemeint, so brauchten die Mandaer damit nicht so geheim zu thun, wie Ignaz bezengt. Wollten -sie doch eben damals, nacb Abr. Ecchellensis, bei den Mo-hammedanern für Christen gelten (s. § 3). Das Klissen der Kreuze, welches sie dem Missionar vormachten, war nicht ehrlich.

Das Margna muss, der Wortbedeutung gemüss, ursprünglich ein Hirtenattribut gewesen sein, und ist wohl gerade als solches zum Zeichen priesterlicher Wtirde gemacht worden. Demznfolge dürften auch die Drafsé in diesen Gesichtskreis gezogen worden sein. Darin könnte wenigstens die Garnirung mit Schellen (oder Klappern?) ihren Ursprung haben, namlich dem Genza r. 180, 15 ff. gezeichneten Bild des „Erprobten der Gerechtigkeitquot; entsprechend. „Du gleichst (heisst es bei dessen Zug durch die Matarta\'s) einem Manne, der 120 Jahre lang steht, einem Mamie, der Stecken (xniiin) und Glocke (oder „Klapperquot;,

SHOIDIiO\')) in der Hand halt und hinter dem Vieh geht.....

(S. 75, Anm.). Wahrscheinlich soil bier die Auffahrt eines Priesters dargestellt werden, der zeitlebens, wie JOhana der Tanfer, „die Men-schen wie Schafe vor dem Hirtenquot; und mit seinem Stecken (Xllilfl) im Jordan getauft hat (r. 191, § 58).

Für andere als die Strahlen- oder Bischofskreuze steht Kiffiaim meines Wissens nicht.1)

II. Opfer wollen die M. grundsatzlich keine bringen: r. 6, 17 „Nicht schlachtet man Schlacht[-opfer] vor ihinquot; (nl. dem erh. Licht-könig, iï^xnp xnoiDSy NiCDXZxb). Krass sind die Aeusserungen iiber die jildischen Opfer (nnten S. 129) und fiber die „Schlachtopferpriesterquot; (iOSNT r. 174, 9, vgl. S. 133). Als ein Ueberbleibsel ehemaliger

Thieropfer erscheint huclistens das Traufeln von Taubenblut ant das

us

1

Zuerst also hat man die Gestirne als gleicharmige Kreuze dargestellt. Die Idee, class sie auf Wagen am Firmament einherfahren, ergab wagerechtc Balken, zuweilen befliigelt anstatt auf Riidern, mit aufgepflanzten Kreuzen. Aus dieser Vorstellung konnte leicht eine Barkc mit Mast und Segelstangc

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VI. Die Geistlichkeit

iiohe Pehta, — das Verscharren des Leichnams der Taube inuerhalb des Gotteshanses hat seinen hinreiclienden Grund dariu, dass dieselbe zu so heiligem Zweck verwendet worden ist (s. S. 109, Anm.). Viel-leicht ist jenes auch nur ein nachgeahmter Branch. \')

YI. Die Geistlichkeit.

§ 68. Die Ordnung eines Priesterstan des liisst sich im Genza kaum erkennen. Der jstzigen Stufenfolge1) entspriclit, dass im 8. Tr. rechts Manda d\'Hajê (Nöld. 51), sein Sohn Hibil-Ziwa aber

SlSüSüX genannt wird (Beil. E). Beide Titel kommen selten und mir von Himmelswesen vor: r. 377, 4; 102, 20; 1. 8, 9. Tarmida ist im

1 19

1

Im Einzelnen herrscht ein ziemlich bedeutender Unterschied zwischen Petermann\'s und Siouffl\'s Angaben. Nach Letzterem (p. 67 ss.) ist die Lauf-bahn folgende: Mit dem siebenten Lebensjahr werde man Lehrling „bei den Priestemquot;, zugleich deren Famulus; mit dem 19ten Sganda, d. i. soviel wie Diakon, Gehülfe bei den Cultushandlungen. Höchstens ein Jahr, oft nur 6 Monate spater gelange man zur Priesterpriifung; nur wenn die Gemeinde die Lebens-führung des Gandidaten zu tadeln finde, bleibe derselbe lilnger Sganda. Aus den Priestern (Tarmida\'s) werden die Bischöfe (Ganzibra\'s) gewahlt, donen die absolute Jurisdiction über den Klerus zustehe. — Nach Petermann (Reisen II, 463 f.) bestande kein Unterschied zwischen Lehrling und Sganda — der Sohn des Jahja sei bereits mit deur 5. Lebensjahre in letzteren Rang eingetreten — und kann das Hinaufrücken zum Tarmida schon mit Eintritt des Mündigkeits-alters, d. h. mit dem vollendeten 15. Lebensjahr stattfinden, wenn Wissen und Wandel hefriedigend seien. Indessen sei, durch aussere Umstande behindert, der Priester Jahja erst in 20-, sein Schwager, nachmals Ganzibra, erst in 40jahrigem Alter Tarmida geworden. Den Ganzibra bezeichnet Pefcermann als „Oberpriesterquot;. Zu dieser Würde könne jcder Tarmida nach Belieben gelangen; er müsse dazu nur eine kurze Prüfung bestehen und das Sidra raba rganz inne habenquot;(?). Einem Ganzibra stehe der Vorsitz bei der Trauung und

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Drittes Capitel. Das religiose Leben.

lieuza clurchgehends „Jiingerquot; (eigtl. „Schillerquot;, von -iBb), souoch indem Tr. über die Stadt üraslam (§ 85). Die „Beschwörungquot; ist vielleicht das einzige Stück, wo es „Priesterquot; heisst. Die Lichtköuigslelire redet allerdings von geistlichen Vorgesetzteu, nemit dieselben aber nur „Lehrerquot;, «\'\'iXBbxla (r. 20, 8). Nach heutiger Ordnung ist jeder Subba alljahrlich den fünften Theil seines Einkommens dein Klerus schuldig. — „SalmanaV steht im Genza mit „Glanbigequot; coordinirt, wie auch ini Nenen Testament alle Christen ayioi, réXeioi und oAÓxhjQoi.

l\'-A etc. sein sollen. Heutzutage wird der Ehrentitel nur durch das Masiqta und urn den Preis einer strengen, der Welt entsagenden Lebensweise von den Priestern zuerkannt. Gebote, welche im Genza die Zurückführung Abtrünniger oder grober Sünder bezwecken und an die Gemeinde gerichtet sind, werden heutigen Tags für Eegeln der Absolution nach der Ohrenbeichte (wofür die liez, Nnsnülffi, vgl. § 48 und 95) genominen, wovon das Genza ebenso wenig weiss. Auch ist hier „Nasórajaquot; noch mit Mandaja synonym (vgl. oben S. 9). — Ein Priester hat Geschirr, Speise, Trank und Tisch für sich besonders.

Vergegenwartigen wir uns zu dem Allen noch die neuen compli-cirten Cultusformen, das Misa, das nur vom Priester erhilltliche ge-weihte Wasser des Mambuha, die Prarogative des hohen Pehta, des Weins zur priesterlichen Communion, — so sind wir wohl zu dem Schluss berechtigt, dass der Mandaismus als die Periode des Genza zur Neige ging im Begriffe war sich einer neuen Verfassung anzu-schmiegen, und seitdem in eine letzte Phase, welche. man die klerikale nennen könnte, völlig eingetreten ist.

die Weihe von Seinesgleichen zu, beides künne aber auch von gemeinen Priestern vorgenommen werden, — sodass dem hohen Würdentrager thatsach-lich jedwede Prarogative abginge: demi von der obersten Jurisdiction weiss P. nichts. Nach den Angaben desselben (vgl. § 6) gab es i. J. 1854 einen Ganzibra in éuster und deren zwei in Ammara; nach Siouffi i. J. 1875 überhaupt nur einen. — Aus den von Siouffi\'s Gewahrsmann angegebenen Regeln lasst sich folgern, dass dieser selbst, da er kurz vor seinem 25. Jahr (die Conversion hatte „récemmentquot; stattgefunden) noch nicht Tarmida geworden war, das Sitten-gericht vor der Gemeinde nicht bestanden hatte.

Nach Peterm. PRE\' 322 sind auch Frauen der priesterlichen Würde filhig. Sie können als Jungf\'rauen Sganda werden, sodann mit Geistlichen verehelicht bis zum Range ihres Gatten hinaufrücken. Nach Siouffi 47 kann nur die Frau eines Priesters sich ihm zur Tischgenossin weihen lassen.

Die sehr harte nnd ermattende Prüfung zur Priesterweihe dauert 67 oder (iS Tage. Zu wissen braucht der Gandidat nach Siouffi 6S nur: un petit recueil contenant quarante prières, appelé Sidro Ednachmotho, d. h. wohl einen Theil des Qolasta, vgl. den Eingang desselben: srsttw-r:

120

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Viertes Capitel.

Das mauclaisclie Grescliichtslbild.

I. Der mandüische Standpunkt.

A. Die Uroffenbarung.

§ 69. Was die mand. Literatur über die Schicksale der Meusch-heit und überhaupt an geschichtlichem Stoft\' enthiilt, bat ausscbliess-licb religiöses Interesse. Verkündigung, Gefabrduug und Erhaltung der wabren Religion sind die Momente, auf welche Alles be-zogen wird.

Die Absicbt der Geister des Zweiten Lebens, dass die Welt und deren Bewobner ibnen gebören sollten, ist sebon bei der Ausfübruug des Scböpfungsplanes vereitelt worden. Ptabil bat seine Herrscbaft über das Weltgebaude an die Ruba und die Sieben verloren (oben S. 26, 35 f., 50 f.); den Menscben bat das Erste Leben, als es ibm Seele und Leben verlieb, für sicb genoinmen.

Sogleicb nacbdem Adam zum Leben erwacbt ist, wird er in der wabren Religion imterwiesen. Manda d\'Hajê ruft ihra „eine wunder-same Stimme, \'j davon die Bösen nicbt wissenquot;; die Licbtkönigslehre lasst ibm „die erste Lebrequot; zu ïbeil werden.1) „Eine Rede war\'s und Ein Zeugniss war\'squot;, — damit ist r. 26 angedeutet, dass die Menscb-beit anfangs ungetbeilt sicb zur wabren Religion bekannte.

üeber Scbicksal und Heimgang des Adam vgl. S. 37 f. und 79 f. Nur sein Weib und Adam bar Adam lassen sicb zur Simde verfübren. Das wird jedocb verzieben. Von einem verlorenen Paradiese ist keine

1

S. oben S. 84. — tinio heisst eigentlioh „Gesprachquot;, „Unterredungquot;.

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Viertes Capitel. Das mandilische Gcschichtsbild.

Rede (dafür oben S. 45 „ein Baumgartenquot;). Hervorzuheben ist, dass Adam nicht als Prophet dargestellt wird.\')

Die Geschichte der Menschlieit bewegt sich nm deu Kampf, welclien die Ruba und die Gestirngeister, als eigentliche Beherrscher der gescliaffenen Welt, gegen die wabre Religion führen, urn anch das Menschengeschlecbt sich zuzueignen.

Die Idee der üroifenbarung nnd die Vorstellung von den bösen Sieben baben nacbweislicb bei den cbaldaiscben Semiteu ibre Heimath (Nilberes darüber in unseretn 6. Capitel).

§ 70. Drei Utras sind, das ist scbon altmandaische Vorstellung, den ersten Menscben als „Helferquot;1) nnd „Hüterquot; zngesellt.

lin 6. Tr. rechts lesen wir 101 f.: „Das Leb en rief hervor die Helfer Hibil, Sitil nnd Anós, reiche nnd fehlerlose ütras, rief, steilte sie an und venvarnte sie über die Seelen. . . : Seid ibre Hüter!quot; 107,7; „Tcb [M. d\'H.] und die Utras, meine Brüder, vereitelteu die Anschliige dor Bösen und thaten dem Adam Gutesquot;; — 108, 13 fi.: ,Den Adam ricbtete ich den Grossen (d. b. dem „Lebenquot;) gleich (Sian ir-n) zum Haupt des [Welt-]gebaudes auf, die Hawa scbuf ich der Liebtwolke gleich [als] Herrin der ganzen Welt (vergl. oben S. 37). Als ich den Adam anfstellte, steilte ich drei ütras über ihm auf, Utras die ich aufstellte über Adam und Hawa, an deren Haupt ich war.quot; — Nach der ersten Stelle begleiten die drei Utras die Seele scbon auf dem Weg znr Erde; so audi 1. 74, 19: „Die Seele kam aus dem Hanse des Grossen Lebens, und 3 Utra\'s kamen mit ihrquot;. Lant ein er Stelle ist ihnen das Richten und Reinigen (Ver-nrtheilen und Reinsprecben, vgl. Qol. 4, 28) der Seelen aufgetragen.2) Mit den Todtenrichtern des spateren Parsismns werden sie jedoch erst in einer Glosse zu der selber scbon jungen Beschwörung identificirt.3)

In den Documenten der Lichtkünigslehre sind ein Mal „die drei Utra\'s, die sich in die Welt begeben habenquot; erwahnt (r. 25, 8). Sonst tritt hier der Erste Gesandte r. 13,22 und 27,6 von zwei Engeln

122

1

aus dem Fei\'sischen, Nöld. 418, Arm. 2; für die Bedeutung vgl. r. 20, 19: „Seid Stütze und \'quot;S einander und den Salmana\'s, an welche

Verfolgung gelangt istquot;.

2

lm 19. Tr. r. 256 f. Hibil, der illteste, wird hier sogar „Richter über

die Richter der Weltquot; genannt.

3

R. 286, 11, den Zusammenhang unterbrechend: „Hibil, Sitil und Anós nos-rt sin \'-.■.Wtt ps-\'n2:quot;. Schon Chwolsohn erkannte hier die drei Namen; Muhr (= Mithra), SraoSa und Rasnn Razista; meinte aber, die Mandaer hatten diese Namen erst spater, urn sich einen christlichen Anstrich zu geben, durch die biblischen ersetzt (Ssabier I, 122).

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!. Der inandaische Standpunkt.

■ iTSïÓNtt ^quot;im) begleitet auf,\') sodass offenbar jener für einen von den Dreien gezahlt worden ist. Eine besondere Eolle gebt diesen „Engelnquot; gilnzlioh ab, Namen werden ibnen nicht beigelegt. Sie stellen nur ein Zugestandniss des Autors an die hergebrachte Anschauung dar.

Nach einer Stelle des 6. Tr. (r. 109 f.) baben die bösen Geister es auf das Leben des „fremden Maunesquot; abgeseben: „Den Fremden wollen wir iirabringen, umbringen wollen wir den Fremden, und anf-steigen machen (Afel von pc: öfter = ipy „ansrottenquot;) sein ganzes Gesclilecht. Den Adam wollen wir mit nnserra Griff nebmen,1) und sehn wer es sei, der ibn erlöse!quot; Wabrend jedocli von AnscbUlgen auf Manda d\'Hajè selbst nirgends die Kede ist, sind in dem bereits angezogenen 19. Tr. r. 249 ff. die drei Katastropben, durch welcbe die Menscbbeit dreimal vertilgt wird, gegen das Leben der drei „Helferquot; in\'s Werk gesetzt.

Ueber dieselben bericbten aucb die zwei ersten Tractate und der letzte (KB.) des rechten Genza.2) „Die Welt wird hinweggenommenquot; das erste Mal „durch Schwert und Pestquot;, übrig bleiben Ram und Rud; das zweite Mal „durch Fenersbrunstquot;, übrig bleiben Surbaj und Sarhabiêl3); das dritte Mal „durch Wasserfluthenquot;, übrig bleibt Nu, der Archen-Noa (xbilSCi IS, r. 26 uit.; 380,9, vgl. Nöld. 17).

Laut dem 19. Tractat4) verliess „vor dein Schwertquot; Hibil die Erde (260, 7); zur Zeit der FeuersbrunstB) kam Manda d\'Hajè und steilte sich zu den beiden Uebrigen, und das Feuer gelangte nicht an sie (vgl. 261, 23; vgl. im A.T. daniel IIT, 25. 28). Darauf holte M. d\'H. den Sitil „und liess ibn wohnen an dem Ort. an welchem Hibil wohntequot; (vgl. S. 78, Anm. 2). Anös, allein übrig geblieben, sprach (264 f.): ,ich verlasse mich auf M. d\'H., dass er kommen und mein Halt sein wird in dieser Welt; von den Bösen wird er mich retten (isplSEquot;1:),

123

1

•jsnerVa; der Ausdruck bedeutet aüch: „sich zum Trupp, in seinen Dienst nehmenquot;, vgl. r. 339, 23 f. oben S. 51; r. 27, 15 unten S. 128.

2

Die Perioden von Adam bis zur dritten Katastrophe, und die vierto bis zur Gründung Jerusalems giebt, der 1. Tr. r. auf resp. 30, 25, 15 und (i Ge-schleohter an. Die Rechnung des KB. geht nach Hunderttausenden von Jahren; os ist diejenige, welche der Priester von Süq Herin Petennann zuletzt mit-theilte (Reisen II, 458).

3

Die Pavallele hat r. 50, 5: ,,Dann wei\'de ich und die zwei Utra\'s meinc Brüdei- Stimme und Lobpreis ruienquot;.

4

Dessen eigenthümliche Anschauung Qol. 4, 26 ft\', kurz zusammenfasst.

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Viertes Ca pi tel. Das niandaische Gescliichtsbikl.

wie er meine Brüder vom Sehwert und vom Feuer der Bösen dieser Welt gerettet hatquot;. Letztere „sprachen (265, 8) zu einander: In unserer Welt soil man die Stimme des Lebens nicht rufen, damit sie uns gehöre, und riefen und befahlen den Zornesengeln, dass sie zu der Tibil-Arqa herabfahren sollten, und sprachen zu N u: Baue die Arche, ruf und setze Ziinnierleutc [an die Arbeit]! geh, falie Cedern vom Libanonlande XplX) und Fichten Köld. 379)_ vom

Jatirberg . . . und niram von jedem Zwei, Miinnchen und Weibchen, und setze sie in den Kasten (KSTOlp, y.tfSoiróq) ...quot; Die Absicht ist nicht gegen das Menschengescblecht, sondern lediglich gegen die „drei Mannerquot; gerichtet, damit niemand mehr „ihre Namen und Lehren (THn^NlnlTBI in Erinnerung bringe, und niemand ihre Lehren

hörequot; (Z. 17 f.). Manda d\'Hajê beschiimte die Zuversicht seines jüngsten Sohnes nicht, sondern brachte ihm „Glanz und Lichtquot; zum Beistand gegen die Wasserliuthen (2G6, 18 ff.) Schliesslich war er wie seine Brüder den Augen der Büsen entzogen.\')

Die Fluthsage, im Königsbuch ausführlicher, stimmt gegen die babylonische mit der hebraischen überein. Demnach ist auch für die Agenten der wahren Religion ein Zusammenhang mit den drei Frommen anzunehmen, an deren Erwahnung Genes. IV, 25 f. unmittelbar die Bemerkung knüpft: „Da begann man den Namen Jahwe\'s anzurufenquot;. Auch hier ist ban der Erste. An dessen Statt kommt der, den das . Alte Test. ntti ..Ersatzquot; nennt; mandaisch heisst er (vgl. Nbrp©

„Pflanzequot;, dab. „Kindquot;). Der Dritte ist beiderseits 1) Die Ab-stammung des himmlischen Geschlechts „Anos raba bar Sitil r. bar Adam r.quot; (oben S. 37) entspricht auch der hebraischen Genesis. Nur in dem 18. Tr. rechts, der über die Schöpfung und die ersten Men-schen handelt (nicht alt, vgl. oben S. 29, Anm.) hat r. 242, 14 f\'. Adam einen Sohn Hibil, den die Hawa als Jungfrau und ohne Schwanger-schaft geboren, dieser Hibil einen Sohn Namens Sitil und Sitil einen Sohn Namens Anös.

B. Die falschen Religionen.

§ 71. Die Ruha und ihre Sippe. welche den Verkündigern der Lebenswahrheit nichts anhaben konnen, suchen den Bekennern der-selben durch falsche Lehren beizukommen.

Darauf deutet im 6. Tractat rechts Nachstehendes; 80, 10 „Es

124

1

Der Name wird mitunter geschrieben, z. B. r. 29, 5. 8 und 265, 3. Anlaut ist also der kurze zwischen a und i gelegene. Siouffi transscribirt Amioch Othro.

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I. Dev mandaiache Standpunkt..

werden Stiuimen gerufen und Reden erdacht. Es koinmt eine Stimme und belehrt über alle Stimmen; es Icommt Eiue Kede und belelirt über alle Red en. Es Icommt Ein Mann und belehrt fiber dies und dasquot;; — dazu 88 f. parallel: „Ein geliebter Sohn, der von Armen des (jlanzes gebildet wardquot;\'). Der Autor bezieht freilicli sowohl die Kunft des geliebten Solms auf die Fahrt in die Welt des Ur und die Verdichtung der Erdflilche1), als jene „Stimmenquot; auf die Schöpfungen der Gestirngeister und der Ruba. Die eingeflochtenen Satztbeile — ,.Hr kommt mit der Belehrung (srrny, audi „Glanzquot;) des Lebens, mit dem Gebot seines Vaters (sing.) gebietet er .. . Belehrung liisst er von seinem Innern (snïir) ausgehnquot; — lassen jedoch vermuthen, dass hier ein missverstandener Text benutzt sei, in welchem die wahre und die falschen Religionsstit\'tungen gemeint waren.

Die Belehrung über letztere bietet der 1. Tr. rechts als Vorher-sagung, als Bestandtlieil iler Uroffenbarung. Obige Stelle liisst aber vielmehr eine nachfolgende Aufklarung erwarten. Die Vorstellung von einer (zweiten) Erscheinung des Manda d\'Hajê zum ümsturz aller falschen Religion muss allerdings vor der Lichtkönigslehre Eingang gefunden haben. Letztere polemisirt dagegen r. 29: der Messias der Christen werde versichern: „leb bin der Erste Gesandte, bin Hibil-Ziwa, der [ichl aus der Höhe gekommen binquot;, und ermahnt dazu: „Bekennt ihn aber nicht, deun er ist nicht Hibil-Ziwa. Hibil-Z.\'ist nicht mit Feuer bekleidet, und H.-Z. wird in jenem Zeitalter nicht geoffenbartquot;. üebrigens kennt der 2. Tr. r. 56, 14 den Ausdruck „Erster und Letzter Gesandtequot; und eine Wiederkunft des Ilibil-Ziwii am jfmgsten Tag (54, 5 ff.j; ausserdem liisst der Tractat über Lhudaja den J (in gem (oben S. 30) an eine Wiederholung der Uroffenbarung denken. Eine solche Ervvartung setzt aber ein gewisses Alter des Glaubens an diese, in welchem derselbe seine Frische bereits verloren hat, daher eine Er-giinzung wiinschenswerth erscheint, voraus.

§ 72. Als ürheber der falschen Religionen gelten im Genza die Ruha und die Sieben und der Heiland der Christen (xmra). Aus den Kosmogonieen ist die Gruppe der Sieben rait ihrer Mutter uns bekannt. Wo nun von den fremden Religionen die Rede ist, erscheint der Msiha neben denselbeu, manchmal im Verhiiltniss der Coordinirung; so r. 223, 13; 314, 15; 319, 12 ff.; I. 18, 17. Oder er ist der von ihnen

125

1

Diese und die Bezwingung der Hölle wei den nur in der Lichtkönigslehre (vgl. S. 44) einem und demselben Wesen zugesclirieben. Sollte der Spruch von den Stimmen und Reden sich wirklioli darauf beziehen, so wiiren vergebliche Versuche zur Verdichtung der Erde von Seiten der Ruhil und der fiestinigeister anzunehmen, wo von sonst nirgends eino Spur.

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Viertes Capitel. Das mandaische Geschichtsbild.

beauftragte Anstifter aller Zertrennuug in der Menscliheit; man sche r. 247, 13; „Es gedenken die Euba nnd die Sicben hervorzurufen den falschen Messias, dainit er alle Leute (Niübs) bethöre nnd die Welt nnter die Menschenkinder vertlieile nacli Grenzen nnd Sprachen, zn verdrehen die Lelire für den Mund der Menschenkinder.quot; \') So ist er (r. 247 uit. xnilT »ia!) es, der „den Stamm der Seèlen (als Ge-meinscbaft) liimvegnimmt und in einzelne Theiie zertheiltquot;.1)

In Documenten der Lichtkönigslehre ist mehrmals die Behaup-tung anzutreffen, alle Sprachen (r. 46, 13), alle Völker und Religionen (iOnxn, „rfortenquot;) seien von dem Volk der Juden ausgegangen(r. 24, 1 f.; 120, 15 1\'.), d. h. aucli alle weiteren üeligionen seien unter den Juden verkündigt und von ihnen weiter propagirt worden. Indessen richtet sich doch der Msiha in den zwei ersten Tractaten des rechten Genza uninittelbar an die llechtgliluhigen.

Kului und Msiha sind hier in die Siebenzahl der Planeten ein-gereiht. Dieselbo stellt siidi r. 27, 16 ff. vgl. 23, 15 und 51, 2 ff, unter nachstehenden Namen dar:

1) Sainis == Adönaj = Qados = Él El, „ferner hat er geheime Namen, die nicht geofifenbart sind in der Weltquot; (Sonne);

2) Sin = Sira („Mondquot;); nach r. 51 auch = Sawriêl (Name des Todesèngels! vgl. oben S. 73);

3) Ruha d\'Qudsa = Istra == Lii)at = Amamit; letzterer Name mit einem der vorhergehenden combinirt (Venus);

4) Nbu = Msiha, gew. xanssT oder Kbxsx- \'13 „Lügen-messiasquot; (Mercur);

5) Kiwan (Saturn); — 0) Bêl (Jupiter); — 7) Nirig (Mars).

Dass diese Anordnung eine Neuerung sei, geht auch daraus her-

vor, dass in denselben Tractaten Züge vorkommen, welche uur in das andere Schema passen und als eine Nachwirkuug oder Entlehmmg aus demselben erscheinen. So r. 27, 13: „Und wird geschehn, dass Msiha, der Prophet der Juden, den Sieben eine Stimme ruft. Er nimmt sie zu seinem Trupp, jeder Einzelne kiimpft für ihnquot; r. 54,10:

126

1

R. 301 f\'. Dio Rnha eroffnet ihren Erstgeborenen den Plan: „Und dor Msiha soli dio ganze Welt straucheln (abtrünnig) niaclien, den Stamm der Seelen hinwognehmen und in einzelne Theile zertheilen. Die Jüngcr (s-\'-a-sn, wie /laUr/mi\' im N. T.) soil er rufen mit seiner Stimme und ihnen von unsrer Lehre geben . . . , und von unsern Werken anf sie niederlassen, und Begierde und Finsterniss (srVaip) in die Welt werfen, und der Stimme dos Lobons Kin-halt thun und [dieselbe] von der Welt vertilgon („aufsteigen machonquot;). Aus-rotten soli or das Zoichon des Lobons und die Taufe, mit der sio im Jordan getauft warden, und aufrichton die Mamiduta dor Schandequot;.

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I. Dev mandaische Standpunkt,

„Wenn Nbu aus derMitte der maugelhaften Engel (Nrsnoinn Nisxbxx:) kommt, ruft ihn die Itului d\'Qudsa seine Mutter, und auf der Krone (bibs by) des Himmels und der Erde, auf dem Berg der Verniclitung \'), versammeln sich die mangelliaften Engel, and salben den Nbu mit einem Oelhorn und bekleiden ihn mit Eeuerquot;.

R. 120 f. (spate Lichtkönigslehrc, vgl. g 33) wlrd die Siebenzahl aus Ruha, Msiha, Samis „den alle Leute AdOnaj nennenquot;, Sira, Kiwan Bêl und Nirig zusaramengestellt. Der 10. Tr. r. 222 ft\'., eino Sclmiah-schrift gegen die fremdeu Religionen, liisst jeden der 7 Planeten eine Pforte hervorrufen. In diesen Pforten, die alle ungefilhr auf eins berauskommen, werden Ruha und Msiha oder audi AdOnaj verehrt. An sieben verschiedene Religionen ist gar niclit zn denken. Ms fehlt überhaupt eine ordentliche Disposition.1)

Der Autor, welcher r. 120, 8f. von den „Pforten, welche der Msiha liervorrief\' sagt: „Sie helügen einander und stehen nicht in einer Kedequot;, muss schon von verschiedenen christiichen Parteien gewusst haben.

Auf andere Religionen als die der Jaden und der Christen liisst sich im Genza nur Weniges beziehen. Fast (iberall, wo die Stiftungen der Sterngeister besprochen werden, treffen wir die „Jazuqaja\'squot; an. Der Name mahnt an den von Epiphanius bezeugten 7;^«/, angeblich eiuen Bruder des Elchasai, von welchem die Sampsiler ein Religions-buch besitzen sollten.s) Sie werden immer als Anhünger des Isu-Msiba bezeichnet; die Charakteristik liisst aber durchweg an die par-sische Religion denken. Man seho r. 120, 21: „Thörichte, die das Feuer verehren (silpisa)quot;; 22S, 14: „TInd ruien Wind, Feuer und Wasser an, und Sonne und Mond preisen sicquot;.2) Auch was r. 224, S als ein Sacrament der Jazuqajas angeführt wird, das Abwaschen der Wöchnerinnen auf offener Strasse mit ïhierharn (NrxirS\'Tiï kann nur auf die unappetitlichen Lustrationen der parsischen Praxis:V bezogen werden. Zarathustra oder seine Lebre wird nicht namhaft gemacht; Mohammed nur in einzelnen für sich stellenden Stellen.

127

1

Dio Juden sollen hier r. 23], 4 f. von Sin, dom Mond, ein amlores Mal (224, 9) von don Jazuqaja\'s herrühren.

2

Aehnlich Herodot I, 131 von den Persern (Sonne, Mond und die vier Elemente). Ganz bunt zusammengewiirfelt r. 51, 9, wo die Dajwa\'s des Samis zur Verehrung von Ruha, Msiha, Sonne, Mond und Feuer verführen.

ö) Vgl. Justi a. O. 8G f. (Abschnitt des Wondidad); Spiegel PRE\'- XI, 241; desselben Uebers, dos Avesta F, ICO f\'.; II, LXXXV f. u. s, w.

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Viertes Capitel. Das tnandaische Gofichichtsbild.

§ 73. Ausgangspunlit aller falschen Religion ist in den zusammen-hangenden Geschichtsbetrachtungen (1., 2., 61. Tr. rechts) die Grün-dung Jerusalenis, der nacliste Wegstein nach der grossen Fluth.

„Bis dass TJraslam erbaut wurde, stiegen die Seeleu zum Liclit emporquot;, das beisst: bis dahin habe die Menscbbeit sicli an die un-gefillscbte Lebre gehalten (r. 302, 13 vgl. 26, IS ff.). Die Stadt win! eigens zu dem Belmf erbaut, iliren TJrhebern eine Partei, XtnïTïD, zn stiften. In dem Namen asblCXTiy ,,ür hat\'s vollbrachtquot; erkennt man leicht die gehiissige Verdrehnng von sbffii.T1. Ueber die Herkunft der Ein-wohnerschaft fehlt jegliche Andeutung. Nach der sonstigen Annahme, dass nur die höchsten Wesen Menschen das Leben zu geben vermogen, müsste sie sich aus den Anhüngern der wahren Religion recrutirt haben, wie das in Ansehung der Christen vorausgesetzt zu werden pflegt. Man darf vielleicht an die denten, welche

r. 179, 14 f. erwilhnt werden: „Werdet nicht abfiillig (Etpaal von blEO, „strauchelnquot;) von dem Leben. wie die ersten Abfülligen (Part. pass.), die sich abfiillig machen üesfien (Ettafal)allein wo es sich um die Griindung Jerusalenis handelt, ist iiberall die Bevölkerung als etwas Selbstverstündliches in die Vorstellung der Stadt mit einbegrififen.

Es bildet dieselbe das Volk der Juden, benaunt, wobei

der Zahnlaut behufs boshafter Ankliinge an „sündigenquot; und X\'jnXquot;1 .abortusquot; verwechselt worden.\')

Der 39. Tractat rechts handelt ausschliesslich über die Stadt Uraslam. Er ist der jüngsten einer im flenza (vgl. § 27); der Um-stand jedoch, dass darm nur die Ruha und die Sieben, und noch nicht der christliche Messias genannt werden, liisst uns annehmen, dass der-selbe (abgesehen von dem Auftreten des Anus) auf die illteste Vorstellung von der Griindung Jerusalenis zurückgehe: Auf Anspornen der Ruha, ilirer Mutter, wofttr die Bezeichnung „Namrus, Mutter dei-Weltquot; abwechselt, „kamen die sieben Sterne auf ihren sieben Wagen, und stiegen vom Firmament auf die Arqa herabquot; (329, 20 f.). Durch Zauberkunst und Boschwörungeu (331, 7 ff.) banen sie die Stadt, „in welcher die Juden warenquot;, und schaffen denselben „Schutzengel (SiTJX: iODXba), Meeresfische und Vögelquot;. „Von einem Ende bis zum andern waren sieben Siiulen, von welchen alle Schiefheit und Lüge entstand. -) Die Juden vermehrten sich darin . . . und sie (die Ruha) war dazu gelangt (oder „gelangte binquot;, riOt:\'\'^) ihren (oder „einenquot;) Griff zu thunquot;.

128

1

Vgl. r. 45 f. und 224, 13 231, 5 \'■gt; (Judaei, abortus et excrementa). Die zu Grunde liegende Namensform ist targum. -quot;itr, plur.

oder oder syr. i.^?eou«. Vereinzelt findet sich aucb die Bonennung

V-^s-ï» (r. 40. 20; 120, 15 f.).

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I. Der mandaisclie Standpunkt.

Die Liclitkönigslehre hat r. 23, 15: „Yerehrt nicht den Samis, dessen Name Adonaj u. s. w., welch er Adunaj sich selber eiu Volk er-wiihlt (XiSNSi) und sich eine Gemeinde sammelt NntJiW). Gehaut

wird (r. 50, 10 von Salomo; KB. r. 381, 30 von den Sieben auf Geheiss des Adonaj) der Platz Uraslam \'ly), die Stadt der Juden,

die sich mit dem Schwert beschneiden und von ihrern Blut sich ins Gesicht streichen (r. 45, 22 und in den Mund giessen) und den Adunaj anhetenquot;. Die Farallele schaltet ein (45, 17): „Es war das Volk der Juden, und Opfer (sisailp) von Thierfett bringen sie ihra dar, und Blut von Thieren giessen sie im Heiligthum (XttHXpE rrn) vor sich hin, und thun was nicht Recht ist, und Volk des Hauses Israël

werden sie genannt.....quot; Hier werden auch Abraham und Moses

erwilhnt. Beide führen den Titel xnili xrPn:. der auf die Anschau-ung, nach welcher Jerusalem und die Juden der Ruha angehören, zurückführt.\') Daraus ergeht fast mit Sicherheit, dass die Juden und die Hauptzflge ihrer heiligen Geschichte den Mandilern schon vor dem Aufkommen der Lichtköuigslehre bekannt gewesen sind.

Ferner prophezeiht der 1. ïr. r. 27, 8 der Stadt eine Dauer von „tausend Jahren in ihrem Aufblühen (KB. 381,15 „und tausend in ihrem Welkenquot;); und wird geboren der Künig Salomo, David\'s Sohn (]1tti50 quot;iliïquot; 13 XDbStt), und wird König fiber Juda (-insquot;1) und der grosse Beherrscher Jerusalems sein, und Dilmonen (irmxo .= „Ver-derberquot;) und Dajwas unterwerfen sich vor ihm und wandeln nach seinem Willen, bis dass er sich selbst vergöttert (Nnxnüi: nüEN\'a) und die Gnade seines Herrn nicht annimmt. Dann keliren die Dilmonen und Dajwa\'s um von seiner Eede, und das Königreich wird

129

1

R. 45, 14: „Der Prophet Abrahim (immer D-r;iCos; KB. 381, 16: „Abr., der Vater der Judenquot;) wird gerufen in üraslam. Und dieser Adonaj ruft den Mêsê, vom Sinaiberg; und den Mêsa bekannte er (n-i-s scsz) nnd gab ihm sein Volk zu eigen. Er ruft und macht sich ein Bethaus (suosa R. 46, 8:

„Da Adonaj sein Herr ihn [den Abr.] liebte, beschnitt er sich und schied von seinem Vater und ging in die Fremde in der Welt (gen. Xll, 1 ff.). Er schuf sich einen Ort und machte sich ein Bethausquot;. R. 50, 6 ff. werden Abrahim und Mêsa als Propheten der Ruha und als gleichzeitig mit der Erbauung Uraslam\'s genannt. Das Königsbuch lilsst ersteren erst in der zweiten Periode Jerusalems mit seinem ganzen Geschlecht nach Egypten ziehn, und erzahlt dann den Durchgang durch\'s Rothe Meer. Die egyptische Episode und dieser Durchzug sind im Genza nicht weiter erwahnt. Vgl. Beilage K über den betr. Abschnitt. \\ on Identitat der Egypt er mit den Mandiiern ist darin noch gar keine Rede.

Brandt, Mandaisclie Religion. 9

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Viertes Capitel. Das mandaische Geschichtsbild.

von ihin genominen ...quot; Hier ist die parsische Sage von Yima und seinem Fall auf den Künig Salomo übertragen.\')

Es folgen die Erscheimingen des Msiha und eine Gegenerschei-nung des Anus. — Die Zerstorung der Stadt wird überall dem Anus zngesclirieben: r. 53, 15 zam Beschluss der eben augedeuteten, nach r. 29, 19 jedocli erst in einer besondereu neuen Erscheinung. Daran zeigt sicb, dass die beiden Manifestationen des Anós nicht ursprünglicli zusamnien gehören. Die Erscheinung des Anös in Jerusalem, die Ver-legung einer Episode der mandaischen Geschichte dahin, lasst sich von vornherein für jünger halten als die Anschauung von dieser Stadt als der Wiege aller falschen Keligion. Nur der Glaube, dass deren Zer-störung von dem „Ersten Lebeir verfügt worden, ergab sich daraus von selbst. Wie man dazu gekommen, die jüdische Metropole als einen Schauplatz der eigenen Vergangenheit zu betrachten, wird sich in dem zweiten Abschnitt dieses Capitels herausstellen.

§ 74. In Jerusalem soli audi Jesus Christus geboren und auf-getreten sein. Den mand. Autoren gelten die Christen mitunter für die dermaligen Juden. K. 46, 5 heisst es; „Sie kehren um von dei-Rede ihres Herrn, und verlaugnen den Mêsa, den Propheten der Euha, der ihnen das Gesetz (scw:) gebracht, und falschen darin (fim und falschen in den Werken des Abrahim, des Propheten der liulia auf dem Sinaibergquot;. Das klingt etwa wie die Meinung der Pseudoclementinen über die prophetischen Autoren des Alten Testaments. Allein der Hass, in welchem die Ruha bei den Mandaern von Anfang an gestanden hat, zengt gegen irgeudwelche Verbindung derselben mit der judenchristlichen Gnosis. Einfacher ware die Er-klilrung, dass die Mandüer zunüchst nur mit dem Judenthuin bekannt gewesen und dann erst Christen begegnet waren, die das wahre Israel zu sein behaupteten, mit der bekannten allegorischen Auslegung des Alten Bundes. Man bekam davon den Eindruck, dass die Juden ihren Glauben verandert hiltten, und hielt also die Christen für den jüdi-schen Nachwuchs. Es ware dies nur dann unmöglich gewesen, wenn in der Gegend der mandaischen Niederlassungen immerfort Juden verkehrt hatten, was gar nicht gesagt ist. Aus der bezeichneten Auf-fassung versteht sich z. B. die Stelle r. 51, 10: „die Dajwa\'s der Kuha begeben sich zu dem Msihaquot;. Freilich mag bald genug Widerspruch jüdischerseits die mandaische Gemeinde erreicht haben. Davon zeugt

1) Vgl. Fr. Windisclimann, Zoroastrische Studiën, nach dem Tode des Verf. herausg. von Fr. Spiegel, Berlin, 1863, S. 27 f. 32 f. In dem Bericht Fir-dusi\'s heisst es: „ . . . ihm gehorchen die Dêws, die Vogel und die Peris . . . Da wird Jemsid stolz und versagt Gott die Anbetung; er fordert sie für sich . . . Da weicht die Gnade Gottes von ihm ...quot;

130

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I. Der mandaische Standpunkt.

die Aussage r. 24, 14 fiber diejenigen, welclie in der Ersten Rede uicht stelien, dass sie „sich gegenseitig zu Ltignern machenquot;. Und wie geradezu aus jtidischem Bewusstsein ist r. 56, 6 berichtet: „Wenn [Nbu-Msiha] gross geworden, tritt er in das Haus des Jndenvolks und erlernt ihre ganze Weislieit und verdreht dieÓrajta fxr^Tquot;b inbD^SNI), und verandert ihre Lehre (Nr\'ü) und den ganzen Cultus («nXTOió ■jilnblD). Er bestrickt vou den Sohnen der Juden [eine Anzalü], und macht einen Anhang (scbxriN- asfiófievoi)quot;.

Aus dem Tractat über die Stadt üraslam, aus der Bezeichnung .Prophet der Ruhaquot; für Abraham und Moses, sowie aus der oben citirten Stelle r. 51, 10 ist ersichtlich, dass die Ruha das eigentliche Judenthum, abgesehen von der christlichen Neuerung, vertritt. Ziehn wir dazu den ITmstand in Betracht, dass die Kosrnogonieen auf den Msiha noch gar nicht Bezug nehiuen, wiihrend in denselben die Ruha schon als Mutter des Ur für die Namrus auftritt, und als Mutter der Sieben auch ibre eigenthümliche Rolle spielt, so gewinnen wir von dieser Seite nicht nur die Bestatigung des vorhin Verniutheten, dass die Mandiier \'das Judenthum ther gekannt haben als das Christen-thum, sondern obendrein das weitere Ergebniss, dass sie zu jenem auch bereits Stellung genommen, die niemals verlaugnete, gehassig feindselige Stellung eingenommen hatten, bever ihnen von dem Heiland der Christen eine Kunde gekommen war.

Grundanschauung ist bezüglich der Ruha, dass die Oberflilche des Schwarzen quot;Wassers, wo die Verdichtung der Erde stattfindet, ihr eigentliclies Gebiet sei. Die Herrschaft darüber ist ihr Bestreben sobald der Glanz des fremden Mannes abzunehmen scheint, und nach-her, wenn sie dem Ptahil ihre Dienste antragt, ihr wahrer Zweck. Laut dem alten Citat r. 98, 17 (oben S. 37 f.) ist dieselbe aber auch schon ihr Theil gewesen „bevor das Firmament ausgespannt und die Erde fest gestaltet war durch die Verdichtungquot;. Gar nicht verkennen lasst sicli der Zusammenhang dieser Ansicht mit der bekannten Vor-stellung des Buches Genesis: „Finsterniss war über der Tiefe, und Ruha (hebr. ïext; Geist Gottes; Targ. Onk.: ein Wind \'11 aip ïarg. jer.; der Gnadenwille, \'11 aip p pami xmi) schwebte (Targg. iOl2J:a ,wehtequot;) über den Wassernquot;; — der Ausdruck „das trübe Wasserquot;, (von ou^z, Nöld. 6(5) ist wohl geradezu durch

das XlQlfin, sjt. dieser Stelle veranlasst worden.

Ohne Zweifel sind also die betreffenden Partieen der Bücher Mose und einiges Weitere, z. B. aus Daniel, den Mandiiernbekannt geworden. Dabei ist irgend eine Vermittelung von vornherein wahrscheinlicher, als dass sie selber im Alten Testament gelesen hatten.

Zur Erklarung der mandaischen Stellungnahme erinnere ich erstens an die blutigen Verfolgungen, welche unter Artaban III

9*

131

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Viertes Capitel. Das mandaisohe Gesoliichtsbild.

(12—42 n. Chr.) gegen die Juden in Babylouien ausgebrochen, uachdeui zwei jüdische Manner (Asinaj nnd Anilaj) erst als Eauber und dann als Verwalter der Satrapie Jahre lang das Land geplagt batten. Der Hass war allgeinein, und ruhte nicht, bis die zahlreiche Judenschaft ganz fortgezügen war (PL Josepbus, Arch. XVIII, 9). Zweitens aber au die alte babjlonische Lebre, dass im Anfang die von Maru-duk bekampfte Tiamat tiber das finstere Urwasser geberrscbt habe. Beides zusammengenommen erkenut man, wie uabe es eben dort und damals lag, den jüdischen Text auszunutzen und die Ruha zur Keprasentantiu des Judenthums zu machen.

II. Christlicher Eiiilluss.

A. Neue Vorstellungen.

§ 75. XJnter den Abscbnitten im Genza, welcbe Gestalten der cbristlichen Vorstellung als mandaiscbe vorfübren, kommt in erster Stelle der 9. Tractat r. 173—180 in Betracht.

„ümsturz der gesaimnten Gottheit des Hausesquot; (X51DÏ Nnbxpnxp XST\'Knï srinsbs) ist der Titel, welcben Codex B in der Unterscbrift demselben giebt. Als ein Erzeugniss der Periode des Niedergangs des alten Mandaismus, noch vor dem Aufkommen der LicbtkOnigs-lebre, erkennen wir denselben daran, dass er einerseits die Vorstellungen und Ausdrücke der Letzteren nocb ganz vermissen lasst, andrerseits aber die aus den Tbeogonieen bekannteu Namen oder Benennungen in wenig scbulgerecbter Weise verwendet. Es erschallt eine „Stimme des Lebens aus den Pira\'squot; (175 f.); eine Kategorie des Personals der Licbtwelten wird „die Söbne des weissen Pira Samquot; genaunt1); 1.178,18 begegnen wir dem Ausdruck liosn Nil (s. unten),

Freilicb erregt den Composition au mebreren Stellen ernste Bedenken in Ansebung der Integritat des Textes.2)

Die „Gottheit des Hausesquot; bildet Alalia mit den „Herren des Hausesquot;,3) d. b. den Eegenten der geschaffenen Welt. Es sind ohne Zweifel die Gestirngeister (175,12: „Die Güte des Lebens wird den Herren des Hauses nicht zu Theil; die Eader ihrer Wagen sind in

132

1

Vergleiche zu diesem sisTn si-s aso das N:sa ass (r. 189 und 196; 1.7, 9) und ktt i-»o aso (r. 295, 12) oben S. 19 und 31.

2

Die Darstellung geriith schon bald in Verwirrung und liebt 174, 11 von Neuem an. Auf den letzten Seiten vergleiche man 179, 8 f. mit 177, 24 f., 179, 14 f. mit 178, 8 f. u. A. m.

3

sms:2: nis», r. 173 14; 175, 12. — Qol. 1, 18: snissri r-s-3 sair.

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II. Christlicher Einfluss.

Unorduung gerathenquot;), denen auch das von 177,14 gelten muss.

Als Xtinioai© werden sie 175,21 „in die Tiefen der Arqaquot;

(ps. LXXI, 20) und „in die unterste Höllequot; geworfen.

Seltsam scheint 174, 6 ff. die Metamorphose des Alalia und der Engel (s. unten); mit (= quot;n© bslt;) bezeiclmen r. 175, 14 die Herren

des Hauses den höchsten Gott.

In ihrer vorliegenden Composition nimmt die Darstellung nach-stehenden Verlauf.

„Die Mensclienkinderquot;, wofür auch „alle Weltquot;1) und „die Yülkerquot; steht, haben den Alaha gefürchtet, dein auch die „Herren des Hausesquot; gedient haben, bis Manda d\'Hajê in Glanz und Licht „erschienen ist, um alle Welt zu beschamen, und die gesammte Gottheit des Hauses umgestürzt und alle Herrschaften der Welt aufgelöst hatquot;. Er ist „das Zeichen und Ebenbild des Grossen Lebensquot;. „Alle Weltquot; fiillt heschamt aufs Antlitz und wagt nicht anfzublicken. Uie „als gerecht Erprobteuquot; verlassen sogleich die wantenden Throne Hires Gottes, „werden erfüllt von dem Lebenquot; und verehren es (by iOTi l\'inry ■Jinisiïiy). Die „Herreu des Hausesquot; fordern den Alaha auf: „Du bist unser Ebenbild und wir siud dein Ebenbild, — wenn in dir Kraft ist so verandere deine Gestalt, so werden wir gehn und zu dem Lebenslicht hinzugefügt werdenquot;. Er antwortet: „bis in Ewigkeit nichtquot;. Sie aber bereuen nun, dass sie ihra gedient iiaben.2) Seine Trage „Warum weint ihr Völker und Geschlechter: eure Herzen ob einer Sache die euch nicht angeht?quot; bringt die Angeredeten in Em-pörung. „Verflucht bist du Alaha!quot; antworten sie.

Es soli wohl die Rache dafiir sein, was r. 174, 6 berichtet: „Alaha stieg herab von der Hühe und nahm die Gestalt vou Engeln an, und die Engel verkleideteu sich in Damonen (simso), und alle Tage lang verdrehen sie die Herzen der Mensclienkinder, und lassen sich nieder auf den Hals der Opfer- und Festpriester, sich satt zu essen au ihrem Pleisch nnd einen Rausch zu trinken an ihrem Blut.3) Sie redeten mit Schlauheit und Falschheitquot;.

Sonst ist die Voraussetzung, dass die Anhanger des „Lebenquot; bis zur Erscheinung des Manda d\'Hajê verfolgt worden sind. Jener „Stimnie des Lebens aus den Pira\'squot; begegnet „die Stimme der ge-

133

1

Der Plural steht oft für das colleotivische „Weltquot; = „Leutequot;. Vgl. r. 112, 3: „Gold und Silber, wodurch die s-sis berauacht werdenquot;.

2

R. 173, 14 „Entsetzen fiel auf die H. des H.quot;; Z. 18 „Weke uns, dass die Werke unsrer Hiinde gerecht waren, und wir [dennoch] schuldig sindquot;. Gute AVerke im unrechten Namen gethan gelten nichts, s. Beil. C sub Ic.

3

Nach 28, 14 sind umgekehrt die sc-nisi n-ist sjiisis die Dajwd\'s des Nirig, welche „über die Mensclienkinder herfallen, ihr Fleisch zerreissen und ihr Blut auf der Arqa vergiessenquot;.

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Viertes Capitel. Das inandilische Geschicbtsbild.

rechten Erprobten aus den untern Wohnungen, die XïïICJa

preisen und sprechen: Wir haben den Tod gekannt auf der Tibil, vou dem Tags an, dass wir das Leben geliebt und den Tod gehasst haben. Auf dich, Leben! haben wir uns verlassen, und wegen deines Namens, Leben! sind wir auf der Tibil verfolgt worden.

„Fürchtet und preist, erprobte Gerechte! das Lebenquot;, so wendet die Darstellung sich 176, 6 wieder zur Anrede, „und das Leben wird sich auf euch niederlassen .... Ich habe euch aufgerichtet.. . Steht vor rair! Leucbtet und erleuchtet: mein Licht soil über euch aufgehn! Dann werden die Angesichter der als gerecht Erprobten leuchten und erleuchten1) heller als die Söhne des weissen Pira Sam, und ihre Gestalten leuchten wie das Leben, in dem keine Dunkelheit ist (Z. 12) . . . quot; Dazu gehort 178, 12; „O ihr, die ihr Mantel2) anzogt, und verfolgt und verlassen wart auf der Tibil! euch bekleide ich mit Glanz; und eure Verfolger mit Kleinheit und Schande . . . Wie die grosse Ader der Ajar-Erde bekleide ich euchquot;.

Die Züge, mit denen der Fall der falschen Gottheit dargestellt wird, sind bereits oben angegeben. Nachher heisst es unerwartet noch einmal (177, 14): „Die Götter waren erschreckt, taumelten über ein-ander und sprachen: Wie preisen wir den Manda d\'Hajê? ...quot;

Nach 179, 7 ff. kame die Erscheinung der ganzen Menschheit zu-gute; „Dann gehn mein Name über die Tibil und mein Lobpreis durch alle Weiten. Es war [seine?] Stimme auf der ganzen Arqa und [sein?] Glanz ging unter in jeder Stadt; geoffenbart ward M. d\'H. allen Menschenkindern, und er befreite sie von der Finsterniss zum Licht u. s. w.quot; Allein diese Stelle gehort schon dem schlecht zusammen-geflickten Schlussabschnitt an, wie denn jenes sonderbare ÜTn SNIX xrat-fta bira aus 178, 1 stammt, wo wir richtig mit birn lesen: „der Glanz einer jeden Stadt ging unterquot;, d. h. alle Herrschaft der Welt wurde aufgelöst (nach 173, 6).

§ 76. Eigenthümlich ist diesem Tractat der sehr starke alttesta-mentliche Bestandtheil in Vorstellung und Sprache. Manda d\'Hajê erscheint auf jüdischer Erde in dem Glanz der messianischen Herr-lichkeit. Die Schilderung hat 174, 11 ff. nachstehenden Wortlaut: „Geoffenbart ist das Leben der Tibil, aufgegangen Glanz und Licht und Leben (cod. B „und Lebensli-chtquot;). Das Meer, als es ihn sahe, kehrte um, und der Jordan wandte sich rückwarts; die Berge sprangen

134

1

Af\'el von ma ohne Object entspricht etwa unserem „erglanzenquot;. Ich gebe jedoch die Derivate dieses Stammes, znr Unterscbeidung von solchen an-derer Wurzel, immer mit „Lichtquot; und „leuchtenquot; wieder.

2

nach Nöld. 127 Fremdwörter. Was hier eigentlich gemeint sei, liisst sich nur muthmassen.

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II. Christlicher Einfluss.

■wie Hirsche, unci die Hindinnen auf dein Feld verdarben ihre Jungen. Und die Hügel redeten mit Ehre 1) wie die Wolkensöhne. Die Berge üffneten iliren Mund und gaben Lobpreis, und die Cedern auf dem Libanon wurden gebrochen. Die Erde, als sie micb (sic!) sahe zitterte und ward erschüttert. Der König des Meeres, als er mich sahe, kehrte urn. — Meer, wen sahest du und kehrtest um? Jordan, wen sahest du und wandtest dich rückwarts? Berge, wen saliet ihr und spranget wie Hirsche; und [ihr] Hindinnen auf dem Feid, warum verdarbt ihr eure Jungen? Hügel, für wen redetet ihr wie die Wolkensöhne mit Ehre? Berge, für wen öffnetet ibr eueru Mund mit Lobpreis? Cedern auf dem Libanon, für wen wurdet ihr gebrochen? Erde, wen [175] sahest du und wurdest erschüttert? König des Meeres, wen sahest du und kehrtest um? ...quot; Die Antwort ist: „Vor dem Glanz uud Licht des Manda d\'Hajè . . . Deinen Namen, Leb en! haben wir nicht genanut, und deine Furcht nicht gekanntquot;. — „Dies ist das Licht des Lebensquot;, fahrt Z. 7 umnittelbar fort, ..welches geoffenbart ward, und die erpr. Gerechten priesen es. Und M. d\'H. sprach zu ihnen: Ich bin gekommen um bei euch (Tiob) zu wohnen, der ich euch auf-stellte im Licht des Lebens, und euch aussonderte von den Yölkern und Geschlechtern; und werde euch aufstellen in der Liebe der Ge-radheit, uud ihr sollt Gerade (Si\'OittJD) sein vor mir in dem Lichte des Lebensquot;. Daran schliessen wir 177, IS: „ . . . damit ihr auf Manda d\'Hajê Vertrauen habt: Wie ein guter Hirte, der sie weidet und allen Geist des Abfalls nn) von euch ab und ferne hiilt, wie ein

guter Hirte seine Schafe, die er zu ihren Hürden (snni-) treibt, setzt und pfianzt er euch vor sich hinquot;. — Endlich 178,2: „Manda d\'Hajê ward geoffenbart in Juda (-nniJquot;1), und der Weinstock erschien (siTnxny, wie trfavtQojVrf: in üraslam vor welchem kein Frevel existirt, . . . und in der Gottheit ist nicht Seinesgleichen (ftmn) ...quot;

Ohne Weiteres ist in Obigem die wörtliche Benutzung von ps. CXÏV, 3—6, mit Anklangen an ps. XVIII, 8 und XXIX, 5. 9, zu erkennen. Woher aber stammen bei jener der „König des Meeresquot; und die „Wolkensöhnequot;? Es sind dies sowohl dem Psalm wie der man-daischen Vorstellung völlig fremde Figuren .... Ein Vergleich des 114ten Psalms im Targum und in der Peschito führt sofort zu der Entdeckung, dass sie lediglich dem groben Missverstündniss irgend einer aramiiischen Reproduction desselben seitens des mandilischen Autors ihr Dasein verdanken.2) Uebrigens stimmt der Wortlaut ab-

135

1

s-sp», -wohl nach ps. XXIX, 9. Das Targum hat für hebr. tias oft so hier laip -p-s -j—dx W;- rfffl-ipsa.

2

s-xpya s-;s:s rs:: -a sVisa srsas-s vgl. Targum: ,]iquot;: •)•:: snas-J „die Thiller [hüpfen] ^e die Lammerquot;; Syriaca: 1.11.5 Ferner

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Viertes Capitel. Das mandaische Geschichtsbild.

wechselud mit der targuinischen und mit der edessenisclien Version überein, — und so verhillt sich\'s auch mit andern dem Alten Testament entstammenden Stellen dieses Tractats. ^

Wenn der mand. Autor die beiden Versionen für seine Arbeit verglioben batte, waren jene Missverstandnisse kaam möglicb ge-wesen. Die Auswahl der Citate bekundet auch eine grössere Be-lesenbeit im Alten Testament, als einem Mandaer überhaupt zugetraut werden darf. Zumal die poetischen und prophetischen Partieen sind im Genza sonst gar nicht berücksichtigt. Endlich ist die parallels Kedeform hier (vgl. die in § 75 erbr. Stellen) etwas so ganz Anderes als der mandaische Vers (Wiederholung eines Satzes mit blosser üm-setzung der Würter), dass die Verarbeitung einer fremden Vorlage in diesem Tractat für ausgemacht gelten kann.

Die zu Grande liegende Schrift hat dann in dem Ton und mit Rede-wendungen der hebraischen Poesie die Erscheinung des Lichtwesens gefeiert, dessen Offenbarung „in Juda nnd Jerusalemquot; den Sturz der falschen Götter bedeutet. Olme Zweifel war dieselbe eiu Erzeugniss der Gnosis, welche wohl schon Justin der Martyrer im ^óvzayua dem Satornil zuschrieb. Bieten doch Irenaeus und die Philosophumena (VII, 28, Cruice p. 368) gleichlauteud: Kal xov róv \'lovóaicov amp;e6p tva tojv uy/Dxov eivai iptjOi, y.aï óta zo povïeaamp;ai xov üaxtQa xaxaXvdcu jcavxaq xovg IcQyovxag (die niNÏ!) jiaoaytvioOca

xov Xqioxm\' èjtl xaxaZvou xov xóv lovóaimv Otov xal tjtï ooj-xrjQia xffjv JitL\'Joiiivojv avxcij\' elvai ós xovxovg [roüg?] ïyovxaq xov Ojtivamp;ïjQa x)]g ^coTjg tv avxolg.1)

136

1

Die Stelle des Iren. (c. omn. haer. I, 24, 2) ist nur lateinisch erhalten. Die

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II. Christlicher Einfluss.

Zu vermerken ist, dass die Schrift in aramiüscher Sprache ver-fasst gewesen sein muss. Der mandilische Autor hat dieselbe mit den ihin gelilnfigen Yorstellungen und Ansdrucksweisen verarbeitet und versetzt, ohne solche verineintliche Funde, wie den König des Meeres und die Wolkensöhne, wenn ihn diese Phantasieen ansprachen, wegei: ihrer bisherigen Unbekanntheit zu übergehen. Das Wort xnsbs ist als Eigenname, soviel sich nachweisen lasst, zuerst durch diesen Tractat in die mandaische Literatur eingeführt worden (173 uit. xmn epexegetisch angehilngt?).

§ 77. Eine ganz neue Erscheinung im mandaischen Gesichtskreis ist Johannes der Tilufer.\') Die alteste Urkunde über ihn bildet der Tractat von Jóhanas Ausgang.1) Derselbe ist im Genza audi die einzige dieser Art. Von Yorstellungen der Lichtkönigslehre ganzlich frei, gehort er der poljtheistischen Gruppe an. Einzelne Züge trageu das Geprilge der letzten Periode, namentlich die Dreizahl der „Lebenquot; (oben S. 19. 33, vgl. § 27). Anderes, wie die Stellen von der verlangten und erwarteten Offenbarung (S. 33 f. und 105) deutet vielmehr auf die erste Periode des Niedergangs der altmandaischen Schule; vgl. S. 125. Für erheblich illter als die Geschichten von dem ïaufer in den Drasê d\'malkè (Sidra d\'Jahja) ist der Tractat, auch in seiner vorliegenden Redaction, schon wegen der ausschliesslichen Verwendung der Namens-form JOhana zu halten.2) Dem Autor des „Umsturzesquot; muss aber die Johanneslegende noch fremd gewesen sein: er lultte sonst nicht uinhingekonnt, dieselbe zu berücksichtigen.

Der Inhalt, welchen Beil. G ausführlicher mittheilt, verliluft wie folgt:

137

1

Es ist der 11. Tr. r. 188—196, der Kürze balber und seiner Form ge-milss von uns als „Johanneslegendequot; bezeichnet, vgl. oben S. 19, 33, 40, 74, 79, lOOff., 105. Der Titel im Eingang: „Aussprüche (s^asuiB) Joh. des Tiiufersquot; passt nicht. Vielleicht bat der Tractat einmal eine Sammlung von Sprüchen Oder Predigten des Joh. eröffnen sollen.

2

Auch theilt mir Prof. Nöldeke gütigst mit, dass ihm aus den DraSê d\'malkê nichts dem Tractate des Genza Aehnliches erinnerlich sei.

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Viertes Capitel. Das manclilische Geschichtsbild.

138

Zweiundvierzig Jahre lang hat Joh. „den Jordan genommenquot; und Myriaden von Seelen in demselben getanft. Zum Beschluss erscheint ihm Manda d\'Hajê, in der Gestalt eines kleinen, 3 Jahre und 1 Tag alten Knaben, und verlangt von ihm die ïaufe. Joh. bestellt ihn auf morgen zurück, er wolle jetzt essen und sich zur Rnhe begeben. M. d\'H. bittet daranf die höchsten Wesen, dass ein Schlaf über den Tilnfer kommen und die Nachtzeit auf eine Stnnde zusammen-schrumpfen moge (vgl. die Beilage). Beim Erwachen wird Joh. durch die Fragen des M. d\'H. über seine Art zu taufen stutzig gemacht. Seine Jünger müssen ihn noch dazu drilngen, dem Gesuch desselben zu willfahren. Wie er jedoch zur Vollziehung der Taufe in den Jordan tritt, erkennt der Strom den Meister: erst tritt er über seine Ufer, dann fahrt er weit zurück. M. d\'H. wirft seinen Glanz auf den Jordan; Fische und Vogel üffnen den Mund und preisen den Manda d\'Hajê. Nun begreift auch der Taufer, mit wem er zu thun hat. Er wendet sich an den Mann, auf dessen Namen er schon immer sein Taufamt verwaltet bat, mit der Bitte, dass er ihm die Hand auflegen. ihn mit sich führen und ihm alle Geheimnisse offenbareu müge. Darauf wird M. d\'H. dem Jóhana zum Todesengel. Im Ort, der lauter Glanz und Licht ist, angelangt, spricht dieser seine grosse Bitte zu Gunsten aller Adepten seiner Taufe (196, 8). — Es ist dieser Tractat nicht, wie der neunte, eine überarbeitete fremde Composition; der seinem ürsprung nach fremde Stoff ist hier aus der mandaischen An-schauungsweise heraus ganz neu gestaltet.

Zu Gruude liegt natürlich die Geschichte von Johannes dem Taufer am palastinensischen Jordan, und zwar nach der evangelischen Ueberlieferung. Die 10000 X 10000 Getauften entsprechen den hy-perbolischen Aussagen matth. III, 5, marc. I, ó, luc. III, 21. Die Ver-zogerung des Acts durch eine vorausgeschickte Erörterung, die momentane ünschlüssigkeit des Taufers, die Offenbarnng der Herrlichkeit des Tauflings, dessen Glanz auf dem Jordan und seinen Ufern, die schliessliche Demüthigung des Johannes vor demselben, — das sind lauter Züge, mit welchen theils das kanonische, theils das ebionilische Matthilusevangelium den Hergang der Taufe Jesu schildert. ^ —

1) Vgl. matth. III, 13—IS unci Epiph. haer. XXX, 13 (ed. Dindorf II, 106; auch bei Hilgenfeld: Novum Testam. extra can. ree. IV). Das Aufleuchten des Jordan (rttQik/minps zov totcov (fwg lutya)ist von Justin und dem Tractat de rebaptismate mitbezeugt. Der Ebioniler bringt den Wortwechsel matth. III, 14. 15 erst zum Schluss, wo derselbe durch die bereits erfolgte OiFen-barung motivirt erscheint. Andrerseits sind in der ebion. Recension die drei Himmelsstimmen gewiss ein Zeichen compilatorischer Arbeit. Uebrigens ist der Text der von Epiphan erbrachten Fragmente kein übersetzter (trotz dem „sPquCxÓvquot; ebendas.). Indem ich Vorstehendes nur in Erinnerung bringe, sei

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II. Christlicher Einfluss.

Aucli werden wir an die von Justin dem Martyrer bekundete Anf-fassung gemahnt, dass Christus der Taufe des Johannes ein Ende gemacht hahe.\')

Es hat also irgend sine Darstellung von der Taufe des Heilandes die Mandaer erreicht, und sie hahen sich dieselbe zurechtgelegt. Der Autor des bezüglichen Tractats hat mit der Phantasie von Manda d\'Hajê\'s Erscheinung in Jerusalem keine Verbindung gesucht: vielleicht hat er sie gar nicht gekannt. Dieser „Umsturz der gesammten Gott-heitquot; scheint ohnehin wenig Verbreitung gefunden zu haben; indessen ist auch nicht ausser Acht zu lassen, dass die maudilische Johannes-legende den „Jordanquot;, an welchem der Taufer sein Sacrament ver-waltet habe, nicht geographisch bestimmt. Wahrscheinlich will sie nur au den heimathlichen Fluss gedacht haben. Freilich lasst schon eine spiitere Genzastelle, r. 57, wo auch dieser Tractat kurz resumirt ist, sowie die Ueber- und Unterschrift der Gnomologie und das Sidra d\'Jahja, den Johannes in Uraslam auftreten. Allein ehen desswegen behaupten noch heutigen Tags die Mandaer, dass derEuphrat ehedem an der jüdischen Metropole vorbeigeflossen: das jetzige Jerusalem sei nicht an der Stelle des alten gelegen (Siouffi 7, Petermann, Reisen II, 454).

Dass die Gestalt des Tilufers leicht in Aufnahme kam, darf nicht Wunder nehmen. Die von ihm berichtete Taufe reichte völlig hin, ihm die mandaischen Herzen rasch zuzuwenden; — die Quelle der lümde ilnderte daran nichts. Die mand. Gelehrten befolgen überhaupt fremden ïraditionen gegenüber die unkritische Methode, welche die behaupteten Thatsachen gelten lasst, dieselben jedoch nach Massgabe der eigenen Anschauungen erklart. So sollen (oben S. 17, nach Siouffi) die Himmelsstimmen, an welche Juden und Christen glauben, von dein Samis herrühren. Umgekehrt ist der Urheber jener grossen Taufe selbstverstiindlich ein wahrhafter Mandaer gewesen. Der hat ja nicht „mit abgeschnittenem Wasserquot;, sondern in einem richtigen Jordan getauft! Ihm mag Manda d\'Hajê seine Rechte aufgelegt haben, wie er (nach r. 30) sie einem Jeden, der „in Geradheit stehtquot;, auflegen wird, um ihn des Lebens in den Lichtwelten theilhaftig zu machen.

dazu bemerkt, dass die mand. Legende sich allenfalls auch allein aas dem ka-nonischen Matthaus erzeugt haben könnte: der Glanz des Manda d\'Hajê ist ja ein Attribut desselben, er lilsst diesen Glanz auch sonst erscheinen (vergl. oben S. 37. 38), und die Bitte des Joliana erklart sich aus dem mandaischen Bewusstsein. Die Zahl 42, in Jahren von der Dauer der ïaufpraxis, ist im Genza ziemlich beliebt, vgl. r. 272, 17; 280, 15; 393, 13.

1) Dial. c. Tryph. c. LI, ed. Otto p. 174: . . . xal Xgiazoq en avrov (tov Iojuwov) xuÜt\'Qoutvov tnl tov \'Ioqóckvov rcozauov STts/.S-wv enavaé rs avrov rov itQOrprjXivsiv xal fiaTiziQetv.

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Viertes Capitel. Das manclaische Geschichtsbild.

So wurde Johannes ein Heros des Mandaismus. — Hatte dieser Joh an al unzaliüge Schaaren, „alles Volkquot; zu seiner Taufe bekehrt, so koniite er gar der Stifter der Manda-religion gewesen sein. Letzteres ist ia dem vorliegenden Tractat nicht ausgesprochen; aber der Inhalt des-selhen ertragt kaum eine andere Deutung: Johannes tauft die Millionenl auf den Namen des Manda d\'Hajê, „der hereit ist zu kommen, und| damit der wohlbewahrte Mana geoffenbart werdequot;.

B. Befreundung und Verfeindung mit dem Christenthum.

§ 78. Der alte Mandaismus war langst im Niedergang, von einer 1 reformatorischen Erneuerung noch kein Zeichen erschienen, das mau-daische liewusstsein dem Eindringen fremder Vorstellungen mehr demi je ansgesetzt. Sogar solche, die auf seine Grundanschauung, die Ur-1 offenbarung, zerstorend wirken mussten, fanden Eingang.

In den Documenten der Lichtkönigslelire wird constatirt, dass der Messias der Christen sich für Hibil-Ziwa ausgegeben habe, und aus-drücklich erkliirt (r. 29, 4 f.): „Hibil-Ziwa wird in jenem Zeitalter nicht geoffenbart werden: sondern EnOs-Utra kommtquot;. Die hier zurück-gewiesene Ansicht, dass in dor letzten Periode der Stadt Uraslam der im Kange Höhere erschienen sei, muss also gangbar gewesen sein. Die Züge, mit Avelchen daim das Auftreten des Enös-Utra gezeichnet wird, als Ofifenbarer der mandaischen Grandwabrheiten, und als Heiland nach matth. XI, 5 (jes. LXI, 1), zeigen dann einerseits, dass die Botschaft von den Heilsthaten unter den Juden sich dem mand. Be. wusstsein eingepragt hatte; andrerseits, dass die Erscheinung eines Himmelswesens unter den Menschen durch die mandaische Vorstellung mit der des Manda d\'Hajê bei der üroffenbarung verahnlicht wurde. Es dürfte also aus den Daten der Lichtkönigstractate der Kückschluss gelten, dass das christliche Evangelium in mand. Kreisen die Ver-wirrung gestiftet hatte, dass man von einer zweiten Offenbarung des Manda d\'Hajê benachrichtigt zu sein glaubte, welche in Jerusalem stattgefunden habe.

Auch der Selbstbezeichnung Nasoraja, sowie der Andeutung der mand. Lehre und Frömmigkeit mit xrniïx: (uur cod. A snnxïNquot;, vgl. r. 25, 21; 48, 9; 288, 10; Qol. 40, 18), begegnen wir zuerst in den Trr. der Lichtkönigslehre. Es werden diese Benennungen gleichzeitig mit dem Glauben an die zweite Erscheinung des Manda d\'Hajê in Aufnahme gekommen sein. Wenigstens konnte man sehr leicht den Eindruck bekommen, der Erschienene habe seinen Anhangern diesmal den Namen Nasöraja als einen neuen Titel beigelegt, wenn nur die Kunde von dem Heiland unter den Juden durch Christen, die sich ebenso namiten, an die Mandiler gelangt war. Dies ist aber olinehin

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II. Christlicher Einfluss.

sehr wahrscheinlich, da ja, wie der Qoran und schon der vou Hieronymus angezogene Prophetencoinmentar der Nazarener beweisen dtlrften, die Christen auf semitischem Bodeu, sofern sie nicht der katholischen Mission ihren Glauben verdankten, allgemein den Namen Nas.rSer1) führten.

Die Sonntagsfeier ist erst in spateren Schriftstücken nacliweislicli. Pehta aber und Mambuha sind nicht erst aus dem Christenthum an den Euphrat gelangt.

Immerhin war jedoch der mandilische Kreis unter den Einfluss desselben gerathen, und fehlte wenig, dass sich hier ein richtiges „Johanneschristenthuinquot; entwickelt hiitte. Nur davon, dass der Ofl\'en-barungsvermittler unter den Namen „Jesus* oder „Christus1\' (resp. Tquot;, wie im Talmud und erschienen sei, findet sich in

den Schriften der Mandaer keine Spur. Es ist daher wahrscheinlich, dass sie diese Namen erst durch die katholischen Missionare kennen lemten; dass also bis dahin alle evangelische Kunde ihnen durch die Bücher jener syrischen und chaldilischen Gnosis zugeflossen war, deren Autoren in ihren religionsphilosophischen Systemen den Stoff der ueutestamentliclien Geschichte verwertheten und zum Theil auch für Christen „NasOrajas- gelten wollten.

Was vom Christenthum durch diese Vermittlung den Weg zu den llandaern gefunden, haben dieselben sich vollends mundgerecht zu machen gewusst.

§ 79. Das katholische Christenthum, mit welchem. die Mandaer erst spater in Berührung kamen, das seinem ürsprung wie dem Narnen nach griechische, in das nördliche Syrien und Me-sopotamien fortgepflanzte, eignete sich zu einer ahnlichen Assimili-rung nicht.2)

Ueber ganz Vorderasien, bis an\'s Kaspische Meer, bis nach Indien und sogar nach China hineiu erstreckte sich die Missionsthatigkeit der

141

1

lm Talmud (Ta\'anit f. 2quot; b) Qoran wozu man die doketische Christologie, welche der Qoran (Sur. IV, 156. 169) seinen Christen ent-lehnt haben muss, vergleiche; Peschito j-ó\',-j; Hieron. Nazareni od. Nazaraei. Die Fragmente aus dem Prophetencommentar der Naz. (bei Hieron., ed. Mar-tianay III col. 15. 79. 82) beurkunden gewiss nicht nur irgend eine Secte. Nach Epiphan. haer. XVIII hat Hilgenfeld (Judenthum und Judenchristen-thum, Lpz. 18S6, S. 32 u. 74 ft\'.) das Vorhandensein jüdischer Nasaraer be-hauptet. Jedenfalls aber hat der Haereseologe darin geirrt, dass er Naaccgaloi, iïaaaccQcüoi und Na\'Qojoaïoi (haer. XXIX, 5. 6) nicht als verschiedene Trans-scnptionen einer und derselben semitischen Benennung erkannte.

2

Der erste bekannte Bischof von Edessa starb i. J. 313 n. Chr. Nach Chwolsohn (Ssabier I, 446 f.) erschienen zu Niciia (325), Antiochien (341) und

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Viertes Capitel. Das mandaische Geschiohtsbild.

nestoriamschen Kirche. Schon im fünften Jahrhundert hat dieselbe weit ausgegriffen. Berichtet doch Kosmas ludikopleustes in seiuet von 535 n. Chr. datirten Tojco\'/Qojpia X^LOxiaviyJ], dass den indischen Christen aus Persien ordinirte Geistliche zugesandt wurden. Durch Jahrhimderte hindurch hat der Bekehrungseifer sich erhalten. Noch urn 800 stiftete der nestorianische Timothens neue Missionen, wobei die Mönche aus dem Kloster Bet-abe in Mesopotamien hedeutende Erfolge erzielt haben sollen. ■)

Von Norden her tauchten die missionirenden Mönche bei den ilandaern auf. Da wird im Genza r. 227 f. von Krant essendeu Finstcrlingen erziihlt: .,durch Berge und Höhen und Ebnen irren sie umher . . . und nennen sich ,wandemde Anachoreten\'

. . . und die Dajwa\'s fitlstern (Kiauxn) mit ihnen, und sie sprechen: ,Alaha flüstert mit uus, und wir kehren nicht um von Alaha\', und sprechen zu meinen Jüngern: ,ihr habt keine Wahrheit (od. „Pestig-keitquot;, snx-ffi) in der Welt\'quot;.

Die mandaischen Lehrer widersetzten sich der nestor.-katholischen Mission, erklarten, wie wir bereits wissen, den Isu-Msiha für eiue Creatur der liuha (§ 72), überhauften ihn und seine unsympathischen Sendlinge r. 227,19 u. ö.) mit Schmilhungen, und liessen es

in der Gemeinde an strengen Venvarnungen nicht fehlen, vgl. r. 223, 14 ff.: „Ihr, meine Jünger, gebt den Propheten keinen Gruss, und reicht mit ihnen nicht die Hand; deun so lange ihre Seelen in ihren Leibern stehn sind sie unrein, und ihr Same ist vom Haus des Lebens abgescbnitten; und jedem Jünger, der ihnen einen Gruss giebt, ist Zorn von Seiten des Leben bereitetquot;.

Das Kreuz Christi war den Mandaern eine Thorheit. Dass die Christen „des Namens des getödteten Mannesquot; nicht verlustig gehen wollen (s. unten), scheint baarer Unsinn. In dem Ausdrnck xm: xnibKïl xmSDi („Prophet der Lüge und des Kreuzesquot;, 222, 17) be-kunden sich Peindschaft und Hohn. Die Kreuzigung des Lügenmessias wird als eine Polge seiner Entlarvung vorgestellt (r. 58, 13 ff.). Das Wort vom Kreuz blieb also unverstanden, — oder es ist auch kaum gepredigt worden. „Was wir über die in Asien herumstreifenden nestorianischen Geistlichen erfahren,quot; sagt Neander (a. O. VII, 57)

Constantinopel (381) bezw. vier, drei und sechs mesopotamisclie Geistliche gegen ca. 50 syrische; zu Chalcedon (451) schon deren vierzehn, gegen 70 syrisehe. Die Briefe, in denen Kaiser Leo um Annahme der chalcedon. Be-schlüsse ersucht wurde (458) tragen 16 Unterschriften mesopotamischer Geist-licher, wovon die Halfte aus Osroëne.

1) Vergl. zu dem Allen Neander: Allg. Gesch. der chrl. Rel. u. Kirche, 4. Aufl. Ill, 176; V, 113 f.; VII, 57 ff.

142

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II. Christlicher Einfluss.

„beweist, dass es denselben au theologischer Bildung, christlicher Er-kenntniss und dem Ernste der christlichen Gesinniing oft sehr fehlte. Zwar wiirden sie woh] von dem Eifer Proselyten zu macheu beseelt; aber sie waren auch oft damit zufrieden, weun sich die Leute nur ilusserlich zum Christenthuiu bekaunten, und eine Auzahl christlicher oder kirchlicher Gebrauche beobachteten.quot;

Gegen letztere,. die (matth. VII, 6 der Christeu,

führt der bereits mehrfach angezogene 16. Tractat r. 222 ff. eine heftige Polemik.\')

Die Vorstellung der christlichen Taufe nach r. 226 ist im § 56 erbracht worden; die christliche Abendmuhlsfeier erkennt man leicht r. 228, 2: „Ein Fasten legen sie auf ihren Mund, damit der Name des getüdteten Mannes xmsa) nicht weggenommen werde aus ihrer

Mitte. Und des Todten Staub xisxpx) nehmen und werfen

sie in all ihre Werke und Speisequot;. — Uebrigens werden die christlichen Sacramente wiederholt für Nachahnumgen der Institute des Manda d\'Hajê erkliirt (223 f.; 226, 5 etc.), und dabei werden nun die gemeinsten Schmahungen an einander gereiht. Menschliches Sperma, Blut und Koth sollen die Ingredienzen bilden. Das „Oei der Segnungquot; werde aus dem Gehiru, die Gumarta (syr. Benennung der Hostie) aus andern ïheilen abgetriebener Leibesfrucht bereitet (227, 12 ff.). Da-neben begegnen wir hier auch schon der Blutbeschuldigung, welche seit dem 13. Jahrhundert von den Christen gegen die Juden gewendet worden, r. 226, 1: „Ein Judenkind tödten sie, und von seinem Blut nehmen und backen sie in das Brod und geben\'s den Leuten zur Speise; und Menstruum von einer Hurendirne mischen sie in den Wein, im Kelch geben sie\'s ihnen zu trinkenquot;. — Unter albernen Namen, wie „Qudsa des vierfüssigen Eselsquot;1), „die sieben seligen Armequot;, werden neue Sacramente den Christen angedichtet. So 226, 21: „Zu menstruirenden Weibern legen sie sich, und nennen das die Hoff-nung (x-Q^o) des Hauses der Gottheit, des Isu-Msiha unseres Herrnquot;. In schmutziger Breite immer wieder dasselbe Lied.

Mit dieser Verunglimpfung gebn Angriffe auf die Askese uud andere Einrichtungen der christlichen Kirche gepaart. So gegen das Fasten, speciell die Enthaltung von Fleischspeiseu; 227, 21 „ . . Wan-dernde Anachoreten, die Grimes essen, und von den guten schonen

143

1

Ich erinnere indessen an den Dreibeinigen Esel bei den Parsi: ein gut es Geschöpf, siehe Bundehisn 44 f. (XIX, 1, Windischm. 91 f.).

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Viertes Capitel. Das mandaische Gesohichtsbild.

essbaren Dingen («nsbïttistt), die Ptahil, der Erbauer des Himmels nnd der Erde, geschaffen, sind sie nicht ermacbtigt zu essen, und es giebt für sie keine Freude, und lluha und Msiha gestatten ihneu nicht, dass sie sich frenen in dieser Weltquot;, vgl. auch § 52. Von Asketen uud Asketinnen irb-Qy „Traurigequot;, matth.V. 5UÜ\',

S3\'r. Kirchenspr.) ist r. 226, 17 überhaupt ausgesagt: „Sie nennen sich Selige («n^ïsaiüquot;! N^xnrj), die versenken Wortspiel!)

ihre Seelen (d. h. sich selbst) in heulendes Dunkelquot;. In Ansehung des Cölibats werden die Ehelosen der widernatürlichen Laster ange-schuldigt, „wodurch der ganze Stamin der Seelen verschlossen (226, 13 quot;iS3SnD\'112; par. 231, 23 „getödtetquot;) wirdquot;. — Auch der Bilder-verehrung ist mehrmals gedacht: 229, 8 „Nach den Bildern oder und nach dem gefarbten Zeug dieser Welt sei nicht

euer Begehrenquot;; r. 14, 8 „Anbetet nicht den Satan, die Patikra\'s und die Bilder und den Irrthum und das Wirrsal dieser Welf. — Von plastischen Bildern handelt 226, 18: ,Dann giebt\'s eine andere Pforte, deren Haupter Ehebrecher sind, und einen Walzengott hauen sie (SDp-npT xnsbx; r. 60, 8 \'pT Nnsaxbss), und beten ihn anquot;. — K. 219 f, und 224 f. werden Musik, Völlerei und Wollust von der Ruha d\'Qudsa resp. der Lihat eingeführt, was vielleicht auf die christliche Kirchenmusik gemünzt ist. — Endlich soil die Kuha die Beisetzung der Kleriker in den Kirchen verordnet haben: r. 227, 1 ff. „Jeder 0 und spibinXD und und NBipciES und sioxp

quot;(für «liWNp, Aelteste) und (aram. XOB®,

in der Peschito Diakon), der aus eurer Mitte stirbt,

den nehmt in die xicxbp {txzhjoia},... und lasst ihn nicht aus eurem Bethaus heraus. (Jnd auch jeden NTnso (Visitatoren) und xblDSO und Nixnst» (Verwalter), der aus eurer Mitte geht. der gelehrt ist in den Wundern (snsnnTQ, vgl. syr. lioiz) des Msiha, setzt den in\'s Haus des Altars (Xrtmsra n^n, so schandet ihr es

nicht*. Zu den hier gehiiuften griechischen und syrischen Aus-drücken der katholischen Kirchensprache gehört auch die Bezeichnung iCiOnXE quot;iW () j = \'hjoovg HojtSjq). und ist noch die Be-

nennung iOiiO-jmD (r. 55, 14; 382, 12. Syr. act. XI, 26 zu rechnen.

144

§ 80. Die schroffe Ansage: „Ihr habt keine Festigkeif hatte den Bestand der mand. Gemeiude kaum gefahrdet. Allein die fremden Apostel konnten auch andere Saiten aufziehen und die Glaubigen von der Wahrheit ihrer Botschaft zu überreden versuchen. Namentlich der Umstand, dass man ohne es zu wissen bereits Mehreres aus dem

1

Neuplatoniker und Christen sind hier zusammengeworfen.

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II. Chrisfclicher Einfluss.

Christenthum aufgenomuien hatte, war dazu geeignet, die mandaischen Gemiither unsicher und auch die entschiedenen Gegner betroffen zu machen. Konnten doch die Kristiana\'s sich für ihren Messias auf den srossen Jordantaufer berufen!

Die Warnungen, welche die Lügenpropheten als Damonen und ihre Lehre als eiue absichtliche Mischung von Wahrheit und Trug kenuzeichnen, gewahren einen Einblick in das bedenkliche Verhaltniss. Wir lassen hier je eine Stelle aus den beiden grossen Lichtkönigs-traetaten folgen. — Der Erste Gesandte spricht r.24,2: „Es sind Lügenpropheten, die mit Lüge und Falschheit gehn, welche von den Engeln der Mangelhaftigkeit in die Gebarmütter von Weibern eintreten, und die Weiber sind mit ihnen schwanger und gebaren sie mit Blut und Menstruum. . .. [Z. 7] Und Korper ziehn sie an und gleichen Mannern uud schreiben ein Buch der Falschheitquot;; — r. 46, 16: „Und

in Korpern gehn sie aus den Leibern der Weiber, gleichen Körpern, uud die erste Lehre verdrehen sie, und Lüge (Betrug) und Falschheit und Gaukelwerk (K^nT. = iotici, WaTi, !)at\\ua) werfen sie in die Welt. Und Propheten nennen sie sich selber, und sprechen: Wir sind Gesandte! — Aber ich, der Erste Gesandte, sage und belehre alle Adamskinder, die waren und sind uud geboren werden in jenem Zeit-alter, dass ihr nicht hören sollt auf die Lehre der mangelhaften Engel, die verführeu und Verführte machen unter den Menschenkindern, und sic übermüthig machen mit Gold und Silber uud Kostbarkeit und Geld und Gut, und falschen Bildern und Gleichnissen [47] und nich-tigen Werken, und dem Gesang und der Lust dieser Welt. — Dann [kommen sie] mit Schwert und Sabel und Schlag und Streit und Erieg, uud Angst und Schrecken lassen sie über die Menschenkinder los (bjgt; NiplNO), und machen ihnen angst und bange. Und sagen, dass sie mich fürchten und mich anbeten und mich bekennen. [Z. 5] Dann gehn sie mit Schlauheit und Demuth und Bestrickung und Süssigkeit und Arglist und Falschheit zu den Adamskindern und nehmen ihre Herzen gefangen und werfen den Namen Gottes (des Alaha) in ihren Mund . . . Und mit Lüge fasten und anbeten sie und geben sie Almosen. Bücher schreiben sie und mit Behutsamkeit hüten sie sie (quot;pb-nnXTa xmirixn), und von [Z. 10] der Weisheit, die mir der Grosse und Hohe (X^üb^l X31) gegeben hat uud ich euch gegeben habe, sprechen auch sie Einiges nach (\'pquot;n250 \'p52Xquot;py...\'p) und mischen darein Reden, womit ihre Seelen verschlossen werden, uud verdrehen ihr Herz und werfen Abtrünnigkeit in die Weltquot;.

Ohnehin herrschte bei dem ersten Erscheinen der katholischen Sendlinge schon eine schlimme Uuordnung im mandaischen Bewusst-sein. Die Vorstellungen von der Erscheinung des Manda d\'Hajê in Jerusalem und dem initiatorischen Auftreten des Johannes am Jordan

Braudt, Maudaische Religion. 10

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Viertes Capitol. Das mandaische Geschichtsbild.

liefen imvennittelt neben einander lier, und die eine sowohl wie die andere droliten die alte Lehre von der Uroffeubarung auszuwischen. Viele Mandaer, einc Zeitlang auch wohl alle, mochten sich an den erbaulichen Geschiuhten ergotzen; zuletzt aber musste doch das Miss-verhilltniss sich erapfindlich machen und das Bedürfniss rege werden, dieselben mit der herkömmlichen Anschauung zu vereinbaren. Da bat denn ein entschlossener Lehrer des Mandiierthuins mit für Seines-gleichen ausserordentlichen Kenntnissen von den eigenen sowie vou den Vorstellungen des Parsismns, und wie es scheint anch des Christen-thums, sich daran gemacht, den ganz ausser Eand und Band ge-rathenen Complex der gangbaren Ideen in cine neue Form zu giessen, — der Autor der Lichtkönigslehre.

III. Das GreschichtsMld der Liclitköulgslehrc.

§ 81. Mit welch kühnem Griff der Reformator der mandaischen Theologie die obern und untern Weiten mit ihrem überzilhligen Personal und der oft unergründlichen Rangordnung auf ein einfaches System einschriinkte, bat unser erstes Capitel erwiesen. Jetzt fragt .sich, wie derselbe sich mit dem neu zugewachsenen Stoff abge-funden habe.

Wir wissen bereits, dass Ruba, Adónaj und Msiha in die Sieben-zahl der Planeten eingereiht wurden, und die Gründung Uraslam\'s, als der Wiege aller falschen Religion, auf die Rechnung des Adonaj kam. Des üebrigen gruppirte sich der fragliche Stoff um diese drei Momente: die Offenbarung des Manda d\'Hajê in der Stadt der Juden, das Unternehmen des ISu-Msiha, der von dort ausgegangen, und die grosse Taufe des JOhana, deren Schauplatz nacb den christlichen Berichten gleicbfalls unter den Juden, das hiess für einen Mandiler: in Jerusalem, gewesen war.

Die Lichtkönigslehre lasst den Heiland der Christen seiner Planetennatur gemass in feuriger Hülle und mit seinem Wagen — fertig vom Himmel herab — erscheinen, und zwar unter Angehörigen der wahren Religion (Nachkommen des Adam). Dem entsprechend wird sein Untcrfangen dahin bestimmt, dass er die Cultushandlungen „verandertquot; oder „verdrehtquot; (nicht: nachgeahmt) habe; vgl. r. 120, 10: „Er verdreht die Reden, das was der Erste geschaffen, verdreht die Reden und wirft Thorbeit in die Welf; r. 57, 15: „Er verandert die Jordantaufe und verdreht die Reden der Geradheit, und Frevel und Tauschung ruft er in der Welt |liervor?Jquot;.

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III. Das Geschichtsbild der Lichtkönigslehre.

Wir lassen nun den Wortlaut unserer altesten üeberlieferung von der Lichtkönigslehre in Ansehung der Zeit des Messias folgen. Es heisst im ersten ïractat r. 28, 8 fl\'. (von Zeile 15 an ist der 2. r. 52 f. parallel):

„Kr (Nbu-Msiha) erscheint den Verehrern und Verehrerinnen im Feuer,\') und spricht zu ihneu: Seht meinen Glanz, der aufgegangen ist in der Welt! — Und sie wissen nicht, dass es kein Glanz ist, und er ïhorheit macht in der Welt.quot; Es folgt Einiges über die Dajwa\'s des Kiwan und des Nirig (§ 88) bis Z. 15. „Darauf wird der Msiha in einer andern Gestalt geoflenbart. feuerbekleidet und feuerbedeckt, und Grossthaten zeigt er im Feuer. Amunièl (so alle Hss. auch in der Par.; Entstellung von \'Imanuel) ist sein Name, und Isu Mahiana {\'hjaovg Hcor/lQ, § 79) hat er sich genannt. Und auf Feuer ist sein Wohnsitz; und seinen Wagen zeigt er, und steht vor euch und spricht zu euch: Kornuit und stellt euch zu mir, und ihr werdet nicht gebrateu werden! — Aber glaubt ihm nicht! . .. Wenn er euch drangt, sprecht zu ihm: Wir sind dein CpDX quot;jxbi-n)! in euren Herzen [aber] sollt ihr ihn nicht bekennen, und nicht verlaugnen die Kede eures Herrn, des erh. Lichtkonigs, denn dem lügnerischen Msiha sind die verborgenen Dinge . srx^CND) nicht offenbar.1)

„Und er spricht (in der Parall. ist dies eine andere Erscheinung); leb bin Alalia, [29] Solui des Alaha, den mich mein VateT hergesandt; und spricht zu euch: Ich bin der Erste Gesandte, ich bin Hibil-Ziwa, der aus der Hüho gckommen bin. — Aber ihr sollt ihn nicht bekennen, dieweil er nicht Hibil-Ziwa ist. Hibil-Ziwa ist nicht feuerbekleidet, und H.-Z. wird in jenem Zeitalter nicht geoffenbart.

„Hingegen EnOs-Utra Icommt und geht nach (\'3 iOJcxr, vgl.

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10*

1

Die Parallele hat dies abgeschwacht, r. 52, 6; „Wenn er euch drangt und ihr zu ihm geht, sollt ihr ihn nicht bekennen, und nicht umkehron von eurem Glauben. Nennt den Namen des erh. Lichtkonigs! Sein Name, der über allen Weiten, sei in eurem Herzeii und in eurem Munde: und seine Kraft wird mit euch seinquot;.

Zu beachten ist jedoch, dass die Elchasaer ganz dasselbe lehrten. Epi-phanius las in dem ihm vorliegenden (christlich überarbeiteten) Elxai-Buche: Hgt;l eivai ccfiapziav, si xal Ttayarv/oi. hóuj/m Tt^oaxwijatti xutQov svaravTog ihcoy/xov, éav fxóvov èv ry avvtiS^asi fii] nQoaxvvgt;]aij, xal ö rt ó\' av o/uolo-yrjaij axó/xan, èv ós zy xuQÖin /(?/, was dann mit Berufung auf die straflose Anbetung der Artemis in Susa durch einen Priester Phinees (zur Zeit des Dareios) adstruirt wurde (Haer. XIX, 1 ed. Dindorf I, 325). — Ebenso bezeugt Origenes von demBuch der „Elkesaitenquot;; tpnal ós ozi zo dpvrjaaaftai zbv Xqiozov döcayopóv tazi, xal o uèv voT/aag z(S azóuati èv dvayxatg ayvrjasrat, zt/ 6e xagdiq oi/L (bei Euseb. H. E. VI, 38).

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148 Viertes Capitel. Das mandaische Geschichtsbild.

S. 65) üraslam. Wie mit einem Kleid von Wasserwolken be-kleidet, einem Körper gleich, geht er, und nicht mit einem körper-lichen Kleid bekleidet,\') und Hitze nnd Zorn sind nicht ihm. Und er geht und kommt in den Jahren Paltus, des Königs der Welt [Z. 5—8].2)

„Enos-Utra kommt in die Welt durch die Kraft des erh. Licht-königs. Er heilt die Kranken und öffnet (NPXEiü, cf. marc. VII, 34) die Blinden, und reinigt die Aussatzigen, und richtet die Zerschlagenen und Zerstossenen auf, dass sic gehn, und macht die Tauben und Stummen reden, und macht die Todten leben X^NiiTC), und

macht von den Juden [eine Anzahl] glaubig; und zeigt ihnen, dass da ist Tod und ist Leben, und ist Finsterniss und ist Licht,

und ist Irrthum und ist Wahrheit3), und bekehrt (quot;pEXK) die Juden zu (by) dem Namen des erh. Lichtkönigs [Z. 8—15].

„Drei hundert und sechzig Propheten gehn von der Stadt üraslam aus. In [a] dem Namen des Mara d\'Rabuta zeugen sie. Und AnOs-Utra steigt auf, und setzt sich4) auf (od. „zu denquot;) Msunê kusta. Alle Utra\'s sind verborgen vor den Augen der Menschenkinder. Und darauf zerstört er (S\'nxïi) den Platz Üraslam der Juden. In Ver-

1) «cirA isVi smisse iö-is s-o assist ssaiais ns. Nach den kirchlichen Hareseologen haben Satornil und Kerdon gelehrt, rbv Swrijpa . . . aawiiaxov . . . óoxrfasi ntprjvévai. avamp;Qwnov, nicht èv aaQy.i, son-dern in phantasmate, umbraliter: „erat umbraquot;. Nach Philaster c. 44 lehrtc Kerdon geradezu: „non natum de vh-gine . . . nee de coelo descendissequot;. Dem Valentin und seiner orientalise hen Schule wird die Meinung zu-geschrieben, oxi nvsvfxatixov rjv zn aw/na tov Swrrjgog (Philos. VI, 35), sodass er (nach Pseudo-Tertullian, Epiphan, Philaster) wie Wasser óia awXijvo? durch den Leib der Jungfrau hindurchgegangen sei, ohne etwas von der Fleischlich-keit anzunehmen. — Die Vorstellung von dem Wolkenkleid ist eine eigen-thümlich mandaische, vgl. § 84.

2) ssisa s\'raa. Die Satzabtheilung Z. 8 und 9 gebe ieh, nicht ohne Bedenken, nach der Parallele, die r. 53, 6 f. fflusi und srosi bat.

3) Vgl. die dem Simon von Gitto zugeschriebene Syzygienlehre nach pseudociem. Hom. II, 15—IT: o amp;s6g óïidaxcov zoig avamp;pwTtovg ngog tt]v züiv üvzojv dAj\'jamp;tiav, tic ojv avzóg, dty/iic xul ivavziioq SiEïXev ndvza ra züv axQoiv . . . Beim Exemplificiren wirft der Autor bloss relativ Unterschiedenes und Gegen-satzliches zusammen. Von letzterer Art werden u. A. genannt: Licht und Finsterniss (cap. 17; cap. 15: Licht und Feuer), Leben und Tod, ayvoiu und yvwaiq, vóaog und i\'aaig.

4) stwi; — Cod. A X-2TN--.: „und es setzen sich auf M. k. alle Utra\'s, [sie] sind verborgen u. s. w.\' Sowohl das Satzgefüge als r. 302 (oben § 2ii) begünstig :., die Lesart von BD. Die Parallele bat r. 53, 14: „Darauf, wenn ich seinen Freunden die Wahrheit gezeigt habe , zerstöre ich die Stadt Üraslam. Und wir steigen auf zu den Weiten des Lichts und zu den Wohnungen des Glanzes. Wir werden nicht geoffenbart in der Welt, bis dass ...quot; Vgl. das Weitere oben S. 77 f.

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III. Das Gesohichtsbiid der Lichtkönigslehre.

bannung ziehn sie aus und zerstreuen sich in allen Stadten [Z. 15—21]quot;. — Es folgt der Schlnss über das Zeitalter Muhammeds, vgl. S. 159.

Das letzte Stuck (Z. 15—21) tragt in ©lis anstatt BW, in Mara d\'Eabuta und iu der verworrenen Composition Merkmale der spilteren Zuthat. Auch scheint Z. 5—8 hinter den Worten „Enos-Utru kommtquot;, welche Z. 8 wieder aufnimmt, eingeschoben zu sein.

§ 82. Anstatt der beiden Figuren des Manda d\'Haje und des Taufers lasst die Lichtkönigslehre nur den einen Enos erscheinen, und zwar ausdrücklich keinen Grösseren als ihn, den Letzten der bekannten Dreizahl. Darin macht sich fühlbar, dass der Autor die neuen Gestalten am liebsten ganzlich ignorirt hiltte. Es ist aber auch von vornherein klar, dass bei einer moglichst bündigen Fassung der mand. lleligionslehre, wie er sie anstrebte, die üroffenbarung und die Revelation im Lauf der Geschichte einander im Wege standen. Zumal konnte diese jener nur Abbruch thun. Wer sich für erstere ent-schieden hatte, konnte also die andere Vorstellung nicht mehr ge-brauchen.

Freilich lagen die Berichte von Heilsthaten und Taufe unter den Juden vor, und war es die Art der Mandiler, solche Thatsachen nicht in Abrede zu stellen, sondern denselben eine ertragliche Erklarung unterzulegen. Nach dieser Methode konnte man allerdings im vor-liegenden Falie einer Offenbarung aus der Lichtwelt schwerlich ent-rathen. Dem kühnen Reformator der mandaischen Theologie batte aber dennoch ein unbeirrtes Verliiugnen der missliebigen Vorstellungen am nachsten gelegen, und es muss wohl eine besondere Rücksicht ihn bestimmt haben, denselben in der angegebenen Weise Rechnung zu tragen. Wir werden nicht irren, wenn wir diese Rücksicht anf das bereits vollzogene Verwachsen jener Vorstellungen mit dem mandaischen Bewusstsein beziehen. Sie liessen sich nicht mehr ohne Weiteres beseitigen, sondern hüchstens noch durch eine gleichartige Vorstellung verdrangen.

Die Idee einer Gegenerscheinung zur Beseitigung der falschen Gottheit ist in Enös gewahrt worden. Um die üroffenbarung so wenig als möglich zu verdunkeln, durfte es nicht Hibil-Ziwa sein. Aus demselben Grunde blieb wohl die Wirksamkeit des EnOs durchaus auf üraslam und die Juden beschrankt. — Andrerseits ist die Beschreibung seines Auftretens unverkennbar darauf abgesehen. die Erinnerung ati Joh an a Masbana auszulöschen. Erwartet man unter den Verrichtungen des Erschienenen in erster Stelle ein Taufen vermeldet zu finden, worin laut r. 189 ff. die ganze Mission des JOhana bestand, der eben mit dieser Praxis den Namen des Lebens kund that: so darf gewiss

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Viertes Capitol. Das mandaisclie Geschichtsbild.

nicht zufallig heissen, dass gerade dieses Geschaft unter den Werken des Enös verniisst wird. Allerdings werden dieselben zuerst nacli matth. XL, 5 hergezahlt und folgt dann die Specialisirung einer man-daischen Lehrthatigkeit; schliesslich wird al)er doch das Bekehren zurn Glauben an den Lichtkönig hinzugesetzt. Dass bei dem Allen kein Sterbenswort vom ïaufen verlantet, lilsst sich, wenn der Autor den grossen Taufer der christlichen Legende überhaupt gekannt habeu soli, nur als eine vorsorgliche Verwahrung desselben gegen die sonst nahe liegende Vereinerlehmg seines Helden init jenem verstehen.

Befremden kann dies Abstandnehmen von der Gestalt des Johannes eigentlich nicht. Erstlich war auf dem Standpunkt der ïauf-religion kaum eine Möglichkeit vorhanden ihr gerecht zu werden, ohne die ïragweite der üroffenbarung zn schmalera oder die Vorstellnng von derselben zu schildigen. Sodann lag bier ja der Knoten, dass in dem Evangelium der Christen der Taufer dem Messias Jesus Zeugniss gab und ihn taufte. Dafür bot man spater die Erklilrung, dass der Lügenmessias durch demüthiges Gebahren sich die ïaufe erlistet habe (r. 57, 11 if.)- Allein was war denn das für ein Prophet, der sicli überlisten liess? Mit Recht baben die heutigen Mandaer diese Idee wieder aufgegeben.l) Endlich aber ist dem schriftkundigen Autor der Lichtkönigslehre das recente Auftauchen des Johannes in der vor-handenen Literatur, und somit die thatsilchliche Herkimft desselben, schwerlich ein Geheimniss geblieben.

IV. Erfolg der Liclitkönigslehre. Anós-Utra.

§ 83. Die Lichtkönigslehre hat mit ihrer Reconstruction des Ge-schichtsbildes einen Erfolg erreicht, der die letzte Periode der Genza-schriften überdauert hat.

Die Vorstellung des Manda d\'Hajc in Jerusalem ist, sofern die-selbe Feld gewonnen batte, ein für allemal zurückgedrangt. Der ïractat vom „ümsturz der gesammten Gottheit des Hausesquot; ist zvvar nachmals noch in das Sidra, raba gelangt, hat jedoch ausser der einen Stelle r. 178, 2 f. jegliche locale Bestimmtheit ablegen müssen. Der Schritt zur Verchristlichung der Manda-religion war somit rück-gangig gemacht.

«f- -

1) Bei Siouffi 138 s. weigert Jahja sich entschieden, den Msiha zu tan feu, bis Abatur ihm den schriftlichen Bofehl dazu ertheilt.

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IV. Erfolg der Lichtkönigslehre. Anos-Utra.

Auch die Figur des Johana verschwindet vou der Bildfiache. Ab-gesehen von dem eigenthümlichen 49. Tractat r. 300—364 \'), begegnen wir seinem alteu Namen nur noch in der Sammlung von Nachrichten und Notizen über den Messias und seine Zeit, welche der Autor des zvveiten Tractats im rechten Genza seiner Bearbeitung des ersten angeschlossen liat (s. Beil. K). In der mohammedanischen Form XiirXT na kehrt der Tilufername erst durch die Auf- und

Unterschrift der Gnomologie r. 213—219 in das Grosse Buch zurück.1)

Die Einführung des Anos als Verkündigers der wahren Keiigion hat eine Glanzperiode desselben eingeleitet, und nur in so weit ihr Ziel verfehlt, dass „der kleinste seiner Brüderquot; unter der neuen Be-nennung AnOs-Utra die Vorstellung von der üroffenbarung alsbald zwar nicht auswischte, aber doch im Gesichtsfelde der Glaubigen gar sehr in den Schatten steilte. In etlichen, zu den jüngsten des Genza gehörigen Tractaten, in den Offenbarungen des AnOs-Utra über seine Mission in der Welt (29. r. 299 ff.) und über die Stadt Uraslam (39. r. 328 ff.) wird eine vorhergegangene erste Offenbarung nur beilaufig angedeutet. Die Voraussetzung ist, dass die Namrus eine Lehre der Schlechtigkeit in das grosse Geschlecht des Lebens geworfen, und durch ihre Mysterien die Bekenner der wahren Religion gleichsam eingeschlafert hat.:i) Anos bar Kurbê, der „auf den Namen des Jawar (quot;isliOT X\'Oltquot; by) hierher gekommenquot;, spricht r.299 von seiner Sendung

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1

Aufschrift: „Dies sind die Weisheit und Lehren, welche lehrte und ott\'enbarte und sprach Jahjii bar Zakria zu den geraden Nasoraja\'s und Glilu-bigenquot;; Unterschrift r. 218 unten: „Dies ist die Rede der Weisen, welche lehrte und oftenbarte Jahja bar Z. in Uraslam der Stadt der Judenquot;.

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Viertes Capitel. Das mandilische Geschichtsbild.

ganz wie r. 72 f. Manda d\'Hajê (oben S. 26 f.): „Mich riefen und be-auftragten die Grossen (siain) und gürteten mich,. . . imd gürteten und pflanzten mir Heifer, Helfer pflanzten sie mir, sanfte und auf-richtende Utra\'squot;. Das Sinn hat der Autor schon nicht mehr verstanden; Z. 21 heisst es: „[Sie sprachen zu mir:] Aengstige und fürchte dich nicht, und sprich nicht: Ich bin allein! Wenn Angst an dich kommt, sind wir alle bei dir, wir alle werden uns zu dir begeben, und wir werden dir Helfer sein, Helfer werden wir dir sein und dich befreien von jedem, der [dich] hasstquot;. — Der Auftrag geht Z. 5 ff. dahin „zu behüten das Geschlecht, und aufzurütteln und aufstehn zu machen die Schlafenden (i03Dilt;0)\'aus ihrem Schlaf. — Sie sprachen zu mir: Geh! thu einen Griff (xnrjrpb toiab) von der Tibil, wie den Griff, den wir gethan haben. Erwahle und bekehre Erwilhlte aus der AVelt, ... die Seelen, welche [es] begehren, und setze [sie] an den Ort des Lichtsquot;.

Nach einer Anzahl Ermahnungen und Sittenregeln lilsst r. 302, 12 eine Anlehnung an die im 19. Tractat onthaltene Ansicht von dem Wirken des Hibil, Sitil und Anus in den ersten Zeitaltern (§ 70) erkennen, und die Aufgabe des Anus mit der Wasserfluth anfangen: „Ich hielt es, wie meine Brilder (sic!) mir aufgetragen. Ich nahm und liess aufsteigen von einem Ende bis zum andern. Von der Wasserfluth bis üraslam erbaut wurde, stiegen Seelen zum Lichtort empor. Seit Uraslam erbaut wurde und bis zum Zeitalter des Arabers Mahamat war ich unter meinen Schülern ...quot; Seitdem ist Anus auf-gefahren. nach Msunê kusta (oben S. 59).

Die Mission des AnOs bezieht sich also nunmehr auf die ganze Erde, nicht uur auf Jerusalem; und er ist in vollem Sinne der Begrilnder der wahren Keligion unter dem Geschlecht nach der grossen Fluth. „Ich kamquot; heisst\'s im Eingang des 39. Tractats „in die Sphare (siïWb, eig. „in\'s Innerequot;) dieser Welt, rief die Stimme des Lebens und er-richtete die Pflanzung des Lebens; ich redete mit meiner Stimme und predigte und erweckte Erwilhlte in der Welt. Ich rief mit einer Stimme (STIVd), und rüttelte und machte aufstehn die Schlafenden; ich machte zu JüDgern welche von ihnen nach dem Lichtort be-gehrten.quot;

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In dieser Eigenschaft, als letztem Begründer der wahren Religion ist dem Anós eingangs des 19. Tractats der Titel Nm inmy SOKÜiSp beigelegt, und ebenfalls auf ihn in dieser Eigen-

Schrecken wird kommen an die Sieben, die Herrschaften dieser Welt. Belehro die Nas. und Mand. und die Erw., die du aus der Welt erwahlt hast, die ol) des Namens des Lebens auf der Tibil verfolgt werden . . . Nicht soil sie ver-derben die Nam rusquot;.

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IV. Erfolg der Lichtkönigslehi-e. Anos-Utra.

schaft könuen wir jetzt den 17. Tractat beziehen, dessen Inhalt oben S. 29 f. bereits mitgetheilt worden ist.

§ 84. Die Wolke des Anos-Utra, — Msnnè kusta.

Am Schlnss des 19. Tractats r. 271 wird AnOs den Blieken der Uösen entrückt, obgleich seine Mission noch nicht erfüllt zu sein scheint. „Wenn dn dich zur Arqa-Tibii begiebstquot; heisst\'s im 29. r. 299, 20 „sollen die Bösen nicht urn dich wissen; und der Glanz deines Kleides soil nicht dunkel werden, nnd nicht sollen sie dich von dem obern Firmament |los-]bmden und nicht dich werfen in den Ort der Finsternissquot;. Nach r. 302 koinint AnOs erst nach der Er-baiinng Jernsalems in die Mitte seiner Jünger. — Anf den vorhin angezogenen Eingang des 39. Tractats folgt r. 328, 22: ,Wer sagte der Mangel- nnd Fehlerhaften, wer that kund und sagte der Betrügerin, dass der fremde Mann hierhergekomnien? Der Ruha, wer sagte ihr\'s an, [3291 sodass sie die Hand an den Kopf schlugquot;, — und ihre Lockeu raufte und ihren erstgeborenen Sohnen (den Sieben) zurief: ,Kommt.. wir wollen einen Griif thun in der Welt von dem Geschlecht des fremden Mannes, der sich hierher begabquot;. Sie banen dann, nachdem sie bei einander und bei ihrer Mutter geschlafen und Einer von des Andern Mysterium genommen, die Stadt üraslam voller Unzucht etc. Niemand in derselben soil den Namen Gottes nennen. Dann fahren sie auf ihren Wagen in der Welt umher um einen Bauplatz zu suchen (es scheinen zwei Vorstellungen combinirt zu sein). Zuerst gelangen sie nach Bethlehem (iOanKb nia). .Au diesem Ortquot; spricht Namrus-Ruha „wollen wir banen!quot; Allein; „Eine Stimme ging aus von der Wolke des Anos-Utra [330] und zu der Ruha d\'Qudsa, um ihr anzu-sagen: Der Ort, wo diese Stadt gebaut wird, von dem sollen 3(55 Jünger ausgehnquot;. Drauf die Euha: „Auf, auf, meine sieben Söhne! Bant nicht an diesen Ort: ein böser und unreiner Finch ist über eure Wagen gekommen. Setzt euch auf eure Wagen und hebt euch von cliesem Ort hinweg!quot; An zwei andern Stellen (Nibxbxua und anxü ass: quot;jxn:) wiederholt sich diese Scene. „Lasst uns vor dem Leben hinweggehn!\' treibt endlich die Mutter an, und sie fahren weiter, bis sie ausrufen: „ünsre Kraft ist erschöpft und die Flügel unsrer Wagen sind losgerissen. Wir wollen sprechen mit unsrem Wort und banen au diesem Ortequot;. Wieder erschallt die Stimme aus der Wolke des Anos-Utra, aber sie banen jetzt die Stadt der Juden, — und die Ruha, gelangt dazu, ihren Griff zu thun. — Un-mittelbar au diesen § 73 angezogenen Vermerk schliessen nachstehende, von Anos als dem Autor der Offenbarung gesprochene Worte: „Einer Kurpergestalt glich ich und ging und trat ein in Uraslam. Ich redete mit meiner Stimme und predigte...quot; —

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Viertes Capitel. Das mandaische Geschichtsbilcl.

Anós-Utra bekommt ein Glanzkleid zum Schutz gegen die Bösen, und ist dennoch deren Blieken entzogen (19. Tr. r., oben S. 124). Sie wissen nicht urn ihn, obgleich sein Glanz nicht verdunkelt wird. Er lasst seine Ervvahlten emporsteigen, noch bevor er sich in ihrer Mitte befindet. Die Wolke des Anos erklart wie diese Dinge sich reimen. Es ist ein GewOlk in der Sphilre der irdischen Welt. Als ein solches kann gerade das „mit Flügeln wie eine Wolkequot; in der Welt umher-schwebende Msunê kusta gelten (S. 53, Anm. ^), zu welchem ja AnOs-Utra nach 3ü2, 18 wieder auffilhrt. Aus eben derselben Vor-stellung erklart sich auch noch das „Kleid von Wasser wolkenquot;, mit welchem er sich nach der gleichfalls sehr jungen Stelle r. 29, 5—8 die körperliche Gestalt gab (§ 81).

Ueber die Herkunft der Wolke des Anos ist nach dieser Zusammen-stellung wohl kein Zweifel raöglich. Es siud die (^ .i v

| -^ -), mit oder auf welchen der danielische Menschensohn kommt (dan. VIT, 14 ~y, matth. XXYT, 64 Vi.); es ist die leuchtende Wolke auf dem Berg der Verklarung, von der es heisst Ui-,

(matth. XV11, 5); und die Wolke, welche act. 1/9 den gen Himmel fahrenden Heiland aufnahm; ^ ^sslz]cl\'1) —Nahe

liegt nun auch den Namen „Entrückte der Geradheitquot; aus der dazu einladenden Stelle 1. thess. IV, 17 zu erklüren; dies scheint jedoch

bedenklich. Der Syrer hat hier: j-iii.-____und man erwage,

dass nicht die Seelen der verstorbenen frommen Manditer das Msunê kusta bevolkeru. Eher ware au ein entrücktes praadamitisches Ge-schlecht zu denken (vgl. oliën S. 37 f.). Laut Petermann und Siouffi (aber nicht im Genza, s. § 87) wird unsere Erde nach den entvölkernden Katastrophen der Endzeit aus Msunê kusta neue Be-wohuer erhalten. Genau dasselbe lehrt der Parsismus mit Bezug auf den Garten des Yima: Hier sind seit langer Zeit eine Anzahl frommer Familien angesiedelt, welche dann auf die Erde versetzt werden. Aus dieser Idee ergiebt sich ohne Weiteres die mandaische Benennung. Die 3 Genzastellen. in welchen diese vorkommt, waren also jünger als das Königsbuch, welchem die parsische Vorstellung noch fremd ist. — Endlich ist die Wolke des AnOs noch zu einer Idealwelt ausgemalt worden, — ein Spiegelbild der mandaischen Fröminigkeit.:t)

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1

Das danielische Bild ist auch in der neutestl. Apokalypse auf den Messias angewandt; in der jüdischen Literatur sonstzuerst 4. Esra XIII, 2—4: „con-volabat ille homo cum nubibus coeliquot;.

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IV. Erfolg der Lichtkönigslehre. Anos-Utra.

§ 85. AnOs-Utra in Jerusalem. Incarnationen.

Der 39. Tractat fahrt nach der zuletzt angezogenen Stelle „Ich redete uüt meiner Stiuune und predigtequot; sogleich fort [r. 332]: „und war der Mirjaj ein Arzt, ein Arzt war ich der Mirjaj und heilte sie von Kopt\' bis zu Fuss («quot;nn löii ]Ta). Ich ward genannt der wahre Arzt (KHWiDT der [da] heilt und nimmt keinen Lohn. Ich

liess die Mirjaj hinahsteigeu in den Jordan. Ich taufte sie und zeich-nete sie mit dem reinen Zeichen. — Aus der rtltia Mirjaj gingen liervor (ÜSIB) Jaqif und die Söhne Amin. Aus Jaqif und den Söhnen Amin gingen 365 Jünger hervor, es gingen hervor 365 Jünger in der Stadt üraslarn. Die Juden waren inZorn: sie tödteten meine Jünger, die den Namen des Leb ens nannten. Ich, als ich sie sahe, ward mit Zorn und bösem ünmuth über sie erfüllt. . . und stieg empor vor das Grosse Leben hin; ich sagte meinem Vater, wie es war ...quot; Sogleich erliült AnOs von demselben einen Ferman (xm-\'WS\' „Briefquot;) zur Zer-störung der Stadt, den zu vollstrecken er in Gestalt einos weissen Adlers Xlfi;) wiederkommt. Er stosst die Nauirus aus

seineui Weg (NT\'TT xbsxa, ebenso r. 363, 23), und schreitet zur Ver-wüstung der Stadt „in welcher das Blut meiner Jünger vergossen wardquot;. Die Juden, „die dem Geschleclit des Lebens Verfolguug warenquot;, sowie alle Vogel und alles Gethier bringt er um. Hingegen „Sicher-heit ward meinen Jüngern beschieden (333,21 llbsilti\'ïnsn»), die Verfolgung ertrugen in üraslamquot;.

Die Figuren Jaqif und die Söhne Amin setzen eine im Genza nicht erhaltene Erzahlung voraus. Die Geschichte lautete ursprünglich wohl dahin, dass Anus zuniiehst eine vornehme Jüdin vom Aussatz reinigte und diese, dadurch bekehrt, erst die Familie Jaqif herüberholte, welche ihrerseits wieder 365 Jünger machte. Etwas ahnliches erzablt Siouffi, aucli über die Zerstorung.\')

Es ist dies die einzige Stelle, sowohl im Genza als iu aller sonstigen Ueberlieferung, wo AnOs als Tiiufer auftritt. Man könnte

Jedenfalls ist hier ein Zusaramentreffen mehrerer Vorstellungen zu constatiren. — Uebrigens ist vielleicht „Wolken (Plural) des Anosquot; zu lesen {quot;*-• r:3s:s). Und so könnten die r. 174 aus dem Missverstiindniss eines aramaischen Aus-drucks für „Junge des Kleinviehes\' entstandenen ,Wolkensölinequot; (s-:s:s ns:;, vgl. g 7(i) die Vorstellung einer bevölkerten Wolkenwelt mit veranlasst haben.

1) Nach dem Abgang des Jahja, erzilhlt Siouffi p. 16 ss., stand die Kirche der 366 {sic!) Tarmida\'s in Jerusalem friedlich neben der Synagoge. Da kam eines Tages die fromme Tochter des Obersten der Juden, welche Maria hiess (toi-isa, Morio), aus Versehen in die mandaische Kirche, was ihren Uebertritt zu der Religion der Mandaer veranlasste. Aus Zorn darüber richteten die Juden unter diesen ein Blutbad an. En ce moment parut Annoch-Othro, sous la forme d\'un faucon, et il jeta a coups d\'ailes les Juifs dans le fleuve, dont les eaux ... les engloutirent. II rallia ensuite les fugitifs des Soubbas qui, en-

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Viertes Capitel. Das mandaische Geschichtsbild.

versucht sein, hier das Ueberbleibsel von einer Verschmelzung dei-Gestalten Christi und des Johannes zu der Figur des Anos-ütra zu erkennen. Auch die Anzahl der Tarmida\'s erinnert an die astronomische Berechnnng der Jünger Jesu und des ïaufers in den Pseudoclemen-tinen, Hom. IT, 23; Kecogn. II, 7 sqq. — Allein die Mandaer haben doch niemals auch nnr zwei von diesen Gestalten identiücirt. Dei-Compilator von r. 54—61 lasst unbefangen Jöhana den Taufer in üraslam auftreten, den Msiha von ihm Taufe und Belehrung erhalten, jenen von Hibil-Ziwa in die Lichtwelt abholen,\') und diesen von Anos-ütra als Betrüger entlarven. Die übrigens nahe liegende Auf-fassung. in Johannes dem T. sei eben Anös erschienen,1) ist um so entschiedener abzuweisen, als der Begriff der Menschwerdung dem Mandaismus durchaus fremd ist, die blosse Annahme eines menschlichen Leibes aber für eine den Planeten und mangelhaften Engeln eigenthümliche betrügerische Praxis gilt. Eine Pleisch-werdung oder auch nur ein Erscheinen des Manda d\'Hajê oder irgend eines höhern Wesens unter einem zu diesem Behuf besonders an-genommenen Namen ist nirgends beschrieben oder angedeutet: überdies gelangen auch die in Betracht kommenden Wesen sammtlich im Ver-haltniss der gegenseitigen Verschiedenheit neben einander zur Dar-stelluug. Man vergleiche unsere Ausziige in diesem Capitel, und noch besonders die Beilage E.2)

156

1

K. A. Hase, Kirchengeschichte (Lehrbuch) § 57.

2

Petermann hatauch gar nicht von Incarnationen geredet. Dr. Kessler hingegen behauptet PRE2 2Ü9: „Manda d\'H. erscheint. . . , wie der altbaby-Ionische Marduk, in einer Reihe von Incarnationen, deren letzte Joh. d. Tilufer ist, die ersten aber die 3 Brüder Hibil, Sitil und Anusquot;. Ebd. 212: „Jahja ist eine Incarnation des Hibil-Ziwaquot;. Ebenso EB XV, 469 und Vortrag 29S. Es könnten die mand. Texte nicht leichtfertiger behandelt werden. Nur die Zusammenstellung des Manda d\'Hajê mit dem babyion. Marduk hat Herrn K. diese Satze eingegeben. Sie lesen sich aber so, als würde umgekehrt jene Zusammenstellung durch die angeblichen Incarnationen in der mand. Religion begünstigt.

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V. Letzte Zusatze und Wandlungen.

V. Letzte Zusatze und Wandlungen.

§ 86. Die in den vorigen Paragraphen enthaltene Darlegung des Verlialtnisses der mandaisclien Legende zum Christentliuin stiinmt nicht überein mit der seiner Zeit von Prof. Petermann vertreteneu Ansicht über den ürsprung der niandaischen Keligionslebre.

Deiuselben galt für „nnzweifelhaftquot;, dass die Maudaer ,.aiis dem Christenthum hervorgegangenquot;, und sich dann „allmahlichquot; von dern-selben getrennt haben, indem „die Christen sich immer weiter von der wahren Lehre ihres Meisters entfernten, dem groben Bilderdienst huldigten, und bei einer ilusseilicben, scheinbaren Askese sich allen sinnlichen Lastern ergal)en. Dies machte ilmen bei ihrer strengen, aber doch auch gemassigten Moral das Christenthum und mit ihm die Bibel verhasstquot;. So PliE1 321, womit zu vergleichen Reisen II, 454: die Verirrung der Mandüer iu Ansehung Christi erldare sich daraus, „dass sie gleich anderu gnostischen Secten Anstoss nahmen au dem Kreuzestod Jesu, mul desshalb einen doppelten Messias au-nahmen, deren Einem sie .. . alle die von ihuen als Zauberkünste be-trachteten Wuuder zuschrieben. . . , wahrend sie dem Anderu Anusch (vielleicht uach dem syrischen Bar \'nascha) die Speisungen, Heilungen und Todtenerweckuugeu beilegtenquot;.

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Letztere Auffassung müsste zunachst au dem Inhalt des Genza ihre Probe besteben, was ihr nicht gelingen dürfte. Schou die be-hauptete Vertheiluug der Werke Christi trifft nicht zu. Enos er-weckt Todte; aber dem Messias werden die Todtenerweckungen nicht abgesprochen, sonderu als ein Schwindel, den er mit den Damonen treibe, erklart (r. 56, 19 ff.). — Das Aergerniss ferner, welches die von Petermann angenommene vorsatzliche Spaltung der Persou des Er-lösers iu zwei gleicbzeitig erschieueue Antagonisten veraulasst haben soil, hütte vor der maudaischeu Anthropologie kaum bestanden: sogar von dem verworfenen Messias heisst es bloss „und sein Leib wird getodtetquot; (r. 58, 15). Ware Christus jemals den Maudaern geuebm gewesen, so würde bei ihueu uufehlbar die Ansicht einer Auffahrt seiner Seele vor der Kreuzigung sich erzeugt haben, welche thatsach-lich erst nach Abschluss des Genza von aussen her au sie gelangt ist.\') — Und was die gemuthmasste Herkunft des Namens Auös

1

S. 165, Anm. 1. — Wirklich vollzogen hat jene Spaltung der mani-chaische Dualismus. Der Gegensatz des ungezeugten Jesus (I. impatibilis) nut dem Sohn der Maria (I. patibilis) ist das Resultat der Verarbeitung einer doketischen Christologie in dieses System. Vgl. die griechische Abschwörungs-formel (bei K. Kessler, Maui, Erster Band, Berlin 1889, S. 4U3 f.).

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Viertes Capitel. Das mandaisohe Geschichtsbild.

anbelangt, — in wiefern darf deun walirscheinlich heissen, dass die Mandaer den Heiland Anus genannt batten, weil eine Benennung desselben ungefahr wie „Sohn des Auosquot; lautete? 1) — Nur der um-gekehrte Fall lasst sich annehmen, dass namlich, als man hübeu scbon einen Enos oder AnOs batte, die Figur des XÉüCX quot;13, die mau von drüben kennen lernte, mit jenem verwirrt wurde und dann die Vorstelluug von ibm lieeinflusste.

Die grösste Unwahrscheiulicbkeit ware eudlicb, dass die Mitglieder einer cbristlicben Genossenscbaft anlilsslicb der Ausartungen des Christentbums bei einer andern sicb der Bibel und des cbristlicben Bekenntuisses entaussert haben sollten, anstatt der menscblichen Natur und vielen analogen Filllen gemass umgekebrt der Gegeupartei diesen Namen abzuspreclien, und sicb selber für die einzig wabreu Cbristen zu balten, wofür speciell die Mandaer jeneu Ausartungen gegenüber sich gerade auf die Bibel hatteu berufen können.

Eine unmittelbare Bekanntscbaft der Mandaer mit dem Neueu Testament lasst sich überhaupt nur bei einigen der jüngsteu Bestand-tbeile des Genza voraussetzen. Die Tractate, in welcben Christus als Sohn der Ruba vorgestellt ist, entbalten noch Nichts von der evan-gelischen Gescbicbte; sogar der „Umsturz der 7 Sternequot; verrath nur Kenntnisse von der katbolischen Kirche und ihrem Christus: seineni Namen, seinem Kreuz, seiner Sobnscbaft der Ruba und der Jungfrau. seiner Gottbeit, — die Bezeicbnungen „Katholikosquot;, „Metropolitaquot; etc. bat der Autor ja auch nicht dem N. Testament entnommen. Selbst der erste Lichtkönigstractat bekundet keine Lectüre desselben. Den Erscheinungen des Nbu-Msiba im Feuer liegt nicht die Verklarungs-gescbicbte zu Grimde: sie ergiebt sich von selbst aus der Planeten-natur. Es ist zwar gesagt, dass die Propheten des Messias „sich zu Aposteln aufwerfenquot; und „ein Buch der Falscbheit schreibenquot; (r.24,6ff.), aber erst der compilirende Verfasser des 2. Tractats bat von den «quot;aaro derselben (47, 6) das Evangelienbuch in Handen gebabt und daraus die Geburtsgescbichte des Johannes, die Taufe Jesu, sein Wandeln auf dem Meer, die Zwölfzabl seiner Apostel und seine Be-zeugung durch den Heiligen Geist vervverthet. Blosse Daten, wie die Namen der Eltern des Taufers und das bohe Alter der Elisabeth, lasst der Autor gelten; die Wunder Christi führt er auf Zauberei und Blend-werk zurück. Bei zusammenbangslosem Lesen infolge mangelhaften Verstandnisses bat er die Verklarungsgeschichte für eine Herabkunft

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1

Uobrigens hat die Peschifco dan. VII, 14 für bjs ia?: — jr. und im Neuen Testament regelmassig oij^. Im Genza steht r. 207, 22

is für „Menschquot;. Hiiufig ist der Plural kbsïs wofür nicht selten auch S\'i\'NiN ns:; oder vgl. Nöld. 182 f. und ohen § 72, 75, 80 etc.

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V. Letzte Zusatzc unci Wandlungen.

vom Himmel, und die Finsterniss in der Todesstunde für ein Schau-wunder genommen. — Die Vorstellung von der Wolke des Anus setzt, wie § 84 gezeigt, eine iibuliche Lectüre voraus.

Auch im mand. Königsbucli ist biblischer Stoff abgelagert. Die Sündfluth und den Auszug aus Egypten bringt es ziemlioh genan nach den mosaischen Berichten. Dann wird Tersichert, erst 400 Jahre nach letzterem Ereigniss sei Isu bar Mirjam, das Haupt der Kristiana\'s in üraslam geboren, — „und scbafft sicli eiue Gemeinde und erwahlt sich ein Volkquot; (r. 382, 9—13). — Vgl. zu diesem ganzen Paragrapheu Beilage K.

§ 87. Die Endzeit. Weiterhin liisst das Königsbuch gar die Wiederkunft Christi erwarten: r. 387, 4 „Angezeigt ist... , dass der falsche Messias kommen und Herr der ganzen Welt sein wird. Er sitzt auf einem grossen Thron und halt auf demselben Gericht; er schafft ihnen Richter (Text unsicher!) vom Orient bis zum Occident. An einem Tag komint er ... quot; Freilich nur vorübergehend! Nach Siouffi 133 s. komint der Messias vor den Katastrophen der Endzeit. Er vertilgt die Juden (p. 140); alle andern Vülker unterwirft er sich und wendet sie seiner Religion zu. In Ammara gelangt er auch zu den Mandaern. Diese huldigen ihm als ihrem weltlichen Oberhaupt, aber seine Religion anzunehmen weigern sie sich. Nachdftm er ihnen bekannt hat, dass sie allerdings in derselben die Taufe nicht im stro-menden Finss erhalten werden, bieten sie in Erwartung des Miirtyrer-lohnes ^ dem Messias den Nacken dar, damit er sie köpfe. Er aber liisst nun von ihnen ab, und — wird nicht weiter erwahnt.

In dem jetzigen Schluss des 1. Tr. r. 29 f. wird das Auftreten Muhammed\'s als der Anfang des Endes betrachtet: „Und dann kommt Ahmat bar Bizbat der Verderber (xinxc, Ujj»), und eine Stimme, die keine Stimme, ruft er, und grosses Uebel (xmfO) schafft er in der Welt und macht den ganzen Stamm der Seelen zu Schanden. -) Jeder, der in diesem Zeitalter übrig bleibend mit Ruf und Kraft und Stimme zum Jordan ausgebt mit Vertragen, — Vortriige des Glanzes werden ihm entgegen ausgehn vom Ort dos Lichtsquot;.

üebrigens enthalt uur das Königsbuch die eiugehende Schilderung der Endzeit. Es stellt dieselbe, ohne Erwahuuug des Islam, aber noch

1) Siehe r. 16, 10, ohen S. 82. Nach Siouffi gehort dazu, dass man ent-Uössten Haupts den Tod erleide, und lesen die Mandiier dem Messias die betreffende Stelle erst vor.

2) Afel von Es bezieht sich auf die Auflösung, in welche Muh. durch seine erfolgreiche Irrlehre den Zustand der Menschheit gebracht hat, vgl. r. 61, 6l Nach der Herrschaft des Muhammed „wird die Welt in Verwir-rung stehnquot;.

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100 Viertes Capitel. Das mandaische Goschichtsbild.

unter dem Eindruok der arabischen Invasion, als eine überaus wechsei-volle dar. Grosse Naturereignisse, wie Erdbeben, Schneefall, Dürre, Uebersclnvemraungen, das Fallen der Sterne vom Himmel (vgl. S. 70), und allerlei Nothlagen, entvölkernde Kriege, sociale ümwalzungen, sittliche Entartung, wechseln mit Perioden des Friedens und üeber-fiusses. In dem Wechsel von Glück und Noth erinnert die mand. Darstellung an die talmudische Jahrvvoche (Bab. Sanh. 97a, parall.: Midrasch sir liassirim II, 12); in einzelnen Zügen stimmt sie viel mehr mit der parsiscben Anscbauung überein, docb feblt ibr der Fortschritt zum Guten.\') Eine besonders merkwürdige Erscbeinung ist inmitteu der angedeuteten Episoden r. 390, 17 „der Konig vom Firmamentquot;, der dem von den Fürsten der Erde eingesetzten „König der Königequot; zu-flüstert, Allen sicbtbar, nur diesem selber nicht, worüber dann ein blutiger Krieg entbrennt. Zuletzt nimnit wahrend 42 Jabren der Planet Bêl den ïbron des Ptabil ein.\' „üarauf (393, 20) wird der grosse alte Lewiatau gelost von seiner Fessel, dessen Mundeslippen Dicke 144 000 Parasangen ist.1) Und er üffnet seinen Mund und verscblingt die Arqa-Tibil, und verscblingt die sieben Sieben und ibre zwölf Könige und ibre fünf Anführerquot;, — und die Damonen aller Art, sowie (394,2) „alle Seelen, die des Gericbtsbofes schuldig sind und das Erste Leben verlaugnet haben, und sie werden abgeschnitten in der Finsterniss. Darauf scbliesst er den Mund und alle [Seelen] führl er in seinen Bauch, und Gestank steigt auf von der Tibil. Darauf kommen alle Utras der Arqa des Lichts, und stehn am Gestade dieser Welt und sprechen: Es steige empor der Gestank eines Jeden,2) der eine Welt hervorzurufen gedenkt nach Art dieser Welt, welche Ptabil hervorrief. Hingegen 1000 x 1000 x 10 000 Jahre wird diese Welt existiren; diese Welt ist Licht und Glanz geheissen. ünd alle Seelen der schöneu Menschen, — ibre quot;Wohnung ist im Ersten Leben;

1

Der losgelassene Drache ist also nicht als ürheber der Drangsale gedacht, wie nach Windischmann a. O. S. 240 im Parsismus die Schlange Dahak. Auch erscheint nicht zuletzt ein Heiland.

2

Icli lese mit Norberg Vist anstatt biïi.

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V. Letzte Zusiltze und quot;Wancllungeu.

sie sind des Gerichtshofes nicht schuldig und den zweiteu Tod nioht gestorben. Ihre Seelen wohnen hier im Leben!quot; —t)

§ 88. In den mandaischen Schriften, welche sich mit Jerusalem und dem Messias befassen, ist gewöhnlich, aber immer nur in all-gemeinen Ausdrücken, die Rede von blutigen Verfolgungen, denen die Bekenner der wahren Religion ausgesetzt gewesen. Sofern diese Verfolgungen den Juden zur Last gelegt werden, sind sie einfach aus der christlich-gnostiscben Vorstellung mit herübergenommen. Dann aber wollen die Mandaer auch von dem Messias und seinen Parteigangern mit dem Schwert bedriingt worden sein. Man vergleiche r. 47, 2—5 (in § 80) und eriunere sich des r. 28 (§ 81) gegebenen Rathes, wenn der Messias drange, so moge man ihn mit dem Munde bekennen, mit dem Herzen aber nicht.

Genaue Kenner der persischen Geschichte mögen beurtheilen, ob die Anwohner des untern Euphrat jemals in die Lage gekommen seien, von Seiten des katholischen Christenthums mit andern als moralischen Mitteln beliistigt zu werden, lui Allgerneinen liisst sich hüchstens sagen, dass die nestorianische Kirche wohl mit infolge der Gunst, deren sie bei den Sasaniden aus politischen Rilcksichten sich durch-weg erfreute, ihrer Propaganda einen gewissen Nachdruck zu geben vermochte.

Indessen könnten Erfahrungen von Bedrückung und Misshandlung durch die thatsachlichen Machthaber des von den Mandiiern bewohn-ten Gebiets Anlass geboten haben um das Verhaltniss zum Messias ahnlich vorzustellen. Zuniichst denkt man natürlich an die persische Obrigkeit, welche ja mehr als einmal gegen die verwandten Manichiler scharf vorgegangen ist. Allein das Ivönigsbuch zahlt die Reihe der persischen Könige her, ohne denselben Gutes oder Böses nachzusagen. Das friedfertige Stillehen des Tilufervolks in ziemlich entlegener Ge-gend gab einer ordentlichen Regierung keine Ursache es zu behelligen: mit etlichen augenfalligen Theilen ihrer religiösen Sitte konnten die Mandaer sogar als Anhanger der Staatsreligion erscheinen.1)

161

1

Dieser Punkt ist nicht gering zu schiitzen. Aus unserem Jahrhundert haben wir nachstehende Mittheilung Wellsted\'s (Travels to the city of the Caliphs . . . , London 1S40, I, 316 f., citirt von Ritter, Erdkunde XI, 755): At Hit (am mittleren Euphrat) a few Sabeans reside . . . One singular circumstance however came to my knowledge. A Parsee, who had strayed from India to Balkh, and was on his return, had lost his sacred cord (das Kosti oder Kamar, s. S. 91, Anni. 3!), which he permitted a Subhee priest to replace.

Brandt, Maudaische Religion. 11

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Viertes Capitel. Das mandaische GeschicMsbikl.

üebrigens sincl ja die Gewaltinassregeln der Sasaniden gegen Auders-gliiubige regelmassig durch das Verhalten der betroffenen Partei heraus-gefordert worden, seitens der Christen durch zelotische üebergriffe nnd das Liebaugeln der Orthodoxen mit dem oströmischen Eeich, seitens der Manichaer durch ihre Intrigueu am königlichen Hof.\') Grade der Eifer, Propaganda zu machen. welcher diesen die Verfolgung zuzog, war bei den Mandiiern nicht vorlianden (§ 48). Mit Eücksicht auf die Schindung des Mani (oder seines Leichnams) ist auch be-deutsam, dass erst von den arabischen Königen gesagt wird, r. 387 15: „die Haut der Menschen ziehn jene Könige ab, wie die der Gazellen und Wildeselquot;.

Ohne Zweifel ist hingegen von den Arabern manche Unbill an den Mandiiern verübt worden. Wenn es schon in dem 1. Tractat r. 28, 10 ff. heisst: „Die Dajwas vom Haus Kiwan werfen Trübsal und Weinen ... in die Herzen der Meuschenkinder... Die Dajwa\'s vom Haus Nirig fallen fiber die Menscheukinder her und zerreissen sie und qualen ihr Fleisch und vergiessen ihr Blut auf derArqa; sie heissen Reissende, Opfer- und Festpriesterquot;, — so dürfeu wir wohl schon an die von Zeit zu Zeit in\'s Land brechenden Horden der arabischen Grenzstamrae denken. Eine ganz bestimmte Andeutung enthiilt jedoch das mit Hülfe der Matarta-darstellungen verfasste, dem Tractat über die falschen Religionen angehiingte Fragment r. 231—233. „Ich sage euchquot;, heisst es 231, 21, „von der Pforte welche Nirig hervorrief, der genannt ist Abdala Arbaja .... Die ganze Tibil wird unter seinen Thron erniedrigt werden. Die von ihm ausgingen,quot; denen fiillt Alles umviederbringlich zur Beute.1) „Jeden Tag machen sie Krieg und vergiessen Blut und sind Verfolgung dem ganzen Stamm der Seelen . . . Und alle Völker, Grenzen und Sprachen beten sie an. Und auch [229, 20 viele] Seelen von dern grossen Geschlecht des Lebens werden sein, die zu ihnen gehn und den Namen des Lebens verlaugnen .. . und gehn und verfluchen den Namen des Lebensquot;. Von 233, 2 (230, 11) au haben

162

1

Natürlich ziehn wir nur die bezeichnendsten Stellen wörtlich an. Im Folgenden ist der recht schadhafte Text von r. 232, 6—233, 10 aus einer Doublette herzustellen. Dies Fragment steht namlich, ganz abrupt und in allen 4 Hss., auch schon r. 229, 15—230, 20. Mitten im Satz bricht es ab.

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V. Letzte Zusatze unci Wandlungen.

wir eine Wechselrede der Euha mit Nirig-Abdala, we lelie sich aber alsbald in eine solche zwischen letzterem und den von ihm gefangenen Seelen verlauft. Wir belinden uns in Hirer gemeinschaftlichen Matarta. Abdala hat auf Erden seinen Anhüngern versprochen: „Znm Garten Eden ^ lasse icb eucli aufsteigen, zu dein Ort, auf den eure Augen blieken! . . Ich zeige ench das Licht, nnd Oei und Honig gebe ich euch zu essen, . . . und Seligkeit werdet ihr finden, und begehrliche Weiber werde ich euch gebenquot;.1) Die Seelen fragen ihn, waruni er sie denn jetzt mit allen möglichen Martern quiile: „und die Knechte des fremden Mannes, gegen die wir das Schwert zogen, — jetzt steigen sie empor zu den oberen Lichtwelten, und wir sind hier abgesclmitten in der Finsterniss und dein Schwarzen Wasser, und Ruhe and Seligkeit finden wir nicht.quot; Er antwortet: „Ich umrankte eucli mit grosser Gefangenschaft! Die ganze Tibil machte ich zur Eurigen . .. die ganze Gottheit ward euch unterworfen, und alle VOlker, Grenzen und Sprachen gab ich euch zum Raube: Ich und die Ruha meine Mutter zusammeu nahmen euch gefangen. Ich sprach: Ihr sollt mir Speise sein am letzten ïage (icxir.xn iWb), mir und dein grossen Qados, meinem Vater, von dem ich enstand, uud meinem Vater dein Lewiatanquot;.

Die Herrlichkeiten, welche dieser Mars seinen Adepten vorspiegelt und wofür sie gegen Andere das Schwert ziehen, zeigen ihn als Re-priisentanten des Islam. Wir erinnern uns der von Ignatius erbrachten mandaischen Angabe, dass die Nachfolger des Muhammed einen Schutz-brief desselben gemissachtet haben (oben S. 4). Wahrend der Kampfe, in denen das neupersische Reich vor dem Anprall der Araber zu-sainmenbrach und bis die Abbasiden Ordnung schufen, mögen die Araber schlimm genug iu den Euphratlanden gehaust haben. Der Name des blutgierigen \'Abdallah, Oheims des ersten Königs der ge-nannten Dynastie, war seit 750 durch die Niedermetzelung des Omaj-jadengeschlechts weithiu berüchtigt.

§ 89. Die Aufschriften der Tractate 11. und 14. im rechten Genza zeigen, dass in einer spateren Periode Predigten nnd Aussprüche Johannes des Taufers bei den Mandiiern gesucht waren. Titel und Eingangsworte2) der Drasê d\'Jahja bekunden einGleiches; ausser-dem wird in diesem jüngeren Buch die Geschichte desselben — laut

163

11 *

1

Eingesprengt der Satz: „Ich hin der gewaltige Gott (s-nis: snsis) . . . nnd es giebt keinen Gott der starker als ichquot; (r. 233, 10 tt\'. und 330, 20). Ebenso 232, 22: „Es giebt keinen Gott, der herrlicher und starker wiire denn ichquot;.

2

„Jahja predigte in den Nachten, Jöhana an den Abenden der Nachtequot;; vgl. Ecchell. 1. c. 333, Nöld. 445.

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Viertes Capitel. Das niandaische Geschichtsbild.

Abr. Ecchellensis; ab utero usque ad tumulum — beschrieben. Die Gestalt des Taufers ist also nach zeitweiliger Verdunkelung wieder an\'s Licht gezogen worden. Bei ihrem Wiederersclieinen führt er, neben dem alteu XjXïTT1, den Namen des Qoran Das verrilth uns

den Anlass.

Von Seiten der Mandaer selbst wissen wir, dass sie bei den Moslem für Christen durchgehn wollten (oben S. 5). — Die (ein-geschalteten?) Qoranstellen II, 59; V, 73; XXII, 17 beziehen sich aui Juden, Nasaraer (Christen) und Sabier (|j^JoLo oder als

Denominationen, welclie an Einen Gott und an das jüngste Gericht glauben, und gewahrt denselben Duldung (Chwolsohn I, 102 f.). Unter der dritten könnten ausser den Mandaern noch andere Subba\'s (Tiiufer) verstanden sein, verwandte und benachbarte Secten, wie die jetzt ver-schollenen Elchasaer. Wahrscheinlich bat ibnen diese Gesellschaft nicht behagt: vielleicht glaubten sie als Christen besser respectirt zn werden; oder es war ihnen gar bekannt geworden, dass notorische Götzendiener sich für Sabier ausspielten (nl. die neuplatonischen Har-ranier, vgl. Chwolsohn I, 139 ff.)- Genug: nachdem unter den Abba-siden geordnete Zustiinde eingetreten waren, mag ihnen wünschenswerth erschienen sein, sich einen christlichen Anstrich zu geben. Liess sich dazu Etwas ausfindig machen, was gleichzeitig in den Augen der muhammedanischen Machthaber zur Empfehlung gereichen konnte, so erzielte man einen doppelten Yortheil.

Nattlrlich bot sich zunachst die auch im Qoran hochverehrte Person des Johannes dar (vgl. z. B. Süre XIX, 13—15). Die arabische Namensform liess man sich wohlweisslich gefallen. Sie ist seitdem die bevorzugte geworden.

Ein Zweites war. dass man die eigene Vergangenheit jetzt vollends, wie diejenige der Christen, durch die Stadt der Juden hindurchleitete. Vielleicht hat auch die Beschaftigung der Phantasie mit den Anos-jüngern in Uraslam unabsichtlich dazu gefübrt, dass man die gleichzeitig auf der ganzen Tibil wohnhafte Gemeinde der Adamssöhne ver-gass. Die Verbindung der mandaischen mit der biblischen Geschichte ward jedoch unbeschadet des Gegensatzes gegen die Jaden vollzogen. Man gerieth sogar darauf, die Egypter des Pbarao, als Feinde der Juden, für die eigenen Vorfahren zu balten (Peterm. Reisen II, 452 f., Siouffi 19 s.). —

164

Drittens hat gar das mandaische Bewusstsein der grundsatzlichen Feindschaft gegen Jesus Christus entsagt. Die übereinstimmenden Zeugnisse bei Ecchellensis und Siouffi\'), geschweige dasjenige des

1

Sclion die Begegnung des Messias bei seiner Wiederkunft, s. § 87, be-kundet ein mögliclistes Entgegenkommen.

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V. Letzte Zusiitze unci Wandlungen.

Ignatius lassen darüber keinem Zweifel Raum. Der Geschichte -Jesu dient in den jüngeren Schriften (bezw. niündlichen Ealationen?) die des Johannes -), mid sogar die Person des Manda d\'Hajê in der Legende von Johana\'s Ausgang zum Muster.1) Dem Jahja hat Anos wieder Platz machen müssen.2) Nach Sioufiï hat er jenen nacii Jerusalem geleitet, nach Petermann ihm auch die Frau aus Msunê kusta gebracht. Uebrigens behielt er die Zerstörung Jerusalems für seinen Theil.

Nach der von Ecchellensis 1.1. 335 bezeugten Vorstellung, batten die Juden ehedeiu zuerst den Taufcult verlassen, dann 70 Jahre spater die Beschneidung angenommen. Spater erschien bei ibneu Johannes und steilte die wabre Eeligion wieder her. — Nach Siouffi p. 4 ss. war die mand. Genossenschaft infolge des Aussterbens ihrer Geistlichkeit seit Langem eine hirtenlose Schaar, und batte sich dieselbe mit einer jüdischea Secte, qui nadmettait pas la circoncision, verschmolzen. Da gelangten keine Seelen mehr in die Lichtwelt, sodass endlich Manda d\'Hajö von Mara d\'Rabuta beauftragt wurde Abhülfe zu schaffen. Er veranlasst die Geburt des ïiiufers aus der Inaswaj (oben S. 67). Gleich nach der Geburt wird das Kind in die Lichtwelt versetzt, dort erzogen. uuterwiesen und zuletzt noch gegen Feuer, Wasser und Waffengewalt gefeit. Anós-Utra geleitet ihn dann den Euphrat hinunter nach Jerusalem, wo Jahja — „un jeune homme aussl beau que la lune dans son entière splendeur- — als ïiiufer und Arzt auftritt.

165

1

Abr. Ecchell. 1. 1. 333, nach Drasê d\'Jahja: Als Jesus im Alter von 14 Jahren von Johannes die Taufe verlangt und auf dessen Frage nach seinem astrologischen Namen erklart habe, er führe keinen solchen, indem er den Einflüssen der Gestirne nicht ausgesetzt sei, babe Johannes bezeugt: parvus quidem es, sed magna ac mira loqueris, — das ist das Zeugniss über Manda d\'Hajê r. 191, 12 f. (vgl. auch r. 265, 3 f.). Erst nach etlichem Hin- und Herreden habe jener gemerkt, wer sein Tiiufling sei. — Die Manuscripte der Drasê waren zu Rathe zu ziehen, ob Ecchellensis nicht etwa den Manda d\'Hajê mit Christus verwechselt habe.

2

Niemals tritt Anós neben Johannes als Prediger auf. Urn die entgegen-gesetzte Behauptung Petermann\'s (Reisen II, 454; PRE3 322) zu halten, müsste man die Compilation des 2. Tr. r. harmonistisch ausdeuten.

3

Narratio p. 70 s., 147 ss.: Christus sei die Seele Gottes, nach Etlichen vor der Kreuzigung den Juden entscluvebt, die nur seinen Schatten (umbram, propriam figuram) kreuzigten, — die doketische Ansicht, ganz wie dieselbe im Qoran sure IV, lö9 und 15ö gelehrt wird. Nach Andern sei Christus am Kreuz gestorben (pro nostra salute!) und auferstanden, aber nur seine Seele gen Himmel gefahren. Das ist thatsachlich was nur ein Mandaer mit dem besten Willen von dem Ausgang Christi glauben konnte. Mit der Frage, wo denn sein Leib geblieben sei, trat\' Ignatius seine Leute unvorbereitet. Sie sollen geantwortet haben: „überallquot;.

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Viertes Capitel. Das mandaische Geschichtsbild.

166

Blinden legt er die Hand auf die Augen, Gichtbrücliige berührt er mit seinem Priesterstab, andere Kranke besprengt er uur mit einigen Tropfen Wasser, und heilt sie. Die Juden steeleen sein Haus in Brand, er aber tritt iinversebrt aus der erloschenen Flamme. Mit Waffen greifen sie ibn an, — obne bessern Erfolg. Darauf glaubt ein Tbeil der Juden an ibn und nntenvirft sicb den vou ihm angestellten Geist-lichen. Ka eb Johannes\' Ausgang1) folgt dann die Bekehrung der Mirjaj, die Zerstörung üraslam\'s und die Uebersiedelung der Mandiier iu andere Wolmsitze.

1

Ign. Narr. 74 s.; Joh. sei seines natürlichen Todes gestorben, sein Leich-nam aber noch von seinen Jüngern gekreuzigt worden. So habe er selber es befohlen, urn seinem Blutsverwandten Jesus gleich zu werden. Sein Grab befinde sich bei Suster. Von Krystall geschaffen, stehe es in einem Hause auf dem Feld. An dem Hause vorbei, oder nach p. 17 aus demselben hervor, fliesse der Jordan (man verstehe, nach § 35: ein Fluss).

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Fünffces Capitel.

Das religiose Bewnsstseiu.

(Cliaraktcr der mandaischen Religion.)

§ 9U. Der Name Mandaja wird von den Mandaern selbst nicht mehr verstanden. Er enthalt die Wurzel Xquot;quot;1 = y-i, bedentet aber ui dit etwa ..ein Wissenderquot; (das entsprechende Particip lautet im Afel imstt „Bekennerquot;), sondern ist durch die Enduug ai als relatives Adjectiv von gebildet, wie beispielsweise „Glück-nerquot; von „Glockequot;, und alle Völkernamen (§ 30). Petermann hielt es nun für „ein Patronymicum, gebildet von Manda de hajjê... ihrera eigentlichen Heiland, also unserm Namen „Christenquot; ganz analogquot; (Reisen II, 99). Allein der ümstand, dass manche von den man-daischen Schriften für den Namen Manda d\'Hajê einen andern — Jawar, der Erste Gesandte, Hibil-Ziwa — bieten, spricht nicht fiir diese Erklarung; und gewiss dagegen, dass eine Verkürzung desselben zu Manda olme mehr niemals stattfindet. Es ist also au den Gat-tungsnamen x-rxr zu denken, gleich N\'-X\'o mit verstiirktem quot;i, svr.

M1)-

Vou heranwachsenden Kinderu sagt man: NiEnSE ÏD

„wenu sie ihr Wissen unterscheidenquot;, d. h. zu den Jahren des Ver-staudes gekommen sind (r. 22,16). Der Lichtkönig trilgt dein Gesandten auf: Lehre den Adam und seine Gattin Havva und all seine Nach-kommen XiX\'iquot; („ein Wissenquot; r. 13, 22). Manda und Mandaja ent-sprechen also den griechischen Ausdrücken yvóoiq und yvcoörixóg; nur ist im Mandaischen das Adjectiv nicht wie im Griechischen dem vorhandenen Sprachschatz cntnommen, sondern eigens zur Benennung

1

Nölcl. 75. — findefc sicli r. 178, l(i -s-zsi masia „durch die Grosse deines Wïssensquot;, sowie in der Strophe is-- s-ssa Qol. XIX. Cod. CD bieten r. 178 si:-!:, entsprecliend der Nebenform stoj (r. 309, 23; 392 uit. u. ö.). Nach dieser Form erklarte man in Süq den Titel Tarmida --- „reicli an Wissenquot; (Peterm. a. O. 464).

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Fünftes Capitel. Das religiose Bewusstsein.

der Keligionspartei getbrmt worden; es kommt wenigstens ausserdem • gar nicht vor. Ein Mandaja ist also ein Mandaglilubiger.\')

Der Name bekundet ja, so derivirt, den Glanben an ein zum Heil flihrendes Wissen. In etliclien Schlussformeln1) wird ausdrücklich versicliert: „Das Leben ist für die um mich Wissenden (fsniOb), und das Leben ist für die meiner Knndigen (\'jsinscb)quot;, wobei r. 298 auch schlechtliin „die Wissendenquot; und „die Kundigenquot; genannt werden.

§ 91. Der Gnosticismus in der Religion lehrt die Erlösnng durch das Wissen, als unniittelbare Folge der „Aufkliirnng des gottgeborenen Geistes über sicli selberquot; ^Harnack). Diese Anfklarung vollzieht sicb principiell durch das Erscheinen des Erlüsers in der kosinischen Welt, und für den Einzelnen durch die Feier der Mysteriën, die Annahme einer Taufe oder den Genuss einer himmlischen Speise; die mündliche Belehrung bat nur den Werth einer Vorbereitung und Einleitung dazu.

Die Anschauungen, welcbe einem solchen gnostischen System zur ünterlage dienen können, siud in den mandaischen ürkunden sehr deutlich enthalten. Dem Wissen nm die Dinge wird das Vermogen zugetraut, dieselben zu beherrschen oder doch sich ihrer Macht zu erwehren und ihrem schüdlichen Einfluss zu verschliessen. Bedeutsam sind in dieser Hinsicht die Stellen, wo die 50Tïn („Goheimnissequot;, Mysterien, vgl. S. 64) zur Sprache kommen. Wenn Anos, im Eeich der Gestirngeister allein übriggeblieben, schier verzagt (§ 70), komint M. d\'H. ihm damit zu Hülfe, dass er ihm die Mysterien der Schopfung ofienbart, ihm ürsprung und Wesen der irdischen Elemente entdeckt (r. 266 ff.; Beispiele ohen S. 62. 65). Bei der Höllenfahrt des Hibil-Ziwa ist Baza raba, „das grosse Mysteriumquot;, sein Berather und als solcher sein Schutzgeist. Der ünterwelt und ihrer Beherrscher wird er dadurch Herr, dass er ihnen ihre Geheimnisse abzwingt oder ent-lockt. Mit „geheimenquot; Namen versiegeit er seinerseits ihre Behau-sungen; der Verschluss ist unverbrüchlich, weil dieselben den Geker-kertea unbekannt sind. So sind auch die bösen Werke, die Verdrehung und Verkehrtheit in allerlei Dingen der Natur eben dadurch dem Menschen gefiihrlich, dass er den in dem Gift, iu der Trunkenheit, in der Wollust wirksamen Zauber nicht kennt. 1st doch andererseits die Herrschaft über das Menschengeschlecht den Bösen entgangen, indem sie nicht wissen, wie die Seele sich mit dem Korper verbindet (oben S. 36).

168

1

Schlussformeln des 8., 15., 28. und Gl. Tr. rechts, sowie der Nachschrift des 2. Tr. links.

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Charakter der mandaischen Religion.

Behalten wir den letzten Punkt ini Auge, so versteht sich abev, dass von einer Erlösung des Menschengeschlechts aus der Gewalt der kosmischen Machte liier nicht die Rede sein kann. Dazu müsste, wie in den bekannten gnostischen Systemen, die Seele diesen Machten erst anheimgefallen sein. In der mandaischen Anschauung ist die Seele dem Leibe verbunden, dadurch aber nur den Anschlagen der Bösen, die den Menschen erst in ihre Macht bekommen wollen, aus-gesetzt. üeber ihre Zngehürigkeit zum Licht ist sie von Anfang an unterrichtet. Wenn der Mandaismus dennoch von Erlösung oder Be-freiung spricht, so ist es entweder nngenau, wie r. 264, wo Anos „von den Bösen befreitquot;, eigentlich aber nur vor der von ihnen bewerk-stelligten Wasserfluth behütet zu werden hofft1), oder mit Beziehung auf die Sterbensstunde, in welcher der Todesengel die Seele von dem Körper löst. Dieser heisst denn auch .der Erlöserquot; (siehe S. 73), und es lasst sich nichts Besonderes dabei denken, wenn auch der grosse Lichtkonig \'pnbirn xpnxs „Erlöser aller Glaubigenquot; ge-

nannt wird (r. 2, 1).

§ 92. Die mand. Keligion kennt keine andere Seligkeit als die im Jenseits, und kein anderes Mittel um sie zu erlangen als treues Verharren in den Regeln der frommen Lebensfuhrung. Das zum Heil führende Wissen, besteht daher nicht in der Erkenntniss von

allerlei Geheimnissen, sondern in der Bekanntschaft mit den Geboten dieser Religion, mit der Alternative nach dem Tod und den verfüh-rerischen Listen der Bösen. So heisst es im 2. Tr. r. 48, 18: „Ich be-lehre euch, wie der Meister mir auftrug, ich sage euch von dem Licht... von der Finsterniss und von dem brennendeu Eeuer . . . von dem Satan .. wahrend nur der Sittencodex vorherging und die Welt-geschichte folgt. Ein Wissen um die grossen Mysterien wird zwar sehnlichst verlangt, aber als zur Seligkeit erforderlich wird nur ver-kündigt, dass die Finsterniss und das Licht und das Leben und dei-Tod und Wahrheit und Irrthum existiren; übrigens ist auch der Name, auf welchen die ïanfe stattfindet, eine Heilsoffenbarung. Ent-hüllungen über den ürsprung, das Wesen und den Zusammenhang der Dinge erwartet auch JOhana r. 193 f. erst in der Zukunft. Es ist keine Bedingung des religiösen Verhaltnisses. Allerdings wollen die Tractate, welche sich mit metaphysischen Dingen befassen, Offen-barungen an die Glaubigen in dieser Welt sein. Allein gerade den altesten darin verarbeiteten Fragmenten geht die apokalyptische Form ab: vgl. die Theogonieen § 13 unter a und b, und § 15. Die Tractate

1

Richtig, aber ohne Bedeutung für deu Charakter der mand. Religion, steht pe von der Befreiung aus dem Strafort, oben S. 77 f.

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Fünftes Capitel. Das religiose Bewusstsein.

Nacli dem zwiefaltigen Masstab der Treue im Bekenntniss uud in den Werken wird auch der Seele dereinst das ürtlieil gesprochen. Die Wage des Abatur beziebt sicb nur auf die Lebensfiihrung derer, die nicht aufgeb5rt baben, sicb zur Nasöraergemeinde zu bekennen (S. 75 f.). Als Ricbter über Alle tritt in der Licbtkönigslehre der erbabene Lichtkönig auf (S. 77), in andern Schriften M.d\'H. Zu letzteroii gebört r. 254, 3 ff., wo die Seelen der Abtrünnigen den Manda d\'Hajê anfleben: „Wir baben gestindigt und sind tbüricbt gewesen durch die Scblecbtigkeit der Engel dieser Welt, die bei uns waren. Jetzt erlass mis unsere Sünden. Du, M. d\'H.! erlöse uns aus der Finsterniss dieser Welt, in die wir geworfen sind. Dann spricbt M. d\'H. zu all den Seelen: Die nasOraiscben Manner, welcbe dort in die Finsterniss ge-worfen sind und zu mir rufen, und mit dem Zeicben des Lebens be-zeicbnet waren, und den Weg des Lebens verliessen und fiir (DITCbj Ruba und Msiba in den Jordan binabstiegen \'ji — wer wird denen ibre Sünden erlassen?quot; Weiterbin sagt er diesen, welcbe sicb von Ruba und Msiba das Paradies (iOïSquot;# rx:quot;1?) verbeissen liessen, dass sie bis zum jüngsten Tag in dem selbstgewablten „Paradiesequot; verbleiben sollen.

§ 95. Das religiose Bewusstsein dieser Mandaglaubigen ist ein gesetzlicbes. Wie das moraliscbe Verbalten, so wird der Glaube, so wird scbliesslicb aucb die Cultusbandlung unter den Gesicbtspunkt der Scbuldigkeit gestellt, mit dem Hinweis auf Lobn und Strafe.

Aus der zuletzt angezogenen Stelle ist ersicbtlicb, dass die Silndeu-vergebung lediglicb in dem Straferlass durch den Ricbter bestebt. Bei dem in jüngeren Stücken nicht selteuen Ausdruck „einen Sünden-vergeber babenquot; oder „erlangenquot; (s. oben S. 98. Ill) ist an nichts Anderes zu deuken. Man darf sogar das Participium für

ÏKiuivalent mit aram. «pWO, snip^ai!?, syr. ),i -mo».,

172

nebmen, indem die analogen Derivate sicb im Mandaiscben vermissen lassen, und bei Combinationen wie r. 1, 3 pilXttn NSTDXtl Nmcü gewiss nur ein unpersönlicber Begrifi\' damit zu verbinden, andrerseits aber von einem eigens zum Bebuf der Sündenver-gebung bestellten Mittler, überhaupt von einer Versöbnung, wodurch dieselbe vor der göttlichen Gerecbtigkeit erst möglicb würde, nirgends eine Spur vorhanden ist. Die einzige Bedingung bestebt nach allen einschlitgigen Stellen darin, dass man der wabren Religion nicht ab-gesagt babe.

1

„In den Jordan hinabsteigenquot; allgemeiner Ausdruck für „die Taufe nehiuenquot;, wenn auch die im „abgeschnittenen Wasserquot;. Aehnlich Pael und Afel von pio „aufsteigen- für „aussterbenquot; und „ausrottenquot;.

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Charakter der mandaischen Religion.

Das Scliuldbewusstsein tommt namentlich in den liturgischen Stücken zu Worte. Der 3. Tractat rechts ist eiu grosses Miserere mit dem Hefrain „Durch dein Erbarmen erbarme dich unser!quot; oder „Ver-damme uns nicht!quot; — „L:iss den ganzen Zom vergehn!quot;1) „Unsere Sünden und Schulden mögest dn uns erlassen!quot; heisst es darin immer wieder. Die TJeberzeugung, dass auch der Beste stindhaft sei, aussert sich in der an Manda d\'Hajè gerichteten Frage: „Wer ist vor dir rein?quot; und dem Bekenntniss: „Niemand ist rein vor dirquot; (Qol. 54, 16; 16, 1).

Das Bedürfuiss der Süudenvergebuug ist in den semitischen Re-ligionen überhaupt stark ausgepriigt. Die assyrisch-babylonischen Busspsalmen geben den hebrilischen in dieser Beziehung ■wenig oder nichts nach. Der Stachel des Schuldgefühls ist bei den Mandilern die Furcht vor den Schrecken der finsteren Straforte.

Das Flussbad ist in den Begriff der Reinigkeit gezwiingt und des Uebrigen als sonntaglicher Taufcult zur Satzung gemacht. Das Zu-rückweichen des naturgeinassen Empfindens und Glanbens hinter den satzungsmassigen Scrupel ist auch ein Merkmal der mandaischen Frömmigkeit.

Diese Religion hat die Stnfe des Gesetzes erstiegen, und sich immer mehr darauf eingerichtet. Wie die jüdische Synagoge die Thora als eine Kette von 248 Geboten und 365 Verboten für den Inbegriff der ihrigen ansah2), so besteht nach Peterm. Reisen II, 121 die eigentliche Religionslehre der Mandiier in 180 Geboten und 4 besonderen noch für die Priester. Eine Krönung erhalt dieses System durch die, freilich nur von Siouffi bezeugte,3) Beichtordnung bei den Mandaern. Auf das blosse reumüthige Gestandniss bin erhalt der Sünder dreimal für das namliche Vergehen Absolution, d. h. den Er-lass der Matartastrafen zugesichert (gernass r. 22 f.; 44 f., s. oben S. 89.

173

1

Eesp. quot;siï Bsmsir:? ■jslry istsnï-sV, eig. „Spricli das ürtheil nicht über unsquot;; swi ftVosa.

2

Ferd. Weher: System der altsynagogalen palastinensischen Theologie, Lpz. ISSü, S. 89. 203 f. Zum Zeichen, dass der Mensch auf die Erfüllung des Gesetzes veranlagt sei, soil sein Leib auch 248 Glieder und 365 Nerven enthalten (Targ. jer. zu gen. I, 27). Die Mandaer hahen, nach Siouffi 149, die ahnliche Meinung, dass der Mensch aus 366 Adern (s-:s—quot;3) bestehe. Es ist dieselhe Zahl: die Tarmida\'s in Jerusalem werden nach r. 329 ft\', auf 305, nach r. 29 auf 300, und nach Siouffi p. 10 auf 366 angegebeu. Kichtig ist die Zahl 365, nach den Tagen des Sonnenjahrs.

3

Ignatius berichtet Narr. 23 ausdrücklich, dass die Mandaer die Beichte bei dem Priester nicht kannten, und auf die Frage, ob ehedem eine solche bei ihnen üblich gewesen, einander widersprachen. Wabrscheinlich ist hier zwischen den Mandaern am Euphrat und den in Persien ansassigen zu unterscheiden, und nur bei letzteren der parsischo Brauch eingeführt, vgl. § U5.

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Fünftes Capitel. Das religiose Bewusatsein.

120). Nach dein dritteu Mal kunnen nnr bestimmte gute Werke, wie Almosen, Auslösung von Gefangenen, das auf eigene Kosten Abschreiben-lassen von Eeligionsbüchern, \') die üebertretung sühnen. — Von einer Erliebung über diesen Standpunkt hinaus, sei\'s durch Erleuchtung und Verstand niss, sei\'s durch eine ein fttr allemal hergestellte Gemein-schaft mit dem Geber des Gesetzes, baben die Mandiler niemals eine Almung gehabt. Der Gnosticisrnns ist bei ihnen nicht durch-geführt, und vom Christenthum nur gelegentlicli ein Name, eine Figur, eine Vorstellung haften geblieben.

§ 96. Der Gesetzesstandpunkt, der Respect vor dem Herkommen in Sitte und Cultus ist wohl der höchste, zu welchem eine ununter-richtete Menge sich zu erheben vermag.1} Daran halt sie, und das will sie gewahrt haben. Hire sexuelle Moral und ihre Flusstaufe sind die grossen Instanzen gewesen, welche die Führer der mand. Ge-meinden gegen das Christenthum zur Geltung bringen konuten. Au diesen zwei Punkten ist auch bei ihnen selber der Gnosticismus ge-strandet. Zum Beharren in der herkummlichen Praxis um den Preis empfiudlicher Nachtheile, angesichts drohender oder thatsachlicher Be-drückung um deretwillen, gehort abor mehr als gewöhnliche Vorliebe, gehort Begeisterung für das geistige Eigenthum und durch dasselbe. Zu soldier Hohe dürften die Mandiler sich nicht leicht verstiegen haben: schon die Empfehlung der reservatie mentalis (§ 81) deutet auf ganz andere Dinge.

In den Jahren der portugiesischen Vorherrschaft im Persischen Meerbuseu ist dieser Vorbehalt zu statten gekommen. Im J. 1515 hatten die Portugiesen den Schlüssel des Golfs, die Inselstadt Ormus erobert; im zweiten Viertel des Jahrhunderts kamen die Inquisitiou und die Jesuitenmissionare nach Indien. Damals wird auch die Station in Basra gegründet worden sein. Der Reisende de la Boullaj^e-le-Gouz, der seine Angaben von derselben bezogen hat,:!) erzahlt, die Portugiesen hiitten bei dem befreundeten Pascha von Basra ausgewirkt, dass die dortigen Mandaer bei Geld- und Leibesstrafen zum Besuch der katholischen Kirclie und zur Einstellung aller Arbeit am Sonntag gezwungen wurden. Gleichzeitig waren die portugiesischen Mönche

174

1

Andern als den Zöglingen ihres Standes soheinen die mand. Priester gar keinen Unterricht zu ertheilen. Ign. Narr. 62 bezeugt ausdrücklich, dass die Knaben der Mandaer apud magistros Mahomettanos cum reliquis pueris Mahomettanis linguam Arabieam addiscunt, et cum lingua addiscunt etiara ipsorum mores et superstitiones.

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Charakter der mandaischen Religion.

bemülit, sie zu unterricliten; den Kindern der Aermeren schenkteu sie Jvahrung und Kleider. Nach dera Verlust von Ormus (i. J. 1623) konnten aber die Mandiler unbehindert ihre angestammte Eeligion wieder aufuelimen: ein Theil soil ziim Islam übergetreten sein, — et ue s\'en conserva pas quatre Cbrestiens!1)

Es ist hier ein Wort über die Abnahme der mandaischen Ge-meinde am Platz. Im Genzil selbst lasen wir schon das Eingestilnd-niss, dass viele Glaubigen abtrünnig geworden seien (§ 88). Den Lockungen des Vicekönigs der portugiesischen Colonieen (oben S. 4) sollen sie wenig nachgegeben, dagegen ehedem in grosser Anzabl bei der portugiesischen Armee Dienste genommen haben.2) Natürlich mnssten diese ihrem Glanben absagen.3) Xehmen wir an, dass die Genossenschaft um 1650 noch etwa 3500 Familien ziihlte (§ 2). Viel starker brancht sie anch früher nicht gewesen zu sein, da eine ziemlich bedeutende natürliche Verinehrung in Anschlag gebracht werden darf. Seitdem ist in zwei Jahrhunderten ihre Anzahl auf 4000 Seelen zu-sammengeschmolzen. Nach Petermann a. O. 455 und 464 waren um 1800 in Suster 30 Familien auf einmal, und um 1825 wieder „Vielequot; zum Islam übergetreten. Für heute aber ist Siouffi\'s Gewiihrsmann ein um so bedenklicheres Zeichen. als derselbe von priesterlichem Hause war. Es steht zu gewiirtigen, dass mit der jetzt lebenden Generation das Mandaerthum dahinschwinde.

175

1

Le-Gouz fahrt p. 207 foi\'t: „la pluspart ont retenu le Dimanche auquel ils ne travaillent pointquot;. Dor mandaische Sonntag ist jedoch schon im Genzil bezeugt, und dieses gewiss alter als man in Basra meinte (Thévenot p. 327 des Bei], N genannten Werkes, von den heil. Büchern der Mandiler: ce n\'est que depuis peu d\'années qu\'ils sont faits). Wahrscheinlich ist die Sonntagsfeier in der S. 164 angedeuteten Zeitlage von den Mandaern angenommen worden.

2

Le-Gouz, der Beides bezeugt, erklilrt Ersteres anlangend, die zur Ueber-siedelung nach Ceylon auf\'geforderten Mandiler bestünden dar auf, ihre Priester mitzunehmen und ihre religiösen Gebriiuche beizubehalten.

3

Wie audi ein von Pietro della Valle i. J. 1622 in Siras aufgegrifTener, hierher verschlagener Söldling jener Armee (Beil. N). Della Valle berichtet von demselben; essendo stato piü volte, e a lungo, in Hormüz fra\' Portoghesi; bene istrutto da quelli nella fede Cattolica, e rigenerato con vero battesimo, conforme usano con certi tali, alraeno sotto conditione (weil der christliche Charakter der mandilischen Taufe mindestens zweifelhaft erschien); si trovö anche co\'i Portoghesi, nell\' assedio di Hormüz, a faticare e a combattere.

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Sechstes Capitel.

Die Ursprünge der mandaischen Religion.

Einleituug.

§ 97. Zu dem bunten Stoff des mandaischen Ideenkreises haben die in Vorderasien nach einander zu Einfluss gelangten Religionen alle beigetragen. Die nach eingetretener Entkriiftung des speculativen Vermogens planlos angeeigneten oder gar unversehens eingeflossenen Vorstellungen, das heisst sammtliche christlichen und ein ïheil der parsischen, sind in unserm 4. Capitel zusammengelesen und jetzt nicht ■weiter zu berücksichtigen. TJebrig bleiben die altmandaische Schule und die von dem Geschichtsbild abliegenden Elemente der Licht-königslehre.

Bei der Lückenhaftigkeit der assyrisch-babj\'lonischen Denkmale; hei der oft so unsichern Interpretation dieser sowie der altpersischen Texte; bei dem Mangel an authentischen unmittelbareu Nachrichtcu über die synkretistischen Bildungen, welche die Zeit der Eeligions-wende in dem Gebiet vom Euphrat bis zum Mittelmeer, von Arabien his an die nordlichen Karawanenwege erzeugt hat; bei der noch nicht abgeschlossenen Ivritik der abendlandischen Auslaufer des Elcbasais-mus und der manichiiischen Keligionsstiftung: kann die unmittelbare Provenienz mancher Bestandtheile — ob aus dieser Hauptreligion er-erbt oder jener entlehnt, oder nur aus zweiter Hand übernommen — nicht auf Augenschein bewiesen werden. Ebenso lasst sich die Vor-geschichte der Mandaer nur nach Massgabe der grösseren Wahrschein-lichkeit entwerfen. Indessen führt die mandaische Literatur geraderen Wegs als irgend eine andere auf die gemeinsame Quelle jener merk-würdigen Combinationen orientalischer Phantasie mit griechischen Ge-danken, deren griechisch ausgebildete und christianisirte Erscheinung den „Gnosticismusquot; der Religionsgeschichte darstellt: auf die chal-daische Philosophie, unter deren ursprüngliche Wortführer die Autoren der § 16 nachgewiesenen altmandiüschen Schule zu rech-nen sind.

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I. Semitische Naturreligion.

I. Semitische Xaturreligion.

§ 98. Der Göttersitz im Norden unci die Flusstaufe sind angestammtes religiöses Gut der am untern Euphrat angesiedelten Semiten. Die nachsten Griinde dafilr und deren Erürterung entMlt unser Abschnitt „Das Wasser und der Nordenquot;.

I. Ersteres ist den Semiten überhaupt eigen. Es iindet sich sogar

im Alten Testament: ps. XLVIII, 3; jes. XIV, 13; ezech. I, 4. Bei den

spilteren Juden aber galt, wie bei den Persern, die nördliche Himmels-

gegendfür diejenige, von der alles Böse herkommt. Der altsyrische S\'mal,

der grösste Gott der liarranischeu Heiden, ist eben der im Norden 6 f o ^ s ,

(JU-ci; JU-ii, thronende, bei den spateren Juden der böse

bstED.\') In Babylonien darf vielleiclit der semitische Bel als Gebirgs-gott dem altchaklaischen Seegott Êa gegenübergestellt werden. 1)

II. Der Taufcult ausschliesslicli in fliessendem Wasser ist in seiner einfachen, mit peinlichem Ceremoniell noch nicht um-sponnenen üebung ein Stück urwüchsiger Religion: keine Empfindung wohl besser geeignet. das qualende Gefühl der eigenen Unzulilnglichkeit, sei\'s Besorgniss oder Schuldbewusstsein, zu vertreiben, den Lebens-muth zu erhöben, als die Erquickung des Badens in „lebendem Wasserquot;. Daher findet sich die religiose Lustration bei den ver-sclüedensten Völkern des Alterthums und bei etlichen noch heutzu-tage, theils in der allein ursprünglichen Gestalt des Vollbades in natürlich bewegten Gewassern, theils in mehr oder weniger verküm-merten Formen. Zumal das ewig frisch vom Thron der Gottheit da-herströmende Flusswasser, das geniessbare, welches audi die Kehle labt und allem Leben unentbehrlich ist, gewahrte dem religiösen Bedürfniss Befriedigung: Gemeinschaft mit der Götterwelt durch die Vorstellung, Gewinn des rechten Verhilltnisses zu derselben durch das natiirliche Empfiuden, durch beides ein gehobenes Selbstgefühl.

Wiihrend nun bei andern semitischen Vülkerschaften der Taufcult entweder niemals dagewesen, oder durch den Tempel- und Altarcultus zurückgedrangt nur als Eeinigkeitsbad fortlebte,:1) ist derselbe bei

.177

1

Sir Henry C. Rawlinson im Journal of the Royal Asiatic Soc. XII, 1880, p. 202 ff.

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178 Soclistes Capitel. Die Ursprünge der mandaischen Religion.

melireren Stammen in Südbabylonien unverlcürzt erhalten gebliebeii. Nicht von der stadtisclien Bevölkerung in den Centren des cultivirten Lebens und der Staatsreligion gilt dies. Die bisher entzifferten Texte der assyrisclien und babylonischen Kuinen lassen nicht einmal das Vorkommen von irgendwelchen religiösen Lnstrationen constatiren \'j: demnach haben solche Gebrauche hier keinenfalls viel zu bedeuten gehabt. Die Altvordern der Mandaer sind vielmebr nnter dem Landvolk, den Provinzialen, zu suchen.

§ 99. Die dem Taufcult obliegende Bevölkerung ist jedooh nicht auf die maudiiische Genossenschaft beschrilnkt gewesen. Die arabischen Ethnographen des 10. Jahrhunderts wissen von Sabiern der Sumpf-districte oder Sümpfe, welche mit den Mughtasila, den „sich Waschendenquot; (arabische Participialform), identisch seien. „Sie be-haupten, dass man sich oft waschen müsse, und waschen auch Alles was sie essenquot; berichtet en-Nedim. Ihr Oberhaupt und Sectenstifter werde ^ ...-Ü (el-Hasih) genannt. derselbe habe zwei Eeihen von

Wesen unterschièden, eine mannliche und eine weibliche: die Ge-müsekrüuter gehüren zu jener, eine Schmarotzerpflanze (die Mistel) aber zu dieser. Auch gebe es unter ihnen noch Sternanbeter. Damit bezeugt der Autor thatsachlich eine zweite, neben der mandaischen unter den Tiiufern in Babvlonien aufgekommene Secte.1) — lm 3. und 4. Jahrhundert nach Chr. treffen wir die christlich angestrichenen und bearbeiteten Elxai-bücher an, aus denen mit Bestimmtheit hervorgeht dass der Sectenstifter Elchasai (iod bTi?? ^tnbs? letzteres nach Kessler, Mani I. 12) im 3. Jahr des Kaisers Trajan aufgetreten ist,2)

1

Die merkwürdige Stelle ist von Chwolsohn, Ssabier II, 543 f., aus , dem Fihrist el-\'Ulum (geschr. 987 n. Chr.) mitgetheilt. Von der dualistischen

Naturbetrachtung haben jedooh die Kirchenvilter in den griechischen Elxai-büchern offenbar Nichts gefunden. Schwerlich mit Recht hat Chwolsohn (I, 1141 auf dieselbe den Umstand bezogen, dass der Autor eine Erscheinung von Christus und der Ruhii als zwei gleich grossen Engeln, Bruder und Schwester, gehabt haben wollte. •— Es muss wohl entweder der Elchasaismus, wie er den babylonischen Taufern bekannt wurde, oder die ihm beigefallene Gruppe der Letzteren manichaisch beeinflusst gewesen sein. — Mas\'udi (t 958) nennt an einer a. O. II, 376 erbrachten Stelle ausser den harranischen qimaritische Sabier deren Wohnsitze „in Wasit und in Basra um die Sümpfe und die Landseenquot; seien. Chwolsohn (I, 107 f.) vermuthet darin eine Benennung der Mandaer nach dem von ihnen wie von den Parsi getragenen heiligen Gürtel pssasp, vgl. S. 161 Anm. 2).

2

Vgl. Philos. IX, 13. 16; Epiph. haer. XIX, 1. Origenes f 254 sagt zwar

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I. Semitische Naturreligion.

eingenommen olme Zweifel von den religiösen Ideen eines Volks, welches in Lebendem Wasser des Leibes imd der Seele Heil suclite.\') anch gewisse ïage der Herrscbaft der aoztQsg ztortjQol rf/c daefielag über-lassen glaubte, wessbalb dieselben weder zur Arbeit -) noch zmn Tanfen geeignet seien, — ganz wie die Mandaer den Neujahrstag. Dazu enthielt das ursprüngliche Elxaibuch die Beschwörungsformel

is:i- ■pD\'^by ~-cr „leb bin Zeuge fiber euch am grossen Gerichtstagequot;, welche im Genza gar nicht befremden würde.1) Bringen wir als jüdiscben Bestandtheil die mosaische Gesetzlichkeit in Abzug, so bleibt von dem Elchasaismns eine der rnandaischen sehr ahnliche Religionsform übrig, nnd uur zweifelhaft, ob audi die Lehre von den zahlreicben Erscheinungen, Geburten mul Verkörpernngen des Erlösers ebenderselben entnoinmen sei. Fi\'ir wahrscheinlich ist dies kanm zu halten.2)

§ 100. Das syrische Aequivalent von el-Mughtasila ist auch wohl 3} lm Qoran Sabïjün (V, 37) oder Sabiin (11,59;

XXII, 17; vgl. § 89) dürfte eben diese Bezeichnung arabisirt darstellen.4) — Wahrscheinlich ist sie schon dem Hiireseologen Epi-

179

12*

1

Die dem Epiphanius vorliegende Bearbeitung hatte den Spruch in doppelter Transscription und unverstanden: man sollte dem Sinn nicht nachforschen; siehe Epiph. haer. XIX, 4.

2

Naheres darüber in Beil. L.

3

Wenn wenigstens auf die in Castelli\'s lex. syr. ed. Michaelis p. 749 er-brachten Formen und Verlassist,vgl. Chwolsohn a.G.lll.

4

Chwolsohn a. O. 111. 137.

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Sechstes Capitel. Die Ursprtmge der mandaischen Religion.

pliauius in Palastina zu Ohren gekommen; er nennt eine samarita-nische Secte üs^ovaioi.\') Eine bei den Tiiufern in Südbabylonieu selbst einhoiniisclie Benennung könnte leicht gelautet

haben. Audi dieser Ausdruck ist ini Occident bekannt geworden. Schon Hegesippus weiss von Maoficóamp;soi, die er für eine der 7 jtt-dischen Secten halt.1) In den meisten Ketzerkatalogen werden sie seitdem aufgeführt.:1) Die beigegebenen Charakteristiken haben nichts zu sagen: mit den verfehlten Etjanologieen, anf denen audi die je-weilige Schreibweise beruht, werden sie ohue Weiteres hinfallig. Leitete man den Namen von Sabbat, „sabbatizarequot; her, so musste man die Masbotaer schon zu deu Juden rechuen.2)

Ein Absenker der euphratensischen Taufer sind ohne Zweifel die S a m p s a e r3) gewesen, von denen Epiphanius berichtet, sie seien weder Christen noch Judeu oder Griechen, sondern jenseit des Jordans und des ïodten Meers ansiissige Monotheisten, welche Gott durch Taufen verehren, ja auch das Wasser selbst „ungefahrquot; für den ürquell des Lebens, mithin für die Gottheit halten.4) Naher bestimmt er ihre Wohnsitze xeqi tov xeifiaqqovv jIqvcov u. s. w.; seine Angabe, dass sie dein Elchasai ergeben seien, ist durchaus wahrscheinlich: es waren zum euphratensischen Taufcult bekehrte Anwohner der von links her in den Jordan mündenden Flüsse.5) Andrerseits dürfte die Verbindung

180

1

Bei Euseb. H. E. IV, 22, 7; noch einmal ib. IV, 22, 5, wo ein ilJaapw-fl-fo? dev Begründer sein soil.

2

Dies gilt für Pscudo-Hievonynius, Honorius Augustod. und Isidorus Hisp., in Oehler\'s Corpus haereseol. I (Berol. 1856) p. 281. 323. 301. Die von Hilgenfeld empfohlene Herleitung von wird dein Autor der Constitutionen vorgesch-webt haben. — Zuletzt hat Hilgenfeld a. O. einen Zusammenhang des Namens mit dem hegesippischen Urketzer Qipovamp;ic, in Erwagnng gezogen!

3

Epiph. ed. Dind. I, 248. 325. 332; II, 92; verschiedene Lesarten: -2«,«-rpaloL, —ujixpiji\'oi, —auilnTui.

4

Quod omnis probus liber 12 (Mang. II, 457) auch die Essener sich genannt haben.

5

Chwolsohn (I, 121) meinte, sie haben auch nur Sabier geheissen, der

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I. Semitische Naturveligion.

der Sampsaer mit dem Namen \'legal eiuen Zusammenhang mit den irn Genza gescbinilhteu Jazuqaja\'s andeuten (siehe obeu S. 127).

§ 101. Das religiöse Bad kann aus sich selber eine in mehreren Acten bestellende Ceremonie erzeugen. Wo ein Fluss oder dessen Wasser als Vermittler nnd Bürge des Heils betracbtet wird. ist gar nicht einzuseben, dass man nur darin untertancben, und nicht aucb davon trinken, sich damit übergiessen oder besprengen und die Stirn damit bezeichnen sollte.

Bekanntlich geht am Ganges, dem heiligen Strom Hindostans der Taufcult noch jetzt im Schwange. Die betreffenden Ceremonieen sind in den Sutra\'s der Inder angeordnet. Tilgliches Baden und darauf Trinken des Flusswassers, an Festtageu aucb eine Besprengung, wobei ■\\vohl eiu Elephant das Geschaft besorgt, sind vielfach beobachtet und bezeugt worden.\') Die ïaufiinge kehren sich aber im Wasser nicht gegen den Strom oder dem Norden, sondern der Sonne zu. Dadurch erweist dieser Cultus seine UnabMngigkeit von dem am Euphrat heimischen: es waltet hier also das Verhiiltniss der Analogie. Bemerken wir noch, dass aucb am Ganges ein Bezeichnen der Stirn vorkommt.1)

Der Cultus der Mandaer ist von der mysteriösen Weisheit ihrer Lehrer beeinflusst und spater noch durch die Priesterzunft immer künstlicher und verwickelter gestaltet worden. Setzen wir die drei-malige Wiederholung der einzelnen Acte, allenfalls auch das „Zeichenquot; oder -Siegel-, auf Kechnung der tieferen Cultusweisheit, so ist we-nigstens das ïrinkeu aus dem Fluss mit Sicherbeit für ein ursprüng-liches Zubebör der Masbuta zu halten. Die Besprengung scheint nur ein abgekürztes Verfahren für die Taufe durch den Priester abzugeben, und wird daher, wie diese selbst, im niichsten Gefolge des Priester-standes aufgekominen sein.

181

1

Jeder Angehörige des dritten oder Handelsstandes der Brahmanen, erzilhlt Garaten Niebuhr a. O. S. 08, muss sich morgens nach dem Bade eine Art Siegel auf die Stirn drücken lassen. Einst sah dieser Reisende eine Menge Frauen und Miidehen zum Morgengebet kommen; sie trugen Farbdosen bei sich, und eine Reihe Priester erwartete sie schon. Nachdem sie sich ge-■\\vaschen oder gebadet und trocken angezogen hatten, bot eine .Tede ihre Dose einem Priester dar: dieser tauchte seinen Daumen in die rothe Earbe und drückte ihr so das Siegel auf die Stirn. Ein Gleiches thaten dann die Be-zeichneten dem Priester; aber sie tupften nur, indem er sonst das ganze Ge-sicht voll bekommen hütte. Nach kurzem Gebet und dem Geschenk einer Handvoll Reis an den betreffenden Priester nahm jede Gebadete ihre Farbdose wieder mit nach Hause. — Ueber Kaufleute vom Indus vgl. Peterm. a. O. 207f.

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Sechstes Capitel. Der ürsprung der mandliisclien lieligion.

II. Die Chaldaische Pliilosophie.

A. Mythologie.

§ 102. Altbabylouischer Stoff ist iu der mandaischen Vor-stellung unliiugbar enthalteu. Wir bemerken: die Höllenfahrt wobei die ünterwelt mit sieben Thoren, ihrer Finsterniss uud ilirem Staub1); iu diesem Mythus ausnahuisweise eiu maudaisches Götterpaar, ^Yie Êa und Davldua2); das finstere ürwasser vorder Schöpfung, fiber welches die Tiamat („Meerquot;) herrschteJ), welche die Mandaer Namrus und lluha genannt liabeu (s. obeu S. 131 f.); den Kampf mit dem Dracheu3); die böseu Sieben0), mit deuen die mand. Autoreu aucli uiclit immer die Planeten ideutificirt haben (vgl. oben S. 76V, Nbu den Schriftkundigen und Weisen4); die

1

Hölienfahrt der Istar, ubvers Z. 8 f.:

der Wuhnort, da Staub ih re Nahrung, ihre Speise Lehm:

Licht schauen sie nicht, in Finsterniss molmen sie.

2

Sithe § 14, sub f. — Ausserdem könnte man höchstens in dem Tisch-segen (oben S. 94, Anm. 2) ein mand. Götterpaar erkennen. Nach Siouffi 40 ist die Simoth-Haiij le principal personnage du sexe féminin: Elle est puur ce sexe ce qu\'est M oro-Eddarboutho peur l\'autre. Nach p. 18 wohnt sie neben letzterem. Indessen ist pss-b wohl das fem. zu =so, und Sam ein Name des Manda d\'Hajè (vgl. S. 218, Anm. 2).

3

Kampf des Maruduk mit der Tiamat, Smith Del. 78—80, SS—93; vgl. unsere Beil D. — Das gemeinsame Moment ist darin gelegen, dass der Versuch den Gott zu verschlingen den Drachen zu Falie bringt. In der Keilschrift lasst jener den bösen Wind der Tiamat in don Rachen fahren, der „ihr Inneres zer-rissquot;. In der mand. Lesung thut die Hülle von Messern und Stachein des Hibil-Ziwa, auf welche der Drache zuschnappt, in der septuagintischen das Gebilck von Pech, Fett und Haaren eine iihnliche Wirkung (tó/A xal Jquxvjv 27: xal (fc.yojv ditgydyij o óqc\'.xujv).

4

Üben S. 74, Anm. 2 Nabü (oder Nebo) heisst z. B. „der Schöpfer dei-Schriften der Tafelschreiberquot;, vgl. C. P. ïiele, Babylonisch-Assyrische Ge-schichte, Gotha 1888 (BAG), S. 533.

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II. Die Chaldaische Philosophie.

Uroffenbarung, d. h. die Belehrung der ersten Menschen\'); das Wasser des Lebens quot;1); Zahlen desSexagesiiiialsysteais2); etlicLe Götternamen3); — wie in den mandaischen, so schwankt audi in den assyrischen ïexten die Verwandtschaftsbestimmuug der göttlichen Wesen3); das Auftreten derselben ist dort ganz ahnlich wie hier. Ferner erinnert die Stellung und Fuuction des Manda d\'Hajê, der als König und Vater aller Utra\'s, ja aller obern und uutern Weiten pradicirt wird, und dann die Stinnne des Lebens ruft, an Maruduk, diesen „erstgeborenen Sohn des Gottes Êaquot; wie derselbe in einein von Smith-Del. 302 f. mitgetheilten Hymnus angerufen wird:

.... König Himmels und der Erde,

Himmel und Erde sind dein,

Der Zauber des Lebena ist dein, Der Hauch des Lebens ist dein.

Die beseelten Wesen, so viele einen Namen haben, im Lande sind. Die vier Himmelsgegenden, so viele ihrer sind,

Die Geister der hinamlischen und der irdischen Heerschaaren, so viele

ihrer sind [sind dein]!

183

1

Vgl. Eöllenf. der Istar: Die Göttin wird in der ünterwelt, wohin sie sich begeben (um den Lebensquell aufzusuchen?), gefangen gehalten. Hier ist ein Wasser (Quelle? Bach?), aus welchem der zu ihrer Befreiung geschaffene üddusunarair (so Jeremias = „sein Licht leuchtetquot;, nach Tiele: ein Wunder-wesen, eine Art Priester) zu trinken verlangen soil (revers 18 f.). Udd. be-sprengt die Istar mit dem „Wasser des Lebensquot; und führt sie mit sich (revers 34.38). Nach Tiele BAGr 530 ruft die Göttin nachher ihren Geliebten Dumuzi (Tammuz) durch Benetzung mit dem Wasser der Unsterblichkeit in\'s Leben zurück (ist sehr fraglich). — In andern Stücken ist von „dem Waschungsortquot;, von reinem, klarem, glilnzendem Wasser, von Eeinigung und Genesung durch solches Wasser — im Ozean, an der Mündung der Ströme (in den Gefilden der Seligen?) die Kede; vgl. Jeremias S. 90—92. 104 f.

2

Die Babylonier bedienten sich dieses Systems, welchem die bei den Mandaern beliebten Zahlen 42, 300 und die Weltperiode von 480,000 Jahren entlebnt sind.

3

Smith-Del. 70 f.; Berosus in Eusebius\' Chronikon, ed. A. Schoene I, col. 11 ff.

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184 Seohstes Capitel. Die XJrsprünge der mancUuschen Religion.

Wozu wir vergleichen r. 71, 17: „Du [Manda d\'Hajê!] bist der König der ütra\'s, der wahre Herr (s-oüiai der Maclier der Herzen

über alle Liclitwelten gebe ich dir Gewalt uiul über alle Lichtutras, die iu den Wohnsitzen wohnen, und über die unteren Weiten der Finsternissquot;; r. 92,14 „der Vater der ütra\'s solist du sein.quot;\') • An dem Allen erkennt man den Boden, welchein der Mandaismus entsprossen ist. Aus dem babj-loniscben System aber ist der man-diiiscbe Vorstellungskrei? weder envachsen noch obne Weiteres ge-scbaffen worden. 1)

B. Mandaisehe Auffassung des mythologiselien Stoffes.

§ 103. Die Idee der Uroffenbarung und so ziemlicb Alles, was bei den Mandaeru altbabyloniscber Herkunft ist, fübrt auf den Vor-stellungskreis, weloher sich urn den Gott gruppirt, den Berosus O amies nennt, und dessen Name au Ort und Stelle wabrscbeinlicb Êa ge-sprocben wurde. Der Gestalt nach ein Fiscbmenscb, erscbien er in der ürzeit „aus dem erytbriliscben Meer, da wo es an Babylonien grenzt, und überlieferte den Menscben die Kenutniss der Schxiftzeicben und Wissenschaften und mannigfacher Künste, lehrte sie wie man Stadte bevülkert und Tempel errichtet und Gesetze einführt und das Land vermisst; er zeigte ibnen das Saen und das Einernten der Frtichte und überlieferte ibnen überhaupt Alles, was zur Sittigung des Lebens dient.quot;2) Darin birgt sich die Tradition, dass die Verebrer dieses Gottes, welcbe Seefabrer und Küstenbewohner gewesen sein müssen, die Cultur in Chaldiia eingeführt haben.3) Der alteste und bedeutendste

1

Ueber die Systematisirung der babyl. Götterlehre vgl. Tiele BAG 516; P. D. Ch. de la Saussaye, Lehrb. der Religionsgesch. I, 335. Der von Dr. Kessler aufgestellte Vergleich Pira-Ajar-Mana = Anu-Bêl-Éa ist bereits S. 28 abgewiesen worden, auch seinem Urheber selbst nicht recht klar gewesen: die Trias soil „Himmel, Luft und Wasserquot; darstellen; in derselben aber entspricht dem Êa nach Vortrag 207, PRE2 208 der mand. Ajar-Ziwa; nach Vortrag 302 „Ajar-Z. und Mana rabbaquot;; wahrend PRE2 220 wieder schlechthin ver-sichert wird „dass der mand. Lichtgott Mana r. identisch ist mit dem altbabyl. Gotte Êaquot;.

2

Berosus nach d.er Uebersetzung bei Smith-Del. 30 f.

3

Für diesen und die nilchstfolgenden Siitze beziehe ich mich auf Tiele BAG 487; 519 f.

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II. Die Clialdaische Philosophie.

Mittelpunkt seines Cultus war oder ward Êridu, nahe am Meer; überhaupt ist derselbe in Sildclialdila lieimisch gewesen.

Dieser Êa, dem ein wohlthatiger, lielfeuder, retteuder Charakter eig\'en ist, wird in den entzifferten Texten als der Gott des Ozeans vorgestellt, dessgleichen als „Herr der Kaniilequot; und aller Gewasser in der ganzen Welt bezeichnet. Er heisst wohl: der Solm der Herrin des kosmischen Ozeans, und auch ohne Weiteres apsu, d. i. „Ozeanquot;. Die Ideogramme seines Namens bedeuten „Haus des Wassersquot;. Er ist der Herr der tiefen Weisheit, zu welchem Gutter und Menschen in den Ozean hinabsteigen urn seinen Kath einzuholenv). Ein alter Hymnus aber beschreibt das Boot, worauf er mit seiner Gattin Davkina, seinem Solme Maruduk und zwei andern Güttem und einem mit seiner Lanze auf dem Vordertheil stellenden Steuermann(?) fiber den Ozean scliifft. Heisst es dann weiter, dies Boot erfreue das Herz „beim Anbruch des Tagesquot;, so stimmt dazu wieder der Bericht des Berosus, Oannes liabe nur „am ïage mit den Menscheu verkehrtquot;, „mit Sonnen-untergang sei er wieder in das Meer getaucht und liabe die Niichte in der See verbrachtquot;. Nach dem Allen bestimmt Tiele das Wesen dieses Gottes als den Licht- und Feuerkeim in den Gewassern, das kosmische, schaftende Feuer, das sich am strahlendsten bei der tiig-lichen Fahrt über den Himmelsozean als Sonne offenbart.

Der grosse Mana der Herrlichkeit und das lebende Feuer, welches nur im Bereich der Götterwelt existirt, — diese Grössen der mandai-schen Theogonieen dürften unter dem Einfiuss der chaldaischen Vor-stellung von Êa und seiner Behausung entstanden sein. -)

Nun sehe man aber, wie dieses Material sicli in den Kop feu der Mandaer gestaltet hat! \'■\'•) Mit dem Ozean hat es sie nicht versöhnt. Nicht einmal den Himmelsozean habeu sie gelten lassen, sondern den in einen grossen Glanzilther verwandelt, in welchem ein grosser Him-melsjordan den Preis davontriigt. Der Ideenkreis des Êa hat sich einem Bewusstsein anpassen müssen, dem die Vorliebe für das von Berg zu Thai fliessende, und die Abneigung gegen das ozeanische Wasser bereits eigen war. Es gilt hier nichts Geringeres als die religiose Eigenart derjenigen Auwohner des Euphrat, aus deren Mitte die mand. Genossenschaft hervorgegangen ist. Ware ihr Taufcult erst durch

1) Vergleiche namentlicli die bei Smith-Del. S. 99—101 mitgetheilte Legende von den sieben bösen Geistern.

2) Die mandaischen Planetenbarken scheinen mir zu spat bezeugt um auf eine altbabylonische Vorstellung zurückzugehen; ebenso das mandaische Kreuz um es mit dem einem Maltheserkreuz ahnliclien Symbol des Anu (Tiele BAG 517) zusammenzubringen.

3) Wobei man die Erorterung in § 38 berücksichtige.

135

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18g Seclastes Capitel. Die Ursprünge der mandaischen Religion.

Gedanlteu über den in des Ozeans Tiefe wohnenden Gott der Weisheit, wie Kessler meinte veranlasst worden, so Latte das salzige Meer jetzt den sussen Jordan in den Hintergrund drangen und die erythraische Kuste diesen Taufern ein Wallfahrtsziel werden müssen, woliin sie pilgern sollteu, um sich ..am Wascliungsortquot;, „an der Münduug der Strömequot; zn baden. — Thatsachlich haben sie ihr Eigentliüuiliches gewahrt. Den Götterberg im fernen Norden lïönnen sie, wenigstens zeitweilig, aus den Angen verlieren. Sobald aber ihr Bliek dafür au der Himmelskuppel emporschweift, gleitet derselbe die breite Spur ent-lang, welche sich zwisehen den strahlenden Lichtern wie ein anderer Euphrat durch die Getilde der Seligen zielit. Da bat der zn neueu Vorstellungen angeregte Einwanderer einen grossen Jordan entdeckt: das weisse Wasser der Lichtwelt.1) —

P! I

§ 104. Die inandilische Anschauung erweist sich der altbabylo-nischen darin überlegen, dass die göttlichen Wesen von den elementaren Substraten völlig getrennt erscheinen. Die wandelnden Himmels-lichter siud weder deren Erscheinungen noch deren Vehikel; sie haben überhaupt nichts zn schaffen mit dein gleich der Erde vergangiicheu Firmament (oben S. 61), diesem sichtbaren Hiinmel, „den die Menschen Himmel genannt haben, ohne dass er ein Himmel warquot;.2) So werden daim neben dem grossen Jordan unzilblige weitere Jordane der Lichtwelt zugeschrieben, welche der Sternenhimmel nicht aufweist. Aucli sind die Persönlichkeiten in jener durchaus menschenahnlich vor-gestellt, abgesehen etwa von den nur gelegentlich personificirten Jardna raba, Ajar-gufna u. A.3)

Der angedeutete Supernaturalismus und die damit zusainmen-hangende Entfaltung und Ausdehnung der übersinulichen Existenzeu in\'s Zahl- und Endlose sind Erzeugnisse einer Speculation, deren Ein-

1

Vergl. über die weissen Wasser der Lichtwelt die § 32 zu Ende an-gezogenen Stellen.

2

So r. 278,2. Ob in der babylonischen Mythologie ein unsichtbarei j Himmel über dem Firmament anzunehmen sei, ist sehr zweifelhaft, vgl. Tiele | BAG 517.

3

Nach Petermann (Reisen II, 44S) lehrte die Theogonie des 6. Tr. r. vgl. oben S. 24 tt\'.: „in jeder einzelnen dieser Früchte waren wieder unzahüge 1 Thiere und Schechina\'squot;. Derselbe batte r. 69,^7 mit cod. A und B an-statt mit D scte gelesen, und ti-rn gleich (5cZ, i-n verstanden. Nur 73,2.\' haben alle Hss. und hier ist die gewöhnlicbe Herleitung des Worts = U-iJ. angebracht, vgl. Nöld. 131 und 15]. Vgl. noch Qol. 5, 17. R. 175 steht | der Ausdruck s^i-r für die Planetengeister (§ 75).

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II. Die Chaldilische Philosophie.

tritt in die Phantasie bei deu schon seit Mensoheugedeiikeu in Siid-babylonieu augesesseueu Taufern die altmandaische Schule liervor-brachte, und also dem Mandaismus das Uaseiu scheukte. Ueber deu Ursprung dieser Speculation uud das Verliiiltniss, iu welcheu: dieselbe zu dem urtuudlich bezeugteu Mandaismus gestandeu, gilt es eiue wissenschaftliche Ansiclit zu gewinnen. In dieser Absiclit vergleicheu wir die auf uns gekouuueiien Keste und Auszüge der gnostiscben Literatur, in welcher sich viele Vorstellungen der alteu Maudaer zerstreut finden.

C. Verwandtschaft mit dem Gnosticismus.

§ 105. Die mit Squot;n... ^ nnd verketteten Keiheu in den

mand. Theogonieen sind den Aeorienreihen der gnostiscben Systeme zu vergleicben. Die Emanation wird durcb „es treunte sicli ab uud ging ausquot;, „kam hervorquot;, „spross hervorquot;, „leucbtete aufquot; „stieg emporquot; zum Ausdruck gebracht \')• Nameutlich der 28. Tractat des recbten Genza enthiilt eine, leider verstümmelte, Emanationslehre, in welcber aucb die ins Daseiu getretenen Wesen zu Faareu gesetzt werden, jedoch nicht im sexuellen Gegensatz, wie die Syzygien der Gnostiker. Manda d\'Hajê ist grade nacli den iiltesten Darstellungen nicht emanirt sondern hervorgerufen, d. h. geschaffen worden.

Die Hauptfiguren der mand. Theogonieen (vgl. § 13 ff.) lassen sich iu der gnostiscben Literatur nicht bestimmt nachweisen. Am meisten eutspricht noch der linojk\'.ttoo oder Bvdog dem Nbat oder Pira, so wenig als uur möglich aber die oft geuug vorkommende Zcatj der mandaisehen Vorstellung von dem Ersten und dem Zweiten Leb en. Liese eigentbümlichen Grossen scheineu ursprünglich Collectiva ge-wesen zu sein: die starke Neigung der Autoren, das Plurale-tantum jetzt durch Singularfornien zu ersetzen, spricht dafiir.1).

An das mandaische Pira erinnert indess Einiges. Ein dem Valentinus zugeschriebener Psalm vergleicht die unzabligen Aeonen, die aus dem Allvater emaniren, mit aus dem Chaos hervortreibenden

157

1

Ware das Dritte Leben schon in den alteren Theogonieen bezeugt, so diirfte man an die drei ersten Aeonen der Duketen denken, welche zu Dekaden wachsen und deren óiva/xig sich nach ihrer verschiedentn Entfernung von dem Ersten Gott abstuft, Philos. VIII, 8.

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1§S Sechstes Capitel. Die Ursprünge der mandaisclien Religion.

Frücliteu.\') Die Doketen der Philosopliumena setzeu den „ersten Gottquot; eineui Feigeusamen gleich, der sicli in jeder Frucht zahllos vervielfaltige, und behaupten sogar, die süsse Frucht, welclie Christus vergeblich auf dem Feigenbauni gesucht habe, sei Gott selbst gewesen.-Nach dein Vorgang der Phn7gier sollen die Naassener die Gottheit. aus welcher Alles entstanden und der Sohn entsprossen sei, mit dem Bilde des Mandelbaums erklart haben, der die vollkommene Frucht in sich habe.1) Der hier überall zu Grunde liegende Gedanke „Un-zahlige Aeonen wie Früchte aus einem Urilonquot; kann einer nicht streng philosophischen Phantasie die ürfrucht vorgespiegelt haben.2)

§ 1U6. Augenscheinlicher ist die Verwandtschaft der beider-seitigen Vorstellungen in Ansehung der Welt- und Menschenschüpfung.

Die Weltschöpfung durch Ptahil, eine Creatur des von dem Ersten abtrünnigen Zweiten Lehens, stimmt der Grundanschauung nach zu der Aufstellung, welche Irenaeus (c. omn. haer. I, 29, 4) den Barbelo-Gnostikern zuschreibt: Der Erste Engel des Movoyévrjq habe die Uorpia oder ÜQovveiy.og aus sich hervorgehen lassen3), und diese durch ihre Begierde sich von den obern zu den untern Regionen hinreissen lassen, wo sie den Weltschöpfer erzeugte, in quo erat ignorantia et audacia (vgl. oben S. 35). — Mit diesem und sechs weiteren Ausgeburten bildet sie dann die alttestainentliche Gottheit: in den mandaischen Schriften

1

Philos. V, 9:quot;Ezi Se oi \'I\'Qvyeq Xéyovai zov TtazéQa zojv o/.cur sivai duvySalov, ovyl óévÖQOv, (pijalv (nl. der naassen. Autor), cc/J.cc thai duvyiulov txslvov rov TtQoóvzu, 6q tyd)v iv èavzw zov zé/.eiov xaQTiov xamp;e.

2

Nicht soil hier verschwiegen bleiben, dass die Jesidi, in der Gegend von Mosul, ihre Priester hochsten Grades Piran, und zwar nach dem persi-schen pir = „die Altenquot;, betiteln, und erwarten, dass bei Ankunft einer Seele im Himmel „die Piran ihr Früchte entgegen bringenquot;. So Peterm. Reisen II, 332. 335. — Die Züge, deren die Jesidi verhaltnissmilssig viele mit den Man-daern gemein haben, sind indessen ausnahmslos Ansichten, Sitten und Eigenschaften, welche Ignatius a lesu oder Petermann von letzteren berichten und das Genza noch vermissen lüsst. Ich nenne: die vierfache Ehe, den Widerwillen gegen blau geliirbtes Zeug, Mehreres von dem Wiederfahren der Seele nach dem Tode, die angebliche Vorliebe für das Christenthum.

3

Der Ausdruck dafür ist, nach Theodoret Haer. fab. I, 13 TtQofia\'/.baamp;ai-

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II. Die Chalclaisohe Philosophie.

I Cl

H

189

sind die Ruha und ihre Siebeu niemals die eigentlichen Weltschiipfer, wogegeu die gnostisclien Autoren die von den sieben Engeln re-gierte Welt immer auch von diesen, den Archonten, geschaffen sein lassen. ^ — Hierin aber berühren sich wieder die beiderseitigen Ansichten, dass die Engel (bei den Gnostikern zum Schluss) den Leib des ersten Menschen bilden1), und dass dieser wie eine Bildsanle todt daliegt2), oder wie ein Wurra an der Erde kriecbt3), bis ihm von Oben Ler der Lebensfunke zu Theil wird. Es ist letzteres die Lehre Satornils; [Mfj] óvvaf/évov dvooff ovoftcti rov jtXaOfiarog óia to dÓQai\'eg rcöv dyytZcov, u./.ld coq GxcóXrpcoq oy.aoiCoi\'Tog, oly.rtiriaca avzov tj avco dvvajiig (ltd to èv oitouóitart ai\'ryg yeyovévai, sjtsfitys OJTivamp;rjQa t^coijg, og öitjysiQS tov dvd-Qcojtov xal CTjV tjtotrjos (Pbilos. VII, 28). Dieser Lebensfunke kehre nach des Menschen Tode zu den ihm stammverwandten Wesen zurück4), wie der Leib zum Staube (ibid.): bei den Mandaern verhalt sich\'s ebenso mit der Seele, als dem der Lichtwelt angehörigen Theil des Menschen. Die hier vorkommende Dreitheilung des Menschen ist vielleicht die gnostische, von den (spilteren) Naassenern sogar anf das Urwesen angewandteTrichotomie5); dessgleichen erinnert die Figur des Adam raba und die im Qolasta auftauchende Bezeichnung des Manda d\'Hajê (cf. Qol. 1, 9) als K\'SttiXp snasj an den Vorstellungskreis dor Barbelo-Gnostiker, welche die in Syzygien emanirten Aeonenreihen mit einem aus dem dvamp;Qcnjtog .eiog xdl aXqamp;rjg, ov xal Uóccitavra xcüocoi, und der yvcöaig TsXsia bestehenden Paare abschliessen lassen6). — Die valentinianische Gnosis bietet ein Analogon zu dem altmandaischen Fragment und seiner

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1

Menander und Marcion bei ïertullian de resurr. cam. h\\ Simon von Gitto und die „Gnostikerquot; bei Iren. I, 23, 2 und 30, 6; Satornil ib. 24, I.

2

Bei den Naassenern der Adam, uv dvhówxsv yi] tióvov (Philos. V, 7).

3

So nicht nur bei Satornil, sondem auch bei den „Gnostikernquot; (Ophia-nern) des Irenaeus I, 30, 6. Hier aber haucht der Jaldabaot dem Menschen seine eigene Ttvorj \'Qoiji; ein, wodurch jener unvermerkt seiner ganzen virtus entleert wird, wahrend der Mensch nun sof\'ort mit üebergehung seiner Schöpfer (relictis fabricatoribus) das Urwesen zu preisen anfangt.

4

Aehnlich wieder Iren. c. omn. haer. I, 30, 6.

5

G) Philos. V, 6; X. 9. Die Bestandtheile sind to voegóv, to ipv/ixóv und /oïxóv.

6

Iren. I, 29, 3 nach der Parallele des Theodoret 1. 1. — Weiter heisst es noch: èx ós zov dvO-QWTtov xal tijg yvcóaewg psplaarTjxtvuL Sv\'/.ov yvwaiv

xul tovzo TtQoauyoQsvovai.

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190 Sechstes Capitel. Die Ursprünge der mandaischen Religion.

Ansarbeitung im IS.Ïr. (vgl. oben 8.36} von der üeberbringung der Seele des Adam durch Adakas-Mana. Aus einem Brief des Valentinus selbst theilt Clemens Alexandrinus rait, Adam. aucli hier ein Gebilde der Engel, babe diese seine Schöpfer durch die Holieit und Freinüitliig-keit seiner lieden in Erstaunen gesetzt, und zwar óca rov aoQarcoi tv avrm OjraQfia óeórnxóra rtjc avcoamp;ev ovaiac . ■ ■ Ei? \'/ccq ovofia (m©b!) siv\'JqcÓjtov jilaodsig slóa/i cpóftov JiaQtoyji\' jiqoovtoc Av-■ÏÏQrójTOV. mg 61) avrov tv avxrö xadeazójroc. Wohl mit Recht hat Hil gen fold in dem óeócoxwg eben diesen „vorseienden Anthroposquot; ver-muthet.1) Xach andern Fragmenten aus valentinischer Schule darf man übrigens audi an die —oqia, den SmrijQ oder den Aó/oc denken.2) Was den ursprünglichen Zusammenhang dieser gnostischen mit der mand. Darstellung hesonders befürwortet, ist der ümstand dass die angezogene Stelle auch überdas dem Mandaismus sonst ganz abliegendelnnewolmen des Adakas in den ersten Menschen und des Manda d\'Hajê in Adakas und Adam beiden Aufklarung giebt. Es ist der pneumatische Same personificirt: so eignen dem Adakas die Beneunungen „Seelequot;, „das lebende Feuerquot; u. a. (r. 245, 15 ff.). In der mand. Darstellung vereitelt jenes Innewohnen den Abfall und das Verderben, wozu die Siehen das Menschenpaar verführen wollen: ein Sündenfall ware hier aucli nicht angemessen.3) — Die Hebdomas der Planeten verführt aucli bei den (ophianischen) Gnostikern des Irenaeus die Menschen zu Götzen-\' dienst und aller andern Simde (Ir. I, 30, 9). Jaldabaot will die Mensch-heit, weil sie nicht ihu als Gott und Vater preist, Tertilgen und ver-anstaltet die Fluth: aber die —oqia. seine Mutter, rettet den Noah und die Seinen (ibid. 10). Hier ist die entfernte Aehnlichkeit mit dein 19. Genzatractat (§ 70) bloss zufiillig: die Darstellung in letzterem, sowie die gauze Vorstellung von den drei Anwalten der wahren Eeligiou ist eine maudaische Construction aus alttestamentlichem und anderweitigem Material. — Uebrigens haben die zuletzt erwahnten Gnostiker noch die Anwendung jüdischer Gottesnamen mit den Mandiiern gemein.4)

1

KGU 306. Die angezogene Stelle aus Clem. Alex. Strcta. II, 8, 36 ebd. S. 293.

2

Clem. Alex. Excerpt» ex scriptis Theodoti § 53 und § 2, bei Hilgf. KGU 294 f. und 511. Hier errichtet aucli die aus dem Pleroma geschiedene Sophia sich sieben Silulen, wozu man die 7 Silulen der Stadt Uraslam ver-gleiclie, oben S. 128 f.

3

Die Darstellung r. 242, 6 ff\', lilast vielmehr, sobald Adam sich auf die Füsse gestellt hat und er und die Hawa einander erblickt haben, sie beide sich ihrer Nacktheit wegen schamen. Hibil-Ziwa bedeckt ihre Scham. Laut r. 243, 14 ff. heisst er den Adam das Wollvieh scheeren, damit die Hawii ihm und sich Kleider mache.

4

Mit laldabaot (Sohn des fivfl-óc) stehen bei Iren. I, 30, 5. 11 zusammcn: lao. Sabaot, Adoneus, Eloeus, Horeus oder Oreus (quot;s) und Astapheus(?), vgl.

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II. Die Chaldaische Philosophie.

D. Wesen und Ursprung des Mandaismus.

§ 107. Der grosse Unterschied zwischen den gnostiselien mid den niandaischen Schriften bestelit darin, dass die christliche Erlösungs-lelire letzteren ganzlicli abgeht. Dafür erscbeint hier die Uroffenbarung, durch welche der Mensch über seine Zugehörigkeit zu der Welt des ErstenLebens aufgekliirt. und ihm die entsprechende, diese Verbindung erhaltende Eeligionsilbung mitgetheilt wird.\')

Die Gnostiker, die sich znr Aufgabe machten, das von dem Chri-stenthmn verkündigte Erlösungswerk aus dem ursprilnglichen Ver-liiiltniss Ton Gott, quot;Welt und Menschheit zu erklaren, haben alle die An-schaimng zu Grimde gelegt, nach welcher der Menschheit ein göttliches Princip innewohnt. vermöge dessen sie in der geschaffenen Welt nicht daheim und einer Verbannten oder Gckerkerten gleich ist: der aus den ewigen Regionen gesandte Erlöser sucht sie in dem Gefangniss auf und rettet sie von der widergiittlichen Gewalt. Diese Vorstellung ist ursprünglich eine philosophirende allegorische Umdeutung des alt-babylonischen Mythus von Istar\'s Höllenfahrt und ihrer Befreiung durch Uddusunamir; in einzelnen Zilgen tritt die Grnndlage noch zu Tage.2) Bei den Mandaern ist ebenderselbe Mythus zu einer andern aber gleicbfalls philosophischen Verwerthung gelangt. Es\' wird hier durch Hibil-Ziwa\'s Höllenfahrt die Herstellung einer znr Behausung des Menschengeschlechts dienlichen Erde in der Region des Schwarzen Wassers ermoglicht: und diese Anschauung von dem Schauplatz unseres Daseins und den Bedingungen. uuter welchen derselbe herge-richtet worden, soli den Zustand einer von der Lichtwelt her beseelten Menschheit erklaren. die zwar eine gedeihliche. ihrem Wohlergehen erspriessliche Schöpfung bewohnt. aber dennoch unausgesetzt von

die mand. V-y, lis und audi wohl den für Adönaj oder SamiS zuweilen

Torkommenden Namen sail-* (= Jeho-rabu). Zu ■pssw, wie das zweite Leben mitunter genannt wird, vergleicht Kessler das bei Sancbuniatlion uachweis-liche Bss/.aafiir, j\'sc — Siehe übrigpns § 112.

1) Die sogen. judenchristlicbe Gnosis steht der mand. Anschauung nabei-, obgleich letztere den Urpropheten, der aucb der einzige sei und unter wecbseln-den Gestalten und Namen róv aiwva zqI\'/cl (hom. Ill, 20) nicht kennt; Tgl. Bail. L.

2) Den Zusammenhang von Gnosis und altbabyloniscber Religion bervor-gehoben und in babnbrecbender Weise erörtert zu haben, ist das Verdienst Dr. Kessler\'s (in seinem Vortrag S. 296 ft\'.), welches auch durch die Miss-handlung, welche dabei der Mandaismus erfahren hat, nicht geschmalert wird Als Vorlaufer nennt Kessler selbst F. Lenormant: Lettres assyriol. II, 5e lettre (1872) und: Origines de l\'Histoire (1880) p. 529 ss. — Uebrigens vergleiche man Ad. Harnack, Lehrb. der Dogmengeschichte I, 169 (Freiburg i. Br. 1886).

191

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192 Sechstes Capitel. Die ürsprünge dev mandaischen Religion.

damonischen Machten umlagert, mit Nöthen des Leibes nnd der Seele heimgesucht wird.

Indem somit die eine wie die andere religionsgeschichtliche Er-scheinung eine philosopliische Vertiefung der chaldaischea Mythologie in sich schliesst, sind wir nicht auf die an sich nnwahrscheinliche Voranssetznng angewiesen, dass die Idee eiuer solchen beiderseits nnabhangig erfasst worden sei. lm Gegentheil ist die abweichende gnostische Behandlung durch den blossen Umstand, dass den Gnostikeni das christliche Evangelium ein gegebenes, nnd die Beglanbigung desselben durch Anlehnnng an die baby Ionische Weisheit ihre Absicht war, bedingt. Die Verlegung des Entscheidnngskampfes wider die Holle von dein Anfang der Schöpfnng in die Fülle der Zeit erschien dadnrch geboten. nnd der üroffenbarnng stand die mosaische Gesetz-gebnng oder, wo man diese fallen liess, die erst durch Christus ertheilte vollkoinmene Offenbarung im Wege. Schon desshalb muss die man-daische Anwendung für alterthümlicher gelten als die christlich gnostische. — Ueberdies aber weisen gerade die altesten Systems der Gnosis auf das Land der Mandaer als ihre Heimathstatte bin. Die Ophianer wollten nach Origenes (xara KéZöov VI, 28) von „einem gewissen Euphratesquot; herrttbren. Der peratische Zweig soil von zwei Schulhauptern den Einen EvcpQuzijg o IltQariy.óg genannt haben (Philos. IV, 2 etc.). Das führt unmittelbar nach Forat-Maisan im quot; Lande Mêsan, dem jetzigen Gebiet von Basra, bin. Hier also ist die Wiege, oder doch eine Hanptstatte der chaldaischen Speculation zu suchen. Von den oplhtischen Secten schreibt sich audi die Be-zeichnung rvcoOTixoi her (Philos. V, 2. 6. 11. 23; Iren. I, 30 etc.): das Aequivalent von

Allerdings ist das philosopliische Bewusstsein in dem Schriftthum der Mandaer völlig verdunkelt. Von den ursprünglichen Vertretern der chaldaischen Speculation sind nur wenigc Eragmente darin unversehrt erhalten geblieben. Die Autoren der polytheistischen Tractate des Genza sind spate Nacbliömmlinge, welche die verscbiedenen Systeme nicht mehr unterscbieden haben, weil sie kein einziges mehr verstanden. Ihre eigene Zuthat und Combination verrath eine bloss phantastische Auffassung: ünverstandniss und Missverstandniss sind die Ursache manches seltsamen Details, sowohl als der im Ganzen herrschenden Ver wir rung (vgi. § 24).

Wie übrigens schon in der ersten Periode der philosophischeu Entkraftung Schriften der christlichen Gnosis den Weg nach dem Eupbrat zurück, und hier trotz mangelhaftem Verstandniss bereitwillige Aufnahme gefunden haben, ist § 75 ff. nachgewiesen worden. Dann macht die Lichtkönigslehre den schönen Anfang des aus dem Mono-theismus wiedergeborenen jüngeren Mandaismus.

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II. Die Chaldiiische Pbilosophie.

§ 108. Vou tief eingreifender Bedeutung, thatsachïich als die Grundlage der ganzeu uiandaischen Eeligionslehre ersclieint die anthro-pologische TJntersclieidung des Leibes von der Seele. Nicht etwa gegensatzlich, sodass die Körperwelt als böse gölte: das ist die neue Aufstellung des manichaischen Systems; sondern der Leib gehört bloss nicht zum Wesen des Menschen, und bildet, wie bei den Essenern, nur den an sich indifferenten Ballast, eine Fessel desselben. Bei den Gnostikern ist der mythologische Stoft\' nach dem namlichen Gesichts-punkt znrechtgerückt: derselbe hat offenbar von Hause aus die chaldiiische Speculation beherrscht. Dann ist aber auch eben diese An-schauung von der Seele als dem bessern und unsterblichen Theil im Menschen die Hefe gewesen, welche den Vorstellungskreis der baby-lonischen Mythologen in Gahrung versetzt bat.

Es ist das eine eigenthümlich griechische Anschauung: sie kann hier nicht befremden. Man weiss ja, seit Alexanders des Grossen Zeit ist das griechische Wesen in den Orient eingezogen, und bat auch in den entlegenen Winkeln, wo es nicht geradezu erobernd auftrat, weder die Sprache noch die Gedankenwelt ganz unberührt gelassen. Einfluss des griechischen Geistes hat die Gebildeten in Süd-babylonien angeregt und zu Philosophen gemacht.

Auch das Judenthum ist sowohl hier als in Egypten philo-sophisch geworden. Die Gedankenbilder von dem Wort des Lebens, von dem \'), die Vorstellungen von dem urbildliehen Adam1)

und dem Thron der Herrlichkeit2) sind, als Seitenstücke zu den man-diiiscben, auch für die chaldiiische Speculation bedeutsain.

193

13

1

Vgl. oben S. 31 und 151. Ueber das Memra Jahwe\'s handelt We bei\' a. O. S. 174 ff.

2

lm Genza r. 360 unten „lagern die grossen Geheimnisse des Lichts unter dem Thron des Königs der Ajar-Erde\'; nach Jalqüt Sim\'cni wird das Licht, für den Messias und sein Zeitalïer ron dem Heiligen unter seinem Herrlichkeits-thron aufbe-wahrt, s. Weber S. 380.

Brandt, Mandaisclie Religion

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194 Sechstea CapiteL Die Ursprünge der mandaischen Religion.

III. Parsische Vorstellimgen.

§ 109. Die Identitat des Gegensatzes von Licht und Fin-steruiss rait dera von gut und böse ist die Grundanscliauung der parsischen Religion, in welcher die raandaische nach dieser Seite bin wurzelt. Die alte Schule hat wohl die Welt der Finsterniss für jünger denn die Welt des Lichts erklart (r. 76 ff. oben S. 27 f.); aucb ist der Gegensatz hier noch inehr der elementare: Glanziltber — Scbwarzes Wasser, Lebendes — Staubwasser, Lebendes — fressendes Feuer. Die Lichtkönigslehre aber setzt ganz nach parsischer Weise hier den erhabenen Lichtkünig und sein Reich, dort den König der Finsterniss und diese selbst, die „von Natur bösequot; ist1): zwischen inne die Erde rait den Menscben, die sich für das Fine oder das Andere entscheid en raüssen. Wenn jetzt der Priester von Süq Herrn Peterraann als ein Geheimniss seiner Zunft ira Vertrauen erüffnete, es sei „gleichzeitig mit dein Mana rabba der Fürst der Finsterniss aus der grossen F nicht hervorgegangenquot;, so erhellt, dass auch die (jüngere) Lehre vora Zrwana akarana sich nachtraglich noch Geltung verschafft bat.2) Nicht rainder weist die in der Lichtkönigslehre zuerst hervortretende Ansicht von den büsen Gegenscböpfungen in einer von \'Hause aus guten Welt auf den Parsismus zurück.3)

Die Lichtkönigslehre hat also die Basis der mandaischen Ent-■vvickelung von der babylonischen nach der parsischen Religion verlegt.

Gleichzeitig erscheinen die Dêw\'s und Patkar\'s (oben S. 43). Alt sind Jawar für Manda d\'Hajê (S. 32) und die Benennung desselben nach Sara, der in der Endzeit die losgekoraraene Scblange Dahak tödten wird.4) Wie spater die Vorstellungen von Yiraa, von dessen Reich und von der Endzeit Eingang gefunden, ist § 73, 84 und 87 gezeigt worden. Der bedeutende Einfluss des Parsismus auf die religiösen Einrichtungen und Gebriuiche kommt in unserm letzten Abscbnitt zur Darstellung.

Von anderu Zügen nennen wir die Verwendung der Zahl 365, mehrraals zu 360 oder 366 geworden: die Perser batten das Sonnen-

1

R. 278, 13 Nira s:i3r;V fin-si, vgl. Nöld. 403.

2

Pet. Reisen II, 450; vgl. Spiegel PRE- XI, 236; Justi a. O. 82 f.

3

Vgl. oben S. 38 und 64, und für den Parsismus: Ch. de la Saussaye, Vier Schetsen uit de Godsdienstgeschiedenis, Utreclit 1883, S. 120 f.

4

Bundeh. 69 f. (XXX, 6) „Fritün, als er den Daliak überwand, konnte ihn nicht tödten; er band ihn an den Berg Dmawand. Wenn er loskommen wird, steht Sam auf (aus dem Tode), er schlagt(?) und tödtet ihn.quot; Vgl. Windisch-mann a. O. 9. 41 f. 111 f. 240.

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III. Parsisclie Vorstellungen.

jahr mit 365 Tagen. ^ In dem jungeu 7. ïractat wird r. 131, 3 ft. xm „der grosse Strahl (pers.), der alle Weiten erleuchtetquot;, der

auch Jatir Jatrun heisse und 360 Namen habe, erwilhnt.1) Auch die parsische Art, Cultnshandlungen und -gegenstande zu personificiren, ist eingedrungen, vgl. im Genza die Anrufung des Knsta r. 370 (cf. 367) und die Eideszengeu in der Beschwörung (oben S. 117: Bitten, Gebete n. s. w., aucli der Sonntag, der Tempel, Pebta, Kusta und Mambuba gebören dazu); nacb Petermanu a. O. 459 wird jetzt der Sonntag einem Brnder des Hibil-Zhva gleicb geacbtet.

§ 110. Einen Kreis ftir sicb bilden die mand. Vorstellungen vom Scbicksal der Seele nacb dem Tode (§ 40. 41). Sie sind fast siimmtlicb dem Parsismus entlebnt. Der Auffabrt nnter bimmliscbein Geleit und in Licbtkleidern,2) sowie des Namens Parwanqa ist bier zu gedenken.3) Das Striiuben des Adam gegen den Tod bat in der Bitte Zaratbustras, um unsterblicb auf Erden zu bleiben, die zum Heil der Welt ibm ausgescblagen wird, ihr Vorbild.4) Die Idee, dass Glaubenstreue und gute Werke die Wegzebrung der Seele jenseit des Todes ausmacben, ist beiden Eeligionen gemein.5) An die Brücke ïscbinvad mabnen scbon etlicbe Stellen im Genza6), deutlicber nocb die arotissima via bei Ignatius Narr. 42. Besonders aber dag Todten-gericbt fallt ins Auge. Wie Rasnu Razista („die gerecbteste Gerecbtig-keitquot;) nacb keiner Seite bin falsch abwagt die Seelen der Reinen und der Bösen (Justi 229), so fanden wir S. 75 vor Abatur die Wage aufgcricbtet, und wirklicb macht ein jüngerer Genzatext zu jenem, nacb Qol. 6, 5 an der Pforte des sitzenden, Abatur die Be-

merkung srixn in mox-il srüxn ini „der da ist Kasna und

East in dieser Weltquot;: vier Zeilen weiter beweist die S. 122 Anm. 4

195

1

Er fragt, nachdem Hibil, Sitil und Anós mit Glanz bekleidet worden, den Mara, d\'Kabuta: „Woher ist dieser Glanz u. s. w.quot;

2

Wendidad XIX, 96 fl\'.; andere Stellen (aus dem Buch der 100 Pforten oder Sadder, nacli Hyde) bei G. Flügel, Mani, Lpz. 1862, S. 339.

3

Kommt, als Parunqa, vielleicht auch im Talmud vor.

4

In der Pehlewi-Literatur, Bahman-Yast II.

5

Beispiele im Genza: 1. 129, 14 Nicht Gold, nicht Silber u. s. w., son-dern „eure Hande sollen Almosen geben und eure Herzen im Glauben stehn: das ist der Reisevorrath, den ihr haben sollt, der Reisevorrath des Wegesquot; (siiTiïT n-ikit); — 1, 100, 14 „Wenn so eure Werke sind, ihr Bösen, sieht euer Reisevorrath schön aus!quot; Parsisch bei Justi 233, aus Ardai-Wiraf.

6

Oben S. 76 f. Parsische ïexte über die Brücke bei Windischm. 4 f.

13*

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Sechstes Capitel. Die Ursprünge der mandaiaclien Religion.

theils abgefalleuen oder bösen Wesen angeeiguet. r) Nur ausuahms-weise sind sie dem Judenthum entlehnt, und in diesem Fall er-scheiut der Charakter des betreffenden Wesens umgewandelt.1) Die Beuemiung der beiden Hüter des Jordan oder des Taufwassers mit quot;\'Sab\'\'© und wird in dem Missverstandniss eines jüdischen Texts

über Dank- und freiwilliges Opfer ibren Ursprung haben.2) Aelter ist wobl die Benennung und (s. S. 31); r. 222, 8 ff.

werden beide Paare neben einauder aufgeführt. — Ueber einige andere Namen ist oben S. 190, Anm. 4 gehandelt worden.

Y. Yerliiiltniss zum Mauicliaisuuis.

§ 113. Das Verhilltniss zum Manichaismus bestimmen wir nacli dem in Kessler\'s Artikel „Mani und die Manicliaerquot; PRE2 IX, 223—259 reichlicli dargebotenen Stoff, mit gelegentlicher Bezugnahme auf die Quellen nacli desselben Mani, 1. Bd. Berlin 1889 (= M).

Mani, dessen Wirken den Zeitraum von 242—277 nacli Chr. umfasst, ist laut den arabischen Berichten aus parsischen Eltern geboren, und unter den Mughtasila, zu denen sein Vater sich bekehrt batte, aufgewaclisen. Die von ihm gestiftete Religion liisst aber den Taufcult ganzlich aus: Kessler selbst weiss a. O. 246 in dieser Richtung niclits beizubringen, als dass der Manicbaer vor dem Beten sicli auf-rechtstehend „mit Wasser oder mit ctwas anderem zum Ersatzquot; reibe 3), und dass er nacli dem Tode auf dem Weg zum Paradies von den Licht-wesen, ausser Kleid, Kopfbinde, Krone und Kranz, in der Hand ein Wassergefüss zu tragen bekomme. Der Dualismus des Systems stellt die gesamrate Materie den in ihr gebannten Lichttlieilen gegenüber,

198

1

Namlich Daniël, S. 123 Anm. 6, und Azaziêl; schon die Synagoge deri-virte Vts7^ von ny und Vn. Ich begegne ihm nocli im 7. Tr. r. 126 f. Da werden zur Rechten des Mara d\'Rabuta 444 Wohnsitze, und deren 366 zu seiner Linken hervorgerufen: über diese hat Tawriêl-Utra, über jene Azaziêl die Oberaufsicht. In Ansehung etlioher, wenn auch nicht all der Namen auf -êl ist Herrn Kessler beizupflichten. nach dessen Mani I, S. XVIf. dieselben aus der aramilischen Volksreligion der Babylonier stammen. Ob auch Ptahil hierher gehort?

2

Die Identitat mit und quot;a-: hat Nökleke a. O. constatirt.

3

Wie die heutigen Araber, vgl. G. B Winer, Bibl. RWB s. v. Baden nach Rosenmüller, und Peterniann, Reisen 11. 276.

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V. Yerhaltniss zum Maniohaismns.

ist also audi ein anderer als der dem el-Hasih zugeschriebene (§ 99). Indem aber die dem Menschen innewohnende Liclitseele den Gegen-satz mit dem von der Begierde lieseelten Leibe bildet, erhebt sich die Frage, ob die S. 64 f. nacligewiesene Spur einer dualistiscben Natur-betrachtung nicht auf den Manichaismus zuruckführe Wirklich sind deutliche Anzeicben vorhanden, dass wenn nicht der ürheber der Licht-königslehre selbst, so doch seine Schule manichiiische Schriften benutzt habe. Die Ausmalung der „Licht-Erdequot; r. 8 if., welche sich ohnehin eigenthümlich ausnimmt, und der finstern Welt r. 278 f. erinnert an die manichaische (im Fihrist, M 397 f., rgl. § 20 f.). Die Zahl fünf erscheint in der Beschreibung des „Königs der Lichtparadiesequot; ilhn-lich wie im Genza r. 4; besonders aber stimmt die des Königs der Finsterniss r. 280, 2 f. genau mit der des Iblis qadim überein {Fihn\'st, M 387 f.). Die mehreren Arqa\'s und Firmamente r. 10 mahnen an die 8 Erden und 10 Himmel der Manichiier. — Wenn freilich hier wie dort der Büse in seiner Tiefe rumort, und die Höllen-fahrt des Insan qadim die partielle Verschlingung des Urmenschen mit der des Hibil-Ziwa gemein hat, so ist letztere entschieden alter-thümlicher, vielleicht selbst die Grundlage jener, und die Prioritat der altmandaischen Schule ausser Zweifel (vgl. M 389 mit Beil. D). — Das irxrixp inaïW von Qol. 1,11 könnte wieder manich. Einfluss verrathen. Das Ein- und Ausladen der aufgestiegenen\' Lichttheile durch den wachsenden und abnehmenden Mond (Ephraem. Syr., M 285 ff.) bringt vielleicht Aufklarung über die Empfaugnahme und Bergnng der Gehete bei den Mandaern (§ 51); jedenfalls aber rühren die im Genza ganz grundlosen Pradicate des „alten, ver-borgenen, bewahrtenquot; Abatur von dem erst am Ende der Welt sicht-bar werdenden „dritten Altenquot; der manich. Vorstellung her, den man im Mandaismus als dritten Alten uur den beiden Leben aureihen konnte. So erklart sich die Figur sowohl als die Stellung des „dritten Lebenquot; in der mand. Literatur (oben S. 33).

Einzelne Analogieen (wie: „Leuchtender Mani, ... grosser Baum, der du ganz Heilung bistquot;, manich. Gebetsformel nach Fihrist M 248) beruhen auf dem gemeinsamen babylonisch-parsischen Grunde. Der ganze Charakter des manichaischen Systems, welches schon der Er-schaffung der Welt eine soteriologische Absicht unterbreitet, sein Dualismus und seine Askese, liegen der mandaischen Eeligion fern.1)

199

1

Die Umwandlung der mand. Salmana\'s ist nicht etwa durch die manichaischen „Vollkommenenquot; veranlasst, siehe § 93.

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Sechstes Capitel. Die Ursprünge der mandaischen Religion.

VI. Die Cultusweisheit.

§ 114. Die philosopliische Auffassung der Religion uiuwebt nicht nur die Vorstellungen, sondern auch die Gebriluclie der religiösen TJeberlieferung mit ihren Gedanken. Gleichzeitig baut aber die Philo-sopbie den Cultus an, indem sie das Vorbandene durch symbolische Ausprilgung und Bereicherung zur sinnreichen Ceremonie gestaltet.

Von Cultusweisheit lasst das Genza noch einige Züge erkennen. Der irdische Jordan ist ein Abhild des himmlischen: wer die heiligen Institute hier sich angedeihen lasst, hat nicht nur die Anwartschaft, sondern auch schon Antheil an den Segensquellen der Lichtwelt: an der grossen Taufe, den Sprudeln des Glanzes, dem aufzuschliessenden Lichtschatz, dem grossen Mischungsbom der Lichtwelt.1) Auf den Glanz- und Lichtanzug, womit die Seele im Jenseits bekleidet wird, deutet die weisse Tracht; auf die reine Lichtkrone das Kronen bei der Taufe;2) das Margna der Priester wohl noch besonders auf ein „Margna des lebenden Wassers, den Stock, dass die Rebellen unterworfen werdenquot; in der Ausrüstung des Manda d\'Hajê (r. 80, 2, vgl. oben S. 34).

Die Vorschrift weisser Kleidung für jedermann beweist, dass hier die Absicht waltet, eine geheiligte, priesterliche Gemeinschaft zu bilden3), wie sich diese auch bei den Essenern findet.4)

§ 115. Der babylonischen Götterlehre entstammt die Krone5); das NaOID scheint mir auf das Ergreifen der Hilnde des Bêl

200

1

S. oben S. 107 Anm. 1, und S. 75 \'wo von a-y herzuleiten ist und den Quell der Mischung bezeiclmet, mit welcher in der Lichtwelt das saiwi ertlieilt wird. Im Qolasta bezieht sich der XXII Gesang oder Vortrag: „Ich glaube an den Namen des Lebens und den grossen obern Mischborn{-behalter?) u. s. w.quot; entschieden auf das Misa, vgl. Q. 12, 32; 14, 27; 20, 28. — Man gedenke der Salbung oder Besiegelung, welche die Markosier auf ilire mystische Taufe (mit aramaischen Formeln) folgen liessen, Iren. I, 21 (Hilgf. KGU 380 f.). Die Idee der Besiegelung ist sehr deutlich in der neutestam. Apokalypse.

2

K. 193, 8 f. Beil. G. — L. 10, 5 f. vgl. S. 80 „Kleidungen (aro).aL) des Glanzes, reine Lichtkronen (sfvn:1; s-ss- scjiats^Ka) und prangende Kronen

n^Ws)quot;; siehe übrigens § 50.

3

Weisse Priestertracht ist ausser bei den Parsi bei mehreren semitischen Völkerschaften nachweisbar.

4

Der Essenismus ist eine dem Mandaismus analoge, durch zum Theil ganz dieselben Einflüsse im Bezirk des Judenthums hervorgerufene Er-scheinung. Durch unsere Erforschung des Mandaerthums geht meines Erachtens dieses Licht über den Ursprung der Essener auf Vgl. S. 74 Anm. 1.

5

Istars Höllenf. obvers 42 f., revers 45. Der miles Mithrae mussste bei

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VI. Die Cultusweisheit.

zurückzugehen, und die Erklarung dieses königlichen Vorrechts auzu-bahnen (Tiele, BAG 548). Eeligiös bedeutsame Kinge haben nicht allein die babylonischen Semiten getragen.\') Das Treiben mit Be-schwörungen und gebeimnissvollen Namen ist unter diesen von jeher im Schwunge gewesen.1)

Das Qanina, gleicli dem Becber lebenden, sprudelnden Wassers, der bei etiichen ophianischen Secten das Taucbbad gar ersetzte, kann ebenfalls auf einer altbabylonischen Vorstellung beruben.2)

In dem Vorkommen eines dem mandaischeu entsprechenden Braachs bei den Gnostikern liegt mitunter eine Hlndeutung auf den gemein-samen Ursprung. Desshalb sei Nacbstebendes noch hervorgehoben.

Die Markosier batten das Sacrament, eineïaufe, der Sterbenden (vgl. § 42). Wasser, mit oder ohne Beimischung von Oel oder Balsamsaft, berichtet Irenaeus, ijiipc\'JJ.ovoi xrj xecpaXïj, und zwar nnter den gewöhnlichen Invocationen ihrer Erlosungstaufe, ïva dy-Qar^roL yivojvxca y.al aoQaroi xalq uvoj agyalq xcd tgovoiaig, dg to vjieQftrvai aoQarmq xov \'éoco avxcöv avO-Qcanov.3) — Auch lehrten sie Formeln, mit denen die Seele nach dem Tode beim Passiren der kosmischen

201

1

Istars Höllenf. revers 17; Jeremias a. Ü. 37; Tiele BAG 549. In der be-rühraten Beschwörung von Êridu, in welcher Maruduk mit sein em Vater Êa angerufen wurde, könnte das mandiiische s-rix-a2: saio seinen letzten Ursprung haben.

2

Die Götter auf den Monumenten tragen alle in der einen Hand eineu kleinen Eimer (Tiele: Wassergefass mit dem Unsterblichkeitstrank), in der andern viele einen Fichtenzapfen, oder sie sind anscheinend im Begriff einen solchen zu pflücken. — Bei den Sethianern reinigt sich der Logos von dem Aufenthalt in der jungfraulichen Gebarmutter; dnsl.ovaaxo xcd tJiis to tzot/\'/qiov tdivrog vóazog a)J.Oftivov, o ótl nuvxujq TtieZv wer die Knechtsgestalt ans- und das himmlische Kleid anziehn wolle. Bei den justinischen Ophianern heisst\'s, der beeidigte Neuling sebe, was kein Auge gesehn u. s. w. xal nivti «Tid xov Qaivxoq vdaxog, oneQ taxi iovxqov uvxolc, cug vo/x/\'Covai, Tir/yr/ \'cwvxoq vtiaxos c()J.ofj.hvov. Das Wasser unter der Feste gehore der schlechten Schöpfung an; die choisohen und psychischen Menschen baden darin; y.cu vócdq taztv vjiep-aviu xov axsQScufiaxog xov \'Ayaamp;ov \'ccjv. ér m Xovovxai ol 7ivevaa.xiy.0l [xal] \'Cwvxti I\'.vffowTiot, sowie Elohim (Philos. V, 19. 27, Cruice p. 216. 289 sq.).

3

Iren. 1, 21,5. Nach der vet. interpr. wiirde die Handlung erst an den Todten (mortuos, filr roi\'g xt/.evxwvzag resji. igslO-óvzaq) vorgenommen. Vgl. jedoch Ad. Stieren in seiner Edition (Lips. 1S53) I, 233 n. 4.

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Sechstes Capitel. Die Urspiünge der mandaischen Religion.

Machte ihre Zugehörigkeit zum höchsten Gott bekunden sollte. ^ Aehu-liclie Sprüche laufen im Genza r. 364—371,1. 38—137 mit unter. Doch ware es irrthümlich zu meinen, dass diese, oder gar dass die Formehi der gnostischen Taufriten, soweit wir sie noch haben, „oft geuau mit den mandaischen übereinstimmenquot;.1)

Zu den Gebetszeiten (§ 51) bemerke icb, dass in der syrischen Apokalypse des Adam, wo die Gebete aller lebenden Wesen des Hiramels und der Erde über die 24 Stunden vertheilt werden, die 10. Stunde der Nacht (vor Sonnenaufgang „da die Serafim die Fltlgel schlagen und der Hahn krabtquot;) und die 12. des Tags für die Men-schen, sowie die 7. Tagesstunde für Vs bestinunt sind.2)

§ 116. Parsisch ist in mancher Beziehung die religiose Sitte; das Halten auf Wahrhaftigkeit, die Treue auf Handschlag, der heilige Gürtel3), das ceremonielle Schlachten4), die Ausbildung des Reiiiig-keitsbegriffs; Wasser wird durch Kochen unrein, und der Leichnam eines Nichtmandaers verunreinigt so wenig wie der eines Thieres.5) Die Verwerfung der Opfer fand in der parsischen Staatsreligion einen Eück-haltquot;), die Neigung zum Monotheismuss) in der parsischen Vorstellung ihr Material; die Combination der falschen Propheten (oder Zauberer)

202

1

Nöldeke in GGA 1869 S. 486. Vgl. die gnostischen (markosischen) Formeln bei Irenaeus I, 21; zu den aramaischen alte und neue Erklilrungsver-suche bei Stieren 1.1. 228 sq. und Hilgf. KGÜ 380. 629.

2

Die Stellen im Journal Asiatique 1853, II. p. 439 ss. Mit ünrecht bat übrigens Renan dies j.tVy-s gt;cj] ^ci? (Testament unsres Vaters, des ersten Adam) überschriebene Document für mandaisch erklart.

3

Vgl. das mandaische Gewebe bei Siouffi 122 s. (00 Filden); für das par sische Peterm. Reisen II, 204 (72 Filden von Schafs- oder Kamelswolle).

4

Herodot I, 132 und Strabo (XV, 13) berichten von „Opfernquot;, -welche die Perser unter Gesang eines Magiërs ohne Altar oder Feuer schlachteten, xoïq QsoTg ovóhv dnovslfxaweg iiipoc. Beide haben, wie die Missionare in Basra, für Opfer genommen, was nur feierliche Schlachtung war. Siehe die Stellen bei Hilgenf. KGU 1421\'.; daselbst aucb über die iihnliche Handlung bei den Essenern. Mit Bitschl (theol. Jahrhb. 1856) und Hilgenfeld (Anm. 195) verstehe ich loseph. Arch. XVIII, 1, 5 ItQug rs óia Ttoirjaiv alrov xs y.al poojj.idrajv: „und Priester wegen der Darbringung von Kost und Speisenquot;.

5

Oben S. 98 (r. 226) und 95 (Siouffi 116).

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VI. Die Cultusweisheit.

init den Dajwa\'s (oder Dêw\'s) findet man im Zerdust-name wieder.1) Die Einrichtnng des Priesterstandes2) nicht nur, sondern auch der mand. Gemeinde und ihres Verhaltnisses zu jenem lasst das parsische Muster dentlich erkennen.3)

Die zweite Form des Mambnha (Wasser ans dem Flaschchen) geht vielleiclit auf das Haoma zurilck: ,dieses ist der Saft einer Pflanze, die noch nicht ermittelt ist, der als besonders gesimd für Kiiiper und Geist gehalten wirdquot;. Ebenso das Pehta auf die Damn\'s: ,sie bestehen in kleinen Broden, etwa von der Grosse eines Thalers, von denen eines mit etwas Fleisch belegt ist ... Die Daruns sowohl als der Haoma werden von: Priester (als Opfergaben) genossen.quot; 4) Bei der Auferstehung geuiessen die Menschen das weisse Haoma, und im Ardai -Wiraf-name5) ist auch von einem kleinen Brod die Rede, durch dessen Genuss die\' Seelen der Verstorbenen ihr Erdenleben vergessen und den Glanz der Himmel furchtlos anzuschauen befilhigt werden (Justi 231). Diese Daten berechtigen allerdings nicht, von „der par-sischen Communion, bei welcher einige von dem Priester gesegnete Brode gegessen und Homsaft aus dem Kelche getrunken wurdequot; zu reden6). Es brauchte aber nur eine dem Parsismus entstammende oder sich anschmiegende Secte für ihre sammtlichen Glieder priester-liche Weihe oder Würdigkeit zu beanspruchen, so wurde in diesem Kreise der priesterliche Genuss zur Communion. In den Weihen des Mithras erkannten die Kirchenvater Justin und Tertullian eine dem christlichen Brauch unheimlich ahnelnde Darbringung von Brod und Wasser.6) — Anderntheils mag freilich der Ausdruck Nrri\'s, dessen Grundwort (§ 61) ich bei den Mandaern vermisse, die Annahme

203

1

Nach Saussaye a. ü. 128 f. enthiilt diese Schrift des 13. Jahrhunderts zum Theil sehr alten Stoft\'.

2

Peterm. a. O. 205: die Friester der Parsi „sollen nichts essen, was sie nicht selbst geschlachtot und zuhereitet habenquot;. Vgl. die Erfordernisse und Functionen des parsischen Priesterstandes hei Spiegel PRE2 XI, 243 t.

3

Spiegel a. O. Ich nenne die Ansetzung des zurechnungsfiihigen Alters auf das 15. Lebensjahr, die „Liturgie zum Nutzen für ahgeschiedene Seelenquot; überhaupt den liturgischon Gottesdienst, und die Beichte. Die von Peterm. PRE1 322 behauptete Befahigung der Prauen zum Priesterstand hiltte wenigstens im Mithrascult ihr Analogon, da nach Fla^. Vopiscus, vita Aur. 4, die Mutter Aurelians Sonnenpriesterin in Sirmium war.

4

Spiegel a. O. 244.

5

J. J. I. Döllinger, Heidenthum und Judenthum, Regensb. 1857, S. 388, imliisslich der Peier im Mithrascult; vgl. die Darstellung der entsprechenden parsischen Gebrauche daselbst S. 371—373.

6

Sie zeihen den Teufel derNachahmung des christlichen Brauchs. lustin, Apol. ad Anton. LXVI, ed. ütto 182: ort \'/uq aprog xal tiod\'/oiov vóazog tl-

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204 Sechstes Capitel. Die XJrspiünge der mandaischen Religion.

fordern, dass der bezügliche Brauch. zunachst aus einer andern Pro-vinz des aramaischeu Sprachengebiets an sie gekommen sei. Jedoch die Idee einer himmlischen Speise, deren Genuss entsündige, ist aus dem Heidenthum in\'s Christeuthum, nicht umgekehrt aus diesem in jenes gelangt. ^

Sollte endlich die Sonntagsfeier, obgleich erst so spiit bezeugt. alter sein als das Bestreben der Mandaer um bei den Moslem für Christen zu gelten (S. 164), so ist allenfalls eine Müglichkeit vorhanden, dass auch diese aus der als Mithrascult erstandenen zoroastrischen Keligion entlehut war. Freilich auch nur die blosse Müglichkeit: denn dass unter Constantin die Soldaten jeglichen Bekenntnisses alle-sammt am Sonntag ihre Gehete verrichteten, sie mochten die Sonne, den Mithras, den Christ oder sonstwelche Gottheit anrufen, war ledig-lich im Interesse des Heerwesens so angeordnet; siehe Eusebius, vita Constantini IV, 19 sq.

§ 117. Abgesehn von etlicheu erst spater angenommenen Zügen ist in den beiden letzten Paragraphen das Material erbracht worden, aus dem die chaldaischen Keligionsphilosophen, d. h. die ursprünglichen Mandaer, den Cultus hergerichtet hatten. Es erübrigt ein Wort über die zur Cultusweisheit gehorige Idee, welche dem § 57 erörterten Aus-druck iC-pso tf-iss zu Grunde liegt.

Die johanneischen Schriften des Neuen Testaments lehren eine Erzeuguug aus Wasser und Geist, welche von der physischen ver-schieden, ein avcoamp;sv Geborenwerden ist. Justin der Martyrer sagt dafür schlechthin dvayEj\'vrjd-rjvai und gebraucht dieses Wort gleich-werthig mit pajcztod-i/vai,.1) Wo Evangelium nnd Episteln St. loannis das Wasser in religiöser Beziehung zur Rede bringen, setzen sie un-verkennbar eine (christliche ?) Partei voraus, die von dem Wasser alles Heil erwartete und des Blutes Christi nicht zu benothigen glaubte.2)

1

Apol. ad Anton. LXI, ed. Otto I, 164 tnsiza uyovzat rep\' ijfiwv svamp;a vóajej èaziv, xcu ZQonov ccvayevvijdKog ov xcd ij/teTg ca\'rol dvtytvviftijutv dvayev-vwvzai. Ebenso in der pseudoclem. Contestatio lacobi {inl nozauov fj rnjyijv, otcsq èaziv \'Ciöv vSugt;q) , die ich übrigens sammt der Epistola Petri nicht emst nehmen möclite, sondern nur für die romantische Einleitung des recogn. Ill, 75 zergliederten Buches halte, deren Autorrait einigem recht harmlosen Hokus-pokus die Neugierde reizen wollte.

2

Ev. III, 5; XIX, 34; 1. ep. V, 6 of. ev. II, 6 sqq.

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VI. Die Cultusweisheit.

Der Evangelist halt ihr den Taufer zum Beispiel vor: das kleine Licht, das sich von dem grossen willig verdunkeln liess, dessen Wassertaufe die mit dem Heiligen Geist nur vorzubereiten kam. ^ Somit scheint diese Partei auch der jüdischen oder christlichen Vorsteilnng von dem Geist Gottes entrathen, und eine religiöse Neugeburt ans dem Wasser der Tanfe gelehrt zu haben.1)

Die Idee von der befruchtenden und erzeugenden Kraft (in allem Gewasser) knlipft sich an eine mythologische Figur, welche in den indischen Veda\'s als Apani napat und in den alten parsischen Texten als Apam-napaö vorkomint, sich in dem uogeiöcöv (pvxax[iloq der Griechen, und noch in dem Namen des Neptunus wiederfindet. Die vedische Anschauung stellt mehr die Feuernatur des Genius in den Vordergrund, wahrend die zendische die Wassernatur betont2). Fin Hymnus des Rigveda sagt von ihm ans: „Der in den Wassern mit göttlicher Reinheit wahrhaftig unvergilnglich weithin strahlt. Wie Zweige entspringen von ihm die andern Wesen und wie Pflanzen durch ihre Sprossen.quot; In unserm § 103 ist gezeigt worden, wie der um den Warme- und Feuerkeim des Wassers gruppirte Ideenkreis bei den babylonischen Semiten Eingang gefunden. In den Clementinen wird einmal die Ansicht vorgetrageu — der Bearbeiter der Recognitionen hat sie liber VIII, 26 anfgenommen — dass eine gewisse von Gott ur-sprüngliche Geistes- und Lebenskraft (quaedam vis spiritus \'a Deo dati ex initio) in dem Samen der thierischen Fortpflanzung walte, und zwar ministerio humidi elementi cui vitalis ille spiritus insitus semper et ingenitus est. Ferner erkliiren diese Schriften die wiedergebilrende Wirkung der Taufe damit. dass das Wasser alle Dinge darstelle, das Wasser aber durch die Bewegung des Geistes entstanden, und der Geist von Gott ursprünglich sei. Dies solle man erwagen um seine Abstammung von Gott zu erkennen, und mittels der Neugeburt bei der Taufe in die Erbschaft seiner göttlichen Vorfahreu {rcov jzqÓc acpd-agaiav jswrjOavrow ge yóvscov) einzutreten. -3)

Bei so allseitiger Anerkennung der erzeugenden Kraft des Wassers, kann es nicht befremden, dass die Mandaer dieselbe auf ibre Lehre

205

1

Die Clementinen hingegen setzen den Geist als Mittelglied zwischen das Wasser und den tojv oXwv amp;sóg (s. unten); für die in der Taufe erhült-liche Sündenvergebung aber gilt ihnen das Wasser als Vehikel eines uranfilng-lichen Erbarmens: bom. XI, 26 sanv yap rl èxtï dn aQ/Jfi iXerj/xov êmcpegó-ixevov rcü vóaxi.

2

So Windischm. a. O. 185. Vergleiche dessen ganzen Excurs S. 177—186.

3

Ev. I, 26. 33; III, 28 sqq.; V, 35.

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206 Sechstes Capitel. Die Ursprünge der mandaisclien Religion.

von dem himmlischen Urspruug sowohl des Flusswassers als der Men-schenseele angewaudt haben: vor der Taufe ist das junge Kind für das „Hans des Lebensquot; noch ungeboren (§ 56): es muss erst aus dem Jordan einer Pflanze gleich gesprossen sein, nnd jede ïaufe lm spateren Leben stellt dies dnrch Sünden und Beflecknngen gestörte Verhaltniss wieder her. Der Ausdruck „Neugeburf fehlt, ware jedoch keineswegs unpassend.

Fragt sich, von welcher Seite die Idee dem Mandaismns zuge-flossen sei, so lilsst der ümstand, dass sie niemals auf das Lebende Feuer bezogen, eine Immanenz des Letzteren in dem Lebenden Wasser auch nirgends gelehrt wird, nicht an die babylonische Mythologie, son-dern zunachst an den Parsismus denken. Dahin weist auch die Ansicht, dass Manda d\'Hajè aus dem grossen weissen Lebensjordan seine Utras in\'s Dasein rufe, sowie die spatere Sage, Gott habe dem Jahja die Kinder aus dem Fluss hervorgezogen (S. 67). So werden ja nach parsischer Lehre die drei Prophet§n oder Heilande, die je 1000 Jahre nach einander auftreten sollen, von einer reinen Jungfrau beim Baden aus dem See Kansu empfangen, niimlich durch den Samen Zoroasters, der zu dem Ende in dem See aufbewahrt wird (Spiegel a. O. 239).

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Beilagen.

A. Das Geiizji und seine Bestandtheile.

Die Composition der einzelnen Bestandtheile anlangend vergleiclie man § 24. 28. 92. Als Autoren der Oft\'enbarungen treten Manda d\'Hajê (Jawar), Hibil-Zi-wa, oft Anös-Utra, einmal Ptahil, zmveilen ancli die Seele eines „als gerecht Erprobtenquot; auf.

Liturgische Stücke sind, ausser der Beschwörung (27. r.), ein Miserere (3. r.), vier alphabetische Psalmen (21.—24. r.), und drei Samm-lungen liturgischen Charakters, theils für Sterbende, theils für die Todten be-stimmt (vgl. §42 II und § 115), nl. a) 50.—58. r. 3G4—371, b) 1. 3S—74, e) 1. 74—137. Die zwei te von diesen besteht aus 28 Klage- und Trostliedern der Seele, die sich in der Welt und ihrem Körper nicht daheim füblt. Jedes davon hebt mit einem dreimaligen: „Ich bin ein Mana des Grossen Lebenquot; an.1) Die dritte Gruppe enthalt an 60 Abschnitte mit fast eben so vielen da-zwischengestreuten ein- bis drei-, gewöhnlich zweizeiligen Expectorationen. Gemeinsam haben diese Stücke die Beziehung auf den Ausgang aus dein ir-dischen Leib. Sie fordern dazu auf oder geben dazu einen Segen, enthalten Monologe der Abgeschiedenen, Wechselreden derselben mit dem Todesengelu.s.w

Das Genza ist aus mehreren Manuscripten (kleineren Sammlungen) zusammengesetzt. Jede Handschrift führte urspriinglich an der Spitze einen Segenswunsch des Abschreibers für sicli und die Seinen, die einzeln genannt werden, zum Schluss auch wohl für alle Tarmida\'s und Mandaja\'s, die das Buch lesen werden; und am Ende eine genealogische Notiz über ihreHerkunft. Invo-cationen der beschriebenen Art finden sich vor den Tractaten 1., 2., 6., 7., 8., 13., 14., 15., 16., 18., 19., 20., 27.; solche Postscripta aber nach den Trr. 27., 28., 48., 58., 60., 61. Der 27. Tr., die Besch wörung, bildet also den handschrift-lichen Kern, dem die andern Bestandtheile theils vorgefügt, theils angehclngt worden sind. Im linken Genza werden nur die beiden liturgischen Sammlungen mit Invocationen erölfnet; das einzige Postscriptum im linken 137 f. bezeichnet diesen Theil als sntMïriT „Vortrage der Seelenquot;.

Titel sind nur den umfangreicheren Tractaten beigegeben2): darunter

1

a-ci sis», in 2. Stelle immer anstatt

2

Sie stehen zuweilen über, zuweilen unter den Tractaten, zuweileu vor, zuweilen nach den Eingangs- oder Schlussformeln, mitunter auch nur am Rande oder in den Notizen der Abschreiber. Letzteres ist z. B. mit dem scsists isso (Königsbuch) der Fall. — R. 196 ein Titel vor der alteren und nach der neueren Eingangsformel.

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Beilagen.

einzelne (wie Nr. 9. und 61. rechts) brauchbar, andere theils langschweifig und nicbtssagend, theils ohne Beziehung auf den Inhalt („Buch des Jordansquot;, „des Mara d\'Rabutaquot; „der ersten lebenden Lehrequot; u. a.), oder gar falsch ge-wiihlt (S. 137. Anm. 2).

Nachweis sammtliclier Bestandtheile des Genza.

208

Peter-

Nor-

Nr.

mann

berg.

rechts.

1

1

I, 2

2

30

58

3

61

116

4

64

122

5

66

126

6

68

130

7

125

236

8

133

250

9

173

316

10

180

n, 2

11

188

16

■12

196

30

13

204

44

14

213

60

15

219

72

16

222

80

17

231

106

18

237

112

19

249

136

20

271

180

21

274

186

22

275

188

23

276

190

24

277

192

25

278

194

26

282

202

27

284

208

28

291

218

29

299

234

30

303

244

31

307

252

32

311

260

33

313

264

34

316

270

35

318

j 274

36

320

278

Erste Lichtkönigslehre (Theologie, Moral, Geschichtsbild). Erneute Lichtkönigslehre (die Theologie verkürzt, die

Geschiohte bereichert).

Miserere.

Oft\'enbarung des Lichtgesandten über sich selbst. Ermahnung des Lichtgesandten, besonders zum ehelichen Leben.

Mandilische Genesis (ürsprung der Götter, der Welt, des

Menschengeschlechts und der Religion).

Hibil-Ziwa und sein Kreis, besond. deren Taufen in der Lichtwelt.

Höllenfahrten des Hibil-Ziwa und die Schöpfung. Umsturz der gesammten Gottheit des Hauses.

Erster Zug durch die Matarta\'s.

Johanna\'s Ausgang.

Buch des èilmaj.

Buch des Dinanukt, vgl. Siouffi ch. V.

Gnomologie.

Manda d\'Hajê contra Ruha und Jorba.

Die falschen Religionen.

Talja Lehdaja.

Die ersten Menschen.

Die drei Utra\'s und die 3 Weltkatastrophen.

Offenbarung des Anös, Enkel des Adam raba.

Erster alphabetischer Psalm.

Zweiter alphabetischer Psalm.

Dritter alphabetischer Psalm.

Vierter alphabetischer Psalm.

Die Welt der Finsterniss und ihr König.

Nord und Süd.

Beschwörung (zum Verharren in der wahren Religion). Emanations- und Schöpfungslehre.

Anös über sein Wirken.

Offenbarung des Hibil, Sohn des Manda. d\'Hajê. Der Mond.

Das Sacrament der Salbung.


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B. Eingangs- unci Sohlussformeln.

Peter-

Nor-

Nr.

mann

berg.

rechts.

37

322 111,282

38

325

286

39

328

294

Geschichte der Stadt Uraslam.

40

334

302

41

336

308

üffenbarung des Ptahil.

42

340

316

43

342

III, 2

Erster Tractat über die Bande des Ptahil.

44

345

8

Zweiter Tractat über die Bande des Ptahil.

45

353

22

46

356

30

47

358

32

48

358

32

49

360

34

Nbat bar Jóhanna.

50—58 364

44

Erste liturgische Sammlung.

59

372

58

60

375

64

61

378

68

Königsbucb.

links.

1

1

124

Auffahrt des Sitil.

2

9

138

Auffahrt des Adam.

19

156

Nachwort des vorigen Tractats.

3

19

158

Auffahrt der Hawa.

4

26

170

Zweiter Zug durch die Matarta\'s.

5—32

38

192

Zweite liturgische Sammlung.

33 IF.

74

264

Dritte liturgische Sammlung.

NB. Norberg\'s Codex brach III, 272 unten mit dem Wort s-a (bei Peter-mann 1. 78, 10) ab. Doch bringt Norberg nooli 18 Seiten Fragmente, die er mitunter ganz falscli couibinirt bat.

B. Eingangs- imd Sclilussfonneln.

Abgesebon von den einzelnen Stücken der drei liturgisclien Sammlungen, bat jeder Bestandtheil des Genza (sowie des QolastS.) seine Eingangs- und Scblussformeln. Ausnabmen sind der obnebin für sicb stebende 49. ïr. r. (vgl. S. 151 Anm. 1), und der 19., bei welobem nacb der Invocation des Abscbreibers aucb keine neue Zeile anfangt. Scblussformeln aber baben aucb diese, sowie überhaupt alle einzelnen Stücke.

Die beiden Tbeile des Genza sind überscbrieben: „Gepriesen ist (sossj-:) mein Herr mit reinem, resp. vollkommeneni Hei-zen.quot; Die ersten zwei Tractate des rechten Tbeils geben ganz abnlicb an mit „Gepriesen bist du m. H.

mit reinem Herzen!quot;, und so der dritte: „Gepriesen sei der Glanz und das grosse Lichtquot;. Eine verwandte Formel ist s-:sr snn: „Hocbgefeiert ist

Brandt, Mandaische Religion. 14

209

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Beilagen.

das wundersame Licht-\', womit die Tractate der ehedem selbstandigen Samm-lung 29.—4S. r,, sowie die drei liturgischen Sarnmlungen anheben.

Der 12. Tr. r. hat nach dem Titel: „Auf den Namen (:■quot; hy) dessen, der da kam, u. a. d. N. d. der da kommt, u. a. d. N. d. der da sein wird, u. a. d. N. dieses Mannes, der die Weiten überschritt und in dieses Firmament kam und geoft\'enbart ward u. s. w.quot;

All den genannten, mit Ausnahme des 1. Tractats r., ist nun von den letzten Sammlern des Genzii noch dazu die Formel vorgesetzt worden, welche auch die übrigen Tractate an der Spitze führen.

Diese allgemeine Eingangsformel lautet gewöhnlich n-l- ■jirrstaTc;.

Nur der 4. links hat s-tt ssto:. Jene erscheiiit

am 9. r. durch s-\'s-s-sp, am 15. r. durch s—erweitert; an der Spitze des 1. links lautet sie: s-tsi-ï •pramp;is s\'-\'pn- \'ni \'b;. Ihre vollendetste

Gestalt aber ist \'w \'s \'h-j-* p \'12 \'ni \'02: „Tm Namen des

Grossen Lebens, des fremden von den Weiten des Lichts, des reichen (hervor-ragenden?), welches über allen Werken [erhaben ist]quot;. So steht sie beim 6., 8. und 18. Tr. r., sowie zu den Invocationen vor dem 1., 2., 6., 8. und 19. Tr. r.; endlich, mit einer Anzahl weiterer Glieder verbunden, im Eingang der Be-schwörung (s. S. 56 f.).

Die Schlussformeln stimmen selten völlig überein. Jedoch finden sich last überall — in 14 Fallen ohne Weiteres, in allen langeren Formeln aber als Bestandtheil oder als Anhiingsel — die Worte s-t:, „das Leben ist sieg-reichquot;. Die Bedeutung „siegreichquot; für s-ïst ergeht z. B. aus r. 246, 13, vgl. syr.

Damit werden in den weiteren Schlussformeln Mandii d\'Hajê oder Jawar, und „alle seine Heiferquot; oder „Freundequot; oder „die seinen Namen liebenquot; oder dem-selben „treu sindquot; (Vy -isrs), oder „das Volk der Nasöraja\'squot;, oder „Tarmida\'s und Mandaja\'squot;, oder „Alle, die auf den N. des Lebens gezeichnet sindquot; als siegreich pradicirt. Andere Schlussformeln: „Das Leben ist bestandigquot; oder „aufgerichtetquot;, oft mit dem Zusatz „in seinen Wohnsitzenquot;; „Gerühmtquot; oder „Gepriesen ist das Lebenquot;. In der zweiten liturgischen Sammlung wechseln die Schlussformeln I-ïst s-ti und «quot;n mit ■j-\'is-s. Neun Tractate (37., 41.—44., 47.,

48., 51., 59. r.) lauten aus mit ssV squot;3s7i s-ti : „Ge

rühmt ist das Leben und siegreich, und siegreich derMann, der sich hierher begabquot;. Fast ebenso die Johanneslegende (s. S. 220).

Ein besonderer Bestandtheil etlicher Schlüsse ist § 90 mitgetheilt. In denen des 6. und 7. Tractats r. werden auch Hibil, èitil, Anós, èilmaj und Nidbaj mit „Gesegnet sei euer Namequot;, bezw. als „Helferquot; des M. d\'H. namhaft gemacht.

Der Lichtkönigsschule gehören die Schlussformeln der liturg. Stücke 52.— 56. r. an. Es haben 52. und 55.: „Gepriesen bist du, m. Herr! der dudieVoll-kommenen (s\'JsaVso) nicht verurtheilstquot;; 53. r.: „Gepriesen bist du Lichtkönig, der über uns mit Liebe erfüllt!quot;; 54. r.: „Anbetet den Lichtkönig, der über euch mit Liebe erfüllt ist: dies sei euer Reisevorrath und eure Wegzehrung!quot;; 56. r.: „Ich anbetete und pries den Herrn, der mir Helfer ist.quot; Die letztgenannten drei lassen noch folgen: „und gepriesen ist das Lebenquot;, der 52. ■pssT «-quot;ni, der 55. nichts.

210

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C. Ueber den Gebvauch des Worts Alaha.

C. Ueber den Oebrauch des Worts Alalia.

I. Als Eigen- oder Gattungsname fremder Götter.

Im Genza. a) lm 9. Tr. r. ausser den § 75 erbrachten Stellen noch r. 174, 4 pr-\'srsVN-.

h) Wiederholt im 19. Tr. r. 249—271. Beispielsweise 254, 14: „Alle, die mit dem Zeichen der Ruha und des Msiha bezeiclinet sind und die Gutter dieser Welt bekennenquot; (■p-iiss iiTsn söïst s-rrNSNil; 255,2: „welche die Ruha und den Msiha und Alaha bekennenquot;; 256, 11 „alle Götter . .. vergehenquot; (s-E\'sc).

cj lm 10. Tract, r. 181: In der Matarta „der Jungfrau, der Tochter ihres Vatersquot; (die Mutter Christi ist gemeint) sitzen deren 67 Töchter entblösst u. s. w. um „die Herzen der Götter und die Leidensehaften der Menschenquot; zu verführen (Zeile 4).

In der Matarta des Messias klagen die Seelen, 184, 17: „Msiha, unser Herr! da wir in jener Welt waren, haben wir Kleider anziehen lassen und mit Ge-wandern bedeckt und Lösegelder bezahlt und Almosen und Wohlthaten ge-geben: jetzt, warum begehren wir Wasser zu trinken und haben keins?quot; Der Messias fragt bez. jener guten Werke: •jsa a-,E Vj „auf wessen Namen?quot; Sie antworten; „Auf den Namen des obern Wesens (smsjy m) und d. N. des untern Wesens, u. a. d. N. des Isu-Msiha, u. a. d. N. der Ruha d\'Qudsa, Bis h?\' K—a—sa:-. Nnsis (185, 3), u. a. d. N. der Jungtïau, der Tochter ihres Vatersquot;. Der Messias antw.: „Das obere Wesen ist der Himmel, und das untere Wesen ist die Erde, Isu-Msiha bin ich, Ruha d\'Qudsa ist hier.quot; Nun geht der „als gerecht Erprobtequot; mit dem ganzen zu ihm gehörigen „Stamm der Seelenquot; (ver-storbene Pfarrkinder? er ist zeitlebens Priester gewesen] hier vorüber. Nach-dem derselbe seinen Namen und Zeichen genannt, betet der Messias viermal vor ihm an. Drauf die Seelen: „Msiha, unser Herr, da wir in jener Welt waren, sagtest du uns [damals] nicht: Grosser und starker denn ich existirt keiner: ich bin der Gott der Götter (■pnsVs \'«), der Herr der Herren, ich bin der König aller Weiten, ich bin das Haupt aller Werke! — Dieser Mann, der an dir vor-iiberging und den du viermal angebetet hast: wer ist [denn] der?quot; Der Messias: „Dieser Mann, der an mir u. s. w., hat den Namen des obern Wesens nicht genannt, u. d. N. d. untern Wesens n. gen., u. d. N. der Ruha d\'Qudsa n. gen., u. d. N. des Msiha n. gen., im-sV snsVss aiai (185, 23), u. d. N. d.

Jungfrau, d. T. i. V., nicht genanntquot;. Folgt die S. 75 oben mitgetheilte Bitte.

Also, die wahre Religion erkennt keinen Alaha der Nasóraer an. Mit Un-recht glaubte Nöldeke (GGA a. O. 485) hier „ein Gefühl davon, das Nazarener eigentlich soviel wie Christen heisstquot; zu entdecken. Es waltet lediglich die dem Genza gelaufige Voraussetzung, dass der Messias seine Anhanger aus denen der wahren Religion, den Nasöraja\'s, angeworben habe. Als derselbe unter den Adamskindern erschien, hat er laut dem

(IJ 4. Tr. 1. 33, 19 sich zum „Alaha der Nasöraja\'squot; aufgeworfen (ricss:^ p-CN \'us:2: srsis). Das Wort muss den Mandaern damals etwa wie uns „Götzequot; geklungen haben; sie dienten keinem Alaha. Nur Juden und andere Fremde nannten die von ihnen angebeteten Wesen so. — Die Insassen der ersten sieben Matarta\'s rufen der passirenden frommen Seele zu: „Ihr seid Helden und wir Schwachlinge: ihr Götter (s\'rtsis) und wir Menschenquot; (1. 27, 11 etc.). Die straf-

• 14*

211

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Beilagen.

würdigen Glaubensgenossen aber in der Matarta des Abatur (vgl. S. 75 f.) sprechen so nicht. Hingegen ist wieder ganz in der Ordnung, wenn

e) im 8. ïr. r. 143 f. der Teuf\'el Krün seinem Besieger die namlichen Worte zuruft: „Ihr seid Helden . . ihr Götter .. ihr Grosse und wir Kleinequot;.

f) In den Lichtkonigstractaten 1. und 2. rechts sind die Partieen, welche über die falschen Propheten und den Messias handeln, auszuheben. Die Pro-pheten „werfen sich zu Göttern und Gesandten auf1 (24, 6), „-werfen den Namen des Alaha in [der Adamskinder] Mundquot; (25, 2; 47, 7). Der Messias sagt von sich r. 28 f. par. 52, 15: „Ich bin der Sohn Gottes, den mich mein Vater hierher ge-sandtquot;; 52, 14 „Ich bin, der von Alalia entstandquot;; 55, 7: „Ich bin Gott der Er-löserquot; (sp-i-Nï \'s); 56, 13: „der wahre Gott (s-.^-s- \'»), den mich mein Vater hierher gesandt.quot; — Ganz ahnlich nonnt

g) im 16. Tr. (über die falscben Pueligionen) der Sterngeist Kêwan sich selber r. 222, 19 „den Herrn der Herren, den Gott, der Wunderthaten im Him-mel und auf Erden zeigt.quot; Aehnlich spricht Nirig-\'Abdalliih s. S. 163. Anm. 2. Audi sonst in diesem Tractat sns;s oder s-rsis immer von fremden Göttern, vgl. § 79.

h) lm 13. Tr. r. 204, 23 und mehrmals sr—t „Götterdintequot;; 209, 6 kehrt die unter c) erbraehte Redensart von r. 181,4 wieder.

i) lm Königsbuch werden mit Bezug auf die Juden „Jorba, Ruha und der Gott (snsis), den sie fürchtetenquot; zusammen genannt (381, 20), und heisst\'s gleich darauf, dass „ihr Gottquot; sie durch das Meer führte. R. 391,9 von einem König: „er setzt sein Vertrauen auf die Götter und seine Götter (nhs^s) sind ihm Helfer.quot; Aehnlich 384, 21: 388, 2; 389, 8. Freilich liegt an der zweitgenannt. Stelle fast naher, nicht nns\'ps sondern snsisi zu lesen (snis-ns ist wohl ohnehin Sing.); dann wiire zu verstehn: „und [der wahre] Gott hilft ihm.quot; Auch 385, 1 und 393, 2 kommt im Singular vor und scheint sich der Gedanke an den wahren Gott geltend gemacht zu haben.

lm Qolasta beruht cap. LXXV (f. 52—55) grossen Theils auf dem 9. Tr. des rechten Genza. Ganz wie dort stehn hier 53, 9 f. s-rrsVs und sr-rs-s. Her-vorzuheben ist die Klage der Ruha 52, 29; „Mein Vater, mein Vater! warum hast du mich hervorgerufen? Êl-Êl. Alaha! warum hast du mich entfernt und abgeschnitten und gelassen in der Tiefo der Erde und in den untern Wolken der Finsterniss, und mir fehlt die Kraft dorthin emporzusteigen?quot; — Qol. 9, 23 „Gottheit des Hauses.quot;

Qol. 13, 16 ff. wird die rechte Salbung (ssra) bestimmt als\'si snsVs BioasV.

Qol. 60, 2 heissen die rechten Getauften die „welche in Geradheit zum Jordan gehn, und nicht im Namen der Gottheit und des Messiasquot;.

II. Von dem wahren Gott in mandaischem Sinn steht Alaha

a) im 1. Tr. r. als Pradicat des Lichtkönigs; 1, 23 sisis2: \'s (Gott der Wahrheit); 2, 20 (grosser Gott); 3, 3 (Gott, der über Alle); aber 5 uit. auch „erhaben und machtig über alle Götterquot;; 15, 6 s-r rrEs: \'ss (S. 89); als Eigenname: 17, 16 „die auf den Namen Gottes hörenquot; (S. 83); 22, 5 „bei Gott nicht angenehmquot; (S. 115).

h) m andern Documenten der Lichtkönigslehre: r. 34,13 (vgl. die Parallele S. 45); r. 61, 23 „Gott des Preisesquot;; r. 283, 22 (S. 69).

212

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D. Der 8. Tractat des rechten Genza.

cj im Tractat über die Stadt Uraslam dreimal (S. 57).

dj vielleicht im Königsbuch (s. oben unter i).

Die Beispiele aus dem Genza dürften liiemiit erschöpft sein. Im Qolasta ist mir keins begegnet.

1). Der 8. Tractat ties recliten Genza.

Höllenfahrten des Hibil-Ziwa.

Der wichtige 8. Genzatractat lilsst sich in vier Abschnitte zerlegen: 1. Hi-bil-Ziwa wird in\'s Dasein gerufen, auf sein Werk vorbereitet und von seinem speciellen Vater Manda d\'Hajê bis an die Grenze der Unterwelt geleitet (r. 134—137, 19). II. Erste Fahrt; die eigentliche Höllenfahrt in die tiefsten Abgründe unter dem Schwarzen Wasser (137, 19—151 unten: eine geschickte Uebersicht dieser Partie bei Peterm. Reisen II, 450 f.). Daran schliesst sich 152—153,16 der Empfang des Siegers in der Lichtwelt. III. Neue Fahrten nach dem Schwarzen Wasser, wo der Ruha die Geburt des Ur angekündigt, und nach Eintritt dieses Ereignisses das körperliche und geistige Wachsthum desselben in einer Reihe von Scenen zwischen dem wilden Burschen und seiner geangsteten Mutter geschildert wird. Erst will er durch die verriegelten Thore der Finster-niss zu seinen Ahnen, dann „aufsteigen zu dem Licht und zu der grossen Quelle des Wassersquot; (165, 15). Mit einem ganzen Heer selbstgeschaffener Damonen stürmt er in dieser Richtung an: aber Hibil-Ziwa bandigt ihn. IV. Endlich wird 168—173 (Ende) die Welt- und Menschenschöpfung erziihlt, vgl. § 25 unter d.

Der einheitliche Charakter des Tractats unterliegt keinem Zweifel. Fin-den letzten Abschnitt bürgen die Nitufta und die Ansetzung der Weltperiode auf 360000 Jahre. Der Stoft\' gehort dem noch mehr babylonisch als parsisch bestimmten alten Mandaismus an. Auch die Bearbeitung rührt aus der poly-theistischen Schule, wenngleich der nachmaligen. Letzteres verrathen die Auf-fassung des Ptahil, auch wohl die Namen Josamin und Abatur, besonders Hibil-Ziwa und sein Verhilltniss zu den gelegentlich auftauchenden „Brüdernquot; (vgl. Beil. E). Auch nimmt sich die Composition mitunter wie ein restaurirtes Gemalde aus. Christliche oder der Lichtkönigslehre eigenthümliche Vorstellungen haben jedoch den Gedankengang nicht gestort. Der Ausgang des Ptahil ist wohl weggeschnitten, das Böse in der Schöpfung indessen auch nicht nach der Lichtkönigslehre erklart. Daher die anscheinende Ueberstürzung zum Schluss.

Nachstehend einige für die mand. Religion besonders interessante Züge.

Hibil-Ziwa wird schon vor dem Hinabsteigen in 360 000 Jordanen getauft, „geheime Namen, die je von einander verschieden warenquot; werden dabei ge-nannt. Manda d\'Hajê legt ihm die Hand auf, bekleidet ihn mit seinem eigenen Gewand u. s. w. Nachdem dieser, sein Vater, ihn an der Grenze der Unterwelt verlassen, erzahlt Hibil: „Ich sprach: ,Durch eure Kraft, m. Vater (das L e b e n), und durch die Kraft des Raza raba und der Heifer, die mit mir, steige ich zur Finsterniss hinab!\' — Und sobald ich versuchte hinabzusteigen und m. Fuss auf das Schwarze Wasser niederliess und auf die Mauer, die zwischen der Finsterniss und dem Licht, legte sich eine Bresche von 1000 Parasangen vor mich hin. Und ich gelangte zu der ersten Welt der Finsterniss, [138] in der die Ruha war. In dieser Welt war ich vor Aller (Pron. pers. plur.) Augen verborgen.

213

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Beilagen.

Darauf sprach Raza raba, der mir zur Begleitung gegeben: Begeben wir uns tiefer hinunter! Darauf stiegen wir unter diese Welt hinab und gelangten zu der Welt des grossen Zartaj Zartanaj . . und dessen Gemablin Amamit (§72 ein Name der Venus).

Von nun an halt H.-Z. siob in jeder Welt Myriaden von Jabren auf, von den Beberrscbern unbemerkt und unsicbtbar, um sie gründlicb kennen zu lernen (vgl. 239, 2f.). Mit ibm sind ausser Raza raba (§ 91) viele Aeonen (Peterm. lïïr s^aVsi), Wobnsitze (Peterm.: „Schecbina\'squot;, Norberg: Majestates), Gescblecbter, Utra\'s.\') Hibil-Ziwa erzablt von diesen Aufentbalten: „Wir recitiren Reiben und Bittgebete und Masiqta\'s, und ibr {sic) Herz biipft kraft ibrer Belebrung (i^ni^ya), und ibr Preisen steigt Tag fiir Tag und Jabr an Jabr empor zu dem Leben und dem Miina und seinem grossen ersten Ebenbild . .., und icb spracb: bei dem Leben meinem Vater sitze icb und fürcbte micb nicbt vor jenen Gestalten. Darauf verliess icb den Zartaj Zartanajquot; . . . •)

„Tausend unziiblige Parasangenquot; weiter gelangt er an die Welt des Hag und der Mag (vgl. Gog und Magog!), zweier Mana\'s der Finsterniss.quot; Aebn-licb weiter von jsöi ;sn zu ■jses;- qs:, von diesen zu Anatan und Qin, dem Krieger und der Herrin der Finsterniss. — Dann beisst es 141, 5: „Auf, öffnen wir das Tbor der drei Könige, welcbe das Feuer nicbt verzebrt, [geben wir] zu dem Ort, wo das Staubwasser (s—ls s-a) ist, ... dem Ort der ganz Stiitte der Finsterniss, und unter dem es keinen [Ort mebr] giebt.quot;

Die erste Pforte ist die des Sdóm, des Enkels der Finsterniss. Nacb einer Invocation (§ G5) begrüsst Hibil-Ziwa, in scböner Gestalt vor ibm sitzend, den-selben, und ricbtet ibm dann die Botscbaft aus, „ein Sobn, der ven eucb aus-ging . . . von eurem eigenen Stammquot; wolle Streit und Empörung anfangen1), — „was sagst du dazu?quot; — ëdóm antwortet: .,lch weiss nicbt, steig borab zu dem der unter mir, der alter ist als icb.quot; Nacb einer Reibe von 100 000 Jahren gelangt H.-Z. zu Giw (-■;), mit dem sicb die Scene wiederbolt, und dann nacb einem letzten 60 000 x 10000 Jabre in Ansprucb nebmenden Abstieg zu Krim (nur 142, 21 nns^ss) „dem Grossen Fleiscbbei-g, in dem keine Knocben sind; seine Gestalt ist Staub, und das [143] unter ibm befindlicbe Wasser ist Staub und gleicbt einem Gewölkquot;. Nacb der Begrüssung dieses „Erstgebornen Königs der Finsternissquot; fragt derselbe, wer er sei, der seinen Namen wisse. Hibil-Ziwa antw., das Leben babe ibn gesandt. Darauf Krün; was es ibm aufgetragen babe. H.-Z. wiederbolt seinen Sprucb von dem Sobn, der einen Anscblag auf die Licbtwelt vorbabe, — was er dazu sage?

214

1

So 138 cf. 140. Hier abweichend: „Icb sitze bei Mana und s. Ebenbild . .. mein Preisen steigt empor .. . vor den verborgenen Mana und s. Ebenbild und vor die grosse verborgene erste Nitufta (vgl. § 14 sub f). Falsch verstanden bat Petermann, dass H.-Z. aus der Unterwelt „jeden Tag in die Licbtwelt gestiegenquot; sei.

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D. Der 8. Traotat des rechten Genza.

Jetzt 1\'olgt die mandilische Relation des Kampfs mit dem Drachen: „Er sprach bei sich: Geh, dass ich dich nicht versclilinge! Ais er so zu mir gesprochen, sass ich in einem Futteral (saasiVs, y\'/.maaóxouov) von Schwertern, Sabeln, Stahlspitzen, Messern und Klingen, und sprach zu ihm: versclilinge mich! Er sprach: Jetzt verschlinge ich dich! Und er verschlang mich bis zur Halfte, Und er spie mich aus und warf mich hin, und spie Geifer aus seinem Mund, und seine Eingeweide und Leber und Nieren waren zerschnitten; und sprach: was mache ich mit dem Mann, der zu mir gekommen und den das Leben ge-sandt?quot; Darauf folgt die Anerkennung Beil. C unter e, und von Seiten des Siegers das Verlangen: Gieb mir eine Vollmacht (sp-niE, persisch == Herunter-gabe, Erlass)! „Da stand er auf und schwur mir bei dem Tag, von dem an er gepflanzt worden: ich tausche dich nicht, sondern ich geh in meine Schatz-kammer und bringe dir die Vollmacht aus m. Schatzkammer. Und er stand auf und brachte die Vollmacht und brachte den Siegelring . . vgl. weiter § 65. Auf der Rüekreise zeigt Hibil-Ziwa den zwei nachsten Höllenfiirsten die gesiegelte Vollmacht vor, welche sie respectiren. Er verriegelt ihre Thore.

Die weiteren Machte, in den Weiten der Vorhölle, überlistet er, indem er die Gestalt ihrer Genossen annimmt, sie blendet, um ihnen ihre Talismane zu rauben u. s. w. Die „verborgenen Namenquot;, mit denen er ihre Thore verschliesst sind: 145, 21 s\'-ihj ■jSESi:;\'; svt s-.-t isn; 150, 23 quot;^aoi s^ïisni 151, 9 -s-s- -s-i-si -rssasi isrss (seine eigenen Namen, vgl. 135, 3

und 152, 15). Die Ruim wird nur mit 7 unverrückbaren eisernen Mauern auf der Oberflache des Schwarzen Wassers eingeschlossen.

Unter religiösen Vortragen steigen die Sieger zur Lichtwelt empor: die Thore des Lichts springen auf: „Mana und sein Ebenbild gingen heraus uns entgegen, und riefen zur Erwiederung und sprachen zu mir: Da ist er (irsn)! Komm Hibil, Mana dessen Glanz alle Utra\'s übertrifft! Und m. Vater umarmte mich, und der grosse Mana und s. Ebenbild liebkosten und küssten mich, und sprachen: Gesegnet deine Ankunft, quot;is»Si n\'-t is-i- n-ïs-i s:s-j V-s-n!quot; Alle-sammt begeben sie sich dann zur Nitufta: „Als ich sie sah schwollen mir Herz und Inneves und freuten sich. Und die Nitufta liess mich in ihr Arcanum eintreten, und zeigte mir was ich [noch] nicht gesehen hatte. Sie taufte mich in den 7 grossen inneren Jordanen, die unter ihrem Thron existiren, und ist Keiner, der jene Jordane gesehen hatte und die reinen Zeichen, die sie über mir nannte (.sic). Und es sprach die Nitufta: Freu dich und sei Wohlgemuth kraft (:) deines reinen Zeichens und kraft dieser Tropfen Cpisn die ich über dir nannte (sic)! Und ich freute mich vor ihr, und lag vor ihr hingestreckt und betete an. [153] Und sie sprach zu mir: Kehre wieder zu deinem Vater, der im Jordan steht und deiner harrt. — Und ich ging hinaus von der Nitufta und ging zu m. Vater und stieg hinab in jenen ersten Jordan des Mana und s. Ebenbilds. Und mein Vater selbst taufte mich und nannte verborgene Zeichen über mir, und taufte mich in 300 000x 10000 grossen Jordanen weissen Wassers; und er taufte alle die Utra\'s, die mit mir waren und bei mir wohnten, und liess sie heraufsteigen und steilte sie auf die Ufer des Jordans lebenden Wassers.quot; Dann muss Hibil-Ziwa Bericht erstatten. M. d\'H.. dem das Herz vor Freuden hüpft, ruft aus: „Wer übermöchte den Raza raba an Kraft..., den das Leben, dein Vater, dir gab!quot; H.-Z. aber betet an und spricht: „Du mein Vater (M. d\'H.), gesegnet und gepriesen bist du, dei-du mir diese Lehre (sn^y) gegeben hast quot;

215

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Beilagen.

E. HiMl-Ziwji imVerhaltniss zu Manda d\'Hajè u. A.

Der 8. Tractat rechts schreibt die Unterwerfung der Holle, die Oljhut über das Schöpfungswerk und die Vollendung des Menschen dem Hibil-Ziwa zu. Derselbe heisst hier auch wohl Hibil-Mana, seltener bloss Hibil (wie 143, 8) oder Hibil-Utra (168. 23). Dagegen oft Hibil-Jawar, Jawar-Hibil, Jawar-Ziwa; seltener wieder bloss Jawar, oder Jawar bar Jawar (166 uit.), denn auch Manda d\'Hajê führt diesen Namen (135, 9). Aber immer ist doch M. d\'H. ein anderer als Hibil. Ersterer ist Ganzibra (134, 8. 12), letzterer nur Sganda (157, 4; 158, 4; 164, 2), wenngleich ■pni-.s s-:s;rs (166, 19). Jener hat diesen

„gepflanzt\' oder in\'s Dasein gerufen1), es ist sein „erstgeborenerquot; und „geliebter Sohnquot; (132, 1; 135, 3), wie M. d\'H. selbst von „den Grossenquot; gepflanzt und her-vorgerufen worden. Dass dennoch Hibil auch letztere gleich ihm seine „Vaterquot; nennt. macht keine Schwierigkeit: die S. 18 von uns gemuthmasste Regel erweist sich als richtig.

£s ist derselben eine andere anzureihen: Wer iilter ist als seine Brüder ist „Vaterquot;. So steht r. 257, 1 ausdrücklich geschrieben, und oft genug an-gewandt (r. 258, 2; 260, 15 etc.); daraus erklürt sich, dass z. B. Manda d\'Hajê die bekannten drei Utra\'s sowohl Söhne als Brüder nennt. R. 134 f. aber finden wir umgekehrt bei den Formeln „es sprach zu ihm sein Vaterquot; und „— sein Sohnquot; den Zusatz „der sein Bruder istquot;: eine Randbemerkung, oder wohl eher von dem Neuherausgeber der Höllenfahrten eingeschaltet.

Weder hier noch irgendwo im Genza werden die Namen Manda d\'Hajê und Hibil einem selben Wesen beigelegt.

. Einmal sind im 8. Tractat Öitil und Anós genannt, nl. r. 157, wo M. d\'H. für den Hibil-Jawar „jeden Tag Masicjtil gelesen und gesprochen hat; Mögen emporsteigen und kommen Hibil und Sitil und Anós, meine 3 Brüder, die meine Söhne und Freunde sind.quot; Es steht auch 137,4, dass zwei Brüder des Hibil mit ihm gingen, und 138, 7 richtet derselbe eine Frage an „die Utra\'s meine Brüderquot;. Ebenso erscheinen im 7. Tr. r. 127, 18 von Hibil unterschieden „sechs Anderequot;, unter welchen Sitil und Anós. — Auch in den Tractaten der Licht-königslehre nimmt Hibil diese Sonderstellung neben letzteren ein (vgl. S. 122 f.), und eben hier führt er wiederum den auszeichnenden Titel Ziwa (Glanzwesen). Nicht aber in dem 19ten, geschweige denu im 6. Tractat, wo die Drei ganz unter einen Gesichtspunkt fallen.

Da nun letzteres das ursprüngliche Verhaltniss darstellt (vgl. S. 124), so ist Hibil-Ziwa eine jüngere Gestaltung des ersten der „drei Utra\'squot;: mithin hat auch nicht dieser, sondern Manda d\'Hajê — schwerlich ein anderer „Jawarquot;2) — den ursprünglichen Helden der Höllenfahrt abgegeben.

216

1

So auch im 7. Tr. r. 126, 4, wo Norberg falsch übersetzt hat.

2

Dieser Name wird im 6. Tractat nur r. 71 mit andem zugleich dem Manda d\'Hajê zugeeignet. Es ist jedoch ein persischer Gattungsname = „Helferquot;, und steht im 28. Tractat (oben S. 31 f.) unbedingt für Manda d\'Hajê.

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F. Die Gemeinde von Suq es-èiuch Siouffi\'s Gewahrsmann. 217

F. Die Gemeinde von Suq escli-Scliiueli und Si on ff I\'s (Jewiilirsiuaiin.

Petennann, Reisen II, 464. Siouffi, Études 29 ss.

Bei der grossen Pest, welche i. J. 1S31 in Persien und Mesopotamien wüthete, war die mandaische Priesterschaft ausgestorben. Infolge dessen konnten keine Ehen geschlossen werden.

Dieser Zustand dauert 10 Jahre. Mittlerweile siedeln die .Manditer von Disful nach Suster über, darunter ein ëganda Bul ad.

Der Gemeinde von Süq werden 2 Sgandï von Suster zugesandt. Einer, jener Bulad, hat Frau und Kinder; der andere, \'Abdallah, ist unvereheliclit.

Sie weihen und unterrichten drei andere Ögandi, sodass sie darauf ihrer fünf sind.

„au moins quatre chkandosquot;; dess-gleichen „quatre tarmido» pour sacrer un yanzivroquot;.

Die Fünf wahlen aus ihrer Mitte den \'Abdallah zum Tarmida.

Der neue Tarmida ertheilt dreien von den vier andern Sgandi die Priesterweihe.

\'Abdallah wird zum Ganzibra er-wahlt, lehnt aber diese Würde ab.

Darauf wird ein anderer Tarm. Namens\'Aziz zum Ganzibra gewahlt; ders. stirbt nach kurzer Amtsführung: et ses rempla^ants se sont succédé jusqu\'a nos jours.

NB. Bei der Weihe zum Priesterstande müssen zugegen sein

„7 Priester, davon jeder Einzelne durch zwei Sgandi vertreten werden kann.quot;

Mit Hülfe jener 13 macht Jahja ein Jahr darauf seinen Schwager zum Tarmida.

Der neue Tarm. ertheilt seinerseits dem Jahja die Priesterweihe.

Spiiter machte Jahja seinen Schwager zum Ganzibra.

A0 1854 gab\'s in Süq nur den einen Priester Jahja; gehorte indessen wohl mindestens ein Priester von Ammara zu den Eingewanderten aus Süq (vgl.

oben S. 8 und 16).

Also wiire \'Abdallah der Schwager des Jahja, und dieser mit jenem Bulad identisch (astrologische und bürgerliche Namen!). Siouffi\'s Gewahrsmann, geb. 1850/1, wollte einen Sohn des Bulad zum Vater haben. Nach Peterm. a. O. 86. 97. 461. 463 f. war der Priester Jahja i. J. 1854 etwa 43 Jahre alt und hatte Söhne von 12 und 3 Jahren. Er könnte aber auch schon einen Sjiihrigen Enkel gehabt haben, etwa von einem wieder nach Persien gezogenen Erst-geborenen. Einiges bei Siouffi deutet dorthin (vgl. S. 173, Anm. 3).

Dieser Zustand dauert ein Jalir lang. Viele Mandaer werden Moslem.

Nur inSüq sind zwei Sgandi übrig-geblieben. Einer ist der nachmalige Priester Jahja, derzeit etwa 20, der andere dessen Schwager, etwa 40 Jahre alt.

Sie grimden sogleich eine Schule tur Sgandi, und Jahja selbst bildet deren 13 heran.

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Beilagen.

Gr. Der Tractat von Johana\'s Ausgang.

Die vorliegende Redaction ist eine neue Bearbeitung, vgl. § 77 und das Résumé r. 57 in Beil. K.

DerEingang lautet: ,,Im Namen d. Gr. Lebens! Dies sind die Aussprüche Joh. d. T., als er den Jordan des leb. Wassers nalim und die lebende Taufe taufte und den Namen des Lebens nannte. — [189, 2] Und es begab sioh Manda d\'Hajê zu J. d. T. und sprach zu ihm: Auf, Joliana, taufe mieh mit der Taufe, die du taufst und nenne\') über mir mit dem Namen, den du nennst!quot; Joh. erklart, er sei hungrig, durstig und ermüdet, morgen -werde er ihn taufen. Manda d\'Hajê hebt nun die Augen auf zu dem ürt der lauter Glanz und Licht und bittet eine Bitte, die gross und nicht klein [Z 11]: „Von euch bitte ich, von dem Ersten Leben und von dem 2. Leben und von dem 3. Leben und von Jófin Jófafin und von Sam, dem wohlbewahrten Mana,1) und von dem Weinstock, der lauter Leben, und dem grossen Baum, der lauter Heilmittel ist, von Usar-haj („Lebensschatzquot;) und Pta-haj, den Oefthern des Pehta des Lebens2) und Pflanzern der Lichtpflanzung! Von euch bitte ich eine Bitte, die sehr gross und nicht klein: Bei (-?) dieser Stunde, darin ich stehe, bitte ich; bei den 12 Stunden des Tags und bei den 12 Stunden der Nacht, bei den 24 Stunden: sie mogen sein wie eine Stunde! die („Raderquot;?) des Tags mögeu

[solche] der Nacht, und die der Nacht mogen [solchej des Tages sein!

Und ein Schlaf und Schlummer moge kommen auf die Augen des Jóhana: er möge schlummern und schlafen, und seine Seele sein wie der gute Enós in seiner Herrlichkeit.3) Hernach will ich ihn fragen (sWas) und mit ihm sprechen über die Taufe, die er tauft.quot; Die Bitte wird sogleich erhört.

Beim Erwachen des Joh., wahrend er sich den Schlaf aus den Augen reibt (190, 12), redet M. d\'H. ihn an: ,,Friede über dir, Meister Jóhana, greiser Vater (sasD sas), Meister der Ehre!quot; Joh. antw.: „Komm in Frieden, kleiner Knabe, den ich von gestern her an den Jordan bestellt habe: heute werde ich dich nicht enttauschen!quot; M. d\'H.: „Auf! lass den Jordan blühn (§ 57), und breite deine Arme aus und nimmmich und taufe mich . . Joh. erwiedert: „42 Jahre lang nehme ich den Jordan, und taufe die Menschen im [mit] Wasser: niemand hat mich an den Jordan gerufen: jetzt mit dir, kl. Knabe von 3 Jahren und

218

1

s-^ao s:sa aso, Sam-Ziwa (r. 295, 21; Q. 10, 26 „der reine S.-Z., der ge-liebte Erstgeborenequot;), Sam Smir Ziwa (§ 15) etc. Immer ist Sam mit Manda d\'Hajê identisch. Der Redactor hat das nicht mehr gewusst oder nicht bedacht. Die ganze Invocation findet sich auch im 1. Tr. links (S. 79).

2

«quot;-r;4; xrrrr srnnstB ■!lt;quot; snEi quot;sn -nu-ï : S. 107, Anm. 1.

3

189 f. nniva sas-j bus fina-\'D-: srirn; ebenso r. 180, 22 f. von dem auft\'ahrenden sp--: i^na (nur is: -s anst. ^a). Vgl. Qol. 13,20: Jeder, der sich diesem Misa unterzieht, wird leben und gesund und bestan dig sein; wie Enós {v:? \'iS: ^ja) wird er dem Leibe nach (f^iSE^), und wie Enós wird er dem Munde nach sein, und wie Enós wird er sein in seiner Herrlichkeit (rrrva). — R. 189, 6 heisst spts allerdings „Leib*, vgl. die Derivationen bei Nöldeke 101. 103.

4

saiB p V;» isistsi: das erste absolut. Ebenso 191, 22; 192, 5.

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G. Der Tractat von Jóhana\'s Ausgang.

1 Tag, wiinsche ich micli an den Jordan zu begeben!quot; Nun fragt M. d\'H. den J. nach seiner Art zu taufen (die Antw. oben S. 102!), und welchen Namen er dazu nenne (keine Antw.! Offenbar felilt etwas: der Tiiufer muss unwillig geworden sein). „Es öffneten alle Jünger wie Ein Mann den Mund und sprachen zu J.: ,42 Jahre taufst du die Taufe. Niemand rief dick an den Jordan, ausser diesem kleinen Knaben: verachte nicht die Rede, die er redet!\' Die Jünger drangten den Jóh.: Joh. stand auf, begab sich in den Jordan, liess den Jordan blühn, und breitete seine Arme aus und nahin den M. d\'H. und sprach zu ihm; .Komm, komm, kleiner Knabe von 3 Jahren und 1 Tag! der kleinste der Brüder und alteste der Vater, der da klein und dessen Aussprüche hochgefeiert sind!quot; M. d\'H. ging mit J. zum Jordan; und der Jordan, als er den M. d\'H. sah, sprang und hüpfte ihm entgegen fiber seine TJfer.quot; Der Taufer steht zur Hiilfte im Wasser und kann sich nicht aufrecht halten. „M. d\'H. sah den Jóh. und eilte auf ihn zu. Der Glanz des M. d\'H. bedrangte den Jordan, und der Jordan, da er den Glanz des M. d\'H. sah, wich zurück: und J. stand im Trocknen. Und M. d\'H. ging zu J. und sprach zu J.; ,Taufe mich u. s. w.\' — J. sprach zu M. d\'H: ,1000 x 1000 Menschen habe ich in den Jordan hinabsteigen lassen, und 10000x 10000 Seelen [192] im Wasser getauft; ein Mann, der dir gliche, ist mir [noch] nicht an meiner Hand vorüber gegangen. Jetzt ist Trockenheit, — worin (wsa:) soil ich dich taufen?\' M. d\'H, sprach zu J.: ,Soweit das Wasser geht, geh [auch] du, und ich gehe mit dir: Taufe mich u. s. w.\' — So weit als der Jordan ausgeleert und das Wasser trocken war ging J., und M. d\'H. ging mit ihm. Und M. d\'H. liess seinen Glanz auf den Jordan und seine beiden Ufer nieder: Es öffneten ihren Mund die Fische aus dem Meer und die Vogel von den beiden Ufern des Ozeans (s/c!) und priesen den M. d\'H. und sprachen: ,Gesegnet bist du M. d\'H., und gesegnet der Ort, von dannen du kommst, und gepriesen und bestandigt der grosse Ort, zu welehem du gehst.\' — Die Stimnie der Fische u. s. w., welche in das ühr des J. fiel, belehrte den J., dass es Manda d\'Hajê war, der mit ihm ging. Und J. sprach zu M. d\'H.: ,Du bist der Mann, auf dessen Namen ich die lebende Taufe taufe.\' Er sprach zu ihm: ,Auf wessen Namen taufest du?\' J. sprach zu M. d\'H.: ,Auf den Namen dessen, der sich mir geoftenbart hat, und auf den Namen des Bereitstehenden (oder: Zu-künftigen, xn-nï = der bereit ist zu kommen (STnai rrns\'i), und damit

der wohlbewahrte Mana sich offenbare. Du! lege mir deine Kusta-Hand auf und deine Rechte, die Meisterin der Heilungen (S. 111 Anm.), und nenne über mir, deiner Pflanze, die du gepflanzt hast.1) Durch deinen Namen werden die Ersten und die Letzten aufgestellt.\' Es sprach M. d\'H. zuJ.: , Wenn ich meine Hand auf dich lege, so gehst du aus deinem Körper.\' Es sprach J. zuM. d\'H.:

219

1

Wieder -sa-rsi ohnc Object. — R. 195, 6 nnch einmal; hier aber in der Bedeutung „Thu ein gutes Wort für mich!quot; wie das Hiphil genes. XL, 14.

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Beilagen.

,Icli habe dicli gesehen: hier begehre ich nicht [langer] zu sein. Ich habe clich gesehn unci habe clich erfasst: Kusta, ja! begehre ich von dir! [193] Trenne mich nicht von dir, von dem Ort woher du gekommen, und dem grossen Ort, wohin du gehst! Gürte mich und beauftrage mich, und thu mir freundlich, und offenbare mir die Geheimnisse der Könige, und das grosse Pira des Lichts, und die Ambosse (s-rsrso Nöld. 51) und PinVs der Arqa: worauf sie ruhen; und die Ambosse des Wassers, von denen das lebende Feuer verbreitet wird; und das Leben, worin es wohnt (s\'i-sr); und wer nach Ursprung und Grosse den Andern übertrifft\'quot; — d. h. die Rangordnung der Himmelgwesen. Nun ent-ledigt M. d\'H. den J. ..des Rocks von Fleisch und Blutquot; und zieht ihm die „Glanz-kteidungquot; kVcsï) au; sie machen sich auf den Weg nach dem Lichtort.

J. aber sieht, class die Fische und quot;Vogel seinen Leichnam umschwarmen, und es betrübt ihn. „Und M. d\'H. sprach zu J.: ,Warum bist du betrübt geworden wegen des Fleisches und Bluts, das ich dir ausgezogen? Wenn du\'s begehrst, lasse ich dich umkehren und [wieder] hineingehn\'.quot; Jóhana giebtvor, nur wegen seiner unversorgten Kinder sei er betrübt. Aber M. d\'H. lilsst sich nicht tauschen, und J. bekennt, er sei der Allwissende: „Herzen unci Leber und Nieren sind wie die Sonne vor clich hingebreitetquot; u. s. w. [193 f.]. „Da redete sein Mund mit Ehre (s. S. 135, Anm. 1) von den s1\'» s-s-- und von den s-\'s2; s^ssew. Er nahm Sand vom Meer und von den beiden TJfern des Ozeans, stand und warfs auf den Leichnam des Jóhana: von diesem Tage ist entstanden das Begrilbniss für die Leichnamequot; sn-sos:).

Zusammen gelangen die Zwei nun zunilchst au die Matarta des Ptahil: der steigt ehrerbietig von seinem Thron unci bittet, jetzt in die Liehtwelt zu-gelassen zu werden, — vergebens! Dann zur Matarta des Abatur, welehem Manda d\'Hajê grosses Wohlwollen erzeigt; stsic-is rVasrEi! Wiederum

weiter kommen ihnen die 4 Friedenssohne „Lebensquellequot;, „Lebensname\'\', „Lebensglanzquot; und „Lebenslichtquot; entgegen: „sie nahmen den J. bei der Hand und erhoben ihn in den Ort der Wahrheit sprachen über ihm Reihen,

Gebete, Masiqta\'s und Vortrage aus, und die Utra\'s sprachen: Kommt, lasst uns gehn und sehn den Mann, der von der Tibil gekommen, den als gerecht Er-probten, der gerad und glilubig zwischen den bösen Anschlagen und unter dem Thron des alten Abatur her[gekonimen ist]!quot; Sie ziehn ihm Licht und Glanz, die Kleider lebenden Feuers, an. Jóhana steht endlich in dem Ort, der lauter Glanz und Licht „in sehr grossem und nicht kleinem Glaubenquot; und bittet mit der Invocation von r. 189: „Durch (2) diese Stunde, darin ich stehe, durch diese Auffahrt, die icli voïïbracht, mogen auffahren alle geraden und glaubigen Men-schen, die mit dem Zeichen des Lebens gezeiehnet und mit der reinen Taufe ge-tauft sind, und über denen der Name des Grossen Ersten Lebens genannt ist.quot;

Es folgt die Schlussformel: „Und gepriesen ist das Leben! Und das Leben ist siegreieh, und siegreich der Mann, der sich hierher begab!\'-

220

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H. Die Taufceremonie.

H. Die Taufcereinonie.

I. Anweisungen für den Priester im Qolasta.

Die römischen Ziffern bedeuten die von Euting numerirten Abscbnitte des Qolasta: der mand. Text bat jedesmal die Anfangsworte. Mit „spricbquot; ist mand. s—p wiedergegeben: man brauolit nicbt gerade lies zu verstebn. lob stelle den Text nacb verscbiedenen Hss. lier. * Trennungszeiclien.

Fol. 3, 28; Diese 3 Gebete I, III, V spricb gegen dein Taga gewandt; ricbte [es] auf1) auf deinem Haupt, und spricb XIX zur Heilskrone2). Ricbte [sie] auf auf d. Haupt, über dem Taga; schlinge die Heilskrone an dein Margna; nimra (es oder sie?) bei deinem Taga, und indem du an den Jordan gebst, sjiricb: ,Antworte mir, mein Vater, antworte mir!\' (= LXXX oder LXXXI.)

F. 5, 10: betr. das Raucbf\'ass, Vortrag VIII etc.

F. 6, 31: Diese 3 Gebete IX, X, XI bete am Ufer des Jordan, nacbber XXXV: es sind die Helfer der Taufe.

F. T, 4: Dies Gebet, XII, spricb. und nimm dein Kanzala3): es ist das Ende (?srsnE, vgl. sspss in Levy\'s Cbald. WB.) des Jordan. Darauf spricb XIII.

F. 7, 19: Spricb XIII (bis Zeile 4), und steig liinab in den Jordan bis zum vierten Tbeil deiner Schenkel (das Weitere von XIII soil dann, jenacbdem eine oder mebr Personen zu tauten sind, mit Singular- oder Pluralformen gesprocben werden). Darauf spricb XIV.

F. 9, 32: Sodann spricb: ,Tm Namen des Grossen Lebens! Jeder, in dem Kraft und viel Liebe ist, komme mid steige in den Jordan binab, und lasse sieb taufen und empfabe das reine Zeicben, und ziebe [fol 10] die Glanzkleidung an, und ricbte die prangende Krone auf auf s. Haupt.\' * Hier taufe die Seelen: sie sollen binter dir binabsteigen; taucbe sie 3 Untertaucbungen (Verb, und Subst. von 3Sa): dein Margna sei zu deiner Linken, taufe sie mit deiner Kecb-ten: nimm sie und setze sie zwiscben dicli und dein Margna: taucbe sie 3 Untertaucbungen und zeicbne sie [mit] drei Zeicben mit deiner Rechten; und ibr Antlitz sei zur Pforte des Gebets. * Und wenn du sie gezeicbnet bast, spricb (die Taufformel, S. 105). Und gieb ibnen 3 Handvoll Wasser zu trinken und spricb zu ibnen (dieFormelS.108). Und spricb XIX zur Heilskrone, und ricbte [sie] aut auf ibren Hauptern: und indem du d. Hand auf ibre Haupter legst, spricli diese verborgenen Namen: * ,Der Name [cod. paris. X des Lebens u. d. N. des M. d\'H. ist genannt über dir! Dev Name] der grossen verborgenen ersten Quelle ist gen. über dir! Der Name des grossen ersten Sindirka (Norb. quot;25-:: „Sardonyxquot;, Siouffli 26 s. „Palmbaumquot;) —! Der Name des grossen Sislüm —! Der N. der grossen Izlat —! Der N. des grossen Ja war —! Der N. der Simat-Hajê —! Der N. des grossen Jökabar —! Der N. des Mana und s. Ebenbilds —! Der N. des

221

1

Ti\'fi „geradequot;, „recbtmacbenquot;; hier und ferner ohne ausgedrücktes Object. Petermann bezeugt, dass der Priester das Taga erst „am Überarmquot; trilgt, dann „legt [er es] unter den Turban auf den Kopfquot;.

2

sdst si-V:. Bei Petermann der Myrthenkranz. Für die Laien nach Siouffi der Myrthenring.

3

Siouffi 122 und Peterm. a. O.: Turban aus einem langen weissen Tucb, von welchem an der linken Seite nacb vorn ein „Endequot; von etwa 1 Elle, das Pandama, berunterbangt.

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Beilagen.

Riiza raba und der verborgenen Aussprüche —! Der N. des grossen ersten Shaq-Ziwa —! Der N. d. reinen Sam-Ziwa, d. geliebten Erstgebornen, des grossen, ersten —! Der Name d. Lebens u. d. N. des M. dquot;H. ist genannt über dir!\' Und dann reiche mit ihnen Kusta, und lass sie ver dich hinaufsteigen. * Darauf taufe deine Schale (-s:-:s9 sis) und fülle sie mit Wasser, und gieb sie dem, der am Ufer stehfc. Taufe deinen Krug (quot;ïsis-j1)), und darauf lass erschallen den Gesang LXXXII * und SX, und spricli die „Auferstehung des Jordanquot; (das ist eben XX). * Und wenn du sprichst XV, XVI, XVII und XVIII und jedes wu ^eelen\' gescbrieben ist : wenn es 2 oder 3 oder viele Seelen sind, so sprich-wie geschrieben ist; -wenn es [aber] eine Seele ist, so spricb: ,die Seele des N. N., die zum Jordan gegangen, und sicli taul\'en lassen und das reine Zeichen angenommen bat\'.2)

Fol. 20, wo eine mustergültige Taufe des Adam dureb Hibil-Ziwa erzablt wird, beisst es Z. 25 ff. na eb den „verborgenen Namenquot; (paris. X; „sieben verb. Namenquot;): „Und er reichte mit ihm Kusta über das Margna binweg, und liess ilm vor sicli hinaufsteigen, und nahm Wasser vom Jordan in\'s Qanina und liess den Gesang erscballen LXXXII und XX und spracb XXI („Aus dem Jordan stieg icb empor —quot;) und stieg aus dem Jordan und übergab [dem Adam das Qanina], und trug (n~-quot;, eine Elevation, wie bei der Messe?) das Oei und spracb XXII, XXIII, XXIV . . .quot;

Fol. 14,27: Diese 3 Gebete XXII, XXIII, XXIV spricb zum Misa, und zeicbne die Seelen, welcbe du getauft bast. Wenn sie aus dem Jordan steigen sprich (die Taufformel S. 105). Dreimal zeichne! und reiche Kusta mit ihnen. Darauf sprich und fübre dein eigenes Siegel an deinem Antlitz vorüber3). Und darauf solist du sie vor dich binstellen, und spricb [die Gebete] zum Pebta und Mambuha, und gieb ihnen Pehta, dass sie essen, und gieb ihnen Mambuha, dass sie trinken; und reiche Kusta mit ihnen, und setze sie vor dich bin; und sprich die „Siegelquot; (Collectivname für XXV—XXVIII) und lege deine Hand auf ihre Haupter.

II. Zeugnisse aus Basra im XVII. Jahrhundert.

a) Ueberlieferter Klosterbericht.

I gn. Narr. p. 64: III. Error. Repetunt ter praedictam formam quando bap-tizant, et puerum, qui baptizandus est, ter immergunt in aquam. — Ib. p. 102 (Confutatio): verba formae ipsius Baptismi ter repetitis, terque puerum Bapti-zandum immergitis in aquam.

De la Boullaye le-Gouz (war 1649 in Basra): le Prestre se met dans l\'eau, puis vn homme lui apporte 1\'enfant, il le plonge trois fois dans l\'eau et

222

1

lm Talmud ii-j = Papier, Pergament. — siquot;: nr:n entweder: Ge-schirr von Najera (? einer Stadt, wo solches angefertigt wurde), oder; Gefasse, die mit Pergament verscblossen, d. h. wohl zugebunden, wurden. Vgl. Mischna Kelim II, 5 n,in-:n[i] PTa-r vc-ï.

2

Es folgen noch die Worte -smassttV -^sVsnx Prof. Nöldeke vermuthet -jsisa = -si— (Imperativ), also: „sprich dein Gebet für dich zu deiner Taufequot;. Vgl. Q. 18, 29.

3

Das Afel von quot;s (= ^-;s) „vorübergehn lassenquot; steht nicht selten von sacramentalen Handlungen, denen man sich unterzieht.

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H. Die Taufceremonie.

dit a chaque fois: Au nom de Dieu premier et dernier, Seigneur du monde, et du Paradis, Maistre et Createur de tous. — Erwachsene werden zur Trauung getauft: mais le Scliek ne les plonge pas, il repète seulement trois fois les parolles ey-dessus rapportées, et les laue. Ils ont le baptesme ordinaire du soir et du matin ... — Ausserdem an den drei grossen Fasten: ils se font retaptiser, et croyent par après estre sans péché. — So Voyages etc. p. 301 s. (Beil. N).\'

b) Ignatius a lesu (Narratio p. 24—26).

Modus [baptismi] est iste: Puerulus qui baptizandus est defertur ab aliquo viro seu muliere ad locum Baptismi, comitantibus aliquibus aliis viris seu mulieribus, et ipso Sacerdote qui eum baptizaturus est. Cumque pervenerint ad flumen, ille qui puerum defert intrat in aquam usque ad genua. Minister vero stans iuxta aquam legit aliqua ex libro quem secum attulit, per aliquod temporis spatium. Postea vero puerum per tres vices aspergit aqua, totidemque repetit super ipsum haec verba:

Bescemeon Edai Rabbi Cadmat Nocrat men Haleme Ednure letirl Edelaui Colleon Ouadi.

Quae verba banc habent significationem: In Nomine Ipsiiis Domini primi Nov is sim I ex Mundo Paradisi Altioris omni Altitudine omnium Creatoris.

Dictis his verbis iterum legit aliqua ex libro, et ille qui puerum defert ilium in aquam immergit, statimque extrahit, et exiens ex aqua ipsum in domum refert.

c) Combinirte Vorstellung-.

223

Jean Thévenot (war 1665 in Basra): Vn homme porte I\'enfant vers la riviere . . . Avec Thomme qui porte I\'enfant, il y a vn de leurs Ministres; lors qu\'ils sont arrivez au bord de la riviere, le Ministre dit ces paroles, Biscemeon edaï rabbi cadmai nocrat men haleme, c\'est-a-dire, In nomine Dei Domini antiqui, potentis, ante lucem mundi, scientis omnia quae facimus.\') Ensuite il jette vn peu d\'eau sur la teste de 1 enfant, il repete la mesme Oraison, et jette encore de l\'eau sur la teste de I\'enfant; aprés quoy il dit vne troisiéme fois les mesmes paroles, et jette pour la troisiéme fois de l\'eau sur la teste de I\'enfant: Cela fait, celuy qui tient I\'enfant, le baigne par trois fois dans la riviere, et voila toute la cermonie de leur prétendu baptesme. Folgt die Nachricht vom Wieder-holen der Taufe. — So Suite du Voyage de Levant p. 324 (Beil. N).

III. Kindertaufe naeh Siouffl p. 77—81.

Die Mutter tragt das Kind zum Priester. Dieser begiebt sich (im Rasta, das Margna in der Hand) mit ihr und zwei Uganda\'s, einen irdenen Ofen, worin ein Becken mit srEsp zum Rauchern, mit sich tragend, nach dem Pluss. Hier verrichtet der Priester sein Gebet; ein em Öganda und dem Kind wird das Rasta angelegt; die Mutter überreicht einen Zettel mit dem Namen des Kindes. 1st die astrologische Bestimmung desselben verabsaumt worden, so wird das Kind asis ■quot;; bezw. sisn rs wsi-i getauft. Jener Sgandil nimmt das Kind,

1) Diesem üebersetzungsversuch liegt die ganze von Ignatius erbrachte Formel zu Grunde.

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Beilagen.

der Priester steekt diesern einen Ring von Myrthenholz an den Finger und tritt, jenem voran, in den Fluss. Beide stehn bis an die Kniee im Wasser: sich aufschürzen dürfen sie nicht. — Weiter vgl. S. 103 oben; der andere èganda, nicht im Rasta, blieb am Ufer, um zu „répondre a certaines oraisonsquot;. — Gleich nach dem Taufact mit der Formel (Beil. I) steigen Taufer und Tauf-ling aus dem Wasser: jener legt diesem den Ring auf den Kopf (§ 64), betet, kniet nieder, streut mit den Worten (Qol. VIII!) Weihrauch in\'s

Feuer: der Rauch umwallt das immer noch von dem èganda getragene Kind. Folgt die Salbung (§ 59.) — Der Sganda halt dem Kleinen die Hitndchen aufs Gesicht; kniet mit dem Priester nieder zum Gebet; dann ein Gebet in stehender Haltung. Wieder lassen sie sich nieder; der Priester befragt den Erdboden. Jetzt erst wird der Ring dem Kinde vom Kopf genommen u. s. w. (§ 04). Man zieht ihm das Rasta aus, und giebt es der Mutter wieder.

Ware das Kind unter der Handlung gestorben, so hatte die Cermonie an einer Puppe aus Mehlteig zu Ende geführt, und nachher diese Puppe ordent-lich beerdigt werden müssen.

IV. Das Tauffest naeh Petermann, Reisen II, 461—463.

An.jedem der 5 Tage zuvörderst die Communion des Priesters (oben S. 110); Bereitung des heil. Erodes (107). — Am 1. Tag geht der Priester von Haus zu Haus und schlachtet die Lammer (zum Festbraten, ohne religiose Bedeutung, 94). Dann tauft er seine Kinder, Gefasse und Geschirre. Mit besonderer Sorg-f\'alt schlachtet er den Widder für sein eigenes Haus; von der Südwestecke und dem Eingang des Tempels zieht er Furchen nach dem Kanal; den so begrenzten Raum besprengt er 4mal mit Wasser; Palmenzweige werden untergetaucht, besprengt und in demselben hingebreitet. Der Sgandii wirft das Lamm in den Fluss, der Priester besprengt es, legt es auf die Palmen (den Kopf nach Osten), und schneidet (gen Norden gewandt) dem Thier den Hals ab. Alles unter Gebeten (vgl. Siouffi und Ignatius; oben S. 94).

An den 4 folgenden Tagen lasst jeder Mandaer sich mindestens einmal taufen. Der weisse Anzug besteht aus Beinkleidern, Hemd, Gürtel, Turban, Stola (ein über beide Schultern vorn herunterhilngendes Band, Qol. 20, 10).

Der Priester hat noch dazu Taga, Ring und Margna: er giebt jedem Taufling den Myrthenring (113); darauf nimmt er die Selbsttaufe vor (101, 103 Anm. 1). — Er legt 3 mal den Olivenstab in\'s Wasser, windet unter Gebeten „den Myrthen-kranz und halt ihn in der Rechten.quot; Er nimmt das Taga vom Arm. küsst es und schiebt es unter den Turban; „halt die Pandama an das rechte ühr, küsst den Myrthenkranz, wickelt die beiden Spitzen des Schnurrbartes, legt die Pandama darüber, und steekt diese oben auf dem Turban fest.quot; Er schnupft aus dem Rauchfass und „streut etwas davon in das Feuer.quot; Er schlingt die Enden der Stola um den Hals und bindet sie zusammen, „schürzt sich auf, streift die Aennel aufquot; (NB!) und steigt in\'s Wasser; hier taucht er „den Stab zweimal wieder ein, steekt ihn fest, legt den Myrthenkranz darüber, und halt den Stab mit der gebundenen Stola.quot; Er besprengt sich vorn und hinten dreimal mit Wasser.

Der Taufling kommt an\'s Ufer: der Priester sagt ihm einige Worte vor, welche dieser (für ein junges Kind der Sganda) nachspricht, bevor auch er in das Wasser tritt. — Damit meint Petermann wohl die T auf formel, indem seine Darstellung sonst gar nicht auf dieselbe Bezug nimmt. Petermann be-kundet überhaupt die Meinung, dass sie von dem Taufling selber zu sprechen

224

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L Taufformel nacli Siouffi.

sei (107. 171 \')). Siouffi berichtet (Beil. I), wie bei der Taufe ohne Priester dies thatsachJich der Fall ist: seirie Beschreibung der ïaufe durch einen solchen ist, genau genommen, nur für die Kindertaufe massgeblich. Ohne diese Auf-fassung müsste man sich wundern. dass der deutsobe Gelehrte ein Moment wie die Taufformel so gar nicht vermisst batte. Deutlicb gehort bat er sie an-scbemend nicht: den Priester nach ihrem Wortlaut zu fragen aber wird er sich gescheut haben (vgl. S. S f.).

Des Weitern vgl. oben S. 102, 103, 107 f., 108 und 111, Anm. 1.

I. Taufformel nach Siouffi.

Nach Siouffi 78 s. spricbt der Priester bei dem eigentlichen Taufact: sr-.jss: rrias jsrsw s-rs-i aquot;rr. srsVs] srsini sniassaa

quot;s-squot;r -= Squot; =Xquot;S=^. Das beisse: Tu es bap-

ise du baptême des trois1) etc.; die eingeklammerten Worte a voix basse vorzufügen ist wohl der Name des Tauflings. Also:

7N,N. Sohn der N. N.! Du bist getauft mit der Taufe der Drei I Alalia und Manda d\'Hajê und Jahja-J6hana}. Du bist getauft mit der Taufe des grossen Bahram, des Sohns der Deine Taufe

behüte dich und werde zu En de geführt!

Vergi. hierzu die Formel des Qolasta und das S. 105 ff. Bemerkte.

Zunachst befremdet, dass die Formel im Perfectum „en même tempsquot; mit der dreimaligen Ueberströmung des Tauflings gesprochen werden soil. Noch weniger lasst sich horen, wenn p. S2 s. von dem Badenden bei der Selbsttaufe gesagtwird: „II fait ensuite trois plongeons, en répétant chaque fois, et tout en restant sous Peau, k formule du baptême (voy. Ie chap, du baptême).quot; Soil man auch für sich m der 2. Person sprechen, und das Ganze kopfunter durchnehmen? Wahrscheinlich waltet also bei Siouffi in dieser Hinsicht ein Irr-thum, und soli Obiges nur die Formel sein, wie der Priester sie spricbt.

Den Wortlaut anlangend, bat schon das Qolasta den Behram. Nach Siouffi 41 ist er der Beschützer und Lenker der Flüsse, nach Ignatius Auf-seher uber Sonne und Mond (§ 31). Im Genza begegnet man ihm selten, und nicht in emem von diesen Aemtem, vgl. r. 375, 11; 377, 23. Der von den Per-sern entlehnte Gottes- und Königsname neupers. für Werethragna,

\\\\aiahran) ist wohl zuerst dem ilanda d\'Hajê beigelegt worden: r. 319, 3 „auf-steigen durch die Einsicht («wmw»), die aus dem Hause des grossen Behram des Lebens gekommen ist.quot; In den Genealogieen erscheint er schon als frequenter Eigenname. - Der Name Alaha kann für s-n eingetreten sein kS. 17. o\')- — Auffallend bleibt der dritte Name und überhaupt die Dreizahl.

225

1

sprechen.

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Beilagen,

Die Combination Jahja-Jóhana kommt weder im Genza noch im Qolasta, sondem erst in den Drasê d\'malkê vor. „Man gebe ihm zum Namen Jahja-Jóhanaquot; heisst\'s daselbst in der Geburtsgeschichte (Nold. 467). Uebrigens als Eigenname in den Genealogieen der Handschriften. Die Aufnahme in die Tauf-formel ist jedenfalls jünger als die Gebrauclisanweisungen des Qolasta. Nehmen wir Siouffi\'s Zeugniss fiir zuverlassig, so fragt sich: was kann in spaterer Zeit noch dieselbe veranlasst haben?

Urn eine Vermuthung zu wagen, erinnere ich daran, dass die Portugiesen und die Missionare in Basra die Mandaer von Anfang an als Johannesj linger betraohtet haben. Wahrend der zeitweiligen ausserliohen Bekehrung Mancher, und der gezwungenen Zuhörerschaft eines andem Theils in de.r Missionskirche ist ihnen, dariiber kann gar kein Zweifel walten, bis in\'s Unendliche vorge-predigt worden, ihre Taufe sei nur die des Johannes. Als dann viele Mandaer das Christenthum, und das Christenthum die Mandaer wieder losgelassen, mögen sie sich mehr als je darauf gesteift haben, eben diese Taufe des Jahja-Johana, versteht sich auoh des Lebens und des Mandfi d\'Hajê, also die Taufe der Drei zu rehabilitiren. — Was diese Erklarung besonders empfehlen diirfte ist der Umstand, dass der Name des Johannes doch nicht bei der Taufe angerufen wird. Ungenau ist Siouffi 140 n. 2: Nous avons dit ailleurs que le baptême des Soubbas se donne au nom d\'Alaha, de quot;iahio et de Mando-Dhaïy son père.

K. Biblischer Erzalilungsstoflf im Genza.

I. Mosaisches im Konigsbuch.

Zwei eingeschaltete Erzahlungen, vgl. S. 124. 129 Anm. und 16ü.

A. die Fluth r. 380, 9—381, 9, vgl. S. 124. „Eine Stimmequot; befiehlt den Bau der Arche. In 300 Jahren wird dieselbe, 300x50x30 Ellen gross, her-gestellt. -Marmollen und Weibchen gehn hinein. 42 Tage und Nlichte hindurch sprudelt das Wasser aus der Höhe und aus der Tiefe. Nacb elf Monaten „senkte sich die Arche auf die Berge Qarduns und sass (Targ. Onk. und Pesch. inu nip; Jer. ■p-p \'a). Da wusste Nu bei sich, dass Ruhe geworden war in dei-Welt. — Und Nu liess ausgehn e. Raben u. sprach zu ihm: Geh, sieh ob Ruhe gew. i. d. W.! — Es ging der Rabe und fand e. Leichnam, frass, und vergass was Nu [381] ihm aufgetragen. Da sandte Nu eine Taube u. s. w. Die Taube ging und fand den Raben, dass er auf dem Leichnam sass und von dem L. frass. Und sahe einen Oelbaum, davon stak ein Zweig aus dem Wasser. Die Taube brach und brachte ihn dem Nu. damit er bei sich wüsste, dass Ruhe geworden. Da fluchte Nu dem Raben und segnete die Taube. Und so ward behütet das Geschlecht dem Sum bar Nu und seiner Gattin Nurajta,1) von denen die Welt wieder auflebtequot; (-si-sw, Nöld. S4).

226

£. Die egyptische Episode r. 381, 16—382, 9 (im Text zu Anfang eine Lücke, dann ünordnung). Abrahim und sein Geschlecht sind in Egypten, wo

1

R. 49 uit. heisst so die Gattin des Nu; 212, 14 diejenige des Dinanukt. Bei den Gnostikern wurde nach Epiph. haer. XXVI, 1 die Gattin des Noah, nach andern Hareseologen die Tochter des Adam Nugt;q!k (quot;?•■) genannt.

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K. Biblischer Erzahlungsstoff im Genza.

es ihnen von Seiten der Egypter und des Königs „König Paruaquot; (ssis-s nquot;-xï, cod. B shiikb) übel ergeht. Jórba, RuLa und Alaha führen dis Juden durcL „das Meerquot;: „und das Meersswasser stand zu quot;beiden Seiten, wie zwei Berge, damit alle Juden Mndurchzögen. [382] Sie gingen [und] waren in einer Oden Trift; darauf gingen [und] wohnten sie in Uraslam. Da kam König Parua ihi.ea nacli, er und all seine Macht: 70 Myriaden [und] 770.000 Egypter waren mit ihm.quot; Sie finden das Meer noch gespalten, allein „als die ganze Phalanx des Königs P. hinter den Juden herabgestiegen war, da fluthete das Wasser über dieselbe; und es entkam König P., er und sein Freund und Helfer(\'? Nold. 44) zu seinen Thorheiten.\'-

Siouffi p. 19 ss. (Anschluss an das S. 165f. Mitgetheilte). Bevor Anos die Erde verliess steilte er zwei Brüder ssisa und ssisa -s-n--s an die Spitze der Subba. Ersterer erklart, trotz Abaturs Verbot, den Juden Krieg. Im Einzelkampfe mit ihm zieht Moses den Kürzern: die Flucht der Juden geht durch das Meer, welches sich spaltet so lange Moses darin steht (vgl. jos.0III, 13 ft\'.). Ueber den Verfolgern schlagen die Wellen zusammen: die wenigen, die das üfer erreichen, etwa dreissig („hommes et femmesquot;) und die 2 Könige, mussen jetzt ihrerseits vor den Juden fliehen. Sie retten sich nach Sas ter: jene Beiden ziehn alleine noch weiter, nach Msunê kusta. Hier stirbt Farroukh-Malko: zur Strafe für seinen Ungehorsam schickt Abatur seine Seele in die Matarta\'s. Seiner ertrunkenen Gefahrten aber gedenken die Subba noch heute in ihren Gebeten (p. 86).

NB. Jenes „hommes et femmesquot; beweist, dass ursprünglich nicht an ein Kriegsheer, sondern an einen Volksauszug gedacht ist. Die Ejitstellung der Legende kann nur den S. 164 angegebenen Grund haben.

II. Die evangelische Geschiehte im zweiten Liohtkönigstractat.

Vgl. die S. 126 f., 129 ff., 147f. angez. Stellen. Der Kürze halber über-setze ich auch das Futurum als Praesens. Nachstehendes, wozu S. 158 f. zu vergleichen ist, findet sich nur in diesem Tractat.

R. 54, 14: Dann in einer andern Gestalt kommt der verführerische Msiha, steht vor euch und spricht zu euch: ,Ueber Wasser gehe ich! Kommt zu mir: ihr werdet nicht versinken!\' ... [Z. 20] Dann entwurzelt er Früchte, Trauben und Biiume von diesem üfer des Meers, und wirft\'s auf jenes üfer, und . . .\') — [Z. 23] Dann macht er eine Leiter und legt sie von der Erde bis zum Him-mel, und steigt empor und hernieder, und fliegt zwischen Himmel und Erde, und spricht zu euch: ,Seht, ich komme aus der Höhe: ich bin euer Herr!\' Aber glaubt ihm nicht: denn die Leiter des Msiha ist durch Trug und Zauberkünste gemacht! [55, 3] An dem Ort, da der Msiha steht, bannt (-\'iit\'-) er die Augen und verbirgt den Glanz der Sonne, und spricht zur Sonne: ,Verbirg deinen Glanz!\' Aber sie verbirgt ihn nicht, sondern er macht durch Zauberkunst Finsterniss an dem Ort, da er steht, und spricht zu euch: ,Seht, ich habe zur Sonne gesprochen, und sie hat ihren Schein verborgen: denn ich bin Gott der Erlöser!\' . . .

227

R. 56, 4: Neun Monate tritt hinein und ist verborgen Nbu-Msiha im Leib seiner Mutter der Jungfrau; dann geht er heraus mit Körper und Blut und Menstruum, und auf ihren Armen wird er grossgezogen und saugt Milch. Wenn

1) rsa sr-w- srsn h? sirrsp, — Sinn?

15*

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Beilagen.

er aufgewachsen isfc tritt er in das Haus des Judenvolkes u. s. w. (wie S. 131 oben). [Z. 10] Er zeigt ihnen Zaubergestalten, an die sie glauben. Er zieht ihnen einen gefarbten Rock (sa^s iws) an und scheert ihnen eine Tonsur (srT-;) . .. . [Z. 13] nnd spricht: „Ich bin der wahre Gott, den micli mein Vater hierher gesandt! Ich bin der erste Gesandte und ich der letzte! Ich bin der Vater, ich bin der Sohn, ich bin der Heilige Geist, der ich von der Stadt Nazaret\') ausgegangen bin . ... [Z. 19] Von den Dajwa\'s, die mit ihm sind, lasst er [Etliche] in einen Todten eingehn. In dem Todten reden sie, und er ruit den Juden und spricht zu ihnen: .Kommt, selit: ich bin der Todtenerwecker und der Bewirker von Auferstehungen und Edösungen: ich bin Anös-Nasó-raja!\'1) — [Z. 22] Darauf lasst die Euha ihre Stimme in Jerusalem erschallen und spricht ihm Zeugniss ....

R. 57, 4: Dann in jenem Zeitalter wird geboren ein Knablein, und sein Name wird genannt Jöhana, Sohn des greisen Vaters Zakria (\'t sssd sas-der ihn im Greisenalter bekam. An der Grenze2) von hundert Jahren ist seine Mutter Inesbaj mit ihm schwanger, ein Weib im Greisenalter gebiert sie ihn. Wenn Jöhana in jenem Zeitalter Uraslam\'s anferzogen, ist Glauben in seinem Herzen, und er nimmt den Jordan und tauft die Taufe 42 Jahre bevor Nbu den Körper anzieht und sich in die Welt begiebt. Und wenn Jóhana in jenem Zeitalter Uraslam\'s den Jordan nimmt und die Taui\'e tauft, kommt Isu-Msiha, in Demuth begiebt er sich, mit der Taufe JóhamVs wird er getauft, und von der Weisheit J.\'s unterwiesen. Dann verdreht er das Wort des J. und verandert die Jordantaufe und verdreht die Reden der Geradheit, und ruft Frevel unci Tauschung in der Welt hervor. — [Z. 16] An dem Tag, da des Joh. Mass erfüllt ist, komme ich selber zu ihm und erscheine dem J. als ein kleiner Knabe von 3 Jahren und 1 Tag und befrage mich bei ihm (famp;^sirw) über die Taufe und belehre seine Freunde. Darauf lasse ich ihn aus dem Körper gelm unci erhebe ihn in Reinheit zu der Welt die lauter Glanz, und taufe ihn in dem weissen Jordan des lebenden und prangenden Wassers, ich bekleide ihn mit den Glanzkleidern und bedecke ihn mit der Lichtkrone, und richte ihm Lob-preis auf in reinem Herzen von dem Lobpreis, damit die Lichtengel ihren Herrn in Ewigkeit und ohne Auf horen preisen. — Nach Jóhana wird die Welt [58] in Lüge stehn, und der Betrüger3) Msiha vertheilt die Völker, und 12 Ver-führer begeben sich in die Welt; 30 Jahre [lang] erscheint der Betrüger in

der Welt (Inc. Hl, 23?)----

R. 58, 8 Und wann der Grosse es will, begiebt Anos-Utra sich her. Er klart auf über die Lüge des lügnerischen Isu, der sich den Engeln des Lichts gleich macht, er überführt den lügnerischen Betrüger Msiha der Schuld, den Sohn des Weibes, das nicht vom Lichte war, dass er einer von den 7 Ver-führern ist, die in die Welt kommen . . .4) Er straft den Betrüger Msiha Lügen,

228

1

NP]—a Der Ortsname ist den Mandaern übrigens ganz unbe-kannt geblieben: sammtliche 4 Hss. Petermanns haben nsau-:.

2

Diese Bedeutung hat hier wohl sri Vy. Interpunction nicht ganz sicher.

3

n-nsi-i nur r. 54, 20 und 58 fünfmal; immer vom Msiha. R. 58 hat cod. D dreimal s%s)sn. Nöld. 121, cf. 18 giebt es für lautliche ümformung von s;»? „wenn es richtigquot;\' (vgl. „Trug Nöld. 123). Es heisst auch ,,Römer .

4

s-rs- nquot;quot;Eei-a inï „der in seiner Sphere herrschtquot;, soil heissen; über den ihm zugemessenen Zeitraum.

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L. Der Elcliasaismus. Verhaltniss desselben zur ebioniiischen Gnosis. 229

unci durch die Hand der Juden wird er gebunden: seine Verehrer binden ihn, und am Kieuz wird er gekreuzigt und sein Körper getödtet, und seine Verehrer zerstückeln ihn. Und er wird gebunden auf dem Berg des Herrn: wenn die Sonne aufgeht, liisst sie von ihrem Brande auf ihm, der Irrthum und Ver-folgung in die Welt wirft.

L. Der Elcliasaismus. Verhaltniss desselben zur ebionaisclien Gnosis.

Die elchasiiische Lelire, welche im 3. Jahrhundert dem Occident be-kannt geworden, hat (wie sich unschwer erkennen liisst) nur einen gelegent-lichen Anstrich von Christenthum. Dass der Autor die Ofi\'enbarung von dem „Sohne Gottes\', der nebst dem Heiligen Geist ihm erschienen sei (Bpiph. haer. XXX, 17), empfangen haben will, und den in immer neuen Personen erscheinenden üffenbarungsmittlerChris tus nennt, sind ganz unwesentlicheConcessionen an die christliche Gemeinde, die zu gewinnen er ausgezogen ist. Vom Judenthum sind hingegen alle wesentlichen Punkte eingeschlossen: das Leben nach dem Gesetz, Sabbatfeier, Beschneidung, Gebetsrichtung nach Jerusalem, und der Messias: der „grosse Königquot; neben „Gott dem Allerhöchstenquot;. Daran zeigt sich, dass dieser Elchasaismus entschieden Judenthum sein wollte. Ausdrücklich aber setzt er Taufen an die Stelle der Opfer, und durch die Lehre von der periodischen Wiederkehr des Propheten der Wahrheit soil gewiss diese Neuerung ohne Mose und den Alten etwas zu vergeben befestigt werden. Die Idee ist gar nicht semitisch, sondern zuniichst buddhistisch. — Nach dem Allen liegt bier eine mit Hülfe dieser Idee und des Taufcultus entworfene Reform des Judenthums vor, von der man sagen darf, dass die Zeitlage sie herausgefordert hatte und allen friedliebenden Hebraern empfahl: die Opferstatte war ja von den Römern besetzt, und diese Lehre machte die Wiedereroberung unnöthig.

Nach Philos. IX, 13 (Cruice p. 447). wo die christianisirende Einführung der beiden Riesenengel den Text verwirrt bat, zu urtheilen, sagte meines Krachtens der ursprüngliche jüdische Autor öixcuoq) über den Ursprung seines Buches aus, es sei ihm aus Sera in Parthien (d, h. soviel wie: weit, weit her) durch einen gewissen Sofiiaï\' übermittelt worden. Demgemass ist Elchasai (bezw. der Pseudonymos) nicht selbst ein Sabier, sondern wirklich ein Jude gewesen, der ent weder im Ostjordanland, oder an einer Karawanenroute im nördlichen Syrien seine Heimath liatte, wo er mit Gebriiuchen und Ideen der ^ bekannt geworden war, die ihm einen trefflichen Ersatz für den ïempelcultus seiner eigenen Religion zu bieten schienen. Auf welchem Wege dann sein Name, und was etwa von seinem Judenthum bei den euphraten-sischen Taufern, den Mughtasila, Eingang gefunden haben mag, entzieht sich der Nachforschung.

Den wiederholten Aussagen des Epiphanius von allerhand jüdischen Secten an der östlichen und nördlichen Peripherie des alten Kanaan, die sich von dem Elchasai hütten „bezaubernquot; lassen, liegt wohl die Thatsache unter, dass die elchasaische Reform bei den Juden in Syrien vielfach Eingang gefunden hatte.

Erst nach diesem Erfolg haben Proselyten dieses Reformjudenthums, wie

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Beilagen.

der Philos. IX, 13 bezeugte Alkibiades z-wischen 220 und 230 n. Chr. in Rom, es auch über die Cliristenheit zu erstrecken versuoht. Der grundsatzlich an der alttestamentl. Religion festhaltende Tbeil derselben hat sicb so gut wie ganz dem Elchasaismus ergeben. — Die pseudoolenientinische, überhaupt die ebio-naische Gnosis zeugt davon. Hier treffen wir auf die niandaisohe Lehre, dass die Menschheit von Anfang an im Besitz der wahren Religion gewesen sei: infolge einer Confusion des irdisohen mit dem urbildlichen Adam ist jener selbst Prophet. Hier das mandaische Taufen (NB. Heilungen verrichtet Petrus immer nur durch Handauflegung und Gebet): die Ausdehnung des Begriös vom Lebenden Wasser auf „Fluss, Quelle, allenfalls aueh das Meerquot; war durch die hydrographische Bescliaflenheit der meisten von den Juden bewohnten Lander geboten. Auoh findet sich hier die Reinigkeit ganz ahnlich ausge-bildet; ferner die feurige Natur hier der abtrünnigen Engel (hom. VIII, 18), wie dort der Planetengeister und „mangelhaften Engel-\'. Die Stellung im Juden-und Christenthum brachte die Anerkennung der Ruha mit sich: sie gilt für die nach Aussen sowohl schöpferisch als offenbarend sich bethatigende Seite der Gottheit. Die Askese dieser Gnosis ist wohl aus dem Aufenthalt der jüdisch Frommen in dem Land der Unbeschnittenen zu erklaren.

Die einzelnen Belegstellen sind jedem Sachkundigen gewilrtig.

M. — Dr. Kessler über die Mandaer.

Im Folgenden sind mit E. die Seiten und Zeilen des Kessler\'schen Artikels in PRE2 IX angedeutet, mit S. die Seitenzahlen vorliegenden Werks, wo Kesslers Ansichten zur Sprache gekommen sind.

K. 207, 37—39 „Uebrigens .... enthaltenquot; ist falsch. — K. 207 f. über das Religionssystem S. 2S Anm. 2, S. 184 Anm. 2. — K. 208, 30 falsch übersetzt. — K. 208, 40 „ein geistiges Wesenquot; S. 41. — K. 208f.: S. 41 Anm. — Auch ist die Vereinerleiung des Lichtkönigs mit dem Ersten Leben nnstatthaft: S. 40.

— K. 209 f. „Lebensgeistquot;: cliese Bezeichnung kommt in der mand. Literatur nicht vor. — Identitat des M. d\'H. mit Maruduk S. 183. — Incarnationen S. 156 Anm. 3. — K. 210 Herleitung von Abatur S. 51 vgl. Nold. 182 Anm.

— Den Beinamen „der Wachterquot; hat Abatur nicht, sondern Partic. pass.

— K. 210, 36 „nehmt euch Weiberquot; mand. sist ai:i! Ferner sind hier Kessler\'s Angaben aus den verschiedensten Tractaten willkürlich zusammengeworfen. — K. 211 f. über die Planeten; ganz nach Petermann: S. 61 Anm. 2 und S. 62. — Qibla S. 70 Anm. — K. 212 über Msunê kusta, Pharao und die Egypter: nicht nach den mand. Urkunden; — das Geschichtsbild ungenau (S. 156 Anm. 1) und gemischt. — K. 213, auch EB XV, 469: die Juden sollen Joh. den Taufer ge-tödtet haben: rein aus der Luft gegrift\'en. — In der Kuppel der Umajjaden-Moschee zu Damaskus „glauben die Mandaerquot; werde das Haupt Joh, des Taufers aufbewahrt: ist nicht wahr. Dieser Glaube ist bei den Moslem verbreitet, vgl. Chwolsohn II, 216. 546. 552. 761, und demzufolge meinte der Priester in Süq, das Grab des Joh. sei entw. in Jerusalem oder in Damaskus (Peterm. Reisen II, 455). — K. 213 die Endzeit: ohne Rücksicht auf die Urkunden S. 160 Anm. 1.

— K. 213 ff. theils nach Peterm., theils nach Siouffi. — K. 215 die Sacramente nach Siouffi; über die Besprengungstaufe ebenso missverstandlich, S. 102; —

230

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N. Berichte aus dem XVII. Jahrhundert. Composition der Narratio. 231

das MambuM S. 110 Anm. 4; — das „Opferquot; einer Taube S. 118f. — K. 215f. Feste, Fasten\'etc. ganz nach Siouffi, —K. 216 Polygamie S. 85 f. Anm. —K.217 Starkeangaben: 20,000 Familien S. 4f.; — 1500 Seelen: hier hatte K. sich an Siouffi halten sollen, vgl. S. 8. — K. 219, 2 „aus Eigensinnquot; — wc stebt das? — Christen sei der üebertritt zur mand. Gemeinde gestattet: nach Peterm. Reisen II, 459; vgl. jedoch S. 89. — Der „biblische Namequot; des Jordan S. 66 Anm. 2. — K. 220 die mand. Taufe diene der Gnosis etc. S. 171 Anm. 1. — ürsprung der mand. Taufe S. 186. — Die Umschrift der mand. Namen ist meist fehlerhaft. —

Auf Kessler\'s Mani, I habe icli bei der Revision des zehnten Bogens (S. 157 Anm.) zuerst Rücksicht nehmen können. Ich bemerke, dass auch diesei Philologe vor. herleiten will (das. S. 32 ff.) und wundre micli nur, dass ihn das radicale ^ gar nicht kümmert. Die Gleichsetzung von Mani mit dem mand. Milna scheint mir auch noch sehr gewagt.

Dass die Mandaer ebensowohl nach Hibil oder Sitil als nach Anós genannt werden könnten (S. 314), dürfte nach meinem 4. Capitel nicht mehr behauptet werden. Die Verwandtscliaft mit den Sethianern finde ich überhaupt nicht grosser als mit andern gnostischen Secten (deren Sonderexistenz übrigens durch Dr. G. Salmon\'s Untersuchung sehr fraglich geworden ist, vgl. Theol. Literatur-zeitung 1885, Spalte 506).

Das Qolasta als ,,ein Compendium der vornehmsten eschatologischen Lehren zu kennzeichnen (S. 71), ist natürlich unstatthaft. Die Uebersetzungs-probe auf S. 249 f. beweist durch ihre zu vielen Fragezeichen und Irrthümer, dass weder die Grammatik (f:;quot;! fts-öï, S^TSirt!) noch die Voc^beln (snw, soss, k,\'i;nö s\'-squot;gt;-!) Herrn K. geliiufig sind.

Nquot;. Berichte aus dein XYII. Jalirlumdert. Composition der Narratio.

Wahrend des Druckes sind mir nachstehende drei Reisebeschreibungen in die Hande gekommen, wohl die altesten unter den europaischen, in denen von den Mandaern berichtet ist.

I. Viaggi di Pietro della Valle il Pellegiino . . . Descritti da lui me-desimo in Lettere familiari. . . all\'erudito suo Amico Mario Schipiano. Der quot;Verf. starb wahrend der Drucklegung des ersten Theils (La Turchia, Rom 1650\')); seine Hinterbliebenen gaben 1657 den zweiten zur Presse; La Persia, in 2 Theilen, Rom 1658. Ein dritter. La India 1662 (?), steht mir nicht zur Verfügung. Der vom Verf. beabsichtigte 4. Theil, der Illustrationen über das ganzc Werk ent-halten sollte, ist m. W. nicht erschienen.

Della Valle, ein römischer Nobile, hielt sich zwölf Jahre (1614—1626) im Orient auf. Er war von Bagdad auf dem Landwege nach Ispahan gereist

1) Das Imprimatur ist vom 21. Sept. 1649. Vgl. übrigens die Mittheilung des Herausgebers Biagio Deversin im ersten Bande des 2. Theils.

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Heilagen.

und sclion langer als 5 Jahre in Persien, als er am 23. Juni 1Ö22 in den Garten von Siras den S. 175 Anm. erwahnten Bettler auf- und in seinen Dienst nalim. Dies und anlasslich desselben Nachsteliendes über die Mandaer berichtet La Persia II, 412—414. — Es sei eine Art cbaldaischer Christen, die „sich unter einander M e n a d i nennenquot;; sie wobnen namentlicla in dem Gebiet Kiumalawa unweit Howeise, viele audi in Basra und in den persisoli-türkischen Naolibar-landern, und schreiben die von ihnen gewöhnlicli gesprocliene cbald. Spracbe mit einem ganz eigenthümlicben Alphabet. Unter den Christen werden sie Sabbei genannt; ein gewisser Sabba solle die Secte gestiftet haben. Die Portu-giesen aber, welche da vicino mit ihnen bekannt seien, nennen sie Christiani di San Giovanni, weil sie nicht die von Christus eingesetzte, sondern nur eine „ombraquot; der Taufe haben, ahnlich derjenigen, welche laut dem Evangelium Johannes am Jordan seinen Jüngern ertheilte. Von diesen Jüngern, behaupten die Portugiesen, und della Valle meint „forse non malequot;, seien die Christiani Menadi Abkömmlinge; ihren Brauchen sei namlich, ausser dem Namen und anderem Anschein von Christenthum, viel aberglaubisches Ceremoniell beige-mischt: que hanno dell\' Ebraico! — Della Valle hat dies Alles wahrscheinlich von portugiesischen Missionaren, aber schriftlich: jenes Menadi ist für Mendai verlesen.

II. Les Voyages et Observations du Sieur de la Bo ullaye-le-Gouz, gentil-homme Angevin, Oü sont déorites etc., Ie tout enrichy de belles figures. Die Dedication der 1. Ausg. datirt Paris, 22. Juli 1652; ich benutze die vom Verf. selbst besorgte und erweiterte 2. Ausg. Troyes-Paris 1657. Nach Jölcher\'s Gelehrten-Lexicon II, 1105 f. ware derselbe, geb. ca. 1610, auf einer zweiten Reise, als Gesandter Ludwigs XIV. an den Grossmogul, zwischen 1652 und 1657 in Persien gestorben. Er war den 8. Mal 1649 in Basra angekommen. Von seiriem Aufenthalt daselbst erfahrt man Nichts,\') sondern nur, dass die Mehr-zahl der Einwohnerschaft „Sabiquot; seien, sonst gebe es in der Stadt Moslem, Hindu, Parsi und Armenier, ferner ein Kloster der barfüssigen Karmeliter mit italie-nischen Missionaren (ils ont toute liberté de disputer de la Religion, comme en Perse et aux Indes ürientales), eine portugiesische Faktorei und je ein Handels-haus der Londoner und der Amsterdamer Compagnie (p. 291 ss.). Dann folgen Cap. 44—49 über die Sabi (Mandaer), deren Anzahl in Basra und ümgegend sich auf 14—15000 Seelen belaufen, in den angrenzenden türkischen Gebiets-theilen aber nur gering sein soil. Dazu p. 303 vier werthlose Illustrationen: Taufe, Eucharistie1), Hennen- und Hammelopfer. Die interessanten Daten aus der jüngsten Geschichte der Mandaer (p. 297 s.) sind § 96 mitgetheilt worden. Das TJebrige stimmt im Ganzen, und oft wörtlich, mit der Narratio des Ignatius zusammen. — Ein Vergde ich dieser zwei gleichmlissig aus dem Kloster in Basra hervorgegangenen Berichte führt mich zu dem Ergebniss, dass die portugiesischen

232

1

Mit Rücksicht auf S. 107, Anm. 2 sei bemerkt, dass der Priester dem Communicanten sein (liingliches) Stück von einem grossen auf der Erde liegenden Brode mit einem Messer abgeschnitten hat. Alle sitzen am Boden.

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N. Berichte aus tlem XVII. Jahrhundert. Composition der Narratio. 233

Mönche in demselben eine Beschreibung der Mandaer Lintei-lassen liatten, welche hier aufbewahrt und von le-Gouz ausgezogen wurde,1) wahrend Ignatius dieselbe unter Verwerthung spaterer, wahrscheinlich eigener, Beobachtuagen überarbeitet hat. Für sein Capitel de Erroribus und den Discursus hat Ignatius noch lediglich jene Beschreibung zu Rathe gezogen, Capitel 11—XIV aber einige mal diesen Faden losgelassen. Auf Grund der christologischen Angaben behauptet le-Gouz gradezu, trotz dem Hass gegen Muhammed, der Qoran werde bei den Mandaern heilig gehalten: Ignatius hat Cap. II—XIV die betr. Angaben unterdrückt. Selbstandig ist Ign. namentlich iiber die Taufe: vgl. Beilage H II, welche das Verhaltniss gut illustrirt. Cap. 11 ist das ursprüng-liche Anfangscapitel der Bearbeitung des Ignatius; Cap. I ein anderes, welches er erst nachtraglich neben jenem aufnahm: es berichtet den ehemaligen Zu-sammenhang mit den babylonischen Christen und den Namen Sabbi, der Name Mendai laia wird hier ganz wie im 2. Cap. noch einmal erklart, die Johannes-jiingerschaft aber bloss im 1. Cap. als eine nur angebliche betrachtet.

III. Suite du Voyage de Levant; Dans laquelle etc. par Monsieur de Thevenot, Paris 1G74. Es heisst auf dem Titel noch Seconde Partie, ist aber erst nach dem ïode des Reisenden aus dessen Naehlass von einem Sieur de Luisandre für den Druck hergerichtet (s. das kgl. Privileg). Hier ist p. 324—328 von den Sabéens gehandelt. Jean Thévenot hat vom 17. Oct. bis zum 6. Nov. 1665 in dem Karmeliterhause gewohnt, wo derzeit nur ein einzelner italieni-scher Mönch anwesend war. In dem Haus, von dessen Terrasse die Kreuzes-fahne wehe, erzahlt Th., sei die Kirche, und diese stehe nicht nur alien Franken, sondern auch den armenischen und nestorianischen Christen zum Gebete otfen. Der Pascha oder Fiirst beziehe von den Mönchen jahrlich ein Geschenk. Th. giebt einen kurzen Auszug aus Ignatius, in Einzelnem Naheres, so die 7 Stücke der priesterlichen Kleidung und eine neue üebersetzung der Taufformel, vgl. Beil. H 11. Persönlich hat er am 2. November „le sacrifice de la Poulequot; angesehu, und zu dieser Gelegenheit die Mandaer nach ihrem Kalender befragt. Hervorzuheben ist p. 324: ,,..vn dés leurs qui s\'est fait Catholique Remain, et qui est vn de ceux qui allèrent a Rome il y a quelques années, m\'a asseuré qu\'ils tiennent vn peu des Chrestiens, vn peu des Turcs, vn peu des Juifs, et vn peu des Gentils.quot;

1

Von den dermaligen Insassen des Klosters rühren einige Bemerkungen her, wie p. 297: „ils ne sont nullement Chrestiens, quoy que les Portugais les appellent Chrestiens de Sainct lean Baptistequot;.

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Zusatze und BericMigungen.

S. 2, Z. 20; mit ê, füge liinzu: oder i.

S. 3, Z. 9 und 12 anstatt Jahia lies: laia. — Ebenso in dem citirten Latein überall I anstatt J.

S. 3, Z. 4 von unten tilge: d\'Hajê.

S. 5, Z. 17 f. Nach. Chwolsohn I, 33 hat Abr. Eccliellensis nur mit den nacli Rom geschickten Mandaern verkehrt, von denen auch Thévenot weiss, siehe Beil. N am Ende.

S. 6, Anm. 2 ist nach Beilage N zu verweisen.

S. 7, Z. 25 Prof. J. H. Petermann ist am 10. Juni 1876 gestorben.

S. 7, Z. 27 und S. 15, Z. 25 lies: Süq es-Siuoh.

S. 10, Z. 5 Siouffi schreibt Chkando, Im Genza, sowie Qol. 4, 13 etc. ist

es mit ga, nicht mit ka geschrieben, also besser éganda.

S. 13, Z. 20 Der zweite Titel des QolastS, ist genauer: Gesange und Vortrage (scoN-yri !lt;-:s-:ï) von Taufe und Masiqta; Euting verdeutschte KrpBSW anstatt srp-ss-s.

S. -15, Z. 19 Die Uebersetzungsproben, welche Petermann in der Beilage zum 2. Band seiner „Reisen im Orientquot; mittheilt, entsprechen der Erwartung, die man hegen mochte, nicht. Ausser den S. 99, S. 186 und S. 214 (in den Anmerkungen) erbrachten Beispielen vergleiche man a. O. 458 die Worte „■wer aber auf Wucher giebt, wird dessen beraubt werden\'. Der mand. Text hat srBrra ss-b-s-st isa „jeder der leiht, dem wird\'s vergolten\'; (oben S. 85, Z. 4). Petermann ist auch hier Norberg gefolgt, vgl. Cod. Nas. I, 31 „qui fenori rem dederit, ea privabiturquot;, was den mandaischen Ausdrücken nicht gemiiss und dem Context durchaus entgegen ist. — Die Zahlung von vier falschen Propheten {Reisen II, 453 tt\'.) kann m. W. nur auf der irrthümlichen Auffassung Norbergs beruhen, der Cod. Nas. I, 11quot; zweimal für quartus anstatt arabs bietet.

S. 16, Z. 23 ff. und S. 119 f. ist nach Beilage F. zu verweisen.

S. 22, Z. 10 srsrss. Mit Recht bemerkt Petermann, Reisen II, 448, dass zu-weilen Wohnungen und zuweilen persönliche Wesen zu verstehen sind, vgl. Beil. D. — Zu s--t vgl. S. 186 Anm. 4.,

S. 23, Z. 22 tilge: einfach. Das Verschwinden des radikalen ja (^) ist bedenk-lich, wenn auch nicht ohne Beispiel, vgl. Nöld. 129 und 133.

S. 35, Z. 1 vor „undquot; schalte ein: „des lebenden Wassersquot;.

S. 35, Z. 3 anstatt: (und schon 79, 20) lies: (79, 20 und 80, 17 ist ss:s:quot;r „Rauclr\' herzustellen). — Auf der letzten Textzeile statt 99, 17 lies: 98, 17.

S. 38 Anm. vergleiche S. 154.

S. 42, Z. 9 „der sich auf seinen Namen stellequot;. Wahrscheinlich ist für zu lesen n:srs, also: „der über seiner Natur stehequot;.

S. 43, Z. 22 anstatt: Adlersklauen lies: Adlersflügeln.

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Zusatze und Berichtigungen.

S. 43, Z. 2 von unten lies s-^stns.

S. 44, Z. 25 anstatt „Wohnortequot; lies „Bewohnerquot;, vgl. Qol. 1, 20. 22.

S. 46, Z. 2 von unten; demnach rait lies: demnacli (uiit

S. 47, Z. 9 lies: Ajar-Zrva; Zeile 30 tilge: noch.

S. 50, Z. 12tt\'. Der Zusammenhang r. 296 f. ist mir nicht klar. Die erste Schöpfung betrifft wohl gar nicht die Tibil-Erde. Nach 297, 7fF. begeben sich .,die Söhne des Zweitenquot; in dessen Auftrag an die ausserste Grenze aller Weiten und Wohnsitze, „und liessen sich nieder und riefen hervor und steckten die Grenze ab (?) der weissen Erde, aber es gerieth ihren Handen nicht eine Glanzerde wie die Ajar-Erde hervo\'rzurufen. Sie riefen hervor und gestalteten alles Ding am Anfang (3—= local wie 381, 17), und riefen hervor 4 gegürtete Milnner, und riefen hervor die 4 Friedenssöhne. Als Bhaq-Utra die Welt hervorrief (heisst\'s dann weiter) und er schuf sie als seine zwei Brüder nicht bei ihrn waren etc.quot; Ueber „die 4 Manner, die Friedenssöhne, welche ausgehn den Guten entgegenquot; (Qol. 40, 13 f.) und „den Nasóraja\'s Handhalter sind, Handhalter und Stütze vom Orte der Finsterniss zum Orte des Lichtsquot; (r. 322, 13 f.), vgl. r. 195, 14 f. in Beilage G, und S. 80 die „vier Söhne des Lichts\'.

S. 50, Z. 22 anstatt: das [an] lies: [an] das.

S. 5), Z. 4 Babigar: -.s;-zs-, auch etc., sehr gewöhnlich in den Notizen

der Abschreiber \'-n, ist s. v. w. „demüthiger Sklavquot;, entstanden

aus «pis „Erd\' am Fussquot;, Nöld. 79.

S. 51, Z. 30. Erst Qol. 22, 24 finde ich kiimsi unzweifelhaft für Abatur.

S. 53, Z. 4 von unten: „wirbelte in der Weltquot; vgl. Peterm. Reisen II, 453: „Petahil gab nun dem Salomo .... eine Wolke, auf welcher er in der ganzen Welt sehnell herumfliegen konntequot;.

S. 56, Z. 24 lm Genza ist die Welt des Ptahil keine andere als die von uns bewohnte.

S. 58 f. und S. 106, Z. 5 ist nach Beilage B zu verweisen.

S. 71, Anm. 1. Ohne Zweifel auf die Mandaer bezieht sich eine Stelle aus al-Birüni\'s Chronologie orientalischer Völker (geschr. ca. 1000 n. Chr.). herausg. von Ed. Sachau, Lpz. 1878, S. 206 (bei Kessler, Mani I, 313 f), worin es u. A. heisst: „sie wenden sich beim Gebete nach dem Nordpol. die Harranier aber dem Südpol zuquot;.

S. 75, Z. 15 anstatt: üntergang (auch bei Norberg) lies: Mischungsborn oder etwas Aehnliches, vgl. S. 200 Anm. 1.

S. 81, Z. 9. 33. 35 füge zu „lestquot;, „gelesenquot;, „liestquot; resp. „oder sprechtquot;, „oder gesprochenquot;, „oder sprichtquot;.

S. 85, Anm. 1 füge hinzu: R. 19, 2 f. sa-aï sirai •j-noTss spricht hingegen dei-Context dafür, „Nehmt nicht schnöden Wucherquot; zu verstehen, ist also wohl herzustellen.

S. 91, Z. 12f. Parwanajja steht als Monatsname in den Notizen der Abschreiber, z. B. 395, 7. Pantscha erkliirt Kessler PRE2 216 aus dem Persi-schen.

S. 94, Anm. 1 füge hinzu: vgl. Beilage H, IV.

S. 100, Z. 28: ilhnlicher, lies: anderer.

S. 102, Anm. 1 füge hinzu: Qol. 18, 27.

S. 104, Z. 17 anstatt: 2G. Tr. r. lies: 36. Tr. r.

S. 107, Z. 21 ft\', anstatt: „ruf .... Bittenquot; lies: „sprich .... Gebete.quot;

S. 110, Z. 28 ■jsrxra: in den Gebrauchsanw. frequenter Sprachfehler für ■psra.

S. 117, Z. 18 ist noch hinzuzufügen Qol. 19, 25.

235

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Zusatze und BericMigungen.

S. 119, Z. 31 von unten; Diese manichilische Ansicht ist audi von Ephraem. Syr. (Opp. selecta ed. Overbeck, Oxon. 18C5, p. 68—72; bei Kessler, Mani I, 285 ff.)gt; Epiphan. haer. LXVI, 9 und Abu\'lfarag (bei Flügel, Mani 233 f.) bezeugt.

S. 122, Z. 1. Der „Baumgartenquot; im 2. Liclitkönigstractat zeigt, wie fremd den Mandaer die Idee, dass die ersten Menschen im Paradies gelebt haben, anmuthete. Er hat dies in irgend einem jüdischen oder christlichen Text gelesen, aber aus dem rs:quot;; ein rs;-; gemacht!

S. 127, Z. 22: sollten, lies; wollten.

S. 173, letzte Zeile anstatt; § 115, lies: vgl. Beilage F.

S. 179, Z. 16 ^^ y Ich will hier doch eine Stelle aus dem Buch Ju-chasin des Abraham ben Samuel Zaküt (geb. 1504 in

Salamanca) nachtragen, die mir in der Ausgabe der Hebrew Antiquarian Society (von H. Filipowsky, London und Edinb. 1857) p. 244a aufgestossen ist. Nachdem der gelehrte Autor von Johannes dem Taufer \'quot;O ge-

handelt, und Einiges über die Secten jener Zeit mitgetheilt hat, sagt er zuletzt: nva cni a-pts =na B\'s-.n d-siss rm.

Eine Inconsequenz ist, dass ich zu Masbuta nicht wie zu allen andern mand. Nennwörtern in deutscher Rede den sachlichen Artikel gesetzt habe.

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Kleinere Versehen sind, class in den ersten Bogen den mit dem Haupt-wort Ziwa combinirten Eigennamen der Verbindungsstrich fehlt. Leichte Druck-fehler, wie S. 1 und 2 allmiihlich ohne h, S. 8, Z. 5 hatte, lies: batten, S. 11 unten: berücksichtigt, S. 56 Mitte: compromittirende, S. 103, Z. 2/: Kind-, lies: Kinder-, S. 107, Z. 3: Ego te baptizo, einige mal S anstatt S, wahrend auch sonst vereinzelt Kommata, Punkte, Htttchen und Hakchen abgesprungen sind etc., wird der Leser selbst zu verbessern wissen.

Druck von August Pries in Leipzig.

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