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C H A R O S.
EIN BEIT RAG ZUR KENNTNISS
DES
NEÜ6EIECHISCHEN V0LKSÖLAUBEN8
VON
D. C. HESSELING.
|
LEIDEN, S. C. VAN DOESBURtfH. |
LEIPZIG, O. HARRASOWITZ. |
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C 11 A R O 8.
RIJKSUNIVERSITEIT TE UTRECHT
1902 2064
Camp;L. lamp;OM* '
C H A R O a
EIN BE1TMG ZUR KENNTNISS
DES
NEUGKIECHISCHEN TOLKSGLAUBENS
VON
D. C. HESSELING.
LEIDEN, ; LEIPZIG,
S. O. VAN DOESBURGH. O. HARRASOWITZ.
JEAN PSICHARI
FREUNDSCHAFTLICHST GEWIDMET.
VERZEICHNISS EINIGER ABKURZÜNGEN.
Achilleis = aiyy-jtris tov W. Wagner, Trois poèmes
grecs du moyen-age, Berlin 1881, S. 1 ff.
Aravantinos = quot;ZuKXoyvi ua-y.xruv rij; 'W—eipcu utto 'Apx-
fixvrivov, Athen, 1880.
Asin. Lup. = rxhxpcv, ï.ukov y.i x?.ov-oli: ccpxïx. W. Wag
ner, Carmina graeca medii aevi, Leipzig 1874, S. 124 ff.
Apok. = 'ATróxsTrc: toü MTripyxlij. Legrand, Bibliothèque grecque vulgaire II, Paris 1881, S. 94 ff.
Belis. II = 'Vipixiïx ~sp] 'üegt;.i7xplou. Wagner, Carmina, S. 348 ff.
Belth. = ar/iy/in; s^xtpsro: Ht/JxySpcj tsv 'Pupixiov. Legrand, Bibl. gr. vuig. I, S. 125 ff.
Cypr. = Kyprische Liebeslieder. Legrand, Bibl. gr. vuig. II, S. 58 ff.
Digenis IV = Sr/iyy^i: upxiOTKTy tcu xvhpsiuiJt,hou Ar/svij. Lambros, Collection de romans grecs, Athen 1881, S. 110 ff.
More = Der Roman von Flore und Blancheflor, herausgeg. von Immanuel Bekker, Berlin 1845.
Imb. I. = Imberios und Margarona. Legrand, Collect, de monum. N. F. III, Paris 1874.
Imb. II. = Imberios und Margarona. Lambros, Coll. de rom. gr. S. 239 ff.
Imb. III. = Imberios und Margarona, Legrand, Bibl. gr. vuig. I, S. 283 ff.
loannides = 'Ivroplx TpxKs^ovvTog -jtto 'laxvvfèou. Constantinopel 1870.
Kallimachos = Ta y.y.Tx KxMl/txxov y.x] XpuToppó'/jv spaiTixov Lambros, Coll. de rom. gr. S. 1 ff.
Ly bistros = Tx xx-jc AufSicrpov y.x) 'Pohxiivyv. Wagner, trois poo-mes, S. 242 ff.
Mich. Stren. = Geschichte Michaels des Tapferen. Legrand, Bibl. gr. vuig. II, S. 183 ff.
Missa = Die Messe des Bartlosen. Legrand, Bibl. gr. vuig. II, S. 28 ff.
Morosi, Otranto = Studi sui dialetti greci della terra d'Otranto, Lecce 1870.
Papazafiropulos = n£pi(7uvxyuyif yj.aatiy.ijc y.x) èölpuv toü Ia-tyvikoü Xxov, 'jtto 11. uxtrx^xcpsipottov/m, Patras 1887.
Passow = Popularia carmina Graeciae recentioris, Leipzig 1860.
Pellegrini = Nuovi Saggi di romaico otrantino. Supplemecti periodici all' Archivio glottologico italiano, Terza Dispenamp;a, Turin/Rom 1895, S. 1 ff.
Pestil. = 'Eppxvovyh Vsupyi/Xx to öxvxrixhy Tij: Ps'Ssu, Legrand, Bibl. gr. vulgr. I, S. 203 ff.
Pi kat. = 'Iwxvvcu Wiy.xTQpov tov sx 'Py/juy.yy: Troivftx sU tóv
Ttiy.ph'j y.x) xxópsïTov xSyy. Wagner, Carmina, S. 224 ff.
Puell. juv. I = Die Verfiihrung. Legrand, Ree. de chans. pop. S. 20 ff.
Puell. juv. II = 'Py,uxTx KÓpys y.xA véov. Legrand, Bibl. gr. vuig. II, S. 51 ff.
Rbod. Liebesl. = ry,: xyxiryic, herausgegeb. von Wag
ner, Leipzig 1879.
Sachl. = Vpx^x) y.x) lt;7Ti%ci y.x) spff/ivsTxi, 'én y.x) x^'/iy^sis xupav 2,zs3xvcu toü quot;Lxx^xy,. Wagner, Carmina, S. 79 ff.
Sakell. = Tx Kv-pixxx, v-h a. quot;Zxy.s'/.Xxpiou. IIfiiquot; Theil, ■/, sv Kvnptc yïMGGx, Athen 1891.
Sen. puell. = lisp/ yspovto: va trxpy, y.opiTtri. Wagner, Carmina, S. 106 ff.
Xen. = Ilfpquot;; tï,: ^svirsl»?. Wagner, Carmina, S. 203 ff.
CHAEOS.
Es wird in dieser Studie versucht werden nachzuweisen aut' welchem Wege und unter welchen Einflüssen die volksthümliche Pigur des altgriechisehen Fiihnnauns der Unterwelt geworden ist zu dem machtigen Gott des Todes, der in. den Volksliedern des heutigen Griechenlands als eigenhilndig den Menscheu die Seele entreissend erscheint und namentlich ot't als r e i t e n d dargestellt wird. Eine kurze Übersicht und Prüfung der wichtig-sten bisher geiiusserten Meinungen über diese Frage müge als Einleitung dieser Untersuclmng vorangehen.
Viele haben in dem etruskischen Charun den neugriechischen Charos gesehen. Gerhard (Abhandl. d. Berl. Akad. 1845, S. 533, 572) und Maury (Journ. d. Savants 1869, S. 562, danaeh auch Daremberg und Saglio, Dictionn. des Antiq. s. v. Charon) dachten dabei an einen nichthellenischen, nordischen Eintluss, welcher die Vorstellung eines roiteuden Todesgottes zu den graeco-italischen Vólkern gebracht hiltte; in neuerer Zeit hat man angenoinmen dass der etruskische Charun auf einen Zusammenhang mit ur-
1) Eine ausfübrliohe Charakteristik findet man bei Schmidt, Das Vulksleben der NeugTiecheii und das bellenisobe Altertbum (Leipzig 1871), S. 222 ft'.; eine zusammenfassende Darstelluug; giebt Legrand, Recucil de chansons popn-laires grecijues (Paris 1874), S. 33 ft', der Einleitung. Die einzelnen Cbarakter-züge werden im Laufe dieser Arbeit besprochen werden.
alten griechischen Vorstellungen hinweist, welche zwar ia Kuust und Litteratur der klassischen Zeit nicht bezeugt sind, doch, dank sci der erstaunlichen Lebenskraft des nationalen Elements ini niedern Volksglauben, in der heutigen Volksdichtung wieder an das ïageslicht getreten seien. „Charon als Barkenführerquot;, sagt Milehhöfer (Die Anfünge der Kunst in Griechenland, Leipzig 1883, S. 235), „dürfte in der That, nur eine, poëtisch und künstlerisch bevorzugte, Seite desselben darstellen.quot; Auch von Duhn (Archaeol. Zeit. 1886, S. 5) sieht in dem neugriechischen Charos den ehrwürdigen Rest einer uralten Iladesvorstellung, zu ïage gekominen ,aus einer tieferen Schicht des Volksglaubens nach quot;Wegrasirung der oberen Lagenquot;; für Schmidt (Griechische Marchen, Sagen und Volkslieder, Leipzig 1877, S. 52) ist „die etruskische Bedeutung des Charon als Todea- und Unterwelts-gottes auch die ursprünglich griechischequot; '). I ber die Verwandt-schaft des etruskischen Charun mit dem neugriechischen Todes-daemon hat schon Ambrosch gehandelt in seiner geistreichen und gelehrten, wenn auch wenig überzeugenden Schrift: de Charonte Etrusco (Breslau 1837). Der Fahrmann Charon ist nach ihm egyptischer Herkunft, hat aber in spiiterer Zeit, „non multo ante aetates Alexandrinas (S. 53)quot;, aut' der griechischen Bühne eine andere Gestalt bekommen und zwar die eines grausamen, tod-bringenden Daemons; er glaubt, dass die etruskischen Künstler „in Charonte suo nominando ac ftngendo non antiquum portitoren! sed scenicum ilium atque saevum psychopompum (S. 54)quot; vorgestellt haben. Von diesem in Griechenland zu ausgedehnter Function gelangteu „Charou scenicusquot; stamme auch der neu-griechische Charos (S. 54 Anm.). Ambrosch' Beweisführung ia Betreff des sceaischen Charon ist recht schwach und wird weder durch Litteratur- noch durch Kunstdenkmiller hiareichend gestützt: zudem ist es, wie Schmidt sehr richtig sagt3), schwer begreif-lich, „wie eine blosse Bühaenfigur so tiefe uad bis in dis Gegenwart hineinreichende Wurzeln im Volksglauben habe schla-gen können.quot; Dagegen ist es Ambrosch' Verdienst durch manche
1) Vergl. Politis, XeockXyjixit W-j'iohoyix (Athen, .1871—1874), S. 295 ft'.
2) Das Volksleben der Nougriechen, S. 224.
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Stellen bei spiitgrieehischen und lateinisehen Autoren nachge-wiesen zu haben, dass schon im spiiteren Alterthum die Bedeu-tung des Charon eine viel allgemeinere war. Der Umstand dass auf vielen etruskischen Denkmiilern Charuu mit seinem wider-vrartigen Ausseren vorgestellt wird als ein Pferd am Zügol führend, worauf der Verstorbene reitet (wiihrend in der Volks-dichtung der Todesgott immer selbst das Thier bestiegen hat), — dieser Umstand hat gewiss viel dazu beigetragen dass man den etruskischen Gott mit dein neugriechischen verglichen oder ihm gleichgestellt hat. Speziell über Charon als Reiter hat W. Purt-wüngler gehandelt in einem Constanzer Programm (1849): Der reitende Charon. Der Verfasser nennt die Piguren der indischen sowie der griechischen Mythologie welche reitend oder doch mit Pierden vorgestellt werden, und behauptet dass sie alle zum Tode in Beziehung stehen (S. 57). Das Pferd dient dabei keines-wegs für die Reise nach der Unterwelt, sondern es war „durch den Mythus gegebenquot; (S. 73), und der eigentliche Grund der Erscheinung des Pferdes muss gesucht werden „in dem intelli-genten und ahnungsvollen Wesen dieses Thieresquot; (S. 24). Her-vorgehoben wird ein homerisehes Epitheton des Hades,
(S. 19). Jn einem grosseren Werke, Die Idee des Todes in den Mythen und Kunstdenkmiilern der Grieehen (Preiburg im Breis-gau 1855), hat er denselben Gedanken ausführlicher begründet, diesnial jedoeh ohno naher auf den neugriechischen Charon zu-rück zu kommen. Nur erhebt er PJinspruch gegen Welckers Kritik seiner Erkliirung, welcher ihm vorgeworfen hatte dass er den homerischen y.KuTÓxa).os zu einem Reiter mache,
wiihrend doch im Epos weder Götter noch Menschen das Pferd als Reitthier benutzen. Er habe dies nirgends gethan; nur auf das Pferd, nicht auf die Art und Weise seines Gebrauchs habe er hingewiesen (S. 60 Anm.). Wir mussen dies dem Verfasser zugeben, glauben aber dass hiermit seiner ganzen Erkliirung der Charonfigur die llauptstütze genommen wird. Das einfache Vorkommen eines Pferdes bei andern chthonischen Gott-heiten genügt doch nicht zur Peststellung eines Zusammenhangs mit dem neugriechischen Charos. Beweiskraft würde nur die Vorstellung eines reitenden Todesgottes haben und ein solches
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Analogon ist so wenig bei den Griechen wie bei den Etruskern zu finden
In allen hier genannten Schriften ist man ausgegangen von der Ahnlichkeit des etruskischen mit dem altgriechischen Charon. Eine solche Ahnlichkeit ist in der That nicht zu verkennen; es giebt ja auch Abbildungen wo der etruskische Charun nicht als widerwartig und andere wo er mit einem Ruder, das heisst doch wohl als Schiffer, dargestellt ist'). Nur mochte ich fragen ob solche Vorstellungen nicht den Gedanken an griechischen Einfluss nahe legen, und ob es nicht wahrscheinlich sei, dass die Etrusker einem unterirdischen Daemon ihres eigenen Volksglaubens den Namen gegeben haben eiuer griechischen, znr Unterwelt gehörigen Figur, welche ebenso wie jener eine untergeordnete Rolle batte im Schattenreich. Der Beherrscher der Unterwelt ist den Etruskern nicht Charun sondern Mantus, oin strahlenbekranzter, gefiügelter Gott1). Als Nichtarchaeologe wage ich hier nicht zu entscheiden, doch will ich allein betonen dass die Ahnlichkeit zwischen dem etruskischen und dem nengriechischen Charon nicht so gross ist, dass sie allein zu der Annahme einer urspriinglichen Identitdt des altgriechischen und des etruskischen Charon berechtigt. Pern liegt es mir auch prinzipiell die Möglichkeit zu bestreiten dass, wie W. Furtwangler, Milchhöfer, von Duhn und Schmidt be-hauptet haben, der neugriechische Charos ein survival sei einer uralten Iladesvorstellung; in der Mythologie soil man überhaupt mit Glauben und Unglauben sehr vorsichtig sein und vie-les was in der Litteratur nicht nachzuweisen ist kann die Jahr-hunderte hindurch im Volksglauben gelebt haben. Es scheint
Gerhard, Über die Gottheiten der Etrusker, S. 532. (Abhandl. d. Berl. Akad. 1845, S. 517—580).
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mir abcr methodisch zu sein nur dann zu Erkliirungen aus dem «SjjAw zu greifen, wena alle Versuche sie im hzcprsJv zu finden scheiteren; Erscheinungen die erst in spilterer Zeit sich vorthun soli man doch e r s t versuchen aus Anschauungen die dieser Zeit angehören zu erkliiren. Diese Erwiigung zwingt mich auch die Erklilrung Brauns') abzulehnen, welcher auf Grund davon dass der etrnskische Charun oft mit einem Hammer bewaffaet •) dargestellt wird, den Ursprung der ganzen mythologischen Figur im Kult der Kabiren sucht. Diese Ansicht ist von keinem Andern getheilt worden, und wird wohl bei dem heutigen Stand der Wissenschaft noch weniger Zustimmung finden8).
Einen ganz anderen Weg zur Erklilrung hat Psichari gezeigt in der Einleitung zu den Etudes de Philologie nóo-grecque (Paris 1892, S. 88 ff.). Er erinnert daran dass gewisse altgriechische Reminiscenzen, welche man in mittelgriechischen Gedichten fin-det, nicht in ununterbrochenem Zusammenhang mit Stellen aus klassischen Dichtern stehen, sondern durch Vermittelung lateini-scher Autoren überliefert scheinen. Er verlangt deshalb eine Un-tersuchung nach der Rolle welche die Cultur der Romer in der Überlieferung der klassischen Anschauungen der Griechen ge-spielt bat. Er hebt auch hervor dass die neugriechische Form XxpovTxs besser dem lateinischen Charo, Charontis als dem klassischen Xxpuv, Xxpxvo: entspricht. Schmidt (Volksleben, S. 222) hat jedoch diese scheinbare Abweichung schon bet'riedigend er-kliirt durch die Annahme einer in spüterer Zeit gebraüchlichen Doppelform Xxpccv, Xxpovro:1). Diese Ansicht wird noch wahr-scheinlicher wenn wir ein anderes Beispiel solcher Schwankung
Die Formen Xzpovroe und Xipovrx hat Schmidt bei Suidas und Thomas Magister belegt. Aut' der andern Seite kommt in einer lateinischen Inschrift (C. I. L., VIII, (1), 8992) Charo ni und im Culex (v. 216 ed. Ribbeek) C h a-r o n i s vor.
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in der Beugung ids Auge fasseu; ich nieine quot;Epa; class ini Neu-griechischen gewöhnlich quot;Epurx; lautet, abcr aut Kreta in der Form quot;EpccvTx: vorkommt'). Vou oinem Einfluss römischer An-schauungen auf den griechischen Unterweltsglauben habe ich bei meiner Untersuchuug keine Indizien gefunden; erst viele Jahr-hunderte uach dem Erlüschen der römischen Cultur lilsst sich hier Einfiuss des Occidents feststellen.
Der Aufsatz von Jean Pio, Om Charonmythen i nygraekernes Folketro (S. A. aus „Nordisk Tidskrift for filolgiquot;, Kopenhagen 1877), was mir leider unzugilnglich.
Man sieht aus dieser Übersicht dass der neugriechische Todes-gott seit 1837 fast ununterbrochen das wissenschaftlicho Interesse gefesselt hat. Auch von dieser Figur der griechischen Un-terwelt gilt das Wort des Aischylos:
oi y.xra zóovo? öeo)
?.x(3£Tv x/tsivous sh)v y, ^sóiévxi Wir wollen jetzt ohne vorgefasste Meinung die Zeugnisse der Autoren und der Denkmiller so viel als miiglich ist in chronologischer Folge betrachten, und uns bei unsern Schlüssen von der Erwiigung leiten lassen, dass die Erklürung jüngerer Erscheinun-gen zuniichst aus gleichzeitigen Ideeen und Ereignissen zu ver-suchen sei. Zu der Hoffnung dass wir, auch nach der gründli-chen Behandlung die unser Thema in dem trettiichen Buche B. Schmidts erfahren bat, einige neue Moinente auffinden werden, berechtigt uns der Umstand dass unser Vorgilnger im .lahre 1871 über so gut wie keine mittelgriechischen Texte verfügen konnte.
1) Jeannarakis, Kretas Volksliedor (Leipzig 1876, S. 269 ff., No. 89, 90, 91, 156, 158). In der mittelgriechischen Achilleis (Wagner, Trois poèmes grecs du moyen-age, Berlin 1881) Host man Efvrx; (vv. 107, 888, 889 u. s. w.), Efti; (ace. Epwv, vv. 943, 94-5) und sogar Efm (nomin. v. 1676;. Die lotzto Form ist wohl eine unter Einfluss der Schrit'tsprache ontstandene falsche Analogiebildung nach Xxfm (obonda vv. 1619, 1624 u. s. w.). Beispiele von quot;Efwrac finden sic:i viele in den Sammlungon von Passow (S. 513), Schmidt (Gr. Marchen, S. 109 ff.) u. s. w.
2) Perser v. 695 f.
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I.
Der Grlaube an einen Pluss welchen die Seelen dcr Verstor-bcnen zu iiberschreiten haben, findet sich so ziemlich über dcn ganzen Erdboden verbreitet. Mittheilungen über diese Vorstellung, und ein Versueh zur Erklarung, liest man bei Mannhardt, Ger-manische Mythen, S. 364 ff. Simrock (Deutsche Mythologie, S. 255) versucht nachzuvveisen, dass auch im germanischen Volks-glanben ein Todtenschiffer vorkam. Es ist leicht möglich, dass verschiedene Völker welche den unterirdischen Strom kannten unabhiingig von einander die logische Consequenz eines hiniiber-setzenden Fahrmanns gezogen haben; eine lebendige, mitXamen genannte Figur wie Charon scheint aber ausserhalb Griechenlands nicht vorzukommen. Ob nun der klassische Charon eine griechi-sche Schöpfung sei, oder eine Entlehnung aus einer ausliindischen Religion kann ich nicht entscheiden; die Erkliirung Diodors') aus dein Egyptischen wird durch kein anderes Zeugniss geetiitzt und mag dahingestellt bleiben. Der Gebrauch die ïodten jenseits eines Gewiissers zu bestatten kommt, wie Baumeister (Denkmaler, S. 379) richtig bemerkt, nicht nur in Griechenland vor, kann also fiir eine speziell griechische Autt'assung wie die des Fiihrmanns der Unterwelt keine Erklarung geben. 1st aber die-ser Gebrauch selbst nicht aus dem allgemeinen Glauben an die Überfahrt über einen unterirdischen Finss, also aus einer Unter-weltsvorstellung herzuleiten? Hygienische Eücksichte wird man den primitiven Bewohnern der griechischen Insel und Küsten-striche wie Chalkis und Delos doch wohl nicht zuschreiben wollen. Auch die Etymologie des Namens giebt keine sichere Auskunft.
Bei Homer, und auch bei Hesiod, kommt Charon nicht vor, oder, wie Enstathios (ad Odysseam 1666, S. 37) es ausdrückt:
1) Diodor I, 92: . ... v (ièv fixpis y.z'js/.y.srzi kxrerkevscrizé'jy TrpÓTspc. utïo tuv TZUTyz s%ó'JTca'j rvi'j STipeheixv LppérTqy.s c Trcpfyieóc, cv A'iyózTict -/.xtx tv;*
lii'xv Sixf.ey.Tcv cvonxtyvcri xxfmx. Von saclikundiger Seite wird inir versicherfc dass Karo iiu Egyptisohen Barke, und in Compositis Barkenführer bedeuten kann.
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in der Beugung ins Auge fassen; ich meine quot;Epa; dass im Xeu-griechischon gewohnlich quot;Epurxc lautet, aber aut' Kreta in der Form quot;Ep:cvTx- vorkonimt'). Von einem Einfluss römischer An-schauungcn auf den griechischen Unterweltsglauben habe ich bei meiner Untersuchung keino ludizien gefunden; erst vielo Jahr-hunderte nach dein Erlöschen der römischen Cultur lasst sich hier Einfluss des Occidents feststellen.
Der Aufsatz von Jean Pio, Om Charonmythen i nvgraekerncs Polketro (S. A. aus „Nordisk Tidskrift for filolgiquot;, Kopenhagen 1877), was mir leider nnzugiinglich.
Man sieht aus dieser (Iborsicht dass dor neugriechische ïodes-gott seit 1837 fast ununterbrochen das wissenschaftliche Interesse gefesselt hat. Auch von dieser Pigur der griechischen Un-terwelt gilt das Wort des Aischylos:
oi y.xra %()ovoz Oso)
y.x(3s7v xpsivous s]lt;r)v yj ftióiévat ■).
V/ir wollen jetzt ohne vorgefasste Meinung die Zeugnisse dcr Autoren und der Denkmiller so viel als möglich ist in chronologischer Polge betrachten, und uns bei unsern Schliissen von der Erwiigung leiten lassen, dass die Erklilrung jiingerer Erscheinun-gen zuniichst aus gleichzeitigen Ideeen und Eroignissen zu ver-suchen sei. Zu der Hoffnung dass wir, auch nach der gründli-chen Behandlung die unser Thema in dem trefflichen Buche B. Schmidts erfahren hat, einige neue Moinento anffinden werden, berechtigt uns der Umstand dass unser Vorgilnger im .Tahre 1871 iiber so gut wie keine mittelgriechischen Texte verfiigen konnte.
1) Jeunnarakis, Kretas Volksliedor (Leipzig 1876, S. '269 If., No. 89, 90, 91, 1D6, 158). In der mittelgriechischen Aehilleis (quot;Wagner, Troi» poèmes grecs du moyen-age, Berlin 1881) liest man ' Efwra; (vv. 107, 888. 889 u. s. w.), Efw: (acc. Efwv, vv. 943, 945) und sogar Efav (nomin. v. 1676'. Die letzte Form ist wohl eine unter Eintiuss der Schriftsprache cntstandene f'alsclie Analogiebildung nach Xifm (ebenda vv. 1619, 1624 u. s. w.). Beispiele von Efiorxc finden sich viele in den Sammlungen von Passow (S. 513), Schmidt (Or. Marchen, S. 109 ff.) u. s. w.
2) Perser v. 695 f.
7
I.
Der Glaube an einen Pluss welchen die Seelen der Verstor-benen zu iiberschreiten haben, findet sich so ziemlicb iiber den ganzen Erdboden verbreitet. Mittheilungen iiber diese Vorstellung, und ein Verauch zur Erklarung, liest man bei Mannbardt, Grer-inanische Mythen, S. 364 tt'. Simrock (Deutsche Mythologie, S. 255) versucht naehzuweiscn, dass auch im germanischen Volks-glauben ein ïodtenschiffer vorkam. Es ist ieicht möglich, dass verschiedene Volker welche den unterirdischen Strom kannten unabhiingig von einander die logische Consequenz eines hiniiber-setzenden Pahrmanns gezogen haben; eine lebendige, mit Namen genannte Figur wie Charon scheint aber ausserhalb Griechenlands nicht vorzukommen. Ob nun der klassische Charon eine griechi-sche Schopfung sei, oder eine Entlehnung aus einer ausliindischen Religion kann ich nicht entscheiden; die Erklarung Diodors J) aus dem Egyptischen wird durch kein anderes Zeugniss gestiitzt und mag dahingestellt bleiben. Dor Gebrauch die Todten jenseits eines Grewilssers zu bestatten kommt, wie Baumeister (Denkmii-ler, S. 379) richtig bemerkt, uicht nur in Griechenland vor, kann also fiir eine speziell griechische Autfassung wie die des Fiihrmanns der Unterwelt keine Erklarung geben. 1st aber die-ser Gebrauch selbst nicht aus dem allgemeinen Glauben an die Überfahrt iiber einen unterirdischen Eluss, also aus einer Unter-weltsvorstellung herzuleiten ? Hygienische Riicksichte wird man den primitiven Bewohnern der griechischen Insel und Kiisten-striche wie Chalkis und Dolos doch wohl nicht zuschreiben wollen. Auch die Etymologie des Namens giebt keine sichere Auskunft.
Bei Homer, und auch bei Hesiod, kommt Charon nicht vor, oder, wie Eustathios (ad Odysseam 1Ö66, S. 37) es ausdrückt;
1) Diodoi' 1, 92: . . . . gt;i fièv fixpez y.xrjiKy.etxi y.siteey.svscriji.évy Trpórspov vtto tuv Txvrys hxó'JTco'j r^v b^é^ryjy.s èc txvt^ 6 TropOpevc, cv AiyvTrnci y.xrx rijv
Zixtey.TCj cvopx^ova-i xxpuvx. Yon sachkundiger Seite wird mir versichert dass Kar o im Egyptischen Barke, und in Compositis Barkenfiihrer bedeuten kann.
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Mrf' quot;Oy^pov ysyuOsvTxi. Durch Pausanias wissen wir das er vorkam in dor Minyas; nacli diesem Autor (X, 28, 2) sollen die folgenden zwei Verse aus der Minyas Polygnot inspirirt haben zu seiner Abbildung des Charon in der Unterweltsvorstel-lung welche er malte in der /.stw zu Delphi: quot;EvfJ' vtoi vèx psv V£XVXI/,(2XT0V, vj o yspxihi \ Tropdysh: vys Xapcov, cvy. 'é?J.x(3ov svdoósv op,uou. So wie auf diesem Gemiilde kommt er dann ofters vor bei den scenischen Dichtern des fünften oder vierten Jahrhunderts, das heisst in oder bei seinem Nachen. In einem Chorlied bei Aischylos ') wird zwar sein Name nicht genannt, doch erwiihnt der Dichter txv vxvtto?.ov [/.sKxyxpoy.w ösapfèx \ txv xtrripyj VaAAw!'/, txv xvxhiov welche der Wind und der Ruderschlag immer über den Acheron zu dem unsichtbareu, Alle aufnehmenden Lande fiihren. 15ei Euripides und bei den Komikern wird er vorgestellt als der Schiffer der am Ufer wartet und oft die zögernden anruft sich einzuschiffen. So ia der Herakles (v. 431 ff.): txv §' xvoutiiaov tsmuv \ Xxpavoc ttïmtx ] (Slav yJ/.s-jOov xOscv zSiy.ov, und in der Alkestis (v. 253 ft'.): opx SIxuttov, opü ly.xQo: [» /.i,ui/x], ! ufy-uav 'ncpdysh: ) sXav XtP y.ivTu Xxpuv yS y.xle'r r! yJ/./.sic; cf. ibidem
v. 440: 3; t stt) y.:c—y. | Trrfx/.Lc re yépuv \ ysxpoTropt-yrh: Auch Timotheos von Milet scheint in einem seiner dramatischen Dithyramben, der Niobe, in ahnlicher Weise den Charon vorgestellt zu haben. Dies geht hervor aus den Worten des Komikers Macho (Athen. VIII, 25; p. 341 c): s Tiptoóécu Xxpav TX^^x^eiy cvy. sx, ] sOy. rijf Ntóp-j:, Sf TropOyjy xvxpox. Aristophanes hat diese
wohl sehr gewöhnliche Vorstellung mehrfach komisch verwerthet. In der Lysistrata (v. 606 ft.) spottet die Heldin des Stückes über das illtliche Aussehen des Gresandten und ruft ihm zu ■ toD sf?; r! ■zoQsl:-, X^PS1 'r^1/ | s Xxpuv (ts y.x/.sï | (tv §5
xulveit; xvxysaüxi. In den Pröschen tritt er auf (v. 185 ff.) als der richtige Pahrmann, welcher die Stationen abruft und hinzu-fügt: tx^kx: ifipxivs, 'éftfixive Sj (v. 188, 190; cf. v. 197). Aus
1) Sept. v. 857. Nacli Pollux (V, 47) hiess in einem verloren gegangenen Stiick des Aischylos einer der Hunde des Aktaion Xifwv. De drei andern Hunde hiesaen KópxS, quot;ApTi/ix (Namen also von untergeord neten der Un tor welt angehörendcn Wesen) und Avxóttuc ; das letzte Wort ist unklar.
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einer andern Stelle des Aristophanes spricht weniger deutlich sein Charakter als Sehiffer. Ich meine die Verse 278 ff. au.-» dein Plutos: sv rij trspy yvy) /.xyjyj rh ypxpfta io-j ^ixx^siv \ ih 5quot; ov ; 'o §£ Xxpccv to ^vftpihoy S/Samp;v/y. Es liegt aber auf' dei' Hand das in diesen Verseu das Wort Xxpav ebeu so gut ein echt Aristophanisches xzpoa-^óxyTov ist wie tJ/jv ; wie dieses statt des erwarteten ^iy.xTr/ph steht, hat der Dichter (y.xr* xyxypxapxTiT^iy sagt der Scholiast) Xxp:cv gesetzt, mit einer Anspieluug auf Denn den zumEmpfang des Richtersoldes geforderten Legitimations-beweis (^u^/SsAov) erhielt man Sy/tsTlx yrxpx tov sl?.y%ÓTo; txut-jv Tvjv xpw (Schol, ad Arist. Plut. v. 279). Für die Auffiissung des Charon in allgemeinerem Siune spricht also diese Stelle keineswegs.
In einem Bruchstück des Antiphanes (Meineke, fragm. com. graec. I, S. 304 und III, S. 47), das also schon einer spüteren Periode angehört, kann er sein Ungeduld nicht bezwingen und greift selbst die zögernden Passagiere an: OiSfl? ttxttots, \ « iïéttttot, xttioxy, x—iöxvslv 7tpóóu[/.os civ | tov: yï.ixofisvou: %gt;jv ■/.xtxttvx mv (jy.£?,ou: | xwjtxz o Xxpuv, stI to ~cpÖ,ueTcu txysi ').
Die Abbildungen des Charon auf Kunstdenkmülern stimmen vollstiindig überein mit der Vorstellung welche die Schriftsteller geben. Bekannt ist es dass solche Abbildungen am meisten ge-funden werden auf attischen Lekythen, den zierlichen bemalten Gefiisschen welche man den ïodten mit ins Grab gab. Pottier 1) hat in seiner schon erwiihnten Arbeit diese Lekythen ausführlich besprochen; naeh ihm wahrte die Zeit ihrer Fabrikation von der Mitte des fiinften bis zum zweiten vorchristlichen Jahrhundert, aber in dor Darstellung tinden sich keine bedeutenden ünterschiede vor; man behielt auch in der spateren Zeit der Fabrikation die einst angenommenen Darstellungen bei2). Charon wird ohne Aus-nahme vorgestellt als ein 3Iann in reiferem Lebensalter, iu dom Nachen stehend; bald ist er begleitet von Hermes, bald allein
Etude sur les léeythes blanes attlques, Paris 1883.
Pottier, o. 1. S. 3, 103.
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abgebildct uud konimt rlann oft mit scinem Nadien bis zur Grabstelevgt; Er reiclit den Todten die Hand um sie zuin Einstei-gon einzuladen. Angesicht und Kleidung kennzeichnen den ein-fachen Schitter; widerwiirtig ist der Typus uie, höchstens, in nur drei von den vielen angeführten Beispielen, grob oder roh (r u d e) (Pottier, S. 34—38, 49, 108). Dasselbc gilt von den Berliner Lekythen welche von Duhn in der Archacologischen Zeitung (1885, Taf. 2, 8) publizirt hat. Ich sehe keinen Gruud niit Pottier zu glauben, dass die Lekythen maler den Charontypus gemildert haben, obgleich ich gem annehme class eine solche Milderung ganz im Geiste der griechischen Plastik gewesen wiire, nament-lich wo es sich urn Sepulchrahnonumente handelt. Hier aber brauchen wir nicht einen iilteren, abschreckenden Typus voraus-zusetzen, denn es liegt keineswcgs im Wesen der Sache dass der mit dem Übersetzen beauftragte Piihrmann ursprünglich als eine grausame oder widerwiirtige Figur gedacht sein muss, und die altesten Zeugnisse der Dichter haben nichts was zu solcher Annahme berechtigt. In dem Worte yspxió: aus dein Citat aus der Minyas liegt, wenigstens nach epischem Sprachgcbrauch, eher das Gegentheil. Aristophanes, der in den Fröschen, nicht weniger als Polygnot in seinem Gemalde, mit Wohlgefallen die Schrecknisse der Untervvelt schildert und den Eindruck welchen sie auf Dionysos maclien, liisst diesen gar nicht erschrecken vor Charon; von Herakles wird er einfach der xv/ip yépxv genannt, welcher die Hadesfahrer für zwei Obole übersetzen wird.
Nicht nur die Lekythen maler, welche nach Pottier (o. 1. S. 119 ff., 132) einer auf Polygnots Gemalde zurückgehenden Ateliertradi-tion folgten, haben Charon mit nicht verzerrten, regelmiissigen Gesichtszügen abgebildet ^); wir sehen eine ahnliche Vorstellung
1) Es ist ein Vorselien Puttiers, wenn or in seiner Arbeit fiber die Lekythen (S. 129) die v. 259 ff. dor Euripideïschen Alkestis aut' Charon bezieht; eben-dassolbst (S. 29) hat or die richtigo Auftassuiijr der Stelle gezoigt.
2) Man vergleicho aucli die detaillierte Beschreibung einigor dieser Lekythen bei de Ridder, De 1'idée de la Mort en Greco a 1'époque olassiquo (Paris 1879), S. HiS ff. Charon moge auf einigen dieser Darstollungen roh orsoheinon, Schre-ckenerregend ist er nie. Jedenfalls ist ganz unriohtig die Behauptung Sittls: »Der Fiihrmann Charon ist sin den attiachen Lekythen,.. widerwiirtig darge-stelltquot; (Archaeologie der Kunst, S. 838).
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auf eincin in Buumeisters Denkmalern («. v. Cliarou, n. 415) abgcbildeten, griechischen Scarabilus und auf cincm Wiener Ter-rakottarelief bei von Duhn (Archaeol. Zoit. 1885, 3. 10) '). Auch sonstige Abbildungen, so weit sie inir zugiingUch waren, stimmen hierin überein 2). Es scheint also dass das niürrische Wesen, welches namentlich die römischen Dichter dein Oharon beileget; (s. nnten), ihtn in dor klassischen Epoche der griechischen Kunst noch nicht eigen war, odor doch nur in vereinzelten Vorstellun-gen vorkam 3). Audi von Wilamowitz' Annahme, dass Charon in der alteren Zeit einon mehr burlesken Charaktor hatte (Herakles, Anmerkung zu v. 480), kann ich nicht fiir richtig halten, denn das blosse Vorkommen bei Komikern beweist wenig und es gcht aus nichts hervor dass Charon, wie es z. B. init Herakles der Fall war, mit Vorliebe als lilcherlich dargestellt wurde.
II.
Wie stcht es nun mit derselben Figur in der nachklassischcn Zeit? Hier ist es vor Allem nothvvendig, genau wie in der Sprache und in der Litteratur, zwei Strömungen zu unterscheiden, eine gelehrte oder antikisirende und eine volksthümliche. Die erste sctzt die Tradition der klassischen Autoren fort, welchen sie Sprache und Ideeen entlehnt, die andere zeigt was inzwischen im Volks-glauben aus den früheren Vorstellungen geworden ist. Diese zwei Tendenzen berühren und beeinHüssen einander wiederholt; man soli sich also hüten das Bild gar zu eng aufzufassen. Die erste Strömung ist für unsere Zwecke nur in so fern von Interesse als sie Spuren von der Einwirkung volksthümlicher Auffassungen
quot;1) Das von demselben pnblizirte Berliuur Tcrrakottarcliel' (Taf. 1.) ist uach Preller-Rübert (Gr. Myth. S. 818 Anm. 3) eine moderne Falsehung.
2) So ein Bild ant' einor Ara der Galluria Giustiniani (II, 126). Ich kann hier nicht mit Krügor (Charon und Thanatos, S. 12, s. u.) einen «wilden Ge-sichtsausdruokquot; des Charon wahrnehinen.
3) Danach ist die Aussage bei Preller-Robert, Gr. Myth. S. SIS ())Die Grie-cben dachten ihn sich als einen finsteren und gramlichen Altenquot;), einzu-scliriinken.
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zeigt, oder die nicht ebon zahlreichen Zcugnisse der ültcren Periode mit neuen Belegstellen vermehrt.
in der Anthologie komint der Schiffer der Untervvelt sehr oft vor (VI 1, 63, 66, 67, 68, 365). Nur wird er hier bisweilen als grau-sam und finster bezeichnet; so Anth. VII, 68, 1 : Ksxxpftévs Ixy.pvvi TrivTMv (cf. VII, 67, 1 und 365, 4). Dieses Epitheton ist zu erklaren ans dem Einfluss des Volksglaubens in welchem, wie wir bald sehen werden, die Figur eine andere Gestalt angenommen batte.
Auch Ilermesianax' Leontion (Athen. XIII, 71 ; p. 597 b), ist hier anzuführen. Es heisst dort: .... stt^sutsv §f xxxiv xx) x~stösx XÜpiv, | svOx Xxpaiv y.siy/iy sXxstxi sis xy.xrci/ | olxoftévav (v. 3).
Der Schiffer, welcher auf den Lekythen den Todten die Hand reicht, sehleppt sie hier fort in seinen Kabn. Hauptrepriisentant der antikisirenden Richtung ist Lukian. Bei ihm ist Charon eine sehr hüufige Erscheinung. In den Todtengesprüchen redet er mit Hermes über das Sehiffsgerath, Segel und Anker, welches dieser i
ihm geliefert hat (Dial. Mort. 4), — mit den Todten über das schwere Reisegepiick (ihr Stolz und Eitelkeit), wodureh das alte Boot zu Grunde gehen inüsse (Dial. Mort. 10), — mit Menippos über das Piihrgeld, welches dieser ihm nicht bezahlen kann (Dial.
Mort. 22). Immer ist er Schiffer und sein Charakter nicht anders als wie wir es uns nach den oben angefiihrten Stellen des Euripides und des Aristophanes vorzustellen haben. Wenn schon bei für uns verloren gegangenen klassischen Autoren eine andere Vorstellung des Charon vorkame, so wiire es höchst befremdend dass man bei Lukian davon keinc Spur zurück findet. In der Nekyoman-tie, wo die Schrecknisse der Unterwelt beschrieben sind, heisst er ó ps/.TiTTs: Kecpav (c. 10). In ahnlicher Weise tritt er auf im gt;
Dialog Xxpxv y, sTTiT/.a-dïj-jTe:, wo der Namensheld des Stückcs bei Hades einen Tag Urlaub genommen hat und auf die Ober-welt erscheint. Unter der Führung des Hermes sieht er sich das eitle Leben der Mensehen an, wie sie opfern, das Gold bewu.n-dern, streben und streiten, ohne die Nichtigkeit ihres kurzen Lebens einzusehen. Ich kann nicht mit Ilubensohn ') in diesem Dialog et was finden von der „fast mephistophelischen Schaden-
1) Berl. Philul. W oohenschrift 1895, uü. 36, 31 Aug.
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freudequot;, welche nach ihm den Unterweltsschiffer erfüllt. Ich denke Charon spricht hier einfach als eiu Jünger der kynischen Schule, wie Lukian selber war war als er diesen Dialog schrieb; von einem daemonischen Vergnügen ist nicht die Rede. Ja, er will sogar die Mensehen ermahnen j.7réxscóxi psv tüv pxrxiuv ttóvcov, Ziju lie} re:' öivatov vrpc c$0xhlucóv sxovtxï (o. 20), und es ist Hermes welcher ihm diesen wohl gemeinten Versuch als vüllig nutzlos abrüth. Die Stelle welche Rubensohn anführt muss erklilrt werden aus einer rhetorischen Antitliese Von Milon wird gesagt (c. 8), dass er rsv Taïipov xpa.fy.evo: Cpspsi hx t;D rrx-quot;ètou ijAtou ; nun, Charon wird Milon selbst, wenn dieser von dem unbezwinglichsten aller Gegner, dem Tod, besiegt ist, ergreifen und einschiffen: ... x-jtcv tci rhv Mlï.xvx p/sr i?.iyov ^u/./.xj3:cv èvöfaofixi i: to arxxCplSiov, óttótxv %xy Trph: '/!,uxg xjtto toxj xvxXutotx-rou tüv xvtxyajvvjtüv y.xrx~x).xi7(is): totj Qxvxtou (c. 8). Bösartig ist der Lukianische Charon nie, auch nicht wo er mit Menippos über das Fahrgeld streitet; er ist nur der rohe Schitter welcher auf sein Recht besteht. Wo hoi Lukian eine übermenschliche Macht erwiihnt wird, welche den Tod bewirkt, heisst diese Qxyxro: (z. B. Charon 8, 17; jSTavig. 40; de morte Peregr. 43). Doch giebt es eine Stelle bei Lukian, welche beweist dass im zweiten Jahr-hunderï unserer Aera Charon im Vollcsglauben eine ganz andere Figur war als wir aus der Vorstellung des Atticisten schliessen können. Ich meine das von ihm citirte Witzwort seines viel bewunderten Frcundes Demonax, welcher, als einer ihn fragte wie er kam zu den blauen Plecken an seinen Beinen, die bei alten Leuten nicht ungewöhnlich sind, antwortete: Xxpw ys sSxxsv (Dem. 45) 1). Wenn wir jetzt die zweite, volksthümliche Strömung betrachten so wird uns das Scherzwort des Demor.ax recht deutlich, deun aus sehr vielen Stellen bei spiitereu Autoren
nnd die Ausgabe von Hemsterhuis. Die Conjectur(!) ist von Solanus.
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geht hervor dass in ihrer Zeit Charon nicht mehr der Piihrmann der Unterwelt war, sondern der Gott des Todes selbst, dass er die Funktionen von Hades, Hennes und Thanatos in sich ver-einigt hatte und zu einer grausamen, Schreckenerregenden Gotc-heit geworden war. Viele dieser Stellen findet man schon bei Ambrosch (o. 1. S. 53), doch am vollstiindigsten sind sie gesam-molt von Schmidt (Volksleben, S. 223), wozu ich nur unbedeu-tendes nachzutragen liabe. Ich glaube, dass eine aufmerksarne Lectüro dieser Stellen zu der l 'berzeugung führt, dass schon den Alexandrinern bekannt war was Suidas (I, S. 303, ed. Gaisford) hat verzeichnet: Xxp:cv,ó óxvxto:, eine Gleichstellung die man zurück-fiadet in dicsen Worten Isidors (Orig.VIII, 11 § 42): „Pluton graece, latine Diespiter, vol Ditis pater, quem alii Orcum vocant, quasi receptorem mortuorum. Ipso et Graece Charonquot; und in dem Sprich-wort quot;li Zfu? y, Xxpccv, ï, [iio: y, tsXo: (Corpus paroerniogr II,
S, 228). Das schon bei den Dichtern der Anthologie Charon diese allgemeine Hedeutung hatte, geht aus lolgenden Epigrammen hervor: VII, 603, 071; XI, 133. Im ersten, ein Zwiegesprach, lauten die ersten Verse: quot;Aypio: stti Xxpccv. tt'/.sgv vip-xfsv föy \ tsv
véov. x/j.y. vóii-ToJ? Trof.ioÏTiy hov. Im zweiten wird er noch deut-licher als Gott des Todes bezeichnet: Uxvtx Xxpxy x-}.y,(j-s, r/ TSV I/êSt/ '/jptrxgx: x'Ótx: I quot;Attx/.CV i GO ui: y.XV ÖMS y/ipxï.soc
Auch im dritten Gedicht verlangt der Sinn dass Xxpxv der Herr-scher der Unterwelt bedeute. Man vergleiche hiermit die inschrift-lich überlieferten Gedichte 302, 566, 647 bei Kaibel (Epigram-mata graeca u. s. w.). lm letzten Gedicht wird dem Tode u öxvxro:, v. 11) vorgeworfen, dass er den Verstorbene, nachdem dieser die Mühen und Drangsalo des Lebens überstanden hat, dem Charon zufïihrt als eine scheusliche Mahlzeit {/.v-pyrj lixlrx. v. 16), besser wilre es sofort bei der Geburt einzugreifen. Auf eine ahnliche Auffassung des Charon weist hin das Wort Xxpcc-vsiov bei Strabo (XIV, p. 636; XII, p. 579, 649), das gleichbe-deutend ist mit n?.ouT:cviov; ebenso wird hierdurch erklart Xxpavcc ótipx (Poll. VIII, 102; Diogen. VIII, 68; Suidas s. v. Xxpcovno: öupx) für die Thüre im Gefiingniss, wodurch die zurn ïode ver-urtheilten gcführt wurden, und auch wohl der Name der unterir-dischen Treppe im Theater welcher entlang die Geistererscheinun-
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gen aufstiogen : Xxpxvsioi y.?.!,uxy.s; (Poll. IV, 132). Plutarch übersetzt im Leben des Antonius das lateiniselie Wort Orcini mit Xxpccvïrxi (Plut. Anton. 15); in den Interpretanienta Pseudodositbeana wird erzühlt wie Charon einen Verstorbenen aus der Unterwolt zurück-gesandt bat und gedrobt bat niichstens alle Arzte berabzubolen (Goetz, Corpus Gloss. Lat. Ill, S. 99). Scbliesslieb sei bicrnocb bingewiesen auf die alberne Erziiblung bei Artemidor (Oneirocr. I, 5), wo der ïrilumer den Charon, der mit einem andern Men-schen sich am Brettspiel ergötzte, erzürnt, von ibm verfolgt wird und mit gonauer Notb entriimt. Dieser ïraum kiindigt nacb Artemidor an dass eine grosse Gefahr dem Traümer drohte, der Tod aber ibu nicht erreichen würde. Auch als .Monument von Abgeschmackt-heit verdient die wunderliche Geschichte erwiibnt zu werden.
Bei den lateiniscben Dichtern ist Charon Schitter, aber ibre Schilderung unterscboidet sich hierin von der klassiscb-griechi-schen, dass bei ihnen namentlicb das schreckliohe im Wesen und im Ausseren des Charon hervorgehobeu wird. Bekannte Stellen sind: Verg. Aen. VI, v. 29!) ff.; Seneca Here. fur. v. 764 ff.; Statius Thebais XI, v. 580 ff., Juven. Ill, v. 266 ff. ;fernerCulex (v.216,ed. Ribbeek): Praeda Charonis agor: vidi ut Hagrantia taedis | Lumina collucent infestis omnia templis, und, in der Antbologia Ijatina (ed. Riese-Bücheler II, 1109, v. 22); JSTou ego caeruleam ramo pulsabo carinam | Nee te terribileni fronte timebo, Charo. Die Vorstellung, welche uns an der letzten Stelle begegnet, dass die Verstorbenen selbst mit Hand ans Werk legen müssen, erinnert an Aristophanes' Pröscbe, wo Charon dem Dionysos befiehlt ibm zu helfen -); das fiircbterliche Wesen des Charon können die lateiniscben Dichter ibren Alexandrinischen Vorbildern entlehnt haben, es bleibt aber die Moglichkeit nicht ausgeschlossen dass die Kunst-poesie der Romer beeinflusst wurde von einer altitalischen im Volke fortlebenden Todesvorstellung, welche mit dem etruskischen
1) Der mit den Menschen spielende Tod ist oin Motiv dass sohon bei Hero-dot in der Geschichte von König Kampsinit (II. 122) vorkommt; eine Abliil-dung aus dem 15. Jahrh. von dem ïod dor mit den Machtigen dev Erdo Schach spielt tindet man bei quot;SVessely, Die Gestalten des Todes und des Teufelsin der darstollenden Kunst, Leipzig 1S76, S. 30.
2) Man vergleiche auch Lukian, Dial. Mort. 22, 2: Charon 1
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geht hervor dass in ihrer Zeit Charon nicht mehr der Fiihrmann der Unterwelt war, sondern der Gott des Todes selbst, dass er die Funktionen von Hades, Hennes und Thanatos in sich ver-einigt hatte und zu einer grausamen, Schreckenerregenden Gott-heit geworden war. Viele dieser Stellen findet man schon bei Ambi'osch (o. 1. S. 53), doch am vollstiindigsten sind sie gesam-inelt von Schmidt (Volksleben, S. 223), wozu ich nur unbedeu-teades nachzutragen habe. Ich glaube, dass eine aufmerksame Lcctüre dieser Stellen zu der ('berzeugung führt, dass sclion den Alexandrinern bokannt war was Suidas (T, S. 303, ed. Gaisford) hat verzeichnet: Xxpccv, s Oxvzto-, eino Gleichstellung die man zurück-tindet in diesen Worten Isidors (Orig.VIII, 11 § 42); „Pluton graece, latine Diespiter, vel Uitis pater, quoin alii Orcum vocant, quasi receptorem mortuorum. Ipse et Graece Charonquot; und in dem Sprich-wort quot;II Zsvz ■/, Xzpcov, yj sulxlij.no; file: y, rils: (Corpus paroerniogr II, S. 228). Das schon bei den Dichtern der Anthologie Charon diese allgeineine Bedeutung hatte, geht aus folgenden Epigrammen hervor: VII, 003, G71; XI, 133. lm ersten, ein Zwiegesprach, lauten die ersten Verse: quot;Aypis: stti Xxpuv. tt/Jov yp-xTsv | riv
vsoii. x'/.kx vitc Toï: ~o?.ioTïi]/ 'itrov. Im zweiten wird er noch deut-licher als Gott des Todes bezeichnet: Uxv-x Xxpxv t!
TOV VSOV VtpTTXVXZ XVTiig | quot;ATTX/.OV ; CV to: S'SiV, XXV ÖX'JS y/jpxï.ècc;
Auch im dritten Gedicht verlangt der Sinn dass Xxpxv der Herr-scher der Unterwelt bedeute. Man vergleiche hiermit die inschrift-lich überlieferten Gedichte 302, 566, 647 bei Kaibel (Epigram-mata graeca u. s. w.). Im letzten Gedicht wird dem Tode u óxvxto;, v. 11) vorgeworfen, dass er den Verstorbene, nachdem dieser die Mühen und Drangsale des Lebens überstanden hat, dem Charon zuführt als eine scheusliche Mahlzeit (/.u-p^i/ Ixlrx 16), besser ware es sofort bei der Geburt einzugreifen. Aui' eine ilhuliche AulFassung des Charon weist hin das Wort Xxpcc-vsisv bei Strabo (XIV, p. 636; XII, p. 579, 649), das gleichbe-deutend ist mit W.out:cviov ■, ebenso wird hierdurch erklart Xxpavo: d-jpx (Poll. VIII, 102; Diogen. VIII, 68; Suidas s. v. Xxpcivetos öupx) für die ïhüre im Gefangniss, wodurch die zuin Tode ver-urtheilten geführt wurden, und auch wohl der Name der unterir-dischen Treppe im Theater welcher entlang die Geistererscheinun-
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gen aufstiegen: Xxpxvsici yJ.lpxxs; (Poll. IV, 132). Plutarch übersetzt im Leben des Antonius das lateinisclie Wort Orcini mit Xxpccvlrxi (Flut. Anton. 15); in den Interpretamenta Pseudodositheana wird erzühlt wie Charon einen Verstorbenen aus der Unterwelt zurück-gesandt hat und gedroht hat nachstens alle Arzte herabzuholen (Groetz, Corpus Gloss. Lat. JII, S. 99). Sehliesslich sei hier noch hingewiesen auf die alberne Erzahlung bei Artemidor (Oneirocr. I, 5), wo der Traumer den Charon, der mit einem andern Meu-schcu sich am lïrettspiel ergötzte, erzürnt, von ihm verfolgt wird und mit genauer Noth entrinnt. Dieser Traum kündigt nach Artemidor an dass eine grosse Gefahr dein Traümer drohte, der Tod aber ihn nicht erreichen würde. Auch als Monument von Abgeschmackt-heit verdient die wunderliche Gescliichte erwahut zu werden.
Bei den lateinischen Dichtern ist Charon Schiffer, aber ihre Sehilderung unterscheidet sich hierin von der klassisch-griechi-schen, dass bei ihnen namentlich das schreckliche im Wesen und im Ausseren des Charon hervorgehoben wird. Bekannte Stellen sind: Verg. Aen. VI, v. 29!) ff.; Seneca Here. fur. v. 764 ff.; Statius ïhebais XI, v. 580 ff.. Ju ven. Ill, v. 2(5() ff.; ferner Culex (v. 216, ed. Ribbeek): Praeda Charonis agor; vidi ut flagrantia taedis [ Lumina collueent infestis omnia templis, und, in der Anthologia Latina (ed. Ricse-Bücheler II, 1109, v. 22): JSTon ego caeruleam ramo pulsabo carinam 1 Nee te terribilem fronte timebo, Charo. Die Vorstellung, welche uns an der letzten Stelle begegnet, dass die Verstorbenen selbst mit Hand ans Werk legen müssen, erinnert an Aristophanesquot; Prösche, wo Charon dem Uionysos befiehlt ihm zu helf'en 5); das fürchterliche Wesen des Charon können die lateinischen Dichter ihren Alexandrinisehen Vorbildern entlehnt haben, es bleibt aber die Mogliehkeit nicht ausgeschlossen dass die Kunst-poesie der Romer beeintlusst wurde von einer altitalischen im Volke fortlebenden Todesvorstellung, welche mit dem etruskischen
1) Dei' mit den Menschen spielende Tod ist ein Motiv dass selion bei Plero-dot in der Greschiohte von König Bampsinit (11, 122) vorkoinmt; eino Aliliil-dung aus dom 15. Jahrh. von dem Tod der mit den Miielitigen der Erde Schaeh spielt lindet man bei Wessely, Die Gestalten dos Todos und des Tenfels in der darstellenden Kunst, Leipzig 1876, S. 30.
2) Man vonrleicho auch Lukian. Dial. Mort. 22. 2; Charon 1.
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Charun iu einem niclit niiher nachweisbaren Zusanimenhang stehen dürfte. Wenn Cicei'o (de natura deorum III, 17, 43) Charon nicht zu den Göttern rechnet folgt er der ultereii griechischen Auffassung; andere rümische Prosaiker aber geben viel besser die Anschauung ihrer Zeit wieder. So Apuleius (Met. VI, 19): ISTcc Charon ille Ditis pater, tantus Deus, (luicquam gratuito facit1). Hiermit stimmt eine in Mauretanien gefundene Inschrift überein: Deo Charoni lulius Anabas votum solvit (C. I. L. VIII (1), 8992). ïertullian (ad nat. 1, 10; apol. 15, 10) erzahlt dass in der Arena ein als Pluto bekleideter, mit einem Hammer bewaiï'-neter Skiave die Leichen der gefallenen Gladiatoren wegschaffte. Ob hierin eine im Volksglauben noch lebende Erinnerung an den etmskischen Charun zum Ausdrnek kam, oder ob wir mit Pottier 2) in dieser Erscheinung die „mise-en-sccne mythologiquequot; eines erfinderischen Theaterdirektors zu sehen habcn, mag dahin-gestellt bleiben.
Abbildungen von Charon aus griechisch-römischer Zeit kommen namentlich auf Sarkophagen vor. Sie sind bcsprochen worden von Krüger 3). Xach ihm (S. 8) zeigen sammtliche Darstellungen den Charon ohne Ausnahme als unterweltlichen Fahrmann. Zwei Reliefs werden von Krüger erwahnt (S. 3, 10 und Tafel) wo er als jugendlich und bartlos abgebildet ist.
Es drangt sich nun die Prage auf: wie ist die Umwandlung i in der Pigur des Charon zu erklaren? Wir kennen schon die Antwort welchc Ambrosch auf diese Frage gegebcn hat. Es ist an sich nicht unwahrscheinlich dass der Schilfer der Unterwelt, vvelcher die Menschen zum Einschitfen mahnt, auf der Bühne bisweilen als sie dazu zwingend vorgestellt worden ist. In eini-gen der zahlreichen für uns verloren gegangen Stücken mag Charon auf der Bühne erschienen sein, ganz oder mit halbem Leibe, um die zum Tode aufgeschriebenen selbst anzupacken. Der Aus-druck -/.xtxt-x tov im Fragment des Antiphanes (s. o.
S. 0) kann so erkliirt und in Zusammenhang gebracht wer-
Das widerwartige Aussere des Charon wird von demselben Autor bezeugt (de magia 23 mul 56).
o. 1. S. 47.
Krüger, Charon und ïhanatos, Progr. Berlin, 1860.
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den mit dem von Pollux überlieferten jSTamen xapxvsioi yJ.ly.x-y.s? '). Es scheint mir jedoch wahrscheinlicher dass aus Antipha-nes' Versen schon die allgemeinere Bedeutung des Charon spricht, und dass auch die Benennung der Treppen im Theater densel-ben Grund hat; Pollux wird sie einem Stück der rnittleren Komödie entnommeu haben. Jedenfalla ist die Erkliirung von Ambrosch mit B. Schmidt entschieden abzuweisen und in allge-meineren Ursachen der Grund der Anderung zu suchen. Dazu müssen wir uns einen kleinen Absteeher erlauben, und einen kurzen Bliek anf andere Figuren der Unterwelt werfen.
Bei Homer ist Hades ein finsterer, strenger Gott, Göttern und Menschen verhasst, ^otoïti öeav exöivToc xttxvtuv (II. 9, 159), seine Wohnungen sind schrecklich, rx rs (trw/kvui ósol ttsp (ii. 20, 65); er heisst crrwyepó:, xypioe, Ty.ï.ypóg, xpsthixTO? u. s. w. Wir wissen dass diese Auffassung des Hades im Laufe der Zeit sieh geandert hat; Stesichoros, Sophokles und andere Dichter mügen ihn noch schilderen als schrecklich, das Durchdringen einerLehre welche die Menschen met dem Tode aussöhnen wollte, im Sterben kein ('bel sondern einen Segen sah, hat andere Epitheta aufgebracht1). Eür unsere Zweckc ist es gleichgültig auf welche Weise die neuen Vorstellungen entstanden sind; die in den letzten Jahren so oft bohandelte Frago über den Eintluss dei-Mysteriën auf den griechischen Unterwelts- und Unsterblich-seitsglauben können wir bei Seite lassen. Wir wollen nur con-statiren dass der schreckliche Charakter des homerischen Hades gemildert worden ist. 1st nun aber für den unentwickelten, wenig
Vergl. don Artikel TIados in Roschers Lexicon der Mythologie.
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nachdenkenden Mensch ein nicht fürchterlicher Todesgott nicht eine Abstraction die ihm nichts sagt? Die in die Mysteriën Ein-geweihten mögen in dein Könige der Untervvelt den Gott gesehen haben, der es gut vorhat mit den Menschen, den Eïi(3cu?.eu: wel-cher sie erlöst von den Sorgen des Daseins, fiir den Mann aus dein Volke bleibt der Tod immer ts (Sxpurxrov xxxüv, wie der Aristophanische Dionysos es ausdrückt (Früsche, v. 1394). Sein Glück, denn so wird nun einmal seine Preude am Dasein ge-uaimt, beruht auf einer leichtherzigen Auffassung des Bestehen-den, auf einem unbesorgten sich leben lassen. Selbst wo der Glaube an ein verherrlichtes Portieben nach dem Tode vom Volke angcnommen ist, ist dieser Glaube nur bei wenigen so stark, dass er die Purcht vor dem Sterben zu besiegen vermag, und noch unendlich viel geringer ist die Zahl derjenigen welche don menschlichen Egoïsmus so weit übervvunden haben, dass ihnen der Glaube an das Portbestehen der eigenen Personlich-keit nicht die unerlilssliche Bedingung ist zu einem glücklichen Leben und furchtlosen Sterben. Es gilt dies alles nainentlich von dem Volksglauben der Hellenen, in welchem bekanntlich die Vorstellung der Unterwelt noch wesentlich dieselbe ist als zur Zeit der homerischen Gedichte '). So ist es denn auch natürlich dass, wo mildere Vorstellungen über den Tod durchdringen, der Todesgott selber im Volksbewusstsein sein eigentliclies Leben verliert, und dass die ewige, unaustilgbare Purcht vor dem Tode in anderer Porm sich offenbart, dass die niimliche Personification in anderer Gestalt wieder aufersteht. Nicht nur die Untersuchun-gen der Mythologen, sondern auch der Sprachgebrauch zeigt deutlich wie nach Homer das Bild des Hades mehr und mehr verblasst. Bei Homer wird er noch immer persönlich gedacht -), aber schon bei Hei-odot (z. B. II, 122) und bei den Attikern giebt es viele Stellen wo das Wort durchaus als Localitat auf-gefasst wird, und die letzte Stuf'e in diesem Übergang bezeichnet die Kedensart iv 'A/S/; (statt èv ''Aièsu) welche man bei den Alexan-
1) Schmidt, Volksleben, S. 240, 243.
2) II. 23, 244 steht schon der Name auf der Grenze zwischen der persönli-chen und der spiitern, ürtlichen Bedeutung.
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drinern sehr oft fiudet'). Zwar liest man in Inachriften und auch in der Anthologie nicht selten den Ausdruck tjpTrxre quot;Ail-zis, aber wie wenig hieraus folgt für eine klare Vorstelluiig des Hades als ïodesgott zeigen andere Inschriften wo dasselbe bezeugt wird von Molpx, xlcrx, 'Epstvv;, A-jOyi1). In der Bibelübersetzung deï' Septuaginta so wie im Neuen Testament kommt das quot;VYort Hades sehr oft vors). Hier brauchen wir uns urn die Syntax gar nicht zu kümmern, demi der blosse Umstand dass die Verfasser oder L'bersetzer dieser Stücke sich nicht scheuten das Wort zu ge-brauchen, beweist genügend dass die Erinnerung an den heid-nischen Gott beim Volke erloschen war und ihnen das Wort nur die Unterwelt andeutete. Wenn wir also in der Apokalypse (VI, 8) oder im Evangelium Nicodemi (c. 20) einen personlichen Hades antreft'en, so haben wir mit einer Personification zu thun wie sie schon im Alten Testament vorkommt. In der bekannten Prage (1 Kor. 15, 55) ttcü lt;rcu, xh-/;, rh yïxo?; liegt eine Anspie-lung auf Hosea 13, 14. Hierboi wurde eben so wenig gedacht au den heidnischen Grott als Luther an die alt-germanische Halja dachte, als er quot;Aihis mit II ö 11 e übersetzte. Solche Personifica-tionen sind auch im Neugriechischen sehr gewöhnlich. In einem cyprischen Lied (Sakell. S. 174, v. 50) wird quot;AiSvs redend einge-führt, und doch ist es ganz sicher dass es heute für den griechi-schen Volksglauben keinen Todesgott Hades giebt.
Hades verlor also seine Eedeutung und wurde entthront. An welches der unterirdischen Wesen sollte sich jetzt im Volksglauben die Vorstellung eines fürchterlichen Grottes des Todes knüpl'en ? An Thanatos? J. Lessing hat überzeugend ausgeführt eine wie blasse, unbestimmte Pigur Thanatos war. Robert hat dann in einetn Programm zum Winckelmannsfest (Berlin 1879), T h a n a-
C. J. G. 1066, 1152, 1499 u. s. w.; 1765; 2415; 196G. Ich entnehmc diese Stellen einer Angabe J. Leasings (de mortis figura, S. 31).
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tos genannt, nachdrücklich betont dass diese mythologische Figur „mit dom Volksglauben wenig zu schaffen hat (S. 32)quot;, und dass in der Alkestis des Euripides man unmöglich wissen kann wo die Competenz des Thanatos auf hört und die des Ilades anfiingt. Auch die Vorstellungen auf Lekythen') führen zu demselben Schluss und reehtfertigeu die Meinung Roberts (o. 1. S. 2G), der Thanatos „sehr verschiedenquot; nennt „von solchen Ideeen die im Volksleben wirklich lebendig sind, wie die vom Seelenführer Kermes und dem ïodtenschiffer Charon.quot; Die Einwendungen Brunns (Troische Misc. Ill, S. 191 ff.) haben die These Roberts, in so fern sie das unbestimmte, wenig populiire der Thanatosfigur betrifft, nicht erschüttert. Alle von ihm angeführten Stellen, von Hesiods Theogonie an (v. 759 ff.; wo die ersten Verse in Wi-derspruch stehen zu den letzten) bis zu Plutarch herab, der (Cleom. § 29) óxvxroc gleich stellt mit Cpófioe, yslui; und anderen TrxóyftxTx, beweisen nur das schwankende, undeutliche dieser Figur. amp;xvxtoc ist zu betrachten als eine Emanation des Hades; er personifizirt den ('bergang vom Leben zum Tode, und blieb in der altgriechischen Vorstellung immer mehr eine Abstraction als eine lebendige Gottheits).
Hermes Psychopompos ist seit Homer in Kunst und Litteratur ein den Menschen wohlwollender (xott, ihr Ereund, welcher die Seelcn begleitet; diese Function moge ihm das Epitheton xMvl0S besorgt haben, es bleibt nur ein Epitheton dessen Triiger zu den Olympiern gehort. Sein Aufenthalt im Schattenreich ist der eines Boten oder Gresandten in der Fremde.
Es ist also recht deutlich, dass weder Thanatos noch Hermes Psychopompos Figuren waren auf welche das Volk leicht die schrecklichen Eigenschafte übertragen konnte, welche es einst dem Hades zuschrieb. Für Charon stand die Sache anders. Er
1) Pottier o. 1. S. 24 tf. Die Unbestimmtheit der Figur wird bestiitigt durch die geringe Übereinstimmung zwischen den Vorstellungen der Lekythenmaler und den Dichterstellen: Hesiod. Theog. v. 759 tt'., Soph. A jax v. 854. Eur. Alk. tv. 29—76 u. 9. w. Man vergleiche hiermit die Charondarstellungen welche als Illustrationen zu den betrefïenden Stellen des Euripides oder Aristophanes dienen konnten.
2) Vgl. K. Kuiper, quot;Wjjsbegeorte en Godsdienst in het drama van Euripides, 1888, S. 433.
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gehort ausschliesslich zur Unterwelt, und, obgleich wir keiue Bc-weise haben daas er ursprünglich eine Schreckensgestalt ware, so ist es leicht zu verstehen dass diese Zugehörigkeit zum Schat-teiireich iha mehr und mehr zu einer fürehterlichen Erscheinung machte. Doch vor Allem ist es der ümstand dass Charon eine populiire Figur mit scharf gezogenen Linien war, der es erklilrt wie der Schift'er der Unterwelt das blasse Bild des zu einer Lo-kalitilt gewordenen Hades verdriingte. Schon bei Euripides hiess er vexpoTTOftTrói;'), in der alexandriuischen Zeit hat er die Func-tionen des Herrschers der Unterwelt, des todtbringenden Daemons und des Seelenführers in sich vereinigt. Als Todesgott kommt er nun im Mittelalter wie in der Neuzeit vor. Wir werden sehen dass Charon mit seiner Erhebung zum Gotte des Todes, namentlich in den uiteren Zeugnissen des Mittelalters, einen ïheil seiner Plastizitiit eingebüsst hat. Es liegt in der Natur einer solchen mythologischen Figur, in der, um mich eines Ausdrucks Mannhardts 1) zu bedienen „das physische Substratquot; immer deut-bar bleibt, dass ihr stets et was anhat'tet von der Abstraction der sie ihren Ursprung verdankt. Aut' der andern Seite ist esgerade der auf solche Weise fortlebende Zusammenhang mit der ur-spriinglichen Bedeutung welcher den Charakter des Charon, nach-dem er einmal Grott des Todes geworden war, unverilndert durch die Jahrhunderte bat fortdauern lassen. In der neugriechischeu Volkspoesie trifft uns nun aber, neben dieser unbestimmten An-deutung des Charon 2), sein Erscheinen in sehr ausgebildeter, plas-tisc'ier Gestalt und zwar als starker, mit den Menschen streitender Mann,alsReiter (Jager), und als Sohn 11-t e r und W i n z e r '). Es scheint dass er auch vereinzelt als Schil'fer vorkommt3). Secundilr ist die Vorstellung als Natter, Schwalbe oder Adler, denn es steht ihm als Daemon die Fiibigkeit der Verwandlung zu Gebote0). In dem niichsten Ab-
Antike Walt- und Feldkulte, Berlin 1877, S. 208.
Beispiele findet man unten, S. 27, Anm.
Schmidt, Vülkslcben, S. 237.
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schaitt werden wir untersuchea von welchen dieser Vorstellungen Continuitüt mit dein Alterthum nachgewiesea werden kann.
m.
Auch fiir die litterarischen Produkte des grieehischen Mittel-alters gilt es zuniichst die zwei oben genannten Strömungen (s o. S. 11) gehorig zu unterscheiden. Die gelehrte Strömung war in der byzantinischen Litteratur vertreten durch die Hiillefahr-ten, welche meist Imitationen von Lukians Nekyomantie waren1). Von diesen Stiieken sind zwei herausgegeben, beide in Ellissens Analekten der mittel- uud neugriecbiscben Litteratur (Leipzig, 1860, IY, S. 41 ff.; 187 tt'.). Es sind die Höllefabrten des Tima-rion und des Mazaris. Im ersten Stücke wird Cbaron nicht er-wahnt. Timarion wird nacb seinom Tode von zwei Daemonen zum Hades gefiihrt; von der gt;.iu.vy 'Azepcwlx wird gesprochen (c. 14), doch nicht von einem Fiibrmann, denn die Reise geht durch die Liifte. Im andern Stücke, das ungefahr drei Jalirhun-derte spiiter, im Anfang des 15. Jabrhunderts, geschrieben ist, kommt Charon mehrfach vor und zwar als der Schiffer, der die Todten zum Einschiffen auffordert und zwei übole als Filbrgeld empfiingt. Diese Stellen sind fast alle Anspielungen auf Verse des Aristophanes. Mazaris 2 (Ellissen, o. 1. S. 191) weist aufLysistra, v. 607 bin; eine zweite Stelle in demselben Caput (Ellissen, o. 1. S. 192) auf Frösche, v. 140; Mazaris 13, 21 (Elissen, o. 1. S. 217, 237) auf Plutus, v. 278. Der Witz der letzten Stelle, die Anspielung auf den Richtersold, bat Mazaris nicht verstanden und in der aristo-phanischen Stelle eine allgemeine Iledensart gesehen. Nur fiir Mazaris 12 (Ellissen, o. 1. S. 215) wo geredet wird von einem, der „die Kranken leicht und ohne Blutvergiessen zu Charon fiihrtquot;, kann, glaube ich, keine klassische Stelle als Vorbild angefiihrt werden.
Krumbacher, Gescb. d. byzant. Litt.1, S, 467 tt'., 492 ff.
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Hier ist die Auffassung des Charon als Gott des Todcs sehr inöglich.
Wir wollen una nicht ferner aufhalten mit dem Suchen nach anderen byzantinischen ïexten wo der Fiihrmann der Un-terwelt in klassischer Imitation fortlebt: sie würden uns nicht niiher zum Ziel führen. Interessant ist es dagegen nachzugehen was wir in der Volkslitteratur iiber den Todesgott finden. Wir fangen an mit dem byzantinischen Epos, der Geschichto von Digenis Akritas. Von diesem Gedichte besitzen wir vier Kedac-tionen, alle viel jünger als die altgriechischen Sprachformen ver-rnuthen lassen, denn die Sprache dieser Gedichte steht stark unter dem Eintiuss der altgriechischen Morphologie, wie sie auf der Schule gelehrt wurde. t'ber das Alter der Versionen liisst sich nichts mit Bestimmtheit sagen; die Handschrift der Version von Grotta Perrata ist aus dem 12. Jahrhundert, die der trapezun-tischen aus dem 16., und die Handschriften aus Andros und Oxford gehören dem 17. Jahrhundert an. Von der letzten Version kennen wir auch das Datum der Anfertigung, 1670. In allen Versionen wird Charon erwühüt, nur in der trapezuutischen, welche aber in der Mitte der betreffenden Episode abbricht, wird sein Name nicht genaunt. In der Redaction von Grotta Eerrata (VIH, v. 268 ff.) werden genaunt Qxvxro?, Xdpccv und quot;'AiS/jr, die drei „jcvSpuTroxróuoi, o'i rpag ccvsï.syipovsi;quot; welcho weder Jugend noch Alter sparen, sich vor Starken noch Reiehen fiirch-ten und alles zu „stinkendem Staubquot; machen. Sie haben es gewagt den starken Helden zu binden, den unbezwingbaren zu bezwingen. An einer andern Stelle (VIII, v. 2) heisst es dass Hades und der „fiirchterliche Charonquot; alles Liebliche in der Welt mit sich nehmen. Das wenige was in der Version von ïrapezunt von dieser Episode erhalten ist (v. 3130 ff. und v. 3152 ff.) stimmt mit derjenigen von Grotta Eerrata hauptsilchlich überein. Beide sind, wie ich mit Krumbacher ') glaube, verwiisserte und von einem halbge-lehrten Scribenten verderbte Umarbeitungen eines für uns verlorenen Originals. Die Version von Andros ist in derselben Episode, dem Tode des Helden (v. 4368 ff., v. 4405 ff., v. 4496 ff., v. 4517 ff.)
1) Gesoli. (1. byzant. Litt.', S. 829.
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noch ausführlicher, aber auch noch unbestimmter im Ausdruck ; vicllcicht sind diese Verse nur ciuo Paraphrase der entsprechen-den ia der trapezunter Redaction, mit welcher die andrische auch in anderen Theilen verschiedene Spuren von Vcnvandtschaft zeigt (Ijegrand, Bibl. gr. vuig. VI, Einl., S. 17). ist es der Dige-
nis in seinem Palast aufsucht und der ihn mitnehmen wird zu dein Ort von wo keiner zuriickkehrt (v. 4499), wo man aus dem LetheHuss Vergessenheit trinkt (v. 4506), wo die Tapfercn, die Könige, Priester, Abte und Mönche weilen (v. 4501); dort wird er ihn dem Charon übergeben (v. 4512) ') der ihn zum Sklaveu machen wird in der diisteren, wohl verschlossenen ünterwelt, jeden Reiz und Schönheit wird er ihm nehmen und ihm nur seine Knochen lassen (v. 4514). Dieselbe Confusion welche man im Drama des Euripides zwischen Hades und Thanatos signalirt hat, herrscht hier zwi-schen Charon und Thanatos; sie ist sogar noch grosser. Die drei Versionen haben das unbestimmte in der Figur des Charon gemein, und die zwei vollstilndig überlieferten die theologischen Betrach-tungen über den Ursprung des Todes durch die Siinde, überdas eitle und vergiingliche des Lebens, welche wir auch in spateren Stiicken oft wiederfinden werden. Die vierte, jiingere, bereimte Version des Epos unterscheidet sich in der Charonepisode be-trachtlich von der uiteren. Der Bearbeiter, Petritzis, moge sich nach Legrand (Bibl. gr. vuig. VI, Einl. S. 14) bedient haben eines Textes, „se rapprochant beaucoup de la version d'Andros, si toutefois il ne lui était pas identiquequot; und Lambros (Romans grecs, Einl. S. 98) möge in verschiedenen Details Verwandtschaft nachgewiesen haben zwischen Petritzis' Redaction und der Version von Grotta Ferrata, es ist ganz sicher, dass die gereimta Version in dieser Episode sich vielmehr den Vorstellungen dor heutigen Volkspoesie anschliesst. Das achte Buch fiingt an mit einer Schilderung der Macht des Charos -), welcher hier kei-neswegs eine unbestimmte Figur ist oder mit 6xvxto: und r'Aioy,c verwirrt wird. Wiihrend die drei anderen Versionen von C h a-ron reden, mit Ausnahme der andrische, welche (v. 4512) tov
1) Vergl. Kaibel, Epigr. 647, s. o. S. 14.
2) Die zwei ersten Verse fiiulet man zurück in ilicli. Stren. v. 1267 f.
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Xtxpcci/Tx bietet, heisat der Todcsgott hier Xxpos (v. 2971) oder XxpovTxs (v. 2977). Dieser C ha ros hat die Eitern des Digenis schon ergriffen (v. 2983), jetzt muss auch der Held selbcr sterben. Wie in den iibrigen Versionen wenden auch hier die Arzte vergebens alle Mittel ihrer Kunst auf, aber wiihrend die anderen Bearbeiter dies im gewöhnlichen, didaktisehen Ton inittheilen, lesen wir hier: «AAi (ttc5 Xxpou tsc TrXy/sg fióroivx §Èv xamp;^oiiv (v. 3023), cine sprichwürtliche Lledensart die noch jetzt im Volke lebt. Einen ahnlichen volksthiimlichon Ausdruck finden wir wieder in v. 2!)79, wo es von C ha ros heisst: spxsrxi p xypióniTx, vx-j xopjx pxc kplKsi. Als der Held fühlt dass er seinem Ende nahe ist, ruft er aus: xhtx kov 'irrsvs, Xxpou vxyTiTTxdijrev | xx) crsl:,
Tioèxpix Suvxtx, vx tov xxtxttxt'SiTiv ; (v. 3029 f.). Doch ist auch hier so wenig wie in den iibrigen Versionen von einem eigent-lichen Kampfe zwischen Digenis und dem Todesgott, wie wir ihn kennen aus den Volksliedern, die Rede1). In dem um viele Jahr-hunderte iilteren Roman Kallirnachos und Chrysorrhoe kommt schon eine ahnliehe Anspieluug vor. Der Held spricht nach der erneuerten Trennung von seiner Geliebten seinen Schinerz in folgenden quot;VVorten aus (v. 2387 ff.); steyx ttxvtk:, öxvxTog xv e/J'/j lt;rs vx ttxpy \ fj.i to tttxÓ'iv vx iaxx'ItQü xx) vx tov trotey/jiru' \ y.x) Tccpx ro )cxxÓTpo~cv Ti?? tvxv? sttoixs rrs \ xap^ xutcü toj Xx-p:VT0e, xv6v XVTOV ÖXVXTOU | vx tjsvuöyg' XI (TVftCpOpOl, XI TVr/.pXGlJ.di xx\
vróvoi. Ferner begegnet uns dieselbe Anschauung in der Achilleis (vv. 1565—-1713). Die sterbende Polyxena fragt Achilles ob er denn keine Macht habe den Peind mit dem Schwert zu treffeu, und ober er nur zusehen rniisse dass er ihr die Seele entreisst. Achilles antwortet: Könnte ich ihn nur sehen, so würde ich ihn tödteu, «AA' xfirsp xA£~T/}? spxstxi, xxvs)g oöSsv tov pï.éirsi | xttXccvu xx) ovx shpiaxu tov, to ri vx Koitrw oi/x exK (v- 1615 ff. vgl. 1693 ff.). Dieser Feind ist Xxpuv, wie er in einer zweiten Klage der Polyxena genannt wird (vv. 1619, 1624, 1651). Wir sind hier aber sehr weit entfernt von der lebendigen Darstellung der Volksiie-der, wo die Pallikare „auf der Marmortennequot; den Kampf mit Charos aufnehmen. Der Todesgott wird bald óxvxtoc, bald Cha-
z. B. Passow, n. 4-26, 427, 429.
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ron gonannt und diescr Thanatos ist bisweilcn in demsclben Vors zugleich als Abstraction und als Persönlichkeit gedacht, z. B. v. 1820: TfAor yxp kxvtx 5 Oxvxto:, tx ttJu/tx y.xTx[ix}./.£i.
Der Vergleich des Charon mit einem Diebe ist in der heuti-gen Volkspoesie sehr gewöhnlich. Ein Sprichwort bei Sakellarios (II, S. 287) lautet: Kótrpos ipsv-y,?, \xpos xïJcprj;1). Wir finden den Gredanken ausser in der Achillois (v. 1615, s. o.), im Gedicht über das Leben in der Fremde (Xen. v. 481). Ich glaube dass die Redensart zurückgeht auf eine bekannte Bibelstelle, wie man dies liingst nachgewiesen hat von den übereinstimmenden, aber in ailgemeineretn Sinne gebniuchlichen westenropiiisehen Aus-drücken: il vient co mme un voleur, er kom mt wie ein Dieb, hij komt als een dief (in den nacht) u. s. w.2). Wir werden sehen dass der Einfluss der Bibelsprache auf die Charosvorstellung auch in anderer Beziehung nachweisbar ist.
Es hat keinen Zweck hier alle übrigen Stellen bei mitteliilter-lichen Autoren anszuschreiben, wo Charon, Charos oder Charon-tas 3) erwiihnt wird, ohne dass wir etwas niiheres über seine iius-sere Erscheinung oder über die Art und Weise wie er die Men-sehen angreift erfahren. Ich stelle sie hier zusammen: Missa 440, 587; Lybistr. vv. 98, 3806 (cf. vv. 3805, 3807, 3808); Asin. Lup. v. 257 ; Rhod. Liebesl. XXX, v. 5; Cypr. iy\ v. 14; A/3', v. 1; Ay', v. 3; v(o', v. 2; vy\ v. 4; vS', v. 8; C, v. 1; Puell. juv. I, v. 72 (Puell. juv. II, vv. 74, 184); Sen. puell. vv. 78, 79; Sachl. v. 439; Apok. vv. 255, 364, 407, 431, 438; Imb. III, v. 490'). Wie unbestimmt die Eigur oft ist, geht hervor aus einem Vers wie Puell. juv. v. 184: ó iittvc; eU yjrcv //.s-yx'/.o: Xxpos, oder aus der sonderbaren Titulatur womit Sachlikis
Vgl. ebendaselbst 8. 84, v. 60; l'assow, n. 424. v. 16.
Ev. Matth. 24, 43; cf. 1 Thess. 5, 2; 2 Petr. 3, 10. Man schlage die quot;Wör-terbücher von Littré und Grimm auf den quot;Wortern voleur und Dieb nach.
Der Gebrauch ist sehwankend, in vielen Stücken kommen die drei For-men durch einander vor. Dio Volksaprache kennt lieute nur Charos und Cha-rontas, und so wird os wenigstens im spateren Mittelalter aucb wobl solion gowosen sein.
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sein erbaulichcs Gedicht zoichnet (Sachl. v. 439): yiuovv
XtsQxvoz, tccv TroXiriy.Ssv 'o Xxpo;. Selbst in der Apokopos, der Schilderung einer Hadesfahrt wo Charos oft erwiihnt wird uad dem Dichter sogar befbhlen wird ttov Xxpou tviv avhyv (v. 438) zu gehen, begegnen wir einem Verse wie: tov Xxpov tou: hzsipxm, óxvxtov èQspleav (v. 440). Solche Ausdriicke kommen nun zwar, wie schon gesagt, hin und wieder in der heutigen Volkspoosio vor'), doch sind sie selton und findet sich daneben die sehr bild-liche Vorstellung des überaus persönlich gedachten Todesguttes. Etwas ahnliches sucht man in den bisher besprochenen Gedichten vergebens.
Wir wollen jetzt einige Gedichte betrachten, welche die Person des Charos in greifbarer Gestalt schilderen. Das jilteste ist die Hadesfahrt des Pikatoros aus Rhethymne auf Kreta; sie gehort dem Ende des 15. oder dem Anfang des 16. Jahrhunderts au. Der Dichter trüumt, dass er von einem Ungeheuer verfolgt wird, und, als er in eine Höhle sich gefliichtet hat, von einem schwarzbekleidetcn Manne in den Schlund des Unthieres geschleu-dert wird. So kommt er in den Hades; die Pforten sind wohl verschlossen, die Schliissel hat man aus den Liichern genommen. Da sieht er Charos, der zornig auf und nieder reitet; er sieht aus wie ein Schliichter und Mürder mit blutigen Hilnden; e r reitet auf einem sebwarzen Pferde, auf der Faust hat er einen F alken und er ist be waf f-net mit Pfeil und Bogen; fiirchterlich ist sein An-blick, bluttriefend seine Rüstung1). Fliichten ist nicht möglich, eine dreiköptige Schlange liegt beim ïhore an der Kette und speit Feuer, Gift und Blut, wiihi-end sie ein die ganze Umgebung erschiitterendes Gebrüll ausstösst. Charos reitet auf den Dichter zu und fragt ihn was er in der Unterwelt suche. Die Antwort lautet dass er gekommen sei um das Schattenreich, den Tbron,
x' tov Xxpcv -k 'é[jL7rxivs sfiyxrjs Qv[zoü[/.évoi:, | lt;txv [/.xy.sAPixpvi y.zi tyvnoii rx XÉp'x izxtwizsvo{, j izxCpos exx^x?,^i/x£v£v, hfixvtxj kxi yepxy.iv, ] htpxtsisv ryv xépxv tov 7xy:ttu'j y.x) to^y.yrj. (Pikat. v. 66 ft'.).
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die Schlösser, die Lander und die Gefaugenen des Charos kennen zu lernen. Charos, dessen Benehmen dem Eindringling gegen-iiber sehr freundlieh ist, nimint ihn auf sein Ross; fiirchterliche Dinge wird der Fremde sehen, Verlassenheit und Elend. Zuniiehst geht der llitt iiber eine hohe, schmale, iiusserst gefilhrliche BrLicke, welche jedermann zu iiberschreiten hat'). Charos, welcher die Gefahren der Überfahrt aufziihlt, fügt in wunderlicher, mit bibli-schen lleminiscenzen 2) verquickter Sprache hinzu dass die Tu-gendhaften auf der Briicke keiner Grefahr ausgesetzt sind. „Die Welt ist ein Marktplatz und wir (sic) sind Kaufieute,quot; sagt Charos, „wohl ihm der das Gute kiiuf't, in dessen Hause Premde und Arme versorgt werden,quot; .... oc-jtov 0 Xxpo: 2èv dpirp, c Xx-povta? rifia tov 3). Aber bei der weiteren Pahrt geht aus niohts hervor dass die Guten ein besseres Loos geniessen. Man komint an die Stelle wo diejenigen weilen, „welche die Briicke passiert habenquot; (v. 247); da hört man das Weinen, das Knirschen der Ziihne und Wehklageu der Todten 4). Es wird abgesessen, der von einer Scblange bewachte Eingang zu diesem schauerlichen Aufent-halt wird aufgeschlossen uad man steigt auf einer Leiter in die Tiefe hinab. Hier sieht er die Todten in ihrem trostlosen Elend, die Machtigen und Schonen, wie sie mit verschlossenen Augen und gekreuzten Handen als geschlachtete Lammer niederliegen, eine Beute des Gewürms 5). Dieser Anblick macht den Dichter in Verwünschungen gegen Charos losbrechen; er soil doch den
1) Diese Vorstelluug wird auch für ilen heutigen Volksglaubou bozeugt. Schmidt vermuthet i Volkslchen, S. 240), dass diese Ansicht von einor Haar-bi ücke [to tpi'xwo von den Turken nach Griechenland gebracht worden ist, und citirt nacli Grimm (Deutsche Myth. S. l'.tl Anm. **) eine ahnliche muhamedanische Tradition; aber auch in den germanischen und keltischen Unterweltsvorstellungen kommt ilhnliches vor (Mannhardt, Gennanische Mythen S. 363, 370) und auch wohl sonst.
2) z. B.: v. 221 (Jacob. 1, 10), v. 223 (2 Petr. 3, 8), v. 226 (1 Petr. 24) u. s. w.
3) v. 238. Derselbe Gedanke Apok. v. 522 ff.
4) v. 254. ... azoi/yw xï.xvpxv péyxv | /te (3foCxo; kzi ixs UpvtrJiirixov. vgl. Ev. Matth. 8, 12.
5) x iTöy. xtpévre; o-rfariuTSs xxi fayxSie | kxi pxnt.slSe; (pofispoi/i xi 'óiiopfyovc xfxqpxdss I hxï yrxAAtixapix kx) kmSix, xcpxtrf xvx~?,€i4£vx, j x slxov etc; 7cvc
tcv; trxovï.yxix tyutenévx, (v, 283 ff.).
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Jungen und Machtigen das Leben lassen und nicht „wie ein trockener Schwamm ihr Blut aufsaugenquot;''); besser wiiro es die Alten und Gebrechlichen zu tödten. Charos gerüth aber nicht in Zorn. Er sehiittelt das Haupt und antwortet klagend, dass er keinen Unterschied inachen kann. Mit Pfeil und Bogen trifft er die Könige, tödtet er die Unbezwingbaren und scheidet Eltcrn und Kinder, Mann und Weib. Er besteigt sein Pferd, greift die Waffen und bringt seine Opfcr in den Hades, wo sie gebunden weilen miissen im Sehlund des Drachen, auf dem Wege von wo keine Riickkehr, auf dein schwarzen Lager 1). Auf das erneuerte, leidenschaftliche Fragen des Dichters ob er denn nicht nur die Schlechten angreifen könne und ob man ilin nicht durch Gold zu besanftigen verrnöge, erwiedert er in derselben Weise, ohne die Schimpfworte des Dichters zu beachten, dass dies Alles Got-tes Wille sei, ohne welchen kein Blatt zur Erde falie2). Als endlich der Dichter zu wissen verlangt weshalb ein jeder sterben miisse, folgt eine sehr ausfiihrliche Rede des Charos (vv. 396—563), der a? ócótoyoc lihxvy.xXo: in einer langweiligeu Paraphrase der ersten Kapitel der Genesis den Urspriing der Sünde erziihlt. Der Schluss fehlt; das Gedicht bricht ab in Adams Klage iiber das verlorene Paradies und in einer Beschreibung der Herrlichkeiten Edens.
Das Stück ist sehr verwirrt. Verschiedene Unterweltsvorstel-lungen sind darin vermischt. Dass Unthier mit dem auf-gesperrten Rachen, das im Anfang dem Dichter nachsetzt und ihn schliesslich verschlingt, erinnert deutlich an die auch in West Europa allgemein bekannte Vorstellung der ünterwelt 3); der Ort im Inneren des Thieres mit seinen wohlverwahrten Thii-
ïtov èpxy.ovroi ro ttó^x | (TTyjv g-t^xtx rijv xvxyeprov, (tto (ixvpirizsvov vrpfyix (v. 332 f.).
Hierbei der folgende sonderbare Yergleich: 'vfevps, fylhs pov, y.i c KÓrpoi; IMvhos eva/, | m xvcoQev Iv' ó (zvAuvxs, ó Qeb~ xi/ró; ypiy.xTXi, | va x(jlxv t ophy xip-
XVTX, Ó fZt/AOc BÏs [ZlOV KlVXTXi, J Xl j XïJÜSl {J-XTSl .... \ KI XhhOV$ ffyKUVSl €gt;C
to'j (3vlov rrov tcórfxcv tj kxyycóiïi (v. 344 ff.).
nscï (zïj (OvQqcg to tovz ult;rxv '£f-pov a-ipoyyxpiv (v. 300).
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ren und schwarzen Pahnen stimmt überein mit der gewölinlichen Beschreibung der Wohuung des neugriechischen Charos'), und mit den tiefsten Theilen des Hades wo die Verstorbenen liegen wird wohl jouer besondere Eaum der Unterwelt gemeint, der noch am genauesten der itn grieehisehen Volksglauben wenig lebenden Vorstellung einer eigentliehen Holle entspricht1). Der Strom den der Dichter im Anfang des Gedichtes, vor seiner eigentliehen Hadesfahrt, zu passieren bat (v. 32 tf.) sieht dem spilter mit Charos iiberschrittenen unterirdisehen Fluss tiluschend iihnlicb; zweimal wird die einen Eingang bewachende Schlange erwiihnt. In der Person des Charos ist in unserem Gedichte dreierlei zu unterscheiden: Die uralte Vorstellung eines grausa-meDj blntgierigen ïodesgottes, — die oioes von Gott gesandten, der Theologie beflissenen Todesengels — und, was uns am meistea trift't und hier zum ersten Male erscheiut, die Vorstellung eines rei-tenden, jagenden Todes. Dass der Tod hier in der That als Jiiger vorgestellt wird, brauchen wir nicht ansfiihrlich darzuthun: der Falke welchen er auf' der Faust hiilt ist davon ein unzwei-deutiges Zeichen. In den mittelgriechischen Gedichten wird durch-giingig der Jiiger auf iihnliche Weise durch diesen Jagdvogel typirt. Im Roman von Lybistros und lihodamne ti-itt gleich im Anfang (v. 39 ff.) der als Jiiger herumziehende, nur von seiner Jagdbeute lebende (v. 95 ft'.) Held, als wohlbewaffneter Falke-nier auf; ebendaselbst wird der Monat Januar unter dem Bilde eines Jiigers vorgestellt, und auch dort erscheint der Falke als Characteristicum (v. 948 ff.)2).
Die Schilderung des Charos bei Pikatoros bat grosse Ahnlich-keit mit einer sehr gewöhnliehen Vorstellung des heutigen
Schmidt, Volksleben, S. 247 ff.
Lybintr. v. 39 f.: jjzfiv èxz/saaa/xevev, èpafftzty yspxktv, | y.zt öx/a-u tcv sy.?.ov(ty(r€ aav^h (J.i ro hvTxpw v. 95: y.amp;ï Xfi Vc ro yepixiv (/.ov, Qpétpoii' acrr' tü crxvKiv (/.ov V. 947 ff.: 'lccycvccptc; yrcv xk uvtov vx GTrf.trxi y.x\ \y.fucs, \ xvüpuTros oAo; y.'jvyyós, ó'ao,- Qxprvs ro | o-xva/v ott.'ïoo tcv 'érpexsv, y.xi kftxtrTxQv yepxxtv. Man ver-gleiche noch in demselben Gedicht v. 119 ff., v. 1835 ff. und ferner Belth. v. 767 ff.; Flore, v. 291 ff.; Apok. v. 124; Digenis IV, v. 1304, — Stellen wo die Falkenjagd beschrieben wird.
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Volksglaubens. Der Falke möge in den modernen Volkslieden! nicht mehr in diesem Sinne vorkomrnon '), als Jager erscheint Charos sehr hilufig -), ja es scheint inir nicht zweifelhaft dass wir in dem reitendcn Chai-os ursprünglich einon berittenen Jager zu sehen habcn. Deutlich geht dies hervor aas dem an* meistcn bekannton, durch Göthes Bewundernng berühmt gewor-denen Charosliede (Passow. n. 409). Hier zieht er als Jiiger durch das Gebirge, die Jünglinge treibt er vor sich hin, die Greise müssen fulgen und die zarten Kinder hat er an den Sattel ge-bunden : Zspvsi rovz movz rsiis yêpovTX: xxtÓ~i, | rx
TpvCpspx 7rcii%ÓK0ugt;.x tt'/iv aè'/X xpx%ix7p.svx (v. 5 f.). Eine Paral-lelstelle aus einem andern Gedichte (Passow, n. 414, v. 11 ff.), wo der Mann der Eugenoula von der Jagd zurückkehrt, bietet genau dasselbe Bild. Man urtheile: y.x\ va, y.i b Kuttx: Kxpxsrxi ttsv;
xxfixkhxp'/jg, | Cpspvsi tx Xci'Stx Zwrxvx, r xypif/.ix [/.spai-//.svx, | (pépvsi yJ 'ivx ax^Óttcv^o crry nk/.'/.x tou 'èsy.èvo 1).
Wir müssen hier eine Ansicht besprechen die auf einer fal-schen Interpretation des berühmten Liedes zu beruhen scheint, und nach welcher Charos nicht unter dem Bilde eines eigentli-chen Jiigers erscheint. In Roschers Lexicon und im Preller-Bobertschen Ilandbuch der griechischen Mythologie lesen wir dass in den neugriechischen Liedern Charos als Reiter (bei Prel-ler-Robert sogar als fliegender Reiter) die Schaaren der Verstorbenen durch die Liifte zum ïodtenreich f'iihrt 2). Eine solche Vorstellung ist mir aus keinem Lied bekannt, und auch Schmidt, auf den verwiesen wird, bietet nichts derartiges. Ich glaube dass kein Geringerer als Göthe an der ungenauen Mit-theilung Schuld ist. Dieser hat in seiner Übersetzung des Ge-dichtes den Vers MaV quot;Sixfixw 5 Xxpoyrxc [jlI jdic xire^x^^svouq (v. 14) wiedergegeben durch: „Nein, Charon ist's, er saust
Welcher der Zimmmonhang sei zwischen beiden Gedichten, thut nichts zur Sache, denn auch wonn man in dem zweiten Liede eine Naehalimung des ersten sehen will, so bleibt doch unbestritten dass der nachahmende Dichter den Charos seines Vorbildos als Jiiger aufgefasst hat.
Man seht! aber Passow, n. 150, 3 und loannides, S. 290.
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einher, | Entführet die Verblichnenquot;. In seiner Beurtheilung der Illustrationen welche auf seine Anregung hin verschiedene Kiinst-ler zu diesem Gedichte angefertigt hatten, lobt er es dass fiinf von den sechs Zeichnern sich Charon gedacht hatten „auf Wolken gleichsam als Erscheinung voriiberziehendquot; üiese Auffas-sung stiinmt iiberein mit Göthes Übersetzung, aber nicht mit dem Originale, worin der oben angefiibrte Vers genauer von Wachsmuth übersetzt ist mit: „Der Charon zieht darüber hin mit einer Schaar von Todtenquot;' ^). Nicht nur dem Wortlaute nach, sondern auch in Betreff der echt hellenischen, plastischen Auf-fassung (man vergleiche v. 8 ff.) scheiat mir Göthes Übersetzung dieser Sielle wenig getreu und von nordischen Arorstellungen be-einÜusst; sic bat indessen, wie wir sahen, eine weite A.ufnahme gefunden.
Wenn Charos im Mondschein sein Pferd beschlügt, ist es auch urn sich aufzumachen zur Jagd. Seine Mutter sagt ihm: F/f [/.
fjTO KVV'Jjyl 77GJ ÖX XXl TTO '/.VV'W'4[AX GOV, \ [A'W TTXpyG [/.XVVS-
fis TTXl^lX y.l X^épamp;lX [jC, xSfP'pX^S:, ] fi'/jV TTXP'/IS TTpamp;TXVTpOyUVX Trpcc-
TovTsQxvufiévx (Passow, n. 408, v. 4 tf.); so geht er auch in einem Liede bei Schmidt auf Beute aus1*) und in einem andern, von Kind2) mitgetheilten, werden sein schwarzes Ross und seine schwarzen Jagdhunde erwiihnt. Hin und wieder kommt nun auch Charos reitend vor ohne dass er als Jiiger auftritt, aber wer weiss wie solche mythologischen Vorstellungen sich kreuzen und mit einander verknüpft sind, wird hierdurch nicht an der ursprüng-lichen Bedeutung seines Reitens irre gemacht werden. Die über-aus hiiufige Erwahnung seiner Bewaffnung mit Pfeil und Bogen,
Zur Kunst, quot;Werke ed. Grote, Berlin 1872, XXX, S. 370.
Anthologie neugr. Volkslieder (1861), S. 68, n. 6, v. 7 ff'.: tïyzt, nxCfx ^cpBÏ, [tzvpo V y.xi t x/.oyó rov, [ fj.xvpx kzi tx Aocyuvtxa, jj-xvpcc eivxi y.i ó icx[i-
Bei Schmidt. Miirchen, n. 19, 3 lesen wir: z/ 6 yiót pou PyUxs ttx fimvx. v' ci?.x$OKir;gt;iygt;ts-y. Man vergleiche auch den Anfaug des unten als Beilage J. ab-gedruckten Gedichts (v. 7 f.): itvjfairo( eT/m, Xapcvrx, xxi ccUxi xv^yxp-jc, \ x' XKÓIJ-I vso? Pp.'a-y.oiixr wAif; vi //£ Txpyi;-,
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den Jagdvvaffen par excellence, deutet ebenfalls seinen Charakter als Jüger an ').
Wir kehren jetzt zu dem Gedichte des Pikatoros zuriick. In der Litteratu r haben wir vor ihm kein einziges Beispiol gc-funden eines reitenden Todeagottes; wir mussen jetzt untersuchen ob etwa die Monumente der bildenden Kunst eine derartige Vorstellung aufweisen. Von der Kunst des Alterthums war schon die Rede, wir wenden uns also jetzt zur altcbristlichen und byzantiniacben Kunst. Wir finden dann dass in der altclirist-lichen Kunst bei der Vorstellung des Todes zuniicbst einige „ziemlicb iiusserlicb übernommene Reste antiker Anscbauung,quot; z. B. zwei Knaben mit umgekebrten Fackeln, vorkommen1); in der byzantiniacben Kunst ist, nacb Dobbert ^), die iilteste Vorstellung die welcbe man antrifï't in der ïopograpbie des Kosmas Indikopleustes (Bibl. Vat. cod. gr. n. 699, fol. 56«), wo dei-Tod abgebildet ist als Jiingling. So kommt er oft auf byzantini-scben Miniaturen vor4); diese Vorstellung nennt Dobbert die specifiscb byzantiniscbe. Daneben wird erwübnt eine Darstellung dos Todes als Hades in einer „an den antiken Silentypua erin-nernden Gestalt,quot; und eine als Einhorn in cincr Illustration der Barlaamlegeude 5). Nur in einem einzigen Fall begegnet man in der byzantiniscbcn Kunst dem reitenden Tode: es ist zur Illustration der bekannten Stelle aua der Offenbarung (VI, 8), wo der Text diese Darstellung ausdrücklicb verlangt. Das bekannte Malbucb des Atbos2), giebt die folgende Vorscbrift: „....ein Mann auf einem weissen Pferde, triigt eine Krone und biilt
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Dobbert, o. 1. S. 23 Anm.
0) Übers. vou Schafer, Trier 1855, S. 243. Vgl. Krumbaclier, Oeseh. der byzant. Litt=. S. 1117.
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einen Bogen und schiesst den Pfeil auf die Menschen; und hin-ter ihm ist ein anderer Mensch, der auf einem scharlachrothen Pferde sitzt... Und hinter ihm ist wieder der Tod auf einem blassgriinen Pferde und hült eine grosse Sensequot;. Wir mussen aber nicht vergessen, dass diese Vorstellung ganz vereinzelt und vom Texte bedingt ist; sie kommt sonst nicht vor. Noch ist zu betonen dass, nacb Kondakotts und Brockhaus' einstimmiger Ver-sicherung nur jüngere apokalyptische Darstellungen iibrig sind. Ich glaube denn auch, dass man auf keinen Pall annehmen darf dass die oben beschriebene Vorstellung die Volkspoesie beeinflusst haben könne; wohl lilsst sich Einfluss der Kunst West Europas auf die Athosdarstellungen nachweisen 1).
Wie kommt es nun dass erst bei Pikatoros Charos in einer bestimmten Gestalt erscheint, und wie erklart sich die oben aus-führlich besprochene und im heutigen Volkslied zuriickkehrende Vorstellung? Es liessen sich hier zwei Einwendungen machen. Es ist denkbar, dass in nicht publizirten oder für uns verloren gegangenen Stücken aus dem spateren Alterthum oder dem frii-heren Mittelalter eine weniger unbestimmte Schilderung vorkam; auch konnte man behaupten, dass vielleicht einige der heutigen Volkslieder in welchen Charos als Reiter erscheint in ihrem Kern viel iilter sind als das Gedicht des Pikatoros. Die Stellen aber wo Charos im oben beschriebenen, unbestimmten Sinne vorkommt, sind zu zahlreich als dass es sehr wahrscheinlich wiire, dass es daneben noch andere gegeben hiitte, wo die Vorstellung plastischer war. Pikatoros' Gedicht ist wohl nicht ein zufallig erhaltener Zeuge einer schon friiher auch sonst vorkommenden bildlicheren Auffassung, denn es steht nicht vereinzelt da, son-dern eröifnet die Reihe ahnlicher, im 16. und 17. Jahrhundert entstandener Stiicke. Die zweite Einwendung ist viel wichtiger. Kein Mensch kann sagen wie alt die heutigen Volkslieder sind
Vatopedi ein mit Haut bedecktes Skelett, das in der Linken eine Sense, in der Hechten eine Siohel halt. Über der Figur steht ó Xxpoc. Vgl. ebendaselbst S. 2'29 Anm. 3, S. 378 u. s. w. und unten S. 43 ft'.
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und in welchem Maasse mit den allmiihlichen Anderungen der Sprache sich auch die innere Form und die Art der Darstellung anders gestaltet hat. In den mittelgriechischen Gedichten kommen zwar oft Verse vor die an die hentige Volkspoesie erin-nern '), allein bis jetzt hat man kein einziges Gedicht in einer der heutigen entsprechenden Form bis ins 13. oder 14. Jahr-hundert zurück verfolgen können. So scheint von der ursprüng-lichen Form der Digenislieder uns in den modernen Volksliedern welche denselben Stoft' behandeln, nichts erhalten zu sein 1). In-dessen kunnen wir diese beiden, sowie andere etwaige Einwen-dungen2) am besten beseitigen, wenn es uns gelingt Factoren aufzuweisen die in früherer Zeit nicht thatig waren, doch im spüteren Mittelalter eine Auffrischung der Gestalt des Todes, eine Zunahme ihrer Plastizitiit haben horbeiführen können.
Wenn wir nun zu diesern Zwecke die Culturverhiiltnisse des Mittelalters naher ins Auge fassen, so wird unsere Aufmerksam-keit sofort in Anspruch genommen von den in West Europa so zahlreichen Vorstellungen des Todes in den Todtentiinzen. W. Seelmann3) hat in einer scharfsinnigen und lichtvollen Arbeit nachgewiesen, dass alle in Europa bekannte Todtentiinze von einem franzüsischen Original stammen, — dass in Frankreich dieser Todtentanz schon im 14. Jahrhundert entstanden sein muss, — dass der Text die Anieitung war zu den Schilderun-gen, und dass dieser Text gehorte zum Drama, zu einer Mora-lité welche ihren Ursprung einem jener Tableaux vivants ver-
Krumbacher, Gesch. der byzant. Litt4. S. 7fl'i, vgl. S. 830.
Z. B., dass im Allgemeinen die schon lange im Yolke lebenden populilren Auffassungen erst in der Litteratur des 10. Jahrlmnderts deutlicher zum Vor-scliein kamen.
W. Seelmann, Die Totentiluzo des Mittelalters, im Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Spracliforschung XVII (1891), S. i tt'. Duroh diese Arbeit sind die Anscliauungen Wackernagels (Haupts Zeitschr. f. deutsches Alterthnm IX (1853), S. 302—305) und seiner Vorganger augefüllt oder wiederlegt worden. Im jüngsten mir bekannten Werke über Todtentiinze (Goette, Holbeins ïotentanz und seine Vorbilder, Strassburg 1897) werden die Ergebnisse Secl-nianiis angenommen.
Vgl. Lanibros, Coll. do rom. gr. Einl. S. 10 ft'., und Krumbacher, Gescli. der bezant. Litt'. S. 257 und S. 708.
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dankte, welche im 13. und 14. Jahrhundert in Frankreich und riandern iiusserst beliebt waren *). Von Frankreich aus haben sicli dann Text und Abbildungen über ganz Europa verbreitet1). In diesen Abbildungen trifft uns, Neograecisten, am meisten dass der Tod darauf oft reitend wird vorgestellt2), obgleich weniger auf den eigentlichen Todtentiinzen als auf den Todesdarstellungen welche diesen Tanzen ihren Ursprung verdanken, oder doch durch sie stark beeinflusst sind. Der Grund dieser Vorstellung eines rei-tenden Todes ist nicht mit absoluter Gewissheit anzugeben. Ver-schiedene Autoren haben unabhüngig von einander an die apokalyp-tische Stelle, die wir schon erwiihnt, gedacht. Wir lesen dort (VI, 8): „Und ich sah, und siehe, ein fahl Pferd, und der darauf sass hiess Tod und die Hölle folgte ihm nach.quot; Der Einfluss dieser Stelle auf die Darstellungen der Kunst muss ganz entschie-den sehr gross gewesen sein; Bilder aus der Offenbarung waren in der abendliindischen Kunst sehr beliebt und kommen z. B. in franzosischen Livres d'heures sehr oft neben Todtentiinzen vor *). Die urspriingliche Bedeutung der Vorstellung in dem halborien-talischen Bibelbuch ist wohl dass der Tod als ein Jiiger den Men-schen nachsetzt und sie ereilt3).
Wie dem auch sei, es ist merkwiirdig dass namentlich in Ita-lien man so oft den Tod zu Pferde findet, gewohnlich bewaft'net
Die von Sathas {Kpynxov amp;éxTpov, Einl. S. 75) auf Grund eines Ausdrueks Asterios tov imzrov) und einer Stelle des Chysostomos geausserte Moi-nung, dass es schon in Byzanz Todtentiinze gegeben habe, hat für micli niolits überzeugendes.
Wackernagel, o. 1. S. 332 Anm. 2; Dobbelt, o. 1. S. 10; Frimmel, o. 1. (Mittb. der k. k. Central coin mission) X (1884), S. 138; XI (1880), S. 86; XVI (1889), S. 112.
bisweilen der Tod auf einem Löwon oder auf einem Hirsche reitend abgebildet wird; es wird dadurch die Stilrke oder die Sobnellheit des Todes hervor-geboben. Abnliche Bedeutung haben die Flügel womit, z. li. in Pinsolo und Palermo, das Pferd des Todes ist dargestellt (s. u. S. 40).
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in it Pfeil und Bogeu, den typischen Jagdwaffen1); cigcntliche Todtentiinze sind zwar in Italien nie sehr hiiufig gcwesen, weil der grausame Humor soicher Darstellungen dem Geistc des Vol-kes fremd war, aber Abbildungen der Macht des Todes, die so-geaannte Trionfi waren sehr beliebt. Im 15. Jahrbundert kamen solche Vorstellungen namentlich oft zur Verwendung in deu allegorischen Zügen welche die Strassen der Stüdte durchkreuz-ten, und, niebt weaiger als die Abbildungen an der Aussenseite von Kirchen und andern öft'entlichen Gebiiuden, das Volk recht geineinsam machten mit dein Bilde des Todes s). Die herrlichen Trionfi Petrarcas haben ohne Zweifel grossen Eintluss geübt auf solche Darstellungen 8).
Die iilteste italienische Todesdarstellung2) welche hier in Betracht kommt, ist aus sehr früher Zeit und zeigt deutlicher als irgend eine andere dass hier der Tod als Jiiger vorgestellt wird. Ich meine ein Votivrelief aus Neapel, ini Jahre 1361 in der Kirche von S. Pietro Martire von einem Prancischino de Brig-nale geweiht. Es ist eine Marmorplatte auf welcher ein mit Haut bedecktes Skelett mit zwei Kronen auf dem Haupte den Tod vorstellt. In der linken Hand halt es einen Jagd-sperber auf der Faust, in der rechten das s. g. „Luderquot;, das „reclamatoriumquot; (vgl. Dieffenbach, Glossarium lati-nogermanicum, S. 487) der Falkeniere. Unter seinen Fiissen liegen die Leichen von Leuten jedes Standes und Geschlechtes. Dem Tode gegenüber steht ein Mann in langem Gewande, welcher
Wackernagcl, llaupts Zeitach. IX (1853), S. 351 will Pfeil und Bogen als Attributen doa ïodes erklaren aua einer Psalmstelle (91, 5): Dass du nicht orachrecken müsaest vor dom Grauen des Nachts, vor den Pfeilen die des ïags fliegen.
Die italienischen Todtentanzen und Abbildungen des Todea behandelt
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aus einem grossen Bentel Geld ausschüttet. 4us dem Munde des Mannes kommen auf einem Streilen in der bekannten naiven Weise die folgenden Worte heraus: Tuto. te volio. dare, se mi lasi scampare. Der Tod antwortet in derselben Weise: Se tu me potisse. dare. | quanto. se pote. ademandare. [ No te scampara. la Morte | se te vene. la sorte. Zwischen dem Tode und dem Manne steht eine grössere Inschrift, welche jeden Zweifel an die Bedcutung der Figur auf hebt. Sie lautet wie folgt:
Eo so la Morte chi chacio Sopera voi jende munedana La malata e la sana Die note la perchacio No fugia nesuno inetana')
P. scampare da lo mio laczio Che tucto lo mundo. abraczio E tucta. la gente umana Per. che nessuno. se. conforta Ma. prenda. spa ven to.
Cheo 5). per. comandamento De. prendere. a chi ven. la sorte.
Siave castigamento Questa. fegura. de Morte E pensavie1). de fare, forte In via de salvamento.
Das heisst also; Ich bin der Tod, welcher auf Euch, mensch-liches Geschlecht, Jagd mache; das kranke und das gesunde ver-folge ich Tag und Nacht. Es fliichte sich keiner in die Höhle, um meinem Netz zu entgehen, das die ganze Welt und das ganze menschliche Geschlecht einschliesst. Deshalb sei keiner ruhig, sondern erschrocken, weil ich beauftragt bin zu nehmen den-jenigen fiir welchen das Loos eingetroffen hat. Dieses Bild des
Pensate di farvi forti.
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Todes sei Euch eine Lehre, und denkt daran Euch zu erstarken auf dem Wege zur Rettung.
Die beiden anderen Inschriften bedürfen keiner Cbersetzung. Auf dem das Relief umgebenden Rande steht die Dedication in it Jahreszahl und dem Namen des Donators. Das Relief war bis 1862 au Ort und Stelle (der Aussenseite der Kirche) geblieben, jetzt befindet es sich im Museo di S. Martino. Die Abbildung war im Stadtviertel sehr populiir und hiiufig sagte man zu einem der Geld zu borgen wünschte: Prag es den Tod von S. Pietro Martire, der hat es in ÜberHuss
Man sieht dass diese Vorstellung des Todes eine grosse Ahnlichkeit hat mit der Todesfigur bei Pikatoroa. Die Falkenjagd brauchten zwar die Grechen quot;) nicht von den Italienern zu lernen, aber die auifallende Verwendung desselben Bildes in der Darstellung kann man doch kaum dem blossen Zufall zuschreiben. Dies ist um so weniger wahrseheinlich als die Vorstellung des Todes als Jiigcr in Italien keineswegs selten ist. Wenn wir bedenken, dass aus leicht ersichtlichen Griinden viele dieser Todesdarstellungen ver-schwunden sind, so kcinnen wir nach der Zahl der jetzt noch iibrigen sogar schliessen dass sie früher recht haufig gewesen sind. Mir sind die folgenden bekannt: Im italienischen Tirol, in
1) Diese Beschreibung uiul die italienischen Anmerkungen sind dei- Zeit-solu-ii't nNapoli Nobilissimaquot; (Neapel, 1892, fase. 6quot;.) entnommen, wo Ludovico de la Ville Sur-YUon »11 bassorilievo della Morte a S. Pietro Martirequot; hat he-spochen. Eine sehr gute Photographie des Reliefs ist beigegeben. Das interessante Stuck ist zuerst beschrieben von do Blainville, Travels through Holland u. s. w., London 1757, S. 328, und daim von mehreren Autoren erwahnt. Nach Vigo, lo Danze Macabre, S. 50, ist die Todesfigur «armata di ferula uella mano destra e con un avello nella sinistraquot; (!). Die Photographie zeigt sehr deutlich dass dies ganz verfehlt ist. Ein «Tod zu Ross, unter dem Arme einen Sarg tragend und in der rechten Hand den Pfeil schwingendquot; erwahnt Massman auf einem franzosischen Todtentanz (Serapeum II, S. 201). Wie Vigo zu seiner irrigen Angabe gekommen sein mag, weiss ich nicht. Auch die Inschrift bat er nicht ganz genau wiedergegeben. Ich verdanke die Kenntniss des Artikels in der «Napoli Nobilissimaquot;, wodurch die mir aus de Blainville bekannte Beschreibung bestiitigt wird, einer freundlichen Mittheilung Frau Prof. Dohrnsin Neapel.
2) Die hiiufige Erwiihnung aber dieser Jagd in den mittelgriechischen Gedichten wird wohl zu erklaren sein aus dem regen litterarischen Verkehr von Byzanz mit dem Abendlande.
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Pinsolo, sicht man den Tod auf cinem weissen, gefliigdten Rosse in schnellstem Lauf; er schiesst auf die Menschen seine tödlichen Pfeile ab'). In Palermo malte Antonio Crescenzio an einer der Aussenwiinde des riesigen Spedale grande ein kolossales Presko-bild, warauf' der skelettartige Tod auf entHeischtein Rosse daher-jagt; in der Linken hiilt er den Bogen, von welchem er seine Pfeile auf die am Boden liegenden Machtigen der Erde entsen-det hat1). Im Kloster Sacro Speco bei Subiaco ist, nach Dobbert 3), das auf einem Rosse anstürmende Todesgerippe abgebil-det; hier hiilt es aber ein Schwert in der Hand, eine Abwei-chung wie sie in Kunstdarstellungen, wo verschiedene Vorstellungen leicht sich kreuzen, uns nicht verwundern darf. Beaehtenswerth ist auch der grosse, jetzt nur noch theilweise erhaltene Triumf des Todes, welcher an der Aussenwand der Kirche in Clusone, gleich wie in Pinsolo, über einem Todtentanz gemalt ist. Er gehort dem Stile der Mitte des 15. Jahrhunderts an 2). Hier steht in der Mitte ein riesiges, gekröntes Skelett, welches zwei „car-telliquot; in den Hiinden hat. Auf dein einen liest man: Griungc la Morte piene de egualeza | Sole ve voglio e non vostra richeza. Auf dem andern: Digna mi sou de portar corona | E che signo-resi ogni persona. Zwei andern Skelette stehen neben ihm auf dem Grabmal, worin ein Papst liegt. Das eine schiesst seine Pfeile ab auf einige berittene Falkenjiigers), das andere richtet ein sehr primitives, höchst merkwiirdiges Feuerrohr auf eine bunte Menge jedes Standes und Alters. Ringsum verdriingen sich Könige, hohe quot;Würdentriiger und Kaufleute, welche vergebens mit
Stahr, Ein Jahr in Italien, Oldenburg 1847 II, S. lOli; Vigo, Le Danze Macabre S. 49.
Beschrieben und abgebildet bei Vallardi, Trionfo e Danza della Morte o danza Maoabra a Clusone, Mailand 1859.
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gehobenen Handen dcm Todc ihr Gold oder ihre Kronen an-bieten ').
Wir werden sehen dass nicht nur die italienisehea Abbildun-gen, sondern auch die begleitenden Texte inanchen Anklang in der grieehischcn Poesie gefunden haben. Zuerst wollen wir aber die Darstellungen des italienischen reitenden Todes wieder betrachten, und fragen. ob es bei dein lobhaften Vorkehr zwischen Italien und Griechenland nicht höchst wahrscheinlich ist, dass der Rintiuss der italienischen Kunst eben so gut aut' die ïodes-darstellungen der Griechen gewirkt hat, wie ihrerseits die Ita-liener den EinHuss der nordischen Vorstellungen enipf'undcn batten? Die grossen Bilder an den Aussenwanden der Gebiluden waren überall, auch ohne Text, Fremden wie Einheimischen gleich verstiindlich, und wie tieten Eindruck sie auf die Zuschauer machten, geht am besten hervor aus sprichwörtlichen Redensarten wie das deutsche; „Er sieht aus wie der Tod zu Baselquot; oder das holliindische: „Hij ziet er uit als de dood van Yperenquot; 1), welche auch auf grosser Entfernung von ihrem Entstehungsort allgemein bekannt und gobriiuchlich waren oder, wie z. B. die letzte, noch sind. Wir diirfen wohl annehmen, dass Abbilduugcn wie die oben besprochenen den Griechen schon friih bekannt wurden, und wahrscheinlich ist es dass sie von ihnen nachgeahmt wurden. Namentlich wird dies der Pall gewesen sein auf den Insein welche, wie Rhodos und Kreta, unter frankischer Herrschaft standen, und somit eine Briicke bildeten zwischen Orient und Occident. In einem Gedichte aus Rhodos werden sogar solche Darstellungen genannt; das Stück enthiilt die Bescbreibung der Pest welche in den Jahren 1498 99 auf Rhodos wiithete, und es wurde gedichtet von Emanuel Georgillas. Darin wird Charos angeredet und gefragt wie er zu soldier Verwegenheit kom me dass er weder
'2) Eine Stadt in West Flandern mit einem jetzt veraohollonen, berülimten Todtentanz.
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Reich noch Arm schone; dann sagt der Dichter (210 IF.): Viele haben dich abgebildet wie du als der Erreger des Schreckens oben auf dem Kerberos sitzest, als der Obcrherr aller Teufel,
init deinem wilden Ausseren, deinen entfleischten Armen; Schön-heit und Lieblichkeit hast du in deiner Macht, bewaffnet wie du bist mit allerlei Waffen und mit der Sense — Ich glaube dass diese Stelle, welche sonst unverstiindlich ist (vgl. Schmidt,
Volksleben, S. 245) erkliirt wird durch ïodesdarstellungen wie wir sie in Pinsolo und Palermo vorfanden. Das gelliigelte Ross welches der Tod auf diesen Abbildungen reitet, kann der Dichter,
in seiner Unwissenheit der klassischen Mythologie, fiir den Kerberos gehalten haben, welcher im Volksglauben nicht mehr lebte.
Wir sahen schon dass bei Pikatoros eine dreiköpfige Schlange die Thiire der Unterwelt hütet, ein Ungeheuer dass nur eine blasse Reminiscenz des übrigens schon im Alterthum sehr ver-schieden gedachten Hüllenhundes war. Vielleicht scheint diese Hypothese zu kühn, doch, wie dern auch sei, es geht aus Georgillas Ausfiihrungen deutlich hervor dass auf Rhodos im Anfang des 16. Jahrhunderts Darstellungen eines berittenen ïodesgottes wohl bekannt waren (jroX/.o) rre s).
Deutlich als Jiiger bezeichnet wird audi Charos in einem in »
Venedig 1586 publizirten, unten als Beilage I abgedruckten, al-phabetischen Zwiegespriich zwischen Mensch und Charos1). V. 7
Vielleicht ist es dassolbe Gedicht als die von Krumbacher (Gesch. der
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lautet: quot;AvópuTroc sï^xi Xxpovrx, y.x) vs'ivxi y-D^^yxcy,: (vgl. v. 8') f.). Aucli in zwei andcrn Alphabetcn werden Pfeil und Bogen des Charos erwiihnt; das erste ist als Beilage 11 unten cdirt (vergl. v. 81 ff.), im zwoiten '), das nicht die Form eines Zwiegcspriichs hat, wird bald von amp;xvxTog bald von Charos geredet und auch hier werden (v. 13, 26) seine Waffen (Pfeil, Bogen und Schwert) genannt. In dem ersten pariser Alphabet (Beilage II, 49 ff.) lesen wir das Motiv des vergeblichen Geldanbietens, welches bei nordeuropiiischen Todesdarstellungen mehrfach vorkommt2), in beinahe derselben Form wie wir es ausgedriickt fanden in den Worten welche auf dem neapolitanischen Relief, und namentlich auf dem Trionfo in Clusone, dem Tode in den Mund gelegt werden.
Wir glauben in dem oben behandelten EinHuss der italienischon Todesdarstellungen die Faktoren nachgewiesen zu haben welcho in Griechenland im 15. und 16. Jahrhundert Veranlassung gegeben haben zu einer schiirferen Auspriigung und grosseren Verbreitung der Todesfigur. Es wird die Kraft der Beweisfiihrung natürlich be-deutend vermehren, wenn wir auch bei einer andern als der schon be-sprochenenCharosdarstellung ebenfalls ita'ienisehenEinHuss aus derselben Zeit feststellen können. Dies ist in der That der Fall bei der Vorstellung des Charos als Skelett. Schon Schmidt (Yolksleben, S. 228) hat bemerkt dass hier eine Entlehnung aus dem Abend-lande vorliegt. Dasselbe gilt von der Sense welche in Gedichten
byzant. Litt:. S. 815) erwahnte alphabetisehe Disputation zwischen Mensch und Charus, welcho im Cod. athous 2t30 steht.
1) Krumbaoher, Oesch. der byzant. Litt:. S. 815. Das Gedicht steht im Cod par. suppl. gr. G80 (f0. 71 sq.) und im Cod. athous 3820 (n. 22). Die zwei ersten Verse: Apxovrt; xxt [jltyitrmm utru -rij» srrwxoAcyia, | Savaro; ^5.- ■zx-jtu-Xuuei, véav;, yépov? xx! z-xiSix, bilden mit geringer Abweicbung die Schlussverso eines von Zampelios herausgegebenen, wehmüthigen Liedes über die Vergiing-lichkeit des Lebens (Zampelios, nóSev $ xoivi) Ae'J;; rpxyoCSi, S. 48). Das grosse von Sakellarios (Cypr. II. S. 29) edirte Gedicht ist niohts als eine venvirrte Zusammenstellung verschiedener Bruchstüoke aus solchen Alpbabeten. wodurch das ganze oft unverstiindlicb wird und die alphabetisehe Folgereihe wiederholt gestort wird. Auch deshalb habe ich es der Mühe werth geachtet zwei dieser Alpbabete in dor ursprünglichen Gestalt mitzutheilen.
2) Ygl. Goette, Holboina Totentanz und seine Vorbilder, S. 54.
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dos 16. Jahrhundcrts oft als Waffc des Cliams erwahnt vvird, uanientlich \vo er als Gerippe auftritt. Die Vorstellung als Skclctt hat sich vom Norden aus verbrcitot und ist in Italian zwar nicht so hiiufig wie in Nord Europa, kommt aber auch dort vor'j.In Griechenland finden wir sie in dor Erophile, der ïragodio welche oine freie Bearbeitung oines italienischen Originals (die Orbocche dos Giraldi) ist1). Dor grieehische Dichter, Chortatzis, liisst den Prolog dieses Stiickes, welcher im Original von einer besonders zu diesem Zwecke auftretondon Person ausgosprochen wird, von Charos sagen, dor selbst ausführlich seine iinssero Gestalt und soine Macht schildert; er tritt auf als Knochoninann, bewaffnet mit der Sense. Dass der Dichter die anonyme Person des Originals durch Charos ersctzte, geschah wohl um durch das Aufführen einer allbekanntcn und gcfürchteton Figur eine effectvolle Wir-kung zu erzielen, boweist aber auch dass Charos als Knochen-mann fiir die Landsleute dos Chortatzis eino populiire Erscheinung war, ein Schlnss den man nicht hatte ziehen kiinnen, wenn schon der ursprüngliche Text den Prolog von La Morte sagen liess. Sathas (Kpyrixov QéuTpov II, Einl., S. 79) bemerkt dass der Prolog der Erophile Ahnlichkcit hat mit zwei italienischen Canti della Morte wie sie bei Aufziigen gesungen wurden. Ebenso tritt Charon als Knochenmann auf in cinom ebendaselbst von Satlias mitgethoil-ten Fragment eines andern (unedirtcn) kretischon Stückes 2). Eudlich wird dort von Sathas noch ein italienisches Gedicht auf den Tod 3) genannt, das nach ihm aus dom Griechischon iibersetzt ist und worin dieselben Gedanken als im Prolog der Erophile vorkommen. Die kurze Probe die er von diesem Gedichte giebt stimrut zu der letzten Bohauptung, macht abor die erste, die dor Übersetzung aus dein Griechischon, recht unwahrscheinlich, denn die von Sathas citirten Verse haben grosse Ahnlichkcit mit einer
Bursian, Abhandl. d. philos.-hist. Cl. d. K. siichs. Gosellscb. d. Wiss. 5 (1870), S. 5i9 635.
Sathas. Kpyr/xov c^éxrpev, 11, Einl. S. 80: ncio; eïv' tov t3?.£7Tüj a' 'épxsTXt
paupo;, (Ty.OT€i'Jtult;riJt.évos, | xvovvovfioi, zvéyvupos y.xi SeKGny.zhia-itévOi;
Trattato della suporbia de uno chiamato Senso, il quale fugiva la morte;
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bekannten Stelle aus Petrarcas Trionfo della Morte!). Es ware interessant zu untersuchen ob das italienische Gedicht auch im Allgemeinen sich an Petrarcas Schöpfung anlehnt; wenn man dann auf der andern Seite grosse Verwandtschaft mit dein Prolog der Erophile nachweisen könnte, so würde man ein schlagendcs lïeispiel haben von der nachhaltigcn Wirkung die das Gedicht des grossen Italienors geübt hat.
Ein früheres Zeugniss der Vorstellung des Charos als Skelett enthiilt das alteste aller venetianischen Drucke, das Gedicht Ylhöoc QxviTou, in Venedig herausgegeben im Jahre 1524, sodann im Jahre 1543 1). Es ist eine ausführliche Klage übcr die Ver-ganglichkeit des Tjebens und die Schrecken des Grabes, welche in drastischer Weise beschrieben sind. Bald wird der Tod als Thanatos bald als Charos angeredet, und es wird die gewöhnliche Erage gethan warum er nicht statt Kinder Greise nimmt und wie er es wagt die Reichen und Machtigen, welche yspxxix xx) ïkuKix kswtots ^npxvTiivxv,quot; mit seinen Pfeilen und seiner Sense zu tiidten. Theologische Betrachtungen über die Sünde fiillen einen grossen Theil des langweiligen Stückes. Daneben sind aber volksthiimliche Redensarten quot;) nicht zu verkennen. Merk-wiirdig ist der hübsche Holzschnitt welcher dem Gedichte beige-fügt ist; hier ist Charos abgebildet als Gerippe, seine Waffen sind „twv Tptüv Xoyüv tx iipfixTX sy.slvx tïov ijlx; lt;r$)x%£i, \ to Sps-
Legrand, Bibliogr. hell. I (1885), S. '179, 238 ff. Krumbacher, Gesch. der byzant. Litt.5 S. 822. Ich konnte das Exemplar der Kön. Bibl. in München benutzen.
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ttxvsv y.xi to ttrxói, §3§j£p/ fts (rxyittssquot;, wie der Dichter sie nennt in seinen Anweisungen an den Kiinstler. Diese Anweisungen sind abgedruckt bei Legrand, o. 1. S. 239; im eigentlichen Gedicht nennt der Dichter auch . . to 'hpsza.vi ottov fixrtqic, y.xdv: as %uypxlt;pi%ovv. Solche Holzschnitte waren sehr geeignet um die Griechen mit der abendlandischen Vorstellung des Todes bekannt zu machen.
Obgleich die Figur des mit der Sense bewaffneten Knochen-ma^nes in der Litteratur der kretisch-venetianischen Kreisen nicht weniger vorkommt als die Vorstellung des jagenden, reitenden oder pfeilsehiessenden Todes, so hat doch diese erste Figur keiae tiefe Wurzeln in den Volksglaubea geschlagen. Der ausgezeich-nete Kenner des neugriechischen Volksglaubens, Herr Prof. N. Gr. Politis, hatte die Freundlichkeit mir mitzutheilen, dass man unter dem Volke sich hie und da, wie z. B. in Corfu, den Charos als überaus mager vorstellt, woher die Redensart: Haut und Knochen wie der Charos [ttstit) xx) yJzy.x/.s crxv to Xxps). Sonst sei im heutigen Griechenland weder die Vorstellung als Skelett, noch die Sense als Waffe des Charos rein volksthiimlich'). Auch Politis glaubt an den EinHuss italienischer Malereien. Volksthiim-liche Darstellungen des Charos (etwa auf Bilderbogen u. s. w.) giebt es gar nicht.
1) Das echt volksthümliche dos von Schmidt hemusgegebenen Gedichtes(Gi,ie-chische Miirchen, S. 176 n 37) worin wir lesen: Spxirxvi o-té yjft nv, vréipTovv tx y.óxxxgt;.i tou wird vom Herausgeber selbst angezweifelt (o. 1. S. 20i). Herr Politis liatte die Güte mich auf zwei mir unbekannte Stellen aus Dichtern dos I li. und 17. Jahrhundorts aufmorksam zu machen, welche dem Charos eine Sense beilegen. Es sind Marinos Tzanes in Ketrimfyi (Venedig ISltï,
S. 30 und Ibiritischer Codex von Athos n. 73'2, f. 130,l.) und Anthimos Dia-krusis in Srs.yyti: toü Seivov toAsixcv tov èv kfkty (Venedig 1079, S. 27). — Ks ist bezeiclmend dass bei den süditalienischen Griechen die Sense des Todten-gottes wohl bekannt ist (Morosi, Otranto, S. 27; Pellegrini, Saggi di romaico otrantino, S. 30; Palumbo, Antologia greco-salentina (1890), S, 4). Dort lieisst der Gott aucli nicht Charos sondern ïanato, la Alorto. Beides weist auf italie-niachen Einfluss. Dieser Tanato hat den Namen seines Opfers in einem Bucli aufgeschrieben (Palumbo, o. 1. S. 5). vielleicht muss hier an eine Stelle aus der Oti'enbarung (20, 12) gedacht werden. Auch ein Zwiegesprach zwi-schen Tanato und dem Menschen kommt vor (Morosi, Otranto, S. 27; Palumbo, o.l. S.9tr.)
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Die Sense hiilt Charos als Schnittcr und diese Vorstellung wird erkliirt aus den bekannten Bibelstellen, wo das Leben der Men-schen verglichen wird mit den Blumen und den Griisern dea Feldes Willi rend nun das Symbol des Schnitters oder des Mlihers, die Sense, aus dem Volksbewusstsein verschwunden ist, so hat doeb die Vorstellung selbe in der Sprache des Volkes ibre Spuren binterlassen. Denu auf der oben genannten Thiitigkeit des Charos beruht, wie Schmidt (Volksleben, S. 227) richtig bemerkt, der Gebrauch des Wortes öspl^w, das nicht uur bei Georgillas (Pestil. vv. 192, 209), sondern auch in dem arachobitischen Fluche vxv tovv öipltrquot; ó Xapos (d. i. vx tsv óepia-f, 'o \xpo:) vorkommt. Aus solchen auf Corfu und ia Arachoba gebriiuchlichen Redensarten können wir schliessen, dass einst die Vorstellung des Todes als enttteischter Müher oder Schnitter dem Volksglanben weniger fremd war als jetzt, wenn gleich sie auch niemals recht popular war.
Es ist leicht zu verstehen dass die Mythologie der Griechen die Gestalt des ïodes als Skelett nicht aufgenommen bat; das grassliche und nicht der lieobachtung entnommene Bild eines kriiftigen, lebensvollen Gerippes sagte dem plastischen Sinne der Griechen noch weniger zu als den Italienern. Dagegen fand die Gestalt des auf schnellem Rosse daherjagenden Todes in Hellas bereitwillige Aufnahme und wurde in der Dichtung des Volkes zu einer höchst plastischen Figur. Die Malereien in Pinsolo und Palermo und das Relief in Neapel stellen zwar kein eigentliches Gerippe, aber doch ein mit Haut bedecktes Skelett auf ent-Heischtem Rosse dar; in der neugriechischen Volkspoesie dagegen ist die magere Gestalt zu einem kriiftigen Manne geworden. Gewiss hat hier die uralte Todesvorstellung des Volkes eine solche Modification herbeigeführt. Muss man in ühnlicher Weise die Aufnahme der Vorstellung des reitenden, jagenden Todes daraus erkliiren dass sie ankniipfte an uralte, im Volksglanben nie erloschene Vorstellungen eines tüdtliche Pfeile ent-sendenden Gottes wie einst Apollo war, oder erinnern an Wörter wie xmtóttuKo; und Zxypivz ? Dergleiche Vermuthungeu
1) Pb. 36, 2; 102, 15; 1 Petr. 1, 24.
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karm man ebensowenig bestütigen als wiederlegen, weil sie nicht auf irgend einer Überlieferung, sondern lediglieh auf allgemeinen Erwiigungen sich stiitzen. Zudem wird das Wort kavtóttccXoc sehr ver-schieden erkliirt und ist ein !Nquot;anie des Hades und des Diony-
sos, ebenfalls der Gegenstand vieler einander in ihren Resultaten gegeniiberstehenden Erörterungen gewesen. Aueh an Einfluss der (lurch ganz Europa verbreiteten Vorstellung der wilden Jagd scheint nicht zu denken; was davon im Alterthum nachgewiesen ist von Dilthej i), scheint vielmehr fort zu leben in den heutigen Neraïden und Telonia -). Eher findet man Spuren einer alten Tradition welche zur Verbreitung des reitenden Todesgottes mitgewirkt haben mag, in der Vorstellung dass auch der Herr des Himmels zu Pferde reitet. Darauf wenigstens deutet die von Schmidt1) erwiihnte Redensart: s Qioc y-xKr/xv r' x'^oyó tcu (Gott beschliigt sein Ross) oder (ioovrouv tx irira.'/.x oltv t x/.cyc rcv óicü (Die Hufeisen von Gottes Ross dröhnen), wie man in Arachoba sagt beim Rollen des Douners. Nach einer kretischen Legende reitet der dort hochverehrte heilige Nikitas durch die Lüfte auf eiuem Rose mit weisson Elügeln 2). Dies Alles ist aber viel zu uubestimmt um uns zu irgend einem Schlusse zu berechtigcn; der Einfluss der italienischen Cultur dagegen ist durch manche offenbare Entlehnung fest bezeugt.
Endlich kommt noch auf Zakynthos Charos als Pahrmann vorc) 'T ob die Überlieferung aber wirklich auf das Alterthum zuriickgeht bleibt zweifelhaft. Dass in einem der von Schmidt (n. 37) mitge-theilten Gedichte dieser Schifl'er als inagerer Sensenmann wird vor-gestellt errcgt schon Bedenken; auch der Herausgeber selber iius-sert Zweifel an die Achtheit. Andere von Schmidt her.ingezogene Zeugnisse scheiuen jedoch zu beweisen, dass z. B. auf Zakynthos das Volk einen Todtenschiffer kennt. Nur können wir bei dem
Schmidt, Volksleben. S, 32.
Schmidt, Volksleben, S. 44. Xach Wessely, Iconographio Gottes mui der Heiligen, Leipz. 1874, S. 312 wird er in der Kunst vorgestellt wie er auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurde.
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Fehlen ausführlicher Mittheilungen nicht entscheiden ob hier un-unterbrochene Tradition anzunehmon sei') — was mir unwahrschein-lieh vorkommt — oder Einfluss der gelehrten Ströinung, velche z. B. durch die von Sathas herausgegebene Tvagüdie Zy,vuv1) vertreten ist. Das Stiick ist eine frostige Imitation eines lateini-schen Originals, welches im Jahre 1648 herausgegeben und 'on einem englisclien Jesuiten verfasst wurde. Hier lesen wir die scenische Anweisuug: Tóts; TrepvS. y, [Sdpxx toïi Kxpo'vrs y.oi) sivsci [/.sgx yi x7y.ix roü 'Aoftzy.iou u. s. w. (Zen. V, 4, S. 90). Es ist einfach der italienische Name des autiken Todtenschiffers beibe-halten (Charonte), was zu der Frage berechtigt ob nicht der griechischen Nachahmung eine italienische Übersetzung des Originals zu Grunde lags). Auch der rein volksthümliche Charak-ter eines von Legrand edirten Liedes2), wo vom Schiff des Charos die Rede ist, scheint mir zweifelhaft. Denn auf diesem Schiff befinden sich nicht nur Todten, sondern auch Kranken und Verwundeten. Charos sucht einen Ilafenort wo er das Schiffstau festbindet. Da kommen Miitter, Schwestern und Wittwen um ihre Yerwandten loszukaufen; sie bieten ihr Gold an ^), aber Charos entsinnt sich, schneidet die Taue durch und verschwin-det. — Übrigens ist zu bedenken, dass eine Vorstellung die ihren Ursprung der Schule verdankt im Laufe der Zeit recht wohl eine populiire werden kann. So hat auch die Volks-sprache viele sogenannte gelehrte Wörter ganz in sich aufge-nommen.
Es ist hier der Ort einiges zu sagen über zwei Figuren die im engsten Zusammenhang mit Charon stehen, die Charontissa und Charos' Sohn. Unter der Charontissa wird bald die Gattin
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Kpqrtxov OéstTfo'j II, S. 1 ft'.
Legrand, Ree. de Chans, pop. S. 254.
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Charos' '), bald seine Mutter 1) verstanden. Sie wohnt mit ihm in der Unterwelt, wo sie gegen Sonnenuntergang mit ihm zu Abend speist:i), und sie ist beauftragt die Angekommenen zu beruhigen. In einem chiotischen Liede (Beilage III) das auch anderswo be-kannt ist2), beklagt sie sich dass ein junges Miidchen (anders ein Jiingliog) sich dem neuen Leben nicht fügen will, und hadert dariiber mit ihrem Sohne oder Gatten 3). Namentlich wo sie als Mutter des Charos gedacht wird, ist sie von diesem sehr ver-schieden; sie bittet ihren Sohn dass er Miitter mit Kindern, Geschwister und Neuvermiihlte schone. Auch warnt sie die Menschen vor ihrem Sohne ü). Dieser aber ist unerbittlich, und fragt: „Wenn ich nicht schiine Miidchen wie alte Frauen und Kinder niihme, weshalb wiirde man mich dann Charos nennen?quot;') Ich muss darauf verzichten die Figur der Charontissa niiher zu deuten; man kann die Mutter des Todesgottes vergleichen mit der Sonnenmuttcr des Armurisliedcsb); Stuart Glenniefl) oennt auch eine „Mutter des Nordwindesquot;, eine „Mutter der jSTachtquot; und eine „Mutter des Meeresquot; als Schüpfungen der griechischen Volksphantasie.
Noch befremdender als die Charontissa erscheint die Figur von Charos' Sohn4). Dass der Tod, der unfruchtbarste aller Götter,
Schmidt, Volksleben, S. 234. Legrand, Rec. de Chans, pop. S. 37 der Einl.
Schmidt, Gr. Marchen, n. 28.
Schmidt, Volksleben, S. 241; Garnett und Stuart-Glennie, Greek Folk Poesy, London 1896, I, S. 83.
Passow, n. 423. Chasiotis p. 160, 5 und Oikonomides r, 4. Das letzte Lied lag mir nur vor in der Ubersetzung von Lucy Garnett, Greek Folk Poesy I. S. 87. Es ist darin die Redo von der Hoclizeit seines Sohnea welche Charos f'oiort; statt Liimmer achlachtet er Kinder, statt Widdor Briiute, und er nimmt
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ein Kind habe, lautet sonderbar und kommt wohl nur vor in der gelehrten, speculirenden Mythologie ') oder bei Vorstellungen wo der Todesgott ausschliesslich als Herrscher des ScbaUenreichs gedacht wird und Morgen- und Abenddammerung als seine Kinder auftreten. Beim neugriechischen Charos, wo das physische Sub-strat so deutlicb itn Bewusstsein des Volkes blieb, ist die Er-scheinung hüchst auffallend. Ich glaube dass sie erkliirt werden muss durcb die Bibelspracbe, und zwar in dein Sinne dass wir in dem Sohne des neugriechischen Charos ein Beispiel zu sehen haben jenes „disease of languagequot;, das nach Max Miiller in der Mythenbildung eine so wichtige Rolle spielen soil. lm Hebriii-schen kann derjenige der zu einer Sache in irgend einem Ver-hültnisse steht, als der S o h n dieser Sache oder dieses Begriffs gekennzeichnet werden. Dieser Hebraïsmus ist der Ursprung der deutschen Redensart: „du bist ein Kind des Todesquot;, für „du bist des Todes würdig.quot; Die Ubersetzung dor Septuaginta hat diese Wendung beibehalten und auch im Neuen Testament sind ahn-liche Redensarten hilufig. Es ist nun denkbar dass aus dem bi-blischen uib: toü (ix'jxtoj (1 Reg. 20, 31; 2 Reg. 12, 5) der, übrigens nur selten erwahnte, Sohn des Charos entstanden sei. In der von Schmidt (Volkslebcn, S. 222 Anm.) anget'iihrten Reden-sart sÏvm rcïi öxyxrx, welche man auf Kythera vou einem Tod-kranken gebraucht, und in der einem kyprischen Liede -) ent-nommenen Wenduug xsïvc: itj-s yirsvy yspsvrx: %tcvv tcïi Qxvxtou, dürfte man die Vorstufe sehen zu der allmiiblichen Personification des sprachlichen Ausdrucks. Auf iihnliche Weise ist zu er-kliiren, dass in einem von Schmidt erwiihnten Liede (Volksleben, S. 233) die Verstorbenen Kinder des Charos genannt werden. Auch hier ist Einfluss der Bibelspracbe erkennbar.
Wir wollen jetzt die Ergebnisse unserer Untersuchung zusam-menfassen und versuchen die einzelnen Ziige der Charosfigur zu unterscheiden. Dabei liisst sich über ein Paar Details streiten,
auch der Wittwe eiozigen Sohn. Den Tod (Charos) als Gevatter, ein beliebtes Marchenthema in ganz Europa (G. Meyer, Essays I, S. '242 ff'.), kennen auch die Oriechen (Schmidt, Gr. Marehen, S. H7).
1) Vg-1, Rosohers Lexicon der Myth. S. -1781.
2) Sakell. S. 145.
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aber einleuchtend scheint es mir dass wir in der heutigen Charos-vorstellung dieselben drei Elemente zuriickfinden welehe wir im Gedichte des Pikatoros nachgewiesen haben, d. i. ein u r a 1-tes, heidnisches Element, welches Verwandtschaft zeigt mit Anschauungen die den verschiedensten Viilkern gemein sind, ein christliches, den Einfluss der Bibelsprache verrathendes Element und eins das die Einwirkung der abendliln-dischen Cultur bezeugt. Diese verschiedenen Elemente stehen nun aber nicht, wie es im Gedichte des Pikatoros der Fall ist, lose neben einander, sondern sie sind in der Eigur des heutigen Volksglaubens zu einem einheitlichen Ganzen geworden, einer hochst plastischea, echt griechischen Figur, welche die stau-nenswerthe Assimilationskraft des hellenischen Geistes beweist. Wenn wir diese Figur zergliedern, so wird sich zeigen dass weit-aus der griisste ïheil dem ersten der drei genannten Elemente ange-hört; dazu werde ich zum Sehluss eine l 'bersicht geben von dem was die neugriechische Dichtung von Charos erziihlt, und den Stoff ordnen nach der Eintheilung welche ich oben andeutete.
I. Als Todesgott wohnt Charos in der Unterwelt, wovon die Vorstellung im heutigen Volksglauben nicht wesentlich von der antiken verschieden ist. Hier ist sein Wohnsitz, zu welchem eine Treppe hinabführt (Passow, n. 420 ff.); die Thore sind wohl verschlossen (vgl. 'A/Ss?? Ku'/.xpTyc), wer zu fliehen versucht, muss ihm die Schliissel (vgl. Pausan. V, 20, 3) heimlich weg-nehmen (Passow, n. 422, 423, 425). In seinem schrecklich aus-sehenden Zelte oder Thurme ') (Passow, 427, 435; ^Schmidt, Gr. Miirchen, n. 24) isst er Menschenfleisch 1) (Passow, n. 411,441; Schmidt, Gr. Miirchen, 26). Es wird auch ein Garten des Charos2)
Men denke hierbei an Dieteriohs Erkliirung des Wortes o-apxótpxyof (Ne-kyia, S. 52). — Die Erzahlung des menschenessenden Negers in der Unterwelt (Greek Folk Poesy, London 1897, II, S 277) ist wohl nur eine Variante zu dei-Mythe des {j-cevfoi; Xxfc;.
Man vgl. Dieterich, Nekyia S. 20 ff., und was Simrock (Deutsche Mythol. S. 433) von dem Rosengarten des deutschen Zwergkönigs Laurin erziihlt, der
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erwiihnt, worin die Menschen als Biiume gepHanzt siud (Passow, 434, 435; Kind, Anth. (1861), S. 69; Schmidt, Gr. Marchen, n. 23); ein Jüngling wird in einem andern Gedichte (Greek Folk Poesy I, S. 54) von Charos, der erst selbst pflugte, gezwungen seinen Acker zu bestellen '). Auf Zakynthos findet sich die Vor-stellung dass in dem Reiche des Charos Lichter brennen, deren jedes ein Mtmschenleben darstellt und dessen Erlüschen den Tod des betreffenien Menschen zur Folge hat ~).
Der grausame Todesgott holt sich selbst seine Beute, und wer jung und übermüthig ist greift er am ersten an. So die junge Frau, welche Charos nicht fürchtet und sich auf ihren Reich-thum, ihren Mann und ihro Brüder verliisst (Passow, n. 413, 414, 415, 416, 417; Aravantinos, n. 472; Sakell, n. 58), oder den jungen Hirten, dessen stolzer Gang ihn herausibrdert (Passow, n. 426, 429, 431, 432). Gerade die Miidchen welche schim sind trifft er am meisten (Aravantinos, S. 308; dist. 108); er er-scheint bei einem fröhlichen Gelage und nimmt den besten, den Sohn einer Wittwe mit (Schmidt, Gr. Miirchen, n. 20; vgl. Jeannarakis, n. 121, 276, und Legrand, Ree. d. Chans, pop. n. 88). Oft verweigert der starke, junge Mann „ohne Krankheit und ohne Anlassquot; seine Seele ihm zu geben; er fordert ihn zum Ringkampf auf (Passow, n. 426, 427, 429), oder zu einem Wett-springen (Kanellak. n. 35, 78; Schmidt, Gr. Marchen, n. 20) und in beiden bleibt Charos Sieger, er packt seinen Gegner bei den Haaren und schleift ihn fort. Wo seine Kraft nicht ausreicht, wie nach zwei Versionen es im Kampte mit dem starken Held Digenis der Fall ist, greift er zu einer List: er verwandelt sich in einen Vogel (Sakell. n. 6) oder lichtet dem Gegner das Bein (Jeannarakis, n. 276). Wo er Mitleid zeigt ist es nur um ein neues Opfer zu gewinnen (Schmidt, Gr. Miirchen, n. 39). Um seine Zwecke zu erreichen scheut er überhaupt keinen Be-
naoli ihm ein untenveltlichor Gott ist; doch ist dort nicht die Kede von Menaohen welche die Pflanzon dos Gartens sind,
1) Auf einer ahnlichen Vorstellnng beruht wohl die Kedensart: vtfö ro-/ Xsépcv y.cvpxt.eT, d. i. er steht im Dienste des Charos (Schmidt, Volkslebeu. S. '230).
2) Schmidt, Volksleben, S. 'iifi, der nach Grimm, Deutsche Myth. S. 812 11'. ver we ist.
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trug (Sakell. 57). Wir eahen oben dass die Idee eines Ring-kampfes rait dem Todesgotte auch der mittelgriechischen Poesie nicht fremd ist, und es ist wahrscheinlich dass hier eine unun-terbrochene Tradition im Volke fortlebte, die im Alterthuin durch die Alkestissage und die homerische Überlieferung des von He-rakles durch einen Pfeilschluss verwundeten Hades vertreten ist'). Lebende wagen es bisweilen in die Unterwelt zu dringen, doch wie stark sie auch sein mügen, sie bleiben schliesslich in der Macht des Charos; so der Held Zachos (Passow, n. 433) auf dessen ersten Anblick der Todesgott sich verbarg1). Vereinzelt komiut es vor dass es gelingt dem Charos seine Beute zu ent-reissen (Aravantinos, n. 456).
II. Sehr gewöhnlich ist aber die Vorstellung dass Charos handelt als Diener Gottes; in vielen Liedern sagt er dass Gott ihn gesandt hat um die Seelen der Menschen zu holen (Passow, n. 426, 427, 429, 435). Ich kenne nur eine Stelle wo von einem Antagonismus zwischen ihm und einer himmlischen Macht die Rede ist; es ist in einem Liede bei Passow (n. 272) wo es von einem sterbenden Kleften heisst (v. 7): tov Ispv -/j Uxv-
xyix, ttIpw tov Sspvquot; b Xapoz. Im Ringkampfe mit Digenis (Sakell. n. 6, v. 43 ff.) wird er von diesem überwunden, doch „es konimt eine Stimme von Gott und von den Erzengeln: nicht habe ich dich gesandt, Charontas, zu ringen, sondern ich habe dich gesandt mir Seelen zu holen.quot; Es gab eine Zeit, erziihlt man auf Lesbos (Schmidt, Gr. Marchen, S. 132), dass Charos die Wei-nenden hürte; um ihn dafiir zu strafen hat Gott ihn taub, blind und lahm gemacht. Es ist dies wohl eine iitiologische Mythe zur Erkliirung von Redensarten wie: o Xdpo: shxi xovCpó?, o Xxpoc Ih xxovsi und dergleichen, welche natürlich ursprïmglich die Uner-bittlichkeit des Todes kennzeichneten.
Obgleich er nun im Auftrage Gottes handelt, ist doch ia dei-echten Volkspoesie keine Spur zu bemerken von der milden Ge-
Vgl. Servius ad Verg. A.eii. VI, v. 39'2: Leotum est in Orpheo, quod quando Hercules ad inferos descendit, Charon territus eum statim suscepit, ob (|uam rem anno iutegro in compedibus fuit.
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sinnung welche ihn bei Pikatoros kennzeichnet. Die christlichen Ideoen haben den eigentlichen Charakter Charos nicht modificirt. Höchstwahrscheinlich ist der Ausdruck dass Charos #wie ein Dieb komniequot;, sowie die sehr unbestimmte Personlichkeit von Charos' Sohne, dem Einfluss der Bibelspraehe zuzuschreibeu.
III. Die Einwirkung der abendlandischen Cultur brauchen wir nach dem vorhergehenden nicht niiher zu betrachten. Ihr verdankt die Figur einige Eigenthümlichkeiten in der Vorstellung, namentlich dass sie oft reitend und als pfeilschiessender Jiiger gedacht wird.
Die nachstehenden Beilagen verdanke ich an erster Stelle der Liebenswürdigkeit meiner pariser Freunde Herren Legrand, Per-not und Psichari. Herr Legrand machte mich auf die zwei Al-phabete aufmerksam; eine sehr genaue Kopie der betreffenden Bogen aus dem pariser Codex verdanke ich Herrn Pernot, wiih-rend die Verwaltung der tübinger Universitiitsbibliothek die Güte hatte mir auf' einige Zeit den seltenen venezianer Druck nach Leiden zu senden, zum Grebrauche auf der hiesigen Bibliothek. Das kleine, auch sprachlich interessante, Gedicht aus Chios schenkte mir Herr Psichari, der mich auch durch mannigfache Winke bei der Redaction der beiden andern Stücke an sich ver-pflichtet hat.
Leiden, im August 1897.
BEIL1GE I. (s. o. S. 42 f.).
a/iacyo? KCLTX XhCpxfiviTOV XvQpUTTOU y.Xl tov Xxpou ').
Karx xXlt;pi^v,Tov xvöpccKov y.x) rov Xxpov.
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OTTOU Ó Xxpoc X XVÖpUTTO'; tTTSKCUV y.x) ÏSVTTSVTXPOU. Xrxups ftou, ttoü '(Trxupuöyxsv ó XuTpmyc roïi xóritov, Tyv upxv TOÏI êxvxriH) ftOU Xq slvXl (Sfl/jtfJ? [/.OV. 5. Hrx-jps, to tsXoc sQtlxvs vx Kxyco trrviv cious.eix [tov,
y.x) xpx^co ts xrri kxpiïixg vxtxi (So'Jiêsix (/.ou. quot;AvQpuTroi;. quot;AvêpuTrog eiftxi, Xxpovrx, y.x) asJtrxi xuvyyxpy:, y.quot; xxJ^y, vso; fiphy.Oftxr ~ü: gt;j?.Ó£: vx ps Trxpyi;; ó Xxpo:. quot;AvQpanroc shxi i/.y/jfjx xxo fcflü TrKx^piho:, 10. y.x yïc sifixt TrsfMrecfisvoc, x' £T5■, ely.xi ccpivpèvoc.
quot;Av. Wxpo? sU tcïito Sfy f%£(-r, Xxpovrx, ftoKoya ro,
sxslvot; Óttoü 't sgtsiKs Tipiü xx) Trpoiry.uyü to. ó X. Uxpo: sVu Trxpyc, xx) vx (j.s yxTxyvuiy:,
yixt stg vjv 'opitxi/.svo to Zpso'i; (rov vx irKepueyi;. 15. quot;Av. YsXxtrs, Xxpo, ps %xpx, piviv y'/Js: xypiuftévoc,
to ti xxxo gov CXXPLX x evpéiyc Ovpapisvo:; 'o X, FfAw, óxpü ts, xxipojixi, yhuxix %?Jx v xuTyTou,
vtto ÖSOV TTSpLTrXftSVOS VX TTXpU Tij \pUX'j IJ0V-
quot;Av. Avvx,u-/iv excl? 6xu,u,xlt;jTqv, Vsv ^piTropöó vx (pvyu, 20. fio'vo ZyTÖi (rou xxpnx vx [jS xTTOfielvy: Kiyo.
1) Venedig 1586, 8\
1, vaiypoixqrerou. 2. xeperTrovrapov. 4. surivt, 5. hovhicc. 6. vx tz PoyQvjx, 7. Hips. Tva-e. 8. Ppfaxops. 9. gt;}ts. 10. xertyps. 11. $éve%vis. [Mohcyuro. 12. (tÉtti^s. Trpotncvvu TM. 13. (U.y^6(Z Trxpyt, y.xTxyvunc, 14. xpsiaroo. ■ntepüm:. 15. xypiOfxévoQ. 16. y.xxiï. x.x) (Bpéöyg ótffzofzevog. 17. Qopu, xx/pupxi. lt;rxvryilt;rov. 18. rvj 20. ^vjto. [/.x Troayvys Ktyw.
57
b X. Asv vuiTTopa als/.Qxy.t ftou, vx (oX7TXXTamp; * uutotov
yixri tx xpóvix '(TxQyaxv x.' to Tsp/asvó tou.
quot;Av. quot;E%iy txi'Six, y.iip XcipovTX, quot;Sikouc tïóv [a xvxfiévcu
xx) TTOÜ T xCpVIVU X SpXOpXl /J.STX 701) (TXV TOU ^SVOil.
25. 3 X. quot;E%f(C Trxtèlx, '/.UTTXTXl TX, Xft £771 pl^Sl fi VOfiOi to truc vx Sciffv;? Oxvxtsv, x' êyxftxi xï.ypovópioc. quot;Av. Zvyixse, Xxpo, x exxps, xpvvxamp;i yix vx irxpyc,
xx) (SiÓtixov xpidpyrov, x' l^kvx y-s nxp-/,:.
o X. 7,'jyi xpxTÜ tto xspi ftou Tij: êtewosuvyc, 30. yix vx 'CvyizTx rxxxfts: xx) ttXio vx pcsv iropteiv^:.
quot;Av. quot;Ivtx ^sv'Spov s'jpifxofixi xx) ösg vx us Tpvy/iiryc,
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35. quot;Av. amp;sov tov 'opitrpiov [ixzrx: xx) -/i •■puxv
XX/.X X SÏU ÓpfcxflSVOV, fix VlXQs: (TXV TOV XK£$Ty\.
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o X. ^Htov %x?,o yix '/.iyou vov xx) }.sy£i: vx v xCpirru
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XI 0X' xx) x/.x): -JTTXPXOVTX, XVTTXTXl Tij TVJ.
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21. txvtqvov. repizevórov. 23. izxvx[jiévov, 24. raeQvvco. 25. hvrxes. scizérfy ptfy. 26. TTUS. laxTVi. xeyupe. 27. rxpy;. 29. tyyv. xépy. 30. TA^ov^evTro/zn^j. 31. jfvra. i(2p/(ty.u(x2i. nstpiyvirec^. 32. (zaetyfaeic;. 33. yrtyvize. xfau. 34. tv-, tpvxv-35. fixTTcéc. 36. xeivop^ufxevov (xs y.Kéföy. 37. xxpivxi. y.ovfyxpy,. 38. èévive, Ty.i/,. 39. itov. Tryasis, 40. y.x: (xévx. (zx$'jlt;reis. 41. itov. y.xhü. yixKKÓyov trov, vxrx$jlt;ru. 42. xKéo^, noifau. 43. aXéco, dépvope. Trépvy; Trpófzx. 44.
yhóyopx tto. 45. (/.srxvóya-xi vxve. rï, '^vx^^ou. 46. xAe'v. ^vttuts, 48. Tepvys, 49. Avrpoa-yv. Qpétpy.
58
50. y.x/.x y.i aOiftxtré tovs, irirru Sèv trt trrpscpei.
quot;Av. Mxxxpi vxrov, Xxpovrx, vx ftyv six* ttxi'Sxxix
xxï.xpxovpov [ASTX XxP^r, [ASTX ITOÜ ftS XX1/XXIX.
h X. Wxy.xpi vxro [/.TTopsro y.x) arpJiTX ~cv vx ^ttoIxx vx Tripvx xtto gt;jyov (isu, £7u} (7cu vx 7 xtpijxx.
55. quot;Av. Ni: tc vx ^arpxQy,: 7tov ösóv, Qipei yix vx to ttoTxs vx toZ its;' vssz (oplrxopxi, xvtux't vx ;jS x^y.s.
5 X. NJè Tov Xsysi: vx 'vrpxtyxx, vx tcjtx véoc si'sxi,
sxsïvoc tjeupei tx xpurrrx, yivxTxsi hrx eiaxi.
quot;Av. Hsvpsic y.xXx, y.vp Xxpsvrx, ttov [txg vx xxTrnxpys 60. xx) hrx (TTpxrx xxfivxfisv, y.x) ttoïi ttx: vx fit Trxpy:;
i X. Hfy/jca tc xx) yvwpi^x to xx) Qsvx a' xfii^xpu,
OfiTTpO: TOV TTXVTOy.pXTOpX ÖSVX 76 TrpS^SVTXpU.
quot;Av. ''li Mixxtj/. xpxxyys/.s xx) 7rpó0TX7s 'c èpévx xx) 7rXpX7TX70U Tijc \pu%ijz ■y/.UXIX TXTTSlVayAvX.
65. o X. 'O Mixxii?. xpxxyys/.o: hxi 7VVTpoCLix7itêvoc,
IJ.' if/jvx TTXVTX (3pl7X£TXl X STtquot; Sl^Xl api7^SV0g. quot;Av. UXVXXPXVTS TOÏ! O'jpXVOll, Xx?p£ XxpiTUfiSVij,
70v TTXPX^ISCC TVIV •■pvxw d/XXpTX,USVgt;J.
o X. HxpxxxXavTxi; (ipi7xsTXi, xsvxi •yovxT^ftsv/i, 70. Six s?.ov: tov; xftxprccXoh: ottouvs QxTrTir/tsyoi.
quot;Av, Vs'/.é'èio Vsv s-jpky.etxi, Xxpo, vx '/.v^[iovv^y,:,
vx tvxc vxupq: xvvfMropov; x s;jAvx vx xCpfayg; 5 X. Vsv svphxsTxi, ciS' êju.TTopü vx miiru,
vx TTxyca sis xvyif/.Tropou; x £7£vx vx 7' xQfau. 75. quot; Av. 'ZxpxvT xyioi (IouOxts faov, vx Cpuya xtto to Xxpo xx) vx/au vx y.SlTOUpyvda) xx) txfix vx 7xs Tfxpw. a X. quot;ZxpxvT xyiou; xx) xvsxpxtss, (is kóQo vx y-jpsv/,:,
tsc XsiTOvpyisc 7q-j x^siz tss, ijlx [jAvx Vsv [ts Cpsuyeic. quot;Av. Tgt;ji/ luvx^'/jv jAou 'vyjpe: tjj, Xxpo, xx) Kxpxdspvco, 80. xx) y, xx pi tx Aiyo-pvx?) ftiyx fiovvxpi (Mrxivu.
50. xcti iiipXTS rev. rrpeipq. 51. vz tov. iixz. 53. va TOf/TOffrö. z-j*x. 54. iauvov. 55. Qjuifirei. 56. fiffaxópt. 57. tovttx. ijs-f. 58. zfvft. i(vra. jis-e. 59. Sefyt;. 6Ü. Vt/TX. ■xxpi;. 61. rxfivtyfu. 60. pfJzxtTxi. xxiTfype. 69. 7txfxxx\WTXi (3pfax£TX/. 71. efipr^KSTXl XXpU' 72. yx TTXVXppÓ!:, 73. T;Vw. 74. XVVItTOpOVt. y.x! tré/x vz rx$r,?u. 75. JJzpw. 76. MiTcupyuiia. 78. ruif kciTOvpyïn; ^avifrf;. pov tyüyyi. 79. Trupsirrq. %Kfw. TrxpxSepvo. 80. ^ouvxpi^vivo.
■
59
ó X. Txtpos s'jpirxsTXi tzvor/.Ts? to traftx \gt;x TO
xxi TViV ipuzvquot; ttcuï oupxvoh: vx irxpa vx (puhxëco, quot;Av. quot;Ivtx xxxo lt;jó\j ex.x[ix xx) 6évx [ju quot;ho^tyyc
[as r/iv ctxÏtx Tijc TTfiixixs, yix VX [AS ^okoêpstpys-85. ó X. quot;Ivtx 'xsl Ó XÓTptOS 'o Tixpó:, «.vdpUTTS, XI XyXTlCf.: tcv;
XXI (Til XU 'é/.êtfï [/.ST èfts TTXpXVTX gt;.7,17 (/.Ol/xq TOV. quot;Av. QxivsTxl [/.ov, xup XscpovTX, vx [jlsv TOv hyia-fx.ovfaa,
yiXT ex® Tkxv xvyMxx, kvTroïi^xt vx t xQ-jtru. ó X. lt;Xgt;zbsTxl [too x sxóvTs-ps •/! !cpx xx) xx/.ouQx [IX?, 90. xx) ó xxipo: hlituvs vx 7rx'j,s itt-/, Sou/.eix [/.xc.
quot;Av. Xpime ptov) xx) v xirópsivs? TpsT? ups; yix vx amp;lt;rco,
VX \pspa TOV ^XyOpSVTiJ TX7rX VX X0IVUVV!7Ü3.
5 X. Xpsixamp;pisvov sïiphxsTxi xi x[j.s youpyx vx 'èpxu.yg,
xx) TTÜ: ÖSV :Jl70'J STOlpLOZ stovto vx to xx[xy:; 95. quot;Av. •Vsfj.xTivoc sjpifxo^ou x' sy:c Isv tou söxppov
■züz ösvx ^cccüi IIxvxtov xx) vx lt;)oóm toïi Xxpsv.
0 X. '■VsfjLXTtVX TTSipxZo-JTOV, TTOV XOT^OV 0T S~o]x.S:,
[/.STX [Jt,XC SSV TX TTXipVOpS. 0).0 Xx[4,x) T x$ïjx£?.
quot;Av. ~£1 JcsVfif, xQvtvx lt;rou vyix xx) r/j xpuz^v Si§.v TJf, 100. vx TTxy/i vx ■jTTOxkiêij si: tv) y?.uxsix Ösots, .
~n TTXVXyiX ÓSTTTOIVX, STTl h[J,0/.0yiï (TS,
xx) toïi Qsoö [t'/jTspx rrs Tipiü xx) Trporxvvü 7s.
tsï.o:.
quot;EtSI T5J XTTO Tvj? SV lt;7X0X1 OIXOVO[lix; TOV XUpiOV xx) ÓSOV XX) (7UTij-
po: viiawv 'l'/jirov: Xplarou. xp7r~\
83. UVTX xjèxiï, 84. TUrTX, Trpciicuxc. 85. VT'y./Ji. 86. zvéhyc, 87. hyrno-jvrbl, 88. lai^y.x. ai/ttoü^e. ui?.oiix vor dem Eaclitioon hat sioh ein Nebenton ent-wiokelt, ■vvelcher, wie in v. 99 (J/Ja tij), der starkere geworden ist. 90. «fc; ëTvnotre. 7Tv.iJ.e ry oov?.:x. 92. Sxyopevry ttxttx. 98. XP£l3e^ljtevov'
94. sViffto;. 95. sjpinconov. l'jy.fpov. 96. /xéA/e; v* hiirw. 97. •Vil-LZT-f/x rrvfx^ov tcv. iviy-s;. 98. Tréfvope. Txpvxe;. 99. x^vva. rv- Si'Sui ti. 100. Kxyei. vz-axhyij. 101. 'érfy.
60
B E I L A G E II. (s. o. S. 43).
Cod. Par. Suppl. Gr. 680.
Pol. 69 r0.
'ESw quot;èixXs-ysrxi ct Xxpcg fis tov xvópuTrov.
quot;ApxwTSS xypix-Ji^xTS hxtekw tov Xxpsu
0 Xxpo: f/,S TOV XVÓpilTTOV (TTSKOUV Kx) y.OVTpX7TXpOUV.
o X. 'ZTXvps, fioyOx yX'/iyopx toutov to vsov vx Trxpcc
yix vx (nsy.M upx irs/./.vj xvrov x.t) KevTpxvTxpu. 5. 5 quot;Av. quot;ZTXvps, (oo'/jöyjë y.xpt vx [tyv amp; nxpy o Xxpoc,
xtts vx joctu tijv ylx vx [/,■/! v 'éxy ftxpo:.
o X. quot;Axxipx sïv tx ï-óyix gov y.i xxjtx óttov Xoyixamp;t?,
yixt 'éirpstts kporjtspx xvto. vx aoyxpyix^yc.
quot;Av. 'Ay.üij.x Viv v xttxvtsxx yixt viftouv 7ro?./.x véo?'
10. amp;tgt;] vsótv ftou iiriirTOfAOiiv, ,ux ycifiovv yO.xzy.tvoz. 'o X. lixpoz ftyv l=xit? zts yJ, xxi lt;tu y.x/.x ' ^(vpég tg
■kmt si ij.xi y.KsQTy : y.i xttcvo:, y.x/.x sy.xTsxh Ti.
quot;Av. lixpu TrpxyfAX païj CpxlvsTxi yixz ypiovv Trx/J.yzxpi,
•/ sJttx •/ syx, (Trx yspxTix Qs; spOys vx fis Trxpqc. fol. 69 v.quot;]
15. c X. Fixt'i vx fix^yc, xvÓpuTrs, xutxvx sis tov voXtv aou xx) §£!/ syupiZs: vx tou: trvvop/ixikov: irou;
quot;Av. Fix tojto as Trxpxxxhu, XipovTX, xQws /zf,
VX TTXya VX STOt/AXTTCÓ, [ASTSTTSIT STTXpS [AS.
Anm. Wenn ein Proparoxytonon von einetn enolitischen Worte gclolgt wird, steht in der Handschrift immer nur der Accent auf der letzton Sylbe. So hxzTsxh T0 (v- '12), aiptia-é ne (v. 17), iTrxfé pi (v. 18), ixx^x ro (v. 55) Der Grund dieser Erscheinung ist, dass in solohen Fallen der zweite Accent der starkere ist (vgl. Pernot, Griamru, grecque moderne. Paris 1897, S. 30).
1. xypyy.iitzte. 3. {Söttix yï.tyo'rv.. tovióv, Trxpo. 4. ytxvxfii a-réico. ttoAk. 5. f3G'-Qyre, 6. corf. a-aiTO. 'éxei. 7. ijv. Aoytxfy;. 8. yixry., 9. vew,. 10. [ixyópouv,
11, 'éx^'i. 12. TTO,- tfne xhéuTri;. 13. fixpt. SuxTvjunv Ttx^xy.}^. 14, xijTa. 'ÉpSitj. VÓfm. 15. yiXTT,. fixfy:. XUT'MX. yt/VO/ZljAiXOI/S-Cl/.
61
s x. Ah ttsxstxi roï/t!) rrs fts vx tryi; t/ vx lt;t' xtpyiw, 20. [tóvov xslvov ttoü ft ïttsi/.s to öè/.yftx vx ttoiitu.
quot;Av. aèvtpo vsov sjphy.c.uxi %up)c y.xpirov xxi/èvx'
ti ypOs:, xxpovtx. ?.onrov vx ttxpy; xtto f/Jvx:
ó X. 'E/w v.xp~ov tsv xpsixzoftxi, to 'èsvrpo êsXcc ftévo, oti xvxtirü to vuppiZx, (Try, fixiipyj ■yij; to xamp;vm. 25. quot;Av. 'Etu §fy toxsi: tIttotx, ^svpu) to 'o y.xvftévoc,
pt,x yu Ssv yxxftx y.apTrov y.x) trxyai èy.sï y.x) ftêvw; 5 X. Z« s'lvouv y.x) èh vjy.ovs: '/.iyix tüv i-xyopxpuv
ttov a xsyxv yivou stoi!/.o: y.i xi;x$vx spx^ ó Xxpoc. quot;Av. 'Louv, yixt xuto rcü amp;ta, vx ttx vx [/.erxvoiaau 30. tx y.pIfiXTX 'otrcuxftx y.x) tvjv 'JsVXW vx tutco.
o x. quot;httpstré ecu trpotvitspx xvtx %x vx kcyixtyc,
[j.x Tupx Sf!/ eïv ttï.ix xxipo: xi/Tx vx quot;Av. quot;HÖ£?.x vxtov ftTTopsrh rpsTs ftéps: vx
vx aiczu te; quot;èiuKsls: ftou y.i xtvsvm vx quot;/vpify:, 35. o x, QxvxTUfiévoc fiphxsaxi y.i xzoftx oiv pi,triïte-j£i:,
xpt,s toïi kóffiov ts: Sou?.£iès xxfarxi xx) yupsusis-, fol. 70 r0.
quot;Av. qxvxtcv xxtx ttm: óupü jSouï.siyxi vx ftoü ^cct/iq,
xi xzo tov xófftov tic qpovtsc (tsksis vx pis yhutciay:. ó X. quot;Ivtx 'xel '0 xaTfto: 'o Trixpó:, xvópanros, xi ayz—x: tov 40. xftv txv spóys [j-stx pis yX-jyopx y.'/^ftovxc tov.
quot;Av. EJxx irxtèix, xxpovtx, cbi'/.cv: ■/lysnrypt.svov:,
*x yiis/.x vx ft xtpvjvsc vx tov; xvTXftcoTcc tov? xxyftèvo'j; o X. Kxkx hpiKsic, xvöpcoTre, ftx y:cftxi TrsTTXhftévog
xx) ysv ftzopü vx xxftu xKKsx; yixT sïftxi épiefthoc. 45. quot;Av. Kxfts ftou /.iyo TÉpftsvo, xvp XcipovTX, èftsvx,
vx Kxpxyysihu tüv trxihiuv vxvs xpft^vsftévx.
18. izerétcita. 19. vutyji ty,. 20. [zóvuv, tryrco, 21. vsmv. x0peii kxpxuv. 23. y.ZpTTÜV, XpiC/XcaiZS. (XÓVOJ. 24. aCVCCa-7rÓT0 r/pt^O' XÓVU. 25. Ty,7rOTX. KOCtlMSVU^, 2(i. KOCpTTCüV, ski kzllxsvo. 27. slftovv. 28. ttovarhéyocv. 29. '(ovq. %êlTÓ. (j.s-rstviótru. 30. ÓTOxa/za. 32. [xxrópx èevfv, xepóf. 33. vtkrov. (zspxi^. [zx (p-r^st^. 34. tx^s èovhïxii KixTréy.si. yvpy.eyic. 35. óxsxToizévci fiptfy.evxi. /ztvjot£|3^5. 36 rxls ècvhixÏQ. 37. XJXTOv. Qopo. ixovdcvryc. 38. rxl^ fypcvrxic. yA/roV^j. 39. vTy.xst, éTrvjicpós. KixyxTrxTTOv, 40. yhvycopx. 41. /%^. lt;prt\OVC. 43. KCthhOC Ópvjfyf, ftxyópx. 7relt;rtx?./4svcc. 44. [ztropó. x^ioq Btxrij ópiilt;r[zévoc. 45. kt iyo. 46. trxpxyyiko tov
77£$101/. vc*ve XplWS[Z6VX.
62
o X. AlfiTTipx nx) y.x/.x xxprtoL sxouv zi xs tx Qcopoda-i,
y.i xg y.x^vv on Key om i {j.vtv jj-zx y.x) ys/.XTToLci. quot;Av. Acyxpi £X:c TrspiGiro x' sirxps orro ÖsKai:
50. xi xQyz [té, lt;7f TTxpxy.xhci, xhp Kxpovrx, vx 'opity:.
'o X. ^Slx?.x[y.x Sfv xpsixZoitxi, [tóvov 4/'JZ^r xvöpxTroiv vx Tsc irxyxhu y.xöe ftix gjov shixóv tjj? tottov.
quot;Av. mf yspovTX mx 'jC s/./.x'O; vxtovs y.xvTOTxpy,g-Sf v %tov !jt,TTopsZxi*.£vo èy.slï/o vx tov Trxpyi:; 55. 5 X. kxtovs ij.ttopstx[j.s'jc, xxjtjj-jo sy.x'vjx to,
pt,x Sfv piTTcpü, yixri -j ccpx itov o}:/, èy.xrsfiy, xxtu. quot;Av. NoTxpio xpeixZopcxi vx ypx^u tx y.xgt;.x [zov,
vxQyiva s]c tsc sxx?.y^i£? yjvxïxx xx) ttxi^ix ftcv. 3 X. Bxpyoüpxi, quot;hsv slv' ttxix xxipès vx scxfivy? Sixflyxtc,
60. Tl' CTTOÜ ÖXVXTOU TSi TT/.V^/l: XXÖoKlXX èftTTÏjxS:. quot;Av. SlTTTrxZoftXl VX TE öupü TTCÓ- SpXSUXl XOVTX ftOV
VlsTps xx) Vlxj/.s, póyöx [/.ou vx cpiiyy x7ro[JL7rpovTX f/.cv. o X. quot;0%; 3 Xlhps: (tovxxb: 'j-x oi Ixhey.x. ttostoy.oi
ysv -/jfiTTopovv 'tttx xéptx ;j,cu vx ai yy.vTccrrcuv o/.oi. 65. quot;Av. quot;OA' [tov xófftou] oi xyioi (SovqQxrs ftou vx yï.mu xtto to Xxpo xx) vxpócc vx ?.£iT0upy/i(lü xx) tx:j.x vx tx: Trxpu. 'o X. Wy.oïncv vx six*? ~spiTT0 TTxpx. Ty: \\x(ivgt;.ccvy,c:
xx) Xsncupyüc vx (scotsz, tto (j.svx eisv y/.urxvu:. quot;Av. Wxpxy.XAX lt;Te, XxpovTX, xipyjiré /te z.iyxxi, 70. vx xpxi;üi tov 7rveu,uxTixó, *vx toïi ftihyrru 'èxf/.xxt.
o X. Pe/tévTio Sèv eupitrxerxi, [/.óvo vx ttx; ttcv xèq,
Hixt! y.xvTy,/.x;, xvépuire, Vev exsl k'/Jov ).xoi. quot;Av. PepcévTio xxfte e]g èpé, Xxpo, Trxpxxx/.ü rre,
xx) Tpslc yfiépez tv,v zuyv [jlovcv suavx 5:c5quot;f. 75. 'o X. ILuvoure o'i TrxpxxxXeve: tI ypós xxipi: vx Soctv;;
47. ivixrepx. xa:AA«. Qojpoüo-i, 48. y.zythxrrtovm. 49. hoyy.py e%o trepyo-ó. otcü öiAifc. 50. vopyryc. 51. xpix^coizau. (zóvov. ^vx^. 52. tamp;Tj vxysm, to'twv. 53. vonisKotfjêi. 54. ex/vo vaösv nxpy.:. 56. ^ 'ópxo-ov. xxto. 58. rxi^ htocAvetoui yvvéxoi. TTshccixov. 59. devyv. xépo;. hix^nxiq, 60. rxi^ irhyyxïi xxloXyy.x
61. ZvTxfyi/.xi. 62. fidiOxizov. fy/iyei. 63. o%e/. pioêtèoèsxx. 64. TTOixxipixnov, 65. oxei tcv xoV/zcw slxyel. 66. hirovpyibó. 67. Trepiró. (2x(2v]amp;óvsic. 68. Ae/-rovpyixiz. xxó. yhvróvfic, 69. xxpxy.xhÓTS. 70. (z^^Tca. 71. EvpvjrKSTXi ixuvo. xhy, 72. xAfftJv. 73. yrspé. 7rxpxxxhólt;r£. 74. rpvi ypépxu. 75. irJvovlt;re qTrxpxy.xterSi. ÓTypQe.
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gt;! ccpx y.x) to tspitsvo: to xp*0* vx vfoipctxtqs'
quot;av. 'zxpcivt ciytoi (sov/joizts [/,ou vx 'yhurai utto to xxps
y.x) yxpou vx }.enoxjp-/yfi:lt;i xx) tjcux vx ax: nxpn. 'o x. tsïjs xyious 'c/.cu- vxy.px'ce: [/.set) 'z- xurovs ttoü sjysic, 80. tx tx{/,xtx gov xxve'r tx, f/,x ftsvx Ssy f/.oü (psvysic.
quot;av. tccpx êjipai, y.iip xxpovtx, to toï-ou opcitvix^st:
y.x) tvff toinx tgt;jv ttiy.petx xtto t^v ö^y.^-j (3yx%si:. ó x. rhp0£v -/i ccpx, xvöpcctrs, èahx vx sa^'fvpca
y.x) l/x (toïi vrxpcc TV}!/ 'jjuxhv hi xttsy.sl vx f/,llt;7£\pu.
Fol. 71 rquot;.
85. quot;av. quot;ivtx sévtpov supiffxofixi n*jpöi; vx (j.l tpvy/ivys
■/.vipqss y.s rór/iv [axvitx y.x) lev dsc vx y.' xqfay,?. 'o X. lt;igt;tspx vx cpipasq vx ttstx:, syw s-' cc;j.o'/.xpx x vsv èotjéipa to y.opy.) y.x) riiv ^vx^v vx irxpcc, quot;av. (pépsts xvqpa-ov koi~ov vx pis ^spioaoy/ity, 90. xx) vx touttu tov koyivpdv vx ;j.s trxp'/iyopyivq.
'o X. xpstxxovysvo vjtov el; sirs, rpffcf yopyx vx ^pxpiy:
(/.xttpstts ttto ttpotvjtspx xvtvjvo vx ósv xxfiy?.
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xi xtto toü xxpou tov ttlxpov tx xh1* f*f y^g'/t.
95. ó x. •vd/.pixt xxovsiz xx) qcovsq y.x) (boy/jovs yvpsvsi:,
Ts pcu^yx voxouv xvoixtó y.i xxopix 2sv [a-zutsvsic ; quot;av. vvx'^f ï-oittov gtx tplpispx ttov txïpov s/.x (istto,
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BEILAGE III.
Lied aus Neuita (Chioa), mitgetheilt von Jean Psichari, dei-es hörte von einer Nonne, alt ungefiihr 49 Jahre, welche mit Ausnahme eines Aufenthalts von 3 Monaten in Constantinopel im Alter von 14 Jahren, nie die Insel verlassen hatte.
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Eine andere Version desselben Liedes ist herausgegebeo in der 'EAa. Sü;.A. (XIX, p. 198); sie stammt aus Nisyros und war mir nur zuganglich in der Übersetzung von Lucy M. J. Garnett (Greek Folk Poesy I, S. 83).
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